Abendausgabe Nr. 323 41. Jahrgang 5 Goldpfennig 50 Milliarden = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 162 Bezugsbedingungen ab Anzeigenprette find in der Morgenausgabe angegeben Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Redaktion: SW. 68, Lindenffraße 3 Tel.- Moreffe: Sozialdemoteat Beclin Berliner Dolksblatt 11. Juli 1924 Berlag und Angetgenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag Gmb Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Am Mittwoch Konferenzbeginn. Condon, 11. Jul.( WEB.) Den Bläffern zufolge ift die Erbfnung der interalliierten Konferenz für Mittwoch vormittag Uhr im Foreign Office festgesetzt worden. Die Stärte der einzelnen Delegationen fei der britischen Regierung noch nicht mitgeteilt worden. Es werde jedoch erwartet, daß insgesamt etwa 150 Regierungsvertreter der beteiligten Nationen anwesend fein werden. Werden die Dominions auf der Konferenz vertreten sein? Condon, 11. Juli.( WIB.)„ Daily Mail" berichtet, daß eine wichtige Zusammenkunft betr. die Vertretung der Dominions auf der interalliierten Reparationstonferenz heute nachmittag im Unterhaus zwischen dem Premierminister und den Oberkommissaren der Dominions stattfinden werde. Es sei bekannt, daß Macdonald be strebt fei, jede Mißstimmung, wie sie infolge des Nichteinschlusses der Dominions in die Lausanner Konferenz entstanden sei, zu vermeiden. Es werde jedoch auch anerkannt, daß die Bertretung aller Domonions am Konferenztisch zu schwer zu gunsten des britischen Standpunktes in die Wage fallen würde. Dem diplomatischen Berichterstatter des" Daiiy Telegraph" zufolge werde Macdonald in der Erklärung, die er am Montag im Unterhaus abgeben werde, die Natur der Bereinbarung andeuten, die bezüglich der Vertreter der Dominions auf der inter alliierten Konferenz erreicht wurde. Sicherheit. Neben dem nationalistischen Deutschland gäbe es in demokratisches und friedliches Deutschland, und deshalb müsse man nicht unnüz die öffentliche Meinung alarmieren. Er zweifelt nicht an der eBrnunft des deutschen Volkes. Aber die Zeit fei noch nicht gekommen, wo man die Politik ausschließlich auf das gute Recht aufbauen könne, und deshalb verlange Belgien von seinen Berbündeten Garantien für feine Sicherheit und Unabhängigkeit. Das belgische Berteidigungsbündnis mit Frankreich müsse in einem Baft mit England seine Ergänzung finden. Maloy- Debatte in Paris. Die Gretchen- Regierung. Ich habe schon so viel für dich getan, Daß mir zu tun fast nichts mehr übrig bleibt. Eine neue Intrige gegen die Regierung Marr- Stresemann ist in vollem Gang. Die englisch- französischen Berlegenheiten. haben nicht nur die Poincaristen, sondern auch die deutschen. Nationalisten und Reaktionäre wieder auf die Beine gestellt.. Drüben geht es gegen Herriot, um den Poincarismus wieder aufleben zu lassen, diesseits der Grenze gegen die Regierung der Annahme der Gutachten, um die Durchführung der Gutachten zu hintertreiben. Wir sind in der berühmten letzten Sekunde, in der es die stärkste Nervenprobe gilt. Gegen die Intrigen der letzten Sekunde gilt es hart und, entschloffen zu sein, gilt es, die Intrigen im Kampfe niederzuschlagen. Die Regierung hat das Gegenteil getan. Sie hat den Intriganten und Verderbern des Reichs im reaktionären Lager dargebracht, was immer deren Herz erfreuen mochte. Sie weigert sich standhaft, das Washingtoner Abkommen zu ratifizieren. Sie brüstiert die Arbeiterschaft, um die Gunſt der Reaktion zu gewinnen. Sie bringt dem deutschnationalen Großagrariertum das Geschenk des Zollwuchers dar, um die Stimmen der Deutschnationalen für die eigene Eristenz zu gewinnen. Je mehr sie darbringt, um so sicherer werden die anderen, um so höher ihre Forderungen! Es ist nicht das Ziel der Deutschnationalen, diese Regierung zu halten! Sie wollen sie beiseite schieben- Herrn Marr und vor allem Herrn Stresemann. Sie wollen den Bürgerblod, den Block der Kapitalisten und Agrarier unter deutschnational- agrarischer Führung. Sie wollen von diefer Regierung noch ein letztes, um sie dann um so sicherer beiseite zu schieben. Diese Regierung der Marr- Stresemann, diese Gretchenregierung ist bereit, ihnen die letzte politische Tugend zu opfern! Sie hat so viel schon für sie getan, daß ihr zu tun fast nichts mehr übrig bleibt! fizung ergriff Kriegsminister Nollet das Wort, um die AmParis, 11. Juli.( WTB.) Im Laufe der geftrigen Kaminer nestie, soweit sie sich auf die von Kriegsgerichten Berurteilten bezieht, zu rechtfertigen und um sich über die einzelnen im Laufe der Debatte vorgebrachten Verurteilungen durch die Kriegsgerichte auszusprechen. Auch der ehemalige Minister des Innern, Maloy, ergriff das Wort. Er unterstrich, daß der Staatsgerichtshof ihn von der Schuld des Hochverrats freigesprochen habe. Einer seiner Richter habe gesagt:„ Sie haben nicht Frankreich verraten, sondern die Pflichten ihres Amtes." Auf Grund dieses Wortspiels sei er verurteilt worden. Malvy appellierte dann an den Mann, der jetzt Ministerpräsident sei, denn er wisse, Eine Erklärung des belgischen Außenministers. daß er mit ganzem Herzen mitgearbeitet habe an der Verteidigung Brüffel, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In der belgischen Frankreichs. Auch Briand engriff das Wort, um Malvy zu verKammer hat am Donnerstag der Außenminister Hymans in einer teidigen. Ich war Ihr Chef, sagte er, und es ist meine Pflicht, zu längeren Erklärung ausgeführt: Belgien habe von Anfang an in der fagen, daß General Joffre, General Nivelle und alle anderen großen militärischen Befegung deutschen Besitzes nicht ein Ziel, fon- militärischen Führer Ihre Mitarbeit anerkennen. Es fei tra u bern nur ein Mittel gesehen. Jede Lösung, die unter Bah- rig, daß ein Mann in seiner Ehre getroffen werden dürfe, der rung der belgischen Rechte und Intereffen dieser Besehung ein nur Lob verdient habe. Ms auch Abgeordneter Thomson für Maloy Ende mache, fönnie deshalb der belgischen Zustimmung sicher sein. eintritt, wird durch einen Zwischenruf die Affäre Mata Hari qngeschnitten. Malvy ruft: Es ist Beit, daß diese Legende verschwindet. Man hat gefagt, ich wäre der Liebhaber diefer Länder sozialen und agrarischen Reaktion das Opfer des StandUnd doch noch eins: nach der völligen Kapitulation vor gerin. Er fönne einen Eid ablegen, daß er nie Beziehungen punktes gegenüber den Gutachten, des klaren und eindeutigen zu ihr gehabt und sie niemals gesehen habe. Fabry erhebt Entschlusses zur Annahme und Durchführung der Gutachten. sich und erklärt, obschon er zur Rechten gehöre, müffe er erklären, mit dem Beschluß des Zentraloorstands der daß er in den Akten, die er eingehend geprüft habe, teine Spur Bolfspartei fing es an. Herr Stresemann hat sich eines Borwurfs des Hochverrats habe finden können. der letzten Hingabe an die außenpolitische These der Deutschgenähert. Jene Kapitulation, die in den wochenlangen Vernationalen in seiner törichten Rede in Elberfeld noch mehr handlungen um den Bürgerblock die Deutschnationalen for= mann nahe daran, das Gutachten aufs Spiet u setzen. -Der Plan Dawes enthalte eine solche Lösung und sein Brestige werde erhöht durch die Mitwirkung Ameritas, das fich erneut für europäische Angelegenheiten zu interessieren beginne. Hymans gab dann feiner Genugtuung über die Ergebnisse der jüngsten Aussprache zwischen Herriot und Macdonald Ausdruck. Sie eröffneten die Aussicht auf eine gemeinsame Aktion aller Alliierten für eine baldige und endgültige Lösung des Reparationsproblems. Offen sei einstweilen noch die Frage der Gegen Zollwucher für Achtstundentag. -w Beschlüffe des Parteivorstandes. Darauf wurde, die Generaldebatte über das Amnestiegefeh geschloffen. Heute vormittag tritt die Kammer in die Einzelberatung. öffentlicher Unsicherheit in Bayern ist es, daß die Horde neben ihrer Friedhofsschändung fich auch in nächtlicher Ruheftörung und Belästigung der jüdischen Bürger ergehen konnte, ohne daß die Polizei einschritt. Der Parteivorstand beschäftigte sich heute vormittag mit her politischen Lage, die durch die Einbringung der SchuhDer Ex- Kronprinz und die Diplomatie. 