Abendausgabe Nr. 329 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 165 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Dienstag 15. Juli 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Verleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Das Programm der Konferenz. Amerikanische Bedingungen. Paris, 15. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Zu den Erklärungen, die Macdonald am Montag im Unterhaus über die Londoner Konferenz abgegeben hat, nimmt bisher als einziges Blatt das„ Echo de Baris", dessen Auslandsredakteur bereits in London eingetroffen ist, Stellung. Man habe das Gefühl gehabt, daß Macdonald viel gesprochen hat, um nichts zu sagen, immerhin habe er die These durch blicken lassen, die er auf der Ronferenz zu vertreten gedente, nämlich dic, daß der Dawes Blan nicht ohne Mitwirtung des englischen und neutralen Rapitals realisiert merden tonne und daß deshalb deffen Bertretern die letzte Entscheidung über diejenigen Fragen vorbehalten bleiben müsse, über die man sich am 9. Juli in Paris. nicht habe einigen können. Die englische Regierung habe unmittelbar nach der ersten Besprechung von Chequers die Absichten der amerikanischen Finanz fondiert, und diese habe ihre Mitwirkung von folgenden Bedingungen abhängig gemacht: = 1. Priorität für die Zinsen und den Tilgungsdienst der 800- Millionen- Anleihe. 2. Abschluß eines den guten Willen Deutschlands sichernden gegenfeitigen Vertrages über die Durchführung des Sachverständigenplanes. 3. Berpflichtung, daß die zur Berzinsung und Tilgung der Anleihe bestimmten Beträge von den Bestimmungen über die Ueberweifung deutscher Zahlungen ausgenommen fein sollen. 4. Ausdrüdücher Verzicht auf jede isolierte Aftion aller beteiligten Länder und Teilnahme eines Vertreters der Anleihezeichner bei allen Beschlüffen über die 3wedmäßigkeit und die Natur neuer Sanffionen. Am heftigsten umstritt: n dürfte auf der Londoner Konferenz temnach die Frage der Reform der Reparationsfommis. sion, die französische Forderung nach der Kontrolle der frategisch wichtigen Eisenbahnlinien und die Frage rategisch wichtigen Eisenbahnlinien und die Frage Sanftionen sein. Nach den Absichten des englischen auswärtigen. Amtes werde die Konferenz in drei Phasen zerfallen. Zunächst eine Konferenz der alliierten Regierungen, teren jebe von vier Sachverständigenfommiffionen beraten werde; cls zweite Bhase, sobald eine Einigung über die prinzipiellen Fragen erzielt fei, die Ausarbeitung der technischen Eingel heiten durch die Sachverständigen, und endlich eine neue Ronferenz zwischen den Ministerien und die Einleitung direkter Berhandlungen mit Deutschland. Unter diesen Um ständen rechne man in unterrichteten Kreisen mit einer Dauer der Konferenz bis mindestens zum 10. oder 12. August. Französische Vorarbeiten. Paris, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die der französischen Delegationen für die Londoner Konferenz angehörenden Sachver ständigen haben am Montag unter dem Borsiz Herriots den ganzen Tag über die französischen Vorschläge beraten. Die Mitilung des„ Matin", wonach den Gegenstand der Aussprache insbesondere die Frage bes fünftigen Regimes im Rheinland, der Eisenbahnen, der eberweisung der deutschen Zahlungen und die Form, in der Deutschland zur Konferenz zugezogen werden foll, gebildet haben, läßt einige Rüd fchlüsse auf die Politik zu, die Frankreich in London vertreten wird. Die Delegationen unterwegs. Condon, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die französische und belgische Delegation zur Londoner Konferenz werden heute nachmittag in London erwartet. Macdonald hat für heute abend die Führer der bereits eingetroffenen Delegationen zu einem Bankett gebeten. Die Kammer beschließt Amnestie. Paris, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In einer Nachtsizung, die erst gegen 2 Uhr morgens zu Ende war, hat die Kammer die Lesung des Amnestie gefeßes beendet. Die Annahme erfolgte mit 326 gegen 185 Stimmen. Die Rechte hatte zu einem letzten Vorstoß den ehemaligen Kriegsminister Maginot vorgeschicht, der das Gesetz als eine Ermunterung der antifranzösischen Propa ganda in der Armee bezeichnete und der Hoffnung Ausdruck gab, daß der Senat die Vorlage zu Fall bringen werde. Mit der Erwiderung, daß die Justiz allen Grund habe, Nachficht zu üben, solange es noch eine ganze Reihe von großen Standalen gebe, die bisher keine Sühne gefunden hatten, und mit dem Hinweis, daß der Senat felbst nach 1870 eine viel weitgehendere Amnestie als die jetzige beschlossen habe, brachte Herriot die Rechte zum Schweigen. Für das Gesetz haben mit dem Kartell der Linken auch die Kommu= nisten gestimmt. Macdonald fährt nach Genf. Condon, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Absichten Condon, 15. Juli.( Eigener Drahibericht.) Ueber die Absichten des englischen Kabinetts für die Bertretung Englands bei der nächsten Bollsitzung des Bölferbundes machte Lord Parmoor am Montag im Oberhaus bestimmte Angeben. Danach wird Macdonald die britische Delegation felbft führen und nach seiner Rückkehr der berühmte Profeffor an der Universität Orford und Vorfämpfer des Bölkerbundgedankens Gilbert Murray Englands Führung übernehmen. Cord Parmoor wird zweiter, der Innenminister Henderson drifter britischer Vertreter sein. Auf die Frage nach den Absichten der Regierung in bezug auf den angeteglen Defenfivvertrag antwortete Parmoor ausweichend. Die Stellungnahme der Regierung sei in einer nach Genf gefandien Dentschrift, die sich an die Richtlinien des früheren kabinetts halte, niedergelegt. Parmoors Borgänger, Lord Cecil, fonstatierte in der Debatte die Befriedigung Englands über die Verminderung der Truppen im Saargebiet, ftellte jedoch fest, daß im Saargebiet solange fein wirklich befriedigender Zustand sich ergebe, bis die Aufrechterhaltung der Ord nung lediglich in den Händen der Landespolizei liege. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. London, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die„ Times" beschäftigt sich am Montag mit dem Berliner Bericht über die Reichs. tanzlerrede vor der Preffe. Sie sagt, daß der interessanteste Teil der ist, wo der Kanzler im Hinblick auf das ParmoorInterview der EPD. Ausführungen über den Bölkerbund macht. Die„ Times" erinnert an die bisherige ablehnende Haltung der Reichsregierung und weist darauf hin, daß der Kanzler für den Eintritt in den Bölkerbund lediglich den Standpunkt deutscher Interessen betont hat. Wenn er nicht einmal ein Lippenbekenntnis zur Idee des Bölterbundes aufgebracht habe, so deshalb, weil die große Masse des deutschen Volkes den Bölkerbund mit Pazifismus verwechsle und den Frieden für einen müßigen Traum halte. Die Unterhausdebatte. Morel hielt eine etwas peffimiftische Rede, in der er die Erfüllung des Gutachtens 40 Jahre lang für einen Sommernachtstraum" erklärte und außerdem eine Gefahr für die englische In dustrie darin erblickte. Andere Arbeiterparteiler( Johnston, Didion) äußerten die gleiche Besorgnis hinsichtlich der Rückwirkung deutscher Reparationen auf die englische Boltswirtschaft. Das letzte Mittel. Mussolini unterdrückt die Kritik der Preffe. Rom, den 11. Juli 1924. Mussolini hat seinerzeit gesagt, daß nur sein schlimmster Feind etwas gegen ihn erfinnen fonnte, wie die Ermordung Matteottis. Wir glauben, dieser selbe schlimmste Feind hat ihm bei dem Erlaß des Pressedetrets zur Seite geſtanden. In einem politischen Augenblick, wie dem jezigen, der öffentlichen Meinung die Möglichkeit der Aeußerung nehmen, das heißt, all den Gerüchten, die heute wie Gespenster umgehen, flare Umrisse und Gewicht verleihen, das heißt, den Verdacht, der heute sich vielarmig an jede Handlung und jede Persönlichkeit der Regierung hängt, ins Riesenhafte vergrößern. Eine Regierung, die sich als Zielscheibe der schwersten Anklagen fühlt, die Männer ihrer nächsten Umgebung und Träger ihres bedingungslosen Vertrauens unter der Anklage des Meuchelmordes hat ins