nt.34$> 41. Jahrgang Musgabe A Nr. 17$ Bezugspreis: SIchentlich 70Eol!>pfenuig, monaMch Soldmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzbond für Deutschland. Danziz, Saar» und Memelgebret, Oesterreich, Litauen, Luxemburg tÄ> Goldmark, für das übrig« Ausland 5,50 Soldmari pro Monat. Der..Vorwärts' mit der Sonn lag». deUoge„Boll und geit' mit„Sied. Iimg und Kleingarten'. sowie der Unterhaltungsbeilage �eimwelt' und ffrauenbeiloge„Frauenstimme' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: »Sozialdemotrat Berlin' Morgenausgabe Vevlinev VolksblÄkt c lOGoltipleimig 109 Hiliiarden Anzeigenpreise: SS« einspaltige NonpareMe- Hile 0,70 Goldmark, Rellamezeilc t.— Sold mark.«Kleine Anzeigen' das fettgedruckt« Wort 0,20 Sold- mark liulässig zwei fettgedruckte Wortes, jedes weiters Wort 0,10 Soldmark. Stellengesuche dos erste Wort O.lO Soldmark. jedes weitere Wort 0,05 Soldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzsigen für Abonnenten geile 0,30 Soldmark. Win« Soldmark— ei« Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächst« Rnmmer müssen bis tlbUhr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin EW 68, Linden» strosteZ, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der SoziaUUmokratifcben Partei Deutfchlands Keöaktion und Verlag: Sw öS, tinüenftraße Z Oetrniitreihtf Sledaktiou: Dönhoff SVS— LSS «sernfprecyer.« � �, Dönhoff«soa— BS»? Sonnabend, den Juli 19Ä4 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SN) H8, Linüenstr. Z Postscheckkonto: Berlin 375 36— Bankkonto: Direktion der Diskonto. Gesellschaft. Depostteukasse Linden str aste 3 Au Kampf und Mbwehr bereit! Scheidemanns Reichstagsrede. Die Deutschnationalen wollten unbedingt noch vor der Abreise der deutschen Delegation nach London eine außenpoli- tische Debatte im Reichstag provozieren, nicht etwa, weil sie sich davon irgend einen Nutzen für die deutsche Sache versprechen,� sondern weil sie ihren Wählern in irgendeiner Form vor- gaukeln müssen, daß sie gegen die Außenpolitik der Reichs- regierung„Opposition" machen. In der fünften Abendstunde, nachdem der Reichstag be- reits seit 19 Uhr vormittags tagte und schon neun Punkre der Tagesordnung erledigt hatte, füllte sich wieder der Saal, der bis dahin nur sehr spärlich besetzt gewesen war. Unter höhnischen Zurufen der äußersten Rechten verlas zunächst der Abg. Feh- r e n b ach im Namen der bürgerlichen Mittelparteien eine Er- klärung, die lediglich besagte, daß diese Parteien die von den Deutschnationalen geforderte Debatte in dem jetzigen Stadium der außenpolitischen Entwicklung für unzweckmäßig hal- ten, daß sie im übrigen die auswärtige Politik der Reichs- regierung billigen. Danach ergriff der Reichskanzler Dr. Marx das Wort zu einer noch kürzeren Erklärung, in der er auf seine Programmrede vom 4. Juni hinwies und im übrigen betonte, daß die Reichsregierung die Persailler These der Alleinschuld Deuschlands am Kriege entschieden verwerfe. Damit war von vornherein dem ganzen deutschnationalen Vorstoß die Spitze abgebrochen und die deutschnationale .Llktion" ins Wasser gefallen. Denn eine von der numerisch stärrsien Partei des Reichstages unternommene Akiion, von der Reichsregierung und Koalitionsparteien so deutlich bekunden, daß sie sie für so überflüssig und schädlich halten, daß sie daran nicht teilnehmen wollen, war von vorn- herein der Belanglosigkeit und Lächerlichkeit verfallen. Rur eins noch hätte das Jnteresie der Oeffentlichkeit für den deutschnationalen Vorstoß retten können, das wäre eine Aufsehen erregende rhetorische Leistung des deutschnationalen Hauptredners gewesen. Aber die fast anderthalbstündiaen Ausführungen des Herrn B e r n d t, seines Zeichens deutsch- nationaler Bürgermeister von Schöneberg, erregten nicht Aus- sehen, sondern grenzenlose Langeweile.. Mit mo- notonem Pathos fetzte er olle Kamellen über die Ent- stehung des Krieges lang und breit auseinander, die, da sie sorgfältig zusammengestellt waren, den Eindruck erwecken sollten, als wären alle Staaten und Völker der Welt schuld am Kriege, nur das kaiserliche Deutschland nicht. Den Deutschnationalen kommt es nämlich in erster Linie darauf an, das kaiserliche Regime reinzuwaschen, Für sie ist der Kampf gegen die Schuldlüge in der Hauptsache ein Mittel der Propa- ganda für die hohenzollernsche Monarchie. Und weil dieser Zweck immer wieder in Erscheinung tritt, wenn Deutschnationale über die Schuldfrage reden, deshalb wird es auch in dieser Frage eine Einheitsfront um so weniger geben können, als gerade diejenigen, die am lautesten gegen die Schuldlüge reden, am meisten Anlaß hatten, über dieses Kapi» tel zu s ch w e i g e n.. Als Herr Berndt unter allgemeinem Aufatmen und nach wiederholten Glockenmahnungen des Präsidenten nach längst überschrittener Redezeit seinen Platz wieder einnahm, da hatte man den Eindruck einer absolut verlorenen Zeit und einer gänzlich überflüssigen Debatte. Als indessen Genosse P h i- lipp Scheidemann an das Rednerpult trat, änderte sich das Bild und die Atmosphäre des Reichstags vollkommen. Die zahllosen Einzelaespräche, die selbst auf deutschnationalen Bänken während der Rede Berndts gefuhri worden waren, hörten im Augenblick auf das klare Organ des sozialdemo- kratischen Redners ertönte, um den Standpunkt unserer Partei zu diesem ganzen Fragenkomplex darzustellen. Alle Bänke, vor allem in der Mitte und auf der linken Seite des Hauses füllten sich dicht und vor der Rednertribüne standen die Ab- geordneten haufenweise. Mit aller Klarheu kennzeichnete Schcidemann den Standpunkt der Sozialdemokratie über die absolute Unzweckmäßig keit einer Ausrollung der Schuldstage in der gegenwärtigen Zeit und er brachte deutlich zum Ausdruck, daß selbstverständlich auch die Sozialdemo- kratie die Alleinschuld Deutschlands am Kriege als eine K r i. g s p r o p a g a n d a l e g e n d e der Entente«rwirft. Anderseits aber ging er der von Herrn Berndt entwickelten entgegengesetzten Legende der Alleinunschuld Deutschlands ener- glsch zu Leibe. Während der Rede Scheihemanns werden es die Deutschnationalen immer mehr bedauW haben, daß sie diese Debatte entfesselt hatten. Denn plötzlich prasselten die Pfelle auf sie herab, lauter gistige Pfeile aus einem durch die Großen des kaiserlichen Deutschlands st'bst gefüllten Köcher. Zitate vom Grafen Waldersee, von Tirpitz. roa Kiderle«. Wächter. Allerhöchste Randbemerkungen jagten einander, und wirkten um so stärker, als sie mit echt Scheidemannschem Humor vorgetragen und mit bissigen und witzigen Kommentaren versehen waren. Langsam schlichen sich die meisten Dcutschnationalen, einer nach dem anderen, aus dem Saale, um so gespannter und immer zahlreicher lauschten die Abgeordneten der bürgerlichen Mittelparteien bis in die Reihen der Deutschen Volkspartei seinen Worten und misch- ten ihre Zustimmung mit den häufigen Beifallskundgebungen unserer Genossen. Allein ein paar Völkische versuchten, durch ebenso unflätige wie blöde Zurufe Scheide- mann aus dem Konzept zu bringen. Da waren sie aber gerade an den Richtigen gekommen. Er blieb ihnen und ihrem Heros Ludendorff nichts schuldig. Am meisten tat sich der feige Ehr- abschneider A h l e m a n n hervor. Um ihn schließlich loszu- werden, machte Scheidemann mit ernstester Miene den Vor- schlag, neben den Badezellen des Reichstages auch einige Gummizellen einzurichten. Unter dem Hohngelächter des Reichstages nahm der stramme Oberstleutnant a. D. seinen Platz wieder ein. Von der Schuldstage ging Scheidemann auf das für die Deutschnationolen noch brenzlichere Kapitel ihres kommen- den U m f a l l s in der Frage der Sachverständigengesetze über: er verglich ihre ursprünglichen großsprecherischen An- kündigungen mit ihren jetzigen kleinlauten Rückzugsmanövern, entlarvte die Unehrlichkeit und Heuchelei ihres ganzen Per- Haltens während des letzten Wahlkampfes und seither, stellte ihre Angst vor Neuwahlen fest, die zu den Gründen gehört, warum sie es nicht auf eine Ablehnung und Auflösung ankommen lassen wollen. Von dem Dutzend Deutschnationalen aber, die noch nicht das Weite gesucht hatten, wagte keiner zu widersprechen. Denn die Spatzen pfeifen es von allen vier Eck- türmen des Wallot-Hauses, daß die Frage«Umfallen oder nicht?" Gegenstand der heftigsten Debatten in den zahlreichen deutschnationalen Fraktionssitzungen der letzten Tage gewesen ist und noch sein wird. Dieser schlotternden Angst der Deutschnationalen vor den kommenden Entscheidungen und ihren Rückwirkungen auf die Wählermassen stellte Scheidemann die klare und feste Haltung der Sozialdemokratie und ihre Siegeszuversicht ent- gegen: Frischer Mut und unverwüstliche Kraft sprachen aus der entschiedenen Kampfansage der sozialdemokratischen Massen an die Kräfte der nationalistischen Reaktion. Es war unvermeidlich, daß nach Scheidemanns Rede das Interesse für die weitere Debatte erheblich nachließ. Die Herren R o s e n b e r g für die Kommunisten. Reventlow für die Völkischen, K n ü p p e l- K u n z e für die Knüppel- Kunzen machten