Menöausgabe ■iiMiiiii iiiiiibiii Ii mrnm—M— i Nr. 297» 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 149 Sezugsbedwgunzen und Snzeigenpr-il, sind in der Morgenau-qnb» angegeben «edaklioa: Sw. LS, Lindcnskrahe Z Zerusprecher: DSnhoff 202— 29S Xcl.'KOceffe:So]ial&emaftaf Beclia W Derlinev VolKsblÄtt 5 Goiöpfenmg 50 Mtlliaröen donnersteg 26. Juni 1924 Betlag and AuzelgenadtellaHAi GeschSitszeit 9-5 Uhr verliger. Borwar»»-Verlag Berit» SV». 6», Cindf ofltofl« 3 Zerusprecher: V0»h«U 2509.230* Zcntralorgan der Sozialdemokrat» fchen Partei Deutfchlands Vorbereitung der londoner Ronferenz London. ZS. Zuni.(WTV.) Die Einladungen zu der knieralliierten Konferenz ün Monat Zuli werden gegenwärtig vorbereitet. Die Dereinigten Staaten werden eingeladen iver- den. einen Vertreter in einer Eigenschaft zu entsenden, wie sie die amerikanische Regierung für angebracht hält. Japan wird wie bei früheren Gelegenheiten ebenfalls zur Teilnahme aufgefordert «verdien. Man hofft, daß Mussolini persönlich zur Konserenz kommen wird. Paris, 2(5. Zuni.(MTB.) Minifterpröfidenk herriot, der voigeftern mittag, wie bereits gemeldet, den französischen Bat- fchasler in Berlin, de Margerie, zu einer längereu Anter- redung über die politische Lage in Deutschland empfangen hat, empfing gegen abend den englischen Botschafter Lord Creme am Quai d'Orfay, mit dem er gleichfalls eine längere Bc- fprcchung hatte. Man dürfe annehmen, bemerkt„Peiit Parifien" dazu, daß von der Vorbereitung der Londoner Konferenz die Rede gewesen sei. Lptimistischcre Stimmung in Belgien. Paris, 2S. Juni.(EE.) Wie dem„Echo bc Paris" aus zuverlässiger Quelle aus Brüssel gemeldet wird, sieht man die Lage nicht mehr so pessimistisch an wie unnritlelbar nach der Abreise cherriots. Man bemerkt mit Befriedigung, daß die R e p a r a t i o n s- frage als erledigt betrachtet werden kann. Das belgische Kabinett begrüßt es, daß auf der Londoner Konfrenz nur die Sach- perstandigenberichte erörtert werden sollen. Immerhin fragt man ich in Brüssel, welche Garantien England in der S i ch e r u n g s- rage zu geben bereit fei, und ist der Ansicht, daß England sich christlich verpflichten werde, im Falle eines deutschen Angriffs pn die Seite der Alliierten zu treten. Mit Genugtuung verzeichnet man die Forsichritte in der Reparationsfrage und den Vorschlag, die Frage der Sicherheitsgarantien auf der Londoner Konferenz nicht zu erörtern. Tic Zltmosphärc hat sich geivandclt. Paris, 26. Juni.r Verhandlungen der Termin der Besprechung nicht früher hat angesetzt werden können. Die Fraktion glaubt aber nach den ihr cus Anfrage gewordenen Mutellunzen, daß trotz des späten Zeitpunktes der Besprechung ihr Wunsch, noch rechtzeitig vor der end- gültigen Stellungnohme der Regierung zur Militärkontrolle gehört zu werden, volle Berücksichtigung findet, daß also die deutsche Antwort auf d i e'M i lit ä r k o n t r o l l n o te n erst nach der Besprechung festgesetzt werden wird." Die Wirkung des deuffchnationalen Berlangens ist zu» Nächst eine Verzögerung der deutschen Antwort cuf die Kontrollnote Die Deutschnationale Rcichstaasfraktion keinonstriert vor dem Auslände. Die AnkündiguW ihrer Opposition in so prononcierter Form legt den Gedanken nahe, daß sie nach erfolgter Annahme der Kontrollnote die Aktiv- legitimation der Regierung zur Annahmeerklärung bestreiten will. Die Reichsregierung ist zur Antiahme der Rote ent- schloffen. Sie würde Deutschland unabsehbaren Schaden, zu- fügen, wenn sie sich durch das deutschnationale Manöver be- cinflusien ließe. Politisches Lockspitzeltum. Tie Berantwortnugslofigkeit der Nationalisten. Die„Deutsche Z e i t u n g" würde sich sehr wundern, wenn die Reichsregierung die Note über die Militarkonirolle ablehnen würde. Die Redaktion der„Deutschen Zeitung" weiß sehr gut. daß eine Ablehnung die größte Eselei wäre, die eine deutsche Regierung in dieser Situation begehen könnte, mehr als. eine Eielei sogar angesichts der außenpol:- tischen zwingenden Lage. Das Geschrei der„Deutschen Zei- tung" über„Kapitulation", über„offensichtliche Uebereinstim- mung mit deni Feinde" ist darunt von einer unübertreffbaren inneren Unehrlichkeit, eine erbärmliche Spekulation, die den Spekulanten entehrt. s Aber diese Spekulation nimmt gemeingesährliche Forinen an! Heute morgen schreibt die„Deutsche Zeitung":- „Wie Nun, wenn sich deutsche Männer finden sollten, die sich der Ausübung der Militärkontrolle gewalttätig widersetzen? Wie will die Reichsregierung die Kontrollorgane gegen einen 21 u s> b r 11 ch der V o l k s w u t schützen, der doch immerhin nicht ganz außerhalb der Möglichkeiten steht? Wäre es ntcht klüger, der Ententeregierung zu empfehlen, von der Kontroll« Abstand zu nehmen, unter Hinweis auf die ungeheuren Schwierig- keitcn diplomatischer und politischer Natur, die sich aus dem oben Angedeuteten ergeben könnten?" Die Schreibtischhelden der„Deutschen Zeitung" teizen zu Gewalttätigkeiten gegen die Kontrollkoinmisiion auf! Sie unterstellen eine„Volkswut", die sie künstlich zu machen gedenken mit Hilfe von einigen Dutzend politisch unreifen Jünglingen. Sie drohen mit der Sabotage der Politik der Reichsregierung. Das ist nicht nur nationale und politische Disziplinlosigkeit, sondern politisches Lockspitzeltum! Die Zwischenfälle, die die„Deutsche Zeitung" in so feiger, ver- antwortungsloser Weise hervorzurufen sich bemübt, können von den Ehauviitisten des Auslands nicht mit Gold auf- ztwogen werden! Und das spricht von nationaler.Ehre! Eme Betrachtung über daS Verhältnis zwischen Groß- sprecherci und persönlichem Mut. In dem Hymnus, den kürzlich die„DeutscheTages- z e i t u n g" zu Ehren der inte rnationalenReaktion anstimmte, galt der erste Vers, wie billig, Herrn Horthy. Der zweite war Herrn Mussolini gewidmet. Und dann hieß es weiter:„Kaum hatten unsere Demokraten ihre durch den Schreck etwas mitgenommene Bekleidung der unteren Extremi- täten wieder leidlich in Ordnung gebracht, da sagte in Spanien der General de Riveira der Demokratie ebenso heftige wie er- folgreiche Fehde an." Unsere Leser werden über die Ge- schmacklosigkeit der Ausdrucksweisc des agrarischen Blattes die Nase rümpfen. Sie mögen sich trösten. Es ist eine durch geistige Unzulänglichkeit und Mangel an Vornehmheit gerechtfertigte Eigentürnlichkeit der Erneuerer Deutschland, Allemal, wenn sie geistvoll sein wollen, aus das Gebiet des Stoff- Wechsels zu geraten. So hoben sie den Jsolierraum, der zum Schutze des Wahlgeheimnisses geschaffen wurde, Klosettraum, und die amtliche Urne, die dem gleichen Zwecke dient, Wahlnacht stuhl getaust. Nach dem in- samen Blausäureattentat aus Scheidemann hatte die edle „Deutsche Tageszeitung" den Mut, über das„Attentat mit der K l y st i e r s p r i tz e" zu höhnen. Geist- und geschmackloser als diese Bezeichnungen ist die Bemerkung über den Einfluß des Sieges der ungarischen und der italienischen Reaktion aus den Zustand der Beinkleider der deutschen Demokraten auch nicht.. Aber an Dummheit übertrifft sie alles, was die „Deutsche Tageszeitung" ihren geistig genügsamen Lesern je geboten hat: Denn der Hohn über den geringen Mut der