Nr.Z4H� 41.Fahrgaag Ausgabe A Nr. 177 Bezugspreis: wöchentlich 70(Salbpfennig, monatlich S,— Salbmarl aacau« zahlbar. Unter Rteujbtmb für Dentschlanb. Danzig, Saar» unb Remelzebiet. Oefterreich, Litauen, Luxemburg ISO Solbmarl, für bas übrige Auslanb öLOSalbmar! pro Monat. »er..Barwärt»' mit ber Sonntag»- beilage..Boll unb Zeit' mit..Eied- lung unb Kleingarten' sowie ber Unterhaltungsbeilage«Heimwelt' unb Frauenbeilage„Frauenllimme' erscheint wachentäglich zweimal. Sonntag» unb Mantag« einmal. Telegramm. Abreise: .Sozialbemelret»erlin' Morgenausgabe (106 L_15 lOGoldiBSeiinig 100 Milliarden D f Sevlinev Volksblsti AnzeigcnVrclsc. Die einspaltige Nonhar-ille. »eile 0,70 lSolbmarl. Rellame-eile t.— Solbmarl.„Kleine Suzeiger' da» settgebruckte Wort 0,20 Sold» mark ltulässig»wei seltgebruckle Worte), iebes weitere Wort O.lO Solbmarl. Stellengesuche da» erste Bort 0,10 Golbmark, iebes weitere Wort 0,05 Golbmark. Worte Übet 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Familienanzeigen f ilt fltbannenlcn Zeile 0,00 Solbmarl. Sine«Solbmarl— ein Dollar geteilt durch 4,20, Anzeigen für die nächsle Nnmmrr müssen bi» 4� Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Sinbcn- strafte 3, obgtgeben werben. Geöffnet »an 9 Uhr früh bi» 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozlaldemokratlfcben Partei Deutfcblands Reöaktion und Verlag: EW öS, iinöenstraß» Z Ni-rnittreeker« Rebaktipne Töndoft ÄSS— 2SS Aernlprerner. � � �. �jj-boff savs-leaa? Freitag, den ÄZ. Juli Vonvärts-Verlag G.m.b.H., GW öS, Linüenstr. 3 Poftscheckkontp: Berlin 37a 3<>— Bankkonto: Tircktion ber Disrpntp-Gescllschafr, Depositenkaiie ginbcnftrnfic 3 Noch 14 Tage Konferenz. Davon 3 Tage mit den Deutschen. London. 24. Juli.(Eigener Drohtbericht.) Die Kommission der Londoner Konferenz, mit Ausnahm« der ersten Kommission, setzten am Donnerstag ihre Arbeiten fort. Auch die chauptdelcgierten hiellen unter dem Vorsitz Maedonald-s eine Besprechung ob, die haupisächlich der Sicherung der Anleihe und infolgedessen gleichzeitig der Regelung der Santtiansfrage galt. Die Einladung Deutschlands wird nach der Bildung einer juristischen Kommission durch die Dollkonferenz bereits als gesichert betrachtet. Die deutsche Reichsregierung soll durch den englischen Vertreter in Berlin in diesem Sinn« schon informiert sein. Offiziell wird die Einladung jedoch erst erfolgen, wenn der Zweierausschuß an die Bollkonserenz seinen Bericht erstattet hat. Diese Sitzung dürfte kaum noch in dieser Woche stattfinden. Eine Ein- ladung Deutschlands kommt also wahrscheinlich erst für Donner»- tag oder Freitag in Frage, Die Beratungen der Londoner Konferenz werden insgesamt noch fast 14 Tage in Anspruch nehmen. In London rechnet man damit, daß die Derhandlungen mit Deutschland innerhalb drei Tagen beendet werden können. Paris, 24. Juli.(Eigener Drohtbericht.) Die Aussprach«- am Donnerstag morgen zwischen den vier Delegotionschefs bei Ramsay Macdonald soll ausschließlich der Frag« gegolten hoben, in welcher Form die Einladung an Deutschland zu erfolgen habe. Es geht daraus hervor, daß nicht nur die Einladung, obwohl die Juristen ihr Gutachten noch nicht erstattet haben, beschlosiene Sache ist. sondern daß man auch innerhalb der Knnferenzkreise trotz der bestehenden Gegensätze nicht an dem Zustandekommen einer Einigung zweifelt; Hier oerlautet, daß die französisch« Delegation bereit sei. die von T b e u n i» vorgeschlagen« Kompromißformel über die Feststellung deutscher Verfehlungen unter der Bedingung anzunehmen, dir wenigstens den konfuliativen Charakter dieser Kommission festlegt und den§ 4 der ursprünglichen Vereinbarung mit seiner akademischen Anerkennung der den einzelnen Mächten aus dem Friedens- vertrag zustehenden Rechte aufrechterhält. Noch keine Verständigung. London, 24, Juli.(Eigener Drahtbericht.) Dos offiziell« Kam» munique vom Donnerstag besagt nichts über die Arbeit in den Ausschüssen. Es erklärt, daß es noch ganz unmöglich sei, fest- zustellen, welche Forischritte die Verhandlungen zwischen den Kon- ferenzmitgliedern und den Bankenvertretern gemacht haben. Es könne lediglich gesagt werden, daß man in den Konferenzkreisen weiterhin das Vertrauen hat, daß«ine Derständigung, die die LOO-Millionen-Anleihe möglich macht, erreicht werden wird. Am Freitag treten die Ausschüsse erneut zusammen: wahrscheinlich werde die näthst« Vollversammlung erst>n der nächsten Woch« stattfinden. Die Franzosen versteifen sich in ihrem Widerstand, über das Kompromiß der ersten Kommisiion hinauszugehen. H e r r i o k, über sein« Stellung zu dem weitergehenden Vorschlag des belgi- fchen Ministerpräsidenten befragt, erklärte nach dem„Manchester Guardian", er würde diese Formel annehmen, wenn sie Frieden und Ausgleich bringen würde. Die Folge aber würde fein, daß Poincare Ministerpräsident würde Diese Erklärung Herriots ist nicht ohne Eindruck auf die englischen Bankiers ge- blieben, zumal die britische Stellung auf der Konferenz in diesem Augenblick so ist, daß die brikische Tlkgierung an der Nachgiebigkeit der Bankier» ein Interesse hat, da die Dertreter Morgans den französischen Argumenten aegenüber unzugänglich sind. Deshalb verdient besonderes Intcresie die Tlndeuwng des„Daily Telegraph", wonach das Geld für die Anleihe unter Umständen von einer a n d« ren amerikani- sehen Finanzgruppe ausgebracht werde, der die Sicherung des Kompromisses genüge. In dieem Zusammenhang wird der Name Ford genannt. Damit soll offenbar ein Druck auf die Mor- gangruppe ausgeübt werden. Immerhin ist die Möglichkeit ge- geben, daß zur Fortsetzung des Zinsendienstes der Anleihe insbe- sondere die am Mittwoch in die Debatte geworfene Frage der Berpfändung deutscher Seezöll«. die französischen territorialen Sanktionen unzugänglich sind, ein« Einigung zwischen den Alliierten und den Bankiers herbeiführen kann. Denn es bleibt zu beachten, daß Macdonalds Interesie an dem Gelingen der Kanfe- renz selbst um den Preis großer Konzessionen an den fran- zösischen Standpunkt ausschlaggebend sein kann. die pariser Kritik an herriot. Parks. 24. Juli.(Eigener Drahtbericht. Die Kritik an Herriots Haltung in London nimmt in den Blättern von Tag zu Tag schärfere Formen an. Man versteht e, in den Kreisen der Mehrheit de» 11, Mai nicht, daß Herriot, der in seiner Programmrede die Politik Poincarös aufs entschiedenste verurteilt und abgelehnt hat, heute in London durch sein Festholten an den nach seinem eigenen Bekenntnis praktisch wertlosen und leeren Formeln und äußeren Argumenten seines Vorgängers dos Gelingen der Kon- ferenz m Frage stellt, ©er„Paris S vir" schreibt: So bedauerlich die B r u t a l i t ä t jei, mit der man Frankreich behandle, so dürfe man doch nicht verkennen, daß Frankreich die bitteren Früchte seiner Ruhrpolitik ernte. Er- sei nicht die Loyalität Herriots, an der man in Londctzl zweifle, sondern man wolle nach den Erfahrungen der vergangen- heit Garantien für die Zukunft haben. In den Blättern der Rechten wird neben der internationalen Finanz vor allem die englische Politik, der man mangelnde Unterstützung der französischen Sache zum Vorwurf macht, scharf angegriffen. Immer- hin ist es für die Mentalität selbst dieser Kreise charakteristisch, wenn ein so ultranationalistisches Blatt wie die„L i b e r t e" am Donners- tag den Nachweis zu führen sucht, daß es sich bei dem französischen Anspruch aus Wahrung seines Rechts zu Sonderaktionen um eine rein theoretisch« Prinzipienfrage handle, da kein Mensch in Frankreich emstlich daran denke, sich ihrer jemals zu bedienen. Der„Temps" lehnt es ab, die Situation als kritisch anzusehen und erwartet, daß eine Lösung gefunden werde. Im Grunde handle es sich nicht um die Frage der Sanktionen, sondern um die Sicherung des Friedens, und diese könne am einfachsten erreicht werden, wenn die Konferenz, gleichviel in welcher diploma- tischen Form, ein Protokoll unterzeichne, in dem sich sämtliche beteiligten Möchte, besonders England, Frankreich und Deutsch- l a n d, verpslichten, nichts zu tun. was den Frieden stören oder auch nur gefährden könne. ver Druck Amerikas. London, 24. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im Verlauf der Besprechungen des amerikanischen Staatssekretärs HugheS mit englischen Bankiers hat er. wie durchaus ziiverläisig ver- lautet, darauf verwiesen, daß Amerika an den europäischen Schulden und an der Festigung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisie Europas stark interessiert sei und deshalb sein Mög- lichsteS zur Regelung dieser Angelegenheit tun werde. Ferner soll Hughes betont hoben, daß eine günstige Regelung der französischen Schulden an Amerika zu erwarten sei, wenn Frankreich den Ansichten der omerikanischen Bankiers Rechnung trage. Der b e lg i f ch e Ministerpräsident habe diese Er- klärungen am Donnerstag zum Anlaß einer eingehenden Be- sprechung über die EanktionSirage mit Herriot genommen. Sie wollen schon umfallen! Man soll eS blosj nicht sagen... Die„Kreuz-Zeitung" ist, wie übrigens die ganze deutsch- nationale Parteipresse, in eine tödliche Verlegenheit geraten, weil die ganze politische Welt die„sieben Punkte" der deutschnationolen Reichstagsfraktion als das auffaßt, was sie sind und bezweckten: die Vorbereitung zum Um fall. In zwei furchtbar gewundenen Artikeln versucht sie diese Tat- sache zu verschleiern. In dem einen Auffotz erklärt sie, man verstehe es eben bei uns nicht,„eine Oppositionspartei außen- politisch nutzbar zu machen!" Ihre sieben Punkt«, ihre Forderung nach einer außenpolitischen Reichstagsdebatte, in der die Tirpitzianer große Töne über Schuldfrage und Londoner Konferenz reden wollen, dos alles sollte eigentlich nur dazu dienen. Mocdonold und den Bonkiers den Rücken zu stärken, und damit die Position der Reichsregierung bei den kommenden Berhandlungen in London zu ver- bessern!! Der gleiche Faden wird unmittelbar hinter dem Leitartikel in einem zweiten, noch hilfloseren Aufsatz gesponnen. Da wird kurzerhand erklärt, die Anzweiflung der Ehrlich- keit der deutschnationalen„sieben Punkts" sei nichts anderes als Landesverrat! Landesverrat begeht man durch Rachrichten, die vor dem Ausland im Landesinteresse geheim zu halten sind. Eine solche Nachricht ist nach Meinung der „Kreuz-Zeiwng" die vom bevorstehenden Umfall der Deutsch» nationalen. Die„Kreuz-Zeitung" fragt uns treuherzig, wie denn die deutschnotionale Opposition gegen das Gutachten anders hätte geführt werden können, um wirksamer zu sein. Für die Beantwortung dieser mehr heuchlerisch als naiven Frage überlassen wir dem all-deuffchnationalen Iustizrat Claß den Vorrang, der in der„Deutschen Zeitung" selbst den Kampf der Tirpitz-Hergt-Fraktion gegen das Gutachten als „nicht ernst gemeint" bezeichnet bat. Somit hat, nebenbei bemerkt, auch Iustizrat Naß sich des„Landesverrates" schuldig gemacht! Hoffentlich richtet die„Kreuz-Zeiwng" an den Oberreichsonwalt eine Anzeige nicht nur gegen uns. sondern auch gegen ihn. Resigniert erklärt die..Kreuz-Zeiwng". der Lüg« und Verleumdung, daß die deutschnationale Fraktion es nicht ernst meine, werde doch kein Ende gemacht werden. Diese„Lüge und Verleumdung" wird aber durch das hilflose Gestammel der„Kreuz-Zeiwng" erst recht bestätigt, denn, indem das Blatt die„sieben Punkte" der Deuffchnationolen so hinstellt. als dienten sie in Wirklichkeit nur dazu, die Position der deuffchen Reaieruna zu stärken, gibt es selbst zu. daß sie nur ein taktisches Manöver darstellen. Ansonsten: Ueber die Behaupwng. Macdonald und den Bankiers werde durch die deutschnationale„Opposition" der Rücken gestärkt- ersticken di« Hühner vor Lack»«»- Nochmals: Der Steuerskanöal. Von Paul Hertz. Auf mein« gestrigen Darlegungen bringt das Reichs» finanzministerium eine Entgegnung, in der es nach einer ein- leckenden Darstellung des Sachverhalts heißt: Dr. Hertz beziffert den Goldwert der Einzahlungen auf die Lr.ndabgabe auf etwa 42 Millionen G.-M. Dieser Betrag würde sich bsi einer Umrechnung der Einzahlungen nach dein monatlichen Dollardurchschnittskurs etwa ergeben. Er ist aber zweifellos viel niedriger. Denn bei weitem die meisten Beträge an Land- abgäbe sind mit Rücksütst darauf, daß die Steuer an jedem Monats- ersten(ohne Schvnsiist) fällig wurde, in den ersten Tagen des jeweiligen Monols eingegangen. Die Umrechnung noch dem Monat- lichen Durchschnittskurs ergibt daher ein falsches Bild. Legt man den Dollardurchschnittskurs der ersten fünfzehn Tage der Monate zugrunde, so würde sich für die Emgahlungen ein Goldwert von etwa 103 Millionen G.-M. ergeben. Manche Betrag« sind allerdings auch verspätet erst in den letzten jagen eines jeden Monais eingezahlt worden. Mit Sicherheit kann aber angenommen werden. daß der Goldwert der Einzahlungen an Landabgabe»n Rechnungs» iohr 1923 mehr als 8 0 Millionen G.- M. betragen hat. Der Erhellungszeitraum der Landabgab« war ursprünglich aus sechs Monat« vorgesehen, wurde ober später mit Rücksicht auf die in der zweiten Steuennotverordnung bestimmt« erheblich« neue Belastung der Steuerpflichttgrn durch Goldsteuern auf vier Monate besch-tänkl. Durch die Abkürzung des Erl)ebungsz«itraums sind die für den fünften und sechsten Monat geleisteten Boraus» Zahlungen Ueber Zahlungen geworden. Diese Ucberzahlungen sind nach der Zweiten Steuernotoerordnung auf die Vermögens» steuer 1924 anzurechnen und nur, soweit sie die Vermögenssteuer 1924 übersteigen, bar her auszuzahlen. Die Fäll«, in denen die Lanvabgabeüberzohlung eines der Vermögenssteuer unterliegen- den Steuerpflichtigen den Iähresbcttag seiner Vermögenssteuer 1924 übersteigt, sind— wenn sie überhaupt vorgekommen sein sollten — äußerst selten. Grundsätzlich kommen vielmehr für die Landabgabeüberzahlungen nur Anrechnungen auf die Vermögens- steuer 1924 in Betracht. Diese Anrechnung wird kassentechnisch tu der Weise behandelt, daß der Betrag der Ueberzahlung von dem Landabgabekonto des Pflichttgen abgebucht und auf das Vermögens- steuerkonto übertragen wird. In entsprechender Weise werden die Anrechnungen auch in den monatlichen Einnahmeübersichten des Reichs als Erstattungen auf die Landabgabe und gleichzeitig als Einzahlungen auf die Bermögenssteuer nachgeiviesen. Es sind daher nicht etwa, wie der Abg. Dr. Hertz ousführt, 20 Millionen Golbmark angerechnet und außerdem weitere 22 Millionen Goldmark bar er- stattet worden. E« sind vielmehr insgesamt lediglich etwa 22 Millionen Goldmark von dem Auskommen an Land- abgäbe abgegangen, so daß das Rettoaufkomm-rn an Landabgab« tZO minus 22 Millionen Goldmark) affo rund 60 Millionen Golbmark beträgt. Meine Befürchtung, daß außer den in den Rachlveifun- gen aufgeführten 22 Millionen noch weitere 20 Millionen. Goldmark auf die Vermögenssteuer angerechnet worden sind. ist demnach unbegründet. Ich freue inich darüber. Das Reichsfinanzministerium gibt damit eine Ausklärung, die aus den Monatsausweisen bisher n i ch t zu entnehmen war, und die schon längst hätte gegeben werden müssen. Leider hat das Reichsfinanzministermm meine g r u n d s ä tz- lichen Behauptungen in keiner Weise zu erschüttern ver» macht. Di« Gegenbehauptungen des ReichsfinanMinisteriums lausen darauf hinaus, der von mir errechnete Gesamtertrag der Landabgabe von 42 Millionen Goldmark sei zu g e r i n g, man müsse vielmehr mit einem Gesomtauftommcn von 80 Millionen Goldmark rechnen. Die Begründung ist ge» linde gesagt, von einer Oberflächlichkeit, die ich dem Fitr-'n, Ministerium bisher nicht zugetraut habe. 1. Es ist unrichtig, daß für die Landabgabe elne Schonsrifl nicht bestand. Nach§ 23 der Durchführungsbestimmungen zum Gesetz über die Besteuerung der Betriebe vom 23. August 1923 ist ausdrück, lich«in« Schonfrist von einer Woche eingeräumt. Mir ist nicht bekannt geworben daß dies« Bestimmung später wieder aufgehoben worden sei, jedenfalls nicht in den entscheidenden Monaten August bis Oktober. Praktisch war also die Abgabe nicht am 1. jedes Mo- mcks, sondern erst am 7. fällig. 