Abendausgabe Nr. 331 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 166 = Vorwärts Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Mittwoch 16. Juli 1929 Beelag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Verlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Eröffnung der Londoner Konferenz. Der Miniſter des Grotwuchers. London, 16. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die großen Delegationen find im Laufe des geftrigen Abends in folgender Reihenfolge eingetroffen: Italien, Frankreich und Belgien. Macdonald begrüßte die Franzosen persönlich am Bahnhof. Marschall Foch ist endgültig nicht mitgekommen, hingegen sein Generalstabschef Deflicher mit einem grüßeren Gefolge militärischer Sachverständiger, für den Fall, daß militärische Fragen refp. das Sicherheitsproblem doch angeschnitten werden sollten. Miniffer de Stefani, der Leiter der italienischen Delegation, überbrachte Macdonald einen Brief Mussolinis, in dem es heißt, er wäre glüdlich, eine neue Gelegenheit zu haben, im Geiffe herzlicher und aufrichtiger Zusammenarbeit am Wert des europäischen Wiederaufbaues mitzuwirken. fchen Freigabe der befekten Gebiete betrifft, kam die Reparationstommiffion zu der Ueberzeugung, daß in der englisch franzöfifchen Note die Frage nicht bestimmt genug gestellt fel, um sich darüber aussprechen zu können. Sie hat daher beschloffen, sich an die allierten Regierungen mit dem Ersuchen um ergänzende Inſtruktionen zu wenden. Young wird Agent für Reparationszahlungen. Paris, 16. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der amerikanische Finanzmann Owen de Young. der Amerika im Sachverständigen ausschuß Dawes vertreten hat und der gegenwärtig zur Teilnahme an der interalliierten Konferenz in London weilt, hat fich bereit erflärt, ben Poften des im Sachverständigengutachten vorgesehenen Kanik für die Agrarier, gegen den wirtschaftlichen Aufstieg Es hat des Ausbruchs der Empörung und der Entrüftung über den geplanten Brotwucher bedurft, um die Regierung zu einer begründeten Stellungnahme zu ihrer Zollvorlage zu veranlaffen. Sie hat es nicht für nötig gehalten, ihrer Borlage eine fachliche Begründung mit auf den Weg zu geben. Sie hat den Beginn der Besprechungen im Reichswirtschaftsrat vorüber gehen lassen, ohne ihre fachlichen Unterlagen und die Gefichtspunkte ihrer Zollpolitik darzulegen. Niemals ist ein so michtiger Gefehentwurf so mangelhaft begründet in die Deffentlichkeit gegeben worden! Bar aber schon die Vorlage und ihre Begründung ein Dokument der Unfähigkeit, so ist der Verteidigungsversuch, den Graf Kaniz, der Reichsernährungsminister, gestern unternommen hat, noch mehr: ein Dokument für den Mißbrauch der Regierungsgeschäfte für die Begünstigung einer der Interessentengesetzgebung. Am heutigen Vormittag fand noch eine Sihung des englischen Agenten für die Reparationszahlungen" zu über- Bevölkerungsschicht auf Kosten der Gesamtheit auf dem Wege Kabinetts unter dem Vorsitz Macdonalds flatt sowie eine Beratung des Kolonialministers 3. 5. Thomas mit den Bertretern der Kolonien. Die technischen Vorbereitungen der Konferenz find abgefchloffen. Die Eröffnungsfihung am heufigen Vormittag ist mehr eine Formalität. Der Nachmittag wird dann einem Ueberblid über den gesamten Verhandlungsstoff gewidmet werden. Die Konferenz wird fodann ihre eigene Tagesordnung aufstellen. Sobald Einverständnis hierüber hergestellt ist, wird sich die Konferenz fofort in einzelne& ommissionen auflösen. Condon, 16, Juli.( WTB.) Die interalierte Konferens ift heute vormittag 11 Uhr im Auswärtigen Amt zusammengetreten. Bemierminister Macdonald hielt eine Ansprache, indem er die Delegierten willkommen hieß. Condon, 16. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Kurz vor 11 Uhr trafen die Delegierten der Interallierten Konferenz im Auswärtigen Amt ein und begaben sich in die Räume des Staatssekretärs. Nach wenigen Minuten privater Unterhaltungen wurde die Sigung offiziell eröffnet. In der Mitte des hufformartigen Berhandlungstliches faß der britische Ministerpräsident. Zu seiner Rechten faßen Herriot, Clementel, General Molfet und Perriffi de la Rocca, zu feiner Linfen die beiden anderen englischen Delegierten, Schatzfanzler Bhilipp Snowden und Unterstaatssekretär Sir Eyre Crowe. Neben den Franzosen faßen die Italiener unter Führung von Finanzminister de Stefani, ferner die Belgier Theunis und Hymans. Schließlich der portugiesische Botschafter Norton de Mathos. Links von den englischen Delegierten jaßen der amerikanische Botschafter ellog und Oberst Logan, sodann die beiden japanischen Delegierten, der griechische, der rumänische und der jugoslawische Gejandte. Insgesamt also die Vertreter von 10 Staaten. Die Sigung wurde eingeleitet mit einer Begrüßungsrede Macdonalds, deren Wortlauf noch im Laufe des Tages offiziell veröffentlicht werden wird, Sodann wurde die Formalität der Wahl des Präsidenten der Konferenz( Macdonald) erledigt. Alsdann wurde die Frage der Berichterstattung über die Konferenz erörtert, ferner die Zusammensehung des Sekretariats der Konferenz und ihre Tagesordnung bestimmt. Die Forderungen der Reparationskommission In der englisch- französischen Note vom 9. Juli war der Reparationsfommission die Aufgabe zugewiesen worden, der Londoner Konferenz genau: Borschläge für die Aufstellung eines Programms zu unterbreiten, nach dem die Wiederherstellung der wirt. fchaftlichen Einheit erfolgen folle, fobald die Reparationstommiffion festgestellt haben würde, daß der Dawes- Plan durch Deutschland in Wirksamkeit ges zt fel. Die Reparationskommiffion, die am Dienstag darüber in zwei langen Sigungen beraten hat, beschloß zunächst, die Durchführung des Sachverständigenprogramms als geschehen anzuerkennen, wenn folgende fünf Punkte von deutscher Seite erfüllt sind: 1. Die Annahme der für das Funktionieren des Planes erforderlichen Gesetze in der von der Reparationskommission genehmigten Form durch den Reichstag und deren Verkündung. 2. Die Einrichtung aller im plan vorgesehenen Ausführungs- und kontrollorgane zum Zwed des normalen Funtionierens. 3. Die endgüsige Errichtung der Bank und der Reichseisenbahngesellschaft gemäß den Bestimmungen der dem Sachverständigenplan entsprechenden Gefehe. 4. Die Uebergabe an den Treuhänder von 3ertifikaten für die Eisenbahnobligationen und von ähnlichen Zertifikaten für die im Bericht des Organisationskomitees vorgesehenen Industrieobligationen. 5. Abschluß von Verträgen, durch die die Unterbringung der Anleihe von 800 millionen Goldmart nach der Inkraftfehung des Planes und nach der Erteilung aller Bedingungen des Sachverständigenplanes sichergestellt wird. Insbesondere der letztere Punkt scheint innerhalb der Kommiffion Anlaß zu einer sehr lebhaften Diskussion gegeben zu haben. Der englische Delgierte vertrat den Standpunkt, daß mit der Unterbringung der internationalen Anleihe nicht zu rechnen jei, wenn nicht zuvor die wirtschaftliche Einheit Deutschlands wiederhergestellt werde, fügte sich aber schließlich dem Beschluß der anderen Mitglieder der Kommission. Was die Aufstellung eines Programms zur ökonominehmen. Owen de Young wird voraussichtlich damit auch die Rolle des Bertreters der internationalen Obligations- und An= leihegläubiger in der Reparationstommiffion übernehmen, für den Fell, daß diese berufen sein sollte, deutsche Verfehlungen gegen die übernommenen Verpflichtungen festzustellen. Noch keine deutschen Vertreter nach London. Entgegen anders lautenden Meldungen erklären die zuständigen Stellen in Berlin, daß die Reifen des Oberregierungsrats Meyer von der Kriegslastentommission in Paris und des Reichsbankpräfidenten Dr. Schacht nach London mit der Londoner Konferenz direkt nichts zu tun haben. Beide Herren sind nach London gefahren, um mit den Organisationskomitees noch einige Beiprechungen zu führen, die auch nach der Fertigstellung ber Gefeßentwürfe zur Ausführung des Gutachtens noch notwendig erscheinen. Hauptsächlich private Besprechungen. Condon, 16. Juli.( WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des„ Daily Telegraph" erfährt, die Zahl der Bollfigungen der Interalliierten Konferenz werde ziemlich beschränkt sein. Private Besprechungen zwischen den Häuptern der Delegationen über politische Fragen und Ausschußarbeiten über technische Probleme würden wahrscheinlich den größten Teil der Zeit in Anfpruch nehmen. Was die Dauer der Konferenz betreffe, so werde es notwendigerweise nicht nur davon abhängen, wie bald ein interclliiertes Abfommen erreicht werte, sondern auch davon, ob Deutschland eingeladen werde, die Durchführung des DamesBerichts jetzt oder auf einer späteren Ronferenz mit zu er örtern. Auch das Eisenbahngefeh erledigt. Condon, 16. Juli.