Nr.302 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 155 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3. Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saare und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.25 Goldmart, für das übrige Ausland 5,25 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und geit" mit..Gied. lung und Kleingarten". fomie der Unterhaltungsbeilage Heimwelf" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, * Sonntags und Montags einmal Telegramm.Adrese: Sozialbemotrat Berlin" Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart. Reklamezeile 4.- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Bort 0,20 Goldmart( auläffig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das fte Wort 0.10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Von einer Milliarde Goldmart, die Deutschland bezahle, müßten 258 Millionen Frankreich zufallen. Auf die vom Comité des Forges verlangte toft Ipielige Kohlenpolitik müffe verzichtet und alles Material zum Wiederaufbau verwendet werden. Auch bei den Besagungstruppen, namentlich den Offizieren, feien Ersparniffe nötig. Die Jagden der Offiziere tofteten standalöse Summen. In den befebten Gebieten gingen sogar Rechnungen von Wäscherinnen und Friseuren der englischen Offiziere auf Reparationstonto. Als erster Redner in der Nachmittagssigung beant General Nollet morbete die Ausführungen des Abg. Philippoteaug über die Zustände beim Befagungsheer. Daß einige Mißbräuche vorgekommen seien, fei nicht nur wahrscheinlich, fondern sicher, da es sich um Menschen handele. Die Mißbräuche werde er verfolgen und sich dabei von den Richtlinien leiten lassen, die der Ministerpräsident gezogen habe. Aber er müffe wiederholen, daß die Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der Rheinarmee unter fchwierigen Berhält niffen ihrer Aufgabe würdig feien. Diese sei aber um so schwieriger, als im befehten Deutschland der Lebensunterhalt sich perteuert habe und die moralischen Eristenzbedingungen deprimierend wirken. Wenn man die Lage der Offiziere mit derjenigen der französischen Beamten und mit der ihrer alliierten Rameraden vergleiche, fo feien fie durch ihren Sold nicht bevorzugt. Er habe die Pflicht, zu erklären, daß die franzöfifchen Armeen ihre hohe Aufgabe mit Größe erfülle, und fei stolz, das erklären zu fönnen. Ein fommunistischer Abgeordneter ruft dazwischen:„ Nichtsdestoweniger find die Mißbräuche Tatsache". Der fommunistische Abgeordnete Baillant- Couturier ruft: Und unsere Soldaten haben sich mit den deutschen Arbeitern verbrüdert! Der Abg. Roulleaur- Dugage, der der Rechten angehört, erklärt, für ihn und feine Freunde jei die Annahme der fünf Budgetzwölftel gleichbedeutend mit dem Abschluß eines moralischen Baktes zwischen der Regierung und der Kammer über die Räumung des Ruhrgebiets und die Belegung ber Rheinlande. Als der Redner sich weiter über bie Reparationsfrage und die Frage der Sicherheit verbreitet, erinnert ihn der Generalberichterstatter Abg. Violette daran, daß der Ministerpräsident eine Aussprache über diese Frage vor der Londoner Konferenz abgelehnt habe und daß die Mehrheit der Kammer die Interpella tionsdebatte bis nach Abschluß der Londoner Konferenz vertagt habe. Der sozialistische Abgeordnete Chastanet übt an der SachLieferungspolitik der vergangenen Regierung Kritik und stellt fest, daß die Minister des Kabinetts Poincaré auf die förmliche Antlage Herriots nicht geantwortet hätten. Der Abgeordnete Philippoteaur verlangt vom Kriegsminister eine Untersuchung der Zustände bei der Befagungsarmee. Nach weiteren Auseinanderseßungen über den gleichen Gegenstand wird die Generaldebatte geschlossen und die Artikel 1 und 2, die dem Finanzminister für die Wiederaufbauausgaben provisorische Kredite in Höhe von 5 278 765 135 Franfen für Juli, Auguft, September, Oktober und November 1924 eröffnen, mit 457 gegn 27 Stimmen angenommen, Artikel 3, der 280 987 800 Franken für den Unterhalt der Besatzungstruppen im Auslande aus wirft, findet Annahme mit 457 gegen 26 Stimmen. Der legte Artikel, der die Ruhrkredite enthält, wird von den Sozialisten angenommen. Bei der Abstimmung verlieft der kommunistische Abgeordnete Barour im Namen seiner Fraktion eine Erklärung, nach der die Kommunisten die Ruhrkredite ablehnen und öffentliche Abstimmung darüber verlangen. Für die sozialistische Fraktion erklärt Abgeordneter Blum, Seine Freunde und er würden sich der Abstimmung enthalten, da fie immer die Ruhrpolitik bekämpft hätten. Sie wollten aber nicht gegen die Regierung Herriot stimmen, deren Unterstützung fie beschlossen hätten. Ministerpräsident Herriot ergreift das Wort, um zu erklären, in dieser Angelegenheit werde fich die Regierung offen aussprechen. Dadurch, daß wir von der Rammer verlangen, die Ruhrkredite zu bewilligen, geben wir nights von unserer ministerieller Erklärung preis. Welche Meinung man auch über die Ruhrpolitit haben fann, jetzt in dem Augenblid, in dem wir verhandeln, fönnen wir das Ruhrgebiet nicht räumen. Ich begreife wohl, was der Abg. B1 um gefagt hat. Aber ein kommunistischer Redner hat die fofortige Räumung des Ruhrgebietes verlangt. Das würde bedeuten, daß Frankreich feine, Rechte aufgibt. In diesem Augenblid erklärt der Abg. Botanowsky, die Regierung werde auch ohne die Sozialiften eine Mehrheit bekommen. Darauf erklärt der Ministerpräsident, die Regierung werde die Bertrauensfrage stellen. Der frühere Kriegsminister Maginot versichert, daß die Rechte trotzdem die Ruhrkredite annehmen werde. Die Abstimmung vollzieht sich unter großer Erregung. Bei den Auseinandersetzungen zwischen Herriot und den Ministern des früheren Rabinetts Poincaré entschließt sich eine Anzahl Sozialistes, für ben artifel& nab bie Ruhrtrebite gu stimmen, um das Kabinett vor Ueberraschungen zu schüßen. Schließlich ist es ein großer Teil der fozialistischen Frattion, der für die Kredite stimmt. Die deutschen Kommunisten und mit ihnen die Nationalisten werden nicht verfehlen, angesichts der Tatsache, daß die französischen sozialistischen Abgeordneten nicht gegen die Ruhriredite gestimmt, sondern sich teils der Stimme enthalten, teils sogar den Krediten zugestimmt haben, in ein höhnisches Freudengeheul auszubrechen, das sich natürlich vor allem gegen die deutsch Sozialdemokratie richten wird. Deshalb sei schon jetzt hier mit aller Klarheit festgestellt, daß wir für die Haltung unserer Genossen volles Ber ständnis haben. Wenn die sozialistische Fraktion, die gerode unter Führung Léon Blums einen so tapferen Kampf gegen die Ruhrbesetzung unter Poincaré führte, heute unter Herriot, der seinen Willen, die Ruhr sobald wie möglich zu räumen, feierlich und wiederholt geäußert hat, nicht den gleichen, rein negativen Standpunkt einnimmt, so ist dies eine Selbstverständlichkeit. Daß die Ruhr nicht innerhalb weniger Tage geräumt werden kann, sieht auch jeder vernünftige Deutsche ein; deshalb müssen die Mittel für den Unterhalt der Truppen aufgebracht werden. Entscheidend ist der Geist, in dem diese Kredite be. willigt wurden. Poincaré, Maginot und der Nationale Blod verlangten einst die Kredite, um an der Ruhr auf un absehbare Zeit zu bleiben. Herriot, seine Freunde und diejenigen Sozialisten, die sich schließlich entschlossen haben, an der Abstimmung teilzunehmen, wollen die Ruhr nach Annahme des Sachverständigengutachtens räumen. Das ist der große Unterschied. Die nationalistische Minderheit hat durch ein plumpes Manöver, das aus den Worten ihrer Redner Roulleaux Dugage, Bokanowski und Maginot deutlich hervorgeht, versucht, in dem sie ihre Stimmen für die von der Regierung geforderten Kredite gab, Herriot auf die Politit Poincarés fest zulegen. Herriot hat dieses Manöver durch die Stellung der Vertrauensfrage geschickt durchkreuzt, indem er auf sein allgemeines politisches Programm ausdrücklich hinwies, insbesondere auf die Regierungserklärung über die Ruhrräumung. Dadurch wurden die Nationalisten in die schlimmste Verlegenheit versezt: da sie nicht gegen die Ruhrkredite stimmen konnten, ohne sich lächerlich zu machen, haben fie für das Vertrauensvotum stimmen müssen, d. h. für das Friedensprogramm des Linksblocks. Damit haben sie sich aber erst recht lächerlich gemacht. Ausländische Flieger in Deutschland. London, 28. Juni.( WTB.) Den Blättern zufolge ist die Fort setzung des britischen Reichsluftverkehrsdienstes zwischen London und Berlin in Frage gestellt. Laut Morning Post" hat die deutsche Regierung auf eine Aenderung der den Bau deutscher Luftfahrzeuge betreffenden Beschränkungen gedrungen. Das britische Luftministerium sei auch dafür gewesen, da dieses den Weiter betrieb eines gegenseitigen Dienstes zwischen London und Berlin und feine Ausdehnung bis Prag ermöglicht haben würde. Eine der Alliierten nicht erfolgen, und Frankreich habe seine Zustimmung Menderung jener Beschränkungen fönne jedoch ohne die Zustimmung die von ihm gewährte Lizenz, die demnächst ablaufe, nicht erneuern bisher nicht erteilt. Deshalb drohe Deutschland jezt, daß es werde, jedenfalls solange nicht, als die Aenderung der Baubeschränkungen nicht erfolgt sei. Infolgebeffen werde der Reichs luftverkehrsdienst auf der fraglichen Linie vielleicht eingestellt werden müssen. abAnmerkung des WTB. Daß Deutschland mit der Nichterneuerung der am 30. Juni ablaufenden Konzession gedroht habe, ist, wie wir von zuständiger Stelle erfahren, nicht zutreffend. Die deutsche Regierung hat die englische Regierung lediglich darauf aufmertfam gemacht, daß fie, nachdem sie zu dem Ergebnis gelangt sei, daß ihre Bemühungen wegen Abänderung der für bie deutsche Industrie gültigen Baubeschränkungen in sehbarer Zeit keine Aussicht auf ein Ergebnis haben, nunmehr auch von den mit Deutschland im Luftverkehr stehenden ausländi schen Linien die Verwendung von Flugzeugen verlangen müffe, welche sich innerhalb der durch die Baubeschränkung begrifflich festgelegten Grenzen für Zivil- Luftzeuge halten. Sie hat sich babei aber ausbrüdlich bereit erklärt, die laufenden Konzeffionen an sich noch einmal auf zoei Monate zu verlängern. Die bevorstehenden Verfassungsfeiern. Der Minister des Innern hat folgende Berfügung erlaffen: Mit Rücksicht auf die bevorstehende Wiederkehr des Ber. faffungstages bestimme ich, daß für Veranstaltungen zu Ehren der Berfassung am 10. und 11. Auguft durchweg Aus nahmen von dem durch§ 3 der Verordnung des Reichspräsiden en vom 28. Februar 1924 ergangenen Berfammlungs- und Umzugs perbot zu geftatten Emb Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36. Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstraße 3 Nahende Schicksalsstunde. Die drei Dawes- Geseke. Einfache oder Zweidrittel mehrheit? Volksentscheid und Auflösung? Der Reichstag ist gestern in furze Sommerferien ges gangen. Die Stunde, die ihn wieder ruft, wird eine Ent scheidungsstunde für Deutschland sein. Drei Gesezentwürfe zur Ausführung des Sachvers ständigen gutachtens, die zurzeit der Beratung in den gemischten Kommissionen und im Reichskabinett unters liegen, werden zu erledigen sein: das Gesetz über die Goldnotenbant, das über die Eisenbahnen und ein drittes über die Industrieobligationen. Von den drei gemischten Kommiss fionen sind zwei, die für das Bankgesetz und die für das Eisenbahngeseh, ohne Hinzuziehung eines Neutralen mit ihrer Arbeit fertig geworden: ein Zeichen dafür, daß erhebliche Meinungsverschiedenheiten nicht auftauchten. Im übrigen hat der deutschnationale Lokal- Anzeiger" die Verdienste gerühmt, die sich der unterhandelnde deutsche Staatssekretär pigt erwarb, indem er verschiedene Verbesserungen in deut schem Sinne durchsetzte. Das läßt darauf schließen, daß sich die übertriebenen Befürchtungen, die die deutschnationale Presse gerade an dieses Gesetz fnüpfte, sich nicht als begründet ers weisen werden. Zur Entscheidung schwebender Kreditfragen über das Industrieobligationengesetz ist der schwedische Bankier Ballenberg als Neutraler hinzugezogen worden. Doch handelt es sich dabei, wie man hört, weniger um Meinungsverschieden= heiten zwischen den Deutschen und den Ententevertretern, als vielmehr um Differenzen unter diesen letzteren selbst. ** Das Sobald die drei Gefeßzentwürfe das Kabinett passiert haben, wird das Reichsjustizministerium ein Gutachten darüber erstatten, ob sie verfassungsändernd sind oder nicht, das heißt, ob sie, um Gefeßestraft zu erlangen, bei Anwesenheit von zwei Dritteln der Abgeordneten mit Zweidrittelmehrheit angenommen werden müssen oder ob einfache Mehrheit genügt. Ganz besonders wird sich diese Prüfung auf das Eisenbahngefeß erstrecken. Eisenbahnwesen ist in den Art. 89 bis 95 der Verfassung be fonders ausführlich geordnet. Danach hat das Reich die staatlichen Hoheitsrechte auf diesem Gebiet zu übernehmen. Verordnungen über Bau, Betrieb und Verkehr sind von der Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrats zu erlassen. Beiräte sind zu ernennen, das Tarifwesen ist zu beaufsichtigen, den Anforderungen des Reiches zu Zwecken der Landesverteidigung ist Folge zu leisten. Die juristischen Gutachter werden werden also zunächst zu prüfen haben, ob der Entwurf des Eisenbahngesetzes diesen Ansprüchen genügt oder nicht. Darüber hinaus wird noch eine andere Frage von ihnen zu entscheiden sein. Nach Art. 178 werden die Bestimmungen des am 28. Juni 1919 in Berfailles unterzeichneten Friedensvertrag durch die Verfassung nicht berührt. Geseze, die zur Ausführung des Friedensvertrages notwendig sind, wären danach keinesfalls als verfassungsändernd zu betrachten, sondern es würde zu ihrer Verabschiedung eine einfache Mehrheit genügen. Auf alle Fälle war es sehr voreilig, noch vor dem Vorliegen des Entwurfs zu behaupten, daß er unter allen UmStänden als verfassungsändernd zu betrachten sei. Soweit diese Voreiligkeit dem ehrlichen Eifer entspringt, die Verfaffung zu respektieren, verdient sie selber Respekt. Ganz offenbar aber haben bei der voreiligen Proflamierung jener staatseine Rolle gespielt. Zunächst sind die Deutschnatio rechtlichen These auch parteitattische Absichten nalen an der Feststellung interessiert, daß es ohne sie auf keinen Fall geht, dann gibt es aber auch in der bürgerlichen Mitte Politifer, die das Glück im rechten Winkel gar nicht mehr erwarten können und die die bevorstehenden Entscheidungen dazu benutzen wollen, um dem Bürgerblock die Weihe zu geben. Eine Erschwerung der außenpolitischen Situation wiegt diesen gewiegten Barlamentsstrategen federleicht gegen die Befriedigung ihrer inneren Sehnsüchte und Brünfte. * Wollte sich die Sozialdemokratie auf das gleiche Niveauf mit jenen Rechts- und Halbrechtspolitikern begeben, so könnte fie ihre Zustimmung zu den drei Gesezen ebenso von Bebingungen abhängig machen, wie es die Deutschnationalen gern tun möchten, könnte sie ebenso Nöte und Notwendigkeiten der Außenpolitik zu Erpressungen ausnügen zwecks Erweiterung ihrer eigenen Macht. Die Sozialdemokratie betrachtet jedoch ihren Kampf für die Ausführung des Gutachtens als einen Dienst am Volke, als eine Sache, die um ihrer selbst willen getan werden muß. Die Sozialdemokratie ist auf dem Weg vorausgegangen, den die Parteien der Mitte nach ihr, zaghaft und schwankend wie immer, betreten haben. Die Politit, die Deutschland jetzt treibt, ist nicht denkbar ohne das Vorhandensein einer starken Sozialdemokratie, ohne sie wäre das politisch hilflose deutsche Bürgertum in Gott weiß was für eine unhaltbare Situation hineingeschlittert und hinein getapert 7 Der off zitierte Sah, Deutschland fönne ohne die Sozialdemokratie gar feine bessere Position wünschen, als sie durch bemokratie nicht mehr regiert werden, ist nicht ganz richtig die Ablehnung der Gefeße im Reichstag entstehen würde. Deutschland fann auch ohne die Sozialdemokratie regiert Der Kampf, der dann folgen müßte, würde furz, heftig und werdenes fragt sich nur, wie und wohin! fiegreich sein. Wollen unfere Gegner diesen Kampf, so sollen sie ihn haben! * Die Londoner Konferenz soll am 16. Juli zusammentreten. lichen Durchführung des Gutachtens die Schlußfolgerungen Hetzerisch und feig. ffeigen bei allen Gruppen im Endgehalt auf 8 M. Die Kinders Ueber die vorüber. 3ulagen bleiben unverändert. gehende Einstellung des Abbaues ist kein Kabinettsbeschluß gefaßt worden. Es haben lediglich im Reichsfinanzministerium Vorbesprechungen stattgefunden. Die große Entrüstung, die in der Beamtenschaft über dic völlig ungenügende Korrektur der BesoldungsSie rechnet damit, schon aus der tatsächlich erfolgten gele Die ,, Deutsche Tageszeitung" will nichts gesagt haben. regelung vorhanden ist, tommt in einem Beschluß zum Ausdruc, ziehen und sie zum 1. August in Kraft treten zu lassen. Da- Die Deutsche Tageszeitung" veröffentlichte in nach hätte vom 1. August an jede wirtschaftliche Einmischung ihrer Freitagabendausgabe einen Aufsatz unter der Ueber in das Leben des besetzten Gebiets aufzuhören. Micumver fchrift: Maßnahmen des Wohlwollen s" und träge und Regie würden fallen. Dazu ist aber rasche Arfranzöfifche Politit. Wir unterzogen am Sonn beit notwendig. Wir erwarten, daß weder das Reichs- abendmorgen diesen Auffaß einer kritischen Betrachtung, in fabinett noch der Reichstag überflüssigerweise auch nur eine der wir feststellten, daß aus agitatorischen Gründen die Deutsch Minute Zeit verlieren wird! nationalen jede Maßnahme des Entgegenkommens für un genügend erblicken. Wir kennzeichneten die Methode, das bewiesene Entgegenkommen zu messen an Forderungen, die war wohl moralische Bedeutung, aber feinen realpolitischen Bert haben. Wir schrieben: Auf alle Fälle kommt die Entscheidung schon im Juli, wenn es gut geht, schon in seiner ersten Hälfte. Gelingt es nicht, eine positive Erledigung der drei Gefeße zu erreichen, so bleibt nichts anderes übrig, als den Reichstag aufzulösen, den Volksentscheid über die abgelehnten Entwürfe herbeizuführen und so rasch wie möglich Neuwahlen zum Reichs tag vorzunehmen. Als Ergebnis fann man die Annahme der Gefeße durch das Volk selbst und eine erhebliche Stärkung der Sozialdemokratie im Reichstag voraussehen. Das läßt aber auch den Schluß zu, daß sich die Opposition hüten wird, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Vielen ihrer Mitglieder klingt im Ohr das Wort Helfferichs nad), daß nicht nur derjenige eine große Verantwortung auf sich nimmt, der das von ihm sogenannte" zweite Versailles" annimmt, aber auch derjenige, der es ablehnt. Biele von ihnen werden bereit sein, die Annahme der Gesetze durch diesen Reichstag einen für sie besseren friegen sie ja doch nicht mit einem hörbaren Uff der Erleichterung zu begrüßen, fowie sie ia auch über die Annahme der Militär fontrollnote fichtlich erfreut waren. Sie überlassen es den anderen zu tun, was notwendig und vernünftig ist, und fie selber schimpfen darüber. Das halten sie für eine gesunde Arbeitsteilung. Mit der Annahme der zur Durchführung des Gutachtens notwendigen Geseze mag sie nun glatt oder durch einen Konflikt hindurch erfolgen ist freilich noch lange nicht alles getan. Es bleibt der Eintritt Deutschlands in den Völker bund, für den abermals die Sozialdemokratie mit ihrer Interpellation im Reichstag die Initiative ergriffen hat, es bleibt das von Herriot aufgeworfene Problem der Siche rungsverträge. Es bleibt vor allem die Frage der inneren Lastenverteilung, die ganze Frage des Kurses der inneren Politit, die mit der auswärtigen untrennbar verbunden ist. Zwischen den Kämpfen von heute fündigen sich schon die von morgen an. Gelingt es, die drei Gesetze durch den Reichstag durch zubringen, so werden sich die Bestrebungen zur Schaffung einer Bürgerblodregierung noch stärker geltend machen als bisher. Was die Deutschnationalen von den Halbrechtspolitikern innerhalb der bürgerlichen Mitte noch trennt, sind die strittigen außenpolitischen Fragen. Sind die bereinigt, ,, Auf diese Art ist es natürlich sehr leicht, jede Maßnahme des Entgegenkommens als ungenügend hinzustellen." " 1 Wegen dieser Feststellung nennt uns die Deutsche Tages: zeitung" Fälscher" und sagt uns neben anderen Liebens würdigkeiten ,, moralischen und journalistischen Tiefstand" nach. Wir stellen nochmals fest, daß der kritisierte Aufsatz der Deutschen Tageszeitung" die Zurücknahme der Ausweisungen als ungenügend hinstellt. Und nicht nur als ungenügend, sondern geradezu als verdächtig, indem er Herriot unter ftellt, daß er mit Hilfe solcher Maßnahmen Deutschland um so mehr bedrücken wolle. Morin soll nun die Fälschung bestehen? Hält die Deutsche Tageszeitung" heute die Maßnahmen von Herriot für genügend? Will sie heute diese Maßnahmen mit Vertrauen statt mit Mißtrauen ansehen? Dann soll sie es ehrlich sagen! Wir werden dann aber sagen, daß sie heute anders denkt und schreibt als gestern und daß ihr rüdes und unanständiges Geschrei über unsere Kritik nur zeigt, daß wir ihr haben Recht geschehen lassen. Ksiaze Psczyne. Wandlungsfähige Patrioten. den der Vorstand des Allgemeinten Deutschen Beamtenbundes in seiner gestrigen Sitzung gefaßt hat. Die Bewilligung von monatlichen Aufbesserungen von 2 bis 8 M. wird als ein blutiger Hohn für die Beamten der unteren Besoldungsgruppen bezeichnet, die fo mit Trinfgeldern von 5 bis 25 Pf. für den Tag abgefunden werden. Mit Bedauern wird festgestellt, daß dem sozialdemo fratischen Antrag, die Ermächtigung zur selbständigen Regelung der Beamtenbesoldung dem Reichsfinanzministerium sofort zu catziehen, sämtliche bürgerlichen Parteien wider. sprochen haben. Da sich die Beamtenschaft mit der weiteren Aufrechterhaltung der Selbstherrlichkeit und Willfürherrschaft des Reichs finanzministeriums nicht einverstanden erklären kann, fordert der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes vom Hauptausschuß des Reichstages die sofortige Aufhebung der Ermättigungsverordnung und die Beseitigung des Sperr= gefeges, das dem Reichsfinanzministerium eine diktatorische Gewalt auch gegenüber den Ländern gibt. Er richtet weiter an den Reichstag die Aufforderung nach Beseitigung der Ermächtigungsverordnung, das Besoldungsunrecht durch Schaffung einer volltommen. neuen Besoldungsordnung zu beseitigen und die notwendigen Mittel dafür durch die Steuern, die den Befiz und die kapitalgewinne an ihrer Quelle erfassen, aufzubringen. Die Rückkehr der Ausgewiesenen. Der Strom der Ausgewiesenen, die in diesen Tagen mit einmal zu Tausenden ins befeßte Gebiet zurückkehren und dort Heimat, Boh nung und Arbeit suchen, wird große Schwierigkeiten schaffen, zu deren raschen Beseitigung Reich, Länder und die Gemeinden des besetzten Gebietes ihre ganze Kraft einsehen müssen. Der am Montag zusammentretende neugebildete Reichstags= ausschuß für die beseßten Gebiete dürfte ein gutes Stüd Arbeit bewältigen müssen. Die an sich schon schwierige Wohnungsfrage findet glücklicherweise durch die am 1. Juli beginnenden Schulferien eine gewisse Hilfe; denn die von verschiedenen Gemeinden freigehaltenen Wohnungen werden nicht entfernt ausreichen, die Massennachfrage nach Wohnraum zu befriedigen. Infolge der Ferien können in den Schulen für den Augenblick wenig. ftens Notquartier geschaffen werden. Der amtliche Bericht des polnischen Staatspräsidenten meidele ver einigen Tagen:„ Der Fürst von Biczyne nebst Sohn wurden heute vom Präsidenten der Republik und dann von den Mitgliedern der Regierung empfangen." Die Frankfurter Zeitung" macht darauf aufmerksam, daß unter diesem Ksiaze Psczyne sich nie. mand anders verbirgt, als Herr Hans Heinrich XV., Fürst Die zurückkehrenden Arbeiter werden bei der im besetzten Gebiet non Bleh, Graf von Hochberg, Freiherr zu Fürstenstein, Durch herrschenden Wirtschaftskrise unmöglich in kurzer Zeit Arbeit finden. laucht. Diefer chrenwerte, selbstverständlich früher stramm deutsch Die übliche Betreuung von zwei Monaten muß daher verlängert nationale. hochtonjervative Fürst von Bleß, ein Intimus Bilheims werden. Die der Beamtenbesoldung angepaßten und nach der sovon Doorn, hat also sehr schnell den Weg von patriotisch- deutzialen Stellung der Unterſtügungsbedürftigen sich richtenden Sätze scher zu patriotisch- polnischer Gesinnung gefunden. Deutsche Arbeiter, der Betreuung, die bisher von 14 Tagen zu 14 Tagen( auf 85 Proz., Bürger und Bauern haben unter ihrem Bekenninis und ihrer An- 70 Broz. usw.) gefürzt wurden, müssen höher gehalten werden. hänglichkeit an ihre deutsche Kultur in Polen schwer zu leiden. Die Spigen der Nation finden den llebergang leicht und schmerzlos, fie verstehen es, nationale Bekenntnisse zu wechseln wie andere faum ihre Kleider. Die Rückkehr der ausgewiesenen Beamten schließt allerdings, mie die Rechtspreffe gefliffentlich hervorhebt, noch nicht die Wiedereinstellung ins Amt in sich, aber auch hier ist, wie mir hören, eine unverkennbare Befferung festzustellen. Einer ganzen Reihe von Anträgen um Wiedereinstellung, die an die Bezirks. stattgegeben worden. An unterrichteter Stelle betrachtet man die Wiebereinstellung als selbstverständliche Konsequenz der Erlaubnis zur Rüdfehr. fo gibt es nichts Trennendes mehr. Andererseits findet die Die Besoldungswillkür der Reichsregierung. belegierten der Rheinlandkominiſſion gerichtet werden müſſen, ye Bestreben starte Resonanz nicht nur in den Volksmassen, sondern auch meit in die bürgerlichen Mittelparteien hinein. Klare Verhältnisse werden sich in diesem Reichstag faum jemals schaffen lassen. Aus außenpolitischen und wirtschaftlichen Gründen wäre es aufs tiefste zu beklagen, wenn die Gefeße zur Durchführung des Gutachtens im Reichstag auf unüberwindliche Hindernisse stießen. Jede Verzögerung bedeutet neue Erschütterung der Wirtschaft, gesteigerte Kreditnot, wachsende Unsicherheit, vermehrte Arbeitslosigkeit. Aber taktisch fönnte sich die SozialBuridans Efel. Bon Hans Otto Henel Das Reichsfabinett hat in seiner Freitagsigung den Nach trag zur Besoldungsordnung verabschiedet. Entsprechend den Be: schlüssen des Reichstages wird der ganze vom Reichsfinanzmini- Wenn schließlich da und dort noch Beschlagnahmungen sterium zur Verfügung gestellte Betrag auf die Grundgehälter von Wohnungen u. dergl. vorkommen, so handelt es sich augender Gruppen I bis VI verteilt. Dabei ist die geringste Erhöhung blicklich um Maßnahmen poincaristisch eingestellter Persönlichkeiten auf 2 M., die Erhöhung der Endgehälter auf 8 M. festgesetzt worder Besatzung, die absichtlich noch von früher laufende Orders den. Die ersten Gehaltsstufen sämtlicher Gruppen und damit die durchführen, obwohl diese durch die politische Umstellung int Diätare gehen leer aus. In der ersten Besoldungsgruppe beginnt Rheinland überholt sind. Auch diesem Zustand dürfte bald ein die Erhöhung mit 2 M. bei Stufe VI, in der Gruppe II bei Ende gemacht werden, da von Paris aus bereits entsprechende Ans Stufe IV, in den Gruppen III bis VI bei Stufe II. Die Erhöhungen meifungen ergangen sind. finnung mit der des Einbrechers. Da beunruhigte ihn eine Meine chriftliche Seelenlähmung: 11 " Sie sind vielleicht eingebrochen, weil