flbenöausgabe Nr. 34?* 41. Jahrgang Busgabe B Nr. 171 Bqugziedlngung« und Anzeizenpr-is, find in der Morgenausgab» angegebea ZtedoMou: STB. 68, Cindenfltafie 8 Aernfprecher: VSnhofi 392— 299 XaL,'II&ceffe:S03iol6emo(cal Berlin Gevlinev Volksvlatt 5 Golöpfennig SS Milliarüen Dienstag 22. Juli 1 924 Verlag und AnzeigenadPeilungi Geschäftszeit 9—8 Uhr Verleger: Dorwärts-vertag GmbH. verlin SV». SS, Llndensirasze 9 Zernsprecher: Döuhoss 2966-2S0? �entralorgan cler Sozialdemokrat» rAen parte» Deutfchlands Die Dankiers greifen ein. Opposition gegen das Sanktionskompromiß. London, 22. Juli.(WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des � Daily Telegraph" meldet, daß M a c d o n a l d bei der Kon- ferenz. die er gestern morgen mit den alliierten chauptdelegierten der Londoner Konferenz hatte, diesen mitgeteilt hat, daß die Bankiers, insbesondere die amerikanischen, nicht geneigt seien, die für die Inkrasksehnng des Dawesberichts unentbehrliche erste Anleihe von 40 Millionen Pfund Sterling auf die Bedingungen hin zu übernehmen, die in dem von der ersten Kommission am Sonn- abend verfaßten Protokoll niedergelegt sind. Die alliierten Minister hätten diese Nachricht mit lebhafter Enttäuschung vnd einigem Mißsallen aufgenommen. Es sei überhaupt von britischer Seit« betont worden, daß der Entwurf des fraglichen Protokolls nur eine Anempfehlung bedeute, wie dies ja auch in seinem Anfange ausdrücklich gesagt worden sei. Nach einer lebhaften Erörterung sei beschlossen worden, daß Snowden und die alliierten Finanzministcr mit den amerikanischen und britischen Bankiers in dieser Frage eine Zusammenkunft haben sollen. von mittags bis spät abends hätten die alliierten Finanzmimster mit L a m o n t, dem Gouverneur der Bank von England, Norman, Sir Robert Kindersley und anderen die von den Bankiers aufgestellten Bedingungen erörtert. Der französische Finanzminister Clementel habe mit Mac Kenna zusammen das Frühstück eingenommen. Wie verlaute, habe er mit britischen und amerikanischen Bankiers über künftige Anleihen und Kredite für Frankreich verhandelt. Der Be- richterstalter des„Daily Telegraph" bezeichnet die eingetretene Stockung als ernst und meint, die entschiedene Abneigung der Bankiers, die Anleihe zu unterzeichnen, sei auf die Tatsache zurück- zuführen, daß sie das Protokoll de? ersten Kommission für u n b e- fried.igend halten. Sie erachten die bloße Beifügung «in«? amerikanischen Bürgers zur Reparationskonmnssion für den Fall eines deutschen Derzuges als einen unzureichenden Schutz für die Sapitalsomleger. da sie der Ansicht seien, daß diese Bereinbarung in keiner Weise eine unparteiische Mehrheit in der erwähnten Körperschaft verbürge. Sie scheinen zu der juristischen und schiede- gerichtlichen Eignung dieser Kommission kein Zutrauen zu haben. Offen werde der Artikel 4 des Protokolls getadelt, der ihnen in feinem zweideutigen Wortlaut für später die Möglichkeit zu einem vorwand zur Anwendung von Sauktionen durch die ein« oder ander« Macht zu bieten scheine. Allgemein ge- sprachen seien die Bankiers der Ansicht, daß der gute Wille Deutschlands, daß in erster Linie Empfänger der Anleihe sei und die notwendigen Pfänder geben solle, für die Anleihe ebenso unentbehrlich sei, wie das Vertrauen auf Seiten der Kapitals- anleger, daß das deutsche Guthaben, welches das Pfand für die Anleihe bilden werde, gegen eine plötzliche Aktion von außen her gesichert sei. Einige seien auch über das Eisen bahn Problem und die An Zusammenhang damit aufgestellten militärischen Forde- r u n g e n der Alliierten verstimmt. LumDitf bei Herriot. London, 22. Juli.(TU.) Nach Ausgang der Zusammenkunft hatte sich Lomont nach dem chydepark-Hotel begeben und mit dem französischen Ministerpräsidenten, wie der„Newyork cherald" meldet, nahezu 414 Stunden gesprochen. Lamont legte Herriot den Standpunkt der anglo-aineritanischen Finanzkreise in der Frag« der geforderten Zusatzgarantien dar. Herriot soll den amerikanischen Kapitalisten schließlich geantwortet haben, daß die inner pol!- tische Situation es ihm nicht ermögliche, die angefmderten politischen Garantien zu gewähren. In den Londoner französisch- belgischen Kreisen haben die neuaufgetauchten Schwierigkeiten einen äußer st ungünstigen Eindruck gemacht, da die in der Frage der Verfehlungen und der Sanktionen erzielte Verständigung wieder völlig zweifelhaft geworden ist. In Paris hat die neue Wendung der Dinge selbstverständlich ganz außer. ordentlich oer stimmt. Pertinax zufolg« soll Poung gestern abend amerikanischen Korrespondenten erklärt haben, daß eine V e r- ständigung mit der französischen Politik tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit sei. Kompromißversuche. Paris, 22. Juli.(WTB.) Ucber die gestrigen Verhandlungen der alliierten Finanzminister init den amerikanischen und englischen Bankiers berichtet der Sonderberichterstatter von H a v a s aus London, der französische Finanzminister Elemente! und � der belgische Ministerpräsident und Finanzminister T h e u n i s hätten natürlich mit aller Kraft ihrer Ueberzeugung gegen die An- sichten der Bankiers Stellung genommen und auseinandergesetzt, daß d.ese dem Versailler Vertrag zuwiderlaufen, auf den Belgien keinen geringeren Wert lege als Frankreich. Man habe sich dann um andere Möglichkeiten bemüht, den Geldgebern die von den amerikanischen Finanziers oerlangten weiteren Garantien zu bieten. Es verlaute, man habe angeregt, der Reparationskommission zwar die Feststellung der Verfehlungen zu übertragen, aber dem Finanzausschuß des Völkerbundes die Beurteilung der Kon- fequenzen einer solchen Feststellung zuzuweisen. Auch soll der Gedanke erwogen worden sein, das Sachoerfländigenkomikee, das den Dawesplan abgefaßt habe, weiter bestehen zu lassen, um ihm in dieser Eigenschaft die Aufgabe zu übertragen, nach einer Ver- fehlung Deutschlands gegen seine neuen Verpflichtungen zu bestimmen, was geschehen solle. Angesichts der Verschiedenartigkeit der«inander gegenüberstehenden Standpunkte sei gestern kein B e. s ch l u ß gefaßt worden. Wie„Eca" meldet, hat inzwischen T h e u n i s, der langjährige Spezialist für Vermittlungen,«ine Kompromißformel aus- gearbeitet. Eine Warnung öes Staatssekretärs Hughes. London, 22. Juni.