Nr. 342 ♦ 41.�ahrganq Ausgabe A Nr. 175 Bezugspreis: Wöchentlich 7a Doldpfennig, nlonatlich L,— Doldmarl voraus zahlbar. Unler Kreuzband für Deulfchiand. Danzig, Saar» und Memelgebiet. Oesterreich, Litauen. Luxemburg 4,50 Doldmarh für das übrige Ausland 5.50 Doldmar! pro Monat. Ler..Zorwärts' mit der Sonntag». beilag-„Volt und kieir" mit„Sied. lung und Kleingarten', sowie der Unterhaltungsbeilage„Heimwelt' und Fraucnbeilags„Frauenstimme' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montag, einmal. Telegramm-Adresse: „Soziatdemoirot Berlin' Morgenausgabe W H> Nevlinev VolkslrlAtt ( lOGoldpiennig � 100 Milliarflen Anzeigenpreise: Di» einspaltige Nonpareille» »eile 0.70 Doldmark, ReklamezcUe t.— Doldmark.„Kleine Anzeige»' da« fettgedruckt« Wort 0,20 Gold- mar! lzuläsiig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort O.lO Doldmark. Stellengesuch« das erste Wort 0,10 Doldmark, fedc» weitere Wort 0.05 Eoldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Der Bericht darüber wird am ZNiltwochvormiilag dein zweiten Ausschuh oorgclegi und dann der nachmittags stattfindenden Vollversammlung der Konferenz überreicht. Es herrscht allgemeine Befriedigung darüber, daß der llnkerausschuß die sehr weit auseinandergehenden Gegensäße in dieser Angelegenheil hat überbrücken können. Der Auterausschliß hatte die Aufgabe, die Maßnahmen zur Durch- führung de? Sachverständigen gulachkens festzulegen. Er beschloß. daß die deutsche Regie rung aufgefordert werden soll, bis zum 14. August die zur Durchführung des Gutachtens nötigen Gesehe der Reparations- kommission zu überreichen. Von diesem Termin an soll i—'erha'b nur weniger Machen an der Ruhr die w i r t s ch a f i- liche Oberhoheii Deuischlonds wieder eingesehi werde». 3n der Zwischenzeit beabsichtigen die alliierten Mächte, über die völlige Freigabe der rheinischen Eisenbahnen zu beralen. Die Kommission gibt der Hoffnung Ausdruck, daß eine be- sricdizende Lösung dieser Frag- erreicht wird. London, 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Einwände der internationalen Finanziers gegen das Beratungsergeb- nis der ersten Kommission richten sich nicht nur gegen die Einschal- inlw der Neparationskommission bei der Feststellung deutscher Der- f.'htungen. sondern vor allem gegen die Möglichkeit eines srparaien Vorgehens einzelner Mächte im Falle deutscher Unier- lassungssüuden. Das ergibt sich aus dem inzwischen veröffentlichten Wortlaut des Protokolls der eisten Kommission ganz deutlich. Es gestattet zweierlei Auslegung, und zwar die Berechtigung zu einem geschlossenen Vorgehen als auch die Annahme zur Berechtigung separater Aktionen. Diese Möglich- keit der Zluslegung wird von der französischen Delegation nicht bc- stritten, sondern sogar als richtig bezeichnet. Außerdem richtet sich der Widerstand der internotionalen Finanziers gegen das Vcr- langen der französischen Delegation,-einen Teil der Regie im besetzten Gebiet aufrechtzuerhalten, Schtießlich verlangt insbesondere der Präsident der Bank von England die Einladung Deutsch- l a a b s als gleichberechtigten Teilnehmer an den abschließenden Verhandlungen. Am Dienstagnachmittag haben sich die Führer der einzelnen Delegationen unter dem Borsitz Mocdonalds mit der durch die Forderungen der Finanzwelt geschossenen Lage beschäftigt. Außerdem fanden Beratungen sämtlicher alliierter Finanzsachver- ständigen mit dem Gouverneur der Bank von England Montague Norman, dem Berireter des amerikanischen Bankhauses Morgan, Lamert, Mac Kenna und einem Vertreter der Londoner City statt. Iranzö')ische presse unö Satikier- Einspruch. Ruhige Beurteilung— Hoffnung auf Erfolg der belgischen ltoniproniiszformcl. Dar!». 22. Juli.(Eigener Drahtdericht.) Das V« t o der inter- nationalen Finanz gegen das am Sonntag in der ersten Kommission der Londoner Konferenz zustande gekommene und von den alliierten Regierungen gutgeheißene Kompromig in der Frage der Feststellung deutscher Verfehlungen und ihrer Ahndung wird in Paris, nachdem die erste Erregung, die der Alarm der nationalistischen Press« aus- gelöst hatte, sich etwas gelegt hat, weit weniger tragisch genommen als man hätte annehmen können. Auch in den Kreisen der sranzösifchcn und belgischen Delegation scheint man aus den aus London vorliegenden Nachrichten die Situation durchaus ruhig und sachlich zu beurteilen und in der Intervention der Bankier keineswegs eine Bedrohung des Enderfolg-s der Konferenz zu erblicken. Man ist bereit, den durch jene zum Ausdruck gebrachten Bedenken der Geldgeber Rechnung zu tragen. Der belgische Ministerpräsident T h eu ni s hat bereits eine Kompromißformel vorgeschlagen, die, wie es in einer offi- ? ölen Mitteilung heißt, den§ 7 des Anhanges II zu Test 8 des Friedensvertrages zur Grundlage hat. Dieser Paragraph ermäch- tigt die Reparotionskommission u. a., Sonderausschüsse zu bilden, deren Mitglieder nicht der Neparationskommission selbst an- zugehören brauchen, und ihre Befugnisse und Bollmachtcn auf diese zu übertragen. Auf Grund dieses Paragraphen ist nicht nur die Einsetzung des ersten Bankierkomitess im Jahre 1922, sondern auch die des Komitees Dawes erfolgt. Die vorgeschlagene Lösung läuft also zweifellos darauf hinaus, daß die Reparationskommission bei ihren Beschlüisen über die Feststellung etwaiger deutscher Der- sehlungen an das Gukachle» cioer von ihr selbst eingesetzten zweiten Znstanz gebunden sein soll. die, wie man in Paris annimmt, entweder das Finanzkomitee dds Völkerbundes oder«ine aus den ehemaligen Mitgliedern des Komitees Dawes zusammengesetzt« besondere Kommission sein wird. Man glaubt, damit die Form gefunden zu haben, die sowohl die Autorität der Neparationskommission wahrt, wie die Ansprüche der internationalen Finanz befriedigt. Dagegen scheint für die von den Geldgebern oerlangte Garantie gegen französische Sonderaktionen vorläufig nicht oh-nc weiteres eine endgültige Lösung gesunden zu werden. Die Einladung der deutschen Regierung zur Londoner Konferenz war am Dienstag Gegenstand eines neuen inoffiziellen Meinungsaustausches zwischen den alliierten Regierungschefs. Di« englische Delegation ist gebeten worden, ihre Auffassung über diese Frage schriftlich niederzulegen. Die juristischen Sachverständigen der Konferenz haben darüber am Dienstag abend beraten. Die alliierten Ministerpräsidenten sollen in ihrer für Mittwoch anberaumten Sitzung einen endgültigen Beschluß fassen. Ueber die Haltung Frankreichs heißt es in einem offiziösen Kommunique: Die französische Delegation werde von dem Urteil ihrer juristischen Rargeber die Entscheidung ab- h ä n g i g machen, ob die deutsche Delegation unmittelbar von der Konferenz oder in einem späteren Zeitpunkt von der Repa- rationskommission zu hören sei. Auf jeden Fall aber werde man von französischer Seite eine Diskussion mit Deutschland erst zulassen, wenn die Konferenz zu einer Verständigung über die Be- schlüsse de? drei Kommissionen gelangt sei. Baris, 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Auch die Kommentare der Dienstogabend-Blätter zu der Wendung, die die Ding« auf der Londoner Konferenz am Montag genommen haben, sind außer- ordentlich gemäßigt. Der„V.emps" gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es durch die von belgischer Seite vorgeschlagen« Kam- promißformel gelingen werde, das Hindernis zu überwinden. In diesem Zusammenhang richtet er an die oppositionelle Press« die Warnung, die Schwierigkeiten, mit denen die Konserenz zu kämpfen habe, nicht noch zu vergrößern. Die„Information" erklärt, es handle sich bei der Intervention der englisch-amerikani- schen Finanz weit weniger um eine Garantie für den Verhältnis- mäßig niedrigen Betrag der Anleih«, als oielmehr darum, ein« Sicherung zu erlangen gegen die Möglichkeiten neuer Störungen des wirtschaftlichen Gleichgewichts und des internationalen Güter- austausches durch politische Abenteuer. §oröerungen öer Deutschnationalen. Zur Londoner Konferenz. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat am Dienstagabend folgenden Beschluß gefaßt: „Die Mehrheit des Reichstages hat, indem sie die erste Lesung des Notetats auf Freitag verschob, es geflissentlich unmöglich g«- macht, bei der einzigen sich bietenden Geleg.-nheit rechtzeitig im Reichstag die Richtlinien festzulegen, die von der Reichs- regierung ouf der Londoner Konferenz einzuhalten sind. Das ist um so unverantwortlicher, als die Politik der gegenwärtigen Reichs- regierung zu Illusionen geführt hat. Die deutschnotionale Reichs- tagssraktion sieht sich deshalb genötigt, auf diesem Wege vor allem folgende Forderungen andieRegierung zurichten: 1. An den VerHand- lungen der Londoner Konferenz darf die deutsche Regierung nur teil- nehmen, wenn sie nicht zur Entgegennahme eines Diktats hinzu- gezogen, sondern als gleichberechtigter Teilnehmer zu den VerHand- lungen eingeladen wird. 2. Alle von den Tkfatzungsbehörden Mährend und nach dem Ruhreinbruch verurteilten Gefangenen sind sofort freizugeben, alle aus dem alt- und neuöesetzten Gebiet Ausgewiesenen sind in die Heimat zurückzuführen und in ihr« Recht« wieder einzusetzen. 3. Die Em- bruchs- und sogenannten Sanktionsgebiete sind unverzüg- [ich wirtsckzafllich freizugeben und militärisch zu räumen. 4. Für das altbesetzte Gebiet ist unverzüglich die wirtschaftliche und Verrvaltungshoheit des Deutschen Reiches einschließlich der vollen Einheitlichkeit des Einbruchsgebiets wieder herzustellen und die Anerkennung wieder zu sichern, daß die Fristen für die Räumung mit dem 10. Januar 1920 zu lausen begonnen haben. 5. Deutschland muß gegen zukünftige sogenannte Sank- t ionen in jeder Form gesicheri sein. 6. Forderungen, die nicht wirtlich erfüllt werden können, oder die gegen die Würde oder Unabhängigkeit Deutschlands verstoben, dürfen nicht zugestan- den werden. 7. Das der Wahrlzeit widerspxchsnde Schuldbekenntnis des Artikels 231 des Bersailler Vertrages ist in aller Form zu widerrufen. Abmachungen, die dielen Mindest. bedingungen nicht entsprechen, werden wir uns mit ollen Mtteln widersetzen. Als Bedingungen eines Siegers nach gewonnenem Sieg find diese Forderungen ganz vernünftig, ja sogar gemäßigt. Unter den gegebenen Verhältnissen sollen sie wohl dazu dienen, „der Regierung den Rücken zu stärken" und den eigenen Um- fall vorzubereiten. Herriots Innenpolitik. (Bon unserem Pariser Korrespondenten.) Paris, 21. Juli. Die Liquidation der Politik des Bloc national stellt sich von Tag zu Tag mehr als eine Aufgpbe lzeraus, die größere Geduld erfordert, als es die Optimisten bisher erhofft hatten. Innenpolitisch hak sich das Ministerium Herriot bis jetzt nur auf. einige Gesten beschränken müssen, die zwar nicht ohne Be- deutung sind, aber immerhin die Grundprobleme nicht be- rühren. Zunächst hat der Antrag der Regierung, die Ueberfühnmg von IcanIaures nachdemPantheon vorzunehmen, insbesondere die Begründung, in der Iaurds als einer der größten Geister und der vorbildlichsten Friedensfreunde ge- feiert wird, im Lager der Reaktion Entrüstung hervorgerufen. Im klerikalen Blätterwald wurde ein starker Unwille entfacht, als der Unterrichtsmmister die Abschaffung der Erlasse von V6rard amkündigte, die den höheren Unterricht für die be- sitzenden Klassen monopolisieren. Auch die Verteidigung der A m n e st i e in der Kammer und das Drängen der Regierung, den größten Teil der von den Kriegsgerichten Verurteilten zu begnadigen, veranlaßte die Nationalisten zu wilden demagogischen Angriffen gegen Herriot. Schließlich rief die Erklärung des Arbeitsministers in Genf, der den Achtstundentag als unantastbare Errungenschaft der Arbeiterschaft feierte, im Lager der Großindustriellen, die unter der Herrschaft des Bloc national den Abbau des Achtstundentages vorbereiten durften, starke Proteste hervor. Erst in den kommenden Sessionen wird der eigentliche Kampf um die Verwirklichung der hauptsächlichsten Punkte des Wahlprogramms der Linken beginnen, und zwar wenn es sich darum handeln wird, das Steuersystem in neue Bahnen zu lenken und dem Budget ehrlichere Grundlagen zu geben, als es zum Schluß des Bloe-nationai-Regimes, z. B. unter Herrn de Lasteyrie(der übrigens völlig von der poli- tischen Bildfläche'verschwunden ist) der Fall war. Die Klippen, auf die Herriot innenpolitisch stoßen wird, sind weder weniger gefährlich noch weniger zahlreich als die- jenigen ouf dem außenpolitischen Gebiet. Zwei der gef�lzr- lichstein hängen mit dem großen Problem des Klsri- kalismus zusammen. Seit der Durchführung der T�en- nung von Kipch« und Staat vor zwanzig Iahren schien dieses Problem endgültig erledigt. Als eine Folge des Krieges und der Rolle, die sich der politisch aktive katholische Klerus wieder zu erringen wußte, nicht zuletzt aber auch infolge der Rück- kehrdesElsaßan Frankreich und der provisorischen Auf- rechterhaltung des Konkordats in den drei Ostdepartemcnts gibt es heute wieder eine klerikale Frage in Frankreichs Unter dem Bloc national wurden zwar die welttichen Gesetze als „unantastbare Gesetze der dritten Republik" proklamiert— sowohl von Clemenceau als von Millerand und von PoincarS. — aber bei offizieller Ausrechterhaltung aller Gesetze fand eine langsame Durchdringung des offiziellen Geistes mit klerikalen Auffassungen statt, und da sich in Frankreich stärker als sonst in irgendeinem anderen Land Klerikalismus und reaktionärer Chauvinismus decken, sahen die Pepublikaner der Linken darin eine der gefährlichsten Bedrohungen der Republik. Das allein erklärt die Heftigkeit, mit der von radikal-sozialistischsr Seite gegen die Wiederherstellung einer französischen Bot- schaft am Vatikan angekämpft wurde und wird. Die politisch-diplomatischen Vorteile, die eine solche Vertretung Frankreichs am Vatikan haben kann, sind allen klar, wenn man auch über deren wirtliche Bedeutung sehr verschiedener Meinung ist. Schwerer wiegt in den Augen des größten Teiles der Linken die Tatsache, daß die Wiederherstellung der Botschaft am Vatikan wie das Symbol eines