yr.ZSS� 41. Jahrgang Ausgabe A Nr. ISS Bezugspreis: Wöchentlich 70 Goldpfennig, monatlich S,— Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutfchiand. Danzig, Eaar- und Memelgebiet Oesterreich, Litauen, Luxemburg tüv Goldmark, für das übrige Busland S,50 Goldmar? pro Monat. Der„Vorwilrts� mit der Sonntags» beilage„Voll und geit' mit..Sied» lung und Kleingarten' sowie der Unterhaltungsbeilage„Heimwelt' und ssrauenbeilage„sirauenstimme' erscheint wochentäglich zweimal« Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: «Sozialdemolrat«crli»' Morgenausgabe c k0 LMpSenllw Ivo kkiiiarae» ) Verlinev Volksbl�tt Anzeigeitpretse: Die einspaltig« Nonpareille- zeile 0,10 Goldmark, Reklomezeile Goldmark.„Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort r>,20 Goldmark(juldffig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort (UO Goldmark. Stellengesuche Das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort O.Ob Goldmark. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte, ffamilicnanzcigen für Abonnenten geile 0,00 Goldmark. Sin« Goldmark-- ein Dollar geteilt durch«,20. Anzeigen lür die nächste Nummer müssen bis«lhUhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW 60, Linden- straße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 6 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdcmokratifcbcn Partei Deutfchlands Ueöaktton und Verlag: SV) öS» Linöenstraß» Z Redaktion: Döntioff 292—295 �ernjprcryer., r i B fl. Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 3. Juli 1924 vorwärts-verlag SM H8, LinSenstr. Z Postscheckkonto: Berlin»75 36— Bankkonto: Direktion der Dlskonto-Gescllschast. Depositenkasse Lindeiistrasse 3 Herriot vor den Senatsaussthüssen. Paris, 2. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Nnanztommiffion und dir Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Senats waren am Mittwochnachmittag zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten, um die in der vergangenen Woche von He r r i o t angekündigten vertraulichen Mitteilungen über verschiedene außenpolitische Fragen entgegenzunehmen. Dem Ministerpräsidenten sind eine Reihe von Fragen gestellt worden. Diese Aussprache bildet lediglich den Auftakt zu der großen außen- politischen Interpeilationsdebatte im Senat, die für den 8. Juli festgesetzt ist. Hierzu meldet WTB.: Nach dem offiziellen Kommu- niqu6, das nach Schluß der Sitzung veröffentlicht wurde, ist auch über das Programm der interalliierten Konferenz gesprochen worden, die am 16. Juli in London stattfindet und die sich mit der Inkraftsetzung des Sachverständigenplanes be- schäftigen wird, der am 9. April der Reparationskommission durch die beiden Ausschüsie Dawes und Mac Kenna übermittelt wurde. Auf Verlangen des Ministerpräsidenten waren zwei Reihen von Fragen durch den Senatsausschuß für auswärtige Angelegen- heilen und durch den Senatsausschuß der Finanzen vorbereitet wor- den. Senator Lucien Hubert verlas im Namen des ersten Senators Bärenger im Namen des letzteren die Fragen, die vorher Ministerpräsident Herriot übergeben worden waren. Der Ministerpräsident sprach sich des längeren über sie aus und gab ein« umfassend« Darstellung seiner Besprechung mit Mocdonald in London, seiner Reise nach Brüssel und der Auffassung der ftanzö- fischen Regierung auf Grund dieser Unterredungen. Im Anschluß an die Erklärungen des Ministerpräsidenten, der mit lebhaftem Beifall begrüßt worden war, wurden ihm verschiedene Fragen von den Senatoren Paincarä, Chenebenoit, Labrousse, Le Brun, Marraud und Weiller gestellt. Der Ministerpräsident beantwortete sie ins«inzeine gehend. Senator Lucien Hubert befragte darauf den Kriegsminister Rollet über die deutsche Antwort auf die Rote in der Militärkontrollfrage. General Rollet gab hierüber die interesiantesten und vollständigsten Erklärungen ab. Senator Millies-Lacroix sprach dem Ministerpräsidenten seinen Dank für 4 seine Mitteilungen aus. Ueber die Erklärungen, die Ministerpräsident Herriot heut« vor den vereinigten Senatsausschüssen für auswärtig« Angelegenheiten und Finanzen abgegeben hat, verbreitet die Agentur H a v a s fol» gendc ergänzende Mitteilung zu dem bereits veröffentlichten amtlichen Kommunique: In Thequers, fo erklärte Herriot, wurde als G r u nd l a ge für die Verhandlungen der Sachverständigenplan angenommen, wie dies auch die voran- gegangen« Regierung getan hätte. Nachdem dieser Grundsatz zu- gelassen war, war es notwendig. Garantien zu suchen, erstens für die Dauer der Ausführung und zweitens für die Sicherheit. Für die Ausführung des Sachverständigenplans ist die Rolle der Reparationskmnmisiion ins Auge gefaßt worden, und für seine Durchführung wurde der Wunsch laut, Amerika möge seinen Beistand leihen. Aber wie könne, fuhr Herriot fort, eine etwaige zukünftige Verfehlung Deutschlands konstatiert werden? Augenblicklich sei es die Repa- rationskommission, die damit beaustragt sei. Ueber diese Frage sei in Chequers hinsichtlich der Zukunft nichts Präzises fest- gesetzt worden. Was die, Kontrolle der Entwaffnung anbetreffe, sei das Einverständnis vollkommen gewesen. England wünscht« wie Frankreich eine allgemeine Kontrolle. Di« rn Chequers entworfen« Rote an Deutschland sei hierfür ein Beweis. Was die Sicherheit Frankreichs betreffe, so sei zu be- merken, daß diese Frage von der öffentlichen Meinung und dem Parlament abhänge. In Chequers habe es sich nur um eine rasche Ge'mntbesprechunzz gehandelt. Ramsay Macdonald habe erklärt, die Sicherheit Frankreichs interessiere ihn lebhaft und er rechne mit der Einigkeit der beiden Nationen, die die beste Garantie hierfür sei Die Formel des moralischen Paktes zwecks fortgesetzter Zusammenarbeit sei es, die nach dieser Richtung der zukünftigen Konferenz vorbehalten bliebe. Hinsichtlich der militärischen Besetzung des Ruhrgeblets habe Herriot betont, daß er für Frankreich volle Handlung s- f r e i h e i t vorbehalten Hab«. Was die interalliierten Schulden anbetreffe, sei Macdonald der Ansicht, der Augenblick sei noch nicht gekommen, diese Frage emzuschnoiden. In der Frage der Kontrolle über die Eisenbahnen im Rhein- land und im Ruhrgebiet sei es möglich, technisch« Lösungen in Erwägung zu ziehen. In Brüssel hätten die Besprechungen sich sehr leicht abgewickelt. Das Ein- vernehmen zwischen den beiden Regierungen über die Micum- Verträge sei restlos gewesen. Was die Zulassung zum Völker- bund anlange, so werde es| sich für die Alliierten darum han- dcln, den Zeitpunkt festzusetzen, in dem Deutschland eingeladen werden solle. Einige Mitglieder der Finanzkommission stellten laut Havas zum Beitritt die Frage, ob man nicht eine höhere Summe als die 5 Milliarden der im Sachverständigenbericht vorgesehenen In- dustrteobligationen von Deutschland erzielen könnt«, wenn man die hypothekarische Belastung auch auf die Landwirtschaft aus- dehnte, woraus Herriot geantwortet habe, die Sachverständigen hätten geglaubt, zweckmähigerweise nicht weitergehen zu können, im übrigen stellten die industriellen Hilfsquellen die Haupt- einnahmequelle Deutschlands dar, und die Sachverständigen hätten sich ein« Stütze in der deutschen öffentlichen Meinung sichern wollen. Schließlich habe Kriegsminister Rollet erklärt, daß Frank- reich auf keinen Fall den 39. September als Abschluß der Kontrolle der interalliierten Militärkontrollkommisston in Berlin annehmen würde. -» Inwieweit innerpolitische Rücksichten bei der Fassung des offiziösen Havas-Kommuniqu�s ausschlaggebend gewesen sein mögen, läßt sich nicht mit Bestimmtheit feststellen, jedoch muß man dies vermuten: denn die ganze parlamenta- rische Konstellation zwingt die Regierung Herriot zu äußerster Vorsicht, besonders nach dem peinlichen Warnungssignal der Wahl Maginots zum Vorsitzenden des Heeresausschuffes gegen Paul Boncour. Immerhin würde sich Herriot auf eine gefährliclze und falsche Bahn begeben, wenn er glaubte, um die nationalistischen Gegner zu entwaffnen, ihnen rhetorische Konzessionen machen zu müssen. Ebenso wie wir eine solche Taktik bei der Regierung Marx-Stresemann gegenüber der äußersten Rechte für zwecklos und falsch halten und sie des- halb bekämpfen, ebenso glauben wir nicht, daß Herriot klug handelt, wenn er solche offiziösen Kommuniques genehmigt. Dadurch werden lediglich die poincaristischen Gegner anspruchs- voller und zugleich erfahren damit die brachliegenden Geschäfte der Deuffchnationalen eine ganz unverhoffte und überflüssige Belebung. Daß Herriot sich hinsichtlich der militärischen Räumung des Ruhrgebiets Macdonald gegenüber volle Handlungsfreiheit bewahrt hat, trifft zweifellos zu. Warum aber nicht gleichzeitig binzufügen, was er schon wiederholt ge- sagt hat, daß er das Ruhrgebiet auch milstärisch räumen will, wenn das Sachverständigengutachten von Deutschland ange- nommen und seine Ausführung in Angriff genommen ist? Ebenso erscheinen uns die Schlußworte des Kommuniques ganz unnötig schroff. Mag sein, daß es nicht über» mäßig klug von der Reichsregierung gewesen ist, die Er- wartung einer möglichst schnellen Beendigung der General- lnspektion mit der Benennung eines bestimmten Termins zu belasten. Schon von offiziöser englischer Seite ist eine solche Zusage abgelehnt worden. Aber General Rollet hätte sich wirklich nichts vergeben, nicht einmal gegenüber Poincarö, wenn er diese Bitte der Reichsregierung anders beantwortet hätte: z. B. mit der Versicherung, daß die Kon- trolle beschleunigt werden soll, und daß ihre Dauqr von dem Grade des deutschen Entgegenkommens und von der Art der Feststellungen der Kommission abhängen würde. Gegen eine solche Antwort hätte kein Franzose und kein Deutscher etwas einwenden können. Der Ton des Havas-Kom- muniquss fordert hingegen zum Widerspruch heraus. weil er an eine Zeit erinnert, von der die Mehrheit des fran- zösischen Bolkes sich am 11. Mai offenkundig losgesagt hat. Die Geffnung der Kriegsarchive. England macht den Anfang unter den Ententestaaten. London. 2. Juli.(MTB.) Unterhaus. Morel(Soz.) fragte, ob die Regierung erwogen habe, daß«in« weitere Ber- öffentlichung britischer Dorkriegsdokumente der Oeffenllich- keit zum Bvrteil gereichen würde. P o n s o n b y erwiderte, der Prinnermmister habe beschlossen daß einige derartige Ber- öffentlichungen stattfinden sollen. Er erwäge augenblicklich, wie dies geschehen solle. Auf«ine Frage, ob der Premierminister beabsichtige, der Völkerbundversamm- lung in Genf im September beizuwohnen und ob dem Unterhaus Gelegenheit gegeben werde, in der äugen- blicklichen Session die Politik der britischen Regierung hinsichtlich der verschiedenen Fragen, die der Bersammlung unterbreitet werden sollen, zu erörtern, erklärte Macdonald, er hoffe in der Lage zu sein, zur Eröffnung der Völker bundsversammlung im Septem- ber noch Genf zu gehen. Was den zweiten Teil der Anfrage be- treffe, so beabsichtige er dem gewohnten Brauch zu folgen und einen Bericht als Weißbuch zu veröffentlichen. Auf die Frage, ob sich der französische Premierminister ebenfalls nach Genf, begebe, erklärte Maodonald, er freue sich sehr, dies beiahen zu können. Er höff«, daß er selbst und der französische Premierminister nicht die einzigen Premierminister sein würben.- Die Zrage öer Sicherheit. Randbemerkungen zu einem französischen Gelbbuch. Mehr noch als von der Reparationsfrage wird die fran- zösische Politik von der sogenannten Sicherheitsfrage beherrscht. In welchem Maße das der Fall ist, läßt ein Gelb- buch Poincar�s erkennen, das jetzt mit einer Vorrede von Prof. Hermann Oncken in deutscher Uebersetzung erschienen ist.(Deutsche Berlagsgesellschaft für Politik und Geschichte. Berlin.) Die Sammlung wird, stimmungsvoll genug, mit der be- rühmten Rote F o ch s vom 10. Januar 1919 eingeleitet, in der für Frankreich kategorisch die militärische Rheingrenze verlangt wird. Die Argumentation und sogenannte„Men- talität" der Note ist so ziemlich dieselbe, wie wir sie aus den Aeußerungen der deutschen Heerführer in der Zeit der großen Scheinsiege kennen. Für den Militär ist die Sicherheitsfrage eben niemals die Frage nach der Sicherheit des Friede n s, sondern pielmehr die Frage nach der Sicherheit des Sieges im nächsten Krieg. Foch und mit ihm ein großer Teil des französischen Volks ist beherrscht von dem Gedanken, daß Deutschland 20 Millionen mehr Menschen hat als Frankreich und daß es zwischen diesen beiden Ländern ja doch wieder ein- mal zum Krieg kommen würde. Aus dieser Art, das Sicher- heitsproblem zu behandeln, ergibt sich dann ganz von selbst der doppelte Wunsch, einmal Deutschland so weit wie möglich zu verkleinern, dann aber auch diesem verkleinerten Deutsch- land gegenüber eine möglichst vorteilhafte strategische Position zu beziehen. Dieser doppelte Wunsch war erfüllt, wenn das Gebiet links des Rheins von Deutschland abgetrennt und der große Strom selbst zur Militärgrenze zwischen Deutschland und Frankreich gemacht wurde. Das Verlangen Fochs und der Regierung Clemenceau- Tardieu scheiterte an dem Widerstand der anderen Alliierten und Assoziierten. Aber sowenig wie in der Reparationsfrage wurde in der Sicherheitsfrage eine klare und reinliche Lösung erreicht. Auch hiier gab es nur Kompromisse und Vertagungen. Das von Frankreich militärisch, nicht politisch begehrte Gebiet(man ist ja um Himmels willen nicht annexionistisch!) wird nicht für alle Zeit, wohl aber für 5 bis 15 Jahre militärisch besetzt. Aber auch mit diesen 5 bis 15 Iahren ist es nicht so ganz sicher: sie können verlängert wer- den, wenn Deutschland seine Reparativ nspftichten nicht erfüllt, sie können auch verlängert werden, wenn die Alliierten finden, daß zur Zeit ihres Ablaufs die Sicherheitsfrage nicht aus- reichend geläst ist; sie können freilich auch abgekürzt werden, wenn man in puncto Zahlungen befriedigt und in puncto Sicherungen beruhigt ist. Um Frankreich für die entgangene dauernde Rheingrenze Eisatzgarantien zu geben, beschließt man die E n t w a f s- n u na Deutschlands sozusagen bis aufs Hemd, die umstand- liche M i li t ä r k o n tr o l le, die dauernde militärische Neu- tralisierung Deutschlands links des Rheins und 60 Kilometer rechts des Rheins. Außerdem soll Frankreich durch eineir militärischen Garantiepakt mit England und Amerika gegen einen deutschen Angriff geschützt werden. Dieser militärische Garant i'epakt ist bekanntlich dann nicht zustande gekommen. Eine schmerzliche Enttäuschung für die französische Regierung, deren Zurückweichen in der Gebietsfrage von Tardieu vor allem eben mit jenem als Entgelt empfangenen Garantiepakt verteidigt wort>en war. Amerika hatte nicht ratifiziert, der Pakt mit England sollte aber zugleich mit dem amerikanischen in Kraft treten, geriet also durch die Nichtratifikation Amerikas von selbst in Wegfall. Frankreich hatte eigentlich beides zugleich gewollt: die Rheingrenze und die Verewigung der Militärbündnisse. So wird in den französischen Aktenstücken der Rhein immer wieder als„die Grenze der Zivilisation" bezeichnet— was, von uns Deutschen nicht zu reden, für die verbündeten Polen und Tschechen eben kein Kompliment ist— oder auch als„die gemeinfame Grenze der verbündeten Demokratien". Einigermatzen selffam wirkt der Versuch, die Fiktion aufrecht- zuerhalten, als seien England und Amerika der Hilfe Frank- reichs gegen einen deutschen Angriff ebenso bedürftig wie uin- gekehrt. In Cannes kommt ein neuer englisch-französischer Akkord nicht zur Ausführung, teils, weil Briand durch Pariser In- trigen gestürzt wird, teils weil der Akkord, der k e i n e Militär- konvention, sondern nur eine allgemeine Zusicherung miii- tärischen Beistandes enthält, auch Briand nicht ausreichend erscheint. Mit dem Sturz Briands, der Aera Poincarch verschärft sich die französisch-englische Entfremdung. Tardieu hatte ein- mal in der Kammer die Frage ausgewvrsen, was Frankreich hätte wählen sollen: die dauernde Besetzung eines Teils von Deutschland auf- e i g e n e Faust oder den(später ins Nichts zerflossenen) Sicherungsvertrag mit England-Amerika. Diese Frage wird nun von Poincar«- in seiner eigenen Weise be- antwortet. Er«klärt, daß die Fristen noch nicht zu laufen begonnen hätten, er besetzt das Ruhrgebiet, er verkündet den Grundsatz:„Halte, was du hast!" Bon einem Bündnis mit England ist nicht entfernt mehr die Rede.