flbenöausgabe Hr. 311•> 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 154 »eiUMdedtngungni und Anzetgenprkil, sind>n der Morgenauszabe angegeben RedoNlon: ZW. SS. LindenIIroh« 3 Fernsprecher: CBichofJ 292— 299 Xel.'WBreflcSojialdemotcaf Verls» IP-t Sevlinev Volksblatt 5 GolSpfennig 50 Milliarden Freitag 4. Juli 1424 verleg and«nietgeuadlelluug «efdjaftejelt»-» Uhr verl»»er:vor«arl»-verlas«mbH. verllo»«. 9«, cindeastrnd» 9 Fernlprecher: VSohoN 290«. 2901 T�entralorgan cler 8o2ialctemokratis<�en Partei Deutscklancis Englifth-franAöfisthe MißhelligteitenZ Oder nur nationalistische Quertreibereien? Blätter gebärden sich sehr erregt über eine „schwere Ünkorrektheit Macdonalds" bei der Ab- fassung und Absenkung des Einladungsschreibens an Belgien, Japan, Italien und Amerika zu der Londoner Konferenz vom 16. Juli. Dieses Einladungsschreiben soll, ohne vorher der französischen Regierung vorgelegt worden zu sein und obwohl Macdonald wußte, daß Herrwt über gewisse Einzelpunkts anderer Ansicht sei, bereits den Zweck der geplanten Konfe- renz in einer Weise dargelegt habe, die einer einseitigen B e» e i n f l u s s u n g der Tellnehmer im Sinne der englischen Auffassung darstellen soll. In der Einladung heißt es näm- lich, daß ein„neues Komitee" an die Stelle der Reparations» kommifswn treten soll, was eine Aenderung des Bersailler Vertrages bedeute und die Einberufung einer interalliierten Konferenz notwendig mache. In der Sache ist das zweifellos richtig, aber Macdonald oder seine Mitarbeiter im englischen Auswärtigen Amt haben ohne die poincaristifchen Quertreibereien ge- rechnet, die nun gegen cherriot begonnen haben. H e r r i o t mußte schleunigst offiziell erklären, daß Frankreich von dem Inhalt des Einladungsschreibens keine Kenntnis hatte und daß es„ausschließlich englische Anregungen" enthalte. Die englische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß Frankreich gewissermaßen als Miteinberufer der Lon- doner Konferenz gelte und daher nicht besonders eingeladen zu werden brauche. Die Poincars-Presse fordert nun cherriot auf, den eingeladenen Mächten eine Darstellung des franzö- fischen Standpunktes zukommen zu lassen. Herriot muß wegen dieser Angelegenheit heute erneut vor den Kammer- ausschüssen erscheinen, um Aufklärungen zu geben. Die natio- nalistischen Blätter setzen ihre Angriffe gegen ihn in immer heftigerer Mise fort und bedienen sich dabei der mehr oder minder tendenziösen Informationen der Londoner „Morning Post", die bekanntlich ebenfalls voincaristische Politik treibt und Macdonald Todfeindschaft geschworen hat. Di« ganze Angelegenheit zeigt nun aufs neu«, wie schwer es ist, auf dem Wege des Friedens vorwärts zu kommen. Genau so wie bei uns die Rechtsparteien auf die Gelegen- heiten geradezu lauern, die Regierung Marx zu stürzen, so sind in England die Die Harbs am Werke gegen Macdonald und vor allem in Frankreich sitzen die Poincaristen aller Schattierungen im Hinterhalt und versuchen, Zwifchenfäll« zu provozieren und aufzubauschen, um die Befriedung Europas zu hintertreiben. Der Anlaß selbst zu diesem neuen nationalistischen Vorstoß ist in Wirklichkeit gänzlich belanglos: denn ab- gesehen davon, daß Macdonald in der Sache recht hatte, als er von einer geplanten Aenderung der Bersailler Bestimmun- gen in dem Einladungsschreiben sprach, so ist es wirklich gleichgültig, ob den eingeladenen Mächten dies« Auffasiung vorher oder erst am 16. Juli offiziell unterbreitet wird. Die Völker Europas,� und nicht zuletzt die Mehrheit des fran- zösifchen Volkes, würden es jedenfalls nicht verstehen, wenn das Werk des Friedens durch diplomatische Spitzfindigkeiten und künstlich zugespitzte Prestigefragen behindert oder gar ver- hindert werden würde. Tie englische Bersio«. London, 4. Juli.(WTD.) Zu der M.-ldung einer französischen Zeitung, wonach dl« Einladungen zu der am IS. Juli in London stattfindenden Repmationskanferenz„eine verfrühte Stellungnahme zu grundsätzlichen Fragen mit oder ohne Zustimmung der französischen Regierung" enthalten sollen, wick» hier erklärt, daß die Einladungen rein formal gehalten seien. Set der Sersendung der Einlabun» gen habe Macdonald lediglich als„beauftragter Schrift- führ er der Besprechungen von Cchcquers* gehandelt. Die französische Regierung sei über jaden van ihm unternommenen Schritt unterrichtet und ständig auf dem Laufenden gehalten worden. London. 4. Juli.(MTB.) Reuter erfährt, daß. obgleich die Sorberertungen für die bevorstehende alliiert« ftonferonz in London fortgesetzt würden, doch noch'zahlreiche Fragen unge- klärt seien. Reuter fügt hinzu: Der Zeitpunkt wurde end- gültig auf den 16. Juli festgesetzt. Dies wurde in den Ein- ladungen besonders erwähnt, die an I a p a n, F r a n k r e i ch, B e l- gien und Italien gesandt und von diesen Ländern ange- nommen wurden. Eine Einladung in anderer Form wurde auch von Amerika angenommen. Es besteht der Plan, daß alle an den Reparationen interessierten Staaten Gelegenheit hoben sollen, teilzunehmen, aber bisher wurde in der Frage dieser Einladungen, die gegenwärtig geregelt wird, noch nichts endgültig befchlos» sen. Die Frage der Hinzuziehung der Dominions wird- eben- falls erörtert. Es wird erwarkt, daß einig« europäische Länder von ihren diplomatischen Vertretern in London vertreten sein wer- den: bisher ist jedoch noch nichts Endgültiges bezüglich der Auswahl der Delegierten und des VersommlunosTts der Konferenz bekannt: hinsichtlich Italiens steht jetzt fest, daß Mussolini nicht kommt. Eine hoffnungsvolle Rede Macdonalds. London. 4. Juli.(MTB.) Alacdoaald erklärt« in Reden, die er in seinem Wahlkveise hielt, wenn setzt Reuwahlen stattfänden, so würde die ArbeNerregierung sagen können, daß in Europa eine aussichtsreichere, friedlichere und hoffnungsvollere Lage geschaffen worden sei, als sie je seit 1314 bestanden habe. Die Re- gierung habe Parteien gegen sich, die entschlossen seien, e» für sie unmöglich zu machen, zu großen Regelungen zu gelangen, damit ste nicht infolge dieser Regelungen eine größere Mehrheit erhalte, wenn sie sich nach Erledigung ihrer Arbeit im gegenwärtigen Parla- ment an das Land wende. In zwei Wochen finde die Interalliierte Konferenz in London statt. Er glaube, daß diese Konferenz erfolgreich fein könne, und wolle sich nicht in Prophezeiungen ergehen. Es fei jedoch sicher, daß infolge Einsetzung einer Arbeiterregierung in Großbritannien die Massen des europäischen Volkes dermaßen zum Frieden und zur Demokratie gewendet worden seien, daß sie weit mehr geneigt seien, jetzt zu einer Vereinbarung zu getangen, als sie es gewesen wären, wenn die Liberalen oder Konservativen statt ihrer im Amt wären. Man sehe dies in Europa und außerhalb Europas. In den Dominions stärke jede Wahl. die stattfinde, die Arbeiterbewegung. Die Konferenz aller Alliierten müßte zusammenkommen in dem Bewußtsem. daß ein neues Blatt aufgeschlagen werden müsse. wenn Europa gerettet werden soll«, und daß es zwecklos sei, über Kniff« zu hadern und zu stresten. Die Zeit sei gekommen für Männer, denen in Europa daran gelegen sei, zu Vereinbarungen zu gelangen, die vollkommen praktisch seien und durch ihre Durch- führung nützlich sein würden. Er freu« sich sagen zu können, daß Amerika an dieser Konferenz teilnehmen werde, zwar nicht voll vertreten, aber beobachtend, helfend und mitwirkend. Die Zeit müsse kommen, wo die große Republik des Westens in der«inen oder anderen Weis« helfe, europäische Probleme zu lösen. Amerika werde sich nicht unmittelbar beteiligen. Es werde dies niemal» tun. Er, Macdonald, wolle auch nicht, daß es dies w«. Es fei zu klug, um es zu tun. Es gebe jedoch kein« große Nation auf der Erde, die sich von den anderen Rationen isolieren könne. Es besteh««in« moralische Verpflichtung, Interefle zu nehmen. tzpmans öerichterftattung. Brüssel, 4. Juli.(TU.) Di« Kommission für auswärtige Ange- logenheiten hat gestern vormittag und nachmittag über die auswärtig« Lage Belgiens beraten. Außenminister H y ma n s ergriff das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er darlegte, unter welchen Um- ständen das Sachverständigengutachten gebildet worden wäre. Cr erinnert« an die Zusammenkunft vom 28. April mit Pom» cace, in deren Verlauf Poincare ihm versicherte, daß er der Wieder- Herstellung der wirtschaftlichen Oberhoheit»s Reiches im Ruhrgebiet zustimme. Der belgische Minister unterstrich dann einen wesent» lichen Unterschied zwischen den Erklärungen Poincare». der gesagt hat, daß die militärische Räumung des Ruhrgebietes nach Maßgabe der deutschen Zahlung erfolgen müsse, und der Versicherung Jaspar», der Im Brüsseler Kommunique geschrieben hatte, daß nach Maßgabe der Ausführung der Reparattonsverpflichfimgen durch Deutschland die Besetzung aufgehoben werden sollt«. ßastbiftische Drohungen. Rom. 4. Juli.(EP.) Im Gegensatz zu der abwartenden Hal- tun« der Opposition schlägt die faschistische Press« jetzt einen zusehends schärferen Ton an. Der„Jmpero" erklärt, seit 20 Togen dulde man eine schändliche aufrührerisch« Hetz«. Der Faschismus sei jedoch mächtig. Entweder werde die Opposition ruhig oder sie bekomm« es zu fühlen. In Monte Cittorio jedoch beginnt das politische Leben abzuflauen, nachdem die Regierung endgültig beschlossen hat, die Kammer nicht wieder vor November zu eröffnen. In der Tat hätte«in« Sommertagung des Parlamente, die politische Krise nur verschärst, wogege.t die Regierung auf den Herbst eine neu« Lag« erhofft. Die meist umstrittene Frag« bleibt die der Miliz mit dem Treueid für den König. Die Oppositionsparteien bettachten die Frage damit noch nicht als gelöst. Auch das gemäßigt« „Giornale d'Jtalia" verlangt außerdem Einreihung in die Armee, die Miliz müsse im Dienste des Staates und nicht einer politischen Partei stehen. Die Regierungsumbildmtg. Rom, 4. Juli.