von ihrer Redezeit noch ausgiebigen Ge- brauch, währenddessen die Sozialdemokraten die Zeit nutz- bringend mit einer Fraktionssitzung verwandten. * Den Bericht über den Beginn der außenpolitischen Debatte finden unsere Leser in der Beilage. Die Rede des Genossen Scheiüemann hatte folgenden Wortlaut: Meine Damen und kherren! Der Herr Abg. Berndt hat an- gekündigt daß sein« Fraktion noch einen zweiten Redner stellen wird. Und«r hcU bemerkt, daß er. Herr Berndt, ausschließlich über die Schuldfroge zu sprechen hat. Meine Fraktion hat nicht einen zweiten Redner vorgesehen. Ich muh mich deshalb bemühen, das ganze Pensum allein zu bewältigen und will, dem Beispiel des Herrn Berndt folgend, mich zunächst auch über die Schuldstage « emen Deutschen gibt, der an die Alle inschuld Deutschlands am Ausbruch des Krieges glaubt, weih ich nicht, ich hoste es aber nicht. In der Zurückweisung der Unterstellung im Artikel 231 des Bersailler Diktats ist das ganze Volk bis auf den letzten Mann vollkommen einig. fVravo! in der Mitte und links.) Es ist auch nicht zu bezweifeln, daß der Tag kommen wird, an dem all« Welt zugeben muh. daß die Behauptung. Deutschland trage allem die Schuld am Ausbruch des Krieges, ein ententistischer Kriegs- schwindet gewesen ist. Aber ich glaube, auf Jahre hinaus wird der Kampf den Sie führen und den wir mit Ihnen führen, noch vergeblich' fein Und zwar deshalb, weil das Ausland jetzt von dieser Diskussion nichts wissen will und weil wir leider nicht in der Lage find, diese Diskussion in das Ausland hineinzutragen. Die ganze Erörterung hat aber doch nur dann eine» Zweck, wenn sie z u r r i ch- tigen Zeit begonnen wird und Aussicht aus Erfolg oer- spricht. Wir sind gern bereit, diesen Kampf mitzuführen. wieroir ihn ja all die Jahre hindurch in der entschiedenste:: Weis« geführt haben. Sa sehr wir uns oll« danach sehnen, das Joch abzuschütteln zu können, das uns. wie viele der Ueberzeugung sind, ausschließlich auf Grund der Behauptung im Artikel 231 auserlegt morden ist. so sehr bin ich mir auch darüber im klaren, daß es zurzeit ein voll- komme/, aussichtsloses Beginnen fein wird. Ich will auch gar kein H-Hl daraus machen, daß die Erklärung ves Herr» Reech« banglers, ebenso Me Erklärung des Herta Fehn» dach doch zweifellos von der Sorge diktiert war, daß, wie Herr Berndt ganz richtig sagte, alle Weit heute auf dies« Erörterung schaut. von der Sorge diktiert war, daß wir gerade kein glänzerides Bild der Einheit dem Ausland gegenüber bieten würden und daß deshalb diese ganze Auseinandersetzung nicht zu unseren Gunsten ausschlagen kann. Es ist leider das eingetreten, was ich be- fürchtet habe: daß nämlich Herr Berndt mehr beweisen wollt«, als zu beweisen ist. Daß er sich großer Uebertreibungen schuldig gemacht hat und dadurch manches im Auslande verpatzt haben wird, was vielleicht jetzt besser nicht zerschlagen worden wäre. Wenn Sie solche Diskussionen erzwingen, dann mache ich Ihnen den Vorwurf, daß Sie nicht nur diese, sondern schon manche andere Diskussion er- zwungen haben in der festen Ueberzeugung, die wirklich vaterländische Gesinnung der Sozialdemokraten werde uns hindern, das zu sagen, was Ihnen eigentlich in bestimmten Situa- tionen gesagt werden mutz.(Sehr gut! in der Mitte und links, lln- ruhe rechts.) Sie(nach rechts) haben an den Anstand de? Sozial- demokraten unausgesetzt appelliert und haben sich bisher auch nicht darüber getäuscht. Ich will Ihnen aber doch«ins in Erinnerung rufen, und das möchte ich namentlich denjenigen jungen Leuten gegenüber in erster Linie tun, die bei jeder Gelegenheit durch sehr lautes Lachen den Beweis zu erbringen suchen, daß sie von Politik etwas verständen. Was haben die Leute, die den U-Boot-Krieg befürwortetet!, alles geredet und wie haben wir aus reiner vaterländischer Gesinnung dazu den Mund gehalten! lUnruhe und Zuruf« der Nationaljozia- listen.) Dafür haben Sie gar kein Verständnis. Wir haben damals gegen den U-Boot-Kriea protestiert, weil wir wußten, was für ein Wahnsinn er war. Wir kannten die Zahl der U-Boote, auch Sie kannten sie und redeten trotzdem dem Volk« das Bkme vom Himmel vor, und wir konnten es leider nicht dem Volke sagen, weil wir sonst ni den Augen vieler Menschen, die uns nicht verstehen konnten, als diejenigen dagestanden hätten, die vaterländische Inter- essen preisgaben. Jetzt kommen Sie wieder mit dieser Frage und oerlangen von uns, daß wir, die wir die besten Verbindungen und die größten Erfolge gehabt haben(Lachen und lebhaste Zurufe rechts), wo sind denn Ihre Freunde im Ausland, die es fertig gebracht hätten wie wir, daß sich unsere Parteis reunde im Ausland auf Kongressen oer- pflichteten, sich für die Revision des Friedensvertrages einzu- setzen? Was haben Sie gemacht? Sie konnten draußen gar nichts machen. Hier können Sic lachen und schreien. Damit ist Ihre Weisheit vorbei!(Lebh. Zustimmung bei den Soz., Unruhe und Zurufe rechts.) Spielen Sie nicht leichtfertig mit dem Feuer und reizen Sie uns nicht über ein Maß hinaus, das nachher un- erträglich werden könnte! In der Zurückweisung der Behauptung, daß Deutschland allein die Schuld am Ausbruch des Krieges trägt, sind wir voll- kommen einig. Was aber über die Zurückweisung der Allein- schuld Deutschlands hinausgeht, weisen wir ab. Das Maß ab- zumessen, wie groß oder wie weniger groß die Schuld der einen oder der anderen Regierung war, das wird erst in d e m Augen- blick möglich sein, in dem olle Regierungen ihre Archive öffnen. In der„Franksurter Zeitung" wird am 29. Juni d. I. eine Darstellung gegeben aus deu Schriftstücken, die I s w o l s k i und Sa ssa n o w 1912 gewechselt haben. Da wird festgestellt, daß die französische Regierung damals 1912 schon in der Hoffnung, daß es losgehen würde, sofort alle notwendigen Maßregeln ge- troffen hatte.„Die Mobilisation an der Ostgrenze ist im Zug", hieß es,„das gesamte Material ist bereit".(Hört, hört! b. d. D. Bp.) „Das geschah zu einer Zeit," sagt die„Franks. Ztg.",„wo Deutsch- land mit allen Kräften bemüht war, den Krieg hintanzuhalten und sehr entschieden auf seinen österreichischen Bundesgenossen in diesem Sinn« gewirkt hatte". Das und die weiteren Verössent- lichungen sind ein sehr gewichtiges Zeugnis zu unseren Gunsten. (Lebhafte Zustimmung.)» Ich will nicht die Stimmen anführen, die namentüch aus England gekommen sind und namentlich die Stimme Morels. Aber wer sind denn diese Leute, die sich für uns ins- Zeug legten? Wissen Sie, daß Morel und oll die anderen, die Sie anführen können, ausschließlich Mitglieder der Arbeiterpartei, So- zialdemokraten. sind? Jetzt schweigen die Herren. die vorhin gelacht haben! Im Ausland will aber niemand etwas davon wissen, daß«twe das Ausland uns Hilst, den B e w e i s zv erbringen, daß das Aus- land schuld ist und Deutschland unschuldig am Kriege. Nein, vor ollem wäre eines notioendig, um eine bessere Stimmung für Dcusschland zu schassen. Geben Sie dem Ausland keine Gelegenheit mehr, jede Woche Artikel und Bilder aus Deutschland abzudrucken, in denen Paraden von Prinzen und Generalen gezeigt werden! (Sehr richtig! b. d. Soz. und d. Dem.) Es handelt sich bei der Schuidfrage um eine deutsche Frage und nicht um eine Partei- frag«. Man muß, wenn man über diese Dinge spricht, nicht mit dem Mord von S e r a j e w o ansangen, man muß viel weiter zurückgehen. Lesen Sie nach, was Bismarck gesagt hat, de? da- Unheil mit Grausen kommen sah, der die erbärmliche feige Ser- v! l i t ä t des damaligen Systems mit den härtesten Worten ge> geißelt hat, der die ganze damalige politische Unfähigkeit verurteilt die sich bis ganz oben hin geltend gemacht hat. Lesen Sie, was der jetzige Reichstagsabg. o. Tirpitz geschrieben hat! Cm September 1914 schrieb Tirpitz:„Alles ist letzten Endes der Spielerei verdanken. Vielleicht rettet uns das Volk und leine Kraft. Mit dem bisherigen Klassen- und Kastenwesen ist es vorbei. Sieg oder Niederlage— wir bekommen die reine Demokratie."(Hört, hört! links.) Im März 1915 schrieb Tir- pitz:„Es ist ein unerhörtes Versagen unserer Oberschicht, miwerschuldet durch die Spitzen. Ich habe das ja die ganzen Jahre, Jahrzehnte hindurch kommen sehen. Wie oft habe ich Dir gesagt, wie die Katastrophe einmal kommen werde, wüßte ich nicht, sie müsse aber kommen.(Hört, hört! links.) Schon im September 1914, als er sah, wie das ganze Volk aufgestanden war, schrieb Tirpitz:„Nach dem Kriege gehe ich unker die Sozi und suche mir Laternenpsähle aus, aber einen ganzen Hausen. Denn es muß einer ganzen Hydra zu Leibe gegangen werden, wenn es besser werden soll." (Lebhaftes Hört, hört! links und i. d. Mitte.) Man darf die Worte des Herrn o. Tirpitz allerdings nicht ganz ernst nehmen.(Heiter- keit.) Eine Reihe von früheren Abgeordneten, beispielsweise auch der früher« Vorsitzende der jetzt dcutschnationalcn Fraktion, Herr Dr. Oertel, haben gesagt, man kann das nicht allzu ernst nehm«», was er gesagt hat. Und einer ging so weit, daß er behauptete, die Balken biegen sich, wenn«r rede.