—, Liest man das französische Eelbbuch, so erkennt man ohne weiteres, daß nun Herriot in Chequers fortzusetzen versucht, wasVricmd in Cannes aus der Hand geschlagen worden war. Der Verzicht aus eigenmüchtige Orkupanon bedeutet automatisch Rückkehr zur Linie des �arantiepakts. Oder mit an- deren Worten: keine sreo-ch'ische Regierung raut sich, der eigenen öffentlichen Meinung gegenüber, Positionen im be- setzten Gebiet preiszugebe.'., ohne dafür Kompensationen heimzubringen. Von hier aus versteht man auch, warum Herriot auf der Abrüstunss-Generalinspektion bestehen mußte. Eine Generolinspektion ist, oo an.zö fischen Standpunkt aus gesehen, eine Voraussetzung s�. �cn Abbau der Okkupations- Politik. Militärkontrolle und Garantiepakt mit England— das ist die Operationsbasis, von der aus mit dem Rückzug von Ruhr und Rhein begonnen werden kann. Die französischen Nationalisten werden trotzdem in jedem Reiter imd jedem Roß, das zurückgezogen wird, eine verräterische Preisgabe framzösisch-völkilcher Belange erblicken. Die vernünftigen Franzosen werden ihnen antworten, daß Frankreich nicht bleiben kann, ohne den Vertrag zu verletzen, ohne in Gegensatz zu England zu geraten und ohne die unversöhnliche Feindschaft aller Deutschen ohne Unterschied der Partei her- auszufordern. Auf keinen Fall hat es Herriot leicht. Das wahre Interesse Frankreich? fordert die Liquidation des Poincarismus, aber sehr viele Franzosen sehen das noch nicht ein und wittern nationalen Verrat. fjerriot hat nun sehr mutig und gewandt den Stier bei den Hörnern gepackt und einen Sicherungsvertrag m i t Deutschland selbst angeregt. Allerdings mit als Krönung eines Systems von Sicherungsverträgen, die zwischen den früheren Alliierten selbst geschlossen werden sollen. Offenbar hofft er auf diese Weise die Abneigung Eng- lands gegen alle zu scharfen militärischen Bindungen leichter überwinden zu können— aber damit soll keineswegs gesagt sein, daß es ihm mit dem franzöfisch-deutschen Garantiepakt selber nicht ernst sei. Mit Abschluß eines solchen Pakts würde Deutschland auf Gegenseitigkeit die Verpflichtung übernehmen, jeden kriege- rischen Angriff auf Frankreich oder einen anderen Nachbar- staat zu unterlassen. Wir sehen nicht, welche Verpflichtung Deutschland leichtern Herzens übernehmen könnte als diese. Denn Deutschland verzichtet damit nur auf ein äußerst zweifel- Haftes Vergnügen, das es sich sowieso nicht leisten kann. An- dcrerseits muß ein solcher Garantiepakt aber auch für Deutsch- land Schutz seines staatlichen Gebiets bedeuten und Befreiung dieses Gebiets von jeder fremden Besatzung. Die französische Sicherungssrage wird nicht eher ihre Lösung finden, als bis sie als eine auf Gegenseitigkeit und Gemeinsamkeit beruhende Frage für Frankreich und für Deutschland begriffen wird. » Das französische Gelbbuch erfährt wertvolle Ergänzungen durch den Inhalt eines englischen Blaubuches über die Sicherheitsfrage. Das Blaubuch, aus dem die englische Presse Auszüge veröffentlicht, enthält Dokumente, die die Gedankengänge der Briandschen Politik von Cannes beleuchten. Diese Gedankengänge zielten auf eine feste fxapzösisch-enslische Allianz. Die Umrisse eines solchen Bündnisses zeichnete zum erstenmal de- französisch« Botschafter in London in einer inofsizneÄen Unterredung mit Lord Curzon �giN 15. September 1921. Nach der Beendigung einer amtlichen Unterredung mit Lord Curzon fragte der französische Botschafter Curzon, ob er eine halbe Stunde für ihn übrig habe und fährt fort, er wünsche, ihm in einem rein privaten, nicht offiziellen und vertraulichen Charakter gewisse Ansichten zu unter- breiten, über die er reiflich nachgedacht habe. Die Vereinbarung mit Großbritannien und Amerika, die in Versailles für die Garantie der Westgrenze Frankreichs gegen einen nicht herausgeforderten An- griff Deutschlands vorgeschlagen worden sei, sei nicht d-ie Art Garantie, welche Frankreich verlange oder benötige. Was ihm vorschwebe, sei etwas viel Endgültigeres und Genaueres, Stuöentifche Selbsthilfe. Von Pr»f. Dr. R a d b r u ch- Kiel. Schon im Jahre 1921 hatten die Studierenden erkannt, daß sie der schweren Notzell, die über Deutschland hereinbrach, nur begegnen könnten, wenn sie sich selbst halfen. Erwerbsarbeit während der Ferien bildete camais neben wirtschafjfichen Einrichtungen in den Hochschulstädten, die ein« verbilligte Lebensweise ermöglichten, den Hauptbestandteil des studentischen Wirtschaftsprogrammes. Arbeits- losigkeit und niedrige Löhn« machen Erwerbsarbelt und gleichzeitig« Ersparnisse jetzt fast unmöglich. Ebenso sind die Einrichtungen be- droht, die die Lebenshaltung an den deutschen Hochschulen verbilligen und mit den Unterstützungsaufgaben betraut sind. Es ist das die „Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft" und die„Darlehns- lasse der Deutschen Studentenschast". An 44 deutschen Hochschulen bestehen Winschaftskörper der Wirtschaftshilfe der Deutschen Stu- dcntenschaft Dresden, in der diese Bestrebungen unter völligem Ausschluß von Politik und Weltanschauung zentralisiert sind. Spei- sungaeiurichtungen, Schuhmacherwerkstätten, Barbierstuben, Ver- kaufsstellen für Studienmaterial und Lebensbedarf find überall dort eingerichtet worden. Die Wirtschaftshilfe konnte bisher mit Hilfe des Auslandes, der deutschen Industrie und Landwirtschast und des Deutschen Reiches usw. 4 Millionen Goldmork oerteilen. Die Dar- lehnskasse hat seit Umstellung auf Goldmark rund 450 000 Goldmart ausgegeben, davon allein im letzten Semester 300 000 Goldmark. 2300 Studenten, davon allein in der Goldmarkzeit 1600, tonnt« hier- durch geholfen werden. Ein neuer genossenschaftlicher Gemeinschaftsgeist entstand in den Kreisen der in den Wirtschaftseinrichtungen arbeitenden Studenten und erstreckt« sich durch die Werkarbeit von Tausenden auch auf weit« Bolkskreist, von denen die Studenten bis dahin durch eine hohe Scheidewand getrennt waren. Die Arbeit der Studenten gemeinsam mit Dozenten und Männern des Wirt- fchaftslebens auf politisch neutraler Grundlage war geeignet, einer Radikalisierung vorzubeugen, da di« Realitäten der Wirtschaft immer wieder aus die Wirklichkeit oerwiesen. Der Hauptgewinn bestand je- doch darin, daß verhütet wurde, daß der Besuch der Hochschule zum Vorrecht einer dünnen Oberschicht wurde. Alle dies« Einrichtungen stehen jetzt vor dem Zusammenbruch, da die Gebefreutigkeit des Auslandes erlahmt und die Leistungsfähig- keit deutscher Wirtschaftskreis« immer schwächer wird. Das Reich gab bisher schon 600 000 Goldmark. Das reicht jedoch bei weitem nicht aus, und«s liegt dem Reichstag zu den bevorstehenden Haus- Haltsberatungen ein Antrag vor, der di« Reichsregierung dringend ersucht, die Notlage der deutschen Studentenschost erneut zu prüfen und die Bereitstellung von Krediten für die studentischen Wirtschafts- Vereinigungen zu erwägen. Im Interesse der deutschen studierenden Jugend und damit des deutschen Volkes hofft ich bestimmt, daß Reichstag und Reichsvegterung dieftr Anregung entsprechen. Di« l nichts wsniger als ein Verteidigungsbündnis, das mit ! genauen und kategorischen Bedingungen zwischen Frankreich und Großbritannien abgeschlossen wird, in dem beide Parteien sich zur Verteidigung der anderen Partei im Fall« eines An- griff es oerpflichten und jeden Angriff auf die eine oder andere Partei als einen gegen sich selbst gerichteten feindlichen Akt behandeln. Der Botschafter legte dar, daß er unter direktem Angriff ver- stehe, daß, wenndieGrenzeFrankreichsüberschritten werde, die britische Nation sich mit dem Angreifer im Kriege be- finden würde, desgleichen würde, wenn di« Grenzen Indiene, der einzige britische Punkt zu Lande, der überhaupt verletzlich erscheine, überschritten werden, die Ehre Frankreichs und fein« großen Hilfs- quellen, insbesondere an farbigen Truppen, zur Verfügung Eng- lands gestellt wtzrden und, wenn sich die Notwendigkeit ergebe, gegen den Feind an den britischen Grenzen marschieren. Als Lord Curzon darauf hinwies, daß durch eine derartige Vereinbarung Frank- reich der gewinnende Teil sein werde, und daß er nicht einsehen könne, welche Vorteile für Großbritannien daraus erwachsen könnten, erklärt« der Botschafter, diese Vorteile würden vierfach sein: Frankreich würde in der Lag« sein, feine Landrüstungen zu vermindern und allmählich auf die will- tärische Abrüstung zuschreiten, für die Großbritannien ein- trete, Frankreich würde sich mit der sofortigen Zulassung Deutschlands in den Völkerbund oersöhnen. Ein der- artiges Bündnis würde eine beruhigendeWirkungaufden Kontinent und Deutschland haben und schließlich würde es Frankreich ermöglichen, sich Großbritannien und Deutschland in seinen Versuchen, Rußland wieder aufzubauen, anzuschließen. Lord Curzon erklärte, er könne sich nicht vorstellen, daß ein Bot- schafter aus sich heraus einen derartig eingehenden Plan vorlegen könne. In Erwiderung einer Frage wiederholte der Botschafter, daß er ohne Instruktion spreche, daß er es jedoch für mehr als wahrscheinlich halte, daß Ministerpräsident Briand im allgemeinen seine Ansicht teile. Curzon verhielt sich ablehnend, ebenso Lloyd Georg« in einer Unterredmrg mit B r i a n d am 21. September 1921 in London. Die Unterredung wurde von beiden Premiers im Januar 1922 in Cannes fortgesetzt, wo über einen Vertrag verhandelt wurde. Lloyd Georges Regierung erklärte sich bereit, daß Großbritannien „im Falle eines direkten und nicht herausgeforderten Angriffs gegen den Boden Frankreichs von Seiten Deutschlands" sich sofort mit seinen Marine-, Land- und Luftstreitkräften Frankreich an die Seite stellen würde. Die Dominions würden jedoch nicht nowendigerweift dazu verpflichtet sein. Der Vertrag würde zehn Ict/ce dauern; Frankreich wollte jedoch einen 30jährigen Vertrag, nach dem Eng- land„im Falle eines nicht herausgeforderten Angriffs Deutschlands gegen Frankreich" zu Lande, in der Lust und zur See helfen würde. Die beiden Generaistäbe sollten eine dauernde Verbindung aufrecht- erhalten. In diesem Stadium wurde Poincarö Ministerpräsident und zeigte gegenüber einem Pakt auf der britischen Grundlage kein Inter- esse, so daß der Plan nicht wieder erörtert wurde. Ein Vergleich der Gedankengänge Briands und Herriot» zeigt, daß Herriot an dem Grundgedanken von Briand. den Po in rare fallen ließ, wieder anknüpft, zugleich aber in dem Streben nach einer allgemeinen Befriedigung Europas darüber hin» ausgeht, indem er die Einbeziehung Deutschlands in einen Sicher- heitspakt ins Auge faßt. Die Rückkehr öer Ausgewiesenen. Aufruf desNclchstaqsnnsschusses für die besetzten Gebiete - Berichte aus dem besetzten Gebiet lassen erkennen, wie wenig die Behörden aufdieMassenrückkehrderAus» gewiesenen eingerichtet sind. Außer der Aufbebung der letzten Veschlagnahmemaßnahmen werden die Besatzungs- mächte den Ernst ihres Wollens durch Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden für die Un t e r b r i n- gung der Heimkehrer beweisen müssen. Aber auch diese müssen Disziplin halten. Der R e i ch t a g s- ausschuß für die besetzten Gebiete hat deshalb in seiner Mittwochsitzung einen Gruß und eine Mahnung an die- jenigen gerichtet, deren Fürsorge seine Arbeit gilt. Die g e g e n zu bewilligenden Mittel würden zugleich dem Zwecke dienen müssen, begabten jungen Arbeitern den Weg zum Reifezeuguis und damit zur Hochschule erst zu eröffnen. Weshalb Munösens Norüpolflug scheiterte. Der plötzliche Entschluß Raold Amundsens, auf seinen Flug über den Nordpol zu verzichten, hat in der ganzen Welt nicht geringes Aufsehen hervorgerufen. Wie gemeldet wurde, sollten es Geld- schwierigkeiten gewesen sein, die das Unternehmen im letzten Augen- blick vereitelt haben. Es hieß, Amundsen habe sich außerstande ge- sehen, die 140 000 Dollar zu erlegen, die den Kaufpreis für die von den italienischen Flugwerkstätten in Pisa gebauten deuischen Apparat« bilden. Demgegenüber wird aber jetzt aus Pisa berichtet, das fei nur ein Vor wand, und Amundsen habe ftinen Start aus z anderen Gründen aufgegeben. Er habe mit gewissen Gesell- ften Verträge über das alleinige Recht der Vorführung und V«r. öffentlichung der Filme und Photographien geschlossen, die unter- weg? von der Expedition aufgenommen werden sollten, und dies« Verträge seien so unklar gefaßt, daß die Expeditionsmitglieder da- durch unter Umständen in ein« sehr l>«ikle Lage hätten gebracht wer- den können. So habe man sich entschlossen, die ganz« Sache fallen zu lasftn. Diese Lesart hat in der Tat sehr viel Wahrscheinlichkell für sich. Seit James Eordon-Dennett im Jahre 1879 unter De Long die„Jean«tt«"-Expedition finanziert hatte, um deren Erlebnisse in seinem„New Park Herald" allein veröffentlichen zu können, ist es mehr und mehr Sitte geworden, die Derichterftaktung gegen fthr hohe Honorare an einzelne große Zeitungen abzutreten, wodurch den Polarforschern vielfach beträchtliche Vewinne zugeflossen sind. Da- mit sind namentlich die Pölarexpeditionen neuerdings mehr und mehr zu geichöftlichen Unternehmungen geworden, bei denen der wissenschaftliche Zweck von der säp-iftlichen und bildlichen Bericht- erstattung in den Hintergrund gedrängt wird. Nienuuid wird den Forschern dieses Geschäft mißgönnen. Aber man soll dann nicht vor der Oeffentiichkeit den wissenschaftlichen Zweck der Reise in den Vordergrund rücken. Amundsen scheint sedenfalls in dieser Bezie- hung des Guten etwas reichlich zu viel gcwn zu haben. Seit Mo- naten erscheinen in der Weltpresse aller Länder ausgedehnte Auf- sätze mit Kar�nikizzen, in denen auf das eingehendste Ziele und Zwecke des Polfluges dargelegt werden und in denen darauf hin- gewiesen wird, daß man das alleinige Abdrucksrecht der Amundftn- fchen Bericht« erworben habe. Nun kommen nach der erwähnten Meldung aus Pisa augenscheinlich auch noch umfangreiche Verträge über das Reproduktionsrech« an dien aufzunehmenden Photographien und Filmen in Betracht, und man muß notgedrungen den Eindruck gewinnen, daß der Polarfiug weit mehr ein« journalistisch« Unter- nehmung und eine Angeleqenbeit der Filmindustrie ist, als eine Sache der geographischen Forschung. Es scheint jedenfalls, daß Amundsen ftinen Kontrahenten mehr zugesichert hat, als er glaubt halten zu können, und daß er es deshalb vorzieht, auf seinen Polar- flug zu verzichten, um unangenehmen, und kostlpieiigen Prozessen zu entgehen. Man kann wohl erwarten, daß Raold Amundsen und namentlich Konslll Hammer, der geschöfiliche Leiter des Unterneh» mens, sich Über die Meldungen aus Pisa näher äußern werden. die Stimmen der Deukschnationalen ange- nommene Entschließung lautet: „Der Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete begrüßt die Ausgewiesenen, denen endlich die Rückkehr ermöglicht wird und gibt der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß alsbald olle Ausgewiesenen und Gefangenen Heimat und Freiheit und die Rückkehr in ihre früher« Berufttätigkeit wieder geschenkt werden. Der Ausschuß hat all« Maßnahmen beantragt, die im Rahmen des Möglichen geeignet sind, Unterkunft und Existenz für die Rückkehrenden zu sichern. Er erneuert die Forderung, daß die Besatzungsbehörden dieses Werk der Menschlichkeit und Verständigung der Völker fördern. Gleich- zeitig bittet der Ausschuh alle Ausgewiesenen dringend, nicht überstürzt, ohne daß di« vorbereitenden Maßnahmen sich auswirken können, zurückzukehren. Die Not würde dadurch noch größer. Die Ausgewiesenen mögen noch ein wenig Geduld haben und Disziplin halten. Keiner soll Schaden davon haben. Die Betreuung unter- liegt, wie bisher, der Kontrolle des Ausschusses." Angenommen wurde ferner ein Antrag, der von der Reichsregierung verlangt, daß sie gemeinsam mit den Landes- regierungen eine umfassende Hilfsaktion für die durch die Wirkungen des Ruhrkampfes und der