Nr. 330 41.Jahegang Ausgabe A nr. 169 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und geit" mit ,, Gied. Tung und Kleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpretje: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 4.- Goldmark. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, icdes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Die freigewerkschaftlichen Spizen- gründung des Gefeßentwurfs zu ergänzen und zu vertiefen. verbände waren durch die Genoffen Graßmann und Knoll vom Bei der Mehrzahl der Ausschußmitglieder selbst fand deshalb das ADGB., Stähr und Heinig vom AfA- Bund vertreten. Der Drängen der Regierung, die Borlage, die nur ein Bruchstück ist und Wortführer der Christlichen Gewerkschaften war Baltrusch, der ten wirtschaftlichen Interessen des Reiches nicht Rechnung trägt, möglichst schnell unter Dach und Fach zu bringen, wenig Gegenliebe. Unter dem Eindrud der Getreidepreis hausse wurde die Auffassung vertreten, erst abzuwarten, wie fich die von Herrn Kaniz stattgegebene freie Getreideausfuhr weiter auf die Preise und die Lage der Landwirtschaft auswirti, da man sich auch sonst von den Zollvorschlägen feine schnelle und wirkliche Hilfe für die Landwirtschaft verspreche. Dazu verschloß man sich nicht der Tatsache, daß bei Infrafttreten der Vorlage automatisch weitere Maßnahmen auf jozialpolitischem Gebiete nötig werden. Der Reichsernährungsminister eröffnete die Sizung mit einer ausführlichen, sehr ernsthaft untersuchenden Darstellung der Lage der Landwirtschaft. Die Ernährungsmittellage biete an sich Beinen Grund zur Besorgnis, dagegen sei die allgemeine Lage Der deutschen Landwirtschaft außerordentlich bedenklich. Graf Kanik trug dann die bekannten Argumente vor, die von denen her.uzt werden, die feinen anderen Weg für die Gesundung der Landwirtschaft kennen, als die Schaffung von Schutzöllen. Er unterstrich dabei, daß es sich nicht um die Neueinführung von Schutzöllen, sondern um Wiederherstellung der Zustände vor dem Kriege handelt. Das sei schon deswegen notwendig, weil inzwischen die Industrie ihre Schußzölle schon wiedererhalten habe. Der Sprecher des ADGB. Graßmann unterstrich, daß es ohne die Bewilligung der städtischen Bevölkerung in Deutschland feine Schutzölle geben werde. Die städtische Bevölkerung sei in der Mehr3 heit in Deutschland, auf deren Kosten förme fich eine Minderheit feine Sondervorteile verschaffen. Recht deutlich unterstrich Graß mann, daß die von christlich- nationaler Gewerkschaftsfeite in der re= aftionären Bresse veröffentlichte Darstellung, daß die freien Gewert schaften aus politischen Gründen gegen die Schutzölle feien, eine unanständige Demagogie wäre. Sachlich betrachtet lägen doch die Verhältnisse heute so, daß die Arbeitnehmer durch die 2ohnsteuer und die sonstigen. Vorbelastungen ihres Einkommens fogar nach den Berechnungen des Reichsarbeitsministers Brauns mit 16 bis 18 Pro3. erfaßt würden. Wenn man auch nur in Betracht ziehe, daß heute viele fleinen Bost- und Eisenbahnbeamten als Fa milienväter trotz aller sozialen Zulagen mit wöchentlich 17 M. Einfommen leben müßten, so sei damit schon das Urteil über die Schutzölle, für die die Gewerkschaften nicht zu haben feien, ge= sprochen. Der Landwirtschaft fönne auf anderen Wegen, soweit fie wirklich Not leidet, besser und nachhaltiger geholfen werden. Eine Ueberraschung bot die Rede des Vertreters der Christlichen Gewerkschaften Baltrusch, der schon bei seiner Stellungnahme im Reichswirtschaftsrat einige Berwunderung erregte. Beltrusch behauptete nicht nur, daß die industrielle Entwicklung Deutschlands seit den siebziger Jahren durch die Wandlung zur Schutzollpolitik ermöglichst worden sei. Er betonte auch. daß heute die Landwirtschaft nur durch Schutzölle wieder aufzublühen vermöge. Anders stehe es mit der Einfuhr von Gefrierfleisch und Büchsenfleisch. hier würde auch die Industrie gegen Schutzölle Einspruch, erheben, ebenso wie die Chriftlichen Gewerkschaften. Dann deutete er weiter an, daß die Landwirtschaft gegenüber den sozialpolitischen Forderungen der Arbeitnehmer zunehmend geringeres Berständnis zeigt. Es wäre zu hoffen, daß sie jetzt, wenn in Arbeitnehmertreisen Stimmung für Schutzölle, um der Landwirtschaft zu helfen, vorhanden sei, den Arbeitnehmern in sozialpolitischen Fragen mehr entgegenkommen würde. Als Vertreter des AfA- Bundes sprach einig, der die Irrtümer Baltruschs richtig stellte und an einer ganzen Reihe Einzelheiten nachwies, daß die von der Reichsregierung beabsichtigte Zollpolitik der Landwirtschaft gar nicht helfen werde. Wir brauchten die Entwicklung der Landwirtschaft zur Qualitätsproduktion. Die Lage der Arbeitnehmer fei heute um vieles schlechter als die der Lemmer von den Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften ging in feiner Auffaffung mit den Darstellungen der Vertreter der freien Gewerkschaften auf einer Linie. Landwirte. Es kann gefagt werden, daß die Einwände bzw. Feststellungen und Warnungen der Vertreter der freien Gewerkschaften nicht ohne Eindruck auf den Reichsernährungsminister blieben. Ueber die Frage der Schutzölle sollen mit den Gewerkschaften noch weitere Besprechungen geführt werden. Dennoch ist die Stellung der Gewerfi haften schon flar gegeben; sie wurde durch Knoll( ADGB.) dahit zusammengefaßt: Unter feinen Umständen SchuhBölle! Die Zollvorlage im Reichswirtschaftsrat. = Auch wurde auf die Differenz zwischen Erzeuger- und Kleinhandels: preis für Agrarprobufte hingewiesen und gefordert, durch schnelle Ermäßigung der Verdiensispannen sowohl den Konsumenten, die heute durchweg übersetzte Breise zahlen, und der Landwirtschaft, deren Not feiner bestreiten wolle, zu helfen. Die Vertreter der Landwirtschaft betonten dagegen die Notwendigkeit der Borlage, wenn Deutschland im nächsten Jahre eine leistungsfähige Landwirtschaft haben wolle, die Deuischiand ernähren kann. Im anderen Falle sei die Landwirtschaft bis dahin ausverkauft und banfrott Sie wurden sekundiert von der Industrie, die jede Vereinbarung mit der Landwirtschaft über gegenfeitige Konzessionen in der Zolifrage bestritt und sich diplamatisch für Zölle von Fall zu Fall, aber nicht für Hochzölle erklärte, wobei eine Definition diefer Begriffe, die naturgemäß verschieden ausgelegt werden fönnen, wohlweislich unterblieb. = Die einzelnen Gruppen hatten eine Unzahl von Anträgen eingebracht. So forderte die Industrie z. B., daß der§ 4. im Artikel I der Vorlage, die der Regierung die Ermächtigung zu vorübergehenden Zolländerungen bis zum 30. Juli 1926 gibt, auf 6 Monate befristet werden soll. Angesichts der ungeklärten Lage tat der Ausschuß, was man in solchen Fällen im Reichswirtschaftsrat leidenschaftlich gern tut: er wählte einen Arbeitsaus schuß. Bon Bedeutung ist, daß Artikel II der Borlage( Neuregelung der Umfaßsteuer) einem zweiten Ausschuß zur weiteren Beratung überwiesen wurde. Diese Maßnahme entspricht der Auffassung, daß in der Borlage die Umsatzsteuer zu Unrecht mit den Zollplänen verkoppelt ist. Außerdem wurde die geplante Erleichterung als zu gering bezeich net. Die Industrie schlug an Stelle der bisherigen Regelung eine Kleinhandelssteuer von 5 Proz. vor, die genügender Ersatz sei, da auch heute von etwa 10 Broz. Umsatzsteuer nur die Hälfte erfaßt werde. Wie wir erfahren, rechnet man übrigens im Reichsernährungsministerium, selbst wenn die Bertreter des Handwerks gegen die Vorlage stimmen, mit einer Mehrheit für die Schutzölle. Diese Hoffnung stüßt sich auf die Haltung der christlichen Ge werffchaften. dnd Die Eröffnungssihung der Konferenz. London, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Sämtliche Delegationen für die Interalliierte Konferenz waren bis Dienstagnach mittag in Londen eingetroffen. Die Eröffnung der Konferenz wird im Botschaftersaal des Auswärtigen Amtes stattfinden. Die Deles gierten mit ihren Sachverständigen und Sefretären bilden eine Gesellschaft von weit mehr als 100 Personen, die für die Dauer der Konferenz Gäfte der britischen Regierung sind. Ueber die Konferenzdauer wiffen die offiziellen Kreise noch feine genaueren Angaben zu machen. Sie schäßen zwischen 10 Tagen und drei Wochen. Die obersten Pläge der langen hufeifenförmigen Ronferenztafel werden als offizielle Delegierte einnehmen: von England Macdonald und Snowben, von den Bereinigten Staaten Kellogg und Logan, von Frankreich Herriot, Clementel und General Nollet, von Italien de Stefani, de Nava und della Torretta, von Japan Hajashi und Ishii, von Belgien Theunis und Hymans, von Portugal Norton de Mates, von Serbien Gabrilowitsch, von Rumänien Titulescu und von Griechenland Gaciamanos. Insgesamt werden also zehn Nationen in der Eröffnungsfißung vertreten sein. Die deutschen Delegierten sollen wahrscheinlich in einem späteren Stadium eingeladen werden. Die chriftlichen Gewerkschaften für die Zölle? Am Dienstag begann der Wirtschaftspolitische Aus. fchuß des Reichswirtschaftsrates mit der Besprechung der Schußzollvorlage. Ein Antrag der Arbeitnehmer, die Preffe zuzulassen, wurde mit Hilfe der christlichen Ge werkschaften abgelehnt. Der Bertreter der Regierung verzichtete, wie der„ Soz. Parlamentsdienst" in Ergänzung der nichtssagenden amtlichen Berichte erfährt, auf eine nähere Begrün- deutschen Industrie obligationen hat seine Arbeiten abParis, 15. Juli.( WTB.) Der Organisationsausschuß für die dung der Vorlage und betonte, daß die Regierung selbst erbitterte geschlossen. Die deutschen Bertreter, Staatsferretär TrendelenGegnerin des Hochschutzzolles fei und die Wiederherstellung der burg( Reichswirtschaftsministerium) und Geheimrat Bücher( InZölle von 1902 bzm. 1906 fidh erft bei Schließung des Loches imdustrie) reisen heute nach Berlin. Die Komiteearbeiten. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postfchecktonto: Berlin 375 36Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenfasse Lindenstraße 3 Von Versailles bis London. Zur Eröffnung der Konferenz. In der Tatsache, daß die Londoner Konferenz überhaupt nötig wurde, liegt schon ein schwerwiegendes Urteil gegen das Wert von Versailles mit eingeschlossen. Denn die Streitfragen, die in London zur Erörterung kommen sollen, hätten gar nicht entstehen können, wenn der Vertrag von Verhätten gar nicht entstehen können, wenn der Vertrag von Berfailles das geworden wäre, was er sein sollte und wollte: ein Statut, das Europa einen gesicherten Frieden und mit ihm die Grundlage zu neuem wirtschaftlichen und kulturellen Aufftieg gab. Das ist er nicht geworden, er hat nicht nur nicht zwischen Siegern und Besiegten ruhige Verhältnisse geschaffen, sondern er hat nicht einmal die Gegensätze zwischen den Siegern selbst auszugleichen vermocht. So ift die Londoner Konferenz im Grunde nichts anderes als eine Forisezung der Konferenz in Versailles und eine Wiederaufnahme des dort gescheiterten Versuchs, zwischen Frankreich und England ein echtes, ehrliches Einvernehmen zu schaffen. Dieser Versuch wird begünstigt durch den Umstand, daß in Frankreich an die Stelle des Nationalblocks ein Links= Koalition eine Arbeiterregierung getreten ist, weiter blod, in England an die Stelle der konservativ- liberalen aber auch durch die Rückkehr Amerikas auf dem Schauplatz der europäischen Politit, mag sie auch nur behutsam und zögernd erfolgen. Sehr bald aber hat sich herausgestellt, daß der gute Wille allein noch nicht genügt, um geschichtlich ge= gebene Tatsachen und die Kräfte des Beharrens zu überwinden. Auch wer chauvinistischen Uebertreibungen abhold ist, muß die Politit, die Frankreich bis zum 11. Mai Deutschland gegenüber getrieben hat, als eine Politik des Druds und der Vergewaltigung fennzeichnen. Die franzöfische Politik war aber nicht nur gewalttätig, sie war auch unehrlich, weil sie finanzwirtschaftliche und militärpolitische Gesichtspunkte willkürlich durcheinander warf und unter dem Vorwand, es ginge um Reparationen, strategische Positionen eroberte und hielt. Diese Politik wurde von England stets permorfen, fei es aus Rechtsgefühl, sei es aus eigenem Interesse. Der Industriestaat England braucht Frieden, Absazund Arbeitsgelegenheit, er ist weltpolitisch saturiert und kann nicht wünschen, sich durch das Hegemoniestreben eines anderen Staats in seiner wirtschaftlichen Auswirkung gehemmt zu fehen. Nicht jeder Engländer ist ein Idealist wie Macdonald, aber fast jeder Engländer billigt seine auswärtige Politit. In der Linie der englischen Politik liegt das Dawes= Gutachten. Seine grundlegende Bedeutung liegt darin, daß es zwischen Wirtschaft und Politik wieder eine reinliche Scheidung vorzunehmen versucht. Und darin liegt sein großer Wert auch für Deutschland. Es ist heute nicht die entscheidende Frage, ob der Sachverständigenplan die Leistungsfähigkeit Deutschlands in späteren Jahren richtig abschätzt; in dieser reinen Wirtschaftsfrage sind spätere Revisionen möglich, wenn rein wirtschaftlich geurteilt wird. Eni scheidend ist, daß die Reparationspolitik in 3utunft nicht mehr französische Machtpolitit sein soll. Daraus folgt, daß Deutschland auf die Seite derer treten muß, die die Ausführung des Sachverständigenplans als eines unteilbaren Ganzen ohne weitere Bedingun= gen erstreben. Nebensächlich ist die Frage, ob deutsche Minister nach London eingeladen werden oder nicht. Werden sie nicht eingeladen, so ist das als ein Zeichen der drüben herrschenden Unsicherheit und Uneinigkeit zu bewerten; dazu können die Deutschen