(Große Heiterkeit.) All das berücksichtige ich, wenn ich die Tatsache feststellen will, daß er n i ch t Laternenpfähle aufgestellt hat. Denn er hätte ja schließlich alle die- jcnigen aushängen müssen, die ihn neulich zum Reichskanzler machen wollten.(Große Heiterkeit.) Ich will an ganz wenige Episoden aus der Vorgeschichte des Krieges erinnern. Hier an dieser Stell« standen einmal im Jahre 1!X)8 alle Parteiführer auf: von Heydebrand bis Singer über Liebermann v. Sonnenberg hielten ste aus Anlaß der„Daily- Telegraph"- Affäre ein Gericht über den Kaiser, wie man es schlimmer sich gar nicht vorstellen kann. Alle Weit wußte oder fühlte es. daß dieser Mann geistesgestört war.(Unruhe rechts.) Ich erinnere an Konrod Born hat. einer der hervorragendsten Mit- arbeiter der„Kreuzzeitun g", der in seinem Buche„Deutsche Geschichte unter Willem IJ-" schrieb, daß die A Äußerungen des Kallers nur in einer krank haften Irübmig der Geiftcskräste ihre Erklärung finden, daß Wilhelm die Züge einer einfach unverständlichen sitt- ii che ii Verwilderung aufweist.(Hört, hört! links.) Die Reden dieses Mannes, der über ein unglückliches Volk damals die furchtbarst« Gewalt hatte, der das bekannte Wort gesprochen hat, der Admiral des Atlantischen Ozeans grüßt den Admiral des Stillen Ozeans, der die ganze Welt jahrzehntelang mifpeitschte, waren der aröbste Unfug auf Kosten eines annen Volkes, das wahrhaftig am Ausbruch des Krieges keine Schuld trug. Aber sobald die Ver- ständchungsmöglichkeit da war, wurde von rechts mit Keulen- schlügen dazwischen gefahren. Man wollte kein« Verstän- digung. man wollte den Siegfrieden. Das war es ja, was das ganze Volk nachher in die Zerrissenheit hin einbracht«, da es sich mehr und mehr überzeugen mußte, daß der verkeidigungskrieg m.igcsälfcht werden sollte in einen wcchn. wihigni Eroberungskrieg. Erinnern Sie sich doch an die Zeit, als wir über Wilsons Borschläge sprachen! Es sind sehr törichte Reden damals hier gehalten worden. Damals in der kritistl/sten Stund«, als Lanfing ein« Rot« nach Deutschland geschickt hatte, mochte der Kaiser die Bemerkung daran: „Ein Wilson-Verftändigungsfrieden wird weder vom Volk, noch vom 5ie«r, noch vom Kaiser akzeptiert."(Zurufe der Natsoz.: Das hat doch nichts mit der Schuidfrage zu tun!) Ja, die Dinge, die Ihnen u n- bequem find, müssen Sie auch schon mit anhören.(Sehr gut! links.) Wilhelm schrieb weiter:„Es ist gut, daß Wilson hinaus- geschmissen wird." Noch eine ander« Aeußerung Wilhelms: „Einfach in den Sandschat hineinmarschieren, dann ist der Kla- m a u k fertig." Ich habe Ihnen ja vorher gesagt, daß wir lange genug den Mund gehalten hohen. Aber wenn Sie es oerlangen, können wir auch aushacken. Das sind die Aeüßerungen eines' Mannes, der erledigt ist. Das deutsche Volk hat damit nichts zu tun. Da» sind die Aeußeninaen von phantastischen Eroberung s° polittserir, die in eine Kaltwasserheilan sia bt gehören.. (Lebhaste Zustimmung bei den Soz, Lärm bei den Ratsoz.) So wenig da? deutsche Volt damals an der Seit« des Kaisers gestanden hat, so wenig steht es jetzt an der Seite derjenigen, die unausgesetzt wieder mit dem Säbel rasseln, ein Treibsn, das im Hinblick auf die Lage Deutschlands geradezu verbrecherisch genannt werden muß. Zu den Dingen, die man in Rechnung stellen muß und die man dem Herrn Reichskanzler, wenn er etwa in London mit Reden kommen wollte, wie sie Herr Lcrndt hier gehalten hat. sofort um die Ohren schlagen würde, gehört, daß man uns entgegenhält: Vitt«, mos hat Deutschland gemacht auf der Friedenskonferenz im ly a a g? Die deutsche Politik m der Schiedsgerichts- und Abrüstungsfrage 1907 hat der Reichsminister a. D. Si m o n s eine der wesent- lichsten Ursachen des Kriegsausbruches 1914 u-nd der deutschen Nie- Verlags genannt, weil sie die Welt mit Mißtrauen gegen Deutschland erfüllt hat.(Zustimm, b. d. Soz. Unruhe rechts.) Wie Abg. Haas im„Verl. Tagebl." mlttellt, hat Edmund Weber 1913 in seiner Schrift„Krieg oder Frieden mit England?" gesagt:„Wir hetzen zum Kriege, well wir glauben, daß wir ihn nun nicht nur beginnen müssen, sondern rrnch beginnen könne n." Die„Alldeutschen Blätter", das Organ Liebermann von Son- ncnbergs, schrieb:„Webers Gedankengang ist ebenso folgerichtig wie tapser. Wir müssen entschlossen den Kampf aufnehmen durch Rüstungen, solange es Zeit ist durch Losschlagen, wenn Zeit und Gelegenheit günstig ist."(Hört! hört! links.) Nachdem der Krieg ausgebrochen war, jubelten die„Alldeutschen Blätter". Äe schrieben:„Die Stunde haben wir ersehnt. Unsere Freunde wissen es." Der Alldeutsch« Tannenberg hat Arnio 1911 schon den künftigen Frieden in Paragraphen abgefaßt und seinem bösen und dummen Machwerk die Einleittoig ge neben:„Der Krieg darf dem Unterlegenen nichts lassen wie die Augen zum Weinen über sein Uyglück."(Hörtl hörtl b. d. Soz.) Und dann stellt sich ein Mann wie Herr Berndt hierher und hält eine Rede, die er uns hier vorgesetzt hat. Dazu hat er wahr- haftig keinen Aillaß gehabt. Ich wiederhol«: Protest gegen diese Behauptung, gegen diese Lüge, daß wir allein schuld seienl Aber ich protestiere auch gegen die Unaufrichtigkeit, die darin liegt, daß man sagt: alle anderen sind schuld, und wir sind umschuidig. Wir find un- schuldig, das deutsche Holt ist unschuldig, aber die. Öle es damals geführt haben, haben ihr gerütteltes Maß von Schuld zweifellos ebenso gut, wie alle anderen Monarchen und Regierungen auch. Die„M ünchener Neuesten Nochrichten", die jetzt i'den Tag völkisch-patriotische Pmzelbäume Magen, kamen in der Silvesternummer 1918 auf diese unglückliche Zeit zu sprechen, die zum Kriege führte, und sagten da zum Schluß: „Eine Zeit, die keine Persönlichkeit zu? Verfügung hatte,«in« Zeit, in der L a k e i e n g e s i n n u n g als eine beson- der? Oualifikatiav' galt, in der Kritiklosigkeit mit Pattia- lismus verwechselt wurde, ließ sich dieses wahnsinnige Beginnen gefallen." Leider ist es heutzutage fast uoch genau so schlimm wie damals, obwohl man annehmen müßt«, daß selbst die jüngsten Leute, die heute aktiv und passiv wahlberechtigt sind, soviel geschichtliche Studien hätten machen können, daß sie den Unsinn gar nicht mehr glauben könnten, d:n sie jeden Tag in ihren Versammlungen vor- getragen bekommen. Da» Volt ist vollkommen einig in der Er- k'ärung: Wir weisen es zurück, daß Deutschland die Alllstnschuld irägt. Herr Berndt hat so getan, ots hätte niemal, eine deutsche R«. gierung Protest»Höchen. Ich will gar picht an dk Äeußxrmigon der jetzigen Regierung erinnern, aber in der Zeit, ofe wir vor der Frage standen, ob wir unterzeichnen sollen oder nicht, hat der da- malige Reichskanzler Bauer am 22. Juni 1919 in Weimar fol- zendes ausgesprochen: Die Regierung der deutschen R ipubük ist bereit, den Friedens- vertrag zu unterzeichnen, ohne jedoch damit auzuerken- neu, daß das deutsche Volk der Urheber des Krieges sei und ohne eine Verpflichtung zur Auslieferung nach Art. 227 bis 2Z0 des Vertrages zu übernehmen. Di« damalig« Regierung hat schon ganz entschieden dagegen Verwahrung eingelegt, und so ist es geblieben bis aus den heutigen Tag.(Sehr wahr!) Alles, was da an Vommrfen erhoben wird. ist unehrlich. Deshalb will ich noch daran erinnern, wovon leider auch kein Mensch mehr redet, und woran offenbar auch niemand mehr denkt. Nachdem die Regierung damals das chosje und schwere Opfer gebracht hat, die Unterzeichnung zu beschließen und auszu» führen, nachdem die Nationalversammlung sie dazu ermächtigt hatte, da war es sehr vielen Leuten, die große Töne gegen den Vertrag geredet und nicht all« Konsequenzen gezogen haben, sehr b e- quem und sehr angenehm, daß sich überhaupt eine Mehr- heit gefunden hatte. Und um diese Mehrheit überhaupt zustande zu bringen, nxir ein Abkommen getroffen worden darüber, daß ver- schieden« Parteien ablehnende Erklärungen abgaben, und in diesen Erklärungen stand, daß cm der vaterländischen Sestnnunq derer, die für die Anker- Zeichnung soieu, kein Zweifel erhoben werden könne.(Hört, hört! Zuruf rechts! Di« Deutsch- nationalen aber nicht!) Ich will es Ihnen gleich vorlesen. Sie sehen, ich bin immer im Kamps mit Ihnen auf alles gefaßt und habe alles bei mir.(Heiterkeit) Der erste Redner— Sie kommen gleich zuerst— war Herr Abg. Schulz-Bromberg. Er hat gesagt:„Im Nomen der Deutschnationalen Volks- parte! habe ich folgend« Erklärung abzugeben:„Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt der Ablehnung des Friedensentwurfs und erheben unter Festhaltung dieses grundsätzlichen Standpunktes Widerspruch. Wir setzen als selbstverständlich voraus, daß jedes Mitglied der Nationalversammlung seine eigen« Stellung nach bestem Wissen und Gewissen einnimmt."(Zurus bei den Deutschnationalen.) Es hat eine Vereinbarung bestanden. Der eine hat es mehr so, der andere so gesagt. Herr Abg. H e i n z e hat folgendes gesagt:„Auf die Ausführungen des Herrn Ministerpräsi- deuten habe ich zu erklären: Selbstverständlich erkennen wir an, daß auch die Gegner unserer Ansicht nur aus vaterländischen Gründen handeln."