Demokratie ruft Erinnerungen wach, die unsere Deutschnatio- nalen in ihrem Interesse zu verbannen suchen müßten, statt sie lebendig zu machen, die Erinnerung nämlich an dre grenzenlose, jämmerliche Feigheit, von der sie selbst in kritischen Zeiten deherrscht ge- wesen sin d. Niemals hat eine herrschende Klaffe, gegen die das Bolk sich erhob, so bereitwillig den Buckel hingehalten, um sich schlagen zu lassen, wie die Männer der deutschen Rechten im November 1918. Und ihre Erbärmlichkeit wirkte um so grotesker, als niemals vorher eine herrschende Klaffe übermütiger, srecher, provozierender aufgetreten war als sie. Als � das wilhelminische System zusammenbrach, ver- schwand mit ihm freiwillig die Konservative Partei von der Bildstäche. Die Sozialdemokratie hatte alle Stürme der Reaktion, die sie umbraust haben, überstanden. Niemals hat sie ihre Grundsätze und ihren Namen verleugnet. Die deutschen Konservativen aber zerrissen während des Unwetters ihr Pro- gramm und ihr Banner und ersetzten ihre bankerotte Firma durch den Namen„Deutschnationale Volkspartei". Und jedes- mal, wenn dieser Partei in der Nationalversammlung Sünden der Konservativen Partei vorgehalten wurden, erhoben ihre Redner den Einwand der mangelnden Passivlegitimntion. Mit mehr oder minder gut gespielter Entrüstung verwahrten sie sich dagegen, daß man sie mit der Verantwortung für Dinge belaste, die sich vor der Entstehung ihrer Partei ereignet hätten. Und mit der Konservativen Partei verschwanden ihre führenden Männer von der Bildsläche. Herr v. H« y d e- b r a ii d, Herr Kr et h, Herr W i l d g r u b e, Herr v. Liebe r t verloren jeden parlamentarischen Ehrgeiz. Herr Gras Westarp lehnte das ihm von zwei Wahlkreisen angebotene Mandat.zur Nationalversammlung ab. Er zog es vor, unter dem Schutz eines sozialoemokrätischen Geleitbriefes, den. er, wie einst die Stimmen der jüdischen Wähler des Meferitzer Kreises, erbettelt hatte, nach Westpreußen zu flüchten, um sein nur in seiner Vorstellung bedrohtes Leben zu retten. Uebrig blieben von den konservativen Abgeordneten der Fraktion des Kriegsreichstages nur untergeordnete Männer, wie der Ab- schriftsteller Schiele, Herr Dietrich, der später auf dem Präsidentenstiihle bewies, daß man nicht Ulan oder Bremser zu sein braucht, um sich eines dauerhaften Schlafes zu erfreuen. Herr Warmuth. deffen Ehe mit einer Jüdin dazu führte, daß ihm � feine Partei bei der letzten Reichstagswohl nicht wieder aufstellte und der.daraufhin entdeckte, daß er eigentlich zur Deutschen Volkspartei gehöre, Herr M a l k e w i tz, der sich von seiner sozialdemykratischen Vergangenheit her noch etwas Mut bewahrt zu haben scheint, Herr Dr. Rösicke und Herr v. Graefe. Die Führung der Fraktion aber über- nahmen die beiden alten Herren Graf Posadowsky und Delbrück. Der Dank der' Partei bestand darin, daß ihre Wahlkreise sich bei den Wahlen zum ersten Reichstag der Republik von ihnen trennten. Ein ehemaliger konservativer Führer erschien kurze- Zeit nach dem Zusammenbruch in der Reichstanzlei, um den Rat der Voltsbeauftragten seine schwärmensche Ergebenheit und die Treue seiner Heimatprovinz Ostpreußen zu versichern. Ihm persönlich werde, so fügte er hinzu, der Anschluß an das neue System um so leichter, als er niemals Royalist, sondern stets Vernv.nftsmönarchist gewesen sei. Wer mar der neugebackene Republikaner? Niemand anders als Herr Kapp. Die schmählichen Festungskapitulationen der preußischen Junker von 1806 fänden ihr Seitenstück in der deutschen Re- volution. Denn nichts anderes als eine erbärmliche Heber- gäbe war es. daß vom Kopfe der„Kreuz-Zeitung" das stolze „Mit Gott für König und Vaterland" und von dem der „Deutschen Tageszeitung" das Motto„Für Kaiser und Reich" verschwand. Keinerlei äußerer Zwang hat zu dieser Selbst- Verstümmelung geführt. Im November 1918 erschienen zwei von der Front heim- i gelehrte Zoldatea m d« NMttjWsräuM» her• s che n T a g esze�itu n g"� Sie verlangten den Grafen R e o e n t l o w zu sprechen� der damals noch Redakteur des Blattes war. Wahrfchetnliä) wollten sie ihm den Jank der Armee.für die hetzerischen Zeitungsartikel aussprechen, zu deren Abfassung ihm seine Maorömmlichkeit die nötige Muße gelassen hatte. Der ausgezeichnete Mann war bekanntlich, ebenso wie Herr W u l l e, niemals an der Front Herr Wulle wurde ihr, wenn wir recht unterrichtet sind, durch Plattfüße ferngehalten, die wohl ein Erbteil feiner jüdischen Großmutter sind. Der völkische Held sieht bekanntlich oben wie Siegfried, aber unten wie Isidor Cohn aus. Wie ganz anders wäre der K»e.q ausgegangen, wenn Reventlow und Wulle auf die Feinde hätten losschlagen können! Sie würden den Ruhm Simsons haben verblassen machen, dessen Äampfwpffe ihnen die gütige Natur auf den Lebensweg mttgegeben hat. Die beiden Besucher des Grafen Reventlow fanden den Weg zu dem Keller nicht, in dem er sein Heim aufgeschlagen hatte, und zogen unverrichteter Sache ab. Herr Dr R ö s i ck e setzte sich aber, obwohl jede Gefahr für seinen Gesinnungsgenossen geschwunden war, sofort an den Schreibtisch, berichtete dem Rate der Bolksbeauftragten über das Vorkommnis und bat um Schutz für die Zukunft. Der Jude R a t h e n a u, der genau wußte, daß sein Name dank den Hetzereien der deutsch- nationalen Presse und der deutschnationalen Redner auf der Proskriptionsliste völkischer Mordbanditen stand, hat im Gegensatz dazu bekanntlich jede polizeiliche Deckung abgelehnt. Die Mitglieder des Rotes der Wolksbeauftragten wurden auf Schritt und Tritt von Stützen des zusamtüengebrochenen Systems belästigt, die ihnen versicherten, daß sie von jeher ausgezeichnete Demokraten mit stark sozialistischem Einschlag gewesen seien. Man wurde an Metternich erinnert, der nach seiner Flucht vor der Revolution im Hause des alten Iuftinus Kerner in Rheinsberg erzählte, er sei im Grunde seines Herzens stets Demokrat und Republikaner gewesen und habe sich bei seiner Unterdrückungspolitik von dem Bestreben leiten lassen, die für eine gewaltsame Umwälzung nötige Re- . volutionierung der Köpfe vorzubereiten. Am 27. Januar 1919, dem ersten Geburtstag des ehe- maligen Kaisers nach der Revolution, wurde in ganz Berlin nicht eine einzige jchwarzweißrote Fahne sichtbar. Man konnte nicht wissen... Herr Henning sprach neulich ini Reichstage der So- zialdemokratie das Rech! ob, von der Ehre des Offi- z-erkorps zu sprechen. Wir kennen diese Töne. Die Ehre des Offizierkorps erforderte unter dem wilhelminischeit Regime die Vernichtung des Lebens eines jeden, der sich an der Uni- form eines Offiziers vergriff. Sie war der Sitz der Offiziers- ehre. Ein dummer Junge von Marinefähnrich. H ü s s e n e r in Essen, berief sich darauf, daß er seine schwere Soldatenpflicht erfüllt habe, indem er einen Jugendfreund niederschoß, der seinem Rock die ihm gebührende Achtung versagt hatte. Und der Leutnant v. B r ü s e w i tz erstach den. armen Mechaniker Siepmann in Karlsruhe,.der ihm bei einem Zusammenstoß eine leichte Tätlichkeit zugefügt hatte. Aber was war aus dieser Ehranschauung, die ein Kleidungsstück höher bewertete als ejn Menschenleben, im November 1918 geworden? Ge- sindel