Sie Hunger hatten?" Der vornehm gekleidete Herr, der die Koffer schon in Händen ,, Gewiß, natürlich, feit acht Tagen habe ich nichts gegeffen Bielleicht hatte der Eigentums- und Sabbatfchänder doch Hun hatte, atmete auf. ger? Er oder seine Familie?" Der dide Händler lachte beluftigt. Eigentlich war Friedebert Kandidat der Theologie gewesen, aber Muß einer, der Hunger hat, dort einbrechen, wo es teure die zu seinem Leidwesen in weiteste Kreise eingedrungene Unfitte, Bürste und Bitöre gibt? Nee! Hunger fann man in der Armenden Himmel schon auf Erden zu suchen ,, hatte ihn frühzeitig der Hoff- tüche loswerden. Du sollst nicht stehien, das ist das erste Gebot, mung beraubt, eine Seelenhirtenstellung zu finden. Er mußte feine und dieser Kerl hätte mir für fünf- oder sechstausend Mart meg falligraphischen Künfte mit Adressenschreiben profanieren, statt bamit in Tauf, und Trauregiſtern zu glänzen. Friedebert schrieb alfo geschleppt, wenn Sie waderer Mensch mich nicht davor bewahrt Adressen, Tag für Tag, mit Ausnahme des Sabbats, den er selbst- hätten. Deshalb fennt meine Dankbarkeit feine Grenzen." verständlich heiligte und an dem er nachmittags fpazieren ging. Friedebert befand sich auf dem Heimwege von einem Sonntagsspaziergang. Als er durch die stille Nordstraße schlenderte, sah er dort, wo er ein Geschäft mit dieser Gegend angemessenen teuren Delikatessen wußte, wie ein Mensch durch ein seitliches Barterre fenster in ein Haus einstieg. Für Friedebert gab es feinen Zweife!, daß hier ein Einbruch geschah. Er pürschte sich heran, lauschte, hörte ein Geräusch im Laden und beschloß, Bollzugsorgan des göttlichen Auges zu sein. Zu diesem Zweck prägte er sich schnell den Namen des Firmenschilds ein und stieg in dem Hause, in dem sich der Laden befand, bis zum ersten Stock empor, wo er den gleichen Namen auf dem Türschild wieder las. Friedebert flingelte. Der Besizer des Geschäfts stand vor ihm, " Sie wünschen?" ,, Man bricht soeben in ihren Laden ein." Mit einer Geschwindigkeit, die man seiner Korpulenz nicht zu getraut hätte, ergriff der Dickbauch ein Blätteisen, den Schlüffel zum Laden und Friedebert am Aermel des fadenscheinigen Kandidatenrocks und wetzte mit den drei Dingen die Treppe hinunter. Der Schlüssel fnackte im Schloß. Das Plätteisen erhoben, knipste der Fetttloß Licht an und rief in den Laden hinein: Hände hoch!" Zwischen einer Rifte mit Haferkatao und einem Butterfaß hockte jämmerlich ein älterer Mann, zitternd und blaß. „ Einbrecher! Raubmörder!" brüllte der Ladenbesitzer, und der bide hals drohte ihm zu plaken. Nicht einmal mehr vor dem geheiligten Sonntag macht die Berworfenheit halt!" fistelte Friedebert. Gnade!" wimmerte der Erwischte. Meine Kinder hungern." ,, und deshalb mußt du bei mir Schinken maufen?" entrüstete sich der Dicke. Eine Viertelstunde später, nachdem die telephonisch herbeigerufenen Schuhleute mit dem angstschlotternden Einbrecher abge zogen waren, drückte der dicke Besitzer des Geschäfts dem gerechtig feitschwißenden Friedebert die Hand. Als Friedebert zu Hause bei seiner üblichen Erbsbrühe mit trodenem Brot faß, wollte hm das Zeug nicht schmeden. Ein Ge Sante fam ihm, vor dem er anfänglich erschraf, der ihm zu ungewohnt mutvoll war, der sich aber nicht abweisen ließ. Am nächsten Abend stand Friedebert wieder vor dem dicken Delikatessenhändler. Die Borsehung hatte mich ausersehen, Sie gestern abend vor einem großen Schaden zu bewahren. Die Versicherung Ihrer Dam Garfeit gibt mir Mut Der Dicke beäugte ihn mißtrauisch. ,, Man ist natürlich höflich," brummte er. „ Sie versprachen, Ihrer Dankbarkeit feine Grenzen zu ziehen. Ich verlange teine grenzenlose Dantbarkeit, aber ich bin ein ormer Teufel geben Sie mir hundert Mark!" berrr! Sind Sie verrückt? Einen Einbrecher anzuzeigen ist staatsbürgerliche Pflicht! Wollen Sie sich Ihre Pflicht bezahlen Icffen?" Die sittliche Entrüstung troff dem Diden vom Munde. Friede berts Mut schwand. ,, Erlauben Sie, der möglicherweise riesige Schaden ,, Schaden? Wenn der Kerl wirklich bloß Hunger hatte, was ich in mer mehr glaube, hätte er mir schlimmstenfalls für zehn, fünfzehn Mark weggefressen. Im Grunde genommen hatten Sie sich gar richt darum zu befümmern. Jezt verlangen Sie dafür, daß Sie einen armen Menschen in die Linte reiten, noch Geld? Pfui Teufel!" Friedebert wich dem ausgefpucien Pfui so tnapp aus, daß es dach noch seine Stiefelspige trof, und er nerzog fich. Beim Nach haufegehen stellte er Betrachtungen darüber an, ob es überhaupt der Mühe wert sei, Bollzugsorgan des alles sehenden göttlichen Auges zu sein. Die Konsequenzen wagte er sich vorerst noch nicht auszudenken. Borgestern befand sich Friedebert wiederum auf dem Nachhause. wege von seinem Sonntagsspaziergang. Als er durch die Nordstraße fam und den Laden des Delikatessenhändlers ziemlich erreicht hatte, plumpften zwei schmere Risten aus dem seitlichen Fenster des Hochparterre und gleich hinter ihnen ein Mann, der beim Anblick Friedeberts erschroden bleich wurde. Friedebert überfah die Situation und Friedebert freute fich deffen und verglich stolz seine untadelige Gee die Sadje richtig anfassen. Sie haben mich vor einem Echaden bewahrt, junger Mann, ber hod) in die Taufende gehen würde. Ich will Ihnen ewig dankbar fein!". D, heute würde er und Gerade da wurde ein Fenster im ersten Stodwerk geöffnet und ber pomadeglänzende Kopf des dicken Ladenbefizers schaute heraus. Der Mann mit den Koffern drückte Friedebert an die Wand. Im felben Augenblick hielt ein Automobil vor dem Hause. Er sprang mit den Koffern hinein und ließ Friedebert in der Benzinwolfe des davonfahrenden Autos stehen. Da stand auch schon der feiste Befiger neben ihm. ,, Wer war das?" Ein Einbrecher, der seit acht Tagen nichts gegeffen hat." Der Dicke brüllte, hart am Schlaganfall vorbei: ,, Und Sie lassen ihn entkonimen? Herr! Sie find mir für den Schaden haftbar! Polizei! Polizei!" Der von der nächsten Ede laufschrittlich herbeieilende Schupcmann erklärte Friedebert nach kurzem Berhör: ,, Sie sind der Begünstigung des Einbruchs dringend verdächtig. Ich verhafte Sie!" Friedebert mußte im Polizeigewahrsam sigen und hatte Zeit, fich zu überlegen: Wenn mich die göttliche Vorsehung erfürt, in ihren Vergeltungsabsichten eine Rolle zu spielen, alfo 3. B. etwas zu sehen muß ich gehorchen oder darf ich mich blind stellen? Darf ist selbständig entscheiden oder muß ich das dem dicken Händler überlassen? Muß ich auf die Belohnung im Himmel warten, oder darf ich eine fozusagen Abschlagsvergütung schon auf Erden an nehmen? Friedebert ist selbstverständlich längst aus dem Polizeigewahr fam entlaffen, aber zu einem Ergebnis seines Nachdenkens ist er noch nicht gekommen. Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. Die Mitglieder der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, vertreten durch die Rektoren der deutschen Hochschulen und die Leiter der größten wiffenschaftlichen Bereinigungen, sowie die Bertreter der beteiligten Minifte rien des Reiches und der Länder versammelten sich zum dritten Male zu Berlin. In seinem Jahresbericht gab der Präsident, Staatsseit dem Bestehen der Notgemeinschaft in deren Räumen im Schloß minister Dr. Schmidt Dtt, einen lleberblick über die Unterstügungen, die der wissenschaftlichen Forschung durch die Notgemeinfchaft zugeleitet wurden und manchen Motstand abhelfen konnten. Diese Hilfstätigkeit wurde in erster Linie durch die Hilfe des Reiches, sodann aber auch durch Stiftungen des In- und Auslandes ermöglicht. In zwei Entschließungen erging an die deutsche Deffentlichkeit und an unsere Freunde im Ausland der dringende Appell, auch weiterhin durch Gewährung von finanziellen Unterstützungen zur Förderung der Wissenschaft beizutragen. Die Stadt Hamburg erwirbt Ciliencrons Nachlaß. Der Hamburger Senat hat bei der Bürgerschaft beantragt, den literarischen Nachlaß Detlens v. Liliencron für 13 000 Goldmart zu erwerben und der Witwe des Dichters eine lebenslängliche Rente bon jährlich 2000 Goldint. zu bewilligen, Wer vertritt die Landwirtschaft? Die unberechtigten Ansprüche des Landbundes. geben, daß es zehnmal leichter iſt, einen Bauern im jezigen Eine Kundgebung der italienischen Genossen. Zeitpunkte von der Notwendigkeit der Schußzölle zu überzeugen, als ihm sachlich die wirtschaftlichen und politischen Der Landbund hat vor einigen Tagen bei der Reichs. Gründe für die bestehende Agrarfrisis auseinanderzusehen. regierung und im Reichstag Schritte unternommen, die ihn Zum Schluß fei noch festgestellt, daß weite Kreise der in ihrer junkerlichen robusten Art als würdigen Nachfolger Landbevölkerung das gegenwärtige Treiben des Landbundes des ehemaligen Bundes der Landwirte fennzeichnen. Bei aufs schärffte mig billigen. Sie durchschauen deutlich die folchen Aktionen gefällt sich der Landbund in der Pose ais Absicht des Landbundes, mit seinem forschen" Vorgehen auf Alleinvertreter landwirtschaftlicher Interessen zu gel das Gefühl der Landbevölkerung einzuwirken. Die vom Land. ten und spricht bei seinen Forderungen schlechthin als von bund soviel gefchmähten Führer der anderen landwirtFerderungen der Landwirtschaft. Das ist eine grobe Irre- schaftlichen Organisationen fönnen aber derartige Aftionen nicht führung der öffentlichen Meinung, denn der Landbund mitmachen, weil diese sich dem Gesamtvolfe gegenüber per hat noch nicht einmal die Hälfte der deutschen Land. antwortlich fühlen und schon deshalb nicht in der taktisch wirtschaft hinter sich und ist feineswegs dazu berufen, im günstigen Lage sind, in Oppositionsstellung zur Regierung und Namen des gesamten Landvolkes zu sprechen. Die angegebene bestehenden Staatsform zu stehen. Mitgliederzahl des Landbundes von annähernd 5 Millionen ist schon deswegen irreführend, weil es nur etwa 2 Millionen Landwirte mit über 2 Heftar Betriebsfläche im heutigen Deutschland gibt. Nun zählt der Landbund bekanntlich auch die von ihm ins Leben gerufenen gelben Landarbeiterorganisationen mit, außerdem vielfach Söhne und Töchter eines Betriebsinhabers als felbständige Mitglieder. In anderen Fällen ist ein Landbundmitglied auch noch im Berpächterverband oder einer ähnlichen Bereinigung organi. fiert, welche wiederum forporativ der Zentrale des Reichslandbundes angeschlossen ist und zählt dadurch doppelt oder dreimal. Die Micum- Verhandlungen. Die Micum bietet Erleichterungen an. Düffeldorf, 28. Juni.( TU.) Von französischer Seite wird über die heutigen Micum- Berhandlungen folgendes mitgeteilt: Die Verhandlungen zur Erneuerung des Migum- Abkommens sind heute um 10 Uhr in Düsseldorf wieder aufgenommen worden. Der Sigung wohnten deutscherseits die Herren Bögler, Fidler, Herbig und Jüngst bei. Die anderen Mitglieder der Sechserkommiffion hatten sich entschuldigt. Nach Prüfung der wirtschaftlichen Lage der Zechen und der Industriebetriebe hat die Micum sich be= Auch hat der Landbund mehr wie jede andere landwirt. reiterklärt, die verschiedenen durch die Industriellen bisher gezahlten schaftliche Organisation eine große Zahl von Nichtland. Tagen und besonders die Kohlensteuer, die Verkehrs Anderer. wirten als Mitglieder aufgenommen. Sieht man nun ganz und Lizenztage erheblich zu ermäßigen. von Landarbeitern, landwirtschaftlichen Nebenbetrieben, Hand- feits wurde eine Einigung erzielt zwischen der Micum und werfern, Landwirtekindern und Nichtlandwirten ab, so haben der Sechserfommission bezüglich einer der Streitperiode des Monats wir es in Deutschland nur mit den 2 Millionen landwirt. Mai angemessenen Tonnagelieferung. Die Micum hat je fchaftlichen Betrieben von über 2 Heftar zu tun, und von doch entschieden, das Prinzip der tostenlosen Reparadiesen Betrieben hat der Landbund auf Grund von objektiventionslieferungen, wie sie das Programm der Reparations. Schäzungen vielleicht ein Drittel organisiert. Ein weiteres fommission bestimmt, aufrecht zu erhalten. Die Besprechun Drittel hat seine berufliche Vertretung in den chriftlichen gen werden nächsten Montag fortgefegt werden, nachdem Bauernvereinen, dem Deutschen Bauernbunde, dem Bayeris die Sechserkommission die Ansichten der Ruhrindustriellen und der schen Bauernbunde( Fehr) und des Reichsverbandes landwirt- deutschen Regierung eingeholt haben wird. schaftlicher Kleinbetriebe. Das letzte Drittel der Landwirte fann als unorganisiert gelten, gehört aber vielleicht zum Teil lokalen Vereinigungen an, die politisch keine Rolle. spielen. Ist die Bersplitterung der Arbeiterschaft in vier gewerf. schaftlichen Richtungen unnatürlich und ohne wirtschaftliche schaftlichen Richtungen unnatürlich und ohne wirtschaftliche Notwendigkeit, fo liegen die Dinge in der Landwirtschaft wesentlich anders. Hier ist wirtschaftspolitische Organisation in zwei oder mehreren Richtungen nicht nur das natürliche und notwendige, sondern auch infolge der verschiedenartigen Struktur der deutschen Landwirtschaft geradezu das ein= aige Mittel, um die Schar der Landlosen und Land: bedürftigen von der wirtschaftlichen und politischen or mundschaft des Großgrundbesizes zu befreien. Denn trog der vielen Reden vom Eintreten des Landbundes für den Kleinbetrieb ist und bleibt dieser die Schußtruppe des oftelbischen Großgrundbesiges und der Deutschnationalen Volkspartei. Nur eine führende Persönlichkeit im Landbunde, der Reichstagsabgeordnete Hepp, gehört dem rechten Flügel der Deutschen Bolfspartei an. Wenn der Landbund von feinen verhältnismäßig hohen Mitgliederzahlen aus fleinbäuerlichen Streifen spricht, so muß man ihm recht geben, daß er feit der Revolution feine Agitation bei den Kleinbauern äußerst geschickt betrieben hat. Bu Hilfe tam ihm dabei seine politische Oppositionsstellung zur Reichsregierung und den Landesregierungen gegenüber. Zuerst wurde die Landbenöl ferung mit der Parole der Zwangswirtschaft, dann mit der Sonderbesteuerung und heute mit der Forderung der Schuhzölle gegen die regierenden Parteien und die Regierungen mobilgemacht. Wer die Denkweise und den allgemeinen politischen Bildungsgrad des Kleinbauertums fennt, wird zu Düffeldorf, 28. Juni.( TU.) Die Sechserkommission gibt zu den heutigen Verhandlungen mit der Micum folgendes bekannt: In den heutigen Verhandlungen hat die Micum ihre Forderun gen auf Lieferung der Reparationsfohle auch für den Juli in vollem Umfange aufrechterhalten und jede Distuffion über eine ganze oder teilweise Bezahlung oder Kreditierung und über eine Berringerung der 3u liefernden Roblenmenge abgelehnt Dagegen bot sie eine Ermäßigung der Kohlensteuer bis zur Hälfte und unter Umständen auch noch etwas darüber hinaus, ebenso eine Verminderung der Ein- und Ausfuhrtage, sowie eine Verminderung der Verkehrsabgabe für Nebenprodukte auf die Hälfte- an. Mengenmäßig wurde für den Zoll eine Ermäßigung abgelehnt. Für Bech wurde eine solche von 40 Broz, für Sulfat und die anderen Rebenprodukte eine solche von 20 Broz. zugejagt. Diese außerordentlich gering. Die Sechserkommission hat den Standpunki Erleichterungen find im Verhältnis zu der Gesamtbelastung ganz außer ordentlich gering. Die Sechserkommiffion hat den Standpunti vertreten, daß angesichts der trostlosen wirtschaftlichen Lage im rheinisch westfälischen Bezirk mindestens die Kohlensteuer und die fonftigen gelblichen Belastungen vollständig weg fallen müßten. Die Sechserkommission wird Sonntag ber Regierung über die Verhandlungen berichten. Die Ber. handlungen mit der Micum werben am Montag vormittag fortgesetzt. Deutsche Amnestie für die Ruhrkämpfe. Aus Anlaß der zugunsten der Ruhrgefangenen und Ausgewiese nen vom franzöfifchen Ministerpräsidenten getroffenen Maßnahmen ift franzöfifcherfeits angeregt worden, zur weiteren Befriebung der besetzten Gebiete auch diejenigen Deutschen zu begnadigen, die während des Ruhrkampfes den französischen Behörden mittelbar oder unmittelbar Hilfe geleistet oder fich der Anwendung der Verordnungen der Interalltierten Rheinlandtommiffion oder den Anweisungen der Militärbehörden nicht widersezt haben. Die Parteileitung der der Sozialistischen Arbeiterinternationale angeschlossenen Sozialistischen Einheitspartei Sta. liens übersendet uns folgende Rundgebung vom 19. ds. Mts., die erst jetzt in Berlin eingetroffen ist: Parteigenossen! Giacomo Matteotti, der Sekretär der sozialistischen Einheitspartei, dessen heiliger Eifer unsere Reihen beseelte, der tapfere und begeisterte Kämpfer für die Sache der Internationale, ist einem infamen hinterhältigen Angriff der Faschisten zum Opfer gefallen und sicher getötet worden, obgleich uns die Mörder noch nicht feine Leiche herausgegeben haben. Die Verantwortlichteit für diesen Mord, der faltblütig und berechnend nach den Herzen unserer sozialistischen Organisation zielte, reicht hinauf bis in die obersten Sphären der faschistischen Partei und der faschistischen Regierung. Die Nachricht des Schrecklichen hat schon die Seele des internatio nalen Proletariats aufs Tiefste erschüttert. Wir erfüllen hier nur. die Pflicht einer offiziellen Rundgebung, indem wir den Genossen, den Brüdern der sozialistischen Internationale diese fluchwürdige Tat anzeigen, die nur eine, die legte Station auf dem Leidensmeg ist, den das italienische Proletariat seit drei Jahren beschreitet, im Rampfe gegen eine ruchlose Reaktion, die außer der staatlichen Be drückung auch faltblütig zum Morde greift. In unserem untröstbaren Schmerz über den wahrlich unerfeßlichen Verlust bietet uns nur die warme Solidarität der sozia liftischen Internationale Linderung, deren zahllose Protestkund gebungen in der ganzen Welt den Mord brandmarten. 2 ber unter Dem Ortan beugt sich die Partei nicht. Sie schließt ihre Reihen und hat an Stelle unferes gefallenen Genossen den Genossen uigi Basso mit dem Parteisekretariat betraut. Es lebe die Internationale! Es lebe der Sozialismus! Der Parteisekretär: Luigi Baffo. Dem Aufruf ist nachstehender Beschluß beigefügt: Die Leitung der sozialistischen Einheitspartei Italiens wendet bei ihrem ersten Zusammentritt nach dem gräßlichen Verbrechen, das fie ihren politischen Setretärs beraubt hat, thr Gedenten in tieffter Erschütterung dem hohen Geist, dem glühenden Glauben, ber, unermüdlichen Tätigkeit und dem erhabenen Heroismus ihres Märtyrers zu und ruft ihre unfagbare Entrüstung und ihren unfagbaren Schmerz in die Partei, in das Land, in die Welft hinaus. Ein gebent des Jbeals der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens, aus: dem feine unbefiegbare Kraft floß, ver bannt die Barteileitung aus ihrer Seele und aus ihren Werten jedes Gefühl des affes! und der Rache, aber sie heischt, sie fordert Gerechtigkeit. Gerechtigkeit gegen Alle und Alles und verpflichtet sich, unentwegt ihre Pflicht zu tun, um sie zu erlangen. Gleichzeitig tonstatiert sie, daß aus der durch das entfezliche Verbrechen enthüllten Situation mit jeder Stunde flarer nor den Augen der Nation erscheint, wie die Verantwortlichkeit der Tat nicht bei den Meuchelmördern uid deren Mandanten endet, sondern voll auf die ganze Regierung fällt. Um des wirklichen Friedens willen, um der Rückkehr zu geordnetem öffentlichen Leben und der Wiederherstellung des guten Namens unseres Bandes willen, zur Gewähr der Gerechtigkeit, pro tlamiert die Parteileitung die Notwendigkeit, einem Regime ein Ende zu machen, das aus unbestrafter Gewalttat geboren ist und durchy fie gelebt hat und unabwendbar in ein ungeheures Verbrechen ausmünden mußte. Angesichts der Ungeheuerlichkeit der Tat und der erhabenent Gestalt unseres Märtyrers beschwört die Parteileitung die Genossen, die Freunde, alle Rechtschaffenen, die an unserem Abscheu teilnehmen, sich aller manifestationen zu enthalten, die ohnehin hinter der Größe und dem Ernst der Situation zurückbleiben würden und den Gegnern den Vorwand für eine Ablentung der öffentlichen Meinung bieten fönnten und hält jedem vor Augen, daß es nur eine Form gibt, Matteotti würdig zu ehren: durch die Tai der Erlösung des Landes von einer Diftatur vorzubereiten, die es erdrückt und entehrt. Aus dem Land der Finsternis. Sie richten Tolstoi. Fortschreitende Berjudung des pölfifchen Geiftes. Bei der Agrardebatte im Reichstag konnte sich der deutschvölkische, tro un widerstehlichen Heldenmutes vom Kriegsdienst reflamierte Herr Schliephate nicht perfneifen, wieder einmal den aften Frig zu zilieren. der zum crößten Nationalsozialisten auf dem Throne Der Reichspräsident hat sich daraufhin entschlossen, die Begnadi. avcaziert ift, feit ihn Czerepy verfilmie. Herr Schliephate meinte gung derjenigen Deutschen in Aussicht zu stellen, die sich gegen die neckisch, daß die Vorratswirtschaft, die Friedrich II. getrieben habe, vom Reichspräsidenten aus Anlaß des Ruhrkampfes erlassenen Berauch der heutigen Regierung als Vorbild dienen müffe. Herrordnungen vergangen haben, soweit sie sich nicht des Hoch oder Schliephafe irrt, wenn er meint, daß Fridericus Reg ohne Bor Landesperrats schuldig gemacht haben. Soweit das Gnaden bilder gehandelt hat. Die erste Magazinwirtschaft, bie historisch recht den Ländern zusteht, werden entsprechende Gnadenmaßnahmen befannt ist, murde nämlich nicht von ihm, fondern von jenem feitens der beteiligten Länderregierungen, insbesondere Bayerns unb turzer Beratung verfündeten die Richter folgendes Urteil: Der seit Preußens, vorbereitet. biblischen Joseph getrieben, der beinahe die hocharifhe Madame Botiphar vergewaltigt hätte. Man sieht, wie weit die Berjudung des völkischen Geistes schon gediehen ist, wenn man jogar unter Umgehung der Weisen von Zion die Manen des biblischen Joseph heraufbefchwört und fich nicht fcheut, dem großen Friedrich ähnliche Gedankengänge zuzumuten. Bon der Anbetung jüdischer Borbilder bis zum Sturz der Botan- Eichen ist tein weiter Weg. Sollte ihn die Deutschvölkische Freiheitspartei schon beschritten haben? In einem Tag quer durch die Vereinigten Staaten. Der amerifanische Flieger Russol 3. Maughan, dessen Durthquerung der Bereinigten Staaten in 18 Stunden 26 Minuten bereits furz gemeldet wurde, hat den Wettkampf gegen die Sonne gewonnen". Er startete von Mincola auf Long Island 37 Minuten nach Sonnenaufgang und landete 20 Minuten nach Sonnenuntergang in San Franzisto; auf diese Weise schlug er die Sonne um 17 Minuten. Er machte auf feiner Fahrt fünfmal Halt, wodurch 3 Stunden 23 Minuten abzu ziehen sind, um die eigentliche Flugzeit zu erhalten. Die Entfernung, die er zurücklegte, betrug 2670 englische Meilen, die Geschwindigkeit, mit der er flog, über 144 Meilen in der Stunde. Als er anfam, war er so ermüdet, daß er von seinem Siz heruntergehoben merden mußte. Er litt schwer an der Luftkrankheit"; mehr als 100 Meilen war er durch dichten Nebel geflogen. Er würgte trog feiner Erschöpfung etwas herunter, um sein Gelöbnis zu erfüllen, am Morgen in New York zu frühstücken und am Abend in San Franzisko zu foupieren". Urania- Borrräge. Theater: Tägl. 5, 7, 9 Uhr: Der Berg bes Schicksals". Hörsaal: Sonnt. 8 Uhr: Maunt perest"; Mont. 7 Uhr, Mittw. 8, Uhr, Freitag 7 Uhr, Sonnt. 8 Uhr: Das erden des Menschen". Reisevorträge im Hörsaal: Sonnt 6 1hr Dienst. 8, 1hr, Rittm. 7 Uhr, Sonnab. 81, Uhr: Von der 8ugibige zum Basmann"; Mont. 8, Uhr, Donnerst. 7 1hr; Riefengebirge"; Dienst. 71, Uhr, Freit. 8, Uhr: Tirol" Donnerst. 8%, Uhr: Thüringen"; Freit. 7 Uhr: aber der Ost. nnd Nordseeküste". " " " Neue Presseverbote. Die Rote Fahne" und die Deutsche Zeitung". " " Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Der preußische Minister des Innern, Severing, hat gemäß Er mächtigung des Reichsministeriums des Innern auf Grund des 82, Abfag 1, der Berordnung des Reichspräsidenten vom 28. Fe bruar 1924 das Erscheinen der Roten Fahne" mit ihren Sonderblättern„ Die Rote Fahne am Montag", ferner, der Roten Fahne für die Provinz Brandenburg", der Roten Fahne der Laufig" und der„ Boffs wacht", Organ der Kommunistischen Partei Deutschlands für Mecklenburg, Schleswig- Holstein und Bommern, auf die Dauer von zwei Wochen, und zwar vom 29. Juni bis einschließlich 12. Juli boten. Ferner hat der Minister des Innern gemäß Ermächtigung des Reichsministers des Innern auf Grund des§ 2, Abfaz 1 und 2 Der Berordnung des Reichspräsidenten vom 28. Februar 1924 in der Faffung der Ergänzungsverordnung vom 17. Juni 1924 das Er scheinen der Deutschen 3eitung" auf die Dauer von zwei Wochen, und zwar vom 29. Juni bis einschließlich 12. Juli verboten. Beiden Zeitungen ist die Verfügung bereits mit ausführlicher Begründung zugegangen. Völkischer Amnestieantrag. München, 28. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Da alle bisherigen Bemühungen der Böltischen, die Staatsregierung zum Eingreifen in eie Justiz zugunsten der perurteilten Hochverräter des 8. November 1923 zu bewegen, feinen Erfolg hatten, versucht nunmehr die Land. Die diesjährige Düsseldorfer Kunstausstellung wird megen der Beschlag- tagsfraktion des Bölkischen Blocks durch Eingabe eines dringenden nahme des Düsseldorfer Kunstpalastes in stö In stattfinden. Gesezentwurfs die Frage von neuem aufzurollen. Dieser Gefeßentwurf will in vier Artikeln die vollständige Straf freiheit jener Personen herbeiführen, die sich irgendwie an dem Hitler- Lubendorff- Butsch beteiligt haben. Außerdem sollen den Berurteilten sämtliche Kosten erlassen und alle Vermerte dieser Berurteilung im Strafregister gefilgt werden. Abschaffung des unentgeltlichen Schulunterrichts in Mostau. Laut Be Laut Be schluß der Moskauer Boltsbildungsabteilung wird fortan in den Mostauer Schulen der ersten und zweiten Stuje Schulgeld erhoben, dessen Höhe von Einfünften, der Kinderzahl, sowie der sozialen Stellung der betreffenden Eltern abhängt. Befreit sind von der Zahlung Militärpersonen, Znvaliden, Bensionäre, Lebrer, registrierte Arbeitsloje, Arbeiter mit einem Jahresgehalt unter 60 Rubel und Baisen. Die Reichsausstellung in Wembley zählte bereits über fünf Millionen Bejucher, Beim obersten Saargericht in Saarlouis wird in den nächsten Tagen ein neues Mitglied eintreten, und zwar ein Luremburger, Moskau, 28. Juni.( Eigener Drahtberichf.) In Moskau wurde im Lenin- Klub in Anwesenheit zahlreicher proletarischer Richter und Schriftsteller an Tolstoi das Strafgericht vollzogen. Als teidigung" führte in anderthalbstündiger Rede Lunaticharsti. Nach Staatsanwalt fungierte Frau Krupskaja( Lenins Witwe), die„ Verteidigung" führte in anderthalbstündiger Rede Lunatscharsti. Nach 13 Jahren verstorbene, frühere Offizier der Zarenarmee, Edelmann und Gutsbefizer, 2. N. Tolstoi hat sich schuldig gemacht der Verbreitung von Werken mit kleinbürgerlichen Anschauungen, unter hartnädigem Verschweigen alles dessen, was in irgendeiner Beziehung zur Dittatur des Proletariats steht. In Anbetracht des Umstandes jedoch, daß Tolstoi in einer Epoche bürgerlicher Kultur lebte und ihm die groß en Jbeen des unvergeßlichen J1jiffch( Benin) unbefannt blieben, hat das Gericht ihm mildernde Umstände zugebilligt und beschlossen: 1. Entfernung feiner am meisten schädlichen Werte( Anna Karenina und Auferstehung) aus aller Bibliotheken. 