(MTB.) Die E n t la s s u n g sämtlicher bis- herigenUnterstaatssekretär« würbe angenommen. Es wur- den 14 neu« Unterstaatssekretäre ernannt, darunter die beiden Jour- nalisten Muttei Sentili. der Leiter des„Corriere d'Jtalia". und Cantalupo, der Redakteur der„Jdea Rationale". Bezug- lich der Besetzung des Unterstaatssekretariats des Krieges kehrte man zur alten Gewohnheit zurück und ernannt««inen Division»- general zum Unterstaatssetretär. Der Unterstaatsfekretär für die Kriegsmarine wird erst in den nächsten Tagen ernannt werden. Es wird wahrscheinlich auch ein höherer Marineoffizier sein. Ein englisches Konsulat für die Pfalz und das Saargeblet. Der rheinische Berichterstatter der„Times" meldet aus Wiesbaden, daß beschlossen worden sei, ein britisches Konsulat für die Pfalz und den Saarbezirk zu errichten. Dieser Beschluß sei von beträchtlichen oolittschen Interesse. Mr. Magowan. der seit 4 Jahren britischer Pizelonsul in Bremerhaven sei. sei zum brttfichen Konsul für die Pfalz und da, Saargebiet ernannt worden. Das Konsulatsbureau werde in etwa 14 Tagen in Mainz eröffnet. Reichsregierung und Reichsverfasiung. Amtlich wird gemeldet: Die Reichsregierung hat beschlossen, am 3. A u gust eine S e- denkfeier für die vom deutschen Volke im Weltkrieg gebrachten Opfer zu veranstalten. Einzelheiten darüber werden noch bekannt- gegeben werden. Daneben soll auch in diesem Jahr« der Ver- fassungstag am 11. August in der üblichen Weise gefeiert werden. Amerikas dritte Partei. Der Konvent von Cleveland. Der 4. Juli 1924 wird vielleicht ein sehr wichtiger Tag der Wellgeschichte werden. Denn an diesem Tag beginnt in Clevelamd in den Bereinigten Staaten der Konvent der„pro- gressioen polllischen Aktion", einer Bereinigung, die dazu be- stimmt zu sein scheint, als die lange erwartete„dritte Partei" das Monopol der Republikaner und der Demokraten zu brechen. Für uns ist dies« neue„dritte Partei" deshalb von befon- derer Bedeutung, well sie die politisch interessierten G e w e r k- sch asten sowie die Sozialistische Partei Amerikas in sich einschließt. Hier ist also ein Ansatz zur Bildung einer amerikanischen Arbeiterpartei, die sich nach dem jetzt beson- ders wirksam gewordenen Vorbild der englischen Arbeiter. parte! entwickeln dürste. Allerdings mahnt die geschichlliche Erfahrung zur Vor- ficht. Denn Versuche, neben den beiden abwechselnd regieren- den Parteien eine dritte zu schaffen, sind schon oft unter- nommen worden, aber immer wieder mißglückt. Auch R o o- se v elt hat 1912 mit seiner„progressiven Partei", die er von den Republikanern absplitterte, nicht mehr erreicht als«in vergängliches Gebilde und den Sieg der Demokraten. Die „Farmer-Ärbeiterpartei", die„Liberale Partei" haben kein besseres Schicksal gehabt. Die Sozialisten brachten es mit einem so ausgezeichneten Präsidentschaftskandidaten wie Eugen B. D e b s 1929 auf kaum 1 Million von 25 Millionen abgegebenen Stimmen. Wenn die„Konferenz für progressive politische Aktion" trotzdem mit großen Hoffnungen begrüßt werden kann, so stützt sich diese Zuversicht aus eine Reihe guter Gründe, die in einem Aussatz des Genossen Morris Hillquit in der neuesten Nummer der„Gesellschaft"(herausgegeben von R. Hllserding, Verlag I. H. W. Dietz) eindrucksvoll darge- stellt werden. Genosse Hillquit bezeichnet die„Konferenz für progressive polittsche Aktion" als die bemerkenswerteste politische Entwick- lung auf dem Gebiet der organisierten Arbeit. Das Rückgrat dieser Konferenz sind die sechzehn„standard" Ei s e n- bahnerverbände der Vereimgten Staaten mtt einer über zwei Millionen umfassenden Mitgliederzahl. Bon diesen Verbänden gehören einige der American Federation of Labor an, während die wichttgste, die mächtige„Brüderschaft" der Mechaniker, Lokomotivführer usw. unabhängig ist. Di« vereinigten Bergarbeiterverbände, der Typo- g r a p h e n v e r b a n d, die fortschrittlichen Verbände der Rähfadenindustrien und einige andere haben ab und zu an den Tagungen der Konferenz teilgenommen und die Zahl der Arbeitermitglieder auf drei Millionen an- wachsen lassen, eine Stärke, die jener der Federation in ihrer Gesamtheit gleichkommt. Außerdem sind in der Konfe- renz vertreten eine Reih« von Organisationen der selbstarbeitenden Farmer,„Dreckfarmer", wie sie sich selbst bezeich- noni, und außerdem die Soziali st ische Partei. Daß die Sozialisten mit ganzem Herzen an der Arbeit tellnehmen, ist einer der hervorstechendsten Züge der Konfe- renz. Dies beweist deutlich eine Neuorientierung sowohl in der Politik der sozialisttschen Partei als in der der amerikani- schen Gewerkschaften, die sich früher beide leider politisch streng voneinander gesondert hielten, zugleich bedeutet diese Taffache eine Garantie für den fortschrittlichen Charakter der neuen Bewegung. Die Konserenz für progressive politische Aktion hat bisher drei allgemeine Tagungen oder Konvente abgehalten, von denen jede gegenüber der vorigen einen Schritt nach vor- wärts bedeutet. Vor dem letzten Konvent im Februar 1924 in St. Louis ereigneten sich zwei Vorfälle in der internatio- nalen und nationalen Politik, die auf die Delegierten eine starke Wirkung hattm und der Bewegung eine neu« Richtung gaben. Die Arbeiterregierung in England hatte klar dargetan, daß die Arbeiter sowohl die Macht als die Fähigkeit zur Regierung haben, und die übelriechenden Oel- skandale in Amerika haben enffcheidend bewiesen, daß die kapitalistischen Parteien zum Regieren gänzlich ungeeignet sind. Die Zusammenkunft war charakterisiert durch einen Geist der Kühnheit und des Selbstvertrauens, der— sagt Genosse Hillquit— bisher den Versammlungen der amerikanischen Arbeiter„in kläglicher Weise gefehlt hat". Die Prinzipien- erklärung, die von der Dersammlung angenommen wurde, ist ein beredtes und fortschrittliches Dokument. Die Plattform erhebt die Forderung des öffentlichen Eigentums und der demokratischen Kontrolle der Eisenbahnen und Wasserkräfte: der öffentlichen Kontrolle der Natur» schätze, einschließlich der Bergwerke: sie fordern ferner Abschaffung des Rechtes der Gerichtshöfe, Gesetze zu annul- lleren: Abschaffung der Einhaltsbefehle in Arbeitskämpfen sowie uneingeschränktes Koalitions- und Streikrecht der Arbeiter: progressive Einkommen- und Erbschaftssteuern: Herabsetzung der Ausgaben für Militär und Flotte, Aechtung des Krieges und Ablehnung jeder Art von M ilit ärd ienstp flicht und militärischer Aus- bildung. Der auf den 4. Juli einberufene Konvent hat den Zweck, auf die Nominierung des Präsidenten und des Vizepräsidenten Einfluß zu nehmen. Die Einladung zu ihm richtet sich an all« Arbeiterverbände, alle Verbände der«bei- fenden Farmer, an alle Rooperativgenossenschaften, alle fortschrittlichen örtlichen Parteien und an die Sozialistische Partei. Der Konvent von Cleveland wird eine Wahlversammlung von nicht weniger als fünf Millionen Wählern der arbeitenden Klasse repräsentieren. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird er fich in offenen Gegensatz zu den beiden herrschenden Barteien sehen, wenigstens was feine Kandidaten für die Präfi dentschaft betrifft, und wird einen eigenen Präsi dentschaftskandidaten aufstellen. Es scheint gewiß, daß die Wahl auf den Senator M. La Follette fallen wird. Senator La Follette ist eine der interessantesten und achtunggebietendsten Erscheinungen der amerikanischen Politit. Obgleich Mitglied der republikanischen Partei und beständig auf ihren Listen gewählt, hat er die konservative Führerschaft feiner eigenen Bartei während der 45 Jahre seiner öffentlichen Tätigkeit dauernd bekämpft. Immer mit Elan für den Fortschritt und den Pazifismus kämpfend, heißt man ihn heute noch, unbeschadet seiner neunundsechzig Jahre, den Kämpfer Bob". Seine ganze politische Laufbahn hindurch war er der unbeirrbare Preisfechter der Arbeiter und arbeitenden Farmer und wird von diesen Klaffen vergöttert. Hillquit charakterisiert den Senator La Follette als einen Liberalen mit ausgesprochen arbeiterfreundlicher Gr finnung". Er ist tein Sozialist. Trotzdem würde seine Nominierung durch eine organisierte Körperschaft von Arbeitern und Farmern einen endgültigen Bruch mit den Parteien der herrschenden Klassen bedeuten und schließlich zur Schaffung einer unabhängigen Arbeiterpartei führen. 1 | schwer zu behaupten; denn gerade Herr Bazille ist immer| in Deutschösterreich führen, wenn nun selbst die Hauptregiedurchaus korrekt, so torreft! Aber das zweite nimmt ein rungspartei von einem an am a spricht, nachdem die Großwaschechter Deutschnationaler eigentlich als selbstverständlich deutschen und selbst ein Teil der Christlichsozialen in der letzten an, und damit er nicht etwa zögert mit dieser Annahme, hilft an, und damit er nicht etwa zögert mit dieser Annahme, hilft 3eit bereits offen gegen das jezige Regime, besonders auch ihm die Kreuzzeitung" nach: gegen den Finanzminister Dr. Kienböck aufgetreten waren. Dazu kommt noch die stürmische, weil notgedrungene Lohnbewegung der Beamten, denen der Völkerbundturater Zimmermann jeden Ausgleich für die Teuerung verwehrt. ,, Der amtliche Bericht über die Ministerbesprechungen ist wieder reichlich tendenziös gefaßt. Wie wir zuverlässig erfahren, hat sich in der Besprechung starte Opposition nicht allein gegen die bedingungslose Annahme des Gutachtens, sondern auch gegen die gesamte Politit der Reichsregierung geltend gemacht. Die Opposition iſt in erster Linie von Medlenburg- Schwerin ausgegangen, das das Gutachten in jeder Form abgelehnt hat, während auch von anderen Ländern, wie Württemberg und Bayern die größten Bedenken gegen die Art der Annahme der Reichsregierung erhoben wurde. Opposition hin und Opposition her: Herr Bazille und Herr Held haben ausdrücklich, wie der amtliche Bericht feftstellt, das Vorgehen der Reichsregierung, die baldige