natürlich nicht eingeladen werden, daß sie zu intimen Beugen der Railosigkeit und des Streits im anderen Lager werden! Das Geschrei von einem drohenden Diktat" ist nicht ernst zu nehmen. Denn wenn jemand in London diktiert, so sind es die Sachverständigen, und die ,, diktieren" nicht nur uns, sondern auch den anderen. Ihr Plan liegt über nur uns, sondern auch den anderen. Ihr Plan legt uns Einmischung in die deutsche Wirtschaft zu unterlassen, die über das von ihm bestimmte Maß hinausgeht, also das ganze System der direkten Pfandnahme" im besetzten Gebiet aufzugeben. Es ist ganz selbstverständlich, daß kein Wort des Planes für Deutschland gilt, wenn nicht jedes seiner Worte von der anderen Seite beachtet wird. Der Plan sagt aber nichts über die Abschaffung der Reparationsfommission und nichts über die militärische Räum un g. Er beraubt die Kommission und die Besatzungstruppen ihrer bisherigen hauptsächlichen Funktionen, aber er gestattet ihnen, an den bisherigen Orten ihrer Tätigkeit ein beschauliches Dasein weiter zu führen. Darin, daß die Instrumente der Zwangspolitik noch weiter bestehen, während diese Politik selbst verschwinden soll, liegt gewiß eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Die Frage ist. ob man diese Organe zugleich mit der Annahme des Gutachtens abschafffen tann, oder ob man versuchen muß, sie durch das Fehlen einer Funktionsmöglichheit verfümmern zu lassen. Sollte es England gelingen, Frankreich zur raschen militärischen Räumung der widerrechtlich besetzten Gebiete aber auch der ersten Bertragszone, die nach fünf Jahren frei werden foll, zu bemegen, würde erri of den Muf und die Kraft aufbringen, den Rat Englands in dieser Frage anzunehmen, fo hätten wir allen Grund, uns zu diesem Ergebnis zu beglüdwünschen. Heillos verfehlt märe aber eine deut sche Politik, die für die Annahme des Gut achtens Bedingungen stellt über jene des Gutachtens hinaus. Der Reichskanzler Marg war wohlberaten, als er in seiner Sonnabendrede erklärte, für Deutschland gäbe es keine anderen Bedingungen als die im Gutachten selbst enthaltenen. Andere Leute waren weniger wohlberaten. Am wenigsten wohlberaten ist die Zeit", die im Ausland als das Sprachrohr Stresem anns gilt, wenn sie ein Geschrei über eine angebliche Rapitulation" erhebt, die angeblich irgendjemand in Deutschland haben will. Das Gutachten ist durch die Regierung Marr- Stresemann bereits angenommen; ist das eine Kapitulation, so ist die Kapitulation schon vollzogen. Wenn aber die Beit" dem Reichstanzler unterstellt, er habe die Annahme des schon angenommenen Plans jetzt wieder in Frage stellen und von der vor herigen militärischen Räumung des Ruhrgebiets abhängig machen wollen, so fälscht sie damit seine Rede in ihr Gegen teil um. Von den beiden Meinungen, die innerhalb der deutschen Regierung vorhanden zu sein scheinen, ist zweifellos diejenige die richtige, die bei der Annahme des Gutachtens ohne darüber hinausgehende Bedingungen verharrt und das weitere der Entwicklung überläßt. Man muß eins nach dem andern tun, nicht alles zugleich. Verlieren die Besagungstruppen die Funktion des„ Gerichtsvollziehers", so werden sie sich als unnüze Fresser ganz Europa läftig machen. Amerika und England können auf die Dauer nicht dulden, daß die Reparationseinnahmen, die für alle fein sollen, in französische Offiziersgehälter umgewandelt werden, und auch die Franzosen werden einsehen, daß der fremde Soldat im fremden Land ein Faktor nicht der Sicherheit, sondern der Unsicherheit ist, und daß erst, wenn er wieder zu Hause ist, der wirkliche Frieden beginnt. Würde Deutschland heute kategorisch den Rückzugsbefehl für die französischen Soldaten fordern, fo fönnte ihn fein französischer Ministerpräsident erteilen, selbst wenn er selber den Rückzug wollte. Automatisch wäre damit eine Situation geschaffen, die zum Scheitern des Sachverständigenplans führen müßte. Aus der Uneinigkeit der Alliierten hat Deutschland noch niemals Vorteil ziehen können. Eine Einigkeit zwischen ihnen fann heute nur auf einer Linie erfolgen, die auch für uns eine starke Besserung gegenüber dem bisherigen Zustand der reinen Willfür bedeuten wird. Darum ist auch Deutsch land an einem guten Ausgang der Londoner Konferenz lebhaft interessiert. Die Parteien und die Agrarzölle. Den bürgerlichen Parteien ist die öffentliche Erörterung des Gesezentwurfes der Regierung über die Agrarzölle außer ordentlich unangenehm. Man hatte zunächst gehofft, daß die Wiedereinführung der früheren Zölle von der Regierung auf dem Wege der vereinfachten Gesetzgebung( d. h. ohne das Plenum des Reichstages) vorgenommen werden fönnte. Der Widerspruch der sozialdemokratischen Reichstagsfrattion gegen eine Verlängerung dieses aus der Kriegszeit herrührenden Ermächtigungsgesetzes, das am 30. Juni 1924 ablief, hat jedoch diese Absicht zerschlagen. Vielmehr hat die entschieden ablehnende Haltung der Sozialdemokratie zu den Agrarzöllen, sowie die rechtzeitige Veröffentlichung des Gesetz entwurfes die Deffentlicht rechtzeitig auf die drohenden Gefahren aufmerksam gemac Angesichts des Echos, das dieser Alarmruf der Sozialdemokratie in allen Schichten der Bevölkerung hervorgerufen hat, haben auch Blätter der Rechtsparteien und der MittelFestungsgefängnis. Eine Toller- Erinnerung von Franz Rothenfelder. 29118 Ernst Toller ist gestern nachmittag aus der bayerischen Festung Niederschönenfeld entlassen worden. Er hat die fünfjährige Haftftrafe, zu der er wegen seiner Beteiligung an der Münchener Räteregierung verurteilt worden war, bis auf den legfen Tag perbilßen müffen. Wie wir hören, wird Toller Bayern verlassen und seinen Wohnsiz in Berlin nehmen. Der Gang wirkte seltsam schon, wenn man ihn zum erstenmal durch das Eingangsgitter jah. Eigentlich glich er gar nicht einem Gefängnisgang, viel eher einer Gruft von unheimlich langem Ausmaß. Wäre irgendwo ein pfeildurchbohrter heiliger Sebastian angebracht gewesen, dann hätte man auch an einen mittelalterlichen Klostergang benten können. Er schien lang wie eine Großstadtkirche und nieder und schmal wie Katakombentiefe. Die Zahl der Grufteingänge an beiden Seiten abzuschätzen hätte verwirrt. Einen Sarg hätte man durch keine der schwarzen, granitumrahmten Türen hineinbringen können. Das war auch nicht vorgesehen, hier hatten Lebende zu hausen. Die Beleuchtung kam vom großen vergitterten Abschlußfenster. Sie war grünlich und verlor fich allmählich in unbestimmtes Dunkel. Rein Domfreuzgang tamn folch mystische Stimmung erweden. Weihrauch fehlte, aber es roch nach Verwefung und Inquisition. Da war eine Zelle. Mehr läßt sich nicht sagen. Eine Zelle ist so wie jede andere, verschieden ist nur die Himmelsrichtung, die für den Gefangenen vollständig wefenlos ist. Jede Zelle hat drei Wände. Die Eingangsseite mit der eisenbeschlagenen Türe hat nicht die Eigenschaft einer Wand. Das Gudloch, der Judas", macht sie zum Offensten, was man sich denken fann. Der Gefangene fürchtet und haßt sie und wenn er seine Fäuste zerschlägt, tut er es an dieser Eisentür. Desto mehr Wand und die schmerzlich geliebte Sehnsucht des Häftlings ist die gegenüberliegende Geite, denn von ihr kommt das Licht und man sieht durch das ganz oben angebrachte Gitterfenster Himmelsblau und Wolken.( Die Sonne schaut man nie, ab und zu fommt für ganz furze Zeit ein freundlicher Goldstreifen, daß man nicht gänzlich das Tagesgestirn vergißt. Der Mond ist freigebiger, aber der ist Symbol des Todes.) Was soll man noch von einer Belle sagen? Sie ist gewöhnlich sechs Schritte lang und jeder Gefangene macht täglich, je nach Lem perament und Verzweiflungsgrad, das Bielhundert oder Tausendfache daraus. Gezählt hat es noch keiner. | parteien es für angezeigt gehalten, den Gefeßentwurf der Re-| beubet hat mir wollen es offen aussprechen: ber 8ollfrage, gierung zu fritisieren oder gar ganz abzulehnen. Man möchte um das Kind beim richtigen Namen zu nennen-, stehen wir gar zu gern den Eindruck hervorrufen, als ob die Regierung nicht doktrinär gegenüber. Wir wissen ganz genau, mas auf eigene Faust und unüberlegt gehandelt habe. Dabei die Landwirtschaft für das deutsche Volk bedeutet und werden das schreckt man vor direktem Schwindel nicht zurück. Denn was bewilligen, was notwendig ist. Wir fürchten allerdings, daß jetzt ist es anderes, wenn Graf West arp in der Kreuz- eine Hochschußzollpolitif im Anzug ist, nicht nur von landwirtschaftlicher, sondern auch von anderer Seite, die wir in dem 3eitung"( Nr. 324) erflärt: Umfang, wie sie propagiert wird, nicht werden mitmachen können." " Daß wir Deutschnationalen viel mehr von der Bekanntgabe der 3ollvorlage ebenso überrascht worden sind wie irgend jemand anderes, und von ihr später erfahren haben, als diejenigen, die sie im Wege der Indiskretion ankündigen fonnten." Alle bürgerlichen Parteien haben demnach schleunige Vorlegung eines Gesezentwurfs über die Einführung von Agrarzöllen Dordem Beginn der Ernte verlangt. Daher war es nicht erstaunlich, daß der Reichsernährungsminister, Graf Ranig, folgende Erklärung abgab: Selbst die Regierung ist angesichts diefer Haltung der bürgerlichen Parteien, wie die Rede des Reichskanzlers Mary vom letzten Sonnabend zeigt, bedenklich geworden. Um vor Täuschungen bewahrt zu bleiben, erscheint es „ Der Landwirtschaft muß die Hoffnung auf einen ihre Existenz jedoch notwendig, den dokumentarischen Nachweis zu führen, daß die Absicht auf Wiedereinführung der hohen Agrarzölle gewährleistenden Ertrag der bevorstehenden Herbstbestellung schon feit langem geplant ist, daß sie von allen bürger- jeht gegeben werden. Die Reichsregierung hat deshalb beschlossen, Re- a lichen Parteien verlangt wird, und daß die Re- alsbalb die erforderlichen Gesezentwürfe den gesetzgebenden gierung zur Vorlegung dieses Gesetzentwurfes im jezigen Körperschaften zugehen zu lassen, die die Verhinderung einer weiteren Augenblick sogar von den bürgerlichen Parteien Ertensivierung der landwirtschaftlichen Wirtschaftsform sowie den gezwungen worden ist. Am 27. Juni standen im Schuh der heimischen Landwirtschaft überhaupt zu Reichstage die Interpellationen und Anträge der bürgerlichen gewährleisten geeignet sind. Die Reichsregierung ist sich darüber Parteien über die Notlage der Landwirtschaft zur Beratung. Klar, daß eine gleichbleibende und durch Erschütterungen Nach dem amtlichen Stenogramm erklärte dabei der Redner auf dem Weltmarkte möglichst unberührte Preis gestaltung für landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht nur im der Deutsch nationalen, der Abgeordnete Schiele: " Wir verlangen gegenüber der andrängenden Belle fremden Intereffe der Landwirtschaft selbst, sondern nur im Interesse der Wettbewerbs, die uns ernstlich bedroht und zu ersticken droht, Verbraucherschaft liegt. Eine solche gleichmäßige Preisgestaltung schleunige Vorlegung eines Zollgesetzes, und zwar so, daß der Zoll- läßt sich aber nur durch eine Gefehgebung gewährleisten, die die fchuh bereits für die kommende Ernte wirksam wird. Das Ziel Preisunterschiede zwischen ausländischen und inländischen Produkten dieser Zollgesetzgebung muß sein: der leichte Boden in Deutsch für den Fall des bald zu erwartenden Eintritts fefter Wirtschaftsland, den wir nicht entbehren fönnen, muß bei rationeller Wirtschaft grenzen ausgleicht und auf einer für die heimische Produktion ernoch lohnend sein. Auslandsgetreide muß über den Preisen fräglichen Höhe hält. Damit durch eine solche produktionserhaltende gehalten werden, zu welchen der in ungünstigeren Produktionsver- Gesetzgebung die heute noch schwer leidende Verbraucherschaft nicht hältnissen arbeitende heimische Betrieb Getreide herstellen tann. etwa geschädigt werde, wird eine Entspannung der Preisgestaltung auf anderer Seite geschaffen werden durch eine steuerliche Er= ( 3uruf des Abg. Crispien: Also Wucherfreiheit!)" leichterung auf dem Gebiete der Verbrauchsbelastung." Die Annahme ist deshalb verfehlt, als ob die Agrarier und die bürgerlichen Parteien das Ziel hoher Agrarzölle aufgegeben haben. Die Erklärungen des Reichslandbundes be= weisen bereits das Gegenteil Der Redner der Deutschen Volkspartei, der Abgeordnete Hepp, erklärte: Wir „ Aber mit einigen wenigen Worben darf ich noch eins be rühren, nämlich die Notwendigkeit, der deutschen Landwirtschaft einen Schuh gegenüber der Konkurrenz des Auslandes zu geben... erwarten..., daß das Reichsernährungsministerium bereit ist, der deutschen Landwirtschaft nach außen hin diefen Schuß ihrer Erzeugnisse zu geben, dessen die Landwirtschaft dringend bedarf, um sich weiter erhalten zu können." Der Zentrumsredner, der Abgeordnete Rerp, erklärte: 100 „ Ich habe nachgewiesen, daß die Landwirtschaft heute über haupt teine Rente abwirft zeitweise sogar ein Minus hat. Deswegen müffen wir unbedingt fordern, daß demnächst jener Schuß der heimischen nationalen Arbeit der deutschen Landwirtschaft gewährt wird, der sich in dem Worte Zollschutz ausdrückt." Auch der deutschvölkische Redner, Abgeordneter Schliephace, stellte sich auf denselben Standpunkt: Wenn Sie der Landwirtschaft nicht den erforderlichen 3ollschutz und die sonstige unbedingt nötige Unterſtügung, vor allen Dingen die Befreiung von den unsinnigen Steuern verschaffen... dann geht die Landwirtschaft zugrunde" Der Redner der Wirtschaftlichen Bereinigung, Abg. Bachmeier, forderte von der Regierung sofortige Aeußerung über die Borlage eines Gefeßentwurfs und fügte