30 Ilvorlage und die ablehnende Stellungnahme der ReAmfterdam, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Meldung gierung gegen die Ratifizierung des Abkommens von über das Diner des niederländischen Gesandten in Washington über den Achtstundentag entstanden ist. Das Berlin zu Ehren des deutschen Extronprinzen hat in der niederBerhalten der Regierung in diesen beiden entscheidenden länischen Bresse das größte Aufsehen und Befremden erregt. Die Fragen der Lastenverteilung fand allgemein schärfste Berfozialistische Partei hat an den niederländischen Außenminister eine urteilung. Zur Einleitung eines Feldzugs gegen die ländischen Preffe das größte Aufsehen und Befremden erregt. Die Zollvorlage und die Haltung aller bürgerlichen Anfrage gerichtet, in der fie um nähere Auskunft und Aufklärung Parteien dieser Lebensfrage des arbeitenden ersucht. Bolfes wurden die Borbereitungen getroffen. Es werden Rededispositionen und Flugblätter herausgegeben merden. Die Absicht der Gemertschaften, die Ratifizierung des Abkommens von Washington zum Gegenstand eines Boltsentscheids zu machen, wird die lebhafteste Unterstützung der Partei finden. in Die fünf Punkte. Bie aus der schon veröffentlichten Antwortnote der Botschafter fonferenz in der Frage der Militärfontrolle hervorgeht, wird die Interallierte Militärfontrolle mit der bevorstehenden Generalinfpet tion noch nicht beendet sein, sondern erst nach Durchführung der fünf Punkte, die in der Note vom 29. September 1922 aufcezählt waren. Diese fünf Buntte betreffen die Ausführung einer Anzahl Artikel des Versailler Vertrages, die folgendes verlangen: Erstens Reorganisation der deutschen Bolizei, zweitens Umstellung der Fabriten, drittens Auslieferung des Restes des nicht zugelassenen Kriegsmaterials, piertens Auslieferung der Schriftstücke, die sich auf die Bestände an Kriegsmaterial zur Zeit des Waffenstillstandes und auf die Tätigkeit der Fabriken während des Krieges und nach dem Waffenstillstand be. ziehen; fünftens Veröffentlichung von gejeblichen Be stimmungen auf legislativem oder administrativem Wege, je nach den Umständen des Falles, die notwendig sind, um das Ver. bot der Ein- und Ausfuhr von Kriegsmaterial wirksam zu gestalten und die Rekrutierung und Organisation des Heeres mit Sen militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages in Ein Ilang zu bringen. Hakenkreuzler- Banditismus. München, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In Binswangen bei 3sburg hat ein Trupp von etwa 50 Hakenkreuzlern, die in der ähe des Ortes eine sogenannte Felddienstübung abhielten 1 nd bewafierten, den dortigen jüdischen Friedhof in vandalischer Beise verwüstet. 22 Grabsteine wurden umgeworfen und so demo1ert, daß ein neues Setzen der Steine völlig ausgeschlossen ist. dere Grabdenkmäler wurden mit Hafenkreuzen beschmiert und die Gräber in der gemeinsten Weise besudelt. Der Staatsanwalt hat bereits 4 Mitglieder dieser Horde ausfindig gepacht. Bezeichnend für die noch immer herrschenden Zustände Die spanische Amnestie. Madrid, 9. Juli.( WTB.) Der König hat auf Borschlag des Militärdirektoriums eine Amnestie erlassen, unter die politische und Preßvergehen, sowie gewiffe Bergehen gegen die Militärstrafprozeßordnung und gegen das bürgerliche Recht fallen. Bemerkens wert ist vor allem, daß alle Todesstrafen in Gefängnisstrafen umgewandelt werden. Die Amnestie ist die größte, die jemals in Spanien erlassen wurde, da sie sich sowohl auf bereits abgeurteilte Bergehen wie auf noch schwebende Prozesse erstreckt. Die Amnestie hat in aller Streifen Spaniens lebhafte Genugtuung und Befriedigung hervor gerufen. Unter den Amnestierten befindet sich Spaniens größter Schriftfteller und Denker Miguel Umanomo, der zur Verbannung megen seiner Protesttundgebung gegen die Diktatur Primo di Rivera verurteilt worden war. einigten Staaten von Amerika in Worten. herzlicher AnteilDer Reichspräfident hat dem Präsidenten der Ber. nahme telegraphisch sein Beileid zu dem schmerzlichen Verluste ausgesprochen, welchen der Präsident durch den jähen Tod seines Gohnes erlitten hat. Neunte Unterhausschlappe der Arbeiterregierung. Das Rabinett Macdonald hat im Unterhaus gestern seine neunte Niederlage er litten, indem mit einer Mehrheit von 10 Stimmen ein Zufazantrag zur Vorlage über die Löhne der Landarbeiter angenommen wurde, der vom Landwirtschaftsminister befämpft worden war. Der Minister erklärte darauf, die Bedeutung biefer Niederlage erscheine ihm fo ernst, daß bie Regierung die Folgen in einer ihrer nächsten Sigungen prüfen werde. In Maroffo ist plöglich ein neuer schwerer Aufstand der Eingeborenen ausgebrochen. In Madrid herrscht darüber Be stürzung. berten, ist im Gange. Um sich zu retten, ist Strefe Die Deutschnationalen nehmen das Opfer hin, wie sie die anderen hingenommenn haben. Sie fonstatieren den Zug der Regierung nach rechts und fordern mehr. Heute morgen veröffentlicht die deutschnationale Parteileitung eine längere Mitteilung, die die Schwenkung Stresemanns unterftreicht. Ausgehend vom Beschluß des Zentralvorstandes der Bolkspartei heißt es: " Der Beschluß bringt in der Tat eine wesentliche Ben. dung in der Haltung der Boltspartei und ihres Borjizenden zum Ausdruck. Indem er die militärische Räumung der vertragswidrig besetzten Gebiete ausdrücklich zur Bedingung der Annahme des Gutachtens macht, indem er auch sonst eine ganze Reihe von politischen und wirtschaftlichen Zielen aufstellt und sie nicht bloß als eine bei den Berhandlungen zu verfolgende Aufgabe, sondern als Voraussetzung der Annahme des Abkommens bezeichnet, tommt der 3 entraidorstand weit den deutsch nationalen For derungen entgegen. Bei den Berhandlungen über die Regierungsbildung konnten die Deutschnationalen nicht erreichen, daß Bedingungen dieser Art für die Annahme des Gutachtens ausdrüc lich in die abzugebende Regierungserklärung aufgenommen wurden". ,, Es muß für den weiteren Verlauf der Verhandlungen über das Gutachten von ausschlaggebender Bedeutung werden und kann Deutschland nur zum Vorteil dienen, wenn die Welt weiß und ciamentlich beim Ausbleiben voller militärischer Räumung der vertragswidrig darauf achtet, daß unter den bekannten Bedingungen besetzten Gebiete nunmehr auch der deutsche Außenminister und seine Partei, inhaltlich der Frant furter Entschließung darauf festgelegt sind, das Gutachtenabkommen abzulehnen, gegen dessen Annahme in diesem Falle also nicht allein von den Deutschnationalen und ihren unmittelbaren Nachbarn heftiger Widerstand zu erwarten ist." Die nationalistische Presse sekundiert. Die Regierung hat den Pfad der politischen Tugend verlassen, nun wird sie weitergezerrt! Lensch schreibt in der Deutschen Allge= meinen Zeitung": ,, Da Stresemann Mitglied des Rabinetts ist, so wäre aus feiner Haltung zu folgern, daß das gesamte Rabinett hinter der öffentlichen Stellungnahme Stresemanns und der hier ausgesprochenen verhaltenen Drohung steht, im Eventualfall das Gutachten abzulehnen." Erweichte Faschisten. Die fortwährenden Niederlagen der„ Die deutsche Regireung foll in Paris wissen laffen, daß diesipaniihen Truppen in Marokko haben die Generalsregierung mal nicht bloß der Mund gespizt, daß jest gepfiffen au einer umfangreichen Amnestie für politische, militärische und werden muß. Wenn über die Bedingungen, die die DamesPreffeftraftaten veranlagt. Die auf die Kanarischen Inseln verinfolge der Amnestie nach Spanien zurüdgefehrt. bannten Profefforen Unamuno und Soriano find gestern Dentschrift für ihre eigene Durchführung aufstellt, dem deutschen Reiche die nötigen Garantien und bindenden, eingehenden ErKämpfe in Marotto verlaufen weiter für die Spanier sehr berflärungen verweigert werden, so hätte damit der Feind Iuftreich. bas Gutachten zerriffen" Die Die Scherlpreffe sieht das Spiel bereits gewonnen. Höhnend schreibt der„ Tag" gegen die Linke: „ Die begrüßenswerte Frankfurter Entschließung der Deutschen Boltspartei hat diese Herrschaften nervös gemacht. Sie wiffen, daß ihr Weizen nicht mehr so üppig blühen würde, wenn die dringend notwendige Ausföhnung zwischen Deutschnatto. nalen und Deutscher Boltspartei gelingt. Manche Anzeichen deuten darauf hin, daß sich das nationale Bürgertum auf seine gemeinsamen staatspolitischen Aufgaben zurückbesinnt." Mit ihren fraftlosen Bemühungen, mit ihrer Buhlschaft um die Rechte hat die Regierung Marg Stresemann eine gefährliche Offensive gegen die Gutachten ins Leben gerufen! Sie hat es erreicht, daß im entscheidenden Augenblick der deutsche außenpolitische Kurs unklar wird! Sie wird herbe Enttäuschung erfahren über das Ergebnis ihrer Tattit; denn das Opfer wird sie selbst sein. Sie ist innerlich schwankend und haltlos. Sie hat Mitglieder in sich, deren Biel die Sprengung der Regierung, die Herbeiführung des Bürgerblock's ist. Jede taktische Konzession, die sie der Rechten macht, erschüttert ihren Bestand. Will sie ihre legte politische Tugend der Rechten opfern dann ist ihre Mission zu Ende mit der inneren Berechtigung ihrer Eristenz. Wo ist die Regierung, wer ist die Regierung, ist das überhaupt eine Regierung? Spricht fie vor der reaktionärsten Gruppe der Industriellen in Elberfeld durch den Mund Stresemanns, deckt sich ihr Kurs mit der Entschließung des Zentralvorstandes der Deutschen Volkspartei? Ist es der Wille der Regierung, das Gretchen der Rechten zu sein? Sie muß Klarheit schaffen im Kampfe gegen die Intrigen eines tommenden Bürgerblocks! Der Kampf gegen die nationilistischen Feinde des Gutachtens ist ihr einziges Lebensrecht sonst muß das Volk selbst über das Geschick der Gutachten entscheiden. Nach Leutheußer Bazille. Gutachten.