vom Schlage des kürzlich von den Nationalsozialisten in die bayerische Kammer gewählten Herrn A ß n e r, das damals den Kampf gegen den Militarismus führte, wie es ihn verstand, und das heute vor jeder Tresse auf dem Bauche liegt, machte sich einen Sport daraus. Offtzieren, wo es ihrer anfichtig wurde, die Achselstücke von den Schultern zu reißen. Und die Angegrifienen ließen es sich ruhig gefallein Keiner non ihnen hat den geringsten Versuch gemacht, seine Waffen zur Verteidigunq zu gebrauchen. Der Rock, der wertvoller war als das Leben jedes anderen, verlor seinen Wert, wenn er nur unter Gefährdung des eigenen Lebens geschützt werden konnte. Nicht alle Gesinnungsgenossen der„Deutschen Tages- zeitung" haben im Herbststurm von 1918 den Mut verloren. Nur war ihr Mut nicht immer fröhlich zu nennen. Wir denken da an den Grafen Oppersdorf, ehemals Hospi- tant der Deutschkonservativen Reichstagsfraktion, der sich an die Spitze der Agitation für die Losreißung Oberschlesiens von Deutschland, stellte, an Herrn G a i g a l a t, ehemals Hospitant der Deutschkonservativen Fraktion des Preußischen Abgeord- netenhauses, der für die Angliederung des Meinellandes an Litauen eintrat, an den ehemaligen deutschkonservativen Ab- geordneten in der sächsischen zweiten Kammer. Barth, der Reisen nach Prag und Paris unternahm, um die Entente zur Annexion der sächsischen und preußischen Wendei zu be- stimmen, an Heinz Orbis, den Führer der pfälzischen Sepa- ratiften, der bei der vorletzten Wahl zum bayerischen Landtag Kandidat der vereinigten deutschnationalen und deutschen Volkspartei war. Man sieht: ein nicht unerheblicher Teil der konservativen Führer, denen die Revolution den Mut zu akti- vem politischen Handeln nicht genommen hat, hat diesen Mut in landesverräterischer Weise betätigt. Damit war bei der Ohnmacht des zusammengebrochenen Reiches und der Stärke der Entente keine Gefahr verbunden. Die„Deutsche Tageszeitung" mag weiter die Tapferkeit der deutschen Republikaner anzweifeln. Der Ruf eines Mannes hängt nicht von der Einschätzung ab, die sein Charak- ter durch Feiglinge erfährt. Wir unsererseits haben, seitdem wir innegeworden sind, welches Mißverhältnis zwischen deutschnationaler Manneswürde und deutschnationalen Macht- ansprächen besteht, für die Zukunft der deutschen Demokratie kein» Besorgnisse. Das deutsche Volk wird sich durch das Löwenfell, das die Helden der Rechten jetzt wieder umzulegen belieben, nicht die Erinnerung daran rauben lasten, daß die Glieder, die dieses Fell deckt, einmal bedenklich ge- schlottert haben.. Sozialpolitik und Heamtengehalt. Abstimmungen im Reichstag. Der Reichstag wendete seinen Arbeitseifer am Donners- tag in einer schon vormittags 10 Uhr beginnenden Sitzung der Sozialpolitik zu. Nicht weniger als 45 Anträge der verschiedensten Parteien und eine sozialdemokratische Interpellation lagen vor.'Die Aussprache wurde eingeleitet von dem deuischnationalen Abgeordneten V e i d t, der Pfarrer an der Paulskirche in Frankfurt a. M. ist. Er verwechselte den Reichstag mit seiner evangelischen Gemeinde, denn das Kernstück seiner Rede war ein Bericht über den evangelischen Kirchentag. Im Geiste dieser Körperschaft richtete er P r e- d i g t e n gegen den Klassenkampf an die Kapita- listen und an die Arbeiter. Der ganze Geist seines Vortrages zeigte, daß er in die Probleme moderner Sozialpolitik noch nicht eingedrungen ist. Sind die Dcatschnationalen an praktischen Sozialpolitikern so arm, daß sie einen völkischen Geist- »lichen zu ihrem Wortführer machen müssen? Nach dieser Predigt kam ein deutscher Arbeiterführer, Ge- nosse Graßmann, zum Wort. Er begründete die sozial- demokratische Interpellation, die alle Ursachen der Wirtschasts- krise und Arbeitslosigkeit aufzeigt, die auch die Fragen der Arbeitszeit, der Preisbildung und der Löhne behandelt. Graß- mann beschränkte sich nicht auf hochtönende Redensarten, son- dern zog zahlenmäßig gestützte Vergleiche zwischen Arbeitszeit und Löhnen in den angelsächsi- fch e n Ländern aufdereinen und Deutschland auf der anderen Seite. Die viel kürzeren Arbeits- zeiten und fast doppelt so hohen Löhne drüben im Verhältnis zu uns und die dennoch höhere Leistungsfähigkeit der angelsächsiscben Industrie auf den internationalen Märkten widerlegen die Theorie, daß Deutschland nur durch Verlange- rung dev Aröeikszeit und Abbau der Löhne vorwärts kommen würde. Die Kommunisten tobten gemeinsam mit den D e u t sch v ö l.k.i s ch e n gegen unseren Redner, als er den Achtstundentag und die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag verlangte. Völkische und Kommunisten schrien wie aus einem Munde, daß erst, die Sozialdemokratie vernichtet werden müsse, ehe es für die Ar- beiterklasse bester werden könne. Graßmann fertigte die Schreier links und rechts mit treffenden Zwischenbemerkungen ab. Nach seiner Rede begannen, die Abstimmungen über die gestern zurückgestellten Beamtenanträge. das verlorene Paradies. Von Hans Wesemann. In der bekannten B'bel haben, ww olle einst gelesen, wie unsere Dorfohren im Paratiese lebten, ohne viel von Wohnungsamt und Ludendorffs Kriegsbüchern zu misten, und wie sie dann infolge des — Sündenfalls hinaus mußten in die Welt, um sie zu bevölkern und mit Kohl zu bebauen. Seit jener Zeil blieb das Paradies verschollen, keiner wußte nichts Elenaues nicht,, bis Franz von Wendrin kam und ihm alles furchtbar klar wurde: Das Paradies hat in Mecklenburg gelegen, jawohl, das hat Franz von Wendrin rausgekriegt und bei Westermann verlegen lasten. Er weiß auch genau, wo der sott- sam bekannte Baum steht, unter dem unsere Altvordercn zuerst nach bekannter Melodie..... Ja, und der Baum trägt noch immer jedes Jahr Aepfel, echte Borsdorfer, und die biedere Dahme und Pehne sind die alten Paradiesström«, sagt Franz von Wendrin Seine Beweisführung ist überhaupt verblüffend einfach und ein- dringlich. Warum ist vorher noch niemand auf den Gedanken ge- kommen, woher die gute Stadt Jericho« eigentlich ihren Namen hat?— Merken Sie was? Aber daß ldas so lange verbargen blieb, ist nur das Werk der rsh Juden, die haben uns nicht nur das Paradies so gründlich ver- loren, daß selbst Hergt und Brandenstem es bis heute noch nicht für ihr« Wähler haben wieder schaffen können, sondern sie haben auch di« unschuldigen Germanen mit ihrem Gott« Wodan vergifset! Ich kann wirklich nichts dafür, Franz von Wendrin sagt es, und er fordert deshalb die Abschaffung des Wodankulles, weil er eine jüdische, bar- borisch-niederrassige Ausgeburt sei. Du lieber Gott, was unsere Völkischen mit ihrem National- heiligen alles erleben müssen! Uebrigens hat auch Richard Wagner aus der Musikerhölle schon ein Protesttetegramm geschickt und Herrn Professor Rothe um eine Ehrenrettung seines guten, alten Theater- wodans gebeten Ich möchte hier nur in aller Bescheidenheit eine Bemerkung machen: Adam hat im Mecklenburger Pordiese gelebt— aber nun gibt es in Breisach am Rhein ein altes Haus, und hier werden unter dielen anderen Sehenswürdigkeiten, wie dem Schlüssel zur Arche Nooh und der wahrheitsgetreuen Steuererklärung eines � Großagrariers, auch die