Wiederaufstiegs des Klerikalismus wirkte und bei allen Feinden der weltlichen Gesetzgebung den Willen zum Kampf stärkte. Die Liquidation dieses klerikalen Geistes wird eine der schwersten Aufgaben sein, vor der sich die neue Kammermehr- lieit und ihre Regierung gestellt sehen. An dem konkreten Problem der Einführung der weltlichen Gesetze im Elsaß und in Lothringen werden'sich die Kräfte in fast entscheidender Weise messen können. Der elsässische Klerikalis- m u s hat die„Generalmobilifatton"— einen Ausdruck, den man jeden Tag in der elsässischen klerikal-nationalistischen Presse findet— proklamiert zum Kampf gegen die Welilichkeit, vor allem gegen die wellliche Schule. Leute, die im letzten Wahlkampf nicht vor der wildesten chauvinistischen Deutschen- hetze zurückschreckten, greifen setzt, angeblich zur„Rettung der Religion" auf die„frühere deutsche Toleranz in religiösen Sachen" zurück. Da man in Paris den Anschein vermeiden will, ass soll gegen den Willen der Elsässer und Lothringer gehandelt werden, ist die Entrüstungskampogne der elsässischen Klerikalem nicht ganz ohne Wirkung geblieben. Für Herriot bildet die Einführung der in den übrigen 8S Departements Frankreichs bestehenden weltlichen Gesetzgebung im Elsaß eine der schwierigsten Fragen. Im Senat besteht die ganze Ver- tretung des Elsaß und Lothringens aus Leuten, die zum Bloc national gehören: nur«in einziger der elsässischen Senatoren. General T a u f f l ie b. hat es gewagt, sich gegen den Terror des Klerikalismus aufzulehnen. Im Herbst wird die Frage wohl akut, da man annehmen darf, daß dann die von der Regierung angekündigten Projekte in der Kammer eingebracht werden. Die Reaktion, die nicht mehr viel Hoffnung hat, Herriot im Stvcheldraht der auswärtigen Fragen zu fangen, wird alles daiori setzen, um ihn innerpolitische Fallen so zahlreich wie möglich zu legen. Da ihre böse Absicht aber gar zu offen ist, dürfte sich der Ministerpräsident, wenigstens bis zu einem ge- wissen Grad, dagegen zu schützen wissen. Die Linksmehrheit wird nicht von ihm verlangen, daß er. rascher handele, als es die zum Teil unglückliche Konstellation im Senat und in der Kammer klug erscheinen läßt. Wäre am 11. Mai nicht durch die kommunistische Liste verhindert worden, daß dem Rloc national noch etwa weitere 50 Sitze abgenommen wur- den. so wäre die Lrnksmehrheit wesentlich stärker und die Liquidation der rnor-national-Pc-ütik würde nicht so viel tastende Vorsicht erfordern, als es jetzt der Fall ist. Tirpitz läßt sich interviewen. Sonderbare Widersprnckie. Der verstorbene Staatssekretär v. Kiderlen-Wäch- t e r hat in seinen Denkwürdigkeiten auf die Gefahren hin- gewiesen, mit denen das Anhören einer T i r p i tz- Rede ver- banden ist. Eine mutige Amerikanerin ist ober ohne Rücksicht aus etwa sich biegende Balken zum Großadmiral vorgedrungen und hat ihn für den„International News Service" inter- viewt. Die Scherlpresse ist dank ihrer guten Beziehungen zum Großadmiral schon jetzt in der Lage, das Interview aus- führlich wiedergeben zu können. Herr o. Tirpitz erklärte, der D a w e s- P l a n sei ein Schwertstoß ins Herz des deutschen Volkes, er wirke tödlich und diene der Absicht der alliierten Diplomatie, Deutschland sicher zu vernichten. Dabei sagte er wörtlich: „Die Alliierten wußten, daß ich als Kanzler mich der Annahme des Dawes-Berichtes in seiner jetzigen Form widersetzen würde, deshalb wurde von ihnen gegen meine Benennung Einspruch erhoben." Die Herrn v. Tirpitz so nahestehende Scherlpresse hat kein gutes Gedächtnis und ihre Behauptungen haben kurze Bein«. War sie es doch, die vor ein paar Wochen— als Herr v. Tirpitz auf das Kanzleramt aspirierte— die Versicherung abgab, in London sei sondiert worden und Herr v. Tirpitz sei den Eng- ländern genehm. Wenn jetzt der Meister selbst behauptet, die Alliierten hätten gegen ihn als Kanzler Einspruch erhoben, so ist das genau so wahr wie die Behauptung seiner Gesellen von damals. Ein Einspruch der Alliierten gegen die Ernennung des Herrn v. Tirpitz ist nicht erfolgt. Soweit die f e st st e l l b a r e n Wahrheiten. Darüber hin- aus wird ober im Reichstag allgemein erzählt, Herr v. Tirpitz sei schon seit längerer Zeit im deutschnationalen Lager für die Annahme des Dawes-Planes tätig. Man behauptet, der Notschrei des alldeutschen Herrn C l a ß, der deutschnationale Kampf gegen den Dawes-Plan fei gar nicht ernst ge- meint, rickste sich ganz besonders gegen Herrn v. Tirpitz. Wie erklären sich solche Widersprüche? Liegt hier etwa ein neuer Fall kaiserlich-deutscher Marinediplomatie vor? Der flnfturm üer Kreüitfucher. Stundungsgesuche für Steuev«. Bei den zuständigen Stellen häufen sich jetzt die Forderungen nach einem Nachlaß oder nach einer langfristigen allgemeinen Stundung von Steuern. Gleichzestg versucht man das Reich für die herrschende Kreditnot verantwortlich zu machen und fordert m wachsendem Maße Kredite für die Privatwrtschaft, um der Wirtschaftskrise zu begegnen. Es gibt sogar Kreise, die dabei gar eine„kleine Inflation" gern in Kauf nehmen würden. Wo das enden müßte, haben die Erfahrungen des letzten Jahres nur allzu deutlich gezeigt: in dem Zusammenbruch der Währung und der Wirtschaft. Dabei gibt die ollgemeine Verfassung der Reichsfinanzen keines- wegs Veranlassung zu irgendwelchem Optimismus. Die Sonderein- nahmen, die durch die Rentenbankkredite und durch einmalige Sondersteuern im letzten Jahre dem Reiche erschlossen wurden, kommen in nächster Zeit in Fortfall. Der zeitweilig« Ueberfluß an Geld, den die Reichskasse aufwies, hat bereits aufgehört: der große Bestand öffentlicher Kassen bei der Reichsbank war übrigens nur zu einem Teil auf Reichsgelder zurückzuführen, ein wesentlicher Teil gehört« vielmehr anderen öffentlichen Organen. Dos Defizit von 470 Millionen Goldmark, dos der Neichshaushalt vor- fah, wird ebenso wie gewisse Zahlungen für die Besatzung erst dann abgebürdet sein, wenn das Dawes-Gutachten in Kraft ist. Es ist also nicht möglich, eine allgemeine Stundung von Steuern zu gewähren. Im Reichsfinanzministerium ist man fich darüber klar, daß es auch in Zeiten einer allgemeinen Notlage immer noch genug einzelne Steuerzahler gibt, die durchaus leistungsfähig sind und die deshalb keiner Schonung bedürfen. Für sie wäre die Stundung gänzlich ungerechtfertigt. Ebenso können diejenigen Steuern nicht gestundet werden, die auf dem Umsatz lasten und die von dem Verkäufer tatsächlich erhoben werden. Diese müssen vielmehr sobald als möglich in die Reichskassen gelangen. Stun- düngen kommen also nur in begründeten Einzelfällen in Betrachi, für die das Reichsfinanzministcrium bereits Richtlinien herausgegeben hat. In keinem Falle will man durch weitgehend« Kreditgewährung oder Steuerstundung die Gefahr einer In- f l a t i o n wieder heraufbeschwören. Eine Erleichterung der oll- gemein gespannten Kreditlage kann auch nicht vom Reiche her erwartet werden: Voraussetzung dafür ist die Durchführung des Dawes-Gutachtens. Erst' dann werden Auslandskredite für die Industrie verfügbar, die zur Entspannung der Kreditnot bei- tragen können, wenn man sich auch darüber keiner Täuschung hin- geben darf, daß übertriebene Hoffnungen keineswegs gerechtfertigt sind._ §ü? die besetzten Gebiete. Annahme eines sozialdemokratischen Antrags. Der Reichstagsausfchuß für die besetzten Gebiete be- schäftigte sich am Dienstag mit der Frage der Wohnungs- b e f ch a f f u n g, die im besetzten Gebiet angesichts der Rückkehr- genehmigung für die Ausgewiesenen besonders dringlich geworden ist. Erfreulich war die Mitteilung, daß mit Unterstützung der Post-, Eisenbahn- und Finonzverwaltung die begonnenen reichseigenen Wohnungen— über 3000— bis auf einen kleinen Rest fertig- gestellt find. Dem Wohnungsmangel, der durch die Rückkehr von Zehntausenden eine ungeheure Steigerung erfährt, ist damit aber noch keineswegs gesteuert. Hier muß das Reich weiterhin mit Krediten einspringen. Dieser Einsicht konnten sich auch die bürgerlichen Parteien nicht verschließen und so fand ein sozial- demokratischer Antrag einstimmig Annahme, daß den Gemeinden des besetzten Gebietes, die besonders stark unter dem Wohnungsmangel leiden und Ausgewiesene in größerer Zahl wieder aufnehmen müssen, Reichskredite ln einer höhe von mindestens 20 INUllonea Mark zur Verfügung gestellt werden sollen. Gen. Robert Schmidt, der den Antrag vertrat, warf den Gemeinden ihre mangelnd« Pflicht. erfüllung bei der Handhabung der Verordnung zur Beschlagnahme von Wohnungen vor und kritisierte die üble Behandlung, die den Zwangseinquartierten vielfach von Wohnungsinhabern und Haus- besitzern, nicht zuetzt von solchen, die sich sonst nicht„national" genug gebärden können, zuteil wird. Die bürgerlichen Parteien oerhalfen ferner einem deutschnationalen Antrag zur Annahm«, der die Rcichsregierung zum schärfsten Widerstand gegen die Belastung ausländischer Eisenbahner auffordert. Gen. Schmidt wandte sich bei allem sachlichen Einverständnis mit dem Antrag gegen die natio- nalistische Tendenz desselben. Einstimmig angenommen wurde ei» Zentrumsantrag, der die Reichsregierung zur Beseitigung der Paß- und Einreiseschwierigleiten auffordert. Der Arbeitsplan öes Reichstags. Der Aeltestenaueschuß des Reichstags beschäftigte sich am Dienstagvormittag vor der Plenarsitzung mit der Verteilung des BeratungSstoffeS auf die nächsten Sitzungen. Am Mittwoch und Donneritag sollen die Anträge zur Verhandlung gelangen, die der Sozialpolitische Ausschuß und der Kriegsbescbädiglen« auSschuß vorbereitet haben. Am Freitag wird im Nahmen der Beratung deS NotetatS eine allgemeine politische SuSiproive, auch über die Außenpolitik, soweit'daS beim Stande der Londoner Konferenz möglich ist, stattfinden. Verfaßungsfeier in Weimar. Weimar, 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am 1». August findet in Weimar eine Verfassungsfeier des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold statt, an der aller Wahrscheinlichkeit nach der Reichs- Präsident Ebert teilnehmen wird. Außer vielen tausend Delegierten aus dem Reiche werden u.a. auch General v. De im- ling, die Abgeordneten Lobe. Fehrenbach, sowie Fritz v. Unruh und andere Verfechter der republikanischen Idee er- wartet. Nach den bi« jetzt bekanntgewordenen Richtlinien wird das Reichsbanner der Träger einer republikanischen Kundgebung größten Stils werden.___ Dänemark ruftet ab. Kopenhagen, 22. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Derteidi- gungsminister des sozialdemokratischen Kabinetts S t a u i n g hat jetzt seinen Abrüstungsvorschlog fertiggestellt. In ihm ist die völlige Abrüstung von Heer und Flotte vor- gesehen. Das Kriegsministerium soll aufgelöst werden. Die Aus- rechterhaltung von Ruh« und Ordnung ist. durch eine Reserve- polizei in Stärke von 7000 Mann geplant, deren Angehörige 3— 4 Monate ausgebildet werden und sich dann der Polizei jederzeit im Bedarfsfalle innerhalb einer Frist von 24 Stunden zur Verfügung stellen sollen. Diese Hilfspolizei wird dem Staats- Ministerium unterstellt. Die Aufrechterhaltung der Fischerei- inspektion und des Zollwesens ist durch die Benutzung eines Teiles der vorhandenen Kreuzer und Torpedoboote und ihren Zusammen- schluß als Seepolizei beabsichtigt. Die Durchführung dieses Planes würde insgesamt für die Hilss- und Seepolizei 11— 12 Millionen Kronen jährlich tosten, während der bisherig« Aufwand für die Unterhaltung der Truppen usw. mit 60 Millionen Kronen veranschlagt wurde. Der Dorschlog sieht für die Verwirklichung eine Frist von 3— i Iahren vor. Sein« Verwirklichung würde außerdem dazu führen, daß die Gebäude der Heeresver» waltung in einem Gesamtwerte von 400 Millionen Kronen teilweise für ander- Zwecke zur Verfügung gestellt werden könnten. Der Verteidigungsminister hat die Absicht, für den Fall, daß er im Reichstag eine Mehrheit für seinen Plan nicht erhält,«ine Volts- abstimmung vornehmen zu lassen. Der Völkerbund ist bereits über die Absicht der dänischen Regierung unterrichtet. Aktuell wird die Frage in Dänemark erst, sobald der Reichstag im September zusammengetreten ist._ Kein vombenattenkat in Plewna Bon dem Verband� bulgarischer Journalisten in Deutlchland wird uns er- klärt, daß die auch von unö übernommen- Tll.-Melvung, wonach-t daS Polizeipräsidium in Plewna in die Luft gesprengt worden sei. unrichtig sei. Nach den inzwischen eingetroffenen bulca- rischen Blättern sei nur richtig, daß der Leiter eines dortigen Polizeireviers von einem von ihm verfolgten Kommunisten erschossen worden sei. Ebenso sei kürzlich in andern Blättein von einem Bombenattentat in Sofia die Rede gewesen, derartiges habe sich aber nicht ereignet. Irisch von öer Leber weg. Musterbriefe von Hans Klabautermann. Manche im übrigen recht brauchbare Menschen geraten in Ver- legenhert, wenn sie etwas Schriftliches aus der Hand geben sollen. Die reichlich vorhandenen Briefsteller, bestimmt, dies« Hilflosigkeit zu ersticken, find meistens veraltet, langstielig, strotzend vor Schwulst und zeigen durch die Bank«inen solchen Mangel an Frische und Originalität, daß man Schwierigkeiten hat, mit den dort verzeich- neben Mustern einen Hund hinterm Ofen vorzulocken. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, werde ich in zwangloser Folge einige Muster- briefe für Beamte und Privatbürger veröffentlichen. Da sie von modernstem Geist getragen sind, empfiehlt es sich, sie auszuschneiden und hinter den Spiegel zu stecken. Für Beamte. Note an das Ausland. Sehr geehrter Herr Präsident! Nach der Ueberzeugung der ver- nünftigen Mitglieder des Kabinetts wird hierorts Gewicht darauf gelegt, die republikanische Staatssorm aufrechtzuerhalten. Obwohl das Deutsche Reich mit seinem letzten Monarchen nebst Anhang schlechte Erfahrungen gemacht hat, ertönt doch in manchen Volks- kreisen der Seufzer:„War es nicht unter Wilhelm besser?" Nach gewissen kraftvollen Aktionen von außerdeutscher Seite verdichtet sich zuweilen dieser Seufzer zu dem sehnsüchtigen Wunsch nach Rück- kehr hohmzollernscher Zeiten. Die erwähnten vernünftigen Mit- glieder des Kabinetts würden aber ein« Derwirtlichimg dieses Wunsches für unzweckmäßig halten. Ich bitte daher, soweit es an Ihnen liegt, dem Kabinett die Aufrechterhaltung der augenblicklichen deutschen Staatssorm nicht zu erschweren und unseren Standpunkt bei etwaigen Enienteberatungen mit in Betracht zu ziehen. Was den Krieg anbetrifft, so hat— Kriegsschuld hin, Kriegsschuld her— das Gros des Volkes ihn nicht entfesselt. Es mußte bloß rein in den Schützengrabendreck. Na, und die Regierungen von damals sind ja schließlich nicht mehr da, womit eigentlich ein« neu« Sachlag« geschaffen ist. Die erwähnten Mitglieder des deutschen Kabinetts würden es ganz ulkig finden, wenn die Welt einmal zu einem wirk- lichen Frieden käme. Mit besten Grüßen, auch an Ihre liebe Gattin, Ihr .............. Reichskanzler. B. Note an das feindliche Inland. Bester Herr Ministerpräsident! Vielleicht ist Ihnen schon auf- gefallen, daß die Gepflogenheit des Deutschen Reiches, in Bundes- staaten zu zerfallen, bei Licht besehen, albern wirkt. Solange es noch üblich war, gekrönt« Häupter berufsmäßig mit der Verwirrung der politischen Ereignisse zu. betrauen, war die Sache einigermaßen verständlich, indem die Durchfütterung einer möglichst großen Zahl von Vertretern des Gottcsgnadentums mit den Groschen des sowieso darbenden Volkes orreicht wurde. Di« Revolution hat ja mancherlei Fortschritte und Verbesserungen gezeitigt. Durch ein bedauerliches Versehen ist aber damals in der Eile verabsäumt worden,«in«in- heilliches Deutsches Reich zu schaffen. Der bestehende Verein aus- eimmderstrebender Länder, die auf ein unversehrtes Prestige mehr Gewicht legen als auf di« Zufriedenheit der Einwohner, trägt täglich zur Erheiterung der Welt bei, in der«in so spaßiger Staat beispiel- los dasteht. Die Reichsregierung hat nichts dagegen, daß sich Ihre Beamten die Landsskokarden an die Hosen nähen oder sonstwie ihre Selbständigkeit dokumentieren, ist aber grundsätzlich dagegen, daß Sie sich ein besonderes Strafrecht zulegen, Landesverweise aus- sprechen oder Paßschikonen aushecken. Die Reichsregierung bittet Sie daher, baldmöglichst auf einer Postkarte mitzuteilen, ob Sie, Herr Ministerpräsident, für Ihr« Person das Bestehen eines Deut- schen Reiches anerkennen. Achtungsvoll ............ Reichskanzler. Für llnkertanen. Derlobungsanzeig«. Nach Abschluß der Kämpfe mit meinen Schwiegereltern habe ich mich mit Fräulein Elsbeth Krause, 21 Jahre all, unbescholten, verlobt. Sie bekommt ein« fast neue Kücheneinrichtung, ein sehr gut erhaltenes Paneelfofa und 370 M. in bar mit. Glückwunsch zur Verlobung. Zu dem folgenschweren Schritt, zu dem Sie sich haben hin- reißen lassen, gestatte ich mir, Ihnen herzlichst zu gratulieren. Ein« Verlobung ist ja noch keine Heirat, und so besteht immer noch die Hoffnung, daß die Angelegenheit einen ungefährlichen Verlaus nimmt. Mit bestem Gruß an Ihre Schwiegereltern »»»»»«««»««»>- Kuno Zifther. (Zu seinem heutigen 100. Geburtstag.) Neuschöpfen und oerändern oder reproduzieren und beschreiben sind die markanten Pole geistiger Tätigkeit. Der Komponist und der Kapellmeister, der Dichter und der Schauspieler, der Politiker und der Historiker veranschaulichen am trefflichsten das Bild. Ebenso auch in der Philosophie die Systeme und die Geschichte der Philo- sophie. Aehnlich wie in der Kunst die Nachwelt nur dem Dichter Kränz,? flicht, den einst gefeierten Mimen jedoch rasch der Vergessen- heit überliefert, tritt auch in der Philosophie der kommentierende Lehrer völlig zurück gegenüber dem neuschaffenden Philosophen. Plato und Aristoteles, Spinoza und Kant leben ewig. Diejenigen aber, welche die Lehren dieser Größten durch verständnisvoll« Er» klärung der Menschheit näher brachten, sind rasch vergessen. So wird auch Kuno Fischer, der einst gefeierte deutsche Philosophie- Professor, heute nur wenig mehr genannt. In Vollendung der Dozentenleistung Hegel?, welcher zum ersten Male di« Geschichte der Philosophie an Stelle einer geistlosen Kuno» sitätensammlung zu einer Wissenschost erhob, gelang es dem am 23. Juli 1824 in Schlesien geborenen Pfarrerssohn, in einer viele Jahrzehnte langen Lehrtätigkeit Triumphe einzuheimsen, wie sie vordem fast nur Hegel beschieden waren. Ohne daß er die Philo- sophi« durch eigene Schöpfung bereicherte, wurde Kuno Fischer durch das Kunstwerk seiner Darstellung der Stern der deutschen philo- foxhischen Wissenschaft, Vergöttert von feine» Schülern, die von seinem saugroben Wesen und seiner fast krankhaften, durch den Exzellenztttel noch oerschärften Ueberheblichkeit zahlreiche Anekdoten zu erzählen wissen, und gefeiert von der wissenschaftlichen Welt, di« seine glänzend geschrieben« zehnbändig-„Geschichte der Neueren Philosophie", seinen Foust-Kommentar usf. hinnahm, wie sonst nur das Werk eines selbstschöpferischen philosophischen Genies, wuchs Kuno Fischer zu einer fast legendären Gestalt empor. Heut« ist der am 5. Juli 1907 Verstorbene außerhalb Heidelbergs fast vergessen. S. Grünebaum-H�idelberg. Beginn der Bayreuther Festpiele. Nach zehnsährig-r Pause haben gestern nachmittag 4 Uhr di« Wagner�estspiele in Vayremh mit einer Aufführung der„Meistersinger" wieder begonnen. Der Andrang aus dem In- und Auslande war sehr stark, der Vei- fall des ausverkauften Hauses stürmisch. Zakob, Esau und Odin im englische« parlameni. Großes Ge- lächtcr herrschte im englischen Unterhaus an einem der letzten Sitzungstage, als der schottische Abgeordnete David Kirkwood -in Gesetz einbrachte, dem zufolg« der„S t e i n des S ch} tffa ls, der sich jetzt in dem Krönungssessel der Westminjter Abl-, b�indel, nach Edinbourgh zurückbeföichert werden soll. Der Vertreter Schott- lands pries diesen„Stein des Schicksals" als ein schottisches National- Heiligtum, das vor etwa 630 Jahren von König Edliard 1. wider- rechtlich den Schotten geraubt und nach England gebracht worden ist. An der Hand mehrerer Bücher, aus denen er einzelne Stellen verlas, wies Kirkwood darauf hin. daß dieser Stein, den er ais einen gewöhnlichen roten schottischen Sandstein anerkennen mußte. nach der Ueberlieferung dem Patriarchen Jakob Zum Kissen gedient habe, als er vor seinem Bruder Esau, den cr des Erstgeburtsrechtes beraubt hatte, fliehen mußte. Jakobs Familie habe diesen Slein sorgfältig bewahrt, ihn nach Aegypten mitgenommen, und von dort sei er lange Zeit vor Ehristus nach Schottland gebracht worden. O_____"»,.' r<\ S'rMtKf»' 5)rt.A« Nationalität, und nachdem er widerrechtlich von einem englischen Herrscher geraubt worden sei. müsse er Schottland mieder zurück- gegeben werden. Auf diese fulminante Rede erwoderte Lord Aosley in kühlerer Form.„Mr. Kirkwood irrt sich. sagte«.„Die Orts. sage weiß nichts mehr von den Erzvätern �sraels, sondern nach ihr hat der Gott Odin diesen Stein auf einen seincr.. Kollegen ge- morsen, der«in Auge auf seine Frau �richtet hatte. Da er ihn nicht traf, so fiel der göttliche Stein zur Erde, und zwar unter die Schotten, die ihn lange Zeit bewahrt haben als Warn um, für jeden Sterblichen, der sich desselben Derbrechens schuldig machen wurde, da» der Gott mtt dem Stein bestrafen wollte. Wenn sich der Stein heute in England befindet, so ist er von Eduard I., der dl« Schotten so oft aus? Haupt geschlagen hat, als„Reparationszahlung" mit» gebracht worden." Noch einer stürmischen Absttmmung errang Kirkwood da. Recht, sein Gesetz einzubringen: für die Durch. bringung bestehen allerdings keine Aussichten. Groß« Soldsund- w Auslrallea. Eine reiche Moldnder ist. wie on» Stidnco gemeldet wird, tn der Näde de« alten Adelonz-Felde« im südlichen Nen-Südwales entdeckt worden. Man rechnet bei der Ausbeutung mit 10 Unzen Gold auf eine Tonne. Die Sachverständigen find davon überzeugt, daß hier sehr große Goidmengen zutage gesördert Wade» Relchstagsbeginn. Ms Präsident W a l! r a f um 3� Uhr Mb Sitzung eröffnet, rufen die Kommunisten:„heraus mit den politischen Gefangenen! Amnestie! Amnestie!" Nach einigen Minuten legt sich der Lärm und die geschäftlichen Mitteilungen des Präsidenten werden ohne weitere Störung angehört. Der Reichsminister des Innern er- sucht u, a. um Genehmigung zur Verhaftung und Strafverfolgung des Abg. Kotz(Komm.) wegen Hochverrats. Die Angelegenheit wird dem Gefchäftsordnungsausschuh überwiesen. Präsident Wallras kommt dann aus die in der letzten Sitzung vom dsutschvölkischen Abg. Grasen Reventlow gegen die Reichs- regierung gerichteten Bemerkungen zurück und ruft den Abg. Rs- rentlow deswegen nachträglich zur Ordnung. Auf der Tagesordnung steht zunächst di« von den Kommunisten eingebrachte Zllterpellakion gegen die gerichtlich- vollzelliche Durch- suchung der rommumstischen Arnmoasziimner. Die Rerchsregierung hat dazu erklärt, daß sie eine Beantwortung der Interpellation a b l e h n e, da es sich um sine r i ch t e r- l i ch e Maßnahm« hmdle.(Rufe der Komm: Frechheit!) Außerdem liegen zu dieser Angelegenheit kommunistische Antröge vor. dem Präsidenten das Mißtrauen auszusprechen und die Verfassung dahin ändern wollen, daß Art. 38 Abs. 2 der Reichsver» fassung folgende Fassung erhält:„Eine Durchsuchung oder Beschlag- nähme darf in den Räumen des Reichstags oder eines Landtags nicht vorgenommen werden." Präsident Wallras gibt zur Einleitung der Debatte ein« Dar- stellung des schon bekannten Schriftwechsels und der Verhandlungen. di« der Durchsuchung der Fraktionszimmer voraufgingen. Als er erklärte,«r habe dem Untersuchungsrichter die Zustimmung erteilt, brechen die Kommunisten in stürmische Pfui!-Rufe aus. Einig« Nationalisten rufen zurück:„Juden haben das Maul zu halten!" Kommunistischer Gegenruf:„Politisch« Lustmord er!" Präsident Wallras rechtfertigt sein Verhalten und erklärt zum Schluß unter großem Lärm der Kommumslen: Ein Staat, der sich nicht gegen gewaltsamen Umsturz wehrt, gibt sich selbst auf! Abg. Katz(Komm.) wendet sich bei der Begründung der kommu- nrstischen Anträge scharf gegen Wallraf. Dieser hob« geslissent. lich mit seinem Rechts- und Verfassungsbruch gewartet, bis der Reichstag nicht mehr zusammen war. Den Verfassungsbruch habe der Präsident bewußt verübt. Der Präsident habe in leichtfertig- ster Weise die kommunistische Partei verleumdet und beleidigt. Es wiederhole sich jetzt die verlogen« Mordbezichtigung gegen di« Kom- munisten, wie sie von Nero gegen die ersten Christen, von Bis- m a r ck gegen die Sozialdemokraten verbreitet wurde, um einen Bor- wand zur politischen Unterdrückung zu schaffen. Der Staatsanwalt sei nur das ausübende Organ der jetzigen Schieberregierung. Die politischen Mörder seien bei den Deutschoöttischen und Deutschnatio- naken zu iuchen.(Lärm rechts.) Der deutschnationale Landtagsabg. v Kues habe vor dem Rathenau-Movd einen der Mörder zu der „beabsichtigten vaterländischen� Tat" beglückwünscht.(Lärm rechts und bei den Komm.) Das von Spitzeln gegen die Kommunisten zusammengetragene Material habe sich als eitel Schwindel erwieset. Der Redner sucht dies an Emzelfällen nachzuweisen. In der deutsch. völkischen Presse dos Landbundes werde dagegen ungestraft zu Mord- taten gegen Kommunisten und Republikaner aufgefordert. Bon dem Spitzel chaarmann über den Stootsanwalt Bogt bis zu den höchsten Spitzen der Regierung zeigt sich«ine einzig« Mordorgani- faiio.t gegen die Kommunisten. Der Untersuchungsrichter betm Staatsgerichtshof Landgerichtsdirektor Vogt ist ein extremer Deutsch- nationaler, der aus seinem thaß gegen vi« Republik nie ein hehl gemocht hat.(Ruf der Komm.: Daher die Brüderschaft mit Wallraf.) Vogt hat die Durchsuchung ohne jeden Austrag und jede Kenntnis des Reichsjustizministeriums oder des Staatsgerichtspräsidenten aus seiner eigenen politischen Leidenschaft heraus unternommen,(hört! hört! links.) Der Präsident des Staatsgerichtshofs hat das Verhaften Vogts bei der Durchsuchung durchaus gewiß- billigt,(hört! hört!) Wallraf hat bewußt die D-rsasjung ge- krochen und das Gesetz verletzt. Der Redner suckst das aus der Der- fassung und den Erläuterungen des voltsparteilichen Abg. Dr. Kahl in der Nationalversammlung nachzuweisen. Präsident Wallras habe gezeigt, daß er unfähig sei, Gesetze zu lesen. Er sei unbrauchbar als Präsident und gehör« vor dea Staatsgerichtshof. Abg. Graf wesiarp(Dnatl.) bezeichnet die Red« des Abg. K-rtz als einen total mißglückten Derteidigungsvcrsuch der Kommnnnten. Unter großem Lärm der Kommunisten erklärt er weiter, diese Aus- führungen hätten di« Würde des Hauses in schwerster Weif« verletzt. Herr Katz Hab« di« Verteidigung in der Art de» Mannes gesühr:, dem Augenzeugen seiner Tat entgegengestellt werden und d«r darauf sagt: Ich kann hunderttausend Zeugen bringen, die rnchts davon gesehen haben!(Große Heiterkeit.) Den Mißtrauensantrag aeaen den Präsidenten würden d>« Deutschnationalsn sofort ab- P«.». JIC.__ i. w___ /n«wSntrMJVgQJJgs en der Kommunisten.) den chs°?r �nft demUntersuchungsricht'er d i r« k°t m" Verkehr trat, statt die Verhandlungen mit der zuständigen Z e n t r a l> n- stanz, dem Reichsinnenmmisterium zu führen.(Widerspruch und Unruhe rechts.) Es handle sich bei der Durchsuchung um handlun- gen. die dem Zweck und Sinn der Versasiung nicht entsprechen. Der Präsident habe offenbar den Sinn des Artikels 38 der Der- fassuna mißverstanden. Die Immunität der Abgeordneten sei hier im Widerspruch zur Verfassung und zur Strasprozehordnung verletzt worden Wenn der Untersuchungsrichter Vogt tatsächlich von der Justizbehörde als tüchtiger, sahiger Beamter betrachtet wird, dann klebe für sein Verhalten uur die ErNarun«. daß er bewußt Verfassung und Strafprozeßordnung verletzt Hot. W-r in dieser Weise unter Verletzung des Gesetzes Haussuchungen und Be'cblaanahmen vornimmt, der begeht als Richter einen Em- brucbsdiebstahl. Aus dem Vorgehen des Untersuchungsrichters Vogt spricht dm stier« haß gegen die Republik und den Reichstag.