Abendausgabe Nr. 333 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 167 Bezugsbebingungen und Anzeigenpreifa find in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Abreffe: Sozialdemofcat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag 17. Juli 1924 Berlag und anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die konferenzausschüsse an der Arbeit. Komintern" in der Sackgaffe. Um die Aufhebung der Pfänder. Condon, 17. Juli.( WIB.)„ Times" schreibt über die Aufgaben der drei& onferenzausschüsse: Der erste habe sich mit dem schwierigen Problem eines dentschen Verzugs zu befassen und zu beschließen, welche körperschaft darüber zu entscheiden haben werde, ob Deutschland unter dem Dawes- Plan in Berzug geraten jei, und welche Maßnahmen gegebenenfalls zu treffen fein würden. Frankreich verlange, daß die Reparationskommiffion die entscheidende Instanz bleiben solle, aber die Frage sei, ob diese Körperschaft von den Amerikanern und den anderen Beiffeuerern zu der Anleihe, die für Deutschland aufgebracht werden solle, für befriedigend angesehen werden würde. Der zweite Ausschuß werde den beften Weg ausfindig zu machen haben, um die deutsche wirtschaftliche und fiskalische Einheit, wie sie vom Dawes- Plan gefordert werde, wiederherzustellen. Der dritte Ausschuß werde sich mit den Methoden der Uebertragung deutscher Zahlungen auf die Gläubigerländer befaffen. de Paris( Pertinag!) in London schreibt: Im ersten Ausschuß Paris, 17. Juli.( WTB.) Der Sonderberichterstatter des„ Echo werden heute die französischen Delegierten die französische These begründen, daß es der französischen Delegation unmöglich sei, in der Frage der Zuständigkeit der Reparationstom. mission große Ronzessionen zu machen, und daß sie an der in Baris festgelegten Formel der Zuziehung eines Amerikaners fest halten müsse. Im zweiten Ausschuß wird die eigentliche Schlacht geSchlagen werden. Die Belgier werden mit den Franzosen eng zu fammenarbeiten. Sie lehnen eine glatte Aufhebung der bestehenden Pfänder ab, fie verlangen nicht nur eine Etappe, sondern mehrere, und zwar in solcher Anordnung, daß Frankreich und Belgien das, was sie beide in der Hand haben, erst aufgeben, nachdem sie die Gewißheit darüber befizen, daß von Deutschland mehr geschieht als eine bloße Unterschrift auf dem Papier. In dieser Hinsicht wird den französischen Delegierten die Arbeit vielleicht durch die Entschließungen, zu denen die Reparationsfommission gelangt ist, er leichtert werden. Wenn man sich damit begnügt, zu verlangen, daß 8. B. die Wiederherstellung der deutschen Steuer- und Wirtschaftseinheit erst nach Zeichnung der Anleihe von 800 Millionen Goldmart erfolgen, jedoch nicht ihr vorausgehen soll, so hat das ganze Gebäude Die größte Aussicht, zusammenzubrechen. Die Franzosen werden in diefer Angelegenheit mit starten Gegnern zu tun haben. Der Berichterstatter nennt unter ihnen den englischen Kolonialminister Thomas, der nach seiner Meinung englischerseits an dieser Des batte teilnehmen werde, um dem Wunsch der Dominions nach einer direkten Vertretung gerecht zu werden, und ferner den ständigen Unterstaatssekretär im Foreign Office Fir Eyre Crowe. Im dritten Ausschuß wird, heißt es dann weiter, der franzöfifche Delegierte Parmentier es sich vermutlich angelegen fein laffen, Maßnahmen durchzusehen, die geeignet sind, tatsächliche Prioritäten zugunsten der zerstörten Länder zu schaffen, Prioritäten, die sich nicht mit den von amerikanischen Finanziers verlangten vergleichen lassen. Für die Tätigkeit des lebertragungsfomitees ist besonders die Frage der Reihenfolge wichtig, in der bie verschiedenen Gläubiger Deutschlands Berücksichtigung finden follen.. Sache der französischen Delegierten wird es sein, sich jenem obersten, aus Neutralen zusammengesetzten Uebertragungsausschuß, den die französisch- englische Note vom 9. Juli dem im Sachverständigenbericht selbst vorgefehenen, aus Alliierten oder Assoziierten zusammengefeßten Uebertagungsausschuß vielleicht selbst hat unterordnen wollen, fernzuhalten. Das letztere wird Frankreich schon viele Schwierigkeiten schaffen. London, 17. Juli.( WTB.) Die Konferenz wird heute keine Plenarsizung abhalten. Es tagen fämtliche drei Kom missionen, die erste um 3½ Uhr, die zweite um 4% Uhr, und die dritte um 2½ Uhr. Amerika wieder in der Reparationskommission. Das überreichte deutsche Memorandum. London, den 17. Juli 1924.( Eigener Drahtbericht.) Der Londoner Korrespondent des„ So3. Parlamentsdienstes" erfährt, daß das von der Reichsregierung dem englischen Ministerdas von der Reichsregierung dem englischen Minister präsidenten am Mittwoch überreichte Memorandum in seinen Grundzügen folgenden Inhalt hat: Als Grundbedingung der Annahme des Gutachtens fordert die deutsche Regierung eine endgültige Zusage über den Termin der Wiederherstellung der politischen Einheit Deutschlands, und zwar zunächst die Festsetzung eines begrenzten und vernünftigen Zeitpunktes für die zurückziehung der alliierten Besatzungstruppen, ferner für die militärische Räumung der Ruhr, da angesichts der bevorstehenden ökonomischen Befreiung des Ruhrgebietes der Aufenthalt der Truppen, der damals lediglich zum Schuhe und zur Sicherheit der Ingenieurfommission gedacht war, nach Beendigung der ökonomischen Sanktionen nicht mehr gerechtfertigt sei. Außerdem wird die militärische Räumung von Düsseldorf und Duisburg- Ruhrort verlangt, die lediglich als Sanffion für die verweigerte Annahme des Londoner Zahlungsplanes erfolgt fei. Schließlich fordert die Regierung in Bejahungszone im nächsten Jahre. Sie begründet diese Forihrem Memorandum die Räumung der ersten rheinischen derung unter Bezugnahme auf Artikel 28 des Versailler Vertrages. Expertenberatung über die deutschen Budgeteinnahmen. Condon, 17. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Getrennt von der Londoner Konferenz hat am Mittwoch unter Teilnahme des Staatssekretärs a. D. Bergmann die Kommission zur Prüfung der deutschen Budgeteinnahmen ihre Arbeiten in London aufgenommen. Für den Fall, daß eine Einigung mit der Reparationsfommiffion unmöglich ist, hat man einen amerikanischen Sachverständigen als Schiedsrichter vorgesehen. . ( Siehe auch 3. Seite.) Der Thüringer Skandal. wie lange wird Stresemann dieses Affentheater dulden? Die von uns bereits gemeldete Debatte im Thüringer Landtag über das Sachverständigengutachten ist, über den Rahmen dieses fleinen Landes hinaus, ein hoch politis cher Standal, der bligartig die total verfahrenen politi fchen Bustände beleuchtet, in die Deutschland durch das Anwachsen der Bürgerblockparteien verfekt worden ist. Dort hat sich die regierende Deutsche Volkspartei in eine Linie nicht nur mit den Deutschnationalen, sondern sogar mit den Deutschvolfischen begeben, um in einer Weise zu dem Dames- Gutachten Stellung zu nehmen, die einen glatten Dolch stoß in die Politik der Regierung Marr- Stresemann bedeutet. Ist es schon unerhört, daß eine Partei, die sich im Reiche zu der Politik der vorbehaltlosen Annahme des Dawes- Gutachtens drei Monate lang bekannt hat, neuerdings wieder von dieser klaren Linie abrüdt, so ist es einfach unerträglich, wenn in einem Einzellande dieselbe Partei gemeinsame Sache mit den erklärten Feinden jeder Verſtändi gungspolitit macht, mit den Deutschnationalen und gar mit den Deutschvölkischen. In der Bürgerblod- Resolution des Thüringer Landtages wird u. a. gefordert, daß die Reichsregierung das Sachverständigengutachten nur dann annehme, wenn vom Feindbund" die Schuldfrage(!) erneut aufgerollt wird und wenn die Ausgewiesenen restlos entschädigt werden. Wie verhält sich der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Stresemann, der jedem, der es hören will, versichert, er habe seine Leute fest in der Hand", zu diesem groben Unfug seiner sogenannten Anhänger in Thüringen? Entweder er ist mit ihnen einer Meinung, dann hat er schleunigst zu verschwinden, denn sein Verbleiben auf dem Posten des Reichsaußenministers in der Regierung Marg ist dann, wie er selbst wird zugeben müssen, ein Ding der Unmöglichkeit. Paris, 17. Juli.( WTB.) Wie der Sonderberichterstatter des Petit Parifien" in London meldet, hat in der geftrigen Situng der ersten Kommiffion das amerikanische Mitglied folgende Erflärung abgegeben: Die amerikanische Regierung werde teinen Einspruch dagegen erheben, daß ein amerikanischer Staatsbürger in der Reparationstommiffion Sig und Stimme für den Fall hätte, daß die Kommission eine etwaige schwere BerfehOder er hält fie für das, was sie sind, dann muß er lung von seilen Deutschlands festzustellen hätte. Darüber, wer diefen amerikanischen Vertreter zu ernennen haben werde, feien auch den Mut aufbringen, schleunigft und öffentlich von ihnen abzurüden. Das ist er nicht nur sich selbst, sondern vor 3wei Auffassungen zum Ausdrud gekommen; nach der einen hätte die Reparationstommission selbst unmittelbar, nach allem dem Reich schuldig. Denn jedes Vertrauen zu der anderen der Vorsitzende des Internationalen Schieds- Deutschland muß zum Teufel gehen, wenn das Ausland gerichtshofes im Haag die Ernennung vorzunehmen. Nach zu der Ueberzeugung gelangen muß, daß die deutschen Regründlicher Auseinandersetzung, in deren Berlauf insbesondere gierungsparteien ein elen des Doppelspiel treiben: gründlicher Auseinandersetzung, in deren Berlauf insbesondere im Reiche mit Marg, Stresemann und der SozialdemoPeretti della Rocca und Snowden das Wort ergriffen fratie für vorbehaltlose' Annahme des Sachverständigenguthätten, habe sich der letztere Standpunkt durchgefeßt. achtens; in den Ländern mit Leutheuser, Bazille, Ein französischer Sanktionsplan überreicht. Held, Brandenstein, mit den Deutschnationalen und London, 17. Juli.