Sonder- bündlerbewegung finanziell zusammengebrochenen Gemeinden und Kommunlaverbände oes besetzten Gebietes einleitet. Ein weiterer Antrag verlangt, daß die Ersatzleistungen auf Grund des Okkupationsgesetzes sobald als möglich im vollen Umfange wieder aufgenommen werden. Aus der Dienstagsitzung ist noch der Beschluß des Aus- schusses für die Schwerkriegsbeschädigten nachzu- tragen. Auf sozialdemokratischen Antrag hat der Ausschuß verlangt, daß die schwerkriegsbeschädigten, bereits zurückgekehrten und noch zurückkehrenden Arbeiter des Reiches, der Länder und Gemeinden sowie die nach dem 31. Dezember 1923 entlassenen schwerkriegsbeschädigten Eisenbahnarbeiter, sobald die Möglichkeit besteht, an ihren alten Beschäftigungs- ort und in ihrer alten Beschäftigungsart vorzugsweise wiedereinge stellt werden. Der Ausschuß hat damit seine vorläufigen Arbeiten er- ledigt. Er wird zwei Tage vor Beginn des Plenums erneut zusammentreten und dann die Borschläge der Regierung wegen der Betreuung der freien Berufe entgegennehmen. Eine Verfügung Degonttes. General D« g o u t t« hat folgende Verfügungen erlassen-: Alle Personen, di« von den Besatzungsbehörden seit dem 11. Januar 1923 ausgewiesen worden sind, und deren Auswetfung noch nicht zurückgenommen worden sst, sind berechtigt, in das besetzt« Gebiet der Ruhr und des Brückenkopfes Düsftldv-lf z u r ü ck- zukehren, mit dem Vorbehalt, daß sie die Vorschriften bezüglich des Verkehrs beobachten. Ausgenommen sind 1. die Personen, di« auf der beigefügten Anlage verzeichnet sind, 2. die Beamten und Angestellten oller Chargen der Schutzpolizei. Soweit die Anweisungen des Artikels 1 die Schutzpolizei« b e a m't« n und Angestellten betreffen, sind sie nur provisorisch, be- trefft der genannten Beamten wird eine eichgültige Entscheidung später getroffen werden. Dft Entscheidung tritt sofort in Kraft. Di« der Verfügung beiliegend« List« umfaßt neben einer Reih« von Eiftnbahn-, Polizei« und sonstigen Beamten, u. a. folgende Per- sönlichkeiten: Regierungspräsident Grützner, Düsseldorf: Bürger« meister S ch m i-d t, Düsseldorf: Polizeipräsident Niedermayer, Essen; Oberbürgermeister Hamm, Recklinghausen: Regftrungsrat Oexle, Düsseldorf: Landrat Schöne, Essen: S ö'n k s e n, Präsi- dent der Oberpostdirektion Düsseldorf: Pastor Seiler, Essen; Berg« Werksdirektor von Bruck, Düsseldorf und Vortragender Legations- rat Walter Zechlln, Auswärtiges Amt, Berlin. Zn Hamburg ist der frühere Generalstabsofsizler Danner unter Beförderung zum Obersten vom Serrat zum ChefderOrd- nungspolizei enrannt worden. Danner ist Mitglied der So- zialdemokratsschen Partei. Seine Ernennung erfolgte trotz der G übelsten Verleumdungen unserer„nationalen Kreis«". die Stranökorb-�lagge. Bon der Ostsee wird uns geschrieben: Es zieht jetzt viel«, namentlich die Wasserfoeunde, wie ein Magn« an den sonnendurchwärmten Strand, an die See, dft Dünen, hin zu den Wellen, dft so lieblich-weich und stürm gepeitscht zur Seele sprechen. Ich weile an dem Ostseestrand, dort, wo das Blinkfeuer der Inftl Oft noch Usedom herüberleuchtet. Es ist noch Vorsaison und „der große Schub" ssll erst kommen. Und doch, die Fähnlein, die Wimpel und Wappenzeichcn wehen schon lustig am Gestode der deutschen Republik. Ein Fähnlein am Strandkorb oder im Sandtrichftr ist ein« Selbstverständlichkeit: darum scheue ich nicht Mühe und Kosten, mir diese„Reliouie" zu beschaffen. Im Hochgesühl republikanijcher Gesinnung betrete ich den Geschäftsraum und erbitte die Flagge der deutschen Republik, ein Verlangen, das den Geschäftsmann in sichtliche Verlepenheit zu bringen scheint. Nachdem aber seine geschäftsmäßige„Fassung" wieder hergestellt ist, stammelt er:„D i e führen wir nicht I" Es steht für mich fest, daß diesem Bieder- mann die Farben der deutschen Republik völlig unbekannt sind, aus gesinnungs- und zumeist aus geschäfespolitischen Gründen. Auch meine weiter-n Bemühungen, di« mich in das nächst« große Seebad führten, scheiterten; denn man verkauft hier nur„Schwarz-weiß-rot" führten, scheiterten: denn man oerkauft hier nur„Schwarz-Weiß- Rot" unv„Hakenkreuz". Und so wie in dftsen Läden sieht auch die Stranddekoration aus. Wft auf einer kleinen Inftl komm« ich mir vor in meiner Strandkorboilla, auf der vereinsamt mein Fahnlein schioarzrot- gold weht, das ich mir eigenhändig habe anftrtigen müssen. Hier, wo das erholungsuchend« Arisiokratentum von draußen und das von Geschäftsabsichten beherrschte ansässige Publikum mich umgibt, ist für republikanisch-demokratische Tendenzen kein Platz. Haken- kreuz und schwarzweißrofts Band sind hier dft Parole. Und jedesmal, wenn an meinem Strandkorb ein„Männchen" mll viltilchem Typ nebst Weiblein und der gesamten arischen Nach« kommenschaft in feierlicher Prozession mit Hakenkreuzfähnchen vor- überzftht, dann muß ich auch an den„patriotischen" Biederman/, denken, in dessen Laden es so viele Flaggep gibt, in allen Größen, mit und ohne Haftnkreuz. Das ist die deutsche Republik am Ostseestrand. Das Recht auf Rekionol-Radau. Das Dresdener Amts- gericht sprach in dem Prozeß gegen sieben Personen, größtenteils Studenten, die während der HinkOnftmn-Ausführung im Schauspiel- haus nchestörenden Lärm verursacht hatten, sechs der Angeklagten frei, da sie angeblich„in Notwehr gehandelt hätten gegenüber be- leidigenden Worten des Dichter» gegen das Deutschtum, oder well sie wenigstens solche Beleidigungen vermutet hätten." Nur ein An- geklagter, der auf einem Hausschlüssel gepfiffen hatte, wurde wegen Ueberschreitung der Notwehr zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen das Urteil wurde von der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Das Dresdener Amtsgericht hat eine Entdeckung von Bedeutung gemacht, indem es die literarische Notwehr erfand. Aber wie stand es mit dieftr Notwehr? Hatten sich die Studenten nicht vorher ver« der Schurke von öer Goltz. Wird sich der Baltikumer-Goltz endlich äuhern? Wir haben in unserer Dienstag-Abendausgabe die Frage aufgeworfen, ob der Baltikumer-General von der Goln, der feit geraumer Zeit zu den Koryphäen der„Vaterlän- difchen Verbände" gehört, identisch ist mit jener„Exzellenz" von der Goltz, die im Jahre 1916 32 666 M.„Tantiemen" vom Luftfahrerdank bezogen hat. Zweiunddreißigtausend Mark, die im deutschen Volk ge- sammelt und von den Spendern dazu bestimmt waren, die Not von Angehörigen gefallener Flieger zu lindern, sind in die Taschen einer„Exzellenz" von der Goltz geflossen. Zweiunddreitzigtausend Mark bedeuteten nach dem Dol- larkurs von 1916 mindestens dreiundzwanzig- lausend Gold mark, ihr Realwert war sogar damals noch größer. Weder am Morgen noch am Abend des gestrigen Tages haben wir in der Rechtspresse auch nur eine Zeile gefunden, aus der man schließen könnte, daß der jetzige Maulaufreißer und Verleumder Goltz mit dem Wohlfahrtsgewinnler Goltz nicht identisch sei. Der Umstand, daß das Leibblatt der „V. V. V.", die„Deutsche Zeitung", verboten ist. kann dabei nicht maßgebend sein, denn viele andere Blätter, vor allem die„Kreuz-Zeitung" und die„Deutsche Tageszeitung". würden zweifellos ihre Spalten einer solchen Klarstellung öffnen. Hier stimmt also etwas nicht. Wir wieder- holen deshalb ausdrücklich die von uns aufgeworfene Frage und werden nicht nachlassen, bis sie beantwortet sein wird: I st der B a l t i k u m e r und„V. V. V."- G o l tz identisch mit jenem Schurken, der unterder Form von Tantiemen mehr als 23 666 Gold- mark im Jahre 1916 bezogen hat, die für Witwen und Waisen ge fa ll« n e r F l ie g e r be- stimmt waren— ja oder nein? Erfolgt keine Antwort— dann ist der Fall klar. Er- folgt eine Antwort— dann wird es ein Leichtes sein, ihre Richtigkeit zu prüfen und festzustellen, welche„Exzellenz" von der Goltz ein Schurke ist. Die Inüustrie und üie Gutachten. Tagung des HauptansschuffeS des Reichsverbandes der deutschen Industrie. Unter dem äußeren Druck der„Industriellen Bereinigung" des Herrn Bang und dem inneren Druck der Opposition hatte der Neichsverband der deutschen Industrie«ine Hauptausschußsitzung zum 8. Juli einberufen, um die Erklärung von Präsidium und Borstand für die Annahm« des Sachverständigengutachtens zu überprüfen. Die deutschnationale Opposition wollte von dieser Erklärung herunter. Eine Kursänderung des Reichsverbandes im Sinne der Ablehnung der Gutachten wäre politisch von großer Bedeutung gewesen, sie hätte gleichzeitig auch«in« Präskdialkrise im Reichsoerband hervor- gerufen. Die Kursänderung ist nicht erfolgt. Der Reichsverbond tellt dem Wolffbureau mit: „Der Hauptausschuß des Reichsverbandes der deutschen Industrie bestätigt die.Entschließung des Präsidiums und Vorstandes vom 84 April 1924 und erklärt, daß durch die in- zwischen eingetretene Entwicklung der wirtschaftlichen Lage die B e- denken über die Erfüllbarkeit der Reparanonsansprüche erheblich verstärkt sind. Er weist in Uebereinstimmung mit der Grund- bedinguna des Dawes-Gutachtens erneut darauf hin, daß die Wie» derherstellung der vollen administrativen und wirtschaftlichen Souveränität des Deutschen Reiches in den besetzten Gebieten Deutschlands für den Fall der An- nahm« des Gutachtens gesichert fein muß." Di? deutschnationale Opposition der Hugenberg-Grupp«, hie mit den Volkischen kokettiert, ist also unterlegen. Ob sie es nun auf«ine Sprengung der Reichvverbondes und den Uebertritt zur In- dustriellen Bereinigung ankommen läßt? schworen, das Stück unter allen Umständen niederzupseifen, und gingen sie nicht zu diesem Zweck ins Theater? Dies« Ausweitung des Begriffs Notwehr, in die man sich absichtlich versetzen kann, um straflos' Ungesetzlichkeiten begehen zu können, ist der fruchtbarsten Anwendung fähig. Z. V. Student A. kann den Pro�esior W., der republikanischer Gesinnung verdächtig ist, absolut nicht leiden. Der bloße Anblick regt ihn bereits auf. Um diese Notwehr ausüben zu können, begibt fkf) A. absichtlich zu W. und haut ihm aus lauter Notwehr«ine rein. Er ist freizusprechen. Ebenso der Dieb, der ge- wisse Schmucksachen nicht liegen sehen kann. Er handelt in Notwehr, wenn er nächtlicherweile einbricht und sie mitnimmt. Theater In Rot. Die Stadt H a l b e r st a d t lehnte die Vorlage, Mittel für Oper und Operette zu bewilligen, aus finanziellen Gründen ab; künftig werden im Halberstädter Stadttheater nur noch Schau- spiele gegeben.— Das Stadttheater in München-Gladbach, das seit langem unter schwierigen finanziellen Berhältnissen leidet. mußte unter Konkursverwaltung gestellt werden. Die Vorstellungen mußten plötzlich eingestellt werden. Die Stadt hat sich bis zum Ende der Spielzeit den Schauspielern gegenüber für die Bezahlung der Gagen verbürgt. Bon Beginn der nächsten Spielzeit an hofft man aus bessere Verhältnisse; die Stadt will erhebliche Zuschüsse leisten.— Das städtisch« Schauspielhaus in Ho 9 e n ist an die Stadt mit der Bitte um Gewährung eines weiteren Zuschusses in Höh« von 75 696 Mark herangetreten. Das Theater erklärt sich außerstande, seinen VerpfKchtungen sonst nachzukommen. 5i, Sozialdemokrat als Uoloerll Stsreklor. Die Hamburger Unl« versitöt wählte den StaalSrechtslehrer Pros. Dr. La un zum Rektor für las kommende ftnhr. Professor Laun, der bald nach Gründung der Uni- versitat alz Professor für össentlicheS Reckt von Berlin nach Hamburg be- rulcn wurde, ist Mitglied der sozialdemokratischen Partet. In Ihm ist zum erstenmal ein Sozialdemokrat zum Rettor ewer deutschen Universität ge- wählt worden. Sne Cedenkfoler an klopft« lk» Grab. In Altona fand auf dem Ottenseer ssrsedbos am Grabe AlovstockS eine Gedentseier statt; die Ham> burger Schulen schloffen ihren Unterricht mit Gedächwizselern für den Messiassänger. Ehrung eines Nlüncheuer Schvlmaim». Zur ftcler d«S 70. Geburtz. tage? des Pädagogen Prof. Kerschenfteiner hat die Stadtgemeinde München beschlossen, die ersse Keioerbeschule, die unter Aerschensteiner errichtet wurde, künsiig.Kerschensseiner Gewerbeschule� zu nennen und auch ein« Straffe mit seinem Namen;u benennen. Aerschensteiner hat sich besonders um da; Gewerbe- und FortbildungSschulwesen vei dient gemacht. Er hat al» einer «er ersten den Gedanke» einer staatZbllrgerlichen Erziehung der Jugend 'yafft und den Begriff der Arbeitsschule entwickelt. u r,.®1« Cietiaufeoder>a de» Alpen. Sie ber Geograph Dr. Blodig fest- .r™ öS' tS in den Alpen INI ganzen SS Berge, die eine Hohe von �«6 Meter haben. All- diese Berge find w den»estalpcn gelegen. In .ss laiSen. all» in den bayrilchen unb in den össerreichsschen Awen, gidt eS überhaupt keinen»er«, der 4000 Meter hoch ist. Der höchste Beb« Deutschlands ist knapp HOXI Meter hoch; e» ist dies die Z u g s v i tz e mit zwei Gusselm einem Ost. und einem»estgipsel. die 2964 und 2968 Meter hoch sind.. Bon den 68 Schweizer Bergen, die eine Höhe von 4000 Meter baden, liegen 40 tm Wallis, g im Berner Oberland. 16 lm Mont-B anc- Gebiet. Der Mont Blanc ist der höchste Berg der Schweiz, wie der Alpen jlderhaupt. Der Kampf um du Die freien Gewerkschaften zv Die freigewerkschafkllchen Splhenorganisa- Uonen. ADGB.. AfA-Dund und ADV„ haben in einer Ein- gäbe an die Reichsregierung den Standpunkt der freien Gewerkschaffen zum Sachverständigen- Gutachlen wie folgt dargelegt: „Den Gewerkschaften ist bekannt, daß die Reichsregiernng eifrig an der Durchführung der Anregungen arbeitet, die das Sachverslän- digen-Gutachten der Dawes-Kommission für den deutschen haushall und die Gestaltung der Sleuem gegeben hat. Sie vermissen aber jedes Anzeichen dafür, daß auch den Anregungen nachgegangen wird, die in dem Gesamlurteii der Sachverständigen über die deutsche Steuergesetzgebung scharf umrissen worden sind. Die Sachverständigen haben der Schlußfolgerung nicht entgehen tön- nen, daß die reicheren Klassen in Deuffchland in den letzten llahren von dem in Kraft befindlichen Steuersystem nicht lu an- gemessener weise erfaßt worden sind, weder in einem Maße, dos sich mit Rücksicht aus die Besipuerung der arbeitenden Klasse rechtfertigen würde, noch in einem Maße, das mit der Be- lastnng der reicheren Klaffe in anderen Ländern vergleichbar wäre. Das Gutachlen der Dawes-Kommission unterstreicht die Rot- wendigkeit, schon für das laofende Einkommen- sieuerjahr wichtige gesetzliche Ergänzungen vor- zunehmen. Das gilt im besonderen für die Einkommensteuer der sich selbst Einschätzenden und für die Auslands- Verdienste, aber ebenso für eine Bestenernng der Geldentwertungsgewinne und für den Abbau der Umsatzsteuer. Auch den Ertrag der deutschen Erbschafts- Die tzetze gegen üie ftrbeitskonferenz. Nationalistischer Hast gegen den Achtstundentag. Die systematische Hetze der Presse der Rechten und der Arbeitgeber gegen die Inter- nationale Arbeitskonferenz und den A ch t st u n- d e n t a g wird fortgesetzt. Der wahre Charakter dieser sozial- reaktionären Hetze soll verborgen werden hinter einer natio- nolistisch gefärbten Hetze gegen das Internationale Arbeits- omt. Den Gipfel dieser Hetze erklimmt dabei die„Deutsche Tageszeitung". Sie hat die Erfindung gemacht, daß der' Achtstundentag eine französische Erfindung sei, um Deutschland zu schädigen. Frankreich habe aus Feindschaft gegen Deutschland diese Konferenz arrangiert, Frankreich habe den Genossen Thomas vorgeschickt, damit er gegen die Verlängerung des Achtstundentages in Deutschland Sturm laufe und schließlich: „Und dann kam natürlich auch Herr Hermann Müller, um die biederen Hände der Franzosen zu fassen und als Vierter im Bunde gegen deutsche Arbeitgeber und gegen die Regierung zu donnern. � Diese Verleumdung entspricht durchaus der bisherigen verlogenen Berichterstattung der Presse der Arbeitgeber und der Rechten über die Konferenz von Genf. Genosse Hermann Müller hat es ausdrücklich abgelehnt. den innerdeutschen Streit vor dem internationalen Forum auszutragen. Die Verdächtigung ist um so infamer, als sie von jenen deutschen Kreisen ausgeht, die den deutschen Ar- beitern den sozialpolitischen Schutz versagen wollen, den ihnen selbst die Reparationsgegner, selbst der Vertrag von Versailles zugestehen._ v Faschisten raus! Tie Arbeitskonfercnz wünscht keine Banditen unter sich. Gens. 2. Juli.