2. Einſtampfen dieser Werte. 3. Berwendung des eingeftampften Bapieres zur Herausgabe der Werte Lenins, Sinomjews, Bucharins und anderer Führer der Weltrevolution. Eine Berufung gegen dieses Urteil ist nicht zufällig. Die Bersammelten gingen unter Abfingung der Internationale" und den Rufen Nieder mit Tolstoi", Es lebe Lenin" auseinander. " Trotti gegen Maxim Gorki. Mostau, 28. Juni,( TU.) In einer Rede, die Troßfi im Ber band der russischen Schriftsteller in Mostau hielt, richtete dieser scharfe Angriffe gegen Magim Gorti. Trogti fagte: Marini Borti ist zweifellos einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller der Gegenwart, aber leider begreift er nicht den Schwung der russischen Revolution, und deshalb fann er weder die geiftigen Führer dieser Revolution, noch die Revolution selbst lieben, Das Verhalten Gortis gegenüber der Bauernschaft ist für uns ein interessantes, psychologisches Rätsel. Marim Gorki ruft uns zu: Bolschewistenführer, erinnert euch an meine Worte: Es wird der Tag to mmen, wo der russische Bauer gegen euren error aufstehen wird und dann wehe euch! Der ruffische Bauer wird dann ohne Erbarmen eure Köpfe„ abschrauben". Das ist sicherlich sehr bildlich und fünstlerisch gesprochen, aber Gorki pergißt, daß, wenn der russische Bauer sich gegen die bolschewiſtiſche Regierung erhebt und eine Bauernrevolution ausbricht, nicht nur bem besten Teil ber ruffischen Intelligenz, fondern auch der Arbeiter. Klasse der Kopf abgeschraubt" wird. Maxim Gorki, ber es perstanden hat, mit füßlichen Artikeln über Lenin unsere Regierung zu täuschen und von uns einen Krankenurlaub ins Ausland erhielt, hat sofort, als er die Grenzen Rußlands überschritten hatte, die Maste heruntergeworfen und zeigt sich nun in seinem mahren Licht. Er wühlt jezt die russischen Bauern auf und her fie zu einer Revolution gegen die bolichemistische Regierung, Sing Tätigteit, bie pon uns nicht genug perurteilt merben farm Gewerkschaftsbewegung Sozialpolitische Reaktion. Wir haben fürzlich die Tatsache mitgeteilt, daß auf Beschluß feines Verwaltungsausschusses das Landesarbeitsamt Berlin den Antrag an das Reichsarbeitsministerium gestellt hat, um die Unterstützungsfäße der Erwerbslosenfürsorge zu erhöhen. Diesem im April gestellten Antrag folgte im Juni ein weiterer Antrag auf Wiedereinführung der Kurzarbeiterunterstützung. Wie mir dazu erfahren, ist das Reichsarbeitsministerium allein nicht befugt, einem solchen Antrage stattzugeben, sondern muß die Zustimmung des Gesamtfabinetts einholen. Eine derartige Prozedur wäre zur Not noch verständlich, wenn es sich um eine aus Reichsmitteln zu bestreitende Erwerbs. Gegenwärtig haben wir jedoch in Iosenfürsorge handelte. Wirklichkeit eine Erwerbslojen versicherung. Es ist ein alter die Sozialversicherungen in Selbstverwaltung ihre Bestimmungen Grundsatz, der schon zur Zeiten Bismarcks durchgeführt wurde, daß innerhalb des gesetzlichen Rahmens regein. Man hat die Erwerbs, Losenfürsorge aus öfentlichen Mitteln abgebaut, die Erwerbslosenversicherung, deren Mittel von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgebracht werden, eingeführt, ohne gleichzeitig das notwendige Korrelativ der Selbstverwaltung einzuführen. Die Arbeitsämter, die die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeit. nehmer verwalten, haben im Laufe der letzten Monate große Fonds anfammeln fönnen. Es hat sich herausgestellt, daß die überaus niedrigen Unterstützungsfäße in feinem Verhältnis zu den Beiträgen stehen. Mag man auf gefeßlichem Wege den Selbstverwaltungsförperschaften vorschreiben, daß sie verpflichtet find, eine gewisse Reserve anzusammeln, die auch in Zeiten der Krise ausreicht, die laufenden Unterstützungen für etwa 2-3 Wochen aufzubringen. Aber innerhalb dieser Grenzen muß es den Arbeitsämtern völlig freigestellt werden, die Beiträge dieser Unterstützungssäge so zu regeln, wie es die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Bezirke erfordern. Daß das Reichskabinett, das selbstverständlich über die verschiedenen Berhältnisse innerhalb des Bereiches des einen oder anderen Arbeitsamtes fein kompetentes Urteil haben kann, sich vorbehält, selbstherrlich die Höhe der Unterstützungssäge zu bestimmen, ift ganz und gar unhaltbar. Wir stehen jetzt wieder in einer Wirtschaftskrise. Die Wirkun gen und die Dauer einer solchen Krise tönnen gemildert werden, wenn den Arbeitslosen die Möglichkeit gegeben ist, mit der Erwerbslosenunterstützung ihre Arbeitskraft zu erhalten. Wenn diese Unterstützung aber so gering ist, daß sie weniger ads die Armentlist Eff 2 Srael ...... Mr. 0.45 Madapolam 80 cm....... Mtr. Hemdentuch 80 cm..... Mtr, 0.65 Linon 80 cm 0,90 130 cm 1.45 Lakenstoff Haustuch 140 cm 1.75 Stubenhandtuch weiß halbleinener Drell, 50x100 cm 0.75 Frottierhandtuch weiß, 50x100 cm 0.95 unterstützung beträgt, mie bas in Berlin ber Fall ist, dann trägt fie bazu bei, die Krise zu verschärfen. Die Frage der Abänderung des Schußpolizeibeamtengeleges hängt in erster Linie von der Gestaltung unserer außenpoliti fchen Situation ab. Erst nach Erledigung der Militärkontrolle, die auch die Schutzpolizeibeamtenfrage umfaßt, fann eine organisatorische und beamtenrechtliche Neuregelung in der Lage der Schußpolizei er folgen. Die Entente hat bis jetzt, wenn auch nicht ausdrücklich, so doch stillschweigend, die seit 1922 bestehende gefeßliche Regelung an erkannt. Rommt eine Lösung in der Militärkontrollfrage, dann steht eine Erweiterung der Rechte der Schußpolizeibeamten in Aussicht. Mit unserer Sozialpolitt ist es überhaupt ein trauriges Kapitel. Heute steht Deutschland in sozialpolitischer Beziehung an letzter Stelle aller europäischer Industriestaaten. Es wird Zeit, daß wir einen rücksichtslosen Rampf gegen das verzopfte und reaktionäre System aufnehmen, das augenblicklich Trumpf ist. Wenn man der Frage nachgeht, wie es fommen fonnte, daß in Deutschland die Sozial politit teilweise hinter die Bismarcsche Sozialgesetzgebung zurüdrevidiert worden ist, dann muß man die Tatsache feststellen, daß zu den Zeiten der faiserlichen Regierung diefe es war, die unter dem Antrieb der sozialdemokratischen Forderungen und unter dem Druckschaftsbundes( Sitz Amsterdam) stehenden Mitglieder des Zentralver. der organisierten Arbeitermassen dem Bürgertum die Sozialgesetzgebung aufgezwungen hat. Heute regiert dieses Bürgertum. Wenn man die sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Anschauungen lieft, wie fie im Arbeit geber" verzapft werden, wenn man die geradezu vorfintflutlichen Anschauungen der Unternehmer in allen sozialen Fragen fennt, dann als das ausführende Organ der Unternehmer betrachtet, in sozialbarf man fich freilich nicht wundern, wenn eine Regierung, die sich politischer Beziehung Deutschland an den Pranger stellt. Eine Aen derung und eine Befferung wird erst eintreten, wenn die großen Maffen des werftätigen Volfes, denen man heute alle Lasten aufbürbet, fich entschloffen für die Demokratisierung der Sozialgesetzgebung einfegen. Daß fie es tun werden, wenn wir für die notwendige Aufklärung forgen, baran fann fein Zweifel bestehen. Die Beamtenrechte der Schupo. Die sozialdemokratische Reichsbeamtentagung hat dem Reichsbeamtenbeirat nahegelegt, bei den fozialdemokratischen Fraktionen des Reichs und der Länder dahin zu wirken, daß alsbald eine Neuregelung des Dienstverhältnisses der Schuh polizeibeamten gefchaffen wird. Die Schuhpolizeibeamten sollen mit allen Rechten und Pflichten der Landesbeamten ausgestattet werden. Diefer Neurigelung steht ,, wie der Soz. Parlamentsdienst erfährt, gegenwärtig noch das Reichsgesetz der Schutzpolizeibeamten der Länder vom 17. Juni 1922 im Wege. Dieses Gefeß wird jedoch nur als Uebergangsgefeg betrachtet. Es hat bis zum 31. Dezember 1925 Gültigkeit. Im Rahmen dieses Reichsgefehes haben die Bänder einen Angleich der Rechtsverhältnisse der Schuh polizeibeamten an die Rechte der allgemeinen Beamtenschaft herbei. zuführen versucht. Preußen ging in diesem Punkte weiter als irgendein anderes Land und hat durch eine Reihe kleinerer Mittel die Lage der Schuhpolizeibeamten verbessert. So ist in Preußen auch jezt eine Novelle zur befonderen Versorgung der Witwen der Schußpolizeibeamten vorgesehen Soweit als möglich ist die lebenslängliche Stellung für alle diejenigen gesichert, die nach 12jähriger Dienstzeit bei der Polizei weitere Dienste tun mollen. An die Mitglieder des Zentralverbandes der Schuhmacher! Die Fraktion der auf dem Boden des Internationalen Gewerf. bandes der Echuhmacher, Zahlstelle Berlin, erklärt hiermit, an der Wahl der Berliner Bertreter zum Verbandstag in Leipzig nicht teilzunehmen. Maßgebend für diese Stellung sind folgende Gründe: hat als Bertreter zum Verbandstag 6 Anhänger der Kommunistischen Die Mitgliederversammlung am 4. Juni der Zahlstelle Berlin die Absicht der Zerstörung der Unabhängigkeit der Gewerkschaften nistischen Partei in Gewerkschaftsfragen, die bestimmt wird durch Partei zur Wahl gestellt Bei der bekannten Haltung der Kommu im Interesse der Moskauer Roten Internationale, ist von den aufgestellten Vertretern nicht zu erwarten, daß sie ihr Mandat im allgemeinen Verbandsinteresse ausüben werden. In der Versammlung am 4. Juni hat einer der aufgestellten Bertreter, der Kollege 3oller, durch seine das Empfinden eines jeden überzeugten Gewerkschafters tief verlegende Aeußerungen, durch die demagogische Art feiner Ausführungen schon genügend erfennen laffen, in welcher Richtung sich seine Tätigkeit auf dem Ber bandstag bewegen wird. Ein zweiter Kandidat, der Kollege Stod. mann, hielt es für angemessen, zur Rettung seiner Kandidatur einen von den Kollegen des Internationalen Gemertschaftsbundes vorgeschlagenen Vertreter furz vor der Abstimmung persönlich zu verungimpfen. Die zur Richtung des JGB. gehörenden Mitglieder der Zahlstelle Berlin drücken ihre Berachtung für eine solche Handlungsweise aus. Sie erklären, an der Wahl zum Berbandstag fich nicht zu beteiligen, um fich nicht der Unterstützung gewerkschaftszerstörender Elemente fchuldig zu machen. Sie sprechen den aufgestellten Bertretern das Recht ab, sich auf dem Verbandstag als die Vertreter der gesamten Mitglieder der Zahlstelle Berlin bezeichnen zu können. Für die am 30. Juni stattfindenden Urwahlen lautet unser Losungswort: Stimmenthaltung. Die Fraktion der SPD.- Schuhmacher. J. A.: Mar Schüler. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 5. Beilage.) Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 5 Beilagen. Saison Ausverkauf Hauswäsche Küchenhandtuch Reinleinen, Militärqualität, creme mit rotez Kante, 48x100 cm.. 0.95 Stubenhandtuch Reinleinen, mittelfeines Gerstenkorn, 1.40 50x100 cm Tischtücher Hausmacher Jacquard, Halbleinen 130x130 3.35 130x160 3.95 cm 160x160 4.95 cm Servietten cm em Damenkleidung Serie Blusen aus verschiedenen Waschstoffen.. Kleider aus bedrucktem Musselin... Kleider vorzüglicher Frotté, Kleider I II III 1.25 1.75 2.75 2.90 5.75 7.50 5.75 9.50 14.00 hell oder mittelfarbig berfarbigem oder 8.75 bedruckt. Voll- Voile.. vom 1.- 21. Juli Kinderkleidung aus farbigen Babykleider Waschstoffen, Lg. 45-60 cm 2.25 Mädchenkleider aus verschiedenfarbigen Waschstoffen Lange 3.90 Länge 4.25 60-80 cm 85-100 cm Jungmädchenkleider aus farbigen Waschstoffen, 8.75 Länge 95-115 cm.. 12.50 16.00 Röcke auskarierten oder 160x225 7.40 melierten Stoffen..... 2.90 2.90 5.25 8.50 Morgenröcke aus bedruckt. 5.50 Musselin.... 7.75 7.75 9.75 9.75 Voll- Voile, Lg. 95-110cm aus weißem od. farbigem 13.50 Morgenjacken aus bedruckt: 3.50 Musselin.... 4.75 5.75 Seidenstoffe 6.85 Reise- od. Regen- Hüte aus gummierten Stoffen. 1.90 2.75 3.50 dazu passend, 60x60 m. 0.75 em... weiß mit farb. Kanten. Teegedeck 125x160 cm 6.85 mit 6 Teeservietten... Kaffeedecke Halbleinen, weiß- blau oder gold 5.80 gemustert, 130x160 cm... Taschentücher Reinleinen, Batist mit Hohlsaum, Größe 27 em.. Wirkwaren Damen- Strümpfe Herrenkleidung Serie I m 0.40 Gummi- Mäntel weite 16.50 19.00 22.00 Seidengriff, Doppelsohle, 0.75 grau, mode, weiß. Seidenflor, Hochfers., Doppelsohle, schwarz, grau, od 1.45 mode Herren- Socken Baum wolle, schwarz, farbig..... 0.60 1.25 Herren- Trikothemden 2.20 weiß, gestreifte Einsätze... 2.20 Jacquard- Muster...... Herren- Beinkleider 90-102 cm. Baumwolle, gelblich, Bund 2.20 Damen- Schlupfbeinkleider Baumwolle, farbig........... 1.35 Strickwaren Reinwollene Damen- Jumper mit herzförm.Ausschnitt, fein gestrickt, in melierten Farben 4.90 Reinw. Damen- Strandjacken handgehäkelt............. 7.75 Reinwollene Sportwesten für Damen..9.50 12.00 Reinwollene Strickjacken für Damen, 80 cm lang 18.00 Reinwollene Strickkleider Form.. Loden- Sport- Anzüge 29.00 42.00 66.00 Sport- Anzüge 4teilig... 58.00 72.00 98.00 Loden- Mäntel imprägn. 22.00 33.00 56.00 Damenwäsche III Japanische Waschseide Mtr. 90 cm breit... 3.90 Gestreifte Bastseide ca. 75 cm breit...... Mtr. 4.60 Reinseidener Taft schwarz, 85 cm...... Mtr. 5.40 Crêpe de Chine gute Qualität, 95-100 cm... Mtr. 5.90 Waschstoffe Frotté Perkal hübsche StreifenMust., ca. 100 cm, Mtr. 1.35 bedruckt, in modern. 0.70 Streifen, 80 cm. Mex. weiß. Grund m. farb. 0.95 Streifen, 80 cm, Mtr. Panama weiß, kräftige Qualität, 80 cm...... Mtz. Zephir Serie I Ausführungen.. handgestickt... II 2.00 2.90 0.90 5.25 7.00 4.50 6.90 Farbiges Oberhemd gestreife Taghemden in verschiedenen 1.75 Taghemden ich giert od. 3.75 Nachthemden verschiedene 3.90 Beinkleider in verschiedenen 2.25 Prinzeßröcke verschiedene 4.90 Ausführungen... Ausführungen Linon, Herrenwäsche und Klappmanschetten.... 2.90 3.90 2.90 3.90 Perkal mit passend. Kragen 3.90 8.50 10.50 Deckbettbezüge 130x200 cm 7.90 10.50 13.50 Kissenbezüge in cm..2.75 3.30 3.75 Laken Hemdentuch oder 5.90 7.50 9.25 Daulas.... 80 × 80 Kissenbezüge garniert.... 3.90 4.90 5.75 eingewirkt. Muster, 150X260 cm 11.75 16.50 19.50 Kissenbezüge dazu passend 5.75 6.75 8.50 Kleiderstoffe für Röcke und Kleider, in vielen Farben, Weißes Oberhemd m. gefütterten Pikee- Einsätzen und festen 6.90 Manschetten... Nachthemd aus Madapolam mit buntem Besatz 4.90 Pyjama ausgestreiften Waschstoffen mit farbiger Ver 6.90 schnürung Strohhüte in verschied. Formen 1.25 Krawatten Selbstbinder, 0.65 offene Form Gardinen Halbvorhang Etamine Viereck. u. Spitzen- Abschl. 3.75 Mit handgearbeitetem Filet- 12.90 Fries und Vierecken... Etamine- Garnitur mit Blusen- und Kleiderstoffe mit kunstseiden. Streifen statt bis 1.50, Mtr. 0.65 Streifen fos am breit.... statt 2.65, Mir. 1.50 täten, 105 cm.... statt bis 6.50, Mtr. 2.80 Hohlsaum- Streifen....... 22.50 Reinwoll. Stoffe kariert oder gestreift, bewährte QualiReinwoll. Kinderkleider gestrickt, Gabardine Reinwolle, 130 cm breit..... statt 6.80, Mtr. 3.90 Länge 9.50 12.50 Kostüm- u. Rockstoffe Reinwolle, aparte Muster, vorzügl: 4.80 für Damen.... Länge GEGR. 1815- BERLIN C SPANDAUER STRASSE * 6.50 Aus buntfarbigem Etamine 9.00 Etamine Marie Mtr. 1.35 kariert, 150 cm breit......... MENGENABGABE SÄMTL KÖNIGSTRASSE ARTIKEL VORBEHALTEN! 1. Seilage ües Vorwärts Nr.»41. Fahrgang Ä* Sonntag, 2H. Funi 1924 „Der 5rauen Dem Gehirn einer Frau malen sich Kontraste lebhaft aus, eben weil sie mit dem Gehirn„fühlt", k h. mit dem Herzen denkt Sie vergißt km bei aber nicht, wie man vor dem Kriege gesprochen: „Frau und Ofen gehören ins Haus." Dann geschah es, daß die Notwendigkeit alles Müleiden, alle Bedenken aus dem Wege räumt«, die Frau mußte heran, und zwar zu jeder Arbeit. Die Wirtschaft im Innenlandc mußte ausrecht erhalten werden, und plößlich zeigte sich, daß die Frauen nicht nur nicht zu schwach für oll« Berufe waren, sondern auch, daß sie für jeden Berus stark genug sein muhten.— Nicht ein bißchen Mitleiden, nicht ein bißchen Entgegenkommen für die„körperlich Schwächere" die kleinen Stenotypistinnen hatten oft von acht oder neun Uhr morgens bis acht Uhr abends in den Kriegsgcsellschaften zu arbeiten, und durften abwechselnd noch bis �10 Uhr abends die Post mitmachen. Die „armen schwachen Frauen" wurden überall schonungslos heran- gepeitscht, ohne daß jemand sich daran erinnerte, es find ja Frauen, die eigentlich„ins Jjous gehören". Und bis auf den heutigen lag ist es so geblieben: wie wenig wirklich« Rücksicht wird auf die Konstitution der Frauen genommen, sobald sie in ernster Arbeit wirtlich„ihren Mann" stellt, nirgends Entgegenkommen, nirgends Elnstelkung auf ihre weiblichen Eigenorten. Schicksal ist beklagenswert... Die veröienenöe§rau. Amerikaner haben im Frieden schon kopfschüttelnd Frauen schwere Feldarbeiten machen sehen. Amerika arbeitet scharf und auch die Frau, die dort einen Beruf wählt, stellt„ihren Mann"— dennoch wird sie„geschont". Nun ist es'heute fast sebstoerständ- lich, daß die Frau verdient, teils zwingt die Notwendigkeit heute jedermann in den wirischaftichen Kampf, teil? hat sie Freund und Ernährer im Kriege verloren und muß jetzt Mutier und Vater den Verwaisten in einer Person sein, aber die Steuerbehörde ist wohl die einzige, die dieser Veränderung gebührende Aufmerksamkeit zuzu- wenden weiß. Während auf der einen Seite der Begriss der„haui' tochler" fast im Erlöschen ist. diese Töchter mutig von der Schule in den wirtschaftlichen Kampf ziehen wie der Mann, fällt der arbeiten- den Frau eine Tatsache immer wieder auf,«ine, die gleichzeitig die lleberlastung der heutigen verheirateten Frauen besonders beleuchten wird. Wöhrend in allen deutschen Häusern eine Losung gilt:„Sst, der Vater schläft" oder„dem Baier da» best« Stück", weil«in gesunder Instinkt sagt, der Arbeitende müsse geschont und verwöhnt werden, und in ihm die Kräste, die die Familie kleiden und erhalten, so ist diese Achtung vor der Arbeit ialt erblich nur für den Mann über- Nammen. Di« Tochter, die von der Tagesarbeit kommt, wird zu 5iause ohne weiteres zu den Arbeiten im Haushalt herangezogen. Wer als Frau Gelegenheit hat, Frauen in der Arbeit zu beobachten, wird sich über die Häufigkeit solchen Vorgehens wundern. Die Schonung erstreckt sich nicht nur aus den arbeitenden Vater, auch die Brüder müssen selbstverständlich geschont werden, während veränderte Ar- beilsweis« keine Veränderung der Forderung für die weiblickzen Kräfte zur Folge hat. Darin liegt vielleicht mit ein Geheimnis der großen Ehescheu oder der iogenannten„Sitienlosigkeit" einer Anzahl erwerbstätiger Frauen. Nur eine Frau kann verstehen, daß ein Mädchen, das in seinem Beruf oft mehr verdient, al,«in fest- angestellter Mann, trotz aller seelischen Sehnsucht gern aus ein Heim verzichtet. Das Beispiel der Freundinnen warnt sie. vas Zräulem Irau. Ich spreche nicht nur von der Frau, die im kleinen Milchloden steht, die Kunden bedient und zugleich die Küche versorgt, ich spreche nicht von den zahlreichen Frauen, die neben dem Manne beim Marktstand verkaufen, ich spreche von jenen Frauen, die man blaß, demütig, resigniert in den lustlosen Bureau» sieht. Neulich machte ich ein« Stichprobe an der Kasse eines großen Warenbauses. Ich entschuldig« mich, weil ich einer blassen Fvau„Fräulein" gesagt hatte.„O. es macht nichts, daran bin ich gewöhnt," sagte sie mit einem schwachen Versuch, zu lächeln. Mir stel dies wehmütige Lächeln auf!„Sie sei wohl die Arbeit nicht gewähnt?— Ist es sehr anstrengend?"„Man muß eben! Heute kann der Mann doch nicht genug verdienen."—„Und der Haushalt?"„Nun ja. den macht man, wenn man nach Haufe kommt, das Gröbste bleibt für Sonntag, Stopfen usw. für die Abende."—„Der Mann hilft wohl gar nicht ein Bisserl?"—„Der denkt nicht daran."— In diesen Worten liegt ein Frouenschicksal: Mann und Frau berufstätig. Er nach allem Herkommen geschont, will sein Essen, seine Ruhe zu Haus« haben. Sie, wenn sie nach Hause kommt, fängt von vorne zu arbei- t«n an: Haueholt. Einkauf usw.— und dieses ist nur ein kinderloser Haushalt.— Was für diese Frau an der Kasse gilt, gilt für unzählige berufstätige Frauen, die brav und tapfer ihren Platz ausfüllen, die brav und tapfer sich und die Kinder ernähren.— Nicht der Berufsarbeit mären diese nicht gewachsen, sondern der Tar-ache, daß im Volksgonzen all den veränderten Zuständen kaum Rechnung getragen wird. Die zehn bis zwanzig Beamtenstellen, Behörden usw., Magistrate fordern nach wie vor pünktliche Inn«- Haltung ihrer oft sehr engherzigen Bestimmungen: Hier muß etwa» in drei, dort etwas nach sechs Tagen erledigt werden, gleichgültig, ob der Beomtenabbau zur Folg« hat. daß das fotgfame Publikum der Frauen darum auch drei.Stunden länger warten muß. Man lese nur von den oft allzublassen Frauengesichtern die Erzählung ihrer müden Hilflosigkeit. Man braucht nicht weit zu gehen, um Beweis« für dies« Behauptungen zu sammeln: Man beobachte nur die Sitten in den Verkehrswagen?— Die in der Großstadt so aufgeweckten Knaben- und Männerblick« scheinen vollkommen keusch und blind, wenn es sich darum handelt, von einem übermüdeten Frauengesichc wirkliche Ueberarbeit zu lesen, oder ihrem Körper die Zeichen der Schwangerschaft anzusehen: man bleibt gemütlich sitzen, ja man bahnt sich den Weg mit Ellenbogen durch'das Ge- dränge. Die kameraüschastsehe. Es ist nicht zu leugnen, daß viel« junge Ehen anpassungsfähiger all diesen veränderten Zuständen Rechnung trogen. Etwas von Amerikanismus ist herübergekommen. Mann und Frau, wie zwei Kameroden im Lebenskampf arbeiten Schulter an Schulter, beide verdienen. Man spart für das Kind, bald hilft die Frau im Laden, hilft die Waren wiegen, fitzt an der Echrsibmaschine. übt Kunsthand- werk aus, bald steht der junge Ehemann und scheut sich nicht, lein Kind des Nachts zu wickeln, um den Schlaf der übermüdete» Frau zu schonen. Ebenso willig packt er auch mal im Hauslzalt zu. lieber eine amerikanische Durchschnitlsehe, wie sie mir von einer Rem Porkerin geschildert wurde, wird vielleicht noch zu sprechen sein. Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: es ist ganz wenigen Frauen heute vorbehalten, sich schonen zu dürfen. Den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen müssen die Frauen immer zuerst Rechnung tragen: in ihrer Arbeit, in ihrem Denken, in ihrem Fühlen. Sie mußten sich als erste den Kriegsnotwcndigkeiten anpaffen, wäre es nun eine unbillige Forderung, zu verlangen, daß sich andere auch nach diesen veränderten Verhältnissen einstellen? Daß das Wesen der Fnm jn den Betrieben, in denen sie arbeitet, in den Geschäften, in denen sie kauft, bei den Behörden, mit denen sie zu tun hat, mehr berücksichtigt wird? Wie es heute noch zu sein scheint, wird Lebendiges, Wirkende« von knöchernen Fingern starr umschlossen. Und bei aller männlichen Logik, zerfällt Haus, Familie und wir Frauen verlieren den Sinn des Lebens: Mütterlich fein zu dürfen!_ Margrlt Freud. 19] Die Venus von Syrakus. von Clara Rahka. Er schlenderte in goldenster Laune umher. Bisweilen ging er zu Niccolö, der immer wieder etwas an dem Wagen zu basteln hatte. Alles unnötig! Je harmloser man es nahm, um so sicherer gelang es: je weniger man an die Zukunft dachte, um so fester hielt man sie. Für sich, für sich! Mochte die Principessa sehen, wie sie ihr Leben ein« richtete. Nicht einmal der ausgekochteste Teufel würde dem Prinzen je bezeugen können, daß sie ihren Liebsten besucht hatte! Der war ja in Rom. Als Ercole im verschwimmenden Licht zur Richwng ging. von der die Prinzessin kommen mußte, sah er ihre helle Se- stalt zwischen den silbrigen Oelbäumen. Behuisam, leise ginz er auf sie zu.„Mir folgen!" flüsterte er eindringend. Er sprang vorwärts, sie hastete hinter ihm her. «In den Wagen hinein um Gimmels willen schnell— sch habe den Austrag." stieß er leise hervor, die Augenbrauen bekümmert emporziehcnd—„nicht zögern!" Riceolrt saß abgewandt aus dem vorderen Brett. Und wirklich kroch die Schöne in den weill) ausgepolster» ten Wagen hinein, aus dem ihr der Gertich von reinem Leinen und Lavendel entgegenströmte. Und nun ging die Fahrt los. Singend, in allerbester Laune, sahen bis Brüder Mon» tonari beisammen. Der Esel trabte lustig dahin. Drei Menschen? Sonst nichts Was war das für einen wohlgenährten sizilianischen Elel! Da» Fall krauste sich ihm vor Behagen. Besser« Kräuter, als die unter den Oelbäumen. halte er niemals gefressen. Und Livia lag in ihrer hübschen dunklen Höhle, das Haupt aus einem breiten Kissen. Besser noch, als vormals Renzos schön« Venus, lag sie in Mütterchen Rosina, Eselwagen. Rosina wußte, was einer Prinzession zukam.— Doch sie hatten sich allesamt verschworen, daß niemand sie kannte, niemand durfte sie mit„Prinzessin" anreden. Ercole fuhr ein wenig hin und her, und so kam es. daß matter Lichtschein die schwere dunkle Nacht öffnen mußt», u» Livia unter die Säulen und in das massive rote Haus zu geleiten. Mütterchen Rosina, die das kleine Oellämpchen empor- hielt» zog sich gleich wieder in den breiten Steinflur zurück. Sie hatte den schmalen, mageren Kops so fest eingewickelt, als müßte sie für ihr Leben lang Zahnschmerz oder böses Reißen erdrücken. Merkwürdig stramm und fest ging sie vor Livia her. Dann öffnete sie stumm«in« hohe Tür und schloß sie sofort hinter der Eintretenden zu. Das Zimmer war sauber, groß und mit Blumen ge- schmückt. Auf dem Tische stand ein reiches Mahl, von einer Oellampe beleuchtet. Ueber dem Bette hing ein Madonnen- bild» unter dem ebenfalle ein Licht brannte. Livia, die erwartet hatte, den Eonte di Branco zu sehen. wurde unruhig. Doch ihre ganze Umgebung atmete Fürsorge. Mußte sie warten? Kurze Zeit, lange Zeit, vielleicht gar die ganze Nacht? Sie ging auf und ab, Gedanken durchkreuzten und jagten sich. Da klopfte es leise an der Tür, Livia antwortete erfreut. Ein reizendes, sehr sorgfältig gekleidetes Mädchen trat «In und flüsterte:„Zu Ihren Diensten, Herrin." Das junge Ding machte eine tiefe Verbeugung. „Wer schickt dich hierher?" fragt« Livia gespannt. „Ich weiß es nicht, ich kenne den Herrn nicht," sagte dos Mädchen fast tonlos, gänzlich verschüchtert,„der Herr sagte nur. die Dame möchte sich gedulden, ein wenig warten, alles würde gut." Limas wunderschönes Gesicht war wie durchleuchtet von Glück. „Ich dank« dir, Kind," sagte sie freundlich,„wie heißt du?" „Sabina." „Also. Sabina, setzt kannst du mir nicht Helsen, hier ist sa alles aufs beste hergerichtet. Morgen in der Frühe komm zu mir, dann bringst du vielleicht eine gute Nachricht." „Auf dem kleinen Tische am Bette dort liegt alles, was die Dame braucht," flüsterte Sabina sehr bescheiden, machte wieder eine tiefe Verbeugunq und zog sich zurück. Livia schwankt« zwischen Entzücken und Furcht. Schließlich aber wurde ihr ruhig und zuversichtlich zu- mute. Hatte doch niemand aus der W«lt ein Interesse daran. die arme Livia, die mix voa dem alten Prinzen lebte, zu kNt' führen, als er. Sisto! Und hatte es ein anderer getan, nun. das Lösegeld bezahlte der Prinz immer noch viel zu früh. Seit ihrer Mädchenzeit hatte es ihr nirgendwo so gut ge« fallen wie in diesem einfachen, großen Zimmer. Sie setzte sich an den Tisch und aß von Mütterchen Rosinas schönen Diii>gen.