( WTB.) Peretti della Rocca, franzo- den Bölkischen für irrfinnige Forderungen und groteske Voraussetzungen. fher Vertreter im 1. Ausschuß, wird, wie verlautet, diesem einen Tan für die Anwendung von Strafmaßnahmen im te eines deutschen Verzugs unterbreiten. Laut„ Times" ist mit Prüfung dieses Projektes bereits ein beträchtlicher FortIhritt gemacht worden. Deutschlands Einladung gesichert? Condon, 17. Juli.( TU.) Daily Chronicle" meldet, daß es gewiß sei, daß Deutschland geraume Zeit vor Beendigung der Tagang zur Entfendung von Vertretern aufgefordert werden wird. Man fragt sich erschrocken: Wie wäre es erst, wenn Dr. Stresemann seine Leute nicht fest in der Hand" hätte?? = Norwegische Regierungstrife in Sicht. In der geftrigen Sigung der ersten Kammer wurde die RegierungsDorlage betreffend Aufhebung des Alkoholver bots mit 63 Stimmen der Linfen und der Arbeiterpartei gegen 49 Stimmen abgelehnt. Die Minderheit setzt sich zusammen aus der Rechten und der Freifinniger Linten sowie aus sieben Mitgliedern der Bauernpartei. Bor der Tagung der zweiten kommer ist mit einer Regierungskrise nicht zu rechnen. Auch in letzterer ist aber die Ablehnung der Regierungsvorlage sicher. Moskauer Bon Peter Garwy. Der fünfte Kongreß der Kommunistischen Internationale ist zu Ende. Es muß geradezu gefagt werden, daß auf ihm nicht ein neues Wort gefallen ist. Die Arbeit dieses Kongresses des ersten nach dem Tode Lenins, des Schöpfers und Führers stand unter dem Zeichen der völligen Zerfahrenheit. Umsonst veranstalteten seine talentlosen Schüler nach mittelalterlichem Muster eine allgemeine Boltsandacht am Grabe Lenins. Umsonst beriefen sie den Geist ihres Herrn und Führers. Auch an dem heiligen Grabe gelang es den verwaisten Schülern nicht, das Licht des Glaubens zu entzünden. Die Debatte über Sino wjews Bericht nahm eine ganze Woche in Anspruch. 62 Redner hatten sich zu Wort gemeldet. Die eifrigen Widersacher des„ Parlamentsgeschwäges" erflossen in endlosen Reden. Rechts schwenkung". Nachdem Sinowiew und Kon Im Mittelpunkt stand die Frage der sogenannten sorten auf dem russischen Parteitag der Opposition mit roki an der Spize den Garaus gemacht hatten, hielten sie auf dem internationalen Kongreß Gericht über den rechten erwies sich auf dem Kongreß, daß Radet nicht verFlügel im Komintern, als dessen Wortführer Ra d e f hervortrat. Die Aufgabe war freilich einigermaßen schwieriger. Es einzelt dasteht, daß in einer ganzen Reihe von größeren Settionen des Kominterns, der formell unterdrückte rechte Flügel in Wirklichkeit an Kraft nicht eingebüßt, sondern im Gegenteil noch gewonnen hat. Aus diesem Grunde mußte der Kampf gegen die extreme linke Richtung, an deren Spizze der Italiener Bordiga steht, in den Hintergrund treten. Zur Hauptaufgabe wurde der Kampf gegen den„ Radekismus“ erklärt. Alle, von Sinowjew bis Ruth Fischer, brandmartten den„ Radefismus" als ein schädliches Ueberbleibsel der Sozialdemokratie". Und da sich die Sozialdemokratie nach einer Behauptung von Sinomjem in eine britte Partei der Bourgeoisie" verwandelt hat, so ist es klar, daß der„ Radefismus" eine bürgerliche Berirrung darstellt, die mit Stumpf und Stel ausgerottet werden muß. Ruth Fischer bekämpft Radek und seine Anhänger nicht nur wegen einzelner Bergehen, sonbern beschuldigt sie geradezu der Schaffung einer ganzen Theorie des Opportunismus. Diese Theorie wolle die fommunistische Lehre über den Staat liquidieren und die Frage der Machtergreifung etappenweise durch Arbeiterregierungen und Koalitionen mit der Sozialdemokratie lösen. Die Opposition zog es vor, wie es auch auf dem Kongreß der Ruffischen Partei der Fall war, sich zu verteidigen, anstatt selbst anzugreifen, und vermied ängstlich eine offene Stellungnahme; sie war nur bemüht, sich zu rechtfertigen und verschanzte sich hinter revolutionäre Phrafen. Der Angriff gegen den rechten Flügel wurde auf dem Rongreß hauptsächlich in Verbindung mit der deutschen Frage geführt. Es hatte den Anschein, als ob dies die wichtigste, wenn nicht einzige Kampffrage sei. Zum hundertsten Male wurden die Erfahrungen" in Sachsen und die Ursache der„ Oktober niederlage" einer Analyse unterworfen. und zum hundertsten Male wurde die Erklärung des Mißerfolges in den Fehlern der Führer und in der ungeschickten Leitung gesucht, anstatt daß man sich mit der Ergründung der objeftiven Ursachen befaßte, die zur Niederlage der deutschen Kommunisten im Herbst 1923 geführt haben. Ruth Fischer gab der Rechtsschwentung" alle Schuld, Thalheimer verwies schüchtern auf die„ nicht immer angebrachte" Einmischung Moskaus vor den Oktobertagen, während der Oftobertage und im Januar. Was hat die Beharrlichkeit und Leidenschaftlichkeit, mit der die Kommunisten aller Länder ständig zur verpaẞten" Oftoberrevolution in Deutschland zurückkehren, zu bedeuten? Der Grund liegt ausschließlich darin, daß im Herbst 1923 der putschistischen Taktik und der ganzen Ideologie des Kommu nismus ein harter, wenn nicht tödlicher Schlag versezt wurde, der die Krise im Romintern ungemein verschärfte. Bon allen europäischen Staaten hat einzig Deutschland, dank dem verderblichen Einfluß des Versailler Bertrages und der Ruhrbeſegung, eine im bolfchemistischen Wortsinne spezifisch„ revolutionäre" Situation bewahrt. Darum bildet Deutschland für die Kommunisten den einzigen Punkt, wo der„ Hebel der kommunistischen Weltrevolution" angesetzt werden kann und muß. Deutschland ist der letzte Einsatz in dem bolschewistischen Hazardspiel. Im Oktober 1923 wurde diese Karte geschlagen. Von dem Augenblick an, wo die Hoffnung auf eine Befreiung Deutschlands von dem schweren Druck der Nach= friegszeit entstand, begann die Aussicht auf eine Entfesselung des Bürgerkrieges und die Errichtung einer terroristischen Diftatur immer mehr zu schwinden. Darum das nachträgliche Bedauern über den verpaßten" Moment, der sich wohl kaum wiederholen wird. Darum die gegenseitigen Beschuldigungen der Führer und das zwecklose Suchen nach den Urhebern des Mißerfolges. Daher auch die verbrecherische Parole des Kampfes gegen den Sachverständigen plan, die von Sinomjew auf dem Rongreß verkündet und von seinen deutschen und französischen Handlangern mit Begeisterung aufgenommen wurde. Daß die schlimmsten Chauvinisten und Reaktionäre in Deutschland und in Frankreich ihre verderbliche Tätigkeit unter der gleichen Parole ausüben, scheint weiter nicht zu stören. Leben doch diese Condottieren der Revolution ausschließlich vom Krieg. Um die erheblich schwankende„ revolutionäre Situation" zu retten, suchen fie ihren Anhängern den Glauben beizubringen, daß die Annahme des Gutachtens gleichbedeutend mit„der Fortsetzung des Krieges in anderer Form" wäre. Und V a r g a setzt melancholisch hinzu:„Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Sieg des Proletariats einen Auf- schub bis zu einem neuen Weltkrieg erleiden wird."... Nur im Kriegs, nur m Kriegskatastrophen sehen die Kommu- nisten die Möglichkeit ihres Sieges. Wie der Faschismus, vom Krieg erzeugt, wird auch der Kommunismus zusammen mit diesem zu Grabe getragen werden. Die Kommunisten sehen das teilweise ein. Darum haben sie den schonungslosen Kampf gegen den „demokratischen Pazifismus" erklärt Radek konstatierte offen die gegenseitige Beziehung zwischen der Stabilisierung der ökonomischen Beziehungen und dem Nach- lassen der putschistischen Stimmungen:„Dort, wo die Arbeits- losigkeit sich vermindert, ist auch eine Abnahme unserer Stim- men zu verzeichnen."... Den Bericht über die internationale wirtschaftliche und politische Lage erstattete Varga. Trotz seiner Vorsicht und Nachgiebigkeit, deren er sich in seinen Aeußerungen und Schlußfolgerungen befleißigte, wurde von der Linken der Vor- wurf gegen ihn erhoben, daß seine Ausführungen die Position der opportunistischen Rechten stärkten und im großen und ganzen eine ungeheure Gefahr für den Komintern bedeuteten. „Die von Varga vorgezeichnete Entwicklung"— meinte D c n g e l—„führt zur Liquidation der gegenwärtigen revo- lutionär�n Krise und beraubt die Partei der notwendigen revo- lutionären Energie." Varga erwiderte sehr richtig, falls eine Tendenz zur Stärkung des Kapitalismus vorhanden sei, es ein Verbrechen wäre, sie zu verschweigen. Und sogar Sinowjew muhte sich bequemen zu erklären, daß nicht etwa Varga die Schuld trage, sondern daß tatsächlich auch in Deutschland manche Anzeichen auf die Konsolidation der kapitalistischen Wirtschaft hinwiesen. Der Begriff des„Sturzes des Kapita- lismus�, so belehrte Sinowjew seine Jünger, erfordere eine vorsichtigere Behandlung. Er begreife die Ungeduld— aber mitdem„Zeitbegrif f" müsse man. nach den Erfahrungen der letzten Jahre, etwas vorsichtiger umgehen. Es sei eben keine einfache Sache...! Es ist wahr, es i st keine einfache Sache! Diese Belehrung, die Sinowjew an seine Handlanger richtet und in der er Auf- schluß hinsichtlich der elementaren Wahrheiten gibt, auf die die die„verräterische" Sozialdemokratie dauernd hinwies — diese Belehrung ist mit teurem Preis erkauft, mit dem Blut von Millionen Menschen im unglücklichen Rußland, mit dem Blute von vielen Tausenden Proletariern in Ungarn, Italien und Deutschend, die der unvorsichtigen Behandlung des»Leit- begriffes" zum t)pfcr fielen. Es ist fürwahr keine einfache Sachel Aber wenn in den Reihen des Kominterns selbst die Radek, Thalheimer und B r a n d l e r den schüchternen Versuch machen, aus dieser Erkenntnis taktische Schlüsse zu ziehen, wenn sie die vermale- deite Frage stellen:„Für welche Taktik soll sich die Arbeiter- klasse entscheiden, falls der Sturz des Kapitalismus nicht von heute auf morgen erfolgen sollte?"— so werdest sie„sozial- demokratischer Anschauungen" verdächtigt, von chren verant- wortlichen Posten entfernt und in Bann getan. Der Kongreß endete mit dem formellen Siege der linken Strömung. Dem„Radekismus" ist der Garaus gemacht worden. Auf der Tagesordnung steht die Bolschewisierung der Sektion des Komintern, als Garantie gegen die opportu- nistifche Rechtsschwenkung. Was geschieht weiter?