(Eigener Drahlberichl.) Die Znternaüonale Arbeitskonferenz hat am Mittwoch mit 55 gage» 32 Stimmen das Mandat des ilalienischen faschistischen„Arbeilervertrelers" Rossini für ungültig erklärt. Don den 121 Stimmberechtigten gaben nur 87 ihre Stimme ab. Außer den gesamten Arbeiter- delegierten stimmten auch die Regierungsvertreter von Sa- n a d a und Dänemark mit Rein, während die Regiernngsver- treter von Engtand, D e n l s ch l a n d, Irland, Ungarn, Griechen- land, Lettland und Schweden sich der Stimme enthielten. Vei der gleichen Abstimmung Im vorigen Jahre hatten außer Deuffchland noch sämtliche Regserungsoertteler s ü r Rossini gestimmt. Das Er- gebnis wurde von der Versammlung mit eisigpm Stillschwelgen entgegengenommen. Diese Ausschließung entspricht der schriftlich eingereichten Forderung sämtlicher wirklichen Gewerkschaftsvertreter, die betont hätten, daß die Faschistenverbände Arbeiter und Unternehmer umfassen, während der Friedensvertrag ge- trennte Vertretung dieser getrennten Interessen vorschreibt. Der„Avanti" Verbote«! Rom. 8. Juli.(TU.) Auf Befehl des Innenministers ist die gestrige Ausgab« des„Avanti" von der Polizei beschlagnahmt war- den, weil das Blatt sich darin über die Botschaft des Königs an die Parlamente geäußert Hab«. Das Blatt hatte unt«r anderem das Fehlen des Wortes„Freiheit" bemängelt. Wegen B e> leidigung des Königs wird sich das Blatt mm auch noch vor dem Gericht zu verantworten hoben. Eine Ansprache Q»iüües in 5pon. Der Pariser„Ouotidien" bringt einen Bericht über ein« Per- sammlung der Bereinigung„Friede durch Recht", die am 89. Juni unter dem Vorsitz des Professors Charles R ich e t im Hotel de'.a Mutualite in L y o n stattfand. Dort hielt Professor O u i d d e unter dem lebhaften Beifall der Versammlung folgende Ansprach«: Deuffchland ist tatsächlich entwaffnet. Es ist möglich, daß die alliierte Kontrolle einige geheim« Verbände oder Wasfenlager aufdeckt, ober moderne Kriege erfordern anderes als solche Torheiten. Es ist sicher, daß diese angeblichen Rüstungen nur Kinderspiele sind. Der Sieg der extremen Parteien in den letzten deuffchen Wahlen ist in erster Linie durch die ungeschickten Gewaltmaßnah- m e n gegen Deuffchland verschuldet worden. Der französische natio- nale Block war der best« Verbündete der Alldeutschen und der Völ> tischen. Die Verfolgungen gegen mich können nicht der Berliner Regierung zligeschneieri werden: die gemze Sache ist von dem über- naklonalisttschckn Steatsauwalt in München ausgegangen, der sich aus solche» Versolg-mgen ein« lächerliche Spezialität gemacht hat. Die ganze militaristische deutsche Agitation kann für Frankreich keine Gefahr bedeuten. Sie ist in Wirklichkeit nur für die deuffch« Republik und für Deutschland ernst zu nehmen. Aus beiden Seiten der Grenze beuten die Ngtionalisten ibh« lieber- treibungen gegenseitig aus. Die Wahrheit ist, daß alle Arbeiter und die große Masse der deuffchen Beoötkerung für den Frieden sind. Der Mnisterpräsid nt Hernot hat eine aufreizende Politik durch eiue Politik der Entspannung und de» Vertrauens ab- Lastenverteilung. m Sachverständigengutachten. st euer haben die Sachverständigen als„außerordentlich niedrig" bezeichnet. Die Gewerkschafken ersuchen die Reichsregiernng um Aufklärung darüber, welche Maßnahmen lm besonderen nach dieser Richtung im Interesse einer gerechten Verteilung der Wieder- gulmachungslasten in Angriff genommen worden sind. Sie haben auch dos stärkste Interesse daran, zu erfahren, welche sousligen steuerlichen Maßnahmen auf dem Gebiete der indirekten Steuern vorbereitet werden. Die Splhenverbände halten eine Aussprache mit der Reichs- regierung für außerordeutllch dringend. Mächtige Inter- essenlenorganisattonen organisieren systematisch den Widerstand gegen die Slaatsnotwendigkelten und schrecken dabei. wie erst jüngst die Vertreter der Landwirtschaft, sogar vor Drohungen nicht zurück. Die Bestrebungen dieser kreise münden sämtlich in dem einen Wunsch, in Zukunft mögllchst von den Lasten. die Deutschland zu tragen hat, frei zu werden und sie«ms die Arbeit- nehmer abzuwälzen. Das steigert selbstverständlich die Erbitterung der Arbeitnehmer aufs höchste. Die vielen Millionen Arbeitnehmer, die in den Gewerkschaften vereinigt sind, lehnen ent- schieden die Auffassung ab, daß wachsende Entbehrungen und steigende Rot in den breiien Massen des Volkes eine zur Gesundung unenkbehrllche Roiwendigkeit seien. Die Unterzeichneten bitten die Reichsregiernng. tunlichst bald Tag und Stunde zu einer Aussprache mit Vertretern der unter- zeichneten gewerkschaftllchen Spihenverbände bestimmen zu wollen." gelöst. So hat beispielsweise die 86666 ausgewiesenen Familien erteilte Erlaubnis, in ihre besetzte Heimat zurückzukehren, die heil- samst« Entspannung hervorgebracht. Wir sind heute hin- sichtlich der Wiederaufnahme imd Entwicklung der ftanzösisch-deut- scheu Beziehen voll Bertrauen. Wir würden leicht eine Mehrheit in diesem Sinne in einer Volksabstimmung finden. Im Reichs- tag gibt es schon eine, um die Vorschriften des Sachverständigen- berichts loyal auszuführen. Roch vor Ablauf eines Jahres wird Deuffchland bedingungslos seine Zulassung in den Völkerbund beaa- tragen, um mit den anderen Völkern an einer Herrschast des Frie- dens und der Demokrat!« mitzuarbeiten. -.* Mit diesen ausgezeichneten Ausführungen hat sich der„Landes. Verräter" Ourdde größer« Verdienst« am deuffchen Volke erworben als alle diejenigen zusa»»ningen«nmen, die ihn beschimpf«,, ver- höhnen oder verfolgen. Wenn tausend rechtsstehende Politiker oder Zettungen versichern, daß die nationalistische Bewegung keine Gefahr für die Sicherheit Frankreichs bedeut«,, so wird k«n Mensch diese Versicherung ernst nehmen; wenn e i n Quidde dagegen das gleiche erklärt, dann wird ihm Glauben geschenkt. Notleiüenüe Landwirte. Mehr Ehrlichkeit, ihr Herren Landwirte! Die Landwirte versuchen seit Wochen und Monaten, der vessent- lichteit nachzuweisen, daß sie zugrunde gehen müssen, wenn nicht schnellstcnz die rettende Stastshand eingreife und sich ihrer Interessen annehme. Dgß dies« Versuche trotz oller Anerkennung der in der Landwirffchost bestehenden Notlage die vorsichtigste Beurteilung ver. dienen, beweist ein Vorgang, der setzt aus Mecklenburg bekannt wird. Hier wohnt in Damshagen bei Greoesmühlen ein Guts- besitzer namens H. v. Plessen. Dieser Herr v. Plessen richtete am 8. Januar 1924 an den Vorstand der Grevesmühler Molkerei- Genossenschaft in Schmachtenhagen ein Schreiben folgenden Wort- lautes: „Da ich nicht mehr in der Lage bin, meine Steuern aus dem lausenden zu zahlen, muß ich an die Substanz herangehen, jedoch sind lanrovirffchastiich« Maschinen und Ackergerät« unverkäuflich, Rindvieh und Pferde nur an den Schlachter abzusetzen. Da meine Pferd« noch nicht schlachtreif gefüttert find, müssen daher zuerst die Kühe dran glauben. Mein ganzer Rindoiehstapel wird hinreichen, um die Steuer bis Iohanni 1984 zu zahlen. Am 1. Juli 1924 wird also bei mir die letzte Kuh aus dem Stall gehen. Ich kündige daher der Molkerei-Genossenschaft zu Iohanni 1924 und gebe anhe,m, mich alsbald durch ein« Neuwahl lm Vorstand zu ersetzen. Mit ergebenster Hochachtung gez. H. v. Plessen." Nach diesem Schreiben des Herrn v. Plesse« stand also für ihn schon am 2. Januar fest, daß er gegen den 1. Juli nicht ein ein- ziges Stück Rindvieh mehr besitzen wird. Alles würde verschlungen sein, und Herr v. Plessen müßte Äs armer Mann durch die Well gehen. Wenn man solche„erschütternden Schilderungen" oernimmt, ist man erklärlicherweise doppelt daran interessiert, festzustellen, was sich denn nun in Wirklichkeit zuget'ragen hat. Die am 14. Juni vorgenommenen F e st st« l l u n g e n haben«rgeben, daß Hein: o. Plessen nicht mehr und nicht weniger als 168 Stück Hauptmilchkühe und 58 Stück Hauptjungoieh besitzt. Täglich werden 43 Katinen Milch mit 26 Liter zur Greves- mühler Molkerei-Genossenschaft befördert. Seit dem Januar d. I. sind im ganzen nürlüAusschußtühe verkauft worden. Ferner ist festgestellt worden, daß Herr v. Plessen am 14. Juni noch Vor. standsmitglied in der Grevesmühler Molkerei-Genossenschaft war. Roch Kenntnis der Sachlage kann mit Bestimmtheit erklärt werden, daß sich ähnliche Feststellungen auch bei vielen derjenigen Landwirte machen lassen, die wie Herr o. Plessen Verzweiflungsrufe ausstießen. Nehmen Sie es uns deshalb, werte Herren Landwirte, nicht übel, wenn wir nicht mtt deffelben Lungenkraft wie Sie in Ihte Trompete blasen. Der Landwirffchost soll und muß geholfen werden, das wünschen auch wir, die Gerechtigkeit oerlangt es aber, daß die Hilf« nur denjenigen zuteil wird� die sie auch wirklich benötigen. Im Reparationsausschuß für die deuffchen Industricobligallcmen ist der wegen Poincarismus zurückgetretene französische Vertreter Descamps durch Professor All ix ersetzt, der auch dem Dawes- Ausschuß angehört hat. Die Kieler Dahlen gülffg. ver Bezirksausschuß in Schleswig hat sich mit dem Beschluß der Kieler Stadwsrordnetenoersammlung, die Wahlen vom 4. Mai für ungüllig zu erklären, befaßt. Cr ver. warf die gegen das Wahlergebnis erhabenen Einsprüche und erklärte die Wahl für gülffg. Eupen-Malmedy. Die belgische Regierung hat beschlossen, dos bisherige besondere Statut von Eupen:ind Malmedy aufzuheben und dieses Gebiet vom 1. Januar 1925 an dem Arrondissement Berviers anzugliedern. Die Bewohner werden von diesem Tage an berechttgt sein, alle politischen Recht« der Belgier und besonders auch das Wahlrecht auszuüben. VewerWhofisbswegung Zünf Wochen Streik uuü Aussperrung. Zum Kamps in der herrenmäscheindustrie. Die letzten Mmiate waren«füllt van wirtschaftlichen Kämpfen, die die Oeffentlichkeit außerordentlich stark beschäftigten. Wir erin- Uern nur an die Kämpfe der Bergarbeiter, Metallarbeiter und Bau- arbeiter. All« diese Kämpfe fanden in der Leffentlichkeit und auch bei den Behörden eine Aufmerksamkeit, die man bei kleineren Kämpfen oermißt. Der Kampf m der cherrenwäscheindustrie tobt jetzt in der fünften Woche. Hier stellen dos Heer der Kämpfendan die A r b« i t e r i n n e n. Es dreht sich also um einen Kampf der weiblichen Arbeitskrast gegen die Ausbeutung ihres Menschentums. Die gesamte Bekleidungsindustrie, in der die weibliche Ar» bei ts kraft zu Haufe ist, war schon oft der Gegenstand der Oeffentlichkeit und das Schrifttum über diesen Industriezweig dürfte ganze Bibliotheken füllen. Di« Arbeitgeber haben bei jeder öffentlichen Diskussion in punkto Entlohnungsfrage schlecht abge- schnitten. Was hier in der Vorkriegszeit festgestellt wurde, war haarsträubend. Die Entlohnung ist wahrlich nicht in Einklang zu bringen mit der Pracht und Ausstattung der einzelnen Fabrikations- gebäude. Einen Zweig dieses Jndustriekreises stellt die Herren- wäschefabrikation dar. />i« steht der fabrikmäßige Betrieb im Vordergründe. Kämpfe in diesem Berufszweige haben sich wiederholt abgespielt. Verfolgt man die Chronik der Lohnkämpfe der Näherinnen und Plätterinnen, so findet inan, daß ausgangs der 9vcr Jahre die Plätteriniren zum ersten Male in den Streik traten um die Erhöhung ihrer Hungerlöhne. Die Oeffetitlichkeit interessierte sich ganz besonders für diesen Lohnkampf. Der erste Kampf in der Herrenwäscheindustrie in Berlin war im Jahr« 1305. Zum ersten Male führten hier die gesamten Beschäf- tigtcn dieses Fabrikationszweiges gemeinsam den Kampf, um ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen zu oerbessern. Der jetzige Kampf ist wohl der vierte. Die Arbeitgeber dieser Gruppe dürften wohl über schlechten Verdienst: nicht klagen können, denn die Aktien- gesellfchastea überwiegen hier. Daraus kann auch der Unkundige entnehmen, daß die Vcrdsenstmögkichkeit für die Arbeitgeber nicht die schlechteste sein dürfte. Ob die Aktionäre Privatpersonen oder Banken find, sicherlich versprechen sie sich eine gute Verzinsung, und diese ist hier wohl wahrlich gegeben. Brachte doch vor wenigen Togen noch ein« Zeitung die Notiz, daß sich ein Unternehmen der Helreilwäschebianche rühmen konnte, noch gar keinen Bankkredit in Anspruch genommen zu haben. Wie groß muß hier die Profitrate sein tn einer Zeit, in der die größten Unternehmungen über Geld- bzw. Kredilmangel klagen. Damit sind die Löhne keineswegs in Einklang zu bringen. Mehrere Fabriken unterhalten im Reiche noch Zweigbetriebe, die an Größe dem Mutterbetrieb nicht viel nach- stehen Ob die Gelder, die in diesen Betrieben stecken, nur durch die Arbeitskraft der Arbeitgeber oder durch deren kaufmännische Tüchugkeit erzielt worden find, möchten wir bezweifeln. Wieviel Not und Elend der Arbeiterinnen steckt nicht in dem Unternehmer- profit! Die Duldsamkeit der Arbeiterinnen ist ja nur zu gut be- kannt und wieviel Mißbrauch mit ihrer Arbeitskraft getrieben und durch zu niedrige Entlohnurrg ausgenutzt wird, dürfte ziemlich all- gemein bekannt sein., Di« Ursache des Kampfes ist ein Schiedsspruch des Schlichters, dem die Erklärung der allgemeinen Verbind- lichkeit des Reichsarbeitsministers versagt wurde. Das Reichsarbeitsministerium, das es mit der Verbindlich- Heits-Ertlärung anderer Schiedssprüche oft sehr eilig hatte, hätte hier' Gelegenheit gehabt, die wirtschaftlich Schwachen zu schützen, anstatt sie der Willkür der einzelnen Arbeitgeberoerbände preiszu- geben und ihnen den staatlichen Schutz zu versagen, den gerade sie am meisten benötigen. Wir wünschen den kämpfenden und ausgesperrten Arbeitennnen insbesondere einen vollen Erfolg, und mögen in Zukunft die amt- lichen Stellen bei ihrer Tätigkeit auf die Notlage der Arbeiterinnen mehr Rücksicht nehmen als bisher. * Arn Montag fand eine Versammlung der Streikenden und Ausgesperrken der Herrenwäschefabrikation statt, einberufen vonr Deutschen Beklcidungsarbeiterverband. Kollege" S a l e w s t y als Berichtsrftattsr schilderte die Situation, in der sich zurzeit die Kämpfenden befinden. Es gelingt den Arbeitgebern, Streikarbeit anfertigen zu lassen, wenn auch nur in geringem Umfange. Verrichtet wird dies« Streikarbeit von Zwischenmeistern und Heimarbeiterinnen, Es sei bedauerlich, daß rnsbesondere die Heimarbeiterinnen, die durchweg Arbeiterfrauen sind, so wenig Solidaritätsempfinden haben. Er fordert die Streikenden auf, sich jeder Mühe zu unterziehen, um die Heimarbeit«- rinnen in ihren Wohnungen aufzusuchen und zwar des Abends, wenn die Männer zu Hause sind, um dieselben zu veranlassen, kein« Skreikarbeil mehr zu verrichken. Dieser Weg ist schon vielfach mit Erfolg begangen worden. Die Z w r s ch e n m e i st e r, die uns schon sehr oft die Türen eingelaufen sind, müssen sich einmal sagen lassen, daß das Vor- trauen zu ihnen bestimmt nicht größer wird, wenn sie sich zur Streikbrecherarbeit hergeben. Es kommen in Frage: Die Nähstube des Zwischmmeisters S.ch u m a n n, Königsberger Str. 3, ferner der in unseren Kreisen sattsam bekannte Zwischonmeister Herr Sachs, Schulstraße S3, Ecke Exerzierstraße, desgleichen die Neuwäschereien Cohn u. Samuel, i. Fa. Helene Samuel, Schönhauser Alle« 164, M. u. E. Müller, Waßmannstraße 25-26. Weiter steht in Verdacht, Streikarbeit anzufertigen, die Neuwäscherei der Firma A. u. C. Steinhardt, Schlesssche Str. 29. Die Streikleitung wird alles in die Wege leiten, um auch diese Betriebe zum Stillstand zu bringen. Mögen sich dann die Inhaber dieser Nähstuben und Neuwäschcreien, die auch für Arbeitgebecfirmen arbeiten, die Nichtmitglicid des Arbeitgeberverbandes sind, hüten, unser Berbandsbureau aufzusuchen, wie es bei früheren Kämpfen geschah, um dann diese Firmen beliefern zu können. Bedauerlich ist, daß sich die K a r t o nnag e n f a b rk a n- te n, die die Firmen mit Kartons beliefern, veranlaßt fühlen, durch ihre Fuhrwerke Streikarbeit fortschaffen zu lassen. Der Referent appelliert hierbei an die Kutscher, die doch auch lcvcn Lohnkämpfe geführt haben, eine derartige Tätigkeit abzu- lehnen. Einzelne Arbeitgeber bzw. deren Angestellten, haben unter den Streikenden das Gerücht verbreitet, daß