( TU.) Nachdem das Bankkomitee das Gesetz aur Errichtung der Goldnotenbank in dritter Lesung verabfchiebet hat, find nunmehr die Beratungen des Organisationsaus schuffes für die deutsche Reichsbahn soweit gediehen, daß die dritte Lesung des Eisenbahngefeßes ebenfalls als beendet angesehen werden kann. Das Eisenbahnkomitee ist am 9. Juli in London zur dritten Befung zusammengetreten, die bis zum 20. beendet werden sollte. Die Verhandlungen haben also einen erheblich schnelleren Berlauf genommen als man vorher erwartet hatte. Offiziell dürfte oie Erledigung des Eisenbahngefeges erst verkündet werden, nachdem die amtliche Mitteilung darüber der Reparationsfommiffion zugegangen und sie im Besitz der Gefeßentwürfe sein wird. Für Republik und Schwarz- Rot- Gold. " Die Ortsgruppe Hannover des Reichsbanners Schwarz Rot- Gold" trat am Montagabend mit einer überaus glänzend per laufenen Maffenversammlung zum ersten Male vor die Deffent lichkeit. Der große Saal des Voltsheim" war von einer zirka 2000 Röpfe zählenden Menge bis auf den lehten Plaz gefüllt. Hauptmann a. D. Dr. Haubach Hamburg sprach in lebendiger und hinreißender Art über Wesen und Ziele des Reichsbanners" und hielt zugleich scharfe Abrechnung mit den von rechts und links gegen die Republit anrennenden Elementen. Er zeigte eindringlich die aus der Gleichgültigkeit und Passivität der Republikaner resultierenden Schäden, weshalb die Republit als Werkzeug zum Bau einer besseren Zukunft zu achten und demgemäß vor Schaden zu hülen ist. Ein zerbrochenes Werkzeug taugt nicht. Attive Arbeit an der Abstellung ihrer Fehler und Mängel ist not. Dazu gehört in erster Linie die Bekämpfung aller republiffeindlichen Bestrebungen, die nur durch geschlossene organisierte Massen möglich isti Die schwarzrotgoldenen Farben sind seit Jahrhunderten unlöslich mit der Geschichte Deutschlands verbunden, sie sind Symbol der hervorragendften und revolutionärsten Kräfte im Rampf gegen der hervorragendsten und revolutionärsten Kräfte im Kampf gegen Rückschritt und Despotentum. Darum werden sie auch heute geschmäht und beschimpft von den Feinden der Einheit und der ungestörten Eniwicklung. Ihre Feinde sind unsere Feinde, denen gegenüber für uns der Grundsay gelten muß, den Robespierre formulierte: In der Republik find nur die Republikaner Bürger! Auf blaue Bohnen fönnen wir nicht mit Sofatisfen antworten! Jeder muß die Sprache hören, die er am besten versteht! Fort mit denen, die das Brot der Republit effen und sich nach ihr nicht richten wollen! Das schon weit über 1 Million Mitglieder zählende Reichs banner ist das einzig brauchbare Reservoir zur Ergänzung der republikanischen Polizei und Reichswehr! Brausender Beifall der Taufende, ein begeistertes Hoch auf die Republik und viele Beitrittserklärungen bildeten den Schluß der machtvollen Rundgebung. Argumenten einer unter großen Gefichtspunkten geführten Graf Kani hat seine Vorlage verteidigt nicht mit den Handels- und Produktionspolitit, sondern mit den Argumenten der großagrarischen Interessenten. Aus seiner Verteidigung spricht nicht der Reichsernährungsminister, der die innerwirtschaftlichen Zusammenhänge und ihre Verbindung mit den weltwirtschaftlichen Verhältnissen ins Auge faßt, sondern der Rittergutsbesizer, der in der Dentweise und dem kurzsichtigen Interessentengesichtskreis der Großagrarier befangen ist. Graf Kanig scheint es als seine Aufgabe anzusehen, den Großagrariern für den Kampf um die Zölle agitatorische Schlagmorte zu liefern. Es ermangelt ihm dabei freilich an Originalität: er hat die ältesten Behauptungen der Hochschutzöllner wieder ausgegraben, ohne sich auch nur zu überlegen, wie sie unter den gegenwärtigen Umständen und den Erfahrungen der legten Jahre bestehen werden. Seine Verteidigung ist deshalb ein Kompendium klassischer falscher Behauptungen, die inzwischen durch wirtschaftliche Erfahrung widerlegt worden sind Kein Sag, der volkswirtschaftlich richtig wäre. Graf Kaniß hat zunächst die Lage der deutschen Landwirtschaft in den schwärzesten Farben gemalt. Seine Behaup tung, daß die Landwirtschaft vor einer Katastrophe stehe, ist bei weitem übertrieben. Daß gegenwärtig eine Agrarfrise, die ihre innermirtschaftlichen Gründe hat, besteht, bedarf feines Beweises. Aber diefe Strife ist von Raniz ebenso übertrieben worden, wie er die Aussichten für ihre Ueberwindung vollftändig außer acht gelaffen hat. Es ist eine Tatsache, daß diese rise über die Landwirtschaft gekommen ist, nachdem Jahre der Hochtonjunktur vorhergegangen find. In diefen Jahren der Hochtonjunktur hat eine steigende Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktionsmethoden stattgefunden. Bermehrte Anwendung landwirtschaftlicher Maschinerie. Vermehrung und Verbesserung des Inventars, Bodenverbesserung fennzeichnen diese Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktionsmethoden in der Zeit der Hochkonjunktur. Trotz der augenblicklichen Krise hat die deutsche Landwirtschaft Kräfte in sich, die sie zur Ueberwindung der Krise aus eigener Straft befähigen. Staatshilfe hat die Landwirtschaft in der letzten Zeit im weitesten Maße erfahren. Das Stickstoff- und Kalisyndikat haben der Landwirtschaft für den Düngerbezug langfristigen, sehr billigen Kredit gewährt; die Reichsbank hat der Landwirtschaft Kredite in der Höhe von 800 Millionen Rentenmark zur Verfügung gestellt, bei weitem mehr als der übrigen deutschen Wirtschaft. Die Anzeichen zur leberwindung der Krise im Zusammenhang mit der Entwicklung der Weltmarktgetreidepreise zeigen fich bereits. Ein langfames, aber st ändiges Steigender Getreibepreise fündigte sich an, das nunmehr einen rascheren Tempo Blak gemacht hat. Die allgemeine Tendenz der Betreibepreise in der Weltwirtschaft geht nach oben. Die Schere, das Mißverhältnis zwischen den Breifen von Agrarprodukten und Industrieproduften, beginnt zusammenzugehen. Die Agrarpreise nähern fich allgemein den Breisen der Industrieprobufte an. In diese Entwicklung müßte der Hochschutzzoll nur störend eingreifen. Eine Gefahr des Preisdrucks infolge ausländischer Unterangebote besteht nicht. Graf Kaniz hat das Gespenst der Preisunterbietung durch östlichen, er meint wohl russischen, Roggen an die Wand gemalt. Wer die Entwicklung der Agrarverhältnisse in Rußland verfolgt hat, der weiß, daß die russische Propagandaausfuhr von Getreide Hunger und Hungertod in Rußland selbst zur Folge hat, und daß en eine Aufrechterhaltung des Hungererports nach den zaristischen Methoden in den nächsten Jahren in nennenswertem Umfange nicht zu denten ist. Russisches Getreidemassenangebot in den nächsten Jahren ist keine wirtschaftliche Realität, sondern nur ein Propagandafchlagwort, deffen sich die kommunistische Presse nach Kräften bedient, das aber niemals bestimmend sein kann für die deutsche Handelspolitik. Das andere Argument, das Graf Kanig zur Verteidi gung des Brotwuchers dienen muß, ist die Behauptung, daß Schußzoll die Intensivierung des landwirtschaftlichen Be triebes fördere, daß ohne Schußzoll die Gefahr eines Rüdganges der landwirtschaftlichen Produktion durch Uebergang our extensiven Bewirtschaftung drohe. Diese Behauptung steht in glattem Gegensatz zu allen bisherigen Erfahrungen. Wir sehen wie Genoffe Hilferding in seinem jezt sehr aktuellen Artikel über Handelspolitik und Agrarfrise in Nr. 2 der„ Gesellschaft" dargelegt hat in den europäischen Staaten ohne Bollschutz eine besonders blühende hochentwickelte Landwirtfchaft. Die natürliche Entwicklung des landwirtschaftlichen Betriebes in einem Land mit wachsender Bevölkerung, steigendem " Wohlstand und hochentwickeltem Merkehrs- und Transportwesen geht, wie Aereboe, der führende Fachmann der landwirt schaftlichen Betriebswissenschaft, nachgewiesen hat, dahin, daß die Produktion sich verfeinert und spezialisiert. Das heißt: Arbeitsteilung innerhalb der Weltwirtschaft bei Zuweisung jeder Art Produktion auf den verfehrwirtschaftlich richtigen" Standort und auf den absoluten" Boden; Gewinnung großer Massen hochwertiger pflanzlicher Rohstoffe bei gleichzeitiger starter Steigerung der Produktion, hochwertiger, fierischer Produfte unter Zuhilfenahme der Einfuhr ausländischer Futtermittel. Denn diese Produkte können, da fie frisch zum Markt kommen müssen, die Auslandkonkurrenz selbst der mit niedrigeren Gestehungskosten arbeitenden Länder bestehen. In der Richtung solcher Produktionsumstellung ist die Entwicklung der letzten Jahrzehnte vor dem Kriege auch in Deutschland er folgt. Freilich wurde sie dadurch aufgehalten, daß die Getreidezölle eine Verschiebung der Preisbeziehungen der Produkte zugunsten des Getreides herbeiführen. Dieselbe Hemmung wird die Intensivierung der Landwirtschaft auch in den nächsten Jahren erfahren, wenn die Hochschutzölle wieder eingeführt werden. Eine solche Hemmung aber ist keineswegs im volkswirtschaftlichen Interesse. Graf Kanig behauptet frischweg weiter, daß die Hochschutzzölle teine Steigerung des Brotpreises, feine Senkung der Lebenshaltung, feine Belastung des Konfums herbeiführen würden. Er stüßt sich darauf, daß hinreichende statistische Zahlen für den Nachweis der Belastung des Konsums durch Schutzölle nicht vorhanden wären. Die landwirtschaftliche Statistit, die in feiner Weise den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, ist dafür allerdings unbrauchbar. Immerhin liegen für die Auswirkung der Schutzölle auf den Konsum aus der Vorkriegszeit sehr ernste und wohlbegründete Zahlen vor, die auch für die Zukunft eine schlimme Belastung als Folge des Schutzzolles erwarten lassen. Brentano hat feinerzeit den Sondergewinn für die Landwirt fchaft aus den Schu3zöllen auf ungefähr 900 Millionen Mart jährlich angenommen, Kautsky schäßte die Belastung des Konjums durch die Getreidezölle allein auf jährlich 650 Millionen Mark und nahm eine ähnliche Belastung durch die anderen Lebensmittelzölle an. Eine ähnlich hohe, wenn nicht noch schlimmere Belastung wird der Verbrauch in Deutschland er fahren, wenn die Schutzzollpläne der Regierung zur Ausmir fung tommen. Das fann auch ein Kanig mit den kühnsten Behauptungen nicht aus der Welt schaffen. Schließlich zeigt der Verteidigungsversuch des Reichsernährungsministeriums, daß man sich über die volts. wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Schuh zollpläne um ihre Bedeutung für die zukünftige Stellung Deutschlands in der Weltwirtschaft völlig im untlaren ist. Die Zukunft Deutschlands beruht auf der Steigerung seiner industriellen Produktion, namentlich auf der Steigerung der Fertigwarenerzeugung, auf der Steigerung des Exports. Diese Steigerung ist möglich, wenn erst einmal die Befriedung Europas, die Rückkehr zu sicheren politischen und wirtschaft lichen Verhältnissen gelungen sein wird. Die Herbeiführung einer neuen industriellen