„Die Ber- schärfung der Taktik der Einheitsfront gegenüber dem Jod- feind-t- der Sozialdemokratie!" Das ist eine Losung der Demagogie, aber kein Wegweiser für das Proletariat. Der Kommunismus hat sejne Orientierung verloren! Er steht am Scheideweg. Entweder mit den Massen ausharren und den wirklichen und nicht eingebildeten Ent- wickelungstendenzen ins Auge schauen— in diesem Falle gibt es keinen anderen Weg als den der Sozial» demokratiel Oder aber den putschistischen Treibereien und den revolutionären Illusionen treu bleiben— mit anderen Worten, sich von den Arbeitermassen loslösen und sich in eine unftuchtbare Sekte verwandeln! ßue meinem Tagebuch. Ich wohn« bei einer guten Frau. Zum erstenmal, daß eine Frau gut z» mir ist. Dcrn sonst müßte ich mein Laqer wieder im Wartesaal 4. Klaffe aufschlagen. Oder unter der Erde arbeiten. Oder für Ectd in einer Schenke Musik machen. Jetzt kann ich wenigstens für mich arbeiten Die gute Frau ist nicht so arm wie ich. Sie hat noch 1009 Mark, die eine sehr reiche Freundin ihr wiedergcben muß. Aber reiche Frauen denken immer, andere Menschen sind auch reich... dos Geld kommt nicht. Ich habe eigentlich sehr großen Hunger. Dieser allein treibt mich zu meinem Tagebuch... Ich habe kein Geld mehr, mir ein Brot zu kaufen... und„SIE" hat auch nichts... wir beide nichts! Und dieses„Nichts" birgt unendliche Freuden, die die Reichen nicht kennen. Deswegen sind sie im Grunde sehr arm! Heute mittag waren wir zusammen. Sie sieht immer fröhlich aus. Trotzdem trennten wir uns. Wir hatten keine Freude aneinander. Ich will ihr was zu essen besorgen. Aber woher? Stehlen? Keine Gelegenheit! Ich gehe den weiten Weg zurück. Die Straßen- bahnen leuchten heller als sonst und fahren viel schneller. Alles ist überhaupt weit prächtiger wie früher... We Menschen sürd so dick und reich. Bor dem Blumenladen stehe ich länger und be- wundere jede herrlich duftende Rose. Aus dem Keller des größten Gasthauses quillen die Gerüche der selten zubereiteten Leckerbissen mir entgegen. Wie gut haben es doch die Geldieute...! Ich irre weiter durch die Straßen.. Die Schauläden machen «inen reichen Eindruck... Ein« Frau kauft ein Kleid für SSV Mark... und eine andere ein Paar Handschuhe für viel Geld.. l O weh, wievicl Pfund Brot sind das? Weiter. Ein Jüngling kauft einer Blumenfrau den ganzen. Korb Veilchen ab. Er scheint be- zecht! Sein Liebchen frißt Schokolade und Wurst durchnnander. Dar arm« Magen, der das verdauen muß! Da finde ich etwas. Eini Kartei Zum Theater! Ob die noch gültig ist? Es steht das heutige Datum drauf. Ich stecke sie schnell ein und gehe nach Haus. Ich will weiter arbeikn. Ich habe kein Papier mehr zum schreiben. Muß aushören. Da befällt mich für einen kurzen Augenblick die Wut gegen alle Reichen. Ich fluche, weil ich mir kein Papier kaufen kann. Der Hung:r ist überwunden, weil ich zwei Stunden geschlafen habe. Da fällt mir das Theater wieder ein. Doch vorher suche ich noch alle Taschen durch. Bis jetzt noch keinen Pfennig gefunden. Da... in nieinem basten Anzug 9 Pfennig. Ich hatte sie ganz vergessen. Sie stammen von einem Kaufmann, der mir bunte Kmi- den und Tinte verkauft hatte. O, herrlich« Unordnung! Welche Freude und Ueberrafchungen kannst du uns bereiten... 9 Pfennig.. dos find 4, sogar 5 Brötchen, drei für sie und zwei für mich Unser Abendbrot. Gott sei Dank, daß ich dieses Geld vergeffen hatte in meiner einsamen Tasche...1 Ich kaufe gleich ein und bin sehr stolz darauf. Soll ich ihr die Brötchen gleich bringen? New, ich weih, daß sie nicht zu Hause ist. Sie arbeitet. Ist gehe ins Theater. Mein« gefundene Karte hat Gültigkeit. Der weißhaarige Portier reißt sie mitten durch. Grausamerl Dann sieht er mich prüjend a». Mein Anzug gefällt Der Kongreß hat sich zugunsten der linken Richtung ausgesprochen Aber der frühere Glaube und die ftühere Zuversicht fehlen. Der linke Kurs bedeutet.das Berharren bei einer Form, deren Inhalt verlorengegangen ist. Statt revolutio- närer Kämpfe revolutionäre Gesten, statt Kampf gegen das Parlament Skandal im Parlament, statt Kampf gegen die Bourgeoisie Spaltung des Proletariats. Statt neue Ideen und neue Wege zu suchen— werden Lenins Schriften heilig gesprochen. Der Komintern lebt noch und ernährt siu, vorläufig noch von den utopistischen Stimmungen unreifer Schichten, von dem verbrecherischen Treiben der reaktionären Bourgeoisie, von einzelnen Fehlern und Unterlassungen der sozialistischen Parteien. Der Kommunismus, als ein- heittiche Lehre, ist tot und ruht im Mausoleum, Wand an Wand mit dem Kreml._ Das Attentat gegen Zaglul Pascha. Berliner Nachspiel. Wie wir vor einigen Tagen berichteten, ist der ägyptische Ministerpräsident und Führer der Selbständigkeitspartei Z a g l u l Pascha auf der Eisenbahn in Aegypten von einem jungen Menschen, vermutlich einem extremen Nationalisten, angeschossen und leicht verwundet worden. Der Täter wurde verhastet und die ägyptische Untersuchungsbehörde stellte fest, daß er in Berlin studiert hatte. Daraufhin beauftragte die ägyptische Regierung ihren Konsul in Berlin, einzuschreiten. Der Konsul ging mit einem Beamten seines Konsulats in die ehemalige Berliner Wohnung des Atten- täiers, d. h. in die Wohnung einer deutschen Familie, gegen die gar nichts vorliegt, und nahm dort eine Durchsuchung vor. Der Konsul hatte zu diesem Vorgehen eine Genehmigung und den not- wendigen Beistand der deutschen Gerichts- und Polizeibehörden weder beantragt noch erhalten. Das Vorgehen des Konsuls ist also zweifellos«in völkerrechtswidriger Uebergriff, der auch schon zur Kenntnis der ägyptischen Regierung gebracht worden ist. Die deutsche Regierung wird, wie sie selbst annimmt, Maß- nahmen treffen müssen, um für die Zukunft derartigen Uebergriffen vorzubeugen. Darüber hinaus müssen wir erwarten, daß dem ägyptischen Konsul auch von semer Regierung der Unterschied zwischen dem Deutschen Reich und einer ägyptischen Sudanprovinz Nor- gemacht werden wird. Die deutsche Polizei ist in der Angelegenheit des Attentats auf Zaglul Pascha gleichfalls tätig gewesen, da gewiff« Spuren nach Berlin zu führen scheinen; sie hat bei zwei ägyptischen Stu- denten in Berlin Haussuchungen und Beschlagnahmen vorge- Nammen und beide Studenten auf dos Polizeiprästdium gebracht, wo sie in H a f t genommen wurden. Spaltung üer Völkisthen. Esser und Streicher gegen Ludendorff. München, 17. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Spaltung im völkischen Lager ist nunmehr auch nach außen hin offiziell vollzogen, da sich die Opposition gegen die ans Ruder ge- kommene parlamentarische Richtung zu einer selbständigen Ber- einigung, genannt„Großdeutsche Volksgemeinschaft" zusammengeschlossen hat. Die am Mittwochabend im historischen Vürgerbräukeller abgehaltene Versammlung der beiden Agitatoren Esser und Streicher legte davon Zeugnis ab. Das bezeich- nende Thema dieser beiden Redner hieß: .was ist Hltler-Treue?" Der Saal war mit etwa 2999 Menschen annähernd voll besetzt, darunter aber nur wenige in der sogenannten Hitler-Uniform. Wer «inen großen Krach erwartet hatte, kam nicht aus seine Rechnung. Denn die herrschende Parteirichtung hatte offenbar nur Horchposten ausgestellt. Effer stellte sich zunächst als Führer der Großdeutschen Volksgemeinschaft vor, die zwar bisher schon als Teil des völkischen Blocks bestanden hotte, nunmehr aber als Plattform der Partei- Opposition im großen Maßstäbe aufgezogen werden soll. Effers Rede bracht« im wesentlichen sein« bekannten Borwürfe gegen die völkische Porlamentsbetätigung. Interessanter waren seine Aus- fälle gegen den ehemaligen Kronprinzen Rupp- recht sowie das für einen Nationalsozialisten immerhin auffallend« ihm nicht. Weiter. Mein Platz ist in der Loge. O weh, mein Anzug paßt dort nicht hin. Sogar ein« Mittelloge. Ich stehe so lang« vor der Tür. Elegante Frauen sitzen auf roten Samtstühlen und plaudern. Di« eine spricht von schlechtem Käse, den sie zur' Nacht gegessen hat, die andere von ihrer Zofe, die heute keinen Staub gewischt hatte, weil ihr Geliebter sie ein« Stunde spazieren führte. Die dritte von ihrem Mann, der keinen Karpfen essen möchte. Die viert« von ihrer Tochter, die auf ein Laos gewonnen hatte. Da, ein Klingelzeichen. Ich gehe hinein. Alles sieht mich an. Hinsetzen mag ich mich noch nicht, Gott sei Dank, es wird dunkel. Ich weiß noch gar nicht, was gespielt wird, der Vorhang geht auf. Ein Wald, Musik, Harfen, widerliche Harmonien. Waldstimmung. Ein Sopran fängt an, singt und schreit. Doch die Horner können noch lauter als die Sängerin. Und das ist gut. Ein« Tanzgruppe. Vorsintflulliche Kleider. Ueberhaupt alles sehr nach der alten Mode. Sowie die Musik merkt, daß sie bekannt werden könnte und an jemanden früheren berühmteren Meister sich erinnert, verfällt sie in unsagbaren Klagegesang und gewollie Disharmonie. Für mich auf die Dauer unerträglich. Melodien verkriechen sich in die äußerste Ecke und sterben bald. Jetzt, o weh, sogar ein Unwetter. Das Tausendste aus der Bühne. Blitz und Donner, sogar Waffer- dampf. Der Zuschauerraum stinkt; von der Bühne her stinkt es noch mehr. Ich fang« an zu lachen. Theater.. wirklich Theater. Die schönen Damen halten den Atem an. Endlich, der Blitz hat ein- geschlagen, Gott sei Dank. Eine groß« Burg versinkt für immer. Der Tenor singt und bald ist es zu Ende. Ich gehe früher fort, um mein« Brötchen zu überbringen. Der Weg ist weit. Ueber mir Sterne Und die leuchten!...«in« Pracht! Ob sie wohl zu Haufe ist? Und ob sie schon schläft?... Endlich, da ist ihr Haus. Oben in der kleinen Mansarde wohnt sie. Ich pfeife so gut ich kann. Eine Melodie aus der Sinfonie .. sie hört nicht... Ich rufe hinauf... feine Antwort... Plötzlich wird hinter mir ein Fenster geöffnet. Ein« quäkige Stimme brüllt mich an:„Fort Sie, oder ich lasse Sie von der Polizei feststellen!" Ich gehe wei cr und bin ganz ruhig. Ich warte an der Straßenecke. Eine halbe Stund«...