der Streik nur noch 14 Tage mähren könne, dann wären die Mittel des Deutschen Vekleidungsarbeiterverbandes erschöpft. Redner bezeichnet dies« Ausführung als plumpen Schwindel. Di« Mittel unserer Organisation reichen viel weiter, als viel- leicht die Betriebsmittel einzelner Arbeitgeber. Die Arbeitgeber. organifation hat eben auf die finanzielle Schwäche unserer Organi- sation gebaut. Doch sie dürfte darin wohl schon schwer«nttäuscht sein. Bei weiterer Fortdauer des Kampfes dürft« die finanziell« Stärke unseres Verbandes dem"Arbeitgeberverband noch manche Enttäuschung bereiten. Die Arbeitgeber versuchen, mit allen ihnen zu Gebots stehenden Schlichen Streikarbeit unterzubringen, aber die Arbeitnehmerschaft wird nicht müde, dem nachzuspüren, worin sie bisher noch stets Erfolg hatte. Der Kampf, der ihr hier aufge- zwungen wurde, müsse mit aller Energie fmtgesetzt werden. Die Parolen, die man bewußt in die Kreise der Streikenden und Aus- gesperrten hineinlanciert, werden unbeachtet bleiben, sobald diese daran denken, daß dies darum geschieht, um de» Mut der Kämpfen- den zu brechen. In der Diskussion, die äußerst rege und doch von großer Sachlichkeit getragen war, sprachen alle, die sich hieran beteiligt«?, dahin aus, daß sie die Maßnahmen der Organistwnsleitung gut- heißen. Kollege Salewsky teilte sodann mit, daß der Vorsitzende des Schlichtungsausschusies, Herr Gewerberat Dr. Körner, die Pai- teien zu einer unverbindlichen Aussprache zum 28..Juni geladen hatte. Die Arbeitgeber haben eine halbe Stunks vor Beginn ton Vorsitzenden wissen lassen, daß sie verhindert seien zu erscheinen. SOlan kann daraus«sehen, daß die vielen Redensarten einzeln« Arbeitgeber wertlos sind, denn die Einstellung des Arbeit- geberoerbandes spricht ein« andere Sprache. Di« Parteien wurden erneut zu einer Sitzung am Donnerstag, den 3. Juli, geladen. Die Versammlung fand damit ihren Abschluß, daß die Streiken- den und Ausgesperrten der Organisationsleitung nach wie vor thr Vertrauen schenken. Nachträglich wurde noch gemeldet, daß die Knopfloch- N ä h st u b e der Zwischenmeisterin Frau Schulz, Oderberger Str. 10 und ein Zwilchenmcistei betrieb Memeler Str. 59 v. l, gleich- falls Streikarbeit verrichten, ebenso der Zwischenmelster H a s e n a u, Immanuelkirchstraße 3-4. Gehaltsfragen im Einzelhandel. Eine Mitgliederversammlung des ZdA., Fachgruppe Einzek» Handel, beschäftigte sich am Dienstagabend mit den Gehallsver- Handlungen. Die Arbeitgeber ließen sich nicht bewegen, etwatgen Gehaltsaufbesserungen zuzustimmen. Es verbleibt daher auch im Monat Juni bei den gleichen Staffelungen wie im Mai. In der Aussprach« bemängelte man die schiefe Auslegung des Manteltarises durch die Arbeitgeber. Ferner wurde auf die Lehrlingsvcrfamnrlung des ZdA. ani Donnerstag hingewiesen, die sich mit den F e r i e n f r a g e n beschäftigen wird. Einzelne Firmen sind drauf und dran, den Jugendlichen den Urlaub zu entziehen. Gegen die Stillegung von Ruhrzechen. Bochum, 2. Juli.(Eig. Drahtb.) In einer besonderen Eingabe haben die-den Bergarbeiteronbänden angehörenden Mitglieder' des Reichskohlenrates die unmittelbare Nachprüfung der Wirtschaftlichkeit der schon stillgelegten bzw. von der Stillegung bedrohten Ruhr- zechen durch den Reichskohlenrat beantragt. In seiner Anwort vom 30. Juni weist d« Reichskohlenrat darauf hin, daß unter dem Ein- fluß des preußischen Landtages der Handelsminister angeordnet habe, die Frage, welch« Umstände im Augenblick die im Ruhrbergbau zu beobachtenden Betriebseinschränkungen und Stillegungen bedingen und auf welchem Wege die dadurch für die Allgemeinheit drohenden Nachteile nach Möglichkeit gemildert werden können, ein« ein- gehenden, mit Beschleunigung vorzunehmenden Prüfung durch die in erster Reihe zuständigen Behörden, Oberbergrat und Regierungspräsidenten, unterziehen zu lassen. Bei dieser Untersuchung würde ein Vertreter der Arbeiterorganisationen beteiligt sein. Unter diesen Umständen hat es der Reichskohlenrat für geboten«achtet, dem preußischen Handelsministerium und dem Oberbergrat Kenntnis zu geben von der Eingabe des Bergarbeiteroerbandes, um auf diese Weise zu erreichen, daß zu d« Prüfung der Verhältnisse zugleich auch Vertreter der dem /Bergarbeiterverbande angehörenden Mit- glied« des Reichstohlenrats hinzugezogen werden, damit ihnen Gelegenheit geboten wird, unter Vermeidung von mehreren neben- einander herlaufenden Untersuchungen über ein und denselben Fragenkomplex die mit der Eingabe verfolgten Gesichtspunkte zu beobachten. Bon dem Ergebnis d« Prüfung der Verhältnisse und der weitnen Entwicklung der Dinge- dürfte es abhängen, ob und inwieweit der Reichskohlenrat selbst Veranlassung haben wird, in der Sache mit weiteren Schritten in seinem Aufgabenbereich vor- zugeben._ Das Personal der Lüiticher Skraßenbechn ist in den Streik getreten, da die Bestimmungen über den auf ein bestimmtes Datum festgelegten freien Tag von der Direktion der Straßenbahn ge- ändert worden sind. Die Zahl der Vollerwerbslosen in England beträgt nach Mit- teilungen des Arbeitsministeriums gegenwärtig 1 013 000. - tag, den 4. Juli, abends 7Vä ilhr. im Gewerkschaft-Hans. Gngclufcr 24 25. 1. Bortraq über künftige Steuern. 2. Diskussion. 3. Tarif» und Arbeit?- nachweisfragen.— gahlreiches Erschein cn wird erwartet. Ohne Mit.|| glied sbnch kein gutritt. Die Lrtsoerwaltnng. Buchdrucker. Der ffraktiansvorsiand trifft sich eine Howe Stunde vor Beginn der Generalversammlung im kleinen Saal neben dem Lerfammlungs- räum.— Wichtige Borbesprechung. Der Fraftionsvorstand. Butab. istuhgrupve Baugewerbe. Mitgliederversammlung heute abend VA Uhr in den Sophiensiilen. Siingersaal. Eophrenstr. 17/18. AsA-Ortslartell Berlin. Heut« abend bli Uhr im Landtag, Saal is, Bor- ftändckonferenz. Ausschußmitglieder' müssen auch erscheinen. Bortrag von Prof. Hirsch über„Das Sachverständigengutachten". Versandte Einladungen legitimieren. Ientralveeband dee Maschinisten und Heizer, Geschäftsstelle Grosi-Berlin. Am Freitag, den 4. Juli, abends b Ilhr, im Saal I des Gewerkschastzliaufcs allgemeine Funktionärverfammlnng. 1. Unsere Lohn- bewegung. 2. Berbondstagswahl. 3. Berfchi ebenes. Wir bitten alle dicnsi- freien Aollogen, pünktlich zu dieser Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwallung. Achtung, Siemen»». Salske Blockwerk! Am Freitag, den 4. Juli, nach. mittags 4i4 Uhr. findet im Lokal von Sundheim. Siomenssiadt,«ine wichtiao Sihung sämtlicher SPD.»Arbeiter und-Angestellten statt, gahlreiches und pünktliches Erscheinen aller erwartet Der Fraktiousvorstand. Verantwortlich für Politik! Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friede. Etzkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fritz tlarftSdt; Anzeigen: Zh. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Porwärts-Buchdruckerei und Lerlaosanswlt Paul Singer u. Co.. Berlin SV. b8, Lindenstrasie 3. «ier,»»wci Beilege» und lluterhaltuugsbcilage„Heimwelt". ■O&rrv I.-Zi. äuJCZ JVirkbJaren Damen- Strümpfe Baumwolle. mit Doppeloohle, achwarz, 4"! grau, lecker..............%/•• vi Herren-Soeben Baum- n»ye wolle, mit Doppelsohle, färb- v#/ O Damen-Unterhemden ri ßC elastitch, gestrickt, 70cm.• Kunstseid. 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Es hat sich in diesen Tagen etwas Unerhörtes ereignet, etwas, was unserem Jahrhundert geradezu ins Gesicht schlägt, etwas, was mich im Innersten erschüttert hat und hoffentlich auch als Berliner Charakteristikum einzig dastehen dürfte.— Eine alltägliche Geschichte im Grunde.— Ein junges Weib ist in den Landwehrkanal gegangen: — das sieht man oft in Berlin und doch, wie es sich und was sich dabei abgespielt hat, das ist das Empörende an dieser so alltäglichen Geschichte. Am 26. dieser Woche verlasse ich um S Uhr meine Arbeitsstätte, atme auf, fteue mich des blauen Himmels, der dichtbelaubten Bäume und trete zufrieden meinen Heimweg an. Da sehe ich plötz- lich am Gitter des Landwehrkanals, in der Mhe der Hochbahnstation Möckernbrücke, einen Menschenhaufen. Drüben auf der anderen Seit« tauchten im Wasser ein Mädchenkopf und zwei Hände, auf, die sich an der Oberfläche des Wassers pendelnd bewegen,— man sieht deutlich, es ist noch Leben in dem Körper. Das Nächste, was ich zu sehen erwarte, ist, daß irgend etwas getan wird, die Ertrinkende zu retten, — aber— nichts davon. Hüben wie drüben stehen gaffende Men« schen, weder aufgeregt noch teilnehmend schauen sie ins Wasser, so etwa, wie man einer Varietenummer zusieht. Währenddem treibt die erschöpfte Sebstmörderin langsam sinkend weiter. Dicht am Ufer in ihrer Nähe steht ein junger Mensch mit einem Bündel Latten: ich schreie hinüber: man möge doch damit etwas versuchen. Nun reckt er sie halb der Treibenden entgegen, zieht sie ober gleich zurück, als wären sie zu schade. So verstreichen unersetzliche kostbare Mi- nuten und dos kraftlos« Weib sinkt langsam in die Tief«. Ich bin durch den unglaublichen Vorgang aufs Aeußerste erregt und schrei« in die Leute hinein„Ist denn kein einziger Schwimmer unter euch allen?!"— Aber nichts regt sich. Da sehe ich einen jungen Menschen schweißtriefend zur Möckernbrücke laufen, den Rettungskahn zu holen. Der ist aber nun nicht an seiner gewohnten Stelle, ebenso ist kein Rettungsring aufzutreiben. Unterdessen ist das Weib untergegangen vor den Augen der zahlreichen Zuschauer, man sieht noch die Blasen im Wasser aufsteigen. Leider Gottes bin ich noch immer Nicht» schwimmer, so stehe auch ich machtlos dabei unter dem tiefen Ein- druck dieser Tragödie. Als endlich ein Kahn zur Stelle war, konnte man das junge Weib nur noch als Leiche bergen und der herbei- gerufenen Feuerwehr übergeben. Dabei erlebte ich noch, daß einige die Stirn fanden, angesichts der blaffen Frauonleiche schmutzige und unflätig« Witze zu reißen, die dröhnend belacht wurden.— Peinlich empfand ich in diesem Augenblick die Würdelosigkeit dieser Mit- menschen. Wie in jedem anderen Neugierigenhaufen waren auch hier besonders Superkluge zugegen, die mit ihren kuriosen Weis- Helten nicht hinter dem Berge hielten. So versichert« u. a. einer ernsthaft, daß einen: Selbstmörder Prügel gehörten: ein anderer ver- sicherte philosophisch:„Einem, der absichtlich ins Wasser springt. springe ich nicht nach, der hat es so haben wollen". Im Handum» drehen schwirren tausend Gründe und Erklärungen zum Selbstmord umher und man kennt die Verhältnisse der Toten wie ihr bester Nachbar. Dem allen habe ich niedergeschlagen den Rücken gewandt und bin ins helle Grün des Kreuzbergs gegangen, immer mit dem Ge- danken beschäftigt:„Du hast einen Menschen ertrinken sehen und vermochtest ihm nicht beizuspringen!" Wenn man noch Hofsnungen und Forderungen an Welt und Menschen hat, wirken solch« Szenen erdrückend in dieser grauen Zeit.... Eine mutige Tat. Am letzten Sonntag nachmittag durchquerte ein etwa 2l)jähriger Mann bei Tegelort den Tegeler See. Als er zum zweit« Mal« die Strecke durchschwimmen wollte, wurde er allem Anschein nach von Lungenbluten befallen. Zahlreich« Personen, die unweit von ihm badeten, wagten nicht, dem Versinkenden zu Hilfe zu eilen. Da sprang im letzten Augenblick ohne Besinnen der 38 Jahre alte Ma- schinenbauer Maximilian Rummel aus der Borsigstraße 4, der sich in Begleitung von Frau und Kindern auf einem Spazier- gang befand, in voller Kleidung ins Wasser, packte den bereits völlig Erschöpften und brachte ihn ans Ufer. Rummel hat bereits früher drei Menschen das Leben gerettet. Er ist augenblick- lich arbeitslos und hat mit Krankheit in der Familie zu kämpfen. Vielleicht ist der von ihm Gerettete in der Lage, feinen Retter eben- falls behilflich zu fein und so in praktischer Weise seinen Dank ab- zustatten._ Hroßfeuer in Moabit. Dichter Qualm zog sich gestern abend nach 10 Uhr über ganz Moabit bis nach Plötzensee hinauf. Weithin war am Himmel«in großer Feuerschein zu sehen, der von einem Großfeuer herrührte, das in dem Hause Lehrter Str. 6 neben der Strafanstalt Moabit ausgekommen war und 40 Mietparteien bedrohte. Die Feuerwehr, die unter der persönliche� Leitung des Oberbranddirektors G e m p p ausgerückt war, hatte einen schweren Stand gegenüber der Aus- dehnung dieses Feuers. Di« Löschzüge g, 13, IS, 21 und 28 waren als di« ersten an der Unglücksstelle eingetroffen. Schupo sperrte mit großer Mühe di« von einer ungeheuren Menschen» meng« umlagerte Brandstätte ab. Sanitäter mit auseichen- den Hilfsmitteln waren alsbald zur Stell«. Mt vier Motor- spritzen und aus mehreren H'ydranten wurde der erste Angriff auf das Feuer eröffnet, das bei Redaktionsschluß noch nicht gelöscht war und besten Ursache bisher auch noch nicht bekannt ist. Das Feuer ergriff auch die neben dem erwähnten Hause liegende Pferdehandlung von S. N e u b e r g, doch gelang es die gefährdeten Tiere noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Zu einem gefährlichen Brande wurde gestern abend dl« Wilmers- dorfer Feuerwehr nach der Rudolstädter Straß« gerufen, wo zwischen den Ringbahnhöfen Schmargendorf und Hohenzollern- dämm die Schwellen der Eisenbahn in Flammen standen. Erst nach eirtstündiger Arbeit gelang e» das Feuer zu löschen. Der fibbao Oer kommunalen Milchversorgung.! Seit langer Zeit haben die bürgerlichen Fraktionen«inen Dringlichkeitsantrag auf Aufhebung der kommunalen Milch- Versorgung. Auflösung des Milchamtes und Verkauf des Milchwirtschaftsbetriebes gestellt. Dieser Antrag ist der Gipfel der bei den Bürgerlichen in wirtschaftlichen Dingen üblichen G e- wissenlosi gleit. � Ehe er noch im Rathaus zur Erledigung kam, wurden die Wünsche der Wucherinteressenten durch den Reichs- «rnährungsminister befriedigt Die Anfang Juni erlassene neue Reichsmilchverordnung hebt alle Befugnisse der Gemeinden auf und beschränkt ihre Dollmacht allein auf das Recht der Konzessionierung des Milchhandels. Die Stadt Berlin hat in langen Verhandlungen mit dem preußischen Lan dwirtschastsministe r und mit dem Reichs- ernährungsminister versucht, einen Weg zu finden, um in irgend- einer Form den Bedürftristen der städtischen Bevölkerung gerecht zu werden. Es hat sich herausgestellt, daß das auf der neuen Rechtsgrundlage nicht möglich ist. so daß der Stadt nichts anderes übrig bleibt, als den Milchhandel spätestens am 16. Juli voll- ständig frerzugeben. Damit wäre«in Herzenswunsch der bürgerlichen Parteien erfüllt und man könnt« annehmen, daß sie mit diesem Zustand zuftieden waren. In der Ernährungsdeputation mußte man sich freilich eines anderen überzeugen. Dort stellte sich bei der Beratung über die nun zu treffenden Maßnahmen zu unserer großen Ueberroschung heraus, daß eigentlich mit Ausnahme des Interessenvertreters der Wirtschaftspartei alle Mitglieder, auch die Bürgerlichen, zugeben mußten, daß diese Raditalkur für die Milchoers orgung Berlins katastrophal werden kann. Es besteht jetzt kein« Möglichkeit mehr«ine zwangsweise meiereimäßige Behandlung der Milch vorzunehmen. Der Vertreter des Städtischen Gesund- heitsamtes mußte aber fcststellen, daß von der noch Berlin ein- geführten Milch(zirka 800 000 Liter täglich) heute mindestens zwei Drittel gesundheitlich nicht einwandfrei ist und ohne Behandlung dem Konsum nicht zugeführt werden dürfte. Di« poli- zeilich e M il ch t o n t r o l l e. di« von 6(sechs) Polizeibeamten fiür Groß-Berlin ausgeführt wind, ist selbstverständlich gar kein Ersatz dafür, daß die unbedinsst notwendige Bearbeitung der Milch wegfällt oder wenigstens mcht mehr durch städtische Kontrolle garantiert werden kann. Wir werden also in Berlin sehr bald di« gefährlichsten Auswirkungen für di« Gesundheit der Berliner Kinder zu verzeichnen haben. Das war di« allgemein« Ueberzeugung aller Mitglieder der Ernährungsdeputation. Zu diesen schweren Bedenken in gesundheitlicher Beziehung kommt die allgemeine Ueberzeugung, daß di« Milchoerteilung über Groß-Berlin sofort ungleich- mäßig werden muß und daß die Preisentwicklung durch diese Ungleichmäßigkeit und durch das von den Milchhändlern offen an» gestrebte Lieferungsmonopol aufs schwerste beeinträchtigt werden