Gefängnis wandern sehen, hat nur eine Zuflucht, um sich schichte rein zu waschen: die Flucht in das helle Licht der vor den Augen der Gegenwart und dem Zeugnis der Gea Deffentlichkeit, in die Klarheit der freien Diskussion. Daß Mussolini die Deffentlichkeit schweigen heißt und die Diskussion abwürgt, müssen wir als das bewerten, als was seinem sittlichen Standard die Ermordung Matteottis erschien: als eine koloffale Dummheit. Um dem Defret eine fluge oder wenigstens eine schlaue Seite abzugewinnen, müßte man Beziehungen zwischen der Regierung und der Ermordung Matteottis voraus= sehen, die sich im Regime der Preßfreiheit nicht aufgedrängt haben. Im weiteren Verlaufe der Debatte im Unterhaus fprach nach Macdonald der Konservative Austen Chamberlain, der den Bremierminister viel schärfer fritisierte als Baldwin es getan hatte. Er warf ihm unter anderen vor, durch seine unflare Haltung gegen- Wir wollen nicht die Frage behandeln, ob das Defret über dem Versailler Vertrag und der Reparationskommission den verfassungsrechtlich und juridisch gültig sein kann. Es ist vom Deutschen Vorwände zum Feilschen und zum Zögern geliefert zu König im Juli des vorigen Jahres unterzeich haben. Die Konservativen hielten am Versailler Vertrag als an net worden und dann zwölf Monate bei mussolini der einzig möglichen Grundlage für Europa feft, fie machten ferner liegen geblieben( der es sich übrigens noch in einer der die Aufrechterhaltung der Entente mit Frankreich zum Kardinal- legten Kammerjigungen zur Ehre anrechnete, es nicht angepunkt ihrer Politik und verlangten, daß Deutschland seine Berwandt zu haben); außerdem erscheint es heute verändert Deutschlands respektieren. pflichtungen loyal erfülle; dafür werde England die Integrität gegenüber dem im vorigen Jahre der Presse mitgeteiltem Tert, insofern heute ein Artikel 4 die Beschlagnahme der den Bestimmungen des Defrets widersprechenden Zeitungen freistellt, welche Beschlagnahme einfach durch die Polizei erfolgen kann, die dazu feiner anderen Autorisation bedarf. Es ist nicht einmal ficher, ob diese Abänderungen des ursprünglichett Entwurfs auch vom Könige unterzeichnet wurden. Weit gewichtiger ist der Einwand, ob man einem Gefeße Ausführungsbestimmungen geben kann, die den Inhalt des Gefeges aufheben; das heutige Defret ist nämlich formell nur die Ausführungsbestimmung des italienischen Breßgesetzes vom März 1848. Wie Till Eulenspiegel, der sechs Wochen im Wirtshaus faß, dann aber im Galopp nach Hause ging, sa hat man in Italien 76 Jahre mit dem bloßen Gesetz vom Jahre 1848 austommen fönnen, dann war aber das Bes dürfnis nach Ausführungsbestimmungen so furchtbar eilig, daß man ein Dekret erlassen mußte, gerade nachdem die Regierung, feierlich versprochen hatte, Defrete nur im Dringlichkeitsfalle anzuwenden. Uebrigens braucht man meder Staatsrechtler noch Jurist zu sein, um einzusehen, daß eine Ausführungsbestimmung mun und nimmer ein verfassungss mäßiges Recht aufheben und, wie das heutige Defret fut, Paragraphen des Strafgesetzbuches außer Kraft setzen kann. Aber eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit ist im heutigen Regime zwecklos; der größte Teil der italienischen Bevölke rung hält auch die heutige Kammermehrheit nicht für rechts mäßig gewählt und doch ändert diese Auffassung nichts an der Lage des Landes. Die fonservativen Redner Sir F. Wise und Samuel äußerten starke Zweifel an der Möglichkeit der Ausführung des Gutachtens, ebenso der Liberale Wedgowood Benns. Der liberale General Spears warf die Frage der Räumung der Kölner 3one durch die Engländer auf und erklärte, die Zone dürfe dann nicht von Franzosen befeht werden, außer wenn sich Deutschland neue Verfehlungen zuschulden kommen laffe. Er befürchtete, daß Macdonald dem französischen Standpunkt bereits zu weitgehende Bugeständnisse gemacht habe, die den Dawes- Bericht gefährden würden. Borher hatte Macdonald in seiner Rede u. a. noch ausgeführt, es wäre eine Torheit, schon jetzt ein Santtions programm aufzustellen für den Fall eines deutschen Verzuges. Das Problem der französischen Sicherheit sei das Kernproblem des europäischen Friedens schlechthin. Achtstundentag und Reparationen. Erklärung des Genossen Jouhaug. Genf, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Führer der französischen Gewertschaften Genosse Jouhaug gab unserem Bertreter folgende Erklärung: Was die Beherrscher der Wirtschaft in Deutschland wollen, was fie gegenwärtig betreiben, das ist die Wiedereinführung der langen Arbeitstage und der niedrigen Löhne. Sie wollen damit ihre Schleuderkonkurrenz auf den ausländischen Abfazmärkten wieder aufnehmen, das erschöpfte deutsche Proletariat in Knechtschaft zwingen und damit endgültig dessen Widerstand gegen die soziale und politische Reaktion brechen. Sie werden darin unterstüßt, die mit Hilfe dieses Rückschritts hoffen, selbst zu den gleichen Zielen zu gelangen. Daraus ergibt sich jene Interessen. gemeinschaft, die in Genf zur Schau getragen wurde und die ein neues Beispiel dafür liefert, was für die Kapitalisten Deutsch: lands und Frankreichs eine wirtschaftliche Verständigung“ zwischen den beiden Ländern bedeutet. Don den Unternehmern Es erübrigt sich, zu betonen, wie sehr dieses Manöver auch die französischen Arbeiter unmittelbar berührt. Der Vorstoß gegen den Achtstundentag hat sich zuerst im Ruhr gebiet entfaltet. Unter den Augen der Besagungsbehörden, deren Grundsak des Achtstundentages ausdrücklich verankert ist, haben Auftraggeber sich auf der Bersailler Bertrag berufen, in dem der die von Stinnes geführten Industriemagnaten auf die Aufzwingung der 10stündigen, Arbeitszeit hingewirkt. = Die Arbeiterschaft wird um feinen Preis darin einwilligen, daß die Einführung des Achfstunden tages auf das politische Gebiet hinübergeleitet werde, daß die Regelung der Reparationsfrage und des Friedens zum Schaden ihrer wertvollsten Eroberung erfolgen und daß ihre deutschen Klaffengenossen allein die ihrem Lande auferlegten Lasten tragen, wie es die Industriepatrioten Deutschlands Hand in Hand mit den Industriepatricien Frankreichs erfireben." Wir müssen uns begnügen, das Defret auf seine politi fchen Folgen hin zu bewerten, da seine politischen Beweg gründe dem gefunden Menschenverstande nur auf dem Wege des schwersten Berdachtes zugänglich würden und eine Dis fuffion seiner Rechtmäßigkeit zurzeit nur theoretische Bedeutung haben könnte. Welche politischen Folgen kann das Dekret haben? In normalem Regime wäre die nächste unvermeidliche Folge die Unterdrückung der gesamten faschistischen Bresse, die feinen Tag verstreichen läßt, ohne zum Klaffenhaß oder zum römische Zeitung periodisch die Namen von Personen der Opposition zu veröffentlichen, die ihr als Zielscheibe faschistischer Entrüstung geeignet schienen; schon vor einem Jahre brachte das Mailänder Organ Mussolinis eine nicht mißzuverstehende Aufforderung, Matteotti ordentlich„ den Kopf einzuschlagen". Ohne Ansehen der Partei angewendet, würde das Dekret der blutrünftigen Heze der Faschistenblätter ein Ende machen, was zweifellos der Regierung ihr Amt erleichtern würde. Gesetzt aber, Mussolini wollte wirklich und im Ernst ein des Faschismus gegen das Land anwenden, wo nimmt er die Gesetz anders als im Barteiinteresse, anders denn als Waffe Organe für diese Anwendung her? Das Bressedekret legt alles in die Hand der Präfekten, die bekanntlich das Ministerium des Innern, also die Erekutivgewalt in den Provinzen darstellen. Die heutigen Präfeften find lauter Faschisten und befinden sich zum Teil in einem Bustande der Botmäßigkeit gegenüber der lokalen Parteiorganisation. Es kommt jekt zum Beispiel durch die„ Voce Republicana" heraus, daß die Präfekten von Cagliari und Saffari je 50 000 Lire aus der faschistischen Wahlkasse erhalten haben, welche Sendungen zum Ueberfluh noch von dem Herrn Dumini, den mit den„ eif bis zwölf Morden auf Der Lump und das Schwein. Eine deutschnational- völkische Auseinandersehung. Die