- Achtstundentag.-Schutzölle. Der deutschnationale württembergische Staatspräsident Bazille fann nicht schweigen, nachdem Herr Held aus Bayern und Herr Leutheußer aus Thüringen sich bei den Patentnationalen wegen ihrer Zustimmung zum zweiten Versailles" entschuldigt haben. Er veröffentlicht im Staatsanzeiger eine gewundene Erflärung, nach der er in der Ronferenz der Ministerpräsidenten etwa folgendes ausgeführt hat: gierung selbst, den Charakter des Rompromiffes zwischen der neuen und der alten Zeit, zwischen der nun einmal doch bestehenden Friedensrepublit und der verkrachten, aber von gewissen Leuten heimlich zurüderfehnten Militärmonarchie. So wenig man etwas gegen die Schmüdung der Kriegergräber einwenden wird, so sehr liegt die vorgesehene Bekränzung der Krieger denkmäler ganz in der Richtung jener militaristisch nationalistischen Feiern, bie unausgefeßt die Ueberwindung der Kriegsfolgen zwischen den Bölkern erschweren. Die Beflaggung des Festplates am Reichstag foll fchwarz rotgold und ich war weißrot erfolgen, indem man zu der Fahne der deutschen Republik die sogenannte Reichskriegsflagge unseres Landes hinzufügt, das auf absehbare Zeit feinen Krieg mehr führen wird und nach dem willen der übergroßen Volksmehrheit überhaupt keinen Krieg mehr führen soll. Aber als Reichsfriegsflagge und jezige Reichsmarine flagge hat man schwarzweißrot in die offiziellen Farben der deut schen Republit herübergeschmuggelt und dem will man Rechnung tragen. Die winzige schwarzrotgoldene Gösch dürfte in ziemlich richtigem Größenverhältnis das überzeugte Republikanertum in diefer Reichsregierung verfinnbildlichen. Das ganze Programm des Herrn Jarres enthält nur einen guten Gedanken und der ist nicht neu, vielleicht aber gerade darum gut: Die allgemeine Verkehrsstilie von zwei Minuten. hätte man sich darauf beschränkt, für das ganze Reich, für alle Straßen und Bläge, für alle Bahnen und Wagen, für alle Fabriken und Werte diese allgemeine Zweiminutenruhe nach dem Beispiel anderer Länder festzusehen, so hätte man das eindrucksvollste Gedenten der Kriegsopfer und feinerlei Gelegenheit zu immerhin peinlichen Parteifundgebungen geschaffen. Außerdem hätte fich die Regierung der Republit nicht in ein schillerndes Zwielicht gesetzt. Niedriger hängen muß man eine Aeußerung der faum vom Verbot befreiten" Deutschen Zeitung". Sie nennt den Reichs. präsidenten, der bei der Feier auch ein paar Worte sprechen foll, den denkbar ungeeignetsten Mann dafür. Ist eine solche Bezeichnung des Bräsidenten der Republik durch ein Monarchistenblättchen schon cine maßlose Unverschämtheit, so ist sie außerdem eine niedrige Gemeinheit gegenüber dem obersten Repräsentanten des Staates, der anders als Wilhelm! zwei feiner Söhne durch den Krieg verloren hat. Der Krach um Hitler. die er nicht verhindern fönnte. Wenn er wieder die Führung in die Hand nehme, dann müsse er als derselbe sein Wert fortsetzen können, als der er es gegen seinen Willen zunächst abschließen mußte. Die wahre Ursache für seinen Entschluß sei also die jedem Rechtsgefühl hohnsprechende Berhaftung." Ein Tagesbefehl der„ Altreichsflagge". München, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Nach der ersten Ver" Die Hoffnung, daß das Sachverständigengutachten Europa wirrung, die der Rücktritt Hitlers von der Führung der den Frieden bringen werde, fönne er vorläufig nicht teilen. Tat nationalistischen Bewegung in seinem eigenen Lager verursachte, hat sächlich befindet sich jedoch die öffentliche Meinung in den drei die völkische Presse nunmehr die Sprache wiedergefunden. Es wird Demofratien des Westens in diesem Glauben. Ein Widerstand jetzt befchwichtigenb für die eigenen Leute mitgeteilt, daß hiergegen jege einmütige Entschloffenheit des deutschen Boltes Hitler nicht zurücktrete, weil er mit der Entwicklung der völkischen poraus. Da statt dessen Deutschland von Parteiungen zerriffen Bewegung nicht einverstanden wäre," sondern deshalb, weil er seinen sei und die wirtschaftliche Lage immer gefährlicher werde, foNamen und damit die Bewegung nicht mit Dingen belasten dürfe, bleibe nichts anderes übrig, als das Gutachten zur Grundlage der internationalen. Berhand. lungen zu machen. Die Ehrenpunkte feien dabei eine selbstverständliche Boraussetzung. Man müffe aber in London auch fragen, wie fich unsere Gegner die Aufbringung der Mittel denken. Bei der Notlage der Landwirt fchaft und dem Achtstundentag feien die vorge= fehenen Leistungen doch ganz unmöglich. allem müffe die moralische Grundlage der Leistungen bestritten werden. Es besteht sonst die Gefahr, daß auch die Londoner Ronferenz eine Episode bleibt Die württembergische Regierung woolle die Schwierigkeiten, denen sich die Reichsregierung gegenüber fehe, nicht vermehren, es müssen aber alle Möglichkeiten, eine er trägliche Lösung für Deutschland zu erzielen, ausgeschöpft werden." Es tommt Herrn Bazille also auf den Raub des Acht. stundentags und auf die Einführung neuen Brot wuchers an. Das sind die deutschnationalen Borauslegungen" für die Durchführung der Gutachten! Bor Die Regierungsfeier des Kriegsausbruchs. Wir haben bereits das Programm der Feier veröffentlicht. die die Reichsregierung am 3. Auguft zum Gedächtnis der Opfer des deutschen Rolfes im Weltkriege an Menschen wie an sonstigen Gütern veranstaltet. Das Programm zeigt, wie diese ganze ReNur Dienst...! Bon Johannes Berthold. Im, Bureau der Personalstelle des Fernsprechamies don Heiligenort herrschte tiefes Schweigen. Geräuschlos arbeiteten die Beamten, gebückt saßen sie hinter ihren Pulten. Keine Fliege fummte, niemand trat herein. Nur von 11 bis 1 Uhr war dem Personal der Zutritt gestattet. Karl Weinhold, der junge Beamte, empfand ein Unbehagen. Die Kirchhofsruhe war ihm verhaßt, die bisweilen dumpf in dem Zimmer brütete. Eintönig blickten die kahlen Wände und die nüchteren Bureaumöbel, und einfilbig faßen die drei Borgesezten in dem Raume. Eine fremde, weltabgewandte Sphäre webte hier drinnen. Sollte das eine der vielen Pulsadern unferes Verkehrsnezes fein? Nein, das war sie nicht. Nebenan, ein paar Schritte weiter da dehnte sich der Saal, dort saß man am Herzen des Verkehrs, und dort bedienten hunderte Hände emfig und unermüdlich die Apparate. Hier aber erstarb der lebendige Strom blutwarmees Lebens in einem Berg von Aften, Meldungen, Brotokollen, Anweisungen, Bestimmungen und Formularen. Be: flemmend legte sich das auf die Eintretenden, und die Herren Borgesetzten in der fleifen Uniform erschienen dann dem jungen Beamten wie raschelndes Papier, dürr und trocken. Die Menschen wurden in ihren Augen zu Objekten, deren Bedürfnisse und Wünsche nur galten, wenn sie nach umständlicher Prüfung den Herren als angemessen erschienen. Der Borsteher der Personalstelle, Herr Oberpostsekretär Gottfried Schwarz, war Hauptmann a. D. Im Kriege büßte er den rechten Lungenflügel ein, aber beffenungachtet ward er weiterhin mit der leitenden Stelle betraut. Es zeigte sich auch, daß er immer noch die nötige Energie aufbrachte, dem Direktor, der in Nebenzimmer faß, eine ausgezeichnete Stüße zu sein. Nur ab und zu versagte feine Kraft, er bekam Anfälle, die im unbewachten Augenblick sein Leben beschließen konnten. Aber nicht um der Republik zu dienen, war er noch in Diensten, sondern um den alten Staatsgedanken zu erhalten, dem die anderen Herren ebenfalls mit ganz besonderer Liebe hul bigten. Seine erbitterten politischen Gegner fah Karl Beinhold vor fich. Dannoch wenn er den Vorsteher plötzlich umsinten fah, sprang er hilfsbereit hinzu. Das zerschlug auch heute die Stille in dem Zimmer. Der Bor. steher war umgefallen. Karl Weinhold schleppte ihn mit den an deren Herren ins Nebenzimmer des Direktors. Er war nicht da, leise und vorsichtig bettete man den