Schädel von Adam gezeigt, und zwar der«ine, wie er ihn im zarten Alter von vier Jahren trug, und der andere, de» er bei seinem iwwiderruslichen und letzten Tode hatte. Außer- dem ist da auch Adams blaue Brille zu sehen, die er hei der Fluch- aus denr Pewdiese. txug— die soll ja allerdings mittlerweile in andere Hände gekommen sein... Aber. wie erklären Sie sich dtz anderen Wideesptüche, Herr von..Wendrisi?!. Zwar heißt es so schön in dem neuesten Berliner Volksliede: „Wenn auf der Hand dein Piepmatz singt. So nimm ihn froh beim Schöpfe, Dieweil er dir Gewißheit bringt, Du hast ihn nicht im Kopfe." Ich fürchte sehr, lieber Franz von Wendrin Sie haben Ihren Piepmatz nicht auf der Hand sitzen. Im Regen. . Ich ging durch eine schwarz, und grau verhangne Stunde. Ein wenig war es Tag und mehr noch Nacht. Regen sprühte kalt aus Westen und ich kroch fröstelnd in den hoch- geschlagenen Kragen. Still war es in den leeren Sttaßen: nur meine nagelschweren Tritte klangen hallend aus dem nastm Pflaster. Und dachte viel und dacht« nichts.... Aus einer Durchfahrt gähnend schwarzem Rachen quoll eines Hundes klagend Winseln und Rasteln einer Kette. Da fühlte ich atiss neu die Fesseln, darin die Menschen und das Schicksal mich gelegt, und dünkt mich selber nur ein armer Hund.— Weiter ging ich durch den Regen und kam in ein« schöngebaut« Straße, wo reiche Häuser in den Gärten standen. In tiefem Dunkel lagen all die hohen Fenster und keine Weckuhr rief die müden Schläfer schon in dieser Stund'. Haltlos glitt mein Blick enilä-rg die Prunkfastaden:— da sah ich plötzlich Licht. Hinter schweroerhanzneci Fenstern glühte rosig eine traute Ampel und: „Was bescheint sie," dachte ich,„ist's eine Krankheit oder einer Liebs Glück?" Ein Schatten huschte übers eine Fenster. Silhouette eines Weibes schien es mir zu sein.. Da klangen Schritte aus des Gartens Kiesweg, ein j« Mantel kam durchs Gittertor.,.. t. üf., Schnell trag ich,.hinter ein«* Mauerpseilpr, denn leite östnete das Fettster sich dort"oben. Eitlen weißen Arm sah' ich her grüßend wlllkke, lillJ)'.eine dunkle Locke/ die auf einen hellest Bmen siel...' - Und durch den Vorhana. der«sn wenig nür geteilt, erblickte ich ein winzig Stückchen jenes Zimmers. Doch ich erkannt'-, es war ein köstlich Schlasgemach."V' Der Mann im Mantek grüßte � mit dein Hute, dann schloß das Fenster sich, das Licht erlosch: Da.schritt ich weiter durch den Regen und da« Bttadel Arbeits? kleider unter meinem Arm« war auf.einnxal.zentpekschwer. Der Mann im MaNtel'Lihg vor mir durch den. Regen, doch ich sah ihn. nicht. J1'''* e" i In meinem He?zen brannte eitle Flamme tind eine äste Wunde fing zu bluten. an:...'.'. n Uud.als ich«ine Smnde später.im tiefen-Schacht„vor Arbeit" säst. da'sxxäch:.mxin Kamerad:. v.J Der R ei ch s t a g hat heute vormittag ohne Aussprache das deutschpolnische Abkommen über das gemeinschaftlichs Oberkomilee der oberschlesischen Eisenbahnen in allen drei Lesungen angenommen. Darauf begann die Besprechung der 45 sozialpolitischen Anträge, der verschiedenen Fraktionen, sowte der sozialdemokratische-? Interpellation über die Wirttchafts krise und die Arbeitslosigkeit. Eine Interpellation der Rationalsozicilisten: fragt u. a. nach der Stellung der ehemaligen Frontkämpfer aus dem Arbeitsmarkt. Abg. Heidt iDnat.) begründet die Anträge feiner Fraktion: Der Notschrei des sterbenden deutschen Belkes müsse der Welt in bis Ohren klingen. Die privat« Noth-lfe reicht nicht aus, das Reich müsse helfen. Und darum ejtzt erst recht Sozialpolitik! Der Redner begründet sodann die etnzelrren Forderungen der deuischnationalen An- träge und erklärt zur Arbenszeitsragx: Wir sind nicht gewillt, devc Achtstundentag zu bekämpfen, aber er darf auch nicht als Dogma aufgestellt werden. Voraussetzung jeder Sozialpolitik ist Prnduk- t i o n s p o l i t i k. Der Redner verweist auf die im Geiste Siöckers laber nicht des Kommunisten) gehaltenen Anträge des evangelischer Kirchentages an die Reichsregierung. Der Kirchentag wendet sich gegen den Klassenkampf von oben und unten, er will soziale Ver- söhnung im christlichen Geiste. Die schlimmste Rot unseres: Volk.-ei liegt darin, daß es durch den Klassenkampf in zwei feindlich o Heerlager gespalten ist. An dem Hunger, dein Wahn und dm Verbrechen in unserem Volke ist die Folterung Deutschlands Schuld, Abg. Graßmann(Soz.): Hoffentlich holt die Begeisterung des Vorredners für Aufbau der Sozialpolitik auch an, wenn es ans Bezahlen geht. Seine Mahnugen gegen Schwelgereien hätte der Vorredner wahrhaftig nicht an die Arbeiter, sondern an seine Portcisreunde richten müssen. die unter schwarzweißroter Flagge prassen.(Widerspruch rechts!) Bismarck hat anerkannt, daß es ohne die Sozialdemo- k ratio und ohne die Furcht vor der Sozialdemokratie keine Sozialpolitik gegeben hätte. Unsere Stellung zur Wirtschaft, die sich jetzt in einer solchen Krise befinde!, ist eine andere als bis Stellung der Wirtschaftsführer. Die Arbeiter sehen in der Wirt- fchaft nicht nur die Unternehmer. Die Millionen Arbeiter sind dief Wirtschost. i Die Erwerbslosenunter st ützung ist höchst unzureichend. Im vorigen Monat waren in Nürnberg von jg 2000 Arbeitslosen nur 400 unterstützt. An der Wirtschaftskrise sind nicht nur die Kriegsfoigen schuld, die Inflation ist von ge- wissen Industriekapitänen gefördert worden. Ich' brauche keinen Namen zu nennen! Ueberall hat eine unsinnige Epe- kulation eingesetzt, auch mit dem französischen Franken. Während der Inflation flüchteten alle Sachwer'e. trnd es fand eine ungesundes Immobilisierung des Kapitals statt. Nicht die Rcnienmark, sondern nur eine auf Gold gestellte und in Gold ein lösbare Wäh- rung kann den erforderlichen Ausgleich schaffen. Wir haben jetzt! in Deutschland kein in Gold«inlösbarcs Geld, sondern müssen uns fremder Valuten dedienen. Deshalb haben sich Industrie und Handel übermäßig mit Devisen eingedeckt, Gold erhalten wir durch eine Goldanleihe, und diese können wir nur von denjenigen Staaten be- kommen, die das Gold haben. Dazu bedürfen wir des Vertrauens des Auslandes durch Annahme und Ausführung des Sochverstän- digengutachtens. Unsere Interpellation verlangt auch ein Eingreifet, gegen die preisverteuernden Kartelle. Die deutschen Unternehmer verlangen Preise, die über deck Weltmarktpreisen stehen und zahlen Löhne, die weit unte! dem Weltmarktlohn liegen.:u m d u n gen, deren rein politischer Zweck dem Blindesten klar ist. Die sozialdemokratische Fraktion wird in ihrem Kampf um das Recht ksiroen Schritt zurückweichen. Sie wird gegen den Abbau so lange kämpfen, als ihr dos geschäjtsordnungsmäßig mag- lich ist. Sie wird sich durch keine Drohungen davon abhalten lasse», .den Rechtsbruch des Bürgerblocks als dos zu bezeichawi,, was er ist. Wenn sich die Mittclparteien durchaus in das Gefolge des Herrn Koch begeben wollen, wenn ihnen diese Gesellschaft lieber ist. dann werden wir sie daran nicht hindern können. Möge ihnen diese Um- gcbung gut bekommen. Die Sozialdemokratie wich sich trotzdem dt« Stellung zu erkämpfen wissen, die ihr et? Vertreterin der Arbeiter- •'cherst zukommt.■' r,:v:: D.,.-.yeÄlp'svch.