«ine Stunde ... Sie schläft gewiß... und Schlaf ist für"den Hunger keine Freude. Und das weiß sie genau. Ich warte wieder. Da tritt an mich ein Bettler heran. Er will Geld für ein Nachtlager. Er zieht sogar vornehm den Hut. Ich lache ihn und mich selbst aus. Ich habe ja selbst nichts.., I Er geht und fragt di« vorübergehen- den Menschen. Sie geben ihm was.. Und immer wieder geben sie ihm was... er wird reich.. in einer Stunde hat er viel verdient... Soll ich das auch tun?... Nein.,. nein... nie, nie... ich will nichts geschenkt haben... Ich gehe nach Hause. Und schlafe. Und wache auf. Und gehe gleich zu ihr. Am Abend hatte sie schon geschlafen.... Schade... Das Prot ist schon etwas trocken. Aber es schmeckt...1 Sie hat etwas Geld erhalten... aber auf der Bank liegt es... Wir gehen hin. Es ist ein staalliches Gebäude. Unfreundliche Ge- sichter... und etwas wie Gleichgültigkeit und Faulheit, Wir warten ein« gute halbe Stund«. Da... das Geld kann noch nicht gleich ausbezahlt werden... erst in drei Tagen... l Ich Bekenntnis, daß bei einem Revanchekrieg gegen Frankreich die deutsche Jugend nur nutzlos geopfert werde. Daß die völkische Be- wegung so zurückgegangen sei, liege an dem geheimen Em- flutz des Judentums, den man im völkischen Lager immer noch unterschätze. Durch das Schlagwort von der ultramontanen Gefahr (Ludendorff) habe man sich von der wirklichen Gefahr, nämlich der des Judentums, ablenken lassen. Dabei wurzele doch auch der Ultvamontanismus nur im Judentum. Es gelte immer noch, sich die Macht im Staate mit Gewalt zu erkämpfen. Die Großdsutsche Volksgemeinschaft werde mit rücksichtsloser Bruta- lität alle diejenigen hinauswerfen, die glauben, ihn(Effer) erledigen zu können. Auch Streicher wagte es nicht, den offenen Bruch mit seinen Fraktionsgenossen zu vollziehen, so sehr er sie auch mit allen möglichen Schimpfworten belegte.„Meine Zusammenarbeit mir ihnen ist keine Liebesheirat. Denn in dieser Fraktion fitzen Schufte, die Parteigeheitrniffe an die gegnerische Presse vei.- raten. Freiwillig werde ich aus der Fraktion nicht hinausgehen, sondern werde abwarten, bis man mich hinauswirft." Die Krise in Preußen. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Landtags stand die erst« Beratung der oielumstrittenen preußischen Steuer m�ver- ordnung.(Hauszinssteuer.) Abg. Herold(Z.) beantragt, daß der vorliegende Abänderungs- antrvg des Zentrums, der eine Ermäßigung der Hauszmssteuer bei ländlichen Wohnungen vorsieht, und die übrigen vorliegenden Anträge dem Hauptausschuß zu überweisen. 2lbg. Dr. Saufhold(Dnatl.) widerspricht diesem Zcnlrumsan- trag und betont, es handle sich um eine Verschleppung der Entscheidun« über die Steuernotverordnung. Diese Verschleppung sei verfassungswidrig, denn die Vorlage müsse nun endlich im Plenum behandelt werden. Di« Deuffchnationalen müßten mit alleir Entschiedenheit den Antrag Herold ablehnen. Abg. Dr. Meyer-Ostpreußen(Komm.) wendet sich ebenfalls gegen die Ueberweisung an den Hauptausschuß. Er erklärt, die Rot- Verordnung bringe«ine schwere Belastung der Mieter und die Kommunisten müßten darauf bestehen, daß vor allem das Haus zu den kommunistischen Anträgen über Erleichterung der Hanszins- steuer für die Sozialrentner Stellung nehme. Die ganze Ber- schleppung der Angelegenheit stelle«ine Blamage für die Große Koalition dar. Abg. von Campe(D. Dp.) wendet sich gegen di« Deutfchnotio- nalen und erklärt fich für di« Ausschußcmträge. Abg. Heilmanu(Soz.) betont gegenüber dem Abg. Dr. Kauf- hold, daß von einer Versaffungswidrigkeit keine Rede sein könne. Die Bestimmung, daß die Notverordnung im Landtag vorgelogi merden müsse, sei erfüllt. Es handle sich hier nicht um Berfaffungs- fragen, sondern höchstens um eine politische Frage. Niemand könne es verantworten, daß am 1. August die bc- schlosscnen Vcamleubcsoldungserhöhungen nickst ausgezahlt werden. Gegenüber den Kommunisten bemerkte Genosse Heilmann, daß auch die Sozialdemokraten im Ausschuß für die kommunistischen Anträge auf Erleichterung der Hauszinssteuer für die Sozialrentner gestimmt haben. Die Sozialdemokraten kümmerten sich aber tm Gegensatz zu den Kommunisten auch um die Deckung des Finanz- bedarfs.' Wenn die Kommunisten hier von den vielen Ferientag: n des Landtages sprächen, so müsse man sie daran erinnern, daß gerade die Kommunisten bei den vielen Ausschußsitzungen durch Ab- Wesenheit glänzten.(Heiterkeit.) Abg. Ladendorff(Whtfchpt.) wendet sich gegen die lleberweisung und verlangt sofortige Entscheidung. Es folgt«in Antrag auf Schluß der Eeschäftsondnungsdebalte und danach wird der Antrag Herold auf lleberweisung der Vorlage und' der damit verbundenen Anträge an den Hauptausschuß a n g e- n o m men. Im Anschluß an den Beschluß fordert nun Abg. Lind« in er- Wildau(Dnatl.), daß der Landtag sich nicht bis zum September ver- tagen dürfe. Präsident Leinert bemerkt, daß ja ein dementsprechcn- der Beschluß noch gar nicht vorliege. Genosse H« i l m a n n bemerkt gegenüber den Beschwerden der Deuffchnationalen, daß sie keige Gelegenheit hätten, zu einer sachlichen Stellungnahme zur Steuer- Notverordnung, es liege lediglich an der parlamentarischen Ungeschicklichkeit der Deuffchnationalen, wenn sie sich die Gelegenheit dazu hätten entwischen lassen.(Heiterkeit.) Das Haus geht, dann an die Fortsetzung der zweiten Beratung des B ergeta ts. frage nach dem Grund... Keine Antwort... Ich fluche etwas ... aber weil Sie so«in großes Talent hat. einen zu beruhigen, werde ich artig und gesittetl Denn mein Fluch richtet sich gegen die Gcldleute, die von der Bank viel viel Geld bekommen. Und uns wurde gesagt, es wäre nichts da... I Die Geldleute haben oft wirklich das Talent, sich Revolutionär« zu züchten... Seht euch vor! Drei Tag« später. Das Geld Ist da. Wir kaufen uns blutrote Apfelsinen und genießen unser erstes Mittagffsen wieder. Ich kaufe Papier zum Arbeiten und für dieses Togebuchblatt. Die Arbeit gedeiht herrlich. Ich werde froh und find« meine Grenzen. So ist unser Leben und wir leben es gern«... Wirklich, die Reichen sind doch sehr arm..,_ B. W. Die klammerspiele brachten gestern den Schwank„Kümmel- b l ä t t ch e n" heraus, den der Verfasser Robert Ooerweg eine heiter« Geschichte nennt. Der Erfolg der Komödie, die ihr schon vor einigen Jahren im Kleinen Theater beschieden war, beruht auf dem unbestrittensten Satz unserer Moralleyre, daß Schadenfreude die reinste Freude ist. Im„Kümmelblättchen" kommt der Bürgermeister einer Kleinstadt nach Berlin, um sich von der Kriminalpolizei gegen die Kniffe der Bauernfänger imprägnieren zu lassen. Aber schon ist er«in paar geriebenen Gaunern ins Garn geganen. Sie begnügen sich nicht mit diesem schönen Erfolg, sondern seifen auch noch den Kriminalbeamten, den Kommissar, den Ob.Trregienmgsrat, ja sogar den Polizeipräsidenten ein. Das geht Schlag auf Schlag und ist sehr lustig, zumal Georg Alexander für flottes Tempo sorgt. Er gibt, wie schon damals im Kiemen Theater, den Kriminalkommissar, wie immer ein lieber, treuherziger Junge, mit den schnarrigen Manieren des aktiven Offiziers a. D. Sein Partner Walter S t e i n b e ck(Obervegierungsrat) und Heinz Hilpert(der Bürgermeister) sind auch nicht ohne. Der ungenannte Schöpfer der Bühlienbilder, der in das Amtszimmer des Polizeipräsidenten eine saftige Karikatur des unvergeßlichen Iagow gehängt hatte, trug ebenfalls zur heiteren Stimmung im Zuschauerraum bei. Aber ohne Georg Alexander wör's doch nicht so nett gewesen. Der schmiß den ganzen Laden. Dgr. „Ein ncttlonalliberaler Salon." Zu diesem Artikel in Nr. 164 sendet uns die„Berliner Börsen-Zeitung" folgende Erklärung:„Die Behauptung, daß es sich hier um ein Plagiat handelt, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß nach einem rechtlich und kauftnäimisch ein. wandsrei zwischen dem Verlage der„Berliner Börsen-Zeitung" und dem Verlage der Zeitschiift„Bimini" abgeschlossenen Vertrage die bunten acht Seiten der Zeitschrist„Bimini" unter dem Namen„Für den Salon" als Beilage der„Berliner Börsen-Zeitung" erscheinen." Die halbroke Grevzbrücke. Um die Brücke über den Grenzfluß Seftra, der Rußland von Finnland trennt, ist bei den finnländisch-ruliischm Eilen- balmverhandiungen ein cigenartiaer Streit enlstanden. Die Finnländcr protestierten nämlich, wie der Ost.Exprcß berichtet, daqegen, daß die Brücke rot angestrichen werde, was von sowjetrüssischer Seile vorgeschlagen war, Man einigte sich zuletzt dahin, daß die Russen die an ihre Nserieite stoßende Halste rot aniirichen, während die Finnländer sich daZ Recht aus eine ander« garbe vorbehielte». Die Eröffnungsfitung. Der Schluß der Begrüßungsreden. Nach dem offiziellen Bericht der Londoner Konferenz führte Macdonald in Forthegung seiner von uns bereits gemeldeten Rede hinsichtlich des Dames- Planes noch folgendes aus: Es ist nicht nur ein Plan, um Zahlungen von Deutschland zu erhalten, er versucht auch, die Stabilisierung der deutschen Währung und die Balanzierung des deutschen Budgets sicher. zustellen. Er bietet tatsächlich die einzige Hoffnung für Deutschland, aus dem finanziellen Sumpf, in den es faft unrettbar gefunden ist, herauszukommen. Ein ebenso wichtiges wie originelles Merkmal, in dem sich der Dawes- Plan von seinen Vorgängern unterscheidet, ist, wie er den Transfer aus Deutschland derjenigen Summen reguliert, die von Deutschland für Rechnung der Alliierten bezahlt werden. Früher bestand, während Unsicherheit darüber herrschte, was Deutsch land den Alliierten zahlen tann, immer noch größere Unsicherheit darüber, wie derartige Zahlungen von den Alliierten ohne Störung der Wechselkurse im allgemeinen absorbiert werden können. Es ist vielleicht der Bunftoon größtem Wert in dem Bericht, daß er diese beiden Probleme unterscheidet. Die Sachverständigen haben einen elastischen Plan ersonnen, der eine erfahrungsgemäße Löfung des Problems bieten wird. Wenn jedoch unsere beste n2bfichten erfüllt werden sollen, so müssen wir einig sein. Hat