2. Aber um die Schonfrist kümmerte sich kein Mensch. Der ganze Monat war ja eine einzige Schonfrist. Denn was könnt« dem. jenigen passieren, der verspätet zahlte? Die gefürchteten Halbmonat. lichen Gelbe ntw er tungszuschläge galten für di« Landabgabe nicht, sondern der säumig« Hohler hatte hier nur den Goldbetrag seiner Steueifchulo mit 5 Prvz. zu verzinsen! Er zahlte diese Zw. sen also von dem„Goldbetrog" semer Steuer, der tatsächlich nur ein Fünftel des wahren Golddetrags ausmachte. In Wirklichkeit wurde solch ein Mann also mck einer Verzinsung von 1 Proz. jähr- lich bestraft! Kein Wunder, daß ihn das nicht zur Eil« reizen konnte, Und wenn er dann endlich zahlte, nicht aus Sorge vor der drücken» den Zinsenlast, sondern aus Sorg« darüber, die günstige Konjunktur der wöchentlichen bzw. halbwöchentlichen Umrechnungssätze könnte vorübergehen, dann zahlte«r abermals nur detl„Goldbetrag" auf Grund des Umrechnungssatzes, der mit dem Fortschreiten der Mark- «ntwortung womöglich noch weniger ob» da Fünftel des gesetzlich geschulten Steucrbetrazs geworden war. Will das Rcichsfinanz- Ministerium gegenüber diesem Tatbestand behaupten, die Landab- gäbe sei wirtlich zu Ansang des Monats eingegangm. und nicht erst gegen Ende? 3. Aber der Steuerschuldner brauchte ja gar nicht den Weg offener Steuersabotage zu gehen, obgleich der Reichslandbund diesen Weg seinen Angehörigen mehrmals angeraten hat. Es gab ja noch andere Mittel, den größten Teil semer Steuerschuld durch die Geld- entwertung loszuwerden, z. B. die Zahlung durch mrbestäliglen Scheck. Nach dem Erlaß des Relchsfinanzmmisters vom 10 Oktober 1923 galt auch bei unbestätigten Schecks der Tag des Eingangs bei der Fmanzkasse als Tag der Zahlung. Das hatten die Land- wirt« sehr bald herausgefunden. Sie zahlten mit unbestätigten Schecks, die sich dann, wenn sie die Finanzkasse zur Einlösung prä- sentierte, als nicht gedeckt erwiesen. Dann erst sorgte der Agrarier ganz gemächlich für Deckung. Die Fmanzkasse war machtlos. Und so war es Regel, daß die Gutschrift auf das Konto der Fmanzkasse etwa 14 Tage nach Ablieferung des Schecks erfolgte. Was das bei der damaligen Geldentwertung bedeutete, braucht nicht gesagt zu werden. Will also das Reichsfinanznumsterium behaupten, die Land. abgäbe hätte in der ersten Hälfte des ZNonals gezahlt werde» müssen, während sie nur die Dummen in dieser Frist gezahlt haben? 4. Aber dem Fmanzmimstermm ist noch ein anderer Irrtum unterlaufen. Seine Entgegnung übersieht völlig, daß es sich bei den Zahlungen auf die Landabgabe in den fraglichen Monalen August bis Oktober um zwei Arten handelte: a) um die regulären Zahlungen für diese Monat«, h) um d>i« Vorauszahlungen für die Monate November bis Februar. Nur die regulären Zahlungen für August, September, Oktober waren an die gesetzlichen Zahlungsfristen gebunden.. Für die Vor- auszahlungen, die noch gar nicht fällig waren, gab es natürlich auch keine bindenden Fälligkeitstermin«. Wer also seine Landabgabe im voraus zahlen wollte, stichle den Zeitpunkt dafür aus, der ihm am günstigsten schien, und das ist ja der Kern meiner Behauptung, es »vor eine glatte Spekulation, die damals mit der Landabgabc ge- trieben wurde. Gegenüber diesem vierfachen Beweis wird das Neichsfinanzministerium seine Behauptung, für die Umrech- nung auf Gold dürften nicht die Monatsdurchschnittskurse ge- wählt werden, nicht aufrechterhalten können. Es bleibt also dabei, daß der Gesamtertrag der Land- abgäbe nicht 80, sondern nur 42 G o ld m i l li o- neu beträgt. Daß diese Berechnung die einzig richtige ist, ergibt auch ein Ueberblick über das Aufkommen der Land- abgäbe in den e i n z e l n e n M o n a t e n. Ueber den Monats- durchschnittskurs des Dollar berechnet, betrug dieses im August 1923.... 0078300 Goldmarl September,.... 18 897 000, Oktober m.... 3 508 800, November,.... 5075400, Dezember,..», 6 269 300 m Januar 1924..... 1 722 200 Februar...... 40700„ Insgesamt... 41 586 700 Goldmark Das Anschwellen des Ertrages im Monat September auf mehr als das Dreifache des Durchschnittsertrages der übrigen Monate kennzeichnet ihn ohne weiteres als H a u p t- spekulationsmonat. Schätzt man unter Hinzunahme der Monate August und Oktober den Anteil der Voraus- leistungen der Abgabe an dem Gesamtaufkommen dieser drei Monate auf nur 15 Millionen Goldmark, so ergibt sich eine Spekulation von riesenhaftem Ausmaß. Denn mit diesem Be- trage deckten die eifrigen Vorauszahler eine Steuerschuld etwa in Höhe des Fünffachen, also von 75 Goldmillionen, ab. Will das. �.Reichsfinan,zministerium den Goldertrag der Monate August bis Oktober noch höher ansetzen, um dieses Spekula- tionsgsschäft noch riesenhafter zu machen? Das wird es ebenso- wenig wollen, wie es feinen Staatssekretär Zapf wird Lügen strafen können, der am 21. Juli im Hauptausschuß in einer Polemik mit mir den Ertrag der Landabgabe selbst auf 40 bis 44 Goldmillionen angegeben hat! Ist somit die Entgegnung des Reichsstnanzniinistcriums in diesem Punkte völlig unzureichend, so richtet sich das doch alles nur gegen einen Nebenpunkt. Meine Dar- stellung wendet sich nicht so sehr dagegen, daß 100 oder 50 oder 30 Proz. der Landabgabe zurückgezahlt worden sind, sondern darauf, daß hier 1. �Erstattungen" bzw.„Anrechnungen" aus„Uebcrzahlungen" erfolgten, die eine Spekulation darstellten, bei dem das Reich um Lierfünfiel seiner Steueransprüche geprellt wurde und daß 2. diese Rückzahlungen nach unerhört übersteigerten Ilmrech- nungssätzen erfolgten, so daß die Ueberzahler ihre überzahlten De- träge in vicisacher höhe zurückgezahlt erhalten haben. Auf beide Punkte hat das Reichsfinanz- Ministerium nlcht ein Wort der Widerlegung gefunden. An dem Spekulationscharakter der Ueber- Zahlungen geht es schweigend vorüber. Will das Reichs- finanzminifterium vielleicht unterstellen, die Landwirtschaft, die gerade die Landabgabe mit einer wütenden Hetze be- kämpft hat, hätte aus Patriotismus dem Reich die Steuer- Zahlungen für Januar und Februar schon ein halbes Jahr früher zur Verfügung gestellt? Nichts davon, reine Speku- lation, geschäftstüchtige Ausnutzung einer Steuerkonstinktur hat die Landwirtschaft zu diesen Ueberzahlungen gereizt. Und solche rein spekulativen Steuerzahlungen macht man zur Grundlage von Erstattungen! Das ist ungefähr so, als wenn ein Börsenspekulant Aktien kaust in der Hoffnung, darauf bald junge Aktien zu bekommen. Er spekuliert damit falsch und verlangt nun Erstattring des„überzahlten" Kaufpreises. Einstweilen mögen diese Bemerkungen genügen. Mag auch das Finanzministerium stolz daraus sein, daß es„ledig- lich" 22 Millionen Goldmork sind, die es den Großagrariern geschenkt hat, die Auffassung der ehrlich ihre Steuern entrichtenden Bevölkerungskreise ist eine andere. Die Follpropaganüa üer Großagrarier« Eine Kundgebung des Deutschen Landwirtschastsrates. Zu den bekannten Zollforderungen der Großlandwirt- schaft veröffentlicht jetzt der Deutsche Landwinschastsrat ein längeres Gutachten, in dem er die Notwendigkeit der S ch u tz- z ö l l e erneut zu begründen sucht. Auch in diesen Darlegungen wird die Gefahr einer Extensivierung der landwirtschaftlichen Produktion eingehend und dringlich geschildert mit dem Ergeb- nis, daß nur Schutzzölle uns retten können. Bezeichnend ist, daß man auch in der Dantellung, die wissenschaftlich sein soll. offenbar unrichtige Argumente für die agrarischen Forderungen vorbringt. So heißt es u. a.: Man mußt« daher trachten, den oben zuerst augeführten Kar- dinalpunkt zu beseitigen: Das Mißverhältnis in den Be» trlcbsmittel- und Produktionspreisen. Di« Gründe dieses Mißverhältnisses erkennen, heißt, die Forderung aus Zoll er- heben. Denn warum kann man für 100 Einheiten landwirtschasi- licher Produkt« heut« nur 75 Einheiten der wichtigsten Betriebsmittel erhalten, während man vor dem Krieg« deren 100 erhielt? Der Grund dafür liegt vorwiegend in der unterschiedlichen zollpolitischen Behandlung von Industrie und Landwirtschaft. Diese Darstellung berücksichtigt in keiner Weise, daß das Mißverhältnis zwischen den Preisen industrieller Fabrikate und landwirtschaftlicher Produkte eine.In t e r n a t i o n a l e Er- s ch e i n u n g ist und infolgedessen mit der deutschen Zollpolitik allein nicht erklärt werden kann. Der deutsche Landwirtschoitsrat stellt es als oberstes Ziel hin, den landwirtschaftlichen Betrieb wieder rentabel zu machen. Er übersieht dabei vollkommen, daß die Rentabilität der landwirtschaftlichen Produktion durch Schutzzölle allein nie- m a l s gewährleistet werden kann, wie schon die Geschichte der Schutzzölle Deutschlands zeigt. Die Mindestschutzzölle sind, nachdem man erst einmal diesen verhängnisvollen Weg beschrit- ten hatte, bei Getreide von 1 Mark auf 5,50 Mark pro Doppel- zentner heraufgeschraubt worden; die Forderungen der Agra- rier gingen aber noch weiter. Das ist em Beweis dafür, daß die Schutzzollpolitik keineswegs eine Garantie zur Herstellung jenesZustandes bietet, den der Deutsche Landwirtschaftsrat jetzt als erwünscht bezeichnet. Auch der gegenwärtige Vorstoß in der Zollfrage ist ja nur ein k l e i n e r Anfang. Genau so wenig wie die Landwirtschaft die Der- prechungen hat halten können, die sie bei der Einführung der reien Wirtschaft abgab— damals sagte man, dje Landwirt- chaft würde sich s ch o n s e l b st h e l s e n, wenn man erst ein- mal die freie Wirtschaft habe—, ebenso wenig wird man jetzt sich mit den vorläufig von der Regierung zugesagten Zöllen begnügen, sondern bald weitergehende Forderungen stel- len, wenn man den Interessen der Großlandwirte jetzt nachgibt. Im übrigen kann nicht eindringlich genug betont werden, daß Getreidezölle nur der Großlandwirtschaft zugute kommen, und daß das von schutzzollfreundlichen Beratern der Landwirtschaft schon vor Jahrzehnten festgestellt worden ist. Der Deutsche Landwirtschaftsrat hat also k e i n R e ch t darauf, seine Forderungen als diejenigen der gesamten deutschen Landwirtschaft hinzustellen. Den Bauern, die auf den Zukauf von Getreide und Futtennitteln angewiesen sind, wird ja bald ein Licht darüber aufgehen, wie sehr sie durch die verfehlte Schutzzollpolitik der Großagrarier geschädigt werden. Aber wir können uns derartige Experimente nicht leisten, besonders nicht im Interesse der Vcrbraucherschaft, deren Kauf- kraft für Brot heute mindestens ebenso sehr hinter dem Vor- kriegsstand zurücksteht, wie die der Landwirtschaft für Jndu- stricprodukte. Wenn man aber schon die Preisdifferenz zwi- scheu Industrie- und Agrarprodukten, die übrigens in letzter Zeit wesentlich nachgelassen hat, als Begründung der Zölle anführt, so hätte die Landwirtschaft das dringendste Interesse daran, darauf hinzuwirken, daß durch einen energischen Preisabbau für Jndustriefabrikate das Gleich- gewicht angestrebt wird. Davon hört man in der Landwirt- schaft nichts. Im Gegenteil ist der Landwirt geneigt, der Landwirtschaft die eigenen Produktionsmittel durch Schutzzölle zu verteuern, wenn er dafür Gegenleistungen in Form von Getreide- und Fleischzöllen erhält. Wo bleibt da die Logik? Oder glaubt man, auch die Sanierung der Land- Wirtschaft auf Kosten der Arbeitskrast und des Verbrauchs durch- führen zu können?_ Die FoUvoriage im Neichswirtfchastsrat. Gegen sofortige Jnkraftsehnng der Getreidezölle. Der- wirtschaftspolitische und der finanzpolitisch« Ausschuß des Reichswirtschaftsrates hat in gemeinsamer Sitzung den Gesetz- «ntwurf über Zölle und Umsatz st euern weiter beraten. Der amtliche Bericht behauptet dazu, daß die Absicht der Regierung, einen einheitlichen Schutz der gesamten nationalen Arbeit wieder herzustellen, von den beiden Ausschüssen mit 27 gegen 16 Stimmen gebilligt worden ist. In dieser Form ist die Meldung falsch. Der Antrag, der aus mehreren Teilen bestand, wurde in demjenigen Teile, der von dem Schutz der nationalen Arbeit sprach, nur mit einer Zufallsmehrheit von 2 Stimmen angenommen. insbesondere stimmien die Arbeitnehmer gegen den Entwurf. Weiter nahm der Ausschuß eine zweite Entschließung er, und zwar auch Mit Stimmen von Arbeitgebern der Industrie und gegen den Einspruch der Regierung; in dieser zweiten Entschließung wird die Dringlichkeit der Getceidezölle geradezu bestritten. Heißt es doch darin, daß der Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Agrarzölle unter Berücksichtigung der Entwicklung der wirt- schaftlichen und politischen Verhältnisse des Reiches zu wählen ist. Mit anderen Worten besagt das, daß vor- läufig cm hie Irikraflsetzung der Getreidezölle nicht zu denken ist. In der Tat würden sie in dieser Zeit steigender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit für die breiten Massen eine ungeheure Belastung bedeuten. In diesem Punkte ist die Stellungnahme des Reichswirt- ichaftsratez also eine Zurückweisung der Regierungsvorlage, wie sie besser nicht zu denken ist. Insbesondere gegenüber dem«mit- lichen Bericht ist das gerade mit allem Nachdruck hervorzuheben. Dsr natwnmfoziaüftifche Mpthss. iW:r hörten da die Stimmen aus dem Münchner Büvgerbräu- teller— aber wir verstanden nicht die Göttersprache, die aus den Mechkrügen der Münchener Walhalla redete. Welche tiefe germanische Symbolik lag in dem großen Worte Hitlers: Hol' mir emc Maß. Da rief der Genius des deutschen Volkes nach dem köstlichen Meth aus Kwasirs Blut, nach dem germanischen„Bcgeisterungswunk", damit er nicht im Schöße der Erde, nicht in der Gewalt tückischer Mächte lleibe. sondern, daß er Menschen und' Gölter lab«. Aus dem Munde Hitlers, des listigen Ueberlifters, erklang das Wort Odins, des Man- derers: Wir müssen nun List oersuchen, denn ich will und muß von dem Gebräu kosten, und ich kenne der Künste mancherlei, die mir etwa dazu verhelfen." Und er trank sich Begeisterung aus Kwasirs Blut, der hohe Recke, und er begann den entsetzlichen Kamps mit dem Wolf der Vernichtung. Wer öffnete uns Blinden endlich die Augan für den tiefsinnigen Mythos des Münchener Brügerbräukellers? Der groß« Skalde Georg Schott war es, als er uns„Das Volksbuch von Hitler" schenkte. Hören wir den gottbegeisterten Sänger, dem es auch vergönnt war, von Kwasirs Blute zu trinken, kwaseln— nicht quassein: „Das Genie ist vordeigeschrrttcn und eine ganz- Welt strahlt im neuen Glänze. Es ist die lautere Wahrheit. Durch Hstler, durch die in ihm verkörperte Idee hat sich die Wandlung vollzogen. An allen Orten rührt sich's und regt sich's. Geheime Ahnung wb-d lebendig. Uralte Kunde und Sage wacht auf. Die Stimmen des Nibelungenliedes, der Edda, des Heliand, schlagen an unser Ohr und sprechen mit einem Male eine ganz neue, vertraute Sprach«. Es wird alles Wirklichkeit. Parsjfal nimmt Abschied von seiner Mutter Herzelorde und reitet in die Welt hinaus— der reine Tor, der jugendliche Heid, er bezwingt den„roten Ritter", nahezu waffenlos rückt er dem wohlgeharnischten Gegner zu Leibe und schlägt ihn aufs Hanpt; vor keinem macht er Halt, nur vor dem Kreuze sinkt er aufs Knie und betet es an. Lohengrin, der Bote aus Montjalvat, der Streiter für Unschuld und Recht, Siegfried, der Drachentöter und Räuber der Tarnkappe; alles wird wahr, wird Geschichte! Die alten Goten, die, ihren Toten auf den Schultern, von der Walstatt ab- ziehen, wir haben sie gesehen, mit Augen geschaut, und alles Volt m den Straßen barhäuptig, ergriffen, von einem Unsagbaren durch- schauert. Uralter Mythus erwacht, die Stimme des Blutes hebt an zu sprechen. Eine neue Zeit dämmert herauf. Mt Adolf Hitler haben wir ihren Anbruch erlebt. Was an vorbereiteten Sttmmun- gen und Ideen in der Lust lag, hier hat es seine Gestalluna ge- wonnen. Das Erleben des Mythischen hat eingesetzt in unserem Volke. Ueberall ist es zu spüren. Die Gotter der Edda, sie nahen sich, sie kommen." Gewiß, Odin stcht leibhaftig vor uns, and wir vernehmen seinen prophetischen Spvuch: Trunken ward ich und übertrun-ten In des schlauen Fialars Keller. Trunken mag frommen, wenn man ungetrübt Sich den Sinn bewahrt. Kwasirs Trunk machte ihn trunken, Hitler den Helden. Richter rächten sich, Baldor büßte, Götter aber gärten gegen die ge- brechlichen Gäuche. In den Straßen Münchens wurden nach Schott Gottessttmmen hörbar, die den Hitler frei sprachen. Tiefsinnigste Deutung gibt Schott den Kinderversen, die in den Münchener Straßen und Gassen ertönten. Er schreibt:„Das war die