Konjunktur ist darum die Borbedingung für Deutschlands Wiederaufstieg. Diese industrielle Konjunktur wird die Nachfrage nach den landwirtschaftlichen Produkten wieder beleben und damit zum Ausgleich zwischen den Preisen der Industrie- und der Agrarprobufte führen. Das ist der mögliche und gesunde Weg zur Ueberwindung der Agrarfrise. Die Schutzzollpolitik der Regierung aber faßt die Dinge am falschen Ende an. Indem sie eine Umschichtung der Kaufkraft zugunsten der Landwirtschaft herbeiführen will, hemmt sie die Aussichten auf die Herbeiführung einer industriellen Konjunktur. Denn die Umschichtung der Kaufkraft zugunsten der Landwirtschaft bedeutet eine Berringerung der Kauffraft für landwirtschaftliche Produkte, ein Hinausschleppen der Agrarfrise, gleichzeitig aber auch Erhöhung der Produktionskosten der Industrie, Berringerung ihrer Exportfähigkeit, Verlängerung der industriellen Krise, zunehmende Arbeitslosigkeit, Daniederliegen des Wirtschaftslebens im all gemeinen, Verzögerung des deutschen wirtschaftlichen Wiederaufstieges! Bilanz. Bon Josef Maria Fran f. Aufs Dach flatscht der Regen. Draußen rattert die Hochbahn, regelmäßig in fünf Minuten Abstand, wie eine Uhr. Irgendwo hupt ein Auto. Die Straßenbahn brummt. Kurz: ein langweiliger Abend Bor mir liegt die Zeilung. Durchgelesen, wie man an solchen Abenden lieft. Bon A bis 3. Die Langeweile steigt hoch, immer höher. Da fommt mich die Luft an, ein altes Spiel zu spielen. Ich ziehe Bilanz. Im nehme Rotstift und Papier, zeichne Linien, baue Rubriken und schreibe Etiketten. Mit dem Rotstift streiche ich an, alles was groß und fettgedruckt ist, hier einen Mord, dort einen zum Tode Berurteilten, jetzt ein Sittlichkeitsverbrechen, nun einen Ueberfall von Hafenkreuzlern auf Arbeiterturner, hier eine Schießaffäre, natürlich zwifchen Rechtsradikalen und Linksradikalen, jezt paar Selbstmorde, nun, daß Dumini, Mateottis Mörder, bei der Bernehmung zynisch Schlager pfeift, wieder einen Mord, an einem Förster, dort eine aufgefundene Leiche im Forst, da eine Konkursübersicht, hier eine Meldung einer neuen politischen Krise, einer epochalen Erfindung einer massenmordenden Kriegsmaschine, dort die Veranstaltung eines Lugustees, die Annance von Mactänzen, eines Nachtfestes mit zehn Künstlerkapellen usw. usw.! Dann trage ich alles fäuberlich in die Rubriken ein, summiere hier 4 Morde, 3 Selbstmorde, 8 Diebstähle, 3 Ueberfälle polt tischer Revolverhelben, 1 Chetragödie, 4 Standalprozeffe. 2 neue poltische Krisen, 1 neue Maffenmord- und Kriegserfindung, dort 3 Autounfälle, 23 Theatervorstellungen, 14 Tingeltangels usw. Und dann vergleiche ich und wäge hier und wäge dort und refümiere. und denke nach über das Märchen von dem sittlichen Niveau und über Gründe und über Folgerungen und sehe wie aus Käte- Rollwig- Köpfen die toten Augen der Selbstmörder stieren, die fleiren, brandigen, blauen Schußlöcher in ten Leibern der Ermordeten glimmen, die Lippen der poltischen Fanatiker schaumquirlend sich verzerren, die Spieler auf dem Welt sschichts- Theater zynischüberlegen tolt und höhnend lächeln, den Triumph des Kriegsmaschinenerfinders, die Not Berhungernder und zwischendurch nackte Beiber tanzen, höre eine Jazzband spielen und Seide rauschen, schmale Frauenfippen spröde fichern und Eie gantes mit Moiffi- Schmelz schöne Lügen sagen. bis das Theater, das sich Leben nennt und die Komödie spielt, betitelt„ Das Märchen von dem sittlichen Niveau!", den Vorhang fallen läßt und nur mehr eines bleibt Me richtern, grausam falte, höhnische Bilanz... | Darin liegt die große Gefahr, die die Schutzzollpläne der Regierung für die deutsche Entwicklung in sich bergen. Indem der Reichsernährungsminister über diese Dinge hinweggeht mit der unbegreiflichen Behauptung, daß die Umschichtung der Kauffraft zugunsten der Landwirtschaft bessere Beschäfti gung der Industrie nach sich ziehe, beweist er seine Un= fähigkeit, die wirtschaftlichen Zusammenhänge und die Notwendigkeiten des deutschen wirtschaftlichen Wiederaufstieges zu durchschauen. Das ist eben das allgemeine Kennzeichen der Politik der Vertreter der Privatwirtschaft", daß fie über dem engsten Interessentenstandpunkt die allgemeinen volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten über sehen. Mit seinem Verteidigungsversuch hat Graf Kanik den Beweis geliefert, wie fachlich unbegründet, wie furzsichtig, wie verderblich für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft seine Zollvorlage ist. Er hat sich selbst damit vorgestellt nicht als Reichsernährungsminister des deutschen Volkes, sondern als Minister für die Vertretung agrarischer Interessen gegen das Volk und seinen wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Fort mit Marx! Ein deutschnationaler Reichskanzler gewünscht. Der ,, Lokalanzeiger" veröffentlicht heute einen Artikel, der zweifellos die Absichten der Deutschnationalen Partei widerspiegelt und in dem die schleunige Beseitigung des Reichsfanzlers Marg gefordert wird. An seine Stelle soll ein Deutschnationaler treten und mit dem in Gnaden wieder aufgenommenen Dr. Stresemann zusammen das Deutsche Reid) regieren. Unmittelbar nach den Wahlen war es bekanntlich Strefemann, den sich die Deutschnationalen zum Opfer erforen hatten, während sie bereit waren, Marg zu tolerieren. Jetzt begründen sie ihre Umstellung mit den Frankfurter Beschlüssen der Bolkspartei und der Rede Stresemanns in Elberfeld. Sie glauben in der Frage des Sachverständigengutachtens eine völlige deutschnational volksparteiliche Einheitsfront Tirpig Stresemann fonstatieren zu fönnen. Dagegen ist ihr Groll gegen Marr offenbar, obwohl das nicht ausdrüd lich gesagt wird, auf deffen letzte Rede beim Prefseempfang zurüdzuführen. Marg ist bei der Auffassung verblieben, daß das Gutachten ohne weitere Bedingungen als die in ihm selbst enthaltenen anzunehmen sei, er hat also die taktische Schwentung zu den Deutschnationalen nicht mitgemacht. = Im Kabinett und in den Mittelparteien bestehen in diesem Bunkt offenbar Meinungsverschiedenheiten. In diese schwache Stelle stößt der deutschnationale Angriff, um eine Spaltung und den Sturz des Kabinetts herbeizuführen. Dabei wird, wie gestern in der Zeit" so auch heute im Lokalanzeiger" ein taftischer Kunstgriff unternommen, der die Dinge auf den Kopf stellt. Es wird so dargestellt, als ob die Gegenseite bereit wäre, alle Beschlüsse der Lonboner Konferenz von vornherein und ohne Gegenrede anzunehmen. Was die Londoner Konferenz beschließen wird, weiß kein Mensch, und nicht um ihre Beschlüsse handelt es sich, sondern um den Sachverständigen plan. Sollte dieser Plan in London abgeändert werden, so würde eine vollständig neue Lage entstehen, wird er aber, wie er ist, angenommen, dann ist auch Deutschland an seine schon gegebene prinzipielle Busage moralisch gebunden. Soll aber Deutschland seine Zusage zurückziehen und die Annahme von Bedingungen abhängig machen, die im Gutachten nicht enthalten sind, so wird nicht durch die Londoner Konferenz, sondern durch Deutschland eine neue Lage geschaffen. Der deutschnationale Reichskanzler, der zum Gut achten eine andere Stellung einnimmt als Mart, wird dann ein deutscher Katastrophentanzler sein. Jarres darf nicht zurückkehren. Unter den Berfonen, die nicht wieder ins befegte Gebiet zurückkehren dürfen, befindet sich, entgegen früherer Meldung, auch der Oberbürgermeister von Duisburg, Dr. Jarres. Film und Volkserziehung. Die Pflege von Lichtbildvorführungen von fünftlerischem oder volksbildnerischem Charakter behandelt ein Erlaß des Minifteriums für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung vom 1. Juli an die Regierungs- und Provinzialbehörden. Der Film, so führt, dem Amtlichen Breußischen Pressedienst zufolge, der Erlaß aus, spielt heute im öffentlichen Leben bei den breitesten Boltsmassen eine so bedeutsame Rolle, daß das staatliche Intereffe an der Förderung guter Filme besonders start ist. Natur gemäß bietet die Feststellung, ob ein Film fünstlerischen oder volls bildenden Wert hat, erhebliche Schwierigkeiten, die durch die Verschiedenheit der Weltanschauung, der Geschmacksrichtung. der ört. lichen Bedürfnisse usw. vermehrt werden. Die beteiligten Ministerien haben nunmehr den Versuch gemacht, wenigstens für Filme, beren poltsbildender Charafter überwiegt, 3eugnisse einzu führen, die auf Grund einer Prüfung durch fachverständige Ausschiffe ausgestellt werden. Ein derartiger Ausschuß hat sich jetzt im Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien bei ber Bildſtelle des Zentralinftituts für Erziehung und Unterricht in Berlin unter dem Namen:„ Ausschuß zur Begutachtung Berlin unter dem Namen: Ausschuß zur Begutachtung von Bildstreifen volfsbildnerischen Bertes" ge bildet. Es ist ihm die Befugnis beigelegt worden, Zeugnisse mit amtlicher Geltung darüber auszustellen, daß bei einem bestimmten, durch den Ausschuß geprüften Bildstreifen der volksbildende Charafter überwiegt Die im Erlaß vom 3. April 1919 behandelte Prüfung von Lehrfilmen bleibt daneben felbständig bestehen. Es bedarf teiner Erörterung, daß ein von der Bildstelle des Bentralinstituts für Erziehung und Unterricht anerkannter Lehrfilm voltsbildenden Charakter hat. Der vorerwähnte neue Ausschuß hat die Aufgabe, auch solchen Bildstreifen die gleichen Vorteile zuzuwenden, die Lehrfilme im engeren Sinne bereits genießen. Im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern sollen hier. von die Gemeindebehörden verständigt merden, insbesondere dahin, daß auch die Steuerstellen die Borführung der auf Grund dieses Erlaffes anerkannten Bildstreifen durch steuerliche Ver. günstigungen fördern. Erster Ferienturjus des Reichsausichuffes für sozialistische Bildungsarbeit. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit vorbereitet, deren erster Ferienfurfus vom 3. bis 9. Juli in hat in diesem Sommerhalbjahr eine Reihe Ferienveranstaltungen Wernigerode stattfand. Dieser Ferienfurfus behandelte unter Beitung des bekannten Hamburger Schulleiters und sozialistischen Pädagogen Nicolaus Henningsen das Thema„ Erziehung und Sozialismus" in Form einer Arbeitsgemeinschaft. Der spätere Ferienbeginn in einigen Teilen Deutschlands, die kurze Zeit der Werbung für diesen Ferienkursus hat die Teilnehmerzahl nicht Teilnehmer nur erfreulich war, wurde doch dadurch erft die rechte allzu stark anwachsen laffen, was für die Gemeinschaftsarbeit der und tiefe Wechselwirkung von geistigem Gewinn und nachhaltiger Erholung gewährleistet. Das schöne Ferienwetter der ersten Juli Der Fall Haarmann. Ein kommunistischer Propagandabiffen. In Hannover hat sich Furchtbares zugetragen. Ein homosexueller Sadist hat eine Reihe von jungen Leuten geschlechtlich mißbraucht und sie getötet, ihre Leichen in grauenvoller Weise verschwinden lassen. Man weiß bis heute noch nicht, wie groß die Zahl der Opfer fei. Zugegeben werden von dem Mörder vierzehn bis fünfzehn, doch besteht der Verdacht, daß sie bis zu dreißig oder gar noch darüber hinausreichen. Es ist begreiflich, daß sich der Bevölkerung der Stadt Hannover eine große Erregung ermächtigt hat, daß man dort kaum noch von anderem spricht als von den Morden und dem Mörder, als welcher ein gewisser Haarmann festgestellt ist. Die Erregung wird noch gesteigert durch das Bekanntwerden der Tatsache, daß dieſer haarmann noch bis in die letzte Zeit von der Kriminalpolizei als Vigilant beschäftigt worden ist, so daß er zunächst gar als Kriminalbeamter in der Breffe bezeichnet wurde. Der Mörder ist zudem noch mehrfach und schwer vorbestraft und seine Beschäftigung als polizeilicher Zuträger ist daher um so unverständlicher. Noch unverständlicher ist allerdings, daß die zahlreichen Vermißten- Anzeigen von der Polizei in Hannover so gut wie gar nicht bearbeitet worden sind, daß man in fast keinem Falle es für nötig befunden hat, mit dem erforderlichen Nachdruck Untersuchungen in der Richtung anzustellen, ob etwa die als vermißt gemeldete jungen Leute einem Verbrechen zum Opfer gefallen feien. Es liegt zweifellos ein sehr merkwürdiger und schwerer. Organi= fationsfehler in der hannoverschen Polizei vor. Daß der preußische Innenminister angeordnet hodie Untersuchung gegen den Maffenmörder zugleich auf das Valten der gesamten Kriminalpolizei Hannovers auszudehnen, ist durchaus zu begrüßen. Der Polizeipräsident von 2ederath, ein noch in der faiserlichen Zeit auf feinen Bosten berufener Beamter, hat aus der Sachlage die einzig mögliche Konsequenz gezogen und seinen Rücktritt erklärt. Er trägt die politische und persönliche Berantwortung für etwaige Verfäumniffe feiner Beamten und muß unter dem Drud der öffentlichen Meinung feinen Dienft quittieren, besonders da er es nicht verhindern fonnte oder wollte, daß die Polizei in ihren Rundgebungen über die Mordaffäre die Bevölderung eines ganzen Stadtteils als das verworfenfte Proletariat der Großstadt" beschimpfte und sich auch sonst schwere Entgleisungen gestattete. morde haarmanns macht es verständlich, wenn ein Teil der Bevölke= Das alles im Zusammenhang mit der Erregung über die Maffen rung jest jedem Charlatan nachläuft, der das nötige Mundwert hat. Die Kommunisten haben sich in ihrer Strupellosigkeit auch dieser Sache bemächtigt, nicht um Befferung zu erzielen, sondern um die Sozialbemotratie für Haarmanns Berbrechen verantwort lich zu machen! Das ist zwar ebenso blöd, wie das meiste, was die RPD. unternimmt, aber es ist doch von einer bisher unübertroffenen Gewiffenlosigkeit. Irgendein fommunistischer Jugendlicher stellt sein Talent in den Dienst des Geschäfts, läßt in der kommunistischen Druderei eine Broschüre druden: o chinteressant! Das Geheimnis des Menschenschlächters haar. mann", verkauft diese für 30 Pf. das Stüd auf offenem Markt, während es ihm nur 4 Bf. Herstellung toftete. Als Inhalt finden die Leser weiter nichts als einen Bericht des bürgerlichen Hannov. Anzeigers" und einige Mitteilungen über das homoferuelle Problem, abgeschrieben von Forel und aus anderen Broschüren. , So macht der junge Kommunist sein Privatgeschäftchen aus der Morbsache, während die alten Kommunisten politische Geschäfte zu machen versuchen. Iwan Rak, trok seiner Immunität Bevantwortlicher für das Kommunistenblatt, redet und schreibt über das Bolizeifyftem Severing- Noste", und die Rote Fahne" in Berlin druckt das Zeug getreulich nach Der Zweck der Uebung ist allerdings sehr durchsichtig. Und wenn Rak auch in Hannover Maffenverfammlungen bei 50 Pf. Eintritt zum Besten der KPD.- Kasse ver anstalten tann, so fallen doch an anderen Orten nur solche Leute auf den Schwindel herein, die bereit sind, auf jeden Leim zu friechen, den die KPD.- Bonzen für gewisse Bögel immer bereit haben. Die heutige Landtagsfihung wurde auf Wunsch des Zentrums auf eine Stunde vertagt, weil es sich über seine Stellungnahme zur Hauszinssteuer noch schlüffig werden muß. tage hat es ermöglicht, daß fast alle Arbeitsstunden auf sonniger Bergeshöhe oder in den schattigen Waldtälern um Wernigerode stattfanden. Die Wernigeroder Arbeiterschaft fonnte mit ihrem eigenen Heim am Westerntorturm( Gewerffchaftshaus) den Kursus. teilnehmern ein gemeinsames Standquartier geben. Dieser erste Ferienfurfus hat allen Teilnehmern mit bildhafter Eindringlichkeit gemacht und dadurch wertvolle Gemeinschaftsarbeit geleistet. den großen Kreis der sozialistischen Erziehungsprobleme lebendig Die englische Sonntagsruhe und die Reichsausstellung. In teinem Band wird die Sonntagsruhe so streng gehandhabt wie in England, wo jede laute Veranstaltung am Sonntag streng verboten ist. Die Eröffnung der britischen Reichsausstellung in Wembley hat nun eine abjonderliche Lage gefchaffen. Ueber 10 Millionen Engländer der arbeitenden Klasse sehen sich der Möglichkeit beraubt, die Ausstellung zu besuchen, da diese am Sonntag auf Grund des Gesetzes geschloffen Baunt hat mit Rüdficht auf die unhaltbaren Berhältnisse jetzt die bleibt. Ein bekannter englischer Parlamentarier, der Admiral Gun Frage vor das Barlament gebracht. Sein Antrag fordert, daß die Ausstellung auch Sonntags geöffnet bleibe, weil sich der Staat nicht von dem Besuch der Ausstellung auszuschließen. Der Antrag, der Ser Ungerechtigteit schuldig machen dürfe, Millionen von Bürgern eine Durchlöcherung des Gesetzes der Sonntagsruhe bedeutet, hat die religiösen Körperschaften auf den Blan gerufen, die en rüstet fordern, daß das Gefeß und der religiöse Charakter des Sonntags respektiert werden, um so mehr, als das zahlreiche in Wembley beschäftigte Personal sonst um seine Sonntagsruhe gebracht werden würde. Der Kampf. der von beiden Seiten mit zunehmender Erbitterung geführt wird, tobt weiter. Inzwischen hat man Massen von Freiwilligen aus allen Gesellschaftstlaffen mobilisiert, um die Angestellten der Ausstellung am Sonntag durch Hilfskräfte zu ersehen. Millionen von Arbeitern den Besuch der Ausstellung ermöglicht, ohne Man hofft auf diese Weise ein Kompromiß zu ermöglichen, das den daß dadurch das Gesetz der Sonntagsruhe verlegt wird. Konfurs der Großen Boltsoper? Wie der Besizer des Theaters des Bestens, Baumeister Bernhard Echring, der bürgerlichen Bresse mitteilt, bat er sich genötigt gesehen, gegen die Große Boltsoper das Konture. berfahren zu beantragen und die Ermissionsflage einzureichen, da die Boltsoper feit Monaten ihren dringendsten Verpflichtungen nicht mehr nachgefommen sei. reichen Boltsbühnen der Provinz Sadien auf ein Zustandekommen bez Das Mitteldeutsche Landestheater. Die Hoffnungen, welche die zahlDarum gründeten die unverforaten Boltabühnen am 4. Juli in Halle Merseburger Städtebundtheaters gefeht hatten, find unerfüllt geblieben. einen Theaterbetriebsverein Mitteldeutsches Bandestheater e. V. Das Wandertheater wird mit staatlichen Mitteln unterſtüst. Sein Arbeisfeld umfaßt das Gebiet der Proving Sachsen und den Freistaat Anhalt. Die Popen müssen umsatteln. Da die Sowjetregierung die orthodoxen Geistlichen nicht mehr bezahlt, find diese genötigt, fich einen neuen Beruf au fuchen. Ein Bifchof, der jüngst in Mostau eintraj, hat nach der olshofs anzunehmen Beffer als die Beistlichen find die Kirchenjubinom hat fich genötigt geichen, einen Boften als Aufseher eines sweitja dort jest einen Brauaussant eröffnet, und der Pope fanger daran, die zumeist mit brächtigen Stimmen ausgestattet find und deshalb im heater or leicht Unterfunft finden. Zollvorlage und christliche Gewerkschaften. Abrücken der deutschen Gewerkschaften von Baltrusch? Die Stellungnahme des Vertreters der deutschen Gewerkschaften im Reichswirtschaftsrat, Herrn Baltrusch, zu den Zollplänen der Regierung hat berechtigtes Aufsehen erregt. Sie hat den Eindruck erweckt, daß die deutschen Gewerkschaften eine Hilfestellung für die hochschutzollpläne einnehmen wollten. Bie wir aus sicherer Quelle erfahren, ist man in den Kreisen des Christlichen Gewertschaftsbundes der Ansicht, daß an eine Wiedereinführung der Lebensmittelzölle heute nicht gedacht werden kann. Die Stellungnahme von Baltrusch ist in diesen Kreifen mit Protest aufgenommen worden. Die Stellungnahme von Baltrusch ist für uns nicht weiter befremdlich. Er gehört zu den Männern um Stegerwald, die nicht nur politisch, sondern auch wirtschafts- und sozialpolitisch den Anschluß an die Rechte suchen. „ Pöstchen für die Eitelkeit." " Völkische Selbstbespiegelung. Ausgerechnet in der Deutschen 3tg." finden wir eine Neußerung des völkischen Chefredakteurs des eingegangenen Bölkischen Beobachters" Alfred Rosenberg in München zitiert, in der er sich über die Lage der völkischen Schaumschläger ausläßt. Er weiſt nach der„ Deutschen 3tg." hin, auf die Verwässerung der völkischen Bewegung und den Eitelkeitsmarkt, der sich insbesondere in der Wahlzeit abgespielt habe, wo mancher ein pöstchen für seine Eitelkeit gefief rt und sich herangeschlängelt habe." Diese Tatsachen seien Hitler bekannt. Hitler habe recht, wenn er seinen Ramen nicht als Deckung für jedermann und alle hingibt. Im übrigen sei General Ludendorff nach wie vor der Schirmherr( dieses Eitelkeitsmarktes". Red. d.