(WTB.) Gestern abend wurde in Anwesen- heit des Prinzen von Wales in der Pilgrim Society zu Ehren des amerikanischen Staatssekretärs Hughes ein Festessen gegeben. In Erwiderung auf mehrer« Ansprachen sagte Hughes nach allgemei- nen Ausführungen über den Standpunkt der amerikanischen Regie- rung und des amerikanischen Volkes gegenüber den europäischen Angelegenheiten u. a.: Sie dürfen aus unseren Beistand bei den Maßnahmen rechnen, die notwendig sind, um die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas zu sichern. Richtig und tatsächlich unent- behrlich ist es, daß die Methoden und die Dispositionen derart sind, daß ein solcher Beistand geleistet werden kann. Alle Eröteningen werden zwecklos sein, wenn nicht die getroffenen Bedingungen letzten Endes das kapitalanlegende Publi- k u m befriedigen. Ich würdige die Schwierigkeiten, aber ich glaube, daß der Dawesplan den Weg zum Vertrauen und zur Wohlfahrt er- öffnet. Aus diesem Grund find wir an seiner schnellen Ausführung tief interesiiert. Mein Vertrauen, daß«in Weg gefunden werden wird, olle bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden, liegt in der Tatsache, daß ein Mißerfolg das Chaos herbeiführen werde. ver ,Temps' über Sie Stimmung in Serlin. Pari», 22. Juli.(Eca.) ver„Temps" beschäftigt sich in seinem heutigen Leitartikel Mit der Stimmung in Berlin gegenüber der Londoner Konferenz. Das Blatt schreibt: Die Nachrichten aus London, die uns über den Gang der Konferenz berichten, berichten gleichzeitig, welche Konzessionen Frankreich täglich macht. Wir erkennen gerne an, daß diese Konzessionen notwendig sind. Trotzdem ist es immerhin ein Verdienst, überhaupt Konzessionen zu machen. Man sollte also glauben, daß die Deutschen zusrieden wären. Trotzdem wird aus Berlin gemeldet, man sei dort nicht zu» ftieden, sondern enttäuscht. Der„Temps" würde es verständlich finden, wenn die nichtdemokratischen Kreise Enttäuschung und Kritik äußerten, aber sogar der„Vorwärts" beklage sich über die sranzö- fische Politik. Man könnt« nun sagen, daß Deutschland unersätt- lich sei, und daß es, je mehr man ihm nachgäbe, desto größer« Ent- täuschung heuchele, um immer noch mehr zu erpresien. Dies« Auffassung erscheint dem„Temps" aber zu sim- p i i st i s ch. Andererseits ober meint er, wenn man die Haltung Deutschlands als die unvermeidliche Stellungnahme eines Sechzig- Millionen- Volkes erklären sollte, müsse man unbedingt die Schluß- folgerung ziehen, daß mtt einem solchen Volke ein« gütlich« Einigung unmöglich wäre, und so gebe man aus Dummheit und Furcht Frank- reich den Anschein einer unersättlichen Nation, die die anderen Völker daran hindere, sich zu verständigen. Der„Temps" gibt dann einen Uebcrblick über die innerpolitischen Kämpfe in Deutschland hinsichtlich der Annahm« des Sachverständigenberichtes. Man streite sich in Deutschland in der Hauptsach« um die Vertei- lung der Reporationslasten auf die verschievenen Bevölkerungsteil«. Großindustrie und Grundbesitzer versuchten, die Lasten aus die Arbeiter abzuwälzen durch Abschaffung des Achtstundentages. während die Linken sich heftig dagegen wehrten. Dieser inner« Streit in Deutschland berühr« aber unmittel- bar auch die Alliierten. Der„Temps" führt zum Beweise dessen den Vorschlag von Victor Schiff(in der„Glocke") an, der darauf ausgeht, eine Voltsabstimmung abzuhalten über die Annahin« oder Ablehnung des Sachverständigenberichtes, die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens und die Auflösung des Reichstages. So gut wie der Borschlag auch sei, so werde er, wenn es wirklich zu einer Volksabstimmung kommen sollte, neue Ver- zögerungen und neuc Schwierigkeiten für die Inkraftsetzung des Dawesberichtes mit sich führen. Welche Meinung man auch über die Ursachen dieser Verzögerung haben könne, eines sei sicher, daß man im Auslande alles Interesse daran habe, die deutschen Linksparteien zu stützen, denn die Konferenz von London hätte wahrscheinlich umsonst gearbeitet, wenn die Linksparteien bei dieser von Schiff vorgesehenen Volksabstimmung geschlagen(?) würden. Buswärtiger Bussthuß. Besprechung der politischen Lage. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat heute vor- mittag unter dem Vorsitz des Abg. Müller- Franken zu- sammen. Er nahm zunächst eine Darlegung des Reichsaußen- Ministers Dr. Stresemann über die politische Gesamt- siwation entgegen und hörte dann Berichte des Reichsbank- Präsidenten Dr. Schacht über das Bankgesetz, des Staats- sekretärs T r e n d e l e n b u r g über die Industrieobligationen und des Rcichsverkehrsministers O e s e r über das Eisenbahn- gesetz an. Die Aussprache über die Mitteilungen soll erst morgen erfolgen. Die Einzelheiten der Verhandlung sind bekannllich nach der Verfassung als vertraulich zu behandeln. Weltrevolution oöer—! KPD-Politik und ihre folgen. Inwieweit es den Führern des deutschen Kommunismus mit ihren weltrevolutionären Absichten ernst ist, läßt sich schwer feststellen. Sicher ist, daß sie zur Er- Haltung ihrer Parteien gegenüber den abgesägten„Re- uisionisten" wie Thalheimer und Brandler und wegen ihrer Abhängigkeit von Moskau genötigt sind, nach außen hin den allergrößten Eifer in dieser Richtung zu manifestieren. Die unmittelbaren Folgen dieser Haltung sind für die An- Hänger der kommunistischen Partei schmerzlich. Denn für jedes noch so drakonische Vorgehen der Gerichte und der Ver- waltung wird durch die Erlasse der kommunistischen Partei- leitung die Begründung geliefert. Daraus erklärt sich dann die Art, wie mit der Immunität der kommunisti- schen Abgeordneten umgegangen wird, erklären sich auch Ur- teile wie das neueste von Königsberg. Gegen revolutionäre Arbeiter vorzugehen, ist reaktionären Behörden ein Vergnü- gen, und man macht es ihnen ja so bequem.... In weiten Kreisen der Bürgerlichen herrscht gegenüber dem Kommunismus eine faschistische„Festedruff"-Stimmung. Die Sozialdemokratie hat ein Recht, vor einer solchen Stim- mung zu warnen und aus dem demokratischen Rechtsgefühl heraus gegen eine ungleiche Behandlung der Umstürzler von rechts und jener von links zu protestieren. Sie verneint nicht die Notwendigkeit, den Staat gegen gewaltsame Bedrohung zu schützen, wendet sich aber gegen allen Uebereifer und Ueberschwang ganz besonders dann, wenn es sich nur gegen eine Seite richtet. Die„linken" kommunistischen Führer haben ein Rechk zu solchen Verwahrungen nicht. Wer nichts anderes kennen will als Entscheidungen der brutalen Gewalt, muß sich mit ihnen abfinden, solange ihm die Kraft fehlt, sie zu ändern. Die Kommunisten erklären selbst, daß sie für den„M a s s e n- t e r r o r" sind, daß sie im Fall ihres Sieges, ja schon im Kampf um ihren Sieg entschlossen sind, gegen ihre Gegner mit allen Gewaltmitteln vorzugehen.. Sie würden sich in einem solchen Fall um parlamentarische Immunität nicht kümmern und sentimentalen Bedenken keinen Raum geben. Es ist also eine grobe Inkonsequenz von ihnen, wenn sie sich auf ihre Immunität berufen, gegen brutale Urteile an die Menschlich- keit appellieren und Amnestie fordern. Wer selber erklärt, daß er keinen Pardon geben will, darf logischerweise auch für sich selber keinen verlangen. Dieser Inkonsequenz würden sich die kommunistischen Führer nicht schuldig machen, wenn sie ernstlich an den nahen Sieg ihrer Sache glaubten. Wer durch revolutionäre Gewalt Gefängnistore sprengen will und kann, bringt keine