Nr. 338 41.Jahrgang Ausgabe Nr. 173 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8, Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt * 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reklamezeile I- Colomart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zulässig awei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Sie wird deshalb zu gegebener Zit die Einberufung einer Weltabrüftungstonferenz vorfchlagen, an der auch die im Bölkerbund nicht vertretenen Nationen teilnehmen sollen. Die englische Regierung wird jede Bewegung tatkräftig unterstützen, die zu einer fofortigen und fühlbaren Rüstungseinschränkung führt. Vor dem Sanktionskompromiß. Paris, 19. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Man erwartet hier, daß es in London über der Frage der Sanktionen zu einer endgültigen Einigung auf der Grundlage der von dem amerita nischen Delegierten vorgeschlagenen Formel tommen wird. Wenn diefes Kompromis auch in der Theorie den französischen AnWenn dieses Kompromis auch in der Theorie den französischen Ansprüchen das Recht zu Sonderaktionen im Falle des Un vermögens der Alliierten, sich über gemeinsame Maßnahmen zu einigen, nicht bestreitet, so findet doch andererseits die Auffassung daß es sich hier auch in den Augen der Franzosen mehr um das Prinzip, als um eine Rechtsverwahrung mit praktischen Folgen handelt, in den Auslaffungen der Pariser Blätter ihre Beftäti gung. Nach dem„ Quotidien" soll die Kompromisformel die alliierten Regierungen ausdrücklich verpflichten, sich solcher Attionen zu enthalten, die geeignet seien, die Intereffen der Geldgeber und den Zinsendienst der internationalen Anleihe zu gefährden. Das Blatt meint dazu, daß diese Verpflichtung in der Bragis einem Berbot selbständiger militärischer Befehungen oder wirtschaftlicher Beschlagnahmungen gleichtomme. Zu dem gleichen Urteil tommt die Journée in dustrielle", die von der in Aussicht genommenen Lösung schreibt, fie sei bestimmt, der Oeffentlichkeit Sand in die Augen zu fireuen. Denn es sei geradezu abfurd, sich einbilden zu wollen, daß Frankreich auf Grund dieses Kompromisses noch einmal das Ruhrgebiet besetzen tönne und daß es das Risiko einer neuen Gewaltpolitik auf sich allein nehmen werde, von der es wisse, daß ihre materiellen Ergebnisse ausschließlich den Anleihegläubigern zugute tämen, d. h. in die Taschen der englischen, der amerikanischen, der neutralen und vielleicht sogar der deutschen Finanz fließen würden. Fortschritt der Ausschußarbeiten. Es tann nunmehr definitiv gefagt werden, daß die Arbeit der Ausschüsse sehr hoffnungsvolle Fortschritte gemacht hat und daß Anfang der nächsten Woche die nächste Plenar fizung stattfinden kann. Sollten bis dahin noch nicht alle Komitees endgültige präzise Vorschläge vorlegen können, so wird sich der Abschluß der Konferenzverhandlungen noch etwas verzögern. Ueber die Vorschläge, die die Ausschüsse für die Bollfizung vorbereitet haben, sind in der Deffentlichkeit verschiedenartige Feststellungen mitgeteilt worden. Es ist nötig, diese Veröffentlichungen zunächst mit großer Reserve zu betrachten, weil sie noch Abänderungen und Zusäße in den Ausschüssen erfahren können und weil ohne die Beschlußfaffung der Plenarsizung die Vorschläge in feinerlei Hinsicht als endgültig zu betrachten sind. Der erste und der dritte Ausschuß haben am Sonnabend nach mittag ihre Arbeiten abgeschlossen. Das zweite Komitee mar noch am späten Nachmittag bei der Arbeit. Man nimmt an, daß es um jeden Preis versuchen wollte, noch gestern mit seiner Arbeit zu Ende zu kommen, damit für Montag die Vollversamm lung der Konferenz stattfinden Bann. Die einstimmig angenommenen Vorschläge des ersten Ausschusses find bekannt. Die Alliierten haben weiterhin vereinbart, im Fall deutscher Berfehlungen mit solchen Sanffionen zurückzuhalten, die durch Schwächung der deutschen Wirtschaft die Intereffen der Anleihegeber und den Anleihedienst berühren Pönnten. Das bei der Durchführung von irgendwelchen Santtionen vereinnahmte Geld soll in erster Linie zur Deckung der Zinsansprüche der Anleihegeber verwendet werden. Die Pfänder, die eventuell von den Alliierten im Falle deutscher Verfehlungen ergriffen werden, dienen in erster Linie zur Sicherung der Anleihen. Der zweite Ausschuß, der über die Methode der Umwand. Lung deutscher Zahlungsmittel in Devifen verhandelt hat, hat praktisch seine Arbeit beendet, aber er wünscht zur Vervollſtändigung feines endgültigen Berichts die Meinung der Vollversammlung über einige technischen Fragen zu hören. Am Montag morgen werden sich die Führer der franzöfifchen, italienischen und der belgischen Delegationen zusammen mit dem amerikanischen Botschafter Kellogg abermals bei Macdonald im Auswärtigen Amt einfinden, um sich über den Stand der Kommissionsarbeiten und über die letzten Meinungsverschiedenheiten vor dem Zusammentritt der Plenarsizung zu unterhalten. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 London und Bürgerblock. Aufgaben der Sozialdemokratie. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich um die Arbeit der Londoner Konferenz ein von Lärm und Gerüchten erfüllter Dunstkreis gebildet hat. Die Vorsicht, mit der alle aus London kommenden Berichte zu genießen sind, kann kaum groß genug sein. Das gilt bis zu einem gewissen Grade auch für die Berichte der gewissenhaftesten Korrespondenten, die schließlich auch nur Augenblicksbilder und Gerüchte wiedergeben Pönnen. Es gilt noch mehr für die Berichte der Gewissenlosen, diesem Trubel die Nerven zu behalten und das Ergebnis, sodenen es um Sensation und Stimmungsmache zu tun ist. In bald es sicher und geschlossen vorliegt, unbeeinflußt von Vorurteilen und Stimmungen zu betrachten, ist die Pflicht der Verantwortlichen. Paris, 19. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Angaben der Pariser Presse über den französisch- belgischen Plan für die ökonomische Räumung der besetzten Gebiete lassen erkennen, daß dessen Dispofitionen weit günstiger sind als man bisher annahm. In der französisch- englischen Note vom 9. Juni war vorgesehen, daß die ökonomische Freigabe der besetzten Gebiete erst erfolgen sollte, wenn die von der Reparationsfommission festgesetzten Kriterien für die Infraftsetzung des Dawes- Planes von deutscher Seite erfüllt seien. Nach dem französisch- belgischen Plan aber soll die etappenweise Wiederherstellung des Status quo ante beginnen, sobald Deutsch land einen Teil der Bedingungen erfüllt hat, und zwar sobald Gewiß fann man sich das schließliche Ergebnis so vor die Gesetze vom Reichstag verabschiedet und verstellen, daß Deutschland dadurch geradezu zur Ablehnung her tündet, die im Dawes- Plan vorgesehenen Kontrollorgane ausgefordert wird. Aber gewiffenlos ist es, die Stimmung so geschaffen sind, und von der internationalen Finanz die vorzubereiten, als ob es gar nicht anders kommen könnte. Auch Zeichnung der Anleihe sichergestellt ist. Die Beseitigung der Bollschranken zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet, das wenn das Resultat weniger günstig sein sollte, als man noch System der Ein- und Ausfuhrlizenzen und der Sonderabgaben zu prüfen sein, ob das Ergebnis der Londoner Konferenz vor einigen Wochen erwarten durfte, wird fühl und nüchtern Gründung der Notenbank und der Eisenbahngesellschaft sowie der leisten, unsere Stellung zu den Ergebnissen der Londoner sollen in zwei Ghappen in Wegfall kommen. 20 Tage nach der Deutschland zur Ablehnung zwingt. Wir können uns nicht llebergabe der Obligationen durch Deutschland an den Treuhänder Konferenz von Stimmungen und Ressentiments bestimmen zu wird von den Alliierten der Abbau der französisch- belgischen lassen. Eisenbahnregie vorgenommen werden, der innerhalb zwei Monaten beendet sein muß. Ein fleiner Stab alliierter EisenbahnMonaten beendet sein muß. Ein fleiner Stab alliierter Eisenbahnbeamten soll im Regiegebiet zurückgelassen werden, bis die für die Truppen nötigen Transporte organisiert find. Vandervelde fordert die militärische Räumung. Genoffe Emile Bandervelde schreibt in einem Artikel über die Bedeutung der Räumung des Ruhrgebiets für die Durch führung des Sachverständigengutachtens, daß die Aufrechterhaltung führung des Sachverständigengutachtens, daß die Aufrechterhaltung der Besetzung des Ruhrgebiets ein sehr gefährliches hinder nis für die. Mobilisation der deutschen Schuld sei. Er fährt dann fort: Das Die Verlängerung der militärischen Otfupation über die Zeit der wirtschaftlichen Befehung des Ruhrgebiets hinaus, heißt in der Haut Deutschlands einen Stachel zurücklaffen, der ein Herd der Entzündung und der Ansteckung sein muß. Das wäre zum Nachteil aller, die Berlängerung des Zustandes der Unruhe und Unsicherheit, der schon soviel Unglück verschuldet hat, auf lange Monate. würde die Rückkehr des Vertrauens hindern, das die Sachverständigen mit Recht als unentbehrlich für den Erfolg ihres Planes bezeichnen. Auf der Konferenz der beiden Internationalen am 14. Juli, wo zum ersten Male der Internationale Gewerkschaftsbund und die Sozialistische Internationale gemeinsam berieten, haben wir einmütig die militärische Räumung des Ruhrgebiets gefordert, und zwar zur gleichen Zeit und unter den gleichen Bdingungen wie die wirtschaftliche Räumung. Der Präsident der interalliierten Konferenz in London, Ramsay Macdonald, der einst Sekretär der Sozialistischen Inter nationale war, wird hoffentlich seinen großen anerkannten Einfluß geltend machen fönnen, daß die beteiligten Regierungen der Räumung des Ruhrgebiets von sich aus zustimmen und das erst nicht unter dem mehr oder minder offenen Druck der Großfinanz tun. Die Montag Beratung der Einladung Deutschlands. London, 19. Juli.