(Rufe rechts: Und Leinert?) Der 2««" agsprSstdent L-inert ist vom Unter uchungsrtchte Vogt ebenso ge- täuscht worden wie Präsident Wallraf; aber der Fall Wallraf liegt deshalb Wwme�N h>«r n� m«n«m spateren Staditim ein«»weite Genehmigung ertelft wurde. Es kann wcht ongche7£ß de? Schutz der Verfassung etnem U t r i ch t e r anvertraut bleibt, der M dieser Weise di« Verfassung ver- letzt.(Beifall bei den Soz.)...* m,•„,. Präsident Wallras widerspricht ver Meinung, daß bisher die RÄchstags Präsidenten nur lmt � Ä�e��llnstQnz�n ver- kehrt hätten. Er erklärt weiter: Ich haste mach dessen deutschen Rechtssatzes erinnert, daß man dem Angegriffenen möglichst Frechett in der Verteidigung lassen soll und habe es dwcum für �fne vornehm« Pflicht gehatten, alle gegen mich Angriff« des Abg. Kotz, & bis zum Vorwursdes poLtsichen LuMo�s gingen zu Uber- hören. Das bedeutet aber nicht, daß ich dunstig ahn lich s ch wer« An- griffe gegen Beamte und Behörden durchgehen lasten wurde.(Beifall.) Abg. v. Graes:(Natsoz.) äußert große Dehnten das hier von Justiz und Polizei eiageschlazene Derstchren. Der Prastdent habe vielleicht in gutem Glauben gehandelt, aber t�me Zu- stimm una zu der Durchsuchung sei bedauerlich. Der früher« Präsident Löbe habe die Rechte der Abgeordneten in an er- kennenswerter Weife gegen d>« der Polizei verteidigt. Diese Willkür sei kern Wunder unter einer Regi«rung die sich rücksichtslos über Versasiung und parlamen. tarifchcs System hinwegsetzt. Es sei-m Hohn auf die Verfassung. wenn Reichskanzler und Außenminister nicht dos ganze Parlament, sondern die Parteiführer unter Ausschluß bestimmter Parteien über ihr« Politik informieren,(hört! hört! bei den Patsoz. und Komm.) Die Nationalsozialisten werden sich bei dem Mchtrauensanlraq gegen den Präsidenten der Abstimmung enthalten, den übrigen Anträgen zustimme». Nach einem Schlußwort des Abg Katz(Komm.) wird der An- trag auf Berfasjuagsänderung Sem Nechtsausschuß überwiesen. Der Mißtrauensantrag gegen den Präsidenten Wallraf sollte nach einem sozialdemokratischen Antrag dem Geschäfts- ordnungsausschuß überwiesen werden. Abg. Schultz- Bromberg(Dnatl.) beantragt dageg«n s o- sortig« namentliche Abstimmung. Die Mehrheit entscheidet sich gegen Sozialdemokraten und Kommunisten für sofortig« Abstimmung. Darauf erklärt Abg. Dr. Levi(Soz.), baß die So- zialdemokraten sich der Stimme enthalten würden. In namentlicher Abstimmung wird der Mßlrauensemtrog mit ige«gen 29 kommunisktsche Stimmen bei 106 Stimmenthaltungen abgelehnt. Der weitere aus di« Durchsuchung bezügliche Antrag der Kam- munisten mit dem Geschästsordnungsausschuß über» wiesen. Es fotgt der vom Abg. Cohrnana(Dnatl.) erstattete Bericht des Geschäftsordnungsausschusses über den Antrag des Homburger Unter- fuchungsrichters auf Genehmiguno zur Berhaftung des kommunisti- schen Abo. T h S l m a n n. Der Ausschuß beantragt die Genehmt- gung. Abg. flöncn(Komm.) beantragt die Zurückverweisuna des Falles Thälmann an den Ausschuß, damit er dort zugleich mit dem gäetchliegenden Fall Urbans behandelt werden könne. Für die Zurück- r-erweisung sprechen die Abgg. Löbe(Soz.) und Fehrenbach (Z.), dagegen Abg. L o h m a n n(Dnatl.) Di« Zurückverweisung wird gegen die Stimmen der Deutschnationolen und' der Wirtschast- lichen Veremigung beschlossen. Abg. Gros v. Westarp(Dnatl.) berichtet dam» namens des Aus» wärtigen Ausschusses über die Frage, ob im Interesse der Wahrung der Vertraulichkeit der Ausschußoerhandlungen eme Aende» rung der Geschäftsordnung notwendig fei. Im Auswärtigen Ausschuß wurde mit Rücksicht aus die An- Weisungen der Moskauer ketnntunistischen Jntsrnosionckle an die kommunistischen Abgeordneten die Frage gerichtet, ob sie die Vertraglich- keit der Verhandlungen wahren würden. Darauf erklärten die Be- fragten, sie würden die verfassungsmäßig gebotene Vertraulichkeit wahren. Diese Erklärung hielt di« Mehrheit des Ausschusses nicht für ausreichend. Sie beantragt die Ueberweisung der Frag« an den Geschäft ordnungsausschuß, ob ein« Aenderung der Geschäfts. Ordnung notwendig sei. Abg. Dr. Rosonberg(Komm.) wendet sich scharf gegen den Aus- jchußantrag, der eine unberechtigt« Sonderbehandlung der Kom- munisten bezweck«. Abg. Dr. Breitscheid(Sog.) Hüft den Standpunkt der Mehrheit des Ausschusses für falsch und erklärt, seine Freunde würden sich im Geschäftsordnungsausschuß dagegen wenden. Abg. Fehreubach(Z.) bezeichnet eine Beratung der Frag« im Ausschuß als notwendig. Die Angelegenheit wird dem Geschästsordnungsausschuß über- wiesen. Nach debatteloser Erledigung einiger kleiner Vorlagen vertagt sich um 8 Uhr das Haus auf Mittwoch, 2 Uhr. Auf der Tagesord- nung stehen sozialpolirisch« A n t r S g«. Hegen Srotwucher, für Achtstundentag In drei mächtigen Versammlungen demonstrierte gestern die Ber- liner Arbeiterschaft gegen di« Pläne der Rcichsregierung und der bürgerlichen Parteien, die daraus hmouslaufen, immer neue schwere Lasten aus die Schultern derjenigen Bevölkerungsschichten zu legen, die in täglicher Arbeit um kärglichen Lohn ihren Lebensunterhaft erwerben. Insbesondere fiel di« groß« Zahl der Frauen auf, die di« nahende Not im diese Versammlungen trieb. Gerode die Frauen müßten ja auch am härtesten den Schlag fühlen, der hier geführt werden soll. Die Redner kennzeichneten scharf die augenblickliche Lage und die allgemein« Zustimmung, die sich in dem begeisterten Beifall und der Annahme der einheitlichen Entschtiehung kundtat, zeigten, daß di« Sozialdemokratie zuversichtlich ihren Kampf gegen di« Verblendar des Volkes führen und auf die Unterstützung der Massen, für di« sie eintritt, rechnen kann. Folgend« Entschließung gelangte im allen Versammlungen zur Annahme: „Bei der Wohl zum Reichstag am 4. Wal halt« zahlreiche Be- amle. Angestellte und leider auch Arbeiter den bürgerlichen Parteien. besonders dea Deutschnationalen ihre Stimme gegeben, ihren Der- fprechungpn vertrauend, daß durch eine Abkehr vom Marxismus eine Besserung der polilischen und wirtschaftlichen verhälluisse zu«r- reich. m sei. Zene irregeführten Wähler erhalten jetzt in der Zollvor- läge der Regierung durch die damit drohende, zum Teil bereits ein- getretene Verteuerung ihrer ganzen Lebenshaltung die Quittung für ihr« Leichtgläubigkeit. Nicht minder haben diejenigen Arbeiter, die der kommunistisch m Paplei Ihre Stimme gaben, die Sampfkrasl der Verbraucher gegen die drohend« Neubelastung geschwächt.— 3 nun er stärker wird die Neigung der bürgerlichen Parteien, zur Wahrung der der Sozialdemokrakjchen Partei da» einzige wirksame Organ zur Verteidigung der- schwer bedrohten volksinteressen. Die ver- sammlung erwartet von d* Sozialdemokratischen Partei, daß sie alle» tu« wird, um die Massen zum Kamps gegen den beoheaden Brotwucher. für die wiedergen-innun« de» Achtstundentage» und für eine sozial g.-rechte Verteilung der Steuerlasten zu mobilisieren mit dem Ziel, eine baldige Auslötung diese» Reichstag» und ewe neue Entscheidung des Volke» herbeizuführen." ?m ZrieSrichshain. Im überfüllten Riefensaal« der Brauerei Friedrichshain sprach Reichstogsabgeorbneter Genosse Dr. H e r tz. Er ging von der Lon- doner Konferenz aus. die für di« innerpolitisch« Entwicklung Deutsch- lands von größter Bedeutung sei. Es kann doch heute schon ge- sagt werden, daß das Sachverständigengutachten uns unsere inner» politische Freiheit wiedergegeben wird. Die Arage der Schutzzölle ist nach vielen Iahren von der Regierung wieder ausgerollt worden. Es zeigt sich, daß die Einheit der Agrarier mit der Großindustrie wieder gegen das Volk hergestellt ist. Im Reichstag war es nur die Sozialdemokratie, die ein« entschieden« Ablehnung der Agrarzölle vertrat. Selbst die Kommunisten erachteten es in diesem Augenblick für notwendiger, gegen die Sozialdemokratie, denn gegen die Regierung und die Schutzzoll- Parteien zu sprechen. Die Angabe der Regierung, mit den Zöllen nur den Zustand vor 1S14 wieder«inzuführen, ist unwahr. Was bedeutet d!« Einführung der Zolloorloge für groß« Volks» kr«is«? Selbst die Vorlage bestreitet nicht, daß die Lebensmittel erheblich verteuert werden. Die Belastung wird auf mehr als 900 Millionen berechnet. Ein Einkommen von 1000 M. wird durch den Zoll mit 5 Proz. belastet,«in Einkommen von 10 000 M. dagegen nur mit 0,6 Proz. Ein« verhängnisooll« Wirkung auf die Ernährung wird die Folge sein. vrot ist aber da» ungeeignetste Steuerobsekt. Aber di« weis« Regierung behauptet ja, daß die Zölle nicht unser Boik, sondern das Ausland belasten! Dabei hat die erste Berösfent- lichung der Vorlage schon zur Folge gehabt, daß sofort die G«- treidepreise im Inland in unerhörter Weise st i e g e n. Und da», ohne daß di« Vorlag« überhaupt auch nur be- raten war. Wi« wird«s da«rst aussehen, wenn di« Zölle wirklich eingeführt sind. So wenig, wie sich verhindern läßt, daß verteuertes Getreide verteuerte« Brot im Gefolge hat, ist zu verhindern, daß steigende Brotpreis« ein« Berteuerung aller Be- darfsartikel noch sich Zieht.— Dos was für die Brotzölle gilt, trifft im selben Maße auf die F l e i s ch z ö l l e zu. Zöy« auf Fleisch bedeuten Herabminderung de» Fleischverbrauchs der Bevölkerung. Das bedeutet aber eine große Gefahr für den Eruöhrtwgsznstand de» Volke» und damit seiner ProduktionsfShlgkeit.— Zucker, Milch. Gemüse, alle Erzeugnisse, die wir«inführen müssen, wist die Regierung ver. teuern. Die Arbeiter. Angestellten und di« Beamte» sind in größter Gefahr durch di« Verteuerung der Lebenshaltung i» der Existenz» grundlog« stärksten» bedroht zu sein. Noch schlimmer sind di« n-un Millionen Erwerbsunfähigen und-beschränkten daran.— Wozu da« alles? Di« Regierung und die bürgerlichen Parteien sogen, zur Stabilisierung unserer Volkswirtschaft. Wir sind der Ueberzeugunz, daß die Zollvorlage ewe Liebesgabenvorlag« für dt« Großagrarier ist. Dadurch ist die schamloseste Beräuberung der Reichstass« ge» geben. Zu der verteuerten Lebenshaltung durch Zölle tritt zu«• wartende weiter« Arbeitslosigkeit und weitere 55«*. e l e n d u ng des Volkes.-- Die Sozialdemokratie wird die Ein. führung der Zolloorlage aus sozialen und volkswirtschafttichen Gründen aufs schärfste bekämpfen. Durch diesen Kampf werden groß« Teile der Arbeiterschaft wieder zu uns stoßen. Denselben ent- schiedenen Kampf führen wir gegen den Abbau de» Achtstunden- lag«,. Bisher hat die skrupellos« Agitation der Kommunisten nur die Schwächung unserer Kampfkraft zur Folge gehabt. Ihvo.Arbeit" >« de» Parlamente» hat mm der RecNioo gAfenft, Sorge» afe dafür, daß die Sozialdemokratie nicht nur als Partei, sondern auch bei den unbedingt notwendig werdenden Reichsiogsncuwahlen gestärkt und kampskräftiger gemacht wird.(Großer Beifall.) In der Diskussion sprach der„Erwerbslosenrat" F i ch t m a n n das bekannte Manuskript der Kommunistenzentrale herunter. Ale Genosse Maderholz ihn als gewerbsmäßigen Arbeitslosen kenn- zeichnet«, mußte der Saalschutz gegen die rabiatesten Schreier einschreiten. Nach einem Schlußwort des Genossen Hertz stimmt« die Versammlung der Entschließung unter stürmischem Beifall zu. Ja öer Hasenheiöe. Trotz des herrlichen Sommerabends und der erdrückenden Schwüle war der groß« Saal bei Erbe(vorm. Klient) in der Hafen- beide bis auf den letzten Play besetzt. Besonders stark waren d i i Frauen vertreten, die oft in empörten Worten das neue Anzieher der Lebensmittelpreise besprachen und dabei der Hoffnung AusdruZ gaben, daß die maßgebenden Behörden hier rechtzeitig eingreifen. Genossin Wurm referiert«. Sie wies auf die reaktionären Tsnden- z«n hin, die sich überall im össenttichen Leben zeigen, und erklärte. daß die Wähler am 4. Mai leider das Ziel dez S. November x Reparationszahlungen durch Steuerdrückebergerei und untergrub da. durch systematisch die deutsche Wirtschaft. Di« besitzenden Klasset� voi allem die Großindustrie, di« jetzt alles auf die ausgepowerte Ar. beiterschaft abwälzen wollen, stich schuld daran, daß wir überhoupc mit dem Sachverftändigengutachten beglückt wurden. Obwohl da» Gutachten auch der Arbeiterschaft«roß« Lasten auferlegt, hat sich di, S ozialdem okratisch« Partei dennoch entschlossen, für die Aunahme de» Gutachtens einzutreten, um endlich in Europa zu einem wirklichen Frieden zu gelangen. Wir kömpfen gegen die Belastung der Massen. Die Ein- führung von Lebensmittelzöllen ist nicht der Weg, um über die augenblickliche Kreditknappheit hinwegzukommen. Der Redner wie- dann an der Hand von statistischem Material nach, daß zum größte« Teil die Großagrarier Vorteile von Gktmdezöllen hätten. Wei all« dies« Zölle ein Anschlag auf die nackte Existenz der arbeitender Schichten sind, hat die Arbeiterschaft nicht nur das Recht, sonder, auch di« Pflicht, sich gegen da» Lorhaben des Bürgerblocks zu «vehren. Der Kampf um die Erhaltung des Acht. stundentages muß gleichfall» einsetzen, ivenn sich die deutsch, Regierung nicht dazu entschließt, da» Washingtoner Abkommen über die Arbeitszeit zu ratifizieren. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß jeder an seinem Teile dazu beitragen möge, den Kampf zu führen gegen di« Pläne der herrschende» Klassen. Reicher Beifall lohnte den Redner. Je, der Diskussion sprachen auch Kommunisten und Völkische. Es war«mse r. Sprechen,«ch Gen. Strödel ein leichte,, die«grarifche, Phtc�n Die v* � �eweMhafisbewegung Einheit, Sie sie meinen. Zweieinhalb Seiten der»Roten Fahne" von gestern sind be. deckt mit der»Stellungnahme" der KPD. zu den Beschlüssen des »Weltkongresses" von Moskau. Die Leute, die nichts zu sagen haben, reden immer am meisten. Zwei Spalten sind dem Beschlutz dieses Weltkongresses gewidmet, der die„E n t f a ch u n g der Aus trittsbewegung" aus den Gewerkschaften durch die Schu macher und Genossen„verurteilt" und„die Arbeiter auffordert, in die Gewerkschaften zurückzu kehre n". Unsere Feststellung, daß damit von Moskau ausdrücklich b e- st ä t i g t wurde, daß die Spaltung der deutschen Gewerkschaften von den Kommuni st en betrieben wurde, versuchte die„Rote Fahne" vergebens durch die üblichen Schimpfereien zu verdunkeln. Unsere weitere Feststellung, daß trotz dieses Beschlusses die Spaltung der Gewerkschafren durch die KPD. weiter geht, bemüht« sich das Organ der KPD. abzuleugnen. Wie können nun niehr auf Grund des offiziellen Berichtes der„P r a w d a" fest stellen, daß der Beschluß des„Weltkongresses" durchaus u n e h r l i ch gemeint war und nur als Waffe gedacht ist in der Hand der augenblicklich herrschenden„Linken" gegen die ihnen nicht unbedingt ergebenen„Gewerkschaftler" vom Schlage des Schumacher. Nach dem Bericht der„Prawda" vom 10. Juli führte Ruth Fischer in der Sitzung vom 7. Juli u. a. aus: „Die Taktik der Gewerkschaftsbureaukratie riß in der deutschen Arbeiterklasse eine tief« Kluft auf.... Im Resultat ergab sich der Wunsch, die reformistischen Gewerkschaftsver- bände zu verlassen und einen Ausweg aus der Lage durch Schaffung neuer Industrieoerbände zu finden. Diese Stimmung breitet sich nicht nur in einigen Schich- ten der Kommunistischen Parket aus, sondern auch in breiten proletarischen Massen.... Wir gebrauchen die Unterstützung des Weltkongresses, um die Idee der Spaltung der Gewerkschaften zu überwinden und um der Propaganda Schumachers und der mit ihm konform gehenden Genossen ein Ende zu machen.... Wir sind der Meinung, daß die sofortige Durchführung einer Kampagne für die Einheitlichkeit der Gewerkschaftsbewegung im nationalen und im Weltmaßstäbe im augenblicklichen Moment gefährlich sein würde. In dieser Frage muß man ä u ß e r st vorsichtig vorgehen. Die Massen würden die Notwendigkeit eines solchen Schrittes gerade jetzt nicht einsehen, da die Massen nicht an die Möglichkeit glauben, daß man sich mit den Antster- damern auf dem Boden des revolutionären Kampfes einigen könne. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Politik der Amsterdamer im internationalen Maßstabe genau die gleiche ist wie die der Zweiten Internationale. Für ein« Einigung mit ihnen wäre eine vollständig« Veränderung der Politik der Zweiten Internationale notwendig.... Infolge- dessen spricht sich die deutsche Partei entschieden gegen so- fortige konkret« Schritte in der Einigungsfrage aus, bis die Masien die unbedingte Notwendigkeit erkannt haben und bis die„linken" Amsterdamer sich zu einem bestimmten Stand- punkte durchgerungen haben. Für uns ist ferner noch ein anderes Argument entscheidend. Es handelt sich um unsere Taktik in der Einheitsfront. Bisher haben die Massen dies« Taktik noch nicht richtig angewandt. Die deutsche Erfahrung beweist, daß bei einer nicht richtigen Anwendung der Einheitssrvnttaktik Ein- Wendungen nach rechts möglich sind. Wir hielten uns für genötigt, hier auf dem Kongreß festzustellen, daß die Einheitsfront nur von uNten angewandt werden kann. Wir fürchten deshalb, daß, wenn wir hier sofort mit irgendwelchen konkreten Schritten zur Her- stellung der Einheitlichkeit der Gewerkschaftsbewegung anfangen, daß dieser Schritt bei uns noch größere Verwirrung in den Massen erzeugen und die Quell« neuer gefährlicher Abweichungen werden könnte. Wir müssen auch die Tatsache in Rechnung ziehen, daß augenblicklich alle unsere Genossen in Deutschland gegen einen deutschen Schritt gestimmt sind...." Die Absichten der Ruth Fischer sind also ganz klar. Sie verlangt die Berurteilung der Schumacher und Genossen, ober sie will„augenblicklich" von der Rückkehr in die Gewerkschaften nichts wissen. Bis zu dem gewiß nicht sehr fernen Zeitpunkt, wo sie das Schicksal teilen wird, dos jetzt Suwarin ereilt hat und vor diesem alle anderen Emporkömmlinge, die auf kurze Zeit Diktator von Moskaus Gnaden waren, bis zu ihrer Absägung herrscht Ruth Fischer in der Füll« ihrer Macht. Dementsprechend ist der„Beschluß" des Zentralausschusses der KPD. in der Gewerkschaftsfrage aus- gefallen. Es heißt da: „Alle Bestrebungen, offene oder versteckte, die zur Liquidation der RGI.(Roten Gewerkschaftsinternationale) führen, lehnt d.er Zentralausschuß entschieden ab. Das Ziel der vorgeschlagenen Aktion kann nur die Vereinigung aller Arbeiter- elemente, einschließlich der syndikalistischen Arbeiter, auf der Grundlage der Grundsätze der RGI. sein. Die Aktion wird nur dann einen Erfolg zeitigen, wenn sich die Arbeitermassen auf Grund eines gemeinsamen revolutionären Aktionsprogramms für die Einigungskampagne einsetzen. Ein solches Programm ist für Deutschland augenblicklich: Kampf für den Achtstundentag, für Lohnerhöhungen, für die Einreihung der Erwerbslosen in den Produktionsprozeß, gegen Betriebsstillegungen, gegen das Sachverständigengutachten; für die Wiederaufnahme sämtlicher ausgeschlossenen Mitglieder, Verbände, Zahlstellen usw. unter der rückhaltlosen Anerkennung des Selbst- b« stimmungsrechtes der Mitglieder, für die Aner- kennunq der Notwendigkeit, daß die Gewerkschaften nicht neutral fem können, fondern ihre volle Kraft in den Dienst des Klassen- kampfes zu stellen haben. Die Amsterdamer Führer, die an die internationale Sozialdemokratie und deren konterrevolutionäre Politik gefesselt sind, die zugleich die Führer der Zweiten Inter- nationale und die Stützen der Politik des Sachoerständigengut- achtens sind, die sich völlig der Bourgeoisie verschrieben haben, werden«in solches Aktionsprogramm nicht annehmen. Di« linke Opposition des JGB. wird sich entscheiden müssen, ob sie mit der Bourgeoisie gegen die Arbeiter, oder ob sie mit dem Proletariat gegen die Raubpläne der Bourgeoisie und gegen ihr« 5)elsershelfer kämpfen will." Diese„Rückkehr zu den Gewerkschaften" ist also an die Bedin- gungen geknüpft, daß die Gewerkschaften sich Losowski unterwerfen, sich„in den Dienst des Klassenkampfes" nach den Vorschriften der KPD. stellen, mit Wulle, Hergt, Ruth Fischer und Poincare ein« Einheitsfront gegen die Durchführung des Gutachtens bilden, die Kommunisten nach Belieben mit den Geldern der Organisationen schalten und walten lassen. Sonst hat Frau Ruth Fischer keine Schmerzen. Wer diesen Wunschzettel nicht unterschreibt, der ist das, was Ruth Fischer in einem halben Jahr oder einem Jahr sein wird, und was alle die sind, die vor Ruth Fischer die KPD. kommandiert haben: ein.Renegat",„Verräter" usw. Um aber jeden Zweifel aus- 33= pr Postabonnenten welche die Erneuerung des Abonne- ments fUr August noch nicht vorgenommen haben, müssen noch heute das Versäumte nachholen, wenn keine Unterbrechung in der Zustellung der Zeitung erfolgen soll Vorwarts-VerSag G. m. b. H. iL ä zuschließen über die Pflicht der Kommumsten, die Spaltung der Gewerkschaften„noch mehr zu steigern", heißt es in dem Beschluß des Zentralausschusses: „Zugleich wird die Zentrale beauftragt, nach Abschluß der Internutionalen Woche(„Gegen den Krieg, für den Bürgerkrieg") eine Reichskonferenz für die Gewerkschaftsfunk- tionäre einzuberufen, die in den Bezirken gründlich vorzu- bereiten ist." Also:„Die Schumacher und Genossen, die sich erlaubten, eine eigene Meinung zu haben, sind abgeschlachtet. Es lebe die Spaltung nach dem Rezept von Ruth Fischer!" Das ist die Einheit, die die Kommunisten meinen. Gegen üen Volksentscheid. Weshalb sie dagegen sind. Die schwerindustriell« Telegraphen-Unicn verbreitet« die Nach- richt, daß die Spitzenorganisation der christlichen Gewerkschaften, der Deutsche Gcwerkschaftsbund, an dem Borhaben der gewerkfchaft- schoftlichen Epitzenoerbände, über die Ratifizierung des Abkommens von Washington«inen Volksentscheid herbeizuführen, nicht beteiligt sei und sich an einem derartigen Entschluß nicht beteiligen werde. Wir gaben zunächst diese Nachricht nicht wieder, da wir an- nahmen, daß die Christlichen, trotz Siegerwald und Genossen, schließlich noch ein anderes Organ als ausgerechnet die Telegraphen- Union zur Verbreitung ihrer Stellungnahme haben werden und daß sie ihre Stellungnahme mit Gründen versehen würden. Da aber ein Dementi nicht erfolgt ist, sind wir wohl genötigt, die Nachricht der Telegraphen-Union als richtig anzusehen. Somit bringt die Spitzenorganisation der Christlichen nicht den Mut auf. klar Stellung zu nehmen. Mit Rücksicht auf die Mass« ihrer Mitglieder traut sie sich wohl nicht, gegen das Abkommen von Washington Stellung zu nehmep: für den Volksentscheid einzutreten,, das wollen die reaktionären Politiker nicht, die im Deutschen Gcwerkschaftsbund dos große Wort führen. Die„Welt am Abend", die nicht als inoffizielles Organ der KPD. gelten will, aber mit Samtpfötchen deren Politik vertritt, bemerkt dazu: Den Volksentscheid halten wir für falsch, weil wir trotz der sich sicher ergebenden Mehrheit für den Acht- stundentag darin eine Schädigung des Achfftpndentages er- blicken. Wenn sich aber die christlichen Gewerkschaftsspitzen gegen den Achtstundentag erklären, so zeigt das, daß ihnen der Profit des Unternehmers höher steht als die Lebensinteressen ihrer Mitglieder. Also die Kommunisten sind dagegen, weil die große Mehr- heit des deutschen Voltes dafür ist, somit der Achtstundentag durch den Volksentscheid national und international gesichert wird. Das aber ist—„eine Schädigung des Achtstundentages"— lies der kommunistischen Putschpolitik. Wenn aber die Christlichen dagegen sind, dann ist das eben„Verrat". Im übrigen: Weil wir dafür sind, sind wir auch„Verräter". Das sind nun einmal die.Gründe" der Kommunisten. Tie Arbeitszeit im �riseurgewerbe. Auch die Friseurmeister wollen zur Verlängerung der Arbeits- zeit beitragen, zumal es doch so schön war, als man ganz allein die Arbeitsbedingungen festsetzte und im besonderen die Arbeitszeit regelte. Seit der ersten Verordnung über die Arbeitszeit betrug diese im Friseurgewerbe wöchentlich einschließlich einer vierstündigen Sonntagsarbeit S8 Stunden. Diese soll nun um weitere 4 Stunden verlängert werden. Di« bisherige zwei- stündige Mittagspause soll um eine halbe Stunde verkürzt und der Arbeitsanfang eine halbe Stunde früher beginnen. Mit dem Schluß wird es dann selbstverständlich auch nicht so genau genom- nien werden. Daß die genau vorgeschriebene Sonntagsarbeit eben- falls eine Stunde früher beginnt als das Gefetz es gestaltet, ver- steht sich von selbst. Daß da- unter den Augen der Aussichtsbehörde nicht bloß geschehen, sondern auch öffentlich bekanntgemacht werden kann, ist ein Kapitel sür sich. Diejenigen Gehilfen, die sich dagegen wenden, werden als Berufsschädlinge behandelt und ihnen plau- sibel gemacht, daß die Gewerkschaft der Gehilfen überflüssig sei. Es fei besser, den Beitrag zu sparfn und das Geld lieber in einem vom Meister abhängigen„Fachverein" anzulegen. Wer dos nicht ein- sehen will, erfährt bald, wo der Zimmermann das Loch gelassen bat. Das„gute Einvernehmen" mit den Gehilfen wird auf diese Weise recht praftisch zur Geltung gebracht. Run, die Bestrebungen der Meister wird die Gehilfenschast zst durchkreuzen wissen. Den Partei- und Gewerkschaftsgenossen kann indessen nur dringend empfohlen werden, sich von den bedienenden Gehilfen das Ver- bandsbuch zeigen zu lassen._ Moderne Arbeitgeber. Bei der Firma Ononette. Oranienstraße, führen die Arbeiter einen verzweifelten 5tampf um die AutrcÄtcrballnng der zurzeit bestehenden Löhne. Trotzdem die Lebenehaltung der Arbeiterschaft eine immer schwierigere wird, versucht eS der Direktor Äotlke, die Löhne um 20 Proz. zu kürzen, da er sonst nicht verkaufen könne. Die Belegschaft lehnte dieses Ansinnen ab. Zur Strafe dafür ist die Arbeitszeit auf 24 Stundeu herabgesetzt, in der übrigen Zeit können sie darüber nachdenken, wie sie die Existenz dieses modernen Jndustrielöwen sicherstellen. Herr Kottke aber sucht i« Westen eine hochmoderne Villa mit 6 Zimmern. Massencinwanderung nach Frankreich. Paris. 22. JJuli.(Eigener Drahtbericht.) Eine amtliche Statistik des Arbeitsministeriums besagt, daß der Zustrom fremder Arbeitskräfte nach Frankreich ungewöhniichen Um- fang annimmt. Die Einwcioderung soll seit einiger Zeit durch- schnittlich S000 Köpfe in der Woche betragen. In der vergangenen Woche sind von den Grenzkontrollstellen nicht weniger als 5331 Ein- reiftgenehmigungen visiert yorden, darunter 4508 für Industrie- arbeiter und 743 für landwirtschaftliche Arbeiter. Das Hauptkon- ttngent für Industriearbeiter stellt Italien mit 1840. für die Land- Wirtschaft Belgien mit 107. Trotz dieses gewaltigen Zustroms, der sich auf etwa 20 000 Köpfe im Monat beläuft, soll die Nach- frage nach Arbeitskräften noch erheblich größer fein als das Angebot, besonders in der Landwirtschaft. Die Arbeitslosigkeit in Rusiland. Die rapide Steigerung der Arbeitslosigkeit in Rußland hat nur dazu geführt, daß, laut amtlicher Angaben, die Arbeitslosen 24,3 Prozent der Beschäftigten ausmachen. Damit ist Rußland in die erste Stelle unter allen europäischen Ländern gerückt: d i e größte Arbeitslosigkeit herrscht heute im kom- munistischen Rußland. Der amtliche Bericht in der Mos- kauer„Wirtfchaftszeitung" laut«t: Am 30. Juni sand eine Besprechung der Vertreter der Zentrale der Gewerkschaften des Moskauer Gewerkschaftskomitees und des Volkskommissariats für Arbeit statt, die sich mit der Frage der Ar- beitslosigkeit und den Maßnahmen zu ihrer Linderung befaßte. Der Ministerialdirektor im Volkskommissariat für Arbeit, G i n d i n, bemerkte in einem Referat, daß am 1. April 1 359 000 Arbeitslose gezählt wurden. Seit dem 1. Januar d. J. wuchs die Arbeitslosig- keit um 10 Proz. Von der Gesamtziffer der Arbeitslosen sind In- dustriearbeiter— 343 600(25 Proz.), Angestellte 449 000(32 Proz.), Schwerarbeiter— 350 000(25,6 Proz). Fast die Hälfte(42,1 Proz.) der Arbeitslosen sind Gewerkschaftsmitglieder. Die Arbeitslosigkeit beträgt 24,3 Proz. der im Produktionsprozeß stehenden Arbeiter. Die Wahlen zum Derbandsiag der Buchdrucker hoben in Berlin mit einem vollen Erfolg der Amsterdamer Richtung geendet. Sämtliche 24 Kandidaten, die von der Fraktion Amster- dam vorgeschlagen wurden, sind gewählt. Wir kommen auf die Wahl noch zurück. Deutscher Metallarbriter-Deriand. Morgen, abends 7 Ubr. findet bei Sunt- tncl. oopfiicnsir, 5 ldteekt am Kronkenbous Urban) statt. Beteiligung aller Lehrlinge, jugendlichen Kolleginnen und Kollegen ist erwünscht. — Eine Nachtpartie der Iugendabt. soll Sonnabend, den 16., und Sonn- tag. den 27. Juli, unternommen werben, und zwar nach Bernau— L i e p. n i st s e e. Uebcrnachten in der Jugendherberge Ucstdorf. Treffpunkt am Sonnabend, nachm. S Uhr, am Stcttiner Bahnhof fHaupteingang). Teilnehmer müssen bis spätestens sireitaq, den 25. Juli, von 4 bis 6 Uhr im Bureau, Engeltlfcr 24—25,»immer 28, melden.