Nr.310 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 159 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Reit" mit Gied lung und Kleingarten", fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 4. Goldmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Golde mart( zulässig zwei fettgedruckte Morte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das etite Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen fitr zwei Worte. 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Mit Ausnahme des Bertreters von MedlenburgSchmerin erkannten alle Chefs der Länderregierungen trok schwerwiegender Bedenken gegen manche in dem Gutachten enthaltenen Forderungen erneut das Vorgehen der Reichsregierung, die baldige Durchführung des Gutachtens zu erreichen, als richtig an. Außer dem bayerischen Ministerpräsidenten Held, an deffen Kabinett die Deutschnationalen beteiligt sind, und der thüringischen Regierung, die ebenfalls deutschnational beinflußt wird, hat jetzt also auch der deutschhnationale Staatspräsident von Württemberg, Bazille, die Durchführung des Sachverständigengutachtens als notwendig anerkannt. Als deutschnationaler Reichstagsabgeordneten hat Bazille immer entgegengesetzt gehandelt. Es zeigt sich also wieder einmal, daß die Deutschnationalen außerhalb der Regierung gehässige Agitationspolitik treiben, aber als Regierungspartei feine anderen politischen Richtlinien verfechten können, als sie von der Sozialdemokratie feit Jahren empfohlen wurden. In der letzten Besprechung der Ministerpräsidenten hat übrigens auch Herr v. Brandenstein, der Chef der Regierung in Meck lenburg- Schwerin, der Politik des Reichskabinetts zugestimmt, Wenn er jetzt diese Zustimmung revidierte, dann lediglich unter dem Drud der Völkischen, die ihn seines Das Londoner Konferenzprogramm. Die franzöfifche Regierung dementiert das ,, Echo de Paris" Paris, 3. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Ein amtliches De menti des Außenministeriums bezeichnet die Veröffentlichung des „ Echo de Paris" vom Donnerstag über die Londoner Konferenz als verfrüht und tendenziös. Das Blatt hatte u. a. behauptet, daß in dem Einladungsschreiben ausdrücklich darauf hingewiesen sei, daß die Bestimmungen des Sachverständigenprogramms zu einem Teil über die Versailler Verpfichtungen Deutschlands hinausgehen und deshalb die Unterschrift der deutschen Regierung unter bas Schlußprotokoll der Londoner Konferenz notwendig sei. Dieses Protokoll soll aber nach der gleichen Quelle u. a. auch die Bestimmung enthalten, daß Deutschland innerhalb einer von der Konferenz zu bestimmenden Frist die zur Durch führung des Sachverständigenpianes notwendigen Maßnahmen zu treffen habe und spätestens drei bis vier Wochen danach die 3wangsmaßnahmen wirtschaftlicher und finanzieller Natur aufgehoben werden müssen. Auf diese Mitteilung scheint fich der Ausdruck„ verfrüht" des amtlichen Dementis zu beziehen. Der Vorwurf der tendenziösen Berichterstattung scheint der weite. ren Information zu gelten, daß die Feststellung eventueller deutscher Berfehlungen zum Zwede neuer Santtionen der Reparationstommission entzogen und einem neu zu schaffenden internationalen Organ vorbehalten bleiben soll. Hier handelt es fich ganz offenbar um eine Frage, bei der man in Frankreich um so weniger zu Konzessionen bereit zu sein scheint, als die französische Präsidialstimme im Zusammenhang mit der unbedingten Gefolgschaft Belgiens Frankreich in der Reparationsfommission einen ausschlaggebenden Einfluß sichert. Der„ Temps" macht jedoch darauf aufmerksam, daß die Frage wenigstens für die Eisenbahnen aufmerksam, daß die Frage wenigstens für die Eisenbahnen und für die in den Dienst der Reparationen zu stellenden Budget einnahmen bereits im Gutachten der Sachverständigen selbst ge= regelt ist. In der Tat sieht das Dawes Gutachten für den Fall, daß die Einnahmen aus den Eisenbahnen sich als unzureichend erweisen follten, um die Zinsen und den Tilgungsdienst der Obligationen ficherzustellen, die Ausdehnung der Kontrollbefugnisse des internationalen Kommissars vor, und es bestimmt in Artifel X des Anhangs IV ausdrücklich, daß Streitfragen irgendwelcher Art dem Schiedsspruch eines vom Präsidenten des Haager Schieds. gerichtshofs zu ernennenden neutralen Schiedsgerichts unterbreitet werden sollen. Aehnlich ist für die Budgeteinnahmen im Falle ihrer Unzulänglichkeit eine Erweiterung der Kontrollbefugnisse des internationalen Treuhänders vorgesehen, wäh rend Einzelheiten in einem Protokoll stizziert werden sollen, das auf Grund internationaler Verhandlungen festgelegt wird. Die Repa. rationsfommission, so folgert daraus der„ Temps", sei demgemäß erst dann zuständig, wenn es sich darum handle, daß demgemäß erst dann zuständig, wenn es sich darum handle, daß Deutschland gegen das Gutachten selbst verstoße, d. h. wenn es sich weigere, einen ergangenen Schiedsspruch anzuerkennen oder den Bestimmungen des Protokolls nachzukommen. Keine Verschiebung der Londonkonferenz. Paris, 3. Juli.( WTB.) Havas bestätigt die Angaben des Londoner Korrespondenten des ,, Echo de Paris" über die von der englischen Regierung bei den Einladungen zur Londoner Konferenz beobachteten Gesichtspunkte. Die Agentur fügt hinzu, gestern sei das Gerücht verbreitet worden, daß die Londoner Reparationsfonferenz wahrscheinlich einen Aufschub erfahren werde. Dieser Fall scheine Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositentasse Lindenstraße 3 Die neue Schuldlüge. Landbündler und Agrarkrise. Um die Schutzölle unter Dach zu bringen, entfaltet der Landbund eine außerordentlich lebhafte Propaganda, derent Postens entheben würden, wenn er anders gehandelt hätte, Biel es ist, die Notlage der Landwirtschaft recht eindringlich als er es tat. So erweckt seine Stellungnahme zur Reichs- au schildern und die Schuld an der gegenwärtigen Agrarfrise auf die früher verfolgte Wirtschaftspolitik ab= politik den Eindruck der Futterkrippenpolitif. zuschieben. Daß die Landbündler dabei in zahlreichen Fällen Sozialdemokratie und Ruhrflüchtlinge. die Notiage einzelner Landwirte weit übertrieben darstellen, Bon allen bürgerlichen Parteien ist im Landtag mußte bei wiederholten Anlässen festgenagelt werden. Tateine große Anfrage im Interesse der Ruhr vertriebenen einfache ist jedenfalls, daß viele„ Deutsche Tage" rechtsradikalez Organisationen aus denselben Quellen gespeist werden, die gebracht worden. Mit der Tendenz und dem Inhalt der Anfrage auf einmal versiegen, wenn der Staat seine Steueransprüche ist die sozialdemokratische Fraktion einverstanden. Sie anmeldet oder wenn es gilt, sich für die Befreiung des Ruhrhat aber feine Garantien dafür, daß in einer Debatte über die Anfrage eine Stellungnahme gegen die Deutschnationalen vermieden gebietes durch eine vernünftige Außenpolitik einzusehen. Es werden kann. Aus diesem Grunde hat die Fraktion die Anfrage der Entel des früheren Reichskanzlers, als Mitglied des ist außerordentlich bezeichnend, daß der Fürst v. Bismard, nicht gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien unterzeichnet. Sie konnte diesen Standpunkt um so unbedenklicher einnehmen, als im Reichslandbundes gegen das Dames- Gutachten mit aller EinReichstag die Einsehung des Ausschusses für die besetzten Ge- deutigkeit Stellung nimmt, nicht etwa deswegen, weil er einen anderen Weg zur Befreiung des Ruhrgebietes augeben biete auf sozialdemokratischem Antrag hin erfolgte und die Arbeiten dieses Ausschusses unter tätigster Anteilnahme der sozialdemokra fönnte, sondern, weil er eine Belastung der Landwirtschaft von dem Sachverständigenberichte sozusagen hinten tischen Ausschußmitglieder erledigt wurden. herum" befürchtet, nachdem die Sachverständigen die deutsche Landwirtschaft ausdrücklich von Reparationssteuern freigestellt haben! Beweist diese Art der Kritik, daß das Vorgehen des Landbundes schon so zersetzend gewirkt hat, daß man die Gefahr für den eigenen Geldbeutel auch auf ferne Zukunft hinaus schon viel früher erkennt und viel höher einschäht als die gegenwärtige Gefahr für die Reichseinheit, die aus dem Verfall der Wirtschaft an Rhein und Ruhr droht? Die Generalinspektion. Entente Antwort in Aussicht. Paris, 3. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Botschafterton ferenz, die sich in ihrer Sizung am Donnerstag mit der Antwort der deutschen Regierung beschäftigte, hat nach dem amtlichen Kommuniqué Renntnis genommen von dem dazu erstatteten Gutachten des Interalliierten Militärkomitees in Versailles. Die Mitglieder der Konferenz haben sich sodann vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Regierungen über die Grundlinien der Antwort an die deutsche Regierung geeinigt. Soweit die amtliche Mitteilung. Noch wesentlich tiefer ist das Niveau, auf das der Vorsitzende des Kreislandbundes Cottbus, v. Nazmer, steigen muß, um mit aller wünschenswerten Deutlichkeit einen von den Agrariern ausgehenden Putsch in Aussicht zu stellen. Schreibt doch Herr v. Nazmer als Quintessenz seiner Ausführungen in der Deutschen Tageszeitung": " nicht eintreten zu wollen. In London werde eifrig an der fachlichen Borbereitung der Konferenz gearbeitet. Die zur Teilnahme an den Beratungen berufenen Mächte würden, abgesehen von den Bereinigten Staaten, diejenigen sein, die Anspruch auf einen Angebrachten Forderungen des Reichslandbundpräsidiums bis zum teil an der deutschen Entschädigung gemäß dem Verteilungsschlüffel Don Spa hätten. In englischen politischen Kreisen erwarte man, daß die Konferenz nur eine Woche dauern und daß die deutsche Regierung zugezogen werde. Amnestie und Wahlreform in Frankreich. Paris, 3. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Kammerausschuß für das Amnestiegesek hat heute über die Frage der Wiedereinstellung der 1920 wegen Beteiligung am Generalstreit entlassenen Eisen bahner beraten. Der Minister der öffentlichen Arbeiten erklärte, daß die Regierung die Absicht habe, so schnell wie möglich das geschehene Unrecht wieder gutzumachen und auf die Eisenbahngesellschaften in diesem Sinne einzuwirken. Die Kommission hat beschlossen, der Kammer die Forderung nach fofortiger Wiedereinstellung aller unter dem Regime des Natio. nalen Blods wegen ihrer politischen Betätigung aus dem Dienst entlassenen Beamten vorzulegen. Der Senat hat eine 27gliedrige Kommission eingesetzt zur Beratung der ihm von der Kammer überwiesenen zwei Gesetzentwürfe, von denen der eine die Wiedereinführung der Arrondisse. ment Wahlen, der andere die Einführung des sechs jährigen Mandats für die Abgeordneten und die zweijährige Erneuerung zu je einem Drittel vorsicht. Kein Kanaltunnel. London, 3. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der englische Ministeranzuschließen, der sich aus strategischen Gründen gegen rat beschloß, sich dem Gutachten des Reichsverteidigungsausschusses den Tunnelbau ausgesprochen hat. In der Deffentlichkeit wird all gemein bedauert, daß die Arbeiterregierung den fulturell und perkehrstechnisch für England überaus wichtigen Tunnelplan, deffen Ausführung 25000 Arbeitern Beschäftigung geboten hätte, fallen gelassen hat. Gegenüber den strategischen Bedenken wird hervorgehoben, daß militärische Sachverständige, die dem Reichs verteidigungsausschuß nicht angehören, diese Bedenken als durch die Entwicklung der Luftfahrt überholt bezeichnen. Macdonald und die Völkerbundliga. London, 3. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In England hat es einiges Aufsehen erregt, daß Macdonald die ihm angetragene Ehrenvizepräsidentschaft der britschen Bölkerbundliga abgelehnt hat. Macdonald hat gleichzeitg gebeten, ihm fünftig die Drud schriften der Völkerbundvereinigung nicht mehr zuzusenden. Diese Haltung ist nicht etwa eine Berleugnung der idealen Ziele der Völkerbundvereinigung, sondern die Antwort auf die Haltung der britschen Völkerbundliga, die unter Führung ihres Präsidenten, Lord Cecil, die Arbeiterpartei von der Vertretung in ihrem Exekutivausschuß ausgeschloffen hat. Die Bombenwürfe auf Mesopotamien. London, 3. Juli.