( Eigener Bericht.) Die Einladung Deutschlands zur Konferenz wird am Montag diskutiert werden. Engländer und Amerikaner wünschen die fofortige Einladung Deutschlands als gleichberechtigten Teilnehmer der Konferenz, während die Franzosen verlangen, daß zuerst die Alliierten ein lebereinfommen erreicht haben und daß die Deutschen zu einer anderen Konferenz, die dann in Paris oder Brüssel stattfinden foll, mit dem Rang von nicht gleichberechtigten Teilnehmern eingeladen werden sollen. In englischen Kreisen wird jedoch befürchtet, daß, wenn der französische Standpunkt siegen sollte, Deutschland lediglich untergeordnete Beauftragte zu dieser Konferenz entfenden würde, während, wenn sie als gleich berechtigte Teilnehmer eingeladen werden, damit, gerechnet wird, daß der deutsche Außenminister selbst erscheinen wird. Börse der Gerüchte. Die Forderung, die Deutschland stellen muß, ist, daß der Bertrag über die Ausführung des Gutachtens auf der Gegenfeite denselben Geist der Loyalität zeigt, in dem Deutschland das Gutachten in seiner Gesamtheit angenommen hat. Für die Ausführung der Gutachten wird es entscheidend sein, ob sie getragen wird von dem Willen zu Frieden und Verständigung oder von dem Geiste der Sanktionspolitik. Ein Vertrag, der von Deutschland die Billigung der Sanktionspolitik forderte, würde mit dem Inhalt und dem Geiste des Gutachtens in un lösbarem Widerspruch stehen. Eine Politik der von einzelnen Mächten ergriffenen Santtionen wird von ganz Deutschland als eine Verlegung des Rechts verurteilt werden. Zugeständnis in dem abzuschließenden Vertrage verlangen Das Mindeste und unerläßliche, was Deutschland als muß, ist die Erfüllung der Bedingungen, die die Gutachten selbst festgestellt haben. Nach der Annahme der Gutachten hat Deutschland ein gutes Recht, sich darauf zu berufen. Alle anderen Fragen, die nicht im unmittelbaren Zusammenhange mit den Gutachten stehen, dürfen nicht zu unerläßlichen Voraussegungen der deutschen Annahme eines Vertrages über die Ausführung der Gutachten gemacht werden. Die Prüfung, ob das Ergebnis von London den Willen der Gegenseite zeigt, die Bedingungen der Gutachten selbst loyal für die Ausbildung zu beachten, darf mit den Fragen, die in loserem Zusammenhang mit den Gutachten stehen, nicht belastet werden. Inzwischen heißt es die Nerven behalten und dem kommenden Ergebnis der Londoner Konferenz entgegensehen. Ein Eindruck und eine Gefahr jedoch muß schon heute festgestellt werden. Der bisherige Verlauf der Konferenz hinterläßt den Eindrud, daß jedes fachliche Zugeständnis an die Lebensnot wendigkeiten Deutschlands- selbst wenn es in den Gutachten Engländern und Amerikanern unter der Anwendung massiver selbst begründet ist den französischen Unterhändlern von den Druckmittel aus den Zähnen gezogen worden ist. Das ist kein gutes Zeichen. Die französische Politik erscheint nicht bestimmt von dem Geiste, über der gemeinsamen loyalen Durchführung den Weg zur europäischen Verständigung zu kaner.' Muß das eine gewisse Stepfis für die Durchführung suchen, sondern von dem Drucke der Engländer und Amerider Gutachten fördern, wieviel mehr für die künftigen Be ziehungen zwischen Deutschland und Frankreich! Solange der Geist des steten Mißtrauens, der Feindschaft, des Hasses zwischen Deutschland und Frankreich fortbesteht, so lange er nicht abgelöst wird von einem friedlichen Nebeneinander beider Völker, so lange wird Europa nicht wahrhaft Frieden haben. Der Londoner Korrespondent der" Boffischen Zeitung" hält es für richtig, ein Gerücht zu verzeichnen, wonach der„ linke Flügel der deutschen Sozialdemokratie" an englische Lintssozialisten das Ersuchen gerichtrauens müßte verewigt werden, wenn in Deutschland die tet haben soll, fie möchten die Annahme des Dawes- Planes hindern. Auf diesen Vorstoß seien gewisse Schwierigkeiten zurückzuführen, die Macdonald seit einigen Tagen beim linken Flügel der Arbeiterpartei erwachsen seien. " Der Londoner Korrespondent der Bossischen Zeitung" steht wahrscheinlich den deutschen Verhältnissen sehr ferne; die Berliner Redaktion aber hätte wissen müssen, daß seine Nachricht absoluter unsinn ist. Einen linken Flügel der deutschen Sozialdemotratie", der auf eigene Fauft auswärtige Politit treibt, gibt es nicht. Der Dawes- Plan regelt eine peinliche Geldangelegenheit innerhalb einer fapitalistischen Welt mit fapitalistischen Mitteln, fann also bei Sozialisten feine reine Freude erwecken. Daß er aber unter den gegebenen Umständen das einzige Mitte! ist, um aus der Verwirrung und ihren fatastrophalen Wirtschaftsfolgen herauszufommen, wird allgemein anerkannt. Der Fall zeigt nut, wie vorsichtig jetzt alle von London kommen. ben Gerüchte zu bewerten sind. Dieser Geist der Feindschaft und des Mißnationalistischen Kreise zur Herrschaft gelangten, die fich jetzt schon bemühen, das kommende Ergebnis der Londoner Konferenz durch eine Wolfe von nationalistischer Stimmungs mache zu verdunkeln, um die deutsche Entscheidung unter den Druck von Stimmungen und Ressentiments au sehen. Je stärker und offener sie in Deutschland nach der Macht streben, um so weiter rückt die Entspannung zwischen Deutschland und Frankreich in die Ferne, um so geringer werden die Aussichten, daß der Geist der Feindschaft, des Mißtrauens und des Haffes verschwindet. Die Außenpolitik, die sie anstreben, ist nicht Verständigung im Geiste der Loyalität. Selbst wenn sie die Gutachten annehmen würden, so würden sie sie durchführen nach jener Methode, mit der in London die französischen Unterhändler dem Drängen der Engländer und Amerikaner nachgeben, unwillig, zögernd, unter Druck vorwärts getrieben. Eine Regierung unter nationalistischer Führung würde Deutsch | land unter der steten Drohung des Wiederauflebens der Sanktionspolitik hallen und würde das Durchdringen des Geistes der Verständigung in Frankreich verhindern. Sie wäre «ine Gefahr für den Frieden Europas ebensosehr wie das Fort- leben des Geistes des Mißtrauens und der Sanktionspolitik in Frankreich. Deutschland aber braucht den europäischen Frieden um seiner Existenz willen. * ' Daraus ergibt sich die große außenpositifche Gefahr, die das Regime eines rechtsgerichteten Bürger- b l o ck s unter nationalistischer Führung für Deutschland be» deutet. In diesem Zusammenhang einige Worte über die innere Bedeutung der Bestrebungen, ein Rechtsregime in Deutschland zu errichten und über die Stellung der Sozial- demotratie. « Die Sozialdemokratie kämpft für große ideelle Ziele. So sehr sie für die Hebung der Lebenslage der Arbeiterschaft ein- tritt, weil sie weiß, daß ideelle Fortschritte nicht mit ausge- hungerten, im tiefsten Elend verkommenen Massen zu er- kämpfen sind, so vergißt sie niemals, daß ihr politisches Han- dein der Befreiung vom politischen und geistigen Druck» der Herstellung der wahren Freiheit gilt. Auf diesem Gebiete liegen die großen Erfolge ihres Kampfes. Der Sturz der Monarchie und des Obrigkeitsstaates ist nicht lediglich die Folge des Kriegsverlustes und nicht nur Ju erklären aus der Zusammenbruchsstimmung der November- ige von 1918. Diese Stimmung hätte nicht zur Errichtung der Republik und zur demokratischen Verfassung geführt, wenn nicht die Sozialdemokratie in jahrzehntelangem Kampfe gegen den Obrigkeitsstaat angekämpft und den Gedanken der Demokratie und der Freiheit in die Massen getragen hätte. Ihre Arbeit hat den Boden bereitet für die Republik und die parlamentarische Demokratie. Ein ungeheures Maß von Auf- klärungs- und Erziehungsarbeit war nötig, um in Millionen von Arbeitern die feste geistige Grundlage zu schaffen für die Errichtung eines freiheitlichen Regimes.' Im Kampfe gegen den Obrigkeitsstaat haben die sozial- demokratischen Arbeiter ihr Staatsbürgerrecht in der Demo- tratre erkämpft, das Recht der freien politischen Selbstbestim- numg, die Gleichberechtigung im Staate. Sie haben die Vor- aussetzungen dafür geschaffen, daß das deutsche Voll sich zum Staatsoolt entwickelt. Das politische Bewußtsein und das staalliche Denken der Massen der Arbeiterschaft sind die Vor- aussetzung für die Verwirklichung des Sozialismus, für die Umgeftallung der wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen. Die Befreiung von dem Albdruck des Obrigkeitsstaates ist darum für die Sozialdemokratie die wichtigste Etappe auf dem Wege zu ihren weiteren Zielen, ihre nächste Aufgabe die Be- hauptung des neu gewonnenen politischen Bodens, die Arbeit für ihre weiteren Ziele mit den Mitteln der Demokratie. Wir sehen die erkämpfte Freiheit bedroht. Die Sozial- demokratie wertet die Bestrebungen zur Sammlung des Bürgertums gegen die Arbeiterschaft und gegen die Sozial- demokratische Partei vor allem unter diesem Gesichtspunkt. Wohl erkennt sie. daß der materielle Untergrund der Rufe nach der Bürgerregierung die Interessen des Besitzes sind, die durch die Uebernahme der Lasten des verlorenen Krieges be- droht werden. Mit aller Entschiedenheit setzt sie sich zur Wehr gegen die Versuche, durch die Ausgestaltung des Steuersystems zu einem System der Schonung des Besitzes zu Lasten der Arbeiterschaft, durch die Wiedereinführung von Hochschutz- zollen, durch die Verschlechterung aller Arbeitsbedingungen die arbeitenden Klassen zu benachteiligen gegenüber den besitzen- den und sie wirtschaftllcher Bedrückung zu unterwerfen. Sie sieht aber hinter den Vorstößen des Bürgertums gegen die Arbeiterschaft noch einen anderen tieferen Sinn, eine kullu- relle Gefahr für die Arbeiterschaft, eine polttische Gefahr für das deutsche Voll. Der Ruf zur Sammluna des Bürgertums ist die Re- aktion auf den politischen Ausstieg der Arbeiterschaft, der Wille, die verlorene politische Vormachtstellung zurückzu- erobern und die Arbetterschaft aufs neue auszuschließen von der Teilnahme am Staatsleben. Zurück zum Obrig- k e i t s st a a t! Das ist das Ziel der Parteien und Politiker, die für den Bürgerblock, gegen die Tellnahme der Sozial- demokratie am Staatsleben sich wenden. Sie wollen das Rad des Fortschritts rückwärts drehen: zurück aus der Frei- heit in neue Unterwerfung, zurück von' der demokratischen Mitarbeit im Staat in die Slellung der hoffnungslos ausge- schloffenen und beherrschten Objekte der Gesetzgebung, zurück vom Staatsbürgertum zum Untertanenverhältnis. Das sind die wahren, letzten Ziele der bürgerlichen Re- aktwnäre. Es geht ihnen um die völlige Restauration des alten Systems. Die Wiederherstellung der Monarchie mag bei diesen Plänen vielleicht eine geringere Rolle spielen: die Hauptsache ist die Vernichtung des politischen Ausstieg» der Arbeiter, die Vernichtung der Freiheit. Die Kämpfe um die materiellen Fragen sind für die Reaktion Etappen auf diesem Wege. In diesen Kämpfen geht es ihnen um die Herstellung der Einheitsfront des Bürgertums auf der Basis gemeinsamer materieller Interessen gegen die breiten Massen des Volkes. Der Kampf um die Steuern, um die Zölle, um die Arbeitszeit soll die feste Untermauerung für die kommende Regierung der Wiederherstellung des Obrigkeitsstaates schaffen. Er soll die Arbeiterschaft wirtschaftlich zerdrücken und zermürben, um ihr die Kampfkraft für ihre ideellen Ziele, für die Frecheit zu nehmen. Der Vorstoß der Reaktion auf der ganzen Linie ist ein Anschlag auf die demokratische Freiheit, ein Stoß gegen die Republik. Er stellt an die Staatsgesinnung der deutschen Ar- beiter die härteste Probe. Würde sie ins Wanken kommen, würden sich die deutschen