irgend jemand die beklagenswerten Folgen einer Meinungsverschiedenheit in Betracht gezogen? Ohne Einigteit fann es teine Sicherheit geben, ohne Sicherheit feinen Frieden. Einigkeit kann jedoch nicht erzielt werden, außer durch Vereinbarungen, die die einfichtige und moralische 3ustimmung der Nationen finden. Macdonald schloß: Wir wünschen, einen besonderen Willtomm den amerikanischen Vertretern darzubieten. Ich weiß, fie sind nicht hier als volle Delegierte. Die Lage in Amerika ver hindert dies. Aber sie sind hier als ein Beweis des mitwirkenden Wohlwollens. Amerifa war ein großer Partner von uns in den Tagen, wo wir uns im Kriege befanden. Sein Geist erhellt den Bericht, der uns hier zusammengebracht hat. Wir werden es bitten, nicht als eine Regierung, sondern als ein Bolt mit zahlreichen Hilfsquellen und guten Herzen Anteil an den finanziellen Plänen zu nehmen, die zur Durchführung gebracht werden müssen, wenn ein baldiger Wiederaufbau Europas stattfinden soll. Außerdem wird es als Zuschauer, der entfernt ist von den Gefühlen und Erregungen, die uns Europäer bewegen, vielleicht eher in der Lage sein, in fritischen Tagen mit freieren Ansichten und ruhigerem Urteil zu helfen als wir, die wir inmitten der Gefahren stehen, fähig sind. Herriot führte aus: Jah bin sicher, der Wortführer der hier versammelten Delegierten zu sein, wenn ich Ihnen für die edelmütigen Worte danke, Die Sie foeben geäußert haben. Jeder von uns, wir alle von Ihnen hierher eingeladenen Beriveter, find uns des Ernstes unserer Pflicht bewußt, die wir hier zu erfüllen haben. Die Frage ist, die Inter essen der Menschen, die in gleicher Weise und mährend langer Zeit durch einen grausamen Krieg gelitten haben, zu versöhnen mit der Notwendigkeit, den Frieben wiederherzustellen, nach dem wir alle streben wollen. Die Aufgabe, die uns erwartet, ist außerordentlich schwierig und ich frage mich, ob in der Geschichte die Bertreter von Regierungen je einer schwierigeren gegenüber gestanden haben. Aber jeder ein. zelne und alle zusammen werden hierher die Liebe des Landes, das wir vertreten und die von uns selbst empfundene Liebe mitbringen. Wir werden alle fp piel wie möglich darauf hinarbeiten, eine Lösung zu erreichen, und wir sind, wie Sie, Herr Präsident, besonders froh, hier unsere guten Freunde aus den Vereinigten Staaten zu sehen. Ich bin sicher, daß ich unsere gemeinsamen Gefühle zuen Ausdruck bringe, wenn ich Sie im Namen meiner Kollegen bitte, das Amt des Borsigenden zu übernehmen. Kellogg fagte: Im Namen meiner Kollegen und in meinem eigenen Namen wünsche ich den Bremierministern diefer beiden großen Länder zu banken für ihre ebeimütige Begrüßung der Delegierten der Vereinigten Staaten auf dieser höchst wichtigen Konferenz. Es ist wahr, daß wir nicht in derselben Eigenscha ft kommen, mit denfelben Befugnissen, wie die übrigen Delegierten, weil wir nicht Teilhaber am Bersailler Vertrag oder den jeht in Kraft befindlichen Sanffionen find. Aber wir kommen in demselben Geifte und wünschen hilf reich zu sein. Es ist nicht unfer Wunsch, auf irgendein Land einen unangemessenen Drud auszuüben, eine Politik anzu nehmen, die nach seiner Ansicht wirtschaftlich und politisch nicht seinen Intereffen dient, fondern, wenn wir das tönnen, zu versuchen, das größte wirtschaftliche Probleme in Europa feit Generationen zu lösen. Die Notwendigkeit, daß etwas geschehen muß, wurde von der Reparationsfommission und den an der Ernennung des sogenannten Dames- Ausschusses interessierten Regierungen erkannt. Ich habe die Ehre, einige dieser Herren zu tennen. Es sind alles männer von Berantwortlichkeit und Erfahrung. Ich weiß, daß die amerikanischen Mitglieder Männer von höchster Fähigkeit und Erfahrung find. Ich glaube, alle von ihnen find an die Fragen in einem liberalen Geifte herangetreten, in der Absicht, fair zu sein und die Rechte aller Länder anzuerkennen, vor allem die Fragen ohne Rücksicht auf die politischen Ansichten irgendwelcher Länber vom wirtschaftlichen und faufmännischen Standpunkt aus in Be tracht zu ziehen. Ich glaube, sie haben dies getan; sie haben Monate mit Erwägungen zugebracht. Hat irgend jemand einen befferen Plan? Ich kann einfach jagen, daß meine Regierung und das amerikanische Bolt glauben, daß die Annahme des Dames- Berichts der erste große Schrift in der Wiederherstellung Europas, in der Stabilisierung un ferer Industrien und zur Wohlfahrt und zum Glück der Bölker ist. be Stefani erklärte u. a., die italienische Delegation fei tief überzeugt von der Notwendigkeit der Arbeiten der Konferenz. Bon dem Erfolg der Konferenz hänge, vom wirtschaftlichen und politischen Standpuntt aus gesehen, vollkommen der Wiederaufbau und der Friede Europas ab. Hayashi ertiärte, feine Regierung sei glücklich, daß ein Beginn in der Reges lung der sehr schwierigen Probleme, die jetzt 4 oder 5 Jahre feit Ende des Krieges andauerten, gemacht werden solle. Er sei glücklich, zu denken, daß zwei Premierminister zu einer allgemeinen Ber. einbarung gelangt feien Theunis erklärte, die belgische Regierung und das belgische Bolt seien fest überzeugt von der historischen Bedeutung der Arbeiten ber Konferenz. Er gab der Zuversicht Ausdrud, daß sie es erreichen werbe, ber Welt Gerechtigkeit und Frieden zu bringen. Macdonald erklärte zum Schluß, er werde sein Bestes tun, den Borsiz auf der Konferenz zu führen, die historisch sein werde und, wie er hoffe, mehr als das, nämlich ein großes Beispiel, wie Männer mit gutem Willen, felbst wenn sie in gewissem Maße durch ihre Intereffen getrennt sind, der Welt und ihren eigenen Ländern, indem fie ihren guten Willen an die erste Stelle fetzen, beweisen, daß fie Boten des Friedens fein fönnen, ohne irgendwelche der vitalen In tereffen ber Nationen, benen fie angehören, zu opfern, Für oder gegen Groß- Berlin. Die Beratungen des Preußischen Landtagsausschusses über die endgültige Festsegung des Gebietes der Groß- Berliner Einheitsgemeinde haben vor allen Dingen in Schmödwig ein lebhaftes Echo gefunden. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß einem ersten Beschluß auf Ausgemeindung jetzt ein neuer Beschluß auf Beibehaltung von Schmödwig bei Groß- Berlin erfolgt ist. Der Schmödwizer Bürgerbund" und Grundbesitzerverein hatte am Mittwoch abend eine Versammlung einberufen, in der die Gegner Groß- Berlins ihren Standpunkt darlegen wollten. mung durchaus uneinheitlich. In den Ausführungen des SchmödDie Versammlung war nicht gerade gut besucht und die Stimwizer Bürgerbund"-Führers war " wenig mehr von der alten Cos- von- Berlin- Bewegung zu bemerken. Die Zeit ist vorbei, die wirtschaftliche Entwicklung, die Tat fachen haben offenbar auch den früher fchroffsten Gegner von GroßBerlin in den Vororten doch wenigstens so weit zur Besinnung gebracht, daß diese Fragen ruhiger geprüft und abgewogen werden. Was der Referent vorbrachte, war viel weniger ein grund fäßliches Bekenntnis zur unbedingten Loslösung von Groß- Berlin als eine Reihe von Klagen und Wünschen an die Berliner Berwaltung und das Bezirksamt in Köpenid. Es war dem anwesenden Köpenider Bürgermeister Genossen Kohl ziemlich leicht, im einzelnen diefe Klagen zu beantworten und nachzuweisen, daß für Schmödwig fein ernsthafter Grund vorliegt, über Vernachlässigung lokaler Wünsche sich zu beschweren. Kohl fonnte mit Recht darauf hinweisen, daß Groß- Berlin bedeutend leistungsfähiger ist und daß im Laufe der Zeit Schmöckwitz von einem Berbleiben bei Groß- Berlin viel mehr zu erwarten haben wird, als wenn es er= neut ausgemeindet wird. Vorher hatte für den Berliner Magistrat Stadtrat Wege gesprochen. In der Diskussion wurde aus. wärtigen" Besuchern dieser Versammlung, ü. a. sogar dem Bezirksverordneten Rohde, das Wort verweigert. Wen'i man bedenkt, daß in diesen Orten wie Schmödwig die Bewegung Los Don Berlin" jahrelang organisiert ist und sie früher zweifellos große Teile der Bevölkerung erfaßt hatte, so zeigt der Beriauf der Verfammlung am Mittwoch selbst in diesem Orte das deutliche Abflauen. wig war die Eingabe aus Schmödwiger bürgerlichen Kreisen Unmittelbare Beranlassung der Auseinanderseßung in Schmöd gewesen, der Landtag möge Schmödwig bei Groß- Berlin belaffen. In dieser Eingabe war ausgeführt, daß die Schmödwiger Einwohner durch die Ausgemeindung folgendes verlieren würden: Eine feierliche Einführung. Gestern wurden die Mitglieder der Charlottenburger Bezirksverfamlung eigens zu dem Zweck bemüht, der Einführung des mit einer Stimme Mehrheit gewählten Bürgermeisters Auguft in bei zuwohnen. Die Tagesordnung der Sigung enthielt nur diefen einzigen wichtigen" Punkt. Die Stimmung war geradezu kläglich. Bon 60 Mitgliedern der Bersammlung waren 22 anwesend. Nicht einmal die vereinigte bürgerliche Frattion, deren Mann Herr Augustin ist, war vollzählig zur Stelle. Sie hatte von ihren 28 Mitgliedern 18 auf die Beine gebracht. Die anderen 4 waren Mitglieder der demokratischen Fraktion. Sozial. bemokraten und Kommunisten fehlten vollständig. Der Vorgänger Augustins in Charlottenburg und jebige Berliner Bürgermeister vollzog die Einführung und redete einige Worte ohne besondere Bebeutung nach einem alten schon etwas abgenutzten Klischee für Ein. führungsreben. Ueber ein paar Sertiments und Borschußlorbeeren tam die Rede nicht hinaus. Sie erhielt einige tiefsinnige" Ergänzungen durch Die Ausführungen bes Borstehers Dethlefffen, der sich zugleich als großzügiger Kommunal politifer fennzeichnete, indem er bedauernd fejiftellte, bei der Ein gemeindung in Groß- Berlin habe Charlottenburg piele Opfer bringen müssen, ohne im gleichen Umfange Borteile erhalten zu haben. Genosse Paul Sirf begrüßte Auguftin furz im Namen des Kollegiums. Mit der üblichen Dosis Rührung dantte Auguftin und gelobte Attivität und Schöpferkraft dadurch, daß er gängers zu wandeln und die Arbeit an berselben Stelle wieber persprach, die alten bewährten Wege feines Bor. aufzunehmen, wo