(Hört, hört!) Weiter habe ich doch auch gar nichts ge- sagt. Was wollen Sie denn eigentlich? Jetzt wird schon wieder so getan und vielfach so geredet, als wenn damals die Männer, die, wie gesagt, das schwere Opfer brachten, die reinen Landesverräter gewesen wären! Also ich stelle noch einmal fest: Wer die Schuld am Ausbruch des Krieges objektiv feststellen und sich nicht damit begnügen will, eine solche Agitationsred« wie Abg. Berndt zu holten, der muß mit seinen Forschungen dreißig bis vierzig Jahre zurückgehen. Aber ich habe auch gesprochen von der Schuld an der Verlängerung des Krieges. Wer diese Schuld nachprüfen will, der wird unter all denen, die keine Verständigung wollten, die den Verständigungssrieden als einen Schandfrieden bezeichneten, all die finden, die sich unter den Rechtsparteien sammelten. Ich will sie nicht im einzelnen anführen, die Alldeutschen oder Nationalliberalen, oder wie sie sonst geheißen haben. Man wird vor allen Dingen auch finden, daß d» Dirizenk dieser ganzen Geschichte steks der General Ludcndvrff gewesen ist. Und wer die Schuld am Zusammenbruch, die letzte Schuld am Zusammenbruch feststellen will—(Zuruf der Ratsoz.: Di« haben Siel Die bat die Neootulion!)— das ist Ihr Fraktions- kollege Ludendorff gewesett.(Lebhafte Zustimmung links.) Es gibt eine ganze Anzahl von Männern, die nicht alle Lndendorff beißen und' auch in ihren Onalifikationen nicht alle Ludendorff sind. lZuruf b. d. Natsoz.: Der steht turmhoch über Ihnen! Gegenrufe links.) Ich bin auch dafür, daß Sie ihu da stehen lassen, so hoch es irgendwie geht, ihn nur nicht hierherkommen losten.(Er- neute Zurufe b. d. Natsoz.) Da sich nun offenbar«in Freund der Herren Ludendorff und Ahlemann hier fortgesetzt meldet, möchte ich doch sogen: Wenn wirklich ein« größere Anzahl von Offizieren von der gleichen Qualität gewesen wäre wie Herr Ahle- mann, dann würde ich manches Vorkommnis unter den Soldaten oerstehen, das uns früher unverständlich gewesen ist!(Lebhafte . Zustimmung links und in der Mitte.) Herr A h l e m a n n hat gestern in geradezu unerhörter Weise den Abg. Breitscheid beschimpft. Es geht aus dem Stenogramm hervor, daß dos. was Abg. Breit- scheid nachher hier aus dem Gedächtnis festgestellt bat. vollständig richtig ist. Ich will Ihnen aber weiter sagen: Richtig ist auch, was das„Berliner Tageblatt" schreibt: das„Verl. Tagebl." gibt nach der Schilderung des Vorkommnisses folgender Ueberzciigung Ausdruck: -Wir glauben, daß damit dieser deutschvölkische Abgeordnete Ahlemann für alle a n st ä n d i g e u Menschen ohne Unterschied der Partei erledigt ist." (Sehr richtig links und in der Mitte. Erregte Zurufe der Natsoz.: Sie sprechen für Frankreich! Wollen Si« Bürgermeister von Pari? werden?!— Glocke des Präsidenten.) Noch«in Zeuge! Außenminister Stresemann hat als Leiter der Partei in einer Versammlung des Nationalliberalen Verbandes der Parteisekretär« in Berlin am 13. Oktober 1918 folgendes gesagt:„Es ist in der Oeffentlichkeit behauptet worden, der Reichstag habe versogt, die Nerven verloren. Denigegenüber muß doch betont werden, daß das Paria meni ohne Unterschied der Partei in dieser Krise die gesün- besten Nerven gehabt hat. Di« Erschütterung des lehien Restes von Siegeswillen Ist von der Obersten Heeresleitung und von niemand anderem ausgegangen. Wenn also davon gesprochen wird daß in jenen entscheidenden Stun- den die Nerven verjagt hätten, muß ich der Wahrheit entsprechend sagen, daß es nicht beim Parlament, sondern bei der Obersten Heeresleitung der Fall gewesen ist."(Hört, hört! links.) „Alle, die anders reden und schreiben, betrügen das Volk."(Leb- Haft« Zustimmung links und in der Mitte. Große Unruh« d. Natsoz. Fortgesetzt« Zurufe des Abg. Ahl« mann. Glocke des Präsidenten.) Ich möchte mir eine' Bemerkung erlauben, die nicht ganz zu meinem Thema gehört. Ich glaube, wir müsten uns ernst- lich in der Geschäftsordnmig mit der Frage befassen, ob nicht hier unlen, wo die Badezellen'sind, eine Gummizell« eingerichtet werden soll.(Lebhafte Zustimmung links. Zuruf« d. Natsoz.) Alles, was ich in bezug auf Kriegsende usw. gesagt Hab«, geht hervor aus zahllosen amtlichen Dokumenten, namentlich auch aus der Zusammenstellung in dem letzten amtlichen Weißbuch, das Ihnen ja zur Verfügung steht. Es geht hervor aus den Mitteilun- gen der Unterluchungsansschüst«. Alles das ist ein lückenloser Be- weis für die Richtigkeit eines jeden Wortes, dos ich hier getagt habe.(Sehr richtig! links.) Ich bedauere, daß die Londoner Ver- Handlungen in den hauptbeteiligien Ländern von einer so lärmen. den Agitation begleitet»verden, die naturgemäß den negatio wirkenden Kräften leider zugute kommen wird.(Sehr wahr! links.) Es ist viel leichter, den' verhandelnden Regierungen zuzurufen. daß sie sich dort hart und irgend welchen Kompromissen unzugäng- lich erweisen sollen, anstatt ihnen al» besonnener Mann zu sagen, ie sollen jenes Maß von Nachgiebigkeit an den Tag legen. zas von allen Seiten aufgebracht werden muß. um zu einem positiven Ergebnis zu kommen.(Lebhafte Zustimmung links.) Di« lärmende Agitation trögt in allen Löndern das Zeichen der Unehrlichkeit an der Stirn. OSehr richtig! links.) Wer kann denn ernstlich da» Scheitern eines tztanes wünschen, der für alle Beteiligten— ich will mich vors lästig ausdrücken— einen v or läufigen Ausweg aus unabsehbaren Schwierigkeiten und Gefahren brwgt?!(Sehr wahr? links und in der Milte.) Weder Deutschland noch Frankreich werden eine sclche Krise, wie sie uns droht, ohne die alteschwersten Erschütterungen überstehen können. Infolgedessen haben beide Länder ganz besonders dankbar dafür zu fein, daß diese englifch-amerikamfch-: Berständigungs« und Vermitllungeaktion eingesetzt hat. Ich rm" freilich nicht unterlassen, meinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß eine solche Vermittlung zwischen den beiden großen Nachbarvölkern überhaupt erst notwendig geworden ist. Die Ansänge der Regierung Herriot ließen uns erwarten, daß die beiden Völker aus eigener moralischer Kraft den Weg zur Ver- ständigung finden würden. Wie sogenevoll wäre das für die gesamte weitere Entwicklung Europas gewesen! Wir Sozialdemokraten wollten die direkte Verständigung mit Frankreich. Darum haben mir die Amnestie, die die neue fraizösische Regierung für das bc- setzte Gebiet oerkündete, freudig begrüßt. Um so schmerzlich» müssen wir es bedauern, daß diese mutig« Initiativ« einer freien Mensch- stchkeit sehr bald wieder durch«in« rückläufig« Bewegung unter» krochen worden ist, daß im besetzten Gebiet neu« V»urteilungen erfolgten und daß durch neue Erklärungen der französischen Regierung über die Räumung des ncubejetzten Gebiets und die fristgerechte Räu- muug des altbesehten Gebisls eine Unsicherheit entstehend, di« schlechterdings unerträglich ist.(Sehr richtig! un ganzen Haust.) Wir bedauern es, daß schließlich in London das Bild entstand, als ob Frankreich alles verewigen wolle, was vom ganzen deutschen Volt als drückendes U n r e ch t emp- funden wird, als ob es sich nur widerwillig zu Erleichterungen entschlösse. Wir erblicken in dies», wenigstens dem Anschein nov), oeränderten Haltung der Regierung Herriot einen Erfolg des französischen Rationalismus, der geeignet ist, in seiner Rückwirkung dem deutschen Nationalismus wieder Wasser auf die Mühlen zu leiten... m r Während des Krieges hat ein geistreicher Professor ein Buch mÄ dem Titel„Helden und Händler" geschrieben. Seitdem ist es Mode geworden, daß man in einzelnen Ländern und Völkern nach dieser Art Händler od» Helden zu katalogisieren versucht. Ich möchte di« Deutschnationalen fragen: Betrachten Sie sich selbst in ihrem Verhalten zum Sachversländigengutachten als Helden oder als Händ- l»? Zweifellos vor Ihrem Publikum möchten Sie als Helden, als die erzgepanzerten Götte erscheinen. Aber hinter den Kulissen ent- wickeln Sie Händlereigenschaften, die verflucht orientalisch anmuten. Ich habe manchmal den Eindruck, daß«in Altkleiderhänd- ler aiupchem Osten vor Neid eigentlich platzen müßte, wenn» Sie an der Ärbett sieht.(Heiterkeit.) Wie steht es denn nun eigentlich mit dem Sachverständig g e n g u t a ch t e n. Ist es das zweil« Versailles, wie Helsferich gesagt hat, oder ist es d» Schwertstoß ins Herz des deutschen Volkes, wie Tirpitz neulich sagte? Wenn das der Fall ist, dann sind S.e auf der Rechten, daß sage ich Ihnen auf den Kopf zu, drauf mid dran, dies zweite Versailles zu unterzeichnen, drauf und dran, den Schwertstoß in das Herz des deutschen Volkes führen zu lassen. Ist das Sachverständigengutachten das, als was S i e es in grenzen- loser Demagogie hingestellt haben, dann können Sie nicht noch zu dem Schluß kommen, es anzunehmen, ohne bewußt, nach dem, was Sie früher gesagt haben, nationalen Verrat zu üben.