erste Instanz, die in der Sache „Hitler und Genossen" das Urteil gesprochen hat. Es ist aber auch noch von anderer Seite aus gesprochen worden, die nicht offiziell be- rufen war, die sich srisch-fröhlich selber als Instanz aufgeschwungen hat und seitdem Recht spricht. Und dos ist die Jugend, das Volts- gericht der Kleinen. Achtung: Boltsstimme— Gottesftimme. In allerlei Sprüchlein und Abzählreimen, die nicht gerade schmeichelhaft sind für die Gegner der„Völkischen" und die mit dem Schlußvers endigen: „Eins, zwei, drei— Der Hitler, der ist frei" hat sich die Welt der Kleinen des Falles Hitler bemächtigt. Das und ähnliches ist es, was man heute in den Straßen und Gassen der Stadt hört. Und daß wir uns auch recht oerstehen: nicht nur im Innern der Stadt, wo die gutbürgerliche Jugend sich tummelt, nein überall: in Schwabing und in Sendling, aus der Dherefienhöhe und in Giesing, wo die Rotesten der Roten wohnen, wo der Marxismus zu Haus« ist. wo man mit Hirn und Kopf HiNer heute noch als fchärfften Gegner bekämpft, und wo man sich ihm mit dem Hcrzen bereits hingibt mit einer Selbstverständlichkeit, vor der alle Partei- doktrin verfliegt wie Spreu vor dem Winde. Es ist etwas Käst» liches um diese kleinen Derslein und Scheimcnlieder, in denen das Volk, ohne es selbst zu ahnen, das leßte, tiefft« offenbart, was in seiner Seele ruht." Uns dünkt, das Tieffte wird in den Münchener Kinderreim wie- der lebendig, dos was die göttliche Wala in mythischer Zeit schon kündete. Es rauscht der alte Baum, da der Riese frei wird. Wir könnten den nationalsozialistischen Mythos vom Baldor, Siegjried, Parzifal Hitler— die drei Vornamen mögen genügen — weiter dichten. Ueberlassen wir das den nationalsozialistischen Dichtern und Dintern. Kinderreime sind schlicht und kindlich, an- spruchsvolle nationalsozialistische Mythendichtungen der Schott und anderer Skalden find schlecht und kindisch. Paul Kampssmeye'r. von üer»verbrecherphpfiognomie�. In der Berliner Gesellschaft für Anthropologie sprach dieser Tage Medizinalrat Prof. Dr. Strauch, der bekannte Berliner Gerichtsarzt, über die Anfänge und Borstufen der Kriminal- Anthropologie. Strauch ist seinerzeit ausgegangen von L o m b r o s o, dessen Lehre m Italien ja noch heute eine ganz andere Rolle spielt als bei uns. Später aber hat er sich von der Lehre des Italieners weit entfernt. Lombroso hat die Lehre vom„geborenen Verbrecher" ausgebildet: dieser sei durch körperliche Merkmale von seinen Mit- menschen unterschieden, zum Teil in augenfälliger Weis«, er zeige di- Merkmale niederer Rassen, mehrfach atavistische Elemente. Für bestimmte Verbrechertaiegorien hat dann Lombroso körperliche Kennzeichen aufgestellt, die nicht der Beruf ihnen aufprägte, die sie vielmehr als Patengaben der Natur mitbekommen haben. Strauch bekannte sich mir in eingeschränktem Sinne zur Lehre Lombrosos. er teilt den Standpunkt des Berliner Strafrechtslchrers Kahl über die nur vermindert« Zurechmmgsfähigkeit des„geborenen Verbrechers". Und er legte das an den Bildern von Verbrechern der letzten Jahrzehnte, an ihren Schädeln u. dgl. dar. Daß gewisse körperliche Auffälligkeiten bei Mördern vorkommen können, dafür hat Strauch am Schädel des Berliner Lustmörders Großmann ebenso Kenn- zeichen gefunden, wie am Schädel des Dr. N o b i l i n g, der 1878 das Attentat auf den alten Wilhelm ausgeführt hat. Diesen Mann konnte er wenigstens bedingt unter die Verbrecher einreihen, ebenso wie L u c ch e n i, den Mörder der Kaiserin Elisabeth, während er politische Verbrecher' sonst mit Recht unberücksichtigt ließ. Nobiling zeigt in seinem reparierten Schädel eine„praemature Synostose der Kranznaht", dos heißt, die Hauptnaht der Schädeloberflüche ist a»f der einen Seite vorzeitig zugewachsen. Und Großmann weist ebenfalls an den Schädelnähten eine Abnormität auf: die Schäkel- nähte bilden ein Kreuz, das die ganze Schädelfläche überdeckt, und gerade dieses Kreuz gilt in Bayern als das Zeichen besonders frommer Gesinnung— denn dort pflegt man ja bei Auflassung von Friedhöfen nicht wie es im Norden oft geschieht, Schädel und Gebeine fortzuwerfen, sondern sie in Beinhäusern sorglich aufzubewahren und die Schädel, denen von Natur jenes selffame Nahtkreuz ausgedrückt ist, sind dann als die Ueberreste Gottesfürchtiger besonders geachtet. Eine„Mörderphysiognomie" aber gibt es nach Strauchs An» ficht nicht. Schon Caspar, der um 1850 Professor an der Ber- liner Universität war, hcrt die Behauptung aufgestellt, das Der- brecherische spreche sich nicht in besonderen positiven Kennzeichen, sondern mehr in der Negation des Gefühls auf dem Gesichte aus. Die Abwesenheit besonderer Gefühlsträger in den Zügen zeigt« auch Strauch an einigen Hauptverbrechern der letzten Zeit. Ander« Gesichter von Kapitalverbrechcrn zeigen aber einen fast regelrechten, sozusagen gutbürgerlichen Durchschnittstypus, sie sind vom Galgen- gesicht himmelweit entfernt. Höchstens kann man manchmal in Kleinigkeiten wie dem angewachsenen Ohrläppchen, einer charakte- ristischen Schiefheit der Gesichtshälften u. dgl. Merkmale aufführen, die im Sinne Lombrosos verwertbar sind. Im allgemeinen aber bietet die Physiognomik, wie sie Lavater begründet, und die von Gall geschaffene Lehre vom Hirn und seiner Bedeutung für die Schädelbildung, nur in sehr eingeschränktem Sinne«ine Borstufe für die Kriminal-Aitthropologie. Die abgekühlte Volksbühne. Wir machten vo-r kurzem Mittel- lung von den Ventilatoranlagen, mit denen Max Reinhardt dem Publikum des Wiener Theaters in der Iofcfftadt während der heißen Tage Kühlung zufächeln läßt. Wie wir erfahren, bestehen solche Anlagen auch in unserem Volksbühnentheater am B ü l o w p l a tz, sind aber dort seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Auf eine Anfrage, weshalb man den Berlinern die ÜLohltaten nicht zuteil werden läßt, deren sich die Wiener ersteue» dürfen, er- halten wir jetzt von der Direktton des Theaters am Bülowpla'tz d-'z Mitteilung,„daß die Entlüftungsvorrichtung der Volksbühne je nach Mlemann-Skanüal im Reichstag. Z« dumm zum Verleumder. Di« gestrigen Beratungen des Reichstages über die Renten der Kriegsbeschöd ig t e n wurden van Tumulten begleitet, die von den antiparlamentarischsn Radaugruppcn hervorgerufen waren und angesichts des traurig-ernften Gegenstandes, der zur Debatte stand, doppelt unwürdig wirkten. Der schlimmst« dieser Skandal« wurde vom nationalsozialistischen Oberstleutnant a. D. Ahlemann ent- fesselt, der erklärt«, daß Genosse Breitscheid in Paris Landes- verrat getrieben habe. Don Breitscheid befragt, was damit gemeint sei. gab der Oberstleutnant die trottelhafte Antwort, seine Ucbsr- zeugung vom Landesverrat Breilscheids gründe sich darauf, daß die- fer im Reichstag einmal gesagt habe, er verrrets nicht die Interessen Deutschlands, sondern die der Welt. Auf DreitschÄds Bcstrei» tung, diesen Ausspruch getan zu haben(tatsächlich hatte Breitscheid damals auseinandergesetzt, die Sozialdemokratie vertrete im Ruhr- knnflikt gegen Poincore nicht nur deutsche, sondern auch Weltinter- essen), erklärte der Mann mit Eichenlaub und Schwertern, er könne nicht beweisen, daß Breiischeid jenen Ausspruch getan habe, sehe aber„zunächst"' keinen Grund, etwas zurückzunehmen! Die Geschichte ist so ekelhaft und dumm, daß man sich fast schämt, sie zu erzählen. Aber sie ist nur ein Beispiel für viel«, so geht's tagaus, tagein! Mal ist es Kotz, mal Ahlemann, mal ein anderer Ehrenmann, der das chaus zur Kaschemme erniedrigt. Man nruß hoffen, daß die politiscki« Entwicklung rasch zu einer Reichs- tagsauflösung führt, die dem Volt Gelegcnheit gibt, den Schmutz, der sich in den Ecken gesammelt Hot, aus dem Parlament hinauszuspülen._ Der Durgerblock baut weite? ab! Luther kommandiert, das Zentrum marschiert! De? chaushaltsausschuß des Reichstags hat am Mittwoch beschlossen, dem Reichstag vorzuschlagen, daß der Regierung die Ermächtigung zur selbständigen Regelung der Ortszuschläg« zu den Bezügen der Reichsangestellten entzogen werden soll. Am Donnerstag hatten die bürgerlichen Parteien ihre säumigen Mannen besser aufaelioren und wollten nun den Mittwochbeschluß umstoßen."Dieses geschästsordnungswidrige Beginnen scheiterte an dem Einspruch der Sozialdemokraten und Kommunisten. Die bürgerlichen Parteien kündigten an, daß sie nunmehr den Antrag auf Weitergewähnmg der Ermächtigung für den Ortszuschlag im Plenum stellen werden. Bei der Beratung der zur Abb aus rage vorliegenden Anträge erklärte der Reichsfinanz mini st er, daß er den Abbau, solang« die Verordnung bestehe, nicht einstellen könne. Er sei ober bere'ch die»erahrng und Verabschiedung des dem Reichsrot bereits vorliegenden Gesehentwurfs zur Aende- rung der Perfonalobbauverordnung nach Kröslin zu fördern. Siunttich« Anträge wurden dann auf Anregung der Deut- schen Vclkspartei gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Kommu- nisten und Rationalsoziatisten einem Unterausschuß überwiesen, der am 25. Juli nach dem Plenum zusammentreten wird. Di« Sozialdemokraten hatten ihre Zustimmung zur Ueberweisung d:r Anträge an den Unterausschuß davon abhängig gemacht, daß t. der Abbau bis zur Verabschiedung des neuen Gesetzes sosort ein. a« st ellt, 2. der§ 84, 4 des Betriebsrategesetzes sofort wieder hergestclll wird. Da der Reichsfinanzminister hierüber genügende Erklärungen nicht abgab, bestand die sozialdemokratische Fraktion auf sofortiger Abstimmung über ihren Antrag aus r e st l o s e Auf- Hebung der Personalabbauvcrordnung. Dies wurde durch die bürgerlichen Parteien verhindert.— Die Frage der Arbeitszeit und des Erholungsurlaubs kam noch nicht zur Beratung, da die grundsätzliche Erklärung der Regierung zu den betreffenden Beschlüssen des 14. Ausschusses noch aussteht. Kein Gelü... für heimkehrende Llusgcwiesene. Der Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiet« verhandelt« am Donnerstag in Gegenwart des Reichsverkehrsnfinisters O e s e r über die Anträge, die sich mit der Fürsorge der rückkehrenden Ausgewiesenen und Verdrängten beschäftigen. Insbesondere auch über den bereits gefaßten Beschluß und die noch vorliegenden Bedarf in Wirksamkeit tritt. Automatisch wird hierbei allerdings nicht verfahren, da die Stromunkosten für die großen Bentilatoren sehr bedeutend sind und außerdem Jugerscheirningen im Theater vermieden werden müssen. Es kommt sehr daraus an. wie die Windrichtung auf dem chause steht, um den gewünschten Ersog je- weils zu erzielen. Wir haben uns heute nochmals mit unserem Vetriebsinsvektor in Verbindung gefetzt und Anweisungen gegeben, daß bei herrschender großer 5z itze die Entlüftung s- anlag« täglich in Funktion gesetzt wird." Das Verfahren gegen Direktor Demmler eingestellt. Das aus Grund der französischen Aiislieserungsliste in der Kriegsbeschuldigten- frage gegen den im Kaiser-Friedrich-Museum tätigen Direktor Dr. Demmler seit 1921 eingeleitete Reichsgerichtsverfahren ist vom Reichsgericht in Leipzig«n 22. Mai 1924«ingestellt worden. In der Begründung heißt es:„Die französische Auslieserungsliste wirft dem Beschuldigten, der während des Krieges Zivilbeamter beim Stabe des Beausttagten des Beneralguartiermeisters(.Lunftfchutz- osfizier") war.„Plünderungen und Diebstähle von Gemälden im Museum zu Lille' vor. Die Bezichtigung ist völlig grundlos. Der Beicbuldiate hat im Sommer 1917 nach fürsorglichen Anweisungen srner vorgesetzten Dienstbehörde die wertvolleren Gemälde des Mu< seüms in Lille zum Schutze vor Kriegsgefahr nach Balenciennes überaelübr» Wie die Ermittelungen daraetan hoben, ist«r mit Sach- kenntnis Umsicht und Pflichttreue, zu Werke gegangen, ohne sein« B-si'gniss« irgendwie zu übers» re,I«n. �Daoon, daß er sic* etwas angeeignet hätte, kann kein« Rede fem. -rünlfimähriges Bestehen des Obfervalorlum« In Polsdam. Das im sttllen Park von Sanssouci gelegene a str o p h y si ta l is che Observatorium in Potsdam kann letzt aus ein« Entwicklung von SV Jahren zurückblicken. Di« ersten Vorbereitungen für die Wart- wurden im Jahre 1874 getrosten, und heute kann man sagen, ist iie tür die Wissenschaft ein unersetzliches Forschungsinstrument geworden, d�k ihrer modernsten astronomischen Einrichtungen. Wurden doch hier die wichtiasten Natur-Welter-"�.sl« registriert, w,« das große Erdbeben in San Franz.sko. das letzt« gewaltig« Erd- beben in Yokohama, die vielfachen Ausbruche des Vesuvs usw. Er- innert sei auch an die«rsolgreicbe w.si-n�asts,ck>e Ueb-rleeerved.tivn des jetzigen Observatoriumslciters, Prost..udendorsf, zur Beobachtung der Sonnenfinsternis auf der Weihnachtsmfel und in Mexiko. VI» knlwrev« Jto» der«egeewatt. Sw Rabmrn der Leip�ger ktt.lwr. Woche finde, am Vorlag, den 4. Angl-!», abend» 7 /, Ubr. in der»llbert- bnlle zu Leipzig ewe öfi'Ntl'che Kundgebung statt die zur tiiltiircll-n Not der G-g-nwart Stellung nehmen wird. MS«edner find v-rges-hen- Sans B a l u I ch e k, Staalssekreiär H e i n ri ch S» u l,. Frau B o b rn- S ch ii ch. M. d. R.»nd der ebemalige ReichSlagtprafident P aul L o b c. Zum tt,. Zab,«»Iag des Kriegsausbruch' flttt Karl Nicrendorss VcUgg tGraphilcheS Kabinelt I. B. Neumann. Berlin W50) etn Radiermerk von Otto Di« heraus, da» 50 Oriainalradierungen umlatzt imd m o Mappen unter dem Titel„Der Krieg' erschein!. Gleichzeitig den Originale» werden 2 Ausgaben in Buchlorm zu billigen Preisen verSfienilicht. ver ll»,er-u»schuh für gelinge, kigevwm bat. wie-ms G-nf berichtet wird, leine Arbeiten abgeschlossen. Er ist zu solgendcn Festllellungen ge- wagt: 1. Zugunsten derjenigen Gelehrten, deren Entdeckungen eine gewinn- brwaende Ausbeute ergeben haben, ist ein besondere» Recht zu schaffen. 2 ES Ist jedoch schwierig, die Anwendung dieses Rechts ans alle Einzel- salle zu regeln, g. Den berechtigten Fntercffcn der Industriellen, die von der praktischen Anwendung der Wissenlchast leben, ist Rechnung zu trage«. sozialdemokratischen Anträge wegen der Sicherung der seit dem 1. Januar als Folg« des passiven Widerstandes entlassenen Eisen» bahnarbeiter, die zum großen Teil trotz aller heiligen Ver- sprechungen nach ganz kurzer Uebergangszeit auf die kärgliche Er- werbslosenfürsorge abgeschoben wurden. Die Entlassungen werden auch heut« noch lustig fortgesetzt. Nach einer Verfügung, die uns aus Würzburg bekannt geworden ist, ist den Lohn- empfängern sofort nach Aufhebung der Ausweisung die Kün- digung auszusprechen. Dieser Skandal ist zudem, im Gegensatz zu dem Ton, den man den Beamten gegenüber wählt, formuliert, daß die Entrüstung unter den ausgewiesenen Eisenbahnarbeitern allzu oerstäirdlich ist. Diesem Unfug will ein Antrag der Sozial- demokraten steuern, der oerlangt, daß keinerlei derarttge Kündi- gungen mehr ausgesprochen und daß die bereits erfolgten wieder aufgehoben werden. Nicht geringer ist der Skandal, daß den Schwerkriegsbeschädigten, ohne die Bestimmungen zu beachten, ge- kündigt wurde. Trotzdem obsiegende Gewerbexerichtsurteile vor» liegen, weigert sich das Reichsoerkehrsmimstsrium, den alten Zustand wiedcr einzuführen oder die entsprechenden Lohnsummen zu zahlen. Die Sozialdemokraten haben einen Antrag eingebracht, der verlangt, daß dieses Unrecht wieder gutgemacht wird und daß Schwerkriegs- beschädigten enstprechend den Bestimmungen des Gesetzes als noch im Dienst zu behandeln und daß ihre Bezüge weiterzuzahlen find. Für die sogenannten freien Berufs will die sozialdemokratisch« Vertretung erreichen, daß ihre Betreuung nach erfolgter Rückkehr in einer Weise geregelt wird, wie es Treu und Glauben entspricht. Die Beschlußfassung wurde auf Freitag vertagt. Der Minister legte im einzelnen den ausschließlich von fiskalischen Ueberlegungen beeinflußten Standpunkt der Regiermrg dar. Kein Geld! Der Ausschuß wird bei Anerkenntnis der schwierigen Lag« nicht schwach werdest dürfen. Hier ist nicht nur ein Unrecht gut zu machen, für das der derzeitige Finanzminister zu einem großen Teil die Verantwortung mitträgt. Es stehen nicht geringe politische Inter- essen auf dem Spiel, die nicht an bureaukratischer Engstirnigkeit und kleinlicher Knickrigkeit zuschanden gehen dürfen. Einsteins Rückkehr zum völkerbunö. Genf, 24. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Vertteter des „Soz. Parlamentsdienstes" in Gens hatte am Donnerstag eine Unter- redung mi« Professor E i n st« i n, der augenblicklich in Gemeinschaft mit namhasten internationalen Wissenschaftlern in Gens cm den Arbeiten der„Internationalen Arbeitsgemeinschaft geistiger Arbeiter" teilnimmt. Professor Einstein erklärte: Mein Austritt als Mitglied des Völkerbundes im vorigen Jahre geschah unter dem Eindruck der ungünstigen Verhältnisse, und weil sich der Völkerbund gegenüber den europäischen Problemen anscheinend passiv verhieli. In der Zwischenzeit Hab« ich mich aber von dem ehrlichen Willen der Mitarbeiter am Werke des Völkerbundes überzeugt, deren Streben tatsächlich dahin geht, die europäischen Verhältnisse einer Gesundung zuzuführen. Daß man mich ttotz meiner Kritik von damals erneut zur Mitarbeit an Problemen des Völkerbundes aus- gesordert hat, ist mir gleichfalls ein Beweis dafür, daß es den Männern, denen die Vertretung de? Völkerbundes obliegt, nur um die Sach« geht und nicht um persönliche Fragen. Ich Hobe mich deshalb entschlossen, meine Mitarbeit wieder aufzunehmen, um auf diese Weis« der Versöhnung der Völker zu dienen. Mein persönlicher Eindruck von den bisherigen Arbeiten der Kommission. der ich angehöre, ist sehr günstig. Ihre Mitglieder sind im besten Sinn« des Wortes gute Europäer, die, ohne jedes Vorurteil, nur der Schaffung einer neuen Internationale der geistigen Arbeit dienen wollen. Ich mutz dabei besonders be- tonen, daß man bei allen Plänen, die man hegt, und bei ollen Ver- anstaltungen Deutschland und sein« Vertreter so behandelt, als ob es bereits vollgültiges Mitglied des Völkerbundes wäre. Nlacüonalüs �drüstungsaktion. Besprechung mit Hughes. London, 24. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der amerikanische Hughes hatte mit Macdonald einen Gedankenaustausch iiber die Einberusung einer AbrnstungSkonserenz. lieber ihre Notwendigkeit sind beide einer Meinung. Hughes will nach seiner Rückkehr»ach Washington mit Coolidge nähere Vereinbarungen über diese Frage treffen. Da er mit Coolidge bereits einer Meinung ist, wird erwartet, daß die praktischen Vorbereitungen für eine Abrüstungskonferenz bald beginnen, so daß sie spätestens zu Beginn des neuen Jahres zusammentreten kann. Englands Truppe« bleiben i« Aegypten. London. 24. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Abficht der englischen Regierung, mit der ägyptischen Regierung zu einem gulen Ausgleich der widerstreitenden Interessen zu kommen, hat im Oberhaus zu einer Anfrage geführt, ob England seine Truppen aus Aegypten zurückzuziehen beabsichtige. Lord P a r m o o r wich einer klaren Beantwortung aus. Er erwiderte im Namen der Negierung, daß bei den Verhandlnngen. die dem- nächst mit dem ägyptischen Premierminister Zaghlul Pascha geführt werden sollen, das britische RcichSintereffe voll gewahrt werde. Alicum- und Regie-flbbau. Essen. 24. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Von dem bei der Micum und bei der Regie beschäftigten deutschen Personal wurden 7S Proz. zum 1. September gekündigt. Köln. 24. Juli.(Mtb.) Die..Kölnische VolkSzeitung' läßt sich zu den auS französischer Quell- stammenden Berichten über eine bevorstehende Wiederaufnahme der Mieumverhandlungen aus Essen berichten, daß bislang in den maßgebenden Kreisen des Ruhrbergbaues noch keine Einladung zu Verhandlungen eingegangen ist. Die Miciun will offenbar, ehe sie über Er- Neuerung der Ende des Monats ablaufenden Verträge verhandelt, pas Ergebnis der Londoner Konserenz abwarten. Keine Gnade! Die Aufständischen in Sao Paulo haben einen Waffenstillstand und serner das Versprechen der Regierung, im Falle der Uebergabe keine VergeliungSmaßnahmen zu üben, erbeien. Di« brasilianische Regicrung hat daraus mit einer ver- schärften Altion ihrer Truppen gegen die Aufständischen ge- antwortet. Die RegierungStruppcn sind in der Stadt weiter vor- gedrungen. Der geköpfte Henker. Sonvarines Ausschluß. Der 5. Weltkongreß der Kommumstffchen Internationote in Moskau hat ein« furchtbar« Abrechnung mit all denen vorgenommen, die sich„rechte Abweichungen" habe« zujchuwcn kommen lassen. Am heitersten wirkt der über den bisherigen tyrannischen Führer der französischen Kommunistischen Partei Boris Sau- v a r i n e verhängte Ausschluß. Souvarine, der zu den eigentlichen Gründern der Kommunistischen Partei Frankreichs gehört«, hatte sich allmählich zu einem kleinen, aber um so g r ö ß e n w a h» s in n i- geren Despoten entwickelt, der nacheinander eine ganze Reihe von führenden französischen Kommunisker. abgehalstert, hinausgeekelt oder mit Billigung der Moskauer Exekutive ausgeschlossen hatte, darunter die ganze F r os sa rd- Gruppe sowie später tnehrer« Redakti»nsgarn ituren der„Humanite". Nur mit knapepr Rot war sogar C a ch i n im vergangenen lh'erbst der von Souvarine rast- los gehandhabttn Guillostne entronnen. Auf dies« Art hatte sich Souvarine, dessen Wesen an und für sich unausstehlich ist, auch bei den übrigen bisher verschonten Kommunisten tief verhaßt ge- macht, die jeden Tag damit rechnen mußten, daß auch sie an di« Reih« kommen würden. Deshalb wurde ein kleines Komplott unter feinen engsten„Freunden" geschmiedet, um ihn los zu werden. Das war allerdings nicht leicht, denn er genoß bisher das uneingeschränkte Vertrauen von Slnowjew. Endlich fand man die Gelegenheit, ihn bei der Kommunistischen International« zu denunzieren. Das geschah im vergangenen Win- ter, als di« russisch« Kornmunislische Partei jene Krise durchmachte, die durch die„demokratische" Opposition der T r otz k i- G r u p pe hervorgerufen war. Souvarine ergriff damals in der von ihm redigierten Zeitschrift der KPD.„vullerin communiste" Partei für Trotzki, vermutlich nicht aus Ueberzeugung, sondern weil er falsch unterrichtet, dessen Endsieg:im«rholb der russischen Partei vor- aussah. Er hatte jedoch auf das falsche Pferd gesetzt. Und nun wurde er vor das Forum de? Kommunistischen Weltkongresses zitiert, angeklagt und ausgeschlossen. Der„P a r te i b e f e h l", mit dem die Leitung der KPD. bzw. die Moskauer Exekutive dieses Urteil in der„Humanite" vom 19. Juli mitteilt, ist ein geradezu klassisches Dokument fowjetisttscher Ueberheblichkeit und Rücksichts- losig teit. Es heißt darin: „Ein glänzender Journalist und ein geschickter Polemiker, widmete Boris Souvarine viele Jahr« hindurch fein ganzes Ta- lent der Verteidigung der Kommunistffchen Internationale und der Verbreitung ihrer Parolen. Im Kamvfe gegen Frossard zeich. ncte er sich durch die Klarheit und durch die Wucht seiner An- griffe aus. Gestützt aus eine große Partei und' aus das größte politische Blatt Frankreichs, mühelos aus verantwortungsvollen Posten gelangt, glaubte Souvarine eine persönliche Kraft zu sein. Der Hochmut berauscht« ihn und wurde ihm zum Der- hängms. Als Derteidiger ein« Klasse, aus der er selbst nicht st a m m t e(wieviel kommunistische Führer in Rußland und Frankreich stammen denn überhaupt aus der Arbeiterklasse? Die Red), bi�srisf er nur unvollständig deren Bedürfnisse. Er vergaß die Lehren von Lenin, indem er sich nicht den breiten Massen oer Arbeiter und Bauern näherte, um sie besser kennen zu lernen, um sie besser zu lieben. Durch die geistige Derkrüppelung seines Beruis veranlaßt, verlor er de» Kontakt mit dem Prole- tariat. hielt«r sich an das Buch und vergaß das Leben! Und bald, anstatt des Fuhrers. der er zu fein schien, wurde er zu einem b e s e h> s l ü st e r n e n Autokraten, der von sich selbst«in- genommen war und je nach seinen Launen die Gesetze der Partei zu zerschlagen versuchte." Sodann werden die konkreten Anklagen gegen Souvarine, die zu seinem Ausschluß führten, nämlich sein Feldzugsür Trotzki, des näheren ausgeführt. Hier heißt es u. a. bezüglich der Krise, die noch den Herbstmederlagen des vorigen Jahres die gesamt« Kommunistische Internationale durchmachte: „Einige Führer errichteten von den 5?öhen:h"es buchmäßigen■ Wissens herab ein« Theorie, deren Grundlini«, wäre sie aneickanÄ worden, den Bruch mit der glorreichen Leninifti- schen Tradition, deren Richtigkeit durch das Leben erwiesen worden ist. bedeutet hätte. Souvarine begab sich mutwillig auf die revisionistische Galeere. Unter dem Vorwand, daß alle Mittel Zulässig seien, wenn sie zum Erfolg führen, belog er seine Partei und oersuchte er, sich ihrer zu bedienen, um den Gang der Schlacht zu beeinslusseii. deren Einsatz der Lemnismus war." Sodann folgt das Urteil selbst: „Die Exekutive hat ihr Urteil in voller Kenntnis der Ange- logenheit gefällt: Souvarine wird aus der französischen Partei und aus der Kommunistischen International« ausgeschlossen. Allerdings wird unserem früheren Genossen ein« Möglichkeit ge- währt, sein« Sünden miede? vergessen zu lassen: Die fr-rnizösi'che Partei wird seine Wiederausnerhme in die Internationale aus dem 6. Kongreß beantragen können, wenn Souvarine bis dahin eine loyale Haltung ein» nimmt. Eine ähnliche Maßnahme war seinerzeit gegenüber Paul L e v i(KPD.) getroffen worden. Dieser zeigte sich jedoch dessen wewig würdig: er schloß sich der Zweiten Internationale Rostes, Scheidemanns, Banderveldes. Blums, Longuets und anderer an. Möge Souvarine über dieses Beiipiel nachdenken und feine Stelle wieder im proletarischen Kampf einnehmen." Des weiteren führt das Urteil in feiner Begründung an, daß es in der Komniunistifchen Partei mcht zweierlei Maß für di« „Kleinen" und für die„Großen" geben könne. Unter dem Dorwand der„Freundschaft" dürfte mem nicht die Fehler der ein- zelnen decken: „Der„W e rt", das„Talent", das„Wissen" dieses oder jenen vermag nicht ein« Lockerung der Kontrolle zu rechtfertigsn, der alle Kommunisten unterwolsen sind. In dem Maß«, wo alle kleinbürgerlichen Ueber- b l e i b s e l des Ich überwunden werden, wird sich die namenlos« eisern« Kohorte des französischen Bolschewismus bilden." Ob sich Souvarine diesem Urteil fügen wird oder nicht, wird die Zukunft lehren. In der französischen Kommunistischen Partei wird ihm niemand«in« Träne nachweinen und im Gegenteil ein jeder hoffen, daß er den Weg Frossards und der anderen von ihm geköpften„kleinbürgerlichen Revisionisten" geht. Aber di« sozialistischen Genossen werden sich erst recht für einen solchen widerwärtigen Rekruten bedemken. Die ruPsche Parteiopposition. Moskau. 23. Juli(OE.). Der S. Kongreß der Kommnnffttschon Internationale hat. wie erst nachträglich bekanntgegeben wird, auch eine Entschließung zur Lage mnerhalb der Kommunistischen Partei Rußlands angenommen, die sich vor allem mit der innerparteilichen Opposition befaßt. Dies« Kundgebung, welche sich dem Standpunkt der russischen Parteileitung vollkommen anschließt, erklärt zugleich. daß die Vertreter der russischen Opposition trotz erfolgter Aufsorde- rung es abgelehnt hätten, ihren Standpunkt vor der Inter» nattonale zu vertreten. Der Kongreß habe nicht di« Sicherheit er- halten, daß die Opposition ihr« Fehler einsehe und sich nun- mehr auf den offiziellen Parteistandpuntt gestellt habe. Es bestehe daher die Gefahr einer Wiederholung der großen Aus- einandersetzung innerhalb der Russischen Kommunistischen Partei, zumal die russtsehe Opposition die Unterstützung der mehr nach rechts neigenden Gruppen der Kommunistischm Partei Polens, Deutschlands und anderer Länder erhalten Hobe. �eweeEhostsbewegung Das obersthlelifche Seifpiel. Mirbachs Telegraphenbureau meldet: Äatiswih. H. Juli. Di« polnische Regierung hat die Derord- nung über die Verlängerung der Arbeitszeit nunmehr endlich erlassen. Sie sieht eine Verlängerung der Arbeitszeit nur in den Hütten vor, wo die Regelung in derselben Weis-'ersolgen soll, mte sie in Dcutsch-Oberschlesicn bereits besteht. Ob aus dieser Verlängerung der Arbeitszeit auf Ig Stunden eine Besserung der wirtschaftliche» Lage entstehen kann, ist sehr zweifelhaft, denn die Verringerung der Produktionskosten allein kann die Erleichtermig noch nicht schaffen, wenn nicht gleichzeitig Absatzgebiet« er- schlössen werden, die ohne einen allgemeinen wirtschaftlichen Aus- gleich, besonders mit Deutschland, nicht beschafft werden können. Polen selbst ist nicht in der Lage, einen nennenswerten Teil der Eisenproduktion Palnisch-Oberschlesiens aufzunehmen und auch Be- stellungen des polnischen Staates können nicht in einem Umfange erteilt werden, datz dadurch Beschäftigung auf länger« Zeit ge- schassen wird. Die Arbeitnehmerverbände finden sich mit der neuen Regelung ab. wenn sie auch überall Prolestversammlungen abhalten. Die Hütten haben die Umstellung auf die neue Arbeitszeit bereits vorgenommen, aber vorerst mir einen ganz geringen Teil der regsl- recht gekündigten und entlassenen Arbeiter wieder eingestellt. Die Einstellung weiterer Arbeiter soll von dem Auftragsbestand abhängig gemacht werden. Die wirtschaftliche Lage ist nach wie var so trübe, daß immer weitere Betriebe mit Berkaufs ab sichten umgehen. In D e» t s ch- O b e r s ch l e s i« n hat die Kündigung der ge- samten Arbeiterschaft der Hüttenbetrieb« zum 1. August die Lage autzerordentlich gespannt gestattet. Die Kündigung ist ausgesprochen worden, mn die Grundlage für die neue Einstellung zu den veränderten Bedingungen zu schaffen, die die Arbeitgeber am ll. Juli den Gswcrksämften mitgeteilt lzolten und die in der Haupt- fach? den Fortfall der Depu tatkohle für die Hütten- orbeiter und die Herabsetzung des Lohnes um 2 0 Pr a z. betreffen. Sowohl die Regierung in Oppeln als auch das Reichs- orbeit!: Ministerium haben eingegriffen, um die Durchführung der Herabsetzung der Löhne, die bei einem Stundenlohn von 35 Pf. für den gelernten Arbeiter der Spitzengruppe tatsächlich unter das Existenzminimum sinken würde, womöglich zu verhindern. Ob die Verhandlungen Erfolg hoben werden, läßt sich nicht absehen; es war« dringend zu wünschen, daß wenigstens die Lohnherab- setzung vermieden wird. Wird lic durchaesührt, so wäre damit auch die verhältnismäßig gute Ausficht für die Reichstagswahlen im Sep. tembcr, die bisher bestanden, vernichtet. Di« Arbeiterschaft, die nach dem Mißlingen des letzten Auostandes sich vom Kommunismus ab- gewandt hat, würde, da sie zum gröfften. Teil politische Ucberzeugung nicht hat, in Massen zu den Polen abschwenken. Die vor acht Tagen vorgenommen« Betriebs ratswahl auf der A b w e h r g r u b», bei der die Polen, die dort bislzer so gut wie gar kein« Stimmen hatten, die meisten Stimmen von allen Gewerkschaften erhielten, läßt erkennen, welche Stim- nrnng sich der iirteilslosen Arbeiterschafr bemächtigt hat. Nachdem sie sich infolge dos Ausganges des letzten Ausstandes von den Kommu- nisten betrogen fühlen, werden sie ihre Zuslucht zu den Polen nehmen. Wie dann das Ergebnis der Reichstogswahl ausfällt, läßt sich leicht ausrechnen. Ob die Eisenindustrie liX'msch-Ofc-erschlcsiens tatsächlich in einer j schlimmen Lage ist, daß sie zu diesem Lohnabbau greisen muh, ist recht z w e i s e l h a f t. Jmnier deuliicher tritt in den Vcrsamm- lungen der Arbeiter der Hinweis auf die Ricsengchälter der Generaldirektoren hervor, und man weiß nicht, wohin die Strömung, die sich aus einer solchen Stimmungsmache entwickeln lunni itöch führen kann. Tatsache ist, daß mehrere Industriebetriebe slir Generaldirektoren und Direktoren auch jetzt nach Wohn- Häuser bauen, die mit 10, ja sogar 20 Zimmern, nnt riesigen Gärten und luxuriösen Einrichtungen als Paläste bezeichnet norden müssen, und Tatsache ist ferner, daß es nicht wenige Generaldirektoren gibt, die Gehälter bis zu 150 000 Goldmark jährlich beziehen, wozu in vielen Fällen noch recht hohe Tantiemen kommen. Dies« Zahlen sind der Arbeiterschaft natürlich bekannt. Sie rechnet sich aus, daß 150 000 Goldmark das Einkommen für mindestens 100 Arbeiterfamilien sind, uich mit Erbitterung hört man ganz vernünftig« und ruhige Leute sagen, daß es ein Wunder ist, daß die Arbeiter solch« Verhält- nissc dulden. Jedenfalls ist die Siimmung außerordentlich kritisch, und es wäre nürlfchaftlich und politisch dringend oonnöten, daß in den Ver- Handlungen, die die Regierung II od das Reichsarbeitsministerium mit den Arbeiigebern führen, die Arbeitgeber mir aller Deutlichkeit dar- über aufgeklärt werden, welch« potttischen Folgen der rücksichtslose Lohnabbau haben muß. Diese ausführliche Darstellung aus bürgerlicher Quelle bestätigt, was wir selbst über die verfehlte Speku- lation mit der Verlängerung der Arbeitszeit geschrieben haben. Bemerkenswert sind die Ausführungen über die p o l i t i- scheu Auswirkungen der Lohn- und Arbeitszeitpolitik der Reichsregierung. Wenn, wie es in der Meldung heißt, die Reichsregierung sich jetzt bemüht, den oberschlesischen Industriellen gut zuzureden, nachdem sie durch den„Schieds- spruch" den Lohnabbau und die Verlängerung der Arbeits- zeit herbeigeführt hat, dann kommt das auf den Versuch hinaus, den Brunnen zuzudecken, nachdem das Kind hinein- gefallen ist. Die politischen Folgen, die in Obcrschlcsien drohen, sind noch größer im S a a r g e b i e t, wo der Achtstundentag bis- her unangetastet ist, weil dort die Arbeitszeitoerordnung nicht in Kraft ist. Wie sich die Arbeitszeitoerlängerung in der deutschen Schwerindustrie über kurz oder lang Wirtschaft- lich und dann unvermeidlich auch politisch im Saargebiet aus- wirken muß. ist ohne weiteres für jeden klar, der sich den Tatsachen nicht gewaltsam verschließt. Nur die R a t i s i- zierung des Abkommens von Washington gemeinsam mit Frankreich, England und Belgien, nur die Eingliederung in die europäische Wirt- schaftsgemein's chaft kann noch das unberechenbare Unheil abwenden. * Königshütte. 