Kranken. Die Nähe des möglichen Todes weckte alle Herren zu lebendigen, natürlichen Menschen. So waren sie mohl alle außer Dienst. Da trat der Herr Direktor im lebhaften Gespräch mit zwei Herren in sein Zimmer. Der Schwerkranke rang mühsam nach Intereffanter als diese geschraubte Erklärung ist ein Tages befehl, den bas Kommando der Altreichsflagge" zu Hitlers Rücktritt bekanntgibt. Dieser Tagesbefehl besteht aus einem Telegramm an hitler, in dem die treichsfiagge" dem Führer der Nationalsozialisten ihre unwandelbare Treue erklärt und ferner aus einer Mitteilung an die Angehörigen dieses Verbandes, in der es heißt:" $ 14 mäßigen. Ihr Programm bleibt das nationalsozialistische Blous bensbekenntnis Hitlers unter Ablehnung aller auch völ tischer Berwässerungen. Für die„ Altreichsflagge" besteht die Führung der nationalsozialistischen Freiheitswegeung nach wie vor in Hitler und Ludendorff." Diese Altreichsflagge" ist nicht anderes als der frühere Kampfperband Reichstriegsflagge", dessen Führer Hauptmann Röhm im Hitlerprozeß mit verurteilt wurde. Dieser Verband hat am Hitlerputsch attiv teilgenommen burch die Besetzung des Wehrtreistommandos unter der persönlichen Führung Röhms. Am 9. November 1923 wurde dieser Verband aufgelöst und verboten. Aus der jezigen Veröffentlichung geht aber unzweideutig hervor, daß der mit Bewährungsfrist freigelassene Hauptmann Röhm seine hochverräterische Tätigkeit nach wie vor betreibt und seine Organisation als starte Macht" für einen neuen völkischen Butsch aufrechterhält. Man darf gespannt sein, wie fich die neue bayerische Regierung zu der„ Altreichsflagge" und ihrer putschistischen Sammeltätigkeit verhalten wird. Es wird sich bei dieser Gelegenheit zeigen, ob sie Autorität und Energie genug hat, sich die Staat im Staate spielenden Militärverbände von Leibe zu halten. Republikanischer Tag in der Mark Brandenburg. Am 6. Juli fand in Ribbet und Berge in der Mart Brandenburg ein„ Republikanischer Tag" statt. sehr starter Beteiligung von Rathenow und Umgegend ist dieser Tag glänzend verlaufen. Der Festzug mit vielen Fahnen der Republit war über 1000 Teilnehmer start. Zum ersten Male traten die Ortsgruppen des Reichsbanners Schwarz- Rot Gold" von Rathenow, die ländlichen Ortschaften Wachow, Ribbek, Berge und Mötlok in Erscheinung. Besonderen Eindrud machten die Rathenower. Sie alle trugen die einheitlichen Müzen, an der Seite geschmückt mit den Farben der Republit. Man sah, daß diese Formation eine Hilfstruppe der Republik darstellen follte. Die Hafentreugler, sonst sehr start in dieser Gegend vers freten, zegen es vor, bescheiden im Hintergrund zu bleiben. Die Feftrede des Kameraden Briefert, Stadtrat in Rathenow, flang in einem Treuegelöbnis auf die Republit aus, bem begeistert zugestimmt wurde. Die Börse flau. Die Börse eröffnete heute in ausgesprochen schwacher Haltung. Wenn es trotzdem auf den meisten Märkten nicht zu stärkeren Kurs rückgängen tam, so ist dies in der Hauptsache der Intervention der Großbanten zu danken, die das herauskommende Material aufnahmen. Die Ursache der Abschwächung ist vorwiegend in außenpolitischen Borgängen zu suchen. Der ungünstige Eindruck des Rüdzuges Macdonalds in der Konferenzfrage wirkt noch start nach. Man befürchtet, daß nicht nur Amerika verstimmt sei, sondern daß sich auch für Deutschland innerpolitisch weittragende Konsequenzen aus der Schwenkung der englischen Politik ergeben. So wurde mit ziemlicher Bestimmtheit behauptet, daß innerhalb einer Partei, die bisher für Annahme des Sachverständigengutachtens eingetreten ist, sich eine starte Gegenströmung bemerkbar mache. Jedenfalls ist die Lage der, auswärtigen Bolitik und das Schicksal der Londoner Konferenz außerordentlig untlar. Es fommt hinzu, daß die gestrigen Verhandlungen des Eisen- und Stahlwaren- Induftriebundes in Elberfeld die verzweifelte Lage der deutschen Wirtschaft erneut grell beleuchtet haben. Angesichts dieser hoffnungslosen politischen und wirtschaftlichen Situation zeigt natürlich die Börje nicht die geringste Unternehmungsluft. Selbst der Martt der Kriegsanleihe, der bisher der Tummelplaig einer wilden Spekulation war, lag heute ziemlich still. Man nannte Kriegsanleihen mit 295, für 24 K- Schäße wurde unter dem Eindruc des amtlichen Dementis der vorgestern verbreiteten Schwindelmeis dung ein wesentlich niedrigerer Kurs, nämlich 40, genannt. Ice Geldmarkt liegi eher etwas fester. Um Devisenmarkt zeigen fi keinerlei Veränderungen. „ Nicht aus Verdroffenheit oder gar Verzweiflung an der nationalistischen Idee hat Hitler diesen Entschluß gefaßt, sondern wohl aus der Erwägung heraus, von den Mauern Landsbergs aus die Bewegung nicht führen zu können. Die Sendung Hitlers für Deutschlands innere und äußere Befreiung wird dadurch nicht beeinträchtigt. Die Altreichsflagge" hält Hitler die Treue und ver= läßt ihn nicht. Sie arbeitet ruhig an ihrem Ziel meiter, am Tage der Rückkehr Hitlers eine starte Macht zur Verfügung Bryans Bruder demokratischer Vizepräsidentschaftskandidat. Der stellen zu können. Die Aufgabe der Altreichsflagge demokratische Ronvent hat Bryan, Gouverneur von Nebraska, den für die nächste Zeit ist die Reinigung der Be Bruder von William Jennings Bryan, zum Bizepräsiden wegung Don den Quertreibern und Unbotten nominiert. Atem. Die Beamten standen angsterfüllt, mit flopfendem Herzen neben ihm. Aber der Herr Direktor achtete beffen nicht. Er schritt mit den beiden Herren geräuschvoll auf seinen Schreibtisch zu. Für ihn gab es nur eines: Dienst! Laut setzte er mit den Herren die Unterredung fort, und die Beamten, die ihm die besten Stüzen waren, schlichen betreien aus dem Zimmer. Auf ihren Gesichtern las Karl Weinhold den Schrecken, der ihnen durch das Verhalten ihres Direktors in die Glieder fuhr. Nur Dienst! Wirtschaftslebens machen sich auch im Kunstleben immer mehr gel Die Operette zieht auch nicht mehr. Die Folgen des frankhaften tend. Es gitt heute fast tein Theater mehr in Berlin, das nicht in den letzten Monaten schon einmal am Rande des Abgrundes gestanden hätte. Bergebens versucht man sich dieser Not zu erwehren, indem man an Stelle des literarischen Spielplans Operetten macht. Auch die Operettendirektionen schließen nach einem vielversprechen den Anfang und einem furzen Sichweiterschleppen ihre Pforten früher, als sie ursprünglich beabsichtigten. So ist„ Ein Märchen von Florenz", womit das Deutsche Opernhaus märchenhaft auskommen brochen worden. Das gleiche Schicksal erreichte die Operette Fras zu fönnen geglaubt hatte, bereits nach acht Borstellungen abgequita" des Thaliatheaters, die allerdings den Winter über Berlins größten Bugstück war. Jadlowfer, der im Anfang die Hauptrolle spielte, hatte 2000 m. befom.men. Das gibt zu denken, und gewiß ist das Starwesen mit den undergältnismäßigen Stargagen ein schwerwiegender Faltor der allgemeinen Krife. Ein Kindermuseum. Nordamerita mit seiner mustergültigen volkstümlichen Museumspflege hat jetzt auch die ersten Kinderabtet lungen einer öffentlichen Sammlung gefchaffen. Allgemein fällt es Geschick dafür gesorgt wird, den Besitz der Sammlungen durch eine in den Bereinigten Staaten auf, in welchem Maße und mit welchem finnfällige, auch dem Verständnis des einfachen Mannes angepaßte Aufmachung in den Dienst der allgemeinen Volksbildung zu stellen. Manche deutsche Museen, und leider gerade die größten, find nach dieser Richtung hin besonders weit zurüdgeblieben; oft fehlt in ganzen Sälen faft jede Beschriftung. In Amerika, z. B. in dem berühmten Smithonian- Institut in Washington, hat man nun also fogar besondere Abteilungen eingerichtet, die auf den Interessenkreis hält die Kinderabteilung u. a. folgendes: die häufigsten Bogelarten der Kinder zugeschnitten sind. In dem Washingtoner Museum entder Bereinigte Staaten, merkwürdige Eier und Nester, Tiere in Sommer- und Winterkleidung in biologischen Gruppen, Schuhmittel der Liere wie Mimitry und dergleichen. Merkwürdige Muschein und Insekten, Korallen und Seeschwämme, bunte Bögel fremder Länder, wichtige und auffällige Mineralien. Von der Kinderabteilung zum Kindermuseum ist nur ein kleiner Schritt, der in Brooklyn, der Schwesterstadt von New Yort, mit gutem Erfolg getan worden ist. Das Brooklyner Institut enthält naturwissenschaftliche Sammlungen, die, ähnlich wie Washington, versuchen, das Kind mit den wichtigsten Formet des Tier-, Pflanzen- und Mineralreiches der Heimat, mit den auffälligsten Formen der Fremde und mit bes fonders bemerkenswerten Erscheinungen