hinzu: B Wir erwarten von der Regierung und fordern mit allem Nachdrud, daß der Landwirtschaft das Recht zuteil wird, auf das fie Anspruch hat, nicht nur für sich allein, sondern im Intereffe des Boltes und der Nation. Wir erwarten, daß ein ausreichender Zollschuh schon bis zur nächsten Ernte der Landwirtschaft gewährt wird." Und selbst der Redner der Demokratischen Fraktion, der Abgeordnete Dietrich( Baden), stimmte im Prinzip dem verlangten Zollschuß zu. Er meinte: Auch der Frage, die. der Herr Minister nur vorsichtig ange flangen und fangen die Eisenstäbe ganz ergreifend und mancher Aufseher entschuldigte sich mit seiner Pflicht. Nachts waren die Bellen unbeleuchtet. Im Hof ging ein Reichswehrsoldat. Ein Gefangener schymuggefte fich eine Rerze ein. Um in der Stille arbeiten zu können. Und schrieb Masse Mensch" nieder. intell Während wir politischen Gefangenen monatelang in diefer Ganggruft lebten sechzig Menschen, faft alle in voller Jugendkraft, machten das Grabgewölbe zu einer schallenden Tonne-, stellte die Verwaltung in löblichem Bemühen Tagesaufenthaltsräume für uns Dort trafen wir uns und hielten Runstveranstaltungen und wissenschaftliche Vorträge. Auch die Politik ließen wir nicht aus dem Spiele. Dabei ging es oft heiß her. Intellektuelle und echte Proleten lagen sich zuweilen im fleinen, nicht unfreundlichen Raum in den Haaren. Und einmal war es totenftill. Und blieb es noch, als schon das Wort verklungen war. Eine Weihe von unaussprechlicher Art lag über uns. Ich sah einen jungen Matrosen derbster Art weinen. Er war nicht der einzige Gefangene, der es tat. Ernst Toller hatte uns frisch von Tinte und Kerze weg Masse Mensch" vorgelesen. Der Mann, der tagsüber im Lärm nicht arbeiten fonnte, nachts nicht durfte und es doch wagte, und seiner Sendung Schlaf und Gefundheit opferte... ald th * Ernst Toller ist heute frei. Ich denke heute an die Festungszeit, die ich mit ihm verbringen durfte, und zeitentrückt stehen aufs neue die zwei Stunden der Erhebung lebendig und weihevoll vor mir... Und in mir glüht ein herzlicher Segenswunsch: werde glüd lich, Tapferer, allzeit guter Kamerad- denn frei brauchst du wahrhaftig nicht erst zu werden! Der Hund. Meine kurze Erzählung fängt, da ich mich streng an die Wahr heit halten will, mit einem Geständnis an: Ich war im Lunapart. ch will über die Motive nichts sagen.( Ich wurde verführt.) Ich ging an zahlreichen Buden vorbei, hörte Anpreisungen vor Holzpalästen und jah würfelnde Menschen. Manche trugen beglückt einen Teddybären auf dem Arm. Aus dem Bahnhof der Gebirgsbahn kamen Leute, die so aussahen, als hätten sie gerade einen Anfall schwerer Seefrankheit überwunden: Ich war auf alles gefaßt und ließ meine Blide über den Himmel schweifen. Da lenfte ein Hund meine Aufmerksamkeit auf sich. Er stand auf dem flachen Täglich zweimal wurden die Gitterfenfter abgeklopft. Dabei Dache einer der zahlreichen Liförstuben. Ein wunderschöner Hund Die Zelle hat ein Eisenbett mit Strohsack und farbigem Deckenüberzug. Außerdem einen Schemel und ein Wandbrett. Zuweilen auch ein Kruzifig aus Gußeisen. * Reichsschutz der Republikfeinde. Sogar Parlamentsberichterstattung soll verhindert werden Dresden, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstagmittag erschienen auf der Redaktion der sozialdemokratischen Dresdener Boltszeitung" zwei Kriminalbeamte, um im Auftrag des Dberreichsanwalts nach der Quelle und dem Berfasser eines Artikels zu fahnden, in dem über eine öffentliche Sigung des Ausschusses, den der sächsische Landtag zur Untersuchung der Uebergriffe der Reichswehr gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt hatte, berichtet worden war. In dem Bericht war u. a. mitgeteilt worden, daß sich der Ausschuß mit der Frage der sogenannten schwarzen Reichswehr beschäftigt habe. Gegen den Verfasser des Berichts soll ein Landesverratsverfahren eingeleitet werden. Da die Beamten natürlich keine Auskunft über den Namen des Verfassers erhielten, durchsuchten sie den Schreibtisch des verantwort lichen Redakteurs, des Landtagsabg. Gen. Dr. Sachs. Ihr Bemühen, das Manuftript aufzufinden, blieb erfolglos. Mar Bädler geftorben. In Berlin ist der Senior der deutschen Barlamentsjournalisten, Mar Bädler, im 68. Lebensjahre einemt Schlaganfall erlegen. Mit ihm ist eine der befanntesten Persönlichfeiten der deutschen journalistischen und stenograpäischen Streise dahingegangen, die in der deutschen Parlamentsgeschichte unvergessen bleiben wird. Die Revolle von Sao Paolo. Obwohl die widerspruchsvollsten Meldungen über den weiteren Verlauf der Militärrevolte von Sao Baolo borliegen, scheint die amtliche Darstellung der hiesigen brasilianischen Gefandtschaft zuzutreffen, daß der Aufstand durch die Regierungstruppen bereits nahezu völlig unterdrückt worden ist. mit schwarzen Augen und langfamen Bewegungen. Er drehte seinen Kopf nach allen Geiten; gelegentlich sah er auf die Menschen hinunter; er streifte mich mit einem mitleidigen Blid. Dann legte er sich hin. Da er aber in dieser Lage mehr Menschen sah als zuvor, stand er wieder auf, wandte sich ab und verschwand. Seine Gedanken waren deutlicher als die schreiendste Lichtreflame: Seltsam", dachte der Hund, seltsam, was die Menschen treiben. Und was sie als Vergnügen betreiben. Aber da hat ihnen niemand dreinzureden, am wenigsten ein Hund. Wenn aber mein Freund For, der Airedaleterrier, mir berichtet, sein Herr habe mein höchftes Lob über ihn geäußert, er fei jo flug wie ein Mensch ich glaube, da hat sich For geirrt... Hans Jacob. Die Zukunft der Berliner Kunsthochschulen. Die auf Wunsch des Landtages berufene Kommission, die dem preußischen Kuitusministerium einen Vorschlag über die neue Organisation im Bermütigen Stellungnahme gekommen und hat ihren Vorschlag der Reliner Runftunterrichte einreichen sollte, ist nunmehr zu einer eingierung unterbreitet. Der Vorschlag ist inzwischen dem Ministerium zugesandt worden. Die Vertreter der Akademie der Künste, Rudolf Schulte im Hofe, Philipp Frand, Ernst Wend und Heinrich Strau mer und die Lehrer der Hochschule für die bildenden Künste, Karl Hofer und Wilhelm Gerstel, haben den Vorschlag ebenso unterzeichnet wie die Lehrer der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums, Kollegialwahl in die Kommission berufen worden waren, haben sich War Rutschmann und Franz Seed. Außer diesen Künstlern, die aus Meisterateliers, Ulrich Hübner und Hans Poelzig, fachlich auf den auch die vom Ministerium delegierten Leiter zweier akademischer Boden dieses Vorschlages gestellt. Der Bericht der Künstlerfommission spricht sich einmütig gegen die völlige Verschmelzung der Unterrichtsanstalten, vielmehr für ihr Fortbestehen als eigene Anstalten in größerem Zusammenhange aus: eine Ausbildungsstätte teil des Bundes eine Studienanstalt für Architettur in Arbeitsfür Kunst, eine für Kunstgewerbe, und als dritter Bestandgemeinschaft mit der Technischen Hochschule. Abgebaut tann dann werden, was die bisherigen Anstalten an identischen Fächern befigen. An die Spitze jeder dieser selbständigen Anstalten soll ein von seinen Fachgenossen gewählter Leiter treten, dessen Amtszeit ein Jahr dauert, dessen Wiederwahl aber zulässig ist und dem ein Berwaltungsbureau zur Seite steht. Für Lehrerberufungen an die Hochschule wird ein Vorschlagsrecht der Akademie angeregt, die ja fchon fagungsgemäß in Verbindung mit der Kunsthochschule steht. Auf die Dauer wird sich dann wohl eine gemeinsame Leitung nicht vermeiden laffen. Es wird aber vorgeschlagen, einstweilen in follegialem Busammenarbeiten der Vorstände erst einmal die jest unbestreitbar vorhandene erregte Stimmung aller Beteiligten abflingen zu lassen. Sachlich weist der Künstlervorschlag darauf hin, daß gerade angesichts der in neuefter Zeit recht auseinandergehenden Tendenzen der freien Kunst und des Kunstgewerbes es nicht ratsam erscheint, hier den Ausgangspunkt und große Strecken des Lehrganges zusammenzulegen. Das Verhältnis von Akademie der Künste und Hochschule, wie es durch die bisherige Sagung geregelt wird, soll in seiner zufünftigen Gestaltung Gegenstand eigener Beratungen sein. Statt einer definitiven Regelung auf einheitlicher Basis im Sinne eines organischen Aufbaues mit handwerklicher t>k Christlichen zum Achtstundentag. Die christlichen Gewerkschaften werden zu End« dieser oder zu Anfang der nächsten Woche zur Frage der Ratifizierung des Abkommens von Washington über den Achtstundentag, die durch die Veratungen des Internationalen Arbeitsamtes in den Mittelpunkt der großen Politik und der Rexarationsftage gerückt wurde, Stellung nehmen. Wie der„Soz. Parlamentsdienst' erfährt, will der Kreis um S t e g e r w a l d bei allem prinzipiellen Festhalten am Acht- stundentag einer endgültigen Entscheidung bis zur Auswirkung des Dawes-Gutachtens ausweichen, da erst nach dieser Auswirkung sich die Tragfähigkeit der Wirtschaft für den Achtstundentag feststellen lasse. Auch können sich die Herren um Stegerwald nicht für eine Volksabstimmung über die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens erwärmen, jedenfalls sind sie nicht für ein« Abstimmung noch in diesem Jahr. Es ist begreiflich, wenn Stegerwald und seine engeren Gewerk- schaftsfreunde dem Reichsarbeitsminister Brauns nicht unbequem werden wollen. Aber wir bezweifeln, daß die großen christlichen Ar- bciterorganisationen, die vor kurzem noch schwere Kämpfe um die Arbeitszeit durchgefochten haben, ebenfalls für ein« dilatorische Behandlung der Frage des Achtstundentages zu haben sind. Bei den freien Gmerkschaften ist man der Auftassung, daß gerade die Rat i- f i k a t i o n des Abkommens der deutschen Arbeiterschaft ein sehr wirksames Mittel gegen allzu große Reparationslasten in die Hand geben wird. Zum Republikanerabbau. Fadenscheinige Vorwände des Herr« Bazille. Der neue württembergische Gesandte, Dr. B o s l« r, wird heute seinen Posten in Berlin antreten. Di« sozialdemokratische wllrttem- bergische Landtagsftaktion hat«ine Anfrag« an di« Regierung gerichtet, in der gefragt wird,„ob die Staatsregierung bereit ist, Auskunft darüber zu geben, aus welchen sachlichen Grün- den, auf Grund welcher Gesetzesbestimmung«» und t n welcher Form di« Berufung des seitherigen württembergischen Gesandten in Berlin erfolgt ist?' Bei der Beantwortung dieser Anfrage wird Herr Bazille, der jetzt in der„Deutschen Tageszeitung' die Behauptung ausstellen läßt, daß keinerlei politische Motiv«, sondern lediglich dienstliche Der- s ä u m n i s s e des Gesandten Hildenbrand den Anlaß zur Ab- berufung gegeben hätten, genügend Gelegenheit haben, seine Gründe in der Oeffentlichk«it darzulegen. Sem« Verteidigung in der„Deutschen Tageszeitung' zeigt, daß er nicht den Mut hat zu sagen, daß er Hildenbrand abgebaut hat, well er Sozialdemokrat und Republikaner ist. Lügenhehe gegen Molf Koester. Teutschnationale untergraben das deutsche Ansehen. Riga, 15. Juli.(Eigener Draht bericht.) Seit Monaten treiben gewisse Rechtsblätter in Deutschland gegen den Gesandten in Riga Dr. K o e st« r die widerwärtigst« Hetz«. Zuerst fielen si« den Lügen eines Hochstaplers zum Opfer und gaben der lettischen Press« Anlaß, sich über die Leichtfertigkeit gewisser deutscher Zeitungsredaktionen lustig zu machen. Später mußten sie sich von dem konservativen deutschbaltischen Organ in Riga unter die Ras« reiben lassen, daß sie mit chren Nachrichten über Koesters „Maifeier' angeschwindelt worden waren. Nunmehr bringt die deutschnationale„Ostpreußische Zeitung' die Nachricht, daß Koester auf Urlaub welle, während die deutsche Flotte Riga besuche. Auch diese Nachricht ist ein vollendeter Rein fall. Koester hat die gesamten Cmpfangsfeierlichkeiten in Riga persönlich geleitet und mit dem Admiral und einer deutschen Mannschastsdelegation zu- lamm«n auf einem deutschen Kriegerfriedhof Kränz« nieder- gelegt. Diesmal ist es das Organ der Russen in Riga, das mit Recht die Frage aufwirft, was man von der politischen Polemik deutscher Blätter halten solle, die solche.Informationen' abdrucken. Ist sich di« deutschnotional« Hetzpresse eigentlich bewußt, wie sie mit solchen Zeitungsnachrichten dem deutschen Ansehen im Auslande schadet? Unter- und künstlerischer Oberstuf« hat man also den Weg des Kompromisses, der oberflächlichen Verkleisterung der Gegensätze ge- wählt. Ob die„erregte Stimmung aller Beteiligten' dadurch zum „Abklingen" gebracht ivevden wird, erscheint zweifelhast. Sicher ist nur, daß ein« wirklich fruchtbar«, dem G«ist uns«rer Zeit entsprechend« Reform des Berlin«? Kunsterziehungswesens auf diesem Weg« nicht zu erreichen ist. Der Kunstreferent des preußischen Kultusmini. steriums hat seinerzeit ein« vortreffliche Denkschrift zu diesem Thema veröffentlicht. Leider entspricht die Praxis nicht der Theorie. Wer trägt di« Schuld? Der Gemsenbestand in den Alpen durch eine Seuche gefährdet. Mitte des vergangenen Jahrhunderts fft auf di« Sems« in den Alpen so eifrig Jagd gemacht worden, daß der Bestand an Tieren immer mehr zusammenschrumpfte. Seitdem wird die Gemse in einzelnen Tellen der Alpen geschont, aber trotzdem hat sich der Bestand auch in den letzten Jahrzehnten verringert, wozu der Umstand bei- getragen haben mag, daß die Tiere infolge des Massenbesuchs der Alpen immer weniger Gipfel fanden, auf die sie sich zurückziehen konnten. Nun kommt aus Oesterreich die Nachricht, daß unter dem Gemswild ein« schwere Seuche, die„Gemsräude', ausgebrochen