-- Niecolö spazierte währenddessen in seinen Mädchenkleidern auf dem Dache herum und beschrieb Ren.zo genau, wie die Venus ausgesehen und was sie gesagt hätte. „Ich werde sie zärtlich bedienen, das kannst du mir glau- ben," sagte er übermütig, und Renzo warf ihm wütende Blicke zu, denn es schien ihm, als ging diese schöne Livia niemand. der atmete, irgend etwas an, solange er nicht mit ihrem Kopfe den unsterblichen Leib der Venus von Syrakus geschmückt hatte. 9. Nachdem dkx Prinzessin Beatrice di San Eotaldo alle Schmucksachen, zumal die eigentümlichen alten Schnallen aus der Familie der jungen Livia, eingehend betrachtet hatte, ge- ruhte sie noch ein wenig mit Bionca zu plaudern, und dann meinte sie, es kämen kühle Abendlüfte herauf, und man täte gut daran, die Prinzession zu rufen: sie würde, wie gewöhnlich. im Garten umherwandeln. „In den kleinen gelben Saal," sagte sie gnädig und ging davon. „Wenn diese hungrigen kleinen Komtessen auch noch sa wenig haben, hier und da bringen sie doch köstliche alt« Stücke aus der Tnche der Vorfahren mit!" Sie gedachte heute ein weiches Oes über ihre Abend- Unterhaltung fließen zu lassen. Es vrdroß sie auch nicht allzu sehr, daß es etwas lange dauert«, bis die Prinzession kam. Monsignore Easapi war hereingeglitten und lehnte nun sanft lächelnd im Fensterbogen, vor dem zackiges Grün im opalbunren Abendhimmel hing. Sie begannen ein leicht hin und her pendelndes, beide sehr besr!edigend?s Gespräch. Möglich, daß schon«ine Stunde vergangen war— genast vermochte die Prinzession Beatrice das nachher niemals zu sagen—, da öffnete sich brük« die Tür, Bianca stürzte herein und stemmte sich mit dem Rücken gegen das heftig zuschlagend« Schloß. „Sie ist verschwunden!" sagte das Mädchen atemlos. „Wer, meine Liebe?" fragte der Monsignore begüiigeird, .fe-SSw-.:* f.;(Fortsetzung foltzt.) wie ehedem Ferienvorfreuden. Das nächtliche Anstehen zum Sonderzug. Jedes Ding hat feine zwei Seiten, auch solch eine Ferienreise. Bet da weit hinaus in die Walt möchte und doch den großen Geldbeutel nicht hat, der trachtet nach einen Platz in den billigeren Sommersonderzügen. Plähe gibt es in der Regel aber nur am ersten Ausgabetag und nur, wenn man dafür ansteht", ansteht, wie ehedem für Butter und andere bessere Dinge. Und die Berliner stehen an, stunden-, nächtelang, trog aller Geldknappheit. So waren laut Anschlag am Anhalter Bahnhof am 25. Juni bereits alle süddeutschen Sonderzüge bis einschließlich 19. Juli ausverkauft mit Ausnahme zweier wohl weniger günstig liegenden Züge am 28. und 29. Juni. Der nächste Tag aber brachte eine ebenso glatte Abforderung der Plätze für einen Zug am 2. August, der also erst in 35 Tagen abgeht. Die Ausgabe der Fahrkarten beginnt morgens 9 Uhr, das Anstehen aber. genau schon am Abend vorher. Zwischen 6 und 7 Uhr finden sich die ersten ein und bald werden es mehr. Gegen Mitternacht waren es jüngst schon an die 50 Personen, die in der Mödernstraße sich für eine Nachtmache einrichteten. Die Kundigen bringen Feldstuhl oder Fußbant, Wolldecke oder Mantel mit. Viele haben sich Ablösung bestellt, die es ihnen ermöglicht, mit dem letzten oder ersten Vorortzug wieder nach ihrem entfernten Heim zu gelangen. Unter den Anstehenden herrscht erfreulicherweise meist eine gute Selbstzucht, man gibt sich selbst Nummern nach der Reihenfolge des Eintreffens und hält die Ordnung ehrlich inne, die lange Sommernacht hindurch. Wenigstens bei den Borderen, die sicher find, ihre Fahrkarten zu erhalten. Wer so über Nummer Einhundert oder Zweihundert hat, kann oft damit rechnen, leer auszu gehen, denn vieie der Anstehenden vertreten fleine selbstgebildete Reisegesellschaften und fordern gleich die zulässige Höchstzahl der Fahrkarten. acht, und damit ein bestimmtes Abteil. Soweit wäre die Geschichte ganz gemütlich, denn die Anstehenben sind meist Bielgereifte, Wanderer und Sommerfrischler und wissen sich gar amüsante Erlebnisse aus den Vorjahren zu erzählen. So gehen die langen Stunden des Wartens leidlich schnell herum und gefahrlos, wenn der Himmel ein Einsehen hat und es nicht gerade rognen läßt. Aber neben anderem hat doch dieses„ Anstehen auch riesige Schattenseiten. Erftmal ist es eine riesige Ber= geudung wertvoller Menschenkraft, wenn Hunderte jich eine Nacht um die Ohren schlagen müssen, um nur in den Besitz einer Fahrkarte zu gelangen. Wer aber diesen Leidensweg nicht mitmachen fann, ist einfach ausgeschloffen von dieser billigen Fahrgelegenheit. Sollte hier die Bahnverwaltung nicht Abhilfe schaffen fönnen durch Bereitstellen ausreichender Züge? Sie schenkt wirklich den Reifenden dabei nicht allzuviel. Die Ermäßigung macht ein Drittel auf den Fahrpreis dritter Klasse aus, d. h., der Reisende zahlt in Wirklichkeit den Fahrpreis vierter Klasse, pro Kilometer 3 Pf. Dabei hat die Bahn auf Der ganzen Strecke mit feinem unbezahlten Plaz zu rechnen und Das be crhält das Fahrgeld zum Teil einen Monat im voraus. beutet bei einem Bankzinssatz von pro Monat 5 und mehr Prozent für sie eine weitere erhebliche Einnahme. Man dürfte beshalb auf ein weiteres Entgegenkommen beim Bezug der Fahrfarten rechnen. Die Julimiete. Das Städtische Zentralamt für Wohnungswesen teilt mit: Im Anschluß an die vom preußischen Minister für Boits wohlfahrt unter dem 25. Juni erlassene Berordnung über die Regelung der gesetzlichen Miete in Preußen für die Zeit vom 1. Juli 1924 ab hat sich der Magistrat in feiner geftrigen außerordentlichen Sitzung mit der Bestsehung der Zuschläge bei der Berechnung der gesetzlichen Untermicte befaßt. sie zu dem auf den leeren Raum entfallenden Mietzins treten ben Buschläge für die Ueberlassung und Abnuzung von Einrichtungsgegenständen, Wäsche, Gardinen usw. sowie für die Säuberung der Mieträume und Reinigung der Bettwäsche und Gardinen sind a) bei einfach möblieren Zimmern und Wohnungen auf 70 Broz., b) bei bürgerlich möblierten Zimmern und Wohnungen auf 105 Proz., c) bei elegant möblierten Zimmern und Wohnungen cuf 175 Proz. der gesetzlichen Miete festgesetzt worden. Die Abörderung der Hundertsätze wird mit den übrigen durch die neue Verordnung des Ministers notwendig gewordenen Veränderungen in einer Sonderausgabe des Gemeindeblattes am Montag, den 30. Juni, veröffentlicht werden. Ab 1. Juli beträgt die gesetzliche Miete einschl. sämtlicher BeIriebskosten und öffentlichen Caften, also auch einschl. der Hanszins. fleuer, in Berlin im Regelfalle 62 Proz. der reinen Friedensmiete. Hat ein Mieter auf Grund ausdrücklicher oder stillschweigender Bereinbarung nach dem 30. April 1924 in seinen Mieträumen die sogenannten Schönheitsreparaturen übernommen, so ist er berechtigt, die 62 Prez. um 4 Proz. zu fürzen. In der neuen gesetzlichen Miete ist ein gewiffer Prozentsaß für die großen Instandsegungsarbeiten enthalten. In denjenigen Fällen, in denen das Mieteinigungsamt auf Grund der bisherigen Vorschriften einen besonderen Zuschlag für große Instandsehungsarbeiten festgesetzt hat, vermindert sich die gefeßliche Miete um den zugebilligten Betrag, soweit er am 1. Juli 1924 cder später fällig wird. Das bisher übliche Verfahren zur Bewilligung eines Gonderzuschlages für die Verzinsung und Tilgung von Mitteln für große Instandsetzungsarbeiten kommt damit voni 1: Juli d. I. ab in Fortfall. * Ferner ist der Vermieter berechtigt, das Wassergeld in voller Höhe auf die Mieter nach dem Verhältnis der Friedensmiete umzulegen, wogegen die Mieter in diesem Falle die Miete um 3 Proz. Türzen fönnen. Der Mord in Siemensstadt. Zu dem Mord in Siemensstadt wird mitgeteilt, daß die Leiche der Frau Misch te gestern obduziert worden ist. Das Ergebnis bringt einen weiteren Beweis dafür, daß der verhaftete Maly nicht im Affekt, sondern mit Vorbedacht gehandelt hat. Frau Mischte hat nicht einen, sondern zwei Stich e, und zwar mit verschie denen Werkzeugen erhalten, den einen mit dem noch unfertigen Dolchmesser, das ein Sohn Malys angefertigt hatte, den anderen mit einem Dolche, den Maly selbst besaß und den er, wie er fagt, geschliffen hat, furz bevor er bei Orenstein u. Koppel seinen Urlaub antrat. Diesen Dolch will der Täter nach der Tat weggeworfen haben. Nach ihm wird jetzt die Wohnung noch einmal Durchsucht werden. Der Berhaftete wurde gestern wegen Mordes dem Untersuchungsrichte vorgeführt. Dörr wieder aus der Haft entlassen. Der Führer der kommunistischen Fraktion im Berliner Stadtparlament Dörr, der vor einigen Tagen nach Schluß der Bezirksverscmmlung Wedding verhaftet und dem Untersuchungsrichter zugeführt worden war, ist am Sonnabend wieder auf freien Für gesezt worden. Dörr wird des Hochverrats beschuldigt, weil er die Bercntwortung für die am 13. April d. J. erschienene Nummer der Reten Fahne" trägt, in der der Aufruf der Kommunistischen Partei Für die Reise nicht vergessen 3ertrale Die nächsten Aufgaben der Partei" abgedruckt| wünsche der Reichsregierung überbrachte und den Genossenschaften ist. In diesem Aufruf erblickt der Oberreichsanwalt den Versuch, gewaltsam die Aenderung der Verfassung herbeizuführen. Unsere Fraktion der Bezirksversammlung Wedding schickt uns folgende Erklärung: Die Behauptung der„ Roten Fahne", der Bezirksverordnete Weide hat der Polizei Helferdienste bei der Verhaftung des kommunistschen Stadtrats Dörr geleistet, ist unwahr. Der Genosse Weide hat lediglich seine Fraktionskollegen vor einem Zusammenstoß mit den Beamten, welche mit gegezogenem Revolver vorgegangen sind, zu warnen versucht. Die Obstruktion des Bürgerblocks. Die geftige vierte außerordentliche Sigung der Stadtverordneten versammlung fand wiederum nur eine Minderheit von Mitgliedern im Saale versammelt. Auf der rechten Seite zählte man etwa 10 Anwesende, auf der Linken war u. a. der enthaftete Kommunist Dörr erschienen. Der Vorsteher Genosse 5' aß eröffnete die Sitzung um 5 Uhr. Sofort verlangte Koch( dnatl.), von der Linfen mit stürmischer Heiterkeit und mit dem Rufe:„ Ausgerechnet Koch!" begrüßt, zur Geschäftsordnung das Wort, beantragte die Bertagung und bezweifelte zugleich die Beschlußfähigkeit des Hauses. Vorsteher Haß: Da die Versammlung zweifellos nicht beschlußfähig ist, kann natürlich die Eizung nicht stattfinden. Ich möchte aber noch folgendes bekanntgeben.( Die Herren auf der Rechten erheben Widerspruch und verlassen dann den Saal.) In der nächsten Woche wird nur eine Sigung, und zwar am Donnerstag, stattfinden, nachdem im allgemeinen zu erkennen ist, daß vor den Ferien ein beschlußfähiges Haus nicht mehr zustande kommt. Es ist im Gemeindeblatt" für die nächste Woche zu drei Sizungen eingeladen worden; ich stelle hiermit öffentlich fest, daß diese Einladung und diese Bekanntmachung nicht mehr gültig sind; es wird zu der Donnerstagsizung besondere Ginicdung ergehen. Die Sigung ist geschlossen. Schluß 5 Uhr 2 Minuten. " Bürgerliche Blätter melden von einer Vermittlungsaktion des Oberbürgermeisters und von einem freiwilligen Ausscheiden des Stadtschulrats Paulsen. Tatsächlich hat der Oberbürgermeister am Freitag die Führer der bürgerlichen Fraktionen zu sich gebeten. Eine Verständigung erscheint aber zurzeit vollkommen aussichtslos. Es muß damit gerechnet werden, daß vor den Ferien der Etat nicht verabschiedet und auch eine Lösung der Abbaufrage nicht gefunden wird. Ueber den angeblichen Vermittlungsvorschlag des Oberbürgermeisters ist in den Kreisen der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion nichts bekannt. 25 Jahre Berliner Konsumgenossenschaft. Das Jubiläum einer Selbsthilfeorganisation. Die Konsumgenossenschaft Berlin und um gegend hatte gestern eine Erinnerungsfeier. In diesen Tagen vollendet sich das 25. Jahr seit Gründung des fleinen Konsumvereins Berlin- Nord, der als Keim der inzwischen zu achtunggebietender Größe fortgeschrittenen Organisation der Berliner Konsumenten, der heutigen Konsumgenossenschaft, anzusehen ist. An einer Fest sigung, die vom Vorstand und vom Aufsichtsrat veranstaltet wurde und im großen Saal des Reichswirtschaftsrates stattfand, beteiligten sich viele Gäfte, die Vertreter von anderen genoffenschaft. lichen Organisationen, von Gewerkschaften, von Behörden der Stadt, des Staates und des Reiches. " 1902 = Der Aufsichtsratsvorsitzende Lange begrüßte die Gäfte und gab dann in feiner Festrede einen Ueberblick über die Entwicklung der Genossenschaftsbewegung in Berlin. Er schilderte Profeffor Hubers Werbearbeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die späteren Versuche von Schulze- Delitzsch, dem das Ziel einer Gemeinwirtschaft fremd war, die Neubelebung der Genossenschaftsbewe gung in den neunziger Jahren, die Gründung der Arbeitergenossenschaft Befreiung" 1895 und des Konsumvereins„ Eintracht" 1898, Noch vor aus denen 1900 der Konsumverein Berlin hervorging. diesem entstand 1899 der Konfumverein BerlinNord, dessen wir jetzt bei der Jubiläumsfeier gedenken. wurde er mit den Konsumvereinen Berlin- Süd, Schöneberg und Weißensee zur Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend verschmolzen. Unter den Förderern der neuen Konsumentenorganisation waren Leo Arons, Franz Oppenheimer, Peus, Eduard Bernstein, 2. von Elm und andere. Von 1905 ab erfreute die Genossenschaft sich auch wirksamerer Unterstützung durch die Berliner Gewerkschaftskommission. Die Konsumgenossenschaft nahm 1908 den oben erwähnten Konsumverein Berlin auf und in den nächsten Jahren noch mehrere andere Vereine. Heute hat fie 163000 Familien als Mitglieder. Nicht nur Verteilung von Waren, sondern auch Organisierung der Produktion hat ihr von Anfang an als Aufgabe gegolten. Ihre Bäckerei ist die größte in Deutschland. Durch den Krieg und seine Folgen ist sie bisher ge hindert worden, den längst gehegten Plan eines Fleischereib riebes auszuführen. Der Redner gedachte in ehrenden Worten all der Mitarbeiter, durch deren treue Pflichterfüllung die Konsumgenossenschaft zum Aufschwung gelangt ist. Er erwartet für die nächsten Jahre und Jahrzehnte eine noch schnellere Entfaltung zu hoher Blüte. Der Reichspräsident Ebert hatte schriftliche Glückwünsche gefandt, ebenso der Vorstand des Internationalen Genossenschaftsbundes und andere. Bom Reichsministerium für Ernährung und Landwirt schaft war Ministerialdirektor Dr. Müller erschienen, der die GlückDas Rundfunkprogramm. Sonntag, den 29. Juni. 7 Uhr abends: Märchen, gelesen von Hede Geber( Jugendvortrag). 8-11 Uhr abends: Tanzmusik, ausgeführt von der Tanzkapelle Formiggini. Einlagen: Charlotte Freyer, Karl Schnog. Montag, den 30. Juni. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 7.30 Uhr abends: Sprachunterricht( Englisch). 8 Uhr abends: Vortragszyklus:„ Das Sachverständigen gutachten". Erster Vortrag: Ministerialrat Dr. Haentzschel:„ Die Grundzüge des Sachverständigengutachtens". 9 Uhr abends: Konzert. 1. a) Weißer Flieder, b) Knabe Frühling, c) Wiegenlied, von P. Graener,( Mary Wurm- Meisenberg, v. d. Staatsoper). 2. Andante aus dem Streichquartett, von Brahms,( Das Schubert- Quartett. Teherese Schubert ( 1. Violine), Hali v Sittmann( 2. Violine), Anita Rokamora( Bratsche), Ilse Dearneborg( Cello). 3. a) Ich liebe dich, b) Adelaide, von Beethoven( Konzertsänger Hermann Schey. 4. Erster Satz aus dem Streichquartett G- dur, von Haydn( Das Schubert- Quartett). 5. a) Es muß ein Wunderbares sein, b) O komm' im Traum, c) Die Loreley. von Liszt( Konzertsänger Hermann Schey). 6. a) Freude soll in deinen Werken sein, von Schillings, b) Wie wundersam ist dies Verlorengeh'n. von Schillings, c) Leise Klinglarei, von Winteritz ( Mary Wurm- Meisenberg). 7. Polka aus dem Streichquartett, von Smetana( Das Schubert- Quartett). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. bei Wahrung ihrer Neutralität alle Förderung zusicherte. Als Vertreter der preußischen Regierung sprach Handelsminister Siering. Er wies darauf hin, daß heute die Stellung der Regierung zu den Konsumgenossenschaften eine andere als vor der Staatsumwälzung ist. Er betonte, daß die Konsumgenossenschaften eine Lebensnotwendigkeit des Volkes find. Stadtrat Schüning, der die Stadt Berlin vertrat, erinnerte an die Hilfe, die in der Kriegszeit dem Magistrat bei der Nahrungsmittelbeschaffung von der Konsumgenossenschaft geleistet worden ist. Es folgte eine Reihe anderer Gratulanten, Prof. Dr. Grünfeld vom Genossenschaftsseminar der Universität Halle, Direktor Best leim vom Zentralverband deutscher Konsumvereine, Direktor Eberling von der Großeinkaufsgenossenschaft deutscher Konsumvereine, ein Ber treter russischer Genossenschaften. Königs, einer von den Alten, die an der Gründung der Berliner Konsumgenossenschaft teilge nommen haben, schilderte die Mühen der damaligen Werbearbeit, die bei den Frauen noch am ehesten Erfolg hatte. Für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und für den AfA- Bund sprach Um breit. Er betonte ein den Gewerkschaften und den Genossenschaften Gemeinsames, den Kampf für das gemeinwirtschaftliche Prinzip dort in der Arbeitsverfassung und hier in der Wirtschaftsverfassung. In einem Schlußwort dankte Geschäftsführer Mirus dem Personal für die treue Arbeit und streifte die zukünftige Entwicklung der Berliner Konsumgenossenschaft. Er forderte Entwicklungsfreiheit, an der man es gegenüber der Konsumgenossenschaft bisher habe fehlen lassen. Die Konsumgenossenschaft erstrebt Zusammenfaffung aller Verbraucherschichten und Herbeiführung der Gemeinwirtschaft. „ Kameradschaft". Weil er nicht Vater sein wollte. = Die falsche Auslegung des Begriffes der Kameradschaftlichkeit hat der Laufbahn zweier Polizeibeamten ein vorzeitiges Ende de reitet und schweres Unglück über sie gebracht, da sie sich eine doppelte Meineidsflage zugezogen haben. Der Polizeioberwachtmeister Wil helm Deutsch hatte Beziehungen zu einer Stenotypistin Lydia L., die nicht ohne Folgen geblieben war. Um sich von seiner Zahlungspflicht zu drücken, hatte Deutsch in gewiffenloser Weise die ihm unterstellten Polizeiwachtmeister Eduard eschte und Ernst Kopplin dazu bewogen, zunächst eine eidesstattliche Versicherung abzugeben und neun Monate später auch in dem Hauptprozeß fälschlich zu beschwören, daß sie in der fritischen Zeit mit Fräulein Lydia gleichfalls nahe Beziehungen gehabt hätten. Als sich die Unwahrheit dieser Aussagen herausgestellt hatte, war zunächst wegen Anstiftung etit Verfahren eingeleitet worden, in dem Jeschte und Kopplin zu je neun Monaten, Deutsch zu einem Jahr Ge. fängnis verurteilt worden war. Der zweite Teil der Tragödie fpielte fich jetzt vor dem Schwurgericht des Landgerichts I ab. Jeschte und Kopplin hatten sich unter der Anklage des Meineids zu verantworten. und Deutsch wegen Anstiftung zum Meineid Jeschte und Kopplin waren in vollem Umfange geständig. Sie hätten dem Oberwachtmeister den Freundschaftsdienst leisten zu müssen geglaubt, nachdem Deutsch sie dauernd dazu gedrängt hätte. Am Lage des Termins, an dem der Eid geleistet werden mußte, habe Deutsch fie beide in der Kantine mit Bier und Schnaps freigehalten und immer wieder erklärt, man müsse aus„ Kameradschaftlichkeit zusammenhalten. Sämtlichen Angeklagten stellten die Polizeihauptleute Stengel und Schmahl das beste dienstliche Beugnis aus. Staatsanwaltschaftsrat Messerschmidt bezeichnete Deutsch als den gewissenlosen Verführer und beartragte gegen ihn eine besonders hohe Strafe, und zwar zweieinhalb Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Die Rechtsanwälte Dr. Herbert Fuchs und Dr. Jaffa nahmen für Jeschke und Kopplin Eidesnotstand in Anspruch, da fie in einer Zwangslage gewesen wären, indem sie bei Angabe einer wahrheitsgemäßen Ausjage fich selbst der Leistung einer falschen eidesstattlichen Versicherung bezichtigt hätten. Beide Angeflagte hätten feinerlei Vorteile. gehabt und unter dem falschen Begriff der Kamerad fchaft gehandelt. Rechtsanwalt Dr. Arras bestritt, daß der Bes weis erbracht worden sei, daß Deutsch die Mitangeklagten zum Meincide verleitet habe, weil diese schon aus Furcht, daß ihre erste falsche Angabe entdeckt werden würde, zum Meineid fich veranlaßt gesehen hätten. Das Schwurgericht verurteilte Jeschte und Kopplin entsprechend den Anträgen der Verteidigung unter Zubilligung mildernder Umstände zu je neun Monaten Gefängnis und heb die Haftbefehle gegen sie auf. Polizeioberwachtmeister Deutsch wurde wegen Anstiftung zum Meineide zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre verurteilt. Jeschte und Kopplin verzichteten auf eine Revision des Urteils. Die Bildung einer Gesamtstrafe unter Einschluß der früher erfannten Strafe fonnte nicht sofort erfolgen, da die Akten über den ersten Straffall nicht zur Stelle waren. Mit Revolver und Pfeffer. Zu einem Feuergefecht zwischen einem Fahrraddleb und einem Polizeibeamten tam es gestern in Lichtenrade. Um 6 Uhr früh meldete ein Oberlandjäger in 3ossen dem Bahnhofsvorsteher in Bichtenrade, daß gegen 4% Uhr zwei Männer in Zoffen je ein Fahrrad gestohlen und damit die Richtung nach Berlin eingeschlagen hätten. Ein zufällig auf dem Bahnhof anwesender Polizeibeamter und ein Beamter des Sicherheitsdienstes Groß- Berlin stellten sich auf Poften an der Ecke der Golz- und Kaiser- WilhelmStraße zu Lichtenrade, um die Diebe zu erreichen. Schon nach 10 Minuten fichteten sie zwei Radfahrer. Auf ihren Anruf warf einer sein Radweg und entfloh in der Richtung nach der Dorfstraße. Der zweite jagte nach der Kaiser- Wilhelm- Straße zu weiter. Der Polizeibeamte schwang sich auf das weggeworfene Rad und nahm die Verfolgung des zweiten Diebes auf. An der Ecke der Blücherstraße ließ auch dieser sein Rad stehen, lief in das Birkenwäldchen hinein und gab drei Pistolenschüsse auf den Beamten ab, die alle fehl gingen. Der Beamte erwiderte mit drei Schüssen auf etwa 50 Meter, scheint aber auch nicht getroffen zu haben. Die Diebe ließen außer den gestohlenen Rädern zwei Regenmäntel, vier geschlachtete Hühner und eine Tüte Pfeffer zurüd. Sie hatten sich also auf alles vorbereitet gehabt. Den Vater erstochen. Eine Familientragödie erhielt vor dem Schwurgericht des Landgerichts I ihre Sühne. Wegen Tötung seines Vaters hatte sich der Drogist Warnide vor den Geschworenen zu verantworten. Vater und Sohn betrieben ein Drogeriegeschäft. Da beide sehr erregte Naturen waren, fam es häufig zu den heftigsten Streitigkeiten zwischen ihnen. Anfang Januar dieses Jahres waren sie sich wieder über geschäftliche Angelegenheiten derart in die Haare geraten, daß der Vater, so schilderte es wenigstens der Angeklagte, da Augenzeugen des Vorfalles nicht vorhanden waren, erregt aus feinem Bette auf sprang und mit einem Biertantfnüppel auf ihn ein. geschlagen hate. Dann habe der Vater zu einem Küchenmesser gegriffen und ihn verfolgt. Als er ihn an der Tür einholte, habe er sich zur Wehr gefeßt, dem Bater das Messer entwunden und ihm dann Chlorodont Zahnpaste Mundwasser Zahnbürste einen Stich in die Brust versezt, so daß der alte Mann sofort| tot zu Boden fiel. Der Angeklagte bestritt, die Absicht der Tötung gehabt zu haben und will nur in Notwehr gehandelt haben. Die Beweisaufnahme bestätigte nicht, daß der Angeklagte sich in Notwehr befunden habe und das Gericht verurteilte ihn wegen Körper verlegung mit Todeserfolg zu fünf Jahren Gefängnis unter Anrechnung von fünf Monaten Untersuchungshaft. Auf dem Wege um die Welt. um des Die Sie 12 000 kilometer gewandert 73 000 kilometer fehlen noch. Die Wanderer um die Welt zu Fuß, wie sie vor dem Krieg nicht so selten waren, sind wieder aufgetaucht. Aber die Wanderer von heute sind nicht von dem Spleen ihrer Vorgänger befallen, das Ziel zu erreichen, die Wege zu durchwondern nur Ruhmes willen, was manche Leute eben so Ruhm nennen! Weltwanderer von heute sind durchaus moderne Menschen. machen nicht aus Idealismus mit, sondern ihre Parole heißt: Geld verdienen. Nun, der eine so, der andere auf andere Weise, und die beiden jungen, sehr frisch aussehenden Holländer, Dick van der Toorn und André Driessen, die sich uns gestern in der Redaktion vorstellten, sagten in leidlich gutem Deutsch mit ein wenig holländischen Akzent, daß sie nur auf die Weltwanderung gegangen sind, um Geld zu verdienen mit dieser„ Tat". 24 Jahre ist der eine alt und 25 Jahre der andere. Von Beruf sind sie Schriftsteller, indessen, sie haben erkannt, daß mit den Beinen mehr Geld zu verdienen ist, als mit der Feder, und fie möge aber den Mund halten. Am nächsten Tage habe sie hiervon erst ihrem Manne Mitteilung gemacht. Dieser habe ihr ges raten, die Sache dem Bestohlenen offen mitzuteilen. In ihrer Angst habe sie dies aber nicht gewagt, und ihren Mann überredet, mit ihr zusammen die Hölzer zu zersägen und zu verstecken, um so die Spur ihres Leichtsinns zu beseitigen. Der Verteidiger der Angeklagten wies darauf hin, daß, so unwahrscheinlich die Entschuldigung der Angeklagten erscheine, man doch immerhin nicht annehmen fönne, daß die angeklagte Ehefrau bei ihrer für den Gerichtshof augenscheinlichen forperlichen Wohlbeleibtheit einen zwei Meter hohen Trennungszaun zu übersteigen in der Lage gewesen wäre, fie müsse alfo von einem unbekannt gebliebenen Manne das holz hinübergewerfen belommen haben. Der Gerichtshof teilte dicfes Bedenken, und so wurde Frau L. dank ihrer Wohlbeleibtheit davor bewahrt, trok des Antrages des Staatsanwaltes wegen schweren Diebstahls bestraft zu werden. Das Gericht war vielmehr der Ansicht, daß sie sich durch Annahme des Geschenks des Holzes nur der Hehlerei schuldig gemacht habe. Ihr Mann wurde nur wegen Unterschlagung, die in dem Bersägen des Holzes gefunden wurde, verurteilt. So fum die Frau noch einmal mit einer Geldstrafe von 100 Mart, ihr Mann mit einer solchen von 50 Mart Davon. Wieder ein schwerer Unfall auf der Avus. Höhepunkt bildet die für den 5. Auguft nach dem Rathaussaal in Leipzig einberufene allgemeine fozialistische Kulturkonferenz, die sich mit den wichtigsten Problemen des kulturellen Lebens beschäftigen soll. Im Mittelpunkt der Kulturwoche steht das am Sonntag, den 3. August, stattfindende Leipziger | Gewerkschaftsfest, das als großes sozialistisches Volksfest im Freien gedacht ist und starke Anregungen für eine sozialistische Festgestaltung geben soll. Daneben sind zahlreiche bildende und fünitlerische Veranstaltungen vorgesehen, darunter eine Aufführung von Tollers Wandlung", eine Schlußfeier mit dem gewaltigen Chorwert Samson" von Händel, ferner wird eine Buch- und Bildausstellung vorbereitet, wie durch die Leipziger Museen und Sehenswürdigkeiten regelmäßige Führungen stattfinden werden. Die Kulturwoche ist der erste große Versuch, die Bedeutung der sozialistischen Kulturbewegung, die Hunderttausende von Jugendlichen sowie Männer und Frauen jeden Alters in ihren Bann zieht, darzustellen. Die Arbeiterschaft ganz Deutschlands wird aufgerufen, fich zahlreich an den Veranstaltungen der Leipziger Kulturwoche zu be= teiligen und damit zum Ausdruck zu bringen, wie start allen Gegnern zum Trotz der sozialistische Kulturgedanke in ihr lebendig ist. Wegen aller näheren Auskünfte wende man sich an das Arbeiter- BildungsInstitut, Leipzig, Brauftraße 17. Die Kinderfreundebewegung. auf der Automobilstraße Grunewald. Am Kilometerstein 1,5 stürzte Beit besteht, sind bereits 100 örtliche Kinderfreundegruppen angeEin schwerer Motorradunfall ereignete sich gestern abend 6,40 Uhr Der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, die erst kurze cus noch unbekannter Ursache der Motorradfahrer Guido Monschloffen. Im Rahmen der Sozialistischen Kulturwoche in Leipzig findet am Sonnabend, den 2. Auguft, die erste Reich s konferenz der Kinderfreunde statt mit folgender Tagesordnung: 1. Rückblic und Ausblick( Ref. Genosse Dr. Lohmann), 2. Die Aufgaben der Kinderfreunde( Ref. Genosse Dr. Löwenstein). Die Einladungen für die Reichskonferenz sind bereits versandt. Ortsgruppen, die sie nicht gebeten, sich an die Reichsgemeinschaft der Kinderfreunde, Berlin erhalten haben oder die der Zentrale noch nicht gemeldet sind, werden S. 68, Lindenstr. 