„ Borw.".). " " Alfred Rosenberg wird ja wohl wissen, wen er mit seinen Ausführungen meint," fügt die Deutsche 3tg." verstehend hinzu. Tatsächlich erfährt, wie uns aus München gemeldet wird, die mit der Mandatsniederlegung des Eisner- Chauffeurs Aßner ein geleitete Gäuberung der völkischen Landtagsfrat. tion nunmehr ihre Fortsetzung dadurch, daß jetzt auch der pathologische Judenfresser Hauptlehrer Streicher und der Mechaniker Wesenbacher, beide aus Nürnberg, aus der völtischen Fraktion ausgefchloffen sein sollen. Beide haben schon seit längerer Zeit nicht mehr an den Fraktionsfigungen teilgenommen Streicher ist ein enger Kampfgenoffe des Hitler- Agitators Esser, der seit langem in heftiger Gegnerschaft gegen die parlamentarische Tätigkeit der Böltischen steht. Enthüllungen im bayerischen Landtagsausschuß. H München, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Hitler. Ludendorff Prozeß, der mit der Justizkatastrophe vom 1. April endete, hat die wahren Zusammenhänge der hochverräterischen Umtriebe im letzten Jahre verborgen gehalten hinter einer Ehrenrettung der Angeklagten: Daß aber die Geheimsizun gen dieses Prozeffes nicht allein dazu gedient haben, eine Gefährdung der Staatssicherheit zu vermeiden und bestimmte Vorgänge den Augen des Auslandes im Interesse des Deutschen Reiches zu entziehen, zeigen Mitteilungen, die der Abg. Schäffer von der Bayerischen Volkspartei am Dienstag im Verfassungsausschuß des Landtages machte. Sie beweisen, daß man das Dunkel der Geheimfizungen damals auch dazu benutzt hat, eine Aufklärung über die machtpolitischen Methoden und Ziele der Hitlergarde zu berhindern. Das sollte wiederum feinem anderen Zwed dienen, als eine Bloßstellung der erklärten Lieblinge der bayerischen Justiz zu vermeiden. Abg. Schäffer führte u. a. aus: In dem Aftenmaterial, das im Hitlerprozeß nicht ganz der Deffentlichkeit übergeben wurde, findet fic 1. ein Aktionsprogramm der Völkischen, das m. W. datiert ist vom 22. oder 23. 9. 1923; 2. eine Forderung der Völkischen an Herrn von Kahr vom 28. 9. 1923. Dazwischen liegt der 26. 9. mit der Beſtellung Kahrs als Generalstaatskommissar. In bem Aktionsprogramm, das ich fenne, ist der Gedankengang folgender: Wir leben in einer ungeheuren wirtschaftlichen Not. Wir müffen die Stimmung jetzt für uns ausnußen und die Stimmung ist so, daß wir in wenigen Tagen mit Zustimmung der ganzen bayerischen Bevölkerung die Macht in Händen haben. Der Plan war der: Man muß der Bayerischen Boltspartei nahelegen, einen Er nährungsdiftator zu bestellen. Die Volkspartei fann aber die Hoffnungen auf einen solchen Ernährungsdiktator voraussichtlich gar nicht erfüllen. Bei wirklich durchgreifenden Maßnahmen muß er sofort in Konflikt mit der Reichsregierung fommen. Es wird Daher unter allen Umständen unter dem Ernährungsdiktator zu großen innerpolitischen Unruhen kommen und dann müssen wir uns nach außen hin der Staatsregierung zur Verfügung stellen unter den Bedingungen, daß wir das Münchener Polizeipräfidium, das Staatsminifterium des Innern und eine Art Generalfommiffariat mit unseren Leuten befehen. Dann haben wir die Macht in Händen, ohne Revolution. Am 26. September 1923 tam die Ernennung Kahrs zum General Staatstommiffar, von der die Völkischen sagten, daß sie ein sehr Kluger Schachzug der Aleritalen gewesen sei. Denn was vor wenigen Tagen noch möglich schien, die ganze Macht in Bayern in die Hand zu bekommen, sei nun unmöglich. Kahr habe nun einmal einen großen Teil der Baterländischen hinter sich und im Wider Streit mit diesen fönne man sich nicht durchsetzen. Man müsse an Rahr deshalb Forderungen stellen, die vaterländisch flingen, von benen man aber weiß, daß sie nicht durchführbar find. Lehnt er ab, dann iff er als Schwachmatikus in der öffentlichen Meinung unten durch. Auf diese Weise muß man Kahr in seinem Anfeben zu untergraben suchen. Kahr war dann auch so unvorsichtig, sich über diese Forderungen in Berhandlungen, einzulaffen und damit erschütterte er nicht nur feine eigene Autorität, sondern auch die des bayerischen Staates. Um den Bölkischen zu zeigen, daß er auch recht gut über ihre geheimen Dinge Bescheid weiß, teilte Schäffer noch mit, daß erst vor wenigen Wochen ein Geheimerlaß der Leitung der Nationalsozialistischen Partei herausgegangen ist mit dem Inhalt: Bei fommunistischen Unruhen verhalten fich die Nationalfozialisten neutral. Die völkischen Abgeordneten, unter denen auch der neuernannte Interinsporfizende Straffer fit, waren über die Mitteilungen Schäffers derart verblüfft, daß sie so gut wie nichts erwidern fonnten. Sie erklärten lediglich, von dem Aktionsprogramm und Geheimerlaß nichts zu wissen! Außerdem verlangten fie Aufschluß darüber, wie Schäffer zu der Einsichtnahme in die Akten des Volksgerichts gekommen sei. Diese Frage ist gewiß am Blake, fie ist aber angesichts der enthüllten Tatsachen völlig untergeordneter Natur. Wann foigt Deutschland? Ab 1. August werden die österreichischen Visa für die Tschechoslowakei auf beinahe um die Hälfte verbilligt. Die österreichische Regierung will zur Vereinfachung des Berkehrs das System Grenzgebührzahlung durch Marten ein führen, damit das Anstehen in den Konsulaten nicht mehr notwendig ist. „ Stehenden Fußes." Die Leiche im Rucksack. 199 Berbrechen oder Alkoholphantafie. Als im Wilhelm Tell" des trefflichen Stauffacher treffliche Gattin Gertrud ihren verzagten Mann anspornt, sich doch einmal Eine graufige Geschichte beschäftigt die Kriminalpolizei. In mit den Freunden in Uri über die immer unerträglicher werdende: der vergangenen Nacht gegen 3% Uhr tam der Gürtler Karl Hleusek Fronvögte auszusprechen und auf Abhilfe gegen die Unterdrücker zu des 216. Reviers gefahren und machte Mitteilung von einer schaueraus der Innstraße 28 zu Neukölln mit einer Droschte nach der Wache finnen, da spricht Stauffacher schließlich auch das Borach i lichen Beobachtung. Auf dem Flur des Hauses GangWort:„ Nach Uri febr' ich steh'nden Fußes gleich." Und ein Schüler, im Unterricht gehoferstraße 12 habe er einen Rud sad liegen sehen, aus dem fragt, was denn das heiße: stehenden Fußes nach Uri fahren, erKopf und Oberförper einer männlichen Reiche widert schlagfertig: Er ist mit der Eisenbahn vierter Klaffe gefahren. hervorgeragt hätten. Der Mann tönne noch nicht lange tot Dieser Scherz der Fliegenden" ist schon alt und stammt aus einer gewesen sein, denn die Glieder hätten noch etwas gezudt. Er habe Beit, in der es vornehmlich der preußische Staat für angebracht hielt, einen Nachtwächter auf den Fund aufmerksam gemacht und ihn geseine minderbemittelten Untertanen auf der Eisenbahn wie die lieben beten, bei dem Rucksack zu bleiben, damit er nicht weggeschafft werde. Tiere stehenden Fußes zu befördern. Manches ist inzwischen besser Der Wächter habe erwidert, er könne sich um die Sache nicht geworden, aber das Fahren stehenden Fußes ist vor wie nach( der fümmern, weil er feine Kontrolluhren stechen müsse. Er selbst habe Revolution) noch in recht großem Umfange in Preußen üblich. Wohl mehrere Beamte fuhren sofort mit Sieuset nach der Ganghoferschleunigst eine Droschte genommen, um Anzeige zu machen. tuend berührt es da, auf allen Nebenlinien der bayerischen Bahnen straße, fanden aber auf dem Hausflur nichts mehr, auch keine BlutZüge ausschließlich nur mit Wagen vierter Klasse taufen zu sehen, spuren. Der Wächter war nicht zu sehen. Die Kriminalpolizei hat die aber die alten Wagen dritter Klasse sind. Niemand fährt dort sofort die Ermittelungen eingeleitet, um den angeblichen Fund und stehenden, sondern ruhenden Fußes vierter Klaffe, und da man auf seinen Verbleib aufzuklären. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, daß diesen Nebenlinien weder zweiter noch dritter Klasse sieht, so fährt Sleuset, der nicht ganz nüchtern war, in der Phantasie mehr eben die gesamte Bevölkerung vom Regierungsrat bis zum schlichten gesehen hat, als vorhanden war. Arbeiter vierter Klaffe. In Preußen hat die Revolution zwar das dreiflaffige Wahlrecht, nicht aber das vierklassige Eisenbahnfahren beseitigt. Ganz besonders hat unter dem Fahren stehenden Fußes Die Berliner Bevölkerung in den letzten Jahren zu leiden gehabt und es hat leider den Anschein, als ob dieser unerfreuliche Zustand verewigt werden soll. Die Triebwagen der demnächst zur Eröffnung gelangenden elektrisierten Strecke Berlin- Bernau werden neben 76 Sigplägen nicht weniger als 146 Stehplätze aufweisen, also doppelt soviel Steh- und Sizpläge. Hier tritt die Tendenz, auf Kosten der für die Nerven der Großstädter feineswegs entbehrlichen bequemen Sitz gelegenheit recht große Massen stehenden Fußes zu befördern, mit peinlicher Deutlichkeit zutage. Dieselbe Tendenz, recht viele Stehpläge und wenig Sizplähe, findet sich auch bei den neuen Wagen typen der Untergrundbahn. Das heute übliche Uebel, stehend zur und von der Arbeitsstätte fahren und außerdem bei der Arbeit auch noch stehen zu müssen, wird also in Zukunft nicht wesentlich behoben werden. Schlechte Verkehrs-, schlechte Wohn-, schlechte Einkommens. und Ernährungsverhältnisse müssen aber zu einer frühzeitigen Degeneration der großstädtischen Bevölkerung führen. Die von Tag zu Tag drohender werdende Berfehrsnot in Groß- Berlin tann nicht behoben werden, indem man spärlich mit der Einrichtung neuer Berkehrs. mittel ist, aber recht ſpendabel mit Fahrgelegenheiten stehenden Fußes". Gerade die arbeitende Bevölkerung wird in Zukunft anDeres verlangen dürfen. Der Rahardt- Prozeß. 