24. Juli. tWTB.) Dem.Oberschlesischen Kurier" zufolge Hot der Kongreß der polnischen Berufsoereinigung in Katlo- witz beschlossen, zum Protest gegen die Verlängerung der Arbeitszeit in Ost-Oberschlesien den allgemeinen Ausstand zu ver- künden. Dcr Generalstreit sollte bereits am 22. Juli beginnen. Man will jedoch erst die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft zum Streik abwarten. Ein Erfolg der kpv. In Moskau. Zweck der Einheitsfront ist Spaltung. Wie durch und durch unwahr dos neueste Geschrei der Kom- munistcn von der.Rückkehr zu den Gewerkschasten" ist, geht be- sonders deutlich aus dem Bericht hervor, der von„einem Mitglied" (Ruth Fischer?) in der Zentralausschußsitzung der KPD. vom 19. und 20. Juli über den„Weltkongreß" erstattet wurde. Wir zitieren, was die.Rot« Fahne" darüber veröffentlicht: Die Fragestellung einer Revision unseres Verhak- kens zu den Amsterdamer Gewerkschaften datiert vom letzien Kongreß der Amsterdamer in Wien. Dor: hat die englische Delegation eine energische Haltung für die Zulassung der russischen Gewerkschaften eingenommen und den Drang nach einer cinheitlichen(äewerüchastsbeivegiing ketundet. Dies war der An- laß. daß einige führende Genossen der Profinlern zu der An- ficht gelangten, einen offenen Brief an die Amsterdamer zu richten, ob sie bereit wären, auf dieser oder jener Grundlage eine organisatorisch« Einigung herbeizuführen. Mr haben uns argen diese Svitzcneiniqungs versuche energisch gewandt und erreich!, daß dieser vrics nicht geschrieben wurde.... Die vorge- sehenc Taknk kann meines Erächlens, und ich glaube, auch der Zentralausschuß schließt sich dieser Auffassung an. nichts anderes sein, als der Versuch, den Kecl zwischen die eng- lisch« Eewcrkschajtsvpposition und den Am st er- damcrn weiter zutreiben sowie die Differenzen im Lager der Amsterdamer zu vergrößern. Wer jedoch ans der taktischen Manövrierfähigkeit der Komintern ein« Rückkehr zur alten Politik machen will, zur Behandlung der Einheitsfrcnt durch Spitzenverhandiui'.gcn von oben, der wird auf Granit beißen. Bekanntlich hat der Internationale Gewerkschastskongreß m Wien auf Wunsch der englischen Delegation ein« Entschließung an- genommen, wonach die Tür zu Verhandlungen mit den russischen Gewerkschaften offen bleibt. Die deutschen Konnnunisten haben es zuwege gebracht, daß man m Rußland diese Tür krampfhaft verschlossen hält. Der Berichterstatter der KPD. fügt mit cincr Offenheit hinzu, die wirklich überraschen muß, daß die vor- gesehen« Taktik der„Einheitsfront" nichts anderes sein kann„als der Versuch, den Keil zwischen die englische Gewerkschastsr.pposition und den Amsterdamern weiterzutreiben sowie die Differenzen im Lager der Amsterdamer zu vergrößern". Also die Herstellung der Einheit der Gswerkschetften, wie sie Ruth Fischer versteht, ist die Vergrößerung der Uneinig- keit der Arbeiterschaft. Es ist notwendig, daß unser« Ge- nassen in den Betrieben und ,n den Organisationcn diejenigen gut- gläubigen Arbeiter, die den Kommunisten noch nachlaufen, auf diese Tatfachen aufmerksam machen. Sie müssen- allen, denen die Einheit der Arbeiterbewegung am Herzen liegt, die Augen darüber öffnen, daß die KPD. nichts anderes will und nichts anderes tut, als die Arbeiterschaft gegeneinander zu oerhetzen und da- mit notwendig gegenüber den Unternehmern zu schwächen. Herr Dr. Brauns beliebt zu scherze». Das Wolff-Bureou oerbreitet„schon" das Resultat der Erhebung des ADGB. über die Arbeitszeit in Deutschland und bemerkt dazu: „Ein Drittel der Betriebe mit etwas über die Hülste der bcschäs- ttgtcn Personen machte Gebrauch von der— insbesondere in den neuen Tarifverträgen gegebenen— Möglichkeit, die 48-Stundenwochs durch Uebcrstunden zu verlängern. Das beweist, daß die Behauptung. in Deutschland besteh« überhaupt kein Achtswndentag mehr, nicht aufrechterhalten werden kann." Dies«„neueren Tarifverträge" sind zum guten Teil von den Arbeitern abgelehnte, vom Rcichsarbeitsministerium verbindlich erklärte„Schiedsspruch e", die den Arbeitern auf- gezwungen wurden, nicht ohne daß sie dagegen gekämpft hoben. Wenn das noch nicht überall gelungen ist, so ist das wahrlich nicht das Verdienst dieser„neueren Tarifverträge" des Reichsarbeits- Ministers, die in Wirklichkeit Vergewaitizungen der Arbeiterschaft und die Beseitigimg ihres Mitbestimmlmgsrechts mit Hilfe des Staates sind. Schiedsspruch für die Banschloffer. In einer Versammlung der Bau-, Geldschrank- und Möbel» lchlojser berichtete Branchenleiter Fuchs über die letzten Lobnver- Handlungen mit dem Schutzverband der Berliner Schlossereien. Zu einer Einigung ist es nicht gekommen. Die Arbeitgeber lehnten jede Lohnerhöhung ob und begründeten ihren Standpunkt mit der Kredit- not und dem schlechten Geschäftsgang. Von der Branchenleitung wurde daher der Schlichtungsausschuß angerufen. Dieser fällte einen Schiedsspruch, der eine Gesamtlohnerhöhung ab» lehnt, jedoch besagt, daß eine Bauzulage von 6 Pf. für die Klaffen l bis 3 und 4 Pf. für die Klaffen 4 und 5 bewilligt wird. Geldschrankmonteure erhalten für Fahrstunden außerhalb der Arbeitszeit einschließlich eine Stimde vor Abgang des Zuges 50 Proz. vom Lohn. Im übrigen bleibt es bei dm bisherigen Ver- einbarungen. Trotzdem von den Arbeitnehmervertretern die Unsinnig- keit dieser Staffelungen klargelegt wurde, blieb es bei dem Spruch. Einstimmig nahm die Versammlung folgend« Enffchließung an: „Die am 23. Juli in den Sophiensälen tagende Branchen Versammlung der Bau-, Geldschrank- und Möbelschlosser nimmt Kv-nrnrts von dem Schiedsspruch, der den Kollegen keine L o h n c r b.ö>n>.>» g bringt, trotzdem in der letzten Zeit Lebensmittel und Miete gestiegen sind. Die Branchenversarnmlung beauftragt die Ortsoerwadung und Branchenkitung, sobald als möglich neu« Schritte zur Lohnerhöhung vorzunehmen." Zum Neichsmanteltarif der(«semeindearbeiter. Wie bereits mitgeieill, ist der neue Rdchsmantelrarif für die Gcmeindearbeiter Deutschlands in Kraft getreten, nachdem der Reichs- arbeitsminister die Verbindlichkeitscrklärung ausgesprochen Hot. Der neue Tarif enthält in be.zug auf die Entlohnung der Arbeiter, soweit sie reichstariflcch geregelt ist, einige Aenderungen, di« sich in der Praxis wie folgt auswirken werden: Für Sonntagsa'rbeit wurde bisher ein Zuschlag van 50 Proz. zum Lohn gewährt. Nach dem neuen Tarif wird zwischen planmäßiger und nichtplanmäßiger Sonntcgsarbeit unterschieden. Die nichtplanmößige Sonntagsarbeit wird auch weiterhin mit einem Zuschlag von 50 Proz. bezahlt, während für planmäßig« Sonntags- arbeit nur noch 25 Proz. Auffchlag berechnet werden. Di« alten Tarifbcstimmimgen, die di« Bezahlung der Feiertage, di« in Wechcnarbeitstoge s allen, festlegten, sind auch in den neuen Tarif üb:rnommen worden. Geändert ist aber die Bezahlung der an diesen Wochenfeiertagen geleisteten Arbeitszeit. Während früher Arbeiter, di« an den genannten Feiertogen arbeiten mußten, nicht nur den Feiertag wie jeder ander« Arbeiter bezahlt erhielten, sondern dazu noch ihren vollen Lohn, werden in Zukunft nur noch 50 Proz. des tarif- lichcn Lohnes gezahlt. Diese Verschlechterungen find u. a, mit Ver- anlossung dafür gewesen, daß der Gemeinde- und Staatsarbeiter- verband den Reichsmanteltarif abgelehnt hatte. Eine Derbefferung ist bei der Bezahlung der Krankheitstage eingetreten. Bisher erhielten die Gcmeindearbeiter in Krankheitsfällen zu ihrem Kranken- peld einen Zuschuß an Lohn, und zwar derart, daß im Höchstsoll« ein Wocheneinkommen von 80 Proz. des Arbeltselnkominens erzielt wurde. Dabei wurde das Krankengeld mit sieden Tagen gerechnet. Nach dem neuen Tarif werden nur noch sechs Tage in Anrechnung gebracht. Das Wocheneinkommen erhöht sich dadurch um den Betrag des Krankengeldes für«inen Tag. Die englischen Bauunternehmer sperren auS. London, 24. Juli. sWTB.) Di« Unternehmer des Baugewerbe» haben heilte beschlossen, die bisher aufgeschobene Verkündung der Aussperrung endgültig nach Sonnabend in Kran treten zulassen. iE- muß allerdings abgewartet werden, was dabei herauskommt. Etwa die Hälfte der englischen Bauarbeiter befindet sich gegenwärtig im Streit, während die andere Hälfte, entgegen der Anordnung der Unlernehmerorggnlsation, zu neuen Bedingungen arbeitet.) Verantwortlich s»r Volitiki Ernst Renter: Wirtschaft: Artnr Saternn», Gewerkschaftsbeweguna: I. Steinet; Feuilleton: Dr. John Schikow-li: Lokale» und Sonstiges: Walter Trojan: Anzeigen: Th. SlaSc: sämtlich in Berlin, Verlag: Vorwärt»»Verlag G, m. b. ch.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Vcrlagsanstolt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. chierzn 2 Beiloge». telieitsmittel Verkauf soweit Vorrat Rotfears IKabiiau Pfund lüf ohne Kopf, Im Ganzen »Pf. /itf/' Pfand Fl. bülOFU MM Fl. 00 Frisches Fleisch Kalbskamm................................ pf.»d 65p/ Kalbskeulen............................... piw 7Spr Hammelfleisch(Dickeßippe)p.»»ck 75pf. HammelrQcken u.-keule.?/»»<> La Schweinebauch»>,»«»«»-e«........... pfu°d 80?/. Schulterblatt u.Schinken mitBPtä 85p, Schweinekbpfe............ p/� 28? Gefrierfleisch la Ochsenfleisch............... pfd 45? la Hammel-Vorderfleisch �65?« la Hammelkeulen«..rar»......... pf°°d 70 mmmmmBrnrnmammmammaamammamamm Pf. 95 90 jo/iMtlstiirmio 4 00 Q5 rptt vorzügl. sässe Qual.,v.\FI. 9 10 FL er torragoM p weist, nrxüglieh PI. Ä SonmngartMr p roter spart. Sässwein, ljl FL Schmelzschokolade........... 28 Holländischer Kakao<»0».�,..... p/und 80?/. Sonderangebot l Seelachs Pfand 18, 2S 10 FI. 00 10 FL 20°° 00 "Z'z? 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Man glaubt durch verlockende Preis« hier noch ein Geschäft machen zu können ?nd rechnet mit den Leuten, die nicht alle werden. Nachstehend einig« Beispiele, die beweisen sollen, wi« man schnell und leicht sein arsch.:rsn, in denen von 3 Uhr ab die Dolksfeiern stattfinden. Am Abend finden in den einzelnen Stadtteilen von diesen Lokalen aus Fackelzüge statt. Arn Montag, den 11. August, findet am Vormittag die von der Reichs regierunn veranstaltete Feier statt. Am Abend bewegt sich vom Kimigsplatz aus ein großer Fackelzug, an dem mehr als 20 000 Fackelträger teilnehmen, die Linden entlang, bis zum Alexanderplatz. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bittet alle Republikaner, cs nach Kräften in seinen Vorbereitungen zu unterstützen. Die Jyeier des Verfassungstages in den Schulen. Wie in den vergangenen Jahren wird, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, auch in diesem Jahre der V e r« fassungslag durch eine Feier in sämtlichen Schulen begangen werden. Im Anschluß an den Beschluß des Preußischen StaatSministeriu« hat der Preußisch« Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung angeordnet,.daß in einer würdigen Feier auf die geschichtliche Bedeutung diese? TagcS ein- gehend hingewieicn wird'. Unterricht findet an diesem Ta g e n t ck t statt. Wo der 11. August in die Ferien fällt, ist bei Beginn der Ferien, oder, wo das nicht mehr möglich ist, bei Wiederbeginn des Unterrickts eine entsprechende Feier z» vrrmt- stallen. fiuf üer Spur öes Irauenmörüers. Der Taler ohne Zweifel der Stiefbruder der Ennordctea. Das Ergebnis der neuesten Nachforschungen, die die Kriminal. kommissar« Geißel und Johannes Müller uiücr Ausnutzung aller polizeilichen Hilfsmittel, auch des Rundsunks, mit ihren Beamten anstellten, ist, daß als Täter niemand anders mehr in Be- tracht kommt als der Stiefbruder der ermordeten Frau Luise Rösler, der 35 Jahr« alte aus Duneyken gebürtige Poljzeioberwacht- nreister Gustav Rebsdah der bei der Schutzpolizei in Hannover an- gestellt war, dort Aintsgelder unterschlug und deshalb schon steck- brieflich gesucht wird. Man wüßt, zunächst nicht, wer der Mann war, der di« letzten Ii Tage bei Frau Rösler sich aufhielt. Jetzt steht bestimmt fest, daß es ihr Stiefbruder, der genannt« Oberwachlmeister Rebsdat aus Hau- nover war. Jetzt ut festgestellt, daß er noch am vergangenen Sonn- abend in dem Hause ln der Leibnizstraße 10 und in der Wohirung der Ermordeten gewesen ist. Wäre er nicht der Täter, so hätte er sich jetzt sicher schon gemeldet. Rebsdat wird nun von der Mordkvrn- misflan mit allen Mitteln gesucht. Der Verfolgte ist 1,75 Meter groß, hat schwarz«» krause? Haar, dunkelbraune Augen und ein« «neffallend dunkle Gestchtsfarbe. ging bisher glatt rasiert und tragt einen Schtapphut oder«in« blau« Seglertuchmütze mit einem Ab- zeichen und einen abgenutzten blauen oder grauen Anzug. Er spricht außer Deutsch auch gut Französisch. U«ber sein Vorleben konnte fest- gestellt werden, daß er eine Abenteurernatur ist, eine Art verbum- melteo Genie. Wieviel Amtsgelder er als Ob«rwachtmeister der Schutzpolizei in Liannooer unterschlug, ist noch nicht bekannt. S-tt rrehreren Wochen war er flüchtig. E» ist anzunehmen, daß er schon mtt dem Gedanken nach Berlin gekommen ist, sich von semer Stief- schwester auf irgendein« Weise Geld zu verschaffen. Zuletzt hatte«r sie vor 5 Jahren besucht. Vor 1k Tagen taucht« er plötzlich in d;• Leibnizstraße wieder auf. Jetzt erzählte er, er sei Kriminalbeamter und von seiner Behörde mit einer ganz besonders schwierigen und geheimen Untersuchung betnaut. Rebsdat ist aber nie Kriminattie- amter gewesen, verfolgte auch kein« Spur, wurde vielmehr selbst als ungetreuer Oberwochtmeifter von Hanuover(in■ rp Tvn„gc Hernien Auftrag" erfand er wohl nur, um seiner Stieffchw.fiu. s-'ne Lebensweise«rnärlich zu machen. Er kam nämlich selten vor 3 Uhr früh, öfter auch die ganze Nacht nicht nach Hause. Geraubt har der Mörder 200. Renten mark in Silbergeld. 