unter den Lebewesen, z. B. in der biologischen Gruppe Heuschreden, bekanntzumachen. Dazu tommen in Brooklyn noch anthropologische Gruppen, die meist in starker Verkleinerung nach Art von Spielzeug das Leben bestimmter Wölferschaften, wie etwa der Estimos, erläutern. In ähnlicher Weise sind auch fulturgeschichtliche Szenen und Vorgänge dar gestellt. Außer dieser ziemlich umfangreichen Sammlung hält das Kindermuseum eine reichhaltige Bücherei namentlich aller naturwissenschaftlichen Werte für die Kinder bereit. Der Blut- Krösus". Ein Mann, der an einem leberfluß von Blut und infolgedeffen beständig unter starken Blutungen leidet, befreit, indem er fein Blut zur Heilung anderer Personen hergibt. wird in dem Hauptfrantenhaus von Montreal von seinem Leiden 19 Operationen durchgemacht, bei denen Blut aus seinem Körper in Wie kanadische Blätter berichten, hat dieser Blut- Krösus" berciis den eines anderen Kranten übergeführt wurde, und viele vor dem sicheren Tode gerettet. Der merkwürdige Patient wurde in das Krantenhaus infolge einer überaus starten Blutung eingeliefert, und die Untersuchung feines Körpers ergab, daß er dreimal so viele Blutzellen besikt als der normale Mensch Weitere Proben zeigten, daß das Blut sonst vollkommen dem eines gefunden Menschen glich. Gedanken, den Blutreichtum dieses Mannes dazu zu benutzen, um Einer der Aerzte des Krankenhauses, Dr. Hendrie, tam nun auf den dem Blutmangel anderer abzuhelfen. Er erhielt die Einwilligung des Blut- Krösus" zu Transfusionen, und er hat mit ihm bereits 19 foicher Blutübertragungen vorgenommen, ohne daß sich bei ihm die geringste Erschöpfung zeigte. Während andere Menschen nach einer größeren Blutabnahme schwach werden, macht ihm die Vornahme einer solchen Operation gar nichts, und er nimmt danach fofort wieder seine Arbeit auf. " Die Branntweinpeft in Rußland. Wie die„ Jsveftija" meldet, heimlicher Schnapsbrennereien in Sowjetrußland immer weitere findet die Alkoholfeuche im Zusammenhang mit dem Aufblühen Verbreitung. Die Bauern pfiegen sich selbst eine Art Spiritus, den fie„ Samogon" nennen, zusammenzubrauen, ein Getränk, dem Frauen, Männer und Kinder nur allzu reichlich zusprechen. Nach den Mitteilungen des Verfassers des Auffages ist der Fall nicht felten, daß die Leute schon in aller Frühe schwer betrunken zur Arbeit fommen. Im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres wurden von der Polizei 5000 folcher Samogon- Brennereien geschlossen und genommen. Aber das alles hat die Seuche nicht eindämmen tönnen. 7000 Personen, die mit diesem Fufel Schleichhandel betrieben, festdie Im Großen Schauspielhaus gelangt, da es ab 16. Juli geschlossen wird, Operette„ Der Bogelhändler" nur noch bis 15. Jult einschl. zur Aufführung. Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht wird vom 6. bis 8. Dktober b. 33. eine Tagung Rundfunk und Schule" vers läuterung von Apparaten und durch Rundfunkdarbietungen die Fragen anstalten, auf der durch Vorträge mit Aussprachen, Ausstellung und Er geklärt werden sollen: Was muß die Schule vom Rundfunk wissen und was kann er ihr leisten. Deutschlanös steuerliche Selastung. In der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" hat ror einigen Tagen Professor B ü h l e r» Münster einen Artikel über „Deutschlands steuerliche Belastung 1924" mit tabellarischen Uebersichten über das ganze deutsche Steucrwssen veröffentlicht. Schon der Name des Verfassers sichert dem Artikel Beachtung. Professor Bühler hat vor einigen Jahren die wertvolle Schrift„Der Steuerfeldzug der Kriegsgewinnler" veröffentlicht, die rücksichtslos die Legende zerstörte, als ob der deutsche Besitz durch Reichsnotopfer, Vermögenszuwachs- steuer usw. entsprechend seiner Leistungsfähigkeit belastet sei. Der jetzige Artikel Bühlers fordert jedoch zu einigen Bemer- kungen heraus. Wenn Bühler seinen Artikel geschrieben hat in der Ab- ficht, einen Beitrag zu der Frage zu liefern, ob die auslän- difchen Sachverständigen Deutschlands finanzielle Leistungs- fähigkeit zutreffend eingeschätzt haben, so ist das. zweifellos verdienstlich. Aber ebenso wie Bühler wollen wir eine end- em Augenblick nicht el daran lassen, daß gültige Antwort auf diese Frage in die geben. Wir möchten jedoch keinen Zwei es uns als eine völlig verfehlte Methode erscheint, die äugen blicklichen abnorm en Verhältnisse der deutschen Wirtschaft als geeigneten Ausgangspunkt für die Urteilsbildung zu betrachten. Das geht um so weniger, als die Verhältnisse in der deutschen Wirsschaft gegenwärtig üb er aus verschieden sind. Neben Gruppen, für die unser gegenwärtiges rohes Steuersystem überaus hart ist, gibt es auch solche, die seine Lasten sehr leicht tragen können. Die Frage also, ob die G e s a m t b e l a st u n g der deutschen Wirtschaft zu hoch ist, ist eine ganz andere Frage als die, ob die einzelnen Steuerzahler richtig zu den Lasten herangezogen werden. Wir wollen ferner davon absehen, eine Reihe einzelner Fehler von Bühler zu kritisieren. Wir können das um so eher, als seine Berechnungen über die Belastung der Land- Wirtschaft, des Handels und Gewerbes durch die direkten Steuern im Jahre 1924 einen ganz allgemeinen Fehler enthalten. Bühler geht von der Annahme aus, daß Handel und Gewerbe gegenwärtig nur eine vierprozcntige, die Landwirt- fchaft gar nur eine dreiprozentige Rentabilität aufweist. Das ist ganz offensichtlich falsch. Wenn das Kapital auf dem offe- nen Geldmarkt bei längerer Bindung mit Leichtigkeit eine Verzinsung von mindestens 15 Proz. erzielt, würde eine Ver- zinsung des produktiven Kapitals mit 4 Proz. so unzuläng- lich sein, daß im großen Umfange Betriebe wegen Unrenta- bilität stillgelegt bzw. eingeschränkt würden. Solche Fälle gibt es jetzt zweifellos. Aber sie sind nicht so zahlreich wie sie sein müßten, wenn die geringe Rentabilität, die Bühler annimmt, vorhanden wäre. Auch bei der Landwirtschaft geht die jetzige Rentabilität über 3 Proz. hinaus. Aber auf der Grundlage dieser vier- bzw. dreiprozenti- gen Rentabilität berechnet Bühler eine Belastung des Han- dels und Gewerbes durch Steuern mit 44,1 bis 73,55 Proz. des Ertrages. Diese Berechnung dürfte mindestens um ein Drittel, wahrscheinlich noch erheblich mehr zu hoch sein. Das- selbe gilt von der Landwirtschaft, bei der Vühler eine Be- lastung von 66% Proz. bei einer Rentabilität ron 3 Proz. herausrechnet. Bei der Landwirtschaft ist diese Berechnung schon um deswillen falsch, weil der Permögenssteuerwert, auf dem sie beruht, ermittelt worden ist durch Berichtigungen des Wehrbeitragswertes, der 1913 festgestellt wurde. Er war nie eine zutreffende Einschätzung des Wertes des Grund und Badens, am allerwenigsten war er zutreffend bei den Groß- agrariern, denen das Schwindeln beim Steuerzahlen ange- boren war. Cr ist es auch jetzt nicht. r-i. Schlußfolgerung Bühlers, daß die direkten säuern schon zetzt zu hoch sind, erscheint uns deshalb a b- w e gl g. Aus dem a ugenbli-cklichen Krifxnzustand, lllsbefondere der Geldknappheit, können keine Schlichfolgerun- gen für dw dauernde Gestaltung des deutschen Steuersystems gezogen werden. Das preußische Porzellan. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages über die staatliche Porzellanmanufaktur(Neschäftsführung, Porzellankäufe von feiten der Minister u. dergl.) ging heute vormittag daran,«ine Art Arbeitsplan festzulegen. Es sollen die v-rschied«nen Beweis- töemen zu gruppen zusammengefaßt werden. Man beschloß, morgen 1» Uhr mit der Z« u g e n v e r n e h m.u n g zu beginnen, und zwar werden morgen vernommen: der sriiher« chandelsminister Fisch- 5 e ik, der jetzige chandelenninnter Genosse S i e r i n g, verschiedene von den oberen Beamten des Handelsministeriums, darunter Staats- sekretär D ö n b o f f und Ministerialrat Seefeld, sowie der frühere Direktor der Manufaktur, Herr G o h l k e. Sowohl der Bericht der Oberrechnungskammer wie auch der der Treuhand-A.