( WTB.) Der Unterstaatssekretär für Luftfahrwesen verteidigte im Unterhaus die Bombenabwürfe in Mesopotamien, indem er sagte, die feindlichen Stämme hätten fürzlich 146 Männer und 127 Frauen und Kinder getötet. Bei einem einzigen Einfall auf mesopotamischen Gebiet hätten diese Stämme alle gefangengenommenen Männer und Knaben nie beigemeelt. i Wenn die dem Herrn Reichskanzler gegenüber zum Ausdruck Herbst nicht erfüllt werden, dann werden wir eine Entwicklung er leben, welche den Zusammenbruch des Nährstandes bedeutet; und das muß zur Verzweiflung führen, die schließlich den Bauern zu Verzweiflungstaten treiben wird! Unter den Mitgliedern des Reichslandbundes sieht es nicht anders aus! Mögen die Verantwortlichen sich noch rechtzeitig warnen lassen, ehe sie das deutsche Landvolk zur Ver zweiflung treiben! In ihrer erpresserischen Tonart sind diese Forderungen freilich nicht neu. Der Landbund hat sie in fast gleicher Form der Reichsregierung vorgetragen. Begründung, die bisher der Landbundführer seinen der Reichsregierung vorgetragen. Interessant aber ist die Drohungen vorausschickt. Er geht davon aus, daß die Inlandspreise unter den Weltmarktpreisen stehen und führt das zurück auf die Verkäufe der Reichsgetreidestelle, die im Herbst v. J. vor der Gefahr einer durch die Inflation und den Lieferstreit drohenden Ernährungskrise sich mit Getreide eingedeckt, dieses teils in verdorbenem Zustande wieder auf den Markt geworfen und die deutschen Getreidepreise gedrückt hat. Wir haben feine Veranlassung, die Reichsgetreidestelle wegen dieser Verkäufe in Schutz zu nehmen. Vor allem besteht feine Möglichkeit, nachzuprüfen, inwieweit vielleicht ihre Ope= rationen überstürzt erfolgt sind. Eine solche Nachprüfung müßte Angelegenheit eines unparteiischen parlamentarischen die einseitige Kritik der Landbündler/ an dem Verhalten der Ausschusses sein. In feinem Falle aber erscheint uns Reichsgetreidestelle berechtigt. Mit welchen lebertreibungen auch da wieder vorgegangen wird, beweist folgender Umstand: Herr v. Nazmer stellt es in seinem Artifel dahin, ob die Reichsgetreidestelle ihre Reserven in der Absicht, die Landwirtschaft zu ruinieren, aufgeftapelt habe. Sehe man von dieser Möglichkeit ab, so bleibe nur Unfähigkeit. Wie lagen in Wirklichkeit die Dinge? Im Herbst v. J. frachte mit dem Zusammenbruch der Währung die deutsche Wirtschaft in allen Fugen. Ver braucher und Handel waren auf die Papiermart an gewiesen. Die Landwirte aber erklärten, gegen Papiermart ihr wertbeständiges Getreide nicht liefern zu fönnen und verlangten dafür Devisen oder wertbeständiges Geld. Die Mög lichkeit einer Stabilisierung der Währung lag noch in weiter Ferne. Sollte damals die Regierung es darauf ankommen lassen, daß diese durch die Einführung der freien Getreidewirtschaft begünstigten Zustände zu schweren Lebensmittelfrawallen und zur Bolschewisierung Deutschlands führten? Die Vorgänge am 9. November in München und die unver hohlene Sympathie, mit der die norddeutschen Agrarier sie aufgenommen haben, laffen allerdings den Schluß zu, daß man eine derartige Entwicklung gern gewünscht hätte, wie man noch heute am liebsten Kommunistentrawalle herbeisehnt, um auf diese Weise das Bürgertum zu einer Offensive gegen die gesamte sozialistische Arbeiterfchaft und für die Beseitigung der Republik aufputschen zu können. Eine verantwortliche Regierung konnte in Vora cussicht derartiger ernahrungswirtschaMcher und politischer Gefahren sich nicht auf die Bärenhaut legen und abwarten, wie weit die durch Währungsnot und Hungerelend zermürbte Geduld der breiten Massen reichen würde. Infolgedessen war die Aufstapelung großer Getreidereserven eine Not- wendigkett. Und es war auch notwendig, diese Reserven abzustoßen, als sie im neuen Wirtschaftsjahr zu verderben drohten. Die Wirkung der Verkäufe der Reichsgetreidestelle wird freilich auch vielfach überschätzt. Die Krise der Landwirtschaft datiert nicht nur daher, daß die Verkäufe zu einer Zeit er» folgten, wo die Kapitalkraft der Landwirtschaft durch die gleichzeitig wirksam werdenden Steuern stark in Anspruch genommen war; viel schärfer wirkte auf den allgemeinen Markt die Tatsache, daß die Kaufkraft der breiten Massen außerordentlich geschwächt war und noch ist und daß heute noch Hunderttaufende, wenn nicht Millionen von Deutschen auf eine richtige Ernährung verzichten müssen. Die Inflationswirtschaft und ihre Liquidation durch die stablle Währung hat den gesamten Warenmarkt, nicht nur den für Agrarprodukte erschüttert. Um die Stärkung der Kaufkraft der Verbraucher aber haben sich die Lcmdbündler nie gesorgt, obwohl diese eine, vielleicht sogar d i e Vor- bedingung für einen besseren Preisstand der Agrarprodukte ist. Lügenhaft jedenfalls ist es, wenn man heute die Reservenbildung an Brotgetteide als einen Mißgriff aus Un- fähigkett oder gar als einen beabsichtigten Streich gegen die Landwirtschaft hinzustellen sucht. Nach der Aufhebung der Umlage war die Qfctreidereseroe notwendig und kein anderer als Graf Westarp hat diese Notwendigkett vor aller Oeffentlichkeit und mit hinreichendem Nachdruck begründet, als er darauf hinwies, daß ohne eine stabile Währung das Volk bei vollen Scheuern zu verhungern drohe. Ein zweites Moment, das die Agrarkrise noch wesenttich verschärst, ist die enorme Spanne zwischen den durch eine künstliche, bereits im Schwinden begriffen« Ungunst der Marktlage niedrig gehaltenen Preisen für Agrarprodukte und denjenigen für Industriefabrikate, die von der Landwirtschaft benötigt werden. Merkwürdiger- weise findet sich zur Kritik der überteuerten Jnduftrieprodut- tion in dem Anikcl v. Natzmers kein Sterbenswort. Das ist in der Tat auffallend. Merdings hat der Landbund reichlich Grund, die Ueberteuerung der industriellen Produktion in einem Zeitpunkt zu verschweigen, wo man gegen die Reichs- regierung und gegen den Reichshankpräfidenten die bittersten Vorwürfe schleudert, während gerade im Verfolg dieser Wirt. schaftspolitik die Preise für Industriewaren zu sinken beginnen. Und man hat zu der Schweigsam- keit noch größeren Artfaß, wenn man sich daran erinnert, daß der Lcmdbund, der, obne ausreichend dazu autorisiert zu fein, sich als berufene? Vertreter der Landwirtschaft aufspielt, Schutzzölle für die Industrie gerade jetzt fordert, obwohl diese die Verteuerung der landwirtschaftlichen De- triebsmittel oerewigen müssen. Offenbar sind Herrn v, Ratz- mer Kohle, Kali, Stickstoff, die Maschinen und die Bekleidung feiner Arbeiter schon viel zu billig. Oder er hat, was an- gefichts der starken Belastung eines Landbundführers mit Phrafendlufch nicht verwunderlich ist, keine Zeit mehr dazu, in seinem Beirieb die Wechselwirkungen von Rohstoff- und Betriebsmittelpreisen und Gestehungskosten der Landwirt- fchäft zu verfolgen. Wir empfehlen ihm daher, stch bei jenem Großgrundbesitzer in führender Stellung der Berufsorgani- sation zu informieren, der zufällig am gleichen Tage im„Ber- liner Börfen-Eourier� die Anpassung der Preise der Betriebs- mittel, besonders des Kunstdüngers, an die Preise der Land- Wirtschaft fordert und weiter schreibt: „Das braucht nicht ausschließlich durch Erhöhung der Preise der landwirtschaftlichen Produkte geschehen, wie die« hier und da in führenden Schichten der deutschen Landwirtschaft durch Schutz- zölle gefordert wird: im Gegenteil Schutzzölle wären noch Ein König öer Wissenschaft. Von Karl Fischer. Die Akademie der Wissenschaften ist ein« Körper- schaft, in der dl« gelehrtesten Köpf« von ganz Preußen sitzen. Wie gelehrt all« dies« Doktores und Professore« sind, da« erkennt man erst aus den„Mitteilungen", die sie herausgeben und dl« so gelehrt sind, daß sie niemand versteht. Di« Sitzungen der Akademie der Wisssns stellen. Bei einer derartigen Forderung war die Land- Wirtschaft der Zustimmung der Verbraucher gewiß. wenn diese auf Gegenleistungen rechnen konnten. Der sozial- demokratische Ministerpräsident Otto Braun war es, der eine solche Lösung mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit verfocht, unterstützt dop einem Staatssekretär, der selbst prak» tischer Großlandwirt ist. Die Agrarier haben auf jede der- artige Hilfe verzichtet. Und wen« die gegenwärtige Krise wirklich das Grab der deutschen Landwirtschaft wäre, so waren es die deutschen Landbündle r, die dieses Grab geschaufelt haben. Glücklickierweise besteht die Gefahr einer Vernichtung der Landwirtschast nicht.. Die landwirtschafttichen Preise sind im Steigen, während die Industriepreise sinken. Ein gewisser natürlicher Ausgleich findet so statt. Auch jetzt gibt es niemanden im deutschen Volke, der die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung der deutschen Landwirtschast nicht an- erkennte. Auch die Sozialdemokratie ist bereit, nach wie vor an der Lösung der Krise das ihrige zu tun. Und sie wird sich in ihrem Weg nicht beirren lassen von Verleumdungen, deren Form und Inhalt nur ihre Urheber kenn zeichinen. Roethe: Wir haben heute keine Helden mehr, wir leben in einer Gegenwart, die so ganz ohne Helden ist, wi« seit Jahrhundetten nicht mehr. Aber der Klopstock, das war«in Held, denn ihm lebten nur Heimotshelden: Hermann der Cherusker, der deutsche Kaiser Heinrich. Luther und Leibniz. Der Leibnlz allerdings war immerhin ein»er- dächtiger Kerl: denn er hat Oden verfaßt, in denen er Ludwig XIV. umschmeichelte, trotzdem der doch ein französischer König war. Wir Armen von heute in einer verarmten Zeit leben unter dem Zeichen einer Schulreform, die e«, weiß Gott, noch dahin bringen wird, daß bald kein junger Mensch mehr die lateinische Sprache versteht. Statt der Helden von einst herrschen heute die Vielen und Allzu- vielen. In der Kunst und in der Wissenschaft— so sagte Herr Roethe— ist das nun zwar nickst ganz so schlimm. Aber in der Politik ist es wahrhaft katastrophal. Wir Heutigen haben nichts anderes als stärkende Heldenverehrung in der Vergangenheit. Wir sehen zwar, daß Bestrebungen im Gange sind, die«die und echt attstokratische Bildung aus der Welt zu schaffen, weil sie eben attstokratisch war, aber die Mitglieder der Akademie der Wissen» schaften, die die alte deutsche groß« Zelt erleben durften, die wissen, daß die Zeit schon wiederkommt, in der die Aristokraten statt des Volkes herrschen werden. Dieses letztere sagte Herr Rotthe vielleicht aus einer weisen Vorsicht heraus, auf griechisch. Was sonst noch gestern in der Sitzung geschah, war so unwichtig, daß es nicht Erwähnung verdient. Außerdem wäre es respektlos, nach so rassigen Worten eines Königs der Wissenschaft von Reben- sächlichem zu reden. Schade nur, daß in der Akademie der Wissen» schaften nicht gesungen werden darf. Sonst würde der Präslde, Herr Roethe, sicher zum Schluß mit Stenorstimm« kommandieren: Es steigt das erste allgemeine:„Fest steht und treu die Wacht am Rhein!"__ Schopenhauers Geüankenspäne. Die meisten Werke Schopenhauers sind in ihrer Form durch Zu- jälligkeiten bestimmt morden, und eigentlich fein Iugendwert„Die Welt als Wille und Vorstellung" ist in einem Guß entstanden. Der Philosoph hat an seinem Lebenswerk unermüdlich weitergearbeitet: da er aber bei dem gettngen Absatz seiner Schttften nur selten Ge- legenheit zu einer Neubearbeitung hatte, so stopft« er in neu er- scheinende Werk« olle mögüchen Zusätze hinein. Der unmittelbare Ausdruck seines späteren Philosophierens ist uns auf diese Weise oerborgen geblieben: unermüdlich i fang, viele von ihnen wanderten zum Erzeuger zurück, viele auch flogen in die Ecke nachdem weiter nichts zu hören gewesen war als ein kräftiges Rauschen im Telephon. Dazu kam die bald ein- setzend« Erkenntnis, daß die Apparate viel zu teuer waren. Eine führend« Firma Hot kürzlich den Preis ihres Detektorapparates von Ktz auf 37 M. herabgesetzt, ein Beweis, wieviel bisher daran zuviel verdient wurde, denn auch jetzt noch wird die Firma daran verdienen. Ein Vierröhrenapporat kostete im Laden rund 500 M., ebensoviel wie eine Schegelreflexkamera, die doch ein wahres Wun- derwert der Präzisionsoptik und Mechanik ist. Di« hohen Preise waren zum Teil eine Folge der unsinnigen Ausschläge auf all.' Selbstkosten, die ht Deutschland gewohnheitsmäßig, d. h. von der Inflation noch her, gemacht wurden, z. T. eine Folge der oiestn Händler, die sich dazwischen schoben und der hohen Gewinne, die sie machen wollten. Unter 50 bis 100 Proz. meinten diese Herren doch nicht arbeiten zu können. Ein Vierröhrenapparat kostet die herstellende Fabrik an Material etwa 80 M., an Arbeitslohn etwa 10 M., an Zuschlägen zum Lohn nochmals 10 M. Wird er dann an Auch eine„Radiofabrik" den Grossisten zu 140 M. abgegeben, so findet die Fabrik dabei reich- lich ihr Bestehen. Der Grossist kann ihn dann an den Detoillisten zu 175 M. verkaufen, dieser an das Publikum zu höchstens 225 M. Als Gegenstück sei angestihrt, daß sich kürzlich ein sehr vorgeschrittener B«rliner Funkfreund in Amerika nach eigenen Angaben einen außerordentlich verwickelten Apparat bauen ließ mit nicht weniger als 11 Röhren. Die Ausführung war so blendend schön, wie man in Deutschland keinen Apparat zu sehen bekommt, jede Röhre hatte ihr eigenes Meßinstrument, alle Schaltungen durch Hebel leicht ausführbar, und der Preis? 