parlamen- tarischen Amnestieanträge ein und jammert nicht über Ver- letzung der Immunität. Tatsächlich liegen ja die Dinge so, daß auch dem kurz- sichtigsten Auge die Ohnmacht d e r K o m m u n i st e n mit jedem Tage sichtbarer wird. Jeder Druck, den die Kommu- nisten auszuüben versuchen, wird mit hundertfach stärkerem Gegendruck beantwortet. Das Mißverhältnis der Kräftever- teilung ist so offenkundig, daß im Bürgertum auch der letzte Rest von Kommunistenangst verlorengegangen ist. Wären nicht die blutrünstigen Gernegroß-Reden, so fände der Koin- munismus als der ständig unterliegende schwächere Teil weit über feine eigenen Kreise hinaus Sympathie. Jene blut- künftigen Gernegroß-Reden aber imponieren keinem mehr und schüchtern keinen mehr ein, sie scheinen nur noch den einen Zweck zu haben, daß sich aus ihnen jede noch so harte Maß- regel gegen die Kommunisten begründen läßt! Selber die Guillotine zu schmieren, mit der man geköpft wird, das scheint uns eine sehr schlechte revolutionäre Taktik zu sein. Aus all dem droht eine gefährliche Abstumpfungdes R e ch t s g e f ü h l s. Die Kommunistenverfolgung mecham- siert sich. Putschvorbereitungen, die da oder dort auftauchen, werden zwar nicht mehr recht ernst genommen, aber mit der ganzen Schärfe des Gesetzes unterdrückt. Alle gegen die Kom- munisten ergriffenen Maßregeln werden von der breiten Oeffentlichkeit mit kritiklosem Gleichmut betrachtet, ja die eigenen Proteste der Kommunisten gegen sie wirken unecht und gespielt. Wie soll auch ein kommunistischer Redner mit überzeugend wirkender Ueberzeugung an Recht und Menschlichkeit appellieren— man wird ihm unzählige Zitate aus seiner eigenen Parteiliteratur vorhalten können, in denen Recht und Menschlichkeit als Faktoren im Klassenkampf gänzlich negeirt werden! Bebel sprach einmal davon, welche erbärmliche Lage es sei, immer nur den Buckel hinhalten zu müssen für die Prügel, die man empfange. In dieser erbärmlichen Lage befindet sich heute die Kommunistifche Partei weit mehr als jemals die Sozialdemokratie in der Kaiserzeit. Sie hat sich selber in sie hineinmanöveriert und findet aus ihr keinen Ausweg. Mögen die Kommunisten nun ihrem gepreßten Herzen in Schimpfereien gegen die Sozialdemo- k r a t i e Lust machen. � Das ist eine psychologisch nur allzu be- greifliche Erscheinung. Denn nichts ist schwerer, als einen be- gangenen Irrtum eizugestehen, und darum wird es noch lange dauern, bis die Kommunisten den Sozialdemokraten verzeihen werden, daß sie ihnen gegenüber Recht behalten haben! Wie ließe sich heute noch verbergen, daß die Kommunisten die ganze Entwicklung der Welt nach dem Kriege falsch eingeschätzt haben und daß sich die sozialdemokratischen Warnungen vor falschen Voraussagen und aus ihnen gezogenen Schlüssen nur als allzu berechtigt erwiesen. Der Kommunismus in seinem heutigen Zustand ist ein Element der Schwäche für die politische Arbeiterbewegung. Jenseits aller weltreoolutionären Phantasien geht der praktische Kampf um Reparationsregelungen und Lastenver- teilung. um Arbeitszeit, Zölle, Steuern. Er kann nicht anders geführt werden als mit den Mitteln der politischen Demokratie- und der gewerkschafllichen Praxis. Was haben die Kommunisten in diesem Kampf um wirkliche Lrbeiterinter- essen anderes beizutragen als reine Redensarten? Es gab eine Zeit, wo„die bolschewistische Gefahr"' wenig- stens als Druckmittel wirkte, um sozialdemokratische Forderungen durchzusetzen, wo das Bürgertum aus Angst vor drohenden„Räterepubliken" bereit war, dem„gemäßigten Flügel der Arbeiterbewegung" Konzessionen zu machen. Diese Zeit ist längst dahin. Wollte heute jemand den Unternehmern durch Hinweise auf die„Bolschewistengefahr" Zugeständnisse entlocken, sie würden ihm ins Gesicht lachen. Heute be- sorgt der Kommunismus als Zersplitterer der Arbeiterschaft die Geschäfte der Reaktion und wird dafür noch geprügelt! Die Schule der Tatsachen ist hart und gründlich. Die Stunde kann nicht mehr fern sein, wo die Einsicht der Arbeiter- klaffe dieser Tragödie ein Ende macht, das einzige, das sie finden kann: durch die Liquidierung der kommu- nistischen Theorie und Politik. Komintern-Säuberung. Auf das große Schaugericht des Komintern-Kongreffes in den zaristischen Prunkfälen des Moskauer Kreml folgt jetzt eine Reihe fast tragikomisch zu nennender Nachgericht«. Die hohe Exekutive hat sich erneut oersammelt und beschließ darüber, wer auf Grund der Beschlüsse des Weltkongreffes aus der alleinseligmachenden Kirche auszuschließen sei. Die Zahl der Sünder ist groß, es gibt kein Land, in dem nicht die Hohenpriester der Komintern die Splitter in dem Auge ihrer nächsten Brüder zu entdecken oermöchten. Eigent- lich müßten sie alle hinausgeworfen werden, die Rädel, Brandler, Smeral usw., aber auch in der kommunistischen Kirchs ist der Opportunismus zu Hause. Der Hinauswurf vollzieht sich nicht nur entsprechend den Sünden und Missetaten, sondern ist auch ab- hängig von der organisatorischen Stärke, die die einzelnen Sün- der in ihren Parteien noch verkörpern. Soviel haben die Mosko- witer doch schon begriffen, daß«s nicht gut ist, noch mehr Anhang zu verlieren, als es dank Sinowjew in so vielen Ländern schon ge- schehen ist. So schwimmt der Oberopportunist Sm«ral immer noch lustig im Strome. Zwar ist er ein ärgerer Sünder als Rädel,. Brandler, Thalheimer und alle Menschewisten zusammen, aber noch hat er einen gewissen Einfluß in der tschechischen kommunistischen Partei, und die von Sinowjew angestellten Maulwürfe haben noch nicht gut genug gearbeitet. Sflber da ist Boris Souvarin«, der kleine groß« Führer der französischen Kommunisten, der Mann, der noch vor Jahresfrist Fr o s sa r d ganz und Cachin beinahe hinauswarf. Heute ist er gänzlich einflußlos geworden. Sein Eintreten für T r o tz k i auf dem Wellkongreß, für denselben Trotzki, der auf diesem Kongreß nicht ein Wort geredet hat(I), mußte ihm das Genick brechen. Und so wird denn den Gläubigen Sinowjews in der„Humcmite" ver- kündet, daß Boris Souvarin« aus der Kommunistischen Jndernatio- nale ausgeschlossen ist.- plinaroerfahren mtt dem Ziele auf Dienstentlaffung einge- leitet oder gedenkt er es zu tun? 2. Ist wegen Beleidigung des Regierungspräsidenten, dem be- wußte Rechtsbeugung vorgeworfen wird, ein Strafverfahren gegen den Anttsgerichtsrat von Steuber anhängig? 3. Ist es richtig, daß der Amtsgerichtsrat won Steuber in einem nahen Berwandffchaftsverhältnis zu dem Haupt der völkischen Hetzer in Borkum, dem Pastor Münchmeyer, steht? 