Durch führung des Sachverständigengutachtens zu erreichen, als richtig anerkannt". Nun sollen sie plöglich wieder nichts gesagt haben; denn wo bliebe die deutschnationale Agitation, wenn sie etwas gesagt hätten! So drückt sich die deutschwenn sie etwas gefagt hätten! So drückt sich die deutschnationale Bresse, feige, verlegen, unwahrhaftig um die Tat fachen herum. Da waren Herr Held und Herr Bazille dagegen denn doch ehrlich: sie haben durch ihr Verhalten anerkannt, daß die deutschnationale und die patentbayrische Agitationspolitik unhaltbar ist. Der Borkumer Badedirektor entlassen. Haussuchung in den Parlamenten. Auf Veranlassung des Untersuchungsrichters beim Staats. gerichtshof zum Schuge der Republik wurden heute morgen in den Räumen der tommunistischen Frattionen des Reichstages und des Preußischen Landtages Haussuchungen vorgenommen. Gegen 4 Uhr früh rüdten auf Bastautos starte Kommandos der Schußpolizei an und befeßten die Fraktionszimmer. Die 3 ustim mung der Präsidenten war eingeholt worden. Beschlagnahmt wurden zahlreiche Aktenstücke und Briefschaften. Gegen die Haussuchung haben die Kommunisten im Preußischen Landtag beim eltestenrat sofort protestiert. Der Aeltestenrat beschäftigte sich mit der Sache und vertagte den auf 11 Uhr angefeßten Beginn der Sitzung auf 12 Uhr. Als Präsident Leinert die Sizung eröffnete, tönte ihm von den kommunistischen Bänken ein vielfaches Pfui entgegen. Zur Geschäftsordnung verlangte sofort das Wort Abg. Dr. Meyer. Ostpreußen. Er protestierte in scharfen Worten gegen die Haussuchung und nannte sie einen ungeheuren Standal. Er legte einen kommunistischen Urantrag vor, der folgenden Wortlaut hat: Heute, den 4. Juli 1924, früh zwischen 6 und 8 Uhr, hat eine polizeiliche Durchsuchung der Fraktionsräume der KPD. im Landiag stattgefunden. Die Schränke der Abgeordneten sind aufgebrochen und durchwühlt worden. Material ist beschlagnahmt worden, ohne über das beschlagnahmte eine spezialisierte Aufstellung zu machen. Die Durchsuchung fand mit Genehmigung des Landtagspräsidenten statt, der aber versäumte, selbst anwesend zu sein und die kommunistische Fraktion wenigstens zu Beginn der Haussuchung zu benachrichten." Soweit Genoffe Hillquit. Der europäische Beobachter wird sich fragen, warum diefe hoffnungsvolle Entwicklung fo= lange auf sich warten ließ. Hillquit gibt auf diese Frage eine ausführliche und interessante Antwort, die man an der angegebenen Stelle selbst nachlesen mag. Was uns als fämpfende Politiker vor allem intereffiert, ist freilich die Zukunft. Wie oft ist uns von unseren Gegnern vorgehalten worden, daß die deutsche Sozialdemokratie in der fapitalistischen Welt eine isolierte Erscheinung sei, die weder in England noch in Amerifa ihre Parallelen fände. Gegen die marristische Auffassung, nach der die sozialistische Arbeiterbewegung etwas aus der kapitalistischen Gesellschaft Naturgeborenes ist, schien dies ein nicht leicht zu widerlegender Borfumliedes durch die Rurkapelle besteht demnach weiter zu Recht. wendig, weil die Gefahr bestehe, daß die Spigel der Herrn Severing Gegenbeweis. Seitdem aber haben wir den gewaltigen Aufstieg der englischen Arbeiterpartei erlebt und fönnen jezt in Amerita eine Entwicklung nach der gleichen Richtung beobachten. Bielleicht wird eine nicht mehr ferne Zukunft in den drei größten Industrieländern der Alten und der Neuen Welt, England, Deutschland und Amerika, drei im Ziel und Methoden gleichgerichtete, international verbundene sozialistische Arbeiterparteien sehen. Erfüllt sich diese Erwartung, dann wird man den 4. Juli 1924 wirklich zu den großen Tagen der Weltgeschichte zählen dürfen, die größer als alle großen Tage des Weltkriegs sind! Peinlich! Sie wollen wieder nichts gesagt haben. Die Konferenz der Ministerpräsidenten hat die Bolitik der Reichsregierung gegenüber dem Sachverständigengutachten gebilligt. Herr Held aus Bayern hat sie auch gebilligt. Herr Bazille aus Württemberg hat das zweite Bersailles" akzeptiert. Daran ist nicht zu rütteln, um so weniger, als. Herr von Brandenstein aus Medlen burg- Schwerin ihnen als gehorsamer Knecht seiner völlischen Herren gezeigt hat, wie sie als echte nationale Männer fich hätten verhalten müssen. Die Regierungsstellen scheinen jetzt endlich dem Borkumer Antisemitenstandal auf den Leib zu rücken. Der Landrat des Kreises Emden, Genosse Bubert, zu dessen Landkreis Borkum gehört, hat jetzt den Bade direktor von Borkum seines Amtes enthoben. Gegen die famose einstweilige Verfügung des Amtsgerichts in Emden, die dem Regierungspräsidenten in Aurich ein Eingreifen in Borkum untersagen wollte, ist von der Regierung Kompetenzkonflikt erhoben worden. Das Verbot des Spielens des Die Polizei in Borkum hat Anweisung erhalten, die Verfügung unbedingt durchzuführen. Es ist erfreulich, daß endlich einmal Regietungsstellen energisch werden und den antisemitischen Böbeleien in Bortum ein Ende machen. Der Skandal von Wöllersdorf. Wien, 4. Juli.( WIB.) Jm parlamentarischen Unterfuchungsausschuß wurde heute über die Geschäftsgebarung bei den wöllersdorfer Werten verhandelt. Der christlichsoziale Referent beg ichnete die Angelegenheit als einen panama tandal und stellte die Lage wegen der Schwierigkeit der Geldbeschaffung und der Drohung der Majorität der Wöllersdorfer Gruppe, den Betrieb einzustellen, als sehr ernst dar. Wie die Blätter, be über die Angel genheit ausführlich berichten, melden, hat sich die Aussicht auf eine gütliche Einigung mit der Wöllersdorfer Gruppe auch dadurch sehr verschlechtert, daß deren Generaldirektor Ceo Stlarz plöblich nach Berlin abgereist ist. Die ehemalige f. u. t. Munitionsfabrik in Wöllersdorf ( Niederösterreich) war unter der ersten Regierung der Repu blit Deutschösterreich gleich anderen Heereswerten auf Friedensproduktion umgestellt und als gemeinwirtschaftlicher Betrieb organisiert worden. Später hat die chriftlich sozialgroßdeutsche Regierung diese Werke zuerst einem reichsdeutichen Großfonzern und, als sich dieses zurückzog, einem Konfortium unter der Leitung Leo Sklarz übertragen. In der letzten Zeit ist festgestellt worden, daß diese Leute das Werk geradezu aus gestohlen haben. Es kann im Zusammen hang mit der überaus schweren Banken- und Geschäftskrise der letzten Zeit Das erste ist bei der letzten Zeit eine deutschnationale Bank verkrachte zu= erst zu einer gründlichen politischen Umwälzung Das ist immerhin peinlich, und jeder echt nationale Mann wird entweder sagen, die Herren aus Bayern und Württemberg feien momentan geistiger Verminderung unter legen, oder aber die amtliche Mitteilung über die Konferenz der Ministerpräsidenten habe gelogen. Das erste ist bei so geistigen Kapazitäten vom Range des Herrn Bazille Vornehme Gäste. Bon Erna Büsing. So, als ob sie etwas ganz Besonderes anfündigten, betraten die vier das Restaurant. Wählerisch suchten die beiden Damen und die beiden Herren in dem bis auf den Stammtisch gastlofen Raum fich einen Platz. Sie bestellten Kaffee und sahen verächtlich auf die Alpakalöffel, die in ihrer Unverbrauchtheit sich noch ganz nett machten. Dann verlangten sie die Speisekarte. Nachdem sie den Magenfahrplan mit fuchenden Augen durchlesen hatten, fragten sie mit Erstaunen in der Stimme: Ist das die große Speisekarte?" Borauf der Kellner wie ein Taschenmesser zusammenfnickte und allerunteriänigst fagte:„ Wir haben nur die eine Speisekarte. Da rum versetzte der Wirt ihm, als er mit der Bestellung an das Büfett herantrat, einen kleinen Knuff und sagte:" In einem solchen Falle macht man eine Ausrede. Man sagt, die Karte ist fonft reichhaltiger, aber es sind jetzt so, viele Stammgäfte verreist usw. Das sind doch vornehme Gäfte, das müssen Sie doch auch sehen!" Der Stammtisch lärmte, seiner Gewohnheit gemäß. Sonft freute sich der Wirt darüber, denn die Honorationen des Städtchens saßen daran, aber heute war es ihm unangenehm.„ Weißt du, Mag, Rosenbergs sind gestern bei der Heimfahrt vom Ausflug zurüd geblieben." Warum denn?"" Weil das Hundeabteil besetzt war." Na, da haben sie um den Köter den Zug versäumt." So fachte und schwatzte es durcheinander. Den Wirt ärgerte es insgeheim. Warum fagten die Stammtischgäste nicht: Herr Dr. Rosenberg und Familie". Das flang doch etwas anders. Und der Wirt hätte es fehnlicht gewünscht in Anbetracht seiner vornehmen Gäfte. Mar, grüß die Ziegelei," schrie es com Stammtisch, als einer aus ihrer Runde sich zum Gehen wandte. Wie das so gewöhnlich klingt, und " dabei ist es der reiche Herr Ziegeleibefizer, dachte der Wirt. Als das von den vornehmen Gäften bestellte Effen tam, ging der Wirt in sein Speisezimmer und holte aus dem Büfett die schweren jilbernen Bestecke, die der Stolz seiner Frau und ein Hochzeitsgeschenk ihres reichen Onfels waren. Der Kellner servierte mit devotester Geräuschlosigkeit. Die vornehmen Gäste zahlten sogleich, doch verließen sie das Lokal erst, als es sich langsam füllte. Trotzdem der Kellner alle Hände voll zu tun hatte, begleitete er fie bis zur Tür, und der Wirt machte vom Büfett aus seine höflichste Verbeugung. Abrechnung mit dem Publikum. " Der Antrag fordert die sofortige 3urüdgabe des beschlagnahmien Materials, Feststellung des Materials unter Hinzuziehung von drei Vertretern der KPD. Dr. Meyer erklärt, die sofortige objektive Prüfung des befchlagnahmten Materials müsse eine Rechtfertigung der PD. herbeiführen. Die sofortige Brüfung sei auch deswegen notdem gefundenen Material noch anderes Material, das ihnen in den Rram paffe, hinzufügten. wird kein Widerspruch erhoben. Gegen die fofortige Beratung des kommunistischen Antrages Präsident Leinert erklärt nunmehr, der Untersuchungsrichter des Staatsgerichtshofs zum Schuß der Republik habe sich an ihn( den Präsidenten) schriftlich um die Genehmigung zur Untersuchung in den Räumen des Landtags gewandt. Der Untersuchungsrichter habe seinen Schritt damit begründet, daß der Verdacht besteht, daß die Räume der KPD. zur Verwahrung des Materials der deutschen Ticheta benutzt werden. Ich habe betonte Präsident Leinert- den Untersuchungsrichter gebeten, zu mir zu kommen. Er kam und teilte mir mit, daß es sich bei der Untersuchung um zwei vollendete Morde und mehrere Mordversuche handelt. Ich habe mir nach reiflicher Ueberlegung gefagt, daß es in erster Linie meine Aufgabe ist, die Immunität zu schützen, aber doch nur so weit, als dadurch nicht Menschenleben gefährdet werden. Da es sich um vollendete Mordtaten und um Mordversuche handelt, konnte ich die Untersuchung nicht verweigern; denn ich mußte mir die Frage vorlegen, ob ich mit meiner Weigerung nicht neue Mordiaten begünstige. erteilt.