Reichssturmfahne", herausgegeben vom deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Alfred Roth, brachte fürzlich folgende Briefkastennetiz: Jatöble in Hamburg Berlin: Sie wissen ja wohl, den Berräter benüßt man, aber man verachtet ihn als einen Lumpen, Hüten Sie sich, nicht allzu lumpenhaft zu scheinen, denn selbst das„ Deutsche Tageblatt" verträgt auf die Dauer solche Mitarbeiter nicht. Und was soll dann aus Ihnen werden?" " 2 Dazu ist die Partei der Nationalsozialisten da: für die Arbeiter die Phrase des Nationalismus und die Hege gegen die Demokratie, für die Agrarier, die die Menager sind, das Geschent des Hochschutzolls. Mit blödem Geheul gegen die Demokratie sollen die Wucherabsichten des Agrariertums verborgen werden. Die Freiheit" dieser Freiheitspartei besteht in der Freiheit, verdoppelten Brotpreis zu zahlen, der„ Sozialismus" in der schamlosen Ausplünderung der arbeitenden Massen zugunsten der Großagrarier. Brotwucher gehört zu den obersten völkischen Tugenden. Bürgerblockblamage in Braunschweig. Bestellung", unterzeichnet war. Behe einem solchen Prä-| zu lassen. Wenn wir nicht irren, hatte Mussolini übrigens| Industriearbeiter. Es dreht sich darum, die deutsche Deffentlichkeit feften, wenn er es wagte, eine faschistische Zeitung anzutasten; völlige und rückhalilose Klarheit über das Verbrechen und seine von der ungeheuren Blamage der Demokratie abbas legte Stündlein seiner Macht hätte geschlagen. Hat man Borgeschichte versprochen. Was will man verbergen? Was zulenten, einen neuen Agitations ft off zu finden, um tem off of und doch noch in diesen Tagen einen Unterpräfeften strafweise hat man zu verbergen? Bolte wiederum Cand in die Augen streuen zu fönnen." verjeßt, weil er es gewagt hatte, in Gegenwart eines Offiziers der faschistischen Misiz den General de Bono zu kritisieren, der wegen seines Verhaltens nach der Ermordung Matteottis von jeiner Stellung als Generaldirektor der Polizei abgelegt wor den war, aber bis heute das Generalfommando der Miliz in Händen hält. Die Präfetten gelten heute als nichts anderes denn als Werkzeuge des Faschismus. Und ihnen- nicht. wie in anderen Ländern, der richterlichen Gemalt steht es zu, eine Zeitung zu vermahnen und ihr, nach zweimaliger Vermahnung in einem Jahre, die Möglichkeit zum Weitererscheinen zu nehmen, wenn sie durch falsche oder tendenziöse Nachrichten der diplomatischen Aktion der Regierung im Auslande Schwierigkeiten bereitet, oder das nationale Ansehen im Inlande oder Auslande schädigt, oder unberechtigte Unruhe in der Bevölkerung hervorruft, oder in irgendeiner Weise die öffentliche Ordnung stört". Der Bermahnung und ihren Folgen, die auch die Beschlagnahme der betreffenden Nummer einbegreifen, seht sich ferner eine Zeitung aus, die ,, durch Artikel, Kommentare, Notizen, Titel, Illustrationen oder Karikaturen aufreizt zum Begehen von Verbrechen, oder zum Klassenhaß oder zur Nichtbefolgung der Geseze und behördlichen Berordnungen, oder die die Intereffen fremder Staaten, Gesellschaften oder Einzelpersonen zum Nachteil italienischer Interessen fördert, oder das Baterland, den König, die königliche Familie, den Papst, die Staatsreligion, die staatlichen Institutionen und Behörden beleidigt oder herabsezt". Um dem Schaden den Spott hinzuzufügen, wird als Appellationsinstanz das Ministerium des Innern festgesetzt. Die freie Meinung wird also fernerhin in Italien ihre Existenzmöglichkeit nur von dem Wohlwollen der Exekutivgewalt ableiten. Nur gegen vermeintliche Kompetenzüberschreitung oder gegen Formfehler bleibt die Berufung an die pierte Sektion des Staatsrates vorbehalten. Als erstes Opfer der Juliordonanz" Mussolinis, gegen die die Juliordonanzen Karl X. wahre Freiheitshymnen maren, ist ein Neapolitaner Wizblatt, das ABC", gefallen, dessen Karikaturen dem Präfekten nicht gefielen. Borahnend sehen wir schon den prächtigen Becco giallo" in Rom, den ,, Grünschnabel", in der ersten Woche die erste und in der zweiten die zweite Bermahnung" erfahren, um dann sein tapferes Krächzen einzustellen, solange die Raben über Italien Meister sind. Wo will man aber im Ernst hinaus? Wir fönnen doch unmöglich anehmen, daß heute die Lausbubenfreude, dem unmöglich anehmen, daß heute die Lausbubenfreude, dem Gegner und dem Konkurrenten einen Streich zu spielen, zu den schwerwiegendsten und folgenreichsten politischen Maß nahmen führt. Wen will man mundtot machen? Ein römisches Morgenblatt des Faschismus meint, es gälte denen, die sich in die Voruntersuchung des Verbrechens an Matteotti einmischen. Ja, glaubt man denn, das italienische Boll sei moralisch taub und blind, sei durch zwanzig Monate Gewaltherrschaft so jeder nationalen Würde und jedem Rechtsgefühl entfremdet, daß es gleichgültig sein fann gegen eine folche Tat, zu der die herrschende Partei die aus führenden Mörder, den Plan, das Geld und die ersten Bertuschungsversuche geliefert hat? Gthützt man im Ernst das italienische Bolt so tief ein, daß man ihm zutraut, über den unbeerdigten Leichnam Matteottis zur Tagesordnung überzugehen, weil es der Regierung un angenehm ist, weiter von dem reden zu hören, was das„ Gior nale d'Italia" eine gaffe des Fascismus" nennt? Da fann man getroft die lehte nichtfaschistische Druckerei in Italien vernichten, man wird es nicht durchsehen, daß es still wird um den Toten, der selbst als Leiche dem Fa Ichismus noch Angst ma ch t. Mussolini schicke seine Aushorcher auf die Märkte und Plätze der Hauptstadt, unter Leute, die nicht lesen und schreiben können, man wird ihm Dinge berichten, die ihn belehren fönnten, wie gefährlich es ist, die Gerüchte ohne den Zügel der öffentlichen und durch Bildung und Kentnisse berufenen Kritik frei umher schweifen Neuestes aus Schilda. Bon Karl Fischer. Ist da irgendwo im Osten Deutschlands eine große Stadt mit pielen breiten Straßen, mit grünen, schattigen und auch sonst sehr schönen Plägen. # Eine dieser Straßen heißt noch immer in Erinnerung an die große Zeit Kaiser- Wilhelm- Straße, und in der Kaiser- WlhelmStraße steht eine Bedürfnisanstalt, die besonders groß und be= sonders komfortabel ausgestattet ist. Die Stadtväter von damals dachten vielleicht, Wilhelm, der Bater des Baterlandes, der doch so gerne seine Nase in jeden Dred steckte, werde beim Besuch der Stadt auch die Bedürfnisanstalt beehren, und haben sie aus dem Grund so schön und schmuck herausgeputzt. Aber Wilhelm geruhten nicht, hier Platz zu nehmen, was übrigens für die Stadt nur von Borteil war, da man sonst für teures Gelt eine Gedächtnistafel hätte anbringen müssen, auf der das Verweilen des Landesvaters in den heiligen Hallen verewigt war. Die andern Bürger der Stadt aber und die gewöhnlichen Sterblichen lentben häufig ihre Schritte nach dem Häuschen und Derließen es in dankbarer Gesinnung und angenehm erleichtert. Nun begab es sich, daß der Stadtsäckel, wie das ja auch in andern Gemeinden vorkommen soll und woran natürlich nur Revo lution und Republik die Schuld tragen, zum Gotterbarmen schmal und schwächlich wurde. Da hörte der Kämmerer der Stadt im Osten, daß ein gefchäftstüchtiger Mann in der lebhaft begangenen Kaiser- Wilhelm- Straße einen öffentlichen Verkauf von Speiseeis etablieren und zu diesem Behuf einen Kiost auf der Straße erbauen wolle. Halt, dachte der erleuchtete Kämmerer, hier hältst du deine Hand dazwischen und leiteft auf die einfachste Weise von der Welt Geld in die Kasse. Er ließ also jenen Mann tommen und machte ihm den Vorschlag, die eine Hälfte der besonders großen und besonders schönen Bedürfnis. anstalt zu pachten und dort an die Passanten sein Speiseeis zu verfaufen. Dieser Borschlag fiel auf fruchtbaren Boden und wurde ausgeführt, indem man die eine Seite, die für die Frauen, schloß und schnell in einen Verkaufsstand umwandelte. Die Frauen entrüsteten sich darob und protestierten beim Magistrat. Sie wurden aber abgewiesen, und mit Recht! ohin sollte es auch führen, wenn der Magistrat auf die großen und fleinen Geschäfte