4. Ist der Herr Iustizmtnffter nicht auch der Meinung, daß ein Richt«r, der, unter Mißachtung elementarster Rechtsbegriffe, in einer Angelegenheit der reinen Berwallungshohett den.preußischen Staat, vertreten durch den Regierungspräsidenten in Aurich," mit An- drohung hoher Strafen in ein zivilprozessuales Verfahren zieht und dabei über die Bollmacht und Legitimation des von ihm Begünstigten hiwnegsieht, den Berdacht aus sich lädt, das Verbrechen der Rechts- beugung(§ 336 Str.G.B.) begangen zu haben? Das Enöe einer völkischen �üge. Ein« jener völkischen Lügen, wie sie heute maffenweffe auf' treten, kam am Sonnabend vor dem Amtsgericht Oldenburg zum Platzen. Dort war von völkischer Seite dem Landesarbeiter. rat Genöffen G r a e g e r und weiter dem Oberbürgermeister Dr. Goerlitz und dem Bürgermeister Fimmen Amts- mißbrauch vorgeworfen worden. Die drei sollten nämlich aus der Wohlfahrtstasse der Stadt Oldenburg.im Ueberfluß lebenden reichen Jüdinnen" Unterstützungen zugewendet haben. In der Ge- vi chtsoer Handlung nahmen die Angeklagten die aufgestellten bcleidi- g enden Behauptungen als frei erfunden zurück, nachdem sie vorher in sehr dreister Weise ein großes Aufhebens davon gemacht hatten. Das Gericht verurteilte den Erfinder, einen gewissen Kieselhorst, zu neun Mo-nat«n Gefängnis, ferner die Redakteure des.Niedersachsen-Herold" in Bremen und des„Huder Wochenblatts" sowie einige andere Personen zu Geldstrafen von 50 bi» zu 500 M. Zustlzreform lu Sachsen. Das Gesamtministerium hat in seiner Sitzung vom 18. Juli eine Aenderung der Verordnung vom 12. De- zernber 1923 über den bedingten Aufschub der Strcffoollstteckung be- schlössen, während bisher Aufschub bzw. Bewährungsfrist bei Strafen bis sechs Monaten Gefängnis von den Gerichten ausgesprochen wer- den konnte, fft die Grenze jetzt bis auf ein Jahr Gefängnis erhöht worden. Konstontinopel ist Arbeit gerrug für eine unbegrenzt« Zahl von uns. Im allgemeinen kann man den Gesundheitszustand der türkischen Frau als befriedigend bezeichnen, obgleich infolge der schlechten Woh» nungsverhältnisse die Tuberkulose unter ihnen häufig auftritt. Zum Glück machen es unsere Religionsgesetze jeder Türkin zur Pflicht, täglich ein Bad zu nehmen und sich vor dem Effen zu waschen, was seine günstige Wirkung auf den Gesundhettszustand um so weniger verfehlt, als es der türkischen Frau überdies verboten ist, berauschende Getränke zu trinken. Als ich mich entschloß, mich der ärztlichen Laufbahn zu widmen, war es den Türkinnen?toch nicht gestattet, sich beruflich zu betätigen. Ich ging deshalb nach Deutschland, um dort meinen akademischen Grad zu erwerben. Zwei Jahre später ivar der Umschwung erfolgt, und die die Krau an der Berufrtütigkeit hindernden Gesetze wurden beseitigt, so oaß es mir möglich war, mich in meinem Vaterland als Aerztin niederzulassen. Heute studieren unsere jungen Mädchen mit den Männern zusammen an den türtischen Schulen." Rem Vork in Erdbebengefahr? Professor David Todd, Astronom am Observatorium Amherst, veröffentliche kürzlich die folgende Er- klärung:„Die Stadt New Jork kann jeden Augenblick von einem Erdbeben erschüttert werden. Wenn man nicht überhaupt mit der Suche nach Petroleum aufhört, so werden sich auf unsexem Planeten durchgreifend« Aenderungen vollziehen. Das ganze Territorium der Vereinigten Staaten ist bedroht, aber ganz besonders New Port wegen der geologischen Formation seines Unterbodens. Erdstöße erfolgen, wenn zwei unterirdische Schichten unter sehr hohem Druck gegeneinander oerschoben werden." Nach den weiteren Erklärungen Todds ist das namentlich der Fall bei den Boderwerhältniffen von Manhattan, wo der Druckck durch die New Porkhr Wolkenkratzer übermäßig gesteigert wird. W«?m die Katasttophe eintritt, dürfte sie ungleich größer werden als das Erdbeben von Tokio am 1. Sep- tember vorigen Jahres. Man wird gegenüber dieser alarmierenden Nachricht wohl abzu- warten haben, wie sich die amerikanischen Geologen zu dem Unken- ruf äußern. Operalive Heilung von Lispeln. Lispeln entsteht, wenn die Zunge beim Aussprechen der Zi'chlaute nicht hinter der unteren Zahnreihe bleibt, sondern zwischen die Zähne oder hinter die obere Zahn- reihe gelegt wird. Der Fehler beruht in manchen Fällen auf cmer zu langen Zunge. Professor F. Frcrike(Braunschweig) heilte, wie wir der„D. med. W." entnehmen, einen solchen Fall bei einem jungen Mädchen, indem er in Lokalanästhesie nach Vorziehen der Zunge mittels zweier in sie gelegter Hattefäden durch«inen queren Dogen- schnitt ein Stück der' Zungenspitze entfernte. Noch der Naht hatte die Zungenspitze wieder die alt« Form. Glatte Heilung und promprcs Schwinden des Sprachfehlers waren das Ergebriis. In Fällen, bel denen jede Uebungstherapie versagt, wäre dies« einfache Operation zu versuchen.< Zivel Millionen Sinn, anderer in Frankreich. Während die ZavI der Franzosen selbst nur in sehr geringem Marc zunlinms. wächst die Zabl der ffitrvrtri' n er iiändla. S-e betrug tllgl über i v. Millionen imb iit im .tabve!92?, wie in der.tttini'chen Wochcnichrist' mitgeteilt wird,«ms über > ü Miliioncu angewachsen. Davon liehen sich mehr als 400000 in PariS nieder. Zur Eisenbahnfrage. Die«Note Fahne" bringt heute früh unter sensationeller Nus- niachunz«in angebliches Prwattelegramm au» London, wonach die Reichseissnbahner durch die bevorstehende Neugestaltung der Reichs- bahn auf Grund des Sachverständigengutachtens den Beamten» charakter verlieren sollen und m großer Zahl entlassen ro erden. Dies« Behauptung wird von zuständiger Stell« als voll» kommen wahrheitswidrig bezeichnet. Die Eisenbahner, die jetzt Reichebeamide sind, werden in Zukunft Reichsbeomte mit den gleichen öffentlich-rechtlichen Befug» nissen und Pflichten fein. Auch die Reichsbahndirektionen usw. behalten ihre öffentlich-rechtlichen Befugnisse. Durch die Neu» gcstaltung auf Grund des Sachverständigengutachtens wird an dem Veamtencharakter der Eisenbahner nichts geänderr. Betreffend die angeblichen Massenentlassungen handelt es sich um die Wieder- holung einer bereit, dementierten Falschmeldung. Deutsche Stellungnahme gegen die Belaffung von Regieeisenbahnern. WTB. meldet: Zu dem angeblichen ftonzöstschen Plan, bei Rück- gäbe der Strecken des besetzten Gebiete, an die Deutsche Reichsbahn trotz sonstiger Liquidation der Regie 4000 französische und belgisch« Eisenbahner im Betrieb« der rheinischen Eisen- --nfeen zurückzulassen, wird uns aus Eisenbahufachkreifen eltiärt: Ein solches Derlangen geht nicht nur über die Bestimmungen ??z rjeciailer Vertrages und den Plan der Sachverständigen hinaus, fonoern es widerspricht direkt dem Geist des Dawes- Gutachtens, das die wirtschaftliche Solweränltät Deutschlands wahren, die Reparationsftage auf rein wirtschaftlichem Weg« ihrer Lösung zuführen und dazu die Einheit der deutschen Derwaltunq wiederherstellen will. Die Deutsch« Reichsbahn kann die ihr zuge- dachten Reparationslasten auch nur dann voll tragen, wenn ihr G e- samtnetz wieder wie ftüher ein« wirtschaftliche Einheit bildet und nach den Grundsätzen höchster Wirtschaftlichkeit betrieben wird. Vorbedingung dafür ist, daß