— Die nächste Monatsversammlung findet ssreitag, den 8. August, abends 7 Uhr, im Dewcrkschaftshaus, Saal 5, statt: Vortrag.— Deutscher Lolzarbciter-Verbcnd, Mufikinstrumentenarbeiter. Am Donnerstag, nachm. 5 Uhr. im VcrgnUgungspalast tstrost-Berlin, Sasenheide 11—13, Bra nchenverfamml ung oller Mitglieder des Deutschen Lolzarbeilcr-Berbandes. Tagesordnung: Bericht von der Lohnbewegitng. Die Branchenleitung. Transportorbeiter der Erost-Berliner Metallindustrie! Donnerstag, abend» 6Vi Uhr, im Gewerkschaft-Haus, Engelufer 24—25. Aufg. B» Port., tzimmer 4, Pcrtraucnsmänncrversammlung aller in den Groß-Äerliner Mctallbctrtebcn tätigen Gruppen der Transportarbeiter. Packer, Lager», Hilfsarbeiter usw. Alle Betriebe, Betriebsabteilungen und Werkstätten mllsscn bestimmt vertreten kein. Die Chauffeure werden im besonderen ersucht, sich auf dieser Konscrenz durch ihre Kuiiktionär« vertreten zu lassen. Soweit Betriebe oder Werkstätten» abtcilungcn gegenwärtig ohne Funktionäre sind, hat«in Mitglied das Mindai zu übernehmen und diese Bcrfammlung zu besuchen. Kein Betrieb darf ut>. verircien sein. Deutscher Verkehrsbund, Sektion V. Bangewcrksbund, Fachgruppe der Täpfer. Die Kollegen werden dringend gebeten, am Sonnabend die Verkehrslokalc zu besuchen, da wichtige Mitteilungen zu machen sind._ Der Zachgruppcnlcilcr. M-S öer Partei. 3n der ffchechoflowakifchen Republik bestehen, entsprechend ihrem Wesen als Nationalitälenftnot, ebenso viele sozioldemokrasilch« Por- tcien als Nationalitäten. Es ist bekannt, daß der Hamburger Welt- kongreß einen Ausschuß«ingesetzt hat, der das Verhältnis zwischen der tschechischen und der— kurz gesagt— deulschböhmischen Sozialdemokratie studieren und bessern soll. Die tschechischen Genossen ge- hören zur Regierungskoalition aller tschechischen Staatsparteien, während di« deutschböhmischen Genossen aber als Angehörig« des größten Minderheiisvolkes in grundsätzlicher Opposition stehen, so- lange nicht die Gleichberechtigung und eine Selbstregierunq aller Nationalitäten im Staat eingeführt wird. Daraus ergibt sich das Verhältnis zwischen den beiden Brudcrparteien. Da nun schon seit einiger Zeit die tschechischen Genossen zur Informierung der aus- ländischen Bruderparteien den deutsch geschriebenen»Tschechoslcwa- tischen Sozialdemokrat"(Prag II, Hybernska ul. 7) und auch ein französisches Bulletin herausgeben, erscheint nun auch die„Aus- landskorrelpondenz der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik"(Prag I.I. Haolick. nam. 32). Wir lenken die Aufmerksamkeit der Parteigenossen aus diese neue Publikation. Wetter für VerNa und Amgegead: Meist bewölkt, fo'.tdmiernd Mewitter- neignng mit einzelnen Regenichuuern, noch warm.— Mr Deusschlood: In ganz Deutjchland weit verbreilele Gewitterregen, im Nordwesten etwa» küh.er. Bcrantworllich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternu»; Gcwcrkschaitsbcwcgung: z. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Letales und Sonstiges: Kalter Trojan: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag B. m. b. L. Berlin. Druck: Borwäris-Buchdruckerei und Lerlagsonstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SD. 88, Lindenftraste 3. _ Hierin 1 Beilaae._ Hühneraug' auf Zeh' und Sohl* Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie Busdrücklich„Lebewohl mit Filzring. Überall erhältlich! Cavalin an Sommertagen schafft unendliches Behagen. Der Slreupuder gegen Schweiß und dessen Wirkungen,— Für Sport und Wanderung. Herstelleria W. Spindler A.-O* Berlin C. 19 _ Heilage öes Vorwärts Nitttvoch, 23. Mi 1924 die Massenvergistungen in Gsrbersöorf. Wie die Katastrophe entstehen konnte.— Vier oder süns Tote? Es war vorauszusehen, daß dis Massenvergiftung der Patienten und Angestellten der Dr. Brehmerschen Lungenheilanstalt in Gör- bersdorf nicht nur großes Aufsehen, sondern auch eine tiefgehende Unruhe hervorrufen würde. Diese Beunruhigung äußert sich durch täglich zunehmend« Zuschriften und Mitteilungen und telephonisch« und schriftlich« Anfrage an die Redaktion des„Vorwärts". Münd- lich und schriftlich wird immer wieder bezweifelt, daß eine harmlose Erfrischungsspeise die Ursach: einer so furchtbaren Massenvergiftung sein könne. Wir wollen in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, daß unsere Mitteilung, daß die Vergiftung von verdorbenen Kote- ketten herrühren soll, bisher direkt weder abgestritten worden ist, noch«Mkräflet werden konnte. Man hüllt sich in Schweigen. Um die Bereitwilligkeit der Verantwortlichen zu einer weitgehenden rest- losen und rücksichtslosen Aufdeckung alles dessen, was zur Klärung der Katastrophe dient, zu fördern, veröffentlichen wir zunächst zwei Zuschriften aus Patientenkreisen. Ueber jeden Zweifel erhaben ist heute schon die Notwendigkeit, die in ihrer Genesung furchtbar zu- rückgeworfenen und schwer geschädigten Patienten durch weitere Kur und andere Vergünstigungen wenigstens etwas zu entschädigen. Die Rcichsbehörden täten gut, Garantien zu geben und im übrigen dafür zu sorgen, daß der Oeffentlichkeit nunmehr schnelle Auf- klärung zuteil wird, besonders auch über die in der ersten von uns veröffenllichten Zuschrift aufgestellte Behauptung, daß bereits fünf Todesfälle vorliegen, während bisher immer von vier Toten die Rede war. Horbersösrf als§amilien-G.m.b.h. „Als Dr. Hermann Brehmer vor 70 fahren in Görbersdorf die erste Lungenheilstätte einrichtete, vollbrachte er damit eine soziale Tat. Soziales Wirken und Schaff-m war auch sein Lebenswerk. Obwohl er dafür von den herrschenden Kreisen in Preußen und Deutschland nicht sonderlich geachtet und gcehrt wurde, wurde sein Ruhm desto mehr von allen denen, die ihn in seinem Wirken kennen- gelernt hatten, in alle Lande getragen, und Dr. Hermann Brehmer erlangte mit seiner Heilstätte Weltruf. Leider wurde seinem Wirken nach AZ Jahren durch seinen Tod viel zu früh ein Ziel gesetzt. Seine Erben waren in den ersten Jahrzehnten nach seinem Tode ernsttich bemüht, das Erbe Hermann Brehmers hochzuhalten. Anders wurde die Sache, als die Anstalt mit in den Dienst der sozialen Gesetzgebung gestellt wurde. Seit län- gerer Zeit werden in Dr. Brehmers Heilanstalt vorwiegend Patienten der Reichsrersicherung für Ange stellt« zur Heilung geschickt. Wer aber heure die Anstalt besucht, findet leider von Dr. Hermann Brehmers sozialem Geist nichts. Die An- stalt ist ein reines privatwirtschaftliches Untenrehmen geworden. Wo ist der ehemalig« herrlich« Park mit seinen wundervollen An- lagen? Wo sind in der Anstatt die der Neuzeit entsprechenden not- wendigen Einrichtungen? Wo ist das Wollen Hermann Brehmers „Alles nur zur Gesundung der kranken Menschheit"? An den Ge- bäuden wird nur der Verfall notdürftig verhindert. Jetzt ist eine Familien- G.m.b.H. von 11 Familien mit rund 'Äv Erben vorhanden, die ängstlich darauf bedacht ist. daß der Be- trieb der Anstatt auch Profit herauswirtschaftet. Als Aufsichtsrat -dieser Familien-G. m. b. H. fungiert ein leitender Direktor einer sehr bekannten Breslauer Großfirma. Seit vielen Monaten haben die Patienten die privatwirtschastllche Tüchtigkeit dieser Familien- G. m. b. H. besonders gespürt. Di? Klagen über schlechte Kost waren an der Tagesordnung, doch wurden sie im Frühjahr so stark, daß die Patienten crnstlich auf deren Abstellung drängten. Die tägliche Nahrung für die Lungenkranken setz.« sich wie folgt zusammen: 20 Gramm Butter, 40 Gramm Fleisch, 18 Gramm Zucker,'A Liter Magermilch, Blümchenkaffee, Wald- und Wiesente« ohne Beschrän- kung. Brot reichte nie zu, die Patienten mußten es sich stets erst erbitter», 1 Brötchen mit Marmelade oder Kunsthonig. Dafür gab es aber Kartoffeln ohne Beschränkung. Gemüse uird dergleichen war bis in die letzten Tage hinein«in Leckerbissen, der nur an hohen Festtagen gereicht wurde. Dazu kommt noch, daß allein Essen ein bestimmter Zuiatz von Soda beigefügt wurde. Man weiß schon warum und bei der enveißlosen Kost ein allzu vorsorgliches Beginnen. Anfang Ällai wurden die Patienten deshalb vorstellig, eine Beschwerde an die Reichsversicherung wurde aufgesetzt und von zahlreichen Patienten unterzeichnet. Der Erfolg war, daß man einem Patienten als sogenannten„Rädelsführer" ein« Blitzkur gab, d. h. er mußte bald abfahren. Der Herr Chefarzt fuhr nach Berlin zur Reichsversicherung und— es blieb alles, wie es geioesen war. Die Beschwerdeführer warten bis auf den heutigen Tag noch auf«in« Antwort von der Reichsoersicherung. Die Patienten mußten des- halb, wenn ihre Kur nicht erfolglos sein sollt«, weiter in ihre Tasche greifen und sich zu der Beköstigung zukaufen. Viele hatten ihre eigene Butter und Wurst, andere ließen sich von Hause senden. Wieder andere nahmen Milchkuren bei den Bauern. Wenn sie all« einmal ein vernünftiges Essen haben wollten, so gingen sie nebenan in das Hotel, daß mit den Patienten der„Brehmerei" sein bestes Geschäft machte. Emzelwünsche der Patienten, die zahlreich weiter vorgetragen wurden, wurden von dcn leitenden Aerzten ebenfalls mit unverbindlichen Worten erledigt. Die Katastrophe vom 13. Mi und ihre Iolgen. Nur in einem solchem Milieu war es möglich, daß man am Sonntag, den 13. Juli, ein Mittagessen vorsetzen konnte, das durch und durch verdorben war. In der amtlichen Untersuchung ist noch gar nicht endgültig fest gestellt, ob es die Erdbeerspeis« allein war. Weit über 200 Patienten, An- gestellte und Hausmädchen erkrankten unter den fürchter- lichsten Qualen, die Vergiftungserkrankungen verursachen. In dem amtlichen Bericht des Kreismedizinalrates heißt es:„Die An- staltsleitung hat sich der Lage in jeder Weis« gewachsen gezeigt." Diese Worte haben bei allen Patienten ein Lächeln hervorgerufen. Wir stellen deshalb fest, daß in der Nacht vom Sonntag zum Mon- tag nicht nur all« Patienten, sondern auch die Schwestern und die Aerzte erkrankten, so daß nur ein Assistenzaizt der Nebenanstalt und «•ne Schwester für mehr denn 200 Erkrankungen vorhanden roaren. Di« Kranken waren sich selbst überlassen und schrien teilweise wie ein Tier. Erst Montag, kurz vor Mittag, wurde die Dr. Weikertsche Anstalt um Hilfe ersucht. Der Chefarzt war ja auch erst Montag früh von einer vierwöchentlichen Bade- reise zurückgekehrt. Erst in den folgenden Tagen setzte nach und nach eine regelrecht« Behandlung der Kranken ein. Fünf Todes- opser sind zu verzeichnen: Der in seinem Fach tüchtige Oberarzt Dr. R o w e. der noch unter Dr. Brehmer tätig gewesen war, der bis zuletzt in seltener Rüstigkeit seinen Dienst versehen hatte, der 51jährig« Bademeister, 1 Privatpatient und 2 V« r- sichern ugspatienten. Gin Drittel der Patienten liegt noch zu Bett, und die anderen zwei Drittel kriechen herum wie die Fliegen und hoffen auf Erholung der überstandenen Leiden. All« müssen feststellen, daß der bisherig« Erfolg ihrer Kur zunichte ist. Gewichtsverluste bis 18 und 20 Pfund find pro Person zu verzeichnen. Wird man jetzt die wahren Ursachen erkennen und sie abstellen? Wird man die wahren, Schuldigen ermitteln und zur Berontwortung ziehen? Man wird vermutlich die Köchin in die Wüst« schicken. Welche Wirtschaft in der Küche geherrscht haben muß, deutet der amtliche Bericht in feinem Satz an:„Vielleicht spielen Ratten und Mäuse ursächlich«in« gewisse Rolle." Also Ratten und Mäuse sollen in solcher Zahl vorhanden gewesen sein, daß sie das gesamte Mittagessen von weit über 200 Personen ver- gifteten? Wenn es in Zukunft besser werden soll, dann muß zunächst ein- mal die Reichsversicherung sich die Anstalt genauer ansehen und sich klar werden, ob sie unter solchen Umständen der Anstalt auch weiter- hin Krank« aus Gedeih und Verderb anvertrauen kann. Di« Vertrauensmänner der Versicherten werden ihre Stimme besser zu Gehör bringen müssen wie bisher. Unbedingt nötig ist aber, daß das einseitige Diktat der Anstaltsleitung ein Ende nimmt, und daü Wünsche der Patienten gehört werden. Die Patteitten müssen sich «ine Vertretung der Leitung gegenüber wählen, wodurch sie zu ihrem Recht kommen. Allerdings wird das bei den Angestellten noch etwas Ueberwindung kosten, weil viele dieser guten Leute meinen, man könne nicht etwas tun, was sonst mir die Arbeiter wn! Mit diesen Unbelehrbaren unter sich werden die Angestellten selbst ein kräftiges Wörtchen sprechen müssen, sie werden zu der Solidarität, die die Arbeiterschaft verbindet und vorwärts führt, kommen müssen, zu jener Solidarität, wie sie im Zenttalverband der Angestellten und AsA-Bund gepflegt wird. Nur wenn sie sich durch einmütiges Zusammenhalten e i n"K on t r o l l- und Mitbestimmungs- recht über jene Anstalten erkämpfen, die doch im Grunde genvinmen für sie da se>n sollen, für sie, die als Ahnderbemittelts im Kampf ums Dasein ihre Gesundheit eingebüßt haben und schwer geschädigt worden, sind, erst dann werden solche entsetzlich« Vorfälle, wie sie sich in Görbersdorf ereignet haben, un- möglich sein." Soweit das erste Schreiben, das von einer Anzahl Patienten mit unterschrieben worden ist. Was ein Augenzeuge beobachtet hat. Er schreibt uns: „Auf die in der Abendausgabe vom 21. d. Mts. mitgeteilte Zu- schrift des Chefarztes der Brehmericheu Heilanstalten in Görbersdorf übersend« ich Ihnen einige persönlich« Eindrücke, die ich bei meinem Besuch einer dort befindlichen und ebenfalls von der Ver- giftung betroffenen nahen Verioandten am vergangenen Sonntag gewonnen hob«. Von einer völligen Ruhe hob« ich, wenigstens am Sonntag, noch nichts merken können. Im Gegenteil, sämtliche Patienten, mit denen ich sprach, waren aufs höchste erregt und hielten mit ihrem keines- wcgs schmeichelhaften Urteil übe-' die Anstaltsleitung nicht zurück. Daß kein« Patienten