•■ Die D eutschnationale Fraktion wird heute von neuem den Antrag stellen, den Magistrat zu ersuchen, bei der Staats- rezierung die Auflösung der Berliner Städtverordnetenoersamm- lung zu beantragen, da die letzten Reichstaaswahlen eine völlige Der- fchiebuna der parteipolitischen Mehrheitsverhältnisse m der Reichs- Hauptstadt ergeben hätten- Die Deutschnotionalen rechnen damit, daß diesmal olle bürgerlichen Parteien für diesen Antrag stimmen und ihm damit zur Annahme verhelfen werden, während bei seiner ersten Einbringung die ihm zuteilgewordene Unterstützung durch Bolkspartei, Wirtschaftspartei und Kommunisten nicht zur An- nähme ausreichte.,_ das Urteil im LanSsberger Moröprozeß. 14 Zahre Zuchthaus. Noch längeren Ausführungen des Oberstaatsanwalts wurden gegen die drei Angeklagten hohe Zuchthausstrafen be- antrogt. Die Verteidiger. Rechtsanwalt Benting. Frey und Solomon plädierten für milde Bestrafung und frrderten vor allen Dingen, daß nur die Besserungstheori« und Nicht die Ab- schreckungstheori« in der heutigen Zeit in Frage käme. Noch mehrstündiger Beratung oerurteilt« das Gericht in später Abendstunde unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Meßling folgendes Urteil: Der Angeklagte Schulz wird wegen Totschlags, begangen be! einem Raub,- zu lebenslänglichem Zuchthaus, die An- geklagten Sooft und Glantz zu einer Zuchthausstrafe von 14 Jahren wegen versuchten schweren Raubes mit Todes- erfolg verurteilt.— Unter größter Erregung im Zuhörerraum wurden die Angeklagten abgeführt. Ter spraucnmord in Ticmensstadt. Zu der Bluttat in Siemenzstadt wird mitgeteilt, daß dt««eiteren Ermittelungen der Kriminalpolizei ergeben haben, daß die Behaup- tung Malys, er habe die Tat j» der Erregung begangen, sicherlich nicht zutrifft. Während Maly«rllärt, daß seine Gesiebt« ihn fortwährend gereizt und beschimpft Hobe, sage,, Zeugen' das Gegerneil aus. Nach ihre-, Beobachtungen hol Maly die Frau, die ihm fünf Kinder, drei Söhn« und zwei Töchter, gebar, ständig gequält. Gestern aber hat kein Streit stattgesunden. Der letzte Auftritt war bereits vorgestern, und im Anschluß ay ihn hafte Maly geäußert, daß Frau Mischke..ck«,nes natürlichen Todes sterben werde. Bemerkenswert ist auch, daß er das Mordwerkzeug bereits vor einigen Tagen besorgt« und ays den Kuchr, rahmen gelegt hatte. Es ist ein zweiseitig geschliffener Dolch aus gehärtetem Stähl, den einer feiner Söhne, ei» SchloffeNehrling, angefertigk hat und gn dem das Heft noch fehlte. Ohne Zweifel hat bei der Tat ein Kamvs stattgefunden. Wie Spuren zeigen, eilte Frau Mischte mit ihrer Verletzung em das Fenster der im Erdgeschoß gelegenen Woh- Nu ng, mn von außen her Hilfe herbeizurufen. Maly sprang, ihr jedoch nach-/ riß sie. zurück uftd schloß das Fenster wieder/ Eine' ganze Reihe von Zsnq->nF»ntden gestern- bis 4tzöt in den Abend hinein.. von der Kriminalpolizei vernommen, Nach Abschluß der Ermmeftm-" gjn rrsird Maly-»pch Mäadsi Kbkach..�,-...«* ■"—- 3"v*" t—'1...... Die..gute T»«te". Eine Kinderdiebin, die seit einiger Zeit ihr Unweferr trieb, konnte endlich von der Kriminalpolizei verhaftet werden., Aus dem Norden -Uftd Osten Berlins tftehrten sich vom Tag z» Tag Anzeigen, nach denen Kind« hestohlen worden waren. Eine weiblichö Person holt: sie Mit dem alten Trick, für eine gute-Belohnung in einem Laden etwas zu besorgen, einen Brief an iigend eine Adresse abzugeben oder sonst mit irgend einen, kleinen Auftrag sortg-ffchickt. Die.,g u t e T.a n t e" hatte dam, solange die Markttasche, was sonst die Kinder t-ug-:n, gehalten. In dieser befand sich denn immer entweder das Geld oder die Ware, die die Kinder schon eingekauft hatten. Ietz, ist es der Kriminalpolizei gelungen, die Diebin jy der Person eine, i v.»... �__—■— SO Jahre allen Auguste Treumann zu ermitteln und zu oeo- besten. Mehrere Kinder hatten sich die Diebin seh: gut an.z-ffehen up tonnten von ihr ein so gute Beschreibung liefern, daß daraushö, die Kriminalpolizei wußte, wen sie vor sich harten. Bei emer Gegen- üb-lstellung wurde sie auch in- vielen Fällen von den Kindern wieder. - rkannt und gibt auch die Diebereien zu. Viele Bestohlene werden noch gar keine Anzeige gemocht haben. Diese werden gebeten, sich chei Kriminalkommissar Busch im Zimmer 133 im Polizeipräsidium zu meiden. Der Sprung in Sie Spree. Das Ende einer»Vergnügungsfahrt". Eine ungeheure Menschenmenge Hafts sich gestern mittag auf der Iannowitzbrücke und an den beiden Ufern angesammelt. Es wurde eifrig hin und her diskutiert: Was war geschehen? Ein Auto war angehalten worden. Dorin saßen zwei«»was ang«. heiterte Herren und eine ebenso ongeheiterte„Dum:". Die„Dome" ließ ihre Beine in sehr ungenierter Weis: außerhalb des Wagens sehen. Ein Schupomann hielt den Wagen an. Er ersuchte die „Dame" in vernünftiger Weise Platz zu nehmen. Als sie dies« Auf- forderung nicht beachtet«, bat er die beiden Herren, auf ihre Be» gleiterin einzuwirken. Als diese das taten, begann die Begleiterin mit ihren Kavalieren„ob ihret beleidigenden Zumutung" einen srtrcit. Dieser wurde immer hitziger. Die Beine aber blieben draußen. Plötzlich sagte d:« energische„Dome" um den Zank ein End: zu machen:„Wenn ihr m i ch jetzt nicht in Ruhe laßt, springe ich ins Wasser!" Daraus folgte von den -Herren di« Antwort:„Bitte tu' was du nicht lassen kannst!" Jetzt war sie mit einem Sag aus dem Wagen heraus, und ehe st« noch einer halten konnte, war sie über das Geländer in die/ Spree gesprungen. Hatte dos Gebaren-der„Dame" vorher und der Streit schon eine kleine Menschenansammlung auf der belebten Iannowitzbrücke veranlaßt, so war es jetzt nach dieser Tat geradezu ungeheuerlich. Alles versuchte einen Platz am Geländer zu bekommen, um nach der kühnen Springerin Ausschau zu halten.' Ein Boot vom Reichswasserschutz war sofort zur Stelle und suchte das Wasser ab. doch es war alles vergebens. Die Unglück- liche war zwischen zwei Schleppzüge gekommen und so sicherlich«rftunken. h�nr der Hut von ihr trieb noch auf dem- Wofier. Als man sich nach ihren Begleitern umsah, haben diese sich die Auft>:gung der Menschenmenge zunutze gemocht und warm verschwunden. Di« Leiche ist noch nicht geborgen. Ter Leichenfund bei Karlsftorst. Zu dem L«:chensund bei Karlshorst wird noch folgendes be- richtet. Der Kriminalpolizei ist es gelungen, jetzt mit Bestimmtheit nachzuweisen, daß die Buchhalterin Anna L a ch m u n d Selbst» mord verübt hat. Bor einigen Tagen ist sie bei einem Bekannten gewesen und hatte sich hier eine B r o w n i n g i e l b stla d e- piftole geliehen. In ihrer Nervosität hat si: dann selbst Hand an sich gelegt. Da festgestellt wurde, daß sie mit ihrer Ber- wundung gut noch 1 Kilometer gehen könnt:, so hat sie die braune Handloderlasche und die Pistole, nachdem st« sich geschossen hatte, weggeworfen. Da beide? noch nicht gesunden ist, so ist anzu- nehmen, daß Spaziergänger dies« Gegenstände gefunden hoben und ahnungslos mitgenommen haben. Es wird gebeten, diese Sachen bei der Mordkommission im Polizeipräsidium oder den Kom- missaren G a l z o w und Dr. Berndorf abzugeben. „Vernunft wird Unsinn." Zu diesen Ausführungen in Nr. tr.: wird uns mitgeteilt, daß