Redbungen und Störungen des Betriebes gerode im rheinischen Derkehrszentrum, von dem aus sich Betrieb und Verkehr des übrigen Reichs bahngelbietes bestimmen, ausgeschlossen werden. Solch« Störungen sind aber unvermeid- lich, wenn dort 4000 Franzosen und Belgier als ein Fremd- körper im Personal der Deutschen Reichsbahn sitzen. Die im Bahnbetrieb geradezu unerläßliche Einordnung und Unterordnung sowie das dienstfreudige Zusammenarbeiten aller Personalgruppen wären unerreichbar, wenn in einem Teil des Netzes fremdländische und fremdsprachig« Beamte im Dienst mitwirkten. Aus dem Be- dürfnis der Praxis ist der französisch« Plan sicher nicht entstanden, da die Belang« der alliierten Truppen durch das Nheinlandabkommen und die Ordonnanzen der Rheinlandkommission sichergestellt sind und Schwierigkeiten für die alliierten Truppen vor der Ruhr- oktion sich n i e g e z e ig t haben. Wie während der passiven Resistenz die Versorgung der englischen Truppen durch Abmachungen mit den Eisenbahnergewerkschaften durchaus sichergestellt war, würde sich im- schwer auch jetzt«in Weg für entsprechende Sicherungen finden lassen. Schon aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen heraus ist des- halb der französisch« Plan unannehmbar. verleumüer am Pranger. Aus Oldenburg wird uns geschrieben: Im März d. I. bei Beginn der Wohlbewegung wurde von deutschvöltischen Wanderredgiern überall erzählt, der Ober- bürgermeister Dr. Goerlitz sowie der Bürgermeister F i m m« n hätten reichen Jüdinnen Wohlfahrtsunterstützungen in größerem Maße zuteil werden lassen, während dem Arbeiter K i e s e l h o r st solche Unterstützung sowie auch die Arbeitslosen- uniersiützung verweigert worden sei. Kieselhorst hätte dann sich an unfern Genossen. Landesarbeiterrat Graeger, gewandt und dieser habe ihm erklärt, mit Rücksicht auf die ungeheure Er. rcgung, die dieser Borgang auslösen könne, müsse der Fall totge. schwiegen werden. Graeger habe ihm dann einmal im Auftrag« des Oberbürgermeisters ein« größer« Geldsumme als Schweigegeld angeboten, wobei Graeger aus eigenem Antriebe ihm eine wöchenr, liche Rente und. die Versorgung tntt Lebensmitteln und Winter- feuerung zugesagt habe. Unser Genosse beantragte, als ihm die Dinge bekannt wurden, bei der Staatsanwaltschaft die Eröffnung der Beleidigungsklage, die abgelehnt wurde, weil ein öffentliches ?nter�ssenichtvorli«ge.(!) Auch ein Antrag, die P r i v a t- klage zu erheben, wurde abgelehnt mit dem Bemerken, daß all« Privatklagen bis zum 1. April 1924 ruhen. Bald darauf erschien im deutschvölkischen„Niedersachsenherold" in Bremen(31. März) und am ö. April in der deutschvöltischen„chuder-Zeitung"«in Artikel mit der Ueberschrift„Hinter den Kulissen m Oldenburg". Auf den Antrag des Stadtmagistrats Oldenburg bequemte sich dann die Staatsanwaltschaft im öffentlichen Interesse Anklage zu erheben. Die Verhandlung fand jetzt vor dem Amtsgericht Oldenburg statt. Angeklagt waren der Fräser Ltieselhorst aus Oldenburg sowie ein« Reihe anderer völkischer„Größen". Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, Ende 1922 m Oldenburg und Hude durch drn selbständige Handlungen wider besseres Wissen öffentlich, in Beziehung auf einen andern eine unwahr« Tatsache behauptet und verbreitet zu haben, welche denselben verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, 1. indem er über den Oberbürgermeister Dr. Goerlitz zu Oldenburg aus freier Erfindung heraus verbreitet«, er liehe zwei in Ueberfluh lebenden Jüdinnen angemessene Wohl- sahrtsunterstützungen zukommen: auch habe derselbe ihm(Kiesel- borst), als er dem Oberbürgermeister dies vorgeworfen hätte, durch den Arbeiterrat Graeger 7S Milliarden Schweigegeld geboten. 2. indem er ferner über den Bürgermeister Fimmen zu Oldenburg wider besseres Wissen verbreitete, dieser ließ« roichen Jüdinnen Wohlsahrtsunterstützungen zukommen, ihm (Kicselhorst) dem Arbeitslosen und Kriegsbeschädigten, habe er Unterstützungen glatt abgeschlagen: 3. indem er über deMrbeiterrat Graeger zu Oldenburg aus freier Erfindung heraus verbreitete, dieser Hab« ebenfalls unter der Begründung, damit die Arbeiterschaft über die oben genannten Vorkommnisse nicht aufsässig wurde, und 4S Milliarden Schweigegeld und Schmiergeld geboten und ihm eine angemessen« Unterstützung zugesichert. Der Angotlagt« Kieselhorst, der zurzeit über drei Jahre Ge- sängnis wegen Urkunden- und Wechselfälschung verbüßt, erklärt ganz offen, daß die ganze Behauptung von Anfang bis Zu Ende erlogen fei. Der deutschnationale Privat- lehrer Spangemocher hat als erster über die von Kieselhorst erzählt« Geschichte ein Protokoll ausgenommen und an die übrigen Angeklagten weitergegeben. Da Kieselhorst in vollem Umfange ge- ständig ist, wir)» aus eine Zeugenvernehmung verzichtet. Das Urteil lautet« für Kieselhorst auf 9 Monate Gefänanis und für die übrigen Angeklagten auf Geldstrafe von 100 bis S00 Mark. Den Beleidigten wird das Recht zuerkannt, auf Kosten der Der- urteilten das Urteil im Bremer„Herold", in der„Huder Zeitung" und in zwei oldenburgischen Zettungen bekanntzugeben. So sehen die deutschvöltischen und nationalen Verleumder»ah ihr« Hiutermänner aus! wo bleibt üer heimatsthutz! Aus den Kreisen sozialistischer Anhänger des Natur- und Heimat- schutzes gehen uns folgende bemerkenswerten Ausführungen zu: Mit dem Augenblick, wo Berlin den Ehrgeiz bekam, eine„Welt- stadt" zu werden, hatte es nur noch Sinn für die groß« Zahl, und je näher seine Einwohnerzahl der anderer Großstädte kam. desto stolzer blähten sich die Derkünder seines Ruhmes. Wie der einzelne und feine Familie dabei fuhr, war den Helden der großen Zahl gleich. gültig Rur so konnte es geschehen, daß man sinn, und ziellos Häuser an Häuser baute und daß man ebenso sinnlos, ohne Plan und Lorbedacht, die neuen Straßen und Wohnviertel sich in das freie Land hineinfressen und dabei die vorhandene Naturschönheit wie durch einen Tank einfach niedertrampeln ließ. Es würde eine jammervolle Auffüllung geben, wollte man alles das zusammen- fassen, was im Lauf der Jahrzehnte auf diese Weis« unnötig an Naturschönheiten in und um Berlin vernichtet worden ist. Bon Zeit zu Zeit kam dann einmal, natürlich immer, wenn es zu spät war, ein zahmer Protest eines bürgerlichen Natur- und Heimatschutz- oder Dentmälerschutzvereins, und dann ging die groß« Walzs ihren Der- nichtungsweg weiter. So ist es, trotz mancher neuer Naturschutz- gesetzt, auch heute noch. Die Spandauer haben den wirklich niutigen und anerkennenswerten Plan, das ganz« prachtvolle und ren Berlinern wegen der schlechten Verbindung wenig bekannte Ufer von Spandau bis Sakrow als eine groß« einzigartige Uferpromenade zu erhalten, ein Korso der Zukunft, wie kein« andere Wettstadt ihn aufweisen könnte. Notwendig auch um desfentwillen, weil der stupide Kleinbürgersinn der