sie sein Vorgänger Scholz stehen ließ. Wie wir von zuverlässiger Seite hören, wird sich der neue Herr mächtig ins Geschirr werfen. Nachdem er sich am Mittwoch, den 16. Juli, einführen ließ, wird er am Donnerstag, den 17. Juli, seinen Urlaub antreten. Wer zweifelt nun noch daran, daß die bürgerliche Fraktion im Interesse der Charlottenburger Bürgerschaft handelte, als sie die Neubesetzung der Stelle in solchem Schnellzugstempo betrieb. Der Leichenfund bei Rangsdorf aufgeklärt. Der Leichenfund bei Rangsdorf ist jetzt aufgeklärt. Es liegt fein Berbre hen vor. Wie die Obduktion, die gestern nachmittag im Sprizenhaus zu Groß- Machnom vorgenommen wurde, ergab, ist die freisrunde Verlegung unter dem Jochbein feine Supper. letzung, sondern nur eine baut wunde. Die Todesursache fonnte nicht ficher festgestellt werden. weil die Verwesung schon zu weit vorgeschritten war. Wahrscheinlich ist ber alte Mann an interfich im Walde zum Schlafe niedergelegt hatte. Wie die Kriminal. ernährung und Entträftung gestorben, nachdem er polzei ermittelte, hat er sich mehrere Tage vor dem Auffinden der Leiche in verschiedenen Dörfern der Gegend, Rienis. Dahlemit, Machnow usw. aufgehalten und hier unter dem Vorwand, Arbeit Stüd Rotwurst gegeben, von dem er einen Teil noch in seiner zu fuchen, gebettelt. Ein Schlächter aus Rangsdorf hatte ihm das Jadettasche hatte. Nach gewissen Anhaltspunkten, die aber noch nachgeprüft werden müssen, ist der Tote ein früherer Apothe: ter, der durch die Wirkungen der Inflation um seine ganze Habe gekommen und vollständig verarmt ist. Ein Sammelschwindler. 0 Ein junger Mann sucht Privat- und Geschäftsleute mit einer gedruckten Liste auf, die ganz den Eindruck einer wirklich genehmigten Alter. Angefchloffen an die deutsche Nothilfe. Geschäftsstelle ElifaSammelliste macht. Der Bordrud lautet: ,, Silfe für das notleidende bethitr. 12. Ein Bermert: Genehmigt vom Polizeipräsidium, ver. schiebene Stempel vervollständigen den Eindruck der Echtheit. Auf einem Rundstempel fehlt der Zusah angeschlossen". Der Sammler hat einen roten, mit einem Lichtbild versehenen und irgendeinem Namen unterzeichneten Aus meis bei sich, der eben falls gestempelt ist. Weil jeder gern geneigt ist, für das notleidende Alter etwas zu geben, so macht der Schwindler gute Beute. Daß es eine an die deutsche Nothilfe angeschloffene besondere Hilfe für das notleidende Alter nicht gibt, ist im Bublifum nicht bekannt. Der Schwindel tam dadurch an den Tag, daß ein Geschäftsmann, der mißtrauisch war, erklärte, erst bei der deutschen Nothilfe anfragen zu wollen. Während er das tat, verschwand der Sammler und ließ seine Liste im Stich. Er ist wahrscheinlich derselbe junge Mann, der vor einiger Zeit mit einer Sammelliste für Erwerbs- und Arbeitslofe umberging, auf dieselbe Weise entlarot murde und ebenfalls entfloh. Betrogene und alle, die über den Schwindler und besonders über die Herkunft feiner gedruckten Listen und Ausweise Auskunft geben fönnen, werden ersucht, sich bei Kriminalfommiffar Linnemann im Bolizeipräsidium zu melden. Um fein Mißtrauen aufkommen zu lassen, wendet der Gauner noch einen besonderen Trid an. Bon Zeit zu Zeit macht er auf der großen Lifte einen Abschluß seiner Eingänge, fekt bann wieber einen Stempel darunter mit dem Bermert Kontrolle und fügt irgendeine Unterschrift hinzu. So sieht es aus, als ob er ständig kontrolliert wird und alles in Ordnung hat. 1. Das in allen Dienstzweigen modern ausgestattet Bolizei revier. In Schmödwig ist eine ständige Mache, außerdem Berwaltungspolizei untergebracht. Nach einer Ausgemeindung würben wie früher ein Landjäger und evtl. ein bis zwei Nachtwächter den Sicherheitsdienst verrichten. Der dringend notwendige Schutz würde also erheblich verschlechtert werden. 2. Als Ortsteil von Groß- Berlin stehen dem Ort die Kran= tenhäuser, Siechenheime und sonstige Wohlfahrtseinrichtungen zu niedrigen Gebühren zur Verfügung. 3. Bei evtl. Bränden wäre mit einer unentgeltlichen Hilfe von seiten der Berliner Feuerwehr nicht mehr zu rechnen. 4. Das Drts briefporto fäme in Fortfall. Die Gebühren im Telegramm- und Fernsprechverkehr würden sich bedeutend er. höhen. 5. Der Verlust der Ortsflasse A märe zu beklagen, was sämtlichen Ruhestandsbeamten, Rentnern, Arbeitslosen usw. eine wesentliche Kürzung ihrer Einnahmen bringen würde. 6. Die Verkehrsverhältnisse würden sich bedeutend verschlechtern. Die von Berlin eingeleiteten Berhandlungen wegen Herabfehung der zu hohen Fahrpréife bzw. Ueber nahme der Uferbahn in städtische Regie würden hinfällig sein. 7. Sämtliche neuen Telephonanschlüsse müßten über das Poftamt Zeuthen und infolgedessen über das Fernamt geführt werden. Für die Geschäftswelt und das Aufblühen des Ortes ein fehr großer Nachteil. 8. Die Grundbefizer verlieren die Möglichkeit, in die städtische Feuersozietät aufgenommen zu werden bzw. darin verbleiben zu können. Da die Feuersozietät gegenüber anderen Bersicherungen ganz erhebliche Vorteile aufweist und bedeutend billiger ist, so entsteht den Hausbefizern ein großer Nachteil. 9. Die Hoffnung für Schmödwig, einmal Ranalisation zu erhalten, muß dann für ewig begraben werden. Gegen diese Argumente fonnte in der Diskussion nichts wesent liches vorgebracht werden. Das einzige, was erwidert wurde, war die ständige Betonung, daß diefes oder jenes immer noch nicht" geleistet sei, wobei die Diskussionsredner offenbar vergaßen, daß es anderen Orten und Gemeinden in der Inflation ficher Beifall fand jedenfalls Bürgermeister Kohl mit seinen Mitteilungen nicht besser, wenn nicht schlechter gegangen ist. Ungeteilten über die bevorstehenden und in Angriff genommenen Arbeiten. Alles in allem: jede Leistung Groß- Berlins für seine Bororte wird die Gefahr einer Los- von- Berlin- Bewegung immer mehr zurückdämmen, bis sie in furzer Zeit ganz zurüdgetreten sein wird. Die Tat des Unterwachtmeisters Müller. Der Unterwachtmeister Müller von der 3. Hundertschaft Neufölln, ber, wie wir mitteilten, nach einem Morde an seinem Borgefeßten, sich selbst erschoß, hatte sich am 16. Juli vormittags frank gemeldet und wurde nach ärztlicher Untersuchung frant geschrieben. Er mußte infolgedessen seine Wohnung aufsuchen. Müller hat das nicht getan, fondern, anstatt nach Hause zu gehen, ging er in die Kantine und fing dann an zu trinken. Bon seinem ihm vorgesetzten Hauptwachtmeister Willbrandi angetroffen, wurde er wegen feines pflichtwidrigen Berhaltens zur Rede gestellt und zum BereitSchaftsführer geführt, der ihn anwies, nunmehr nach Hause zu gehen. Müller befolgte auch diese Aufforderung nicht, sondern fehrte wieder in die Kantine zurüd. Dort wurde er nach anderthalb Stunden von Willbrandi wieder angetroffen, aber nicht angesprochen. Müller wandte sich nunmehr an Willbrandt und machte ihm Bor würfe wegen feiner vorhergehenden Meldung. Als Wilbrandt darauf nicht einging und ihm nicht antwortete, zog Müller feine Dienstpistole und ichoß illbrandt erst durch den Arm und dann durch den Kopf, worauf sofort der Tod eintrat. Dann richtete Müller die Waffe gegen sich selbst. Auf dem Transport nach der Revierstube verstarb Müller in wenigen Minuten. Willbrandt mar erft feit vier Monaten verheiratet. Müller war verlobt. Angeblich hat zwischen der Frau des Willbrandt und der Braut des M. aus früherer Zeit eine Rivalität bestanden. Es ist möglich, daß das für Müller den Anlaß zu der plöglichen Tat gegeben hat. Mit der schweren Selbstbezichtigung, in der vergangenen Nacht im Grunewald eine Frau ermordet zu haben, stellte sich auf der Wache des 219. Reviers in Tempelhof ein Mann von etwa 25-28 Jahren. Er weigert sich, weitere Angaben zu machen und auch seinen Namen zu nennen. Nach Papieren, die man in feinen Taschen fand, handelt es sich um einen Hermann Gärtner aus der Kaiferallee 173. Der Mann wird heute nach dem Polizeipräsidium gebracht werden. Bisher ist nichts weiter aus ihm herauszufriegen. Was an der Selbstbeschuldigung ist, steht noch dahin. Großfeuer tam am Mittwochabend in Tempelhof in der Straße an der Ringbahn zum Ausbruch. Weithin sichtbarer euerschein wies der Feuerwehr den Weg zur Brandstelle, wo ein großer Schuppen mit Futtervorräten völlig in Flammen stand. Die Wehr mußte mit mehreren B und C- Rohren von Motorsprizen fräftig föschen, unt des Feuers Herr zu werden. Der Schaden joll bebeutend fein. Die Entstehung ist noch nicht geflärt. Ballonlandung auf dem Tempelhofer Feld. Heute vormittag Chemnit", der der Chemniger Vereinigung für Luftschiffahrt gegen 8% Uhr landete auf dem Lempelhofer Feld der Freiballon gehört und in Riesa an der Elbe aufgestiegen war. Der Ballon, der brei Bassagiere an Bord hatte, wurde von Robert Petschom geführt. Der Ballon war in der vergangenen Nacht um 12½ Uhr aufgestiegen, hatte also eine Fahrt von a chi Stunden hinter sich. Eine Fabrik niedergebrannt. In den großen Industrieanlagen der Gesellschaft für Feldbahnen Industrie Smofchewer 11. Co. in Schmiedefeld bei Breslau brach ein Großfeuer aus, durch das fast das gesamte Unternehmen vernichtet wurde. Die Höhe des Schadens ist noch unübersehbar. Hunderte von Arbeitern haben für die nächste Zeit ihre Arbeitsstelle verloren. Freiballontalaftrophe im Kanal. Eine Schaluppe ist mit den Infaffen eines im Kanal gefcheiterten Freiballons in Boulogne sur Mer eingelaufen. Der Freibalion war am 14. Juli in Paris aufgestiegen und längere Zeit durch den Sturm zwischen der französischen und englischen Küste hin und her geworfen worden. Am Morgen bes 16. Juli berührte er den Meeresspiegel, doch wurden die Luftschiffer, die vollkommen erschöpft waren, erst nachmittags von der Schaluppe gerettet. Ein schweres Autoungiüd hat sich nach einer Meldung aus Mülhausen an der Schweizer Grenze ereignet. Ein Ausflugsauto, das mit etwa 10 Touristen besetzt war, stürzte einen steilen Abhang hinab, wobei vier der Insassen getötet wurden. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Bunächst vorübergehende Wusheiterung, dann nicht wesentlich verändert. neue Bewöllungszunahme mit wahrscheinlich folgendem Regen, Temperatur heiterung neuerdings von oftmärts fortschreitende Tribung mit leichten: Deutschland: In der westlichen Hälfte Deutschlands nach furzer AufRegenfäßen. In der östlichen Hälfte trocken und ziemlich heiter. Groß- Berliner Parteinachrichten. 5. Kreis Friedrichshain. Jungsozialisten und SAJ.! Heute, Donnerstag abend, Ta Uhr, im Jugendheim, Tilsiter Str. 4/5, Distussionsabend. Gewerkschaftsbewegung Die Krise in der Textilindustrie. Die Krisis in der Textilindustrie nimmt einen geradezu beängstigenden Umfang an. Aus dem linfs rheinischen Tertilbezirk und aus Sachsen wird von zahlreichen Betriebsstillegungen berichtet. In Sachsen stehen noch Betriebsftillegungen in größerem Maße bevor. Die Werke haben bereits Die Werte haben bereits den Angestellten die Kündigungen überreicht. Die Rückwirkung der Krisis auf dem Arbeitsmarkt kommt in folgender Tabelle über die Arbeitslosen- und Kurzarbeiterzählung im Juni 1924 durch den Deutschen Textilarbeiter- Berbend zum Ausdruď: Der Lohnkonflikt der Gemeindearbeiter. Dem Erfaßte Mitglieder 126 137 männl. 228 988 weibl. 255 125 zu erhöhung ab und die darauf angerufene Schiedsstelle fällte oben mitDabon arbeitslos In Prozenten.. Kurzarbeiter • 4799 8,8 " 10 626 4,6 15 425 " " 4,3 13 468 . " 17 " " 12 064 3 505 " 20 482 weibl. 22 070 19 982 5886 17 35 538 32 046 " 9 391 " " " " 1-8 Std. verkürzt. 11978 männl. 9-16 17-24 25 und mehr Kurzarbeiter zusammen 41 010 männl. In Prozenten. Eine Konferenz der Funktionäre aus den Rämmereibe= trieben nahm gestern abend zu dem Spruch der tariflichen Schiedsstelle Stellung. Wie bereits mitgeteilt, hatte die Schiedsstelle die Löhne der Ungelernten, der Angelernten und der Handwerker um 4 Pf. die Stunde, auf 47, 52 und 61 Pf. erhöht und für die qualifizierten Handwerfer eine Erhöhung um 5 Pf. auf 67 Pf. vorgesehen. Der Bevollmächtigte des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes, Bolenste, berichtete in der Versammlung eingehend über die Verhandlungen beim Magistrat und bei der Schiedsstelle. Magistrat waren mit Rücksicht darauf, daß die Löhne der Ungelernten zurzeit nur etwa 66 Proz., die der Angelernten und Handwerfer 70 resp. 75 Proz. der Friedenslöhne betragen, Lohnforde rungen eingereicht worden, in denen eine Erhöhung der Löhne auf 31, 33 und 36 m. beantragt war. Der Magistrat lehnte jede Lohngeteilten Spruch. In den Berhandlungen vor der Schiedsstelle spiel ten die Vergleiche mit den jezigen Löhnen und den Löhnen vor dem Kriege eine große Rolle. Den Vertretern des Gemeindearbeiterver32 455 zus. bandes war es möglich, an der Hand eines umfangreichen statistischen Materials nachzuweisen, daß die Löhne der Kämmereiarbeiter nicht nur im Durchschnitt 70 Proz. des Borkriegslohnes betragen, sondern daß diese Löhne auch, an den Gehältern der vergleichbaren Beamtengruppen gemessen, ganz beträchtlich hinter diesen zurückbleiben. Womit allerdings nicht der Beweis erbracht sein sollte, daß die Gehälter der angezogenen Beamtengruppen 2-5 etwa ausreichend seien. Aber alle Berhandlungskunst fonnte nicht erreichen, die Schiedsstelle zur Bewilligung ausfömmlicher Löhne zu bewegen. Der Stadtverordnetenausschuß, dem dieser Spruch zur Begutachtung vorlag, hat aber selbst diese geringen Lohnerhöhungen abgelehnt und den Streitfall an die nächste Schlichtungsinstanz, den Zentralausschuß, verwiesen. Nach dieser Stellungnahme des Stadtverordnetenausschusses hat nunmehr gestern auch der Magistrat dem Spruch die Zustim mung verweigert. Der Zentralausschuß wird, wie Polenste noch mitteilte, wahrscheinlich am kommenden Freitag in der Angelegenheit verhandeln. Bolenste empfahl im Auftrage der Tarifkommission die Ablehnung des Schiedsspruchs durch die Funktionäre. Er legte scharfen Protest gegen das unsoziale Verhalten der Stadtverordneten ebenso wie des Magistrats ein. Wenn der Konflikt nunmehr auf die Spitze getrieben wird, sind einzig diese Körperschaften daran schuld. Die Versammlung schloß sich ohne Diskussion dem Antrag der Tarifkommission an und lehnte den Spruch einstimmig ab. " 68 420 weibl. 109 430 aus. 30,8 32,5 29,9 Wenn wir annehmen, daß in der deutschen Textilindustrie ungefähr eine Million Beschäftigte( intl. der Heimarbeiter) vorhanden find, so ergeben sich für die gesamte deutsche Tertil. industrie an Kurzarbeitern und Arbeitslofen folgende Zahlen: 102 525 männliche, 171 050 weibliche, 273 575 zusammen. Als Stich woche ist bei obiger Aufstellung die letzte volle Woche im Juni Bugrunde gelegt. In welcher Weise die Kurzarbeit im Juni gegenüber dem Mai zugenommen hat, ergibt sich aus folgendem: Im Mai waren von den durch die Zählung erfaßten 376 478 Mitgliedern 21 320 5,7 Pro3. Kurzarbeiter, im Juni dagegen waren von den erfaßten 355 125 Mitgliedern 109 430 30,8 Proz. Kurzarbeiter. Inzwischen sind durch die bei den Verbandsleitungen einlaufenden Mitteilungen diese Zahlen schon wieder weit überholt worden. Bei der ständig fortschreitenden Verschlechterung des Geschäftsganges in der Textilindustrie ist damit zu rechnen, daß En de Juli min. destens 70 Proz. aller in der Textilindustrie Beschäftigten vertürzt arbeiten werden. Angesichts der Stillegungen fann man in vielen Fällen taum die Meinung unterdrücken, daß es sich um Kampfmaßnahmen gegen das Reich und die Reichsbank handelt, um das Reich für die Gewährung von weiteren Krediten gefügig zu machen. Die Textilarbeiter leiden unter der Krise furchtbar, da die Er. werbslosen unterstügungen ungenügend sind und eine große Zahl der Kurzarbeiter nicht in den Rahmen der Arbeitslosenversicherung einbezogen ist. Die Verbände der Textilarbeiter haben, wie wir bereits mitgeteilt haben, Schritte unternommen, um eine anderweitige Regelung der Erwerbslosenfürsorge herbeizuführen. Arbeitskräfte für die Ernte. Der Präsident der Reichsarbeitsverwaltung hat an die Landesämter für Arbeitsvermittlung folgenden Erlaß gerichtet: Im vergangenen Jahre ist es den Bemühungen der Landesämter and öffentlichen Arbeitsnachweise gelungen, der Landwirtschaft für Die Bergung der Kartoffelernte eine beträchtliche Zahl städtischer Arbeitskräfte( rund 25 000) zur Verfügung zu stellen und dadurch an der rechtzeitigen Bergung der Ernte mitzuwirken. Ich bitte, sich auch in diesem Jahr dieser Bermittlung ganz besonders anzunehmen und schon jetzt die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Für die Bermittlung finden die Bestimmungen des Erlaffes des Herrn Reichsarbeitsministers vom 10. März 1924 über die Bermittlung städtischer Arbeitsfräfte in die Landwirtschaft entSprechende Anwendung. Soweit im vergangenen Jahre Fehlvermittlungen vorgekommen find, sind diese nach den vorliegenden Nachrichten häufig auf eine unsachgemäße Auswahl der Arbeitskräfte durch die Arbeitsnachweise und ungenügende Kenntnis der Arbeitsbedingungen zurückzuführen. Ich bitte daher, auf die Arbeitsnach weise dahin zu wirken, sich möglichst an Ort und Stelle über die Arbeitsverhältnisse zu unterrichten, und die Arbeitsbedingungen ( Unterkunft, Verpflegung, Entlohnung, Prämien) mit den Arbeit gebern vor der Bermittlung genau festzulegen. Diese Bedingungen find den Arbeitern, auf deren sachgemäße Auswahl das allergrößte Gewicht zu legen ist, am besten schriftlich auszuhändigen. Soweit die Vermittlung größerer Arbeitstolonnen in Frage tommt, bitte ich den Arbeitsnachweisleitern zu empfehlen, die Arbeiber persönlich oder durch Beauftragte an die Arbeitsstelle zu be gleiten. Ebenso hatten die Arbeitsnachweise bei später etwa ent tehenden Streitigkeiten nach Möglichkeit vermittelnd einzuschreiten. Auf genaue Innehaltung der Bestimmungen der Erwerbslosenfürforge ist zu achten, und zwar besonders auch in solchen Gemeinden, die feinen eigenen Arbeitsnachweis befizen, da gerade in diesen Fällen mehrfach im vergangenen Jahre Klagen über unberechtigte Arbeitsverweigerung oder Arbeitsniederlegung vorlagen. In 3weifelsfällen find die Ursachen der vorzeitigen Arbeitsaufgabe möglichst an Ort und Stelle zu flären. In Verbindung mit der Vermittlung für die Kartoffelernte bitte ich auch zu versuchen, geeignete Arbeitskräfte für die Bergung der Rübenernte zu gewinnen. Inzwischen hat die Ueberleitung von Bergarbeitern der Raliindustrie in die Landwirtschaft bereits praktische Formen angenommen. So hat am 26. Juni in Banzleben unter Beteiligung von Vertretern der landwirtschaftlichen Arbeitgeber und Ar beitnehmer, der Bergarbeiter des Tarifamts Halle und der Arbeitsnachweise Egeln und Seehausen eine Besprechung stattgefunden, in deren Berlauf eine Bereinbarung einer Reihe von Richtlinien getroffen worden sind. Diese Richtlinien regeln die praktische Ueberführung der arbeitsfofen Raliarbeiter in die Landwirtschaft, und zwar in den Rübenbau. Die Anwerbung geschieht auf Grund der Tarife, die in den betreffenden Kreisen für landwirtschaftliche Arbeiter abgeschlossen worden sind." Hosen Hosen jeder Art kaufen Sie am besten und billigsten in d. München- Gladbacher Hosen- Zentrale. Herrenund Knaben- Anzüge, Hosenträger, Stutzen sehr preisw München- Gladbacher Hosen- Zentrale Rügener Str. 25( nahe Gesundbr.) Blauer Laden Fahrgeldvergütg. Graue Haare erhalten ursprüngliche Farbe u. natürl. Jugendglanz durch uns. Haarfarbewiederhersteller ,, Youpla Fl. M. 3.75 Ueberall erhältlich 66 Nur eine Flüssigkeit. Frei von allen schädlichen Bestandteilen Ropp& Joseph, Parfümeriefabrik Berlin W. 37 Kommunistische Arbeitervertreter. Am Dienstag stand im Tarifausschuß der Berliner Stadtberordnetenversammlung der Schiedsspruch der tariflichen Schiedsstelle zur Verhandlung. Unsere Genossen und der Vertreter bes Zentrums traten für Annahme des Schiedsspruches ein. Die an den 8entralDeuticnationalen beantragten Berufung ausschuß, weil ihnen der Schiedssprnch zuweit ging. Der Antrag der Deutschnationalen wurde mit ihren und den