(Zustuu- mung in der Mitte und links.) Ist es aber wahr, daß Sie das Gutachten gar nicht grundsätzlich ablehnen, und wird Wahrheit, daß Sie es zum Schluß doch schlucken, wie wollen Sie dann selbst Ihr« Haltung uns gegenüber bezeichnen, die wir von Ansang das Gutachten richtig gewürdigt haben? Ich weiß nicht, ob das Wort Harmlosigkeit dann zu schlimm wäre. Aber vielleicht ist dies Der- halten, das wir als eine ungeheure Heuchelei empfinden, wenig» auf Ihre raffinierte Absicht zurückzuführen, als aus Ihre Halt- l o s i g k e i t, auf die Kämpfe innerhalb Ihrer Fraktion, die Sie hin und herwersen, auf die Rücksichtnahm« auf Ihr« oölkischm Nach- barn. Sie können nur ein Ziel, Ihre Partei in dor Republik regierungsfähig zu machen. Sie werden b»eik fein, das Gutachten anzuoehmen. Sie werden bereit sein, die V»sassunq zu beschwören. Der Bürgerblock ist Ihnen eine Messe wert. Nur glauben Sie nicht, meine Herren. daß Zhre Annahme und Ihr Eid unz beruhigen werden. Die eine wird sie nicht hindern, die Völker weiter zu verhetzen, der andere wird Sie nicht hindern, die Republik zu untergraben. Aber lassen Sie e» sich gesagt sein, wir stehen zu Kampf und Abwehr b»eit.(Stürmische Zustimmung bei den Soz.) Groß« Ereignisse werfen ihr« Schatten voraus. Da ist die Zollvorlag«, da ist die W«ig»ung d» Regteung, das Abkommen von Washington über den Achtstundentag zu rotifi- zieren. Das find die©chatten, die der Bürgerblock vorauswirft: Mehr Arbeit, weniger Brot! Das Sachverständigengut- achten bestimmt als deutsche Leistungsgrenze die Erhaltung des gleichen Lebensstandard, des deutschen Volkes mit anderen Völkern. Das Diktat von Dersoille»»kennt das Recht auf den Achtstundentag an. Aber hier, wo es sich darum handelt, die Rechte des arbeitenden Volkes wahrzunehmen, da sind Sie, die Schrei» gegen jede Erfüllungspolittk.«rfüllungswütig bis weit über die Grenz« des Fn«den»i>»trag«s und des Gutachtens hinaus!(Sehr wahr! b. d. Soz.) Sie treiben/ in jed» Beziehung die Politik weiter und wieder. di« Sie im Kaiserreich getrieben haben. Sie übersehen nur eins, daß es kein persönliches Regiment und kein Klassen Wahlrecht mehr gibt, das Sie schützt. Sie haben sich durch trügerische Vor- sp i«gelungen bei den letzten Wahlen«in« Stellung verschafft. die über kurz od» lang zusammenbrechen muß. Wir appellieren von dem schlecht unterrichteten Volt an das bess» zu unterrichtende Volk, von den Wählern, die beschwindelt wor, den sind(Unruhe rechts), an di« Wähler, die aufzuhorchen beginnen, die sehen, daß ein frevelhaftes Spiel mit ihnen getrieben worden ist.(Unruhe rechts.) Bitte, wollen Si« di« Prob« auf dos Exempel? wir sind jeden lag b»eit und werden in den Wahl kämpf«in- treten für die Annahme des Gulachtens. für den Achtstundentag. gegen die V»teu»ung d» notwendigen Lebensmittel durch Schutzzölle, für die Sicherung de» Friedens, die Wiederherstellung des wirtschaslslebens. Erholung nach d» Arbeit und Brot genug zum Sattesse« für alle. Das sind für uns Sozialdemokraten eben auch völkische Belange. (Beifall b. d. Soz.) Keinem Bür�erblock der Welt wird es gelingen, dies« Forde- rungen niederzustimmen, Forderungen, in denen sich d» Lebenswille des arbeitenden Volkes ausspricht. Darum wünschen wir die Stunde herbei, die das Volk zu neu» Entscheidung auftust. Sie ab»(zu den Deutschnationalen), die sich noch vor kurzem Ihres Sieges rühmten, fürchten diese neu« Entscheidung.(Lebhaste Zustimmung links.) Sie fürchten sie. weil Sie wissen, daß Ihr Geschrei üb» die Ucbnwindung de? Marxismus eitel Humbug gewesen ist und daß aus jedem neuen Kampf di« Sozialdemokratie stärker wiederkehren muß: Euch zum Trotz, d» Arbeiterschaft zum Nutzen!(Stürmisch» Verfall b. d. Soz.) Es sprechen noch die Abgg. Dr. Rosenberg(Komm.), Gros R e o e n t l o w(Natsoz.) und Kunze(Dtschsoz.). Nach Knüppelkunz« sprach unter ungeheurem Lärm d» Rechten Genosse Adolf Braun. Die zweit« Lesung des Etats wurde sofort angeschioffen. Als erst» Redner sprach Abg. Bell(Z). der erklärte. daß nun genug zum Rotelat geredet sei. Nach diesem Redner wurde ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Die An- ttöge der Kommunisten und Nationalsozialisten wurden abgelehnt, das Haus beschloß, einen Ausschuß über di« Kriegsschuldfrage ein- zusetzen, der die Arbeiten bestehend:!: Ausschüsse übernehmen soll. Um 1114 Uhr ttegmnt die Beratung des sozialdemo- kratischen Antrags Müller- Franken, der die Wiederaufnahme der durch bayerische Volksgerichte abgeschlossen»» Ltrasverjahren »möglichen will. Der Antrag ist bekanntlich mit einigen Aenverun- qen vom Rechtsausschuß schon angenommen worden. Heber dessen Beratungen erstattet Abg. Kahl Bericht. Aus der Tribüne für die Län�ervertteter hat der bayerische Gesandte Prager Platz genommen. Kurz vor 12 Uhr nachts ergreift der Vertreter der bayerischen Regierung v. Preger das Wort zu einer Erklärung, in der er aus- führt: Die bayerische Regierung hält die Zuständigkeit des Reichs für nicht gegeben. da die Bclksgerichts noch aus der Zeit vor Erlaß der neuen Reichsoerfassung stammten. Der Antrag bedeute eine Verfassungsänderung und könne daher nur mit Z w e i d r i t t e l- Mehrheit vom Reichstag angenommen werden, aber auch dann' würde Bayern dies als einen schweren Eingriff ch seine chohsitsrecht« und als einen Bruch gegebener Versprechun- gen betraäften. Zur Einführung der Wiederaufnahme fehle genügender Anlaß. Bei Fehkurteilen sei Begnadigung erfolgt und werde welter Begnadigung erfolgen. Er bitte daher um Ablehnung des An- trags und des im Rechtsausschuß z u standeeg« k mranenen Gesetzentwurfs. Bei seinen weiteren Ausführungen wird Poeger von den Kom- munisten beschimpft. Cr wendet sich um Schutz an den Präsidenten Wallraf. Einige Kommunisten erhalten Ord- nungsruf«. Nach Preger spricht der Nationalsozialist Dr. F r i ck unter lebhaften Zwischenrufen der Kommunisten. Um 12 Uhr IS ergreift der bayerische Abg. Pfleger das Wort zu längeren juristischen Darlegungen, mit denen er die Ausführungen Pregers unterstützt. Um'XI Uhr morgens dauert die mittags 12 Uhr begonnene Sitzung noch am_ Die Geschäftslage des Reichstags. Vertagung bis 3. August. Der LeltestenauSschuß de« Reichstages beschäftigte sich am Freitag nachmittag mit der Arbeitseinteilung des Reichstages für die kommenden Tage. Es wird gehofft, daß am Sonnabend der Notetat in dritter Lesung endgültig verabschiedet werden kann, nachdem er am Vormittag den HauShaltsauSichuß passiert hat. Tritt diese Möglichkeit ein, dann soll eine längere Ber- r a g u n g erfolgen, die in der Zeit zwischen dem S. und 10. August zur Erledigung der Gesetze zum Sachverständigengutachten unter- brachen werden dürfte. Ein bestimmter Termin zur Verabschiedung dieser Gesetze ist vorläufig noch nicht festgelegt. Rn öen Pranger! Wie kommunistische Leser belogen werden. Am letzten Montag lag das Urteil des Staatsgerichtshofs zum Schutz der Republik vor. das am Sonnabend in Königsberg gegen ostpreußischs Kommunisten gefällt war. In der Montag- Abendausgabe nahm der.Vorwärts' gegen die Schwere der Strafen Stellung, die in keinem Verhältnis etwa zu der Be- Handlung der v ö l k i f che n Verbrecher in München steht, und ledig- lich dazu geeignet ist. schwerste Verbitterumg bei den Verurteilten, ihren Angehörigen und Kameraden hervorzurufen. Selbstverständ- lich wurde dabei auch auf die Schuld der offiziellen KPD. hinge- wiesen, die durch ihre blutrünstigen Parolen und Parteibesehle ihre idealistischen Anhänger in Gefahr bringt und jedem Richter die Ueberzeugui'.g beibringen muß, als drohe von den Kommunisten eine Riesengefahr. Diese sachlich scharfe Kritik cm dem Köttigsberger Urteil wird den Lesern der„Roten Fahne' und damit allen kommunistischen Lesern in Deutschland in folgender Aufmachung serviert: Selbst bürgerliche Blätter haben gegen das barbarisch hart« und rechtlich unhaltbare Königsberger Urteil Protest erhoben. Dagegen der„Dorwätrs" billigt es voll und ganz.(Folgt ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz aus unserer Anmerkung. Red. d.