ehemals kaiserlichen Berliner Stadtverordneten es zugelassen hat, daß der ganze Berliner Lauf der Spree zu einer einzigen Häßlichkeit wurde, daß mit einigen Ausnahmen die Berliner Spree unbeachtet und zwischen hohen Mauern dahinschleicht, während man es leicht gehabt hätte, sie mit reizenden Parkanlagen und Promenaden durch die ganze Stadt zu begleiten. Wie das hätte gemacht werden müssen, sieht man am Spreeufer des Plänterrvaldes. Die Spandauer nun sind modern genug, das, was Berlin bei der Sprss versäunrt hat, wenigstens bei der Havel nicht versäumen zu wollen. Und doch ist die Gefahr vorhanden, daß ihnen ihr Plan mißlingt, ganz einfach aus dem Grunde, weil wette Kreis« unserer Verantwortlichen in Per- waltung und Rechtspflege weit mehr auf den Schutz und die Förde- rung des privaten Eigentums als auf die Förderung allgemeiner Interessen eingestellt sind. Wo aber, ft> muß man fragen, sind bei diesem großartigen Projekt die Männer und Frauen des Berliner Heimatjchutzes? Oder sehen sie wieder einmal nicht die große Gefahr? Hier und ba wird das Ufer der Havel bereits durch Privatbesitz unter- brachen. Es wird nicht leicht sein, auf der Havelsette um diesen Privatbesitz herumzukommen. Verhütet aber muß werden, daß nun- mehr weitere private Grundstücke bis ans Wasser heran verkauft wer- den. Dar Berliner Heimatschutz, dessen Leitimg sich noch ganz in bürgerlichen Händen befindet, hätte hier einmal Gelegenheit, seine Existenzberechtigung nachzuweisen, nicht indem er mal eine Eingabe macht, sondern indem er Seite an Seite mit Spandau für di« Er- reichung des Ziele» kämpft. Die Friedrichshagener haben sich Ihre herrliche Müggel zubauen lassen, der Wannsee ist ganz brutal umbaut worden. Hier und an den meisten übrigen Stellea der Groß-Berliner Seen und Flüsse kommt man nur unter Benutzung der Restaurants an die Ufer. Ueberall herrscht der rücksichtslose Privatbesitz, von dem doch selbst Bölkische und Deutschnationale be- kennen, daß er, ol» dem römisch««, Recht entsprungen, dem germa- nischen Wesen fremd sei. Da nun der national« Einschlag in der Heimatschutzbewegung nicht gering ist, so könnte di« Bewegung hier in der Tot einmal di« in ihrem Sinn doch zweifellos germanischen Allgemeininteressen gegen die ftemdrechtlichen Privatinteressen verteidigen. Vorwärts also! war es ihr SraSer! Zu der Ermordung der Witwe Vöhler. Zu dem Frauenmord in der Leibnitzstraße wird noch mitgeteilt: Die ermordet« Witwe Luise Rößler stammte aus Samolucken und war 63 Jahr« alt. Ihr Mann starb schon vor zehn Iahren. Dor 14 Tagen hörte«in Hausbewohner abends nach 9 Uhr vor den Fenstern jemanden rufen. Er fragte hinaus, zu wem er wolle. Der Mann erwiderte: Zu Frau Rößker. Bon den Nachbarn verständigt, sah nun die Witwe zum Fenster hinaus und sagte:,.Ach, das ist ja mein Bruder>" Sie ging dann hinunter, schloß auf und ließ den Mann hinein. Seitdem behielt sie ihn in ihrer Wohnung. Jetzt aber ist dieser Mann verschwunden. Frau Rößler wurde seit Sonnabend auch nicht mehr gesehen. Das fiel den Hausgenossen endlich auf und sse benachrichtigten gestern nach- mtttag die Polizei. Dies« ließ durch einen Schlosser öffnen und fand die Bermißte in einen Teppich eingehüllt tot daliegen. Nur di« Füße ragten aus dem Teppich heraus. Der Gerichtsarzt Professor Dr. Strauch stellte fest, daß die Frau, di« ganz angekleidet war, zwei Schläge auf di« recht« Schläfe und einen auf di« Schödeldeck« erhalten hat. Die Hiebwunden, die wahrschein- lich von einem stumpfen Werkzeug, vielleicht einem Hammer her- rühren, waren so tief, daß das Blut herousgespritzt kam. Der Mörder hat sich aber nach der Tat viel Zeit gelassen und alles aufgewischt. Nur auf der Decke eines kleinen Tisches, der am Fenster stand, fand man noch etwa 20 Blutspritzer. Geraubt scheint nichts zu fein. Auf einem kleinen Nadelkissen, das neben Photographien auf einer Kam- mode steht, steckt noch eine Brosche, die aus einem goldenen Zwanzig- frankenstück besteht. Di« Ohrringe hatte die Ermordete noch in den Ohren. Frau Röhler hatte am Sonnabend, als man sie zuletzt sah,. geäußert, daß sie noch Spremberg zu ihrem Sohne fahren wolle. Die Persönlichkeit des angeblichen Bruders, der die 14 Tage bei der Ermordeten gewohnt hat, ist noch nicht festgestellt. Mitteilungen zur Aufklärung nehmen die Kriminalkommissare Geißel und Io- Hannes Müller im Zimmer 56 des Polizeipräsidiums, Hausanruf 195 und 434. entgegen._ Gegen das Knattern des Motors. Heber immer unerträglicher werdende Belästigung durch Geräusch im Verkehr mit Krafträdern wird seit längerer Zeit lebhost Klage geführt, namentlich über das laut« Knattern der Klein» trafträder. Der Preußische Minister für Handel und Gewerbe und der Minister des Innern geben des- halb in einer Verfügung an die Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten von Berlin ein Schreiben des Reichsoerkehrs- Ministers weiter, worin sie, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolg«, ersuchen, auf die gewissenhafte Beachtung der für Kraft- räder gegebenen Borschriften mit Nachdruck hinzuwirken und gegen Ueberschreitungen einzuschreiten. In dem Schreiben des Reichsoerkehrsministers wird auf die gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen, wonach die Kraftfahrzeuge so beschaffen sein müssen, daß jede vermeidbore Belästigung von Personen und Gefährdung von Fuhrroerken durch Geräusch« usw. ausgeschlossen ist. Di« Ab- sührung der Verbrennungsgas« bei Explosionsmaschinen hat unter Anwendung ausreichender schalldämpfender Mittel zu ge- schehen. Der Führer ist insbesondere dazu verpflichtet, Sorge zu iragen, daß eine nach der Beschaffenheit des Kraftfahrzeuges oer. meidbare Entwicklung von Geräusch in keinem Falle eintritt: das Oeffnen von Auspufstlappen innerhalb geschlossener Orteteile ist verboten. Die Reinhaltung der Straßen von den Auspuffgasen der Autos ist zudem eine dringende Not- wendigkeit der allgemeinen Bolkshygien«. In Berlin sind die Der. Hältnisse bereits so weit gediehen, daß sie nicht mehr länger ertragen werden können und die Vergiftung der Lust durch Automobilgase macht es zu einer Unmöglichkett, z. B. tm Aiergarten noch irgendeine Erquickung zu finden.— Am Schlüsse heißt es, daß die Beseitigung dieser Auswüchse im Jnter- esse der weiteren Entwicklung dieses wichtigen Verkehrszwelges selbst gelegen ist._ Wieder ein Straßenbahnunfall. Sechs Perfooea oerletzt. In geradezu auffälliger Weife mehren sich in der letzten Zelt die Straßenbahnunfälle ernsterer Art. Wenn das etwa mit einer Ueberaustrengung des Fahrperfonals im Dienst— anders kann man sich das kaum erklären— zusammenhängen sollte, so hätte das die Straßenbahn benutzend« Publikum all« Ursache, von der Straßen- bahndirekticm eine schleunige Aenderung dieser Zustände zu ver» langen. Auch die Aufsichtsbehörden seien auf diese ständig zu- nehmende Gefährdung des die Straßenbahn benutzenden Publikums verwiesen. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen zwei Straßenbahii- wagen der Linien 56 und 11 ereignet« sich Montagaibend gegen 9 Uhr auf der Kreuzung Invalidenstraßc— Neues Tor: Angeblich infolge Lersagene der Bremse eines der Wagen stieß dieser mit voller Gewalt auf den anderen, so daß die Vorderplattform des ersten Wagens des Straßenbahnzuges 56völl igzertrümmert wurde und der- Wagen abgeschleppt werden mußte. Bon den Insassen der beiden Elektrischen sind insgesamt 6 Personen mehr oder weniger schwer oerletzt worden, und zwar ein Fräulein M ar y Hu m b s ch aus Buch, Schildowstr. 73, der Kaufmann Gustav Tod aus der Paulstr. 10, ein gewisser Theodor von Majenewski aus der Witfftocker Straße 50, Frau Luise Krüger rnis der Reuchlinstraße, Karl Kliem« aus der Wi- kingerstraße 8 und Fräulein RoseGöbert aus der Gartenstr. 112. Tod und Frau Krüger mußten nach der Charite geschafft werden, da der erster« schwere Kopfverletzungen, die letztere einen Nervenchok und schwer« B ei n q u«tisch u ng« n davon» getragen hatten. Die anderen vier Personen konnten nach Anlegung von Verbänden in der nächsten Rettungsstelle in ihre Wohnungen geleitet werden. Unsere alte Fahne rot... Aus Brandenburg'a. d. H. wird uns geschrieben: Bon alten Parteifahnen ist letztens im„Vorwärts" wiederholt die Red« gewesen. Die Brandenburger Genossen fühlen sich veranlaßt, der Dollständigkett halber ergänzend mitzuteilen, daß auch in Brandenburg(Havel) die alte, im Jahre 1872 ge� stiftete Parte ifahn« noch existiert und daß die Branden, burger Parteigenossen bereits am 9. Juli 1922 das SOjährige Jubiläum ihrer Fahne gefeiert haben. Di« Fahne ist der Partei auch während des Sozialistengesetzes, trotz vieler Nachforschungen seitens der Polizei, erholten geblieben. Im Jahre 1891 gab dies« Fahne sogar Veranlassung zu einer besonderen Polizeiverordmmg, wonach rote Fahnen, deren Entfaltung als Demonstration gegen die bestehenLs Ordnung zu wirken bestimmt oder geeignet ist. im Polizeibezirk Bran» denburg weder öffentlich sichtbor befestigt noch geführt werden dursten� uwiderhandlungen sollten mit 30 M. Geldstrafe geahndet werden. ie Fahne der Partei wurde beschlagnahmt. Die Partei klagte da» gegen bis zum Oberoerwaltungsgericht, aber noch bevor die Klage entschieden war. ließ die Polizeiverwallung unserem Vertrouensmamr Schneider di« Fahne wieder zustellen. Die Partei hat sich an d!s Polizeioerordmmg wenig gekehrt, und auch die Polizei scheint von! ihrer Rechtsgüttigkeit wenig überzeugt gewesen zu sein. Als 1897! zwei Genossen auf Grund der Verordnung Strafmandate erhielten. erfolgte gerichtliche Freisprechung. Die Rechtsgüttigkeit der Dev» ordnung wurde in Zweffel gestellt. Emil voeske, der frühere langjährig« Kassierer und Sekretär des Berbandes sozialdemokratischer Wahloer eine Berlins und Um» gebung, ist, wie wir soeben bei Redaktionsschluß erfahren, in da; vergangenen Nacht verstorben. .Ferienspiele für Schulkinder. DaS Bezirksamt Kreuzb erg teilt mit: Die städtischen Spielplätze„Am Urban" und.Katz» .Bachstrafe e" sind ab 14. Juli er. bis zur Beendigung de» Ferien täglich von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 3 bis 6 Uhr nachmittags geöffnet. Die Stelle eine» vezernenleo für da» Beruf»- und Fachschul- weseu(MagistratSoberichulrat). die besetzt werden soll, gibt de, Magistrat im Gemeindeblatt vom 20. Juli 1924 bekannt. Die Be« soldung erfolgt nach Gruppe XHI des staatlichen Gruppenplanes. Mitteilungen von Bewerbern sind bis zum 1. September 1924 an die Deputation für Schulwesen, Abteilung III, einzureichen Näheres ergibt die Bekanntmachung im Gemeindeblatt. Bertannle Reich»bann erleule. Bier junge Leute, die dem „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold' angehören, wurden gegen 9�/« Uhr abend? in der Gustav-Meher-Allee im Stadtteil Wedding durch etwa ein Dutzend junger Burschen, die sich selbst als Kom� m u n i st e n bezeichneten, überfallen und mißhandelt. Al« Polizeibeamte eintrafen, waren die Angreifer bereits ver» schwunden. Offenbar hatten die Kommunisten geglaubt, Bismarck» bündler vor sich zu haben. Zum Prozeß gegen die jugendlichen Totschläger. Gegen das Urteil, da? Max Papke zu sechs Jahren Gejängnis und seinen Bruder Kurt Papke zu drei Jahren Gefängnis(durch einen Telephonfehler war irrtümlich Zuchthaus angegeben worden) bat R.-A. Dr. Max Kantsrowiez für den jüngeren Kurt Papke Be- rufung eingelegt, da dieser bei der Behauptung verbleibt, daß e« an der Tat nicht beteiligt gewesen sei. Der Fall wird daher voxauSsichtlich vor der großen Strafkammer des Landgerichts I noch einmal zur Verhandlung, kommen.— Gegen Jugendliche kann nur auf Gefängnis erkannt werden. Ein Alordv ersuch rief gestern abend in der Bötzowstrafee einig« Ausregung hervor. Ein 37 Jahre alter Kaufmann Artur Ehrenberg aus der Senefelderstr. 27 versuchte in der letzten Zeit wiederholt, seine 31 Jahre alte Frau Ella, die getrennt von ihm in der Bötzow- strafe« 9 wohnt, zur Rückkehr zu bewegen, hatte damit aber keinen- Erfolg. Gestern abend um&lA Uhr lauerte er ihr auf dem Flur des Hauses Bötzowftr. 9 auf und gab nach kurzem Wortwechsel einen R e o o l v e r s ch u ß auf sie ab. Di« Frau schlug die Waffe hoch, so defe die Kugel sie fehlte und in die Decke ging. Ehrenberg entfloi» jetzt, wurde aber auf ihre Hilferuf« verfolgt, bald ergriffen und den Kriminalpolizei vorgeführt._ Ein siebzehnjähriger Mörder. Die Münchener Polizei fahndet nach dem 17jäbrigen Gymnasiasten Keßler. Dieser sieht im dringenden Der- dacht, den Studienrat Dr. Herz bei Berchtesgaden ermordet zu haben._ Drei Todesurteile. Vor dem Schwurgericht Münster stände» der Arbeiter Struß. der Bergmann Neisie und die Mutter des erlteren, Frau Struß. Auf Anstiftung der Frau hatten die beide« erstgenannten den Ehemann Struß, der gegen Frau und Kinder sehr gewalttätig gewesen war, ermordet. Das Urteil lautete gegen alle drei auf Todesstrafe. Ein deutscher Dampfer untergegangen. Wi« gemeldet wird, ist der Oldenburger Dampfer„Schill" mit 13 Mann Besatzung im AtläntischenOzean untergegangen.