Arbeiter von der Republik abwenden, was würde das Schicksal Deutschlands als Staat, was das Schicksal der Deutschen als Staatsvolk sein? Dieser Vorstoß der Reaktion bedroht darum die deutsche Zukunft. Die Sozialdemokratie ist nicht gesonnen, den unaufhör- lichen Vorstößen der reaktionären Kräfte untätig zuzusetjfcn. Sie wird sich nicht nur nach Kräften den Versuchen in den Weg stellen, die Arbeiterschaft wirtschaftlich herabzudrllcken, sie wird vielmehr mit aller Entschlossenheit ihre Fortschritte auf dem Wege zur politischen Freiheit zu verteidigen wissen. In jahrzehntelangem Kampfe hat die Sozialdemokratie den Obrigkeitsstaat niedergerungen, die Staatsgesinnung und das politische Bewußtsein der deutschen Arbeiterschaft entwickelt. Sie wird alles daran setzen, um diese Stufe der Entwicklung zu behaupten. Der Große der Bedrohung der Freiheit und der Demokratie wird die Schärfe ihres Abwehrkampfes ent- sprechen. Je mehr bürgerliche Parteien gegen diese Grenze des Erreichten vorstoßen, vorwärtsge.rieben von den rechten Par- teien der offenen und grundsätzlichen Reaktion, um so schärfer wird auch der Abwehrkampf der Sozialdemokratie werden. Die reaktionären Parteien, die Deutschnationalen und die Völkischen, drängen auf die entschiedene Auseinandersetzung des Bürgertums mit der Sozialdemokratie. Die Auseinander- setzungen, die jetzt von den bürgerlichen Parteien eingeleitet worden sind mit dem Aufwerfen der Schutzzollfrage, mu dem Abbau des Achsstundentages, mit dem Abbau der Republl- kaner, mit der Bedrohung der arbeitenden Massen, mit neuen ungerecht verteilten Steuerlasten, müssen mit Notwendigkeit zu einer großen und entscheidenden allgemeinen politischen Auseinandersetzung führen, wenn die bürgerlichen Mittel- Parteien haltlos dem Drängen der Rechten nachgeben. Bei dieser Auseinandersetzung hat die Sozialdemokratie die Zeit und die Zukunft für sich. Sie wird ihr dar,- m nicht aus- weichen und sie wird diesen Kampf mit aller Schärfe führen. Haben die bürgerlichen Kreise, die jetzt so leichtfertig die Restauration des Obrigkeitsstaates gegen die Arbeiter be- treiben, gänzlich vergessen, daß die Sozialdemokratt« eine Kampfpartei ist?_ Sein Rücklrlttsgefuch des Hannoverschen poNzeipräfidentea. Die Pressestelle des Oberpräsidiums Hannover teilt mit, daß dl« von einigen Zeitungen gebrachte Nachricht, der Polizeipräsident von Hannover, v. Beckerath, habe im Zusammenhang mit der Sache Haarmann sein Rückttittsgesuch eingereicht, falsch ist. Sinü wir üenn wirklich öarbaren! Oder wird das deutsche Gewissen gege« Bayern erwachen? Es ist nicht gerade ein Ruhmesblatt der deutschen bürger- lichen Parteien, daß mit der einzigen Ausnahme des würt- tembergischen Demokraten 2r H e u ß kein einziges bürger- liches Mitglied des Rechtsausschusses sich zu der angekündigten nichtoffiziellen Sitzung eingefunden hat, um den Bericht Ernst T o l l e r s über Rieoerschönenfeld anzuhören. Aber gleichviel: jetzt ist das Wesenlliche aus den mündlichen Schllderungen Tollers durch den Bericht in der gestrigen Abendausgabe des„Vorwärts" öffentlich bekannt geworden, und es ist für niemand mehr möglich, sich den zur Sprache gebrachten Dingen blind und taub gegenüberzustellen. Auch diejenigen Blätter, die der Sozialdemokratie am ieindlichsten gesinnt sind, müssen Farbe bekennen: entweder ie schweigen die von Toller gemachten Mitteilungen tot und >ann bedeutet das nicht nur das E i n g e st ä n d n i s ihrer Richtigkeit, sondern auch eine S o l i d a r i s i e r u n g mit den grenzenlosen Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten der baye- rischen Justiz- und Gefängnisverwaltung: oder sie müssen versuchen, die Anklagen Tollers mit Hilfe desjenigen Mate- rials zu entkräften, um das sie die zuständigen Münchener Stellen werden ersuchen müssen. Ein Drittes gibt es nicht, es fei denn, daß In ihnen das Gewissen erwacht und daß sie ihre Stimme mit den Stimmen aller anständigen Menschen vereinigen, um ein Ende dieser schändlichen Zustände zu fordern. Deusschland» Ehre steht auf dem Spiel. Nicht nur wegen der Zustände in Niederschönemeld. sondern auch wegen des Justizmordes an Fechenbach. Ein Volk, das sich gegen solche Dinge nicht aufbäumt, das zu bequem und zu feige ist, um solchem schreienden Unrecht ein Ende zu machen, verliert den Anspruch darauf, von seiner Kultur und von seiner Ehre zu sprechen. Das deutsche Volk hat sich während des Krieges und nachher stets wie ein Mann dagegen erhoben, daß die Propaganda der Gegner es als ein„Barbarenvolk", als „Hunnen" und als„Boches" beschimpfte. Nicht, daß man damit die unvermeidlich« Tatsache bestreiten wollte, daß in einer Armee von vielen Millionen es nur allzuviele sadistisch odev-verbrecherisch veranlagten Menschen geben mußte, die sich barbarische Handlungen zuschulden kommen ließen; aber das deutsche Boll wollte durch seine Entrüstung einerseits von diesen Verbrechern im eigenen Lager abrücken, andererseits gegen die pharisäische Heuchelei protestieren, die es so hinstellte, als ob es im anderen Lager keine solchen Verbrechers gab. Was jedoch die bayerische Justiz- und Gefängniszustände betrifft, so handelt es sich da nicht um Einzelerscheinungen, sondern um ein staatlich organisiertes und gedecktes System der Rechtsbeugung, Rechtsungleichheit, Gefangenenfolterung und Kulturwidrigkeit, um ein System, das einer bestimmten politischen Gesinnung entspringt und bestimmten politischen Zielen dient. Wer diese Zustände fördert, gutheißt und auch nur durch Stillschweigen duldet, macht sich einer Ehr- und Kulturlosigkeit schuldig, die zu bekämpfen ein« elementare sittliche und nationale Pflicht jedes Deutschen ist. Deshalb geht unser Appell an alle Männer und Frauen Deutschlands, ohne Unterschied der Partei, die mit ihrem Ge- wissen darunter leiden, daß in Bayern das Recht und die Mensch- lichkeit polttisch-systematisch mit Füßen getreten wird: vereinigt eure Stimmen zu einem machwollen, unwiderstehlichen Chor der Ankläger, bis wieder Recht herrsche im zweitgrößten deüi- sche'n Lande. Insbesondere ergeht unsere Mahnung an solche bürgerlichen Politiker wie Spahn, Fehrenbach. Schücking. Wirth. Düringer, Bell. Brodauf, Kahl. Erkelenz und manche andere, die im Reichstag schon wiederholt dafür eingetreten sind, daß auch ihren po- littschen Gegnern Recht zutell werde: Sie dürfen nicht schweigen, sie müssen mit der Sozialdemokratie fordern, daß der Reichstag, zunächst in seinem Rechtsaüsschuß, sodann im Plenum, sich mit den bayerischen Zuständen befasse und dort endlich wieder einigermaßen Ordnung schaffe! Huf öem Lanöe. Don Hermann Horn. Ich komme durch die kühl« Halle des Schlößchens, und Therese. da» fleißige Mädchen, schreit auf: �Herrje, wie Sie schwitzen!"— So heiß war es auf dem Spaziergang den Fluß entlang gewesen. Nun setze ich mich auf einen weihen Gartenswhl.— Nebe» mir schreibt eine Dame mit hurtiger Feder einen langen Brief, und daneben liest eine ander« die„Brüder Karamasoff". Hier ist es schattig, und wie der Körper langsam abkühlt, zieht «in süßer, alle» umfassender und aufnahm« berei'.er Ernst in mich ein. Ein Brunnenschwengel läßt etliche heisere und schrille Tön« oernehmen, und die Störche auf dem benachbarten Schulhaus« be- ginnen zu klappern. Di« Geräusche erwecken in mir ander«, die Erlebnisse des Spazierganges waren. Sie mischen sich mit dem Krachen und Stöhnen hoher Tannen, durch deren Wipfel der Wind streicht, und dem leisen Wispern der Buchenblätter. Ein flacher, breiter Ast In halber Manneshöh« steht vor mir» den der Wind an einer Seit« leicht hochhält und ihm die Bewegung gekräuselter Wellen gibt. Hier an diesem Zweig mtt seiner Menge verschieden bewegter und doch nach einer Richtung aufgestörter Blätter hatte ich gedacht, wäre ein Bild de» ganzen Geheimnisses von Blättern im Winde male- rifch zu geben. Ach, wie ruhten die Augen hier aus über dem Blumenschmuck der Wiesen, in dem blühende Obstbäume standen. Etliche waren zu einem«nmutigen Knie gebogen, etliche kerzengerade, andere streckten ihre runden Aest« nach dem Boden und dazwischen, ganz im Hintergrunde, dehnte sich um ein halb offenes, kleines, schwarzes Fenster die Fläche einer weißgrünen Wand. Sie lag im Laub ver> steckt, manche Teile beschattet vom Grün, audere im Licht« der Sonn«, und an einer Stelle über dem Fenster hatte die Wand ein Wirrnis von Leben, das heiter, erquickend und ernst war. Durch alles zog das nie rastende Triebhaft« und Wechselvolle der stets nehmenden Natur, in der alles beeinflußt und empfängt und wieder empfängt und beeinflußt und alles dem Wechsel der Veränderung dient. Wie mir«in Gegenstand au» der Tasche fällt, liegt quer über dem Weg die langousgestreckte Leiche eines Regenwurms. An der Außenfläche ist st« schon oerdorrt und vertrustet, und am oberen Ende haben zwei große Käfer den Leib geöffnet und sich im saftigen Fleisch verbissen. Sie sind beide gepanzert, der eine in Schwarz, der andere in goldigem Grün. Ein dritter kleiner Käfer läuft begehrlich darum herum, und«in« prachtvolle Fliege mit roten Augen tastet alle- mit ihrem Saugrüssel ab, summt auf, summt nieder, läuft über den Körper der beiden Riefen und wagt sich zwischen die gewaltigen Gebißzangen, die das Fleisch zermalmen jrnd zerreißen. Ich habe mich auf die Erde niedergekniet und nehme allgemach immer mehr Einzelheiten in mich auf. Ganz klein«, winzige Ameisen nähern sich. Sie sind auf einmal in Menge da. bedecken den langen Wurmleib, machen bald hier, bald da in Scharen«inen Angriff. Auch an den Beinen und Leibern der zwei Käfer suchen sie Nahrung. Aber die Panzer halten fest. nur daß die Starken hin und wider die langen, gerippten und g«. gliederten Bein« vom Boden heben und die Ameisen davon ab» streifen. Die Flieg« ist sofort, wie die kleine Schar gekommen ist. entsetzt davongesummt. Auf einmal aber geht eine gewaltig« Bewegung durch den Wurmkörper. Der grün« Riese hält ihn hoch in die Luft, der schwarze hält fest. Der Leib reißt in zw«! Stücke. Der Grün« schleift ncch im Schusse die Schlang« ein Stück Weges, der Schwarz« nimmt sein kleine» Stück«nlschlossen mit den Fängen, hält e» hoch über den Kopf und läuft durch den Kies in die Wiese. Ein Teil der Amelsen folgt ihm In gleichmäßiger, furchtbarer Emsigkeit, ein anderer bleibt zurück und überzieht den Grünen und die Beutestelle, wo er das Fleisch herauszerrt. Es kommen immer mehr. Zu Zweien und zu Dreien tasten sie den langen Körper de» Opfers ab,— da ist nicht» und da ist nichts— dort aber ist die Nahrung, und es geht über die offene Stell« her. Aber sie haben noch eine Beut« gefunden. Der tlein« Käfer muß irgendwie unter mein Knie gekommen sein oder unter meine aufgestützt« Hand, al» ich. um besser sehen zu können, die S�llung gewechselt hatte. Ich seh« plötzlich mit Entsetzen, wie er stch mit gebrochenen Flügeln und mit heraus» hängenden Eingeweiden durch den Sand schleppt. Eine Lmei!