„25.".) Dies zeigt, daß sich die Bourgeoisie mit ihrem Zustizlerror aus die SPD. stützt..." So wird in der„Roten Fahne' ein klarer Tatbestand glatt ins Gegenteil umgelogen! Das ist der eine Fall. Der zweite folgt alsbald hinterher: Am Mittwoch früh veröffentlicht die„Rote Fahne' den angeblichen Entwurf eines Eisenbahngesetzes. Mittags kommt die Meldung, aß deshalb gegen sie«in Londesverratsverfahren eingeleitet wer- den soll«. In der nachmittags erscheinenden Abendausgabe sogt der„Vorwärts' zu diesem neuesten Streich politischer Kuczsichtigkeit der Reichsregierung: Der Landesverratsporagraph wird wiederum gegen die Presse angewandt in einer Weise, die für die Frei heil der presse bedrohlich ist. Es ist nicht die Ausgabe der Justiz, aus journalistischen Disziplinlosigkeiten Landesverratsfölle zu konstruieren. Di« Diszi- plmlosigkeit der„Roten Fahne" mag öffentlich gekennzeichnet werden, man mag den Quellen der Publikation nachgehen— zu einer erneuten lleberspannung drs Landesverrotsbegri ffs darf sie nicht führen. Diese Stellungnahme gegen Regierung und Reichsamoalt fälscht die„Rote Fahne' folgendermaßen um: Als einziges Blatt bezeugt der„TJorwärts' ein menschliches Mitgefühl mit dem osseubar überarbeiteten Reichsanwalt, er lobt gegen den.Bertrouensbruch' der„Roten Fahne". Solche Fälschungen sind bei der kommunistischen Press« berufsüblich. Sie Viederholen sich Tag für Tag. Mau fragt sich oft, was die hysterischen Burschen mtt derartigen plumpen Ber- drehungan beabsichtigen. Allerdings sagen sie es ja gleich hinterher: Sie wollen die sozialdemokratischen Arbeit«? durch ihr« Lügenmel- düngen„ausrütteln', um die Einheitsfront herzustellen. Sie glau» den, daß die sozialdemokratischen Leser des„Vorwärts' auch so kritiklos veranlagt seien, wie die eigenen. Aber darin befinden sie sich in einem grundlegenden Irrtum, den sie auch durch neu« Fäl- schungen nicht beseitigen können. Zwei dieser Musterleistungen aus wenigen Tagen prangern wir hier an. Sie alle zu registrieren, dazu ist das Papier zu schade, Has damit bedruckt würde. Aber man kann auch aus den zwei Fällen wieder einmal entnehmen, welches Maß von Wahrheitsliebe sonst in den lärmenden und schimpfenden Behauptungen der kommumsti- schen Press« steckt. Sie haben die Parole ihres heiligen Lenin treu- lich befolgt, daß sie mit„Verfchweigung der ÄLahrheit" arbeiten müssen. Aber daß sie auch„Schlauheit' anzuwenden haben, ver- g.'ssen sie. Uebrig bleibt nur die rohe Sprache der Gosse, in der sie sich wohlzubefinden scheinen.__ Deutftbnatom'aler Verleumder. Wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik und Beleidigung des Reichspräsidenten Ebert hatte sich vor dem erwei- terten Schöffengericht in Stolp in Pommern der deutsch. national« Parteisekretär Scott von Pistoledorff «us Runrmelsburg in Pommern zu verantworten. Der Angeklagte mar 14 Jahre Richter in Lwland, flüchtete dann nach Deutschland in- folge des Baltikumabenteuers, wurde 1921 deutscher Staatsbürger «rJd erwarb dann die Qualifikation zum deutschnotionalen Partei- sclretar. Während der ZLahl hatte er in einer öffentlichen Wähler- Versammlung indem xommerschen Dorf ivartin den Reichspräsidenten Ebert als«ittlergesellen hingestellt. Auch in bezug des bekannten offenen Briefes des völkischen Schriftstellers R o t t a ch den Reichs- Präsidenten des Hochverrates beschuldigt. Ferner hatte er von Judenrepublik usw. gesprochen. Ein Teil der Anwesenden nahm an diesem Verhalten Aergernis und brachte den Vorfall zur Anzeige. Natürlich wollte der Angeklagte die Aeußevungen h y p o- t h e t i s ch gebraucht haben, eine persönliche Beleidigung und so weiter läge ihm fern. Er liebe sein Vaterland mit den alten Farben schwarz- weihrot. Er würde immer wieder und wieder sein ZZerhalten nicht anders einstellen und es fei ein Ehrentag für ihn, sich wegen seiner Handlungsweise zu verteidigen. Das Gericht würdigte auch seine Handlungsweise, indem es ihn zu zwei Monaten, zwei Wochen Gefängnis verurteilte. Begründend wurde ausgeführt, daß es erwiesen ist, daß er den Reichspräsidenten beleidigt habe. Er habe nicht das, was im Volk gemurmelt wurde, über die Republik zmn Ausdruck gebracht, sondern selbständig Handlungen began- gen. Mildernd« Umstände seien ihm in bezug auf seine Bater- landsliebe zugebilligt worden, aber die Beleidigung und das Ver- gehen gegen das oberste Organ des Deutschen Reiches feien derartig herabwürdigend, daß hier auf Gefängnis erkannt werden müsse. Die Folgen seiner HaMungsweise habe er sich selbst zuzuschreiben. Hapern sabotiert die verfaffungsfeiern. München, 25. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im bayerischen Ministerium des Innern brütete man seit Wochen über«in« An- ordnung, wie man in Bayern die für den 11. August im ganzen Reich geplanten Berfassungsfeiern abwürgen könnte. Während man in den übrigen deutschen Ländern von Amts wegen zu Verfassungsfeiern auffordert und sie begünstigt, ist natürlich davon in Bayern keine Rede. Im Gegenteil, jene Bevölkerungsschichten, denen das Bekenntnis zur Berfassung Herzenssache ist, werden nach Möglichkeit schikaniert, indem auf Grund des Ausnahmezustandes Verfassungsfeiern nur in geschlossenen Räumen geduldet werdeu, für die außerdem noch die spezielle Ge-, nehmigung bei den Polizeibehörden eingeholt werden muß. Es soll offenbar vermieden werden, daß machtvoll« Kund- gebungen für die Verfassung stattfinden. Diese grundsätzliche Feind- seligkeit des offiziellen Bayern gegen das republikanische Deutsch- land ist allerdings nichts Neues, denn wir sind längst gewohnt, daß in der weißblauen„Ordnungszelle' überall und jederzeit gegen das Reich demonstriert werden darf, aber keinesfalls für das Reich. Die sozialdemokratische Fraktion des bayerischen Landtages wird in der kommenden Woche die ihr in dieser Angelegenheit notwendig erscheinenden parlamentarischen Schritte unternehmen. wer bezahlte Ehrhardt! München, 25. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Kohr hatte kurz nach seinem Amtsantritt als Generalstaatskommissar in verschleierter Form eines schönen Tages von der Regierung Knilling die Summe von einer Million Golümark„für die darbende Jugend' verlangt. Es ist niemals bekanntgeworden, ob dem Generalstaatskommissar diese Summe bewilligt worden ist. Es wurde aber damals schon von ver- schiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß mit der darbenden Jugend des Herrn v. Kohr niemand anders gemeint sei als die Ehrhardt-Truppe, die unter dem Protektorat des Herrn v. Kohr damals in Nordbayern zum Marsch auf Berlin von Ehr- 'Hardt selbst zusammengezogen wurde Es- ist auch damals schon durch den jetzigen bayerischen Ministerpräsidenten Held gegen die Verschleuderung von Stoaisgeldern für dies« Bestrebungen öffentlich Protest erhoben worden. Ein« wirklich« Aufklärung über diese Dinge wurde ober niemals ge- -schaffen. Nun. hat m der Freitagssitzung des Finanzausschusses im Bayerischen Landtag, in der eine Reih« von Beschwerden gegen die Bayerische Staatsbank behandelt wurden, Genosse Auer folgende Anfragen an das Finanzminffterium gerichtet:.1. Ist es richtig, daß das Geld, das von der Bayerischen Staatsbank dem Frankfur- ter Bankhaus Neufville gegeben wurde(400 000 M.), im Zusammenhang steht mit der Summe von einer Million Goldmark, die Herr v. Kahr als Generalstaatskommissar im November v. I. für die darbende Jugend gefordert hat? 2. Ist es richtig, daß diese 400 000 M. in Frankfurt von dem Schwiegersohn des Barons Michel R a u l i n o- Bamberg, der seinerzeit die Ehrhardt-Truppe finan- zierte, abgehoben wurden? 3. Ist es richtig, daß die Bayerische Staatsbank sich zuerst geweigert Hot, das Geld nach Frankfurt zu überweisen, dazu aber von Kahr und Knilling dann ge- z w u n g e n worden ist?' Der iLertteter des Finanzministeriums im Ausschuß erklärt«, daß seines Wissens die 400 000 M. der Bayerischen Staatsbant an das Frankfurter Bankhaus gegeben wurden zur Deckung von Ber- Kindlichkeiten und Auszahlung an die Kunden. Bekanntlich hat das Bankhaus Konkurs gemacht, so daß die Bayerisch« Staats- dank 100 000 M. verloren hat. Ueber die Zusammenhäng«, wie sie der Abgeordnet« Auer mitgeteilt hat, sei ihm(dem Vertreter im Finanzministerium) nichts bekannt, er werde aber der Sache sofort nachgehen und in der nächsten Sitzung des Finanzausschusses am kommenden Dienstag Auffchluh erteilen. Der Lügenkampf gegen Lübbring. Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Land- tags Hot folgende Anfrage eingebracht: Der durch Austausch mit dem Polizeipräsidenten Brand zum Polizeipräsidenten in Dortmund berufene Polizeipräsident L ü b b r i n g. dessen Tätigkeit bereits in Ostpreußen zu schweren Be- denken(der Reaktionäre und Putschisten. Red.) Anlaß gab, hat am 23. Juli im Reichstag unter dem Schutz der Immunität durch den Zwischenruf„Alle Osfiziere sind Lumpen" das deutsche Offiziers- Korps, das gerade auch im Polizeibeamtentum stark vertreten ist, schwer beleidigt.(Nach ausdrücklicher Feststellung Lübbrings ist das eine Lüge. Rod.) Hält das Staatsministerium Herrn Lübbring noch immer für geeignet, ein hervorragendes Staatsamt, noch dazu im besetzten Gebiet zu bekleiden?