der Frauen Rücksicht nimmt und die Geschäfte des Stadtsäckels hintenanstellt. Meint er mir oder meint er mich?" dachte J. Bucher von Bulles" Deutschem Tageblatt", setzte sich hin und schrieb eine Erflärung. Es handele sich um Dinge, die vor 12 Jahren passiert sein sollen und die nicht mehr nachzuprüfen wären. Im übrigen halte er es mit der Bauernregel: „ Wenn das Schwein sich wälzt in der Lachen, Brauchst du's ihm nicht nachzumachen!" Es scheint also, daß die beibert Herren nicht ganz einig sind. Im übrigen predigen Herr Bucher, der Lump, und Herr Roth, das Schwein, täglich die Erneuerung Deutschlands durch den völkischen Idealismus. Brotwucher oder nicht? Die Nationalsozialisten als Bundesgenossen der Agrarier. Die Schutzöllner aller Richtungen versuchen der Deffentlichkeit einzureden, daß Schußzzoll und Brotwucher nicht im Zusammenhang ständen. Sie behaupten frischweg, daß die Einführung des geplanten Hochschutzzolls überhaupt feine Brotverteuerung nach sich ziehen werde. Eine frechere Agitationslüge ist bei Bollfämpfen noch nicht in die Belt gesetzt worden. Die Wirkung des Zolls wird vielmehr eine fatastrophale Brotverteuerung sein. Die Frankfurter 3eitung" stellt feſt: Am Sonntag fand in Braunschweig die Borabstimmung für die Auflösung des braunschweigischen Landtages statt. Die Initiative dazu ist von den Deutsch nationalen, der Volkspartei, den Welfen und dem Zentrum ausgegangen. Der Bürgerblock, der sich da zusammengetan hat, erlebte aber am Sonning einen läglichen Reinfall. Nach den Bestimmungen der Berfaffung müssen von den rund 300 000 Abstimmungsberechtigten in der Borabstimmung mindestens 10 Pros., also 30 000 Stimm berechtigte, dafür stimmen, daß ein Boltsentscheid über Auflösung des Landtages herbeigeführt wird. Gestern abend zählten bürgerliche Telegraphenagenturen insgesamt 14 000 abgege bene Stimmen. Heute liegt nach einem Bericht unseres Parteiblattes in Braunschweig das Ergebnis für die Stadt Braunschweig vor. Danach hat der Bürgerblod in Braunschweig Stadt von 103 000 Stimmberechtigten gange 19000 Mann auf die Beine gebracht. 3m Lande verlief die Abstimmung noch viel kläglicher. Es wird mit einer Abstimmung zugunsten eines Bolfsentscheides von höchstens 35-40 000 Ja- Stimmen gerechnet. Danach muß der Volksenisch: id demnächst vorgenommen werden. Sollte er, was nach diesem Crgebnis der Borabstimmung nicht anzunehmen ist, die Auflösung des Bandtages aussprechen, so kann die Neuwahl doch nicht vor Anfang 1925 stattfinden, und dann hätten sowieso Neuwahlen stattzufinden Der Bürgerblock in Braunschweig hat jedenfalls bei der Abstimmung am Sonntag nicht gerade glänzend abgeschnitten. Nicht umsonst tlagt die„ Braunschweigische Landeszeitung" über die schwache Beteiligung. Der Bürgerblodgedanie hat sich eine ich were Nieders Iage geholt. Der Ausschluß von Rosi Wolfstein. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags beriet heute über Die Wiedereinführung des Bülow Tarifes von 1902 bedeutet einen Weizenzoll von 5,50 M., einen Roggenzoll von 5 M., Haferzoll von 5 M., Braugerstenzoll von 4 m. und Futtergerstenzoll von 2,80 m., wenn man die sogenannten Bertragszoll. fäße zugrunde legt. Für Getreide und nur für dieses hatte der Bülow- Tarif bekanntlich Doppelsäge, von denen der sogenannte autonome bei Weizen 7,50 M., bei den übrigen Getreidearten 7 M. betrug. Es ist bezeichnend, daß die agrarische Bresse den den Einspruch der Abg. Frau Wolfftein( Komm.) gegen ihre Vertragsfat schon heute für völlig ungenügend erklärt, Ausschließung. Der schriftlich niedergelegte Einspruch fügte der im obgleich er schon 1902 mit Recht als zu hoch bekämpft wurde. Seine Plenum gegen den Bräsidenten Leinert ausgesprochenen Beleidi wirkung auf den Preis würde heute geradezu unge- antragte trotzdem eine Milderung dahin, daß der Ausschluß nur gung eine neue Beleidigung hinzu. Präsident Leinert beheuerlich sein, denn die Angleichung an den Welt- antragte trotzdem eine Milderung dahin, daß der Ausschluß nur marktpreis, die die allgemeinen Verhältnisse in den nächsten von allen Parteien abgelehnt. Es bleibt also bei dem Ausschluß bis Ende der laufenden Woche anhalten solle. Das wurde Monaten besonders dann bringen werden, wenn die Ausfuhrsperre auf 8 Gigungstage. Da der Landing in dieser Woche in die Somfür Getreide fällt und diese wird nicht aufrecht zu erhalten fein-, merferien geht, so wird voraussichtlich erst am 26. September die würde durch den Zoll noch beschleunigt werben und es würde Frist, über die sich der Ausfluß erstreckt, ablaufen. Das hat zur dann wahrscheinlich der Zustand eintreten, Folge, daß während dieser Zeit Frau Abg. Wolfstein die Diäter und die freie Bahnfahrt periiert. daß fich z. B. der jetzige Weizenpreis binnen fürzester Frist etwa verdoppelt. Die Zollvorlage bedeutet also hundertprozentigen Brotmucher! Für diesen Anschlag haben die Agrarier die Bundes genossenschaft der Nationalsozialistischen Freis Heitspartei Das Deutsche Tageblatt" fchreibt: „ Es war ebenfalls bekannt und war zu erwarten, daß unserer Landwirtschaft wieder der so lang entbehrte und so dringend not wendige dürftige Schuß gewährt würde. Sie kannten zudem die Notlage der Landwirtschaft, und sie wissen weiter, daß durch die Einführung der geplanten Zölle eine nennens werte Brotverteuerung überhaupt gar nicht ein treten fann. Warum also dies Gefärme? Warum wird so getan, als müffe unser Bolt infolge der geplanten Schußzölle über Macht verhungern? Es dreht sich ja gar nicht irgendwie um die Gorge für das arbeitende Bolt, auch nicht um die Sorge für den Im Gegenteil! Die geniale Jdee des Kämmerers jener Stadt im Osten verdient allgemein nachgeahmt zu werden und fann mit Leichtigkeit zum Vorteil der Stadt erweitert und bedeutend verbreitert werden. Zum Beispiel liegt es nahe, in den Bedürfnisanstalten, Abteilung für Männer, eine Niederlage von Zigarren, Zigaretten und Tabaten zu errichten, die dann sicher jenes befannte Wort des Raisers Vefpafian:„ Es stinkt nicht!" als Motto führen dürfen. Oder aber man fann den Bedürfnisanstalten, die ja meistens von ein paar Sträuchern umgeben sind, ein Kaffeehaus angliedern. Die Toilettefrau ist die Wirtin, tocht den Raffee und serviert das Gebäd, wodurch man außerdem eine soziale Pflicht erfüllt und der armen Frau zu einer schönen Einnahme verhilft. Um die Gäfte diefes Kaffeehaufes vor etwaigen, unangenehmen Geräuschen zu bewahren, engagiert man eine Musikkapelle, die die „ Symphonie mit dem Bautenschlag" und andere geeignete Stücke gefühlvoll zu Gehör bringt. Bedürfnisanstalten endlich, die unter Erde liegen, also fühl und schattig sind, fönnen zur Lagerung von Bier und Wein, sowie zur Konservierung von Lebensmitteln, wie Butter, Fleisch und Wurst, im Sommer verpachtet werden. Der Ausrufer in Fortsehung. hinausgeht, sind die Fenster weit geöffnet. Es ist heiß. In meinem Arbeitszimmer, das nach dem Hof Ich size am Schreibtisch und dichte. der Welt bin ich meilenfern entrückt meine gesammelten Werke( 18 Ganzleinenbände à 5,50 M.). Feierliches Schweigen ist um mich her. Raum die Uhr wagt laut zu tiden. Doch jäh wird die Stille unterbrochen. Bom Hofe bringt stärker und stärker werdend ein entfeglicher, langgezogener Schrei zu mir, und die gequällen Ohren vernehmen: „ 2-1-0-0-0- ei- ei- ei- ei- n- 11" Ich springe auf. Am ganzen Körper fliege ich. Raum wage ich zu atmen. Was war das?... Sind die Höllengeifter los?!. Oder mordet man ein Weib ein Kind?!! Ich finde in den Stuhl zurüd. will mich sammeln, Ruhe finden. Doch vergeblich. Die Nerven zittern. Immer noch höre ich diesen iangen, wahnsinnigen Schrei:„ Lloooeieieieinn!" Ich greife zur Feder. Doch ich fann nicht weiterschreiben. Ich rufe meine Frau. Sie tommt, sieht mich ganz entsegt an und schreit: ,, Was ist los?.. Bist du frant? „ Die Stimme, Frau, den entfeglichen Laut, hast du ihn denn nicht gehört?... Man hat einen Menschen gemordet, getötet fage ich dir! Denn dieser Schrei... Was!! Du lach st?!... Mann, beruhige