125 Dollar gleich 500 Goldmark, soviel, wie bei uns der schundigste Vierröhrenapparat kostet. Wie ist Sesterung zu erreichen! Zu großem Teile wird die vollständig abgetötete Kauflust des Publikums schon erreichen, daß nur die bestfundierten Unternehmun- gen bestehen bleiben. Aber für die Güte der Erzeugnisse ist damit nichts gewonnen, hier Hilst nur mehr Srikik. Da wird z. B. ein Detektorbaukasten feilgeboten, der nicht billig ist und scheinbar gar nicht übel. Aber der Kondensator hat höchstens 55 Zentimeter Kapazität, die Spule, eine Flachspule von 36 Windungen, hat etwa 500 000 Zentimeter Selbstinduktion, jeder Fachmann kann da aus- rechnen, daß dieser Apparat nur bis 240 Meter Wellenläng« Empfang geben kann, während unsere Sender mit 400— 500 Meter arbeiten. Viele werden sich mit diesem Kasten herumgequält und ihn schließlich in die Ecke gestellt haben, wenn sie keinen Empfang bekamen, in- dem sie wohl dachten, sie hätten ihn falsch geschaltet. Ebenso wird es oft mit selbstgebauten Apparaten gehen, an deren Nichtfunktto- nicren nicht falsch« Schaltungen, sondern schlecht« Einzelteile die Schuld tragen. Unter den üblichen Transformatoren hat man bei Prüfung 30 bis 50 Proz. Ausschuß, Kondensatoren bon angeblich 100 Zentimeter Kapazität haben nur 35 Zentimeter, Blockkondensa- toren sind einseitig ganz von der Klemme abgerissen, so daß sie überhaupt keine Kapazität mehr haben, Telephone und Spulen haben Unterbrechung usw. Alle solche Teile müssen geprüft werden und wer das nicht kann, dem muß man heute bester den Rat geben, die Finger davon zu lasten. Erst dann, wenn es sich zeigt, daß weder bei Apparaten noch bei Einzelteilen das Publikum alles hinnimmt, sondern nur bewährte Erzeugnisse, erst dann ist auf Besserung zu hoffen. * Kürzlich hat sich der Verband deutscher Elektrotechniker(VdE.) der Sache angenommen und beschlossen, eine Prüfstelle zu errichten, die Mindestforderungen für Apparate aufstellen und die Apparate, die ihnen entsprechen, mit einem Stempel versehen soll. Wenn diese Prüfstelle ihre Tätigkeit auch auf Einzeltoile ausdehnt, wäre dem selbstbauenden Funkfreund«— und unter den Arbeitern überwiegt der bei weitem, wie die Erfahrung der Geschäfte zeigt— sehr viel geholfen, denn dann würde er beim Kauf ohne weiteres den VdE.- Stempel fordern. Dann aber würde mit der Zeit auch die deutsche Radioindustrie die Schieber und Schwindler abstoßen und den Ruf erringen, den die deutsche Elektrotechnik sonst hat, den der Giite und Zuverlässigkeit. Zerien im Rathaus. Die gestrige ordentlich« Sitzung der Stadtver- ordneten war. wie ihre letzten beiden Vorgängerinnen, schon nach drei Minuten zu Ende. Sie wurde um 5 Uhr vom Vor- steher Genossen Haß eröffnet; sofort verlangte B r u n o w von der Wirtschastspartei das Wort zur Geschäftsordnung, beantragte die Vertagung und bezweifelt« zugleich die Beschlußfähigkeit des Hauses. Der Vorsteher stellte den Antrag zur Unterstützung, und diese genügte, da auf der rechten Seite etwa ein Dutzend Mtglieder sich eingefunden hatte. Vorsteher Haß: Die Versammlung ist zweifellos nicht beschlußfähig. Damit kann auch die heutige Sitzung nicht statt- finden.— Ich möchte nur noch darauf hinweisen, daß damit der Stadthaushalt wi« im vorigen Jahre nicht verabschiedet ist, und daß durch die Anzweiflung der Beschlußfähigkeit auch eine neue Beschlußfassung über die Ferien heute unmöglich geworden ist. Wir treten somit in die Ferien ein; ich wünsche den Herren eine gute Erholung(stürmische Heiterkeit links) und hoffe, daß wir nach dem Abschluß der Ferien wieder zu vraktischer Arbeit zusammentreten werden. Damit ging die Versammlung für Juli und August in die Sommerferien. » Das Nachrichten amt der Stadt Verlin teilt mit: Da eine Ver- abschiedung des städtischen Haushalts durch die Stadtverordneten- Versammlung in absehbarer Zeit nicht erwartet»werden kann, hat der Magistrat die vorläufige Bewirtschaftung des st ä d t i s ch e n Haushalts für die Zeit vom 1. Juli 1924 ab selbständig regeln müssen. Er hat die Verwaltung ermächtigt, die zur Fortführung der städtischen Wirtschast notwendigen Ausgaben weiterhin zu leisten, dabei aber nirgend« über die Ansätze des Haus- Haltsentwurfs hinauszugehen, sowie sie vom Magistrat und Haus- haltsausschuß beschlossen sind. Dabei ist der Magistrat den Be- schlüssen des Haushaltsausschusses überall beigetreten mit Ausnahme von einer Ausgabe vvn 15 000 M. für die Wiedereinführung der Drucklegung der stenoggraphifchen Sitzungsberichte der Siadwer- ordnetenversammlung, auf welch« der Magistrat die Stadtverord- netenversammlung noch zu verzichten bittet Für die finanzielle Durchführung der Haushaltswirtschoft bedeutet die Verzögerung der Haushaltfestsetzung keine unmittelbare Gefahr. Die Gemeinde- steuern sind schon zu Beginn des Rechnungsjahres vorläufig f e st g e s e tz t worden und laufen, auch wenn der förmliche Steuer- Verteilungsbeschluß erst später genehmigt wird. Die Autsmaten sind wiedergekehrt. Nach jahrelanger Pause sind die ersten Automaten wieder von der Staatsbahnverwaltung aufgestellt worden. In den Vorräumen der Bahnhöfe stehen die Automaten, die etwas breiter und höher sind als ihre Vorgänger. Gegen Einwurf eines Ren- tenzehnpfennig- und eines Renten fünfpfennig- stück es spendet der Automat eine Fahrkarte dritter Klasse. Die neuen Automaten haben vor den alten noch den Vor- zug, daß nian sie nicht, wenn sie versagen und bockig sind, vergeblich schlagen und schütteln braucht, damit sie wieder zur Vernunft kommen. An dem neuen Automaten ist nämlich ein Knopf angebracht, auf den man drückt, und dann funktioniert der Automat wieder. L3s Die Venus von Syrakus. Von Clara Rahka. „Nun— sehr sicher scheint es in der Umgebung des Schlosses, in das du mich brachtest, nicht zu sein. Kaum wagte ich einige Schritte aus dem offenstehenden Tor dort, da er- faßte, knebelte man mich—"ihre Stimme versagte— sie strich langsam über ihre Stirne—„Gottlob, geschah mir kein Leid." „Nein! Liebes, Liebes! röchelte der Prinz. „Ja— Liebes," sagte Livia mit einer schwebenden und doch freien Stimme.„Die Menschen, bei denen ich war, taten, was sie konnten, um mir die Tage angenehm zu machen. Aber weshalb verschleppte man mich dorthin, das möchte ich von dir wissen?" Bei diesen Worten wurde das Blut kalt in ihren Adern. Sie spielte ein hohes Spiel. Wie nun, wenn Bianca von dem Brief gesprochen hatte? Der Papageienmann hatte sich geduckt; dann streckte er den Kopf einige Male automatisch vor.„Du verschleppt, du geknebelt! Das ist— das ist—" krächzte er. Livia hob die Hand.„Sag das Wort, bitte, nicht." Jetzt erst hatte Prinz Jacopo den vollen Atem:„Bei deinem Galan warst du, bei deinem Liebsten. Er rief, du kamst. 0 ja, man läßt sich gerne rauben. Immer wieder rauben, knebeln, fesseln. Nein, meine Liebe, das Märchen erzähle anderen, nicht mir." Livia schritt, äußerlich ganz ruhig, auf das Schloß zu; der bunte, flatternde Alte stöckerte aufgeregt neben ihr her. Sie iah gar nicht hin. Hatte Bianca dennoch? Oh� Bianca! Hier und da zeigten sich Gesichter, nahten sich Schritte. Der erste war Monsignore Casapi.„Prinzessin," sagte er würdevoll,„es erfüllt mich mit großer Genugtuung, daß Sie freiwillig heimkehrten. Immer noch ist mehr Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, als über neun- vndneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen." „Tag und Nacht, jede Stunde werde ich dich bewachen lassen," krächzte der Papagei dazwischen. „Freiwillig?" sagte Livia, die Augenbrauen erstaunt hoch- ziehend.„Man hat mich gewaltsam von hier fortgeholt und gewaltsam zurückgebracht. Ihr war nicht wohl ums Herz, als sie diese Worte sprach. „Nicht freiwillig, nicht freiwillig!" höhnte de? Aste, Er klopfte einige Male auf die Talgdrüse, als ob er seinen auf- sprießenden Verstand beruhigen müßte. Casapi blieb ganz gefaßt.„Wer brachte Sie hierher, Prinzessin?" Livia sah ihn mit großen, kühlen Augen an.„Ich kenne den Menschen nicht." „Zu Pferd, zu Wagen— wie kamen Sie bis zum Schlosse hin?" „Man fuhr mich hierher in einem Eselwagen. Der Wagen war mit vielem beladen— es türmte sich über mir, doch es bedrückte mich nicht. Man hatte es so eingerichtet." Der Prinz sah sie starr an. „Die Pferde, die Pferde!" schrie er plötzlich auf. „Ja, Prinz, gewiß— einen Augenblick nur," Casapi sah den Erregten beschwichtigend an. Dann, zu Liria ge- wendet:„Wie sah dieser Eselwagen aus? „D a s weiß ich nicht," sagte sie entschieden,„man steckte mich zur Nacht hinein, er wird nicht viel anders aussehen als jeder andere sizilianische Eselwagen." Ihre Sicherheit war zurückgekehrt. Hätte der Prinz um den Brief gewußt, jetzt hätte er sich längst verraten. „Alle Eselwagen anhalten, alle auf den Hof zusammen» treiben!" keifte wieder der Alte. „Wollen Sie sich das nicht überlegen, Prinz?" sagte Casapi vorsichfig;„wäre es nicht besser, diese Sache unter den Fuß zu treten?"-v!i-.> „Nein, nein!" Sie waren im unteren Saale angelangt, wo ein Diener den Frühstückstisch deckte;„Luigi, die Reit- knechte hierher!" Doch der Prinz ertrug kein Warten, er lief selbst hinter dem Bedienten drein, ungeachtet der hochroten Damastdecke. „Wollen Sie mich bis zu meinem Zimmer begleiten, Monsignore?" sagte Livia leise lächelnd. „Gerne." Sie schritten stumm über die Gänge und Treppen, ein- ander innerlich messend. Eine Tür wurde aufgerissen, Bianca lief ihrer Herrin entgegen, kniete vor ihr nieder, küßte ihre Hände: „Gottlob, gottlob!" sagte sie schluchzend. „Hilf mir beim Umkleiden," sagte die Prinzessin freund- lich, doch sehr gehalten. Monsignore Casapi stand einigermaßen verblüfft und ratlos da., Hier konnte er sich unmöglich aufdrängen. Er sah die beiden Frauen im Schlafzimmer der Prin- zessin verschwinden. O— lala! O— lala! dachte er nur, und er beschloß, sich mit Objektivität zu umgeben. „Hast du geschwiegen?" flüsterte die Prinzessin. t«Ja— gewiß!" „Völlig? Nichts vom Briefe gesagt?" „Nichts, gar nichts." „Gute Bianca—" und dann laut:„Hättest du es ge- glaubt, daß ich nicht sicher bin, sobald ich nur den Fuß aus dem Parke setze? Wer mir das angetan hat, das möchte ich wissen! Man hat mich geraubt, in einsamer Gefangenschaft gehalten und dann in dunkler Nacht hierher zurückgebracht. Es war wirklich sonst nichts," fügte sie leise hinzu. „Mißglückt," murmelte Bianca traurig und hakte das Kleid der Prinzessin auf. Livia nickte. Prinzessin Beatrice kam herein. Wie eine stumme Drohung setzte sie sich in einen der breiten Hessel. Livia sah kühl über sie hinweg. „Und noch eins, Bianca, laß dein Bett in mein Schlaf- zimmer bringen, ich will nicht mehr allein fein—." „Hier schlafe ich," quetschte Beatrice hervor. „Sie auch?" sagte Livia erstaunt.„Güt, ich habe gar nichts dagegen." Wie herrlich beschützt war sie doch! Dann wandte sie sich wieder an Bianca. Das Zimmer muß also ganz umgeändert werden. Schick mir nach dem Frühstück den Haushofmeister."—, Livia erfrischte sich in aller Ruhe, schritt dann wieder die Treppe hinab und setzte sich im Gartensaal, gemeinsam mit dem nunmehr gut zurechtgeputzten Prinzen, dessen Schwester und dem Monsignore Casapi, an den reich gedeckten Tisch. Ganz, als ob nichts vorgefallen wäre, in göttlichem Gleichmut, faß sie da. Sie erzählte nichts, gab nur einsilbige Antworten. Das Frühstück nach dieser langen Nachtfahrt schmeckte ihr ganz besonders gut. Sisto? Wer einen Mann wie Sisto liebte, der brauchte nicht in Sorge zu fein. Sie wähnte ihn auf dem Meere— in irgend- einer Verkleidung. Wenn sie auch nicht gerade romantisch war, so hatte Livia doch Freude an Abenteuern. Vor allem aber war es herrlich, unter dem Schutze von Beatrice und Bianca in aller Seelenruhe schlafen zu können. Als einer der Diener eine Schale mit Obst hereinbrachte, drang ein mehrstimmiges Eselgelächter in den Saal. Odei; waren es Ausdrücke des Mißvergnügens? Liria entschied sich für das Gelächter. (Fortsetzung fcleyj J Die Bürgermeisterwahl in Charlottenburg. Augustin mit einer Stimme Mehrheit gewählt. isposed as applis Saison- Ausverkauf. Jeder framt scheinbar wahllos in dem Wust umher, was einer Berlin steht seit Mitte der Woche im Zeichen der Saisonausverkäufe, das große Publikum kann sich des Eindrucks nicht hinlegt, nimmt der andere auf. Man sieht Sommerkleider für erwehren, als bestehe mindestens eine geheime Berabredung zwischen 2,50 M., Blujen für 58 Pf., Damenmäntel für 9 M., Taschentücher den Raufhäusern und Geschäften aller Art, daß alle gerade zu gleicher für 45 Pf. das halbe Duhend. Die Kleider stehen in den Auslagen Beit ihre Ausverkäufe machen. Es besteht aber für diese geschäft- auf Puppen gezogen, auf denen sie sich, bei der entsprechend vervollgeſchäftständigten Toilette der Figur, recht nett machen. Meist sind es aber lichen Veranstaltungen eine behördliche Regelung, die den kleine Nummern, die für normale Figuren zu eng und Raufleuten genau vorschreibt, zu welchen Zeiten des Jahres Inven- fur3 find und die animierte Käuferin muß dann eben für ein turausverkäufe und Saisonausverfäufe gemacht werden dürfen. Die paffendes Kleid mehr ausgeben. Oder es sind Waren, die bereits Wochen vom 2. Januar bis 15. Februar und vom 1. Juli bis als Deforationsstüde Berwendung fanden und nun angeftaubt oder 15. August find hierfür festgesetzt. In dieser Zeit kann der einzelne zerfnittert sind und deshalb im Preise herabgesetzt werden müssen. Geschäftsinhaber drei Wochen lang seine Waren zu bedeutend herab. Natürlich ist auch mancher Geschäftsmann und es sollen nicht gesetzten Preisen" verkaufen, er ist aber verpflichtet, seinen Inventur immer die kleinſten fein gezwungen, um jeden einigermaßen oder Saisonausverkauf durch Platabe und Bekanntmachungen an tragbaren Preis einen Teil seines Warenlagers loszuschlagen, um feinem Geschäftslokal anzufündigen. feinen dringendsten finanziellen Berpflichtungen nachkommen zu tönnen. Die leidige Kreditnot zwingt eben viele, unter allen Umständen bares Geld zu machen. Dabei muß oft genug die Profitrate wesentlich herabgesetzt werden. Nur so ist es erklärlich, daß beiangeboten werden. Die Schuhindustrie befindet sich augenblicklich in spielsweise Curuswaren zu offensichtlich start reduzierten Breisen einer schweren Krise.