23 omerikcmischo Dollar, ein« rote Brieftasche Mit etwa 30 M. Papiergeld, ein Fa- nülienatbum und 3 Flaschen Sekt. Alle diejenigen, die Rebsdats Bekanntschaft gemacht haben, vielleicht unter einem anderen Namen, werden ersucht, sich lmverznzlich bei den Kriminalkommisiaren Geißel und Johannes Müller im Zimmer 50 des Polizeipräsidiums zu meKen. Auch diejemgen, die wissen, wann und wo in den letzten Tagen aufsallend viel Silbermünzen in Zahlung gegeben oder umgewechsett worden sind, ferner, wo die geraubten 3 Flaschen Sekt getrunken worden sind und mit welchen Frauen ein Mann wi« der beschriebene Beziehungen angeknüpft oder anzuknüpfen versucht hat. ftlt muß sie sein.... Ein mehr als eigenartiges Gefühlsleben scheint in dem kaum zwanzigjährigen Arbeiter Paul B. aus Potsdam zu stecken. V.. der schon wegen Sittlichkeit? verbrecheas vorbestraft ist, mußte sich in der letzten Sitzung des Potsdamer Schöffengerichtes wegen Vergehens gegen die§§ 177 und 176 Abs. 1 oerantworten. Ter Angeklagte hat ein« ausgesprochene Vorliebe für alte Frauen. Im Mai diese« Jahres traf der junge Mensch in Nedlitz bzw. Fohrland eine 55 jährige und später«ine 60jährige Frau. Er belästigt« sie in unflätiger Weise, versucht« die Frauen zu vergewaltigen und be- drohtc/sie mit dem Tode. Der als Sachverständiger geladene Kreis- arzt, Medizinalrat Dr. Geißler, gab sein Gutachten dahin ob, daß der Angeklagte ein geistig nicht ganz vollwerttgcr Mensch sei. Alte Frauen scheinen auf den Angeklagten einen besonderen Anreiz aus- zuüben. Den Z 51 hielt der Sachverständige aber nicht für anziehbar. Das Urteil erging auf 1 Jahr 6 Wochen Gefängnis unter Zubilligung mildernder Umstände. Von juristischer Seit« wird uns zu dem Urteil geschrieben: Das Gericht hat durch sein wenig verständliches Urteil weder dem unglücklichen jungen Menschen in seinen sexuellen Nöten ge. Holsen, noch für die Sicherheit alter Frauen in Zukunft gesorgt. Es handelt sich in diesem Fall zweifellos um einen ausgesprochen abnormen Menschen. Das erstemal war er wegen«xhibitto- nistischer Hcmdlungen vor schulpflichtigen Mädchen mit Gefängnis bestraft worden; nun ist er es für Vergewaitigungsoerfuche an alten Frauen. Es war« natürlich unzulässig gewesen, ihm den§ 51 zuzubilligen und ihn hinterher laufen zu lassen. Ebenso lmzulässig er- scheint es aber, ihn ins Gefängnis zu stecken. So steyt die Oeffenttich- keit immer wieder vor der Frage: Wie schützt man di« Ge- setlschaft vor sexuellen Verbrechern? Man tut« in ketoer Weise und züchtet so Ungeheuer wie Großmann und Haar- mann heran. Auch die begannen ihre Laufbahn der Unzucht sver. brechen in dem kritischen Alter von 18 bis 20 Jahren; auch ihnen sollte das Gefängnis die erforderliche Heilung bringen. Was aus ihnen geworden ist und was sie aus ihren Opfern gemacht haben, ist ja bekannt._ Des Ehrenobermeisters Enüe. So rühm- und klanglos sich das Ende des einstmals mächtigen Präsidenten der Handswerks kämm« r, Karl Rahardt, gestaltet hat, so unbemerkt ist auch der Prozeh gegen ihn verklungen. Und doch vor- dienen es die beiden Rahardt-Prozess«. daß wenigstens einige Moment« aus der Unmasse des zusammengebrachten Sittenmaterials der Kriegs- und Nachkriegszeit für die zulünsttgen Geschlechter zu- sammengesaßt und festgehalten werden. Rahardt war 19 Jahre Obermeister der T schlerinnung. dann Präsident der Handwerkskammer. Als rechtsstehender Mittelstands- reiter, als Beschützer des Handwerks ffihrte er einen zähen und rücksichtslosen Kampf gegen die Gewerkschaften, gegen die Tarife, für niedrige Löhne und lange Arbeitszeil. Deshalb fand e: auch gebührende Schätzung durch die„allerhöchste" Slell«, und so wurde er als erster Vertreter des Handwerks von Wilhelm dem Letzten in das Herrenhaus berufen. Der selbstherrliche Herrscher Deutschlands hatte das notige Verständnis für den selbstherrlichen Beherrscher des Handwerks. Und wie Wilhelm in seinen manischen Macht- und Ruhmgelüsten mit die Schuld am Weltkrieg trug, so loderte in seinem Herrenhausmitglied Rahardt die verheerend« Flamm« der Habgier auf; sich auf Kriegskosten zu bereichern. D>« Nachkriegszeit mit der Liquidation der verschiedenen Heeresbestände vervollständigten diese« Bild. Es begann ein Tanz um dos goldene Kalb. Dabei waren die rücksichtslosen Nutznießer der Kriegs- und Nachkriegszeit, dazu ge- hörte Karl Rahardt mit Sohn und Anhang. Nutznießer war selbst der Reichskommissar Schimmel, waren all die Deutschen und jetzt Ausländer, di« in Danzig und nicht allein in Danzig frei herum. laufen dürfen. Diese» Sittenbild«inwandsrei, in großem Ausmaße nochmals ausgemalt und festgehalten zu habe», ist das Verdienst der beiden für den Staat so kostspieligen Rahardi-Prozesse. Rahardt bat einen zähen Kamps gegen die Hebung der Lebens- Haltung und somit gegen den kulturellen Aufstieg der Arbeiterklasse geführt. Dem durch die wirtschaftliche Entwicklung zum Untergang rerurteilten Handwerkerstände wollte er auf Kosten der Arbeiter neuen Aiem einhauchen. Reaktionäre Gewallen begünstigten ihn in diesem Kampf, indem Kriegslieferungen in erster Linie dem so viel- fach kriegsfneundlichen kleinen Handwerter zugingen. Und Rahardt wurde fiir seine Verdienste mit Ehren überschüttet, wurde zum Ehrenobermeister erhoben. Er aber trieb in den letzten Jahren Günsttingawirtschaft. Und als dos Volt einschließlich Handwerk — das früher zum Teil durch Kriegevorbereitungen fein Dasein fristet«— nun durch den Krieg in» ungeheure Unglück gestürzt wur- den, da üble der Ehrenobermeister Verrat an seinen Schützlingen: sein Geld verwandt: er zu eigenen Zwecken. Allein über 2 400 000 Goldmark flössen in die Kasse seines Sohnes. Untreu«, Bestechung, Betrug, KettenhndÄ und wie alle die juristischen Dinge heißen mögen, wurden ihm zur Last gelegt. Der Sittenschilderer der Zeit wird an Rahardt und Genossen nicht vor- übergeben dürfen. Sein Name wird neben manch«, anderen zum Raffie-Typus der Kriegs- und Nachkriegszeit werden. Das Urteil im Rahardt-Prozcß rechtskräftig. Do. sowohl die Angeklagten als auch der Staatsanwalt auf«in« Berufung gegen das vom erweiterten Schöffengericht Mitte erkannte Urteil verzichtet haben, ist dasselbe nunmehr rechtskräftig geworden. Karl Rahardt hat inzwischen genau drei Viertel der gegen ihn ver- hängten Gesamtstrafe verbüßt. Infolgedessen haben die Rechts- anwötte Dr. Roetter und Dr. Rausnburg den Antrag gestellt, ihm die Rfffftrafe mit Rücksicht auf sein hohes Alter und seine Kränk» lichkeit auf dem Wege der bedingten Begnadigung zu erlassen. Der versihwunSene Artist WUkett. Auch ein Opfer des Massenmörders haormann? Die Verbrechen des Massenmörders Haarmann in Hannover beschäftigen jetzt auch die Berliner Ktiminalpolizei in 8 Fällen. Mi der Nachprüfung dieser Fäll« ist 5rtiminalkonimissar Strome betraut wgrden. In 7 Fällen von vermißten jungen Männern läßt sich noch nichts sagen. In einem Falle aber erscheint Haarmann bereits dringend verdächtig, den Vermißten beiseite geschafft zu haben. Es ist dies ein Arbeiter und Artist Friedrich W i l k eei. der seitMarz dieses Jahres verschwunden ist. Witten erschien eine? Tages bei dem Vorsitzenden seines Vereins in Hannover, den er kennen gelernt hotte, und klagte ihm seine Notlage. Er sah sehr abgerissen aus und hatte keine Arbeit. Der Vorsitzende nahitt sich ieiner an und sagte ihm, er wolle sehen, ob er ihm Arbeit verschafsen könne. Während dieser Unterhalmng kam zufällig ei» Mann dazu. der sich Geheimagent nannte. Dieter erbot sich, sich um eine Stellung für Wilkrn zu bemühen und nahm ihn gleich mit. Der Vorsitzende, dem die Sache mit dem Geheimagenten und seiner Stellenvermitilung doch nicht so aonz sicher vorkam, gab dem jungen Manne zwei Mark mit aus den Weg und bat ihn, ihn gleich zu benachrichtigen, wenn er etwas gefunden habe, oder wenn nichts daraus geworden sei. Willen ließ aber nichts von sich hören. Roch drei Tagen traf ihn der Mann zufällig auf der Straße. Er war jetzt neu eingekleidet und erzählte, der Geheimagent wolle ihm«ine Stelle als Landarbeiter im Holsteinischen verschaffen. Seitdem hörte er nichts mehr von Witten. Jetzt ergab sich, daß dieser Geheimagent niemand ander» war als 5? aarmann. Sollte jemand über den Verbleib Wiltens etwas wissen, so wird er ersucht, Kriminal- tommisicr Sttewe im Berliner Polizeipräsidium Mitteilung zu machen. Reichswehr als Ttraheuräuber? Am Sonitag, den 2 0, Juli, abends l0>s Uhr, gingen 7 Mit- glieder der„Sozialistischen A r b« i t c r»Ju g e n d", die mit anderen eine Tagesfahrt gemacht hatten, auf ihrem Heimwege durch die Kirchhofftratzr in Fürstenwalde. Sie führten ihren Jugendwimpel mit, wi« ihn alle Jugendorganisationen haben. An der Ecke Kirchhof- und Holzstraße vor Turnhalle I stellten sich ihnen 5 Reichswehrsoldaten vom Reiter-Regi- m e n t Nr. 9 entgegen. Sie oriffeir sofort noch dem Wimpel und ließen sich trotz der in aller Ruh« vorgebrachten Proteste nicht davon Dss Rundfunkprogramm. Freitag, den 25. Juli. Tageseintoilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Kentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Ohr: VorbSrse. Nachm. 12.S5 Uhr: Uebermittelnng des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr; Nachriobtendienat. Naehm. 2.15 Uhr; Börsenbericht. S,30— 7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik(Berliner Pnnkkapelle). 7,30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Max Heidler:.Etwas vom Stanbwischen". S Uhr abends: Vortrag des Herrn Ilegiorungsrats Dr. Zacher:.Schädlingsbekämpfung vom landwirtschaftlichen Standpunkt". 9— 10 Uhr abends: Konzert. 1. Larghetto, Nardini. Nicolas Lambinon(Violine), ä. a) Die Mutter an der Wiege. b) Conzouetta, e) Niemand hat's geseh'n, Loews, Dora Bernstein- Börner. S. Gedichte, Wedekind, Kurt Gerroo(Rezitation). 4. a) Dio Spröde, Spanisch es Volkslied, b) Gondoliera, Brüll, c) Das mitleidige MadeL Philipp, Dora Bernstein- Börner. 5. Polonaise A-dur, Wieniowsky, Nicolas Lambinon(Violine). 6. Gedichte, Otto Sommerstorfi. Kurt Gerron(Rezitation). 7. a) Winterlied. KoC. h) Sirtnade d'amour, Waldau. Guido Gialdini(Kunstpfoiker). Am Steinway-Klügel: Kapellmeister Otto Uraok. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnaohrichtea, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten. abhatte», den Wimpel abzureißen. Ne faßten dabei auch' gleich an das Seitengewehr und Hütten bestimmt gegen die Jugendlichen blank gezogen, wemi diese ihr Sträuben gegen dieseir Diebstahl fortgesetzt hätten. Dieser Vorfall ist dem Regimentskommandeur des Reiterregiments Nr. 9 unter Beschreibung des Haupttdters und der Namensnennung eines uninteressierten Zeugen mitgetcilt worden. Weiter hat der Re i ch s w e hr m i n i st c r von der „Sozialistischen Arbcilerjungend", Ortsgruppe Furstenwalde, einen Bericht erhallen und man darf gespannt sein, was die hosfentuch recht bald eingeleitet« Untersuchung für ein Ergebnis bringen wird, Die Arbeiter- Kulturwoche in Leipzig. Eine Heerschau und ein« großzügige Zusammenfchssung alles dessen, was sich immer stärker mit dem Wort Arbeiter-Kultur ausdrücken läßt, findet als eine Arbeiter-Kultunwoche in den Tagen vom 1. bis 6. August in Leipzig statt. Das Programm wird sich wi« folgt gestalten: � Sonnabend, den 2. August, abends: Begruhungsfeier im großen Saale des Leipziger Dolkshauses._ Sonntag, den 3. August: Morgenfeier der Jugend in der Alberthall«. Aufführung von Toller-„Wandlung". Montag, den 4. August: Reichskonferenz der Vezirtsbildungs- ausschüsfe, Reichstagung der Studenten Tagung des Reichsausschusses der Arbeiterjugend Deutschlands, zweite Aufführung dar „Wandlung" in der Alberthall«. öffentliche kulturelle Kundgebung (Löb«, Radbruch, Bohm-Schuch u. a.). Dienstag, den 5. August: Kulturkonfer«nz. Besichtigung der Buch- und Kunstausstellung. Mittwoch, den 6. August- Lehrertag oder Besichtigungen. Schluhfeier„Samson" von Haendel. Chorwert durch den Volts- chor Leipzig. � �. Um möglchist großen Kreisen der Berliner Geaosjen di« Teilnahme zu ermöglichen, werden zwei Gesellschastssahrten veranstaltet. Die eine geht am Sonnabetidnochmittag 3,10 Uhr vom Anhalter Bahn- Hof ab und am Sonntagabend 7 Uhr von Leipzig zurück. Teil- nehmerkarte einschließlich Fahrt, Festteilnahme, Uebernachten, Mit- tag- und Abendessen 18 M. Di« zweite Fahrt umfaßt die ganze K u l t u r w o ch e. Rückfahrt Donnerswg ftüh Teiln«hm«rtarte, ein- schließlich Hin- und Rückfahrt, Teilnehmer- und Eintrittskarten, fünf- mal Uebernachten, Mittag- und Abendessen 33 M. Wenn die Teil- nahm« Benutzung eines Sonderzuges zur Hinfahrt ermöglicht, Ab- fahrt nachmittags 2 Uhr, Ankunft in Leipzig 5 Uhr und ent- sprechende PreisermStzigung. Meldungen nehmen schon jetzt entgegen(bis spätestens 30. Juli): A. Wunderling. Karlsbad 4(Tel.: R-llendorf �171), Leonhard Zucht. Frankfurter Allee 313 IV, H- Blenke. Naunynstr. 91, Metscher und Peiers, Wtttenbergvlatz 3, Allgemeiner Verband der Bank- angestellten. Französische Str. 21, Buchhandlung Paul Große, Petersburger Str. 42, Buchhandlung R. Schwarz, Jägerstt. 61, Vodwärts-Buchhandlung. Lindenstr. 3, A Horfch, Ziaarrengeschäft. Engelufer 24(Eewerkschastshaus), Tabakverttiebsgesellschast, Insel- streß« 6, Wilhelm Klein, Riederschöneweide, Spoeestr- 10. Paul Dolk- mann, Oberschöneweid«, Deulstr. 13. A. Wunderling, Friedrichs- Hagen, Diktoriastr. 18a._ Der»Prinz von gsenburg�. Der Hochstapler mit politischem Einschlag. Große Schwierigkeiten bereitet« den Behörden die Entlarvung eines Schwindlers, der unter hochtönenden Namen auftrat und lange Zell zahlreiche Hotels und Autofirmen brandschatzt«. Der 4. großen Ferienstraflammer des Landgerichts I wurde der Kaufmann Alexander Rogg« vorgesührt, um sich wegen zahlreicher Le- trügereien zu verantworten. Der Angeklagte wollte aber unter keinen Umständen Rogg« sein. Dazu hatte er seine guten Gründe, denn dieser Rogge bot ein ganz respektables Strafregister auszuweisen, er ist Ichon wegen Be- trug? und Rücksalldieostahis mehrfach vordestrast. Unter seinen Vor- strafen ist auch ein Betrugssall, den er als Angestellter des Restaurants im Reichstag begangen hat, wo er die Abrechnungen mit den Kellnern vorzunehmen hotte und dabei große Unterschlagungen beging. Nach Verbüßung dieser letzten Slrase hatte sich Rogge auf das Gebiet der politischen Hochstapelei gelegt. In Bayern war er in Osfiztersunisorm aufgetreten und nannte sich Prinz Hans Horst von Pfenburg- B ra u n f e l s und ähnlich. Im November hatte er im Hotel Bristol in Berlin Zimmer bfftellt und war dann auch dort mit„seinem" Auto vorgefahren. Er tat sehr geheimnisvoll und gab an. daß er aus gewichtigen Gründen inkognito reisen müsse und wünscht«, Oberleutnant Baron von Ohr aus Rürn- berg genannt zu werden. Nachdem er es sich in dem Hotel hatte mehrere Tage gut sein lassen, fuhr er nach Hamburg. Dort lieh er das A»to im Stich und verschwand wobei er auch wieder vergaß, die Rechnung zu bezahlen. Das Auto hatte er von einer Automobil- tirma entliehen und mit Scheck- auf eine Mittelstandsvank in Rürn- berg di« Leihgebühr bezahlt. Hinterher erwiesen sich die Schecks als ungedeckt. In Hamburg«nUieh«r von einer Automobilfirma wiederum ein Auto, angeblich, um einen Staatskommissar ans Würzburg abzuholen. Diesmal trat er als Polizeileutmant auf. In lustiger Fahrt ging es nun nach Würzbürg, München und Kastel. Dos Aulo schickte er von hier zurück und tauchte dann in Berlin auf, wo er sich ein neues Auto entlieh, angeblich um aus Koburg «inen Gefangenen abzuholen. Vor Gericht bestritt der Angeklagte mit aller Enischiedenheit, mit Rogge identisch zu sein. Er blieb dabei,. daß er der Prinz Isenburg sei urd gab als seine Mutter«ine Prin- Zession Maria Martha v. Hohenlohe-Schillingssürst an. Diese Rolle spielte er auch weiter, als ihm«nigegcngehalten wurde, daß sein eigener Vater, der Photograph R. In ihm seinen Söhn wiedererkannt hätte. Eingeräumt wurde von ihm nur. daß er auch den Paß und den Namen Rogges benutzt habe, weil dieser ihm ähnlich seh«. Unter falschen Namen habe er auftreten müssen, da er in geheimen Missionen als Verbin dungsosfizier und Partei- sekretär der nationalsozialistischen Arbeiter- parte! zwischen Nord- und Süddeuffchland hin und her reisen mußt«. Außerdem werde er vom Staatsgerichtshos wegen seiner Beteiligung am Kapp-Pnisch und an der Ermor- dung von Rosa Luxemburg gesucht. Aus der Beweieauf- nahine ergab sich, daß der„Prinz" sehr häufig zufällig kein Kleingeld bei sich hotte und dann auch noch die Geschäftsführer der Hotels und Autofirmen anpumpt«. Staat-cmwalffchastsrat Latte bezeichnet« den Angeklagten als einen Kavalierver- b rech er, der nicht bloß mit dem ainen gerichtsbekannten„großen Unbekannten" arbeite, sondern gleich mit einer ganzen Legion von Unbekannten. Entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts kam di« Berusungsstrafkammer zur Bestätigung der gegen Rcgg« vom Schöffengericht Mitte erkannten Strafe von 3 Jahren 6 Mona- t e n Gesängnis._ Schwer bestrafter SandeSverrat. Vor dem Ersten Strafsenat de« Kammergericht« unter Vorsitz von KammergerichtSrat Geh, Justiziat Gräber hatten sich der Maltose (Verwaltung«gast) Rölwer und der Angestellle BurgSdorf wegen gemeinickiaftliche» vollendeten Lciiidrtverrats zu veraniworten. Die Ang-klagtcn wurden schuldig beiunden, an Frankreich ge- Heime Dienstbücher über da? Marineluflfabrwesen verlaust zu haben und wurden zu je a ch t Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Aefluahme elne« Dllsillng». Nachmittag« wurde der 39 Jahre alte Monteur Kurt Heiuicke au? der Linienstraße im Walde gegen- über der Slrafanstalt Plötzenlee von Spaziergängern dabei be- troffen, als er mit einem sechsjährigen Mädchen unsittliche Hand- lungen vornahm. Er wurde festgehalten und der Polizei übergeben. Erneuerung See Straßenbahn. Di« Berliner Straßenbahn wrackt jetzt alle älteren ausgemnsterten Wagen ab. Die Eisenteile werden als Schrott verwandt. Es sollen rund 400 neu« Trieb- und 600 neu«?lnhöng«wagen ganz neuer Konstruktion und von leichterer Bauort, aber nichtsdestoweniger größerer Fassungskraft, nach Fertigstellung in den Betrieb«ingestellt werden, der dadurch ein« ganz wssentUche Förderung schon in der nächsten Zeit erfahren wird. Dann wird die Drängelei zu gewissen Zeiten«in Ende nehmen. Ferner traten am 22. Juli bei folgenden Linien Fahr- plana, iderungen ein: 1. Die Linie 13 Gotzkowskistrahe Ecke Turmstraß«— Bahnhof Frankfurter Allee wird in zwei Linien ausgeteilt, indem jeder zweite Wagen dieser Linie von der Frankfurter Allee unter der Linien-Nummer 113 nach dem Lichtenöerger Stadtteil Boxl)agen-Rummelsbllrg durch die Boxhagener Straße, Marxstraße, Karlshorfter Straße, Prinz-Albert- Straß« bis zur Lück-Srraß« bzw. zurück über Stadthausstraße, Vittoriastraße. Türrichnndlstraß« geführt wird.