« ist zuerst über seinen Körper wegmarschiert, hat gestutzt, gewendet. und nun hängt sie an seinen Eingewe-den, und ändere folgen ihr. Der kleine Käfer ergibt stch in sein Schicksal, bleibt ruhig auf der Seite liegen, rafft sich noch einmal auf und wird nach einer letzten Anstrengung vom Gewimmel der Kleinen bewältigt und lebendigen Leibe« aufgefressen. Des Grünen gepanzerten Leib scheren nicht noch so viel« Amelsen. Ich seh« nun feinen schönen Kopsschild mit den schwarzen Kugelaugen, denen es nichts schadet, wenn die Füße der Ameisen hineintreten. Ich sehe diesen Kopf immer deutlicher, er wächst in mir zum Unbestimmten. Riesige Ausmaße urzeitlicher Raubtier« bekommen die scharfen, runden Zangen, die wie rascher Atem mtt der Gleich. Mäßigkeit einer Maschin« da» Fleisch bearbeiten, während verbor- gen« Werkzeuge«» einer unsichtbaren Maulöffnung zuführen. Der ganze gepanzerte Kopf und der Körper sind in Wollust versunken, nur zuweilen geht ein zuckendes Leben hindurch, wenn die Beute gezerrt und geschüttell wird. Vielleicht könnten ganz fein« Ohren«in böses Knurren ver- nehmen. Nichts stört die versunten« Hingab« diese» sich mit Leiden- schaft neue Kräfte einsaugenden Geschöpfe», weder der Ameisen» Haufen, der«» zwingt, den Loichnam weiter aufzureißen, noch der Wind, den ich mtt der Hand mach«, oder der Sand, den ich über es schütte. Eine grausame Sucht, in Spiel und Tätigkeit die eigene Macht zu zeigen, ist nach dem neugierigen Gmusen über mich ge- kommen. Da kommt«in anderer grüner Käfer vorbei und plötzlich zuckt der Versunkene zusammen. Ich fange da» Tier und lasse es vor ihm wieder kaufen. Meine Hand hat davon einen abscheulichen Geruch bekommen, der Grüne aber hat den Fraß sein lassen, ist rasch ein Stück zurückgetre'.en und steht nun, auf sein« vielen Beine gestützt, in Spannung und Kampfbereitschaft mtt hocherhobenen Zangen da. Wie ich, noch befangen, mich erhoben habe, schlägt die Gong- glocke zum Abendbrot, und ich sehe die Augen der Dame über chr Buch hinweg fragend auf mich gerichtet. »Was haben Sie?" „Es ist gut, daß wir Metzger haben, die uns das Fleisch her- richten," erwiderte ich bestürzt und errötet«. „Wann wird zum erstenmal die Einrichtung vorgenommen worden sein." fahre ich fort,„daß Metzger, Koch und Gärtner uns die Mahlzett vorbereitet haben?" und werde noch mehr verwirrt. Ich will auf die Ameisen deuten und ihre Deute, aber eben schreitet die Magd vorbei, und ihr breiter Fuß zertritt alles. Hruß an Ernst Toller. Don Joseph us. Sett drei Tagen ist Ernst Toller in Berlin, der Dichter der .Maschinenstürmer" und des„istnkematin", ein erfolgreicher Drama- ttter. ein Lyriker von Kraft und Inbrunst und— was uns mehr bedeutet: ein Märtyrer für das Proletariat, d-r fünf Jahr« in jener bayerischen Festung gesessen hat, die noch„Nieder- schönenfcld" heißt und inoffiziell in allen anständigen Ländern Europas die deutsch« Kulturlchande genannt wird. Wären wir noch in der Laze. uns den„Luxus eines Kullurgewissens" zu leisten, dann wäre heute(trifft Toller"nicht der einzige lebendig der bayerischen Justiz Enironncne. dieser Justiz, die so wenig eine„irdische Gerechtigkeit" handhabt, daß man stch wundern muß, wenn man eines ihrer Opfer noch auf irdischen Pfaden wandeln sieht. Es ist eine geradezu mm- physische Justiz: fchickrc si« dach Ludendorfs in die Walhalla und un- zählbare Prcletaner ins Jenseits! Deshalb grüßen wir in Toller «inen Auferstairscnen. Eine Wiederkehr aus bayerischer Gesangen- schaft ist ebenso wunderbar wie ein« Auferstehung. Man kommt, ihn zu bestaunen. Die Presse ist so gedrängt in semer Nähe, daß sich seder emzeln« Schmock auf seine eigenen Hühner- äugen tritt. Ach! es ist dieselbe Press«, die stch gar nicht danach gedrängt hat. gegen dl« bayerische Festungshast zu schreiben: dieselbe Presse, die ein Verbot in Bayern mebr fürchtet, als sie ein„Intcr- view" mit Toller ersehnt: diese Presse, die sich alles leisten kann- Photographen, Zeichner. Berichterstatter— nur nicht eines: den Muü Was ihr an dieser Eigenschaft abgeht, ersitzt st« durch Zudringlichkeit. Und so kann man seit drei Tagen sihen, w!« fix dl« deutsche Jrmr- nalistst ist. wenn»in« das Gefängms verläßt. Aber sÄt s�- Eine faule Segrünöung. Hamm über die Zollvorlage. Der Reichswirtschastsminister Hamm sieht sich genStigt, in einer Unterredung mit dem Vertreter der»Kölnischen Zeuung" die Gründe jür die Haltung seines Amtes zur Z o l l- vorläge bekanntzugeben. Liest man den Inhalt der langen Ausführungen, so erhält man den Eindruck, daß die Regierungsstellen miteinander ein Komplott eingegangen sind� um ihre eigenen Forderungen zu diskreditieren. Ist schon schriftliche Begründung der Zollvorlage ein Ku- riosum, so sind die Mitteilungen Hamms gerade das Gegen» teil einer sachlichen und stichhaltigen Beweisführung für die Notwendigkeit der Vorlage. Der Reichswirtschaftsminister behauptet, die Vorlage fei notwendig zum Abschluß von Vertragsverhandlungen, die Deutschland den Weg zum Weltmarkt gegen die Schutzzoll- Politik anderer Mächte eröffnen solle. Herr Hamm erspart sich die Mühe, auf den wesenllichsten Einspruch einzugehen, der gegen diese Auffassung bereits vorgebracht wurde. W i r haben ja einen Zolltarif, der Handelsvertragsver- Handlungen zugrunde gelegt werden kann. Es ist der alte Zolltarif von 1902. der sogar mit einigen Verschärfungen für Industriewaren in Gellung ist und der vollkommen ausreichen würde, um als Grundlage für Verhandlungen mit Auslands- staaten zu dienen. Weshalb daher die Regierung anstatt einer Ermächtigung zu Verhandlungen aus der geltenden Grundlage nachzusuchen, sich für zwei Jahre die Ermächtigung geben lassen will, diese Zölle auf dem Wege der vereinfachten Gesetzgebung abzuändern, ist nirgend ersicbllich. Sollten für diesen Zweck wirklich einzelne neue Zollfestsetzungen not- wendig fein, so konnte die Regierung diese verlangen; es be- steht aber kein Grund, mit dem Dorwande der Außenhandels- Politik zollpolitische Forderungen zu stellen, die weit über o i e s e s Ziel hinausgehen. Herr Hamm deutet auch an, daß man noch weitere Zollsätze mit Hilfe der angestrebten Ermächtigung erhöhen will. Die Wünsche, die hier von den Interessenten geltend gemacht werden, sind für die äugen- blickliche Lage überhaupt ohne Delang, da ja das Loch im Westen noch offen ist. Es bleibt also Zeit genug, eine weiter- greifende Regelung der Zollfrage vorzubereiten. Wir sind durchaus nicht Gegner von Zöllen, die den Handelsverträgen zugrunde gelegt werden. Der Abschluß solcher Verträge ist in der Tat die einzige Grundlage für eine freie Handelspolitik, die die internationalen wirtschaftlichen Beziehungen fördert. Weshalb man hier aber Dinge, die nicht zusammen- gehören, miteinander verquickt, ist nicht ersichtlich, wenn man nicht die politischen Hintergründe der jetzt ange- bahnten Zollpolitik durchschaut. Keinesfalls jedoch ist zum Abschluß der Handelsverträge die Aufrichtung des G e t r e i d e schu tz z o lle s und seine sofortige Inkraftsetzung erforderlich. Für die meisten Staaten, die gegen Deutschland einen besonderen Zollschutz aufgerichtet haben, kommt der Getreidezoll als Objekt von Hanoelsoer- tragsverhandlungen gar nicht in Betracht. Diese Staaten haben vielmehr ein erhebliches Interesse an dem Absatz ibrer In- dustrieprohukte. Eine bevorzugte Behandlung deutscher Waren in Amerika wird durch die Wiedereinführung des Ge- treidezolls erst recht nicht zu erreichen fein, da die Ver- einigisn Staaten ein viel zu geschlossenes Wirtschaftsgebiet darstellen, als daß sie auf den immittelbaren Setreideabfatz nach Deutschland angewiesen wären. Aus all diesen Gründen besteht gar keine Veranlassung, jetzt um handelsnolstischer Ziele willen dem Boll das Brot zu verteuern. Das, was das Reichswirtschaftsministerium jedenfalls zu der Vorlage vorbringt, find nur faule Ausreden für das mißratene Werk der Zallvorlage anstatt einer sachlichen Begründung, auf die das Volk noch vergeblich wartet und wahrscheinlich immer vergeblich warten wird. Jahren erleben wir«s zweimal täglich wie stumm sie ist, wenn einer ins Gefängnis gelangt; und wie totenstill, wenn Proletarier massakriert werden. Sie ehrt den sozialistischen Tod durch Schweigen. Ernst Toller steht nicht wie ein.weltfremder Schwärmer" aus. Es ist Ensogi« in seinem dunklen, jüdischen Gesicht,«r hat den Blick eines Beobachters, nicht den eines versonnenen Träumers. Er spricht und formuliert schnell. Es ist Festigkeit in seinem Wesen, in seinem Gesicht der Skeptizismus des Erkennenden und die Hbffnung des Gläubigen. Gedanken, Hoffnungen, Emtäuschungen, Energien hat er fünf lang« Jahr« komprimiert. Plötzlich erlebt er die Freiheit, die immer ein Wunder ist, auch, wenn man st« erwartet und sich auf sie vorbereitet. E, gehört ein« groß« Kraft dazu, sich auf Sachlichsten zu konzentrieren, Red« und Antwort zn stehen, wo di« Fragen so banal, so unwürdig sind, so gedankenlos, so schablonenhaft, wi« sie frei herumlausende, außer Festungshaft befindliche Journalisten her- vorbringen können. Ich gestehe, daß ich mit Toller kein.Interview" gehabt habe. Auf di« Frage: Wie geht es Ihnen? hätte er mir mit Recht antworten können: Ihnen gesqgt— solang« Mühscnn in der Hast stirbt!..., �. Und so gilt dies« Gruß an den befreiten Ernst Toller— feinen gefangenen Genossen. Von ihnen weiß der Dichter oiel mehr zu erzählen, als von sich selbst Erich Mühsam ist nicht mehr fähig,«m halbes Jahr Festungshaft lebend zu überstehen. Aber es ist auch nicht leicht möglich, ihn zu retten. Und so werden wir, so wird Europa zuschen. wi« ecn Unschuldiger langsam zu Tode g«- fa l te r t wi r d. Niemand regt sich darüber auf. Alz Toller vor- gestern im Restdenztheater zum erstenmal seinen„Hinkemann" sah und am Scheuß über die Qualen semer Mitgefangencn sprach,— wer war da von der Presse anwelend? Die Theaterkritiker der bürg«r< lichen Blätter, die aus ein Drama, wie.Hinkemann", well es prole» tarisch« Schmerzen behandelt, den großen Bannfluch de« Berliner Kritikerverbandee schleudern und aus gekränkter Ae th'tmkehle:„Ten- denzt Tendenz!" schreien. Wo aber b beben die Leitartikler? Frei- lich— die Begeisterung der Zuschauer war grenzmlca.