3, zu werden. Wer neben den Delegierten als wendet sich an das Arbeiter- Bildungs- Institut, Leipzig, Brauftr. 17. Konstatierung ist jedenfalls nicht falsch. Die Borgeschichte der Reisetagnir mit einer schweren Maschine. Er erlitt Berlegungen am ganzen Körper und der Schädel wurde schwer veriezt. Ein Privatkraftwagen brachte den Schwerverletzten nach dem Krankenhaus Westend. Es besteht für ihn Lebensgefahr. Die Wilmersdorfer Feuerwehr, die von dem schweren Unfall fofort benachrichtigt wurde und einen Krankenwagen zur Unfallstelle entfandte, wurde aus noch nicht bekannter Gründen am Durchfahren an der Sperre zur Avus verhindert. Es ist dringend erforderlich, der zur Unfallstelle will, ungehindert die Sperre passieren kann. ist interessant und seltsam genug. Herr Dick van der Toorn und André Driessen sind, wie gesagt, Schriftsteller, und sie verfaßten hauptsächlich Reisestizzen und Erzählungen. Da lafen sie, daß zwei holländische Barone, die anscheinend nicht wissen, was sie mit dem Geld anfangen sollen und die sich unter allen Umständen für die leidende Menschheit einsehen wollten, eine AusAus= lobung erlassen hatten. Wer in 9 Jahren 85 000 Kilometer um die Welt zu Fuß absolviert, erhält 35 000 Gulden, das sind daß die Direktion der Avus Anweisung gibt. daß ein Sanitätswagen, Gast an der Tagung oder an der Kulturwoche teilzunehmen wünscht, etwa 56 000 Goldmart. Da meldeten sich die beiden jungen Schriftsteller und der Kontrakt wurde perfekt. Die Reiferoute wurde festgelegt und die näheren Bestimmungen. Auf dem Land dürfen sie nur wandern. Sie müssen sich an den einzelnen Orten von den Behörden ihre Anwesenheit bescheinigen laffen, und sie haben heute schon nach 12 000 Kilometern ein stattliches Buch mit Siegeln und Stempeln der Polizei. Sie dürfen nur von dem Verkauf der Postkarten mit ihren Photographien leben und find verpflichtet, von ihrer Reife, ihren Abenteuern und Erlebnissen furze Berichte an die holländischen Barone zu geben. Ohne Geld mußten sie aus Holland abmarschieren. Ihr bestes Hilfsmittel ist die Sprachenfenntnis. Sie beherrschen 18 Sprachen so gut, daß sie sich mit den Bewohnern des betreffenden Landes verständigen fönnen. Die Reiseroute geht von Holland über Belgien, Luxemburg, Frankreich, Korfita, Italien, Schweiz, Lichtenstein, Desterreich, Deutschland, Dänemart, Norwegen, Schweden, Finnland, Polen, Rußland, Balkan, China, Asien, Aegypten, Indien, Japan, Mexiko, Brasilien, Canada, Amerika, Afrika, Liberia, Uruguay, Tunis, Maroffo, Algier, Bortugal, Spanien und England nach Holland zurüd. Ende Juli 1923 sind sie aus dem Haag in Holland aufgebrochen, 1932 müssen sie wieder in Holland sein. Jezt haben sie Deutschland durchwandert und nun geht es nach Dänemark. Manche Leiden und viele Entbehrungen haben fie unterwegs bestanden. Namentlich auf dem kleinen und armen Rorfita, wo sie im verfloffenen Winter bei furchtbarster Kälte und hohem, schier undurchdringlichem Schnee verweilten, wo ihnen niemand ihre Postkarten attaufen wollte, haben sie so viel gelitten, daß fie schon am Weiterfommen verzweifelten. Wir wünschen ihnen weiter alückliche Reise und Glück auf zum Idealismus, der in diesem Fall 35 000 Gulden einbringt! Ein gelungener Beweis. Ihrer Wohlbeleibtheit hatte es wohl zumeist die Ehefrau Selma 2. zu perdanken, daß sie vor dem Schöffengericht Berlin- Wedding nicht wegen schweren Diebstahls zu hoher Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Das Ehepaar L. hatte in der Ostender Straße auf einem Lauben gelände einen Garten gepachtet und dort eine Laube errichtet. Das Grundstück grenzte an den Holzplatz eines Bauunternehmers. Diesem waren im Januar d. I. von seinem Lagerplay zahlreiche Bretter und sogenannte Riegel von Gerüsten gestohlen worden. Trotz aller Beobachtung war es ihm nie gelungen, den Täter zu ermitteln. Durch einen Nachbar wurde er auf den Angeklagten 2. und dessen Ehefrau aufmerksam gemacht, er legte sich an einem Nachmittage des Monats Januar auf die Lauer und hörte aus der Laube der verdächtigten Eheleute ein Geräusch, wie es beim Berlägen von Holz entsteht." Er venachrichtigte die Polizei und stellte fest, daß die beiden Angeklagten die ihm gestohlenen Holzriegel zerfägten und andere Hölzer unter altem Laub versteckt hatten. Da fein Lagerplaz von dem Laubengelände durch einen zwei Meter hohen Zaun getrennt war, nahm die Staatsanwaltschaft an, daß die Anreklagten über diesen 3aun gestiegen seien, also sich des schweren Diebstahls schuldig gemacht hätten. Beide, die noch unbestraft sind, bestritten lebhaft ihre Schuld, die Frau wollte am Tage vorher, als fie ihre Hühner des Abends fütterte, einen verdächtigen Mann auf dem benachbarten Holzplaz bemerkt und ihn gefragt heben, was er dort mache. Darauf habe dieser ihr als Schweige Lohn einige Holzriegel über den Zaun geworfen mit dem Bemerken, sie werde wohl das Holz auch gut gebrauchen können, und Ein großes Schadenfeuer hat in der vorlekten Nacht die Eisenbahnhauptwerkstätten in Guben heimgesucht. Der Brand war in der etwa 5000 Quadratmeter großen Waggonmontagehalle Backiererei ausgebrochen, es gelang, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Die Waggonhalle ist völlig mit sämtlichem Inhalt, darunter etwa 30 bis 35 zur Abfahrt bereiten Personen= wagen verbrannt; der Material- und Gebäudeschaden dürfte infolgedessen auf 1½ Millionen Mark zu beziffern sein. Die Belegschaft der Halle wird einstweilen weiter beschäftigt. Die Brandursache ist noch nicht ermittelt. Mandolinenmufif im Dienste des Rundfunt. Der Mandolinenflub„ Conpassione", welcher als erster Berliner Verein unter Leitung feines Dirigenten Herrn Heinrich Ernotte mit großem Erfolge fonzertierte, gibt am 5. Juli ebnfalls durch Berliner Rundfunt fein zweites Konzert. 11 Voltsbildungsamt Pantow. Nächstes Sommerkonzert am 5. Juli, abends 7 Uhr, im Bürgerpart. abends 7 Uhr, im Bürg erpart. Mitwirkende: Das BlüthnerOrchester( Leitung: Jascha Horenstein), die Männergesangvercineamento 3"( Leitung Emil Thilo), Berliner Schuberthor"( Leitung: Jascha Horenstein) ,. Mitglieder des DASB. Mit Musikbegleitung werden gesungen schönen blauen Donau" von Strauß; von beiden Chören zusammen: Ramenlos": ,, An der Tord Foleson" von Uthmann und das Erntelied" von Ostar Fried. Eintrittspreis 1,- Mt. im Vorverkauf, 1,50 Mt. an der Abendkasse. Die Eintrittskarten berechtigen zur Preisermäßigung beim Blüthner- Konzert am 26. Juli( Leitung: Emil Thilo). von Ein Paket im Vorortzug nach Friedrichshagen verloren hat ein Funktionär des Arbeiter- Athleten- Bundes Montag, ain den 16. Juni, abends 7 Uhr. Das Palet, das im Zuge auf dem Schle Fischen Bahnhof abhanden gekommen ü, enthielt Mitgliedskarten und Beitragsmarten yom Arbeiter- Athleten- Bund Deutschland. Da der Verlierer für den Inhalt haftbar ist, wird der Finder gebeten, das Material bei Frohne, Berlin O. 34, Gubener Str. 59 IV, abzugeben oder nach dort seine Adresse zwecks Abholung einzusenden. Der Schwarzmeiersche Kinderchor( 500 Knaben und Mädchen) gibt zum Besten des Unterstüßungsfonds der gemeinnüßigen Vereinigung Berlinter Abende" am Mittwoch, den 2. Juli, ein Konzert im Luna part, verbunden mit einem Kinderfest. Genosse Pfarrer Bleier spricht Sonntag, den 29. Juni, abends 6 Uhr, im Rahmen einer Feierstunde in der Trinitatistirche, Charlottenburg. Karl- August- Plaz, über das Thema:„ Natur und Religion". Führungen im Museum für Meerestunde, Georgenstr. 34. Dienstag, den i Juli, 12 Uhr mittags, Prof. Krumbach: Die Färbung der Meerestiere." Aus der Partei. Eine sozialistische Kulturwoche. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltet gemeinsam mit dem Leipziger Arbeiter- Bildungs- Institut in der Beit vom 2. bis 6. Auguft in Leipzig eine sozialistische Kulturwoche. Sie soll den starken Kulturwillen zur Geltung bringen, der in der Arbeiterschaft lebendig ist und der nach einer umfassenden Neugestaltung der gesamten menschlichen Lebensverhältnisse drängt. In großen öffentlichen Rundgebungen werden die kulturpolitischen Neuerungen des Sozialismus erhoben werden. Die zentralen Kulturorganisationen der Arbeiterschaft halten im Rahmen der Kulturwoche sämtlich Tagungen ab, wie die Kinderfreunde, die Arbeiterjugend, die Jungsozialisten, die sozialdemokratischen Lehrer, die Arbeiterbildungsausschüsse und die sozialistischen Studenten. Den Gegen die kommunistische„ JAH." Aus dem Bureau des Parteivorstandes wird uns gefchrieben: Der Parteitag in Berlin hat folgenden Beschluß gefaßt: ,, Der Parteitag erflärt: Da die Internationale Arbeiterhilfe ein Organ der kommunistisch- bolschewistischen Politik ist, die als eines ihrer Hauptziele die Vernichtung der Sozialdemokratie erstrebt, ist die Beteiligung an der Internationalen Arbeiterhilfe und ihre Unterstützung unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der Sozialdemokratie." Wir bringen den Parteiorganisationen diesen Beschluß nochma's zur Kenntnis und ersuchen sie, für die strengste Durch führung dieses Beschlusses Sorge zu tragen. Alle Kräfte der proletarischen Wohlfahrtsbestrebungen müssen sich in den Dienst der Arbeiter wohlfahrt stellen, jener Organisation, die mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln bemüht ist, Not und Elend nach besten Kräften zu lindern. Arbeitersport. Fußball- Turnier. Auf dem in der Rynaststraße am Bahnhof Stralau- Rummelsburg gelegenen Lichtenberger L.- Play finden am Sonntag, den 29. Juni, die Vorrundenspiele der 1. Männer- und 1. Jugendmannschaften von vormittags 9 Uhr bis abends 28 Uhr statt. Als Gegner werden sich um 1,45 Uhr BSV. 22- Britannia, um 3,35 Uhr Union- Pantow- S C. Moabit, um 5,25 Uhr Lichtenberg I- Mariendorfer S. C. gegenüberstehen. Alle sechs Mannschaften besigen eine gleiche Spielstärke und werden sich demzufolge harte Kämpfe um die Berechtigung zur Zwischenrunde am 6. Juli ergeben. Der Vormittag wird mit den Spielen der 1. Jugendmannschaften ausgefüllt und fpielen um 11,30 Mhr Borussia- Reinidendorf- Brandenburg 02, um 12,25 Uhr Lichtenberg I- Fichte- Südost. Die Eintrittspreise werden äußerst niedrig gehalten und so jedem Fußballinteressenten Gelegenheit geboten, guten Sport zu sehen. heute ein Werbefußballspiel zwischen Minerva- Borfigwalde und Luftig- Fidel statt. Jm Lichtenberger Stadion, Herzbergstraße( Endstation der Linie 68), findet Beginn 5 Uhr. Borher untere Mannschaften. Spart- Bolls- Gefundheitstag betitelt fich die am Sonntag, den 29. Juni, von der Sportlichen Bereinigung Roland auf dem Festplatz der Laubenkolonie Jungfershöhe, Brenzlauer Allee 100, nachmittags 3 Uhr vorgesehene Beranstaltung. Außer sportlichen Darbietungen der Kinder-, Frauen und Männerabteilung spricht der Genoffe Gustav Thomas über Biochemie", Dr. Barthels über Boltsgesundheit und Sport", Dr. med. Betsch über Körperpflege". Touristenverein ,, Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin, E. V. Am Mittmoch, den 2. Juli, abends pünktlich 8 Uhr, Funktionärversammlung in der Schule Gipsstr. 23. Genoffen, die am 12. Juli auf Fahrschein nach München bzw. Berchtesgaden mitfahren wollen, können sich bei Leupold, Charlottenburg, Cauerstr. 29, Telephon Wilhelm 1716, melden. Lichtenberger Schwimmverein Neptun 1894, e. V. Die Uebungen der Lichten berger Abteilung finden täglich außer Sonnabends und Sonntags im Rummels burger Seebad, Sauptstr. 6, statt. Dienstag, den 1. Juli, Funktionärßigung bei Masello. Freitag, den 4. Juli, abends 8 Uhr, Monatsversammlung im Lokal von Dittmann, Giegfriedftr. 202. Am Sonntag, den 13. Juli, findet das Schauund Wettschwimmen unseres Bereins in Kaulsdorf statt. Es ist unbedingt Pflicht der Mitglieder, fich reger als bisher an den Uebungsabenden und Ver. anstaltungen des Bereins au beteiligen. Wetter für Berlin und Umgegend. Beitweise heiter und mäßig warm, später zunehmende Bewölfung. Steine erheblichen Niederschläge bei mäßigen westlichen Winden. Für Deutschland. Im Often größtenteils heiter, im Westen meist be wällt und später leichte Regenfälle. Temperaturen nur wenig geändert. Die Vielbegehrte Pie ist von Rasse ift dutchaus Klasse Und allen Männein, zumal den Kennein gefällt sie seht. 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Im Reichstag fprach gestern, Sonnabend, nachmittags in Kommunisten bei der Befagungsarmee denunzierten.( Lärm Fortsetzung der Debatte über die Notlage der Ruhrkampfopfer, beren Beginn wir schon im Abendblatt gemeldet haben, Abg. Effer( 3tr.). Er bedauert, daß die vom Kabinett Cuno den Ausgewiesenen gegebenen Zusagen nicht gehalten morden sind. Namentlich die Maßnahmen des Reichsverkehrs. ministeriums müßten zur ernſteſten Kritik herausfordern.( Lebh. Zustimmung.) Der Redner begründet einen Antrag, unverzüglich cinen Sonderausschuß einzusehen, welcher die Fürsorge für die aus dem alt- und neubesetzten Gebiet und aus den abgetretenen Gebieten Ausgewiesenen oder Gefangenen, insbesondere die volle Wahrung der wohlerworbenen Rechte der betroffenen Beamten überwachen foll. Abg. Dr. v. Dryander( Trat.) unterstützt diesen Antrag. Das schwer leidende besetzte Gebiet müsse als Ausnahmegebiet behandelt werden. Abg. Sollmann( Soz.): Die Rückkehr von Zehntausenden Ausgewiesenen ist das erste Anzeichen einer beginneben Entspannung zwischen Frankreich und Deutschland, die niemand mehr ersehnt als die Bevölkerung am Rhein. Wir überschäzen die Geste der neuen französischen Regierung nicht. Sie ist aber ein begrüßensmerter Anfang. Seit dem Rücktritt Poincarés spüren wir im Rheinland die Anfäße zu einer politischen Kultur, wie sie der beiden großen europäischen Völker würdig wäre.( Zustimmung.) Allerdings hätte man fofort nach der Beendigung des passiven Widerstandes die Gefängnisfe öffnen, die Ausgewiesenen zurückkehren laffen müssen. Daß es nicht geschah, ist eine dauernde Schmach für die Regierung Poincaré. Es wäre umehrlich und unflug zu leugnen, daß die jetzige französische Regierung unzweifelhaft mit den bisherigen Methoden gebrochen hat. Als rheinischer Abgeordneter sage ich ausdrüdlich der franzöfifchen Demokratie Dank für ihren Aft der Menschlichkeit und politischer Klugheit.( Lebh. Zustimmung b. b. Soz.) Wir danken insbesondere aber den franzö fijchen Sozialisten, unseren Freunden, die mit Erfolg ihren Einfluß für die Ausgewiesenen und Gefangenen geltend gemacht haben.( Bravo!) Wir erwarten, daß die französische Politik auf ben beschrittenen Wegen fortfährt, damit ein Abbau des Hasses fich vollzieht. Wir erwarten vor allem auch, daß die französische Politik aufhört, den Separatismus am Rhein zu unterstützen. ( Lebh. Zustimmung im ganzen Haufe.) Wenn die rheinische Bevölkerung spürt, daß die militärischen Besaßungsbehörden nach den Fisherigen Kundgebungen der Regierung Herriot arbeitet, wird bald eine politische Entgiftung im Rheinland eintreten. Es sind viel Dantworte zum Lobe der Ruhrfämpfer gesprochen worden. Der wirkliche Dank des Landes war aber sehr schlecht. Am Ende des paffiven Widerstandes hat die Schwerindustrie, die durch die Rechte dieses Haufes politisch vertreten wird, den Arbeiten, die lange Monate ausgehalten haben, den Achtstundentag geraubt. ( Minutenlange Schimpfereien der Kommunisten gegen den Redner und die Sozialdemokratiel) Wir sind ja daran gewöhnt, daß die Kommunisten, wenn wir die Rapitalisten angreifen, diefen zu Hilfe tommen.( Neues Toben der Kommunisten.) Es ist bedauer. lich, daß der Reichsarbeitsminister, der feinen ganzen sozialpolitischen Ruf perfpielt hat, auf der internationalen Arbeitskonferang in Genf diesen Raub am Achtstundentag zu rechtfertigen sucht.( Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Die Reichsregierung scheint für die Rüd fehr der Ausgewiefenen teine nennenswerten Vorkehrungen getroffen zu haben. Der Redner belegt/ dann mit Material die Woh rungsnot, das Fehlen von Einrichtungsgegenständen und andere Notstände der Zurückkehrenden. Besonders nachdrücklich wendet er sich gegen die Benachteiligung der Arbeiter, Angestellten und freien Berufen. Während die öffentlichen Beamten bei der Rückkehr, auch wenn sie nicht in ihre alten Stellungen einrüden können, ihr Gehait beziehen, was wir ihnen gönnen, find die übrigen Zurückgekehrten nach zwei oder drei Monaten auf die Ermerbslofenunterstüßung angemiefert. Scharf greift Sollmann das Reichsverkehrs. ministerium an, das gegenüber den Opfern tes passiven Widerstandes, soweit es Arbeiter sind, genau fo gehandelt hat wie jeder fapitalistische Unternehmer. Besonders zu verurteilen ist die Entlassung von 2400 Schwertriegsbeschädigten durch die Eisenbahn im befehten Gebiet. Es ist sehr zweifelhaft, ob diese Entlassungen überhaupt rechtsgültig find. Ich appelliere an den Reichsverkehrsminister persönlich, hier Wandel zu schaffen. Sowohl während des passiven Wider flandes wie jest zeigt sich die Klassenfcheidung des Rapitalismus auch in der Behandlung der Ruhrkämpfer und Ruhropfer. Wir erwarten, daß der auf unseren Antrag zu bildende Sonderausschuß Gerechtigkeit schafft, soweit es geht. Die Reichsregierung aber möge bedenken, daß in den kommenden Jahren die Rheingebiete noch oft neuen Bedrückungen ausgefegt fein tönnen. Sparen fie nicht ar Millionen dort, wo Bersäumnisse vielleicht mit Milliarden oder mit noch größeren uneinbringbaren Berlufte gebüßt werden müssen.( Lebh. Beifall b. d. Soz.) Minister für die besetzten Gebiete Dr. Höfle stimmt dem zu, daß Ausnahmezustände auch Ausnahmebehandlung erfordern. Bisher ist es leider nicht möglich gewesen, die Rüd fehr aller Ausgewiesenen restlos zu erreichen. Dieses Biel behält die Regierung dauernd im Auge. Im ganzen sind ungefähr 142 000 Personen ausgewiesen, davon 17 000 Privatpersonen mit ihren Familien. Die Fürsorge für die ausgewiesenen Privatpersonen war vielleicht eine Zeit lang mangelhaft, dann ist aber bestimmt worden, daß diese Versonen ebenso behandelt werden sollen wie die ausgewiesenen Beamten. Der Minister spricht dem Roten Kreuz herzlichen Dank aus. Die Regierung habe alles getan, um die Fertigstellung der ange= fangenen Wohnungsbauten zu ermöglichen. Dadurch konnten Hunderte von Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Die Betreuung der Ausgewiesenen wird sich auch auf die Zeit nach der Rückkehr erstrecken. In dem Ausschuß werden wir zu überlegen haben, ob auf dem Wege des Kredits oder auf anderem Wege neue Wohnungsmöglichkeiten geschaffen werden fönnen. Erleichtert wird die Sachlage werden burch den Abbau der Besagung. Der Minister begrüßt die Anträge der Zentrumsfraktion und der Sozialdemokraten auf Bildung eines besonderen Ausschusses und hofft auf vertrauens. bolle zufammenarbeit und Rückenftärtung für das Ministerium. Die endgültige Befreiung hängt mit der Löfung der Reparations. frage zufammen. Das Ministerium hat seine Vorarbeiten auf dem Gebiete pollendet, alle Instanzen sind mit dem notwendigen Material verfehen worden. Abg. Florian( Komm.) schildert verschiedene Fälle, in denen tommunistische Arbeiter wegen ihres Kampfes gegen die Ruhrbelegung verfolgt und bestraft worden sind, weil deutsche Bürgermeister, Zentrumsmänner und Deutschnationale, diese deutschen und Rufe b. b. Komm.: Schöne Patrioten, Landesperräter!) Der fozialdemokratische Kölner Polizeipräsident 35 rrgiebel hat mit Locspikela gegen die Kommunisten gearbeitet und das so gesammelte falsche Material der Befagungsarmee gegeben.( Bfuil- Rufe der Komm.) Bürgermeister 2utterbed hat die französischen Offi( Rufe d. Komm.: Ententeknechte!) Der Rebner erflärt meiter, die ziere aufgefordert, gegen die deutschen Revolutionäre zu tämpfen. Kommunisten hätten die Führung im Kamrf gegen die Separatisten gehabt, aber die deutschen Behörden seien ihnen in den Arm gefallen. harren. Jegt müsse dem Recht der Weg gebahnt werden, damit Abg. Kalle( D. Bp.) dankt den Rheinländern für ihr treues Ausdas Rheinland vor neuen Santtionen bewahrt bleibt. Abg. v. Ramin( Nat.- Soz.) bezeichnet es als eine Schande, daß Deutschland sich die unerhörten Gefangenenmißhandlungen immer wieder gefallen laffe. Der Optimismus der deutschen Regierung in bezug auf Herriots Regierungserklärung sei unbegreiflich. Abg. Beyersdörffer( Bayr. Bp.) beflagt die bureaukratische Einstellung der Behörden zu den Leiden der Bevölkerung des befezten Gebiets. Es fehle da an jedem Verständnis für die Psyche der Menschen. Der neugebildete Sonderausschuß werde hoffentlich für einen Bandel in diesen Dingen forgen fönnen. Wallraf HR Monarchist und Reichstagspräfident. Damit schließt die Aussprache. Die Anträge werden dem neugebildeten Sonderausschuß für das besetzte Gebiet überwiesen. Ohne Debatte werden dann die Verträge mit Estland und Litauen in drifter Cefung endgültig angenommen. ierauf folgt Hierauf folgt die gemeinsame Beratung der Aufwertungsfrage, in denen Alenderung oder Aufhebung der dritten Steuernotverord nung verlangt wird. Abg. Hergt( Dnatl.): Die Aufwertungsvorschriften find fo un gerecht, daß die meisten Schuldner sich schämen, fie anzuwenden, und aus Anstandsgefühl mehr zahlen. Im Volle wächst immer mehr das Gefühl, daß eine gerechte Aufwertung der durch die Inflation entwerteten Ansprüche notwendig fei. Das muß schleunigst ge schehen, denn der jezige Zustand bildet auch das Fundament für die große Belastung, die das Sachverständigengutachten uns auf erlegen will. Die Sachverständigen betrachten die inneren Schulden Deutschlands als getilgt durch die Geldentwertung. Regierung, die leider nicht hier ist, müßte sofort zur Aufwertungs Darum glauben fie Deutschland so start belasten zu tönnen. Die Regierung, die leider nicht hier ist, müßte fofort zur Aufwertungs. frage Stellung nehmen.( Rufe rechts: Wo ist der Finanzminister?) Wir beantragen die Aufhebung der dreitfen Steuernotverordnung zum 31. Juli 1924 und für den 1. August ein neues Gefeß zur gevorzugte Forderungen festgelegt werden, die höher aufgewertet rechten Lösung der Aufwertungsfrage. Es müssen bestimmte be. werden. Dazu müßten alle die Fälle gehören, in denen gefeßlicher 3wang zur Anlage in mündelsicheren Bapieren bestand. Die Regierung muß schnell handeln, denn wer rasch gibt, gibt doppelt. ( Beifall.) Abg. Dr. Herh( Soz.): Die sozialdemokratische Fraktion ist bereits vor Wochen dafür eingetreten, daß die Aufwertungsfrage möglichst bald behandelt wird, weil es notwendig ist zu prüfen, ob die großen Ber fprechungen, die ein Teil dieses Hauses den Inflations geschädigten gemacht hat, jetzt eingelöst werden sollen. Die Organi fationen der Inflationsgeschädigten haben vollendete Gefehentwürfe ausgearbeitet, feine Bartei, insbesondere nicht die deutsch natio nale, hat fich indes berufen gefühlt, einen folchen Antrag aufzunehmen und uns hier zu unterbreiten. Der deutschnationale Antrag stellt das Muster eines durch fachliche Ueberlegungen nicht getrübten demagogischen Vorgehens bar. Selbst bie Deutsche Allge meine Zeitung" urteilt: Wer derartige Vorschläge macht, der muß auch die Verpflichtung in sich fühlen, den Weg aufzuzeigen, auf dem fie durchgeführt werden können. Wer es anders macht, treibt ein Spiel mit den durch die Geldentwertung Geschädigten und nährt Hoffnungen, die sich nicht erfüllen werden." Hoffnungen, die sich nicht erfüllen werben." Den Deutschnationalen möchte ich deshalb ten guten Rat geben, jest baldigst einen Gesetz entwurf auszuarbeiten, damit sie, wenn fie in einigen Wochen in die glüdliche Lage kommen follien, die Regierung zu übernehmen, ihre Versprechungen wahrmachen fönnen. Jedem Opfer der Geldentwertung steht ein Gewinner an der Geldentwertung gegenüber. Das, was wir den Opfern der Geldentwertung jetzt geben wollen, müffen wir den Inflationsgewinnlern nehmen. Sonntag, 29. Juni 1924 ( Sehr richtig! b. d. Soz.) Angesichts dieser Tatsache verdient es die größte Beachtung, daß sich Reichslandbund und Reichsverband der deutschen Industrie immer gegen Aufwertungsbestrebun gen gewandt haben. Der deutschnationale Antrag fordert allerdings, daß die Beträge, die für Berzinsung und Rückzahlung der aufgewerteten Schulden erforderlich sind, vom Reiche und von der Allgemeinheit getragen werden und nicht von den Inflationsgewinn lern. Das aber wäre nicht möglich ohne Störung des Gleichgewichts im Reichshaushalt und Rückkehr zur Finanzgebarung der In flationszeit. Wir Sozialdemokraten werden uns aber bei der Rege. fung der Aufwertungsfrage davon leiten laffen, jede Gefahr einer neuen Inflation und einer neuen Erschüffe rung unserer Währung zu bekämpfen. Bir Sozialdemokraten haben uns bei dem Problem der Aufwertung immer dafür eingesetzt, daß diefe in erster Linie den am faffenguthaben und Lebensversicherungsansprüchen zuteil wird. Wir meisten Geschädigten, den kleinen Sparern, den Inhabern von Spar. Sozialdemokraten sehen in der Aufwertung zugunsten der Allge= meinheit den leichtesten, besten und gerechtesten Weg, um die Schäden der Inflation zu beseitigen, um den sehr starken Steuer brud auf der Wirtschaft zu vermindern. Auf diesem Wege hätten mir die Möglichkeit, für die Inflationsgefchädigten ausreichend zu forgen, die Kriegsopfer und Erwerbslosen vor Rot und Entbehrung zu schüßen. Die Sozialdemokratie, die für ihren Standpunkt feine Mehrheit gefunden hat, hat alles getan, um insbesondere die kleinen Inflationsgeschädigten vor dem völligen Ruin zu schützen. Don Wenn die bürgerlichen Parteien ernstlich gewillt sind, die Inflations schäden zu beseitigen, dann werden mir mit ihnen gehen, sofern die maßgebenden Kreise der Wirtschaft bereit sind, die Lasten dafür zu übernehmen. Die bürgerlichen Parteien mitsamt den Deutschnationalen werden uns an ihrer Seite finden, wenn die Wirtschaftstreise der Industrie und der Landwirtschaft bereit sind, als Hypothekenschuldner die Aufwertungslaften Hypotheken ansprüchen zu tragen.( Sehr gut! b. d. Soz.) Wir werden int Ausschuß auf unsere Grundsäge zurückommen, daß die Aufwertungs ansprüche mit rückwirkender Kraft ausgestaltet werden, daß eine Erhöhung des Sages vorzunehmen ist und daß Sparkassen- und Leebnsverfichreungsansprüche in stärkerem Maße aufgewertet wer den müssen. Schwieriger liegen die Dinge bei den öffentlichen Anleihen, wo Reich, Staat und Gemeinde Träger der Aufwertungsbelastung sind. Es ist bezeichnend, daß die Deutschnationalen fein Wort darüber sagen, wie diese Lasten bei den öffentlichen Anleihen aufgebracht werden sollen. Dabei handelt es fich nach Auskunft des Reichsfinanzministeriums bei allen öffentlichen Anleihen zufammen um einen Betrag von 104 Milliarden Gold mark.