— 2. Anstelle der Lin i« 87 Steglitz-Stadtpark— Köpenick werden zwei Linien sc im IZ-Minurenverkehr«ingerichtet, und zwar L'irie 87 Köpenick— Behrenstroße. Eck« Markgrasenstraß«(Linienführung ab Leipziger Straße über Charlottens! rofze, Französifcheftr., Markgrafen- straße, Behrsnstraßc.) Lim« 88 Bahnhof Treptow— Steglitz-Stadtpark. Nach Bedarf werden die Züge bis Damnfchulenweq durch- geführt.— 3. Die Abfahrtszeiten der Lmi« 01 ab Stadtpark Steglitz werden zwei Minuten ipäter gelegt.' Dank des Reichspräfidente« an das gastliche Oesterreich. Der Reichspräsident hat gestern den Landeshauptmann Burisch und den Landesrat shelmer des Landes Niederösterreich empfangen. Die Herren sind anläßlich der Rückkehr des letzten Sonderzuges mit deutschen Kindern aus Niederösterreich nach Berlin gekommen. Im Laufe eu»es Jahres hat das Land Rlederö st erreich an- nähernd 25000 deutsche Kinder aus allen Teilen des Reiches bei stch ausgenommen. Die letzten Kinder sind jetzt neuge- kräfttgt und völlig ausgestattet zurückgekehrt. Der Reichspräsident hat den Vertretern des Landes Niederösterreich den herzlich st en Dank des deutschen Volkes für diese umfassende Hilf« in schwerer Zeit zum Ausdruck gebracht. Auch Reichskanzler Marx hat die Herren«mpfairgen und namens der Reichsregierung feinen D»er Adresie versehen dem Vezirkssekretorlat, Lindenstr. 3, baldigst einzureichen. heule. Fretkax, den ZS. Juli: 4t. und 48. Abt. g'll Uhr Treffpunkt aller Parwigeuossen zrorcks wlchicher Mi». Iciiuuaen im Reichcnberger S>of, Acicheiilicraer 61c. 147, in. Abt. Stiebauui. PUukttich Tfc Uhr bei der Ecuofstn Sodann, Kacfcrallcc 33, 114. Abt. Lichtenberg. Süf fllr heute angekündigte stnnkiirmSrsonferru, ftndrt erst 14 Tage wättr■-m Ueisi&ssch die&Mheriihm R1J1VD' DICK in tinveFmtcierfefGiM® mm MßHK I �ugenöveranftaltungen. ®es Landh«»« am Qiteaif« steht fem Iuqmdqenossen unfe.Genossinnen füc fei'Sericncufenthott am 1. August zun Verfügung. Bei Anmeldung must gleich. MtZv«ine Akontozahlung gemacht werden. Anmeldungen nimmt das Jugend- WSreZoriat, Lindenstr. Z. entgegen. Dieieniaen Zugendgenossen, fei« am Zstitteldeutfchen Jugendtag(2. bis K. August) in Leipzig teilnehmen wolle», müssen sich bis heut«(Freitag) unter »dichzeitiger Bezahlung der Teilnehmergebühr von l,— M. im Iugendlekretariat «nnclden. Sonalog, den 10. August: r Berfaffnnqsscier in G rohen Schauspielhans. Karten87 Ubr Bahnhof Beusselstr. Am Sonntag, den 2 7. Juli. Partie der Frauenabt. Abfahrt 8 Uhr Zstahnhof Putlitzstr. Fahrgeld(0.50 M.) ist bis Freitag, den 25. Juli, an Gen. Macha abzuliefern. Donnerstag, den 31. Juli, 7 Uhr. Borstandssitzung bei Pilz, Rostocker Str. 27. Geschäftsstelle: Erich Richter. RW. 21. Wiclcfstr. 20._ Vnefkasten der Redaktion. «. c. 100. Wir sind nicht in der Lag«, Ihre Fragen zu beantworten. Vielleicht Reichswchrministerium. �»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»W»»» WM sliester. UMWeie mv. - MMM»»»»»»»»»»»«»»» W»»»»»»» WM Vv ktrsbübae 8 i)t>r: D. Xreurelsobrelder klnte rn/ Karl. Eiliwr La.Pcalert/ Emil U»4 �alteSerfo/ llü» S«te-Sarti -Staats-Theater Opernhaas am K&nlgsplatz Täglich?Vt tlhr; PCrstcnkind TOeatsch. Theater Sommers plelzeit .tWtnn; Staat» aad ümm Tägl. 8 Ühr: NnWalberti.MaiUnda in €1«bleute Komisdie Oper 8 Uhr Kor noch 6 Tage 8 Uhr Sie tanzende Prinzessin von Walter Kollo Parkett 1.50-&.0Q Mark fifflßeMsoperSLÄi r�v, uhr: Der Troubadour (Sommerpreise) �iaannerapiel e Somraerspielreit OfeMm: Staad ond Lanier Tägl. 8 Uhr: .Akeorg Alexander änKthnmelblättchen. Tk-LAdmiralspaloei »/,«.: üakrfetzrl. Wim II Monate noMi. uf ihm Spittztaa r igt die grolle Revue üntbnes Tb. 8 U. tQastänTWlTistlersp. ackkkfe /:Maebtllchter Befehl -Metropol-Th. »U.;D.Wcltschiager JSaseottchen .'TribSne 8 Uhr: Doktor Stieglitz -Lobe/ Ebelsfaacher lesldenzTh. �Ltg.:AIIr.Bcierle Tägl. 8 Uhr ffinkemann Outscheln bis 27. Juli 1-4 Personen ■SO", ErmäBltiinj "lisii-M« Tägl. 8 Uhr: Anatol 'Sltastsp. v. Schaitzlei Outscheln bis 27. 3 uli 1—4 Personen aJM%BrmälSlguns ;Jl8se-Theater "S Uhr: Lehmanns Kinder Gartenbühne T/z M&dl Tbester s.KoiUMiä».Tof k Täglich 8 Uhr: Eilte- san�r 1 Oro Bärtiges I Jnll- pregramn u.«4 vi- i.lstllntz««ab des fettmararsebol Täglich 8 Uhr: IkllljVLs fiktoria- Dönhoff-Brettl i Anf. 7V2, Sonnt. 5 U. •«r. Varicld- Progr Tatelwag., Gewichte, tilKish Preise. L indes Lage Georg Wngner KllpenickerStr. 7 J Kein LedciNESiiiäfl* Keine Schaufenster- Reklame, dafür vre- sentl.blliigerePreise Toigii- Hl /a BOtzaloiirtcrl j gingsmrt&ULÜ* MikM Freitag und Sonnabend; 2 Volkstage Eintritt SO PVg. iKonzert•> Feuer werkj 1 Voll er Betrieb mit sämtl. j I Sensationell a. Attraktion«| Beginn 4 Uhr Sonnabend« den 26. Juli: i Konzerf d.Deiitoii-Gester.tiedertafeii |L L M. Berkin E.'l4» Dresdener Str. 118 Hierdurch laden wir die Genossen zu der am 0. Anglest 1024, abend» 7 Uhr, im großen Saale des«emertfchnst» Hanfes. Engelufer, stattfindenden ein und bitten pünktlich und zahlreich zu crfchewen. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Vorlage der Bilanz 1923. 3. Entlastung des Borftande, und de» Aussichtsratrs. 4. Neuwahl. 5. Organlfationsfragen. 8. Verschiedenes. Es wird darauf hingewiesen, daß üaltlich um 7 Uhr die Bcrsammlrmg er» ffnet wird, ohne Rückficht auf die Zahl der Erschienenen. Oer Borfinnfe. gez. Schlöstnger. gez. Hoffmann. Montag, de» 26. Fall, abends ? Ahr, in den„Gerianninfnlen", Ghansseestrahe 110: Versammlung-*a aller Funktionäre und Seirieb,»!»- deiegierten au» de« Seltlebe», welch« dem SSigZ. augesihlosseu sind. Tagesordnung: l. D'e Lohn regelung der Berliner Metallindustrie. 2. Arbeitsnachweisfragc. Zahlreiches Erscheinen unbedingt nol wendig. MO" Zutritt nur gegen Borzeignne des Mitgliedsausweises einer zum. Metall kartell gehörenden Gewerkschaft und der mit dem Siempcl VBMI. versehenen Legitimationskarle. vas Mekallkartell. wW>iöII-i!Wd»M in bester Lage, passend zu jedem Geschäft, fortzpgsnalber für 8000 M. bei 3—4000 M. Anzahl. 7U verkaufen. Zurzeit Motor- u F ihrradhandlung. Friedrich Heltner, bllai i. Iah.. Sauimlr. 37 NU seit 3 Jahren an gelblichem mm Täglich Gr. Konzert Tledcunst- Ausslelfs!' Bad Läebanwerda Fernruf 151(Krals-Eisenmoorbad) Provinz Sachsen Anerkannt starkes Moor! Glänzende Heilerfolge bei Frauenleiden Rheumatismus, Gicht, Ischias, Nervenleiden Die Heilanstalt ist vollständig erneuert — Ganzjährige Kurzeit— Auskunft erteilt die Badedirektion Iah r es sx K a u De u 1 1 c ti c» r Arbeit ■■XTIK AU S STELLUN6 n i s 2 h. Was trinken wir? Kühle Limonaden, selbstbereitet aus Reichels Llmonaden-Sirnp-Exlralden Himbeer, Kirsch. Citronen-, Orangen-Aroma etc. Köstlicher Frucht- geschmack. Der Kinder liebstes Getränk. Vorzüglich auch als Spei- senbeiguß. 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Recht so, liebe Leute, wählt nur üeutschnationol, Sann wirö es besser werüen— für uns! Sozialpolitik mit Stanöal. D«r N eich stog hat gestern. Donnerstag, zunächst einen An- trog der Notionolsoziolisten auf Einstellung eines gegen ihren Abg, Stelter eingeleiteten Strafverfahrens dem Gefchäftsordnungsaus- s6)uß übermiefen, Abg, Koh(Komm.) oerlangt die sofortig« Beratung eines kam- rnunistifchen Antrags auf Aufhebung des Verbotes der..Nicderfächf. Arbeiterztg." in Hannover, Er sagt, Oberpräsident N o s i e habe am Mittwoch noch der Rückkehr von feiner Nivierareife unter frechem Bruch von Recht und Gefetz die Geschäftsräume dieser kommuni- ftifchen Zeitung geschlossen und die Zeuung verboten. Roste sei an Hoormanns Verbrechen mitschuldig ufw. Ein Strolch und Vor- b r e ch e r wie Roste, der sich in Hannover in allen Spelunken be rinnt reibe, dürfe unmöglich länger Oberpräsident bleiben' und Severing nicht länger Minister.(Lebh, Beifall b. d. Komm. Große Erregung b, d, anderen Parteien.) Präsident Wallraf ruft den Abg. Katz wegen dieser Schimpfe- reien zur Ordnung und fragt, ob der sofortigen Beratung des kom- niuniftifchen Antrags widersprochen werde. Als Abg. Katz darauf schreit, er möchte sehen, wer da zu widersprechen wage, erhebt Abg. Müller- Franken(Soz.) Widerspruch und verhindert damit die sofortige Beratung des Antrages. Die Kommunisten antworten mit stürmischen Pfuirufen und umdrängen die in ihrer Nachbarschaft fitzenden Sozialdemokraten, nehmen anderen Sozialdemokraten die Plätze weg, so Katz dem Abg. Dittmann: als Dittmann Katz weg- schiebt, um feinen Platz frei zu bekommen, schreien die Kommu- nisten, sie seien geschlagen worden, so daß es den Anschein hat, als sollt« es zu tätlichen Anseinanderletzungen kommen. Der Lärm dauert minutenlang an. Präsident W a l l r a f ersucht die Kommu- nisten wiederholt vergeblich, die Plätze einzunehmen. Er droht die schärfsten Geschästvordnungsmittel an. Schließlich tritt Ruhe ein, und der Reichstag geht zur Fortsetzung der sozialpolitischen Aussprache über. Abg. Ziegler(Dem.) wendet sich gegen die Ausführungen des notionolsozicriistischen Porredners vom �Rittwoch: Mit demagogischer Perfammlungsreden ist keine gesunde Sozialpolitik zu machen. Wir müssen in der Sozialpolitik endlich aus dem Zustand der Per- o r d n u n gspolitik herauskommen. Wir bedauern sehr, daß die Re- gieunq bei der Erwerbslosenfürsorg« der Verdoppelung der Familien- Zuschläge nicht zugestimmt hat. Der Gesetzentwurs über die Arbeits- loienoerstcherung sollte schleunigst«ingebracht werden, damit endlich die vielen Verordnungen aufhören, die von den verschiedenen Stellen verschieden ausgelegt werden. Wir bedauern es, daß die Invalidenrenten nicht mehr erhöht werden konnten. I Abg. Schwarzer(Bayer, Vp.) erklart, angesichts des Notstandes der Wirtschaft sei es nicht m ö g l i ck. wie in der Vorkriegszeit die an sich berechtiaten sozialpolitischen Forderungen in vollem Um- sang zu erfüllen. Im Ausschuß sei die richtige Linie der Mitte ge- künden worden, Di« Anträge der Kommunisten und National- sozialisten sind unduränührbar und riechen stark nach Agitation, Abg. Borrmann(Wirtsch, Vgg.) verlangt Vereinheitlichung der Sozialgesetzgebung. In der Unzahl der Gesetze und Verordnungen könne sich kein Mensch mehr auskennn. am wenigsten die Gewerbe- treibenden und Handwerker. Abg. Stock(Dtschkoz.) hält eine wirksame Sozialpolitik für un- möglich, solange das arbeitende deutsch« Volk schmachte unter dem Druck der Zinsknechtschaft, unter der Ausbeutung durch das jüdische Wucherkapital und unter der Drangsalierung durch den Feindbund. Damit schließt die allgemeine Aussprache. In der Einzelberaiung zur Invaliden- und Unfallversicherung wendet sich Abg. Hartz(Dnatl.) gegen die Antrage der Sozialdemo- kraten und Kommunisten. Er stimmt den Ausschußanträgen zu. Abg. Karsten(Soz.) vergleicht den Abg. Stock mit einem Dorszirtusdirektor. Er rede große Worte, vermehre aber dadurch die Not der zum Krüppel Ge- schosienen ins Ungemestene. Der Redner beschwert sich darüber, daß die pnsallverhütungsvorschristen gar nicht beachtet würden. Für die Not der Sozialrentner hätten all« Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten nur schöne Worte gehabt. Die ,!0tw«,d!gen Summen seien aufzubringen, die Unternehmer hätten die Mittel dazu. Die Perdoppelung der Vermögens- ste u�er sei notwendig: man habe eben nur zu wählen zwischen der Schtmiinj} der großen Vermögen und der Hilf« für die Hun- gernden. Die Verantwortung für dos Elend der Rentenempfänger falle auf die notionali st ischen Kriegshetzer,(Lärm rechts.) Abg. SIetter(Komm.) bezeichnet die Ausschuhanträge als furcht- bare Enttäuschung sür die Sozialrentner, die von diesem Reichstag Hilfe in ihrer Not erwarteten. Abg, Esser(Ztr.) tritt für die Ausschußanträge ein. Der sozialdemokratische Antrag auf Erhöhung der Tan- tiomensteuer wird dem Steuerousschuß überwiesen. Nach Ablehnung der übrigen Anträge werden die Ausschuß- antrage zur Invaliden- und Unfallversicherung in zweiter Lesung angenommen. Di« sofortige dritte Beratung wird durch den Ein- spruch der Kommunisten vereitelt. Gegen t»« Kommunisten kommt darauf aus der Mitte der Rufe„Arbeiterfreund«!"' In der Einzelberatung der kriegsbefchädiglenfragen weist Abg. Budjuhn(Dnatl.) die Behauptung zurück, daß die unzu- reichend« Versorgung der Kriegsbeschädigten durch die Sabotage der Kapitalist. ü verschuldet sei. Die deutsche Wirtschaft habe die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit bereits überschritten. In Rußland werde für die Kriegsopfer noch weit weniger gesorgt.(Widerspruch und Lärm b. d. Komm.) Abg. Rotzmann(Soz.): Bon der ursprünglich weithin im Balte verbreiteten opf.rwilligen Begeisterung für die Kriegsopfer sind heute fast nur noch Worte Übrig geblieben.(Lärm rechts.) An die Stelle der Opferwilligkeit ist kalt«, nüchterne Berechnung getreten: man hat) im Bürgertum Geld genug, um Pcätorianergarden gegen die Republik auszurüsten, aber sür die drei Millionen Kriegsbeschädigten hat man nichts mehr übrig. Es ist den Kriegsopfern nicht verborgen geblieben, daß die rückläufige Bewegung in der Bersorgung der Kriegsopfer zeitlich zufammenmfällt mit dem Beginn der sozialen und politischen R e- a k t i o n. D.r Rodner polemisiert dagegen, daß die Regierung mit Hilfe der Personalabbauverordnung die Bestimmungen außer Kraft gesetzt hat, wonach wegen privaten Einkommens die Renten nicht gekürzt werden sollten und daß sie andere Ver- schlechterungen eingeführt hat. Die heutig« Kaufkraft der R.nten bleibe hinter der beim Inkrafttreten des Reichsverforgungs- gcsctzes im Mai 1020 um m e h�r als SO Proz. zurück. Der da- malige Zustand muß wiederhergestellt werden. Der Redner warnt vor einer weiteren Klassifizierung der Renten, etwa durch stärkere Staffelung der Ausgleichszulagen. Er bedauert, daß der Jinanzminifter mit einer Sabinettskrifis drohte, um die Deutsche Bolkspartei zum llmfall zu bringen in der Frage der Aufwertung der A b' i n d u n g für die nur 20 Proz. Beschädigten. Der Redner schließt mit einem Bekenntnis der Kriegsopfer zu den staatsbürgerlichen Freiheiten und zum Frieden. Nur zum Kamps gegen die Reaktion seien sie bereit, die Waffen zu ergreifen. Inzwischen haben die Kommunisten ihren Einspruch gegen die dritte Beratung der Anträge zur Unfall- und Invalidenversicherung zurückgezogen. Ohne Debatte werden nunmehr die Ausschuß- antrage dazu in dritter Beratung endgültig angenommen. Di« Einzelberatung der Kriegsbeschädigtenfragen wird dann fortgesetzt. Die Abg. Dr. Bockius(Ztr.) und Thiel(D. Vp.) betonen, daß der Ausschuß der Finanznot des Reiches Rechnung tragen mußte. Mit weitergehenden Anträgen, die nur der Agitation dienen, sei den Kriegsbeschädigten nicht gedient Abg, Oberst a, D, Ahlcmann(Natsoz.) führt aus, für die Kriegsbeschädigten sei bisher überhaupt nichts Positives getan worden. Der Redner schließt dann unter allgemeiner Heierkeit seine Auseinandersetzung mit den Kommunisten folgendermaßen:„Na also, wollen wir uns wieder oer tragen!" Zu Lärmszenen kommt es, als er L u d e n d o r s s rühmt und die Sozialdemokraten und Kommunisten sich durch Zuruf« und Lachen dagegen wenden, Die Nationalsozialisten bringen lebhafte H«il!