der diensttuende Beamte, der in Treptow die Turner bh ar auflöste, nicht anders handeln konnte. Kurz vorher chatte nämlich die K g m m u n r st i s ch e I u g e n d auf der Treptower Spielwiese eine Versammlung abgehalten, die von etwa 10 Beamten aufgelöst wurde. Als nun die Sportler geschlossen durch Treptow zogen, nahm der Beamte an. daß sich Teilnehmer der gesprengten Versammlung wieder zusammengetan hatten, und schritt daher zur Auflösung des Zuges. BewuhNos wurde gestern abend auf der Spielwies« im Treptower Park in der Näh« de? Mayer-Denkmals ein SchlosserlehrAng Willi Lanastowitz aus der Reichenberger Straß« aufgefunden. Er war mitSträuchern undMoos zugedeckt. Beamte der Schutz« polizei riefen ihn ins Bewußtsein zurück und brachten ihr» nach dem Krankenhause. Wie der jung« Mann angibt, erhielt er. als er ahnungslos auf einer Bank laß, plötzlich von hinten einen Schlag aufdenKopf.der ihm die Besinnung raubte. Was dann weiter mit ihm geschehen ist, weiß er nicht. Di« Ermittlungen zur Ans- klärung sind eingeleitet. viücrenzen mit de» Soalbesitzern in Bruch miihle, Srei»»ederbarui«, »eranlaiscn unsere dortigen Genossen, die Berliner Barteigenossen zu er- suchen, da?.Restaurant zur Bruchmüble»(In?. Franz Iünkeri. Landsberger Maussee S, und das„GefellschaftzhauZ�(Jnh Julius Mit), Fichtestr. 38/39, bei ihren Ausflügen zu meiden. Arft der 5chölerschaft de» Staatliche» Kunstgewerbemuseums. Am 1. und 2. Juli d.J. findet„Witawa"(Wir tanzen auf dem SBannsee), daS Fest der Tchülerschoft des Staatlichen KunstgewerbemiiieumS statt. Karten zu- haben im StaatlichenKunstgewerbemuleum. Unterrichtsanstalt. Prinz-Albrecht-Str. 8 und in der Hardenberg-Str. 33, Hochschule für Bildende Künste. Wetter für morgen. Berlin und llmgegevd: Darm und ziemlich heiter, schwache südliche Winde. veutschland: In ganz Deutschland wärmeres und ttockeneS Wetter. Groß-Serliner Parteinachrichten. Achtung! Seteiebsräte öer SPS. Die kommunistische Reichstagsfraktion versandet an di« sozial. demokratischen Betriebsröte Einladung:» zu einer Besprechung, die am Montag, den 30. Juni, im Reichstag« stattfinden soll. Angeblich sollen die Gesetz« itwürse über das Sachverständigenzutachten be. fprochen werden. In allen Betrieben soll in ein«r Sitzung des Be- triebsratz zu'der Einladung Stellung genommen und Delegierte zu der Besprechung am 30. Juni gewählt werden. Abgesehen davon, daß die Stellung der Sozialdemokratischen Partei zu dem Sachverständigengutachten bekannt und entschieden ist. hallen wir eine Verhandlung mit Kommunisten über diesen Gegen- stand für völlig unfruchtbar und zwecklos. Wir fordern deshalb unsere Parteigenossen auf, der Einladung der Kommunisten nicht Folge zu leisten. ZNan überlaste den Sommunisteu die Verantwortung sür ihre Handlungen selbst, unsere Zeit ist zu nutzlose» Schwöhereien zu kostbar. Bezirksverband Berlin SPD. Betriebsfekretarlat. .131. Abt, Buchholz. Die stir. heute, Donnerstag abend, anberaumte bflentlich» Bersammlung sadt aus.. �ugenüveranftaltungen. Achtung,«»teilungstassierer t Morgen, sireilag, bleibt bie Spedition M n geschloflen. Abrechnungen werden Mittwoch nach der Generatoersammlung rat r~l angenommen. �, i, B Vorträge, vereine und Versammlungen. Junglehrer, Zuoendgruppen de» Bürde« entschied. Zchulrciormer. Donner»- tag. den 20. Juni.>.,» Uhr. Boelragsadcud:..Tie Bertiner weiilichen»llt Sebeus» geineinichaitsichulen". Referenten Friedriiti-Beine Ii und Rdott 9 o ch.— Fr-Itag. den 27. Juni.! ,S lifir: Freier Ausipracher.deud jür«üern:.BerbtingÄ». volle M-ingrl der R.oksernöbrüug-. Referent: Serhard Hilde dran d.»nisste«. !-„rag am Saalentgang Erwerbslose Mitglieder freier Eintnt!. GewerMostsbewegung Zur fichtsivnüentagüebatte in Genf. Die deutsche Regierungserklärung. Bei dem besonderen Interesse, üad die FraAe des Achytunlzcn- tags beansprucht, sei zur Ergänzung unseres Berichts im heutigen ZNorgcntlott die Erklärung der deutschen Regierung nach dem MTB.- Bericht nachgetragen: „Nachdem auch noch der tschechoslowakische Regierungsvertreter Stern auf die Gefahren hingewiesen hatte, die aus der Mehrarbeit m Deutschland für die anderen Völker erwächst, ergriff der deutsche Regierungsoertretrr G« h e i m r a t L e y m a n n dos Wort, um im Namen der Rnchsrsgierung eine Erklärung zu verlesen, die ein- gehend auf alle Kritiken eutgegnel, die an die Verordnung vom Dezember 1323 geknüpft worden waren. Er erinnert zunächst daran, dost in Deutschland durch die Verordnung vom 23. November 1918 die achtstündige Arbeitszeit für olle Gewerbe und Betriebe eingeführt worden ivar. und daß in Deutschland der achtstündig« Arbeitstag strenger als fast in allen anderen Ländern durchgefiihrt wurde. Im Her b st 1923 sei dann durch Das Zusammentreffen einer Reihe von Umständen eine Aenderung der ganzen Wirt- s ch a f t s l a g? eingetreten. Die R u h r b e s e tz u ng und ihre Fol- geu, der Währungszusammenbruch, die sogenannten Micumvertraae hätten die deutsche Wirtschaft völlig zerrüfttet. In- dusftie, Handel und Verkehr seien zum Stillstand gekommen und die Zahl der Erw erbslosen gestiegen zeitweise bis auf fünf Millionen, wobei besonders schlimm der Mangel an Kohlen ge- wirkt habe. Unter dem Zwang und unter der Wucht dieser Verhält- nisse und nach eingehender Bcraiung aller in ihr vertretenen Par- teien habe sich die Regierung damals gezwungen ge- sehen, von der Durchführung eines starren Achtstundentages ab- zusehen und auf tariflichem Wege in vielen Industrien feit 1923 ein« Verlängerung der AtbeitZzeit eiiizustihren, wählend wir noch in anderen wichtigen Industrien wie in Bergwerksbet rieben, Glasindustrie und Baugewerbe den Achtstundentag durchführten. Die Regierungserklärung endet mit folgenden Worten: Ob es gelingt, der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Herr zu werden, steht noch nicht fest, wie auch nicht zu übersehen ist. wie sich di« Verhältnisse gestalten werden, wenn erst die Reparationszahlun- gen in voller Wucht auf uns lasten. Das zurzeit geltende A r- b e i t s z e i t g e f e tz vom Dezember 1923 ist ein Notgesetz, mit feiner Aenderung ist unter günstigeren, wirtschaftlichen und besser übersehbaren Verhältnissen zu rechnen. Die deutsch« Regierung ist aber außer st ande, übe? den Inhalt, Umfang und Zeitpunkt solcher Aenderungcn zur Slund« Bestimmtes ju sagen, sie muß sich vielmehr darin völlige Handlungsfreiheit vor- behalten. In ihrem Namen möchte ich aber mich erklären, daß der in dem Bericht des Herrn Direftors des Arbeitsamtes zur Erörtenng gestellte Gedanke, eine Art internationaler Kontrolle über unsere Arbeitszeit einzuführen, für uns undiskuiabel ist. Ein solcher Eingriff in die Souveränität wäre für uns wie für jeden anderen Staat unerträglich, zumal es sich nach Lage aller Um- stände keineswegs uin Dumping Handell. Die deutsche Regie- r u n g werbe zur rechten Zeit die Initiative in der Arbeirs zeitfrage ergreifen, dabei werde sie bestrebt sein, auf die Arbeitszeit in den übrigen Ländern innerhalb der deutschen Lebcnsinteressen möglichst Riilksicht zu nehmen. In längeren Ausführungen, die der deutsche Regierungsvcrtreter diese Erklärung anknüpfte, legt er im eimzelnen dar, daß die besag«. daß zur Erniäglichung der Repararionslerstungen in Deutschland schlechtere Arbeitsbedingungen ein- treten müßten. Tie Leistung von Reparationen biete keinen stich- halt igen Grund für die Aufhebung des Achtstundentages in Deutschland. Der belgische Regicrungsocrtreter und auch der Vertreter. der polnischen Regierung drückten dann ebenfalls die Bereitwilligkeit ihrer Regierungen aus, die Washing- ton er Konvention zu> a t i f i z i er« n. aber nur unter der Voraussetzung, daß auch eine Reihe anderer Staaten diestunwerdcn. Lohnvcrcmbarung für die Reichspostarbeiter. Die Verhandlungen mit den wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter im Bereiche der Deutschen Reichspost über den Ab- schluh eines neuen Lohntorifes find beendet. Es wurde ein neuer Lohntarif vereinbart, der bis zum 31. August 1924 Gültigekit Hot und beiderseits mft Monatsfrist gekündigt werden?