( hört, hört! b. d. Soz.) Davon kommen allein auf die Kriegsanleihen etwa 50 Milliarden Goldmark. Man kann aber nicht allein die Kriegsanleihen aufwerten, man muß auch bei den anderen öffentlichen Anleihen die Aufwertungsansprüche gelten laffen.( Sehr richtig b. d. Soz.) Dasselbe gilt für die Anleihen der Gemeinden. Was bedeutet eine Aufwertung aller öffentlichen Anleihen? Wenn wir von der Tilgung in den ersten Monaten vollkommen abfehen, und die Aufwertung nur mit 5 Broz. verzinsen, dann ist das eine jährliche Belastung der öffentlichen Körperschaften in Höhe von 5 milliarden Goldmart.( Hört, hört!) 5 milliarden Goldmart ist der Betrag, den das Reich gegenwärtig aus allen Befiz- und Berbrauchssteuern und Zöllen zusammen aufbringt. Dabei wird mit Sicherheit ein Ausfall von einer Milliarde Mart eintreten, wenn die Steueranträge der Deutschnationalen angenommen werden. Auch bei der Aufwertung der öffentlichen Anleihen werden wir daher die bürgerlichen Barteien vor die Frage stellen, wie die Mittel für diese Aufwertung beschafft werden sollen. Die bürgerlichen Parteien, und insbesondere die Deutschnationalen, werden uns, wenn sie nicht einer neuen Inflation die Wege ebnen wollen, neue Steuerquellen zeigen müffen, mit denen wir die Aufwertungsansprüche erfüllen fönnen. Selbst wenn man zu der Entscheidung kommen sollte, daß die öffent lichen Anleihen aufgewertet werden müssen, dann halte ich es doch für ganz selbstverständlich, daß nur die unsprünglichen Zeichner Anspruch auf die Aufwertung haben.( Lebhafte Zustimmung bei den Goz. und Dem.) Die Sozialdemokratie würde es moralisch und finanziell für unerträglich halten, wenn die gewiffenlosen Spefu lanten, die jetzt den verarmten Zeichnern die Kriegsanleihen für Pfennige ablaufen, fie später für 10 oder 20 Broz. ihres Goldwertes bem Reich präsentieren tönnen. Für Spetulanten darf es teine Aufwertung geben!( Lebhafte Zustimmung bei den Goz.) Durch die günstige Entwicklung der Finanzverhältnisse des Reiches ist die Haltung der fozialdemokratischen Fraffion glänzend gerechtfertigt worden, die seit vielen Jahren betont hat, daß es mit einer gewaltigen Kraftanstrengung möglich ist, aus eigener Kraft die Ordnung ber Finanzen durchzuführen. Demgegenüber haben alle anderen Barteien unter Führung Helfferichs immer die Auffaffung vertreten: die Finanzen in Deutschland fönnen erst nach der endgültigen Löfung der Reparationsfrage gefunden und das Gleichgewicht im Haushalt hergestellt werden. Ein großer Teil des Unglüds und des Unrechts der Inflation ist durch den Leichtsinn unserer Finanzpolitik herauf beschmoren worden und wäre verhindert worden, wenn man vor Jahren den Vorschlägen der Sozialdemokratie Rechnung getragen hätte. Seit der Stabilisierung ist auch, was wir immer vorausgesehen haben, eine gerechtere Berteilung der Steuerlaften eingetreten. Die Lohnsteuer bringt gegenwärtig im Durchschnitt nur noch 50 Bros. der Einkomemnsteuer auf. Von der Gesamteinnahme beträgt die Lohnsteuer 15 Proz., die Umsatzsteuer 25 Broz. Trotzdem ist der An teil der Maffenbelastung immer noch sehr erheblich, im Januar find durch die Massenbelastungen 43, im Februar 55, im März 46, im worden. Wir halten es für April 66, im Mai 65 Broz., im Durchschnitt also 55 Broz. aufgebracht unerträglich, daß die Umfahsteuer in ihrer jetzigen Höhe erhalten bleibt, weil das Wirtschaftsleben unter dieser Vorbelastung der Produktion außerordentlich schwer leidet. Das Sachverständigengutachten erfennt das an; es fagt den Herren von den bürgerlichen Barbeten die schärfften Worte über die unsoziale Art ihrer bisherigen Finanzpolitit. Die Lohnsteuer in ihrer jezigen Höhe ist auf die Dauer nicht tragbar. Denn durch die Belastung des Arbeitseinkommens mit anderen fozialen Abgaben, die mindestens so hoch find wie die Lohnsteuer, bat jest jeder Lohn- und Gehaltsempfänger von seinem Bruttolohn 15 bis 20 Broz, ja bis 25 Broz. für Lohnsteuer, für Krantenfaffen, Ins liben und Angestelltenversicherungsbeiträge und für die Erwerbs. lofenversicherung zu zahlen. Dieser Zustand läßt sich auf die Dauer nicht aufrechterhalten, es muß die von uns geforderte Herablegung der Lohnsteuer eintreten.( Buftimmung bei den Soz.) Ebenso schutzbedürftig wie die Rentner sind die Erwerbslosen, die Sozialrentner, die Kriegsbeschädigten usw. Rein agitatorisch scheint mir der Antrag auf Befreiung der Reniner von der Mietsteuer, menn die bürgerlichen Parteien als Antragsteller gleichzeitig freie Wirtschaft im Wohnungswesen, also schrankenlose Feftfehung der Mietshöhe und höhere Mietsbelastung der Rentner als durch die Mietssteuer verfangen. Geleitet von der hohen Verpflichtung zur Aufrechterhaltung unserer Währungsftabilität treten wir für den Ersah der Mietssteuer durch eine Vermögenssteuer und durch die Wohnungsbauabgabe, soweit die Förderung der Neubautätigkeit in Frage fommt, ein. Die Vermögenssteuer ist sozialer als die Mietssteuer, bei der Vermögenssteuer fann die Leistungss fähigkeit in vollem Maße zur Grundlage der Steuererhebung macht merden. Hat die vergangene Inflation das größte Unrecht in Dtsch land angerichtet, so würde eine neue Inflation das Ende der Hoff nung auf den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft überhaupt bedeuten.( Sehr richtig! bei den Soz) Wir verlangen deshalb, daß alle Finanz-, Steuer, Wirtschafts- und Sozialpolitik betrieben wird unter dem Gesichtspunkt der Bermeidung einer neuen Inflation, geleitet von der Absicht der schnellsten Förderung der wirtschaftlichen Gesundung, der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Stärkung der Finanzkräfte aller unserer öffentlichen Körperschaften. Das ist nach unserer Ueberzeugung die einzige Politik, durch die die Interessen der großen Schichten unserer Bevölkerung, durch die auch ins besondere die Interessen der Sparer, der Inflationsgeschädigten, der fleinen Kreise berücksichtigt werden können.( Bravo! bei den Goz.) Abg. Höllein( Komm.) bezeichnet die Inflationsperiode als einen beispiellosen Raubzug der Großfapitalisten gegen das, arbeitende Boit und den Mittelstand. Stinnes habe bewußt den Sturz der Mart herbeigeführt und seinen Raub so geschickt untergebracht, daß das Reich bei seinem Ableben von dem ungeheuren, dem Volte geraubten Bermögen nicht einmal Erbschaftssteuer erhalten hat. Der Aufwertungsschwindel der Deutschnationalen folle nur einen neuen Raubzug gegen das arbeitende Volf einleiten. Der Redner beantragt, statt der Aufwertung eine Unterstügung der Inflationsopfer, die frank oder erwerbslos sind, das 45. Lebensjahr überschritten haben oder sich in der Berufsausbildung befinden. Abg. Fehrenbach( 3tr.) stimmt dem Antrag auf Einsetzung eines besonderen Ausschusses zu und behält sich die fachliche Stellungnahme zur Aufwerfungsfrage für die Ausschußverhandlungen vor. Abg. Feder( Natfoz.) bezeichnet die Aufwertungsvorschriften der 3. Steuernotverordnung als ein unerhörtes Unrecht. Grundsäglich müßte eine 100prozentige Aufmerfung durchgeführt weiden. Abg. Dernburg( Dem.) weist darauf hin, daß die meisten Opfer der Geldentwertung ohne jede eigene Schuld ihr Eigentum verloren hätten. So fei die wertvollste Kulturschicht des deutschen Boltes enteignet. Diese traurige wirtschaftliche Entwicklung lasse sich nicht mit einem Gefez umtehren. Die Deutsche Volkspartei und ihr Minister Heinze haben vor den Wahlen die Aufwertung glatt abgelehnt. Dr. 48 1196 Sie wußten Gerade für Düringer ftand allein als Freunb ter Aufwertung. 3m mahl.] tabei von ber fogenannten Regierung und erklärt, wir hätten jetzt fampf aber wurde Düringer immer in den Vordergrund ge stellt. Die Aufwertungsvorschriften der 3. Stenernotverordnung haben die Lösung des Problems nur erschwert. Abg. Dr. Emminger( Bayer. Bp.) bezeichnet die Aufwertung als eine Forderung des primitivsten Gerechtigkeitsgefühls. Während im Wahlkampf den Bählern 40, 50 Proz. und mehr versprochen wurden, hört man jezt auch von den Rednern der DeutsnationaIen und der Boltspartei überhaupt feine bestimmten Säge. Der Rebner begründet einen Antrag, der die Aufwertung vor allein für Kleinrcatner, Kriegsanleihezeichner und solche Gläubiger verlangt, deren Guthaben durch gefeßlichen 3wang mündelsicher angeiegi werden mußten. Abg. Dr. Düringer( D. Bp.) weift Hölleins Angriffe gegen Stinnes als unfair zurüd. Er beantragt die Einsetzung eines Ausschußes, der unverzüglich die Lösung der Aufwertungsfrage in Angriff nimmt. Abg. Dr. Bredt( Wirtsch. Bgg.) verlangt, daß die Aufwertung sich nicht nur auf die Hypotheken, sondern auch auf ihr Objekt, das Haus, beziehen müsse. Auch der Wert der Häuser sei durch die wangswirtschaft zerstört worden. Der Hausbejizer fönne die Zinsen der aufgewerteten Hypotheken nur dann zahlen, wenn die Vertragsfreiheit im Wohnungswesen wieder hergestellt wird. Hausbesizer und Hypothekengläubiger hätten die gleichen Interessen. Damit schließt die Aussprache. Angenommen wird der Antrag auf Einsehung eines Sonder ausschusses von 28 Mitgliedern zur Prüfung der Aufwertungsfrage. An diesen Ausschuß gehen die vorliegenden Anträge. Präsident Wallraf teilt mit, daß nach der Entscheidung des Wahiprüfungsgerichts die im Wahlkreis Oppeln gewählten Abgg. Wolf( Dnat), Jadajch( Komm.), Jendrojch( Komm.), Ulizka( 3tr.), Erhard( 3tr.) und Zipper( 3tr.) aus dem Reichs. fag ausscheiden. Abg. Kah( Komm.) beantragt die fofortige Besprechung des Berbots der Roten Fahne". Der Antrag scheitert an dem Widerspruch aus dem Hause. Abg. Graf Revenflow( Natfoz.) beantragt die Anberaumung einer neuen Sigung, in der noch heute zu der Antwort auf die Militärkontrollnote Stellung genommen werden soll. Er spricht gar keine deutsche Regierung, fondern nur ein ausführendes Organ des internationalen Kapitals. Bet diejeir Worten entsteht große Unruhe im Saale. Biele Abgeordnete rufen: Zur Ordnung!" Präsident Wallraf erklärt, er habe bei der herrschenden Unruhe den Roner gar nicht verstehen tönnen! Abg. Kah( Komm.) unterstützt den Antrag Reventlow und verlangt auch die Besprechung der Affäre in der russischen Handelsdelegation. Er erhält einen Ordnungsruf, weil er von„ Regierungstulis" gesprochen hat. Abg. Koch- Wefer( Dem.) fragt den Präsidenten, ob er die gegen die Regierung gerichteten beschimpfenden Bemerkungen für zufäffig halte. Präsident Wallraf erflärt, er habe bei der herrschenden Uruke die Worte des Abg. Graf Reventlom nicht gehört. Er werde nach Durchsicht des Stenogramms barauf zurüdtommen.( Nach drei Boden! Reb. d. 2.). Abg. v. Guérard( 3ir.) bezweifelt nun die Beschlußfähigkeit des Hauses. Dadurch erreicht die schwach beschte Sizung um 3.7 Uhr ihr Ende. Der Präfident wird Termin und Tagesordnung der rächsten Sigung selbst bestimmen. es noch nicht? Wollwäsche ist 58 Mark A Fahrräder billiger! Persi Schaumpon mit dem schwarzen Kopf Das altbewährte Kopfwaschpulver Koch& Leeland bringen die größte Auswahl- billige Preise Gabardine..imprägniert" 8.- 10.Manchester- Lodenwasser- 6.- 8.für Damen- u. Herren- Mäntel Mfr. dicht", für Sport, Jagd, usw. Mir. Sertraudtenstr 20/21 Petrikirche. so schön! All die hübschen modernen Sachen in ihren freundlichen Farben können Sie so bequem waschen! Machen Sie einmal an einem kleinen Stück einen Versuch. Sie werden selbst überrascht sein, wie schön es wird. Natürlich behandelt man Wolle und Buntsachen stets handwarm. Mit Persil gewaschene Wollsachen bleiben locker und weich, verlieren die Form nicht und bekommen ein schönes neues Aussehen. 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Juni. zur So schön hatten es fich unfere Sanierungspolitiker borgetellt, als es ihnen gelungen war, mit dem Geld, des der General tommiffär von den noch nicht verwendeten Resten der Bölter bundsanleihe statt zum Ausbau der Industrie Stübung der Banten und anderer Franfenipetulanten zur Berfügung gestellt hatte, eine weitere Ausdehnung des Zusammen bruches zu verhindern: das Vertrauen des Auslandes in die Sanie rung war wieder hergestellt und die Wähler, die schon zu murren begonnen hatten, waren schon zufrieden, daß es gelungen war, dem weiteren Zusammenbruch halt zu gebieten, und nicht zulegt mar. es nicht zu verachten, daß bei der Stügungsaktion die ganz großen Haifische wieder einige kleinere Fische verschlungen hatten, so daß das Großfapital aus dem Zusammenbruch gestärkt hervor: gegangen war, also den durch die Geldtrise ohnehin schwer be troffenen Arbeitern mit größerer Macht entgegen treten tonnfc. gefährlichen wirtschaftlichen Tätigkeiten freigegeben wurden. Nach und nach wurde der gesamte Binnenhandel freigegeben in ber Erkenntnis, daß in einem Staat, der sämtliche Machtfaktoren be herrscht, die Zusammenhäufung von Verbrauchsgütern und Geld in privaten Händen bedentenlos fei. Die Freigabe des Handeis hat verhältnismäßig rei de angeregt, der Waren und Geldumfah erfaßte die Städte und das Früchte getragen. Der Verkehr und die Produktion wurden platte Band. Trokdem die staatlichen Wirtschaftsorgane, Syndikate, Truste usw. im Mitbesig der staatlichen Macht sind und nom Staate finanziert werden, in ihrer Arbeit der Förderung des Behördenund Barteiannarates beregnen, hat sich der private Hanbel, der micht geradezu auf Rosen gebettet ist, doch als bedeutend lebensfähiger erwiesen, und er hat den staatlichen Handel überflügelt. Nach verschiedenen Daten, mit denen die Sowjetpresie operiert, hat den Anteil von 83 Broz., am mittleren Großhandel einen solchen von der Privathandel im abgelaufenen Jahre am Kleinhandelsverkehr 50,4 Broz., am zentralen Großhandel einen solchen von 15 Prez. des Gesamiumsages erreicht. Seine Bedeutung ist von Quartal 312 Quartal gestiegen und ist in verschiedenen wichtigen Geschäftszweigen, wie Lederhandel, Manufakturmarenhandel usm., ausschlaggebend ge worden. Ons softtife Gebiet( ple use ble are Der Depas fitenbant in zweifacher Hinsicht: vor allemt dadurch, daß die Re. gierung trop der Warnungen und Vorschläge der Bantenfommiffion bie Methoden Castiglionis nicht nur bei diefer, sondern bei allen Banten bul de te, Dann aber dcdurch, daß Castigloni, der Sohn eines Rabbiners in Trieft, auch bei seinen anderen Geschäften ber gierung war, die ihn nicht nur bei den Steuern mit ausgesprochene Günstling der chriftlichlozialen Re: fiarbengeschente machte, sondern ihm auch die ungeheuer fichsten Gründergewinne ermöglichte. Im vorigen Jahr wurde von unseren Genoffen in Barlament die Geschichte dieser Begünstigung Castiglionis durch die Regierung ausführlich erzählt, ohne daß die Regierung zu bestreiten wagte. Für die Jahre 1916 bis 1921, in Einkommensteuer von 3 Millionen Goldkronen vorgeschrieben wor denen Castiglioni fein Milliardenvermögen errafft hat, war ihm eine den. Die Regierung glich sich aber mit ihm dahin aus, daß er nur breibunderttausend Goldtronen zu zahlen hatte, und auch diese nur in Raten. 38 Milliarden österreichische Kronen hat ihn die Regierung auf diese Weise gefchenft. Aber noch standalöser ist das Geschäft, das Castiglioni mit Hilfe der Regierung bei der Ausgabe von neuen Aftien der Alpinen Montangesellschaft, die er feit 1921 zusammen mit Stinnes beherrschte, machen tonnte. Obden Aktiengesellschaften teine Vermehrung ihrer Attien gestattet Krieg zu erfiären. Am 24. April faßte das Sentralkomitce wohl die Regierung damals eine Berordnung erlassen hatte, daß Diese Sachlage genügte, um dem Brisathandel dem werden solle, wurde ihm die Erlaubnis erteilt. Die Großattionäre, der Russischen Kommunistischen Partei eine lange Resolution, in Caftiglioni und seine Freunde bezogen die eine Hälfte, 750 000 Aktien zum Emissionspreis von 250 000 kronen, die andere Hälfte welcher Maßnahmen zur Drosselung des privaten Großhandels anwurde an der Börse zu 643 000 kronen gehandelt. Die Groß gekündigt sind. Der private Großhändler, wie auch der aftionäre, allen voran Castiglioni, verbienten 288 mil Bermittler und Kommissionär, sind auszuschalten. Die staatliarden an dieser ihnen von der Regierung erlaubten Emislichen Produktions- und Handelsorgane haben die Aufgabe, mit dem fion. Kleinhandel die unmittelbare Verbindung aufzunehmen. Wo die Genossenschaften nicht träftig genug sind, ist der geschäftliche Berkehr mit den privaten Kleinhändlern zu pflegen. Sur Leitung dieser Maß-. nahmen gegen das Privatfapital ist die bisherige Kommission für Binnenhandel in ein Boltsfommissariat für Binnenhandel umgewandelt worden. Im Bunft 14 der Resolution wird bestimmt, daß zur Gewährleistung einer planmäßigen Kreditpolitik ein Komitee der Banken ins Leben zu rufen ist, welches die planmäßige Kreditgewährung mit dem Zweck organisiert, den Privathandel von dem Genusie staatlicher Kredite auszuschalten. Aber auch abgesehen von dieser Ausplünderung der Bant durch ihren Großatiionär, bedeutet der Krach der Depofitenbank, duro den nicht nur die Angestellten des Unternehmens, sondern auch die Einleger und alle von ihr finanzierien Industrien auf des schwerste bedroht find, eine so große Gefahr für unsere Wirtschaft zumal da die fünf Großbanten, die Anfang Mai die Bant weiterzuführen versprochen hatten, jegt aber, nachdem sie die Geschäfte der Banf für fich ausgenützt haben, die Bant fallen lassen Daß die Re: gierung fich von der Berantwortung für die Saumfeligkeit, die fie gegenüber den Banten befundet hat, faum wird freimachen können. Die Sozialdemokraten haben schon früher immer darauf gedrängt, daß die zivilrechtliche Haftung ber Direttoren und Berwaltungsräte für die Gebarung der Banten gesetzlich festgelegt werde, und sie haben jezt einen solchen Gesezent wurf eingebracht. Die Regierung und ihre Parteien werden sich darum nicht herumbrüden fönnen. Sie werden Farbe bekennen müssen, wenn nicht die ganze Deffentlichkeit fie als die Mitschuldigen ansehen soll. Alles schien wieder in Ordnung zu sein, als nun auf einmal der zweite Aft des Krachs mit dem Zusammenbruch der Depofiten bant einsette und in die schöne Rechnung ein Loch riß. Zwar haben sich die Großbanken an diesem Zusammenbruch ebenfalls bereichert und mit den von der Depofitenbank finanzierten Industrien werden die Arbeiter fchwer getroffen aber anderer feits gerät das Becfrauen des Auslandes wieder ins Banten und, was das Unangenehmste ist, vor den Wählern werden die 3u sammenhänge zwischen dem Zusammenbruch der Depositen bank und nicht nur der Sanierungspolitik, sondern der ganzen grifflifozialen Politit flar vor Augen geführt. Um das zu derstehen, muß man die Geschichte des Aufstiegs dieser Bant tennen, die zugleich die Borgeschichte des Zusammenbrudjes in fidh bægt. Die Depofitenbank war vor dem Kriege ein ruhiges mitt feres Unternehmen, das sich von allen gewagten Geschäften zurüd Man fann fich bei der Lektüre all dieser Maßnahmen denken. durch Kriegslieferungen in die Höhe zu bringen, wurde aber manchen was man will. Man fann jogar sehr skeptisch die Aussichten der an einflußreichen Herren unangenehm und wurde dann angeklagt. Der gebahnten Entwicklung beurteilen. Man würde cher, angesichts dieser Brozez brachte weniger eine Diskreditierung des Unternehmens als Schmenfung der„ neren Wirtschaftspolitit", als Außenstehender dades Armeeoberfommandos, wenn auch Kranz verurteilt wurde geoen nichts einwenden fönnen, wenn wir es nur mit einem norwie schon damals offenbar war, zu Unrecht. Aber die Bank haile malen Wettbewerb zwischen dem staatlichen und privaten Handel Blut geleckt, und bald fand sich ein waghalsiger und nicht gerade zu tun hätten. Wir hätten dann den Gang dieses Wettbewerbes und Sprupelhafter Macher, der sie in die erste Reihe der Großbanten eine Etappen zu verfolgen, ohne den Wunsch zu verspüren, in die zu bringen versuchte. Es war der Triester Castiglioni, der es im Krieg auf die ſchon übliche Art zu einem Riefenvermögen stehen aber anders. Der Wettbewerb beschränkt sich nicht allein auf gebracht hatte. Als er die Herrschaft in der Bant antrat, brachte das wirtschaftliche Gebiet, fondern es wird gegen die Bertreter des er sie in Verbindung mit den ihm untertanen Industrien und por Privatkapitals mit den fchärften und drakonischen Mahallem mit der österreichischen Schwerindustrie, später, nahmen vorgegangen. Die Bekämpfung wird so gehandhabt, daß als er feine Beziehungen ausgedehnt hatte, auch mit italienischen den Vertretern des Privatfapitals jede Tätigkeit unmöglich gemart und tschechoslowatischen Banten. So schien die Depositenbank bant wird dadurch, daß sie ermittiert, verhaftet, enteignet, verbannt wer feiner Tätigkeit aufzublühen. Aber in Wirklichkeit hat Castiglioni den. Dabei darf nicht übersehen werden, daß das gegenwärtige nicht seine Verbindungen der Bant dienstbar gemacht, sondern viel russische Brivatfapital neueren Datums ift. Es ist das Ergebnis der mehr die Bank für seine Geschäfte ausgenügt. Er hat neuen Wirtschaftspolitif, entstanden in der Zeit feit der in ter Depofitenbank jenes System eingeführt, das dann auch von Freigabe des Handels, in der Atmosphäre der Inflation, der Geldben Gewaltigen der anderen Banten geübt murde. Er hat mit den entwertung, des zusammengeschrumpften Berfehrs usw. usw. Dieses Mitteln der Bant sich in die gewagteften Unternehmungen einSowjetrußland steht jetzt, wie im Frühjahr 1921, an einem ent- Brivatfapital hat, bei all feinen negativen Merkmalen, dennoch den gelassen. Ging das Geschäft gut aus, so stedte er den Brofit ein. scheidenden Wendepunkt. größten Anteil an der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse Benn es aber schlecht ging, mar eben das Geschäft im Namen Die Grundidee der im Frühjahr 1921 eingeführten neuen Wirt- bes Landes. Die ihm gegenüber jegt angewandte Bolifik fann der der Bank geführt worden. Daß die Schwierigkeiten der Bant schaftspolitik bestand darin, daß der Staat die ausschlaggebenden Gesamtwirtschaft schwere Schäden zufügen. Die Hinweise aus der Aera. Castiglioni stammen, ist unbestritten. Beftritten ist Machtpofitionen das Eigentum und die Berfügung über alle der Sowjetpresse darauf, daß die staatliche Wirtschaft starf genug nur, ob feine Nachfolger die Schwierigkeiten durch Unfähigkeit und maßgebenden Produktions- und Verkehrsfaktoren: Landbesitz und sei, um allen Komplitationen ins Gesicht zu sehen und den Privatungenügendes Kapital, oder auf andere Art vergrößert geben." Sicher Talbungen, Erdinnere und Schwerinduftrie, Großindustrie und handel zu ersehen, erscheinen recht sonderbar. Wäre dem so, so it nur, daß ihr Kapital nicht ausreichte, die Bank in dem großen Eisenbahnen, Handelsflotte und Banten, vor allem Außenhandel müßte es den staatlichen Organen ein Leichtes sein, im freien Maßstabe weiferzuführen, der von Castiglioni stammte, und es heißt in feinen Händen behält, während die politisch und wirtschaftlichettbewerb thre Leistungsfähigkeit und ihre Ueberlegenheit zu baß sie aus dem Zusammenbruch der Bant ohne Gewinn hervorgingen. weniger bedeutenden und für das herrschende politische Sitem nicht beweisen. A- F- B Die innerrussische Wirtschaftspolitif. Der letzten Nummer der Dit wirtschaft, bes offiziellen Organs des Deutsch- Russischen Bereins E. B.( Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin S. 48), entnehmen wir folgende intereffanten Ausführungen: R. 