muß. Die Folge der Überzeugenden Darlegungen des Dezernenten. Genossen Wutzky, und unserer Vertreter in der Deputation war es, daß ein Antrag angenommen wurde, noch einmal bei den Staatsbehördein vorstellig zu werden und für Berlin die Einräumung besonderer Befugnisse für die Kommune zu verlangen. Selbst der Vertteter des Milchhandels saß ziemlich kleinlaut dabei und wagte nicht mehr zu widersprechen. Die sozialdemokratische Auffassung ist in diesem Falle eben durch die Tatsachen so fest begründet, daß die schönsten Agitations- antrage der bürgerlichen Parteien sie nicht über den Haufen werfen können. Hoffentlich gelingt:s unserem Drängen, die Freigab« des Milchhandels zu verhindern und ein« andere Regelung zu finden. die der Bevölkerung Garantie dafür gibt, daß die Milch in ihrer Qualität gut bleibt und die Verteilung über Berlin wie bisher gleichmäßig«rfolgt puttkamers kusinchen. „Aristokratin sucht gegen Sicherheit Darlehen." Ein umfangreicher Betrugsprozeß beschäftigt das erweiterte Schöffengericht Charlottenburg. Weniger interessant als die Anklage, die 20 Betrugsfälle umfaßt, sind die Persönlichkeiten der Ange- klagten. Die Hauptangetlagte, Frau v. Germar, hat in der Oeffentlichkeit schon vor Jahren von sich reden gemacht. Sie war anfangs des Jahrhunderts in den Koionial-Skandal- prozeß des Gouverneurs von Kamerun, Iesko von Puttkamer, verwickelt. Dieser hatte sie, obwohl sie nur seine Geliebte war, in den Kolonien eingeführt als seine„Kusine", Frei- frau von Eckardtstein. Damals sang der verstorbene Giam- pietro das in ganz Deuffchland bekannt gewordene Lied:„Will st du mein Kusinchen sein?" Frau von Germar ist eine geboren« Maria Ecke und war als die Tochter eines Gutsoerwalters in Quedlinburg geboren. Heut« ist sie eine kränkliche alte Frau von S1 Jahren. Einst war sie ein« blendend« gefeierte Schönheit. Nach ihrem Kolonialabenteuer trat sie in Beziehungen zu dem inzwischen verstorbenen Polizei- Präsidenten von Wiesbaden v. Schütte. Auf Beran» lastung des Herrn v. Schütte, der Frau v. Germar heiraten wollte, verschaffte sich Maria Ecke durch«ine Namensheirat den Adels- titel und wurde so Frau von Germar. Die Trauung fand in London statt. Es war nur«ine Scheinehe, deren Zweck war, der Ehefrau den Adelstitel zu verschaffen und ihre uneheliche Tochter zu legiti- mieren. Dafür erhielt der glückliche Gatte eine Abfindung von 50 000 M. Im Jahre 1005 jernte die Angeklagte den damaligen Regierungsrat im Patentamt Dr. Wiener kennen und trat zu ihm in nähere Beziehungen. Herr v. Schütte befand sich auf einer Weltreise, und als er zurückkam, löste er die Beziehungen, setzt« aber seiner ehemaligen Geliebten eine ansehnliche Mo- natsrente aus und soll ihr auch ein Kapital von 2 5 0000 M. sichergestellt haben. Ueber dieses Kapitel schwebt ein myste- riöses Dunkel. Es war jedenfalls beim Tode des Herrn v. Schütte im Testament davon nichts vermerkt, dagegen hat aber die Ange- klagte mit dieser vorgeblichen Erbschaft jahrelang operiert und es bildete dieser Punkt die Grundlage für eine Reihe der unter An- klage stehenden Betrugsprozess«. Durch die Bekanntschaft mit Dr. Wiener kam die Angeklagte in die Kreise der Spieler. Dr. Wie- ner, der aus einer angesehenen Juristenfamilie stammt, war zuerst Assessor bei der Staatsanwaltschaft, dann Regierungsrat beim Reichs- Patentamt, während des Krieges war er KrUgsgerichtsrat und wurde dann Rechtsanwalt. Er war völlig dem Spiel verfallen. Gemeinsam mit Frau v. Germar unternahm er Reisen nach Monte Carlo und war ständig in Spielklubs, so daß er bald das ansehn- liche väterliche Erb« verbraucht hatte und auch mit seinen Einkünften aus der Rechtsanwaltspraxis nicht auskam. Er war auch an der Gründung von Spielklubs betejligt. Er geriet immer m«hr in Vermögensverfall und mußte auch den Offenbarungseid leisten. Frau v. Germar war inzwischen auch immer mehr in Ver- mögensverfall geraten und erließ in Zeitungen Inserate folgenden Inhalts:„Aristokratin sucht gegen Sicherheit Dar- l e h e n." Es meldeten sich bei ihr in großer Zahl Geldverleihcr, denen sie ihre große, elegant eingerichtete Wohnung verpfändete, dabei aber verschwieg, daß sie nicht mehr freies Berfllgungsrecht ükxr die Wohnung hatte.— Wiener wird beschuldigt, bei dieser Transaktion die Gläubiger hingel)alten zu haben. Es wurde dabei auch mit falschen«idesstattlichen Versicherungen gearbeitet. Sanitäts- rat Dr. L e p p m a n n und Geh. Rat Dr. Straßmann bezeich- neten di« Angeklagte v. Germar als eine Psychopathin mit hoste- rischen Zügen, die den festen Boden unter den Füßen verloren hat. Die Venus von Syrakus. von Clara Rahka. L!via hatte gar keine Zeit zu fragen oder irgend etwas zu erwidern, man stopfte ihre Höhle zu ihren Füßen fest zu. Doch es war ihr, als hatte jemand zuvor diese Füße tzeküßt._, Es war Renzo, der in diesem Augenblick des Abschiedes nur jene Venus sah, die über das Meer hinwegblickte, wäh- rend die eine Hand das hinabgleitende, vom Winde gebauschte Gewand zusammen hielt und die andere— Colinas Hand!— die feine Brust halb bedeckte. Wie dankbar, dankbar war er dieser Livia!— Der Wagen schnitt in das taufrische, weiche Gras ein. Man fuhr durch den Limonenhain auf die Straße. Gemächlich, auf geradem Wege, fuhr Ercole dahin. Er vermied keine Ortschaft, keine Osteria.„Diese Sache gelingt oder sie gelingt nicht," dachte er, und der größte Philosoph hätte ihm nichts Richtigeres sagen können. lind da Gott bei dem Mutigen ist, brachte Ercole es so- gar fertig, eine ganze Weile vor einer Osteria zu halten und eine Flasche Wein mit einem jeder Maulhelden zu stinken, die die Prinzessin schon fangen wollten, es sei denn, der Liebste hätte sie auf ein Schiff gebracht. Livia lag still da, wie eine Heilige in den Katakomben. Sie hatte sogar die Hände auf der Brust gefaltet, denn sie betete angstvoll für ihren Sisto. Aus den Worten der Männer, die zusammenhanglos in ihr Versteck fielen, entnahm sie erneut, daß Gefahr drohte, und mehr als für sich selbst sorgte sie sich um den Geliebten. Ganz sachte setzte sich der Wagen wieder in Vewegung, und dann ging es unbehindert über eine recht holperige Straße. Wer weiß, vielleicht wirklich zu einem Hafen, auf ein Schiff! Wie aber staunte Livia, als der Wagen auf weichem Boden hielt und der Sack vor ihren Füßen fortgenommen wurde! Bleiches. Ungewisses Licht stand vor der kleinen Oeffnung. aus der sie herauskroch, kein Laut war zu vernehmen, und als ihre Augen das Bild auffingen, das durch silbrig« Oelzweige auf einem Himmel stand, der noch farblos im Halbschlaf däm- werte, erblickte sie das massige, drohende Schloß des Prinzen Iacopo di San Eataldo. Entsetzt wandte sie sich zu Ercole hin. „Meine Dame," sagte er und zog seinen Hut bis zur Erde,„ich handle auf Befehl � doch nicht auf Befehl des Mannes, der dort in jenem Haufe wohnt." Damit sprang er auch schon auf seinen Eselwagen und fuhr davon. Fassungslos starrte Livia ihm nach. Ein zarter, kühler Atem sstich über das Land, goldener Schein verklärte die Wolkenränder. Hier und da das spielende Gezwitscher er- wachender Vögel. So war also alles fehlgeschlagen. Langsam, zu Tode er- schöpft, ganz gedankenlos ging Livia auf das Tor zu, durch das sie so hoffnungssreudig in den Olivenhain geschritten war— in Freiheit und Liebe, wie sie glaubte. Fast eine Handbreit stand das Tor auf. Weshalb auch nicht? Wenn der Vogel fortgeflogen war, brauchte man den Käfig nicht mehr zu schließen. Sie ging in den Park hinein, der weit und kühl unter der Majestät seiner Pinien und Zypressen ruhte, noch nicht erweckt durch das junge Licht. Sie setzte sich auf eine Steinbank und versuchte zu denken. Da fielen ihr Sabinas Worte ein.„Nichts von einem Briefe sagen— ich bin geraubt worden, geraubt!" Ihr Körper straffte sich. Hatte Bianca sie nicht verraten, so war nichts verloren. Jetzt galt es. mutig zu sein.— Sie wanderte im Garten umher wie damals, am Abend ihrer Flucht, ganz so, als hätte sie diese geraden Wege nie- mals verlassen. Nach einer Weile hörte sie Leben im Schlosse und dann Poltern und Rufen. Gewiß zog man die Pferde heraus. Sollten sie doch nach allen Windrichtungen auseinander galoppieren: sie wandelte hier und wartete. Es konnte gar nicht lange dauern, bis der Gärtner mit seinen schleppenden Füßen den Hauptweg hinabkam. Nein, auf Sisto durfte kein Schatten fallen, mochte ge- schehen was wollte, sie stand dafür ein, daß ihr Sisto nichts von alledem gewußt hatte. Und während sie hin und her ging und sann, aus allem Jungen und Frischen um sie her Kraft schöpfend, blickte oben im Schlosse ein Gesicht durch Vorhangfalten, das verzerrt war von giftigem Staunen. So alt waren des Prinzen Augen denn doch nicht, sie sahen ganz deutlich, daß die Prinzessin im hellen Morgenlicht in seinem Parke spazieren ging, als sei nichts geschehen. Sein Herz bäumte sich auf vor Wut: am liebsten wäre er wie ein Panther auf Livia losgesprungen, die da so gelassen in den Wegen des Parkes einherschritt, hin und wieder sogar einen Zweig hinabbog und ihn froh genießend betrachtete. Es wurde ihr auch immer leichter ums Herz. Was war denn schließlich geschehen und was konnte kommen? Livia hatte kein angstvolles Gemüt, und so ruhte sie vorläufig in dem Gedanken, die treue Bianca hätte sie ganz gewiß nicht verraten. Und wenn diese Voraussetzung stimmte, so mußte sie sich nur recht fest an den Rat der hübschen, schüchternen Sabina halten, die wirklich ein kluges Köpfchen hatte. Sie war also geraubt worden! Kaum, daß sie einige Schritte aus dem offenstehenden Tor hinausgegangen war. Geraubt! Das verdiente tiefftes Bedauern. Entrüstung, ge- wiß, auch das! Wer aber konnte mit Recht entrüsteter sein als sie selbst? Ja, so, so mußte sie es anfassen. Und Sisto sollten sie suchen! Er würde sich nicht fangen lassen. Sie hatte ihn, bei Gott, nicht gesehen— leider. Wer wollte ihm oder ihr beweisen, daß sie im Einvernehmen gestanden hatten. Der Brief war verbrannt. Nur Bianca, allerdings Bianca—! Als sie noch so hin und her sann, kam der Principe wie ein zerzauster Papagei die große Allee entlang geflattert. Warum schickt er nicht seine Schwester Beatrice? dachte Liria kühl. Vor einem Menschen, der so überaus komisch wirkte, konnte sie sich nicht fürchten. Was hatte der alte Prinz nur um seine Gebeine gehängt! Offenbar alles, was ihm just in die Hände geraten war. Die hochrote Damastdecke um das gewiß etwas mangelhaft be- kleidete Untergestell machte ihn noch längst nicht zu einem Toreador. Livia konnte nicht anders: sie lächelte ein wenig. Dann aber besann sie sich auf die Entrüstung, und es war ihr lieb, daß der Prinz Iacopo nicht gerade sehr scharf sah. Als er nach Atem schnappend vor ihr stand, hatte ihr sonst streng verschlossenes Antlitz einen Ausdruck von Em, pörung. (Fortsetzung fofgij.i. Durch ihr Leb«n in den Tropen hat sie die Grundlage zu ihrer tränt haften Veranlagung gelegt. Staatsanwaltlckastsrat Dr. S t o e ck e r t hielt dies» Umstände der Angeklagten strafmildernd zugute. Sie sei ober eine gewerbs� rnäßige Kreditschwindlerin geworden, die Urkundenfälschungen, ooll� endeten und versuchten Betrug in etwa 90 Fällen verübt habe.. Diese Taten seien jedoch als eine einheitliche Handlung zu betrachten und er beantragte gegen Frau v/ Germar 2 Jahr« 1 Monat Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Bei Dr. Wiener hielt der Staatsanwalt für besonder, erschwerend, daß er das Vertrauen seiner Klienten mißbraucht habe und dadurch das Vertrauen zur Rechtspflege untergraben habe. Wenn ihm auch ebenfalls mildernde Umstände zugebilligt werden müßten, so erheisch« seine Handlungsweise im Staatsinteresse strengste Bestrafung. Er beantragte gegen Dr. Wiener wegen oersuchten und vollendeten Betruges und Beihilfe dazu, sowie wegen Untreue eine Gefängnis- strafe von 2 Iahren 3 Monaten Gefängnis. Gegen beide Angeklagten wurden weiterhin je S Jahr« Ehrverlust beantragt. Sodann suchte R.-A. Dr. Fragstein als Verteidiger der Frau v. Germar deren Handlungsweise in längeren Ausführungen mil- dernd darzustellen. Der Prozeß wurde auf heute vertagt. Veber-Nobine und Genossen. Die Hochschule in der Kaschemme. Vor dem großen Schöffengericht Eharlottenburg unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Brennhausen begann gestern ein mehrtägiger Betrugsprozeh, in dessen Mittelpunkt der vielgenannte Schriftsteller Weber-Robine steht. Die Anklage steht im Zu- sammenhang mit den okkultistischen und spiritistischen Gründungen des Angeklagten. Weber-Robine nannte sich jahrelang Professor. Kürzlich ist ihm jedoch die Berechtigung zur Führung des Professor- titels durch ein Urteil der Strafkammer des Landgerichts III ab- gesprochen worden. Weber-Robine gibt an, daß er schon 1908 mit den Kreisen der Spiritisten in Verbindung getteten sei. Damals wirkte in Berlin das bekannte Blumenmedium Anna Roth«, deren Be- trugsprozeß noch in der Erinnerung fein wird. Im Jahre 1917 gründete Weber-Robine eine Genossenschaft„Das grüne Kreuz", die bald darauf in eine„H i l f s f ö rd e r u n g für Kriegs invaliden G. m. b. H." umgewandelt wurde. Es sollte das eine Bersorgungsgesellschaft sein. Aus dieser Gründung ging dann der„Orden der Okkultisten" hervor. Der Angeklagte gibt dazu an, daß dieser Orden der allgemeinen Aufklärung dienen sollte. Er fußte auf die irtbifche Boga- Lehre. Es sollte in den Menschen ein gemeinsames Denken erweckt werden, damit sie nicht mehr materialistisch, sondern idealistisch sich einstellen. In Der- bindung mit dem Orden der Okkultisten wurde ein Archiv für Okkultismus und ein psychometrisches Institut ge» gründet. Der Orden hatte etwa 14 000 Mitglieder: die Bewegung kam zur Auflösung, als am 25. Dezember 1921 ein« Anhänge- rin von Weber-Robine Selbstmord verübte. Es setzte damals ein Preßfeldzug gegen den Angeklagten ein und dieser gründete dann eine„Gemeinschaft für Geisteskultur". Schon der Orden-der Okkultisten hatte sich mit der Stellung von Horoskopen beschäftigt. Weber-Robine behauptete, daß er die Mitglieder immer gewarnt habe, auf die Horoskope und die Astrologie unbedingt zu bauen. Wenn auch diese Gesellschaft in der Lage sei, wichtige Auf- schlüsse über Charakteranlag« und Krankheitszustände mit einer Sicherheit von 80 Proz. zu geben, so sei doch Tatsache, daß es in Berlin eine ganze Reihe von Aerzten gäbe, die heute ihre Dia- gnofe, wenn weiter nichts helfe, auf das Horoskop einstellen. Der »weit« Angeklagte, der frühere Schuhmacher Bernhard Richter, der für das Inftttut des Angeklagten gewerbsmäßig die Horoskope gestellt hat, sucht mit großem Redeschwall zu verdecken, daß ihm jede wissenschaftlich« Grpndlag« fehle. Als der Vorsitzende ihn nach seiner Schuibiidmig fragt, erwidert der Angeklagte:„Ich habe die Volksschule besucht, aber die Schüler des Lehrer», der mich unter- richtet«, konnten sich mit den Realschülern messen."— Vors.:„Was haben Sie denn gelernt?"— Angekl.:„Mein Vater war der Mei- nung, daß Handwerk goldenen Boden hat."— Bors.:„Nun, welches Handiverk haben Sie gelernt?"— Angekl.:„Ich habe vier Jahre Schuhmacher gelernt; aber dann zeigte sich, daß ich eine Brille tragen mußte, und da habe ich den Beruf aufgegeben. Ich bin dann auf Reisen gegangen."— Vors.:„Wofür haben Sie geresst?" — Angekl.:„Da ich einmal Schuhmacher gelernt hatte, ging ich aus die Wanderschaft. Nach der Rückkeljr wandt« ich mich dem Buch- Handel zu."— Bors.:„Wie sind Sie dann auf die Astrologie gekommen?"— Angekl.:„Ich hatte Astronomie gelernt, und da kam ich auch dazu, Horoskope zu stellen. Als ich aus dem Krieg« zurück- kam, tchtte ich keine Existenz und wurde von dem chtrologischen Institut des Herrn Weber-Robine beauftragt, für die Mitglieder des Ordens Horoskope zu stellen. Für«in kleines Horoskop erhielt ich 100 Mark, für ein großes 150 Mark. Aber Herr Weber zo-, für sich stets 10 Proz. ab."— Bors.:„Was halten Sie von dem Angeklagten Weber?"