■—'. Die Lohnhohe entspricht den Sätzen, die durch Beschluß des Reichs- kabinefts für die Eisenbahnarbeiter festgelegt wurden. Außerdem wurden die O r t s z u l a g e n den Löhnen der vergleich- baren Industriearbeiter angepaßt. �>WWD>>>W>WWM>WW>W Mehrarbeit in gewissen Betrieben von der Notwendigkeit ein gegeben war, d-e Wirtschaftslage Deutschlands zu bessern und die auferlegten Verpflichtungen zu ertiillcn, was nur durch einen Ueberschuß in unserer Volkswirtschaft möglich sei. Ueberschllss« seien aber nur durch erhöhte Produt- Hon oder durch Ei-nschröntungen im Verbrauch zu erzielen. Em- schränkungen seien aber in Deutschland nicht mehr denkbar und der Verbrauch des sogenannten Mittelstandes und der anderen Stände sei Bereits unter den Verbrauch aller anderen Länder gesunken. Es komme mir eine Steigerung der Warenerzeugung in Bctracht, die einerseits durch Vervollkommnung der technischen Bcrri«bseinr>chl>.'ngen und durch gute Organisation zu erreichen sei, wozu es aber an dem notwendigen Kapital fehle, andererseits durch Mehrarbeit. Wir müssen, so erklärt der Regierungs- Vertreter, um den völligen Zusammenbruch der Wirtschaft zu oer- hindern, möglichst schnell zu einer Steigerung der Ar- b e i i s l e i st u n g kommen. Infolgedessen erscheint eine elastische Gestaltung des Gesetzes wünschenswert. Das ist der eigentliche Sinn des neuen Gesetzes. Es war und ist keineswegs allgemein beabsichtigt die Arbeitszeil zu verlängern. Ich bin nach allem, was ich bisher gehört habe, auch der Ueberzeugung, daß die Arbeitszeit bei uns nicht viel anders und besonders nicht länger ist, als in anderen Ländern. Darin Hot mich das Studium der Tarifverträge in anderen Ländern bestärkt. Meine Herren! Sie J laben aus der Erklärmnq meiner Regierung entnommen, daß die- elbe die Initiative zu einer Neuregelung der Arbeitszeit ergreifen wird, sobald die Verhältnisse es gestatten. Ich möchte mit dem Wunsch schließen, daß dieses recht ba'd kommen möge." Die Rede de? deutschen Rcgierungsoertreters fand in einem großen Teil des Hauses lebhaften Beifall. Die Antwort der deutschen Arbeiterschaft. die unser»Genoss« Hermann Müller vom ADGB. aus diese Erklärung gegeben hat, ist bereits in unserem Bericht in der Morgenausgabe kurz wiedergegeben. Wir werden sie so bald al« möglich ausfuh:- licher zum Abdruck bringen. Der englische Regierungsvertreter Davies bezog sich noch der Ankünbiguuz, daß die englische Regierung im Unter- Hause so bald wie möglich einen- entsprechenden Gesetzentwurf zur Ratifizierung der Washingtoner Konvention einbringen werde, auf dos Sachverständigengutachten, das nichts davon Aussperrung im Karosseriewerk Schevera. In den Schebera-Karos seriewerken in Tempel- h o f steht die Belegschaft seit Monrag vergangener Woche im A b- Mehrkampf. Die Firma unterbreitete der Betriebsvertretung am Sonnabend eine halbe Stund« vor Fabrikschluß«in Ultimatum, in dem getagt war, daß die Arbeit am Montag nur zu den von der Firme nleitung einseitig neu festgesetzten Akkord- preisen ausgenommen werden könne. Diese„Neuregelung" brachte für die Stellmacher einen Abzug von 30 Proz. und für die übrigen Arbeitergruppen einen solchen von 2 5 Proz. von den bisher geltenden Akkordpreisen. Die Belegschaft nahm zu dem Anerbieten Stellung und beschloß, am Montag zu gewohnter Zeit di« Arbeit zu den alten Akkordbedin-'ungen aufzunehmen. Di« Firma hielt aber ihre Maßnahme ausrecht und hinderte die Beleg- schaft an der Arbeitsaufnahme durch Aussperrung. Somit lagen 330 Mann der verschiedensten Berufsgruppen auf dem Pflaster. In der gestern abgehaltenen, Versammlung der Ausgesperrten wurde mitgeteilt, daß die Behauptung der Betriebsleiwng, die hohen Verdienste der Arbeiter hätten sie zu der Maßnahme veranlaßt, in der Form, wie sie oerbreitet wird, nicht zutresfend ist. Tatsache ist, daß die Dirrchschnittsoerdienste der Schlosser im Akkord 108 Pf., der Stellmacher 110 Pf., der Sattler und Lackierer 104 Pf. betragen, also nicht entfernt so Horb sind, als angegeben wird. Was die Firma an der Konkurrenzfähigkeit hindert, ist die vollkommen oer- altete Produktionsweife des Werkes. Wenn die ifiwna Schebera sich dazu verstehen könnte, mit der technischen Entwicklung fortzuschreiten und ihre Arbeiten nicht in durchaus krautermäßiger Art herstellen ließe, könnte sie auch ohne Akkordreduzierungen den Welt- bewarb ausnehmen. Die Ausgesperrten verpflichteten sich, zusammen- zustehen, bis die Firma ihr« Maßnahme rückgängig gemacht hat. Ei« vorsichtig-revolutionärer Gewerkschaftsmann. An dem Abwehrkomps in der Karosseriesabri? von Schebera in Tempelhaf ist auch der owiteren Arbeiterkieisen bekannte Leo Ostrowski, genannt„der blutige Leo", beteiligt, der als Klempner bei der Firma arbeitet. Dieser echte Revolutionär ist vor kurzem aus dem Deutschen Metollarbeiterverband ausgeschlossen worden, weil er verantwortlicher Führer der kommunistisch:» InZu- sftieorganisation, Fachgruppe Metall, ist und auch deren- Zeitung leitet. Ostrowski hat sich nach achttägiger Dauer des Abwehrkampfes beim Arbeitsnachweis eintragen lassen, ohne die Streikleitung d wvn zu informieren. Er ljnt sich also von selbst außerhalb der kämpfenden Arbeitskollegen gestellt, obwohl von ihm die„E t- Weiterung der Kampfbasis"»erlangt wurde, indem das Ehorloitenburger W.rk der Firma in den Kampf einbezogen werde» sollte. Als er in einer Versanimlung zur Rede gestellt und st.ne Handlung als Senat bezeichnet wurde, oerkroch er sich wie ein ertappter Schuljunge hinler einigen seiner Gesinnungsgenossen, die ebenfalls sahnenflüchtig geworden sind.