€>'« galt dem Stück dem Dichter, den Gefangenen in Nisderschonenfeld. Aber gültig ift hierzulande nicht die Stimm« des Volles. Ueber ein Stück ent- scheiden die Kritiker, über Leben und Tod der deutschen Dichter di« Justiz celdwebel. Im Rechtsausschuß des Deutschen Reichstages sprach Toller am nächsten Tage über die bayerstche Justiz. Aber nur ein Demokrat kam und hörte zu. All« bürgerlichen Parteien blieben zu Haus«. Wie? Fürchteten sie«in« menschliche Regung? Hotten si« Angst vor der Erschütterung des so unwahrscheinlich widerstandsfähigen Ge- wifsens? Si« erinnern an d>« Anekdote von jenem Kapitalisten, der feinen Dienern zurief, als ihn ein verhungerter Bettler besuchte: .Schmeißt ihn hinaus!— Er bricht mir sonst da« Herz!" Man möchte nicht gerne«inen befreiten Dichter begrüßen mit der Mahnung: Sie reden tauben Ohren. Ihr Genosse Mühsam leidet an Lrterwstleros« Es rst die deutsche Krankheit. Ernst Toller! Die Gehirnverkallung grassiert! Erich Mühsam ist in d-r Gefangenschaft taub geworden! Aber di« bürgerlichen Politiker sind schon längst taub gewesen! Indem wir Sie grüßen, weinen wir, Dichter Toller!... Die väffetdorfrr»vnstcwsstell«»». dl? in int Sr» de» Kölner M e l! e b a i l e n geben muhte, da der Kunstpalast in Dusseldors von der ffcnzöfi'chen Beladung beschlagnahmt worden ist. ist gestern durch den Kölner Oberbürgermeister Adenauer feierlich eröffnet worden. Zßr Keiegsbeschäölctte und Erwerbslose. Die Sozialpolitik im Reichshaushaltsausschuh. Der Reichshauehaltsausschuß beschäftigte sich in seiner Sitzung am Sonnabend mit den Beschlüssen de» Sozialpolitischen Ausschusses und des Ausschusies für Kriegsbeschädigtcnsragen. Reichs- finanzminister Dr. Luthe-r erklärte nach einem Ucberbltck über die Lage des Haushalts der Finanzen und der Reichskass«, daß die Regierung bestenfalls 60 Millionen Mark über di« im Haushall bereits verfügten Mittel flüssig machen könne, was bedeute. daß die vorliegenden Anträge angenommen werden könnten, mit Ausnahme des Antrags des Kriegsbeschädigten- o u s s ch u s s e s, sowell er ein« nachträgtich? Aufwertung der an die Kriegsbeschädigten mit 20 Proz. Erwerbsbe- schränkung gezahlten Abfindungssummen vorsehe. Hier handell es sich nicht um Abstellung eines schweren Notstandes, die hierfür erforderlichen IS Millionen ständen nicht zur Verfügung. Der Minister fand Unterstützung bei dem Vertreter des Zentrums, während ihm die Vertreter der Sozialdemokrat!« und der Deutschen Bslkspartei lebhaft entgegentraten. Ein Antrag, di« Frage auf«inen späteren Zeitpunkt zu vertagen, wurde mit 11 Stimmen der Sozial- demokraten, Kommunisten, Deutschen Volkspartei und Deutfchvölti» schon abgelehnt. Trotz der energischen Erklärung de« Fmanzministers, daß die Regierung außerstande sei, für diese Angelegenheit schon jetzt Mittel zur Verfügung zu stellen, wurde die Abfindung mit IL gegen io Stimmen beschlossen. Dafür stimmten die Sozialdemokraten, die Kommunisten, die Deutschvöllischen und— die Deutschocllksparteiler. was den Finanzmtnister zu erregten persön- lichen Auseinandersetzungen mit den Vertretern der Deutschen Bolls- partei veranlaßt«. Die Beschlüsse des Ausschusse» für Kriegsbe. schädigtensragen sind damit sämtlich gutgeheißen worden. Im übrigen drehte sich der Kampf um die Gestaltung der Er- werbslosenunterstützung. Der Sozialpolitisch« Ausschuß hatte«ine Erhöhung von 20 Proz. beschlossen. Die Sozialdemokratie trat vor allem für eine ErhöhungderFamiltenzuschläge sehr wirksam ein. Zugestanden wurde schließlich eine Erhöhung von 40 Proz., jedoch mll der Maßgabe, daß die Parteien dazu Deckung»- antrage stellen sollen. Damit wird sich der Haushallsausschuß am Montag befassen. Die Anträge des Sozialpolitischen Ausschusses zur Wochenhilfe und Invalidenversicherung fanden Zustimmung. veutstbnationale und öeamtenabbau. Aus dem Landtag wird uns geschrieben: Die Lcmdtagssttzung vom Freitag schloß mit einer Enthül» lung der deutschnationalen Wünsche über de» Beamtenabbau. Der Landtag hatte die sozialdemokratischen Anttäge auf Aufhebung der preußischen Personalabbauverordnung mit von anderen Parteien gestellten Anträgen an den Beamtenaus- fchuß verwiesen. Der Ausschuß hatte am Donnerstag abend be- schlössen, die Verordnung zwar nicht aufzuhben, aber er nahm ein« Entschließung cm, wonach die Staatsregierung dem au« politischen Gründen vorgenommenen und beabsichttgten Abbau von sozialdemokratischen Oberbürgermeistern durch di« reaktionären Stadtverordnetenversammlungen entgegentreten soll. Genosse Hirsch beantragte deshalb die Sitzung des Landtages um ein« Stunde zu vertagen, damll dieser Ausschuh- beschluß noch angenommen werden kann. Während der Vertagung sollte der Beschluß verteill werden. Der Antrag auf Dertagung wurde auch angenommen. Da aber die Drucksache zur Feststellung der Tagesordnung noch nicht.vorlag, genügte der Einspruch eine» einzigen Abgeordneten, um die Festsetzung der Tagesordnung mit dem Berichts, des Beamtenausschusses zu verhindern. Den Einspruch erhob der, wie er sich selber nannte, Leamtenvertreter Ebersbach mit feiner deutschnationalen Fraktion, Darauf beantragte Genosse Hirsch«ine neu« Sitzung mit dieser Tagesordnung am nächsten Donnerstag abzuhalten. Für diesen Antrag ergab sich aber kein« Mehrheit im Landtag«. Herrn Ebersbach gebührt der Ruhm, di« Ausnutzung der Per- sonalabbauverordnung zur Beseitigung mißliebiger Beamter ver- teidigt zu haben. Nicht allein durch den Widerspruch, sondern auch dadurch, daß er die Drucklegung des Ausschuh» beschlusses verhindert hat. Infolge der Geschäftsord- nungsdebatte war genügend Zell vorhanden zum Druck de» Antrages. Herr Ebersbach ließ sich aber als Berichterstatter den Antrag, wozu er wohl berechtigt war, noch einmal vorlegen. Er verzögerte aber die Rückgabe so lange, daß der Druck unmöglich wurde. Warum«r da» tot. ging au« einer Bemerkung hervor, die er zur Geschäfts- ordnung machte. Er sagte: .Sie wollen die sozialdemokratischen Oberbürgermeister er- halten, wir aber wollen sie beseitigen." Das also war der Zweck der Handlung. Mll so schoflen Mitteln wird die gesetzwidrige politische Ausnutzung der Abbauoerordnung durch reaktionär« Stadtverordnete gefördert. Das kennzeichnet die Gesinnung dieser Sorte von Beamtenvertretern. Dabei war es Herr Ebersbach selber, der am 21. Februar d. I. im Landtage erklärte: „Es besteht aber die Gefahr, daß mll diel« Notverordnung politisch«r Mißbrauch getrieben wird/ Cr hat es vorausgesehen und vorausgesagt! Nur daß w keinem Falle di« Linksmehrheiten in den Stadtverordnetenversammlungen ihre Macht zu politischem Mißbrauch des Beamtenabbaues au«> nutzten. Diese unerhörte und freche Beugung de« Rechtes blieb den vorübergehend zur Macht gekommenen Angehörigen der Rechts- Parteien in den Gemeinden vorbehalten. Und diese Herrschaften verschleiern diesen Rechtsbruch nicht einmal, sondern rufen es noch mit zynischer Osfenhell in di« Well hinaus. Dies« Sorte von Machtpolititern ist so brutal, wie sie es unter Wilhelm dem Ausgerissenen sein konnten, auch heute noch. Wo sie nur können, bauen sie die Repubüt ab. Deshalb müssen sich alle demokratisch Gesinnten mll um so größerer Kraft für die Erhaltung der Demokratie einsetzen._ Die Beschaffung von Agrarkrediten. Auf der am Freitag in Berlin stattgefundenen Ernährung«» ministerkonserenz stand im Dcrdcrgrund der Beratungen die Frage der Kredite für die Landwirtschaft. E- sind, wie der „Sozialdemokratische Porlamentsdienst" in Ergänzung des amtlichen Berichtes erfährt, zunächst nur 100 Millionen zur Verfügung gestellt worden. Sie reichen nach der Auffassung der moßgeden- den ötell« zur Finanzierung der Ernte nicht aus. Es besteht jedoch die Hoffnung, daß bald ein neuer großer Kredit bereitgestellt wird, Zur Ermäßigung des Zinssatze» wird der Reichsernährungsminister noch besonder« Verhandlungen mit der Reichsbank führen. Im Streit über den Derteilungsmodus sind di« Vorschläge Preußens durchgedrungen: vi« Verteilung erfolgt jetzt üoer die Länder und von diesen aus an die verschiedenen landwirtschaftlichen Kredit» institute, Genossenschaftskassen, Landschaften usw. Berührt wurden auch die viel umstrittenen Fragen zur Umgestaltung der landwirtschaftlichen K re di t o r g y n i s a t i»n e n. Der Plan eines selbständigen Vorgehens der Länder in dieser Frag« wurd» vorläufig aufgegeben. Geplant ist ein einheitliches Vorgehen zur Erlangung von Inlands- und vor allem von Auslandskredit. Dieser ist jedoch nach Auffassung der maßgebenden Stellen erst nach einer günstigen Regelung der Reparationsfrage denkbar. Gegenwärtig ist bereits eine Zentrolagrarkredlt stelle im Entstehen begriffen. Sie soll zunächst als Ersatz für die weiter- gehenden Plan« hinsichtlich der Umgestaltung d«r Rentenbank dienen, die von der Entente nicht gebilligt wurde. Kommunistische parteibefekle. Di« Scholem-Iünger in der KPD. scheinen sich an manchen Orten direkt zu überschlagen. Die kommunistische„Rote Fahne des Ostens" bringt es wirklich fertig, einen sogenannten„Partei. befehl" der ostpreußischen Bezirksleitung der KPD. zu veröffent» lichen, in dem man folgende Anweisung«» für den täglichen Um- gang mll den Mllmenschen findet: „Jeder Kommunist als Stadtverordneter oder Mitglied hat seinen Klassenseiod als persönlichen Gegner zu behandeln. Wo ein« bürgerliche Veranstaltung stattfindet, die politisch für das Bürgertum wirbt, haben alle Kommunisten fernzubleiben oder die dafür von der Parteileitung herausgegebenen Anweisungen zu befolgen. Jeder Umgang mit sozialdemokratischen Angestellten, auch in den Gewerkschaften, hat den Charakter des politisch scharfen Kampfes gegen die Gewerkschoftsbureoukratts überhaupt zu tragen. Ein persönlich fteuodschafkliches Verhältnis gibt es mll diesen Klassen- feinden nicht." Mit diesem neuen Knigg« in der Hand werden die KPD.» Gläubigen in Oftpreußen hoffentlich well kommen. Schließlich hat die hohe Bezirksleitung nicht unrecht. Wenn schon das Rowdytum zum politischen Prinzip erhoben wird, dann ist nicht recht einzusehen, warum es nicht auch auf private Beziehungen Übertrogen werden soll._ Milde Richter in öapern. Ei« freisprach. ZNüuchea, 19. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Bor dem Schöf- fengevicht in Würzburg hatte sich dieser Tage der Strohhülse.r» fabrikant Johann A s ch e r l wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik zu verantworten. Er nannte in einem Eisen- bahnabteil anderen Reisenden gegenüber den ermordeten Erzberger einen meineidigen Schuft. Lumpen und Betrüger, der das deutsche Volk um 16 Millionen Mark betrogen habe, und den ermor- beten Rathenau bezeichnete er als Judensau: alle, diese Lumpen müßten weg usw. Vor Gericht suchte der Angeklagte seine damals gebrauchten Aeußerungen abzuschwächen, doch wurden sie durch Zeugenaussagen einwandfrei nachgewiesen. Der Staatsanwalt war der Ansicht, daß zwar eine öffentliche Beschimpfung vorliege, doch sei die ollgemeine sehr gereizte Stimmung damals(im Juli 1923) in Betracht zu ziehen, so daß die M i n d e st st r a f e von 3 Monaten Gefängnis mit voller Bwährungsfrist am Platze sei. Die Richter waren aber noch milder und sprachen den Angeklagten frei. Sie begründeten ihren Freffpruch damit, daß die von dem Angeklagten gebrauchten Ptoriö wohl als Beschimpfung betrachtet werden könnten, aber es fehle bei dem Eisenbahnabteil der Begriff der Oeffentlichteit. Es sei nur ein bestimmter Per- sonenkreis vorhanden gewesen. Wie man sieht, haben die Schöffengerichte in Bayern von den Dolksgerichten schon viel gelernt, Um die verfaffungsänderung. Die Vorarbeit für die bayerische Monarchie.• München, 19, Juli,(Eigener Drahtbericht.) Trotzdem sich die Mehrheit de» bayerischen Volkes im Frühjahr d. I. gegen die Aenderung der republikanischen Verfassung ausgesprochen hotte, indem es den Volksentscheid der Bayerischen Volkspartei ablehnte. oersucht dieselbe Partei nunmehr im neuen Landtag ewe Ver- faflungsänderung zu erreichen. Zu diesem Zweck muß sie zuerst esn« Aenderung de»§ 92 der Verfassung surkunde durchsetzen, der in noch schärferer Weise wie der entsprechende Artikel der Reichsverfassung für verfassungsändernde Gesetze eine qualifizierte Mehrheit des Parlamente verlangt. Der Antrag der Bayerische» Voltspartei auf Aenderung dieses§ 92 wurde am Samstag im Berfa ssungsausschuß de» Landtag» beraten. Aber entgegen den Erwartungen der reaktionären Koalitionsmehrhell ließen sich die Völkischen nicht ein- fangen und stimmten gegen den Antrag. Dieser wurde dennoch im Ausschuß mll einfacher Mehrhell angenommen. Im Plenum wird er fallen, da zu seiner Annahme eine Zwo-idrittelmehr-. h e i t notwendig ist._ Strafantrag de? Reichswehr. Breslau, 19. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im vorigen Jahrs veröffenttichte die„Breslauer Volksmacht" mehrer« Angriffe gegen den Reichswehrminister wegen der Beziehungen zwischen schlestschen Reichswehrsoldaten und privaten, bewaffneten Ocgani- sationen, die vom Reichswehrministerium oberflächlich abgeleugnet wurden. Vergebens verlangt« unser Parteiblatt damals wiederHoll, der Reichswehrminister möge Beleidigungsklage erheben, damit di« Behauptungen vor Gericht bewiesen werden könnten. Das Reichswehrministerium schwieg sich aus. Jetzt, nach über einem Jahre, wird endlich«in Strafverfahren gegen die„Volks- wacht" eröffnet, nachdem in der Zwischenzeit die Möglichkeiten eines Wahrheitsbeweises für di« vorjährigen Vorgänge natürlich geringer geworden sind. Aber auch jetzt noch scheint man diesen Wahr» heitsbeweis zu fürch'en, denn es ist nur ein einziger Satz aus einem Artikel unseres Parteiblattes unter Anklage gestellt worden, der«in« formale Beleidigung Geßlers entHallen hat. Es besteht somll di« Gefahr, daß«in Wahrheitsbeweis von dem Gericht über- Haupt nicht zugelassen wird. Kein badisches flrbeitsminifterium mehr. Minister Engler soll Leiter der Gelverbeaufsicht werde«. Karlsruhe, 18. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Dem badischen Landtag ist ein Gesetzentwurf zugepangen. räch dem das badisch« Arbeitsministerium ab 1. Oktober 1924 aufgehoben unh sein« Geschäftsangelegenheiten dem Minister de? Innern, dem Genossen Reinmele, überwiesen werden. Der bisherig« Arbeitsminister Genosse Dr. Engl er wird zum Präsidenten des Gewerbe» aufsichtsämts ernannt und ihm die Leitung und Verwaltung des gesamten Arbeiterschutzes, der Tanffverträg«, des Schlichtung-- wesens, der Wohlfahrtspflege sowie die Versicherungsgesctzgebung und di« Durchführung des Bersicherungsordnungswefens übertragen. Dadurch erhält das Eewerbeaufsichtsamt die Bedeutung, welche di« bodische Fabritinspettipn vor dem Kriege hatte. Nur die Wosser- und Straßenbaudirektion ist dem Finanzministerium übertragen worden. Alle« übrige bleibt beim Gewerbtaussichtsamt. Die rechtsstehenden Parteien haben seit Monaten eme form- lich« Hetz« gegen das Arbeitsministerium entfallet und fein« so, fortige Aufhebung im Landtag beantragt. Nun haben ihnen di« Koalitionsparteien durch die vorstehend angegebene Regelung den Wind au» den Segeln genommen. Es besteht kein Zweifel, baß der Gesetzentwurf angenommen wird. Bewerkschaftsbewegung Unterstützt die Kurzarbeiter! Der Reichstagsausschuß für soziale Angelegenheiten hat in einigen nicht unwesentlichen Punkten, den sozialdemokratischen Anträgen folgend, Verbesserungen der Erwerbslosenfürsorge beschlossen. Völlig ablehnend hat sich die Mehrheit nach wie vor der Forderung gegenüber verhalten, die Unterstützung der Kurzarbeiter, die heute in das Ermessen der Länder gestellt ist, wieder wie früher zu einer allgemeinen reichsgefeglichen Pflicht zu machen. Man könnte, wenn eine allgemeine Erwerbslosenunterstützung noch nicht bestände, gegen die reichsgefeßliche Unterstützungspflicht vielleicht den Grund oder Vorwand geltend machen, daß für Gebiete mit geringer Arbeitslosigkeit die Aufstellung des Berwaltungsapparats zu umständlich und kostspielig sein würde. Sonstige Gründe, Kurz-. arbeiter, weil sie in geringerer Zahl in einem Land vorhanden find, gegenüber den Gebieten mit Massenfurzarbeit zurückzusetzen, fönnen aber doch nicht gelten. Die wirtschaftliche und förperliche Berelendung des Kurzarbeiters wird dadurch nicht hintangehalten. Wo die Kurzarbeit aber Massenerscheinung ist, wie das nach den letzten statistischen Aufnahmen schon für weite Gebiete, namentlich in der Metall-, der Tabat- und der Schuhindustrie gift, fann von einer Ablehnung der Unterstützung sicher nicht die Rede sein. Der Spruch erhöht die Spanne zwischen dem ungelernten| 30. Juni geht hervor, daß 1830 Beiträge à 25 und 9207 Beiträge Arbeiter und dem qualifizierten Handwerker auf 23 Bf. Dieser à 50 Pf. während dieser drei Monate gezahlt worden sind und für Schiedsspruch ist für Berliner Berhältnisse unverständlich, Beitragsfarten. 292,70 m. vereinnahmt wurden. Das ergibt bet da am Tage vorher dieselbe Instanz für Kiel einen Stundenlohn 13 Beitragswochen 849 vollzahlende Mitglieder und, wenn man anfür ungelernte Arbeiter von 49 Pf. festsette gegen 44 für Berlin! nimmt, daß durchschnittlich nur 10 Beiträge im Vierteljahr geleistet Er ist ein Fauftschlag in das Geficht der städtischen Arbeiter. Es ist wurden, ganze 1103 Mitglieder, also eine lächerlich geringe Zahl. faum anzunehmen, daß die städtischen Arbeiter sich mit diesem Spruch zufrieden geben werden. * Bom Nachrichtenamt der Stadt Berlin wird die Darstellung über Löhne und Leistung der Gemeindearbeiter, die der Vorwärts in Nr. 321 veröffentlichte, bestritten. Besonders wird bestritten, daß die Löhne der Kämmereiarbeiter im Durchschnitt nur 70 Proz. oder nach den einzelnen Gruppen für den ungelernten 66 Proz., für den angelernten und Handwerfer 70 bzw. 75 Proz. der Borfriegslöhne( Juli 1914) betragen, und es wird behauptet, daß die augenblicklichen Stundenlöhne die Vorfriegslöhne erreicht und teilweise überschritten haben. Demgegenüber sei erneut festgestellt, daß das Nettoein kommen des städtischen ungelernten Arbeiters zur Zeit 20 Mart pro Woche beträgt, während derselbe Arbeiter im Jahre 1914 27,70 mart bis 32,70 Mart netto per diente. Im Betriebe der Straßenreinigung, für den zur Zeit eine 48stündige Arbeitszeit besteht, wurde dieser Lohn 1914 bei 51stündiger Arbeitszeit erreicht. Der Magistrat weist in der Zu schrift weiter darauf hin, daß die Arbeiter dort, wo sie Gedingearbeit verrichten, den Friedenswochenverdienst erreichen. Von den arbeit verrichten, den Friedenswochenverdienst erreichen. Bon den zirka 16 000 Beschäftigten kommen hierfür aber im Höchstfall 100 bis 150 Personen in Frage. In der Darstellung vom 11. Juli 1924 ist besonders darauf hingewiesen worden, daß in allen Betrieben troh der achtstündigen Arbeitszeit eine wesentliche Verringerung der Belegschaft eingetreten ist. Trotzdem werden von den Arbeitern mindestens die gleichen Leistungen verlangt und auch erbracht wie im Jahre 1914 bei neun Gewiß werden die Kurzarbeiter, die nur einen verhältnismäßig Pleinen Ausfall an Arbeitsstunden haben, in der Regel noch nicht so schlecht gestellt sein wie die Vollerwerbslosen. Es darf aber nicht vergessen werden, daß die Ausübung der Arbeit Aufwendungen für Fahrgeld, Kleidung und Zehrung erfordert, die den gänzlich Arbeits- stündiger Arbeitszeit. Iofen nicht so treffen. Auch pflegt die Berücksichtigung des Familienstandes, die bei der geringen Erwerbslosenunterstützung unabweisbar ist, bei der Bemessung des Arbeitslohns feine oder nur eine nebensächliche Rolle zu spielen. So kann es tatsächlich dahin kommen, daß bei Berücksichtigung aller Aufwendungen und Abzüge ein Kurzarbeiter noch ungünstiger dasteht als der Bollerwerbs Iofe. Bedenkt man die Ersparnisse an öffentlichen Aufwendungen für Kranken-, Armen-, Strafrechtspflege u. a., die eine rechtzeitig vorbeugende Ausgleichsaufwendung mit sich bringt, bedenkt man die dringende Notwendigkeit der gemeinsamen Tragung von wirtschaft licher Not, die heute, bei steigenden Miet-, Milch- und Brotpreisen, besonders dringlich ist, dann muß man verlangen, daß die Forderung der Kurzarbeiterunterstügung, die von der gesamten Arbeiterschaft erhoben wird. im Plenum des Reichstags die gebührende Würdigung erfährt. Ein unverständlicher Schiedsspruch. Der Zentralausschuß für Streitigkeiten zwischen dem Arbeit geberverband der deutschen Gemeinden und dem Verbande der Gemeinde- und Staatsarbeiter fällte gestern unter Auf hebung des Schiedsspruches der ersten Instanz in der Lohnstreitsache der Berliner Gemeindearbeiter( Kämmereiarbeiter) nachstehenden Schiedsspruch: Mit Wirkung ab 1. Juli merden die Löhne wie folgt erhöht: Ungelernte Arbeiter 44 Pf., angelernte 50 Pf., ge= Iernte 61 Pf. die Stunde. Die bisherigen Spannen der übrigen Gruppen werden im gleichen Verhältnis aufrecht erhalten. Das bedeutet, daß die qualifizierten Handwerfer einen Stundenlohn von 67 Pf. erhalten. Die Löhne der weiblichen Arbeitskräfte betragen nach dem Schiedsspruch ungelernte 34, angelernte 38 und qualifizierte 45 Pf. Der Schiedsspruch bringt für ungelernte Arbeiter, die etwa zwei Drittel der 3016 000 Kämmereiarbeiter ausmachen, eine Lohnerhöhung von einem Pfennig die Stunde; für die angelernten, die ein Sechstel der Belegschaft bilden, zwei Pfennig, für die qualifizierten Arbeiterinnen drei Pfennig und für die beiden Handwerfergruppen vier bzw. fünf Pfennig. Der Spruch der ersten Instanz gab den ungelernten, angelernten und den gelernten Arbeitern 4 Pf. die Stunde, den quali fizierten Handwertern 5 Pf., den Arbeiterinnen 3 bzw. 4 Pf. Die Parteien haben sich innerhalb einer Woche über Annahme oder 2b Tehnung zu erklären. 