( Bfuirufe bei den Kommunisten.) Die Art der AusDeshalb wurde die Genehmigung zur Untersuchung führung der Untersuchung ist nicht Sache des Präsidenten. Für mich handelt es sich nur darum, Menschenleben nicht in Gefahr zu bringen. Hierauf begründet Dr. Meyer- Ostpreußen den fommunistischen Antrag. Er erklärt, es handele sich bei der ganzen Sachlage um ein Komplott zwischen Severing und Leinert.( Gelächter bei den Soz.) Polen Deutschland voran! Die neue polnische Basverordnung befreit olle Bewerber um einen neuen Auslandspaß, die ihre Steuern gezahlt haben, von der Erlegung der Gebühr. Nur wer feinen ständigen Wohnsiz im Ausland nimmt, hat die Gebühr zu zahlen. man mit dem Lächeln des Wehrlosen. Zwei, drei Chansons ge langen und erinnerten an die alte gute Operette. Die„ Eleganz" der Toiletten, der Bewegungen sollte flott" sein und war gezwungen, unnatürlich, aufdringlich. Man follte mildern, mildern. Elisabeth Balzer Lichtenstein sang die Hauptrolle in den Toiletten der Firma Kaufmann. Eine ausführliche Kritik findet man in den Modebeilagen der bürgerlichen Blätter. -th. der Bachthumme ermöglicht der Sommerdirektor dem Winterdirettor eine Ferienreise. Die Pachtsumme stellt die Hälfte eines Kapitals dar, das der Sommerdirektor von dem Geldgeber bekommen hat. Der Geldgeber feinerseits gehört jener großen Gilde derer an, die nicht alle werden. Was die fünstlerischen Darbietungen anbetrifft, fo gewinnt jest wieder das deutsche Lustspiel an Boden. Gibt es denn deutsche Luftspiele? Gewiß, 3. B. Minna von Barnhelm. Aber die Aufführung dieses Stückes erfordert großen Mut feitens des Direktors. Erstens sind die Kinder verreist, und zweitens ist es Fünfzig Jahre 3oologische Station in Neapel. Die 30c ein gefährliches Unternehmen, jezt Lessing zu bringen. Der Mann logische Station zu Neapel, die Schöpfung des deutschen Meeress forschers Anton Dohrn, deren Direktor Reinhard Dohrn, det hatte einen" Nathan" geschrieben, der sicherlich zu den Weisen von Sohn und Erbe des Begründers, bei Beginn des Krieges aus seinen 3ion gehört. Wer weiß, ob bei Lessing die Blutprobe einwandfret Besiz vertrieben wurde, ist jetzt wieder von ihrem alten Leiter überausfallen würde. Ich gebe zu, auch an das französische Luftspiel nommen worden, und so fann er die Feier des fünfzigjährigen Begedacht zu haben. Aber das Wort„ französisch" hat bei uns einen stehens dieses wichtigen Instituts an Ort und Stelle begehen. Heber häßlichen politischen Beigeschmack bekommen. Und von den heutigen die Bedeutung dieser Anstalt und ihre Stellung in der internation deutschen Lustspielen habe ich mir immer gewünscht, es sollte eins vor dem Bölkerbund gespielt werden. Dadurch würde ihm der Ernst naten Wissenschaft verbreitet sich H. Braus in den„ Naturwissenunserer Lage eindringlich vor Augen geführt. Bei den Proben zu fchaften". 1874 fonnte Anton Dohrn nach leberwindung vieler dem Schwant„ Der blaue Heinrich" von Otto Schwarz und Schwierigkeiten die Station eröffnen und hat durch ihre Arbeiten Georg Lengbach, der Ihnen gleich serviert wird, äußerte ich doch die Lehre vom Leben im Meere erst eigentlich erschlossen. Nach dem Muster der Anstalt wurden dann andere Stationen in Amerifa uns einige Bedenken. Aber da legte man mir die Kritiken vor. Ber England begründet, die einen großen Umfang erreichten. Am Mitte feiner Uraufführung in Guben ergab sich, daß„ Der blaue Heinrich" meer, das an Formen besonders reich ist, entstanden ebenfalls neue die Sensation der diesjährigen literarischen Produktion bedeutet. Institute. Aber feines hat die Durchbildung aller Einrichtungen nach Literatur Sehnsucht bekommen und daß Torquato Tasso" oder Erreichen wir mit einem Sommerschmarren, daß Sie wieder von Neapel, wo Untersuchungsmaterial, technische Apparate und Minna von Barnheim" im nächsten Winter volle Häufer erzielen, Notwendige an die Hand geben. Bibliothek in vollkommener Zusammenarbeit dem Besucher alles Das Institut, das annähernd dann, meine Damen und Herren, hat" Der blaue Heinrich eine. 100 Forschern gleichzeitige Tätigkeit geftattet, wurde früher von den ethische Mission erfüllt." Baul Morgan ist ein Tausendfaffa. Erstens spielte er am felben wichtigsten Kulturländern unterstüht. Auch jetzt haben einige dieter Nationen wieder Geldmittel zur Verfügung gestellt, England borAbend auch eine Hauptrolle in der Tribüne und zweitens bot dieje läufig nur auf fünf Jahre, solange der jezige Verwaltungsrat beRede den eigentlichen Genuß im Künstler- Theater. Sie war die Selbstverteidigung eines intellektuellen Schauspielers. Die BertelDi- steht, dem Dohrn angehört. Die Bewilligung ist also eine Bergungsrede dauerte zehn Minuten und der Schwant zwei Stunden. trauensfundgebung für den deutschen Leiter. Mittel werden jetzt durch die Vermietung der einzelnen Bläge aufgebracht sowie aus Ach, daß es umgekehrt gewesen wäre! Morgan hat Geist und Hunden Einnahmen der Besichtigung. Das Institut iſt nämlich eine und die Gabe, fröhliche Laune zu verbreiten. Der blaue Heinrich bekam es nur durch die Lustigkeit der Paul Morgan und Kurt Bois. Sehenswürdigkeit ersten Ranges, nicht nur durch das herrliche SchauMorgan, der routinierte Typendarsteller, und Bois, das Zwischen- aquarium, sondern auch durch seine künstlerische Ausgestaltung, die ding zwischen Harald Lloyd und Charlie Chaplin. Kurt Bois hat im wesentlichen von dem großen Bildhauer Adolf Hildebrand durchtausend im Augenblic geborene Einfälle von erschütternder Groteske, geführt und von den Fresken von Marées gekrönt wird. Das Ge die bewundernswerte Elastizität eines russischen Tänzers, den bäude, das sich in seiner harmonischen Gestalt in hellften Farben aus dem dunklen Grün der Steineichen des einzigartigen Bartes elegiſchen Blid und das verlegene Lächeln eines genialen Narren. Schwank vergessen. Man lachte sich kapult. Na, und das ist ja auch am Meer heraushebt, ist ein unvergeßlicher Anblick, den sich fein Diese beiden herzerquickenden Komiker ließen die Trauer über den Befucher Neapels entgehen lassen wird. " 1 was wert. " Dgr. Eine prima Schwantfabrit. Es stammt aus der Fabrit 3er Das Vornehmsein hatte sich für die Gäste gelehnt, denn als der fett, Roberts, Göße, die Lanzornamente lieferte Bruno Kellner abräumte, fehlten zwei Bestecke. Arno, die Inszenierung Hermann Feiner und so geschah es, daß die meisten Beteiligten sich auf der Bühne des Staats. theaters peremigen durften, auf der ihr musikalischer Schwant: " Die verfolgte Unschuld" gegen sommerlich reduzierte Ansprüche aus gegeben wurde. Dieser musikalische Schwant", dessen Mujit Aus züge aus der halben Musikgeschichte der Menschheit bilden, behandelt ein uraltes Schwanfmotiv: die Bermechflung. Zwei Paare heiraten im dritten Aft, wie schon aus dem ersten ersichtlich ist. Auf Qualität verzichtete man gern und leicht, ein paar Geschmaciofigkeiten ertrug Im Deutschen Künstler Theater schob sich gestern abend nach dem letzten Glodenzeichen der Schauspieler Baul Morgan vor den Vorhang und sprach einen Prolog:„ Meine Damen und Herren, fagte er mit seiner ernsten, leicht verlegenen Stimme, die Sommerspielzeit ist ein Problem. Durch Erlegung 44 Eine Theateraufführung auf dem Konstanzer Münsterplah. Bei der Festwoche, die die Stadt Konstanz zu Ehren des 50. Geburts. tags von Wilhelm von Scholz veranstaltet, wird an dem Geburtstag, dem 15. Juli, auf dem alten Münsterplaz das mittelalterliche Drama„ Der Jude von Konstanz" von Scholz aufgeführt werden. Der Plaz gehört zu dan menigen deutschen Stadt plägen, die noch ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt haben. Bei den großen Massenszenen wirten Mitglieder der Konstanzer Innungen mit, und die ganze Inszenierung ist darauf gerichtet, nicht etwa nur eine übliche moderne Freilichtaufführung zu bieten, sondern die Aufführung durchaus im Charatier jener Spiele zu halten, wie fie in Mittelalter so oft auf dem gotischen Münsterplage der Bürger. schaft der alten Reichsstadt geboten wurden. Helds Programm. Der alte Kurs in neuem Kleide. Anläßlich der Regierungserklärung des neuen Ministerpräsitenten wird dem SPD. aus München geschrieben: Nun hat das seit Monaten führerlos treibende Staatsschiff Bayern wieder seinen Kapitän und die als notwendig erachtete übrige Bemannung. Es war eine schwierige Arbeit, diese Anheuerung der Bavaria. Dennoch: das Schiff ist brüchig an vielen Stellen und hat insbesondere ein großes Leck, durch das die Wogen in gefährlicher Weise einzubringen drohen. Darum wollte sich auch kein Steuermann finden, so daß im letzten Augenblick sozusagen der Reeder selbst als Fährmann feinen Rahn besteigen mußte. Bewerkschaftsbewegung Verruf der faschistischen Gewerkschaften. Um Gartenmöbel durch die Maler. Wichtig ist die Bestimmung, dağ für Nachtarbeit, gleichgültig, ob es sich im Ueberstunden oder um Nachtschicht handlet, ein 3uschlag von 25 Broz. gezahlt werden muß. Bisher betrug dieser Zuschlag nur 10 Proz Die Urlaubszeiten sind als günstig zu bezeichnen. Es erhalten beispielsweise Arbeitnehmer, die