— Aus Tokio kommt die Nachricht, daß am 11. Juli der Frachtdampfer„M a t s u- j a m a Maru" auf der Höhe der Gotoinseln gescheitert ist, woz bei 57 Personen ertranken. Wetter für morgen. Berlin»ad Umqegeud: Warm mit anhaltender Gewitterneigung. Deutschland: Ueberall warm, im Osten ziemlich hettcr, im Westen unt Südes zahlreiche Gewitter. OewerMastsbewegung Größere Produktion bei verkürzter Arbeitszeit. Wie die Unternehmer, wenn sie gezwungenermaßen bei ver- kürzter Arbeitszeit produzieren, sich selbst das Verdienst für die gesteigerte Arbeitsleistung zuschreiben, dafür ist die Aeußerung eines der führenden englischen Zechenbesitzer, die wir dem .Labour Preß Service" entnehmen, bezeichnend. Danach sagte Herr Evan Williams: „Unter ungeheuren Schwierigkeiten, die noch verschärft wurden durch die inneren und äußeren Bedingungen des Handels, durch die fortgesetzten Forderungen auf höhere Löhn« ohne gesteigerte Pro- duktion seitens der Bergarbeiter und durch die fortgesetzte politische Einmischung, ist«s den Zechenbesitzern gelungen, die a u s l ä n- difchen Märkte wieder zu gewinnen, die zeitweise verloren waren oder aufgegeben wurden. Es ist ihnen gelungen, durch oerbesserte Methodn und große Kapitalanlagen bei einer Siebenstundenschicht das F ö rd« r u n gs e r g e b n i s wesentlich über die hoch st« Förderung vor dem Kriege zu steigern, als die A cht st u nd« ns chi ch t bestand." In dieser Behauptung liegt zwar ein offenbarer Widerspruch. Ohne ein« gesteigerte Arbeitsleistung durch die Bergarbeiter kann selbstverständlich das Ergebnis der Kohlenförderung nicht gleichzeitig gesteigert werden. Aber das Eingeständnis, das in dieser Behauptung liegt, wonach trotz der Siebenstundenschicht das Förderungsergebnis über das vor dem Kriege, gesteigert wurde und daß trotz der Lohn- erhöhungen die Absatzgebiet« zurückerobert werden konnten, ist wert- voll genug, um es zu unterstreichen. Wir wollen es ganz besonders deshalb hervorheben, weil die Abbaubedingungen in den englischen Kohlengruben im Durchschnitt durchaus nicht günstiger liegen als in den deutschen Bergwerken. Wenn es also in England gelungen ist, bei erhöhten Löhnen und verkürzter Arbeitszeit günstigere Ergebnisse als vor dem Kriege zu erzielen, so dürft« das auch in Deutschland nicht unmöglich sein. •" Die Dienstzeit See Eisenbahner. In England und in Deutschlaad. Der Kongreß des englischen Eisenbahnerverbandesaß man den Händlern es geradezu erleichtert, den Preisabbau.zu unterlassen und sich bei ihren Forderungen noch auf den Staat zu berufen. Noch immer weniger Konkurse als vor dem Kriege. Trotz der Aushebung der Geschäftsauffichwerordnung war im Juni die Zahl der Konkurse immer noch niedriger als vor dem Kriege. Das reichs- statissische Amt stellt für den Monat Juni 586 Konkurse gegen 326 im Mai, 139 im April und 35 im Monat Juni 1923 fest. Der Monatsdurchschnitt 1913 besief sich auf 815. „Aus Gründen der Selbsterhaltung." Die dsussch-oberschlesische Eisenindustrie führt seit langem einen hartnäckigen Kampf um Ermäßigung der allgemeinen Tarsssätze sowie auf Wiedergewährung ähnlicher Ausnahmetarife, wie sie im Frieden bestanden haben. Be, gründet wird die Forderung durch die geographische Lage Ober- schlesiens, das im Erz- und Koksbezug auf Schweden, das Sieger- land, Mitteldeusschland und Niederschlesien angewiesen ist. Bis jetzt sind die Bemühungen am Widerstand der Reichsbahn gescheitert. Die Eisenindustrie erklärt deshalb,„aus Gründen der Selbsterhaltung die L ö h n e a b b a u e n zu müssen", trotzdem sie die traurige Lage der Arbeiterschaft anerkennt. Sie bietet damit ein klassisches Besspiel für die Abwälzung der Lasten ausschließlich auf die Schultern der Arbeiterschaft, die sich„aus Gründen der Selbsterhalwng" dagegen zu wehren wissen wird. Verantwortlich siir Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft:«rtnr Saternuv; Sewerkschaftsbewesun«: Z. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowali; Lokales und Sonstiges: Waller Trojan; Anzeigen: Th. Stacke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlo» S. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerek und Verlogsonstalt Paul Singer u. To., Berlin EW. 68, Lindcnfiraße 3. Gewinnlitte der 23. Pre«ttiscl>>-Süddeutscken(249» Prcun.) Massen-Lotterie «. Klaffe 21. Juli 1924 Ohne Gewähr. Nachdruck Verbote». 1 Gewinn zu Iv voo Rm 78578 6 Gewinne zu 6 000 Rm 130325 139735 176425 186925 209425 212725 5 Gewinne zu 3 000 Rm 61925 77278 137378 15362® 187925 12 Gewinne zu 5 000 Rm 7735 66935 67478 96138 158025 160526 241025 249076 271278 287678 289125 391673 21 Gewinne zu 1 000 Rm 5878 17378 30125 30425 43478 48325 51278 67325 73725 87325 90328 110925 123625 123678 154278 164225 181426 188828 228678 246726 258625 48 Gewinne zu 800 R« 4925 9528 16225 16978 22478 25378 29678 32078 41678 62778 67278 60125 62425 63478 67678 66725 70225 76836 80978 81178 87273 108025 118278 131078 146026 148678 149778 157978 174125 202678 205725 214878 230978 245278 255878 256378 261325 270225 272078 273478 281825 236825 268978 292426 298223 298776 88 Gewinne zu 500 Rm 4278 9378 12025 12278 12778 21678 21878 22625 23235 38525 42978 48678 63478 59578 69478 77378 83925 89426 91978 94125 04478 95678 104425 106625 108878 108978 109928 111325 115478 115926 116478 121326 122278 125525 126625 128378 133278 133778 134625 137278 140525 141678 157025 167825 167078 168535 181578 182273 185978 186625 189225 191778 194225 196278 201728 201778 209825 210725 211878 215778 217326 219925 220578 221525 224325 228378 230225 230725 234273 243225 248225 249725 253578 368278 258025 268078 258425 269325 267625 276926 279125 286478 285525 286925 290378 294626 297725 299625 221 Gewinne zu 300 Rm 478 725 3078 6378 6373 7225 7325 7625 8678 8325 11978 17978 18278 18873 20026 22425 24578 26225 26925 27278 27925 28373 50078 32525 34725 34878 34978 35178 35926 36473 39726 40078 40525 43126 43878 45425 47178 47473 48078 48278 49478 60278' 51178 52425 63678 63873 54425 65078 65825 66078 56178 68878 60825 64725 57578 67725 77625 78878 78925 79378 79978 82625 83178 83425 84125 86278 88425 90778 91625 91673 92025 93625 94078 95525 97025 98225 99378 103178 104478 105025 105478 108478 107878 111425 112925 113425 114525 117178 120178 120825 122825 123378 123825 124325 125025 125426 127025 127225 128478 132825 133978 134425 134978 135678 139925 140825 141778 143578 143825 144178 146878 148978 149125 149825 150378 151925 152225 152978 154025 164878 156678 159425 159978 161573 162025 163625 164425 164578 164825 186125 157425 167878 188478 169578 171025 171778 172578 173378 179625 180325 185325 187025 167525 187678 190878 191673 191825 191973 193525 194425 197125 197878 198025 200878 201478 201978 203678 203978 204925 208878 209878 211825 212678 212878 213578 215225 216825 217478 222725 223125 223625 225178 225778 226078 228925 229378 210178 232925 234325 234378 236278 238678 240378 242025 242978 245125 248925 248325 248778 251225 252078 252525 254773 280625 282478 262878 263178 263378 285225 266225 267978 269625 270378 271678 272173 273878 275825 276125 278778 280925 283725 284525 287078 283525 290978 291226 291478 291625 293325 297125 298378 Aus alle Losnummern von 1 bis 800 000. die auf die Zahlen 25 und 78 end:n und ni»> mit einem höheren Gewinn gezogen wurden, entfällt der Gewinn von 150 Rm. vsmen-ltoalelitton erkalten Sie bei vcqne inster Tellzablunx von nur wöchentlich 2.- jetzt auch direkt ans der Fabrik 0. 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