5 Montag letzter Tag srael BERLIN C. KONIGSTRASSE SPANDAUERSTR. Wenn der Magiftrat in seiner Zuschrift sagt, daß es unmöglich ist, alle vier Wochen wie in der Inflationszeit eine Lohnerhöhung zu bewilligen, so ist darauf zu erwidern, daß die Gemeindearbeiter durchaus nicht den Wunsch haben, allmonatlich Lohnverhandlungen zu pflegen. Solange aber die Gemeindearbeiterlöhne sich auf der heutigen Bafis bewegen, wird eine Beruhigung und Befriedigung der städtischen Arbeiter nicht eintreten. Die gegenwärtige Haltung des Magistrats in der Lohnfrage bietet teine Möglichkeit, ohne fortgesetzte Lohnverhandlungen auszukommen. Immerhin halten wir es für ausgeschlossen, daß der Magistrat dem vorstehenden Schiedsspruch zustimmt, der die Berliner Gemeindearbeiter in ihrer Entlohnung schlechter stellt als ihre Kollegen einer mittleren Stadt. Kommunistische Mache. Am 17. Juli fand bei der Firma Lorenz eine Betriebsverfamilung statt, die ganz nach kommunistischem Muster aufgezogen war. Aus den einzelnen Betrieben waren Obleute abfommandiert, um einen Bericht über die Wirtschaftslage ihrer Betriebe zu geben. Danach erhielt ein gewisser Hesse, Bertreter des kommunistischen Industrieverbandes der Metallindustrie das Wort. Er sollte die Aufgabe haben, der Belegschaft auseinanderzusehen, warum es notwendig wäre, fich der vorgenannten Organisation anzuschließen. " Heffe hielt die übliche kommunistische Schimpfrede. Der anwesende Bevollmächtigte des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Genosse Urich, hatte es leicht, die haltlosen Behauptungen des Schwägers Hesse zu entkräften. Bezeichnenderweise verschweigt die Rote Fahne" in ihrem phantastisch aufgepuzten Bericht gerade einen sehr interessanten Fall der Betriebsversammlung, wo Urich auf Aufforderung des Hesse dessen erbärmliches Verhalten während seiner Tätigkeit als Betriebsrat bei der Firma Lorenz schilderte. Hesse hatte den Direktor persönlich um eine Aussprache unter vier Augen gebeten und dem Direttor, eingestanden, ihm in einer früheren. Besprechung die Unwahrheit gesagt zu haben. Hesse ist ja im allgemeinen ein sehr würdiges Pendant feines anderen revolutionären Kollegen Leo Ostrowski. Es wird den Lesern des Vorwärts" noch befannt fein, welche Heldenrolle Ostrowski im Streit der Firma Sche bera gespielt hat. Ein deutscher ,, Sieg". Kaffowitz, 19. Juli.( WTB.) Nachdem die polnische Regierung cuf Grund der Untersuchung der Interministeriellen Kommission eine Verlängerung der Arbeitszeit in Oberschlesien als unbedingt notwendig anerkannt hat, ist für alle Kategorien der polnisch- oberfchlesischen Hütten von der polnischen Regierung im Verordnungswege eine Verlängerung der Arbeitszeit um zwei Stunden zugelassen worden. Als gestern die Bekanntgabe im Hüttenrevier Rodzin- Schoppiniz erfolgte, tam es zu lebhaften Rundgebungen. Die gesamte Belegschaft der Uthemann-, Bernhard und Paulshütte hat heute die Arbeit nicht wieder aufgenommen, sondern demonstrierte vor dem Verwaltungsgebäude. Die Organifationsvertreter wurden nach Rodzin berufen, um die Arbeiterfchaft zu beruhigen. Inzwischen ist es auch gelungen, die Arbeiterschaft teilweise wieder zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen. Schwientochlowitz, 19. Juli.( WTB.) Die Direktion der Falvahütte hat für heute und für Montag Feierschichten eingelegt, um am Dienstag mit der Einführung des Zweischichtensystems zu be= ginnen. Die gesamte Belegschaft hat daraufhin beschlossen, das Wert zu verlassen. Die Notstandsarbeiten werden von den Beamten ausgeführt. Aehnliche Borgänge fpielten fich auf der SilefiaLipine- Hütte ab. ( Diese Verordnung war vorauszusehen. nachdem durch einen fener berüchtigten Schiedssprüche", die Herr Dr. Brauns in Genf mit jesuitischer Rabulistit als" Tarifverträge" erklären ließ, vor Monaten in Deutsch- Oberschlesien die Arbeitszeit gleichfalls um zwei Stunden verlängert wurde. Nach der Logik der Unternehmer und der Reichsregierung müßte jetzt in Deutsch- Oberschlesien die Arbeitszeit wieder verlängert, die Löhne noch weiter herabgesetzt werden. Angekündigt wurde dies schon.) Der Lohn der Maler Groß- Berlins beträgt ab 18. Juli pro Stunde 90 Pf. Bauarbeiteraussperrung in Leipzig. Da die Einigungsverhandlungen im Baugewerbe, die in Dresden stattgefunden haben, gescheitert sind, haben die Leipziger Bauunternehmer beschlossen, die Aussperrung der Bauarbeiter auch auf die Orte um Leipzig aus. Aussperrung der Bauarbeiter auch auf die Drte um Leipzig auszudehnen. Bauarbeiterstreit in Danzig. In Danzig ist ein allgemeiner Bauarbeiterstreit ausgebrochen. Einladung der Freien Gewerkschafts- und Freien Angestellten- Jugend Folge Ernst Toller, der eben aus Niederschönenfeld entlaffene Dichter, hat einer geleistet und wird am Montag, den 28. Juli, abends 7½ Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, aus eigenen Werken vorlesen. Eintrittspreis für Jugendliche 0.25, für Erwachsene 0.80 M. Der Ueberschuß ist den Angehörigen der in Niederschönenfeld schmachtenden Gefangenen zugedacht. Es ist Gelegenheit geboten, auch größere freiwillige Gaben für diesen Zwed zu stiften. Karten sind zu haben: Freigewerkschaftliche Jugendzentrale der Gewertschaftskommission Berlins u. Umg., Engelufer 24/25, Zimmer 7: JugendSekretariat des Zentralverbandes der Angestellten, Belleallianceftr. 7/10. Metallformer und Berufsgenossen! Die ab 7. Juli 1924 geltenden Tarifverträge sind ab Montag, den 21. Juli, im Verbandshaus des DMV., Linienftraße 83/85, 8immer 20, erhältlich. Die restierenden Sammellisten( Metallformerstreit) müssen unter allen Umständen umgehend beim Kollegen Reinhardt, Urbanstr. 67, abgegeben werden. Die Ortsverwaltung. Achtung, Siemenswerte! Montag findet nachmittags nach Schluß der Arbeitszeit eine wichtige Besprechung aller Parteigenossen( Arbeiter und Angestellte) im Lokal Sundheim, Siemensstadt, statt. Parteiausweis mitbringen. Der Fraktionsvorstand. tritt am 6 Uhr) ou einer dringenden Sigung dan Montag no.: Dito Filer. Otto AfA- Angestellte der chemischen Industrie. Dienstag abend 7% Uhr AFAFunktionär- Bersammlung der chemischen Industrie im Verbandsbureau des ZDA., Belleallianceftr. 7/10. Tagesordnung: Berichterstattung und BeschlußUeber die Stärke der Mitgliedschaft der sogenannten Industrie- faffung über die Manteltarifverhandlungen. organisation Gruppe Metall gab es dann noch eine interessante AusWirtschaft: Hesse behauptete, daß ungefähr 6000 Berliner Berantwortlich für Politif: Ernst Reuter; einandersetzung. Metallarbeiter diefer Organisation angehören, was an sich sehr be- Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales und Sonstiges: Walter Trojan; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. scheiden wäre. Urich fonnte an der Hand der Nr. 3 der Zeitung der Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. obengenannten Organisation diese Behauptung widerlegen. Aus dem dort veröffentlichten Kassenbericht für die Zeit vom 1. April bis Hierzu 3 Beilagen. Saison Ausverkauf Kleiderstoffe vorzügl. Bedr. Musselin Qual. Wirkwaren Herrensocken Hauswäsche Staubtuch gelb, LamaArtur Saternus; vom, 1.- 21. Juli Herrenwäsche gewebe mit roten Kanten 0.20 Sportkragenariat 0.30 d. Muster, 80 cm.... Mtr. 0.95 Seidenfior, 1.25 echt Mako, 0.75 Stubenhandtuch Blusenstoff kariert und gestreift, 85 cm... Mtr. 1.55 Reinw. Cheviot marine gelblich echt Oberhemd gestreift Perkal Damenstrümpfe 1.10 48 × 100 cm, halbleinen 0.95 Kragen u. Klappmanschett. 3.90 grau, mode, leder, schwarz. schwarz... Gerstenk, oder Jacquard Hunt, reinleinen od. schwarz, 130 cm... Mtr. 2.60 Seidenflor, weiß, farbig, 1.60 Küchenhandtuch weiß, halbl. Nachthemdm.farb.Besatz 4.90 Gerstenkorn oder grau- 0.75 Pyjama( Schlafanzug) aus marine, 130 cm....... Mtr. 3.90 Damenhemden weiß, 125 Einzel. 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Damast 130x160 cm, Frottierhandtuch weiß, Form Sport- Anzüge mit gezwirnt Kräuselstoff, 0.95 2 Beinkleidern 49.00 50x100 cm..... Frottierlaken 160x180 9.75 Sakko- Anzug Gabard. 68.00 Damenkleidung Bluse aus weißem VollGardinen Mr. 0.90 Etaminstoff kar., 100 cm Voile, mit Bubikragen 3.90 Tüllgarnitur gewebt, und Rüschenjabot aus kariertem, 2 Schals, mit Querbehang 4.60 2.60 Rock hem Stoff 2.90 Bettdecke Etamin, mit dauerhaftem aus Voll- Voile 82 cm 130 cm Kleid oder baumwoll. Mtr. 1.50 2.60 RESTE von Wäsche-, Rouleaux- u. Futterstoffen Einsatzu. Volants, 2bettig 12.50 Krepp in hellen Farben 16.50 Madras- Garnitur dunkelgrundig Jackenkleid aus prakt. eleg. Wolkenform, mit Periposamenten u. 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MENGENABGABE VORBEHALTEN! Nr.ZZS» 41. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Sonntag, 2S. �vN 1924 Der Massenmörder Haarmann. Mitteilungen des Kriminaloberinspektors Dr. Kopp. Der vom preußischen Minister des Innern, Genoffen Severins, noch Hannover zur Information des Ministers über den Fall Haar- mann entsandte Kriminaloberinspektor Dr. Kopp machte den V«r> trete rn der Presse in Berlin eine Reih« interessanter Mitteilungen, die aber selbstverständlich dem Ergebnis der noch nicht abgeschlossenen Untersuchung nicht vorgreifen sollen und darum, soweit sie sich nicht auf allgemeine Tatsachen, sondern auf bestimmte Umstände beziehen, euch nicht endgültigen Charakter haben können. Dr. Kopp führte im wesentlichen aus: Seit Jahrhunderten, seit den in P i t a v a 1. der großen Samm- lung von bemerkenswerten Kriminalfällen aufgezählten Verbrechen ist eine solch ungeheure Serie von über 20 Morden eines einzelnen, nicht bekannt geworden. Der Händler Zrih haarmann ist zweifellos schwer psychopofhisch und eine komplizierte Verbindung von Homosexualismus und Sadismus. D Groß- Feuerwerk Sow. sämtl. Sensationen a. Attraktionen Beginn 3 Uhr Eintritt 50 Pf. Residenz Rennen zu Hoppegarten Tägl. 8 Uhr: Hinkemann Gutschein bis 22. Juli 1-4 Personen 50% Ermäßigung Rose- Theater 8: Die blonden Mädels vom Lindenhof Gartenbühne 7/2 Durch Dick u. Dünn ZOOLOGISCHER Täglich Gr. Konzert Aquarium TlerkunstAusstellg. Reichshallen- Theater Täglich 8 Uhr: Dresdener ViktoriaSänger Dönhoff- Brettl Anf. 7 Sonnt. 