ist, «ine Krankheit, di« befürchten läßt, daß die G«mse in den Alpen aussterben wird. Di« Landesregierung hat eine Versammlung nach Gmunden«inberufen, um über Maßnahmen gegen das drohende Aussterben zu beraten. Die Räude hat sich von Süden aus ver- breitet und ist jetzt bis ins Salzkammergut, wo die Gemse zuletzt am häufigsten vorgekommen ist, vorgedrungen Wie man den Wurm im Apsel härk Der Professor der Ento- mvlogie an der südafrikanischen Universität Stellenbosch, C. K. Brain, hat in einer Abhandlung, über die Johannisburger Blätter berichten, erstaunliche Mitteilungen darüber gemacht, wie er den Radio-Funt zur Erforschung der Jnsektenwelt benutzt. Er verwendet«in ge- wöhnliches drahtloses Telephon, das mit einem besonders kräftigen Lautverstärker ausgestattet ist, und wird dadurch in die Lage ver- setzt,„den Wurm im Apfel fressen zu hören'. Zwei Teile von Zweigen eines Apfelbaumes, die mit Larven des Apfel-Bohr«rs bevölkert waren, wurden in eine Kiste gesetzt, die mit einem Mikro- phon in Verbindung stand, und mit dem Kopfhörer tonnte man dann die Bewegungen der Larven deuttich hören sowie das Ge- rausch vernehmen, das die Insekten beim Fressen der Blätter machten. Ebenso konnte das Vorhandensein des Rüsselkäfers im Korn auf dies« Weise entdeckt werden, und der Lautverstärker war sogar kräftig genug, um in einer Frucht das Vorhandensein eines Wurmes festzustellen. Der Gelehrte ist der Ansicht, daß diese Be- louschung der Insekten mit Hilfe de, Radio-Funks von Wichtigkeit fein wird für die Auswahl der Früchte, die exportiert werden, und für die Prüfung des Samens._ 3m Refiderzkheiiter beginnen Donnerstag 8 Uhr unter der wnstleri- fchen Leitung von Alfred Bcierle Aufführungen von Ernst TollerS .Hinkemann Hinlemann— Alfred Beierle, Grete— Lore Wagner vom Deutschen Theater. UniverfltSlsvoltesttvgen Üb« dea VStkerbond. Der polntsche Senat bat eine Vorlage angenommen, welche die Einführung von obligatorischen LehrkUrsen über den Völkerbund an de» polnischen Unwersi- täten betrifft. Kamtz verteidigt Verschleierung der Wirkung au� Ein Vertreter des WTB. befragt« den Reichsminister für Er- nährung und Landwirtschaft, Graf Könitz, über die Notlag« der Landwirtschaft. Auf die Frage-„Wie ka n n d e r L a n d w i r t- schaft geholfen werden?" führte der Reichsminister aus: Diese Fragestellung trifft meines Erachtens nicht den Kern der Dinge. Ernährungspolitik treiben heißt vorausschauend« Politik treiben, und somit müßte die Fragestellung lauten:„Soll die deutsch« Dolksernährung sich in Zukunft vor- zugsweis« auf die Produktion der heimischen Scholle stützen oder auf Einfuhr?'— Primär handelt es sich also um«ine vorsorgliche Behandlung der deutschen Volks- ernährung. Diese ist in greifbarer Zukunft gefährdet, wenn nickst schon heute— es kann gar nicht früh genug sein— die notwendigen vorsorglichen Maßnahmen getroffen werden. Keine Regierung darf, gleichgültig wie sie zur Landwirtschaft steht, taten- los zusehen, daß die gesunde Pasis jeder Volksernährung, der eigen« Nährstand, unter dem Zwange einer akuten Notlag« zum extensiven Betrieb übergeht. Extensivierung der Landwirt- schaft bedeutet letzten Endes bedingungslos« Ausliefe- rung der Derbraucher an die Willkür und den Egoismus des Weltmarktes. Ein« Mißernte in Kanada kann die deutsche Volksernährung schwer gefährden, wenn die deutsche Scholle nicht mehr intensiv bearbeitet wird, also nicht mehr den notwendigsten Bedarf sicherstellen kann. D i e Extensivierung der Landwirtschaft ist be- r e i t s i m G a n g e l Sie findet erschütternden Ausdruck in den aus allen Landesteilsn eintreffenden Nachrichten über den be- rechtigten, trostlosen Pessimismus der Bauern und den mangelnden Mut, noch ernsthaft an die Herbstbestellung, an die Bestellung des Brotgetreides für das nächst« Jahr, in dem ge- wohnten Umfange zu gehen. Hinzu kommt, daß Extensivierung der Landwirtschaft heute für die große Masse der Landwirte eine Er- leichterung bedeutet; einerseits werden zwar durch Uebergehen zum extensiven Bettieb Rekordeinnahmen eines Rekorderntejohres hinfällig. andererseits verringern sich jedoch durch die Extensivierung die Betriebsunkosten derart, daß«in bescheidenes, aber stabiles Ein- kommen dauernd gesichert erscheint. Der intensive landwrrtschaft- lich« Betrieb ist bekanntlich immer der teuerste. Bom Ernährungsstandpunkt aus ist es also die Pflicht der Regierung, schon heute der beginnenden Extensivierung«inen Riegel vorzuschieben. Wie läßt sich das erreichen? 1. Durch Kredithilfe, 2. durch Steuererleichte- rung, 3. durch Ausfuhr, 4. durch Zölle. Um auf dem Wege des Kredits der Landwirffchaft«ine wirklich nachhaltig« Erleichterung zu schaffen, fehlen bekanntlich die Mittel. Im übrigen ist die Agrarkrise nie ollein durch Kredite zu lösen, die verzinst und zurückgezahlt werden müssen, sondern nur dadurch, daß man das Uebel an der Wurzel anpackt, und das ist eben die Verschlechterung der Produttionsde- dingungen. Ein allzu radikaler Abbau der Steuern, abgesehen von möglichst lang zu befristenden Stirn- düngen, würde den Etat von Reich, Ländern und Gemeinden um- werfen und somit den Anlaß zu neuem G«ldmachen, zur Wieder- inbetriebsetzung der Rotenpreffe, also zur neuen Inflation geben. Durch die Freigab« der Ausfuhr ist gleichfalls kein« durchgreifend« Erleichterung zu erhoffen, weil die Absatzmöglichkeiten für deutsthe Agrarprodukt« im Ausland be- schränkte sind. Es bleiben die Zölle. Hierbei erhebenn sxb zwei Kar- dinalfcagen: 1. Sind Schutzzölle geeignet, die heimische Produktton zu heben, Mass« und Qualität der Agrarprodukt« zu mehren? 2. Wirken sich die Zölle so verteuernd auf die Lebens- Haltung aus, daß damit ihre günstige Wirkung, nämlich die Stei- gerung der heimischen Produktion, für die Verbraucher wieder prak- tisch illusorisch wird? Zu 1. Schutzzölle sind geeignet, die Produktion zu heben und zu mehren:») solange die übrigen Länder der Welt ihre eigen« Produktion durch Schutzzölle schirmen, das Land also, welches dieses als einzige« nicht tut, sicherlich den kürzeren zieht, b) solange es nicht gelingt, die landwirischaitlich« Technik so zu steigern, daß dadurch di« klimatischen Unterschiede der einzelnen Produktionsgebiet« ausgeglichen werden im Interesse gleichmäßiger Produktionsbedingungen und Produktionskosten. Für beide Voraussetzungen fehlt aber noch auf Generationen hinaus jede prakttsche Grundlage. Rein psychologisch ist jedenfalls ein maßvoller Schutzzoll seit jeher und in allen Ländern der natürliche Anreiz zu kühnem und segens- reichem Experimentieren von Praxis, Wissen- schaft und Technik gewesen. Ein solcher Anreiz fehlt heute. .Hinzu kommt, daß der durch die Ueberproduktion der Ueoerseeländer entstanden« Uebersluß auf die heimische Produktion drückt. Hierdurch steigert sich der L e e r l a u s der getreideverarbeitenden, h«, mischen Industrie und des getreideumsetzenden, inländischen Han- d e l s; dieser Leerlauf wächst sich naturaemäß zu einer De r- teuerung der heimischen Zwischen spanne zum Schaden der Verbraucher aus. Durch Wiedereinsührung — es handelt sich sa nur um die Wiederherstellung eines unterbrochenen Zustandes— würde u. a. die geradezu unsinnige Mehleinsuhr behindert, die deutschen Mühlen, di« jetzt still liegen, zur Aufnahme von Getreide und zum Arbeiten besähigt, ihre Selbstkosten also herabgesetzt und somit auch das Endprodukt verbilligt. Di« Wiederkehr des alten, guten Grundsatzes:„Großer Umsatz, kleiner Nutzen' sowie die von der Reichsregierung geplant« Herabsetzung der Umsatzsteuer dürften dazu mitwirken, die Ladenpreise trotz erner eventuellen Auswirkung der Z ö l l e nach menschlicher Berechnung in absolut erträglichen Grenzen zu halten. So bedeutet z. B. die Differenz der Mehlpreff« zwischen Berlin und München von 50 Proz.«m« absolut ungerechtfertigte Spannung, zeigt aber im übrigen, daß der G etreid« p rei s auf den Brotpreis kein« ausschlaggebend« Wirkung hat. Agrarzöll«, wenn sie maßvoll sind, bewirken unbedingt die Hebung der heimischen Agrarproduktion, des- gleichen aber auch mit dem Steigen der Kaufkraft der Landwirt- schaff di« kfrebling der industriellen Produktion, so- mit also bessere A'veits- und Lohnbedingungen bei der Industrie. Im übrigen sind bekanntlich vor zwei Jahren di« autonomen Jndustriezölle wieder eingeführt, si« sind sogar zum Teil erhöht. Diese abzubauen wird ernstlich von keiner Seite verlangt. Es ist aber volkswirtschaftlich ein Unding. Jndustriezölle. aber keme Agrar- zöll« zu haben, da dann die durch Zoll nicht geschützt« Landwirtschaft die durch den Jndustriezoll geschützten und verteuerten Produktions- mittel von der Industrie kaufen müßte.— Wahrung der Parttät auf diesem Gebiet ist eine Selbstverständlichkeit. Auf di« Frage:„Welche Auswirkung haben Agrar- Zölle auf die L ebenshaltmng de« Arbeiters?' er- widerte der Reichsminister: Man braucht«ine fühlbare Verteuerung, ohne Optimist zu sein. überhaupt nicht zu befürchten, wenn es gelingt, die Zmischenttellen zwischen Agrarproduzent und Verbraucher auf allen Gebieten zu einer Preiskorretturzu bewegen, die unerläßlich und besonders berechtigt ist noch Eintreten der vorgenannten Erleichterungen, wie z. B. Abbau der Umsatzsteuer, Wiederbelebung des Geschäftes, vor allem aber bei der getreide- und fleffchverarbeitenden Industrie. Zur Erreichung dieser Preiskorrektur wird die Regie- rung keine Mittel unversucht lassen. Im Lrigen trägt bekanntlich immer das Ausland einen Teil der Zollsätze, vor allem bei reichlichem AusKmdsangebot.(Siehe Be- gründüng des Gesetzentwurfs.) öen Srotwucher. die Lebenshaltung der Massen. Eine mittelbar« Auswirkung der Zölle auf tzk Lebens- Haltung, di« höchstens vorübergehend sich ausdrücken könnt«, und die dann Lohnerhöhungen zur Folge haben müßte, fürchte ich nicht, weil die bessere Beschäftigung der Industrie infolge der Wiederherstellung der Kaufkraft der Landwirtschaft besser« Lohnbedingungen einerseits und Berbilligung der Urprodukte und auch der Endprodukte auf allen Gebieten zur automatischen Folge haben müßte. Die größte Belastung des Verbrauchers«nt- steht jedenfalls immerdurch den Rückgang derhei, mischen und industriellen Produktion! Eine weitere Handhabe der Kartellgesetzgebung dürste das Ihr« dazu tun, die Preisring« zugunsten des Verbrauchers zu brechen. Es wird der Reichsregierung der Vorwurf gemocht, sie wählt« den Augenblick zur Einbringung der Zollvorlage denkbar ungeschickt, weil sich die Zölle vor Wiederausrichtung der Zollgrenze im Westen sowieso nicht auswirken könnten. Dieser Vorwurf ist ungerechtfertigt. Wir müssen bereits vor Eintreten fester Wirtschoftsgrenzen im Westen die Zollvorlag« erledigt haben, denn diesen Zeitpunkt ohne Zölle abzuwarten, hieße die unousbleib- liche Klärung dieser Frage nur verschieben und si« mit Bestimmtheit verschärfen und komplizieren. Im übrigen ist bereits heute ein Zoll- schütz nötig, da östliche Länder Roggen bereits weit unter dem beut- schen Preis anbieten. Ein Teil der Press« sieht in dem Steigen der Preis« an der Produktenbörse lediglich die Folgewirkung der Zollvorlagc und der Äusfuhrftcigabe. Beide Annahmen sind nur bedingt zutreffend. Der Hauptgrund für das Steigen der Getreidepreise ist die überraschende Hausseauf demWeltmarkt. Im übrigen zeigt sich natürlich immer bei Eintreten solcher Momente ein« gewiss« Spekulatton an der Getreidebörse, die sich auf Termingeschäft« legt, die aber nur vor- übergehenden Charakter l>ab«n dürft«. An und für sich könnten all«, die es wirtlich mit der Sicherung der Boltsernähruna gut meinen, froh sein, wenn allein die Zolloorlage und di« Ausfuhrfreigab« tot- fachlich eine angemessene Erhöhung der allseits als viel zu niedrig anerkannten Getreidepreis« bringen würde. Es wird der Reichs- regierung vorgeworfen, sie hätte mit der Zollvorlag««inen„un- vorhergesehenen Ueberfall" auf das deutsch« Volk unternommen. Das stimmt nicht. Der Reichswirtschaftsrat hat in jüngster Zeit monatelang über dieses Thema verliandelt und der Regierung ein in aller Oeffentlichkeit bekanntes präzises Gutachten an die Hand gegeben, weiches als sachliche Unterlage für di« Vorlag« gelten muß. Für jede ihrer Verantwortung bewußte Regierung darf die Fragestellung nicht lauten:„Wie schaffe ich dem Balte für die allernächst« Zeit möglichst billiges Brot?" sondern sie muß lauten:„W i« sichere ich vorausschauend dem Volke auch für die Zukunft Brot zu ertrag- lichen und vor allem gleichbleibenden Preisen?" Da Ernährungspolitik. wie eingangs erwähnt, vorsorgliche Politik lein muß, tonnt« die Beantwortung dieser Frage nur in der heutigen Gesetzcsvorlage gesunden werden. Jede andere Revierung würde frei- willig oder unfreiwillig sehr bald vor derselben Frage stehen und unter dem Druck der katastrophalen Wirtschaftslage, di« durch andere Mittel kaum zu beheben ist, zwangsläufig zu derselben Antwort kommen, die auszusprechen oder gor in die Praxis umzusetzen, sicher- lich sehr unpopulär, deshalb aber nickt weniger notwendig ist. Im übrigen handelt es sich heute, wie nochmals ausdrücklich bemerkt sei. um di« unerläßliche Schaffung eines Provisoriums und um die Ausfüllung eines Vakuums aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen. Jede Art von Zöllen ist immer nur«in notwendiges Uebel. Die Grundfrag«, ob und inwieweit wir in Zukunft Zollpolitik treiben sollen, wird bei den Verhandlungen über den neuen Zolltaris, die aber noch in weitem