- Zusammenfassend fann gesagt werden, daß waren von minderer und Durchschnittsqualität wirklich billiger erffanden werden können, daß aber Qualitätswaren für die große masse der Konsumenten immer noch zu hoch im Preise stehen. Die Reklame. Bei der Bürgermeisterwahl in Charlottenburg gab es auf der Rechten eine ganze Reihe enttäuschter Gesichter. Die ver einigte bürgerliche Fraktion hatte gehofft, ihren Kandidaten mit großer Mehrheit durchzubringen. Diese Erwartung ist fläglich gefcheitert. Die abfolute Mehrheit beträgt bei 60 Mitgliedern, welche die Bersammlung hat, 31. Abgegeben wurden 35 3ettel, drei unbeschrieben, so daß Herr Augustin mit 32 Stimmen gewählt wurde. Die sozialdemokratische Fraktion empfahl unseren Genossen Paul Hirsch, welcher zurzeit als stellvertretender Bürgermeister amtiert. Unser Hinweis dorauf, daß Hirsch auf Grund seiner 25jährigen Tätigkeit in der Kommune Charlottenburg und seiner umfassenden, allseitig anerkannten Fähigkeiten auf fommunalpolitischem Gebiet der geeignete Mann für den Bürgermeisterposten ist, blieb von den Bürserlichen unbeachtet. Der Erwirtschaftsminister und frühere Oberbürgermeister von Charlottenburg, Dr. Scholz, fonnte zwar die Fähigkeiten unseres Genossen Hirsch nicht hinwegdisputieren, im Gegenteil, er ertannte sie ausdrücklich an. Aber dieser fluge Führer der Deutschen Volkspartei verfügt über ein wohlassortiertes Lager bester Männer". Dieser Lagerbestand an bedeuzeit bombardiert wird, ist also gewiffermaßen behördlich vorge Die Ausverkaufsreklame, mit der die Berliner Käuferschaft zur tenden Zeitgenossen ist gestern durch die Wahl Augustins von neuem verringert. Geradezu kläglich war das Verhalten der Demo= schrieben, wenn es auch natürlich niemanden eingefallen ist, den fraten. Führerlos schwankten sie hin und her, ohne zu wissen, Geschäftsinhabern und ihren Propagandachefs die Art der Waren für wen sie sich zu entscheiden haben. Von den neun Mitgliedern anpreifung zu diftieren. Darin hat jeder freie Hand. Und wie frei ihrer Fraktion waren ganze vier anwesend. Da anzunehmen ist, die Hand ist, wie frei und weit der Erfindungsgeist sich entfalten daß die Wirtschaftspartei, die mit drei Mitgliedern vertreten war, für fann, das merkt der Berliner wirklich in diesen Wochen. Man muß über den Ideenreichtum der Maler, Deforateure, Architekten und Augustin gestimmt hat, fann man den Schluß ziehen, daß nur eine Stimme von den aimefenben Demokraten auf Auguftin entfallen ist. Beleuchtungskünstler einfach staunen. Hier hat ein Geschäftsmann Den anderen fehlte der Mut, eine feste Stellung einzunehmen. Aus eine Schaufenster mit den grellbuntesten Plakaten zugeklebt, auf diefer Haltung geht flar und deutlich hervor, daß die Demotraten benen er anfündigt, daß in seinem Geschäft der rüdsichtsloseste nicht mehr den Willen haben, einen flaren Kurs zu steuern. Saft. Preisabbau" stattgefunden hat; dort läßt einer eine wächserne und traftlos verfallen fie dem Bürgerblod, um in den entscheidenden Göttin ben ganzen Abbaufegen aus einem Füllhorn über die er Kämpfen zwischen Bürgerblock und Arbeiterschaft zerrieben zu werden. ftaunten Käufer und solche, die es werden sollen, ergießen. Jeder Unmittelbar vor Beginn der Wahl stellten unsere Genoffen zur Gefleine Posamenten und Bandwarenhändler hat seinen Saisonaus schäftsordnung den Antrag, die Sache noch einmal an den Ausverkauf. Oft find es nur gefchmadiose, fertig in den großen Druceschuß zurückzuverweisen. In falscher Auslegung der Geschäfts- reien zu laufende Plakate, die mit Mehltleister auf Fenster, Wände ordnung wies der Borsteher Dettleffen diesen Antrag als nicht und Schaufästen geklebt werden. Dann aber marschieren die großen zuläffig zurüd. Darauf verließen die Sozialdemokraten Warenhäuser auf. Je nach ihrer Lage in der Stadt und dem sich und Kommunisten geschlossen den Gaal. Es wird hieraus refrutierenden Bublifum haben diese Riesenverkaufsstätten zu prüfen sein, ob das Verhalten des Borstehers uns nicht zwingt, auch ihre Reklame abgestimmt. gegen die Wahl Protest zu erheben. " Was ist billiger geworden? 99 Dem Gartendirettor Barth werden neben seinem Gehalt be sondere Zuwendungen zuteil. Er bezieht aus den städtischen Gärt- Was durch Ankündigung außerhalb der eigentlichen Verkaufsnereien Naturalien und darf Kleinvieh halten. Unsere Genossen beräume vielleicht noch nicht erreicht ist, versucht man durch enttrachten diese Sonderbezüge als Bestandteile der Besoldung des fprechende Aufmachung im Innern zu erzielen. Der Schwerpunkt, Herrn Barth. Da auf Grund der neuen Besoldungsvorschriften alle um den sich aller Berkauf drehen soll, ist in den meisten Geschäften, Sonderbezüge zu streichen sind, beantragten wir, auch Herrn Barth besonders aber in den Warenhäusern, auf die Räume unmittelbar am diefe Bezüge zu streichen. Obwohl ein Ausschuß, der vorher diese Haupteingang verlegt. Hier tonzentriert sich der Hauptangriff der Angelegenheit beraten hatte, mit 7 gegen 4 Stimmen Beseitigung der Räufermaffen. Berge von Kleiderstoffen, Wäsche und Weißwaren Sonderbezüge beschlossen hatte, lehnte die Versammlung diesen Be. aller Art, Birtwaren, Hutfassons, Schlipsen, Kragen, Hosenträgern schluß mit 28 gegen 23 Stimmen ab. Da die Bürgerlichen und das türmen sich dem Eintretenden entgegen. Man hat den Eindrud, als Bezirksamt Charlottenburg anscheinend fein Gefühl für die Ungerech erliege Verfäufer ebenso wie Käufer den Waren aller Art. tigkeit haben, die in der besonderen Bevorzugung des Gartendirektors liegt, wird der Magiftrat Berlin sie wieder auf den Pfad der Tugend zurückführen müssen. Genosse Kawerau begründete unseren An trag, die gesetzwidrigen Zustände" im Privat. und Familienfchulwesen Charlottenburgs zu beseitigen. Die Bestimmungen der Reichs. verfassung werden durch die Aufsichtsbehörden falsch angewendet und dadurch die Flucht der befizenden Bevölkerung aus der Grund schule begünstigt. Stadtschulrat Otto erklärte, das Bezirksamt tönne nicht eingreifen. Die Schuldeputation hätte bereits eine Prüfung peranlaßt. Der Antrag wurde vertagt, bis das Ergebnis der Prüfung feststeht. Darauf begründete Genosse Dr. Süßmann unfere drin. gende Anfrage, ob das Bezirksamt bereit ist, über die empörenden linterschleife von Lebensmitteln und Liebesgaben, die einige Beamte im Krankenhaus Westend begangen haben, Auskunft zu geben. Stadtrat Hirsch teilt mit, daß eine Küchenangestellte und ein Stadtfekretär städtisches Eigentum und Liebesgaben in größerem Umfange gestohlen haben.( Der„ Borwärts" hat darüber bereits ausführlich berichtet.) Es ist sofort gegen alle Beteiligten das Disziplinarverfahren eingeleitet worden, sofortige Amtsenthebung ver fügt und Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gemacht worden. Die Badeanstalt krummeftraße hat in diesem Jahre einen Höchstbesuch von 1700 Personen täglich. Die vorhandenen Ein. richtungen reichen nicht aus, diesen gewaltigen Ansprüchen zu ge nügen. Die Versammlung beschließt einstimmig, ein zweites Schwimm. baffin zu bauen. Polizeischutz für filmende Kinder. als berechtigt anerkannt werden, z. B. die Berringerung der Stunden zu erziehen ist. Wenn auch einige Einzelheiten der Neuordnung" zahl für bie Schüler, die Forderung der Herstellung einer engeren Berbindung zwischen den einzelnen Lehrgegenständen, die Einfüh zahl für bie Schüler, die Forderung der Herstellung einer engeren rung der Philosophie als eines Pflichtfachs, so muß die Berliner Be zirksgruppe der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands doch mit Bedauern feststellen, daß der Minister den schulpolitischen Forderungen der bei weitem stärt ften Roalitionspartei in feiner Weise Rechnung getragen hat." „ Sie kennen mich schon..." Der unliebsame Besuch auf dem Wohnungsamt Wilmersdorf. Das viel angefeindete Wohnungsamt Wilmersdorf stand wieder einmal im Mittelpunkt einer fleinen Standalaffäre, die sich jetzt in Form einer Beleidigungsflage gegen den Direktor und Syndifus Honte vom Rhyn vor der Berufungsstraffammer des Land gerichts III abspielte. Der Polizeipräsident von Berlin hat nach eingehenden Beratungen mit den Verbänden der Filmindustrie durch Polizeiverordnung vom 30. Juni 1924 bestimmt, daß Kinder bei Filmaufnahmen nur mit seiner Zustimmung beschäftigt merden dürfen. Kinder unter drei Jahren dürfen bet Filmaufnahmen überhaupt nicht mitwirten. Der Filmunternehmer hat die Erlaubnis des Polizeipräsidenten, sobald er in einem Film Kinder beschäftigen will, zu beantragen und bei diesem Antrage 1. a, genaue Angaben über den Inhalt der Szenen und Bilder, in denen die Kinder mitwirken sollen, sowie über die Art ihres Mit wirkens zu machen. Die Erlaubnis wird feinesfalls erteilt werden, wenn eine schädigende Einwirkung auf das Kind in fittlicher, geistiger oder gesundheitlicher Beziehung oder eine Ueberreizung seiner Bhantaste durch den Inhalt der Szenen, in denen es mitwirken soll, oder durch die von ihm vorzunehmenden Handlungen zu besorgen ist. Die Arbeitszeit der Kinder darf im allgemeinen fechs Stunden ( die Arbeitsbereitschaft eingerechnet) nicht übersteigen; auch dürfen die Kinder nicht vor dem Vormittagsunterricht und nicht nach 8 Uhr abends beschäftigt werden. In den Filmateliers find besondere Garderobe- und Aufenthaltsräume für die Kinder vorgeschrieben, zu denen die erwachsenen Personen des Betriebes, infoweit sie nicht Familienangehörige eines der Kinder oder Aufsichtspersonen find, keinen Zutritt haben. Die Kinder müssen dauernd unter jachgemäßer Aufsicht sein. Werden mehr als zehn Kinder beschäftigt, so ist mit ihrer Beaufsichtigung eine staatlich anerfannte Jugendpflegeperson zu beauftragen. Die Berordnung enthauptung ihm ein disziplinarisches Einschreiten gegen hält weitere technische Einzelheiten, die sich vor allen Dingen mit dem Schutz der Kinder vor allzu startem Lampenlicht befaffen. Die gesamte Verordnung im Wortlaut ist im Regierungsblatt zu Bots dam abgedruckt und kann auch bei der Abteilung II des Polizei präsidiums Berfin am Alexanderplah eingesehen werden. Wie erinnerlich, ist gerade dieses Wohnungsamt in letzter Zeit zu wiederholten Malen Gegenstand von Angriffen gewesen, insbesondere als der Fall des bei ihm tätig gewesenen Stadtsekretärs Leder aufgerollt wurde. Diese Enthüllungen und Angriffe find zum größten Teil zurückzuführen auf den Angeklagten, der sich, wie das Gericht nüßig zur Aufgabe gestellt hatte, Mißstände bei den Wohnungsämtern auch ausdrücklich anerkannte, in bantenswerter Weise und uneigenaufzudecken und ihnen nachzugehen. Nach Ansicht des Angeklagten foll badurch bei den Beamten des Wohnungsamtes eine feind= ftärkte, als der Fall Leber von ihm aufgedeckt wurde, da die Beamten felige Stimmung gegen ihn entstanden sein, die sich noch verdes Wohnungsamtes sich noch am Tage vor der Verhaftung Leders mit diesem solidarisch erklärt hatten. Diese Gegnerschaft tam in unliebsamer Weise zum Ausdrud, als der Angeklagte an einem Lage, der fein Sprecytag war, mit einer Dentistin in einer dringlichen Wohnungsangelegenheit auf dem Wohnungsamt erschien, nachdem er vorher eine Bereinbarung mit dem Stadtfyonitus Simm getroffen hatte, daß er mit dem Dezernenten Seidel in der Sache verhandeln solle. Da sich von Rhyn nicht abweisen lassen wollte, faßten bie Beamten sein Berbleiben in den Räumen des Wohnungsamtes als ein unberechtigtes Eindringen auf. Es entspann sich zunächst zwischen ihm und dem Stadtfekretär Hauck eine scharfe Auseinanderfegung. Um den läftigen Besucher los zu werden, sollte er aus dem Wohnungsamt herausgedrängt werden, was nach Angaben von Haud nach bewährter Taftit" geschehen sei. Dieses Hinausbringen ähnelte aber einem Hinausmurf. Der Angeklagte behauptet, daß sich plötzlich acht Beamte auf ihn warfen und ihn an die frische Luft beförderten. Er wurde regelrecht die Treppe hinuntergeworfen. In der Erregung über diese Behandlungsweise gebrauchte der Angeklagte den Ausdruck„ Gesindel". Wegen dieses Vorfalls stellte vom Rhyn zunächst feinen Strafantrag, da Stadtfyndikus Simm nach seiner Bedie an der Auseinanderjegung beteiligten Beamten zugesichert hatte. Davon hörte er aber nichts weiter, dafür erhielt er aber, als die Frist zur Stellung eine Strafantrages abgelaufen war, zu seinem Erstaunen 2nflage wegen Beleidigung. Da der Angeklagte in der der Prügelei vorangegangenen Auseinandersetzung dem Stadtsekretär Haud zugerufen hatte: ,, Sie fennen mich schon vom Leder her", fühlte fich letzterer auch dadurch beleidigt, weil er hierin eine Gleichstellung mit den Schiebungen Leders erblickte. Das Schöffengericht Charlotten burg hatte Honte vom Rhyn auch wegen Beleidigung in beiden Fällen verurteilt. Die Berufungsstraftammer bezeichnete das Hinaus werfen des Angeflagten auch als einen bösen Uebergriff. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 4. Juli. Die Nenordnung des höheren Schulwesens. Die Bezirksgruppe Berlin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemofratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands hat nach einem Re. forat des Genoffen Dr. Erich Witte die folgende Entschließung angenommen:„ Die Bezirksgruppe lehnt die Neuordnung des höheren Schulwesens durch den preußischen Minister Dr. Boeliz ab. Dieser legt die sogar von dem langjährigen Ministerialrat Reinhardt be. fämpfte neunjährige höhere Schule fest, ohne den Be schluß des Reichstags hierüber abzuwarten. Auch einen gemein. famen Unterbau der höheren Schulen, für den der Minister noch einige Monate vorher eingetreten ist, macht er durch die Forderung unmöglich, daß die Reformgymnasien in Gymnasien alter Ordnung zu verwandeln seien. Die von ihm selbst eingeführte freie Ge ftaltung des Unterrichts auf der Oberstufe beseitigt er wieder. Die Vorschrift, daß die Schüler die Kosten für den wahlfreien Unter. richt zum Teil selbst aufbringen follen, ist außerordentlich unjozial. Die Denkschrift und die bereits herausgegebenen Lehr pläne für die Deutsche Oberschule lassen vermuten, daß der Unterrichtsminister des größten deutschen Freistaates wichtigste päda| gogische Forderungen ablehnt, daß die Jugend im republita nischen Geifte und im Geiste der Bölferoerföhnung dienst, Sportnachrichten. Nachm. Nachm. 1.05 Uhr: kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bein der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30 Uhr bis 7 Uhr Unterhaltungsmusik. 7,30 Uhr abends: 7,30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Architekt Friedrich Paulsen:„ Ich richte mir mein Landhaus ein". 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. h. c. Margarete Abler: Volkslieder; Gertrud Renner: Heitere Vor Damaschke: Bodenreform". 9-10 Uhr abends: Froher Abend, träge; Alexander Fleßburg: Lieder: Erwin Höhne: Flötensoli. Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, WetterDie Konsumgenossenschaft. Den allgemeinen Gepflogenheiten im Geschäftsbetrieb fann sich natürlich bis zu einem gewiffen Grade auch die Konsumgenossenschaft nicht entziehen, und so hat auch sie in ihren Warenhäusern einen Saisonausverkauf arrangiert. Ihr stehen allerdings nicht so gewaltige Reklameetats zur Verfügung wie den großen Privatwarenhäusern; die Genossenschaft muß deshalb durch die zur Berfügung stehenden Propagandamittel werben. Gefagt fann aber werden, daß durch verständnisvolle Beratung durch das Verkaufspersonal jeder Käufer nach Wunsch befriedigt werden kann, sofern nur einigermaßen beachtet wird, daß zwischen dem Preis und der Qualität einer Ware ein untrennbarer Zusammenhang besteht. Die Ronsumgenossenschaft ist stets beftrebt gewesen, ihren Mitgliedern in den Warenhäusern Waren anzubieten, deren Preis in einem gefunden Verhältnis zur Güte der Waren steht. ** Eine wirkliche dauernde Preissenfung wird erst möglich sein, wenn im gesamten Wirtschaftsleben eine Gefundung eintritt und wenn dann die Rohstoffpreise und die Gewinnabsichten der Schlüffeíinduſtrien auf ein erträgliches Maß gebracht sind. Durch herabsegung der Arbeiterlöhne bei der Fabrikation allein ist feine Breisfenfung zu erzielen; sie vermindert nur die Kauftraft der Massen und damit den Warenumfaß. einer Berurteilung des Angeflagten wegen for Im übrigen tam es jedoch wegen des Ausdruds ,, Gefindel" zu maler Beleidigung zu 50 m. Geldstrafe. Gegen den Ange flagten Honte vom Rhyn war noch eine zweite Beleidigungstage origi erhoben worden, die sich aus einer Zwangsmaßnahme des WohRamadanovicz entwickelt hatte. Der Generalfonful sollte seine Woh nungsamtes gegen den Ertorialen, den jugoslavischen Generalfonful nung binnen 12 Stunden räumen, eine Maßnahme, welche der An geklagte über das Auswärtige Amt und den Minister des Innern durch die Polizei verhindern ließ, indem diese ein Schußtommando vor die Tür des Generalfonfuls fezte. In diesem Falle endete die Verhandlung mit einer zurücknahme des Strafantrages. Ungesehliche Wohnungskündigungen. Vereinzelt haben Hausbefizer die alten Mietverträge, die nach ihrem Wortlaut zum 1. Oftober fündbar find, beim Ablauf der Kündigungsfrist vor dem 1. Juli gekündigt. Diese Kündigungen find, wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ungefeßlich und unwirffam, sie widersprechen dem Gesetz über den Mieterschutz, fonderen Umständen zuläßt, aber nicht einmal den Hauswirt allein das eine Aufhebung bestehender Mietverträge nur unter ganz bezur Kündigung berechtigt, fondern vorschreibt, daß die Aufhebung der Verträge nur auf Antrag des Hausbesigers im Wege der Klage durch das Gericht erfolgen darf. Die Kündigungen haben sicherlich fchußgefeßes schon jetzt zu versuchen, die Bahn für den 3wed, für den Fall einer Aufhebung des Mieter mietteigerungen bei dem Abschluß von neuen Berträgen cder bei der Verlängerung der alten Berträge freizumachen. empfohlen werden, sofort dem Hausbefiger schriftlich mitzuteilen, daß Den Mietern, die solche Kündigungen erhalten haben, tann nur die Kündigungen unwirksam find, weil sie den gesetzlichen Beſtimmungen widersprechen. Lufpoftpatete nach Rußland. Seit dem 25. Juni fönnen gewöhnliche Batete nach Rußland und Sibirien auch mit der Luftpostlinie Königsberg( Br.)— mosta u verfandt werden. Die Sendungen dürfen nicht mehr als 5 Kilogramm wiegen und in feiner Ausdehnung 60 Zentimeter überschreiten. Gesamte mit der Luftpoft zu erzielende Zeitgewinn gegenüber der gewöhn Beförderungsdauer Berlin- Moskau 22 Stunden. Der lichen Beförderung nach Rußland ist bei Paketen noch bedeutend größer als im Briefverkehr. Die Batete können für die Beförderung innerhalb Deutschlands auch als„ dringend" aufgeliefert werden. Näheres, auch wegen der Gebühren, bei den Bostanstalten. Das Riefenfunstfeuerwerk der Brüder Pinto, Neapel, findet nun end. gültig diesen Sonnabend auf der Grunewald Rennbahn statt. Die Veranstalter haben für Bereitstellung von Extrazügen der Stadt, Hoch- und Straßenbahn gesorgt, so daß die Sin- und Rüdfahrt in angenehmster Weise vor sich gehen fann. Näheres im heutigen Inserat. Der Lunapark veranstaltet am Freitag, den 4. Juli, zum Besten des Roten Kreuzes einen Wohltätigkeitstag, an welchem außer dem Programm ( u. a. der fomische Redaft 5 Gebr. Köhler) eine Reihe von Sonderattraf tionen zur Vorführung kommen. Die Maffenmordaffäre in Hannover. Die weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei in der Maffenmordaffäre Haarmann haben an Hand von aufgefundenen Kleidungsstüden die Feststellung weiterer Bermißter ergeben, so daß die Zahl der festgestellten Opfer haarmanns sich jest auf zwölf beläuft. Die genaue Anzahl der Morde wird sich faunt feststellen lassen. Am Mittwoch nachmittag fand eine Bernehmung Haarmanns vor dem Untersuchungsrichter statt. Er wiederholte dort seine vor der Kriminalpolizei gemachten Angaben. Haarmann bestreitet, daß die in der Leine gefundenen Schädel von seinen Opfern herrühren. Bielmehr will er alle Schädel zerschlagen und bann erst beseitigt haben. Ferner bestreitet er, daß der in der Leine gefundene Sad mit Knochen von seinen Opfern herrühre. Er will auch kein Fleisch an andere Personen abgegeben haben. Haarmann hat nach seiner Aussage seine Opfer im Bett erftidt und cm nächsten Tage in der Wohnung die Körper nur zu dem Zwe zerstückelt, um die Spur seines Verbrechens zu beseitigen. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Meist bewölkt mit leichten Regenfällen und [ päter Abfühlung. Für Deutschland: Bunächst bewöllt mit Regenfällen, Abkühlung und oftwärts fortschreitender Aufheiterung. Theater Lichtfpiele w. Yolksbühne 72 Uhr: D. Kreuzelschreiber Grete Bädk/ Karl Etlinger Les Peukert/ Emil Lind Julius Sachs/ Otto Sauter- Sarto Staats- Theater Opernhaus am Königsplatz Täglich 72 Uhr: Polenblut Schiller Theater 7 Uhr: Minna von Barnhelm Deutsch. Theater Sommerspielzeit Direktion: Staab and Gerner Tagl. 8 Uhr: MaxAdalbert u.Max Landa in Clubleute Sonnabend, 5. Juli 1924 Sensationelles GrunewaldRennbahn Riesen- Kunstfeuerwerk der Brüder Pinto( Neapel) veranstaltet von der Berliner Sportpalast A.-G. verbunden mit Feuerwerkspende. 1 Speisezimmer 1 Herrenzimmer 1 Schlafzimmer v.d. Firma August J. Schultze, Berlin, Invalidenstr.145. Die Möbel sind bei der Firma ausgestellt: 25 Riesenfronten Neueste in Berlin noch nie gesehene Schöpfung im Theater Kasseneröffnung 6 Uhr Konzertbeginn 7 Uhr 3gr. Militärkapellen Ständ. Autobusverkehr Extrazüge der Stadt-, Hoch- und Straßenbahn Volkstümliche Eintrittspreise Große Volksoper des Westens Was trinken wir? Kammerspiele 7, Uhr: Rigoletto Sommerspielzeit Direktion: Staab und Gerner Tägl. 84 Uhr: Die Freundin Seiner Exzellenz ( Sommerpreise) Gr. Schauspielhaus LUNAPARK 72 Uhr: Der Vogelhändler Tb.i.Admiralspalast 81% U.: Der Erfolg d. Jahres 11 Monate ununterbr. auf dem Spielplan ist die große Revue Drunter u.drüber Deutsch. Opernhaus Auftr.Kammersäng. Richard Tauber 72 U.: Ein Märchen aus Florenz Intimes Th. 8 U. Lauf doch nicht immer nackt herum Metropol- Theater Der Weltschlager 8 U.: Mascottchen Operette von Walter Bromme mit Alice Hechy Tribüne 8 Uhr: Doktor Stieglitz F Lobe/ P. Morgan Thalia- Theater 8 Uhr: Frasquita 8 U.: Trianon- Th. Freitag, den 4. Juli: Wohltätigkeitstag zum Besten des Roten Kreuzes Einmaliges Gastspiel des russ. Balletts Schwanensee Maria Juriewa/ Wj.Swoboda 14 Personen Eintritt 1 Mark von 4 bis voller Betrieb 11 Uhr: sowie zahlreiche Sonderveranstaltungen. Vera Korally WINTERTEN VarietéSomm.- Dir. R. Pirk Spielplan! Bin Schwank der Liebe Olga Limburg Rauchen gestattet! Bleichsucht Blutarmut, Nerven schwäche in furzer Seit behoben, Reichels Malzeisen pulver, bas befte Rezept. 833jähr Erfolge. M. 1,50 ubl. 3 Dosen M. 4,25. Kleines Theat. Säde abgarn In Drog., sonst bei Tägl. 8 Uhr: Anatol Vergnütauft Otto Reichel, Berlin 43, Lothringer Str.48 SO. Eisenbahnftr 4. 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Nachdem ich mit Einlagen, welche nach Gipsabguß gefertigt waran, sehr schlechte Erfahrungen machen mußte, schon weil sie mir bei längerem Gehen große Schmerzen bereiteten, habe ich mich zur Anwendung Ihrer Pneumette entschloffen, und zwar mit einem ungeahnten Erfolg. Die Fußschmerzen, insbesondere bie Schmerzen in den Knöcheln, find wie weggeblasen, auch der Rheumatismus in den Beinen, besonders im Kniegelent, ist Spurlos verschwunden. Sie können meiner Weiterempfehlung sicher sein. Hans H., Bantbeamter, Stettin. Das längere Stehen macht keine Bes schwerden mehr. Seit drei Wochen habe ich Ihre Pneu mette in Gebrauch. Ich machte bis zum Heutigen damit sehr gute Erfahrung. Die Schmerzen haben nicht nur beim Gehen aufgehört, sondern insbeson bere macht das längere Stehen feine Be schwerden mehr. Ihre Pneumette habe ich schon bei mehreren Bekannten empfohlen. Helene G., Beamtensgattin, München. Wirkung bei schwerem Fußleiden großartig. Ich verwende Ihre Pneumette feit dem Auftauchen, die wirtung ist großartig. Ich konnte troß meines schweren Fußleidens( Plattfuß) fofort stundenlang gehen; nach mehrmonatigem Gebrauch hat sich mein Fuß soweit gebessert, daß ich sogar ohne Einlagen gehen fann. Natürlich werde ich das nicht auf die Dauer machen. Ich kann allen Fußleidenden Ihre Pneumette nur aufs wärmste empfehlen. W. N., Kellner, München. Mit Pneumette bequemes Gehen und ficheres Stehen. Mit den Pneumette- Einlagen habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Die Einlagen = ermöglichen ein bequemes Gehen und sicheres Štehen, bieten dem Fußgewölbe eine fefte Stüße und geben doch beim Springen oder ähnlichen Bewegungen den Erschütterungen der Füße etwas nach, so daß die Pneumette Einlagen jederzeit getragen werden fönnen. Ich fann die Einlagen allen empfehlen, die Anlagen zu Plattfüßen oder ein sonstiges Leiden haben. S. S., Oberfellner, Berlin. Rann mir die Reise ins Moorbad ersparen. Bin mit Ihrer Pneumette- Einlage sehr zufrieden und werde selbe stets empfehlen. Wollte diesen Sommer, meiner immerwährenden Knieschmerzen wegen, die ich für Rheuma hielt, in ein Moorbad gehen. Die Schmerzen haben sich fa st ganz verloren und kann ich mir die Reise ersparen. Frau Emilie N., Apothekersmitwe, H. Moorbäder ohne Erfolg, durch Pneumette Uebel wie fortgezaubert. Nachdem ich 1½ Jahre fußleidend und die zwei Aerzte, welche ich darüber befragte, Rheumatismus fonstatierten, las ich von Ihrer Pneumette. Hatte meine letzte Hoffnung darauf, denn ich konnte wirklich nicht mehr laufen, hatte Schmerzen bis an die Kugel und hintte. Im Sommer war ich noch in Bad Aibling und nahm dort MoorFußbäder, ohne Erfolg, sobald ich längere Beit ging, fam der Schmerz wieder. Nach Erhalt Ihrer Pneumette mar bas lebel wie fortgezaubert, ich bin felbft ganz glüdlich dar über. Trage nun seit November 1922 Ihre Pneumette und tann selbe nur bestens empfehlen. Habe zuvor furze Zeit Ledereinlagen ge tragen, ohne jeden Erfolg, auch Stiefel genau nach dem Fuß mit Einlagen bauen laffen, ohne Erfolg. Nun fann ich den ganzen Tag laufen, ohne etwas zu er müden; ohne Einlage fann ich nicht mehr gehen. Habe Ihre Pneumette schon manchen empfohlen. Frau 2. H. in Berlin. Stechen in der Ferse verschwunden. Ich verspürte an der linten Ferse, wohl infolge einer Fußsenkung, heftiges Stechen, das mich an längerem Gehen und Stehen hinderte. Nach Einlage einer Pneumette fühlte ich sofort eine wesentliche Besserung, und heute, nach etwa vier wöchigem Gebrauch der Einlage, ist für mich längeres Stehen und Gehen wieder schmerzlos. Profeffor H. in Berlin. Kann Pneumette jedem beftens empfehlen. Bin mit den Fußstüßen sehr zufrieden. Ich habe mir diese zugelegt, um allen Fußleiben vorzubeugen. Ich fann sie jedem aufs beste empfehlen. Frau 2. S., Gastwirtsgattin, D. 