-Rufe auf Ludendorsf aus, die Kommunisten antworten ironisch„Heul!" Erst nach längerer Zeit legt sich der Lärm, um sich zu wiederholen, als der Redner persönliche Angriffe gegen den- Abg, Dr, V r e i t s ch e i d(Soz.) richtet, die jedoch auf der Tribüne unverständlich bleiben. Abg. Dr. heuß(Dem,) betont, die verwickelte Frage der Kriegs- beschädigtenfürsorge könne nur nach einer genauen Darstellung der G.e s a m t l a g e gelöst werden. In dieser Frage dürfe nicht um de» Parteivorteils willen mit agitatorischen Mitteln gearbeitet werden. Der Redner tritt für die Zlusschußanträge ein, ebenso Abg. Loibl. (Bayer. Vp.). Abg. Kunze(Dffchsoz.) wirst den Sozialdemokraten vor, sie hätten es niemals ernst gemeint mit der Erfassung der Kriegs- und Inslationsgewinn«! Sonst könnle die Sozialdemokratie nicht die gegenwärtige Regierung unterstütze». Di« Erfassung dieser Gewinne würde die nötigen Mittel zur.Hilse für die Kriegsbeschä- digtenfürsorge bringen. Wenn die Industrie aus ihren Inflations- gewinnen S Milliarden nach dem Sachverständigengutachten anS Ausland geben kann, dann muß aus diesen ungerechten Inflation»- und Kriegsgewinnen auch das Geld für die viel dr i n ge rrtrosrns Aufgabe der Kriegsbefchädigtenfür sorge Zu-lkS?« schaffen fein. Damit schließt die Einzelberatung. Während der persönlichen Bemerkungen kom es zu stürmischen Auftritten. Abg. Rotzmann(Soz.) stellt persönlich gegenüber den Kommunisten und Völkischen fest, daß durch seine Bemühungen statt 2S Millionen, wie zuerst beab- sichtigt war, 87 Millionen sür die Kriegsopfer herausgeholt worden feien. Den Völkischen erwidert er, daß für 40 000 Offiziere 180 Millionen Mark Pensionen ausgegeben würden. Nicht weniger als lb Mitglieder der nationalsozialistischer. Reichstagssroktion be. ziehen Pensionen von der Republik. Ludendorsf allein Z2 000 Goldmark im Zahr. Diese Fraktion ist dos rein« porlamentarische Pensionat. Abg. Dr. Vreitfcheid(Soz.) fordert den völkischen Abg. A h l e m a n n auf, sofort seine Be- hauptung, er habe in Paris Landesv-rrat getrieben, zu spe- 3 ifi zieren und ferner seine Behauptungen außerhalb des Hauses so zu wiederholen, daß er gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden könne. Abg. Ahlemann(Natsoz.) zieht sich sofort feige zurück. Er erklärt, er habe von seinen Freunden gehört, daß Breitscheid zu Beginn des Ruhrkampfes einmal im Reichstag gesagt habe, die Sozialdemokraten vertreten nicht die Interessen Deutschlands, sondern der Welt. Abg. Dr. Breitscheid(Soz.) stellt fest, er habe damals unter stärkstem Protest gegen die Ruhr- Politik Poinearäs erklärt, daß die Sozialdemokraten mit ihrem Kampf gegen den Ruhreinbruch nicht nur Deutschlands Inter- essen, sondern die Interessen der Welt vertreten. Abg. Ahlemann(Natsoz.) erklärt nun, er werde jetzt fest- stellen, was Breitscheid damals gesagt habe. Abg. Dr. Breitscheid(Soz.) erwidert, damit sei erwiesen, daß Ahlemann die schwerste verleumderische Beleidi- gung gegen einen deutschen Abgeordneten ausgesprochen habe, ohne die geringsten Unterlagen zu haben. Erst jetzt wolle sich Ahlemann bemühen, Beweise für seine Behaup» tungen zu beschaffen! Die Sozialdemokraten nannten den Ahlemann wiederholt einen Feigling, einen Verleumder und einen Schuft. Auch in der Mitte des Hauses wurden stürmische Pfuirufe gegen A h l e m a n n laut. Gegen 9 Uhr wird beschlossen, die Abstimmungen auf heute, Freitag, zu vertagen, aber die Einzelberatung der Erwerbs, lefenfürsorg« noch vorzunehmen. Nachdem ein Redner gesprochen hatte, beantragt Abg. Esser(Ztr.) Vertagung der weiteren Debatte aus Freitag. Kommunisten und Deutschnational« protestieren dagegen, daß durch eine Ueberrumpelung die urspnügliche Zusage der Erledigung der sozialpolitischen Debatte am Donnerstag gebrochen werden solle. (Sie können die politische Debatte nämlich nicht erwarten.) Während der erregten Debatte, die sich im schwachbesetzten Saal abspielt, wird aus den Reihe» des Zentrums Abbruch der Sitzung durch Anzweiflung der Beschlußfähigkeit erreicht. Vizepräsident Dittmann beraumt gegen 10 Uhr die nächst« Sitzung aus hente, Freitag, 12 Uhr mittags, an. Auf der Tages- ordnung steht neben kleineren Vorlagen auch der N o t e t a t.(Pol» tische Debatte.) Wivtfdyaft Erntekreüite für Sie Lanüwirtsthaft. Da der Landwirtschaft die 870 Millionen Wechselkredite, die nach der Ernte fällig sind, zum größten Teil verlängert werden sollen, ist die Frage aufgetaucht, wer diese Wechselkredite verwalten soll, zumal es der Rentenbank nicht gestattet ist, nach ihrer Ablösung durch die Goldnotenbank neue Transaktionen vorzunehmen. Es log bereits vor Wochen ein Entwurf über Umwandlung dcr Rentcnbonk in ein Agrorkreditinstitut vor. der aoer zurückgezogen wurde. Ueber die neu« Regelung erfahren wir von un-terrichtetcr Seite, daß be- rcits eine Tochterbank geschaffen worden ist, der die Vermal- tung der Wechselkredite der Landwirtschaft übertragen wird. Di« Währungshypotheken der Landwirtschaft bleiben als Sicherheit für di« Wechselkredite bestehen, und die neue Bank, die den Nairiei� „Agrarbank" erhält, soll di« 870Millionen Wechselt redit� in drei Jahren abzahlen. Sie wird eine Geschäftstätig- keit entwickeln, in der sie als Bank der verschiedenen, meistens ge- nossenschaftlichen Geldinstitute auftritt, die Kredit an die Landwirt- schuft vermitteln. Die Existenz dieser Bant ist auch bereits im Sach- verständigengutachten vorgesehen. Viel erörtert werden in letzter Zeit auch di« neuen Wechselkredit« der Seehandlung an die Landwirtschaft. Dieser neue Kredit, der aus Kosten der Reichsbank geht, soll bestimmungsgemäß den kleinen Landwirten zugute kommen. Da die Kredit« aber auch über die großen Banken laufen, befürchtet man in weiten Kreisen. daß die Kleinen auch diesmal wieder zu kurz kommen werden. Im Anschluß an die Meldung über den neuen Wechselkredft wird amtlich mitgeteilt: Auf Grund von Verhandlungen, die das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit der Reichsbank und der Pveußi- schen Staatsbank geführt hat, find der Landwirtschaft für die BergungderErnteKredite bereitgestellt worden. Di« hierfür verfügbar gemachten Geldbeträge werden an die Preußische Zentral-Genossenschaftskasse, di« Deutsch« Girozentrale, die Zentral- Landschaft und die Zentrale der Landesbanten bzw. die Staats- danken der Länder weitergeleitet. In Uebereinstimmung mit den Wünschen der Landesregierungen werden die genannten Organi- sationen für die Weiterleitung des Kredites Richtlinien erhalten. damit bei der Inanspruchnahme und Bewilligung des Kredites«ine entsprechende Berücksichtigung der Landwirtschaft der einzelnen Län- dcr gesichert ist. Da es sich bei der eingeleiteten Kreditaktion um«ine Maßnahm« zur Behebung eines besonderen Notstandes handelt, ist den den Kredit weiterleitenden Kreditinstituten zur Bedingung gemacht worden, daß dcr Zinssatz, den der letzt« Kreditnehmer zu zahlen fyxt, grundsätzlich 13 Proz. sein soll. Die Gewährung von Krediten für die Bergung der Ernt« er- folgt im Rahmen der verfügbaren Mittel für di« Landwirte, welche Genossenschaften angeschlossen sind, durch dies« Organisationen, für diejenigen Landwirte, welche mit diesen Organisationen nicht in Geschäftsverkehr stehen, durch die öffent- liche» Sporkassen, die landschaftlichen Banken und diejenigen öffentlich rechtlichen Kreditanstalten(Landesbanken, Staatsbanken), welche von den Landesregierungen bezeichnet sind, Kreditanträge an Zmtralstellen wie an das Rnchsninistemim für Ernährung und Landwirtschaft, an das Preuß.scke Ministerium für Landwirtschaft, Daniänen und Forsten, an die Preußische Staatsbant und die Preu» ß'sche Zentral-Genossenschaftskasie sind zwecklos und können nicht be- friedigt worden. JörSerung von lanüwirtschastlichen Sieülungsbauten. Eine Bekanntmachung des preußischen Landwirtschaftsministers und des Ministers für Volkswohlsahct regelt die Verwendung der Hauszinssteuer, soweit sie Neubauten aus dem Land« zugute kommen soll, folgendermaßen: Die für die landwirtschaftliche Neubautätigkeit besonders zurück- gestellten öffentlichen Milte! sind bestimmt zur Gewährung von Hypotheken(Hauszinssteuer-Hypotheken) auf landwirtschaftliche Neu- siedlungen, die im Jahre 1924 von provinziellen Siedlungsgesell- schaften oder unter Mitwirkung der Landeskulturbehörden zur Seßhaftmachung von Flüchtlingen errichtet werden. Diese Hypotheken sind nur für solche Neusiedlungen zu bewilligen, die ganz oder hauptsächlich ohne fremde Arbeitskräfte bewirtschaftet werden können: es bandelt sich also haupstächlich um Stellen mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von% bis 15 Hektar, Für Landorbeiterwohnungen, zu deren Förderung ander- roeitig Mittel zur Verfügung stehen, werden Hauszindsteuer-Hypo- theken nicht gewährt, ebenso nicht für Behelfs- cmd Notwohnungen sowie Wcrkwohnungen. Die Höbe der Ihauszinssteuer-Hypothek soll 3000 Goldmark je Wohnung nicht übersteigen, in besonderen Fällen kann sie jedoch bis auf 5000 Goldmark erhöht werden. Die Sicdlüngs- Unternehmer haben aus dem ihnen zum Zweck der Förderung der Neubautätigkeit zur Verfügung gestellten Betrage wenigstens so- viel Wohnungen zu finanzieren, als bei Zugrundelegung eines Durchschnittsbetrages von 4000 Goldmark je Hypothek erreichdar ist. Die Erntragung der Hypothek in das Grundbuch hat zu- gunsten des preußischen Staates auf Goldbasis nach den jeweils geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu erfolgen. Die Hauszins- fteuer-Hypolhek ist mit 3 Proz, zu verzinsen und mit 1 Proz. jährlich— unter Zuwachs dcr ersparten Zinsen— zu tilgen, Don der Tilgung kann für die ersten zwei Jahr? abgesehen werden. An tröge auf Gewährung von Hauszinssteuer-Hypotheken sind an den Landeskulturamtspräsidenten zu richten. Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 22, Juli berechnete Großhandelsindexzifferdes Staiistifchen Reichsamts ergibt gegenüber dem Stande vom 15. Juli(117,3) einen Rückgang auf 114,5 oder um 2,4 Proz,, der vor allem durch di« Senkung der Getreide- und Kohlen-(Braunkohlen-)preise herbeigeführt wird. Von den Hauptgrnppen sanken die Lebensmittel von 104,7 aus 102,0 oder um 2,6 Proz., davon di« Gruppe Getreide und Kartoffeln von 94,2 auf 90,1 oder um 4.4 Proz, die Jndustriestofse von 140,8 auf 137,8 oder um 2,1 Proz,(davon di« Gruppe Kohle und Eisen allein um 3,4 Proz,). Di« Inlandswaren gaben von 109,1 auf 105,0 oder um 2.8 Proz. und die Einfuhrwaren von 158,1 auf 157,1 oder um 0,6 Proz, nach, Zahlungsunfähig durch veschlagnohmungen von Besatzung». behörden. Tie seil mebr als 5l) Jahren bestehende, im Eiiengroß- bandet eine führende Stellung einnehmende Firma L. Weil u. Reinhardt A.-G. Mannheim ist infolge der feit über Jahresfrist andauernden Veicklagnahme ihrer Lager durch die Franzosen in ZablungSschwierigkeiien geraten. Da der Status im übrigen aktiv ist, bat die Firma Stellung unter GefchäftSaufstcht beantragt. Kanadas Einfuhr nach Deutschland. Kanada führt« im Haus- Haltejahr 1924 nach Deutschland Waren im Werte von 16 154 000 Dollar aus. Dies bedeutet eine Zunahm« von 6 0 Proz. gegenüber den Exporten von 1923 uns 200 Proz. gegen- über denjenigen von 1922, Der Wert der Einfuhr nnrd auf 5 380 000 gegenüber 2 568 000 im Vorjahre beziffert. Eine nenosfouschaftlsch betriebene Saline besitzt die Groß ein- kaufsgesellschaft franzosischer Konsumvereine. Sie liegt in Emville-Maixe(Meurthe-et-Moselle), 6 Kilometer nörd- lich von Luneville. Es befinden sich dort zwei Salzwerk«, in denen das Salz durch sogenannt« Sinkwerke gewonnen wird. d. h. es werden Rohr« in die Erde bis auf die Salzschicht, 150 Meter tief, m diese Süßwasser eingeleitet, dos das Salz austöst, und als Sole wieder hevausgepumpt, D'e Sole, die auf ein Liter Wasser 300 Gramm Salz enthält, wird auf groß« Pfannen geleitet, wo das Wasser verdampft wird. Um grobes Salz zu gewinnen, wird das Wasser auf 80 Gvad erhitzt: das Salz bleibt je nach der Größe der Körner 9 bis 96 Stunden in den Pfannen, bis es gezogen wird. Beim Sieden sondern sich di� unreinen Bastandteil« als Schaum ab, während sich di« schwer löslichen, namentlich Gips, an den Wän- den der Pfanne abscheiden und den sogenannten Pfannen- oder Hungerstein bilden. Um reines Salz zu gewinnen, wird die Sole in besonderen Apparaten auf 150 Grad erhitzt und das Salz fort- während gezogen. Alle» Salz, das nicht blendend weiß ist, also nicht zur Nahrung verwandt werden kann, wird zu industriellen Zwecken verarbeite!. Es werden fremde Bestandteile beigemischt: für di« Gerbereien Naphthalin, für die Brauereien Teer, für Küh- lungen Eisenoxyd usw. Di« Salin? Einvill« erzeugt täglich durch- schnittlich 500 Zeniner Salz, das in großen höl.�rnan Kam- mern bis zum Versand gelag-.-rt wird Heute werden die Genossen- schaften von Nord- und Nordostsrankreich und Belgien mit Einviller Salz versorgt. Jede Genossenschaft hat nach dem Salzumsatz Ge- schäftsanteiie zu zeichnen, die m>t 4 Proz, vcr.zinst werden, und erhält, bei Bolleinzahlung der Anteile, je Sack Salz ein« Rückver- gütung von 1 Frank, Ersatz dcr englischen Reparalionsabgabe an deutsche Exporteure. Für die Reparationsabgäb«, di« von der englischen Re- gierung in Höhe von 5 Proz. de» Warenwertes auf Waren er- hoben wird, die fett dem 26. Februar 1924 in England eingeführt worden sind, wird den deutschen Exporteuren nunmehr ebenfalls eine Entschädigung durch IT- Schatzcmweislmgen cwwährt. wie sie bisher als Entschädigung für die 26p! ozentige englische Reporations- obgabe ausgegeben word?n sind. Das Reichskommissariat für Re- parcmonsliefeninqen, Abr-ilunq Friedensvertrag. Abrechnungsstelle, wird bemüht sein, die K-Schaizanweisungen für di» bisher nur gutgeschriebenen Ent schä digurig s be rräg« mit möglichster Beschleuni- gung auszugeben. Bei der aroßen Anzahl der Empfongsberechtig- ten wird die Zustellung.«doch einig« Zeit beanspruchen. Polen setzt seine Anssuhrabgoben für Hol; herab. Nach einem im Handelsministerium ausgearbeiteten Entwurf sollen die Aus- fuhiobgaben auf Laubholz in Polen ermäßigt werden. Doi: 5 Schilling pro Kubikmeter wird die Abgabe ouf 3,5 Schilling herabgesetzt werden. Diese Maßnahm« wird mit Exportschwierig- keiten und mangelnder Nachfrage nach Hartholz seitens polnischer Säaemülsten begründet. ' Riefige Preistreibereien an dcr Ehicagoer Börse. An der Chicazoer Weizenbörse sind im Laufe der letzten Woche, wie«ine Meldung aus New Dork besagt, rund sechs Millionen Pfund bei der Preistreiberei des Weizens gewonnen worden. Tie Summe dcr Vreisvermehrung des Getreides wird auf 200 000 Pfund geschätzt. Die gesamte GetreideanSfubr auS den Vereinigten Staaten und Kanada in dcr letzten Woche betrug 2,1 Millionen BushelS, gegenüber drei Millionen in der vergangenen. Wetter für Berlin»nd Amgegend: Plellach heiter aber noch veränderlich. Keine oder unerhebliche Niederschläge. Am Tage elwaS wärmer als geüern. Nachmittags wieder tübi. Ziemlich lebhafte westliche bis nordwestliche Winde. —(für Deutschland: Oftwäns fortschreitende Besserung deS Wetters. HEVITAN Vitamin- Nährprftparat nach i Prof. Dr. Rcyher Bewihrt de! nervösen-:!rllnj-en. Appetit und Körper jevrlctit ncnmcn zu— Waclisiuiniördernd bei Kindern und SäURlInc« PCMrährt bei Ernährungsstörungen derselben In Apotheke und Drogerien, sonsi direkt von der Sarotti-Akt.-Gas, Berlin-Tempeihof. :«n, en �JePreisherabsebSto Nur® aerren-Anziige S. l. 3 teilig, in guten Stoffen, hervorragende Verarbeitung.. 19.S0 ülerren-Anzilge S. II. in sehr guten, modernen Stoffen, gute solide Verarbeitung 25.- Herren-Anzttge S. III, Gesellenarbeit aus besonders guten Stoffqualitäten. 29.50 Herrcn-Sommer-Näniel S. 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