„Sie haben ja das- selbe getan, warum werde gerade ich zur Rechenschaft ge- zog:«," rief der große Revolutionär. Er versuchte sich auch damit herauszureden, daß er doiaui gefaßt sei, nicht mehr in den Betrieb hineinzukommen, und- so hätte er eben jetzt schon von seinem Recht Gebrauch gemacht und sich arbeitslos gemeldet. Es ist also nach dieser revolutionären Auffassung von Solidarität erlaubt, die Kampfreihen zu verlassen, wenn man sich bedroht fühlt, und man darf sich Sonder- vorteile gegenüwr seinen milgemoßregelten Kollegen dadurch vcr- schaffen, daß man sich vor ihnen auf dem Nachweis einschreiben läßt, u m v o r den anderen Arbeit vermittelt zu er- halten. Wenn das die ossizielle Meinung des Führers der toni- munistischen Industrieorganisation ist, dann kann man sie getrost als eineO rga n if a Hon von Streiksaboteuren bezeichnen. Es war bisher bei allen gewerkschaftlich grsührien Kämpfen üblich, olle Maßnahmen, auch die"Haltung des Einzelnen, von der Kampfleftung kontrollieren un> bestimmen zu lassen. Für Leute wie Ostrowski sind aber gewertschafilichc Kampsmaßnahmen offenbar„reformistische Handlungen", die durch die eigene revolutionär« Auffasslmg ersetzt werden müssen. In den Augen anständiger Gemerkschafier. zu denen auch die Mehrheit der Ausgesperrten non Schebera gehört, sind Ostrowski und Genossen gerichtet. Ehrisilich. Der„Vorwärts" wies am 5. Juni auf das 2 5jährige Bestehen der christlichen Gewerkschaften in einrr Notiz hin, die noch während des Ruhrkampfes der Bergarbeiter abgefaßt war. Di: Ruckficht auf die Kampfgemeinschasl der Bergarbeiter insbesondere gebot eine rein sachliche Würdigung des Jubiläums der Christlichen. obwohl deren E-rschichte gerade kein Ruhmesblatt in der deutschen Gewerkschaftsbewegung bildet. Das»Z e n t r a l b l a t t der christlichen Gewerkschaften Deutsch-- lauds" vom 23. Juni gab unsere Notiz mit folgender Bemerkung wieder: „Wenn die„freien" Gemerlschaften Vernunft bekunden, nicht Utopien nachjagen, sich nickt als Schleppenträger der Soziaidemo- ktatie gebärden, wenn sie religiöses und nationales Empfinden als wertvolle Kräfte im sozialen Kampf der Arbeiter werten, dann kann dos den christlichen Gewerkschoflen nur sehr erwünscht sein. Solches wird die Verständigung nur sehr erleichtern." Uebe: Vernunft mit dem„Zentralblott" zu streiten wäre müßig, da ollein schon die Einheitsfront der Unternehmer zeigt, daß es vernunftwidrig ist, die wirtschaftliche Organisation der Arbeitnehmer nach„religiösem und nationalem Empfinden" zu trennen und sie auf diese Weise zu schwächen. Wir wollen nur aus das Pharisäertum hinweisen, mit dem dieses„Zentralblott" den freien Ge- werkschaften die Vernunft abspricht, um sie als Monopol der christlichen Gewerkschasten zu reklamieren. Das erscheint uns als ebenso wenig christlich wie vernünftig. Damit nicht genug, nimmt das christliche Gcwerkschoftsblatt auch das religiöse und nationale Empfinden gleich pharisäerhast für sein« Richtung in Erb- pocht. Wer selber der Schleppenträger nicht nur einer Partei ist, vielmehr der Schleppenträger auch reaktionärer Parteien sein möchte und stch oft genug als Schleppenträger des Unternehmertums er« wiesen hat, müßte sich hüten, den freien Gewerkschaften vorzuwerfen, sie gebo-deien sich als Schleppenträger der sozialdemokratischen Partei. Wen»-, die freien Gewerkschaften der Sozialdemokratie an: nächsten stehen, so aus dem einfachen Grunde, weil öie sozialdemokratische Partei„im sozialen Kampf der Arbeiter" stets im Vorder- treffen stand und sich als zuverlässig erwiesen hat. Die pharisäerhaft« Arroganz, in der sich hier das„Zentralblatt" gefällt, erleichtert die Verständigung wirklich nicht. Sie wird jcöoch von den einzelnen christftchn Gewerkschaften auch nicht heraus- gekehrt wie in ihrem„Zentralblott". Die rauh« Wirklichkeit der Dinge wird deshalb noch wie vor in all den Fällen zur Vor- ftändiquna zwischen christlichen und freien Gonr.rlschoslen führen, wo cVi eemeinsames Vorgehen sich als unumgänglich notwendig erweift. Uin so weniger können wir finden, daß das Verhalten des „Zentralblattes" der christlichen Gewerkschaften christlich sei. Wir sind zu unchristlich, um ihnen den Gefallen zu tun, ihm ans diesem Gebiete zu begegnen._ 40 000 amerikanische Textilarbeiter hoben, wie aus Rem Park berichtet wird, den Streik beschlossen. Die Bäckergesellen in Paris und den Borerlen traten in den Streik.„Nach offizieller Angabe"(der Meister?) streiken nur 838 van 3995 Gesellen. Daß diese Angabe nicht rocht stimmt, geht daraus hervor, daß vom Arbeitsministerium bereits Vorbereftungen für eine Vespo�hung zwischen Meistern und Gesellen getroffen sind. Die Ge- sellen fordern außer einer Lohnerhöhung die Abschaffung der Nachtarbeit. Tirtsthast polnische EisenbahnkonzePonen an öas flaslanü. Wie die„Evining News" berichten, ist«ine vorläufige Heber- einkunft zur Errichtung einer gemischt englisch-polnischen Gesellschaft getroffen worden, die sich den Wieder- bzw. Weiterausda» des polnischen Eisenbahnnetzes zur Auf, gäbe stellt. Hinter der englischen Gruppe, die an dieser neuen Ge- sellschuft beteiligt ist. steht die bekannte Firma Armstrong, Whit- worth and Company, die sich die efsorderltchen Moteriolli�erungen gesichert hat. Die Arbeiten sollen zu Beginn des kommenden Jahres aufgenommen worden. Eitie weitere Konzession hat sich die S o c i e t 6 G ä n e r a I e d'E ntreprises(Sitz Paris) in Polen gesichert, die gemeinsam mit der Posen Engineering Cie. di« neugeplanten Eisenbahnlinien in Oberschlesien errichten und betreiben soll. Die polnische Regie- rung garantiert der Kapitalistengruppe eine Verzinsung von 9 Proz. des Gesellsck)aftstapitals. Dieses selbst soll zu 90 Proz. in Obli- gationen und nur z» 10 Proz. in Aktien emittiert werden. Man geht, so bemerkt die Internationale Transportarbeiter- Föderation dazu, wohl kaum fehl, wenn man die einschneidenden Verschlechterungen, die dem poinischen Eisenbahn personal in den letzten Monaten zugemutet wordsn sind, mit diesen Plänen in Perbindung bringt und annimmt, daß die Maßnahme» der polnischen Regierung gegen die Eisenbahner stark unter dem Druck des ausländischen Kapitals erfolgt sind. Geldbewegung b l der Reichshauptkasse. Räch dem Ausweis der Reichshauptkalse betruacu in der Zeck vom 11. bis 20. Juni die Einzahlungen 180,9 und die Auszahlungen 182,3 Millionen. Es wurde mithin ein Zufchußbedari' von 1,3 Millionen(seit dem 1. April 1924 insgesamt 33,1 Mill.) erforderlich. Für Kursstützlung der Gol dan leihe sind 20,2 Millionen verausgabt worden. Aus dem Per- kauf von Remenmarkwechseln wurden außerdem 103,3 Mill. Gold- mark, seit dem 1. April insgesamt 2Sk,4Mill. Goldmark an Ein- nahmen erz-elt. Bcrantwortlich für Politik:«ruft gBirlfdiafl:«r«»r Satrr»-«: Sew-rkschaftobcwcgun«: fciefct. Sftkain; tzeuiUcUui: Dr. John Schikowsti; Lolalc» und Sonftifies: Fr in«arftädt; Arzoi-ien: Th. sämtlich in Berlin. Sctlafl: Pormärtg. Verlan®. in. 6. S.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlansnntwlt Raul Sinnet u. Co., Berlin SS. 68, Lindenstrage S. BILLIGE SCHUHE Unser rücksichtsloser Preisabbau ermöglicht es jMmanist sich für ganz wenig Geld 1 PaarStiefei zu kauten. Hier nur einige Beispiele: Nerrenstiefel echt Rindbox, mod. breite Foern, alle Größen; ßarnen-�aibsshuhe A90 echt R'Chevreau und Chromleder TP «s. breite Schiebeschnalie halbhoher Absatz, sehr schick... 89# cid. Original Goodyear Well echt Boxcalf und R'Chevreau... 10*° Leinen-SchnürschuSie sehr gutes Material......... i Braune Nerren>Haib- crhiiiha erdt Baxcalt, sowie»nunc atnuilO HcrrcoslieleJ, echt Boxrind. modern« Formen................ 9" 1 Oirndlstofffhausschuhe | iör Damen, allerliebste Farben Pf. 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