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Uebertrieben wird der Nährwert von Hühnereiern, von denen ein Arbeiter, um bei Kräften zu bleiben, mindestens 35 bis 40 Stück täglich verzehren müßte. Prof. Dr. Pheodor Paul. Sinsichtlich ihrer Preiswürdigkeit und vom Standpunkt des Nahrungs- oder Betriebswertes aus betrachtet, rangieren die Rataoerzeugnisse vor sämtlichen Fleischsorten, Käse, Eier und Butter. Dr. Sans Berdum. Es ist kaum möglich, Nahrung in fonzentrierterer Form mit sich zu tragen als in Gestalt von Schokolade. Prof. Dr. Bunge. Ganz außerordentlich ist die Steigerung der Sättigungsdauer der Mahlzeit, wenn man etwas Süßes hinterher ißt. Prof. Dr. Reftner. Wo man Reichardt- Ratas und ReichardtSchokolade zu Borkriegspreisen erhält, zeigen Plakate und Schilder mit dem bekannten Namenszuge an. lige, allenpaletots, Gabardinepaletots, Raftanienallee 56. 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Außerdem verwies ich darauf, daß der Reichstag durch Begrenzung der Redezeit auf eine Stunde, 45, 30 und 20 Minuten für bestimmte Fragen einen ersten Schritt auf dem Wege getan und damit seine eiligsten Arbeiten in der letzten Juniwoche gefördert hat. Gewerbedebatte im Landtag. Das Haus stimmte gestern debattelos einem Antrag des Hauptausschusses zu, der von der Regierung schleunige Hilfsmaß nahmen für die im Juni in den Kreisen Düsseldorf. Neuß, Grevenbroich, Kirchhain, Fulda, Hersfeld, Hofgeismar und Franken berg durch schwere Unwetter Geschädigten verlangt. Dann wird die zweite Beratung des Haushalts der Handels und Gewerbeverwaltung fortgesetzt. Die Abgg. Fint( 3.) und Goll( Dem.) beantragen Herabsetzung der übermäßigen Beherbergungssteuer. Handelsminister Siering betont, die allgemein anerkannte Not des gewerblichen Mittelstandes fei nicht durch Sünden der Reichs- und Staatsregierung verschuldet worden, sondern die Folge der Inflationsperiode und der Krebitnot. Deutschnationale Theoretiker Abg. Drewih( Wirtschaftspartei) erklärt, seine Partei betrachte das Sachverständigen gutachten der drohenden neuen Inflation gegenüber als das fleinere Uebel. Darum habe sie ihm im Reichstag zugestimmt. Der Redner wendet sich gegen die von den Preisprüfungsstellen und der Wucherpolizei gegen den Soll aber das wünschenswerte Verständnis zwischen Volk Kleinhandel angewandte Praxis, die ungerecht sei und den tatsäch lichen Verhältnissen nicht entspreche. Durch Staatsbetriebe dürfe dem und Bolksvertretung wiederhergestellt werden, dann muß auf selbständigen Gewerbe nicht Konkurrenz gemacht werden. Im Wohldiesem Wege weiter geschritten werden, zunächst durch Erfahrtsministerium werde 3.B. von Beamten ein schwunghafter Handel höhung der Initiative des Parlaments. mit allen möglichen Waren getrieben.( Hört, hört!) Die Haus. Schließlich will die Wählerschaft nicht nur, daß ihren Schmerzen zinssteuer sei ein ganz ungeeignetes Mittel, um den Baumarkt in schwungvollen Reden Ausdruck gegeben wird. Sie hat zu beleben. auch Anspruch darauf, daß der Reichstag aus eigener Initiative gesetzgeberische Fragen zum Abschluß bringt, zu denen die Regierung selbst einen Entschluß nicht fassen kann oder zu denen ihr angesichts anderer Aufgaben nicht Zeit genug bleibt. Diese Initiative hat unter dem Druck der außenpolitischen Verhältnisse und der innenpolitischen Verwirrung fast ganz geruht. Anträge auf festes 3ugreifen in der Siedlungs= frage, die die Bodenreformer immer wieder anregten, sind nicht in Angriff genommen worden. Eine Reform des Strafrechts wie die dringend notwendige Aenderung der Paragraphen wegen Unterbrechung der Schwangerschaft oder des Zivilrechts, wie die Ehescheidungsreform, tamen nicht zur Verhandlung. Ja selbst zu einer Abstellung der Uebelstände des gegenwärtigen Wahlrechts wurde die Hand nicht rechtzeitig angelegt. Die Schwerinstage, für solche Initiative bestimmt, fielen aus, und die Anträge blieben oft Dom Beginn bis zum Ende der Legislaturperiode liegen! Der Reichstag muß aber auch dafür Zeit übrig haben, wenn er sich in der früher ausgeführten Weise konzentriert. Er wird dann solche Materien mit Ernst und Festigkeit in Angriff nehmen und ohne sie versumpfen zu lassen, ihrer Entscheidung zuführen. Vielleicht wird er dabei auch eine Reihe Ferientage opfern müssen. Die zurückgebliebene Zeit war schon aus angedeuteten Gründen für die Erledigung solcher Aufgaben sehr ungünstig. Dazu kam die Unterbrechung der Sizungen durch das Ermächtigungsgesetz und die Neuwahlen, so daß in der Zeit vom 1. Dezember bis zum 30. Juni, also in fieben Monaten, nur an 30 Tagen Sigungen abgehalten wurden. Der neuen Unterbrechung, mit außenpolitischen Verhältnissen begründet, hat ein Teil unserer Abgeordneten deshalb ernstlich widersprochen. Parteien, die nur Anträge stellen, die sie feierlich publizieren und dann einfach liegen lassen, weil sie eben ,, nicht dran gefommen find", täuschen die Wählerschaft, machen ihr blauen Dunst vor. Dazu sollte ein gewissenhafter Bolfsvertreter seine Hand nicht reichen. BORATH In Puntto Sachverständigengutachten" gibt es bei uns Deutschnationalen grundsäßlich zwei Anschauungen, erstens die der Leute, die das Gutachten gelesen haben und die derjenigen, die es ablehnen. um so wichtiger sei es, der Wirtschaft schleunigst neues Blut zuzu führen. Dazu fei aber die Vorausseßung, daß die mit dem Sach. per ständigen gutachten zufammenhängenden Gefeße recht bald verabschiedet werden. Ein planmäßiger Abbau aller Zwangsbestimmungen für die Wirtschaft sei notwendig. Ueber eine Amnestie für diejenigen, die sich in den Maschen der Zwangs. wirtschaftsgesetzgebung gefangen haben, werde sich reden lassen. Die Beherbergungssteuer könne in ihrer jezigen Höhe nicht aufrecht erhalten werden, wie überhaupt eine schleunige Revision der ganzen Steuergesetzgebung dringend erforderlich sei. Ferner sollten sich die Parteien überlegen, ob nicht eine Uebernahme der Gewohnheit des englischen Unterhauses, furze politische Fragen zu stellen mit sofortigen Antworten der Regierung, bei uns eingeführt werden könnte. Da mit erhöht sich die Bedeutung des Barlaments und das Inter- en effe des Boltes, der Einfluß der Volkspertretung überhaupt und es verjüngt sich die jetzt schwerfällige Methode der Interpellationen. Wenn die Sozialdemokratische Partei in einem einzigen Sage fragt:„ Gedenkt die Regierung bis zum 1. September einen Antrag auf Eintritt in den Völkerbund zu stellen?", so kann in der übernächsten Sizung der Minister des Auswärtigen eine vorläufige oder endgültige Antwort geben, ohne daß durch Frifteinhaltung und Vertagung eine solche Antwort um 4 bis 6 Wochen hinausgezögert wird. Wenn die Kommunisten eine furze Anfrage stellen freilich müßte es eine kurze Frage sein: Gedenkt der Minister das Verbot der Roten Fahne" aufzuheben?", so fann eine kurze Antwort bald darauf erfolgen, ohne daß der Reichstag acht Tage hintereinander unnötige Zeit den Geschäftsordnungsdebatten darüber opfert. Wenn bei dieser Gelegenheit Regierungsräte und Abgeordnete ein wenig aus der Ochsentour heraus zur flotten Erledigung politischer Fragen kommen, so wäre das wirklich kein Fehler. Die Notlage des Handwerks sei unbestritten. Gerade darum sei es nicht zu rechtfertigen, wenn ein Handwerkskammerbezirf 650 000 Galdmart für ein neues Gebäude aufwendet und eine andere Handwerks. tammer an Repräsentationsfoften das Zehnfache der Borkriegs. zeit verbraucht. Das verträgt sich nicht mit der gegenwärtigen Wirt fchaftstage.( Buftimmung bei den Demcfraten.) Der Minister sagt schließlich hilfsmaßnahmen für das Bauhandwerk zu. Die Frage des Promotionsrechts der Handelshochschulen werde in nächster Zeit zum Gegenstand eines Kabinettsbeschlusses gemacht werden. Abg. Frau Dr. Lauer( 3.) bebquert den Rückschritt, der im Be rufsschulwesen eingetreten fei, besonders durch die Einschränkung der Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen. Abg. Otter( S03.) sieht die Ursache der passiven Handelsbilanz darin, daß die deutsche Industrie mit leberweltmarkt preisen und Unterweltmarttlöhnen arbeite. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Münchmeyer( D. Bp.), ( Dem.) schließt die Aussprache. Durch Einführung solch beweglicher Methoden wäre schon viel gewonnen, um das Barlament seinem eigentlichen 3wed auch in Deutschland dienstbar zu machen. Es ist ein unbefriedigender Zustand, wenn das Parlament nur tagt, wenn die Regierung ihm Aufgaben zuweist, und wieder verschwindet, sobald diese Aufgaben erledigt find. Es muß von sich aus vorwärts treiben, Initiative entwickeln, Anstöße geben. Dazu ist allerdings auch eine innere Erneuerung und größere Be- Drewitz( Wirtschaftspartei), Frau Ludewig( Komm.) und Dr. Grund weglichkeit wünschenswert. Eine Reform des Wahlrechts mit dem Ziele der kleineren Wahlkreise und der Verminderung der Abgeordneten gibt dazu die Handhabe. Der augenblickliche Zustand mit den vielen Pausen ermöglicht die Regierung, Ermächtigungen" auszunuzen, die sie nicht im Sinne des Parlaments erfüllt, man denke nur an die reaktionäre Wendung in der Besoldungsfrage. Wer Anhänger des parlamentarischen Systems ist und in ihm die einzige für Deutschland mögliche Regierungsform sieht, sollte dabei mitwirken, dieses System vor Berknöcherung zu wahren und zu lebendiger volkstümlicher Arbeit fähig zu machen. Ein kommunistischer Kurier verhaftet. Am Nürnberger Hauptbahnhof wurde der Berliner Stadtverordnete est el festgenommen, der als kommunistischer Kurier tätig war. Bei ihm wurden wichtige Dokumente vorgefunden und beschlagnahmt. Die Abstimmungen über die Anträge werden vertagt. In der Einzelberatung des Handelshaushalts wünscht Abg. Frau Hanna( Soz.) Vermehrung der weiblichen Gewerbeaufsichtsbeamten. Die Abgg. Frau Lehmann( Dat) und Fritsch( Soz.) fordern Verbesserung der trostlosen Lage der Heimarbeiterinnen. Es folgt hierauf die zweite Beratung des Haushalts der Berg, Hütten- und Salinenverwaltung. Abg. Dr. v. Waldthausen( Dnat.) sucht zahlenmäßig nachzuweisen, daß die Sachverständigen im Dames- Gutachten die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft weit überschäßt hätten. Der Ruhrbergbau sei in einer trostlosen Lage und könne die furcht bare Laſt der Micum. Berträge unmöglich allein tragen. Das Schlichtungswesen müsse verbessert werden. Wenn es mit den Streits und Aussperrungen so weiter gehe, wie in der letzten Zeit, dann könne die deutsche Wirtschaft unmöglich wieder hochkommen. Der Redner wendet sich scharf gegen die Verwaltung der Reichsbahn, die auf den Ruhrbergbau nicht die mindeste RückFreitag, 4. Juli 1924 sicht nehme. Der Ruhrbergbau leide an einer fatastrophalen Absatzverminderung, ebenso der Kalibergbau. Abg. Limberk( S03.) fodert die Regierung auf, die deutsche Gesinnung der Bevölkerung des Saargebiets auch dadurch weiter zu fördern, daß für die Unterbringung der dort von den Franzosen ausgewiesenen Grubenbeamten gesorgt wird. Der Ruhrbergbau leide sehr unter den Micum- Lasten. Zu diesen Lasten wäre es aber nie gekommen, wenn nicht die Stinnes und Genoffen durch Sabotage der Erfüllungspolitit systematisch auf die Ruhrbefeizung hingearbeitet hätten.