am 1. April ein halbes Jahr in einer Brauerei beschäftigt find, 6 Werftage Urlaub, der sich für 2, 3 und 10 Jahre Beschäftigte auf 9, 12 und 15 Tage erhöht. Für weibliche Arbeitnehmer beträgt der Urlaub unter ähnlichen Borausjagungen 3, 6 und 9 Werktage. Der Haustrunt, diese traditionelle Einrichtung im Braugewerbe, ist etwas gefürzt worden. währung von Krankengeldzuschuß während der Dauer der An sozialen Vergünstigungen sind zu ermähnen die GeKrankheit wie auch für die ersten drei Tage, an denen von den Krantenfaffen fein Krankengeld gewährt wird. Die Berwendung bleihaltiger Farben im Betriebe ist verboten. Handwerkern find alle benötigten Werkzeuge von der Brauerei zu liefern. Für alle Arbeitnehmer sind heizbare Umkleide= und Kleidertrodenräume zur Verfügung zu stellen. In den Wasch und Baderäumen find Handtücher und Stückenfeife an alle Arbeiter zu liefern. Det Auf Beschluß der Internationalen Arbeitskonferenz. Die Internationale Arbeitstonferenz hat, wie bereits gemeldet, beschlossen, den Vertreter der faschistischen Gewertschaften von der weiteren Mitarbeit an ihrer Tagung auszuschließen. Dieser Beschluß ist für die internationale Arbeiterbewegung besonders bedeutungsvoll, weil dadurch zum ersten Male vor aller Deffentlichkeit das Urteil über die faschistischen Gewerkschaften ausgesprochen ist. Die Entscheidung erfolgte auf Grund des in Genf vorliegenden Materials, das den eigentlichen Anlaß zu dem Ausschluß non Roffoni Damit war von vornherein auch der Kurs vorgezeichnet, den die bildete. fünftige Regierungspolitik in Bayern steuern wird. Es fann des- Mit dem Antritt der Herrschaft in Italien hatten die Fa halb niemand darüber enttäuscht sein, daß das Programm des Misch ist en flar erkannt, daß die Machtposition, die die freien Gemert nisterpräsidenten 5) eld der Welt teine wesentlich neuen Gefichts- fchaften Italiens durch ihren Einfluß auf die Arbeiter besaßen, ein entscheidendes Hindernis für ihre politischen Pläne bildete. punkte bringt. Held selbst wird kaum etwas dagegen haben, wenn man ihn und seine Regierung als die Inkarnation der Politik diese Macht zu brechen, begnügten fie fich anfangs mit plan. losen Gemalttätigteiten gegen Gewerkschaftsversamm Zum Schluß sei noch erwähnt, daß die Bertragsparteien zur bezeichnet, die seit der berüchtigten Auswirkung des Rapp- lungen, Gewerkschaftsführer und Gewerkschaftsbureaus. Als diese Schlichtung aller fic qus dem Tarifverhältnis ergebenden Streitig Butsches in Bayern, also seit dem März 1920, mit Kahr in Mittel nicht ausreichten, den geschlossenen Körper. der organisierten feiten ein Tarifeinigungsamt eingesetzt haben, dessen EntSchwung gekommen ist. Er wird um so weniger etwas dagegen Arbeiterschaft zu sprengen, steigerten sie ihre Attion 3 u jy ste mascheidungen unter Ausschluß des Rechtswegs endgültig sind. Der einwenden fönnen, als in seinem Kabinett zum überwiegenden Teil tischen Banden überfällen und Attentaten. Das Vertrag läuft bis zum 31. März 1925, ist aber mit piertaljähriger jene Männer sigen, die mit eigenen Händen an der Schaffung jener organisatorische Gefüge der Gewerkschaften wurde erschüttert, aber Frift fündbor. ,, Unordnungszelle, in der kein Mensch mehr seines Lebens sicher ist", den festen Kern der organisierten Arbeiterschaft vermochten die Famitgeholfen haben. schiften trotzdem zunächst nicht zu sprengen. Erft gegen Ende des Jahres 1921 gingen fie dazu über, neben den offenen Gewaltmitteln gegen Führer und Organisationseinrichtungen der Gewerkschaften mit Hilfe ihres in allen Ortschaften genügend gefestigten Organisationsapparates, der die Bolizei- und Verwaltungsbehörden beherrschte, eigene Arbeiterorganisationen zu schaffen. Im Bunde mit dem Unternehmertum und unterstützt durch die Geldmittel der Industrie gelang es ihnen, eine regelrechte gelbe Gewertschaftsorganisation zu schaffen. Hauptsächlich in der Landwirtschaft begannen sie ihre Tätigkeit. Erst später fonzentrierten sie ihre Gewalt- und Geldmittel auf die Eroberung der Industriearbeiter. Diese leibhaftige Fleischwerdung innerhalb des bayerischen Regierungssystems geht sowohl aus der Form wie aus dem Inhalt gierungssystems geht sowohl aus der Form wie aus dem Inhalt der Programmrebe in ziemlicher Eindeutigkeit hervor. Die Form der Programmrede in ziemlicher Eindeutigkeit hervor. Die Form ist präziser und weniger schwammig in jenen hochklingenden Worten, mit denen man seit Jahr und Tag die meißblaue Eigenstaatlichkeit Bayerns gegenüber dem Reich zu betonen gewohnt ist. Auch der Len dieser Worte flingt in manchem einschmeichelnder und tone zilonter; ihr Inhalt aber ist derselbe, den man in Bayern, im Reiche und draußen in der Welt längst gewohnt ist: Bayern betennt sich zwar mit freudiger Lippe zur Einheit und Geschlossenheit des deutschen Reiches, will aber gleichzeitig eine Reihe der zu dieser Einheit und Geschlossenheit notwendigen Quadern herausbrechen, um wieder ein freier Einzelstaat in eigener Hoheitsstellung" zu werden. Die geplante Zerstörung der Weimarer Berfassung ist zur Genüge damit charakterisiert, daß auch die neue bayerische Regierung sich völlig auf den Boden der bekannten Dentfárift der Regierung Knilling vom 4. Januar 1924 stellt. Reine noch so schönen Worte fönnen über den wahren Charakter des heutigen amilichen Bayern in dieser Hinificht hinwegtäuschen. Das Geheimnis des Erfolges der faschistischen Gewerkschaftsgründung geht aus folgenden Einzeldaten hervor: Die faschistischen Gewerkschaften unterstehen der unmittelbaren Kontrolle der politischen Partei, von der sie abhängen. Der Hauptleiter der faschisti. schen Verbände ist rechtmäßiges Mitglied des großen Rates der faschistischen Partei. Die Regierung läßt zur Mitberatung und Ausarbeitung sozialer Gesetze und Verordnungen nicht die freien Gemertschaften, sondern nur die faschistischen Bemerfichaften gehört zur Fraktion der faschistischen Mehrheit. Die Verbände zu. Die parlamentarische Vertretung der faschistischen Anwendung von physischer Gewalt gegen Personen und Einrichtungen bildet das Haupttampfprinzip der Faschisten. Die Plünderungen der Konsumvereine und der Gemertschaften gelegentlich der letzten Wahlen waren 3. B. so umfangreich, daß sich sogar der Papst veranlaßt fah, für die durch wüste und geradezu ruchlose Zerstörungen Geschädigten" öffentlich eine halbe Million Lire zur Verfügung zu stellen. Die Arbeiter, die in Betrieben, in denen Tarifverträge mit den faschistischen Korporationen abgeschlossen sind, arbeiten wollen, werden gezwungen, sich den Faschisten anzuschließen oder wenigstens aus den freien Gemertschaften auszutreten. Deren Führer werden aus ihren Wohnorten vertrieben und die rechtmäßig gewählten Gemerthörden haben wiederholt durch Verordnungen mit Gesetzestraft Zarifmonopole in die Hände der faschistischen Gewerkschaften gegeben. Ein offizieller Regierungserlaß vom 24. Januar 1924 bestimmt, daß die von den Gewerkschaften gesammelten Beiträge oder freimilligen Verpflichtungen der leberwachung der provinzialen Behörden unterstellt werden. Der Präfeft tann jederzeit Revisionen vornehmen und die Berwaltung der Gewerkschaftstasse bzw. die Verwaltung des Verbandes selbst einem besonderen Kommissar unterstellen. Auch die nähere Definition des sogenannten nationalen Rechtsfurses wird niemandem etwas Neues fagen. Man darf nur gespannt sein, ob es der neuen Regierung möglich wird, auch eine neue Variation dieses Kurses ,, auf der Grundlage der gegebenen Verfassung" ausfindig zu machen. Denn nur in der Auffindung einer neuen Variante hat Held die Möglichkeit, der doch reichlich abgegriffenen Attrappe des fonjervativ- nationalen Rechtsblodes neue Anziehungskraft zu verleihen. Es erübrigt sich, auf all die schönen Worte von der starken Hand, der Staatsgewalt und der Staatsautorität näher einzugehen. Waren denn die Kahr und Knilling nicht auch einmal die vielgepriesenen Männer von der starken Handschaftsbeamten durch Regierungskommissare überwacht. Die Beund was haben diese aus dem nationalen, Deutschland befreienden Bayern gemacht? Etwa mehr als ein Objekt des Gespötts der ganzen Welt? Dieses ganze Programm der Staatsautorität ist nichts anderes als ein lodender Auf bau papierener Bhrafen, solange die Zusammen. arbeit mit allen vaterländischen Bewegungen und Organisationen kein Ende nimmt und folange auch der neue Ministerpräsident von der Möglichkeit träumt, daß biefe unter der Oberfläche schwelenden Verbände eines schönen Tages doch noch ihm und dem Herrn Pittinger von Bayern und Reich" untertan werden. Erst wenn hier einmal die bayerische Regierung reinen Tisch zu machen sich ehrlich zur Aufgabe stellt, erst dann tönnen die Worte von Volksgemeinschaft und politischer Gemein schaftsarbeit ernst genommen werden. Diese Auffassung tann man uns Sozialisten wahrlich nicht übel nehmen, zumal Held von der Revolution des November 1918 die allerhinterwäldlerischste Anschauung hat. Sein 3orn darüber, daß der monarchistische Blüten traum seiner Jugend in Rauch und Dunst aufging, ist ein schlechter Ratgeber, wenn es gilt, als Ministerpräsident des zweitgrößten FreiStaates der Republif mit in die Geschide unseres schwergeprüften Landes einzugreifen. Das große Leck im bayerischen Staatsschiff, das ist unsere Rechtspflege". Wie dieses Leck verstopft werden soll, das ist im Augenblick das interessanteste aller unerfreulichen Kapitel in Bayern. Dieses Experiment wird um so interessanter, als auch hier Dr. Held offenbar nach dem Rezept arbeitet, den Teufel mit seiner Großmutter auszutreiben. Denn schließlich hat er alles daran gejene Großmutter, die nun erneut. ihre ganze Arbeitskraft daranjeßen wird, zum Gegen Bayerns in der bewährten Beise weiter zu wirken. Wer daran zweifelt, daß der Kurs der alte bleibt, der möge den Berlauf der mit einiger Spannung erwarteten Justizdebatte im Landtag abwarten. Boraussichtlich wird dann erft wirklich vor aller Welt der Kage die Schelle umgehängt. Zentrum und Bayerische Volkspartei. München, 3. Jult.