dich doch, warte auf die Fortsetzung." .. Warten soll ich!! Worauf?.. Was noch?... Plage mich nicht ich werde wahn„ Mann ,, Was!! tommt denn finnig..." Auf der Tagesordnung der heutigen Landtagsfihung steht als erster Bunft der Bericht des Geschäftsordnungsausschusses über den fommunistischen Antrag auf Herausgabe von Material, das bei der Durchsuchung der Räume der kommunistischen Fraktion im Land tag beschlagnahmt worden ist. Der Berichterstatter, Abg. Mufchie( Dem.). Tegt die Gründe bar, aus denen die Mehrheit des Ausschusses zur Ablehnung des tommunistischen Antrages gekommen ist. Der Ausschuß habe auch die Frage erörtert, ob der Präsident in der Lage fei, die Genehmi gung zu solchen Durchsuchungen an bestimmte Bedingungen zu knüpfen, die Ausschußmehrheit habe den Standpunkt vertreten, daß es notwendig fei, bei ähnlichen Durchführungen die Rechte des Barlaments zu wahren. Die Bezeichnung von bestimmten Teilen des be schlagnahmten Materials zur Herausgabe war deshalb nicht möglich, weil über ein Verzeichnis des beschlagnahmten Materials nur der Präsident Leinert verfügt, dem es unter der Bezeichnung„ Beheim" zugegangen ist und der sich zur Bekanntgabe des Verzeichnisses nicht für berechtigt hält.( hört, hört! und Pfuirufe bei den Kommunisten.) Da da ertönte wieder die schreckliche Stimme: „ 0-0-0Um Gottes Willen, Frau, höre auf mit dem Lachen, die Stimme tötet mich. Sie fordert mich!!... Was will fie von mir??" „ Aber Mann, beruhige dich doch!" ,, Was will sie von dir und von mir??!" e- i- a- 8-1 follft du kaufen!" L 11 Da gab ich meinen Geist auf. Re. Wie man auf ein Laubblatt photographiert. So überraschend es zunächst flingt, daß man ein Laubblatt als photographisches Kopierpapier benußen tann, so ist das Verfahren, mie in der Leipziger Illustrierten Zeitung" ausgeführt wird, doch nicht einmal besonders schwierig. Auf dem Kopierpapier entsteht die Photographie, weil in einen chemischen Prozeß hervorrufen, und genau dasselbe geschieht. den Salzen, mit denen es überzogen wurde, die Sonna strahlen. bim Laubblatt. Die Sonnenstrahlen veranlassen die grünen Chioros phyllförperchen, die im Laubblatt tätig sind, aus der Kohlensäure der Luft und dem Wasser, das ihnen die Wurzeln liefern, Stärke au bilden. Je intensiver bie Strahlen wirfen können, um so mehr Stärke wird gebildet, die durch Jodlösung blau gefärbt wird. Mi man den Versuch ausführen, so wählt man am besten ein Blatt der Kapuzinerfresse, bedeckt dieses mit Staniolpapier, durch das feine Sonnenstrahlen dringen und läßt das Blatt so noch ein bis zwei Tage an der Pflanze hängen. In diefer Zeit wird die im Blatt vorhandene Stärke verzehrt und feine neue gebildet, da die Sonnens strahlen fehlen. Am Abend des zweiten Tages entfernt man das Staniol, befestigt auf der Oberfläche des Blattes ein möglichst fons trastreiches Negativ, am besten einen Film, der sich dem Blatte an schmiegt, und setzt am nächsten Morgen das Ganze wieder der Connenbestrahlung aus. Am Abend schneidet man das Blatt ab, entfernt das Negativ und brüht das Blatt ein bis zwei Minutenlang in kochendem Wasser. Legt man es nunmehr in matme Alkohol, taucht es in eine bierbraune Jodlösung und wäscht tas Blatt zum Schluß ab, so tritt das Bild deutlich hervor, wenn auch nicht ganz so scharf, mio auf photographischem Ropierpapier. Der Versuch glückt natürlich nur bei wolfenlosem Himmel, am schönsten im Hochsommer, wenn die Strahlen am wirksamsten sind. Theater am Bülom plas, stattfindenden Vorstellungen der Operette Coffe Dewis tourde für die ab 1. August in der Boltsbühne, Geisha" für die Partie der„ Molly" verpflichtet. " Ein Watteau- Fund in Sanssouci. Bei den Wiederherstellungsarbeiten im Schloß Sanssouci bat der Kunsthistorifer E. F. Förster ein Jugendwerf Batteaus entdeckt. Es stellt eine ländliche Hochzeit dar und galt bisher fir eine Arbeit Paters, eines Nachfolgers von Watteau, Das Neußer Zeughaus als Theater. Die Stadt Neuk hat the gauge baus, das 1633 als Stirche erbaut worden ist und unter dem Schuße des Denimalsgejekes steht, jezt zu einem Theater und Stonzertsaal umgestalten podium. Das Aeußere des Baues wurde in seinem bisherigen Zustande laffen. Der ehemalige Chorraum enthält nun Bühnenraum und Stonzeits belassen. Das neue Theater hat etwa 750 Sigpläge. Auflackiertes»Königtum�. Nach dem Sturz der Monarchie wirkte es wie eins Verhöhnung der jungen Republik, daß man zunächst noch recht oft in Schrift- siücken und Stempeln von Behörden und auch in Titeln von Be- ernten die Zusätze„Kaiserlich",„Königlich" usw. fand. Dieser Skandal, der schwerlich immer nur auf Nachlässigkeit zurückzuführen wer, ist im Lauf« der Zeit sehr viel seltener geworden, und heul« kommt er nur noch in vereinzclten Fällen vor. Um so größeres ufsehen muß es erregen, wenn im sechsten Jahr der Republik rand den Zusatz„Königlich" sogar wieder frisch auflackiert. In ürstenwald« an der Spree hat der Inhaber der am Markt icgenen Apotheke aus diese Weise das„Königtum" erneuert. irber seiner Lodentür hängen zwei alte Firmenschilder, und auf z dem steht die herkömmliche Bezeichnung„Königl. priv. Apotheke", mit weißer Farbe auf schwarzem Grund gemalt. Bei den Buch- saoen der Wörter„priv. Apotheke" ist die Farbe durch den Staub und Schmutz vieler Jahre getrübt, aber in schneeigem Weiß leuchtet weithin das Wort„König l.", das ganz irischaus dem Pinsel des Malers hervorgegangen ; st. Die alte Bezeichnung„Königlich privilegiert" hatte längst keine Bedeutung mehr, und schon vor dem Sturz der Monarchie war sie b.rflüssig. Wenn sie aber jetzt, im sechsten Jahr der Republik, dieser Weise erneuert wird, so muß das wie eine auf- reizend« Herausforderung wirken. Wahrscheinlich wird man dem Inhaber der„Königl. priv. Apotheke" mit keinem Gesetz, auch nicht mit dem Gesetz zum Schutz der Republik, beitommen können, weil er sich ja darauf berufen kann, daß die Apotheke im Jahre 1740 tatsächlich„Königlich privilegiert" worden ist. Aber die Apotheker bedürfen zur Eröffnung ihrer Betriebe auch heu!« noch der staatlichen Genehmigung und ihre Betriebe stehen dauernd unter staatlicher Aufsicht, so daß man einen Apotheker nicht mit jedem beliebigen Eeschästsmann vergleichen kann. Die Aufsicht soll in erster Linie die Befolgung aller für den Apotheken- betrieb gegebenen Vorschriften sichern, doch sehen wir kein Hindernis, sich auch um die Reklamemittcl eines Apothekers zu kümmern, und zu ihnen gehört auch das Firmenschild. Wir glauben nicht, daß in den Zeiten der Monarchie einem Apotheker irgend etwas an seiner Ladenfront erlaubt worden wäre, was nach dem äußeren Eindruck wie eine Demonstration für die Republik aus- sehen konnte._ »wertlose Scheine''. Und was Gauner aus ihnen machten. Bei einem verdächtigen Handel mit nicht entwerteten Brief- warten. Wechselsteuern, arten usw. wurde im Februar d. I. ein ge- wisser Isaak Kohn festgenommen. Er verstand es, sich heraus- zureden. Man mußt» ihn entlasten, weil ihm eine strafbare Hand- lnng nicht nachgewiesen werden konnte. Die Kriminalpostdienststelle ebcr beobachtete ihn heimlich weiter und kam so sortgesetzten Dieb stählen bei der Vernichtungs stelle der Reichs. dank auf die Spur. Hier war ein 61 Jahre alter Angestellter T ü r k w i tz an der Vernichtungsmoschine beschäftigt. Dieser nahm, wie er jetzt zuge- geben hat, seit Weihnachten o. I. trotz der Aufticht wöchentlich etwa zweimal größere oder kleinere Mengen Marken. Fehldruck«, die ver- nichtet werden sollten, mit nach Hause. Er dachte sich auch nichts dabei und gab die Sachen nur zum Spielen feinem kleinen Enkel. Sein Sohn Karl aber, der Vater dieses Enkels, glaubte diese Sachen noch für Sammler verwerten zu können. Er nahm sie jedesmal seinem Söhnchen wieder ab, suchte Abnehmer und fand einen in einem gewissen„Bolle-Max", den er auf einer Suche ig. einem berüchtigten Quartier in der Linienstraße traf. Dieser trat mit einem gewissen Swenska, einem wiederholt vorbe- !! rasten Menschen, in Verbindung, der jetzt das Haupt