abgereist find, stimmt wohl nicht in dem Maße, wie es behauptet wird. Der größte Teil der Patienten ist von der Reichsversicherung dorthin geschickt und dadurch nicht 5z«rr seiner eigenen Entschließungen. Außerdem, waren diejenigen, die fort wollten, zum Teil noch zu schwach, um etwas unternehmen zu können. Ich z. B. war eigens dazu nach G. gereist, um für meine Verwandt« eine ander« Unterkunft zu suchen, was mir denn auch gelungen ist. An«in« sofortig« Uebersiedelunq voar aber auch in- folge Schwäche der Kranken nicht zu denken. Die Hauptschuld schiebt man dem wirtschaftlichen Direktor zu. dessen Knauserigkeit, besonders bei der Beschaffung neuer Wirts choftsg egenstände, wie Kochtöpfe u. dergl., erst die Möglichkeit einer derartigen Katastrophe geschassen zu haben scheint. Außerdem wurde sehr über mangelnde Sauberkeit geklagt. Wenn behauptet wird, daß die Anstaltsleitung der Situatton gewachsen war, so stimmt das unter keinen Umständen. Ist es doch vorgekommen, daß man oin Mittwoch nach dem Unglückssonntag eine sesl danieder. liegende Patientin überhaupk vergessen hatte, und selbst noch am letzten Sonntag haben die Patienten erst zwischen 3 und 4 Uhr Mittagessen«rhaltsn. Die Breslauer Schwestern, die zur Aushilfe gekommen roaren und deren aufopfernd« Tätigkeit durchaus aner- könnt roerden soll, sowie die Letter verschiedener anderer Sanatorien, mit denen ich sprach, schüttelten all« den Kopf. Geradezu erschütternd wirkte es, uxmn man eine Patientin, die schon monatelang dort zur Kur war, klagen hört«, daß durch diese Sache vermutlich der ganze Erfolg verloren- gegangen sei. So wird es allen gehen. Eigenartig ist die Behauptung der Reichsversicherungsanstalt am vergangenen Sonn- tag, daß keine Patienten gestorben wären, während der Chefarzt jetzt zwei Fälle zugibt. Daß es sich hierbei um schwer Tuberkulosekranke handelt, die, das kann mon zwischen den Zeilen herauslesen, sowieso gestorben wären, ist ein schwacher Trost. Es ist durchaus zu mißbilligen, tvenn bei derartigen Anlässen die verantwortlichen Stellen ihre vorzüglichste Aufgabe darin er- blicken, nur möglichst schnell festzustellen oder.feststellen zu lassen. daß sie kein« Schuld trifft. Sollte man dadurch jedem Versuch einer Schadenersatzforderung von vornherein die Spitze abbrechen wollen? Die Reichsversicherung als Hauptinteressentin täte gut, mit der jetzt in der Anstalt üblichen Wirtschaft der dortigen wirtschaftlichen Lei- tung aufzuräumen. Eine Anstalft der alle äußeren Vorzüge in dem Maße gegeben sind, hat der Allgeme.nheil gegenüber die Pflicht, diese Vorzüge auszunutzen zum Vorteil der leidenden Menschheit ohne Rücksicht auf den Geldbeutel irgendwelcher privatkapitalistischer Interessenten, seien es auch die Erben des oerdisnswolleu Gründers der Brehmerschen Anstalten." * Man ersteht ans diesen Zuschriften, daß die bisher verabreichten Beruhigungspillen nicht geeignet waren, den peinlichen Eindruck. dcn die Behandlung der ganzen Angelegenheit eriveckt IM, zu be- seitigcn. Man wird die Vermutung nicht los, daß man in der Görbersdorf«? Anstalt vollständig den Kopf verloren hat. Viel schlimmer aber ist es. daß man der Oeffentlichkeit die Kaiastraphe, die sich bereits am 13. Juli ereignete, nahezu eine ganz« Woche vorenthalten hat, so daß die Presse erst am 13. Juli Nachricht erhielt. 39] Die Venus von Syrakus. Don Clara Rahka. Das schien ihm denn doch em hohes Spiel zu sein. Erst saß sie einem jungen Künstler hinter dem Rücken des Alten Modell, und dann sollte er noch die Zeche bezahlen. Es im- panierte ihm. Er bewunderte Llvia. „Gnädigste Prinzessin, verkaufen würde ich dieses un- vergleichliche Kunstwerk niemals. Er sah sie mit seinen dunklen, wie in Oel schwimmenden Augen möglichst ausdrucks- voll an... r Diese Huldigung von diesem Manne, angesichts der Venusstatuc, empörte Livia auss höchste. Die Anwandlung von Milde vor der Schönhe,t des Kunstwerkes war ver- flogen „Sie müssen die Statue hergeben, es ist Ehrensache!' sagte ste ausflammend. � Langsam zog Fratelli die Schultern empor.„Wer soll mich zwingen?". Run begann Casapi mit sein ausgemeißelter Redekunst. und der Prinz warf Zahlen und Ausrufe dazwischen. Vergebens. Schließlich bat der Prinz. Fratelli lächelte nur. �. Lima war aus dem Haus heraus, auf die Straße ge- gangen: sie konnte nicht Zeuge der Verhandlungen sein. Es mar, als feilschte man um sie selbst. Sie setzte sich ,n den Wagen und wartete. Um nichts in der Welt hatte sie sich länger vor diesem gewöhnlichen, hohlkopsigen Vcenschen ge- demütigt. Branco ging vorüber, sah Livia, ahnte den Zusammen- hang— auch er war auf dem Wege zu Fratelli doch sein Herz war völlig verstockt.— Als der Prinz und Easapi aus dem Torbogen kamen, sah Livia sogleich, daß irgend etwas eine günstige Wendung brpchte. denn Cosavi war in ein Lächeln getaucht. „Prinzessin." shgie er niit cinein höflichen Winden seines ganzen Körpers,„vielleicht ist es auch Ihnen nicht bekannt, daß es sich hier um eine alte griechische Statue handelt, die xa Syrakus ausgegraben wurde und dort im Museum steht.' „Rein, das bin ich!" sagte Livia wütend. Niemand in Rom würde diese Märchen glauben, der Schleicher sollte einen solchen Unsinn gar nicht erst in die Welt setzen.„Ich bin es,' versicherte Livia nochmals nachdrücklich. „So?" sagte Monsignore lang gedehnt. Die Höflichkeit verließ ihn. Er lachte wirklich. Das hatte Livia niemals ge- sehen. Es wunderte Casapi keineswegs, daß der Prinz und die Prinzessin die Venus von Syrakus nicht kannten; sehr viele, sehr gebildete Menschen kannten sie nicht, doch die Harmlosig- keit, mit der Livia diese erlesene Schönheit für sich in Anspruch nahm, entzückte ihn.„Sie muß es selbst am besten wissen," dachte er und setzte sich froh bewegt in die hellblaue Kutsche. Ganz vorsichtig begann er der empörten Livia auseinander- zusetzen, daß diese Statue dennoch nicht sie selbst sei. sondern wirklich ein sehr altes Kunstwerk— bis auf den Kopf und die Hand. „Ich weiß es nichk, ich weiß es nicht," jammerte der Prinz. Easapi bedauerte ihn. 17. Da ganz Rom lachte, mußte man einen hängen! Das konnte nur jener Entführer fein. Hatte man ihn erst, dann würde es sich ja finden, ob man auch für die Prinzessin einen seidenen Strick drehen konnte. Er würde schon reden, dieser Jüngling aus Palermo. Vor ein recht breites Tribunal mußte man ihn stellen, da würde sein Mut schließlich in ein Mausloch kriechen. Doch Mut hatte das Bürfchlein, das mußte man ihm lassen. Der Raub, die heimlich belauschte Prinzessin— wie sie selbst es darstellte!— das war schlimmer als Susanne im Bade: es war eben eine öffentliche Angelegenheit, deren man sich gründlich anehmen mußte., Am meisten aber hetzte Livia selbst. Wahre Feuerströme gingen von dem verschlafenen Palaste des alten Prinzen aus.— Zur hohen Befriedigung aller waren denn auch die Häscher scbon unterwegs. Die mit schwungvoller Phantasie dachten es sich etwa so. daß Renzo zunächst einmal in Ketten durch ganz Rom ge- führt werden mußte.— Sonderbar war nur das eine: in Renzo selbst verblaßte das Erlebnis. Er hatte seine Zeichnungen und das Ton- Modell zum Kopfe der Venus nach Monreale geholt, er wußte, es war nicht unmöglich, diese Arbeit noch einmal zu machen. Doch jetzt konnte er nicht daran denken, denn alles, was tief in ihm lebte, gehörte der neuen Aufgabe, und Pater Matteo steigerte ihn noch mehr in diese Glut hinein. Er spürte mit großer Freude, was in diesem wilden Burschen steckte, und da, er die Dinge dieser Welt von einer höheren Warte aus betrachtete, erschien ihm der Raub zwar verwegen, doch auch wieder unschädlich. Vor allem hatte es dem jungen Menschen sozusagen die Lebensader angeschlagen, und Künstler im Sinne des tüchtigen und gedankenvollen Priors der Vene- diktiner liefen selten in der Welt herum. So war er denn recht ruhig und dachte, die Kirche hätte einen laugen Arm. Zwar erwies sich nach einigen Wochen, daß er nicht lang genug war, um Roms hochgehende Wogen zu dämmen, denn vier barsch aussehende Männer in Uniform machten ihm klar, daß er ihnen Renzo Adriani auszuliefern hätte. Sie sprachen zwar ehrfurchtsvoll, doch bestimmt. Pater Matteo hörte ihnen in gelassenem Staunen zu. Er ließ Renzo rufen, der mit einer hilflosen Gebärde an seine Beichte erinnern wollte. Nein, das war nun ein Gebiet, das kein Gedanke be» rühren durfte: Renzo blieb nichts anderes übrig, als die ganze Geschichte nochmals zu erzählen. Pater Matteo schüttelte immer wieder den Kopf, was für die Häscher so viel hieß, als daß dieser würdige Mann nicht ahnte, was für eine Schlange er an seinem Busen genährt hatte. Das Ende war kläglich: Renzo wurde gefesielt aufs Schiff gebracht. In der Tasche seines Begleiters— die drei andern Uniformierten waren Gewaltige aus Palermo— steckte ein Brief an den Prior der Benediktiner in Rom. Das war Renzos einziger Trost. Er hatte nun lange Zeit, sich mittelalterliche Bräuche vorzustellen, doch bisweilen vergaß er es. Die Sonne ließ ihre glanzvollen Fansaren erschallen. ganz gleich, ob einem armen Sünder das Herz zu einer Ruß zusammenschrumpfte— und da sich der Glanz auf ein so berrlichc� Land ergoß, wie das zwischen Neapel und Rom, konnte es gar nicht ausbleiben, daß auch Renzos sorgenvolle Gedanken immer bleichsüchtiger und schmächtiger ivurdcn. Bis- weilen lösten sie sich in ein Nichts auf, dann erwachte sein Herz. (Fortsetzung folgt.) Oer Unfug öer verbanüspreise. Wie der Verbraucher ausgenutzt werden soll. Die überaus groß« Zahl der Kartelle und Syndi fnt hat immer tnieder hohe Derbandsproise zum Schaden der Verbraucher festgesetzt. Namentlich aber während der Inflationszeit hott« der Unfug der Lerbandspreife einen bedrchlichen Umfang angenommen so daß die Behörden, und besonders das Landespolizeiamt wieder� holt dagegen einschreiten mußt«. Kartelle und Syndikate schreiben einfach, ganz gleichgültig, ob gerechtfertigt oder nicht, ihren Ab nchmern einen Preis vor, den sie den Kunden aboerlangen müssen Weigert sich der bstreffende Abnehmer, diesen Preis sich im Laden bezahlen zu lassen, wird ihm die weitere Lieferung der Ware gesperrt. Ist er aber außerdem noch Mitglied der be treffenden Interessengemeinschaft, wird er vom Verband zu allem noch wegen Vertragsbruchs verklagt und meistens auch verurteilt. Um diesem Unfug der übermütigen Kartelle und Syndikate zu steuern, ist Ende des verflossenen Jahres dos Kar tellgeseg erlassen worden, sind die K a r t« l l g er i ch t e ein gerichtet, die den Kartellen und Syndikaten scharf auf die Finger sehen sollen. Es ist dabei zu beachten, daß Derbandspreise keinesfalls als gesstzliche Preise angesehen werden dürfen und nuit dann Gültigkeit haben, wenn sie auf einer genauen und einwandfreien Kalkulation beruhen. Der Unfug der Verbandspreise blüht indessen lustig weiter, und ein besonders krasser Fall wird uns mitgeteilt. Di« Arbeits- gemeinschaft des Berliner Briketthandels G. nnb. ch. hat von der Kohlenfirma Podzuweit, Gleimstr. 62, verlangt, daß dies«, die die gesetzlich zugelassenen Preise von 1,15 und 1,30 M. pro Zentner Briketts von den Kunden nahm, die Preis« um 3 0 Pf. für den Zentner erhöhe. Als die Finna dieses durchaus ungesetzliche Ansinnen ablehnte, hat die Arbeitsgemein schaft mit der Sperre der weiteren Belieferung gedroht und die Firma Podzuweit wegen Kontraktbruches verklagt. Das ist ein un- erhörtes Vorgehen der Arbeitsgemeinschaft, durch das die Sohlen. preise für den Derbraucher ganz gewaltig gesteigert werden choffentlich schreitet da« Kartellgericht hier mit aller Energie ein. Zum§raueumocö in öer Leibnizstraße. Der geheimnisvolle„Bruder" der Talen. Der Fraixnmord in der Leibmzstraße ist insofern aufgeklärt, als noch der neueren Feststellung«in Raubmord vorliegen muß. Von einem Verbrechen aus sexuellen Bewegglünden ist keine Rede. Geraubt sind 200 Goldmark in Silbermünzen und 32 amerikanische Dollar. Diese gehörten dem Untermieter der Frau Röslcr, einem Tennislehrer, der eines der Zimmer mit seiner Frau bewohnte. Diesem Untermieter wurden vor etwas mehr als 6 Tagen etwa 50 M. entwendet, als er vergessen hatte, seine Kassette zu verschließen. Er hatte Verdacht auf den angeb- liehen Bruder oder Stiefbruder seiner Wirtin, der damals schon sich bei Frau Rösler aufhielt, traut« sich aber nicht, es gleich seiner Wirti», zu sogen. Später tat er es dennoch, und die Frau geriet darüber in große Aufregung. Als nun der Untermieter vor«inigen Tagen mit seiner Frau nach Nürnberg oerreist«, fragt« er einen Freund, ob/, Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Grundstück Tegeler Straße 8 gerufen. weil das dortige Gebäude einzustürzen drohte. In den Räumen hat die Firma Fischer größere Mengen Häcksel gelagett. Infolge starker Belastuna eines Giebelpfeilers hotten sich mehrere Ballen gesenkt und daS Mauerwerk zeigte starke Risse. Die Wehr beseitigte jede Gefahr. Feuer aus der Rennbahn im Grunewald. Di« Rennbahn im Grunewald brannte am Dienstag in einer Ausdehnung von etwa 800 bis 1000 Quadratmetern. Die Charlottenburger Feuerwoche löschte die Flammen mit zwei langen �Schlauchlettungen und durch Auswerfen von Gräben in verhältnismäßig kurzer Zett. Zu dem großen Falschmünzer-Prozeß. über den wir kürzlich berichteten, teilt uns der Vater des zu einer mehrjährigen Zuckt- bauSstrafe verurteilten Technikers Erwin Schulze, der Schlosser C h r i st i a n Schulze aus der MarkuSsiraße 3. mit. daß er von dem Treiben seines SobneS leine Kenntnis gehabt babe, daß die Herstellung der salichen Banknoten nicht in seiner Wohnung er- folgt sei, zum mindesten aber nicht mit seinem Wissen oder Einverständnis. Popiermark im Postgeldverkehr dürften von nächster WeSe an biSzum Betrage vonbOMaribei Einzahlung auf Pott- anweisungen, Postscheckkonten usw. angenommen werden. Ein entsprechender Beschluß der Reichspostverwaltung steht bevor und wird noch veröffentlicht werden. Die Rot der Kinder Serliu», besonder« in den nördlichen und östlichen Bezirken steigt iniolge der stnonziellcn und wirttckalllichen