( Eigener Drahtbericht.) lleber Besprechungen zwischen Bersönlichkeiten der Bayerischen Volkspartei und des Zentrums in Bamberg am 21. Juni, an der auch der Reichskanzler und bar jehige Ministerpräsident held teilgenommen haben, gibt nunmehr bie ,, Bayerische Bolkspartei- Korrespondenz" offiziös Auskunft. Einen Hauptpunkt dieser Besprechungen bildete das Verhältnis zwischen biesen beiden Barteien, das sich bei den Reichstagswahlen erheblich verschärft hatte. Das Ergebnis der Bamberger Besprechungen laffe nun erhoffen, daß es mit dem Vorstoß des Zentrums in der Pfalz fein Bewenden haben werde. Darüber hinaus wurde vereinbart, daß in Zukunft bei allen großen politischen Fragen, die irgendwie mit den gemeinsamen Interessen der beiden Parteien zusammenhängen, zwischen den Fraktionen des Zentrums und der Bayerischen Velispartei eine unverbindliche Fühlung. nahme aufgenommen werden soll mit dem Zweck einer gegen feitigen Unterrichtung. Ausdrücklich betonten die Unterhändler der Bayerischen Boltspartei, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen an die Herstellung irgendeiner Art von Arbeitsgemeinschaft, wie sie bis zum Juni 1920 bestanden habe, nicht gedacht werden kann und daß die Bayerische Volkspartei ihre volle Selbständigkeit in jeder Beziehung wahren muß. Das hindere nicht, daß man ge. meinsam vorgehe, wenn eine gemeinsame Auffassung und gemeinfame Interessen vorhanden sind. Bundestangler Dr. Seipel ist heute aus dem Krankenhaus in ein Erholungsheim übergesiedelt. Die Neuwahlen für Oberschlesien. Der Reichsminister des Innern hat nach Rücksprache mit den Parteiführern die Neuwahlen für Oberschlesien auf den 14. September festgefeßt. Die Hinauszögerung erfolgte mit Rücksicht auf die bevorstehende Ernte. In welchem Maße die Regierungsgemalt gegen die freien Verbände zugunsten der faschistischen Regierungs: gemalt ausgeübt wird, geht aus zahlreichen Berordnungen der Brovinzialregierungen hervor. Die Folge der Bernichtung der Koalitionsfreiheit der Landarbeiter durch die verbündeten Faschisten, Unternehmer und Regierungsbehörden war der Ausschluß der Landarbeiter von der Arbeitslosenversicherung und die Unterdrüdung der Berufstrantenfassen. Es ist das Verdienst der vereinigten Arbeitnehmerdele gierten auf der Internationalen Arbeitsfonferenz, in fene Suftände hineingeleuchtet zu haben, die nach der Auffaffung Mussolinis das arbeitende Bolt besseren Beiten entgegenführen sollen. Aus berufenem Munde erfährt die Welt endlich, daß die faschistischen Gewerkschaften nichts anderes sind als ein Organ der Unternehmer und der politischen Dittatur non nationalen Minderheiten. Aber darüber hinaus hat die Entscheidung der Internationalen Arbeitsfonferenz mit dem Ausschluß des faschistischen Vertreters noch eine andere Bedeutung. Sie ist für die Arbeiterschaft der Welt ein 2ppell, an Hand von einwandfreiem Material den Kampf gegen die Faschisten aufzunehmen, ihre Stärke moralisch zu untergraben und die italie find gewiß, daß die deutsche Arbeiterschaft diesem Appell jederzeit gerecht werden wird. Der Tarif für das Braugewerbe. Für die gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen in Berliner Braugewerbe ist mit irfurg av 13. Juni ein neuer Manteltarif abgeschlossen worden. der im Vergleich zu den Tarifen für andere Berufe günstige Bestimmungen enthält. Den Unterhändlern der Drganisationen ist es gelungen einen Antrag der Unternehmer auf eine ganz allgemeine Arbeitszeitverlängerung ab. umehren. Nach diesem Antrag sollte die neunstündige Arbeitszeit innerhalb einer zehnstündigen Anwesenheit im Betriebe eingeführt werden, ohne daß irgendeine Extravergütung dafür gezahlt werden sollte. Die Betriebsleitung sollte das Recht haben, nach freiem Ermessen die Arbeitszeit bis auf zehn Stunden auszubehnen. Erst von der elften Stunde an sollten die Ueberstubenzuschläge in Straft treten. Für Björtner, Bächter, Bureaubiener und ähnliche Berufsgruppen wollten die Ar: beitgeber eine angemessene Beit als Arbeitsbereitscha aft" festgelegt wissen. In der Braris hätte das für diese Arbeitnehmer den 13- und 14- Stunden- Tag bedeutet. Es ist selbstverständlich, daß sich solchen Anträgen gegenüber die Organisationsvertreter auftragsgemäß scharf ablehnend verhielten. Es ist auch erreicht worden, daß die Arbeitszeit adhi Stunden inner halb einer Gesamtarbeitszeit von 9 Stunden belaffen wurde, wobei zwei Boufen von je einer halben Stunde einbegriffen sind. Mit Rücksicht auf die besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse im Braugewerbe fann aber vom Arbeitgeber lebetarbeit angeordnet werden, jedoch nur in der Zeit bis zum 30. September 1924. Für die erste Stunde solcher Weberarbeitszeit ist der Tariflohn nebst einem Zuschlag von 10 Pro 3. zu zahlen, alle weiteren lleber: stunden sind mit den tariflich festgelegten höheren Aufschlägen abzug lten. Mit diesen Bestimmungen ist für jede Arbeitsleistung über 8 Stunden hinaus der Charakter als Ueberstundenarbeit gewahrt; an den Arbeitnehmern wird es liegen. cb auch über die befristete Zeit hinaus dem Arbeitgeber tariflich das Recht zustehen wird, eine längere Arbeitszeit verlangen zu können. Die in einem Sonderablommen festgelegten Löhne find Wochenlöhne. Ein Abzug für die gefeglichen Feier tage, die in die Wochentage fallen, ist nicht statthaft. Der§ 6 des Tarifvertrags bestimmt ausdrücklich, daß Attordarbeit nicht erlaubt ist. Eine Ausnahme macht nur das Anstreichen der Es tann fonstatiert werden, daß die am Bertrage beteiligten Drgonisationen, besonders der Verband der Lebensmittel- und Ge träntearbeiter, mit diesem Tarifwert für die Arbeiter in den Brauereien annehmbare Arbeitsbedingungen erreicht haben. Selbstver ftändlich find nicht alle Wünsche restlos erfüllt worden; die der Arbeitgeber aber zweifellos erst recht nicht. Die Spaltungsarbeit" im Schuhmacherverbande. Ein Verbandsmitglied der Schuhmacher schreibt uns: ,, Die von den Kommunisten beliebte Methode, den Anhängeri der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale Spaltungsabsichten zu unterstellen, um ihre Minierarbeiten zur Aushöhung der Gewerkschaften damit einzunebeln, ist bekannt. Die Anwendung dieser Methode auf die Erklärung der SPD.- Fraktion der Schuhmacher zeugt aber doch von einem hohen Grad von Inverfrorenheit der tommunistischen Drahtzieher. Was sagt die Erklärung in ihrem Kern: Die Kollegen der Amsterdamer Richtung wollen sich durch Wahl von Angehörigen der kommunistischen Partei, als Bertreier zum Verbandstag, nicht der Unterstügung gewerkschaftszerstörender Elemente schuldig machen." Bei der offenfundigen Stellung der KPD. zu den Bewertschaften bedarf diese Erklärung eigentlich feiner näheren Begründung. Das Ziel der Kommunisten ist, die Gewerkschaften zu erobern", um sie der Roten Internationale unterzuordnen. Seine Vermirklichung würde die Gewerkschaften als wirtschaftliche Machtfaftoren der Arbeiterschaft vernichten. Auf legalem Wege fönnen die Kommunisien ihre Absichten nur erreichen, wenn sie auf den Verbandstagen die Mehrheit haben. An der Schaffung einer solchen Mehrarbeit mitzuhelfen, fann man den Angehörigen der Amsterdamer Richtung doch wirklich nicht ernstlich zumuten. glieder nicht gefährdet. Die kommunistischen Anhänger und ihre Die Wahl an fich wurde durch die Enthaltung eines Teils der Mit" Mitläufer sollten nur unter sich bleiben. Und schließlich muß es doch auch den fommunistischen Vertretern willkommen sein, unbelastet durch die Stimmen und das Vertrauen von Arbeiterverrätern und Arbeitsgemeinschaftlern" auf dem Verbandstage für die ,, wahren Gewerkschaftsinteressen" eintreten zu können. Den Erfolg dieser Tätigkeit mollen wir abwarten. Die Mehrheit der Mitgliederversammlung, in der die Kan didaten aufgestellt wurden, hatte es in der Hand, die von den SPD.Mitgliedern vorgeschlagenen zwei Bertreter mit auf die Liste zu egen. Es wäre dann für diese Mitglieder die Möglichkeit der Mahlbeteiligung gegeben gemefen, indem sie ihre Stimmen auf diese Vertreter vereinigt hätten. Anstatt eine solche Haltung einzunehmen, war man tatilos genug, einen der vorgeschlagenen Kollegen noch persönlich zu verunglimpfen. Seit Jahren steht die Leitung der Berliner Zahlstelle des Schuh macherverbandes unter tommunistischem Einfluß; wodurch nicht nur ein Teil der Mitglieder, sondern auch die Interessen der gesamten Gewerkschaften Berlins beeinträchtigt werden. Von den Wortführern der kommunistischen Anhänger müssen sich die auf dem Boden praftischer Gewerkschaftsarbeit stehenden Mitglieder, und diese sind nicht die schlechtesten Gewerffdjaftstämpfer, in allen Versamm ungen nach Mostauer Anweisungen Berunglimpfungen gefallen laffen. Anstatt SPD.- Mitgliedern gewerkschaftsschädigende Motive zu unterstellen, wäre es endlich einmal Zeit, daß Cie Leitung sich des§ 12 der im Statut aufgenommenen Geschäftsordnung erinnert und darach handelt. Das gegenwärtig heruntergewirtschaf tete Niveau der Versammlungen entspricht durchaus den geistigen Gepflogenheiten der Träger einer tommunistischen Kultur." Erfolg des Alfa- Bundes. den Knappschaftstassen wurde folgendes Ergebnis erzielt: Spren Bochum, 4. Juli.( Eca.) Bei der Angestelltenältestenwahl zu gel Wahlgruppe Herne- Red.inghausen: AfA- Bund 13 323. RdB.( Reichsverband der Bergbauangestellten) 497, RGDA. 375, Reform( DHB. und Verband faufmännischer Grubenbeamten) 816, Glückauf( GDAG.