der Gesell- -ebost wurde. Swenska drängt«„Bolle-Max" und dieser«neder den jungen T ü r k w i tz, immer neue Marken zu liefern. Als Ab- rehmn und Weitervertreiber kamen nach und nach noch andere hinzu. ohne daß einer vom anderen etwas wußte. Der junge Türtwitz erhielt von feinen Käufern nur sehr wenig, der Alte bekam gar nichts. Auch„Bolle-Max" wurde wiederholt gründlich hinein- aelegt. An Kohn hatte er in einem Posten für 30 000 M. ver- schieden« Marken geliefert, als dieser festgenommen wurde. Nach seiner Entlassung spiegelte ihm Kohn vor, man habe ihm„oben den ganzen Posten abgenommen, und so erhielt„Bolle-Max" dies- mal'nicht einen Pfennig. Die Gesellschaft versucht«, die Marken s.'aar bei der Post zu Geld zu machen, hatte damit aber keinen Erfolg, weil die Post keine Marken zurücktaust. Eine Per- üner Großbank dagegen blieb auf einem Posten sitzen, den sie gut- r öufcig abnahm. Kohn versuchte den Absatz wiederholt mit Erfolg auch bei Juwelieren, bei denen er Brillantringe, Schlipsnadeln und d'rqieichen kaufte. Er gab die Marken in Zahlung oder als Unter« p-and für«inen Betrag, den er nachzubringen versprach. Die gut- gläubigen Juweliere versuchten dann die Marken wieder zu Geld ku machen und wurden so auch in die Untersuchung verwickelt. Der alte Türtwitz hakte einmal auch einen Posten Zehn- Rentenmork-Schein«, die vernichtet werden sollten, einge- steckt und seinem Enkel geschenkt. Auch diese kamen in die Hände von„Bolle-Max". Weil er sich nicht traute, sie so auszugeben. lo verbrannte er 24 Stück bis auf einen Rest mit der Nummer und d» Wertzahl. Mit diesem Posten ging er zur Renten- b a n k erzählte einen ganzen Roman von einem Mißgc- schick'bei dem ihm die Scheine verbrannt seien und glaubte be- stimmt dafür Ersatz zu bekommen, statt dessen wurde er fest- genammen�il es Verdacht erregte daß 24 Scheine ,° schön verbrannt sein sollten, daß aerade nur noch tue Haupt- scrfK übrig geblieben war. Auch eine Menge Preuhennotcn. zu 5 Gold mark, die niemals ausgegeben worden si"� kamen durch diese Bande in den Verkehr. Mit einem Posten Flugpost. marken fuhren Kohn und Swenska nach Hamburg. Em Berliner Kriminalbeamter, der ihnen auf die Spur gekommen war, folgte ibnen. Er ermittelte Swenska in einem Lokal, ln dem er fa*) Jn Gesellschaft von gewissen Mädchen gerade schwer betrunken hatte, nahm ihn fest und brachte ihn nach Berlin. Er hatte die Marken in Wechselstuben und Geschäftshäusern beretts zu Geld gemacht una den ganzen Erlös mit den Madehen durchgebrachd Die Spur Kohn s ging in Hamburg verlor�,. Er war. wie sich sitzt ergab, gleich nach Dresden gewh�n. um dort Abnehmer zu suchen. Nachdem er das Geld durchgebrocht hatte, kehrt««r nach Berlin zurück und handelte mit Flugposimaaen zu 3 Mark und Wechselsteuermarken zu 200 M. wieder m der Fnedrichstrage. Hier wurde er von einem Kriminalbeamten überrascht und«bensaus verhaftet. Im qanzen wurden elf Personen dem Untersuchung�- richter vorgeführt.- Der alte Türkwitz wurde wieder entlassen. Bei der Dernichtungsstelle wurde im April d. I. ein neues Verfahren eingerichtet, das eine Wiederholung derartiger_oorfommmste aus. schließt. Geschäftsleute, die noch in gutem Glauben erw�bene Preußennoten zu S Goldmar, besitzen, können sich bei der Kriminalpostdienststelle in der Könizstraße melden. Das Güteverfahre». Bei allen Sroß-Berliner Mietgerichten iAmtsgeinchien) ist jetzt das se>genannte Güteverfahren eingerichtet. Wird aus Aus- Hebung des Mietoerhälmistes geklagt, so setzt das Gericht einen Ter- min zur Güteoerhandlung an. Die Parteien werden wie sonst ge- laden. Es findet aber keine Beweisaufnahme statt. Der Richter redet im Beisem der Mietschöffen eindringlich zum Vergleich zu. m fs 0'c''e Stöger und auch viel« Rechtsanwälte so unsozial, den Vergleich abzulehnen, selbst wenn die etwa rückständige Miete auf den Tisch gelegt wird. Sie bringen dann noch alle möglichen anderen Dinge, meist Bagatellen, zur Sprache, die eine„Belästigung" dar- stellen sollen, um aus diese Weise einen unbequemen Mieter aus der Wohnung zutreiben. Scheitert der Gut sausgleich, so kann sofort mit Beweisaufnahme wsiterverhandslt wer- den, wenn der Kläger einen neuen Kostenvorschuß, gewöhnlich in Höhe von drei Goldmark, in Form einer Kostenmark-e zahlt. Bar- geld wird im Gerichtssaal nicht angenommen. Ist der Kläger, also unter Umstünden auch der gegen einen Untermieter klagend« Haupt- mieter. nicht mit Kostenmarken versehen, so wird ein neuer Termin nach Zahlung des Kostsnvorschustes von Amts wegen anberaumt. Teilbeträge der Miete braucht der Vermieter nicht anzunehmen. Bei der herrschenden Geldnot wird es natürlich jeder vernünftig denkende Vermieter tun. Dar Mieter kann sogar noch in der Berufungsinstanz die rückständigen Mietbeträge zahlen und damit die Klage zur Abweisung bringen. Er muß dann allerdings die gesamten Kosten des Rechtsstreites zahlm. Der NaharSt-prozeß vor feinem Abschluß. Nach IStägiger Verhandlung, die während der letzten 5 Wochen vor dem Erweiterten Schöffengericht Mit'e unter Vorsitz von Land- gerichtsdirektor Dr. Schultze stattfand, nähert sich jetzt der Prozeß gegen den früheren Präsidenten der Berliner Handwerkskammer und Ehrenobermeister Karl Rahardt, dessen Sohn und mehrere weitere Angeklagt« dem Abschluß. In den letzten Tagen wurden noch zahlreiche Zeugen über die Zustände auf der Danziger R e i ch s we r f t vernommen. Es wurde geschildert, daß eine Reihe von sogenannten Wersthyänen am Werke waren, um die Hecresgüter zu verschieban. Die Rechisanwälte Dr. Roetter und Dr. Nauenberg suchten durch Gegenzeugen nachzuweisen, daß die Angeklagten an diesen Räubereien unbeteiligt waren und daß die Anklage ihnen all das, was an Unredlichkeiten in Danzig vorgegangen ist, zu unrecht in die Schub« schiebe. Heute wurden noch die letzten Sachverständigen zu dem Punkt Preistreiberei vernommen. Voraussichtlich wird Staatsanwalt Dr. Kußmann morgen früh mit der Vertretung der Anklage beginnen. Die Schlußausführungen der Ver- teidiger werden sich daran schließen und es ist am Ende der Woche mit dem Urteil zu rechnen. Beginn der Gerichtsferien. Am heutigen Tage haben die Gerichtsferien begonnen, die vom 13. Juli bis 13. September dauern. Wie auch in stüheren Jahren sind auch nach der Neuordnung der Justiz und dem Abbau wiederum«in« Reihe von Strafabteilungen eingerichtet worden, so- wohl bei den Strafkammern als Berufungsinstanz als auch bei den Schöffengerichten. Hier werden die dringenden Fälle, insbesondere Haftsachen zur Aburteilung gebracht werden. Die Schwurgerichte tagen während der Ferien nicht Größer sind die Einschränkungen bei den Schöffengerichten, bei denen nur ganz dringende Klage- fachen, wie Wechselklagen und einstweilige Verfügungen während der Ferien zur Erledigung gelangen. Das Dezerna! für den Vieh- und Schlachlhos, dos bisher Stadtrat Busch inne hotte, ist dem Genossen Stadtrat Schöning übergeben rrorden. Das Dezernat für die städtischen Markthallen, das städtische Grundeigentum, hat Stadtrat Busch behalten. SO llahre alt und 56 Zahre in der Parle!. Genosse Frar.z Kleber, Berlin N., Stettiner Straße 46, begeht morgen, Mittwoch, seinen 80. Geburtstag. Bereits feit 1868 gehört Genosse Kleber der Partei an. Der wackere Parteigenosse lebt in dürftigen Per- Hältnissen. Ein recht gefährlicher Brand beschäftigte die Tempelhoser Feuer- wehr in der Gottlieb-Dunckelstraße in Tempelhof. Sie mußt« mit mehreren Schlauchleitungen kräftig löschen, um des Feuers, das reiche Nahrung gefunden hatte, Herr zu werden. Entstanden ist der Brand vermullich durch Funkenflug. D>« ZNesserstecherei, der in der Liebigstraße zwei Taub- stumme zum Opfer fielen, ist jetzt weiter geklärt. Der Schont- wirt Wilke hatte den Beamten zwei Btesser gezeigt, mit denen die Stiche unmöglich ausgeführt sein konnten, und behauptet, daß er andre nicht besitze. Bei einer nochmaligen genauen Untersuchung der Räume fand man jedoch endlich das Messer, mit dem die beiden Taubstumimen erstochen worden sind, in einem Schutthaufen i m K e l l e r. Es ist ein Brotmesser, das der Sohn Wilkes selbst gemacht hat Die Tochter Wilkes hatte zunächst vor, dieses Messer, das die Familie schwer belastet, zu verbrennen, es dann aber unter den Schult versteckt. Wilke und sein Sohn werden dem Unter- suchungsrichter vorgeführt, ebenso von der anderen Seite der Taub- stumm« Bernhard, der aus dem Krankenhaus schon wieder entlassen werden tonnte. Bergnnsall eines Potsdamer Rechtsanwalts. Zwei Deutsche unternahmen, wie uns aus Appenzell mitgeteilt wird, eine Be- steigung des„Alten Mannes". Beim Abstieg glitt Rechtsanwalt Dr. Rotschild-Potsdam aus und fiel in ein« Felsspalte. Ein« Rettungskolonne machte sich an die Arbeit, ihr« Versuche blieben jedoch ohne Erfolg, da Dr. Rotschild mit einem Seil heraufgezogen werden muh, was eine äußerst mühsame Arbeit ist. Am Montag gegen naehinitag war der Verunglückte noch am Leben. M»WWWW. MW richtet werden. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Eine brovne Zellbahn veiloren! Aus der Sonnenwendseier der S o z. A r b.- I u g e n d hat die Abteilung Luisen st adt eine braune Zeltbahn verloren. Der ehrliche Finder wird gebeten, diese im Jugendsetretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof links, II Treppen, abzu- liejern._ Weitere Vernehmung Haarmanns. Eine amtliche Darstellung. Der Massenmörder Haarmann ist auch am Sonntag wieder bis in die Nacht hinein vernommen worden. Identifiziert wurden dabei neuer- dings der Falleineszweiten Berliners. Es handelt sich um den Sohn eines Berliner Gastwirts, der etwa im Februar-Mürz 1922«in Opfer Haarmanns geworden ist. Dafür, daß Haarmann mit Menschensleisch gehandelt har, hat sich bisher nicht der geringste Anhaltspunkt ergeben. Es ist dagegen einwandssrei festgestellt, daß er mit Kaninchen-, Ziegen-, Pferde., Hühner- und Hundefleisch Handel getrieben hat. welches er zu billigem Preise ver- kaufte. Der Schlächter, von dem cr das Fleisch angeblich so billig erhielt, konnte noch nicht ermittelt werden. Die Beziehungen, die Haarmann zu dem Schlächter hatte, haben sich End« v. I gelockert. Der Fleischliandel Haarmanns ließ seitdem auch noch. Dia Tel-Union verbreitet eine längere amtliche Darstellung des Falles Lzaarmann, in der sie sich gegen„durchaus falsch« bzw. auf Kombinationen beruhende Berichte" wendet. Wir kommen nech darauf zurück. vier Personen beim Raden erirunken. Beim Baden in den Wedauseen bei Duisburg sind vier Personen ertrunken, darunter ein Familienvater. In einer großen Zahl von weiteren Fällen gerieten badend« Personen in Lebensgefahr, konnten aber noch gerettet werden. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Aujheiterung und am Tage Erwärmung, schwache Lustbewegung. Veuljchlavd: Im Nordosten noch ziemlich lühl und wolkig, sonst allge- mein heiteres, am Tage wärmeres Wetter. i Groß-Serlmer Partemachrichten. R2. Abt. Steglitz. Sie Milglied-rversammlung am Mittwoch füllt ans Zungsozialisten. Gruppe Zempelhof-M-riendori- Heute. Stenswa, TV, Uht! im Jugendheim Tempelhof, Serwaniastr. t/S, Bortrag des Gen. Möckel. GewerMQlwbewegung Oie Rückkehr mit Hindernissen. Die„Rote Fahne" hat endlich die Sprache wiedergefunden ange> sichts des Beschlusses des Moskauer Kongresses, der„die Ent. fachung der Austrittsbewegung" aus den Gewerkschaften durch die Schumacher und Genossen verurteilt. Sie gibt einen langen und gewundenen Kommentar zu dem Beschluß. Zunächsi erzählt sie. im Gegensatz zu den Feststellungen des Moskauer Kon- greffes. die Geschichte der Spaltung nach ihrer Art. Dann druckt sie den Beschluß nochmals ab und fügt hinzu: Hier gibt es keine Auslegungskünsts und keine verschiedenen Deutungen mehr. Zurück in die Gewerkschaften! ruft der Kongreß allen Kommumsten. allen revolutionäre,! Arbeitern zu. Und wii wissen, es gibt keinen Kommunisten, der sich dieser Entscheidung widersetzen wird. Der einfache Leser wird nun annehmen, daß sich für alle deutschen Kommunisten die selbstverständliche Pflicht ergibt, ohne weiteres wieder in die Gewerkschaften einzutreten. Die„Rote Fahne" fährt jedoch fort: Was nun mit den selbständigen Verbänden, mit den vielen selbständigen, von den Amsterdamern abgespaltenen und ausgeschlossenen O r t s g r u pp e n? So werden Taufende von Genossen fragen. Es ist ganz selbstverständlich, daß dies« Gruppen und Verbände nicht einfachausgelöst werden. und'daß die Mitglieder wie eine Herl« Schaf« auseinanderlaufen lind sich wieder einzeln den Amsterdamer Verbänden anschließen. Was der Kongrcßbeschluß vielmehr bezweckt, ist, daß die Ten- Venz in diesen Verbänden sein muß: die denkbar schnellst« Vereinigung mit den alten Gewerkschaften und die Herstellung einer geschlossenen gewerkschaftlichen Front, wo es irgend nur möglich ist. Das schließt nicht aus, daß sie vorläufig noch alles daransetzen. Unorganisierte in ihre Reihen aufzunehmen, Zweck darf aber nicht sein, damit den weiteren Ausbau eigener und neuer Verbände zu fördern, sondern ausschließlicher Zweck dieser A g itation und Organisierung der Unorganisierten muß sein, sie auf diesem Wege in die alten Gewerkschaften zu überführen. Bei der Durchführung dieser Linie wird die deutsche Partei schwere Wider st ände zu überwinden haben, aber sie müssen überwunden werden, denn«s ist der einzige Weg, um gemäß dem Kongreßbeschluß die gewerkschaftliche Einheit wieder herzustellen und den revolutionären Einfluß in den alten Gewerk- schaften so zu stärken, daß dies« nicht mehr zu Hilfsorganen für das Kapital verwendet werden können, sondern zu revolutionären Klassenorganen des Proletariats umgestaltet werden. Also die Rückkehr in die Gewerkschaften wird so vollzogen, daß die abgespaltenen Organisatiönchen lustig weiter bestehen,. neue Mitglieder aufnehmen, soweit sich welche finden sollten. Wenn dann auf diesem Wege die viel gerühmte Einheitsfronl nicht herzustellen ist, dann wird man die Schuld selbstverständlich den „Amsterdamer Verrätern" zuschieben. .Wie diese„Rückkehr" in die Gewerkschaften gedacht ist, geht aui einem Berichte über den Bezirkstag der Union der Hand- und Kopfarbeiter hervor, der in derselben Nummer der„Roten Fahne" abgedruckt ist. Von einer etwaigen Auflösung de» Union oder dem Uebertritt der Mitglieder in die Gewerischaften isj feine Rede. Dagegen sind eine Reihe Beschlüsse gefaßt worden; die den Ausbau der Union zum Ziel haben. Es ist nicht unser« Sache, über die Ausführung der Beschlüsse der kommunistischen Inten nationale durch die KPD. zu wachen. Wir stellen die Tatsachen ledig« lich zu dem Zweck fest, allen Arbeitern aufzuzeigen, w o nach steig. Eingeständnis der Kommunisten selbst die Gewerk schafts« s palter sich befinden. Im übrigen sind wir überzeugt, daß die kommunistischen G«, werkschaftsgründungen infolge ihrer Unfähigkeit, die Interessen de« Arbeiterschaft wahrzunehmen, unweigerlich dem Verfall geweiht sind. Aus dem Bericht der Berlin-Brandenburger Union geht z. B. hervor, daß dies« kommunistische Organisation an 73 Streiks bzw. Lohn- bewegungen„beteiligt" war. Das soll wohl heißen, daß bei Kämpfen; die von den Gewerkschaften geführt wurden, auch Mitglieder de« Union beteiligt waren. Der Bericht verschweigt aber wohlweislich, wieviel Kämpfe die Union selbst geführt hat und welches R e s u l« t a t dabei für die Arbeiterschaft erzielt worden ist. Die kommunistischen Organisationen sind nur imstande, hinter den Wagen der freien Gewerkschaften schimpfend herzulaufen, aber sie sind außerstande, irgendwie selbständig erfolgreiche Kämpfe zu führen. Bisher haben sie sich mit Hisse der Unterstützung von Moskau künstlich am Leben erhalten können. Wenn diese Unterstützung aus- bleiben sollt«, was man nach dem Beschluß des Weltkongresses an- nehmen darf, dann wird der Auflösungsprozeß ganz von selbst kommen. Allerdings werden dann, wie die„Rote Fahne" sagt, die Mitglieder wie eine Herd« Schafe auseinanderlaufen. Sie werden zum großen Teil' sich von der Organisationspflicht drücken. Abel! das ist offenbar die geringst« Sorge der KPD. tau flrbeitsMkampf in See chemischen?nöussrie. Auf dem Papier S, in Wirklichkeit 10 Stunden. In der chemischen Industrie ist das bisherige Arbeitszeitabkom« m«n von den Arbeitnehmern zum 31. d. M. gekündigt worden. Die bisher gepflogenen Verhandlungen brachten als Ergebnis einen Vermitllungsoorschlag, der die regelmäßige täglich« Arbeitszeit auf 8 Stunden festfetzte, dann ober mit Rücksicht auf die„bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse" eine Verlängerung der Ar« b-eitszeit auf 9 Stunden und. nach Zustimmung der tarif« bezirklichen Organisationen, sogar auf 10 Stunden zuläßt. Dabei sollten dann weder die neunte noch die zehnte Stunde als Ueberstuirde bezahlt werden. Der Einigungsvorschlag enthält ferner die Bestimmung, daß in Streitfällen die bestehende paritätische Zentralstelle entscheidet. Kommt hier eine Einigung auch nicht zu- stände, sollen Unparteiische herangezogen werden, die möglichenveise sogar vom Reichsarbeitsminister zu bestellen sind. Von Bedeutung ist in diesem.