Verhältnisse immer weiter. Tie srcie Wobltätigkcii und die Gemeinde tun ihr möglichste«, um den Folgen d-r WirtschaftSnot. Hunger und Krankheit dadurch abzuhelscu. daß sie in der Sommerzeit eine möglichst groß- Anzahl der Kinder zur Ei- holung und Kräsligung auf da? Sand hinaus schickeit. Leider ist ei aber nur möglich, einen geringen TeU dieser Kinder zu mschickeit, so daß noch Tausende auf jegliche Erholung und Freude verzichten müssen. Um den Kindern de« Norden« und Nordosten« eine Abwechslung und Freude zu gewähren, veranstaltet da« Jugendamt Prenzlauer V e r g am 2S. I n I i auf dem ehemaligen Exerzierplatz an der Einsamen Pappel, Rudolj.Mossc-Sttaße, ein Volktkindersest. AIS Einlrilt ist der gering- Betrag von 10 Pfennig lüc Kinder, wosür jede« Kind eine MQtte und eine Slocklatetne erhält, und SO P s e n n i g sür Er. Wachsens sestgesetzt worden. Das RachrlchienblaN der Reid>»ssell« sür da»«nswanderungsw-sea (Zeiilrnloerlag G. m b. H. Berlin W 33, Polsdamer Str. 41), da« jetzt im ß. Jahrgang erscheint und eine Fülle von Nachrichten über Sand. Polk. wlrtschas tliche Verbältnissc der Fremde, über ge etzliche Bestimmungen u'w. bringt, ist neuerding« zum 14tägigen Erscheinen übergegangen. Zur Zuverlässigkeit und N-ichballigkcit des amtlich redigierten Jnhall« ist nun auch die Schnelligleit der Nachrichtenübermittlung gekommen, so daß jeder, der in NuSwandcrungSangelegenheiten Rat suchen oder erteilen will, ohne den Bezug de« N a ch ri ch t- n b l a t t e« unnötige Geld- und Ztitverlufte haben wird. Probcnummern tostenlo«._ Schwere» Dampserunglück vor New Park. Der Dampfer „Boston', der vierhundort Passagiere an Bord hatte, wurde bei Rhode- Island gerammt. Bier Passagiere murdett bei dem Zusammenstoß getötet, ein« größere Anzahl wird vorläufig vermißt, da die Boote im dichten Nebtl nicht auffindbar sind. Der Durensührcr ZNarih, der während des Krieges den Versuch unternahm, in Südafrika«inen Aufstand herbeizuführen, ist jetzt in Freiheit gesetzt worden. Vorträge, vereine unä Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz Rok-Gold". Deschöftsstell«! Berlin G. 2,«ail-r.Wilhelm.Straß« 4« in. iW flamctaMitaft I Mitt-, Iuqendgruvvc. am Mlttwoch. den 23. Juli. abend, 7 Uhr. bei Vach. Maaazinstr., Site Schillingstr., Zusammen. fünft.— Kameradschaft Echöneberg.Friedeua«. am Mttftvoch. den 23. Juli, adend, 8 Uhr. im Restaurant Wilmerodorser Stabtpatf, Kaiser-Allee. Mitglieder. Versammlung.— Kameradschaft lempelhak. slngendgruppe. von falschen Voraussetzungen ausgeht. Während der Inflatio» war es der Gesamtarbeiterschaft darum zu tun, wenigsten» da, Exi st enz Minimum im Lohn vergütet zu erhalten. Den Arbeid gebern blieb es vollkommen unbenommen, durch besondere Zm schläg« die Qualitätsarbeit höher zu bewerten. Stats dessen nahmen sie den in den Tarifverttögen eingesetzten Lohn des gelernten Arbeiter» als die normale Basis an und bemühten sich die notwendige Spanne zwischen dem Lohn des gelernten und ve« ungelernten Arbeiters durch Lohnabstriche bei den letzteren herbe» die aUherühmfe % --RUND'DICK in mtveFsmd&rfeFGiife Buffifjrert. Das fomrlttt ftMrki'H die Dertt-fsbcrftärtbe n-�cht hinnehmen, da schon ohnehin die gezahlten Löhn« das Existenz- Minimum hart streiften, wenn nicht unterschritten. Im übrigen er- gaben die sachlichen Verhandlungen, daß man in der Lehrlings- äusbildung jetzt doch neue Wege zu beschreiten gesonnen ist vnd dotz man sich der Problem«, die hier ruhen, bewutzt ist. Sehr zu- treffend betonte der sonst manchmal recht oberflächlich urteilende Dr. K ö t t g e n, daß Fortschritte aus diesem Gebiete gemacht werven müssen/ Man dürfe allerdings die Lehrlingsausbildung nicht als ein Mittel betrachten, sich billige Arbeitskräfte zu beschaffen. Von dieser Erkenntnis, die auch im Sinne der Arbeiterschaft liegt, bis zu ihrer allgemeinen Anerkennung und restlosen Verwirk- ktchung ist noch ein weiter Weg. Manches ist auf diesem Gebiete schon geleistet worden. Wir haben im„Vorwärts" wiederholt Ge- legenheit genommen, auf die vorliegenden Versuche der Lehrlings- ousbiidung als viel versprechende Anfänge hinzuweisen. Die' Sozialdemokratie hat oft und erbittert die Lehrlingszüchterei, die darauf hinausläuft, der Industrie billige Arbeitskräfte zu ver- schaffen, bekämpft. Wo jedoch gegenteilige Tendenzen festgestellt werden konnten, wurde das stets gern und willig anerkannt. Ueber eins wird man sich allerdings Aar sein müssen: die ganze Lehrlingsausbildung wird der Industrie wenig Nutzen bringen, wenn sie nicht versteht, die Ausbildung selbst den ärmsten Arbeiter- söhnen zu erleichtern und dann ausgebildeten Arbeitern eine an- gemessene Entlohnung und würdige Arbeitsbedingungen zu bieten. Gelernte Arbeiter sind heute in der ganzen Welt gesucht, nicht nur in Deutschland. Gerade die fähigsten und mutigsten unter ihnen werden dem Drang nach der Fremde erliegen und Arbeitsmöglich- keiten im Ausland suchen, wenn man ihnen in Deutschland schlechten Lohn bei langer Arbeitszeit bietet und obendrein noch das Recht auf Koalitionsfreiheit zu schmälern sucht. Nur dann, wenn man versucht, die Arbeitskraft auch geistig am Betrieb zu interessieren, wenn man das Lebsnsrecht der vom Kapitalismus Ausgebeuteten anerkennt, wird man auf die vollwertige Leistung rechnen können. Rationalisierung See proSuktion oder was fonsil Da klingt es denn geradezu widersinnig, wenn der Leiter der Siemens-Betriebe, Dr. Kotigen, auf der Konferenz das Buch von che-iry Ford,„Mein. Leben und Wert"' mit abfälliger Kritik er. wähnte und weiterhin ausführte: „Das Erscheinen der deutschen Uebersetzung dieses Buches in dem Augenblick, wo wir in Deutschland von jedem Deutschen ' Mehrarbeit verlangen, scheint aber eher ein Unglück wie ein Glück zu sein. Denn von allen Seiten hört man: Macht es wie Ford, dann werden wir schon Mehrproduktion erzielen. Es ist eine alte Forderung der linksstehenden Kreise, nicht dvrrtz pensSnNche Nrdeki des Arbeitnehmers, sondern durch Maßnahmen, die dem Arbeitgeber zufallen, durch Verbesserung der Arbeitsmethoden und der Organisation solle das Mehr erreicht werden. So glaubt man, bei seinen alten Der- sprechungen und Forderungen bleiben zu können." Man wird Dr. Koettgen für dieses Wort dankbar sein müssen, weil es aufrichtig ist. Besagt es doch nichts anderes, als daß manche Unternehmer sich weigern, die bestmögliche Produktion anzustreben. well sie das gleiche Ziel durch stärkere Ausnutzung der Arbeitskrast erreichen zu können glauben. Bezahlt das Reich dazu seine großen Zuschüsse für die Technischen Hochschulen, denen auch Herr Koettgen feinen Doktortitel verdankt, daß das Unter- nehmertum die ihm zufallenden Aufgaben nicht erfüllt? Kann man sich, wenn von Unternehmerseite derartige Aeußerungen fallen, darüber wundern, daß selbst einsichtige Arbeiter sich gegen die oft jede Arbeitslust ertötende Betriebsbureaukratie auf- bäumen und die Enteignung der Betriebe selbst dann fordern, wenn diese beim gegenwärtigen Stand der Technik nicht im Interesse der Allgemeinheit liegt? Wo soll es Hinführen, wenn Arbeitgeber, die so gerne sich als Herren im Hause aufspielen, die ein- fachste Pflicht gegen die Allgemeinheit verleugnen, die ihnen mit Hilfe der Steuerkraft der breiten Massen zur Verfügung gestellten Kenntnisse der Technik und Betriebsorgonisation wirklich auszunutzen und die eigene Industrie gegenüber dem Ausland« konkurrenzfähig zu machen? Wen will man schließlich für die Unter- lassungen auf diesem Gebiet verantwortlich machen, nachdem man die Arbeiterschaft in der Wirtschaftspolitik und ihren Betriebsver- trctungen zurückzudrängen sucht, wenn nicht die Unternehmer? Die Aeußerung Koettgens zeigt mit außerordentlicher Eindring- lichkeit die reaktionäre Grund st immung, mit der man in gewissen Unternehmerkreisen die Forderungen der Arbeiter be- urteilt. Di« höchste Entfaltung der technischen Produktionskräfte liegt keineswegs nur im Interesse der Arbeiterschaft. Sie liegt viel- mehr im Interesse der Allgemeinheit und der Unter. nehm er selbst, die nur dann aus der Arbeitskraft das letzte herausholen werden, wenn sie sich zur rationellsten Betriebsorgani- sation entschließen und konzentrierte Arbeit ermöglichen. Dann aber ist auch die Aufrechterhaltung des Achtstundentages nicht nur möglich, sie wird auch notwendig, weil wirklich inten- sioe Qualitätsarbeit bei längerer Arbeitszeit nicht geleistet werden kann. Und es wird keinesfalls genügen, wenn man Lehrlinge heran- bildet, das Problem der Beschaffung von Qualitätsarbeit steht und fällt vielmehr mit den Arbeitsbedingungen, die man dem cusgeblldeten Arbeiter bietet. Sklaven braucht man nicht anzu- lernen. Von ihnen aber kann man auch keine Qualitätsarbeit erwarten. Etosetldtmgeo für diese Rubrik find Berti» SB.«, Liudcnstratze 3, partemachrichten für Groß-SerNa stets o» da« Beztrkssekretariat, 2. Hos, 2 Trrp. rechts, zu richte». 0. jireis flriedrichshai». Eitzuna der Arbeiterwohlfohrt. Sinderschutzllmmris» fiou und flommunalc Kommission cm Wsttwoch, de» 23. Juli, cbeuds 7 Vi Uhr, bei Rosin. Gubener Etrasie 19. ». Kreis Wilmersdorf. Dl« cngekilndigt« Sitzung des Bildiwgsall-fHull«, wird auf Rontag, den 28. Juli, verlegt. Heule, Mittwoch, deu 23. Juli: 24. Abt. gahlabend der 3. Eruvve fällt heute aus....__, 29. Abt. 8 Uhr bei Burg. Prenzlauer Allee 189. Funktwnärsitzun«. Alle Fun!. tionäre und Elternbeiräte müssen erslbeinen.__ 48. Abt. Di« Abt«ilungsvers Großartiges I Joli- Programm n. D e UeblingsKoh des Mnharadschal IiNdMI«i-lhM Täglich 8 Uhr: üretdener Vikfßria- Mgüi Dönhoff-Brettl Anf.T1/� Sonnt.SU. Gr. Variet«- Progr mm——«Mfr irunisnrim Sunapark heute Slitetagü Das berühmte Ei,,jritt Deutsches Donnerstags- Mark Tonkünstler- 1 Feuerwerk Westerns Konzert • Lebende Skulpturen• rbieiii-nMaan OrtsTerwaltnng Berlin. Freilag. den 25. Juli, abends 6 Uhr, im grohen Saal des Gewerkschafishauses, Engelufer 24/25 Tsgesordnung: l. verichk com II. Onackal a) Gefchärtsberlcht, b) stassenberichh c) Bericht der Revisoren. 2. verbandsangelegeuhrllen. Vollzähliges und plinktlichee Erscheinen ist Pflichtl Ohne Derdandsauswei, und Deiegiertentarte kein Zutritt. k78,8_'Die Ortsverwaltung. Rennen zu Strausberg Mittwoch, 23. Juli, nachm. 3 U. Fahrplan der Sonderzflge: Charlotienburg ab 1.00 1.10 Zoo„ 1.06 1 IS r'riedr.-Straße, 1.21 1 32 Alexanderplatz, 1.27 1.39 Schles. Bahnhf., 1.19 1.3i 1.46 2 16 Strausberg an 2.04 2.16 2,28 3.01 .Mein« Frau war über SO Jahre Mit einer häßlichen— Behaftet Stein efundeS Fleckchen hatte sie auf dem Leibe. Durch Zocker'» P»teot-Mediz)iial-Selfe wurden die Flechten in 3 Sachen beseitigt. Diese Seif» ist Tausende wert, lk SB." Dazu Zuckaob-Creaie(nicht fettend und fetthaltig). In allen Apotheken, Drogerlen u. Parfümerten erhältlich. Unserem liebenBezirksfllhrer.Genossen « Franz Lehmann und Frau 1 DeotsdieiitalUlteMaDl l zur Silberhochzeit die herzlichsten Giückwllnschel »ezirr ISO. ' Genosse Emil Boeske früherer langjähr. Kassierer und Sekretär des Verbandes Sozialdemokratischer Wahl- Vereine Berlins u. Umgegend, ist verstorben. 182/18 Beisetzung am Freitag, den 25. Juli, nachm. 2 Uhr, Zcntral- friedhok Friedriohsfelde. Oer Bezirksvorstand der SPD. Berlin. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teil nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Paters. Groß und Schwiegervater», sagen wir allen Be kannten und Freunden, insbesondere den Kollegen der Firma Reschke. sowie der Firma Reschke, ebenso den SPD.-Genossen der 45. Abt. und dem Redner derFreidenker für seine wohlwenden Worte unseren besten Dank.— Im Namen der Hinterbliebenen sirau Berta Weber nebst Kindern nnd Enkelkindern. Allen Berwandten. Kollegen, Freunden und Bekannten sllr die uns bewiesene aufrichtigeTeiinahme beim Hinscheiden mei- nes lieben unvergeß» lichen Mannes und Baters unseren herz- lichen Dank. 77, Ha tzllnna Brnttel und Tochter Gertrud. WlSsW Blutarmut, Nerven schwäche in kurzer geil deHoden, Reichels Malzcisen pulvcr, da» beste Rezept. 33- jäht. Erfolge. M 1,50 übt 3 Dosen M. 4,23 In Droa., sonst bei Dth leidiei. Berlin 43. SO. Elsenbahnstr. 4. Keine Wanze mehr nach Anwend. von Reichel'» Wanzen» fluid„Radital", der Wanzen ärgster Feind. Erzeugt eine für Wanzen absolut tödlich wirkende Gasart, die in die verborgensten Stellen, hinter Tapeten ic. eindringt, mit vernichtender Kraft auch die sonst Nicht erreichbaren Bruwester restlost abtötend Größe 1 1». 0,75, Gc, 1 1 1« 1,40, Gr. I V■. 2,50. -/.-Ltefl.«. 6,50. Otto Reichel, Berti» 43, SO Eifendahnstr. 4. Erhältst in Drogerien. aber echt nur mit der berühmten Marie Tod und Teufel FUr»tKrkste Flcnren Passendeul Nur 3 Tage Ausnahmepreise II! Im Preisabbau Jetzt nur Birbury- Kautel Tiefemlntel 7a-, uO Ä5.- Bodell-KosMiRe HOO.-, 75... ÄOv Wdenniäa'.M 90,-, 65.- 49** natu KoatBon 42.. Pdz- Jackea 28.- 175.- fiaafen Sie Jclzl! Prelsflefsland fibei scbrilteD! 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Jeder Kollege muß in dieser Bersamm. lung anwesend sein Mitgliedsbuch legitimiertl Achtung! fojfrßßflipIfrT Achtung! aa._. 7 Ahr. bei vlessin, Sforgacöcr Str. 3: Branchenversammlung Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt Erscheinen aller ist Pflicht. IBageH'UJflioMfunMte Oonneeakaa, de» 24. Zuli. abends 7 Ahr, im Aerdandshaose der Holzarbeiter. Aaagestrabe 30: WT Sitzung"WS Erscheinen aller Funktionäre ist unbe» dingt notwendig. Zlgsreltemmislhbieiisklirer md SeirielisZllndiverler; Metallbetten, Auflegmatratzen, Patent- metrahen, Ehcifelongues Walier. Star- aarderftraße eckitzedn._* Rnnbiuni! llleiderschrenk 15.—. Set- tito 14,50, Sofa 15.—, Schreibtisch 28.—. Büfett 35.—, Küchen 22.-, Bettstellen. komplett 15.—, Waschtoiletten 12.50. Riesencuswahl in Einzelstücken sowie Schlafzimmee. Speisezimmer, Serren. zimmer. tomvlette Einrichtungen vom Einsachsten bis zum Apartesten. Zah. lungserleichterung. Doillieb. Rügencr» steaße 13, Bahnhof Gesundbrunnen. Freiliefermtg._* Wichtig! für jedermenn. 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