( Widerspruch und Unruhe rechts, Beifall bei den S03.) Nach kurzer Geschäftsordnungsdebatte wird die Weiterberatung auf heute vertagt. Schluß 5 Uhr. Nächste Sigung Freitag 11 Uhr. Weiterberatung, fleine Vorlagen, Anfrage betr. Ausgewiesenenfürsorge. Wirtschaft Die Wirkung der Teilung Oberschlesiens. Die Berichte der Preußischen Handelskammer über die Wirt schaftslage im Monat Juni enthalten auch eine längere Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Oberschlesien feit der Teilung, die jezt vor zwei Jahren erfolgte. Es heißt da u. a.: Von der Zerschneidung des oberschlesischen Industriebezirks Schwierigkeiten namentlich für dessen polnisch gewordenen hatten alle unvoreingenommenen Sachkundigen die größten Zeil im besonderen insofern befürchtet, als sie voraussagten, daß die Schwierigteiten namentlich für dessen polnisch gewordenen dortigen Werke ihren Absa z nach Deutschland verlieren würden, während sie bezweifeln zu müssen glaubten, daß es gelingen würde, diesen größten Teil der oftoberschlesischen Produktion in Polen oder anderswo unterzubringen. Diese Befürchtungen haben fich, soweit sie den deutschen Abfah betrafen, in der zweiten Hälfte bes Jahres 1922 und im Jahre 1923 noch nicht voll verwirklicht. Zwar werden die ostoberschlesischen Industriewerfe namentlich durch die Mängel des Eisenbahnverkehrs schwer geschädigt, dessen reibungslofer Abwicklung die polnische Berwaltung nicht gewachsen ist. In gleichem Sinne wirften die mit der Errichtung der Zollgrenze besonders unter den komplizierten Verhältnissen des Genfer Abtommens unvermeidlichen Störungen und Berzögerungen der Beziehungen nach Deutsch- Oberschlesien, sowie nach dem Deutschen Reiche überhaupt. Aber bei der wirtschaftlichen Lage, wie sie sich in Deutschland in den letzten anderthalb Jahren besonders seit der Ruhrbefehung entwickelte, fielen die dadurch verursachten Berteuerungen der oftoberschlesischen Produktion nicht so sehr ins Ge wicht. Bei dem Heißhunger nach Kohle und Eisen, der sich im Jahre 1923 infolge des Ausfalls des Ruhrgebiets bei allen deutschen Verbrauchern entwickelte, fonnte die ostoberschlesische Industrie ihre Erzeugnisse in der ihr gewohnten Richtung auch nach der Teilung absetzen. Der polnischen Republik war damit eine Uebergangsfrist gegeben, in der sie zeigen konnte, ob es ihr möglich sein würde, dem neu erworbenen Bezirk neue Absahwege und gebiete zu erschließen. Nichts oder doch nichts Wirksames ist zu diesem Zweck geschehen. Wohl ist auf die polnisch gewordenen Werte im Sinne ihrer Polonisierung eingewirkt worden, indem sie zur Annahme polnischer Bezeichnungen, zur Einstellung polnischer Beamten, zur Verlegung ihrer Hauptverwaltungen nach Polen veranlaßt wurden. Der Ausscheidung der deutschen Rapitalien qaften mancherlei Bemühungen. Aber neue Eisenbahnen und Waffer= Straßen, die dem Absak neue Wege hätten weisen können, find nicht geschaffen worden. Die Staatsaufträge blieben aus oder waren nur unzureichend. Als in Deutschland seit der Stabili sierung durch die Herauffezung der Arbeitszeit, durch planmäßige Sparsamfeit auf allen Gebieten die Verbilligung der Produktion Reduktion entbehrlicher Arbeitskräfte, durch Lohnabbau und größte mit größter Energie betrieben wurde und gleichzeitig auch die Nachfrage infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung nachließ. fonnte es nicht ausbleiben, daß den ostoberfchleji. fchen Werken, namentlich der Eisenindustrie, der Absah na ch Deutschland mehr und mehr unterbunden wurde. Infolge der Belastungen durch die polnische Währungsreform, ferner durch hohe Löhne, durch ungenügende Arbeitszeit, an deren Abbau bzw. Neuregelung erst sehr spät gegangen wurde, ist sie diesseits der Grenzen fonkurrenzunfähig und bereits zu beträchtlichen Ein. fchränkungen ihrer Produktion gezwungen worden. Der oft oberschlesische Steinkohlenbergbau fonnte aus dem Mais streit, in Deutsch- Oberschlesien beträchtlichen Nuzen ziehen. Im ganzen aber ist seine Lage faum günstiger als die der Eisenindustrie. Wird noch in Betracht gezogen, daß im nächsten Jahre die Zollfreiheit fortfällt, die bis dahin nach dem Genfer Abkommen den oftoberschlesischen Erzeugnissen für die Einfuhr nach Deutschland zusteht, so ist gewiß die Zukunft der an Polen abgetretenen oberschlesischen Industrie nicht ernst genug zu beurteilen. Die Teilung hat schweres Unheil über Oberschlesien, insbesondere über seinen polnisch gewordenen Teil gebracht, wie sich aller Voraussicht nach immer mehr zeigen wird. Soweit der Bericht. Bezeichnend ist der große Nachdrud, mit dem die berichterstattende Handelskammer Oppeln die Wirkung der niedrigeren Löhne und der verlängerten Arbeits. zeit auf die Konkurrenzfähigkeit der polnisch- oberschlesischen Industrie betonte. Hier scheint sich also schon in gewisser Weise das foziale Dumping auszuwirken, das von gewiffen Unternehmerkreisen so lebhaft propagiert wird. Goldbilanz der preußischen Staatsbank. Die Preußische Staatsbant( Seehandlung) legt als erstes Bankinstitut eine Goldmarferöffnungsbilanz vor. Die Privatbanken haben bisher die Beröffentlichung von Goldmartbilanzen unter Hinweis auf die Bewertungsschwierigkeiten verzögert. Um so bemerkenswerter ist der Bersuch des staatlichen Instituts, seine Bermögenslage einwandfrei flarzustellen. Die Staatsbant verfügte nach der letzten Erhöhung ihres Grunds fapitals zu Beginn des Geschäftsjahres 1923 über ein Grundtapital von 560 Millionen Bapiermark. Die lezte Einzahlung auf die letzte insgesamt 400 Millionen M. betragende Kapitalserhöhung von 360 Millionen Papiermark floß der Bank bei einem Dollarstande zu, an dem diese 260 Millionen nur noch einen Wert von 150 413 Goldmark darstellten. Jetzt, nach Umstellung der Bank auf die Goldmarkrechnung, ergibt die neue Eröffnungsbuanz ein Grundkapital von 10 millionen Goldmark und Von köstlich erfrischendem, würzigem Geschmack.- Die stundenlanganhaltende, antiseptische Wirkung konserviert die Schleimhäute und aromatisiert gleichzeitig den Atem. ZAHNCREME MOUSON Trotz der stark desinfizierenden, zahnsteinlösenden Eigenschaften ohne schädigenden Einfluß auf den Zahnschmelz.- Die gründliche und mühelose Beseitigung des Zahnbelages ist augenfällig. J.G.MOUSON& CO. Gegründet 1798 in Frankfurt a. M. Hersteller des weltbekannten Hautpflegemittels CREME MOUSON außerdem Rüdlagen von 3 millionen Goldmart. In dieser Ziffern drückt sich also die Kapitalfraft aus, die das Institut aus der Zeit des allgemeinen Substanzschwunbes gerettet hat. Der Berwaltungsbericht bemerkt dazu, daß diese 13 Millionen M. etwas mehr als ein Zehntel des Goldmartbetrages darstellen, den die ber Staatsbant durch den Preußischen Staat überwiesenen gesamten Rapitalbeträge von zusammen 560 Millionen M. im Golbwerte dargestellt haben. Die besonderen Grünbe, die über die allgemeinen hinaus bei der Preußischen Staatsbank zu dem erheblichen Kapitalschmund geführt haben, liegen in dem Charakter der Bant als criche Anstalt, der es der Geehandlung unmöglich machen, die Konjunktur in gleich rücksichtslofer Weise auszumußen wie andere Großbanfen. Gie mußte ihre flüffigen Gelder gerade in der Zeit schärfster Geldentwertung meist in Bapieren anlegen, die von der Inflation am schärfften getroffen wurden. Erst spät fonnte sie sich wertbeständige Anlagen sichern, die fich Privatinstitute schon lange nugbar gemacht hatten. und die Butter wird weiter verteuert. Die für die Boltsernährung verantwortlichen Stellen sollten diesen Erscheinungen ihre Aufmert samfeit zuwenden. Der Kleinverkaufspreis für Brennfpiritus in Literflaschen ist Dom Branntweinmonopol mit Wirkung ab 3. Juli 1924 auf 0,45 Goldmart je Liter Raum ohne Glas( bisheriger Breis 0,60 Goldmart) herabgefeßt worden. Flaschenpfand 0,25 Goldmart. Es wird auch Brennfpiritus ohne gleichzeitige Rückgabe leerer Flaschen abgegeben. Der Sturz der dänischen krone hat sich, wie uns aus Ropenhagen gemeldet wird, im Laufe der Woche fortgelegt. Die Re gierung lehnt aber das Anfinnen einzugreifen, ab, folange fich nicht ernsthafte Schwierigkeiten im Zahlungswefen ergeben. Bor allem steht sie dem in der ganzen bürgerlichen Presse zum Ausdrud fom. menden Verlangen nach Aufnahme eines neuen Darlehens in Ame rita fühl gegenüber. Die Banten unter Führung der Nationalbant, die in Dänemark die gleiche Handlungsfreiheit befigt wie die deutsche Reichsbant nach der Neuordnung, verhandeln aber auf eigene Fauft mit einem Vertreter der National- City- Bant", der fich in Ropenhagen aufhält. Eine Hauptursache der plöglich starken Anforde rungen ausländischer Valuta sieht man übrigens darin, daß ein großer Teil der dänischen Importeure, um sich vor Kursverluften zu schüßen, zur Barzahlung dem Ausland gegenüber übergegangen ist. Mit der Forderung einer Balutaanleihe in teinem Zu sammenhang steht die eben erfolgte Aufnahme einer Dollar anleihe von 5 Millionen Dollar. Diese Anleihe soll zur Verfügung Kopenhagens und der übrigen dänischen Städte stehen, die ihre während und nach dem Kriege in New York und London aufgenommenen Anleihen ab 1. Juli in Sterling und Dollar amor. Die neue Goldbilanz weist einen Rassenbestand von 7,736 Millionen Mark und einen Wertpapier und Edel metallbestand von rund 6 Millionen auf. In diesen Posten find auch die verhältnismäßig geringen Devisenbestände enthalten. Lombarddarlehen erscheinen mit 14,6 Millionen Mart und bas Betriebskapital des Staatlichen Leihamts mit rund 22 000 m. Schubner erreichen die Gesamthöhe von 69,92 Millionen Mark; hiervon entfallen a. a. 42,6 Millionen auf Borschüsse on Behörden und 13,15 Millionen auf Vorschüsse in laufender Rechnung. Gläubiger haben insgesamt 90,13 Millionen Mart zu fordern; hier betragen die Guthaben von Behörden und öffentlichen Anstalten 51,6 Millionen und die Guthaben in laufender Rechnung 28,9 Millionen. Die Wiedergabe der Ziffern der in Papiermart geführten Gewinntifieren müssen. und Verlustrechnung für 1923 erübrigt sich, da diese Zahlen ja nur ein historisches Interesse haben. Abschließend sagt der Verwaltungsbericht zu der Goldmartbilanz und über das wirtschaftliche Zukunftsprogramm der Bant, das zum Teil auch das des Landes sein muß: Wenn die Staatsbank wohl als erste Großbant mit ihrer Goldmart- Eröffnungsbilanz an die Deffentlichkeit tritt, so tut fie dies mit allem Freimut und mit dem Bewußtsein, in dem ihrem Geschäftsbetrieb geftedten Rahmen unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen die Berücksichtigung der öffentlichen Interessen der Erhaltung ihrer Substanz voran gestellt zu haben. Daher glaubt sie auch das zahlenmäßige Er. gebnis dieses ihres Geschäftsgebarens verantworten zu können. Ihr war es im Laufe ihrer mehr als 150jährigen Geschichte gelungen, das ihr ursprünglich vom Staate übermiesene Rapital in voller Höhe zurückzuzahlen und darüber hinaus ein Rapital von etwa 34 Millionen Mart anzusammeln. Mit ihren verhältnismäßig geringen Mitteln hätte sie ihre Aufgaben erfüllen können, bis es dem Staate bei einer glüdlicheren Finanzlage als heute zwedmäßig erschien, ihr Rapital erheblich zu erhöhen. Zurzeit ist eine solche Erhöhung nicht angängig. Die Staatsbant glaubt sich aber start genug, den Berfuch machen zu fönnen, auch ohne Erhöhung ihres Kapitals den an sie zu stellenden Ansprüchen gerecht zu werden und aus ihren Erträgnissen allmählich ein größeres Rapital anzusammeln. beschreitet damit einen Weg, zu dem infolge der Berarmung unserer Bolkswirtschaft auch zahlreiche Privatunternehmungen genötigt sein werden, die bisher gemohnt waren, große Kapitalien aus dem Publifum an sich heranzuziehen. Borausfegung für das Borgehen der Staatsbant ist allerdings, daß der preußische Staat ihr in den näch ften Jahren den Geschäftsgewinn beläßt.