„Einigungsoorfchlag" auch die Bestimmung über die W a s ch z e i t. Bezahlte Waschzeiten während der Arbeitszeit sollen gänzlich abgeschafft werden, doch soll dort, wo Waschzeit infolge der schmutzigen Arbeit angebracht erscheint, ein« bestimmte Zeit nach der Slrbeltszeit als Waschzeit bezahlt werden können. Der Einigungs- Vorschlag zeigt hier also das größte Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Arbeitgeber. Zur Urlaubsfrage bestimmt der Vorschlag, daß grund- sätzlich jeder Arbeitnehmer nach«injähriger ununterbrochener Be« schäftigung im Betriebs Urlaub zu beanspruchen hat. Die Ensschädi« gung beträgt für den Urlaubstag soviel mal den Stundenlohn, als Stunden am Tage gearbeitet werften. Offenbar soll mit dieser Be« siimmung den Arbeitern die Verlängerung der Arbeitszeit schmackhaft gemacht werden. Das Abkommen sollte nach seiner Annahme zum 31. März 1923 erstmalig kündbar fein. In einer Funktionärkonferenz für das Chemiekartell wurde nach einem Bericht, den Poch vom Fabrikarbeiterverband gab, lebhast über den Einigungsvorschlag diskutiert. Alle Redner waren sich üt der Ablehnung einig. Schließlich schloß sich die Bersammlung dem Borschlage des Kartells an, das bas Abkommen ablehnt und es gleichzeitig für unmöglich erklärt, durch eine freie Bereinbarung zwischen den Organisationen zu einer Regelung der Arbeitszeitfrage im Sinne der Arbeitnehmer zu kommen. Den Arbeitgebern wird es anheimgestellt, noch einmal die Schlichtungsinstanzen anzurufen. daß der Portier I. seinen Bosten vor der Tür verlassen hatte. Der Portier X. wurde natürlich vom Herrn Generaldirektor entlaffen. Die Sache fam vor das Gewerbegericht und dieses Gericht Bortier X. genau wie jeder andere ein Mensch sei und auch einmal tam, wie wir feinerzeit berichteten, zu der Ueberzeugung, daß der feine Notdurft verrichten muß. Da das natürlich nicht vor dem Portal des Cafés geschehen fann, mußte fich der Bortier nach einem verschwiegenen Dertdjen begeben. Die Hotelbetriebsaktiengesellschaft Ronrad Uhl wurde zur Wiedereinstellung verurteilt. Die Gesellschaft lehnte jedoch eine Weiterbeschäftigung ab. Nunmehr mußte sie an den Portier 802 M. bezahlen. Da die Hotelbe Vertriebsaktiengesellschaft Konrad u hl diese 802 m. nicht freiwillig zahlte, hat ein Gerichtsvollzieher fräftig nachgeholfen, indem er den großen Geldschrank pfändete. Der Lohnstreit bei der Omnibusgesellschaft. Daß die Berliner Omnibusgesellschaft zu den reaktionärsten fehrsunternehmungen gehört, bewies sie am legten Sonnabend in den Verhandlungen mit dem Verkehrsbund über eine neue Lohnregelung. Die bisherigen Löhne der Omnibusangestellten, Fahrer, Schaffner und Handwerfer, sind fünstlich niedrig gehalten. Dazu tommt noch eine 9½stündige Arbeitszeit. Diese wird durch die augenblickliche Eigenart des Betriebes noch verlängert. Die Fahr: zeiten sind äußerst Inapp bemessen, so daß die Omnibusse im Eiltempo die Straßen durchfahren müssen. Da ber Schaffner auch die Decfitze zu bedienen hat, gibt es alle Hände voll zu tun, um jeden Fahrgast zu taffieren. Der Verkehrsbund beantragte eine 20prozentige Lohnerhöhung für das Gesamtpersonal. Die Vertreter der DAG. erklärten, daß nur für die älteren Fahrer eine kleine Lohnerhöhung in Frage femmen fann; an eine Lohnaufbesserung der Schaffner und Handwerfer fei nicht zu denken. Die Omnibusgesellschaft begründete ihren Standpunkt damit, daß sie den Fahrtarif nicht erhöhen kann, und daß die Zahl der Fahrgäste abgenommen hätte. Zu einer Einigang ist es nicht gefommen. Die Lohnverhandiungen werden diese Woche Donnerstag vor dem Schlichtungsaus schuß forto jetzt. Bom Urteil des Schlichtungsausschusses wird es abhängen, ob der Friede in den Omnibusbetrieben gewahrt bleibt oder nicht. Jedenfalls wird der Berkehrsbund alles daran sezen, um mit allen zulässigen gewerkschaftlichen Mitteln die bescheidenen Forderungen durchzusehen. Wie man umlernt. Der Herr Generaldirektor Zipsch üz hatte eines Tages das Bedürfnis, seinem großen Personal zu zeigen, daß„ ER" der Herr im Hause ist. Er begab sich nach dem Café Bauer und stellte feft, hinauszuwerfen, weil er angeblich im Dienst geraucht hat. Auch hier Auch ein anderer Direktor hatte das Bedürfnis, einen Kellner Entschädigung. Inzwischen hatte die Leitung der Hotel- A.- G. entschied das Gewerbegericht auf Wiedereinstellung und soviel aus dem ersten Prozeß gelernt, daß sie den hinausgeworfenen verband der Hotel-, Restaurant- und Café- Angestellten vertreten. Kellner sofort wieder einstellte. Die Kläger wurden vom ZentralLohnabkommen der Glaser. Eine Mitgliederversammlung der Glaser beschäftigte sich am Montag mit dem Ergebnis der Lohnverhandlungen. Fachgruppen leiter Purfürst berichtete, daß die Unternehmer einen Stundenlohn sen 90 Pf. bewilligen. Demnach beträgt die Lohnerhöhung 5 Pf. pro Stunde. Ueber die Geltungsdauer des Lohntarifes gab es in der Verhandlung große Meinungsverschiedenheiten. einigten sich die Parteien dahin, daß die neuen Löhne ab 11. Juli zu zahlen sind und vorläufig bis zum 30. September gelten. Die Versammlung erklärte sich unter den gegenwärtigen Berhältnissen mit dem Resultat einverstanden. Schließlich Achtung, Baudelegierte! Mittwoch nachmittag 5 Uhr in den Residenz- Feitfälen, Landsberger Str. 31, Baudelegiertenbersammlung aller im Hochs, Tiefund Betonbaugewerbe beschäftigten Mitglieder des Baugewerksbundes. Unbe dingtes und pünktliches Erscheinen eines jeden ift Pflicht. Berbandsbuch und Delegiertentarte find am Gaaleingang vorzuzeigen; ohne diese kein Zutritt. Der Vereinsvorstand. Aus der Partei. Alte Parteifahnen. Die Lübecker Genossen schreiben uns: Auch die Lübeder Parteiorganisation ist im Befize einer Fahne aus dem Jahre 1877. Von den Genossinnen der damaligen Zeit gestiftet, hat auch unsere Fahne ihre Geschichte. Wie in Flensburg war auch die republikanische" Hanseatenpolizei während des Sozialistengesetzes scharf auf die Fahne der Lübecker Sozialdemokratie. Doch unsere Genossen, unter Führung des verstorbenen Genossen Theodor Schwarz, waren schneller. In einem wasserdichten Behälter wurde die Fahne in der WatePolizeistil zu sprechen, in sicheren Gewahrsam genommen. Also auch nig versenkt. Nach Wochen wieder hervorgeholt und, um in 55jähriges Fahnenjubiläum haben. der sozialdemokratische Verein Lübeck wird im Jahre 1927 sein Geschäftliche Mitteilungen. Besonders billige Schuhwaren bringt das bekannte Großdetail- Schuhlokal Behrndt, Münzftr. 25, mit feinen Filialen Rottbuser Damm 13 und Frankfurter Allee 54. Diese Firma hat ein besonders großes Lager und hat es sich zur Aufgabe gemacht, gute Schuhe für billiges Geld zit liefern. Wir verweisen daher auf das heutige Inserat der Firma. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Bis auf weiteres gebe ich meiner werten RundReinwollene schwere Strickwesten 8.75 Strickjacken, lange 17.Qualitätsware solange Vorrat. 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