_ Gewerkschastsring und Achtstundentag. Der Gewerkschastsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbänd«(Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine) oenrn- staltete gestern abend im Plenarsitzungssaal des Reichswirtschafts- rates eine öffentliche Kundgebung, die sich mit dem Repa- rationsproblem und der Sozialpolitik befaßte. Reichstagsabgeordaster Erkelenz, der Vorsitzende der demo- kratischen Partei, führte zu dem Reparotionsproblem aus, es sei für Deutschland fast nur möglich, durch Waren die Reparations- leistungen zu bezahlen. Hier bestehe ober die Schwierig beii. daß dadurch dos Ausland mit Waren überschwemmt werde. Wenn Deutsch- land jährlich 2)4 Milliarden zahlen solle, dann müßte entweder durch technische ZZerbesserungen die Produktion gesteigert werden oder alle arbeitenden Volksteile in Deutschland müßten ihre Arbeitslei st ungen annähernd verdoppeln und gleich- zeitig ihren Lebensstand wesentlich einschränken. Sinkende Lebens- Haltung mache ober einen gesteigerten Arbeitsertrag unmöglich. Ein weiteres sehr wichtiges Problem ist, so führte der Redner aus, die S o z i a l p o l i t i k. Es feien in allen Ländern gerade die Arbeitnehmer, die am meisten Persiändnis auch für die Lage des be- siegten Deutschland hätten. Wenn Deutschland an der Spitze der sozialen Reaktion marschieren würde, dann würden die Arbeitnehmer aller Länder sich gegen Deutschland wenden. Deutschland hätte bei Beendigung des Krieges den Versuch machen sollen, sich an dem Internationalen Ar- beitsamt führend zu beteiligen. Cm großer Fehler sei es gewesen, daß Deutschland der ersten internationalen Konfcrern in Washington ferngeblieben ist. Von der allergrößten Bedeutung waren die Ausführungen Erkelenz zum Achtstundentag. Der Redner bekannte sich erfreulicherweise stei und offen zum Achtstundentag, indem er sagt«: „Ick) bin ein Anhänger des Achtstundentages und werde es nach menschlichem Ermessen imm�r bleiben.' Es bestehe leider zu einem großen Teil in der Welt die Ansicht, daß nur Deutschland des Achfftundentages entbehre und daß darum viele andere Länder auf dieses Ideal verzichten müßten. Der Redner kritisierte die Erklärungen der deutschen Regierungsver- treter auf der internationalen Arbeitskonferenz. Im Interesse einer gesunden Reparations- und Sozialpolitik fei deutscherseits eine wesent- lich andere Einstellung zum Internationalen Arbeitsamt notwendig. Bor allen Dingen müsse schnellstens die Ratifizierung de s Washingtoner Abkommens über die Arbeitszeit erfolgen. Der zweite Redner, L e m m e r s, verbreitete sich als Teilnehmer an der internationalen Avbeitsbonferenz eingehend über die in Genf gepflogenen 25erhcmdlungcn. Die Sozialpolitik könne nur international vorwärtsgetrieben werden. Das sei nur möglich unter Beibehaltung des Achtstundentages. Deutschland müsse jede Möglichkeit iuternationaler Zusammenarbeit benutzen, um aus seiner jahrelangen politischen und geistigen Blockade herauszukommen. Dafür würden sich die Gewerkschaften mit ihrer gav'-n Kraft ein- setzen. Zum Schluß wurde eine im Sinne der Referate gehaltene E n t- schließung einstimmig angenommen. Einladung Deutschlands beschloffen. Paris, 25. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Di« Londoner Konfe- renz befindet sich immer noch im Zustand der Stagnation. Auch der Freitag hat in der zum Angelpunkt gewordenen Frage der S a n k t i o n e n keinerlei Fortschritt« gebracht. Beide Parteien beharren aus ihrer Position. Mit großer Spannung sieht man dem Ergebnis der Unterredung am Freitagnachmittag zwischen H« r r i o t und dem amerikanischen Staatssekretär Hughes entgegen, von der man allgemein eine Annäherung Beider erhofft. Die Einladung der deutschen Regierung zur konsereuz ist nuumehr prinzipiell beschlossen. Die am Donnerstag durch den englischen Botschafter in Berlin erfolgte Ankündigung hat jedoch nur offiziösen Charakter. Ueber den Tag, an dem die Verhandlungen mit der deutschen Re- gierung beginnen sollen, wie vor allem über die Form, in der sie stattfinden werden, wird erst die dritte Plenarsitzung der Konferenz am Montognachmittag entscheiden. Die beiden juristischen Sachverständigen, die ihr Gutachten am Donnerstag ab- geschlossen haben, sind zu dem Schluß gekommen, daß der Dawes- Plan tatsächlich ein« Anzahl von Bestimmungen enthält, die der Zustimmung der deutschen Regierung bedürfen, weil sie über den Perfctiller Text hinausgehen. Jalfthe Vertagungsgerüchte. London, 25. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Bericht des ersten Komitees über die Frage der deutschen Berfehlungen, der vor einigen Tagen veröffentlicht worden ist, hat die kritische Einstellung der Bankenvertreker gegen die vorgeschlagene Regelung ver- ursacht. Der neue Bericht dieses Ausschusses soll Montag früh mit den Bankenvextretern noch einmal durchgesprochen und mit ihren Ansichten in ll eb e r e i n st imm u n g gebracht werden, so daß er in der Vollversammlung am Nachmittag diskutiert werden kann. Heute- Freitag lief in politischen Kreisen da« Gerücht um, daß di? Konferenz zur Beseitigung zunächst unüberwindlicher Schwierig- leiten gezwungen sei, sich bis zum H e r b st zu vertagen. Dieses Gerücht, das Anlaß zu pessimistischen Artikeln gegeben hat, ist in- zwischen offiziell dementiert worden. Es ist deshalb wahr- scheinlich, daß die V o l l k o n f e r e n z die deutsche Regierung auf- fordert, raschestens ihre Delegierten nach London zu schicken. In den Delegationen ist man sich jedoch darüber einig, daß bis zum Ein- treffen der deutschen Delegation ein volles Einverständnis der Alliierten erreicht fein muß. Da Sinn und Wortlaut des Dawes- Berichtes die willige Teilnahme Deutschlands an der von ihm vorgeschlagenen Reporationsregelung fordern, wird mit der deutschen Vertretung über die von der Konferenz vorgeschlagene Regelung noch verhandelt werden. Die Ausschuharbeitcn. Paris, 25. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Während die erste Kommission einstweilen lahmgelegt ist, haben die zweite und dritte am Freitag ihre Arbeiten sortgesetzt. Die zweite hat den von ihrer Unterkommission' aufgestellten Plan für die ökonomische Räumung der besetzten Eebiete, auf Grund dessen die Wiederherstellung der wirtschastlichen Einheit Deutschlands bis zum 15. Oktober restlos durchgeführt sein soll, angenommen. In der noch immer ofsenen Frage der mili- tärischen Sicherung der strategisch wichtigen Eisenbahirlinien haben die beiden zu Rate gezogenen Sachverständigen zwei diametral entgegengesetzte Gutachten abgegeben. Während der Fran- zose Leveroe die Eingliederung von 4000 stanzösischen und bel- aischen Eisenbahnern für unbedenklich erklärt hat, hat der Engländer Acworth sie als eine Verletzung der Sachverständigen- Prinzipien mit großem Nachdruck verworfen. Nach dem „Tcmps" soll ein aus nur zwei oder drei Mitgliedern bestehendes neues Komitee mit der Aufgabe betraur werden, den Boden für, ein Kompromiß zu finden.___ Das prager Seazinpanama. Prag, 25, Juli.(Eigener Drahtbericht,) Am Freitag wurde im militärischen Benzinprozeß das Urteil gefällt. Die Perhandlimg hat insgesamt 39 Tage gedauert. Es wurden wegen Mßbrauchs der Amtsgewalt verurteilt: Staatskapitän Boubela zu vier Jahren schweren Kerkers, Oberst im Iustizdienst Ottokar Adam zu vier Monaten schweren Kerkers, Kapitän Ludwig Kuttelwafcher zu 13 Monaten schweren Kerkers, Kapitän Karl Mottl zu s e ch s Monaten schweren Kerkers und Stabskapitän Karl Dostal zu zwei Iahren schweren Kerkers. Sämtliche Verurteilt« wurden degradiert. Zwei der Verurteilten wurden bedingt ver- urteilt. Die übrigen Angeklagten wurden steigesprochen. Es handelt sich um die Korruptionsaffär« im Landesoerteidigungs- Ministerium, wo maßgebend« Organe Benzinfirmen Liefe- rungen verschafften, ohne Rücksicht daraus, ob die Qualität des Benzins den Bedingungen entsprach und ob nicht billigere Offerten gemacht wurden. Die beteiligten Zivilisten sind bereits schwer ver- urteilt worden._ Die Entdcutschung Ostoberschlesicns. Die Wojewodschaft hat wiederum 20 Kindern die Gmehmigung zum Besuch der Minderhcits- schule schriftlich entzogen. Di« Gründe sind nicht mitgeteilt wor> den. Die Mehrzahl der betroffenen Eltern hat neue Anträge«in- gereicht, obwohl die« nach dem Genfer Abkommen nicht nötig ist.— In Höhenlinie wurden seinerzeit 460 Anträge für die Minderheitsschul« gestellt. Es hätten danach sieben Minderheits- tlassen einger ichtet werden müssen. Tatsächlich sind aber nur fünf eröffnet worden, so daß 150 Kinder am Bssuch behindert sind. Die Behörden haben keine Schritte unternommen, um den Kindern den Besuch der Minderheitsschule zu ermöglichen. FewerGhojwbswegung , Revolutionäres� vurcheinanüer. Lofowfki. der ZRenschewlfi. reif zum Rauswurf. ■O'e.„Rot« Fahne" bringt di« fthr umfangreiche Debatte des .ntralau?fcI)Lisscs über den Bericht vom S.„Weltkongreß". Es ist wirklich sehr schwer, über das Gerede dieser Leute, deren Namen nicht veröffentlicht werden, und di« ja übrigens auch keinen Namen haben, keine Satire zu schreiben. Wir zitieren daraus einig« Perlen. So sagte ein Vertreter des Bezirks Erzgebirge-Bogtland: „Ein russischer Genosse Hobe erklärt, daß drei Kongresse zw sammen nicht solche Prügel für di« Rechten ergeben hätten, wie dieser eine letzte Kongreß.... Der Red ner sieht, zur Gewerkschaftzfrage übergehend, die Gefahr des Verfalls der Partei Mehrheit durch di« Gewerk- schaftsentfcheidung desS. Weltkongresses.(Zwischen- ruf: Keine Sorge!) Die neu« Phase der Gewerkschaftsfrag« sei von L o s o w s k i. einem früheren Menschewisten, eingeleitet worden. Die Einleitung des Manövers fei in einer Form ge- schehen, die man nicht billigen könne. Der Redner polemisiert gegen die Haltung H e ck e r t s auf dem Gewerkschaftskongreß. Eine Liqui- dation der RGI. können wir nicht unterstützen." Ein Delegierter der Pfalz ist auch sehr unzufrieden mit„dem Vorstoß der russischen Gewerkschaften und der französischen Delegation". Ein Mitglied der Zentrale erklärt, daß sich di« deutschen Delegierten einheitlich gegen den Dorschlog L o s o w s k i s, gegen dessen„Einheitsfrontmanöver" gewandt haben:„Die Frage ist nicht so zu stellen, ob überhaupt Ein- hcitsfrontbewcgung oder nicht, sondern unter welchen Bedingungen kämpfen wir für diese Einheit? Da ist es notwendig, gerade a n die Massen zu kommen, um dem Gegner die Massen zu entziehen. Zur Grundlage eines solchen Kampfes kann nur der Kampf gegen das Sachverstän« di genabkommen genommen werden." Die Herstellung der Einheit ist also ein Kampf gegen die Amsterdamer!