( Das preußische Finanzminifterium hat dem zugestimmt.) Der allmähliche Wiederaufbau aus Ersparnissen muß das Ziel der Geschäftstätigkeit der nächsten Beit fein." Die Wirtschaftslage im Juni. Gie Für die Gesamtlage der deutschen Wirtschaft ergibt sich aus den Berichten der Handelstammern folgendes Bild: Die Wirtschaftslage im Monat Juni stand weiter unter dem Drud einer außerordentlichen Rapital und Kreditnat. einerseits zu Betriebseinschränkungen, Stillegungen, zur Anordnung der Geschäftsaufsicht in zahlreichen Fällen und zu Konturfen. andererfeits veranlaßte fie eine meitgehende Beräußerung von Warenbeständen und eine fühlbare Sentung der Preise, momit eine Erleichterung auf dem Geldmartt hand in hand ging. Die Lage im Ruhrgebiet war besonders schlimm. Hier wirften Micum- Berträge, Zollgrenzen, Steuerdruck und Absatz fchymierigkeiten zusammen, um die Wirtschaft immer mehr an den Rand des Abgrundes zu führen. Lebhaftere Bautätigkeit. Obwohl die Bautätigkeit heute noch meit hinter dem durch den Wohnungsmangel hervorgerufenen Bedarf zurüdbleibt, läßt sich doch nicht verkennen, daß die Mietsteuerhypotheken die Neubautätigkeit start angeregt haben. Nach den Aufstellungen der Fachzeitschrift„ Die Bauwelt" find im Juni d. J. 1698 Wohnhausbauten und 449 andere Bauvorhaben einschl. gewerbliche Bauten befannt geworden. Im Juni vorigen Jahres waren die entsprechenden Zahlen 741 bzw. 359, im Mai d. J. 1778 bzw. 996. Buffer oder Schlagfahne. In letzter Zeit flettern die Butterpreise bedenklich. Am 1. Juli wurden von der Berliner Butternotierungskommission die neuen Butterpreise notiert. Für 1. Qualität zahlte man im Großhandel 160, für 2. Qualität 150 und für die 3. Qualität 130 Goldmart je Zentner. Die neuen Preise sind etwa um 8 M. pro Zentner geftiegen. Im Laufe von 10 Tagen ist bereits die Butter um 20 Goldmart teurer geworden. Der Grund für die ungenügende Zufuhr auf dem Martie ist mit darin zu finden, daß große Mengen von Rahm infolge der Freigabe der Herstellung von Schlagsahne nicht zur Butterfabrikation vermendet und somit dem Bedarf entzogen werden.. Jedenfalls wurde dieses Moment in Be richten vom östlichen Buttermarkt betont. Gleichzeitig sind die Preise für ausländische Butter in die Höhe gegangen. Die Freigabe der Schlagsahneherstellung hat also bewirkt, daß auf diese Weise dem Lurusbedarf große Mengen hochwertiger Nährstoffe zugeführt merden, die an anderer Stelle fehlen. Die ohnehin zu teure Milch T Groß- Berliner Parteinachrichten. Achtung! Parteifunktionäre! Dienstag, den 8. Juli, abends 7 Uhr, findet im Lehrervereins hause cm Alexanderplatz eine allgemeine Funktionärverfammlung ftatt. Genoffe Dr. Breitscheid, der jegt von seiner Barifer Reise zurückgekehrt ist, wird uns über die deutsch- französische Ber ständigung berichten. Wir ersuchen die Funktionäre, fich diesen Abend möglichst freiDer Bezirksvorstand. zuhalten. 3. Kreis Bedding. Freitag, den 4. Juli( heute), erweiterte Rreisvorstands figung an bekannter Stelle. Arbeitsgemeinschaft ber Kinderfreunde, Gruppe Norden. Sonnabend, den 5. Juli, abends 8 Uhr, in der Schul. aula, Greifenhagener Str. 58, Elternabend. Freunde und Genoffen find 5. Kreis Friedrichshain. Die für Freitag angefekte Kreismitgliederversamm. lung findet umständehalber heute nicht statt. Tag und Lokal wird noch 20. Kreis Reinidendorf. Arbeiterwohlfahrt und Rinderschuh. Für die Rurfus. teilnehmer Führung durch das Inftitut für Serualwiffenfchaft. In den Belten, Ede Beethovenstraße. Sonnabend nahm. 5 Uhr Treffpunkt ba felbft. Interessierte Genoffen und Genofsinnen tönnen teilnehmen. Heute, Freitag, den 4. Juli: herzlich eingeladen. bekanntgegeben. Arbeiter Radfahrer- Bund Solidarität", Drisgruppe Berlin. Touren Ortsgruppe Berlin, Bezirk 1: Sonnenmenbfeier am Totuigsee, Rörbistrug. für Sonnabend, den 5. Juli, und Sonntag, den 6. Juli. Sprechchor, feftredxer usw. Mit der Bahn bis Rönigswusterhausen oder Goun sagsrüdfahrkarte Groß- Beften. Serrlicher Babeſtrand. Start ber Abteilungen abends 6 Uhr, Sonntag früh 5 Uhr an den bekannten Stellen. Sonnabend, den 12. Juli, bis Sonntag, den 20. Juli, Ferienerholungstour in die Dubrow. Teilnehmer, auch für Angehörige ohne Räder, milffen bis Sonntag, ben 6. Juli, beim Obmann gemeldet fein. Rege Beteiligung ersucht der Sportausschuß. Ortsgruppe Spanbau: 5. Juli Dampferfahrt Glindower Alpen. Abfahrt 7 Uhr Outsgruppe Neukölln: Babetour Müggelhort. Start 6 Uhr früh Herzbergplak. nachm. Linden- Ufer. Ortsgruppe Charlottenburg: 5. Juli Genossenschaftstag in Karlshof. Start 5 Uhr. 6. Juli Gatom, Abkochtour. Start 6 Uhr früh Galvaniftr. 18. Ortsgruppe Wilmersdorf: 6. Juli Rüdersdorf, Ralfberge. Start 6 Uhr früh Denkmal Wilhelmsaue. Die Arbeiter- Sport- Gemeinde Grünan veranstaltet am Sonntag, den 6. Suli, auf ihrem neu hergerichteten Sportplan an der Bahmertstraße den diesjährigen Reichs- Arbeiter- Sport- Tag. Er ist als Werbe- Sport- Sag gedacht. Danerrudern bes Freien Ruber und Ranubundes. Am Sonntag, den 6. Juli, nachm. pünktlich l Uhr, findet das diesjährige Dauerrubern des F. R. 1. R. B. ftatt. Das Dauerrudern wird auf der Strede Bootshaus Freie Ruder Bereinigung 1913- Rohrwell- Insel Cöpenid- Bootshaus Fr. R. B. 1918 ausgefahren. Es finden 9 Rennen in den verschiebensten Bootsgattungen ftatt. Startabstand 1 Minute von Boot zu Boot und 10 Minuten Abstand zwischen jebem Rennen. Es find 40 Boote gemeldet und eine halbe Stunde nach Schluß bes Rennens ist Resultatverkündigung. Im Anschluß an das Dauerrubern ift im Strandfchlößchen, das auf dem gleichen Grundstüd liegt, wie der Fr. R. B. 1913, Ronzert und Tanz, bei günstiger Witterung and Feuerwert. Der Eintritt für alle Veranstaltungen im Strandfchlößchen, Oberschöneweide, beträgt 50 Bf. Die breite Wafferfront bietet eine gute Uebersicht über die Rennen. Um rege Teilnahme wird gebeten. Arbeiter, unterftigt ben Arbeitersport! Die Arbeiter Turn- und Sport- Bund, I. Kreis, 6. Bezirk, V. Gruppe. Schwimmwartssigung der Gruppe findet am Sonnabend, den 5. Juli, abends 7 Uhr, im Freibad Oberschöne weide statt.( Bereinslokal des S.- C. ,, Borwärts".) Sport. Die Vorgänge im Berufsradsport. Mon schreibt uns: Seit einigen Wochen tobbe im deutschen Berufsrabfport ein Kampf, der jeẞt in ruhigere Bahnen überzugehen scheint. Borausgefchickt sei folgendes: Anläßlich der sich, beim Start des Belgiers Banderstunft am 18. Mal im Grunewald- Stadion ergebenen Differenzen glaube der Bd R.( Verband deutscher Radrennbahnen), die Disqualifitation aller deutschen Rennfahrer aussprechen zu müssen. Jeder Eingeweihte wußte jedoch, daß nicht diese umstrittene Angelegenheit der wahre Grund der einseitig ausgesprochenen Disqualifitation war, sondern daß vielmehr der Umstand und der Wunsch verschiedener Bahnen, aus den noch péreinzelt getätigten Engagements verschiedener Fahrer herauszu lommen, Anlaß zu dieser Maßnahme gab. Am 5. Juni faßten zu Röln die Rennbahngewaltigen einen Beschluß, der mit einem einzigen Federstrich 500 Menschen bis auf weiteres zur ErwerbsIofigteit verdammte. Doch die Herren Rennbahnbefizer ( wobei erwähnt werden muß, daß nicht alle so dachten und handelten) gingen noch weiter. In einer Hauptversammlung des VdR. wurde beschlossen, daß der Bdr. den DR B.( Deutscher Rennfahrer- Berband) nicht mehranertenne. Der BoR. gibt neue Lizenzen heraus. Dieser Beschluß des VdR. sagt mehr als genug. Der feit 27 Jahren bestehende Deutsche Rennfahrer- Berband, der die Berufsverschwinden, damit der Bd. die Fahrer wie er will behandeln fann. Der DRB. gab hierauf eine nur gutzuheißende Antwort, die belagt, daß die Lösung neuer Lizenzen verboten ist. Unterdessen schaffte fich bei einigen Mitgliedern des VdR. die Einsicht Bahn, und fo fonnte in ber am Mittwoch ftattgefundenen Vorstandsbesprechung des DRB. mitgeteilt werden, daß nicht weniger als 8 Radrennbahnen, und zwar Düsseldorf, Köln, Effen, Magdeburg, Chemniz, Dortmund, Blauen und Kiel das Spiel des Bd. nicht mehr mitmachen und ihren Austritt aus dem Berband erklärt haben. In der abgegebenen Erklärung wird zum Ausbrud gebracht, daß den Rennfahrern durch die ablehnende Haltung des Bd. bzw. durch die Erklärung des Bor ftandes des BbR, den DRB. nicht mehr anzuerkennen, jede Möglichkeit einer Nachprüfung über die Rechtmäßigkeit ihrer Disqualifitation genommen ist. Mi tdieser Maßnahme tönnen sich die acht genannien Bahnbesiger nicht einverstanden erflären. Sie haben fich mit dem Deutschen Rennfahrer Verband und bem Berufsstraßenfahrer- Berband im Interesse des deutschen Berufsrabsports zu bem Deutschen Berufsrabfportverband( DBRB.) zusammengeschlossen. Der neue Berband gilt als oberste Sportsbehörde der Wahrung des gesamten deutschen Berufsrab ports. Jungfozialisten, Gruppe Friebenatt. 8 Uhr im Jugendheim, Offenbacher Str. 5a, interessen feiner Mitglieder zu vertreten hat, sollte in der Bersentung Bortrag des Gen. Dr. Friedländer über: Wirtschaftsformen." Frauenveranstaltungen heute Freitag: 19. Abt. Graue Schule, Gotenburger Straße, abends 6 Uhr. Tagesordnung: Neuwahl der Leiterin. Morgen, Sonnabend, den 5. Juli: 25. Abt. 7 Uhr bei Cramer, Cotheniusstr. 3, Gigung ber Funktionäre und Elternbeirate. Sunglozialisten, Gruppe üben. Wanderung am Sonntag, den 6. Juft. Treff. punit 7% Uhr am Schleftschen Bahnhof. Nachzügler bis 9 Uhr am Bahn Hof Ertner. Jugendveranstaltungen. Anmeldungen zum Ferienaufenthalt( für die Beit nach bent 15. Juli) im Bandheim in Brandenburg werden noch im Jugendfekretariat, Bindenstr. 3, 2 Sof, 2 St., 8immer 14, entgegengenommen. Berbebezirk Besten Morgen, Sonnabend, 7 Uhr abends, Dele giertentonferenz des Werbebezirks. Ubteilungsmitgliederversammlungen abends 7 Uhr: Schöneberg II: Jugendheim, Schule, Frankenstr. 10. Webbing: Jugend heim, Schule, Ruheplaz, Ede Antonitraße. Rorboften Jugendheim, Schule, Georgenkirchstr. 2. Norboften II: Jugendheim, Schule, Danziger Str. 23.- Often, Stralauer Biertel: Jugendheim, Naglerstr. 3. Südosten, R.- B.: Jugendheim, Schule, Mariannenufer la. Charlottenburg: Jugend heim, Rosinenstr. 4. Salensee: Jugendheim, Schule, Joachim- Friedrich Straße 35/36. Gbeglig II: Jugendheim, Holsteinische Str. 3. Brig: Jugendheim, Rathaus, Chauffeeftr. 48. Reukölln II: Jugendheim, Nogatstr. 53. Copenid: Jugendheim, Grünauer Str. 5.- Rieberschönhausen: Jugendheim, Quisenstadt: Jugendheim, Saule, Stall Schule, Blankenburger Str. 69/70. fchreiberstraße 54. Bortrag:„ Die Arbeitsdienstpflicht."- Reinickendorf- Beft: Jugendheim, Rinderhort, Auguste- Bittoria- Allee. Arbeitersport. 6.- 8. Sparta 1911". Leichtathletit, Fußball, Soden, Sanbball. Jeben Dienstag und Donnerstag Training im Lichtenberger Stabion. Gäfte berglich willkommen. Am Mittwoch, 9. Juli, 8 Uhr, im Lokal Gimon- Dach- Str. 88 Bollversammlung. Jeder Sportgenoffe mus pünktlich erscheinen, be wichtige Tagesordnung ist. Bezirksbauerschwimmen burch ben Müggelfee. Rum Bezirksbauerschwimmen am 6. Juli müssen sämtliche Vereine um 12 Uhr mittags am Bahnhof Friedrichshagen sein. Von dort aus geht es im gefchloffenen Buge unter Borantritt einer Mufiftapelle durch die Friedrichstraße bis zur Fähre. Die Bereine werden gebeten, in möglichst großer Anzahl zu erscheinen. Nach dent Schwimmen find Masseure zur Verfügung. Start ist um 18 Uhr Rettungsstation Rahnsdorf, Biel Restaurant Müggelfchlößchen. Um 2 Uhr fährt ein Begleitmotorboot von ber Fähre ab, das für Interessenten fehr gute Gelegenheit bietet, bas Schwimmen zu beobachten. Ebenso find die Bielmett tämpfe im Müggelschlößchen sehr gut au sehen. Am Sonntag, ben 6. Juli, heißt die Barole für alle Arbeiter: Auf nach Friedrichshagen aum Müggelfchwimmen! Schwimm- Berein Müggelfee. 3. A.: Paul Fahrenthol 3. Freie Zurnerschaft Schöneberg. Während der großen Ferien finden unsere Turnstunden wie folgt ftatt: Rinder jeden Montag und Donnerstag 6 Uhr Turnhalle Cbersstraße; Erwachsene jeben Montag und Donnerstag 8-10 1hr Turnhalle Belziger Straße: Training auf dem Dominicusfportolas jeden Mittwoch und Freitag abend und Songbag vormittag. Es bedarf Bereits am tommenden Sonntag merben auf der Trab. rennbahn Mariendorf bekannte Fahrer zum Start an treten. Weiter folgen Rennen in Saarbrüden, Chemnis, Röln usw. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". " • Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Saifer Wilhelm Straße 46 III. Ramerabshaft Charlottenburg. Freitag, ben 4 Juli, abends 7% Uhr, Reftaurant Wilhelmshof, Berliner Straße, Cingang Spree. ftraße. Wichtige Mitgliederversammlung. Republikaner als Gäfte millkommen. Ramerabichaft Arensberg. Jugendgruppe L. Montag, den 7. Juli, abends 7 Uhr, appell bei Schufter, Chamiffoplas 4. Ramerabschaft Sichtenberg, Sonntag, den 6. Juli, vormittags 9 Uhr, Appell an der Friedrichs felber Kirche. Ramerabfchaft Wilmersdorf. Am Sonnabend, den 5. Juli, non 8 Uhr abends an geselliges Beifammenfein auf der Terrasse des Restaurants Burgquell, Kurfürstendamm 202( Ede nefebedstraße). Familienangehörige der Rameraben, insbesondere deren Damen, find herzlich willkommen. Ein Kamerabschaft führung überzeugungstreuer Republikaner erwünscht. Friebrichshain. Ant Sonntag, den 6. Juli, vormittags 9 Uhr, Treffpunkt Friebrichsfelber Kirche. Radfahrer mit Rab 8.45 Uhr Bahnhof Frankfurter Allee. Alle Kameraden müssen pünktlich erscheinen. Der Männerchor Friebrichshain"( Mitgl. des A.G.B.D.) fing feht jeden Freitag von 7-9 Uhr in den Comenius- Gälen, Memeler Str. 67. Der Chor ftellt sich bei allen Barteiveranstaltungen zur Verfügung und erfucht fanges. freubige Genoffen, fich aur Aufnahme zu melben. Berföhnungsbund. Am Freitag, ben 4. Juli, 8 Uhr, Vortrag von Dr. Batins vom englischen Berföhnungsbund im Berföhnungsbund, Berlin. Oft, Fruchtstr. 62 pt." Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ariegsteilnehmer und Sinter. bliebenen, Ortsgruppe Charlottenburg, veranstaltet am Sonntag, den 6. Juli. auf dem Spanbauer Bod( R. Fiebig) ein Sommerfest. Großes Gartentonzert, Brillant- Feuerwert, Kinderbeluftigungen mit Ueberraschungen, Preistegein. Anfang Uhr. Cintritt 50 Pf., Rinder 10 Pf. Der Reinertrag ist aur Berfhidung erholungsbedürftiger Rinber bestimmt. keiner besonderen Arqumente, um zu beweisen, daß DOTAdoch RADIO die beste 2 Pg Zigarette ist!