-G. sollen vorgelegt werden. Die beiden Bericht« wider» sprechen einander. Der Bericht der Treuhandgesellschaft stellt fest, Direktor Gohlke habe nur Jnflationsgewinne zu verzeichnen gehabt und den Betrieb von der Substanz leben lassen: N«ch dem Vorschlag des Genossen Hellmann wäre ein Overgutachter zu hären, damit endlich über die wichtigste ffrage. ob Direktor Schneider mit oder ohne Erfolg gearbeitet habe, Klarheit geschaffen� werde. Der Ober- gutachter müsse klarlegen, wie der wahre Geschäftsbericht der letzten Jahrs aussteht..,....... Die Zeugenvernehmung erfolgt zunächst nicht eidlich, doch soll den Zeugen klargemacht werden, daß ste ihre Aussagen eventuell beschwören müssen. Der Finanzministrr hatte zu einem vom� Ecnossen Heilmann stammenden Artikel in der„Borsflschen Zeitung über die Porzellan- Manufaktur Stellung genommen und dabei betont, daß der Hinweis, da« preußisch« Finanzministerium habe den Per- dächtigungsfeldzug mitgemacht, durchaus falsch ffj. Dem- gegenüber erklärte Genosse Heilmami, daß«r auf die Zuschrift des Herrn Ministers an die„Vosstsche Zntm'g in demselben Blatt be- tont Tjobe. nicht Erklärungen und Gegenerklärungen, sondern nur der Untersuchungsausschuß werde Klarheit bringen. Gegenüber- dem Abg. o. Eynern, der gestern erklärt hatte, eg handele sich bei der ganzen Sache um eine Hetze gogn das alte Beamtentum, stellte Genosse Heilmann fest, daß die Hetze gegen den neuen Mann begonnen habe und die sozialdemokratischen erst in der Abwehr erfolgten._ Sein Auswärtiger Ausschuß. Auf eine Anfrage des Abgeord- neten Hermann Müller, des Vorsttzenden des Auswärtigen Ausschusses, hat der Reichsaußenmimster Dr. Strefemann mit- geteilt, daß es ihm wegen der schwebenden Verhandlungen mit der russischen Regierung erwünscht wäre, wenn der Auswärtige Ausschuß in den nächsten Tagen zum Zwecke der Besprechung des gegenwärtigen Standes der deutsch-russischen Verhandlungen noch nicht einberufen würde. Der Vorsitzende hat darauf zunächst von einer Einberufung des Ausschusses abgesehen. Englischer Ueberparlamenlarlsmu«. Die Sitzung der parlamen- istischen Kommission, in der das neue Fincnzaoietz beraten wurde, dauerte bis früh fünf Uhr. Der Einpeitscher der Regierung, Tom Kennedy, erlitt während der Sitzung ein«-. Oynmachts- an fall und mußte dem Hospital überwiesen werden, Dachgärten. Vielleicht kann man Dachgärten als Zeichen einer„höheren" Kulturstufe bezeichnen, ohne daß es paradox wäre. Das Zeitalter der vertikalen Entwicklung macht sich cben überall bemerkbar. Die räumlichen Beschränkungen der Großstadt drängen die Bevölkerung zum Höherstreben, und wer für seine Absichten auf der Erde keinen Platz findet, geht in die Luft. Fast wird man beim Anblick eines Dachgartens an das Witzwori erinnert, daß„der Hof nicht groß, dafür aber sehr hoch sei". Was der Hof unten nicht aufnehmen kann, einen kleinen Garten,«in wenig ersehntes Grün, flüchtet sich aufs Dach, wo mehr Platz ist. Berlin hat mehr Dachgärten, als mancher vermutet. Dem Auge des Erdenpilgers sind sie meist verborgen, wer ste sehen will, muh sich schon mit Kirchturmwärtern oder ähnlichen höher gestellten Persönlichkeiten befreunden. Die Liebe des Besitzers zur Natur überwindet in oft genialer Weiss alle Hindernisse, die sich der Ver- wirklichunz seiner Pläne in den Weg stellen. Besonders im alten Berlin findet man viele solcher Dacherholungsstätten. Auf dem Dach des Hauptpostamtes in der Spandauer Straße hat sich der Der- sügungsberechtigte eine kleine Laube erbaut, die neben einigen größeren Blumenkästen keinen weiteren gärtnerischen Schmuck be- her bergt. Dicht doneben aber ist das flache Dach eines Hauses mit vielem Raffinement in«inen richtigen Garten umgewandelt. Man kann sich nur schwer vorstellen, wieviel Mühe es machte, so viel Erde und Kies auf das Dach zu schaffen, um genügend Boden für Pflanzen und Sträucher aller Art zur Verfügung zu haben. Ein breiter Kiesweg führt inmitten des Gartens entlang; links und rechts teilen sich Beet« für Gemüse, Tomaten und Blumen ab. Eine Sommerlaube gibt dem Besitzer Schutz vor den sengenden Sonnen- strahlen, aber auch vor einem plötzlichen Regenguß. Es muß doch wohl von besonderem Reiz sein, das Abendbrot hoch über allen anderen, inmitten eines Großstadtgartens, verzehren zu können. Aber es sind auch weniger ausgebildete Anlagen zu sehen. Hier und dort hat einer nur eine Rasenfläche geschaffen, auf der die Hausfrau über dem Trockenboden die Wäsche trocknen kann. Wo- bei allerdings die Frage offenbleibt, ob die Großstadtsonne genügt, die Wäsche auch zu bleichen. Wenn vielleicht' nebenan ein Fabrik- schlot seine Rauschwaden emporwirbelt, mag auch das nicht gerade geeignet fein,„die schimmernde Wolle, das schneeige Leinen" ent- stehen zu lassen. Aber ein Kinderspielplatz ist mit diesen Dachrasen- flächen doch geschaffen, wo sie, ungefährdet von den Straßcngefahren, geschützt durch ein hohes Gitter, nach Herzenslust umhertollen können. Nur mit der Buddelei wird es seine Schwierigkeiten haben und die Sandburg wird nicht allzu tiefe Gräben haben dürfen. Bon dem besonders in Amerika in Anwendung gebrachten Verfahren, auf den Dächern großer Fabriken und Gcschäsishäuser Erholungsplqtze für die Angestellten einzurichten, wobei diese Dachgärten sogar mit Licht- und Luftbädern und großen Sportplötzen vereinigt sind, ist in Berlin noch sehr wenig zu merken. Dos ausgeprägte Erholungs- Bedürfnis des Großstädters, das sich auch in unserer Stadt in einer sonntäglichen Massenflucht ins Grüne bemerkbar macht, könnte auf dies« Weise auch während der kärglichen Arbeitspausen aufs einfachste befriedigt werden, wenn nur der gute Wille vorhanden wäre. die ftufkärung ües§örstermoröes. Die Aufzeichnungen des Ermordelen. Zu der Verhaftung des Förstermörders Franz Saß, über die wir im Morgenblatt kurz berichteten, wird uns noch mitgeteilt, daß sich die Szene in dem Forsthause bei Schenkcndorf nach dem Orts befund wahrscheinlich io abgespielt hat: Förster Grün hoff hatti sich ausgeruht, war aufgestanden, hatte sich eine Pfeife gestopft und gerade angezündet, als er em Geräusch hörte. Die Vordertür war verschlossen. Als der Förster hinausgehen wollte, um nach der Hinter tür zu sehen trat ihm Saß entgegen und schoß ihn sofort nieder. Der Mörder schoß auch noch weiter, als fem Opfer be- reits am Boden lag. Denn einige Kugeln stecken in den Dielen. Auch auf den alten Jagdhund, der dicht an der Tür neben dem Ofen lag, gab er einen Schuß ab. ohne ihn zu treffen. Nachdem der Mörder das Zimmer verlassen und die Tür verschlossen hatte, raffte sich der schwer verwundete Förster auf und ging an den Schreibtisch, aus dem er Schriftstück« liegen hatte, die er als Guts- Vorsteher bearbeitete. Um diese nicht mit seinem Blut« zu beflecken, deckte er sie mit Zeitungen zu und schrieb dann auf den Rand eines Blattes auf, was ihm geschehen war. mit der B e- schreibung des Täters. Dieser durchsuchte die Räume und stahl u. a auch Eier, die er nach dem Zusammentreffen mit den beiden Wanderern im Walde roh verzehrte. Bnrgemeisterhetze in Pankow. In der Bezirtsversammlung des Verwaltungsbezirks Pankow hatten die Parteien der Rechten sich vorgenommen, dem sozialdemokratischen Bürgermeister ihr Mißtrauen zu bekunden. Bei verschiedenen Punkten der Tagesordnung legten sie es darauf an, erregt« Auseinandersetzungen herbeizuführen. Kennzeichnend war das Verhalten der Deutschnationalen gegenüber einer Bezirksamtsvorlage, die 3000 M. zur Ausstattung des Werk- stättenuNterrichts der Gemeindes ch u l« n fordert«. Ein Ausschuß der Schuldeputation l)Gtt« für die Verteilung der zu beschaffenden Hobelbänke und Materialien mit den beteiligten tech- nischen Lehrern«inen Plan aufgestellt. Bei dem bekannten Haß der Deutschnationalen gegen die Gemeinschaftsschule bekämpften die zwei Vertreter Niedcrsckönhausens die Zuwendung zweier Hobel- bänke an diese Schule. Dabei ist der eine von ihnen sogar„Schul- sachverständiger". Die Vorlage wurde aber gegen die Stimmen der Deutschnationalen mit allen übrigen Stimmen angenommen. Auf der Höhe war die Reckne bei der Besprechung der Dringlich- keitsvorlage des Bezirksamts, die einen besonders günstigen Grund st ückskauf belraf. Der deuffcknational« Stadtverordnete Faust widersprach dem Verlangen, diese Sache als dringlich zu be- bandeln. Cr erklärt« sich auch gegen den Vermittlungsvorschlag, die Vorlage an die Finanzdeputation zu verweisen. Seine Fraktion habe«in ausgesprochenes Mißtrauen gegen das Bezirks- amt, der Bürgermeister könne dem Bezirksamr durch Mehrung von Mitgliedern der Linken ein« Mehrheit in der Deputation sichern. Bürgermeister Genosse Kubig erwiderte, daß die Zahl der zur Finanzdeputation dclegierten Mitglieder durch Beschluß der V«r> sammlung festgelegt ist, also nicht willkürlich durch den Vorsitzenden des Bezirksamts geändert werden kann. Bei der Beschlußfassung über die Zusammensetzung der Deputationen sei Stadwerordneter Faust zugegen gewesen,«r behaupte also bewußt Unwahres.