— Angekl. Richter:„Seine Vorträge sollten für die Zuhörer von der Straße erbauend wirken. Ich bin aber gegen ihn mißtrauisch geworden: denn als er die Hoch- schule für Okkultismus gründen wollte und ich mich als Dozent bewarb, bestellte er mich hin und es zeigte sich, daß diese Hoch- schule in einer Kaschemme tagte, in der nackte Weiber von der Straß« als Anreiz für die Gäste dieitten. Daraus entnahm ich, daß er kein wahrer Okkultist ist, sondern ein Geschäftemacher."— Außer Weber-Robine und Bernhard Richter sind noch«in Fräulein Irmgard D ä u m i ch e n und ein gewisser Wilhelm Becker an« geklagt._____ „Journalist" Flesch. Ein politischer Hochstabler und Schwindler übelster Sorte Ist gestern in der Person des„Journalisten" Walter Flesch wegen Diebstahls verhaftet worden. Flesch war, wie erinnerlich, der jung, Mann, der am Tage der Ermordung Rathenaus im Reichs- tag erschien und dem Reichstagsabgeordneten Dr. Helsferich. angeblich im Auftrage des Deutschen Kriegerbimdes In Südamerika, einen Blumenstrauß mit schwarzweißroter Schleife überbrachte und da- für von den über die Mordtat an Rathenau erregten Abgeordneten der Linksparteien Prügel erhielt. Seit jener Zeit hat sich Flesch i n allen möglichen rechtsgerichteten Verbänden de- tätigt. Im Ralhenau-Prozeß vor dem Ciaatsgerichtshof erschien er als„Pressevertreter" angeblich für eine deutsche Zeitung in Süd- amerika am Prcssetisch, wo er durch sein aufdringliches Wesen un- angenehm auffiel. Durch allerlei Schwindeleien und falsche Bor- spiegelungen über seine„Beziehungen" gelang es ihm sogar, sich zu einigen der Angeklagten im Rathenau-Prozeh im Untersuchung?» gefängnis Zutritt zu verschaffen. Flesch war schon einmal wegen eines geringfügigen Vergehens verhaftet. Jetzt ist er aber fest- genommen worden, weil es sich herausgestellt hat. daß er der Ur- he��i�����������ine�Famili���m�Kurfürstendamm� gewesen ist, bei der während der Beisetzung eines Fomistemnit- gliedes ein junger Mann erschien, sich als„Reffe" des Verstorbenen vorstellte und dann aus der Wohnung Schmucksachen un» Kleidungsstücke mitgehen ließ. Flesch hat bereits einyeftanden, diesen Diebstahl— angeblich aus Not— verübt zu haben. Die ge- stohlenen Sachen wurden noch in seinem Besitz gefunden und tonnten der Familie zurückgegeben werden. Selbstverständlich ist_ Flesch niemals Journalist gewesen, er hat nach den bisherigen Feststellun- gen überhaupt keinen Beruf ausgeübt, sondern immer nur irgend- welche dunklen politischen Geschäfte besorgt. „Verföhnung�. Der vaterländische Bauverein Mumm. In Berlin-Nord gehört dem Baterländischen Bauverein ein zwischen Sttelitzer Straß« und Huttenstraße gelegenes sehr umfang- reiches Grundstück, auf dem er schon vor einer langen Reihe von Iahren eine zusammenhängende Gruppe von Wohngebäuden mit vielen kleinen Wohnungen errichtete. Den Zweck des Unternehmens soll ein« Inschrift kennzeichnen, die der Besticher des Grundstückes beim Eintritt von der Strelitzer Straß« aus auf dem ersten Hof cm der Hauswand liest. Sie gibt aus derBotschaftWilhelms 1. von 1881 die Ankündigung wieder, daß die kaiserliche Regierung gegenüber der Sozialdemokratie sich nicht mit „Repressalien" begnügen, sondern auch durch Maßnahmen sozialer Fürsorge wirken wolle. Als ein« derartig« Maßnahme be- trachtet der Vaterländische Bauverein auch sein Woh- nungsunternehmen in Berlin-Rord, und offenbar mit aus diesem Grunde(nicht nur wegen der„Versöhnungskirche" in der nahen Vernauer Straße) hat er für den von der Sttelitzer Sttaße über das Grundstück nach der Huttensttaße führenden Durchgang den Namen einer„Dersöhnungs-Prioat-Straße" gewählt. Es wäre nur folgerichtig gewesen, wenn die maßgebenden Persönlichkeiten des Vereins nach Kräften darauf hingwirkt hätten, daß m ö g l i ch st viele Sozialdemokraten ihm beittäten und Wohnungen von ihm erhielten. Auch das sollte man erwarten, daß der Verein oder seine Leitung alle Mühe aufwendete, die etwa auf dem Grund« stück wohnenden Sozialdemokraten möglichst an sich zu fesseln. Aber im Vaterländischen Bmwerein scheint mancher eingesehen zu haben, daß solche Bemühungen nicht ganz unbedenklich sind, weil für die Leitung des Vereins die verdammten Sozi doch auch recht unbequem werden können. Daß vor«inigen Iahren in ganz kurzer Zeit mehrere Hundert junger Leute aus den Kreisen des Deutschnationalen HanWungsgehilfenverbandes und des Christlichen Vereins junger Männer dem Vaterländischen Bauverein bei- traten, soll dem Lizentiaten Mumm, der im Aussichtsrot die erste Geig« spielt, zu danken gewesen sein. Durch diele plötzliche Mehrung seiner Gefolgschaft wurde die unbequem« Opposition, die damals eine " r« Regsamkeit gezeigt hatte, in ihrem Einfluß auf die General- Sammlungen geschwächt. E» sst auch vorgekommen, daß bei der Meldung zum Eintritt in den Bau verein man sich darüber unterrichtete, zu welcher politischen Partei der Aufnahme. suchende gehörte. Kürzlich ist die Dereinsleitung gegen einen S o- zialdemokraten, der auf dem Grundstück wohnt, mit Aus- schiuß aus dem Derein und Kündigung seiner Woh- n u n g vorgegangen. Als Handhabe dient« seinen Gegnern der Bei- stand, den er einer Bewohnerin des Grundstücks in einem Wohnung«- streit leisten zu müssen geglaubt hatte. Anscheinend macht man ihm zum Vorwurf, daß er hlermit— gegen dos Interesse des Bau- verein« gehandelt habe. Jen« Botschaft Wilhelms 1., die in der „Berföhnungs-Privat-Sttahe" noch heut« an der Hauswand prangt, gestand ein, daß gegen Sozialdemokraten mit„Repressalien� nicht viel zu machen ist. Im Vaterländischen Bauverein Mumm schreckt man vor„Repressalien" nccht zurück. Est, böser Verlust. Ein junger Polizei Offizier verlor am letzten Sonntag zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags in einem Wagen dritter Klasse der Untergrundbahn auf der Strecke Gleisdreieck— Stadion ein« für Gehaltszahlungen bestimmt« Summe In Höhe von 4500 M. in Rentenmarkscheinen, für die er ersatz- rflichtig sst. Gelingt die Wiederbeschaffung de» Geld«, dem Beamten. der noch einer der unteren Gehaltsgruppen angehört, nicht, so muß er etwa sieben Jahr« lang allmonatlich ein Drittel seine» Ge- halte? an die Staatskasse abtragen.— Der ehrliche Finder wird en, das Geld in der Pressestelle de« Polizeipräsidium, mn gebet Älexo lexanderplatz, Zimmer 137», abzuliefern. Die Reichsoersichecungsanstalt hat. wie sie mitteilt, jetzt auch dos Zahnheiloerfahren im früheren Umfang wieder aufgerioinmen. Das waffenlager Im Lustschachl. Bei der Reparatur de» Daches im Haus« Stveusttohe 15/1S in Weißens«« entdeckte vormittags der Klempnermeister S ch i e m a n n in einem Luftschacht des Bodens ein Waffenlager. Die benachrichtigte Polizei fand In dem Versteck: 1 Gewehr Modell 88, 1 Maschinenpistole 13. 1 Armee» pistole 08, 2 weiter« Pistolen und 25 Patronen, 10 Infanteriegowehr- schlösser, 150 Infanteriepattonen, 1 Säckchen Psstolemnunition 08 und 1 Pistolentasche aus Leder. Der Eigentümer diese»„Arsenals" konnte bisher nicht ermittelt werden. Schwerer Anfall eines Arzle«. Gegen SM Uhr nachmittags wurde der Arzt Dr. Brügge niann au, Neukölln, Kaifer-Frtedrich- Straße 121, auf der Charlottenburger Chaussee zwischen Branden- buvger Tor und Siegesallee durch«in Prioatauto über- fahren. Dr. B. trüg Verletzungen an ber linken Kopfseite davon. Außerdem wurde ihm der linke Arm ausgekugelt und das linke Bein gebrochen. Man brachte den Schwerverletzten nach der Eharttö. Die Schuld soll nach Zeugenaussagen dm Lenker de, Auto, treffen. Das kunäkunkproxramm. Donnerstag, den 3. Juli. 12.55 Uhr: Uehermittelnng des Zeitzeichens. Nachm. 1.06 Uhr Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 6 30 Uhr bis 7 Uhr Unterhaltunesmusik. 7,30 Uhr abends: Sprachunterricht(Englisch). 8 Uhr abends; Vortrag das Horm Baurat Hammer Ton dex Berliner Feuerwehr:„Wie schütze ich mein Heim gegen Brandgekahr y* 9— 10 Uhr abends: Meinekesoher Männerchor, Berlin 1900. Mitglied des DAS5. Gau Berlin. Leitung: Chormoister P. A. Joseph. 1. a) Ach, wie ist's möglich dann(Thüringisches Volkslied), b) Abendgmß, von M. Bnrkhardt, cj Jubilate, schwedischer Vesperobor, bearbeitet von Zander. 2. a) Naoht. von Otto Urack, b) Andante, von Qoltermann(Otto Urack, Violoncello). 3. a) In stiller Nacht, Brehms Hagar, b) In der Ferne, von Friedr. Silcher. 4. a) Andan- tino, von Martini-Kreisler, b) LiebesUed, von Kreisler(Otto Uraok, Violoncello). 6. a) Stilleben, von Ad. Kirchl, b) Gestörtos Ständchen, von Jodocns Schaff, o) Mädohonlachen, von Stiz. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnacbriohten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 10.15— 11.30 Uhr abends: Tanzmusik. Gin siebenfacher Nöröer. Seinen Opfern bist er die kehle durch. Ein grausiger Fund auf einer Wiese in der Nähe von Han- nover führte zur Aufdeckung von Verbrechen, denen nicht wemger als sieben Menschen zum Opfer gefallen sind. Es wurden in einem Sack fünf Menschenschädel und Knochen, die von verschte- denen Menschen herrührten, entdeckt. Die polizeilichen Nachforschun- gen führten zur Verhaftung des 45jährigen Händlers Haar manu. Er hatte mit dm Toten, die er ermordet hatte, widernatürlichen Geschlechtsverkehr gepflogen. In höchster sexueller Ausregung will er seinm Opfern die Kehle durchgebissen haben. Dann hat er ihnen den Kopf, Arm« und Beine abgeschnittm und in die Lein« geworfen. Die Taten erinnern in gewisser Hinsicht an die Verbrechen des Frauenmörders G r o tz m a n n, als der Täter einen Fleischhandel betrieb, wobei die Vermutung besteht, daß er das Fleisch der Ge- töteten an seine Kunden mit vertauft«. Haarmann hat ein Ge- ständnis abgelegt und zugegeben, in den letzten Jahren sieben Personen umgebracht zu haben. Revolte im Kownoer Gefängnis. Im Kownoer Gefängnis entwaffneten 74 Gefangene die Au fleher und flohen. Etwa zehn Gefangene setzten sich in ein Automobil der deutschen Gesandtschaft und zwangen den Wagenführer unter Bedrohung mit der Waffe, sie aus der Stadt zu fahren. Der Rest der Ausgebrochenen oerbarrikatiertc sich im Gefängnis und begann, die Auffeher und die Polizei zu be- schießen. Bei der Schießerei wurden einig« Polizistm verletzt. Später entsandte die Kommandantur Kowno eine Militärabteilung, die sofort das Feuer auf das Gebäude eröffnete. Es gelang der Polizei, 35 Gefangene wieder festzunehmen. Ein Gefangener wurde erschossen aufgefunden. Außerdem wurde während der Schießerei im Gefängnis ein weiterer Gefangener ge- tötet und einer schwer oerletzt. Aeuer- und Sturmkatastrophen in Liiauen. Das lttauische Dorf B i t r a m wurde durch ein Großfmer fast vollständig eingeäschert. Auch das Städ'�n Ltkezy im Kreise Schaute ist von einem Großfeuer./-imgesucht wordm, dem eine Reihe Häuser zum Opfer fielen. In der gleichm Zeit fiel das litauische Dorf Schado einem fürcht«rlichen Orkan zum Opfer. Siebm grotze Häuser wurden vom Sturm vollständig zerstört. 3500 Kilometer im Segelboot. Drei Studenten des Petersburger Technikums wollen in diesem Sommer ein« Reise von 3600 Kilometern im Segelboot unternehmen und damtt einen Weltrekord aufstellen. Di« Fahrt ihres Segelbootes. welche»„Tust k" heißt, beginnt in Petersburg und geht durch die Newa mit Benutzung der Berbindungskanäle und des Swir-Flusses durch die Seen Lag od a und Onega, den Fluß Kowiha, den Belosero- see, die Scheksna und von Rybmst ab auf der Wolga bis Astrachan. �ugenöveranstalwngen. i.«6t. 714 Uhr Larstantssitzmm bei ZUckert. Steimnttstr. Anmelimngen zum Ferienaufenthalt(für 61« Zeit»ach dem Ii. Suli) Im Londheim in Bronhendur« werden»och Im Zuzendsekretariat, Linbensir. 3, t. chof. 3 lt., Zimmer U,«ndgeyeneenommen. Zlbteilungsmitgliederoersammlungen, abends 7y2 Uhr: Beige»!«!«wlgtmtnalUmv Woeiapromenavt.—»now-ii: �ugenvoeim Sindensir. 3.— Schmaroendors! Iuaendheim. itotheas Schmargendorf.- zehle»d»rs! Jugendheim. SUdschule. Wilhelmsirah«.—»«»sin I: Jugend zeim. Münchener Str. SS.—»osenthal- Jugendheim, Schillerstrah«.- Friedenau! Jugendheim, Schule, vffenbacher Str. SA, Vortrag:„Entstehung des Handels." Beebehezirk vstbah»- 17.«reta.«m , in ktl t ch 8 Uhr, im Jugendheim i Werdedezirrs-Mtglioderrerfammlung. Beri Seneraloersammiung. Um 7 Uhr Derbebezirks-Borstondsfitzung trrm-m ReutZlln V: Jugendheim, Echie-l-str. 44, Mitgltederversammliuig. «6t. Pankow. Offfontiii)« Iugendrersammlung, abend, 7 Uhr. im Zugend- heim, Brette Str.»2(Finanzamt). Thema:„Die seiuell« Frage." Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin C. 2,«aiser. Wilhelm. Stroh« 48 M. «ameradichast Baumichulenweg. Freitag abend 8 Uhr hei Borg. mann. Baumschulfnstr. 8S. Kamoradsihoflsverfammluna.— Käme- rahschaft Freu, 6 erg. Freitag, den 4. Juli, abend» 114 Uhr, bei Rah«. Fichtestrohe, Bersammwng.— Rormblikanor als Geiste willkommen.— Vortrag und Ausnahm« neuer Mitglieder.— 4. Kameradschaft PrenUauc? Berg. Freitag, den 4. Iii f.«4 Nlhr vünNlich, hei Bleffin, Stargarder Str. 8, Neberverfai Mttgli» Sammlung. Aeu Herst wichtig« Tageoordnung. Di« Gruppen führer und Untcrgruppenleiter haben unter allen Umständen zu erscheinen. «rbeiter-Samaeiter.Buah«.«., Bezirk I. sin der am Sonntag, den 8. Juli, stattfindenden öffentlichen Uebung treffen sich die Kolonnen de» 1. Bezirks um "-1 Uhr am Tegel. Bon da Abmarsch um 1 Uhr zum Uehungsploh Tragen und Uebungsmaterial stnd mitzubringen. Nachzügler treffen sich am Uebungsplah Tegel— Tegeler Flieh(hinter dem alten Bahndamm). Restlose Beteiligung aller Kolonnen wird erwartet. Sport. Renne« zv Grunewald am Mittwoch, den 2.)uli: 1. Rennen. 1. Magister(K. Edler), 2. Manuela(Kukulle»), Z. Or. benSritier(Quade). Toto: SO: 10. Platz: 12, 11, 11: 10. Ferner Itesen: Liane II, hldolphu», Walküre(gef.), Kingrivali», Tatanta. 2. Nennen. 1. Ctstern«(Walt. Heuer). 2. Kappenberg(Schüller), 6. Quo vadiS(BiSmark). Toto: 552: 10. Plah! 147, 26, öS: 10. Ferner liefen: Harzreise, Lolterbube. WeibSteufel, Prlmavera(anaeh), Landemar Gras Holck, Flora(ausgebt.), Killcwit, Solo, Sirl, Fichte, Taraca«. 3. R e n n e n. 1. Misty Bridge(St. Edler). 2. Jselderg(Certtl), 3. Heldin(Bismarl). Toto: 20: 10. Platz: 11.11,12: 10. Ferner llefen: Onlel Otto, Waldteufel, Rusti, Potztausend, Elissa. 4. R e n n e n. 1. Caesar 11(1). Pelzer). 2. Lilienstein(St. v. Western- bogen), 3. Narr(v. Eckertsberg). Toto: SS: 10. Platz: 42, L3: 10. Ferner liefen: Fettefis, Oftfluch:, Herzog. 5. Rennen 1. Abteilung: 1. Magnolie(St. Edler), 2. Octavio (B. Streit), 3. Fescher Teufel(St. Lüdet). Toto: 27: 10. Platz: 15, 33, 20:10. Ferner liefen: Carlieoal. Fama(gel.), Almenrausch. Rögling. Mundschenk, Eck.— 2. Abteilung: 1. Stzdow(Maies, 2. Csardas Baren(Wurst), 3. Madt(Boltz). Toto: 180: 10. Platz: 3S, 18, 33: 10. Ferner liefen: Heerführer, Laon(ges.), Adria, Oddrun. Neptun. «. R e n n e n. 1. Hiltrud(Btsni-rk), 2. Jlberstedt(Mate), 3. Marone '"". Toto: 49: 10. Platz: 21,31,35: 10. Ferner liefen: Tursball, Uesen: Cebria. Wollenschiiber. Cxzcllior, Rubel. Fallenburg. Sheitan. Mortala, Christa entlief am Start und wurde zurückgezogen. Eins, zurück lsri öec�nKen aus dem Kopf. dass es Ihnen uuei anstene,wenn ie sparsam sind. Spareamke* ist das Gebot der Stunde. Xver die MHa$5ary'Classe**dick.rimd spart undgeniesst rugjeiöx. Urf eilen Sie selbst! Zungsoziaistrn. D°nn-r-wg, fcfn S. Juli, abends IVi Uhr, Vortrag des Keh. Lcgationsrates Dr. Z e ch I i n Uber:„U nser« Stellung zum Staat" im Jugendheim, Tilslter Str.«/». Gäste willkommen. Ppoduziepen. heißt m'chi billig einkaufen. an.d ieuep vepkaufeu-- Eö heißt vieimehp die Rehsioffe zu angemessernen. Ppeisen e inzukaafen. und in edle» u vg]lwex>tiqe» Dresden fein reiches Material zur Verfiglmig stellen wird, liegt noch nicht endgültig fest. Im Jahre 1S2K findet als fünfte Jahresschau «in« Gartenbauausstellung statt, vielleicht in Verbindung mit dieser oder anschließend noch eine Teilausstelluna eines anderen Gebietes. Für das Jahr 1927 ist zur sechsten Jahresschau das umfangreiche Industriegebiet der Elektrizität gewählt. Groß-Serliner parteinachrichten. lt. ltrei,«oukölln. ssreitaq, den t. Juli, 7 Uhr, Sitzung der Obleute der Elternbeiräte im Parteibureau, Neckarstr.». heule. Donnerstag, den 3. Juli: 38. Abt. Elternbeiräte der?Z., 1ZS.. 137., 13g., ilKI. und 201. Eemeindeschulen werden ersucht, umgehend ihre Adressen beim Gen. Müller, Friedrichs» bcrgcr Str. 6, v. 1 Tr., abzugeben. 