Feld« liegen, aufgerollt und ausgofochten werden. Aue ernährungspolitischen und handelspolitischen Gründen ist die sofortige Vorlag« unerläßlich. Der Reichsernährungsminister hat endlich die Begrün- dung seiner Zollvorlage nachgeliefert. Die Begründung ist wie das Gesetz selbst: sie geht aus vom engsten Gesichtskreis großagrarischer Interessen. Sie tut den Tatsachen und Er- fahrungen des Wirtschaftslebens Gewalt an. Wir begnügen uns für heute, die gröbsten U n r i ch- t i g k e i t e n dieser Begründung aufzuzeigen. Der Schutzzoll führt nicht zur Intensivierung, er ver- ewigt vielmehr die extensive Wirtschaft, so- weit sie heute betrieben wird, und gewährt dafür den Be- sitzern besserer Böden und den Großagrariern ein- Differentialreute. Die Behauptung, daß der Schutzzoll keine Brotpreis- steigerung und damit keine Senkung, der Lebenshaltung der Massen nach sich ziehe, schlägt den Erfahrungen ins Gesicht, die die arbeitenden Massen in Deutschland mit den Schutz- Men nach 1V02 gemacht haben. Es ist volkswirtschaftlich Unsinn, daß der Schutzzoll für Agrarvwdukte und die damit verbundene Preissteigerung eine Senkung der Preise für Jndustrieprodukte und da» mit des gesamten Preisniveaus nach sich ziehen würde. Im Gegenteil: die Folge ist die Verteuerung der Produktion, da- mit die Erschwerung des Exports, zugleich aber auch die Schwächung des inneren Marktes. Statt des lockenden Bildes, das Graf Könitz malt: keine Arbeitslosigkeit mehr, höhere Löhne, wird sich ein anderes, nur zu trübes zeigen: Stockung der Produktion, wachsende Arbeitslosigkeit, allge- meine Teuerung, Hunger I D i e Argumente und Behauptungen, die Graf K a n i tz zur Verteidgung seiner Vorlage gebraucht, hat nicht einmal der Reichslandbund auszustellen gewagt! Die Seelenverwandtschaft zwischen dem Reichsernährungs- minister und dem Reichslandbund tritt in dieser Verteidi- gvng nur zu deutlich hervor. Die Vorlage ist ein Anschlag gegen die arbeitenden Massen im Interesse des Großagrarier- tums, und Graf Kanitz glaubt, er könne mit Volkswirtschaft- lichen Ammenmärchen ihren wahren Charakter verbergen. -% der preffekonflitt beigelegt. Der Pressekonflikt, über den wir«estern morgen berichtet haben, ist inzwischen beigelegt worden. Mitglieder des zurück- getretenen Vorstandes vom Verein der Ausländischen Presse in Berlin hoben dem Pressechef der Reichsregierung und dem Außen- minister Dr. Stresemann ihr Bedauern über Form und Ton des Schreibens ausgesprochen, das der Vorstand an die Zentralbehörden abgesandt hatte. Diese Entschuldigungen sind«nt- gegengenommen worden, und der gesellschaftliche Konflikt zwischen Regierungsmitgliedern und Auslandsjommalisten Ist damit beigelegt. Selbswerständlich wird dadurch der sachliche Inhalt der Wünsche und Beschwerden der Auslandsjournalisten nicht betroffen. Der Verein hat inzwischen folgenden neuen Vorstand gewählt: 1. Vors. F. Voigt(Manchester Guardian), stellv. Bors. George Blun (Frankreich). Ferner setzt sich der Vorstand zusammen aus: Koe- lensmid(Holland), Dertesi(Ungarn), Damgreen(Schweden). Regnold»(England),©haplen(Amerika), Miß Schulz(Amerika), Monelli(Italien), 3: ammar(Spanien) und Frau Dr. Keich(Rußland). Gewerkschaftsbewegung Auf die Straße. Mannheim, 14. Juli.( BTB.) Die Firma$ einrich ganz macht ihrer Belegfchaft durch Anschlag bekannt, daß fie fich gezwungen fieht, vom nächsten Samstag an ihren Betrieb st i II zulegen und die gesamte Arbeiterschaft, etwa 5000 Mann, zu cntiaffen, sowie zu dem nächsten zulässigen Termin sämtlichen Beamten und Angestellten zu kündigen. Als Grund wird Geld und Arebiimangel angegeben. Die Verhand lungen des Betriebsrates der Firma mit dem Arbeitsministerium in Rarlsruhe verliefen ergebnislos, da dieses sich außerstande erklärt, dem Ersuchen der Firma um Staatskredite Folge ju geben. Mannheim, 14. Juli.( WTB.) Die Automobilfabrik Rabag. Bugatti hat angekündigt, daß fie von Dienstag an zwei Drittel ihrer Arbeiter entlaffen wird. Meldungen, wie die vorstehenden, gehen uns jetzt täglich zu. Es geht aus ihnen zunächst hervor, daß es immer die Arbeit: nehmerschaft ist, die für die Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit der Unternehmer zu büßen hat. Jahrelang hat das Unternehmertum in Deutschland, getrieben von egoistischen Gewinnmotiven, ohne Rücksicht und ohne Voraussicht auf die unvermeidlichen wirtschaft lichen Folgen, mit der Inflation gearbeitet, auf den Zusammenbruch der Mark spekuliert. Es war ja so schön! Steuern bezahlte man so gut wie überhaupt nicht, ja, man fonnte noch mit den Beiträgen und Steuern. die den Arbeitern und Angestellten vom Lohne abgezogen wurden, spekulieren. Die Reallöhne schrumpften zu einem lächerlich geringen Saz zusammen, die Gewinne dagegen schwollen ins Phantastische. Alle Warnungen, die insbesondere von sozialdemokratischer Seite erhoben wurden, schlug man in den Wind. Alle Versuche, die Mart zu stabilisieren, wurden sabotiert. Es tam der Ruhrkrieg, für den die Arbeiterschaft bluten mußte und den das Bürgertum so führte, daß er mit einem fürchterlichen Zusammenbruch endete. Nun ist das Betriebskapital, das immer Leihkapital ist, verpulvert, verbaut, ins Ausland verschleudert und verschoben, an die Aktionäre unter den verschiedensten Formen verschenkt. Um Betriebsfapital aufzunehmen, müssen Bucherzinsen gezahlt merden, soweit man überhaupt Kredit bekommen fann. Da die Industrie teinen Kredit bekommt, kann sie auch keinen geben. Aber nicht dadurch allein wird die Industrie in ihrer Konfurrenzfähigkeit beeinträchtigt. Während der Inflationsjahre hat man den technischen Ausbau der Betriebe, ihre Fortentwidlung und Rationalisierung vernachlässigt. Das rächt sich jetzt.. Die Arbeiter schaft aber ist es, die dafür büßen muß. Von ihr verlangt man jeßt, fie foll an die Regierung herantreten, damit diese durch billige Kredite der Industrie aufhilft. Wir können die Arbeiterschaft nicht ernst genug davor warnen, sich etwa zum Handlanger einer berartigen verschleierten Inflationspolitik herzugeben. Wie die Dinge liegen, gibt es gegenwärtig praktisch nur eine Möglichkeit, aus der Kreditfrife herauszufommen: das ist die Annahme und schnelle Durch führung des Sachverständigengutachtens. Sobald die Goldnoten bant errichtet sein wird, werden auch die Kreditschwierigkeiten, unter denen die deutsche Industrie leidet, behoben sein. Nicht behoben sein wird allerdings die Schlamperei in der Betriebs- und Kalfus lationsführung, die sich während der Inflationsperiode in der deutschen Industrie eingenistet hat und bei weitem noch nicht ausgemerzt ist. Feststellen müffen wir weiter, daß die Regierung fehr schnell bei der Hand ist, um den Agrariern durch Kredite beizuspringen, um durch die Freigabe der Ausfuhr ihnen aufzuhelfen und durch die Einführung von Schutzöllen Sondergewinne auf Roften der großen Verbrauchermassen zuzuschanzen. Und während man täglich Zehntausende auf die Straße wirft, die Betriebe einschränkt, führt das Unternehmertum, unterstützt von der Regierung, einen hartnäckigen Kampf um die Verlänge= rung der Arbeitszeit. So werden die schärfften Interessengegenfäße hervorgerufen, von der Regierung gefördert, und dann stellt sich der Reichskanzler hin und beklagt sich, daß man in so scharfer Weise die Interessengegenfäße austrage. Gine derartig einseitige Klaffenkampfpolitit, wie sie gegenwärtig von den Unternehmern und der Reichsregierung auf Kosten der Arbeiterschaft geführt wird, muß die schärfste Abwehr der Arbeiterschaft hervorrufen. 2000 Arbeiter der Opel- Werke entlassen. Mainz, 15. Juli.( l.) Die Opel- Werte in Rüsselsheim haben 2000 rbeitern gekündigt. Die Handlanger der Unternehmer. Der ADGB. bereitet eine Volts abstimmung über die Ratifikation des Washingtoner Abkommens vor. Es ist höchst wahrscheinlich, daß bei euter allgemeinen Volfsabstimmung eine große Mehrheit sich für den Achtstundentag ergibt, und so dem Streben der Unternehmer nach der Verlängerung der Arbeitszeit eine Schrante gezogen wird. Dagegen toben die Unter= nehmer und ihre Presse mit ihnen aber auch die Kommu nisten. Die Welt am Abend", das kommunistische Abend blatt der Roten Fahne" schreibt: Wir halten eine allgemeine Boltsabftimmung ebenfalls nicht für angebracht. Rein aufrechter Arbeiter oder Ungestellter oder Beamten wird für eine längere Arbeitszeit für sich ftimmen. Eine solche Abstimmung würde höchstens zeigen, wie viele Arbeiter wieder geistig in die Knechtschaft der Unternehmer geraten sind. Diese werden allerdings gegen ihre beffere ueberzeugung und gegen ihre eigene Gefundheit sowie gegen ihr eigenes Interesse für bie Profitintereffen der Unternehmer stimmen. Unter so fadenscheinigem Borwand foll also der Kampf um den Achtstundentag von den Kommunisten gemeinsam mit den Unternehmern sabotiert werden. Das verlogene fommunistische Organ behauptet weiter, im ADGB. feien in der Frage des Volksentscheids ernsthafte Differenzen. Es versteigt sich zu folgender Lüge: " Die Anhänger des Achtstundentages find gegen die Volksabstimmung, während die Anhänger des Wiederaufbaues der Wirtschaft auf Kosten der Arbeiter für die Boltsabstimmung und für die verlängerte Arbeitszeit sind." Schaumpon mit dem schwarzen Kopf Das altbewährte Kopfwaschpulver Hühneraug auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich„ Lebewohl mit Filzring. Durch den Belfentscheid werden die Kommunisten vor die Frage gestellt, ob sie den Achtfiundentag mit der Masse der Arbeiter mieder erobern wollen. Angesichts dieser klaren Entscheidung, wo es ein Ja oder ein Nein gilt, und für kommunistische Doppelzüngigfeit tein Platz ist, treten sie an die Seite der Unternehmer. Sie wollen, daß die Arbeiter weiter unter dem Neun- und Zehnſtundentag seufzen, ar um dann zu hetzen nicht gegen die Unternehmer, sondern gegen die Arbeiterorganisationen. Die Aktion des ADB. Die Erregung in der unteren Beamtenschaft über die neue Besoldungsregelung ist weit entfernt, zum Stillstand zu tommen. Das ist um so begreiflicher, als die Teuerung wächst und durch die Regierungspläne noch gesteigert wird. Dazu kommt die Steigerung der Mieten, die die geringfügigen Gehaltszulagen völlig cufzehrt, sofern diese überhaupt ausreichen. Die Enttäuschung und Empörung ist bei den Beamten, die am 4. Mai der jetzigen Reichstagsmehrheit zum Siege verholfen haben, nicht weniger groß wie bei den sozialdemokratisch gesinnten Beamten. Bei jenen ist sie viel leicht noch größer, weil sie sich betrogen fühlen. Auch in der Polizei beamtenschaft, die zu den unteren Besoldungsgruppen gehört, herrscht eine begreifliche Erregung. Als der Obermeister mitteilte, daß der Verhandlungsfaal( des Verbandstages) mit schwarzrotgoldenen Fahnen de foriert werden soll, brach in der Versammlung ein anhalten. der Entrüstungssturm los. Der Obermeister hatte große Mühe, sich durchzusehen. Warum werden nicht unsere schönen Bäckerfarben sowie die preußischen Farben zur Dekoration genommen? Es ist nicht nötig, daß die neuen Landesfarben genommen merden. Die Versammlung beschloß einstimmig, daß der Borstand an den Geschäftsführenden Vorstand des Germania- Verbandes und an den Zweckverband der Bäckermeister von Groß- Berlin ein geharnischtes Protestschreiben sendet und darin vera langt, daß zur Dekoration nur unsere Bäckerfarben sowie die Innungsfähnen genommen werden. Sollte gegen Erwarten unfere Forderung nicht Gehör finden, so beteiligt sich fein ein ziges Mitglied unserer Innung an den Verbandstagen. Bom Borsigenden des Innungsgefangvereins wurde erklärt, daß der Gesangverein sich dann auch nicht an den Gesangs= Dorführungen beteiligt. Der Obermeister beruhigte die erhigten Gemüter und sprach die Hoffnung aus, daß unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Also, wenn die Reichsfarben geflaggt werden, streifen die Bäckermachen nur noch anhaltenden Entrüstungssturm" und geharnischte meister von Schöneberg- Friedenau. Sie fingen nicht mehr mit. Sie Protestschreiben"." Die Bäckermeister der Innung Schöneberg- Frie denau sind auf der Höhe ihrer Zeit. Sie sind Patrioten. Nieder mit den Reichsfarben! # Die Beamtenorganisationen, auch diejenigen, die den bürgerlichen Parteien nachlaufen, werden mit Zuschriften aus den Mits gliederkreisen geradezu überschüttet. Der Allgemeine Deutsche Sozialpolitischer Fortschritt im Saargebiet. das Unrecht, das an den Unterbeamten ausgeübt wurde, zu beBeamtenbund hat eine umfassende Atticn unternommen, um Saarbrüden, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Auf Antrag ber feitigen. Er hat an die Fraktionen des Reichstages Eingaben ge- fozialdemokratischen Fraktion des Saarländischen Landesrates foll richtet, die die Beseitigung der Ermächtigungsver jegt endlich die Verschmelzung der Knappschaftsver ordnung, die Aufstellung einer neuen Besoldungsvereine des Saargebietes nach dem Vorbild des Reichstrappschaftsordnung unter Mitwirkung des Reichstags und die Beseiti gefeges erfolgen. Auch eine Erhöhung der Pensions gung des Besoldungsfperrgefeges verlangen. Andere bezüge und der Invaliden- und Unfallrenten soll Anträge des ADB. beziehen sich auf die Personalabbauver. corgenommen werden. Allerdings hat sofort die französische Grubenordnung. Schließlich ist daran zu erinnern, daß der ADB. teil- verwaltung starte Bedenken gegen die Aufnahme von Gewerkschafts. nimmt an der Aktion der gewerkschaftlichen Spizenverbände gegen vertretern in den Borstand und von Vertrauensleuten der Bersicher die Berteuerung der