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Dabei war es unsere Aufgabe, die Grundeigenschaft unserer oder vielmehr feiner Helden zu erforschen und zu zeigen, daß ihr ganzes Denken und Handeln von ihr beherrscht war. Denn so wie er in jedem Zoll ein Pedant war, hatte er die Vorstellung, daß auch jedes andere Individuum ein vollkommen einheitliches Wesen sei. Für das, was freie Menschen an ihren Artgenossen am meisten interessiert, für das Spiel der gegensätzlichen Kräfte, das sich in jedem einzelnen auswirkt und am meisten in bedeutenden Gestalten, hatte er fein Verständnis. Und so machte er gerade den über den Durchschnitt hinaus begabten Schülern den deutschen Aufsatz zu einer Strafarbeit. Roethe Hätte dieser Mustererzieher Herrn Professor Gustav Moe't he vorgeahnt und uns befohlen, ihn zu chrataterisieren, so wäre aus der Last eine Luft geworden. Denn Herr Roethe if eine vollkommen einheitliche Natur. Er besitzt eine Grundeigenschaft, aus der alle anderen hervorgehen und die sein ganzes Tun beherrscht. Diese Eigenschaft ist Taktlosig= keit und Mangel an vornehmer Gesinnung. Wäre es möglich, auf eine Ungehörigkeit allergrößten Kalibers einen photographischen Apparat zu richten, man würde sicher das wohlgetroffene Konterfei des Herrn Roethe auf die Blatte bekommen. Als Erich Schmidt die Augen für immer geschlossen hatte, bemühte sich Herr Roethe um seine Nachfolge. Man war pietätlos genug, feinem eifrigen Streben zu willfahren. Go nahm Roethe auf dem Ratheder den Platz des Mannes ein, der über das ganze Gesicht zu lachen pflegte, wenn er nur den Namen Roethe hörte. Herr Roethe mußte aber, um fein Ziel zu erreichen, eine Bedingung erfüllen. Zu damaliger Zeit war die Zulassung weiblicher Studieren den zu Vorlesungen in das Belieben des einzelnen Universitätsprofessors gestellt, und Herr Roethe gehörte zu denen, die iren Hörsaal für Damen gesperrt hielten, wahrscheinlich aus Achtung vor der deutschen Frau. Die moderne Literatur, das besondere Gebiet Erich Schmidts, ist nun aber das Fach, das für weibliche Studierende, von denen sich die meisten für den Beruf der Lehrerin vorbereiten, besonders wichtig ist. Und so wurde die Ernennung Roethes für den verwaisten Posten Erich Schmidts davon abhängig gemacht, daß er sich verpflich tete, dem weiblichen Geschlecht die Türen zu öffnen. Paris war eine Messe wert und die erste Profeffur für Literaturgeschichte an der ersten Universität des Reiches ein Opfer des Prinzips. Herr Roethe fügte fich. Aber in der ersten Stunde, die er in seinem neuen Amte las, redete er die anwesenden Damen wie folgt an:" Ich werde mitunter Dinge berühren müssen, die für weibliche Ohren nicht passen. In solchen Fällen werde ich am Schluß einer Borlesung ankündigen, daß ich am nächsten Tage Damen nicht zu sehen wünsche. Sollten sich gleichwohl einige einfinden, so werde ich wissen, was ich von ihnen zu halten habe." Man hatte leider vergessen, sich von Herrn Roethe versprechen zu lassen, daß er sich gegen die zugelaffenen weiblichen Studierenden auch angemessen benehmen werde. Natürlich löfte seine Flegelei ein tobendes Beifallsgetrampel des im Roetheschen Geiste erzogenen Teiles der männlichen Studierenden aus. Die anderen aber schämten fich für ihren Lehrer. Dieses Mal würde Erich Schmidt nicht gelacht haben. Als der preußische Militarismus im Jahre 1913 in 3abern die psychischen Vorbedindungen für die Trennung des Elsaß von Deutschland schuf, war Herr Roethe natürlich Sonntag, 29. Juni 1924 Freiburger Germanist Kluge hat einmal ein herbes Urteil über die amüsant sein sollenden Redewendungen gefällt, mit denen Herr Roethe namhafte Gelehrte und wichtige Werte fritisierte, zu denen er keine entsprechende Gegenleistung aufzuweisen habe. Das ist vollkommen richtig. Die wissenschaftliche Bedeutung Roethes steht im umgekehrten Verhältnis zu feiner Suada, zu seiner Selbsteinschäzung und zu seiner Virtuofität als Klopffechter. Spaßhaft war ein Reinfall, den er einmal in seinem Kolleg über Goethe erleben mußte. Eine Stunde lang hatte er sich der Entdeckung gerühmt, daß das Urbild des Goetheschen Satyros fein anderer als Herder fei. Er trug Indiz auf Indiz zusammen und flocht sich ob feines Scharfsinnes einen umfangreichen Lorbeerfranz. Am anderen Tage aber mußte er fleinlaut mitteilen, der verdiente Goethe- Forscher Dr. Morris, der sich unter seinen Hörern befunden hatte. habe ihn wissen lassen, daß die Beziehung der übermütigen Satyros- Dichtung Goethes zu der Person Herders längst bekannt und in der Literatur behandelt sei. Herr Roethe hatte also entweder die Goethe- Literatur nicht ge= nügend studiert oder er hatte sich im Vertrauen auf die Ahnungslosigkeit der Studenten mit fremden schmücken wollen. Und ausgerechnet ein Jude mußte ihm seinen Ruhm rauben. Da soll ein Mensch nicht Antisemit werden! mit ganzem Herzen auf der Seite derer, die Recht und Gefeß mit Füßen traten und eine ruhige Bevölkerung zur Verzweiflung brachten. Das Verbrechen der Zaberner hatte darin bestanden, daß sie einen jungen Leutnant, der den elfäffischen Boltsstamm durch Ausdrücke der Geringschäzung geehrt hatte, ausgelacht und verhöhnt hatten. Der Ober des in 3abern in Garnison liegenden Regiments führte nicht etwa die Versetzung des unreifen Menschen herbei, sondern suchte die Autorität der Uniform durch Berwandlung der Stadt in ein Kriegslager wiederherzustellen. Schwer bewaffnete Infanterie befeßte eines Tages den Schloßplay in 3abern, sprengte die dort anwesende Menschenmenge auseinander, anständige Bürger wurden in einen Kohlenfeller gesteckt, wo sie die ganze Nacht verbringen mußten, es regnete Hiebe auf die Zivilisten usw. usw. Ganz Deutschland schrie vor Schmerz auf über die unterhörte Rohheit und Dummheit der Zaberner Soldatesta. Selbst der fanfte nationalliberale Profeffor van Calter aus Straßburg ftöhnte auf der Parlamentsbühne, im Elsaß féi alles taputt, die Dinge seien zum Heulen. Und der Reichstag sprach Herrn v. Bethmann Hollweg mit Sechsfiebentelmehrheit seine Mißbilligung aus, weil er die Zaberner Borgänge nicht mit genügender Entschiedenheit getadelt und geahndet hatte. Herr Roethe aber zollte auf dem Festkommers des antisemitischen Vereins deutscher Studenten in Berlin am 18. Januar 1914 den preußischen Kulturträgern im Elsaß seine schwärmerische Das Jahr 1923 brachte Herrn Roethe wieder eine Ehre. Bewunderung und höhnte über die drei großen P, die Die Professoren der Berliner Universität wählten ihn zum das ganze Deutschland beherrschen wollten: Pöbellärm, Presse- Rettor. Man kann ihnen dafür dankbar sein, daß sie durch geſchrei und Barlamentsmehrheit. So trug Herr Roethe, der diese Auszeichnung zu erkennen gaben, wo sie ihre politischen fein Gehalt auf Grund des Beschlusses einer Barlamentsmehr- Ideale fuchen. Wenn wir einen Knopf faufen wollen, so beit empfing, zur Förderung des Sinnes junger Studenten freuen wir uns, daß das Muster, das auf dem Dedel der Schachtel befestigt ist, uns langwieriges Suchen erspart. Wenn Herr Roethe an der Spize einer Körperschaft steht, so fennt man ohne weiteres den Geist der Mehrheit dieser Körperfchaft. für Autorität bei. Der Weltkrieg fam. Herr Roethe schlüpfte in die Uniform. Es wurde ihm die seinen militärischen Fähigkeiten entsprechende wichtige strategische Aufgabe der Verteidi gung des Potsdamer Bahnhofes übertragen. Er hat sie glänzend gelöst, was um so anerkennenswerter ift, ais er daneben seine Lehrtätigkeit fortsette. Der Botsdamer Bahnhof ist dank Herrn Roethe gehalten worden. Aber einmal war er gefährdet. Das war, als die Reichstagsmehrheit im Juli 1917 die bekannte Friedensresolution faßte. Herr Roethe, der selbstverständlich Gegner eines Berständigungsfriedens war, da seine Intelligenz ihm nicht gestattete, die ungeheure Gefahr zu erkennen, die Deutschland von der Fortfehung des Krieges drohte, war über den Reichstagsbeschluß entrüstet und schrieb an den„ Lokal- Anzeiger", daß er zum 3eichen des Protestes gegen die Resolution am liebsten den Degen einsteden möchte. Er hat sich aber erweichen lassen, und der Potsdamer Bahnhof wurde weiter behauptet. Als der Zusammenbruch erfolgte, wurde Herr Roethe zum ersten Male in feinem Leben gesittet und manier lich. Monate hindurch verhielt er sich schweigend, was ihm bei seiner notorischen Geschwäßigkeit sicher schwer geworden ist. Aber als jede Gefahr geschwunden war, wurde er um so beredter. Er rückte zum Lieblingsredner in deutschnationalen Versammlungen auf. Und feiner feiner Gesinnungsgenossen, felbft Herrn Fahrenhorst faum ausgenommen, der diefer Tage im Reichstage feine Jungfernrede im Kaschemmenton hielt, verstand es, sich dem niedrigen fittlichen und Bildungsniveau seiner Zuhörer so vollständig anzupaffen wie er. Es gab teine entisemitische Redeblüte, die dem übrigens start semitisch aus sehenden Jugenderzieher zu gewöhnlich gewesen wäre. Seine Art des Auftretens forderte dazu heraus, den Amtstitel Bro fessor Ordinarius, den er führt, mit der ordinäre Profeffor" zu übersehen. bungen nicht. In seiner Rede begeisterte er die Versammelten Und die Anerkennung der Besten fehlt seinen Bestredurch den selbstgemachten Vers: Wo der Lump fich laufig macht, da der Jud' sich mausig macht. = Die Weimarer Goethe Gesellschaft muß in dieser Dichtung Goetheschen Geist gewittert haben, denn sie wählte Herrn Roethe zu ihrem Präsidenten. Sonstige. Ver dienste, die die Uebertragung dieses Amtes rechtfertigen fonnten, hat Herr Roethe nämlich nicht aufzuweisen. Der Federn Einmal brachte das Reftorat Herrn Roethe in eine teilmeife unangenehme Lage. Ein füdamerikanischer Professor, der sich auf einer Studienreise in Berlin aufhielt, lud ihn zu einem Frühstück ein. Als Herr Roethe erschien, zuckte er zufammen: der Gastgeber war auf den sinnigen Gedanken verfallen, zu Ehren seines Gaftes den Tisch mit schwarzrotgoldenen Fähnchen zu schmücken. Ich würde sagen, daß Herr Roethe dieserhalb Tantalusqualen litt, wenn das Leid des Dulders der griechischen Sage nicht darin bestanden hätte, daß vor ihm die leckersten Speisen erschienen, die ihm in dem Augenblicke, wo er zugreifen wollte, wieder entzogen wurden. Diese Tortur blieb Herrn Roethe erspart. Er fam mit der seelischen Erschütterung davon, deren Einwirkung auf feine Eßlust übrigens nicht warnehmbar wurde. Das höchste Universitätsamt hat zur Mehrung der Würde des Herrn Roethe nichts beigetragen. Er hat es als rechter Parteimann oder vielmehr als Rechtsparteimann verwaltet. Das Schlußstück, das er sich geleistet hat, entspricht seiner Amtsführung während des ganzen zu Ende gehenden Rektoratsjahres. Einem obffuren völkischen Agitator hat er zwecks Einwirkung auf die Wahlen zur Studentenvertretung an der Berliner Üniversität einen Hörsaal zur Verfügung gestellt; dem Deutschen Studentenbund aber, der aus Gegnern der nationalistischen Verbände besteht, hat er die gleiche Vergünstigung für eine Versammlung, in der Männer von dem Rufe des Grafen Montgelas und des Berliner Univerfitäts profeffors Bergsträffer sprechen sollten, verweigert. Man möchte Herrn Roethe zur Scham rufen. Aber es fehlt ihm die erste Vorbedingung zum Verständnis eines solchen Appells. Ein Roethe errötet nicht! Jogal hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Rheuma, Nerven- und Jschias, Kopfschmerzen. 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Der geheime Agent existiert in Wirklichkeit nur in der Einbildung einer Hofgesellschaft. Ein Minister hat gelesen, daß die Kaiserin von Rußland ihre Minister durch einen geheimen Agenten überwachen läßt und daß dieses Beispiel an europäischen Höfen Nachahmung finden solle. Und da die Hofgesellschaft dem Hänlespiel nicht abhold und jeder einzelne mißtrauisch ist, der Herzog aber, um zu feiner angeschwärmten Prinzessin zu gelangen, durch Geheimtüren friecht, ergeben die einfachsten Borlommnisse die Grundlagen zu den fürchterlichsten Bermutungen. Der stegiffeur Emil Schönfelder jaẞte dieje Leichte Unterhaltung in durch Situationsfomit gewürzte, wunderschöne Bilder. Er ließ alles in bedachtjamter, lebensgenießerischer Heiterfeit debinfließen, wie sie in den Nahmen von Sanssouci paßt. Schönfelder ging offenbar nicht unter der Borausjeyung, ein lautes Lachen zu erzielen, sondern nur um eines stillen Lächelns wegen an die Verfilmung dieses Manuftriptes pon Adolf Lang. Die Schauspieler Lucie Höflich, Eva May, Trube Verliner, Karl Lamac, Eugen Her, Karl Becker- Sachs, Mar Gülstorff, Ernst Behmer, Leonhard Haskel und Karl Platen fahen unter ihren Lodenperüten alle gut aus, und sie spielten ihre dankbaren Rollen sich und dem Publitum zur Freude. Boll heiteren Sinnes ist auch„ Seine Majestät, das Kind", ein gefälliges Traumbild, das durch seine sehr hübschen Titel und Tertzeichnungen und die Schnoddrigkeit feiner Verje imponiert. Tüftere Farben zeigt der zweite Film des Primuss Balast ,, Oberst Rodschanin". Der Titelheld verliebt sich in die Fürstin Lwowa, jagt ten jungen Lehrer davon, der die Tochter des Obersten liebt und fchidt sie selbst in eine Pension. Im weiteren Verlauf wird er zum Mörder an einem Geldmatter. Die Todesstrafe wird auf Fürsprache der Fürstin Lwowa von ihm abgewandt, doch wird er gezwungen, der Henter von Petersburg zu werden. Der junge Lehrer hat inzwischen, aus tautersten Motiven, einen politischen Mord begangen, er wird zum Zobe verurteilt und die Tochter des früheren Obersten mit vielen Gefinnungsgenoffen nach Sibirien verbannt. Als Rodschanin dem Verurteilten die Schlinge um den als legen will, erkennt er ihn, seine Tochter, die mit ihren Leibgenoffen der Hinrichtung beiwohnen muß, schreit: Mein Vater!" und der frühere Oberst verfällt in Irrfinn. Der Regiffeur Otto Linnefogel und der Photograph Mar Faßbender schujen teinen schlechten Film. Freilich verspürt man nicht den Wunsch zur seelischen Begründung, sondern nur den Willen zum starken Effekt! Ohne Entfaltung großen Aufwandes entstanden gute Bilder, die aber nicht das Maß des Alltäglichen überschreiten. Hanna Ralph, deren Brunhilde manchem zu ruffisch war, ist hier als Fürstin Lwowa der vorzügliche Typ einer Vinnbänen, während Friz Greiner sich mit der Titelrolle gut abfand. e. b. " " Ber Plastigramm- Film. Der im Tauenzien Balast mit dem ,, breidimensionalen lasti gramm Film nach mehrjährigen Bemühungen unternommene Versuch, in der Filmaufnahme vom Flächigen sum Plastisch- Räumlichen überzugeben, stellt sicherlich einen erheblichen photowissenschaftlichen Fortschritt dar. Indem er aber noch der Krücke" einer blauroien Brille bedarf, durch die der Zuschauer abwechselnd mit bem finten oder rechten Auge jehen muß, erinnert er an die rührenden Anfangszeiten aller technischen Errungenschaften, die die Radiotechnik eben burchmacht und an die man bei Auto und Flugzeug mit lächelnder Weh mut zurüdbentt. Als Etappe auf dem Wege zu weiterer Vervollkommnung des Filmbildes sei Plastigramm immerhin begrüßt. Fris Harold Cohn. Groß- Berliner Parteinachrichten. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Dienstag, den 1. Suli, pünktlich abends 7 Uhr, findet in der Geschäfts stelle der Kinderfreunde, Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Treppen, die Sigung des Barftandes per Rinderfreunde statt. 4. Areis Brenzlauer Berg. SPD. Elternbeiräte: Dienstag, den 1. Juli, 7 Uhr, Bollverfammlung der neugewählten Elternbeiräte in der Schule Org. Aufe Neuwahl des Kreisleiters. Senefelderfte. 6( Phnfitzimmer). bau der Elternbeiräte. 4. Rreis Prenzlauer Berg und 5. Kreis Friedrichshain. Dienstag, den 1. Juli, 8 Uhr, bei Gott, Kniprode, Ede Bardelebenstraße, Sigung der beiden Bildungsausschüife. 5. Kreis Friedrichshain. Montag, den 30. Juni, 7 Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung bei Rofin, Gubener Str. 19. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, den 30. Juni, 7% Uhr, bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, midhtige Besprechung der Elternbeiräte und deren Erfagpersonen auf der Lifte Schulaufbau". Montag, den 30. Juni, pünktlich 7 Uhr, im Sigungszimmer 1, wichtige Fraktionsstigung mit allen Bürgerdeputierten. 9. Kreis Wilmersdorf. Montag, den 30. Juni, 8 Uhr, Beamtenversammlung bei Shlefeldt. Wilmersdorf, Uhland, Ece Günzelstraße. Wichtige Tagesordnung. Bericht des Genoffen Biermann über den Reichsbeamtentag". Wahl des Obmanns. 12. Kreis Stegliz, Lantwig, Lichterfelbe. Montag, den 30. Juni, 7% Uhr, Frattionssigung. Sämtliche Stadt, und Bezirksverordneten sowie Bürgerdeputierten müssen erscheinen, 13, Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Richtenrade. Montag, den 30. Juni, pünktlich 71 Uhr, Kreisvorstandssigung in Mariendorf. Rimmer 26, Neuwahl der Kreisleitung. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. 14. Kreis Reutölln. Montag, den 30. Juni, 7 Uhr, Fraktionssigung im Rathaus, Gigungsfaal 1. Dienstag, den 1. Juli, 7% Uhr, erweiterte KreisDie Kreisfunktionärsigung findet vorstandssigung an bekannter Stelle. am Donnerstag, den 3. Juli, statt. 15, Areis. Kreisvorstandssigung Dienstag, den 1. Suli, 7% Uhr, bei Schöps, Niederschöneweide, Grünauer Str. 8. 17. Kreis Lichtenberg. Die Kreisvorstandsfigung findet ausnahmsweise nicht am Mittwoch, den 2. Juli, fondern Freitag, den 4. Juli, 7 Uhr, in der Bibliothel, Weichfelftr. 28, statt. 18. Kreis Weißensee. Montag, den 30. Juni, 8 Uhr. im Sikungsfaal des Rathauses, Funktionärkonferenz. Am Mittwoch, den 2. Juli, bei Gallas, Lehderstr. 122, Kreisgeneralversammlung. Morgen, Montag, den 30. Juni: 8. Abt. Die Bezirksführer werden erfucht, abends 74 Uhr, bei Ridert, Steinmekite. 36a, Beitragsmarten und Listen bestimmt abzurechnen. 101. Abt. Treptow und 102. Abt. Baumschulenweg. Bildungsausschuß: Pünk! Tich 7 Uhr Gigung des Bildungsausfchuffes bei Hofemann, Herkomerstr. 3. Jungfozialisten. Arbeitsgemeinschaft Engelhardt: 8 Uhr im Jugendheim Linden. straße 3. Die religiöse Bewegung. Frauenveranstaltungen am Montag, den 30. Juni: 5. Areis Friedrichshain. 6 Uhr Funktionärinnenkonferenz bei Rosin, Gubener Straße 19. 17. Kreis Lichtenberg. 7 Uhr Funktionärinnenkonferenz in der Schule Markt. ftraße. 1. Bericht von der Frauenkonferenz. 2. Wahl der Kreisleiterin. 25. Abt. 7 Uhr in der Schule Pasteurstr. 45, Vortrag des Genoffen Wuschid über Klaffenkampf und Staatsbürgertum". 35. Abt. 7 Uhr bei Drelse. Schreinerftr. 18, Vortrag der Genoffin Soppe über Die Frau in der Gewerkschaft". ,, Vorwäts"-Lefeinnen als Gäfte herzlich willkommen. 93. Abt. Neukölln. 7% Uhr in der Gemeindeschule am Herzbergplak, Bericht von der Frauenkonferenz. Rezitationen. 108. Abt. Röpenid. 7½ Uhr im Jugendheim, Grünauer Str. 4, Vortrag der Genoffin Nemig. Uebermorgen, Dienstag, den 1. Juli: 38, Abt. 7 Uhr bei Bartusch, Friedenstr. 88. Gigung des Abteilungsvor standes in der Angelegenheit Lehmann- Pannwig. Alle hieran Beteiligten find einzuladen. 133. Abt. Buchholz. 8 Uhr bei Kähne, Berliner Str. 39, Werbeverfammlung für die Bertaufsstelle dev Ronfumgenoffenfchaft. Alle Gemerffchaftler, Barteigenoffen und Konsummitglieder müffen erscheinen. Jugendveranstaltungen. Achtung! Heute, Sonntag, vormittags 9 Uhr, außerordentliche Generalversammlung in der Aula des Aaifer- Friedrich- Realgymnasiums, Neukölln, Raiser- Friedrich- Str. 208-210. Anmeldungen zum Ferienaufenthalt im Landheim in Brandenburg für die Zeit nach dem 15. Juli werden im Jugendsekretariat, LindenStraße 3, 2. Sof, 2 Treppen, entgegengenommen. Gesundbrunnen II: Abends 7 Uhr in der Schulaula Pank, Ede Biefenstraße, Elternabend, bestehend aus Rezitationen, Ansprache, Jugendspiel u. a. m. Moabit II: Wanderung nach Königspusterhaufen. Szeffpunkt 6 Uhr Bhf. Bellevue. Steglig 1: Schnigelfahrt nach der Lödniz. Treffpunkt 7 Uhr BhfGüdende. Zehlendorf: Fahrt nach Belgig. Friedrichshagen: Fahrt nach Budow. Niederschöneweide: Nachmittags 2 Uhr Spielen in der Rönigsheide. Werbebezirk Ostbahn: Im Jugendheim Lichtenberg, Partaue 10, Bunter Abend. Südost( Köpenicker Biertel): Jm Restaurant P. Lier, Naunynftr. 9, außer ordentliche Mitgliederversammlung. Alle Genoffen und Genoffinnen müffert erscheinen. Morgen, Montag, den 30. Juni: Friedenau: Jugendheim Schule Offenbacher Str. 5a, Bericht van der Generalversammlung. Treptow: Jugendheim Kiefhalaftr. 18b, Mitglieder. versammlung abends 7 Uhr. Karlshorst: Jugendheim Auguste- BittoriaStraße 35, Vortrag: Proletarische Dichtung". 11 Vorträge, Vereine und Versammlungen. bringen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Die Kameradschaft des 19. Kreises( Bankow) trifft sich am Monies, den 30, Juni, 7% Uhr, bei Meier, Türtifches Zelt, Bantom, Breite Straße 14. Die Mitgliedstarten find sweds Menderung mitzu Kameradschaft Kreuzberg, Jugendgruppe 1: Montag, den 30. Juni, 7½ Uhr, Appell bei Schuster, Chamiffoplag 4. Rameradschaft Sichtenberg. Montag, den 30. Juni, abends 71 Uhr, in der Schulaula der Knabenmittelschule Marktftr. 13-15, Kameradschaftsversammlung. Republikaner als Gäfte tönnen eingeführt werden. Kamerabschaft Wedding. Montag, den 30. Juni, abends 7% Uhr, im Ledigenheim Schönstedtstr. 1, rechter Aufgang, 5 Treppen, Kameradschaftsversammlung. Republikaner als Gäste fönnen eingeführt werden.- 16. Kreis. Dienstag, den 4. Juli, abends 7½ Uhr, mightige Bur sammenkunft in der Turnhalle der 1. Gemeindeschule zu Röpenie. Männerchor Friedenau Steglik( M. d. DASB.). Am Montag, den 30. Juni, abends 7 Uhr, veranstaltet der Männerchor Friedenau- Steglis, Chormeifter Otto Schumacher, ein Freikonzert im Stegliger Stadtpark. Berein sozialistischer Aerzte. Außerordentliche Generalversammlung am Montag, den 30. Juni, im Restaurant Rotes Haus", am Mollendorfplatz. Tagesordnung: 1. Ist das Fortbestehen des VEA. notwendig? Referent Dr. Ernft Simmel. 2. Diskussion. 8. Borstandswahlen. 4. Das fünftige Das Erscheinen fämtlicher SPD. Mit Arbeitsprogramm des Bereins. glieder des Vereins ist dringend erforderlich! 4 Verein der Freidenker für Feuerbestattung. Der 6. Bezir( Kreuzberg) hält am 30. Juni, abends 7 Uhr, in den Hohenstaufen- Sälen, Rottbufer Damm 76, feine Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Anträge und Stellungnahme zur Vereinsgeneralversammlung. 2. Bezirksangelegenheiten. Mieterbund Röpenid. Montag, den 30. Juni, abends 18 Uhr, Mitglieder, verfammlung in der Aula der Dorotheen- Schule. Julimiete." Deutscher Esperanto- Bund, Ortsgruppe Berlin. Dienstag, 1. Suli, 8 Uhr. Kaffee Jofty, Potsdamer Plaz: Konverfationsabend. Universala Esperanto- Asocio, Dienstag, 1. Juli, 72 Uhr, Kaffee Jofth, Potsdamer Plag: Delegier.enfigung, Geschäftliche Mitteilungen. Da das allgemeine Preisniveau für das aufluftige Bublifunt bis heute noch immer recht hoch ist, hat sich die Firma Seitinger u. Co., Spezialgeschäft für Herren und Knaben- Garderobe, entschlossen, ihr Lager in fertiger Ronpet, tion, ohne Rücksicht auf Eintaufs- und Wiederbeschaffungspreise, erheblich herabzusehen und so jedem Gelegenheit zu geben, feinen Bedarf in Sommer und Winterkleidung schon jetzt einzudecken. Die Firma veranstaltet, wie auch aus dem heutigen Inserat ersichtlich, einen großen Saison- Räumungs- Ausverkauf, Die bekannte Firma Max Moscans, Landsberger Str. 59, eine Treppe, bes ginnt den diesjährigen großen Saison Ausverkauf am 1. Juli. Damenmäntel, Uffier, Jaden fommen zu ganz bedeutend ermäßigten Preifen zum Verkauf. Ein umwälzender Fortschritt in der orthopädischen Fußbehandlung wird durch die Schubeinlage Pneumette" erzielt. Diefe hebt das Fußgewölbe nicht durch einen harten Stahl- oder Zelluloidbogen, wie bisher üblich, fondern durch ein weiches Lufttiffen. Die Pneumette fchmiegt fich elaftifah und ohne Drud, schmerz dent Fuße an. Die Luftfüllung gefchieht mit einer einen Luftpumpe. Durch langsame Bermehrung der Luftfüllung wird eine allmähliche Sebung des Fußgewölbes im Laufe der Zeit und damit eine fehr fchonende Behandlung ermöglicht. Die Erfolge diefer Behandlung sind ausgezeichnete und lann man deshalb der gediegenen Neuheit, welche in München fabriziert wird, wohl eine große Rukunft vorausfagen. Unferer heutigen Stadtauflage liegt ein Profpett der Firma 5. Leifer Nachf. bei, welche den Generalvertrieb für Groß- Berlin übernommen hat.( Wer den Profpeft nicht erhielt, fann ihn durch positarte von der genannten Firma verlangen.) Albert Rosenhain, das Saus für Geschente am Dönhoffplak, macht unferen Lefern heute ein hervorragend billiges Angebot in Attenmappen, auf das pip hiermit noch ausdrücklich hinweisen wollen. Siehe heutige Anzeige, Saison Ausverkauf Beginn: Dienstag 1. Juli Nur vorzügliche Qualitäten in größter Auswahl In allen Abteilungen bedeutende Preisermäßigungen Elfenbein- Cheviot, 130 cm breit. Elfenbein Gabardin, 130 cm breit. 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Der preußische Landtag hat gestern, Sonnabend, in erster und zweiter Beratung die Vorlage zur Aenderung des Emschergesetes, des Entwässerungsgefeßes für das linksrheinische Industriegebiet, des Ruhrreinhaltungsgefeges angenommen. Die Zusammenstellung von Abbau und Ersparnismaßnahmen, die Dentschrift über den Stand des Domänenbefizes sowie die Zusammenstellung über die finanziellen Ergebnisse der in staatlicher Selbstbewirtschaftung stehenden Domänenbetriebe werden dem Hauptausschuß überwiesen. Hierauf wird die allgemeine Aussprache zum Justizhaushalt fortgesetzt. Abg. Dr. Schmitt( 3.) legt eingehend seine Auffassung über die Neugestaltung des Strafvollzugs bar. Der Straf anstaltsbeamte muß sich nicht von dem Gedanken der Zufügung von Uebel leiten lassen, sondern von dem der Erziehung. Der Gefangene soll in der Anstalt lernen, sich wieder in die menschliche Gefellschaft einzufügen. Zwischen dem Beamten und dem Gefangenen muß ein Vertrauensverhältnis bestehen. Man sollte ein System einführen mit stufenweise festzulegenden Erleichterungen. Besondere Förderung verdient die Entlaffungsfürsorge. Abg. Baczewifi( Bole) erklärt, ganz wie in alten Zeiten sei mai im neuen republikanischen Preußen, zumal in Zeiten der Wahlbewegung, mit allen erdenklichen Schikanen, mit Massenverhaftungen u. dgl. gegen die polnischen Minderheiten vorgegangen. In die gemischtsprachigen Landesteile folle man Richter entfenden, die auch die Psyche der nationalen Minderheit kennen. Abg. Dr. Liebknecht( U. Soz.) wendet sich gegen Klassen justiz und trägt Beispiele von Tendenzurfeilen vor. Die Aufhebung der Schwurgerichte bedeute eine glatte Entrechtung des Boltes. Abg. Dolezych( Dnat.) begründet den Antrag seiner Fraktion auf Begnadigung von Händlern und Kleingewerbetreibenden, die wegen geringfügiger Bergehen gegen die Preistreiberei. verordnungen verurteilt wurden, sowie auf eine Revision dieser Berordnungen, damit den fleinen Geschäftsleuten Schutz gegen ungerechtfertigte Auffassungen einzelner Gerichte gewährleistet werde, Bet der Eintragung von Sandwertern ins Handelsregister feien zweckmäßig die Handwertstammern zu hören. Abg. Dr. Rojenfeld( Soz.) verteidigt den Republitani fchen Richterbund gegen die geftrigen Angriffe des Abg. Eichhoff. Abg. Lawin( D. Bp.) bezeichnet die Angriffe des Abg. Baczewski als völlig ungerechtfertigt.( Andauernde Unterbrechungen bei den Polen und Kommunisten.) Die Polen hätten wirklich feine Veranlassung, sich über deutsche Bergewaltigung zu beklagen, vielmehr sei das Gegenteil richtig. Bizepräsident Garnich teilt mit, daß von den Kommunisten ein Antrag eingegangen ist, ben Leiter des Strafvollzugs in Breußen, Ministerialdirektor Klein, fofort zu entlaffen.( Heiterfeit.) Abg. Göbel( 3.) wendet sich gleichfalls gegen die Ausführungen Des polnischen Redners; die Wünsche der nationalen Minderheiten werde auch seine Partei berücksichtigen, soweit sie berechtigt seien. Abg. Eichhoff( D. Bp.) führt als Beweis seiner Behauptung, daß der Republikanische Richterbund in der Personalpolitik den Minister zu beeinflussen fuche, die Bemerkung des fozialdemokrati schen Abg. Heilmann im Hauptausschuß an, der dem Minister empfahl, fich an den Republikanischen Richterbund zu wenden, der ihm geeignete Mitglieder für die Besetzung hoher Stellen in der Justiz benennen tönne. Nach einigen persönlichen Bemerkungen schließt die allge meine Ausfprache. In der Einzelaussprache bringen die Rommunisten eine große Reihe bekannter Beschwerden vor. Sie vermissen eine Antwort des Ministers zu der Amnestiefrage und begleiten den Schluß der Aussprache über den Titel Ministergehalt", nachdem der Juftizminister zu dieser Frage feine Stellung genommen hatte, mit stürmischen Protesttundgebungen. In der weiteren Aussprache gab u. a. ein Vertreter der Regierung die Erklärung ab, daß die Berbefferung der Befolbung her Justizwachtmeister nicht einseitig von Preußen erfolgen fönne; daß der Reichsfinanzminifter vielmehr mitzureben habe. Nach einer großen Reihe weiterer Beschwerden der Kommuniften vertagte das Haus die Weiterberatung auf Mon, tag 1 hr. Außerdert Handelshaushalt und Kleine Vorlagen. Schluß 4% Uhr. Die Steppe. Von Armin T. Wegner. Auch die europäische Türkei trägt feit bem Abzug der allierten Truppen aus Konstantinopet wieder ein rein orientattiches Gepräeg Armin T. Begner, der mehrere Jahre in der Türkei gelebt hat, schilbert in folgendem das Leben in der türkischen Steppe hinter Ronstantinopel und am Marmarameer.( Die Red.) Hinter der Stadt erhebt die einsame Steppe thr Haupt. Ihr blasses Gesicht, unendlich gradlienig, unendlich schwermütig, zieht feine Falten bis an den Belgrader Wald und jenseits an die Pforte des Meeres. Der Flügelschlag des Frühlings weht über ihr. Hell plätschert die Luft, wie ein junges Wasser, und die Gräser der Hügel baden in grüner Sonne. Ein unendlich blaues Auge sieht auf die Steppe herab. Nun zieht ein Schleier darüber, eine weiße Träne. Eines Tages wird ein Haus in der Steppe gebaut. Steine und Bretter werden herbeigetragen, rot leuchten die Ziegeln in der Sonne. Aber Du weißt nicht, wie es kommt: des Nachts bricht Feuer an Deinem Herde aus, der Blig fällt in Deine Esse, der Sturm trägt das Dach ab. Gräser nicken über die zerbröckelnde Mauer. Denn die Steppe duldet fein menschliches Werk in ihrer Mitte. Leer ist sie wie ein Herz, bas teine Liebe hat. Nur der Himmel ist über ihr. Sie fonnt die Sprache des Windes und die Schrift der Wolfen. Hier ist ein Elif schlank über den Himmel gezegen, ein Dschin mit gewölbtem Bauch, ein hüpfendes Känguruh, ein Sad, des seine Krebsschere ausstreckt. Steht hier nicht die festste Gure geschrieben:„ Und er ist's, der Euch entstehen ließ aus einem Menschen und Euch gab eine Stätte und einen Bagerraum". Die Sure der Morgenröte, des Nachtsterns oder des geronnenen Blutes? Himmel, gelehrt in der Kunst arabischer Schriftzeichen, ging ich je unter Dir, ohne den Koran gemalt an Deiner Kuppel zu finden? Ich reite aus der Stadt, der Diener hinter mir. Drei erd farbene Ochsenwagen, breiträderig, beginnen den Staub der Land. straße zu malen. Zwischen Erdwogen verliert sich die Straße, das ausgetretcre Bett verlassend, durch Fuhrten, Hügel umwandernd, um wieder in die aite Fährte zurüdzukehren. Berge steigen Dor unfern Augen herauf. Sie fommen wie ein Mensch über die Ebene gegangen, noch ben verhüllte sie der Horizont, jetzt schreiten sie an dir vorüber. Morgen vielleicht wirst du sie nicht mehr wiederfinden. Weidende Lämmerherben bebeden, grauschimmernde Pilze, den Abhang der Hügel. Hier füllt eine Quelle den Stein. Unter den 5 Sonntag, 29. Juni 1924 Wie entnehme ich eine Blutprobe? 