124. Abt. Mahlsdors. 8 Uhr im Lokal Ander«, Bahnhofstratzc, Vorstandssttzung. Dos Vergnügunqskomitee hat au erscheinen. Zungsozialisten und ältere SAZ. Friedrichshain. 7� Uhr im Jugendheim, Tilstter Str. 415. Vortrog des Gen. Dr. gechlin über:..Unsere Stellung »um Staat."— Gruppe Rordeu. VA Uhr im Ledigenheim, Vortrag des Gen. Dr. Miercndorf über:„Die Auswirkungen des Sachverständigen. gutachtcns."— Gruppe Rordost. Pünktlich VA Uhr im Jugendheim, Danziger Str. 23, Vortrag des Gen. Hvdonn:„Politische Fragen." Morgen. Areilag. den 4. 3uli: 0. Abt. VA Uhr Funktionärsttzung bei Hübner, Wilsnacker Dtr. 3. Die Be- airksführer müssen erscheinen. 2t. Abt. 7 Uhr Bersommlmig der Elternbeiräte bei Winzer, Thristburger-. Ecke Mnsstrohe. Schöncdcrg. 77. Abt. IVi Uhr Funktionärsttzung bei Jürgens, Barbarossa. stratzc 5a.— 78. Abt. VA Uhr Funktionärsttzung bei König, Feurig. Ecke Prmz.Georg-S trotze.— 79. Abt. VA Uhr Funktionärsttzung bei Trotz, Scdairstr. 17. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr erweiterte Vorstandssttzung bei«labe, Hantiery. stratzc 80/81. 8«. Abt. Mariendors. 8 Uhr Funktionärsttzung im gimmcr 28. 91. Abt. Reukälla. VA Uhr bei Köster, karlsgarteustr. 4, Funktionärsttzung. 128./130. Abt. Pankow. 7 Uhr Vorstandssttzung im Jugendheim, Breite Stratzc. Um 8 Ubr Funktionärkonferenz ebenda. 131. Abt. Riederschönhausen. 8 Uhr Funktionärsttzung bei«ubasch, llhlandstr. Arauenveranslallungen am Freitag, den 4. Juli: 7t. Abt. ssehlendors. 718 Uhr im Feichensaal der Nordschule Frauenabcnd. «.«reis Prenzlauer«erg. Freitag, den t. Juli, abends 8 Uhr. Sitzung der Funktionärinnen dei«lug, Danziger Str. 7Ü. Tagesordnung: Neuwahl der«reisleiterin. . t.«reis Prenzlwi-r«erg. Freitag, den«. Juli, vormittags 11 Uhr, be- teiligen stch die Genosstnnen an der Einäscherung der Gen. Lücke im«rcma. torium Gerichtstrotze. Zungsozialisten Schöneberg. Freitag abend Vortrag von G. Bothur:„Klasse». kämpfe im alten Rom." Wetter für morgen. verssn und Umgegend: Ueberwiegend bewSlkt und etwaZ Regen, kühle und ziemlich lebhafte westliche Winde. Deutschland: In Ostdeutschland noch warm, aber Gewitterneigung, im Westen und in Mitteldeutschland grötztenteil» bewölkt mit leichten Regen- süssen und kühler. In Heft 10 öer Frauenwelt'. Diese Woche neu! Fordern Sie die„Frauenwelt" bei Ihrem Zeitungsboten oder in der Buchhandlung Wirtschaft Der deutsche �rbeitsmarkt im Mai. Nach den Erhebungen des..Reichsarbeitsblattes" über die Lage des Arbcitsmarktes im Mai, die jetzt mit der üblichen Verspätung veröffentlicht werden, zeigt bti Arbeitsmorkt in verstärktem Matze Anzeichen einer Abschwächung der bisherigen Aufwärtsbewegung, daneben vereinzelte Vorboten ausgesprochener Verschlechterung. Je nach Industriezweigen und Wirtschaftsgebieten machten sich erheblich« Unterschiede in der Auf« oder Abwärtsbewegung und gegen» über dem Vormonat geltend. Von einer ungünstigen Entwicklung der Beschäftigungslage im ganzen kann für den Berichtsmonat noch nicht gesprochen werden, obwohl die Entwicklungstendenz entschieden in absteigende Richtung weist. Die Statistik der Krankenkassen über die Veränderung des Mitgliederbestandes ergibt bei den SSS9 Kassen, von denen Berichte vorlogen(im Vormonat SSS2 Kassen), eine Zunahme von 11 6U 787 am 1. Mai auf 11 991 635 cm 1. Juni, d. h. um 348 868 oder 3 Proz.(im Vormonat 5,9 Proz.) Da die Entwicklung dieser Zahlen noch dem früher Gesagten für die Gestaltung des Be- schäsiigungsgrades symptomatisch ist, muß auf ein N a ch l a s s e n der in den letzten. Monaten beobachteten Besserung geschlossen werden. Die Statistik der Arbeitslosigkeit in den Fachocrbänden ergibt eine weitere Besserung, läßt jedoch trotzdem schon ein Ab- flauen des bisherigen günstigen Verlaufes erkennen. End« (31.) Mai betrug unter 3 794 695 in 38 Verbänden durch die Er- bebung erfaßten Gewerkschaftsmitgliedern die Zahl der Arbeitslosen 317 425, d. h. 8.6 Proz.(März 16,6 Proz., April 19,4 Proz.). Di« Kurzarbeiterstatistik zeigt für den Berichtsmonat sogar schon«ine rückläufige Bewegung. Für Ende Mai lagen Meldungen von 34 Fachoerbänden vor; bei diesen arbeiteten unter 3 299 539 Mitgliedern 263 252 mit verkürzter Aibeitszett, d. h. 8,2 Proz.(April 5,8 Proz.). Die Statistik der Erwerbslosenfürsorge im unbesetzten Reichsgebiet bringt für den neuesten Berichtszeitraum nach der stetigen Abnahme in den Vormonaten erstmals wieder sin« schwache Zunahm«. Es wurden unterstützt am 1. Mai 319 547, am 15. Mai 242199, am 1. Juni 299 191, am 15. Juni 214 486 Voll- erwerbslose. Bei den Arbeitsnachweisen hat nach der Monatsstatistik der Mai ein« im ganzen nicht ungünstige Entwicklung des Arbeits- Markts aufzuweisen,. Es meldeten sich bei den Arbeitsnachweisen insgesamt 1 364 399 Arbeitsuchende, d. h. fast ein Viertel(23,9 Proz.) weniger als im Vormonat(1,79 Millionen). Diesen standen 579 594 Stellenangebote gegenüber, d. h. rund ein Siebeniel(15,8 Proz.) weniger als im Vormonat(688 253). Die Gesamtandrangsziffer für Männer und Frauen zusammen stellte sich auf 2 35(Männer 289, Flauen 143) im Mai gegen 269(Männer 321, Frauen 144) im April. Im Gesamtdurchschnitt wurden von 199 Arbeitsuchenden 34 . IS T. beult. Innlidmtr. 1DS. 9-11, 1-4. Sonntags von 10 bis 12 vier Jacoby Bekanntmachung «er 19. Nachtrag 8» unserer Satzung. betr. Einführung der F-mUienhiU«, in vom Oderuprsscherungsami genehmigt und tritt mit dem heutigen Tage in Kraft. gehlendorf, den 1. Juli 1924. Ver Norstanv 108/8 »er tzlUgerueineu Oristrantenkass» Mr Zehleudorf und llmgegeud. Heymeler, Etsenbcra. Vorsitzender. Stell». Schrififührer. I IMdIi! Hao i. Sa. Hodibn— TilflilD— Eisiobtttiibaa I Deutsche Dachdeckerschule Glauchau I. Sa. 1 BestlmmunBen für den Winter- 1 I Unterricht(Bejinn l.Nov) durch I ■ Die Direktion| Metall betten Stablmitritz„ Kinderbetten dir. an Priv Kat.SOAlrei. Elsenmdbelfakr. SuhlThDr. RAURINGI in jed. GrSSe u. Qualität, sti vorrät.nur blll Prelsberecl M. Dfnse, Juwelic Lichtenberg, Prankf. Allee H «ahe Bahnh.Llchtenb.-Friedrich WKM Telenh. Llcblenbert 2322 M o« öule Kapltön- KantoiarÄa C. RScker, Berlin Lichten teer(er StraBe 22. K(sL 3861 Gebrauche Atel, Scxls on-jImsv erkauf bietet Ihnen unvergleichliche Vorteile. 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Theater Sommersplelzelt lirettln; StaaS und hrur Tägl. 8 Uhr HuÄdalbertfl.MaxUnda in Clubleul« Kammer spiele Sommerspielzelt irektinn: Staab und ütnier Tägl. 8"/. Uhr: Die Freundin Seiner Exzellenz Or. idiaospieltiaüs 7'/, Uhr: 8 U.! Trlanon.Th. Somm.-Dir. R Pirk Bin Schwank der Liebe Olga Li m b u r g Juli geschlossen Beginn der Winterspielzeit 1. August Th.l.Admlralspalzsl 5'/« U.: Ou Ertnlg d. Jahres II Monate unnnliibr. anf dam Spitiplan ist die grofle Revue Drunter u drüber Deutsch. Opernhaus Auftr.Kam mersäng Richard Tauber 7V»U.:Eln Märchen aus Florenz Intimes Tb. 8 U. Besuch Im Bett Lauf doch nicht immer nackt herum Metropol-Thaater Der Weltschiaeer 8 U.: Mascottchen Opnrettn»on Wallur Eremme mit Alice Hechy Tribüne 8 Uhr: Doktor Stieglitz F Lobe/ P. Morgan Thalia-Theater 3 Uhr: Praaqulta ReiiMallHi-TlieatEr Taglich 8 Uhr Steiler € Dmtsdilanij erwadie Zum Schlug: Ein Musikantentraum Dönhoff-Brettl Anf.?1/* Sonnt.SU. Or. Varietä- Progr. Volksbühne 7Vi Uhr; D. Kreuzelschrelber öreta Bädi/ Karl Eillngur Leo Pnukurt/ Emil Und Jnliui Sadis/ Oth Sautur-Sarto DOW Varietfe- Spielplan! Baottien gestattet I Klewes Theat Tägl. 8 Uhr Analol rheatart.Retttuss.Tsr jtt Täglich S Uhr: fu Ellfe- M. sanier Großartiges IW Jnll- Dia LleblinflSKöb das Mabaradsehal Kose-Theater 8: D. Mustergatte Gartenbühne VI,- Durch Dick u. Dünn Krause- Pianos sur Miete Ansbaeher Str. I, E4i Knrfintinstnle GroBeVolksoperi"�" vi, utir: LaTraviata (Sommerpreise) OiüDStag, Mitlwodi, OoDiierstag, den 1., 2. und 3. Juli: Die drei großen teeihunssfesttage bei Eielba im Walde dem 118D8D OteDewaldparadies an der Krummen Lanke Zehlendorf- West, Alsenstr. 141 mit Garfendiele Pavillon „Silvana" Ab 4 Uhr: Qr. Garten-Konzert und das sensatinutit festprograram mit Otto Heutter und den übrigen Attraktionen: Iriiia(dit australisdia Veiu):: tteninaan Slaeliner, Kut Speyer(Uuaicrjsten) z Else KQditer, Elvira ttond(Tänzerinren) nsw. Bei Zielka in der Stadt Friedrichstr.60 Ecke Leipziger St:. 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Trotzdem die Firma niedrigere Akfordpreise zahlt als die im Verein der Badeapparate-Fabrifanten per- einigten Firmen und somit in der Lage war, gegen dieselben eine Schleuderfon- iurrenz zu betreiben, bieten sid> jetzt dieselben Herren, die trüher diese Schleuder- fonfurrenz verurtellten. als Herausreißer ftir die Firma Bornmann an. Eine der bekanntesten ist die Firma Fritz Helm 8! Eo. Schönleinstr. 23. Dort wird von seiieu der Firma Bornmann das Material spät abends durch Fuhrwerk angeliefert und frühmorgens gleich zur Kundschaft abge jähren. Wir ersuchen alle Kollegen dringend, wenn ihnen noch weitere Firmen bekannt sein sollten, diese umgehend der Ort»- Verwaltung de« Deutschen Metallarbeiter- Verbandes zu meiden. Jeder Klempner ist verpflichtet, den Streikenden gegenüber Solidarität zu üben und jede Slreikarbeit zu verweigern. Wm! Bettieösröte! Wm! Die Nr. 0 der Betriebsrätc-Zeitjchrist ist erschienen und kann gegen Vorlegung der LegitimaGonskarte des Belriebsrals- obmanne« im Bureau, Linienftr,, Zimmer 5, in Empfang genommen werden. Die Ortsverwalwng. KsDUSn-Kmdsdsk unerreicht im Wohlgeschmack. Nur echt mit Firmenzettel 1 In den meisten Geschäften käuflich. Für Wiederverkäufer durchC.Räcker, Berlin. üditaibsrsmlr.ZZfKsUltll ABTEI TREPTOW verschenkt auf die an nachstehenden Tagen gelösten Eintrittskarten; Mittwoch, 2. Juli, Donnerstag, 3. Juli Sonnabend, 5, Juli, Sonntag, 6. Juli I Segelboot, ö'/z Meter 5 Paddelboote mit Segel Die Ausgabe der Geschenke erfolgt: Sonntag, 6. Juli 1924, abends 10 Uhr 700l0liIiC»ER L mm Täglich Gr. Konzert AqnariDm Tierkunst- Ausstellg. a NEUE WELT 9 Arnold Scholz, Hasenheide 10S-II4 Täglich: Konzert u.VarietäeVoratelfung (vollständig neues Programm). Donnerstag, den 3. Juli: M/ Gr. Schlachten- u. G G 3tenten-7enenverkG Außerdem: B A L L Einl. 3 Uhr. Anf 5 Uhr Frau Schnatterich 10. Die vollständige Beschreibung von Frau Schnatterichs Autoreisc würde zu weit führen. Wir begnügen uns damit, über einige ihrer Reisestationen zu berichten. Frau Schnatterich hat von den zauberhaften, buntfarbigen Tropfsteinhöhlen, den Feengrollen bei Saalfeld in Thüringen gehört, als eine von den Sachen, die man gesehen haben mu«. Da sie ohnehin schon von sich selbst den Eindruck der Feenhaitigkeit hat, so denkt sie es sich bessiBders reizend, da mit ihrem zweistöckigen Auto hinein- zui M», und Ist neugierig, wzs den anderen Besuchern mehr imponieren wird, die Grotten oder ihr Auto. Das Hineinfahren ist nun allerdings nicht möglich, sie mu« die 1 Kilometer lange unterirdische Wanderung zu Fuß machen, und angesichts der ganz unwahrscheinlich herrlichen Farbenpracht emschlüplen ihr die Ausrufe.Schöner als wie gemalen- und.Oerade wie aufm Theater*. Im Hotel aber schreibt sie der Kukirol-Fabrik einen langen Brief und beschwört sie. die Grotten zu pachten und darin überall Tafeln anzubringen mit der Inschrift: .Hflhneriugen groß und klein, beseitigt Kuklrol allein*, was diese aber entrüstet ablehnt, denn sie will nicht mit verschiedenen Sekt- und Zigarrentirmen auf eine Stufe gestellt werden, die mit ihren Reklametateln die schöne Natur verschandeln. Die Kukirol-Fabrik hat eine derartige Reklame auch nkht nötig. Die Kukirol-Fabrikate sind heute in der ganzen Welt bekannt, und ihre Qualilit und die Weilerempfehlung von Mund zu Mund sind die beste Reklame für die beliebten und viel gekauften Präparate. Des Kukirol-Fußbad Ist für angeschwollene, brennende, sehmerzende, ermüdete Füße ein wahres Labsal. Es kräftigt Nerven, Sehnen. Muskeln und Gelenke, und nach besonders großen Strapazen sollte man es nie vergessen, denn ein Kukirol-Fußbad erfrischt den ganzen Körper. 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Wenn auch die Nutznießer des Zolltarifs der Kritik der Landarbeiter und Kleinbauern nicht ernstlich standzuhalten vermögen, so ist damit die Gefahr doch nicht beseitigt, denn nicht nur stnd die beiden bürgerlichen Mehrheitsparteien, deren Wahlfonds von der Schwerindustrie und den Großagrariern gefüllt wurden, entschlossen, den Befehl ihrer Geldgeber zu erfüllen, sondern es steht auch der Generalkommissar des Völkerbundes Zimmermann hinter dein Zolltarif. War doch im ersten Ent- wurf des Sanierungsprogramms bereits die Erhöhung der Zölle als einer der Hauptpfeiler der Sanierung vorgesehen. Dieser Plan fiel damals mit der von Seipel beabsichtigten Ausschaltung des Parlaments und ebenso mußte die Regierung es sich gefallen lassen, daß der V-rfasiungsgcrichtshof eine im Verordnungsweg durchgeführte Erhöhung einiger Zölle als verfassungswidrig erklärte. Dennoch ge- lang es damals im Parlament, die Erhöhung einiger Zölle dnrch- zusetzen. Der Hauptkampf allerdings mußte verschoben werden. Jetzt ist die Regierung mit dem neuen Zolltarif hervorgekommen, der allerdings nicht mehr als eine Maßnahme der Sanierung, sondern als «in Teil der Rüstungen zu den handelspolitischen Verhandlungen auftritt. Aber auch dieses Argument ist nur ooryelchoben. um dem wirklichen Argument der Schwerindustrie und des Großagrariertums als Ausrede zu dienen. Diese beiden glauben den Augenblick, wo die Arbeiterschaft auf der ganzen Welt in die Defensive gedrängt war, zu einer Ausbeutung der Bevölkerung benutzen zu können. Di« Grundlage des neuen Zolltarifs, über den monatelang hinter den Kulissen verhandelt worden war, bis er vor etwa einem Monat an das Tageslicht trat, ist die Wiederherstellung der Getreidezölle, die seit dem Kriege suspendiert waren. Auf den Getreidezöllen baut sich ein ganzes Sstem von Lebensmittelzöllen auf: Mehl. Hülsenfrüchte, Fleisch. Schweinefett, Vieh, Eier, Butter, Obst sollen Zöllen unterworfen werden, nachdem man emmal die Getreidezölle beschlossen hatte. Aber die Agrarier konnten nicht darauf rechnen, ihr« Beut« in Sicherheit zu bringen. wenn sie nicht der Industrie auch einen Anteil, gönnten. Noch im letzten Augenblick, ehe die Vorlage eingebracht viurbe, hatte die Re- gierung gezögert, die Eisenzölle, die gleichfalls feit dem Krieg auf- gehoben waren, wieder einzuführen. Schließlich aber unterwarf sie sich auch der mächtigen Kapitalistengruppe, die nicht nur die Schwer- industvi«. sondern auch dir Banken beherrscht. Hott« sich aus den Getreidezöllen«in ganges System von Nahrungsmittelzöllen auf- gebaut, so mußte die Einführung der Eisenzöll« ew ganzes System von Industriezöllen zur Folge haben. Und da man schon einmal dabei war, machte man ganze Arbeit. Es wurden nicht nur di» Produkt« der metallverarbeitenden Industrien mit Zöllen belegt, sondern gleich auch die Rohstoffe, Halbfabrikate und Endfabrikate der anderen Industrien: Gante, Textilwaren, Kleidung. Wäsche, Bau- Materialien. So stehen wir«wem vollständige« System de» Hungerzoll» gegenüber, das die schwerste Belastung unserer Wirtschaft darstellt, weil es nicht nur die Lebenshaltung der Massen und die Produktton unerträglich verteuert, sondern weil es die Grundlagen unserer Existenz untergräbt. Der Großstaat Oesterreich-Ungarn konnte Agrar- und Industriezöll« ertragen, ohne daran zugrunde zu gehen, weil das Zollgebiet das Wesentliche, was es mi Nahrungsmitteln und wi■ cwi ei Köln. Wasser 800(» hochkonzentriert 'ItFl. irühor-'hFl. rroher 70 Pf. ietzt 1,29 jetzt 45.75. , Seifen nzoh Grösse Serie II Serie III 1015.25 «. Toilette-. nach Grösse Serie I Serie II Serie III FriMfimme Serie I Serie II Serie III 35, 50. 71 Polierte Mesiinswaren handgetrieben, gute Qullttt oi.SSemlf. ca.STsm lf. ca. 45«m Ic. 500 gzs �oo Amerikanischo Brotbeutel prima Qualität, vorzüglich zum Wandern, tür Schulen und Vereine| pro Stück 95. Wolle Docke ca. 100 g 75. 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