- Bund) 48 Stimmen; Sprengel Dahlgruppe Oberhausen: AfA- Bund 806, RdB. 63, RGDA. 171, Reform 285, Glüdauf 84, Ludwig Hollermann( Oberbergbeamte und faufmännische Grubenbeamte) 244, Union 6 Stimmen; Sprengel a higruppe des eigentligen Ruhr bezirks: Af2Bund 7344, Rd. 1527 Stimmen, RGDA, 2345, Reform 4680, Glüdouf 831 Stimme.. Kinderarbeit in Persien. Die Regierung dieses Landes hat das Internationale Arbeitsomt bes Wichtige sozialpolitiste Reformen murten in Berfien angebahni. nachrichtigt, daß der Gouverneur der Provinz irman ein non: 17. Dezember 1923 datiertes Tetret veröffentlichte, welches früher ergriffene Maßnahmen zum Schuße der Frauen und Kinder in der Teppichweberei erneut und zum Teil erweitert. prünglich verfügten Maßnahmen wurden infolge freundschaftlicher Borstellungen des Internationalen Arbeitsamtes bei der perſiſchen Die ur Das neue Defret sieht vor: einen Marimalarbeitstag von 8 Stunden, ein Mindestalter von 8 Jahren(!) für Knaben und von 10 Jahren(!) für Mädchen; getrennte Arbeitsräume für Knaben und Mädchen, weich letztere von Frauen beaufsichtigt werden. Verbot der Beschäftigung von Arbeitern, die an ansteckenden Krankheiten leiden; Berbot der Arbeit in nassen oder unter der Erde gelegenen Räumen; nach Süden gekehrte Fenster der Arbeitsräume; die Anordnung der Arbeitsgeräte und Size in einer Weise, welch den jugendlichen Arbeitern möglichst wenig Unbequemlichkeit verursacht, monatliche fanitäre Inspektion der Arbeitslokale. Die Durchführung der Verordnung obliegt der Polizei. Jede llebertretung wird mit Geldbuge oder Sjefi bis zu 10 Tagen bestraft. Deutscher Baugewerksbund. Achtung, Bauarbeiter! Die Urabstimmung zu dem Bergleichsvorschlag im Baugewerbe findet am Sonnabend nachmittag in der Zeit von 4 bis 8 Uhr in den bekannten Bezirkslokalen statt. Es ist Pflicht eines jeben Kollegen, unbedingt daran teilzunehmen. Der Vereinsvorstand. Berantwortlich für Belitit: Ernſt Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn: Feuilleton: Dr. John Shikowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glede; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin EW. 68, Lindenstraße 3 Sierzu 1 Beilage. BEGINN JULI SAISO AUSVERKAUF Krepon in vielen Farben................... Voile Met er bedruckt, cirka 100 cm breit............ Meter Kleidercrêpe doppeltbreit. in vielen Musteru Volle- Volants ca. 115 cm breit Grosse Posten Meter Meter Wiener Schürzen....... Grosse Posten Kinder- Schürzen. Herren- Socken Baumwolle, iarbig Damen- Strümpfe Flor, schwarz und farbig 75PL von 125 175 225 125 an 475 an 48.PL. 45 Herrer- Socken 45.58 Strümpfe für Damen mit kleinen Webefehlern. Stubenhandtücher Schlafdecken Posten Tischtücher Ein Reinleinen, Gerstenkorn, ...... Stuck Pf. 85. einfarbig, giau, Stück Pf. 90 zum Aussuchen 325 Stück DamenLederspangenschuhe 450 in braun, mit kleinem Absatz..... Paar Ein Posten Damen- Halbschuhe schwarz, schöne, mod. 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Beilage des Vorwärts Wer es zufällig noch nicht gewußt haben sollte, daß die großen Ferien begonnen haben, der konnte es heute morgen auf Bahnhof Charlottenburg hören. Bom Bahnsteig B fuhren die ersten beiden Sonderzüge nach der Ostsee, nach Swinemünde, Ahlbed, Rügen und nach Kolberg mit Anschluß an die angrenzenden kleineren Ostseebäder. Das gab ein Hurra und Halloh, helles Lachen und aufgeregtes Hin und Her der Kinder, die zum erstenmal eine Reise unternahmen, zum erstenmal die See und alle Herrlichkeiten der Strandburgen, der Molen, Dampfer und Segeljachten sehen sollten. Biele fleine Blaßschnabel waren darunter, auf deren schmalen Gesichtern Freude und Erwartung brennend rot stand. Andere wieder, größere und erfahrenere Rinder, die bereits an der See gewesen, hielten sach- und fachgemäßen Vortrag über die Dinge, die da kommen sollten, und die anderen lauschten andächtig. In allen aber war eine große Unruhe. Man kletterte in die Abteile, hüpfte wieder auf den Bahnsteig, und der Zug wollte immer noch nicht fahren. Endlich kam das Signal zur Abfahrt. Kinderköpfe drängten sich an die Fenster, luftig wehten die Taschentücher zum Abschied, und langsam dampfte der lange, schwere Zug aus dem Bahnhof. Die Eisenbahnverwaltung hatte alles auf das Beste und Braf tischfte eingerichtet. Die Züge fuhren rechtzeitig in die Halle, so daß beim Einsteigen fein Gedränge und feine heißen, haßerfüllten Szenen fich entwickeln konnten. Jeder Wagen hatte am Dach eine große an den Nummer 16 Wagen lang war jeder Sonderzug Fenstern der einzelnen Abteile waren die Namen der Familien angebracht, die ein besonderes Coupé belegt hatten, am Schluß des Zuges liefen zwei Wagen für die Passagiere nach Rügen, durch Plakate fenntlich gemacht, so daß niemand sich verlaufen konnte, lange fragen und forschen brauchte, wo er hingehöre. Außerdem standen noch Arbeiter auf dem Bahnsteig, als Erkennungszeichen hohe Tafeln in der Hand, die die Plätze anwiesen. In den Zügen sah man in der Hauptsache Frauen und Kinder, die Männerwelt war schwächer vertreten. Wenn auch das Gewimmel auf dem Bahnsteig, vor allem infolge der quecksilbernen Kinderschar groß war, so konnte man doch fonstatieren, daß der Andrang nicht so start war, wie in den Jahren vor dem Kriege, wo der Stettiner Bahnhof häufig genug von den Menschenmassen überflutet wurde, und immer wieder neue Züge eingelegt werden mußten, um alle Reisenden an das Ziel zu führen. Heute waren nicht mal alle Pläge in den Sonderzügen verkauft, und in den einzelnen Abteilen klafften noch hie und da Lücken. Uebrigens das nur so nebenbei und um der Vollständigkeit halber Arbeiterfrauen mit den von der Arbeit zermarterten und zermürbten Händen, mit den abgehärmten und abgehetzten Gefichtern, und Arbeiterkinder waren nicht in den Sonderzügen. Ihnen langt die Rentenmart faum zum Lebensunterhalt, an Ferienreisen dürfen fie nur wie an ein Märchen denken. 17 Eisenbahndiebe. Freitag, 4. Juli 1924 suchung sei, sagt die Deutsche Tageszeitung", schon fo weit gediehen, daß sie öffentlich besprochen werden könne. Der Verfasser der Notiz tut, wie wenn er unterrichtet wäre, er hat aber von dem Gang der in Wirklichkeit bereits abgeschlossenen Untersuchung und von ihrem tollegium hat festgestellt, daß der Lehrer die Mädchen über Ergebnis nicht die geringste Ahnung. Das Provinzialschul=: feruelle Dinge belehren zu müssen geglaubt hat, weil sie durch ein frühreifes Mädchen in einer Weise„ aufgeflärt" worden waren, die vergiftend wirten mußte. Gerade dieser Fall beweist, daß recht= geitige feruelle Aufblärung durch die Schule nötig ist, damit die bisher üblich gewefene Aufflärung" durch frühreife Kinder oder durch zotenreißende Erwachsene verhütet werden kann. Beschwert hat sich eine Familie und ihr ist vom Rettor nahegelegt worden, ihr Kind aus der Schule herauszunehmen, was sie dann getan hat. Daß der Lehrer andere Kinder gegen die Beschwerdeführerin aufgehegt hätte, ist Schwindel. " Die Strafkammer als Spielklub. Der Neuköllner Franz" und feine Helfer. Drei Kolonnen von Eisenbahngüterdieben, die seit längerer Zeit auf dem Görlitzer und Schlesischen Bahnhof und in der Provinz arbeiteten", konnten durch Zusammenwirken der Eisenbahnüber. wachungsabteilung und der Kriminalpolizei verhaftet werden. Die Diebe hatten es insbesondere auf Kleider und Stoffe abgesehen. Zunächst bildete sich unter Führung eines gewerbsmäßigen Eins brechers, der in feinen Streifen unter dem Spitznamen der Neuköllner Franz" befannt ist, eine Bande, die auf dem Görlitzer Bahnhof arbeitete". Sie bestand aus Verbrechern, die zu gleicher Zeit aus dem Buchthaus entlassen worden waren. Ihr Sammelpunkt war die Gorauer an Zur Nachtzeit trafen fie sich Straße. der langen Mauer, die das Bahnhofsgelände von der Wiener Straße abschließt. Einige Mitglieder der Bande fletterten über die Mauer, öffneten mit gewönhlichen Zangen die Güterwagen, ftahlen, was sie an Stoffen fanden, und warfen sie über die Mauer, wo ihre Helfers helfer auf der Straße bereit standen, um die Beute mit zweis oder Dreirädern oder mit Handwagen wegzuschaffen. Alles tam nach der Einen eigenartigen Anblid gewährte gestern der Gaal 571, in nahe gelegenen Sorauer Straße in Hehlernester, Lofale, Keller usw. dem die große Straffammer des Landgerichts III unter Vorsiß von und wurde hier sofort für Anzüge zugeschnitten, die von Schneidern Landgerichtsdirektor Siegert ihre Sigung abhielt. Das Richteraus der Gegend unverzüglich angefertigt und vertauft wurden. Eine follegium einschließlich der Schöffen, Staatsanwalt, Verteidiger uno zweite Bande wandte sich unter der Führung eines gewiffen Schats Angeklagten umstanden den Richtertisch, vor dem zwei der wegen dem Lehrter Güterbahnhof zu. Eine dritte Gruppe mußte Teilnahme am Glückspiel Angeklagte eifrig die Karten handhabten sich mit der Provinz begnügen und hatte es hier auch auf Tuch- und dem Gericht das Ecarté mit Chouette vorführten. Gespannt fabriten abgesehen. Sie erbeutete zuletzt in Rottbus mehrere Ballen, verfolgten alle Beteiligten den Verlauf des Kartenspiels. Es handelte die ebenso wie die Stoffe vom Görliger und Lehrter Bahnhof nach sich wieder einmal um die vielumstrittene Frage, ob Ecarté etn der Sorauer Straße gebracht und dort verarbeitet wurden. Ueber Glückspiel ist, und auch diesmal konnte das Gericht nicht zu einer Ent auf Boften waren, ertappten zunächst auf dem Lehrter Bahnhof brei Begleitumstände ganz besonders eigenartig. Eines Tages erschienen wachungs- und Kriminalbeamte der Dienststelle S. I. 9, die nachts scheidung der Streitfrage tommen. Der Sachverhalt war durch seine Mann, als sie gerade einen Wagen ausräumten, und nahmen sie an allen Litfaßsäulen rote Anschläge des Inhalts:„ Zwei Automobile feft. Die Helfershelfer, die draußen ftanden, um die Beute weg und 8 Millionen Mart von einem Holländer im Glückspiel verloren. zuschaffen, entfamen zunächst. Die Bande vom Görlizer Bahnhof 3weddienliche Angaben über Falschspiel erbeten." Auf diese Weise wurde durch ein Mißgeschid entlarot, das dem Führer zustieß. Ein fuchte sich der in Berlin seit 1913 wohnende