„Die- fes niederträchtige Verhalten" müsse niedriger gehängt werden. Jetzt glaubte der Vorsteher der Bezirksvcrsammlung einschreiten zu müssen, um die parlamentarische Würde des Hauses zu wahren. Aber nicht der dsutschnationale Stadtverordnet« Faust, der den Bürgermeister verdächtigt hatte, wurde zur Ordnung gerufen. sondern— der Bürgermeister. Dieses Verhalten entsprach der san- stigen Einstellung des Vorstehers gegenüber dem Bezirksamt. Die Vorlage wurde einem besonderen Ausschuß überwiesen. Ein Mietsgeldschwindler. Mit einem neuen Trick arbeitet ein Schwindler, der seit einiger Zeit sich in der Umgebung Verlins, augenblicklich bei Eberswalde, aufhält. Ein Mann van etwa 30 Jahren, der sich bisher Karl Müller oder Franz Schulz rannte, läßt sich von Slellenvermitckern O.'ute namhaft machen, die«inen Ackerknecht oder einen Kutsch«« für das Land suchen. Unter dem Namen eines Besitzers schreibt er ihnen dann, dag er genötigt sei, seinen Knecht oder Kutscher zu entlassen und ihn gern anderweitig unterbringen möchte. Bold nachdem die Leute diesen Brief erhalten haben, er- scheint auch s?hon der Knecht oder Kutscher, der gern angenommen wird, weil er in dem Briefe ein gutes Zeugnis erhalten hat. Er läßt sich zehn Mark Mietsgeld geben, will angeblich seine Sachen holen, verschwmdet aber auf Nimmerwiedersehen. Der Schwindler ist mittelgroß u.id kräftig gebaut, hat dunkelblondes Haar, einen dünne-, blonden Schnurrbart, ein fahles Gesicht und lückenhafte Zähne und trägt einen dunklen alten Ueberzieher mit Samtkragen und einen guten braunen Jackettanzug. Im ganz-n macht er den Eindruck eines Mannes besserer Herkunft. SeebäSee- Kultur. Aus dem Ostsesbad M i s d r o y wird uns geschrieben: Der hart« Berus der Fischer erfordert viel Opfer. Vor einigen Tagen erst ertranken 4 Misdroyer Fischer bei einem Bootsunglück. Die Teilnahme am Schicksal der Hinterbliebenen prägt sich sehr verschieden unter den Badegästen aus. Am 9. Juli konnte man auf der Strandpromenade und im Orte selbst Plakate folgenden Inhalts sehen:„Mit Eurem Lachen sollt Ihr Tränen trocknen! Zugunsten der Hinterbliebenen der vier Misdroyer Todesopfer am Donnerstag, den 10. Juli, großes Wohl- tätig keits fest.— Schönheitskonkurrenz: Di« schönste Dame und der schönste Herr werden prämiiert.— M a n lacht Tränen. Eintritt 1 Mark." Wer unter uns zweifelt noch daran, im Lande der Dichter und Denker zu leben. Der Massentod als Anlaß zur Schönheits- konkurrenz— dos war sicherlich noch nicht da! Pier Familien weinen um ihren Emährer— auf dem Wohltätigkeitssest lacht man dazu Tränen! Kann die gelobte Kultur des 20. Jahrhunderts noch eine schauderhaftere Fratze zeigen? Misdroy gehört zu den- jenigen Bädern, die auf fchwarz-weiß-rote Gesinnung Wert legen. Daraus erklärt sich viel._ Bitte an eine» Dieb. Unsere Genossin Minna Kautsky ist durch einen sog. wilden G e p ä ck t r ä ge r aus dem Anhalter Bahnhof um chrcn Handkoffer gekommen. Genossin Kautsky kam am Dienstag abend um 10 Uhr 22 Minuten- aus dem Anhalter Bahnhos an und ver- traut« einem auf dem Bahnfk'q stehenden Gepäckträger, der die Dienstkleidung der Eisenbahngcpückträger trug, ihren Handkoffer an. Als sie«ine Bekannte begrüßte und sich dann nach dem Träger umsah, um sich seine Nummer zu merken, war er im Gedränge verschwunden. Di« Bestohlene muhte die traurig« Erfahrung machen, daß sie einem wilden Gepäckträger in die Hände gefallen war. Der Koffer enthielt außer Kleidungs- und Wäschestücken «ine Anzahl von Briefen. Ausweispapieren und mit der Schreibmaschine geschriebene Manuskripte. Alle diese Dinge sind für den Dieb vollständig wertlos, ihr Abhandenkomme» bedeutet aber einen schweren Verlust für die Genossin Kautsky. Der Dieb wird daher gebeten, die S ch r i f t st ü ck e in ein Kuvert zu packen und an die Redaktion des„Vorwärts", Lindenstraße 3, zu senden. E s wird ihm zugesichert, daß weitere Nachforschungen nach ihm nicht angestellt werden sollen. Eine �leisckzwarenfabrik ausgeraubt. Ein großer Fabriteinbruch wurde in der Ackerstr 53 verübt. In den Räumen am zweiten Hof betreibt der Großschlächter- meister Stöcke! eine Fleischwarenfabrit. Wegen Krankheit schloß er kürzlich vorübergehend diesen Betrieb, um«ine Kur zu machen, und beschränkte sich auf sein Geschifft in der Gontardstraß... Unter- dessen räumten ihm Einbrecher die�ganze Fabrik aus. Sie st a h l e n allesHandwerk. zeug, für den großen Betrieb, darunter einen Kupserkessel für 10 Zentner Inhalt, 3 Wurstfüllmaschinen mit der Fabrikmarke Kortmonn, Thüringen, für je 60 Pfund Inhalt, einen 1 0?S.- Elektromotor der AEG., zwei große Wiege- messer und 12 fast neue Treibriemen. Von den großen Maschinen, die sie ihrer Schwer« wegen nicht ganz wegschaffen konnten, schraubten sie all« M e s s i n g t e i l e ab, um sie mit- zunehmen. Für die Wiederbeschaffung des gestohlenen Gutes ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Mitteilungen zur Aufklärung»immt die Kriminalpolizei entgegen. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. Berliner Kinder in hos. Am Mittwoch, den 9. Juli, trafen mit dem Leipziger Personenzuge abends 6,18 Uhr am Hofer Hauptbahn- Hof 31 Berliner Kinder mit ihren Führern ein, um von da aus nach dem Städtischen Ferienheim Walburgisreuth gebracht zu werden. Die Kmder waren nach llftündiger Fahrt von Berlin nach Hof ziemlich mitgenommen. Am Hauptbahnhof wurden gleich Erfrischungen gereicht. Im Postauto wurden die Kinder nach Konradsreuth besörderti Der dichtbesetzte Wagen mit den fremden Gesichtern errcgvz in Hof und besonders in Konradsreuth einige« Aufsehen. Als die Kinder nach der Waldwanderung das Hofer Ferienheim inmitten der weiten Woldwiefe schauten, wo sie von den Hauseltern freundlich empfangen und sofort mit einem leckere» Mahle abgespeist wurden, stieg die Freude am höchsten. Den Kranz der Waldstemkeite. den Schneeberg und Ochsenkopf konnte man ge- rade noch im Abenddunkel erblicken, und schon meinten die fremden Kinder, die bayerischen Alpen zu schauen. Die ersten Tag« der Kolonie werden für die hfauseltern schwer sein. Die Kinder, die alle ein recht gesittetes Benehmen zeigen und aus den verschieden st en Stadtteilen Berlins stammen, sind sich bis heut« untereinander fremd. Doch schon bei Tisch zeigte es sich, daß sich die Hofer mit den fremden Kindern bald befreunde» werden. Aus dem Spandauer Schiffahriskanal gelandet wurde gestern nachmittag die Leiche eine» unbekannten Mannes von etwa 40 bis 45 Jahren. S!« wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Tot« ist etwa 1,62 Meter groß und blond, hat lückenhafte Zähne und trug eine schwarze Hos« und West«, graue Strümpfe, hohe schwarze Schnürschuhe, ein wollenes Unterhemd, eine rotbraun« Unterhos« und«in weißblau gestreifte» Oberhemd. Bei sich hatte er ein braunes Taschentuch mit zwei weißen und zwei dunkle» Streifen, das F. H. gezeichnet ist, «in braune« Heil mit Veitragsmarken hat ein Funktionär de! Metall- arbeiter- Verbandes am Dienstagabend im oder vor dem Lehrer- uereinshaus verloren. Zlbzuoeben im Bureau des Mctallarbeiter-VerbandeS, Lintenftr. 83—35 bei Schmidt.______ Selbstmord eines Potsdamer Reichswehrsoldaten. vorgestern nacht wurde der Igjährig« Kanonier Hans Rock« vom Feld- artillerieregiment III in Potsdam von einem Offizier auf der Wach« schlafend vorgefunden. Aus Furcht vor Straf« erschoß sich Rocke heute mit seinem' D i e n st k a r a b i n e r auf der Mannfchoflsst'.'.be in der Kaserne. Zum Tod« verurlesik. Im Prozeß gegen den 2Zjährigen Schlosser Otto Notzinger aus Passau, der am 3. Juni 1924 in den Kur- anlagen des Bades Brückenau den Musiker der Kuriapelle Karl Thürs überfallen, erschlagen und beraubt hatte, wurde der An- geklagte, wie aus Würzburg gemeldet wird, zum Tode ver- urteilt. Di« Sachverständigengutachten stellten fest, daß dt« Tat mit brutal st er Roheit verübt worden ffr. Sroß-Serliner varteinachrichten. (!. Abteilung. f>« u t e V, Ufit otlR. lZuultioniirlonserrnz bei Dobrcklno. 