4 Jahre Gefängnis gegen Karl Rahardt beantragt. Nachdem heute früh durch Landgerichtsdirektor Dr. Schulze die Beweisaufnahme im Rahardt- Prozeß am 20. Tage der Berhandlung gefchloffen worden war, erbat sich Karl Rahardt das Wort zu einer Erklärung, in der er seine Fehler offen eingesteht und bittet, fie milder zu beurteilen. Auch Erich Rahardt gab dann eine ähnliche Erklärung ab. Darauf nahm Staatsanwalt Dr. Kußmann das Wort zur Vertretung der Anklage: verloren hatte, zum Die Finanzfaffen im Bezirk des Landesfinanzamts Groß- Berlin find bon jest ab an allen Wochentagen mit Ausnahme des letzten Werktags eines jeden Monats in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags für den Verkehr mit dem Publikum geöffnet. " Eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten des Bezirksjugendamtes Treptow für die Verschidung erholungsbedürftiger Kinder findet am Donnerstag, den 17. Juli 1924, im Großen Eierhaus" Treptow( Befiber E. Rehnelt) statt. U. a. wird auftreten der bekannte Turmeilfünstler J. G. Liepelt statt. Ein Feuerwerk wird auf dem hohen Turmfeil in girta 30 Meter Höhe abgebrannt. Für gutes Garten- Konzert ist gesorgt. Auf der Tanzdiele im Freien" Freitang". Der Reinertrag. wird dem Bezirksjugendamt Treptow überwiesen. Eintritt 25 Pfg. Die Geschente im Ulap am Montag find auf folgende EintrittstartenNummern gefallen: 15 802, 22 951, 55 471, 27 457, 32 525, 8198, 1209, 30 352, 11 210, 6321, 25 156, 16 800, 115 134, 118 192, 28 233, 7412, 118 498, 58 736, 3302, 104 140. Wie Haarmann überführt wurde. Eine authentische Darstellung. Die Telegraphen- Union" ist in der Lage, auf Grund von Informationen an amtlicher Stelle folgende unbedingt authentische Darstellung der Haarmann- Affäre zu geben: Am 17. und 20. Mai wurde in der Leine je ein Schädel gefunden, haarlos, fleischlos und ohne Augen. Der Arzt war sich zunächst nicht flar darüber, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Schädel handelt. Die Annahme eines Mordes war feinerzeit noch nicht gegeben. Die Ermittelungen blieben nach jeder Richtung hir ohne Ergebnis. Am 13. Juni wurden zwei weitere Schädel gefunden. Von diesem Zeitpunkt an überwog die Annahme eines Berbrechens. Der Gerichtsarzt wurde sofort ersucht, wenn irgendmöglich, festzustellen, welcher Art die Schädel seien. Am 18. Juni tam dieser nach nochmaliger eingehender Untersuchung zu der Ueberzeugung, daß es sich um Schädel junger Männer handele. Daraufhin wurden sofort die Nachforschungen in homosexuellen Kreisen aufgenommen. Man hatte zunächst vier oder fünf Homosexuelle im Verdacht; in erster Linie Haarmann, da er schot 1918 im Verdacht stand, am Verschwinden zweier junger Männer schuldig zu sein. Am 18. Juni ging ein Schreiben an sämtliche Polizeiverwaltungen, welches zu Nachlich war, daß die Knochen und Schädel von außerhalb nach Hannover gebracht worden waren, um die Spuren zu verwischen. Bereits am 18. Juni fegte eine scharfe Beobachtung Haarmanns ein. Der 3wed war, Haarmann auf frischer Tat zu ertappen. Durch einen von der Kriminalpolizei sehr bedauerten Zufall wurde dieser Zweck durchkreuzt. Am 22. Juni traf Haarmann am Bahnhof einen 15jährigen Jungen aus Berlin, namens Fromme. Es ergab ich, daß Haarmann sich ihm gegenüber gegen§ 175 vergangen hatte. Aus diesem Grunde wurde auch Haarmann gleich festgehalten. So mittelungen wurden sofort fortgesetzt. Bei Haarmann wurde nun fam er am 23. Juni morgens auf das Polizeipräsidium. Die Ereine Haussuchung vorgenommen. Man fand Kleidungsstücke, auch erklärte, er habe zeitweise innere Butungen. Er hat solche auch blutbefleckte; damit ließ sich aber nicht viel anfangen, da Haarmann im Gerichtsgefängnis gehabt, die letzten vor etwa 4 Wochen. Zu einem Geständnis war er nicht zu bemegen. Es folgte nun der Aufruf der Polizei, welcher die Feststellung von Sachen der VerHaftbefehls ereigneten fich dann die bekannten Vorgänge, wo durch mißten zum Gegenstand hatte. Zwei Tage nach dem Erlaß des demselben Abend wurde auch Haarmann einem scharfen Kreuzeinen Zufall Frau Wizel das Jackett ihres Sohnes erfannie. An verhör unterzogen, das schließlich zu einem Geständnis führte. Haarmann bestreitet übrigens auch heute noch, daß die gefundenen Schädel von ihm stammen. Er bestreitet im besonderen den Mord hat. Die Sachen Wigels will er angeblich im Handel erhalten im Fall Wizel, obwohl er zahlreiche andere Morde eingestanden haben. Was sich hier in 19tägiger Berhandlung abgespielt hat, hat einen wenig erfreulichen Einblick in die Wirtschaftsverhältnisse der Nachforschungen in homosexuellen Kreisen aufforderte, da es auch mögfriegszeit gewährt und eine große Korruption enthüllt. Ein großer Teil des früheren reellen deutschen Kaufmannsstandes war 1919 unter das Schiebertum geraten. Mitten in dieser Zeit stand Karl Rahardt auf einem wichtigen Poften. Sein Handeln und Unterlassen war bestimmend für die wirtschaftliche Lage des gesamten deutschen Handwerks auf absehbare Zeit. Karl Rahardt ist zweifellos eine Führernatur, wie sie das deutsche Handwerk noch nie gehabt hat. Jahrelang hat er rücksichtslos und unter Hintansetzung feiner eigenen Person die Interessen des Handwerks vertreten und ihm alle nur möglichen Beteiligungen an den Kriegslieferungen gefichert. Nachdem er seine ganzen Rohstoffgeschäfte gemacht und gefehen hatte, daß dabei große Summen zu verdienen waren, fing er 1919, nach dem er auch seine Ideale per game at den ersten Male an, eine große Summe zur Begründung hat er sich wohl gesagt:„ Die Dummtöpfe vom Aufsichtsrat zwingen mich ja, ein reicher Mann zu werden." Der Hauptgegenstand der Anklage dreht sich um die Untreue. Karl Rahardt hat das gesamte Vermögen der Wirtschaftsorganisationen des Handwerks zu unkontrollierbarer Verfügung seines völlig vermögenslosen Sohnes gestellt, der damit Rohstoffe kaufte. Erich Rahardt lat aus den erlösten Gechäften einen Gewinn von 2,4 Goldmillionen erzielt. Wenn diese Summe dem Handwerk zugefloffen wäre, dann hätte das Handwerk die folgenden schweren Wirtschaftsfämpfe ganz anders bestehen können. Das hätte das Lebenswers eines Karl Rahardt frönen sollen und nicht die beiden Rahardt Prozesse. Es ist keine Entschuldigung für Karl Rahardt, daß er fagt, man habe an die einzelnen Stellen nicht herantommen tönnen, ohne zu schmieren. Das haben allerdings zahlreiche Zeugen bestätigt, aber Karl Rahardt hat viel Schuld an diefen forrupten zu ständen bei den Behörden gehabt, da sein Beispiel verheerend wirkte. Er hat gewußt, daß sein Sohn den Reichskommissar gedezeinats der Berliner Kriminalpolizei, und Kriminalassistent Jaap von der Dienststelle B. II. 5, deren Aufgabe die Bekämpfung der schmiert hat, und daher ist gegen ihn der Vorwurf der aktiven Bestechung zu erheben. Erich Rahardt hat sich des Betruges schuldig wibernatürlichen Unzucht ist, bereits gestern abend nach Hannover gemacht, denn er hat, fußend auf dem großen Namen feines Baters, abgefahren, um bei der weiteren Aufklärung der schauerlichen Verfich als Vertreter des notleidenden Handwerts aufgespielt. Der brechen mitzuwirken. Staatsanwalt beantragte schließlich gegen Karl Rahardt wegen schwerer Untreue, aftiver Bestechung, Betrug und Kettenhandel unter Einbeziehung der früher im ersten Rahardt- Prozeß erkannten Strafe eine Gesamtstrafe von 4 Jahren Gefängnis und 25 000 Goldmart. Gegen Erich Rahardt wegen Untreue, Bestechung, Betrug und Kettenhandel ebenfalls unter Einbeziehung der früheren Strafe eine Gesamtstrafe von 5 Jahren 6 Monaten Gefängnis, 5 Jahren Ehrverlust und 120 000 Goldmart, gegen den Handwerks: fammersekretär Alexander Hoffmann wegen Beihilfe zur schweren Untreue, Rettenhandel und Preistreiberei eine Gesamtstrafe von 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis und 15 000 Goldmart( unter Ginbeziehung der früheren Strafe), gegen Kaufmann Samel wegen Kettenhandels 4 Monate Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten sind, gegen Kaufmann Rost wegen Beihilfe zur schweren Urfundenfälschung und wegen Kettenhandels 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 30 000 m. Die Verhandlungen wurden dann auf Freitag, 11 Uhr, vertagt. Ein neues Freiluft- und Sonnenbad. Ein neues großes Familien Luft- und Sonnenbad, das, mitten im Walde gelegen, erren Flächeninhalt von 3500 Quadratmeter umfaßt, ist von der Ontel Toms Hütte G. m. b. H. im Anschluß an ihr bekanntes, am ehemaligen Riemeisterfee im Grunewald gelegenes Restaurant foeben eröffnet worden. Das Luft- und Sonnenbad ist mit einer großen Anzahl moderner Duschen versehen, obenso sind außer den üblichen Freigarderoben Kabinengarderoben erbaut worden. Das Luft- und Sonnenbad, das auch mit Lehmbädern aufwarten fann, steht unter der Leitung des Kurdirektors und Hygienifers Bruno Freyer, der täglich dort frei ordiniert und gleichzeitig alle Gäste, Erwachsene und Kinder, sportlich unterhält. Hängematten und kleine Luftzelte find vorhanden. Ein Eintritt für die Benutzung des FamilienLuft- und Sonnenbades wird nicht erhoben. Das Bad ist am bequemsten vom Untergrundbahnhof Thielplatz zu erreichen. * Auf Anordnung des Ministers des Innern sind Regierungsrat Dr. Kopp, Kriminalkommissar Werneburg, der Leiter des RaubSport. Die Radsportfundgebung in Ruhleben. Wie der Deutsche Berufsradsportverband mitteilt, hat er jetzt die polizeiliche Genehmigung zur Abhaltung von Radrennen auf der Traberbahn in Rubleben erhalten. Der Berlauf der am Donnerstag stattfindenden Rennen verspricht interessant zu werden, da der Zuspruch von seiten der auswärtigen und hiesigen Fahrer