Lebenshaltung durch die Schuzzollgefeße. ten in die Verwaltung geltend gemacht. Mit anderen Worten: Die Bölkerbundsregierung für das Eaargebiet hat wieder einmal zunächst die allem vorangehende Meinung der französischen Bergwerfsdirektion eingeholt, bevor sie ihren Schritt magte, für den fie nach dem Versailler Vertrag lediglich der Begutachtung des Landesrates. bedurfte. Die Bezirksfonferenzen des Alten Bergs arbeiterverbandes haben der Reform 3ugestimmt. Außerdem forderten sie aber neben einer Erhöhung der Bezüge in der Knappschafts, Kranten Unfall, Invaliden, Hinterbliebenen= und Angestelltenversicherung den Abschluß eines Freis zügigkeits- und Gegenseitigteitsvertrages mit dem Reichsfnappschaftsverein. Damit würde zugleich. eine Wahrung der Rechte derjenigen deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten der Saargruben erfolgen, deren sich der preußische Landtag bei der Beratung des Berghaushalts auf sozialistischen Antrag hin angenommen hat. Danach sollen bekanntlich die wegen ihrer deutschen Gesinnung gemaßregelten Arbeiter, Angestellten und Beamten des französischen Saarbergbaues in preußischen Dienst übernommen werden, wobei fie die vorgeschlagene Regelung vor jeder Kürzung ihrer Rechte bewahren würde. Der Verständigungswille der Unternehmer. Die„ Baugewertschaft", das Organ des chriftlichen Bauarbeiterverbandes, veröffentlichte in ihrer Nr. 27 ein Rundschreiben, der Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, der Spikenorganisation der Unternehmer, als deren Vorsitzender der bebekannte Fabrikant Borsig figuriert. Das Rundschreiben trägt Das Rundschreiben trägt den Titel: Betreffend Arbeitstampf im Baugewerbe" und ist vom 7. Mai datiert. Wir geben aus dem umfangreichen Rundschreiben folgende charakteristische Stellen wieder: " Die im Baugewerbe bestehenden Reichstarife, die zum Teil au die Beit vor dem Kriege zurückgehen, waren am 31. März abgelaufen. Da in den Verhandlungen über die Erneuerung eine Einigung, insbesondere über die Frage der Arbeitszeit und des Urlaubs, nicht erBielt werden konnte, ist vom 1. April an im gesamten Baugewerbe, och, Tief- und Betonbau, ein tarifloser Zustand eingetreten. sächlichsten Bezirken Lohnforderungen vom 1 M. und darDie derzeitige Lage ist dadurch gekennzeichnet, daß in den haupt über für den Facharbeiter gestellt werden, und daß die Arbeitnehmerorganisation an der 48- Stunden- Woche unter allen Umständen festhält und zu einer Vereinbarung über mehrarbeit nicht zu bekommen ist. Dies hat zur Folge, daß überall in Deutschland das Baugewerbe teils in Kämpfen um Lohn und Arbeitszeit, teils unmittelbar vor solchen Kämpfen steht. Es handelt fich um eine über das ganze Reich gehende Bewegung, die von Gewerkschaftsseite zweifellos zentral geführt wird und bei der die Arzentralisation zurzeit vorgenommen haen. Dies hat übrigens auch beitgeberverbände des Baugewerbes aus taftischen Gründen eine Des zur Folge, daß im gleichen Bezirk die Berhältnisse für die drei verschiedenen Arbeitgebergruppen des Baugewerbes nicht einheitlich liegen. ( Folgt Darstellung der damaligen Kampflage.) Dieser turze Lagebericht zeigt deutlich, in welcher Schwierigkeit sich das Baugewerbe zurzeit befindet, zeigt aber auch die Bichtigkeit dieser sich über das ganze Reich erstreckenden Kämpfe für die übrige Industrie und damit für die gesamte Wirtschaft. Würde das Baugewerbe den Kampf verlieren, so würde es auf eine Lohn Rüdwirtung dieser Lohnerhöhungen auf die Löhne der Industrie, höhe von 70 Bf. bis 1,20 M. die Stunde tommen. Eine auf die des Bergbaues und damit möglicherweise auch auf die Staatsarbeiter( Eisenbahn und Bost) wäre unvermeidbar. Was dies für die deutsche Wirtschaft und Währung bedeuten würde, braucht nicht näher auseinandergesetzt zu werden. Desgleichen würde es eine außerordentlich ernst zu nehmende Rückwirkung haben, wenn eine Verlängerung der Arbeitszeit im Baugewerbe nicht durchgefeht werden könnte. Diese Rückwirtung würde sich vor allem äußern in einer Berteuerung der Bauten und einer wesentlichen Erschwerung der Berhandlungen über die Verlängerung der Mehrarbeitsabfommen im Ruhrbergbau und der eisenschaffenden Industrie, wo diese Verhältnisse an und für sich sehr schwierig liegen. Aus dieser Ueberlegung dürfte sich ergeben, daß die Industrie felbst das größte Jntereffe daran haben muß, das Baugewerbe in dem ihm aufgezwungenen Kampf mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstügen. Es folgen dann detaillierte Anweisungen über die Maßnahmen, Ausführungen von Bauten dürfen teinerlei 3ugeständ die zur Unterstüßung der Bauunternehmer zu treffen sind: Bei dürfen feine Aufträge erteilt werden. Bei Aussperrungen müssen nisse gemacht werden. Den sozialen Baubetrieben auch die Bauarbeiter, die auf Bauten beschäftigt sind, die von Induftriellen in eigener Regie ausgeführt werden, gleichfalls ausgesperrt werden. Ausgesperrte und streifende Bauarbeiter dürfen nicht eingestellt werden. Die Baustoffindustrie foll über das Kempfgebiet die Materialsperre verhängen. Alle diese und noch andere Kampfmaßnahmen werden getroffen oder empfohlen, weil die Bauarbeiter am Achtstundentag festhalten und mit ihren Löhnen wieder annähernd an die gewiß nicht zu üppigen Vorfriegslöhne herankommen möchten. Das sind so bescheidene, eigentlich selbstverständliche Arbeitsbedingungen, daß darüber fein Wort zu- verlieren wäre. Es charakterisiert vortrefflich den Geist rückständigsten Scharfmachertums der VDAV., daß deswegen der ganze Apparat in Bewegung gefeßt wird, als gelte es das Letzte und Höchste zu verteidigen. Auf den überheblichen nationalökonomischen Unsinn des Rundschreibens einzugehen, erübrigt sich. Der versöhnliche Geist, die sozialpolitische Einsicht, wovon man in der BDAV. fo gern in öligen Tönen redet, kann es nicht dulden, daß schwer arbeitende Saisonarbeiter, wie es die Bauarbeiter sind, Löhne. bekommen, bei denen sie nicht gerade verhungern, und daß sie festhalten am Achtstundentag, den ein großer Teil von ihnen schon vor dem Kriege erfämpft hatte. Das ist der Verständigungswille", der heute in der Spikenorganisation der Unternehmer triumphiert. Die Bäckermeister wollen ftreiken. In der Bäder und Konditorzeitung", Organ des Zentralverbandes der Bäderinnungen Germania", des Verbandes der Fachvereine von Bäckermeisterföhnen"( so etwas gibt es!), des Arbeitgeberschuhverbandes für das Bädergewerbe usw., finden mir in Nr. 168 in der Beilage Mitteilungen für Groß- Berlin" einen Bericht von der Quartalsversammlung der Bäderinnung Schöneberg Friedenau. In diesem Bericht heißt es: = Neuabschluß des Tarifvertrags der Werksteingruppe. Die Arbeitszeit beträgt auf dem Werkplay pro Tag 8 Stunden, am Bau ist die Arbeitszeit der Maurer einzuhalten, jedoch nicht über 8 Stunden pro Tag. Wenn in Ausnahmefällen Ueberstunden geleistet werden müssen, wird wie bisher ein Zuschlag von 30 Proz gezahlt. Aufarbeiten alter Treppenstufen, Granit, Sandstein und Kunst stein in geschloffenen Räumen wird mit 5 Proz. Zuschlag als Staubzulage belegt. Sämtliche Arbeiten werden nur in Stundenlohn ausgeführt, der Stundenlohn beträgt ab 2. Juli bis 13. Auguft für Steinmege 98 Pf., für Hilfsarbeiter 71 und 74 Pf., ab 14. August bis 30. September für Steinmeße 1 M., Hilfsarbeiter 72 und 75 1. Alle anderen Bestimmungen sind wie im alten Tarifvertrag ge= blieben. Laut Borstandsbeschluß werden sämtliche im Steinarbeiterverband organisierten Kollegen aufgefordert, für die schon seit 6 Wochen im barten Kampf befindlichen Kollegen( Steinseher u. verw. Berufe Leipzigs) auf Liften Sammlungen vorzunehmen. Alle Gelder find sofort im Bureau: Gewerkschaftshaus, Eingang B, Zimmer 82, abzuliefern. abzuliefern. Kollegen, übt Solidarität! Die Ortsverwaltung. J. A.: A. Wenzel. Der Etat des Reichsarbeitsministeriums. Der Reichshaushaltsausschuß des Reichstages tritt am Sonnabend, 19. Juli, vormittags 10 Uhr, zu Verhandlungen, voraussichtlich über den Etat des Reichsarbeitsministe riums zusammen. Diefem find bekanntlich unterstellt: Das Tarif faffung, das Wohnungs- und Siedlungswesen, die gesamte Sozialverpertrags, Lohn- und Einigungswesen, die Pflege der Betriebsvers sicherung einschließlich des Krankenkassenwesens, die VersorgungsDienststellen, das Reichsversorgungsgericht, die Arbeitsvermittelung erfordert einen Zuschuß von 440,7 millionen Mart. und Erwerbslosenfürsorge, die Kriegsinvalidenhäuser usw. Der Etat Die Firma Jdeal, Schuhfabrik, Andreasstr. 32, bleibt für organifierte Kollegen weiter gesperrt, da eine Verständigung mit der Firma nicht zustande gekommen ist. Nähere Informationen sind im Bureau des Zentralverbandes der Schuhmacher, Engelufer 24, einzuholen. naam. 5 Uhr, im Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147, Funktionärver. Deutscher Solzarbeiterverband. Mufitinstrumentenarbeiter! Donnerstag, fammlung. Alle Betriebe müssen vertreten sein. Bericht über die Lohnverhandlungen. Die Branchenleitung. Zentralverband der Schuhmacher. Generalversammlung am Donnerstag abends 6 Uhr in Bockers Festfälen, Weberftr. 17. Tagesordnung: 1. Vortrag über das Krantentassenwesen. 2. Rassen- und Geschäftsbericht für das zweite Quartal 1924. Ohne Mitgliedsausweis tein Zutritt. AfA- Funktionäre ber Metallindustrie! Donnerstag, den 17. Juli, abends 7 Uhr, Musikerfäle, Raiser- Wilhelm- Str. 30/31, wichtige Bersammlung, Tagesordnung: Stellungnahme zu dem Verhandlungsergebnis mit dem BBMJ. zur Regelung der Juligehälter. AFA- Metallfartell. Günther. Lange. Rothe. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales und Sonstiges: Walter Trojan; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei Sieran 1 Beilage. B CAVALIN DAS STREUPULVER GEGEN ACHSEL- FUSSCHWEISS Überall erhältlich! Cavalin an Sommertagen schafft unendliches Behagen. Der Streupuder gegen Schweiß und dessen Wirkungen. Für Sport und Wanderung. Herstellerin W. Spindler A- G, Berlin C. 19 Nr. 330 ♦ 41. Jahrgang 1« 6dtap öes vorwärts Mittwoch, IS. Juli 1924 Laß Dir nich uff öe hühnerogen treten. Der Ideenquell des Reklamechefs der Weltfirma in Groß-Salze scheint sich also, den guten Beispielen der neuesten Zeit folgend, unter Geschäftsaufsicht gestellt zu haben. Sein Reichtum ist erschöpft. Ein« Idee, die einzige Säule, zeugt von der ehemaligen Pracht, und diese, bekannte kapitalistische Vorbilder nachahmend, ist die Idee, andere für sich arbeiten zu lassen, andere für das bekannte nicht zu übertreffende Mittel Reklame machen zu lassen. Und um dies zu erreich», hat der Reklamechf von der Wcltfirma aus Groß- Salze noch einmal feinen Geist angestrengt und also der aushorchn- den Mit- und Nachwelt in einem Preisausschreibenm Baden im Müggelsee ertrank nachmittags gegen 4 Uhr in der Nähe des Müggeljchlößchens der 20jährig« Kaufmann W, ll y K n a o k aus der Ruppiner Straße 29 vor den Augen semer An» gehörigen. Die Leiche konnte bald danach durch den Reichswaster- schütz geborgen werden. Das Baden an verbotenen Stellen hat wieder derart überhand genommen, daß die Polizei ganz energisch gegen diese Gesetzes- Übertreter in deren eigenem Interesse vorgehen wird. Um örtlich aufgetauchten Zweifeln zu begegnen, lveist der Polizeipräsident nochmals darauf hin, daß nach der Polizeioerordnung des Ober- Präsidenten vom 23. Juli 1923 das Baden im Freien(außerhalb der Badeanstalten) auch im Zweigkanal Britz-Kann«, einschließlich Britzer Hofen, Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal, ausschließlich der Seen, jedoch einschließlich der Derbindungsstrecke zivischen Pohle- See und Kleiner Wannsee. von l:m 2,2 bis 2,5, verboten ist. Die Schut-polizeibeawten sind angewiesen, auch vom Lande aus streng gegen das verbotene Baden einzuschreiten. Ci« nächtliches Erlebnis. Sie stiehlt, wenn sie betrunken ist. Ein unangenehmes nächtliches Erlebnis hatte ein Kaufmann H., der mit seinem Bruder eine Kneiptour unternomnien hatte. Man landete zu später Abendstund« in einer v e r s ch w i e- gcnen Weinstube und Diel« in der Kleiststraßc. Dem stark bezechten S). tat es hier die blondhaarige Hebe an der Bar an, die er dann auch nach Schluß des Geschäftes noch zu einem Glos Wein und Schnäpsen zu sich an den Tisch einlud. Der Bruder hatte inzwischen mit einer anderen Dame in einer Nische gegenüber Plafz genommen. Boll der süßen Getränke versank H. bald in tiefen Schlaf. Diese Gelegenheit benutzte seine Gesellschafterin, die Bar- dame Helen« L., um ihm seine goldene Uhr und Kette a b- zuknöpfen und auch die Lrillantnadel aus der Krawatte zu ziehen. Zufällig sah der Bruder in der anderen Nische, als die Diebin Uhr und Kette in ihr Mieder versenkte- Gleich darauf suchte sie nach der Toilette zu entschlüpfen, er stellte sie aber und zwang sie, die gestohlenen Gegen st ände herauszugeben. Als der Brud-r am nächsten. Tage aus seinem Rausch erwachte, stellt« sich erst heraus, daß auch die Brillantnadel fehlte. Da oll« Bor- stellungen, von der Bardame die Herausgab« der Nadel zu erlangen. fehlgingen, sah man sich genötigt, Strafantrag zu stellen. Unter der Anklage des Diebstahls vor Gericht stehend, versichert« die An- geklagte mit der Miene der unschuldigen frommen Helen«, daß sie von allem nichts wisie. Ihr sti nur so, als ob sie die Nadel in das Sofa gesteckt habe. Wo di« Nadel dann geblieben sei, wisse sie nicht. Belastend war für die Angeklagte, daß sie schon mehrfach vovbestrast war, und' zwar wegen genau in derselben Weif« aus- geführten Diebstahls. Dafür hatte sie die Erklärung, daß sie in der Trunkenheit«inen Hang zum Stehlen habe, sie pflege aber, sobald sie nüchtern gewesen sei. die gestohlenen Ge- genitände wieder zurückzugeben Das Landgericht III hielt die Angeklagte des Diebstahls für überführt und bestätigte di« vom Schöffen- geridji erkanitt« Straf« von vier M onaten Gefängnis als zu Recht bestehend: iedöch wurde auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Bcecker der Haftbefehl aufgehoben. Noch kein„Invalide"! Wenn«in Arbeiter in die Jahre kommt, wird es ihm im Be- trieb sehr bald unter die Nase gerieben, daß er eigentlich zu nichts Rechtem mehr zu brauchen fei. Wenn er aber selber sich als Inva- lid« zu fühlen anfängt und nun sein« Rechte aus der Invalidenoer- sicherung geltend machen will, dann kann er die Ueberraschung erleben, daß ihm mit einem Male«in« noch ziemlich ausreichende Er- werbsfähigkeit bescheinigt wird. Wie mürbe und morsch «lner sein muß, um als Invalide anerkannt zu werden, das sieht der Arbeiter erst, wenn er seine Invalidenrente beansprucht Ein Arbeiter, der dem Zentraloerbond der Invaliden und Witwen Deutschlands angehört und durch die Geschäftsstelle des Gaues Groß-Berlin«inen schon mal gestellten Antrag auf Invaliden- rente am 29. Januar erneuerte, wurde mit folgendem Bescheid vom 1. Juli abgefertigt: „Nach den in dem gegenwärtigen Verfahren über Ihren Gesund- heitszustand abgegebenen ärztlichen Gutachten vom 29. 