Holländer Jan Kriminalbeamter hatte beobachtet, daß der Neuköllner Franz", der Mulder, der in Holland an Papierfabriken beteiligt ist und über schon länger verdächtig war, ein Paar neue Stiefel trug. In der ein großes Vermögen verfügt, Zeugen für einen Zivilprozeß zu nächsten Nacht wurde die Bande bei der Arbeit" gestört und mußte verschaffen. Der Holländer war durch zwei Freunde namens Bernfüchten. Jetzt fand man einen zwischen Schiene und Schwelle einstein und Rothstein in den im Jahre 1922 am Wittenbergplay geflemmten neuen Stiefelabfag mit Gummibefchlag, nächtlicherweile tagenden Spielklub Lloyd" eingeführt worden und wie ihn der Neuköllner Frang" getragen hatte. Bei einer Haus es war ihm dort eine Riefensumme abgenommen worden. Hinterher fuchung fand man den Stiefel, zu dem der Absah ge famen dem Holländer Bedenken und er glaubte Anhaltspunkte zu hörte." Franz" wurde festgenommen, nach und nach wurden auch haben, daß feine beiden angeblichen Freunde in Gemeinschaft mit dem ebenfalls in Spielerkreisen bekannten Herrn Schreiber unter die übrigen 13 Einbrecher verhaftet und nach Moabit gebracht. einer Decke gesteckt hatten. Die Staatsanwaltschaft erhob aber geger alle Beteiligten an dem Spiel Antlage. Das Schöffengericht Charlottenburg hatte angenommen, daß Chouette ein Glücksspiel sei, und die Angeklagten wegen Teilnahme und Beihilfe am Glücksspiel zu hohen Geldstrafen verurteilt, auch Mulder. Gegen das Urteil war Berufung eingelegt worden. Bei der jezigen Verhandlung spielte ber bekannte Sachverständige für Spielangelegenheiten, Kriminalinspektor v. Manteuffel, und Kriminalfommissar Schlosser dem Gericht eine Partie Chouette vor, um dem Gericht die Möglichkeit zu der Entscheidung zu geben, ob es sich hier um ein Glücksspiel handele. Der Verteidiger berief sich darauf, daß in Berlin mindestens 25 Ecartétlubs beständen, in denen Staatssekretäre, Richter, Staatsanwälte und Beamte noch heute unbedenklich spielten. Nach längerer Beratung tam das Gericht zu der Auffassung, daß Ecarté mit Chouette auf der Grenze zwischen Zufall und Be rechnung liege. Das Gericht sei nicht mehr in der Lage festzu ftellen, welches von beiden Momenten überwiege und müsse in folgedeffen zu einer Auslegung zugunsten der Angeklagten fommen und fie unter Aufhebung des ersten Urteils freisprechen. " " " Die Hehe gegen die neue Schule. Den im Schulwesen fich regenden neuen Geist zu bekämpfen, wird die reaktionäre Bresse nicht müde. Im besonderen benutzt fie jede Gelegenheit, die Lehrerschaft der weltlichen Schulen vor der Deffentlichkeit herabzusehen. Auch die Freunde und Berfechter der Forderung, die Schule zu einer Arbeits- und Lebensgemeinschaft zu machen, werden von der verständnislofen Schulreaktion mit ihrem Haß verfolgt. Die Deutsche Tageszeitung", das deutschnationale Organ nimmersatter Großgrundbefizer, die durch ihre Lebensmittelpreise sich ein unvergängliches Denkmal im Herzen des deutschen Voltes gesezt haben, glaubt, gegen die Neutöllner 32. Gemeindeschule( Rütliftraße) einen Schlag führen zu fönnen. In höhnischem Ton und in einer Darstellung, die es dem Leser überläßt, sich noch allerlei dazuzudenken, berichtet das Blatt „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt über einen Lehrer, der burch seruelle Belehrung der Mädchen der heutigen Postauflage bei. die Unzufriedenheit der Eltern erregt habe. Die schwebende UnterBei der Schöffenwahl in Ertner, die am 3. Juli ftattfand, erhielt die Liste der SPD. 7 Stimmen, des bürgerlichen Vereins 8 Stimmen, die der Kommunisten 2 Stimmen. Es sind somit die Genoffen 2. Poife und E. Jahnke und zwei bürgerliche Schöffen gewählt. Die Vertretung feht sich aus. 5. Sozialdemokraten, 7 Bürgerlichen, 3 Bölkisch- sozialer Blod und 2 Kommunisten zusammen. HEC | Grust, daßß Sie gewartet haben, denn am Dienstag beginnt, der Saison- Ausverkauf vom 1.- 15. Juli Mtr. 75 Pf. Mousselin.. Voll- Voile Mtr. von 1.50 an Frotté hüsche Muster. Mtr. 1.95 Zephiru. Pereal Mtr. 1.20,1.00 Hemdentueh 80 cm br. Mtr. 65 Pf. 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Wollburg, Brunnenstr. 56-57 Kredit- Abteilung Ein Brief aus Argentinien. Warnung vor Auswanderung. Ein in Buenos Aires lebender und am dortigen deutschen Hospital über zwei Jahre beschäftigter deutscher Arzt hat in einem uns zur Verfügung gestellten Brief seine in Deutschland lebenden Berwandten dringend vor der Auswanderung gewarnt. Dieser Brief ist aus dem Grunde bemerkenswert, meil der Schreiber ein guter Renner des Landes ist und in feiner Eigenschaft als Arzt die perschiedensten Kreise und Schichten der Bevölkerung fennengelernt hat. Er selbst leidet keine Not, weil er im Lande gute Beziehungen hat und durch die eingeborenen Kollegen überall eingeführt wird. Wefentlich anders, wesentlich schlechter, ja verzweifelt ist das Schicksal derer, die ganz fremd herüberkommen. Der Briefschreiber beleuchtet die Aussichten der einzelnen Berufe in Argentinien. Verhältnismäßig am besten dran ist noch der Land mann. Das Land ist billig, ja wird manchmal verschenkt, und es tommt vor, daß ein Arzt für die Behandlung eines reichen Mannes statt Honorar eine Anweisung auf 100 hektar Land erhält. Aber es gehören zur Bebauung dieses Landes ganz ungewöhnlich große Energie, viel Fleiß und Körperfräfte, die, in Deutschland angewendet, schneller und beffere Früchte bringen. Ein Handwerfer, Dorausgesezt, daß er die spanische Sprache beherrscht, hat drüben vielleicht ein Fortkommen, ein Kaufmann nur, wenn er in eine Ein Gehalt von 250 bis 300 Pesos monatfefte Stellung tommt. lich gilt als groß, aber eine Wohnung foftet monatlich 150 bis 200 Befos. Die Nahrungsmittel, namentlich Fleisch, sind allerdings billig. In Argentinien gibt es heute bereits eine große Anzahl höchst unglücklicher Deutscher, die auf die Mildtätigkeit der Landsleute angewiefen sind. Leute mit hochtlingenden Namen" müssen fich mit den fleinsten Stellungen begnügen. Ein Graf von der Schulenburg ist Wärter, ein Oberleutnant Portier am deutschen Hospital in Buenos Aires. In Paraguay und Uruguay liegen alle diese Dinge noch schlimmer. Der Briefschreiber macht schließlich noch darauf aufmerksam, daß Schulbildung für die Kinder Mengenabgabe vorbehalten Vom Sowelf Vorrat 1.- 15. Juli Einige Beispiele " nur in den großen Städten vorhanden ist, und er warnt vor ber ,, Menschenfreundlichkeit" der Eiedlungsgesellschaften. Aehnliche Briefe, in denen Renner des Landes und der Verhältnisse vor der Auswanderung warnien, haben wir wiederholt veröffentlicht. Die Sehnsucht vieler Deutschen nach dem gelobten Land" Argentinien scheint aber trotzdem unvermindert groß zu sein. ,, Landfriedensbruch". Das Schöffengericht Fürstenwalde hatte sich gestern mit dem ersten der wegen der Vorfälle beim Ufanentag am 18. Mai d. 3. eingeleiteten Landfriedensbruchprozesse zu beschäftigen. Unter der Anklage des schweren Landfriedensbruchs stand der 22jährige Arbeiter Willi Schulze aus Fürstenwalde vor Gericht, dem zur Last gelegt wurde, daß er bei den Zusammenstößen zwischen Polizei und linksradifaler Demonstranten versucht habe, einem von der Menge zu Boden geschlagenen Schupobeamten den Karabiner zu entreißen. Die Beweisaufnahme ergab hinsichtlich der Schuld des Angeklagten Widersprüche in den Zeugen aussagen. Gin Polizeibeamter bezeichnete ihn unter Eid als den Täter, während ein Handwerker ebenfalls unter Eid befundete, daß Schulze, der die Tat ebenfalls abftritt, an dem Auflauf nicht beteiligt gewesen sei. Das Gericht schenkte der Darstellung des letzten Zeugen Glauben und sprach den Angeklagten frei. In den nächsten Tagen werden weitere Prozesse dieser Art als Nachspiel zum Wanentag stattfinden, insbesondere gegen Angehörige der Kommunistischen Partei. Ein völkischer Reinfall. Die Deutschvöltische Freiheitspartei hatte kürzlich die Eichwalder Bevölkerung zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen. Die Versammlung war start besucht, trozdem mußte der Einberufer erst durch einen Sozialdemokraten aufgefordert werden, endlich anzufangen. Wahrscheinlich war der von auswärts bestellte Zuzug der Hakenkreuzjünglinge ausgeblieben. Nach einstündiger Berzögerung GOVO selbstverständlich „ erklärte" der bejammernswerte früher fintsrabitate Eina berufer dem ,, Referenten" das Wort zu einer Wald-, Feld- und Wiesenrede. Rund 50 Minuten beluftigte der Herr die Anwesenden und 32 Minuten daran widmete er den Juden Don Bleich= röder bis zu Leon Blum. In der Diskussion sprach als erster Redner Genosse Buchert. Er ging mit den Deutschpölfischeit ins Gericht, unterstützt durch den stürmischen Beifall der übergroßen Mehrheit der Versammlungsbesucher, aus deren Mitte die Deutschvölkische Freiheitspartei immer wieder als organisierte Mörderbande gekennzeichnet wurde. Der zweite Redner, den die Kommunisten vorschickten, polemisierte scharf gegen die„ Bölkischen" und vergaz auch nicht der SPD. einige ihrer vielen Schandtaten" vorzuwerfen. Die Disziplin unserer Genoffen ver hinderte jedoch, daß die schon befreit aufatmenden Böltischen auf ihre Rechnung tamen. Der Kommunist wurde mit Schweigen anges hört. Der Bersammlungsleiter" glaubte nun die Zeit gefommen, die unbequeme Diskussion abwürgen zu können. Er gb furzerhand bem Referenten das Schlußwort. Als der Widerspruch unserer Gea nossen unberücksichtigt blieb, verließ die Mehrzahl der Besucher den Versammlungsort, indem sie ein dreifaches Hoch auf die Republik ausbrachte. Die Internationale brauste durch den Gaal und nach einem Hoch auf die freie Arbeiter, Angestellten- und Beamtenbewes gung blickte der Referent mit traurigen Augen auf seine Getreuen, die ihm noch verblieben waren und die nichts vom Teutonenmut" verrieten, nachdem sie sich so herzlos verlassen sahen. 12 Geschäftliche Mitteilungen. 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