alles bishes Dagewesene in den Schatten stellt. Weit über 100 Meldungen find für die ausgeschriebenen Rennen abgegeben worden. Die Hauptsensation des Tages bildet der Große Sommerpreis, ein über 30 sm. führendes Dauerrennen hinter Straßenmotoren. Zu diesem Rennen haben alle eritilaffigen deutschen Fahrer sowie der Weltmeister Didentman, der italienische Meister Bordoni und der hier so beliebte Schweizer Wegmann ihre Meldungen abgegeben. Intereffant dürfte sich auch der Kleine Sommerpreis" über 15 m. gestalten, der mit seinen 13 Unterschriften eine gute Belegung gefunden hat. Es starten hier der Schweizer Gubler, die Breslauer Schubert, Feja, Neumann, der Düsseldorfer Dahmen, sowie die Berliner Babke, Naujolat, Schönborn, Schmidt, Stolz, Neinas, Eryleben und E. Sawall. Die Flieger bestreiten ein Hauptfahren, zwei Handicaps und ein 10 Runden- Punttejahren. Die Meldeliste mit ihren 60 Unterschriften, darunter Beltmeister Rütt, Arend, Stabe, Lorenz, Ostermeier, Schürmann, Hahn, Schrage, Bader, Peter und dem Dänen Jenssen wird dem reichhaltigen Programm ein ganz besonders buntes Bild ver leiben. Um jedem den Besuch dieser Veranstaltung zu ermöglichen, ift dieser Tag als großer Boltstag gedacht und die Eintrittspreise Diese betragen 1 bis 5 Mart. Fahrtverbindung entsprechend angefekt zur Srabrennbahn mit der Straßenbahn 54 und 154, Einlegewagen bom Stnie und Bahnhof Westend. Außerdem Untergrundbahn bis Stadion, sowie Autobusverkehr ab Alexanderplat und 300. Hometrainer- Rennen im Schweizergarten, Friedrichshain. Heute abend beginnen im Schweizergarten, Friedrichshain, am Königstor wieder die betanuten Hometrainer Rennen, wozu. Rennfahrer wie Krupkat, Stellbrint, Binzelberg, Bawle, Abraham, Dtto Tiek uft. ihre Meldung abgegeben baben. Auch ein Franzose wird vertreten sein. Zum Austrag gelangt der Große Preis vom Friedrichshain". Die Rennen selbst gehen bis zum 31. Juli Gewerkschaftsbewegung Die erste Ratifizierung! 6: 1, 16. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die deutsche Regierung hat beim Sekretariat des Bölferbundes das internationale Abtommn vom 30. September 1921 über die Einschränkungen der Frauen- und Kinderarbeit nunmehr offiziell ratifiziert. babei auf eine Fäfischung mehr oder weniger nicht ankommt, versteht sich von selbst. Eie erzählt ihren gläubigen Lejern, wir hätten geschrieben:„ Die Rote Fahne" hat endlich die Sprache wiedergefunden". In Birklichkeit schrieben wir, nachdem die„ Rote Fahne" fich in zwei Nummern über den Beschluß des Weltkongresses ausgeschmiegen hatte:„ Die Rote Fahne" hat endlich die Sprache wiedergefunden angesichts des Beschlusses des Mostauer Kongreffes, der die Entfachung der Austrittsbewegung" aus den Gewerkschaften durch die Schumacher und Genossen ver. urteilt. Wenn sich die Note Fahne" bemüht, ihre Verlegen heit durch Berlogenheit zu bemänteln, wird sie damit wenig Glüd haben. Wirtschaftion Sonderpreise und Kredite für Stickstoffbezug. BIB. meldet: Erfahrungsgemäß ist es ausgeschlossen, bet Landwirtschaft ihren gesamten Stidstoffbedarf in der eigentlichen Berbrauchszeit, im Frühjahr, rechtzeitig zuzuführen. Aus diesem Grunde haben Landwirtschaft und Industrie das gleiche Intereffe baran, daß sich der Stid ftoffbezug über das Jahr möglichst gleichmäßig verteilt. Um dem Landwirt trotz ber augenblicklichen Gelbfnappheit fofortigen Bezug zu ermöglichen, hat das Stickstofffynditat sich entschlossen, vorübergehend Sonderpreise einzuführen und meitgehende 3 ahlungserleichterungen ein zuräumen. Danach werden die Preise für 1 Kilogramm Rein Bom Zentralverband der Hotel, Restaurant. und Café- Angeftichstoff für die Zeit vom 11. Juni bis 30. September 1924 wie folgt abgestuft: Reaktionärer Kurs bei der Mitropa. Das ist die erste vollzogene Ratifizierung eines internationalen Abkommens durch das Deutsche Reich. Sie wurde vor einigen Monaten vom Reichsrat gleichzeitig mit der Ratifizierung von sieben anderen 2btommen und Empfehlungen be. schlossen. Sie ist also bis heute hinausgezögert morden. Es wäre intereffant, zu erfahren, warum die damals gleichfalls befchlofftellten wird uns geschrieben: fenen Ratifizierungen nicht gleichzeitig vollzogen wurden. Es ist mirklich sehr schmer ,, diesem Berfahren eine andere Bezeichnung als die einer Sabotage zu geben. Es bedarf vor allem der Aufklärung, ob diese Sabotage vom Reichsarbeitsministe. rium oder, wie roir vermuten, vom Auswärtigen Amt ver. übt wird. Wie Unternehmer tagen. Uns wird geschrieben: Am Sonntag, den 20. Juli, findet in Berlin eine Gründungs. tagung des Reichsbundes Deutscher Engrosfleischermeister statt. Wie allen Unternehmergruppen geht es auch den Engrosfleischermeistern äußerst schlecht. Zu diesem Zmede verbinden sie sich zu einem Reichsbund. Den schlechten Zeiten entspricht auch ganz die offiziell vertündete Tagesordnung dieser Gründungstagung. Es finden statt: Sonnabend, den 19. Juli, zwischen 6 und 7 Uhr, Empfang der Delegierten, anschließend Autofahrt nach dem una part, bortselbst gemeinsames Zusammensein. Boraussichtlich erhält der Interessenverband der Berliner Engrosschlächtermeister 150 Gratistarten. Sonntag, den 20. Juli, vormittags 10 Uhr, Beginn der Sigung, eine längere Mittagspause, dann Fortsetzung der Sigung. 4 Uhr nachmittags Autofahrt durch Berlin, darauf 3usammenkunft im 3oologischen Garten. Montag, den 21. Juli, für die noch anwesenden auswärtigen Gäste Besichtigung des Vieh- und Schlachthofes und der Verkaufs hallen, anschließend Autofahrt nach Wannsee und Potsdam. Abends Abschiedsschop pen im rollgarten. Die ganze Arbeit wird also am Sonntag zwischen 10 und 4 Uhr geleistet, wobei noch eine längere Mittagspause" abzuziehen ift. In drei Tagen bestenfalls vier Stunden Arbeit", das ist gewiß nicht zuviel. Wir begreifen durchaus, daß solche Unternehmer Gegner des Achtstundentages find. Aber die Leitung diefer Tagung" wird wissen, was sie der geistigen Regsamkeit der Engrosschlächtermeister zumuten darf. Man fieft die von einem Syndifus ausgearbeiteten Satzungen vor, wählt bas vorher ausgefnobelte Präsidium, nimmt eventuell noch einige in der gleichen Weise vorbereiteten reaktionären Entschließungen an - und begibt sich im Hochgefühl der geleisteten Arbeit" auf die Autofahrt zum nächsten gemeinsamen Busammensein". Und diese Leute beanspruchen die Führung im Staate! Die Spaltung geht weiter. Den richtigen Kommentar zu der Entschließung des kommunisti. schen Weltfongreffes", die die Aufforderung zur Rückkehr in die Gewerkschoften enthält. liefert der tommunistische Gewerkschaftspapst Losowiti auf dem Kongreß der genannten Roten Gemert. schaftsinternationale" in ihrer Sigung vom 12. Juli. Nach dem Bericht, den die Rote Fahne" darüber veröffentlichte, führte Losowsti aus: Neben den arallelperbänden muß weiter Fraf. tionsarbeit in den reformistischen Berbänden geleistet mer ben. Ortsgruppen dürfen nach deren Eroberung nicht sofort in den revolutionären Verband hinübergezogen werden. Die Betriebsräte find nur in engster Fühlung und neben ben Gewerkschaften dentbar. Die Unfnüpfungsmöglichkeiten sind bei den Massen zu suchen. Der Streit über die Einheitsfront hat nur Sinn, wenn man zu den Arbeitermassen geht. Was sollen nun die armen Kommunisten tun? Sollen fie nach bem Rezept von Lefowoffi weiter die Spaltung betreiben oder nach dem Beschluß des Weltkongresses" ihre Organisationchen auflösen und in die Bewerffchaften zurückkehren? Wir beschränken uns auf die Feststellung, daß Losowski nach mie vor die Spaltung der Gewertschaften empfiehlt. Wir stellen weiter fest, daß die Spaltung gegen wärtig in vollem Gange ist. Wenn man ber Roten Fahne" glauben darf, fand am Sonntag in einer mitteldeutschen Stadt" ein tommunistischer Betriebsrätefongreß statt. Es ist ein alter Plan der Kommunisten, der immer wieder aufgenommen wurde, nach russischem Muster Gewerkschaften zu bilben, bie auf den Betriesräten beruhen. Die auf dem Betriebsräte tengreß angenommenen Richtlinien sehen vor allem ein in niges Zusammenarbeiten mit den Erwerbslosen vor. Weiter soll überall planmäßig daran gearbeitet werden, ein enges Berhältnis zwischen den Belegschaften der einzelnen Großtetriebe und den Landarbeitern und Kleinbauern herzustellen. Besonders eingehend wurde Stellung zu der Eroberung er 2000 Großbetriebe Deutschlands Bis zum Hochsommer vergangenen Jahres ift unfer Verband in bezug auf die Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen fomie sonstiger Arbeitnehmerfragen ganz gut mit der Direktion der Mitropa( Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen A.