15. Abteilung. Sonntag, den IS., Sanultenaufitlag nach Nikolassee. Treffpunkt früh S Uhr Beralina, A!czand«rplah. BadcanMg mitnehmen, )ugenöveranstaltungen. Abteilung Neukölln I und t. Alle Genossen und Genossin»«! treffen sich hkvtch �«itag. V|8 Uhr abend», zur Generalprobe im Karlsgarten. Gewerkschaftsbewegung Die Orientierung der Christlichen. Da nun das Lohnattommen zum 30. Juni abgelaufen war, beantragte der Deutsche Verkehrsbund eine Erhöhung von 20 Proz. Die Hochbahngesellschaft teilte in einem Schreiben der Organisation mit, doß fie auf Grund der jetzigen wirtschaftlichen Berhältnisse auf keinen Fall in eine Lohnverhandlung eintreten fönne. Die Organisation rief darauf sofort den Schlichtungsausschuß an, der am Montag über die Angelegenheit verhandelte. Es wurden schließlich folgende Lohnzulagen festgesetzt: Für Handwer fer 6 Pfg., für die übrigen Arbeiter 3 und 5 Pig, Frauenzulage 2 Pfg. Eine Funktionärversammlung der Hochbahner, die vom Deutschen Verkehrsbund einberufen wurde, nahm dieses ReDie Verhandlungen mit der Omnibusgesellschaft find gescheitert. Am fommenden Sonnabend wird in dieser Angelegenheit der Schlichtungsausschuß tagen. Die Verhandlungen mit der Straßenbahngesellschaft find zurzeit, noch nicht Wir haben fürzlich eine Zusammenstellung der Abgeordneten gebracht, die Vertreter der christlichen Gewerkschaften sind und den perschiedensten Parteien vom Zentrum bis zur äußersten Rechten angehören. Durch die Presse geht nun die Mitteilung, daß der Deutschnationale Abgeordnete Behrens, Vorsitzender des christ Fichen Zentralverbandes der Landarbeiter, dieses Amt niedergefultat an. legt habe und wahrscheinlich auch als zweiter Borsitzender des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften ausscheiden werde. Die Deutsche Zeitung" knüpft daran die Frage, ob damit eine Linksorientierung der christlichen Gewerkschaften" eintreten werde. Das deutschnationale Blatt mag sich beruhigen. Wir weisen nur auf den Anbiederungsversuch Stegerwalds in der Deutschen Allgemeinen Zeitung" hin, in dem er den Arbeitgebern die Bildung kiner Arbeitsgemeinschaft anbietet. Bon einer Lintsorientierung" wie überhaupt von einer Orientierung der christlichen Gewerkschaften nach irgendeiner Richtung hin fann feine Rede sein. Sie sind immer bestrebt gewesen, es mit den Unternehmern nicht zu verderben und andererseits ihre Mitglieder nicht zu verlieren. Die Rücksicht auf ihre Mitglieder zwingt sie, auch an Lohnfämpsen teilzunehmen. Sie waren aber nur immer mit halbem Herzen dabei. Auch den Kampf um den Achtstundentag werden sie schließlich führen müssen, weil Ihnen sonst ihre Mitglieder davonlaufen würden. Die Gemeindearbeiter lehnen ab. Der Verbandsbeirat des Gemeinde- und Staatsarbeiterver.bandes hat in seiner Sizung vom 9. Juli 1924 einstimmig beschlossen, den Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums über den Reichsmanteltarif der Gemeindearbeiter abzulehnen. Maßgebend hierfür war die Tatsache, daß die Arbeitszeit bis zu 9 Stunden ausgedehnt werden tann. Soweit gegenwärtig 8 resp. 8% Stunden gearbeitet wird, ist allerdings dieser Bustand weiter aufrechtzuerhalten durch örtliche oder bezirkliche Vereinbarung. Ferner sind einige soziale Berschlechterungen durch den Schiedsspruch vorgenommen worden. Lohnbewegung der Hoch- und Straßenbahner. Die Lohnvereinbarungen der drei Groß- Berliner VerkehrsBetriebe( Straßenbahn. Hochbahn und Omnibus) liefen am 30. Juni ab. Die bisherigen Löhne waren unter dem Druck der damals beftehenden Verhältnisse der Machinflationszeit entstanden und dementsprechend weit unter dem allgemeinen Durchschnittslohn der Arbeiter. Nur einige Beispiele von den Lohnverhältnissen bei der Hochbahn: Für Handwerker schwankte der bisherige Stunbenlohn zwischen 49 bis 62 Pf. Angelernte Arbeiter erhielten 14 bis 56 Pig., ungelernte Arbeiter hatten 40 bis 51 Pfg. beendet. Meister und„ Gesellen". in einer öffentlichen Beamtenversammlung in Berlin, Braueret Königstadt, gemachten Angaben über einen Stimmungsbericht aus dem Reichsbahndirektionsbezirk Altona als Wort für Wort mir unwahr" zu bezeichnen. Die Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamter und-anwärter ist in der glücklichen Lage, mit einwandsfreiem Nachweise seinen Dienststellen Personallisten aufgestellt und dienen zu können, daß im Reichsbahnbezirk Altona auf den einausgelegt wurden, in welchen unsere Kollegenschaft durch die Dienststellenvorsteher aufgefordert wurde, durch namentliche Unterschrift sich zu verpflichten, bei einem eventuellen Streit oder Arbeitsniederlegung ihrer Organisation tein Folge zu leisten. Aus diesen Vorkommnissen dürfte die Tatsache von einem erstatteten Bericht über das Stimmungsbild der Beamten. schaft aus dem Reichsbahndirektionsbezirk Altona nur erneut be ftätigt sein. Generalversammlung der Töpfer. Am In der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Töpfer gab Fachgruppenleiter Remmniß den Geschäftsbericht für das 2. Quartal 1924. Die Ausführungen des Referenten ließen ertennen, wie schwer die Arbeitslosigkeit auf die Töpfer lastet. Jahresanfang wurden 543 Arbeitslose gezählt, Mitte Juni 300. Aber es ist wieder ein langfames Steigen der Arbeitslosenziffer zu ver zeichnen. Damit find weit mehr als 50 Proz. der Töpfer arbeitslos. Der Arbeitsnachweis ist durch die Taktik der Die Unternehmer fordern Syndikalisten gesprengt worden. von ihm feine Leute mehr an. Von der Organisation ist inzwischen nun eine zentralarbeitsvermittlungsstelle für die Töpfer aller Branchen gegründet worden, die schon heute einen eminenten Einfluß auf die Arbeitsvermittlung hat. Eine Aussicht auf eine Befferung der Arbeitsmöglichkeiten ist gegenwärtig nicht vorhanden. Nicht wenig erstaunt waren am Sonntag nachmittag die Anwohner des Biehhofes, als ein Faschingszug den Viehhof verließ. Was war los? Der sogenannte Engrosfchlächter= gesellen- Verein, der zum größten Teil aus selbständigen Engrosschlächter me i stern besteht( der Vorsitzende selbst ist ein selbständiger Meister), feierte irgendein Jubiläum. Erfreulicherweise beteiligten fich fast gar keine Engrosschlächtergesellen an dem Rummel. Fast nur Engrosschlächtermeister- Vereine und Fleischerinnungen, schwarzweißrot bebändert und bewimpelt, waren am Umzuge beteiligt. In der Brauerei Friedrichshain ging der Speftafel erst richtig los. Reden vom guten Einvernehmen zwischen Meister und Gesellen" wurden vom Stapel gelassen; im Anschluß daran gab es großes patriotisches" Hallo, gewürzt mit Strömen von Bier, Wein und Schnaps. Das floß nur so. Allerdings durften auch hier die Hirsche" nicht fehlen. Dreißig Mann start waren sie unter Führung ihrer Angestellten vertreten. Im Anschluß an die Reden der Herren Fleischermeister durfte auch der Hirsche" haben den Dalles, und da soll offenbar das gute EinHauptvorsigende des Bundes eine Rede reden. Die vernehmen" mit den Meistern die gute Medizin abgeben. Eines aber wurde vermißt im Zuge: der obligate vierbeinige Ochse, wie er in früheren Jahren als Symbol mitgeführt wurde. Man scheint ihn den wieder anbrechenden vaterländischen Zeiten" entsprechend erfekt zu haben. Einen schönen Tag hatten wieder einmal die Fleischermeister mit ihren Damen verlebt, und so geht es Sonntag um Sonntag reihum. Das Geld spielt keine Rolle. Bersagt einmal eine Innung, trommelt man irgendeine Gesellen" vereinigung zusammen, und mit Kling, Klang und Gloria geht's bis zum frühenburg wurden aufgestellt: Remmnih, Berlin, Beißig, Velten, Morgen Deutschland in Not". Der Skandal der Beamtenbesoldung. Troß dieser Tatsachen sind auf dem Lohngebiet immerhin an nehmbare Erfolge erzielt worden. Die Löhne der Ofenseger auf 59 Pf. und die der Seibentöpfer von 30 auf 60 Pf. Der find von 75 Pf. auf 98 f. gestiegen, die der Ofenformer von 30 Redner setzte sich mit der demagogischenn Taktik der Syndikalisten auseinander und fam dann auf die Reichstarifverhandlungen zu sprechen. Schon die Vorverhandlungen zeigen, daß am Achtstundentag nicht gerüttelt wird. Auch die Ferien. frage dürfte günstig gelöst werden. In der Diskussion erflärte man sich mit den Ausführungen einverstanden. Als Kandidaten für denn Fachgruppentag in Ham und Franke, Criniz. Ein Antrag, welcher eine größere Selbständigkeit der Fachgruppe fordert, wurde einstimmig angenommen. Genosse Remmnitz teilte dann noch mit, daß die Funktionärs fonferenz der Töpfer eine Lohnforderung von 1,10 M. festgelegt hat. Bom Hauptvorstand der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahn- Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; beamter wird uns geschrieben: In der Abendausgabe Nr. 317, Ausgabe B, Ihrer geschätzten Zeitung glaubte der Herr Präsident der Reichsbahndirektion Altona Dr. Schneider die von unserem Kollegen Scharfschwerdt BEGINN 1.. JULI SAISO Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Verkauf nur soweit Vorrat Bis zur Mengenabgabe vorbehalten Hälfte herabgesetzt sind die bekannt guten Qualitäten AUSVERKAUF Preise unserer Waren in Krepon in vielen Farben Zephir Meter 80 cm breit, gute Qualität, tür Oberhemden../. Batist weiss bestickt.. 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