4. 24, 3. 6. 24 und 20. 6. 24 behindert di« bei Ihnen festgestellte Gefäßver- Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 16. Juli. Tageseinteilung Vormittage 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr; Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5,30—7 Uhr abends: Ünterhaltungsmusik(Berliner Funkkapolle). 7,30 Uhr abends: Vortrag der Frau Ida Orlott:„Säohelchon"(Jngend- vortrag). 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Julius Urgiss:„Wie schreibt man einen Film?" 9—11 Uhr abends: Blasorchester. Dirigent: Kapellmeister Carl Woitech ach. 1. Alte Kameraden. Marsch, C. Teicke. 2. Ouvertüre zu„Die lustigen Weiber von Windsor", Nicolai. 3. Die Glocken von St. Malo. Gavotte, W. Rinnor. 4 Aus schöner Zeit, Walzer, Waldteufel. 6. Sensation, Foxtrott, 0. Woit- schach. Während der Pause: Dritte Bekanntgabe der neuestep Tagesnachriohten, Zeitansage. Wetterdienst. 6. Radiowellen, Potpourri, C. Morena. 7. An der Weser, Lied, Pressol. 8. O Frühljng, wie bist du so schön. Walzer, Paul Lincke. S. Apfelbliite, Intermezzo, L. Siede. 10. Musinen-Marech, Karl. Härtung mit geringer Herzvergrößerung, Schlaganfallfolgen mäßigen Grade-, chronische Mittelohreiterung links mit völliger Taubheit und die hochgradige Schwerhörigkeit Sie noch nicht derartig in Ihrer Erwerbsfähigkeit, daß Sie bereits als Invalide anzusehen wären: Ihr Rentenontrog mußte daher als unbegründet abgelehnt werden.' Der Verband hatte dem Rentenantrog das Gutachten eines Spezialarztes beigefügt, der den Arbeiter aus längerer Behandlung kennt und ihn für erwerbsunfähig erklärt. Der Vertrauens- arzt aber, der den Antragsteller vielleicht nur aus zwei oder drei Unterfuchungen von kurzer Dauer kennen lernt, weiß es besser und sieht noch keine Invalidität. Man könnte den Bescheid fast komisch finden, wenn nicht die Sache für den davon betroffenen Arbeiter so traurig wäre. Der Berbond wird übrigens Berufung einlegen und er hofft, beim Reichsverficherungsomt ein« ander« Auf- lasiung durchzusetzen._ Ein merkwürdiger Widerspruch. Wer hat geschlagen? Nächtlich« Borkommnisse auf einer Polizeiwache wurden in einem Termin vor dem Amtsgericht Beriin-Mitte behandelt. Der Angeklagte G. sollt« nach der Anklage nach seiner Festnahme auf der Wache skandaliert haben, die Beamten tätlich und wörtlich belei- digt und Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet haben. Der Angeklagte bekundet«, daß er in einer Januarnacht von zwei Un- bekannten, scheinbar Ausländern, auf der Straße angerempelt und beleidigt worden war und die Feststellung dieser Personen veranlassen wollt«. Er hotte sich zwei Schupobeamte und bezeichnete diesen zwei vor einem Bierlokal stehende Zivilisten als die Beleidiger. Die Beschuldigten entpuppten sich als Schupobeomte in Zivil, die mit der Anrempelung tatsächlich nichts zu tun hatten. Anstatt sich nun aber mit der Entschuldigung des G. zufrieden zu geben, verlangten sie nun ihrerseits die Festnahme des Anschuldigers, und die Dienst- tuenden hatten auch nichts Besseres zu tun und nahmen den ver- dutzten G. zur Wache mit. E. bestritt, sofort auf de? Wache Radon gemacht zu haben, sondern wollte sich nur gegen die Art und Weise. wie er behandelt worden ist, zur Wehr gesetzt haben. Der Angeklagte gab auch zu, Schimpfwort« gebraucht zu haben, doch hätte er sie i n der Erregung über die�shm widerfahren« Behandlung gemacht. Er sei gestoßen, beleidigt, an Händen und Füßen gefesselt geworden, und die Beamten hätten ihn auch geschlagen. Ein als Sachverstän- diger vernommener Sanitätsrat bekundete, daß er bei dem Angsklag- ten am frühen Morgen nach der fraglichen Nacht am ganzen Arm etwa 29 blutunterlaufene breite Striemen festgestellt hätte, di« ohne ollem Zweifel von Schlägen herrührten. Die als Zeugen vernommenen Schupobeamten beschworen, daß' k e i n e r v o n ihnen, so lang« sie mit dem Angeklagten zu tun hatten, ihn geschlagen oder sonstwie unoorschriftsmäßig behandelt hätte. Der Angeklagte wäre von Anfang an aggressiv gewesen, und sie hätten die Pflicht gehabt, sich seiner mit ollen Mitteln zu erwehren. Die Striemen müßte sich G. in der Zell« oder bei dem Handgemenge zugezogen haben. Obwohl der Vorsitzend« ihnen vorhielt, daß der Angeklagte gar keinen Grund gehabt hätte, auf der Wache Wider- stand zu leisten, da er sich frei von Schuld fühlen muhte, blieben die Zeuge» bei ihrer Darstellung. Der Anklagevertreter stellte fest, daß die beiden im Amt befindlichen Beantten wohl formell richtig, vom praktischen Standpunkt aus betrachtet aber unklug gehandelt halten, als sie G. festnahmen. Es wäre richtiger und einfacher gewesen, den Angeklagten wie auch die Beamten in Zivil auf die Gering- fügigkeit der ganzen Sache hinzuweisen, um so für«ine gütlich« Er- ledtgung zu sorgen. Der Angeklagte sei aber auf der Wache sehr ungeschickt aufgetreten und hätte die Beamten gereizt. Der Amts- anwalt sah trotz des Gutachtens als nicht erwiesen an, daß die. Striemen von Schlägen herrührten. Er beantragte, den Angeklagten wegen des Widerstandes und der Beqmtenbeleidigung zu 5J) Mark Geldstrafe zu verurteilen. Der Verteidiger Dr. Kurt Rosen- feld berief sich auf die Aussagen einer Zeugin, die von einem reni- ienten Auftreten des Angeklagten nichts bemerkt hatte. Di« S t r i e- m e n bei dem Angeklagten könnten nicht fortgeleugnet werden. Der Beweis, daß der Angeklagt« geschlagen worden sei, ist seiner Mei- nung nach erbracht. Der Angeklagte sei höchstens wegen der Belei- digungen strafbar, wobei ihm aber seine Erregung über die Be- Handlung anzurechnen sei. Das Gericht oerurteilte trotz- dem den Angeklagten dem Antrage des Amtsanwalts gemäß, indem es als nicht erwiesen ansah, daß G. geschlagen worden sei. Der Angeklagte behielt sich sein Einspruchsrecht vor. Beim wilde» Angel» angeschossen. Gegen III'. Uhr nachts überraschte der Fischereiaufseher August L u n a u aus Buchholz an dem Teich der städtischen Gutsverwaltung Blankenburg vier Männer beim unberechtigten Angeln. Da sie trotz wiederholter Haltrufe nicht stehen blieben, gab L. einen Schuß 33) Die Venus von Syrakus. von Clara Rahka. Der erste Mensch, der es erfuhr, war Frau Bruscoli. und sogleich regten sich mütterliche Gefühle unter ihrem Brusttuch. Wenn Renzo mit seinem Figurenmachen so viel Geld ver- dienen konnte, dann war er noch langst nicht der schlechteste Schwiegersohn. Zudem, tausend Ähre, das war wie em Stempel, wahrscheinlich war er also doch„gottbegnadet". Dann hörte es der alte Gagmi. Was für em Teufelskerl dieser Renzo war: für tausend Lire gab er seine Kopie ab. unter tausend Lire, nein, dann behielte er sie lieber selbst, sagte die kleine Fiametta. Gewiß, so mußte man es machen. Selbst- vertrauen hatte der Renzo. das mußte man ihm schon lassen. Ganz wohl war ihm dennoch nicht bei der Geschichte. Hotte er nicht nochmals hingehen und jagen müssen: es ist ja nur eine Kopie und sie stammt von meinem schuler. Er ging aus dem Haufe, er wollte nichts mehr von diesem Handel hören und sehen. Dann aber kamen die Brüder ualcont. Mit der ihnen eigenen heißen und ratternden Begelste- rung stürzten sie sich über die Venns her. schleppten sie aus ihrem Verschlag und stellten sie in dem Hofe aus. Alles lehnte sich aus Fenstern, über Brüstungen. Wie zwei Marktschreier standen sie rechts und links und überboten sich in Lobpreisungen. Sie hörten nut ihrem Gebell und Geknatter nicht auf, bevor ihre eigenen Herzen nicht wild schlugen. Das Leben war doch eine zu prachtige Sache: wo man es recht herzhaft anpackte, konnte man flammen heraus- schlagen. Selbstverständlich war es gar keine Arbeit, die Venus einzupacken, es war ein Fest. � Alle Mädchen schleppten Lumpen herbei, Papier, Seile: die jungen Männer brachten Bretter und Stangen. Es gab ein Lärmen, Schreien, Lachen auf dem Hofe, als wäre eine Volksbelustigung angebrochen. Dabei wurde es immer dunkler. Der Oelhändler Campofiori versorgte alle großen und kleinen Lichte mit Oel: seine vierzehn Kinder umkreisten ihn dabei. Einzig seine Frau saß in größter Seelenruhe ein wenig abseits. Sie wußte, was ihr jedes Jahr brachte, das da waren die täglichen Scherze, die kleinen Unterhaltungen. Mutter Bruscoli sorgte für das gemeinsame Abendbrot und für Chianti. Sie war heute freigebig. Eigentlich aber waren die Brüder Falcom das Herz der ganzen Zeremonie. Sie hoben, stemmten, hüpften, banden, hämmerten und begleiteten den ganzen Chor der Töne mit dem hocherhobenen, unaufhörlichen Geratter ihrer Stimmen. Einen Augenblick lang sah auch Fratelli durch den Tor- bogen, doch er zog sich schleunigst zurück. Diese beiden fana- tisch arbeitenden Kerle mitsamt ihren Freunden und Freun- dinnen waren imstande, seinen Beutel bis aus den Grund um- zudrehen. Hier gab es mehr Hände, als er Lust hatte zu füllen. Am anderen Morgen jedoch stand er wie ein kollernder Puter an Bord des Schiffes. Der Kapitän hatte ihm schon zweimal bedeutet, daß er nun nicht länger warten könnte— und noch war nichts von der vermummten Benus zu sehen. Da sprang ein Getöse um die Ecke und gleich darauf ein bunter Eselkarren. „Herrgott, sie machen die Benus zuschandenl" rief Fratelli entsetzt. Einer der Brüder Falconi stand aufrecht da und feuerte seinen Esel mit einer Flut wohlgemeinter Flüche zur Eile an, der andere lief hinterdrein und hielt das Ende einer dicken Säule fest, die dennoch hin und her kollerte, und zu beiden Seiten des Karrens rannten fast alle jungen Bewohner des Palazzo Vigliena, aus Leibeskräften schreiend. Nur so konnte man ein abfahrendes Schiff erreichen. Selbstverständlich machte dieser Aufzug auf Kapitän wie Matrosen einen starken Eindruck: man wartete voll Ver- ständnis. Es kostete unglaubliche Mühe, die Benus an Bord des Schiffes zu bringen. Mehrere Male sah Fratelli sie schon unten im Hafen liegen: jedoch die Brüder Falconi blieben in heiterster Laune. Schließlich streckten sie Fratelli gleichzeitig ihre Hände hin, und angesichts so vieler Mühe und so vieler Zuschauer blieb ihm nichts anderes übrig, als diese Hände zu füllen. Fiametta steckte mit stolzer Würde den Beutel mit den tausend Lire ein.— Das wäre nun alles recht gewesen, wenn sie Renzo am Tage zuvor gesprochen hätte: so aber war immer noch etwas Hinterhälterifches an der Sache. Zwei, drei Tage später, und Renzo stand im Hof. Sollte sie das abwarten, sollte sie hingehen und ihm alles erzählen? Lieber nicht— nein, nein, lieber nicht. Wenn man so allein vor ihm stand, hatte alles ein anderes Gesicht, als mitten in der Begeisterung der vielen Genossen. Abwarten!— Die Siedehitze im Palazzo drohte gerade abzuflauen, da kam Renzo die Via Bandiera hinunter. Er kam zu Fuß und war gut gelaunt. Es gab allerlei mit dem Meister zu über- legen, dann gings wieder zu den Benediktinern. Bor allem: er sah seine Venus wieder! Die Geliebte, Herrliche! Kaum war er im Torbogen, da umringten ihn auch schon mehrere Campofiori-Kinder. Was sie eigei-�.ch von ihm wollten, verstand er nicht recht, doch er begriff, daß sie ihn für einen vollkommenen Glückspilz hielten. Weshalb nicht? Vielleicht war er das auch. Wie aber wurde ihm zumute, als er in den Hof trat! Glückwünsche, Händedrücke, Umarmungen, Zurufe— und hindurch schritt Mutter Bruscoli und reichte ihm einen Beutel mit tausend Lire darin. „Hier hast du sie, mein Sohn," sagte sie bedeutungsvoll. Alle erwarteten jubelnde Begeisterung und sahen nur grenzenloses Staunen. „Für was— von wem denn?" sagte Renzo fast ängstlich. „Dieser Halunke, dieser Schauspieler, macht das beste Ge- schüft," rief Falconi der Aellere und schlug Renzo auf die Schulter.„Macht das beste Geschäft und tut wie ein Kitzchen, das zum ersten Male in die Sonne blinzelt, wahrhastig!" rief Falconi der Jüngere, und alle stimmten in sein Ge- lächter ein. „Ich? Ich? Ja. was ist denn los?" Renzo schaute er- regt um sich. -Da kam Gagini auf ihn zu.