Stimmen der übrigen bürgerlichen Parteien mit 6 gegen 5 Stimmen an genommen. Diese Entscheidung wäre unmöglich gewesen, wenn nicht die beiden Vertreter der kommunistisen Frattion die Sigung geschwänzt hätten. Das nennt sich Arbeitervertreter und nimmt für sich in Anspruch, als die berufene" Ver tretung der Arbeiter zu gelten. Betriebkrankenkaffe mit kommunistischer Hilfe. Die Firma Aschinger beabsichtigt seit längerer Zeit bei der Berliner Gastwirte- Inmung fahnenflüchtig zu werden. Um das mög lich zu machen, sollen munmehr die Arbeitnehmer herhalten und sich mit der Gründung einer Betriebstrantentasse einverstanden erklären, weil man auf keinen Fall die Ueberführung der AschingerAngestellten in die Ortstrantentasie haben will. Bedauerlicherweise haben sich Arbeitervertreter" gefunden, die als Mitglieder des Betriebsausschusses eine Zustimmungserklärung an das Versiche rungsamt unterschrieben haben. Die Herren taten das im stillen Kämmerlein, ohne den Mitgliedern des gemeinsamen Betriebsrats der Firma oder der Gewerkschaft nur ein Sterbenswörtchen mitzuteilen. An der Spize der Macher auf Arbeitnehmerjeite steht der fich als Kommunist gebärdende Metallarbeiter Steinführ. Es ist eine alte Erfahrung, die die Arbeiter immer wieder auf ihre Kosten machen, daß die Festigkeit und die Fähigkeit gewisser Radita. linstis im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Maulfertigkeit steht. Zwei überfüllte Bersammlungen der Arbeitnehmer der Firma haben sich mit den Plänen der Aschinger A.-G. und mit dem Verhalten ihres Betriebsausschusses eingehend beschäftigt und eine Reso fution ein ftimmig angenommen, die gegen die Gründung einer Betriebstrantentaffe Stellung nimmt und feststellt, daß der Ausschuß des Betriebsrats rechtswidrig gehandelt hat. Wirtschaft Ausnahmefrachten für den Wasserumschlag in Berlin. bahn gehen die Meinungen start auseinander. Man muß zugeben, Ueber die Gestaltung der Gütertarife der Reichsdaß sich die Reichsbahnverwaltung in einer schwierigen Lage befindet und daß sie bei der großen Verschiedenheit der Interessen ber einzelnen Reichsteile unmöglich die Zufriedenheit aller er. werben kann. liche Teile des Reiches mit einem verhältnismäßig recht einfachen Aber dennoch tönnte ohne Aenderung des Systems für beträcht Mittel eine bedeutende Besserung der Wirtschaftslage erzielt werden: durch die Einführung von Ausnahmefrachten für den Wasserumschlag in Berlin. Dabei hätten weder andere Landesteile noch die Reichsbahn Nachteile zu gewärtigen. Berlin ist der oberste Elbhafen auf der Linie HamburgBerlin zum Osten. Diese Linie ist für eine große Menge von Import- und Exportgütern, aber auch von Transitgütern die natürliche Verbindung, die mit großer technischer Kunst des Wasserbaues und mit hohen Rosten ausgebaut worden ist. Ihre volkswirtschaft liche Leistung entspricht aber gegenwärtig feineswegs der befruchtenden Kraft, die in ihr schlummert, weil der kombinierte Wasser- Bahnverfehr für Güter, die Berlin in östlicher oder westlicher Richtung von der Nordsee oder zu ihr passieren, viel zu teuer ist. Die Jeder Herr erhält elegante Kleidung auf Teilzahlung zu streng festen, billigsten Preisen ohne Aufschlag Strengste Diskretion im Meyer's Kaufhaus am Barbarossaplatz Trauerfpenden jeder Art liefert preiswert Paul Golletz, Dormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. 10303. JUMPER WOLLE für Häkelbetriebe, Strickwolle, beste Handelsware, Wollvertrieb Alte lakobstr. 92( Hof). Eisenacher Str. 90-91 Gardinen Spezialhaus für elegante Herren- Bekleidung Bester Maßersatz Feinste Schneiderarbeit Nur/ Anzahlung und kleine Abzahlungen Lieferant vieler Beamtenvereine Vorzeiger dieser Anzeige erhält 5% Rabatt! Sonderangebote. Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt Neukölln, Einführung der den Seehafenausnahmetarisen zugrunde gelegten Binnenumschlagsplat Tonnentilometerfrachten für Berlin als würden die Frachten für die wichtigsten Import- und Exportgüter für weite Bezirke wie die Laufig, Schlesien, große Teile der Mart und Pommerns um so viel senten, daß die dort heimischen Industrien ihre Ronkurrenzfähigkeit in überseeischen Ländern steigern bzw. wiedergewinnen fönnten. Ebenso bedeutend und wichtig wäre aber die Wirkung auch auf die Durchfuhr überseeischer Güter nach dem weiteren Often und umgekehrt. Es ist bekannt, daß sich die internationalen Wege nach dem Kriege unter der Einwirkung tarifarischer Maßnahmen der fonfurrierenden Staaten und besonders ihrer Seehäfen start verschoben haben. Die Reichsbahnverwaltung hat in diesem Kampf nicht ohne Erfolg ingegriffen, aber noch nicht für den Verkehr der zu ungunsten Hamburgs und Königsbergs seewärts auf Danzig abgelenkt worden ist und bei der augenblicklichen Tarifgestaltung immer mehr abgezoger werden wird. Früher beendeten die großen lleberseeschiffe ihre Reife in Hamburg, wo die Güter für den Osten in die fleinen Ostseedampfer oder in Elbtähne oder auf die Bahn umgeschlagen wurden. In neuerer Zeit laffen jedoch fremde Reedereien ihre großen Schiffe durch den Kaiser- WilhelmRanal laufen, wodurch die Durchfuhr durch Deutschland unnötig wird. Diese Schiffe suchen und finden in Danzig aber auch Rückfracht und zwar in erster Linie auf Kesten Königsbergs. Kurz, die Deutschen werden bei dieser ganzen Entwicklung, die erst in den Anfängen steht, die Zeche zu bezahlen, wenn nicht ein Anreiz für die Durchfuhr durch Deutschland gegeben wird. Für Hamburg würde Berlin nicht fonkurrierend, sondern ergänzend, ja fogar werbend wirken, besonders im Transitverkehr. Die Reichsbahn selbst aber würde, ohne an die Grenze ihrer Selbstkosten herunterzugehen, durch erhöhten Umfag wohl auf ihre Kosten tommen. Diese Frage erscheint daher wert, gefördert zu werden. Stadtrat Schüning. Sport. Die Hometrainer- Rennen im Schweizergarten, Friedrichshain( Am Nos nigstor), hatten gleich am ersten Abend einen guten Besuch zu verzeichnen. Schweizer Gubler vor Binzelberg und Bouhours( Frankreich). Der Fran Im Eiöffnungsfabren über 3 ilometer fiegte der junge zose, dessen Bater einst in Frankreich eine feltene Glanzzeit erleben durfte, fährt hier noch etwas unsicher, doch dürften bereits die nächsten Tage ein befferes Bild liefern. Das Hauptfabren über 2 kilometer bes ftimmte Tech mer für sich. Den Lauf über 2 Kilometer um den Großen Preis vom Friedrichshain", der allabendlich ausgefahren wird, gewann der Europameister Stellbrint, der Weber und Bouhours hinter fich ließ. Otto Pawte bolte sich im Bunttefahren über 4 Kilometer 10, Techmer 8 und Gubler 6 Punkte. Das 6- kilometer Brämienfahren brachte den sicheren Sieg Erich Vinzelberg 3. Heute( Donnerstag) abend findet u. a. ein 10- kilometerPrämienfahren statt. Berantwortlich für Politit: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Walter Trojan; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Gewinnliste ber 23. Preußisch- Süddeutschen( 249. 6. Raffe Ohne Gewähr. Preuß.) Klaffen- Lotterie 1 Gewinn zu 300 000 Nm 154852 1 Gewinn zu 50 000 m 108137 16. Juli 1924 Nachbruck verboten. 8 Gewinne, zu 10 000 Rm 10152 28487 35437 36137 172037 189937 214037 246537 8 Gewinne zu 3000 Rm 2437 51137 78337-109537 134637 197437 230852 235237 11 Gewinne zu 2000 Rm 737 2152 53052 103037 106537 110352 121852 148537 185552 223452 293037 19 Gewinne zu 1000 Nm 3052 4437 11752 25237 33637 42237 44337 46037 61852 63952 82252 115352 1643337 170352 197552 227437 253637 268737 275337 48 Gewinne zu 800 m 20852 23052 23952 25937 27437 35037 35737 36637 43152 51237 53252 57352 62537 69637 70252 73437 87952 90337 95837 105937 33 1251 7 132737 133752 141637 147852 156352 174637 175237 192552 198437 205552 209152 213952 221137 224637 229137 238452 242952 243152 249752 253452 256037 257652 282937 288152 296252 299552 87 Gewinne zu 500 Rm 537 2252 2652 7252 8437 11237 12337 12637 15952 16637 17452 17752 25137 28452 31237 38937 43253 43937 53752 53837 58552 65152 67937 68052 68152 68552 69737 86237 87537 88337 88552 92852 94937 96552 97052 99452 99737 100437 102437 102752 103252 106337 106437 115452 117552 123637 129152 139252 146352 147352 150937 155352 165852 168752 176352 179537 180397 181852 182237 194252 198037 200752 202152 204037 206452 215937 216452 222452 225352 231337 240252 244737 246337 248152 250837 254052 256052 256452 259537 263837 263952 268752 274137 279037 287452 290437 290937 217 Gewinne zu 300 m 52 3252 3487 4852 5537 6137 6452 12052 17052 18352 23237 23737 23752 24352 24537 26152 26552 29352 29837 30652 33837 35237 35652 36852 37452 38637 40952 44237 45052 45452 45952 48252 49337 49752 50737 52852 55652 56452 57137 59737 60237 60437 60537 61737 63337 64287 64637 65937 68137 68437 70752 72252 75937 76237 77337 77452 77852 79752 81152 82652 84452 86537 88452 92052 93752 93937 95952 96152 96237 96737 98537 101552 102052 102337 105052 105537 105637 105752 110052 111452 112137 112837 113252 113537 114652 114737 115052 117352 120937 122637 122752 122852 125552 126337 126852 128737 129352 129952 130937 131352 132437 132952 133152 134452 135252 137152 137252 140837 142652 145837 147152 148337 148652 149152 150137 153037 153152 154537 156337 158837 159652 160237 161752 162352 163237 165752 167352 167537 168337 170937 171237 171452 172537 173037 173052 176752 177252 177552 178037 178152 178837 180052 180237 181052 182852 189787 191252 191652 196852 197037 199252 200037 200352 202137 207652 210537 211052 211237 212637 212737 213187 214952 215652 217537 220537 221452 221952 225037 225852 226952 227787 228437 235837 236037 236637 237237 237452 238237 242137 244337 246437 246937 249152 251152 251537 251852 254552 254952 256937 259737 261437 261537 261852 262052 262137 264437 265137 269987 270137 270652 270952 271237 274237 277937 278052 280852 282552 283937 285152 286437 287652 290552 291337 292152 292452 295537 297952 Auf alle Losnummern von 1 bis 300 000. 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