5 U. Gr. Varieté- Progr Theater a.Kottbuss.Tor Täglich 8 Uhr: EliteSänger Großartiges JuliProgramm 11. a.: Die Lieblingskuh des Maharadschal Sehr wichtig! Papiermark Lebensversicherte, welche ihre Bolice noch nicht wertbeständig neu geordnet hab., mög. zwecks Wahrnehm. ihrer Intereffen ihre Zuſchrift fenden unter B. N. H. 6414 an Ala- Haasenstein& Vogler, Berlin NW. 6. [ 103/14 Zum Ausschneiden! 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Das ist ehernes, unabänderliches Schicksal, Torheit, dagegen anfämpfen zu wollen. Die lächerliche Tragit folch fluchbeladenen Daseins wirst du kaum erfaffen, lieber Zeitgenosse, aber du kannst mich ja einfach für ein bißchen doof halten, ich bin Rummer gewöhnt, Binzigteiten, Laufigkeiten sind es, die mir ewig Knüppel zwischen die Beine werfen, ich fomme immer erst zum Tisch, wenn die Schüsseln leer sind. Ich habe meine Pläne mit Feldherrnumsicht vorbereitet, Maßnahmen mit Indianerfchiäue getroffen, es war alles für die Razz. Ich mimte absolute Burschtigkeit, um die Schick falsdämonokokken hinters Licht zu führen, fie fielen nicht darauf - zuletzt war ich doch der Lackierte. Wenn ich nur von Uhr zeiten höre, werde ich schon nervös, eine schlotternde Angst überfällt mich, wenn ich einen bestimmten Zeitpunkt innehalten muß. rein, Lehthin bemühte ich mich drei Tage lang vergebens, den Ham burger Zug zu erreichen. Am dritten Tage es war der 1. Mai stand ich bei Tagesgrauen auf, und es gelang mir, eine volle Stunde vor Abfahrt auf dem Bahnsteig zu sein. Ich hatte das Bewußtsein, daß mir nun nichts mehr passieren fonnte. Ein beglückendes Gefühl! Erhobenen Hauptes fchritt ich auf dem Bahnsteig auf und ab, ich spürte, daß nun ein neuer Abschnitt meines Lebens begann, in 3ufunft würde ich es immer so machen, gelobte ich. Nach Verlauf einer halben Stunde hatten sich eine Menge Reisende auf dem Bahnsteig gesammelt, ein Zug schnaubte herein, die Leute drängten sich in die Wagen. Natürlich tamen die üblichen Nachzügler gerannt, Leute, die nie zur rechten Zeit tommen fönnen. Sie öffneten fämt liche Rupeetüren und wurden dann vom Schaffner im letzten Moment in das überfüllteste hineingequetscht. Es beluftigte mich höch lichst. Als abgepfiffen wurde, hekte in grotesten Sprüngen noch ein lichst. Als abgepfiffen wurde, hetzte in grotesten Sprüngen noch ein Herr die Treppen herunter. Er hatte alle Hände voll Koffer und Pakete und schrie fortwährend:" Johanna, tomm schnell!" Der Schaffner öffnete ihm ein Abteil, er stand einen Moment unschlüssig, schrie noch einmal in grausamer Gewiffensqual: Johanna, fomm schnell!" Dann setzte sich der Zug in Bewegung, und als Johanna herangefeucht fam, rollte feierlich der letzte Wagen an ihnen vorbei. Auf den Schienen lag zermatscht ein Patet, das ihm entfallen war. Die beiden schritten majestätisch, ein frampfhaftes Lächeln heuchelnd, von dannen. Dabei hätten sie am liebsten vor Wut einander vergiftet. Albernes Bolt, mir könnt Ihr nichts vormachen! Ich hatte noch eine halbe Stunde, es wurde allmählich langweilig, der Bahnsteig war leer, es gab nichts zu beobachten, hätte ich mir nur was zu lesen mitgenommen! Ich fragte einen uniformüberzogenen Mann, der allein noch anwesend war und mich mit unverholenem Interesse zu beobachten schien, wann der Zug 12 Uhr 05 nach Hamburg einlaufe. 12 Uhr 05 Hamburg?"„ Der ist doch vorhin abgefahren, der fährt seit heute eine halbe Stunde früher!" Ich versuchte es, wieder zu lächeln, bekam aber einen Bachkrampf und mußte einige Stunden in der Zwangsjade zubringen. Etwa eine Fahrt mit der Eisenbahn. Das geht allemal schief! Wenn man erst mal drin sitt, läßt sie sich ja auch Zeit; ein paar Stunden Verspätung spielen da gar keine Rolle. Aber wehe, wenn du mitwillst, da ist sie pünktlich bis zur Rückfichtslosigkeit. Da hat man nun Berge von Hindernissen überwunden, hat sich in der halben Stunde, während man vorm Schalter Kette steht, von Leuten, die sich vormogeln wollten, die wuchtigsten Grobheiten sagen lassen. Man fiebert, die Uhr drängt mit schauerlicher Stetigkeit der Abfahrtsminute zu. Endlich hat man seine Karte, Berzweiflung im Herzen, stürzt man zur Sperre und läßt dabei das Wechselgeld im Stich. Der Mann mit der Knipszange steht unbe wegt, dreht und betrachtet die Fahrkarte mit einer Ausgiebigkeit, als hätte er nie so ein Ding gesehen, wobei du vor Aufregung von einem Bein auf das andere hüpfft. Man erreicht den Bahnsteig, als es gerade pfeift und der Zug anzieht. Unter rüdsichtslojem Einfat feiner letzten Kräfte bricht man sich Bahn durch die herum- Man sollte es taum für möglich halten, was für einen gewaltigen lungernden Gaffer, rennt ein paar über den Haufen, prallt gegen Apparat die finsteren Mächte in Bewegung setzen, wenn es gilt, einen monumentalen Kofferträger, infolgedessen man mit allem Bu- mich reinzulegen. Da fize ich ganz arglos auf meiner Bude, blase behör einen Salto über einen Gepäcwogen vollführt. Hezt deffen- friedlich die Schalmei und bin in hochgradiger Weltumarmungsstim Te- le- phon, trrrr! Lissy, das liebe Mädchen! Also ungeachtet neben dem schneller werdenden letzten Wagen her, stülpt mung. um 8 Uhr beim Potsdamer Plaz! Ja, bestimmt, diesmal ganz den Mann mit Bier gefällig?" in einen vertrauensselig in seinem O Kielwasser treibenden Rindermagen, bis einem zuletzt die Puste und pünktlich!- Gott, o Gott, schwach wird mir und elend, ich einem die Erkenntnis aufdämmert, daß für diesmal die Lokomotive fehe schon, das gibt wieder eine Pleite. Also schleimigft anziehen das Rennen macht. Natürlich haben alle Leute das Schauspiel beund denn los! Argwöhnisch beobachte ich, daß wider die Regel alles obachtet und die neugierig- schadenfrohen Blicke zeugen von dem er. flar geht, der Kragen läßt sich willig anheften, die Manschettenknöpfe schredenden Tiefstand unserer Kultur. Benn man auch vor But finden sich nach kurzem, nedischen Versteckspiel in einem abgelegten Weise hinter das Bett gelangt ist. Stiefelpuzen! Das -OO zerplazen möchte, so ist es in diesem Falle besser, es nicht zu zeigen. Oberhemd, das au mache ich als alter Soldat über dem Fuß. Aha! Man jeße eine oftentatio heitere Miene auf und gebe sich den Anfchein, als habe man einen lieben Freund zur Bahn gebracht und fei ein Stück mit dem Zuge gelaufen. Dann ärgern sich die anderen. Ich mache es immer fo. Es ist mir, trotz ehrlichen Ringens, nur felten gelungen, einen dann habe Bug zu erreichen. Stets tommt etwas dazwischen, ich die am Tage vorher besorgte Fahrkarte im anderen Rod steden, die Straßenbahn ist stillgelegt, die Best ist ausgebrochen oder die Spartatiften haben den Bahnhof in die Luft gesprengt; die gröbsten, Fitschigsten Mittel müssen herbei, um mich zu verhindern. Die Die Blechschachtel mit der Schuhcreme geht nicht auf. In feiner Weise! Wichsschachteln lassen sich nie öffnen, sie sind eigens so fonftruiert. Ich drehe, zerre, flopfe nig zu machen! Nur ruhig! Ruhig! Also nodymal mit Anlauf! Scheibe! Wütend knalle ich das Biest auf den Boden. Hah! meine große Behe iſt platt, Schadytel frumm, aber auf geht fie nicht. Ein Pferd für einen noch 20 Minuten. dreipfündigen Fluch! Götter, steht mir bei, Neuer Versuch, fie tommt, fie tommt. Bfubb!" geht der Deckel auf und ich fiße mit fünf Fingern in der auf allen Ausstel19 Sonntag, 20. Juli 1924 Krach, lungen prämiierten schwarzen Schmiere. Karacho! Hihig stürze ich zum Waschtisch, reiße das Kabel mit der Stehlampe um, Bisch, stickenduster. Kurzschluß! So, nun gute Nacht! Jezt bin ich glücklich ganz aufgeschmissen. Als erfahrener Mann habe ich eine Kerze irgendwo. Betonung liegt auf wo, mit drei Fragezeichen. Ich könnte einen Eid ablegen, daß ich nur eine einzige Wichsschachtel befize. Es sind jetzt plöglich ein die Schachtel hinhält, wohin ich faffe, ich greife nur in Wichse. Dugend. Es ist überhaupt jemand im Zimmer, der mir andauernd Nach einem unerwarteten Zusammenstoß mit dem Schreibtisch, wobei ich den fürzeren ziehe, einer Begegnung mit der Benus von Milo, die zu meinen Gunsten ausfällt, weil mein Schädel nicht aus davon, das ist Allgemeingut, banal! Wie die Kerze brennt, gibt das Gips ist, gelingt es mir, Licht zu machen. Feuerzeug! Nein, still Elektrische seine passive Resistenz auf und bestrahlt mit mildem Schein die Greuel der Verwüstung. Ich sinte erschöpft in einen Stuhl, fahre entsetzt wieder hoch, ich hatte etwas hartes gespürt. Es war natürlich wieder die verfluchte Wichsschachtel, leider noch geöffnet, Butterseite nach oben. Na, ganz egal, versuchen wir nochmals das Butterseite nach oben. Na, ganz egal, versuchen wir nochmals das Rennen zu gewinnen, Der Sturm der Dämonen hat sich anscheinend gelegt, es geht alles gut. 5 Minuten vor 7 stürze ich los. Auf der halbduntien Treppe erschvidt mich ein Warnungsruf, beinahe hätte ich die emfige Scheuerfrau mitsamt ihren beiden Eimern überfahren. Glücklich umschiffte ich diese gefahrvolle Klippe. Es gibt gemütsrohe Leute, die sich auf der dritten Etage eine falbsgroße Dogge halten und sie den ganzen Tag einsperren. Wenn dann so ein armes Viech, ges quält von einem dunklen Drange, in höchster Not ins Freie stürzt, die drei Etagen in drei Sägen nimmt, so erwächst dadurch eine eminente Gefahr für friedliche Leute, die ebenfalls die Treppe bes nuzen. Ich stelle diese Erwägung erst nachträglich an, damals folgten sich die Ereignisse zu schnell. Oben flinkte die Etagentür gerade in dem Augenblid, als ich Frau Wurzelbürste mit ihren Cimern ausbog. Ein Schnauben, Bellen raste die Treppe herunter. Das gellende Gekreisch ging unter in dem Donnergepolter und Klappern der Eimer. Hundegeheul, Wafferrauschen, eine brüllende Lawine stürzt über mich herein, ich werde mitgeriffen, gebissen, erfäuft, plattgewalzt, begraben. Als ich mich aus der Umarmung der Scheueraltsche befreit hatte, war ich nicht mehr rendezvousfähig. Ich froch zähneklappernd auf meine Bude, hängte mich zum Trocknen auf und pflegte meine Wunden. Am Potsdamer Play mag ich gar nicht vorbeigehen! Vielleicht steht Lissy noch dort??? Sie ist immer so püntilich. hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Jogal Rheuma, Herven- und Ischias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harniäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apothefen erhältlich. Best. 74,3% Acid. acet. salic., 0,46% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum 11 eth LOESER@ WOWKEE Zur Freude der Raucher zwei Sonderangebote! Zigarren Bis auf weiteres ermäßigen wir die Preise unserer nachstehenden Hauptsorten wie folgt: Rara Avis klein von 18 auf 15 ... von 20 auf 15 Hofgunst A.... 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