-G.) ausge tommen. Seit jener Zeit aber ist die Mitropa- Gesellschaft- jeden falls weil es so Mode in Deutschland geworden ist ins Bager der Sharfmacher eingeschwenft. Bezeichnend für die reattios näre Einstellung der Gesellschaft ist, daß seit einem Jahre die be Scheidenen Lohnforderungen der Arbeitnehmer in den meisten Fällen nur durch die Inanspruchnahme eines Schlichtungsaus. chuffes geregelt werden fonnten. Dabei handelt es sich bei der Mitropa um ein fapitalfräftiges Unternehmen mit gutem Geschäftsgang. Bei der Preisfalfulation ift die Gesellschaftmie Die Speisefarben in den Speisemagen besonders zeigen nicht die Speisekarten in den Speisewagen besonders zeigen fo imperlich, wie bei der Bemessung der Löhne für die Arbeiter und Angestellten. Mit der Lohn- und Preisfrage wollen wir uns heute aber nidyt näher beschäftigen, dazu werden wir vielleicht dem nächst noch Gelegenheit haben. Heut sei nur auf folgenden Fall hinzuweisen, der die realtionäre Einstellung der Mitropa- Direktion recht treffend fennzeichnet. Unser Verband, in dem das gewerbliche Fahrpersonal zu 99 Proz. arganisiert ist, hat eine Konferenz nach Berlin einberufen, zur Besprechung von gewerkschaftlichen Fragen. An dieser Konferenz sollte je ein Delegierter von bei den der Mitropa bestehenden Sektionen des Fahrpersonals teilnehmen. Da wir wissen, daß perfchiedene Abbeilungsleiter unseren Kollegen bei der Ausübung ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit Schmierigteiten bereiten, ersuchten wir die Direktion in Berlin, die Abteilungsleiter zu veranlassen, dem evtl. Ersuchen der Delegierten um Dienstbefreiung für diefen Tag zu entsprechen. Nach einigen Tagen erhielten wir ein Schreiben von der Direktion, in dem sie unser Ersuchen ab. tehnte. Inzwischen hatte die Direktion dann noch durch ein Rundschreiben die Abteilungsleiter angewiesen, jedes Dienstbefreiungsgesuch abzulehnen. Ein nochmaliger Versuch, die Direktion zu einem Entgegentommen zu veranlassen, wobei betont wurde, daß die nachgesuchte Dienstbefreiung voraussichtlich nur in dem einen oder anderen Falle notwendig sein würde, da auf unsere Anweisung möglichst solche Kollegen als Delegierbe entfandt werden sollten, die an dem be= treffenden Tage feinen Dienst haben. blieb erfolglos. Aus diesem Berhalten der Direttion geht hervor, daß fie bestrebt ist, die Ron ferenz unmöglich zu machen, weil nach ihrer Meinung zur Abhaltung der Konferenz keine Veranlaffung vorliegt". Wie sollte man auch dazu fommen, ber gewertschaftlichen Betätigung der gewerblichen Arbeitnehmer„ Borschub zu leisten". Es wäre besser, mie der erste Direktor Geheimrat Ren bemerkte, wenn in Deutschland mehr gearbeitet würde". Wenn es aber gilt, gelbe Bereinchen der kaufmännischen Bureauangestellten samt und sonders auf Bergnügungsreifen zu fahiden, dann spielt die versäumte Arbeitszeit und das Gelb feine Rolle. Glüd wird die Mitropa mit ihrer Nadelstichpolitif nicht haben. Die Konferenz wird trotzdem ftatifinden, ob es der Direktion paßt ober nicht. Unternehmerwillkür. Die Arbeiter ber Ilgemeinen Deutschen Metall. merte faßten vor einiger Zeit, als ihr Betriebsratsvorsitzender ent laffen worden war, eine gegen die Direttion gerichtete Resolution, welche gegen die Entlassung des Betriebsratsvorsitzenden protestiert und seine Wiedereinstellung fordert. Die Resolution follte der Direktion und dem Gewerbegericht, wo damals eine Klage wegen der Entlaffung schwebte, eingereicht werden. Ein Betriebsratsmitglied ließ deshalb die Resolution durch eine Stenotypiftin der Firma mit der Maschine abschreiben. Das war nicht unberechtigt, denn wie vereinbart war, durfte die Schreibarbeit des Betriebsrats durch Steno: typiftinnen der Firma ausgeführt werden. Aber da es sich hier um eine Protest resolution gegen die Direktion handelte, hielt man es für erforderlich, ein Erempel zu ftatuieren. Das Betriebsratsmitglieb, welches die Abschrift der Resolution veranlaßt hatte, wurde entlaffen. Betriebsratsmitglieder dürfen befannilich ohne zu ſtimmung der Betriebsvertretung nur in den Fällen entlassen werden, wo nach der Gewerbeordnung eine fristlose Entlaffung erfolgen darf. Als nun der Entlassene beim Gewerbegericht flagte, machte bie Firma als Entlassungsgrund geltend, der Kläger habe sich, um die Abschrift der Refolution zu bewirken, ohne Urlaub des Meisters von feinem Arbeitsplatz entfernt, er habe dadurch gegen die Arbeitsorb nung verstoßen und somit einen Grund zur Entlassung nach§ 123 der Gewerbeordnung gegeben. nung verstoßen und somit einen Grund zur Entlassung nach§ 123 Zu diesen Ausführungen des Bertreters der Firma bemerkte der Borsigende, Magistratsrats Schulz, das sei doch nur eine nach: träglich gesuchte Begründung der Entlassung. Der wahre Entlaffungsgrund fei doch die Resolution. Damit hatte der Borsigende tatsächlich das Richtige getroffen. Ronnie doch auch vom Kläger barauf hingewiefen werden, baß auch bie Stenotypistin, welche bie Resolution abgefchrieben hatte, entfaffen, Schwefelsaures Ammonia gewöhnliche Ware Schwefelsaures Ammoniak gedarrt und gemahlen Salgiaures Ammoniat Leunajalpeter Raliammonsalpeter Natronfalpeter Ralfitidstoff 11. 7.- 31. 7. 1. 8.- 31. 8. 1. 9.- 30. 9. Solomart Golmart Golmart 1, 1,03 1,06 1,02 1,05 1,08 1,08 1,06 1,08 1,06 1,03 1,06 1,15 1,18 -, 93 -, 96 1,12 -, 90 Dabei verlangt bas Synditat Barzahlug nur bis zu 25 Broz. des Rechnungsbetrages. Der Rest von dreiviertel des Rechnungsbetrages fann in bistontofähigen Wechseln bezahlt wer den. Auf die Barzahlung, soweit fie fristgemäß eingeht, gewährt das Synditat einen Nachlaß von 7% Proz. Der Wechselkredit ist bistontfrei. Die neuen Sonderpreise bedeuten gegenüber den bisherigen bereits etwa 13 Broz. unter dem Friedensstand liegenden Breifen eine weitere erhebliche herabschung. Hollands Induftrialisierung. Die Industrialisierung Hollands in den lekten zehn Jahren wird durch die nachstehende Tabelle gut veranschaulicht. Zu den Ziffern des Aftienfapitals haben wir die offenen Reserven der Gesellschaften hinzugerechnet. Es existierten: Banten, 1910 1920 Dods, 1910. 1920 Eisen- und Maschinenfabriken, 1910 1920 Betroleumgesellschaften, 1910 1920 Schiffahrtsgesellschaften, 1910 1920 Textilfabriken, 1910 Buderfabriken, 1910 " 1920 1920 • Aktienkapital und Reserven in Millionen Gulden Bahl 22 174 48 741 6 5 12 29 5 5,2 29 79 20 116,8 18 449,4 18 93 41 544 6 15 2 4,8 4 38,2 Selbst bei Berücksichtigung der Tatsache, daß viele neue Unternehmungen zu einer Beit der Preisinflation gegründet wurden, als die Preislage, wie im Jahre 1920, dreifach so hoch wie im Frieden war, springt die fehr beträchtliche Industrialisierung Hollands im letzten Jahrzehnt ins Auge. Die Geldflüffigkeit an der Berliner Börse, die in einer raschen Ermäßigung der Binsfäße für tägliches Gelb ihren Ausbrud fand, hat jetzt schon bazu geführt, daß die preußische Staatsbant tein täglich fündbares Gelb mehr aus Banttreifen zur Ver. zinfung annehmen wird, weil sie das Geld nicht entsprechend untertringen fann. Sie hat daher den Banten angeboten, von ihnen Gelb gegen Befel bei einem Diskontsag von 3 Broz. jährlid entgegenzunehmen. Die Entspannung am Geldmarkt ist also bereits beträchtlich fortgeschritten und es wäre mur bringend zu wünschen, daß diese Bewegung einen Abbau der übermäßigen Binsfäße der Banten nach sich zieht. In diesem Zusammenhang ist der letzte Ausweis der Reichsbant von Interesse, der in der Woche nach dem Halbjahresultimo eine Entspannung erfuhr. Der Wechselbestand ging um 44,3 Millionen Goldmart zurück, der Umlauf an Reichsbanknoten und Rentenscheinen zusammen fant um 16,2 Millionen Goldmart, so daß an Reichsbanknoten 1105,5 Millionen Goldmart an Rentenbontscheinen, 147 Millionen Rentenmark im Berkehr sind. Es ist wieder gelungen, den Gold. bestand durch Anfäufe gegen Devisen um 4,2 Millionen Mart auf 466 Millionen Goldmark zu erhöhen. Das amerikanische Finanzkapital in Spanien. Das amerikanische Rapital wendet sich Spanien zu. Wenn auch das spanische Staatsbudget ein sehr beträchtliches Defizit aufweist, die Handelsbilanz im Jahre 1923 noch um 1% Milliarden Besetas passiv war und die spanische Währung sehr unsicher und entwertet ist, so wird dennoch das unter Dittatur stehende Spanien vom amerikanischen Anlagefapital als guter Markt betrachtet. Zusammen mit englischen Rapitalisten soll das amerikanische Rapital eine Eisenbahn von der franzöfifchen Grenze bis nach Marotto in der Länge von 2500 Kilometer ausbauen, wobei die an der Strecke liegenden Naturschähe von foll Bergwerfe, elektrische und chemische Betriebe in der Eisenbahngesellschaft ausgebeutet werden sollen. Die Gesellschaft Spanien unterhalten. Der Staat muß der Unternehmergruppe eine fünfprozentige Berzinsung bes Afiientapitals von 3 Milliarden Eisenbahn den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes nicht ents Ausbeutung Spaniens, wobei die Richtung der zu erbauenden spricht. Auch soll eine amerikanische Gesellschaft mit einem Kapital Don 100 bis 200 Millionen ein Monopol zur Einführung eines ferenz stellte sich die Aufgabe, dahin zu wirken, daß bis zum Herbst fpäter aber mleber eingestellt worden ist, nachdem fie auf den ihr Befetas zufichern. Es handelt sich also um eine Art tolonialer Urlaub hatte. Das Gericht fam einstimmig zu dem Urteil, daß dem Entlassenen dieses Jahres in jedem Großbetrieb eine Betriebszeitung vorhanden ist." Schließlich wurde ein Zentralfomitee der Betriebs- der Lohn vom Tage der Entlaffung bis zum Tage der Urteilsper. räte Deutschlands" gemählt, das feinerseits einen engeren Aus. fündung zu zahlen ist. Die Entlassung so wurde in der Urteils huß bestimmte. Der Kampf um die Einheitsfront" fann also begründung gefagt fei im Zusammenhang mit der Abfaffung ber Der Kampf um die Einheitsfront fann aljo Resolution erfolgt. Diefe fei zwar scharf, fie enthalte aber feine Be: automatischen Telephonneges für ganz Spanien erhalten. luftig weiter betrieben werden. leidigung ber Direktion und gebe deshalb feinen Entlassungsgrund ab. Daß sich der Kläger einmal unbefugt von seinem Arbeitsplatz entfernt habe, ohne daß eine Berwarnung erfolgt sei, reiche auch nicht aus, um die Entlassung zu begründen. Wie unangenehm der Beschluß des Weltkongresses den deutschen Rommunisten ist, geht zur Genüge aus ihrer Haltung und aus den verlegenen Kommentaren der Roten Fahne" hervor. Daß es ihr 666666# 999666 Herzlichen Gladwunsch aur Silberhochzeit unserem Ge noffen und Bestrtsführer Emil Hahn nebst Gattin Geeftraße 28. Die Genossen d. 23. Abteilg. Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Bauschule Glauchau i. Sa. Ausführung sämtl. Reparaturen Hochbau Tiefbau- Eisenbetonbau Deutsche Dachdeckerschule Glauchau 1. Sa. Bestimmungen für den Winterunterricht( Beginn 1.Nov) durch Die Direktion Besonders wirksam sind die Kleinen Anzeigen in der Gesamt- Auflage des Vorwärts und trojdem billig! Preiswerte, gediegene Arbeit. 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