„Ich habe es nicht gerne ge- tan, doch du wolltest es so. Mag es dir zum Glück gereichen," sagte er sanft, nahm den Beutel aus der nunmehr zögernden Hand der Frau Bruscoli und übergab ihn Renzo. Der hielt ihn wohl fest, jedoch wie geistesabwesend.' Oben auf der Altane, platt am Boden, lag Fiametta. Sie hatte es sich doch viel leichter gedacht. Gespannt starrte sie durch die Stabe. (Fortsetzung folgt.) tui, durch den der 41 Fahre alte Arbeiter Karl Stahlberg aus der Eichendorffstr. 2 am reckten Oberschenkel verletzt wurde. Man brachle ihn nach dem Panlower Krankenhause. Zwei der Mitangler konnten ebenfalls festgestellt werden, während der vierte Mann entkommen ist._ Gegen üen Grotwucher. Die allgemeine Funttionärinnenkonferenz, die in den Sophien- �ien stattfand, erfreute sich eines außerordentlich starken Besuches. Genossin Tode» ha gen eröffnete dt« Versammlung und teilte mit, daß die Genossin Schreiber, die als Rednerin des Abends vor» gesehen war, zurzeit in Paris weile und den Wunsch geäußert hatte, vor den Berliner Genossinnen zugleich über ihre Eindrücke in Amerika und Frankreich zu sprechen. Genossin Todenhagen erteilte, nachdem st: selbst in scharfen Worten gegen die Schußzollpolitik Stellung ge- nrnrmen hatte, der Genossin Wurm, Mitglied des Reichstags, das Wort. Die Rednenn betonte, daß man heute gar nicht anders könne, als die Frage der Schutzzollpolitik in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu rücken. Di« bürgerliche Regierung Hab« von der Sozialdemokratie«ine Art Bewährungsfrist erhalten, um die notwendigen Arbeiten für das Sachverständigengutachten durch- zuführen. Drese Zeit aber habe sie dazu benutzt, um sich vor den Agrariern zu beugen Die Deutschnationalen machten ihr« Zu- stimmung zum Dawes-Gutachten davon abhängig, daß ihnen schon im voraus der Zollschutz von der Regierung als Gegengabe geschenkt würde. Auf dem Gebiete des Schutzzolles aber gebe es für die Sozialdemokratische Partei keinerlei Kompromisse. Es sei unwahr, wenn man behaupte, daß der Schutzzoll keine Erhöhung des Brot- Preises mit sich bringe. Nachdem die Rednerin noch über die Wir- kungen der Umsatzsteuer gesprochen hatte, betonte sie, es sei wahr, die Landwirtschaft habe augenblicklich kein Geld, aber wir alle hätten kein Geld, nur die Landwirtschaft hätte das vor uns voraus, daß sie sehr glänzende Einnahmen gehabt hätte. Das schlechte deutsche Mehl, das zurzeit auf dem Markte sei. stamme noch aus dem zurückgehaltenen Um- lagegstreide, daher sei es kein Wunder, wenn die Frauen das gute ausländische Mehl vorzögen. Wenn die Schutzzölle kämen, könnten wir es leicht erleben, daß unsere Landwirte erstklassigen Weizen exportierten, um den schlechten ihrem lieben deutschen Volke anzubieten. Wir würden für inländisches Getreide Weltmarktpreise bezal/en müsten plus Zoll. Das Ausland aber würde, sobald wir Schutzzölle einführten, andere Dinge mit Zoll belegen, die wir gerne exportieren möchten. Di« Genossin Scheibenhuber betont«, daß bei der Einführung der Einfuhrzölle wir Großstädter bald kein Fleisch zu sehen bekommen würden. Die Agrarier könnten dann die Preise schrauben, wie sie wollten und uns gegebenenfalls den Markt sperren. Genossin Schwerin wies darauf hin, daß die Lag« innen- und außenpolitisch kritisch sei und eine Aufklärung unter den Frauen dringend notwendig wäre. Nachdem die Genossinnen Wachenheim und Wengers sich in gleichem Sinne geäußert hatten, warnte die Genossin Böhm« S ch u ch sehr eindringlich davor', Jllusionspolitit zu treiben. Es müsse ein Sturm von außen gegen die Zollpolitik einfttzen. Wir dürften aber nicht nur kritisieren, wir müßten es auch besser machen wollen. Mit absolutester Ehrlichkeit käme man am weitesten. Die Genossin Deutschmann richtete an die Fraktion die Aufforderung, sich nicht überrumpeln zu lassen. Eine Resolution, die sich gegen die Freigabe der Getreideausfuhr und die beabsichtigte Wiedereinführung der Getreidezölle wandte, wurde ein- stimmig angenommen Genossin Ingm an-Amerika sprach sodann über die amerikanischen Verhältnisse. Sie sagte, die sozio- listische Bewegung in Ameri ka wäre durch die Zer- splitterung und Zerstörung der Kommuni st en fast zugrundegegangen. Die russische Revolution habe selbst in Amerika eine Aufmunterung gebracht, weil man an«ine echte sozial« Revolution geglaubt habe, doch hätten die Bo lsche w iste n den Sozialismus sehr in Mißkredit gebracht. Die Kom- munisten hätten in Amerika wohl die Parteibeweguirg, aber nicht die gewerkschaftliche Bewegung zugrunde richten können. In Ameri. ka müßten die Soziali st en von neuem anfangen. Die Kommunisten hätten aber auch kein« Mitglieder, denn die Massen hätten sich einfach von der Politik zurück- gezogen. Interessant sei es jetzt, daß die amerikanische Arbeiter- bewegung taktisch ganz andere Wege ginge, und sie kam auf die Auf- stellung des Senators La Follett« zu sprechen, was ein« A«nde- rimg in der ganzen Politik bedeutete. Wer früher in der amerika- nischen sozialistischen Partei nur von einer Koalition mit Bürger- lichen geredet hätte, sei aus der Partei ausgeschlossen worden. Jetzt aber hätten sie ihre Taktik geändert und sie den Verhältnissen angepaßt. Di« Kommunisten, die erst aus der Partei herausmußten, müssen fetzt auf eine Parole aus Moskau in die Gewerkschaften hinein, um auf diese Art und Weis« auch dort den Versuch der Zer- splitterung zu machen. Die Zahl der Kommunisten sei, wie schon er- wöhnt. nur sehr klein, doch machten sie ein Getöse, ein Geschrei, als ob Millionen hinter ihnen ständen. Wir müssen stets betonen, daß die Verhältnisse in Rußland nur eine Parodie auf den Sozialismus seien. Das hätten die amerikanischen Führer nicht früh genug gesagt, daher hätten sie die Mass« verloren. Rußland ist kein Beweis gegen den Sozialismus, weil dort k»in Sozialismus vorhanden ist. Alsdann wurden Vorschläge für die Vorstandswahben zum nächsten Bezirkstag gemacht.__ Die Aerienspiele im Bezirk Neukölln haben am Donnerstag, den 10. Juli, begonnen und enden am Mittwoch, den 6. Au gu st. Als Sammelplätze kommen wie im Vorjahre Boddinplatz, Warth« st raße Ecke Hermann st raß«. Emser Straß« Ecke Bergstraße und Hertzbergplatz in Frage. Die Kinder müssen sich an einem der bezeichneten Plätze bis spätestens 7� Uhr einfinden. Mitzubringen sind unzerbrechliches Eßgeschirr, Frühstücksbrot und, wenn möglich, ein« Decke oder Umhang. Die Kinder werden mittels Soniderzug noch Niederschöne. weide-Iohannisthal befördert und erhalten bei der An- tunst auf dem Spielplatz«in« Quäkersuppe oder Kakao. Ab 12 Uhr werden eine Mittagsmahlzeit, bestehend aus% Liter nahrhaftem Essen und nachmittags Kaffee und 2 Schrippen, gereicht. Di« Wochenkarte kostet für das erste Kind einer Familie 1,20 M., für das zweite Kind 0,6 0 M.. das dritte und die weiteren Kinder der Familie sind frei. Für die erste und letzte halbe Woche gilt die Hälfte der vorstehenden Sätze. Mit 120 Kilometer in üke Tiefe. 27 Güterwagen abgestürzt. Ein Eisenbahnunglück ereignete sich nach einer Meldung aus Zittau am 14. Juli abends auf der Strecke Warnsdorf- Bodenbach. Von dem um 9 Uhr abfahrenden Güterzug lösten s i ch hinter der Station St. Georgenthal 27Wagenab und sausten mit 12 0 Kilometer Geschwindigkeit nach Warnsdorf. Der Schlußbremser Ost ermann aus Bodenbach tat bis zum Schluß seine Pflicht und bremste so stark, daß die Räder glühten und die Untergestelle Feuer fingen. Di« Ästigen dgrch- fuhren mit großer Geschwindigkeit die 8-Kurven, ohne zu entgleisen, durschlugen einen Prellbock und stürzten dann in eine Talniederung, wo st« einen wüsten Trümmerhaufen bildeten. Di« Wagen waren zum größen Teil mit für Ungarn und Iugo- slawlen bestimmten Waren beladen. Der Bremser Ost ermann l i« g t t o t unter den Trümmern. Ein Hilfszug aus Warnsdorf und den umliegenden Bahnhöfen ist für die Ausräumungsarbeiten ein- getroffen, die zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen werden. Per- kehrsstörung ist nicht verursacht. Nach einer anderen Meldung durch- fuhren die Wagen den Bahnhof Warnsdorf, die Drehscheibe und stürzten dann ab. Tfiheta-Debattl Im preußischen Landtag, der gestern Dienstag über den Antrag der Kommunisten wegen der Haussuchung in ihren Land- tagszimmern beriet, sprach nach den schon gemeldeten Ausführungen des Ausschußberichterstatters Abg. N u s ch k e(Dem.) Abg. Deerberg(Dnat.). Er führte aus, die Immunität des Ab- geordneten müsse da ihre Grenzen finden, wo die Interessen der Allgemeinheit gefährdet werden. Die Enischeidung in solchen Fragen liege ausschließlich beim Präsidenten, der im vorliegenden Falle gar nichtverpflichtet gewesen wäre, dem Hause die Gründe mirzu- teilen, die ihm der Untersuchungsrichter für sein Ersuchen angegeben hat. Der Bericht des Reichstagsausschusses über die kommunistischen Hafientlassungsanträge habe gezeigt, daß die kommunistische T s ch e k a tatsächlich Morde vorbereitet und zum Teil schon aus- geführt hat.(Unruhe und Rufe der Kommunisten:„Verhindert Morde von rechts, rechts sitzen die Mörder" Der kommunistische Abg. Dahlem erhält wegen eines gegen den Redner gerichteten Zwischenrufs«inen Ordnungsruf.) Die kommunistische Tscheka habe Eisenbahnsprengkolonnen eingerichtet und sogar Cho- lera- und Typhusbazillen als terroristische Kampfmittel vorbereilet.(Rufe der Kommunisten:„Das sind Lügen der Haar- mann-Spitzel!"— Unruh«, Präsident Leine et droht den kommunistischen Zwischenrufern die rücksichtslose Anwendung der Geschäfts- ordnung an.) Ruth Fischer habe im Reichstag offen erklärt, die Kommunisten seien sämtlich Hochverräter. Bei dem Zusammenhang der kommunistischen Tscheka mit der KPD.-Zentral« sei der Unier- suchungsrichter durchaus berechtigt gewesen, die Räum« der KPD.- Fraktionen zu durchsuchen. Daran ändere nichts, daß außer dem Abg. Schmidt-Treptow kein anderes Mitglied der KPD.-Fraktion in das Strafverfahren oerwickelt ist.— Abg. Dr. Deerberg nimmt den Präsidenten Lelnert in Schuh gegen die Angriffe der Kommunisten und betont, der Präsident hätte gar nicht verhindern können, daß bei der Durchsuchung das gesamte Material mitgenommen wurde, nicht nur dasjenige, das nach dem richterlichen Befehl und der präst- dentiellen Ermächtigung mitzunehmen war(wie die StPO. allerdings vorschreibt. Red.). Die beteiligten Abgeordneien sind schriftlich auf- gefordert worden, ins Polizeipräsidium zur Sichtung des Materials zu kommen.(Lebhafter Widerspruch der Kommunisten, Ruf«: „Das ist ja nicht wahr!"—„Der Mann hat eine eiserne Stirn!"— Präsident Leinert erteilt mehreren Kommunisten Ordnungsrufe.) Von dieser Einladung hat kein Abgeordneter Gebrauch gemacht. (Neuer Widerspruch der Kommunisten.) Wenn der Unter- suchungszweck dadurch nicht gefährdet wird, dann scllte der Unter- suchungsrichter dem Haus« dos vorgefunden« Material mitteilen, da- mit sich zeigt, ob es nicht nur ein Scheinmanöver der Kommu- nisten ist, wenn sie behaupten, es sei nichts gefunden worden. Di« Untersuchung hat gezeigt, daß das deutsche Volk von einer furchtbaren kommunistischen Gefahr bedroht ist. gegen die der Innenminister Severing mit größtem Nachdruck vor- gehen sollt«.(Beifall rechts, Pfuirufe der Kommunisten.) Abg. Dr. Meyer-Ostpreußen(Komm.) erklärt, in keinem anderen Parlament der Welt wäre eine Durchsuchung dieser Art möglich ge- wesen, ohne einen Sturm der Entrüstung hervorzurufen Der Unter- suchungsrichter Vogt habe amtsverbrecherisch gehandelt. >>>>> tanzende Prinzessin Treptow in Flammen von Walter Kollo Parkett 1.50-5.00 Mark 7 Gewinne at 3000 Nut 67727 108446 163346 Drunter und drüber Große Volksoperim Theater 201446 239227 239246 289246 14 Gewinne 311 2 006 Rm 70037 71246 78427 88446 104146 111827 155827 183246 188327 190240 196027 196848 224846 291546 16 Gewinne zu 1000 m 8546 19627 74546 94146 114046 114927 134846 138046 178646 182046 192827 196927 199427 222627 224827 285748 47 Gewinne zu 800 m 4727 9027 21327 24727 27327 30227 38727 54048 58927 62327 67246 84948 90027 99346 100127 106946 111646 112627 112927 114248 118227 135746 141827 142427 145448 157927 175646 179027 181046 189027 194927 204227 214227 216046 219427 221627 228527 249027 256727 266327. 270627 271446 273446 274627 279427 281546 283727 78 Gewinne zu 500 m 1527 5827 6727 21648 24646 25246 28446 33327 36827 45446 50327 60440 ' 61046 69748 70727 70827 75846 47127 83327 87927 89227 113146 113946 115746 119346 133527 134446 136927 138627 143048 145146 148627 155727 159827 165646 169148 171740 176227 177546 177846 177946 179427 184646 185946 186746 195346 195946 197127 198127 198446 200146 214927 218846 221746 224746 228346 229748 233846 235527 248827 251246 253527 266127 268448 271227 272446 276527 280646 285627 288327, 292227 298527 Intimes Th. 8 U. Westens Laut doch nicht 7, Uhr: Mignon immer nackt herum Crêpe Georgette Metropel- Theater Der Weltschlager 8 U.: Mascottchen Operette von Walter Bromme mit Alice Hechy Tribune 8 Uhr: Doktor Stieglitz) F. Lobe/ P. Morgan Trianon- Theater Tägl. 8 Uhr: 95246 97746 101446 102248 103227 107146 Die Hausdame 227 Gewinne zu 300 Rm 846 3327 4848 7227 10548 12046 13046 15727 16146 17848 18246 18427 20048 2062 20746 22327 23646 24427 27646 31348 31627 34527 35246 37427 87946 39027 40146 41527 41627 41846 42427 43946 44546 44846 48127 48427 50246 52627 53646 54746 54946 55866 67627 58627 59046 60027 06246 69027 69927 70927 71546 T2548 74246 75448 77427 79227 79546 79627 82446 84746 Gutschein bis 22. Juli 1-4 Personen 50% Ermäßig. Kleines Theater Tägl. 8 Uhr: Anatol Lustsp. v. Schnitzler Gutschein bis 22. 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