3 1 O IB 1. Bei unverdächtigen Leuten nimmt man einen Blutegel, seht ihn dem Individuum auf die Bruft und läßt ein paar Tropfen in einen Maßfrug voll Münchener Hofbräu fallen. Bermengt fich das Blut mit dem Bier, ohne Spuren zu hinterlassen, so ist es als zuverlässig germanisch- arisch erkannt. 3. Bei jüdisch Verdächtigen geht man am sichersten vermittelft eines Pogroms vor, wobei man alle, die auf der Strede bleiben, als Juden ansprechen darf. | 04 PLOTAST 2 4 2. Bei sozusagen als liberal Berdächtigen wendet man die Nasenprobe an. Zu diesem Behuf verfeht man dem Ber. dächtigen einen fräftigen Schlag mit der geballten Fauft gegen die untere Rasenpartie. Gibt er dann Blut her, ohne daß er widerhaut, so tann er als völlig unverdächtig gelten. 4. Dahingegen erfennt man den marristisch- pazififtischrepublikanisch Jnfizierten am besten daran, daß man ihn von hinten erschießt. Westen trostloser Bäume führt der Tschausch unsere Pferde spazieren; diefer Zeugung zuschen. Der Geliebten gedentend, erfüllt mich Be. ich liege im Grafe und zeichne Gebarsten auf. Ein armenischer dauern, sie um cben dieses Lebens willen verlassen zu haben, das Briefter, langhaarig, in schwarzem Röhrenhut, reitet auf einem Efel mich erneut mit Sehnsucht nach ihr überwältigt, während die Lüfte vorüber, ein Dreigespann schaufelt die Ebene entlang, rot flattert den Schrei der Brunft über mich sorttragen. Und noch Stunden das Schweißtuch des Kutschers über der Wagenbede. Bunte Tar. später, als ich in blutüberfülltem Abend ten verlassenen Bahnhof tarengestalten lagern am Wege, lendengegirtete Ochsentreiber, mit betrete, als die Tiero lange gefesselt an ihren Pflöden ruhen, höre gelbem Kopftud), das über der fahlen Landschaft aufflammt: die ich über mir den Ton dieser Slimme, schmetternd wie den Gesang Blumen der Steppe. einer Lerche, Meilen und Meilen wandernd in feligster Verzückung und Raserei. Im Schlamm des Baches wälzen sich Büffel mit schwarzglänzen dem Fell, peitschen mit tropfendem Schweif den erhobenen Rücken; sie schnauben vor Wolluft. Bebächtig erheben sie sich, braun übermait und zum Schutz vor Insekten mit Erbe gepanzert, uralte Mütter des Steppengeschlechts, bereit, zwischen den gewölbten Hörnern Zeus oder Europa zu tragen. Mit saugender Nüfter die blaue Luft des Morgens burchschwimmend, entschwinden sie in der Ferne, mit dem wandelnden Schritt der Zeit, die immer zögernd ewig fortschreitet. Hinter den Bergen feimt eine Wolfe herauf, ein schwarzer Schatten, der sich in die Knie erhebt und seine Hände vor das Licht legt. Als ich das Pferd besteige, wirft sich mir das Gewitter gegen die Brust. Wir reiten, atemlos vom Winde geriffen, dem Wagen nach, der ben schützenden Mantel birgt, aber schon durchrinnt Wasser das Kleid, unsere Haut negend. Eistalter Hagel erstarrt meine Hände. Die Tiere, vom Regen geängstigt, fliegen in doppelter Eile, mit dem Huf in topasgelte Bfügen schlagend. Ich habe das Gefühl der Schwere verlorect. Regen zerfurcht mein Geficht, mich bis in die Seele durchflutend. Ich schreie, ich bebe vor Luft. Wieder zerfällt der Himmel. Bon Somme verschüttet finden wir in einer Erbsenkung eine alte Ruine, zwei Zelte und ein ein fames Bestüt. Hier ist der Nabel der Steppe. Aus regenerfrischter Beide erhebt sich das Wiehern des Hengstes, ber die Stute erblidt. Zitternd, mit feuchten Flanken, gräbt er die Zähne in den Raden des Weibchens, zitternd verläßt er fie. Aufhorchend empfängt die Luft seinen Schrei. Es ist die Hochzeit der Steppe, es ist der Klang der Stimme, auf den sie gewartet hat, losgelöst hängt er im unendlichen Raume. Betäubend durchrinnt seine Mufit meine Glieder und strömt ntröftliche Begierde in mich herauf. D Leben, glühend unbändig, der Freiheit geschenkt unter schrankenlojestem Himmel, auf einer Ebene, die dampfend mit feuchtglänzenden Bergen, sich wie die wiedervereinigte Erde aus dem Strome der Siniflut erhebt. Ich habe die Steppe wiebergesehen. Ich fand sie im Herbste, fahl und fiebererfüllt, als man zum Tode erfrankt mich auf bretternem Wagen viele Etunden weit durch ihre trostlose Landschaft schleppte. In der Ferne zog der Dampf der brennenden Heide, cin qualmendes Cpferfeuer; ad, es war die Rauchsäule Kains, die niedrig über der verwunscheren Ebene schwebie. Quälend legte das sonnendurchglühte Dach sich über mein heißes Gesicht, und halbbetäubt, an die Griffe te: Wagendede geflammert, bei jedem Stein der ausgetrockneten Straße wie eine Gliederpuppe in den Armen schwankend, gedachte ich der Ruine, bei der ich einst so glückliche Stunden verlebte. Ich schloß die Augen, um sie nicht eher wieder zu öffnen, als bis wir die alte Mauer erreichten. Aber an diesem Tage erkannte ich, daß die Steppe marschierte. Mit dem haarlosen Fell eines unendlichen Tieres, von Stunde zu Strade sich tehnend, wandeite sie por der Spur unserer Räder her. Ihr Hagerer Leib war mit schwarzen Brandwunden bedeckt, ihre Quellen pertrednet, mit Unfruchtbarkeit und Berzweiflung geschlagen wie die versiegte Brufi einer Greisin. Gelber Wind peitschte die Verruchte, und so oft ich die Augen aufschlug, gähnte ter gleiche, fiebererfüllte Atem der Leere mich an. Als endlich gegen Mittag die Ruine heraufstieg, waren Belt und Pferde verschwunden, löste sie nur noch Haß in der zer. brochenen Seele aus. 23ir erreichten die Bahnstrede. an schob mich in einen leeren Güterwagen, eine Blechschüssel neben mir, die sich langsam mit meiner Galle füllte. Bei jedem Stoß der harigefederten Räder schwenkte die grüne Flüssigkeit über den Rand urb spritzte zu Beden. Türkische Bahnbeamte, mit abgerissenen Baumzweigen das Ungeziefer verjagend, erfüllten den Raum mit Gelächter und Sigarettenqualm. In großer Finsternis jagte ein frodener Sturm über die Ebene, Dunkelheit. stieß mit schwarzen Fäusten in den tanzenden Wagen. Die Steppe befiel mich mit ihrem tödlichen Und das Weib vermissend, schaue ich mich um unter der Shar dieser Männer, die findlich, mit anmuterfüllten Gebärden, dem Spiel| Schrecken. Nachruf. In tiefer Trauer beklagt der Börsenvorstand zu Berlin das Ableben des Herrn Geheimen Kommerzienrat Wilhelm Kopetzky Wir verlieren in dem Entschlafenen nicht nur unseren langjährigen Vorsitzenden, sondern mehr als das: unseren Führer und unser Vorbild. Nahezu ein Menschenalter hindurch hat er in unserem Kollegium gewirkt, und in diesem langen Zeitraum ist kaum ein Beschluß gefaßt worden, an dem er nicht in hervorragender Weise teilgenommen hat. Das Ansehen der Berliner Börse war ihm eine Lebensaufgabe, in deren Dienst er alle die ausgezeichneten Eigenschaften, die ihm die Natur verliehen hat und die er durch seinen unermüdlichen Fleiß erwarb, stellte. Durch die Vornehmheit seiner Repräsentation, seine unerreichte Kunst der Verhandlungsleitung, seine vollkommene Beherrschung jedes Beratungsstoffes und nicht zuletzt durch sein gütiges und freundliches Wesen hat er in gleichem Maße die einmütige Bewunderung, Verehrung und Liebe seiner Mitarbeiter und die höchste Achtung der gesamten Börse gewonnen. Wir sind stolz darauf, daß er unser war. Sein Andenken wird an der Berliner Börse nicht erlöschen. Berlin, den 27. Juni 1924. Der Börsenvorstand Leopold Badt. Nachruf. Die Zulassungsstelle an der Berliner Börse beklagt mit aufrichtiger Trauer das plötzliche Dahinscheiden ihres langjährigen hochverehrten Vorsitzenden Herrn Geheimen Kommerzienrat Wilhelm Kopetzky Seit Jahrzehnten der Leiter unserer Körperschaft, hat er mit seiner unvergleichlichen Arbeitskraft und seiner überlegenen Sachkenntnis unsere Tätigkeit in einem Maße beseelt, daß man ohne Uebertreibung unsere Arbeit seine Arbeit nennen durfte. Darüber hinaus ist er dank der bezwingenden Liebenswürdigkeit seiner Persönlichkeit mit den Mitgliedern unseres Kollegiums in ein unlösbares Verhältnis des Vertrauens und der Freundschaft getreten, das niemals einer Erschütterung ausgesetzt war. Wir haben einen unersetzlichen Verlust erlitten, dessen Schwere nur durch die Gewißheit gemildert werden kann, daß sein Geist immerdar in unserem Kreise und in unserem Wirken lebendig bleiben wird. Berlin, den 27. Juni 1924. Die Zulassungsstelle an der Börse zu Berlin Der billigste Dr. Gelpcke. 13862 b* Kupeekoffer der Welt Patentamil.schützt Warenzeichen der Firma H. Latz, Berlin N, Monbijoupl. 4, gegr 1817. Gr. 65X44X16 cm= 7,50 M 195 teppdecken preiswert, direkt Pabrik Bernhard Strohmandel, 72Wallst2Fil.Spittelmarkt, Am 26. ds. Mts. ist nach vierzehntägigemKrankenlager u sere geliebte Mutter, Schwiegermutter u. Großmutter, Frau Sophic Schiff geb. Löbl im 60. Lebensjahre sanft entschlafen. 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Aufruhr- Brandrisiko) Fertige Scheine in Gold-( Fest-) Mark( 1 Festmark= 10/42 Dollar städtische Risiken Für 1= bis 2- Zimmer- Wohnung im Dienstag, den 1. Juli, abends 6 Uhr, Berbandshaus( Gigungsfaal), Linienftr. 83/85, Brauchenversammlung Tagesordnung: 1. Die Löhne unserer legten Lohncewegung. 2. Branchenange legenheiten. Dienstag, den 1. Juli, abends 7 Uhr, im Lotal Poveleit, Joftyitr. 7, Bertrauensmännerfonferenz der Autoreparaturschloffer Tagesordnung: Bericht von der Lohn verhandlung. oder Wir ersuchen dringend die Betriebs diejer Konferenz mitzubringen, felbigen einzusenden zu Händen des Roll. Wir erwarten, daß diese Konferenz der Wichtigkeit wegen von allen Betrieben festgesetzte Haftsumme 5000 Festmark- kosten drel Mark zuzügl. 50 Pf. Porto, obleute, den statistischen Fragebogen zu Für 3- bis 4- Zimmer- Wohnung festgesetzte Haftsumme 10 000 Festmark- kosten sechs Mark zuzügl. 50 Pf. Porto, Riedel D. Für 5- bis 6- Zimmer- Wohnung festgesetzte Haftsumme 15 000 Festmark- kosten neun Mark zuzügl. 50 Pi. Porto. besoidt wird. Volle Deckung bis z. Höhe d. Haftsumme Achtung! Achtung! ohne Rücksicht auf den vorhandenen Versicherungswert. Dienstag, den 1.Juli, abends 6Uhr, Keine Nachschußpflicht. Die obigen festgesetzten Haftsummen reichen in Dörings Festfälen( früher Grauerfahrungsgemäß aus, um in Städten Hausratschäden voll zu decken; es können aber auch mehrere Scheine genommen werden. Auch Einheitsversicherung Haftung für Feuer, Einbruchsdiebstahl und Aufruhr- Brandschäden auf Erstes Risiko". zu billigen Beitragssätzen. Drucksachen sowie Auskunft kostenlos durch die Kreisdirektion Berlin W 35, Am Karlsbad 3 Nach Therapie Fernruf: Nollendorf 2392-2394 Geschäftszeit 8 bis 4 Uhr Nur gültig für die Provinz Brandenburg Gewerkschafts- Zeitung Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Redakteur: Paul Umbreit Unterrichtet wöchentlich über die Ereignisse in der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland und im Auslande. Sie ist als Fortsetzung des Korrespondenzblatt des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes", die Zeitung der Gewerkschafter und der Sozialpolitiker. Kein Arbeiter oder Angestellter sollte versäumen, neben der Zeitung seines Verbandes umgehend das Abonnement bei seinem Postamt aufzugeben Preis monatlich 40 Pfennige Probenummern stehen kostenlos zur Verfügung und sind anzufordern bei der Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin S14, Inselstraße 6 + Dr. med. Güntz+ Anti- Luesan- Chromtabl. zur innerlichen Kur pegen Syphilis ohne Quecks. u. 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A.G. mann), Naunynstr. 27, Branchenversammlung der Schraubendreher, Automateneinrichter, sowie aller in Schraubenbetrieben Beschäftigten Tagesordnung: 1. Welche Maßnahmen Find gegen das Lohnfyndifat des VBMJ. und des Blantschraubenverbandes ,, Gruppe Rord" zu treffen. 2. Diskussion. 3. Verfchiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung it es Pflicht aller Rollegen, in der Ber fammlung zu erscheinen. Achtung! Achtung! Borsitzende der Betriebsräte und Betriebsräte im Aufsichtsrat sowie Mitglieder der Berwaltung. Vortragsabend am Donnerstag, den 3. Juli, abends 7 Uhr, in der Aula des SophienCyzeums, Weinmeisterstr. 16/17. Thema: Papiermarkbilanz- Goldmark. bilanz Der Wichtigkeit des Vortrages megen erwarten wir pünktliches und vollzähliges Erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch und Ausweis tein Zutritt. Achtung! Ausgesperrte und Entlaffene der Firma Stod, Motorpflug, Köpenider Straße. Alle Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter Verbandes haben sich wegen der Aussperrung bei der Firma Stod, Motorpflug, am Dienstag nachm. um 4 Uhr im Lokal von Michel, Röpenider Str. 55, zweds Regelung der Unterſtügungsfrage einzufinden. Eine spätere Meldung zur Regelung der Unterfügung wird nicht be rüdsichtigt, Bezirks- Vertrauensmännerkonferenzen Mittwoch, den 2. Juli in folgenden Lofalen: 1. Bezirk: 3um Prälaten, Weißensee, Lehderstr. 122, Ede Greifswalder Straße, nachmittags 4 Uhr. 2. Bezirk: Bofin, Gubener Straße 19, nachmittags 5 Uhr. 3. Bezirk: Sellmann, Rigaer Str. 67, nachmittags 5 Uhr. 4. Bezirk: Bähr. Stralauer Allee 47, nachmittags 4 Uhr. 5. und 7. Bezirk: Reichenberger Hof, eichenberger Straße 147, nachm. 5 Uhr. 6. Bezirk: Bindl- Brauerei, Neukölln, Hermann, Ede Jägerstraße, nachm. 5 Uhr. 8.- 10. Bezirk: Gewertschaftshaus, Engelufer 24/25, nachmittags 5 Uhr. 11. Bezirk: Rosenthal, Schöneberg, Ebersstr. 66, abends 6 Uhr. 12. Bezirk: Wende, Steglig, Berlinide13. Bezirk: Grimms Bierhallen, Charlottenburg, Kaiser- Friedrich- Str. 63, nachmittags 5 Uhr. traße, de ugeſtraße, nachm. 5 Uhr. 14. Bezirk: Schulaula Rostocker Str. 32, nachmittags 5 Uhr. 15. bis 19. Bezirk: Berbandshays ( Sigungsfaal), Linienstraße, abds. 6 Uhr. 20. Bezirk: Dielfcher, Jülicher Str. 2, nachmittags 5 Uhr. 21. Bezirk: Ablershof, Johannisthal, Baumschulenweg, Rieber- und Oberschöneweibe bei Saberg. Oberschöne weibe, Wilhelminenhofstraße 34, nachm. 4½ Uhr. 22. Bezirk: Schulz, Röpenid, Bahnhofstraße 34, nachmittags 5 Uhr. 23. Bezirk: Klemm, Spandau, Achenbach, Ede Friedrichstraße, nachm 5 Uhr. A.B.G.- Bez.: Schulaula Wiesenstr. 66, nachmittags 34 Uhr. Siemens- Bezirk: Lange, Siemens. stadt, nachmittags 4 Uhr. Donnerstag, den 3. Jull: 21. Bezirk: für die Orte Wildau, Königswusterhausen und Zoffen im Rafino Bildau, nachmittags 4 Uhr. Ohne Mitgliedsbuch und Legiti mationstarte tein Zutritt. Die Ortsverwaltung. Ortsfrankenkasse für die Gewerbe der Tischler u. Pianofortearbeiter zu Berlin Die 15. Abänderung der Sagung betr. Einführung der Familienversicherung und Abänderung des§ 44, Herabfegung der Beiträge anf 6 Prozent, ist vom Oberperficherungsamt Berlin genehmigt und tritt am 1. Juli 1924 in Rraft. Druderemplare find im Kaffenlokal abzuholen. Berlin, den 28 Juni 1924. Der Borstand Fr. Meersbach, Borsigender 0. Gukl, Schriftführer 106/2 Allgem.Ortskrankenkasse Berlin- Wilmersdorf, Kaiser- Allee 173 a. Betanntmachung. Der 20. Machtrag zur Roffenfagung, we cher insbefondere die Ein: ührung der vollen Familien Fürsorge ab 1. Jul. 192 Dorficht( 34). ift vom Orerversicherungs amt Berl n un erm 18. Juni er. Genehmigt so: den ynd tritt am 1. Juli 1924 in Strait. Druderemplare diefes Nachtrages find unentgeltlich in Raffeniotal an den Schaltere zu haben. 106 2 Berlin- Wilmersdorf, den 27. Juni 1924. Richard Afdring, F. Wiemann, Schriftführer 2. Borsigender M. CAY P baiz BERLIN W. Grosser Einzelverkauf der Bettwäschefabrik M. 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Es ist bezeichnend, daß diese Rede, die sich allerdings wesentlich abhebt von den Anschauungen des Herrn Dr. Brauns, von Wolff- Bureau nicht übermittelt worden ist. Herr Godart setzte sich in dieser Rede nicht nur für den Achtstundentag und für die Ratifizierung des Abkommens von Washington ein. Er gab gleich zeitig einen Ueberblick über die Durchführung und die praktischen Wirkungen des Achtstundentages in Frankreich. Nach dem Bericht der Havas- Agentur führte Herr Godart insbesondere aus: Vertrages von Versailles belebt, ohne eine schwere Ungerechtigkeit duktion anzureizen, einen Teil ihrer Berantwortung und ihrer Pflichten auf die Arbeiterschaft abzuwälzen. In ihrer jüngsten ministeriellen Erklärung, die die Mehrheit der Deputiertenkammer gebilligt hat, verkündete die französische Regierung:„ Wir werden an den Errungenschaften der Arbeiter nicht rühren laffen. Das Gesetz über den Achtstundentag, das sich anpaff ungsfähig erwiesen hat und die materiellen und moralischen Be dingungen der Lohnarbeiterschaft von Grund auf verbesserte, werden mir aufrechterhalten. Wir wünschen die schnelle Rati fizierung der Abkommen, die von den internationalen Arbeitsfonferenzen von Washington und Genf angenommen wurden." Diese Erklärung ist der Ausdruck des entschlossenen Willens der französischen Regierung, die internationalen Berpflichtungen sicherzustellen, die sie eben so sehr als Schutz ihrer eigenen Reformation, mie als feste Grundlage für das wesentliche Werk des Friedens betrachtet, für dessen Berwirklichung fie fich mit Leidenschaft einsehen Eine Erhebung des französischen Arbeitsamtes, die demnächst wird. Was insbesondere den Achtstundentag betrifft, ist die franzöveröffentlicht wird, erlaubt mir zu behaupten, daß der Achistundentag fische Regierung bereit, das Abkommen von Washington zu rati in Frankreich das Familienleben verbessert und einen großen Auffizieren. schwung clen Berenstaltungen gebracht hat, die auf sozialem Gebiete organisiert sind für die Pflege der Gesundheit, der physischen Kultur, des Wissens durch Kurse. Lektüre, sowie in fünstlerischer Beziehung durch Ausdehnung der Musikvereine usw. Seit 1919 hat sich die Zahl der Arbeitergärten um 45 Broz. vermehrt. Der Alkoholismus ift start zurückgegangen. Ueber diesen Punkt hat die Erhebung zahlreiche und unwiderlegliche Zeugnisse gesammelt. Wenn ich Ihnen die Ergebnisse unserer Erfahrungen darlege, so fann ich nicht verschweigen, was wir über die Rückwirkungen des Achtffundentages auf die Arbeitsleistung wissen. Bir haben sehr genaue Untersuchungen, die auf einer eraften Berechnung fußen und uns beweisen, daß überall, wo der Unternehmer das Gesetz nicht nur er duldet hat, sondern entschloffen das Kapital dem Achtstundentag angepaßt hat, überall eine Produktion entstand, wo die Bergeubung der Kräfte verbannt ist und die ihn befriedigt. Frankreich hat derart durch eine fühne Sozialpolitik, die in der gegenwärtigen demokratischen Regierung eine entschlossene Stübe finden wird, sich bemüht, die Arbeit zur vollen Geltung zu bringen, indem es für ihre Mühe die unerläßliche Muße schuf, die ihr ermöglicht, ihre ver. ausgabten Kräfte wiederherzustellen und ihre technische und allgemeine Bildung zu erhöhen. Selbst mitten in der Krise nach dem Kriege war Frankreich der Meinung, daß, es feinen allgemeinen Intereffen nicht beffer dienen kann, als durch den Schuß des wesentlichen schöpferischen und aftiven Elements des Wohlstandes: der Arbeit. 3u feinem Zeitpunkt hat Frankreich, das an der Wiederaufrichtung feiner Ruinen und der Wiederherstellung der ungezählten Zerstörungen feiner verwüsteten Gebiete gearbeitet und noch zu arbeiten hat, daran gedacht, diesen schweren Notwendigfeiten die Infraftfegung der Reform des Achi stundentages unterzuordnen. Das sind zwei getrennte Probleme. Wir haben gedacht, daß sie nicht miteinander verbunden werden türfen, ohne den Geist zu verkennen, der den Abschnitt 13 des Sonntag, 29. Juni 1924 Es wurde eine Kommission eingesetzt, die nach Abschluß ihrer Unter suchungen der Regierung einen Bericht vorlegen wird. * Königshütte, 28. Juni.( WTB.) Die Krise in der polnischen ober= schlesischen Industrie hat seit Freitag eine außerordentliche Ber fchärfung angenommen. Der Arbeitgeberverband läßt in sämtlichen nachdem feine Einigung in den Verhandlungen mit den ArbeitHüttenbetrieben durch Aushang bekanntmachen, daß die Arbeitgeber, nehmerverbänden erfolgt sei, gezwungen feien, selbständig zu handeln und eine 30prozentige ohn reduzierung sowie die Einführung einer zehnstündigen Arbeitszeit mit Einschaltung von zwei Stunden Arbeitspause ab 11. Juli einzuführen. Auch müsse die Deputatkohle herabgesetzt werden. Die Belegschaft der Firma A. Benede u. Co., Berlin, Elisabethufer 27/29, befindet sich seit festen Dienstag im Abwehrstreit. Die die Hälfte reduzieren, ebenso in seiner Bezahlung große VerschlechteFirma will den Urlaub gegenüber dem vergangenen Jahre um über rungen einführen. Der Unternehmer lehnte jede Verhandlung mit dem Bertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes ab. 28. Juni die Mitteilung zu, daß die Kürschner sich in einer LohnAchtung, Kürschner! Bon der Pariser Organisation ging uns am bewegung befinden und Paris als gesperrt gilt. Wir bitten die Kollegen, die Sperre streng beachten zu wollen. Internationales Kürschner- Sefretariat. J. A.: A. Regge. Achtung, Schneider! Die Vertretung der Kleidermacher in Bozen( jetzt italienisch: Bogano) flagt über großen Zuzug unorganis fierter Schneider aus Deutschland. Infolge des faschistischen Terrors ist den Gewerkschaften die Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbe dingungen unmöglich gemacht. Alle Kollegen werden daher vor der Einreise nach Südtirol Brigen, Bozen und Meran gewarnt. J außergewöhnlichen Fällen ist zuvor beim Obmann des Gehilfenausschusses der Kleidermacher, Vinzenz Pioner in Bozen, Talfergaffe 12, anzufragen. Die Ruhr- Metallarbeiter erheben Proteft. Effen, 28. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Heute wurde in Essen eine Bezirkskonferenz des Deutschen Metallarbeiterverbandes abgehalten. Nach einem Vortrag des Bezirkssekretärs WolffEffen wurde folgende Entschließung mit 27 gegen 7 Stimmen an genommen: 1. Die am 28. Juni stattgefundene Bezirkskonferenz des Deutschen Metallarbeiterverbandes verurteilt entschieden die vom Reichsarbeitsministerium ausgesprochene Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 12. und 13. Juni 1924. Diese Berbindlichkeitserklärung verlangt eine für die gesamte Metallcrbeiterschaft, insbesondere Feuerarbeiter, untragbare Arbeitszeit, der der Deutsche Metallarbeiterverband nie zugestimmt hat. 2. Die Kon 12% Broz. Lohnerhöhung seien den Bedürfnissen entsprechend. Fest ferenz protestiert gegen die Auffaffung des Reichsarbeitsministers, steht, daß die Lohnerhöhung erstens feine 12% Broz. beträgt und zweitens den Bedürfnissen nicht entspricht. Die Konferenz spricht dem Reichsarbeitsminister und seinen nachgeordneten in Frage fontmenden Schlichtungsstellen ihr Mißtrauen aus. Sie ist über zeugt, daß nur durch straffe Organisation und Kampf die Forde im Gewerkschaftshaus ordentliche Mitgliederversammlung. Die Lehren, bes rungen der Arbeiter durchgefeht werden können." E Achtung, Siemens- Schudert, Elmo- Werk! Montag nachm. 4½ Uhr Bersammlung aller SPD.- Arbeiter und Angestellten im Lokal Springer in Giemensstadt, Siemens, Ecke Serzstraße. Zahlreiches und pünkt liches Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand. Baugewerksbund, Fachgruppe Glafer. Montag, den 30. Juni, abends 7 Uhr. Tegten Streifs." Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt Pflicht! Mitglieds fammlung Dienstag, den 1. Juli, abends 7 Uhr, in Saverlands Feſtsälen. Rene Friedrichstr. 35. 1. ,, Die soziale und Sexual- Frage im Lichte der modernen Bevölkerungspolitik". Referent Dr. med. Felix Theilhaber. 2. Bericht über die Gehaltsverhandlungen. Erscheinen aller Fachgruppenmitglieder unbedingt er Zentralverband der Angestellten, Fachgruppe Einzelhandel. Mitgliederver Dundersche haben ähnliche Entschließungen gefaßt. Das BezirksAuch der Chriftliche Metallarbeiterverband und der Hirschbücher find vorzulegen. Dundersche haben ähnliche Entschließungen gefaßt. Das Bezirkssekretariat gibt hierzu folgende Erklärung: Nachdem die Konferenzen aller drei Metallarbeiterverbände einmütig befchloffen haben, daß ein Kampf gegen die verlängerte Arbeitszeit jetzt nicht aufgenommen werden kann, erwartet die Bezirksleitung Effen, daß die Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes nur den Parolen und Anweifungen ihrer Organisation Folge leisten. Konflikt im oberschlesischen Bergbau. Warschau, 23. Juni. In Warschau wurde eine Konferenz von Bertretern oberschlesischer Grubenbefizer und Bergleute abgehalten. Die Industriellen schlugen in Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage einer Verminderung des Lohnes um 20-30 Broz. und eine Berlängerung der Arbeitszeit von ½ bis 2 Stunden vor. Die Ar beiter erklärten fich bereit, den Borschlag anzunehmen, falls die Re gierung diese Maßnahme als unumgänglich nötig bezeichnen würde. forderlich. Gesamtbetriebsrat der Betriebe und Berwaltungen des Magiftrats Berlin. Morgen( Montag) abend 7 Uhr Wählerversammlung im Bürgersaal des Rathauses( 3. Stock) für die Gruppe der Arbeiter; im Zimmer 98 des Rathauses ( 3. Stod) aur selben Zeit für die Gruppe der Angestellten. 1. Bestellung des Wahlvorstandes. 2. Aufstellung der Kandidatenliste für den Gesamtbetriebsrat. Erscheinen eines jeden ist unbedingte Pflicht. Betriebsratsausweistaste ist mitzubringen. Der geschäftsführende Ausschuß. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Sektion Gas- und Wasserwerke Morgen( Montag) abend 6½ Uhr im Saal des Ortsbureaus, Berlin, Johannis. traße 14-15, Funktionärversammlung der Gas- und Wasserwerke. Telephon: Norden 9296 Sophien- Sale Säle frei! 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Schauspielhaus 7 Uhr: WINTO BRIEN VarietéDer Vogelhändler Spielplan! Th.i.Admiralspalast Rauchen gestattet! 84 U.: Der Erfolg d. Jahres 10 Monate anaoterbr. auf dem Spielplan Theater am Kottist die große Revue Drunter u.drüber Deutsch, Opernhaus 7 Uhr: zu ermäßigt.Preisen Die Zauberflöte Intimes Th. 8 U. Lauf doch nicht immer nackt herum Crêpe Georgette buser Tor Tägl. 8 Uhr Elite Sänger Ungeheurer Lacherfolg Sommer preise Primus Palast Metropol- Theater Potsdamer Str. 19 Der Weltschlager 8 U.: Mascottchen Ecke Margaretenstr. Operette von Walter Brumme mit Alice Hechy Tribune 8 Uhr Doktor Stieglitz F Lobe/ P Morgan Thalla Theater 8 Uhr: Frasquita 8 U: Trianon- Th. Somm- Dir. R Pirk Ein Schwank der Liebe Olga Limburg SCALA 8 Uhr Internat. Varieté Sonntag 3.30 zu halb Preisen das volle Programm Uraufführung! Oberst Rokschanin Drama in 5 Akten Ferner: Seine Majestät, das Kind 4 Akte Beginn 7 und 9. 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