— Ein Dertreter der Abteilung„Zell e", also der Abteilung der KPD., die mit der Zellenbildung ganz besonders beauftragt ist,„stellt fest, daß über die Frage der Perspektive kein« Differenzen sein können imd unterstreicht die Auffassung, daß die Gewerkschaftsfrag« di« Lebensfrage der Partei ist". Womit ausgedrückt ist, daß es um die KPD. sehr schlecht steht. Der Gewerkschaftsredakteur der„Roten Fahne" wiederum hält „die von dem Kongreß zur internationalen Gewerkschaftsfrage ein- genommene Stellung im gegenwärtigen Moment und auch in der Farm für s a l s ch". Hierin liegt«ine Ueberschätzung der Linken Anrsterdamer im JGB. und des Einflusses der Roten G e w« r k s ch a f t s i n t e r n at i on a l e und ein« Unterschätzung des rechten Flügels im IVB. Aus diesen verworrenen Anschauungen geht zunächst eines klar hervor: daß man mit Lofowski höchst unzufrieden ist, der des „Menschewismus" und des„Opportunismus", was bei den Kommu- nisten Kapitalverbrechen find, angeklagt wird. Das hat natürlich die deutschen Delegierten nicht gehindert, gemeinsam mit den Delegierten der anderen Sektionen einmütig Losowski als' internationalen Sekre- tär wiederzuwählen. Dos„Manöver" Lofowskis, wegen dessen er in den Augen der Linken reif zum Ausschluß ist, besteht darin, auf die Einladung, die vom internationalen Tewerkschastsbund an die russischen Gewerkschaften, zu Einigungsverhandlungen zu kommen, neuerdings gerichtet wurde, im zustimmenden Sinn« Stellung genommen zu haben. Die Herstellung der. Einheit ist für die KPD,, wie der Vertreter der Zentral« ausführt, nur ein Börwond. um „an die Massen heranzukommen" und gegen die Gewerkschaften, mit denen man vorgibt, sich einigen zu wollen, einen verschärften Ka m p f zu führen. Wie sehr die KPD. die Fühlung mit den Massen verloren hat, geht insbesondere daraus hervor, daß sie den Kampf gegen da« Sachverständigengutachten als besonders günstige Grundlage der Bekämpfung der Amsterdamer be- trachtet I Die Kulturwoche iu Leipzig. Die Leipziger Nutturwoche macht zum erstenmal den Versuch, in den Mittelpunkt der festlichen Veranstaltungen ein Fest der Masse, das Leipziger G« w er k scha f t s f« st, zu stellen. Di« inholt- lichs, künstlerische Gestaltung dieses Festes ist dem Leipziger Arbeiter- bildungsinstitut übertragen. Das Fest ist unter Ausschaltung des Minderwertigen und Kitschigen als sozialistisches B o l k s f e st gedacht. Es gehört zu den vornehmsten Aufgaben der Arbeiterkultur- bewegung, neue Wege für die Festkultur der Arbeiterschaft zu finden und insbesondere dem Massenfest«inen eigenen Stil zu geben. Dos Leipziger Gewerkschaftsfest wird ein bedeutungsvoller Schritt auf diesem Wege sein. Es ist daher den Vertretern der Gewerkschaftsorgmiifationen wie überall allen kulturtätigen Gewerkschaftlern dringend zu empfehlen, an dieser großen festlichen Veranstaltung, wie überhaupt an der ge- samten Kutturwoche in Leipzig teilzunehmen, da von ihr starte An- regungen für die gesamte kulturell« Tätigkeit der Arbeiterschaft, ins- besondere auch für die gewerkschaftlich« Bildungsarbeit ausgehen werden. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an das Arbeiter- bildungsinstitut, Leipzig, Braustr. 17. verbanöstag ües Deutschen werkmeisterverbanües. vlürzburg, 25. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Lerbandstag des Deutschen Werkmeisterverbondes begann am Freitag in Würz. bürg im reichen Schmuck schwarzrotgoldener Fahnen. Zahlreiche Gäste von Verbänden und Behörden sind anwesend. Die Reichs. regierung ist, wie der Vorsitzende Leonhard feststellt, der Einladung nicht gefolgt. Da, Reichsarbeitsministerium hat geantwortet, daß ihm leider die Mittel sehten, um«inen Vertreter zu entsenden. Dies« Mitteilung löste bei den Delegierten allgemeine Heiterkeit aus. Da- gegen begrüßen Vertreter der bayerischen Regierung und der Stadt Würzburg die Tagung. Di« Tagesordnung wurde eingeleitet mit einem Referat von Kurt Heinig- Berkn, dem Leiter der wirtschastspolitischen Ab- teilung des Verbandes. Er gab einen Ueberblick über die schweben- den wirtschaftlichen Fragen. Ohne Diskussion gab der Derbandstag durch einstimmige Annahm« folgender Entschließung seine Zu- stirmnung zu den Ausführungen des Referenten: „Der Würzburger Abgesrdnetentog des Deutschen Werkmeister- Verbandes als die Vertretung von 16l) ltüll Werkmeistern erklärt: Die Durchführung des Sachverständigengutachtens verlangt nicht nur die Tragung longandauernder Riefenleiftungen, sondern auch weitere Opfer für Ausfüllung der Lücken, di« damit im Staatshaushalt entstehen. Der Wertmeisterverband setzt sich dennoch für Durchführung des Sachverständigengutachtens ein, weil es keinen anderen Weg zur Befreiung von Rhein und Ruhr, zur Schaffung eines wirklichen Friedens und damit für die Voraus- setzung zum kulturellen Wiederaufstieg des deutschen Volkes gibt. Der Äbgeordnetentag sieht eine Gefahr für die Erreichung dieses Zieles darin, daß die La st« n v« r t« i l u n g nach Grundsätzen vor- genommen werden soll, die nahezu ausschließlich die breit- Masse, di« Arbeitnehmer zum Tröger der Pflicht der Wiedergutmachung verurteilt. Bei Anwendung solcher Grundsätze würde di« Erfüllung der Wiedergutmachung scheitern und Deutschland zu neuen, unaus- denkbaren Zielen geführt, zumal die Arbeitnehmer zugleich durch eine sozial nicht zu rechtfertigend« Verlängerung der Arbeitszeit, durch Abbau der Sozialpolitik und durch Senkung des Real ein- kemmens ohnedies auf das äußerst« beschränkt sind. Der Abge- mdnetentag fordert als unerläßliche Voraussetzung für die ehrliche Durchführung des Sachverständigengutachtens, daß Besitz und Der- mögen zur Lastentragung entsprechend mit berangezogen werden. Mit aller Schärfe wendet sich der Abgeordnetentag dagegen, daß der Grundsatz, dem Volke billig« Nahrungsmittel zu sichern, jetzt verlassen werden soll. Der Abgeordnetentag des Deutschen Werk- meisterverbandes hält es für unbedingt notwendig, daß die Ge- werkschasten entsprechend ihrer Bedeutung durch die Reichs» regierung bei der Durchführung des Sachverständigen- g u t a ch t e n s und der Schafsung der notwendigen Gesetz« g«- bührende Beachtung finden." In der Rochmittagssitzung wurde der gedruckt vorliegende Ge- schästsbericht«röriert._ Der Skaudal der Schiedssprüche. Die Arbeiter einer Anzahl Berliner Eisenkonstruktions- firmen hatten durch den Metallarbeiterverbond beim Schlichtung?- ausschuß den Antrag gestell:, wegen Lohnerhöhungen zu verhandeln. Im Termin wandt« der Vertreter des Verbandes Berliner Metall- industrieller ein,«ine gemeinsam« Lohnerhöhung bei den beklagten Firmen würde einem Tarifabs chluß für di« gesamte Gruppe gleichkommen. Dazu könne der Untcrnehmerverband sein« Zu- st i m m u n g nicht geben, da die Firmen gehalten wären, bei der Entlöhnung ihrer Arbeiter streng nach den vom VBMJ. herausgegebenen Richtlinien vorzugehen. Der Schlich» tvngsausschuh schloß sich diesem Standpunkt an, indem er in seinem Spruch sagt«, daß er die tarifliche Festlegung der Löhn« für«ine einzelne Gruppe der Berliner Metallindustrie für „unzweckmäßig" hält. Er empfahl, mit den Firmen einzeln zu oerhandeln und hält sich, sollten diese Verhandlungen scheitern, zur Vermittlung bereit. Dieser Spruch zeigt wieder einmal die Einstellung des Schlich- tungsausschusies unter dem System des Reichsarbeitsnünillers. Der Schlichtungsausschuß folgte ganz einfach den Ausführungen des Unternehmervertreters. Es ist ein Skandal, daß di« Schlichtungsinstanzen, wo die Unternehmer es wünschen, sich wei- gern, für Berussg nippen Schiedssprüche zu fällen. Als dagegen im Mai bei demselben Schlichtungsausschutz etwa 70 Einzelklagen aus Lohnerhöhungen aus der Metallindustrie vorlagen, wich der Schlichtungsausschuß den Verhandlungen dadurch aus. daß er«in« kollektive Regelung der Lohnstreitigkeiten fest» setzte. Die Verhandlungen darüber blieben übrigens e r g e b n i s» lös.«eil der Schlichtungsausschuß kerne höher« als die von den Unternchinern zugestandenen Löhn« festsetzen' wollte. Bei den Ei sen k onst ru k t e ur e n wieder»erweigern die Unternehmer den Abschluß eines Bruppentarifss, und der vchlichtirngsausschiiß findet wiederum nicht den Mut zur Tat. Damit hört der Schlich- tungsausschuß aber auf. ein« überparreiliche Instanz zu sein: er macht sich zum aussühnenden Organ der llnternehmerverbände. Die Unter»ehmcr das kleinere Uebel. Genosse Dverwald, Stadtrat von Schöneberg, schreibt uns: Als der Streit der Zimmerer ausbrach, erhielten wir in Schöneberg die Erlaubnis, die beim Bau des Schwimmbassins als Ein schaler tätigen ö Zimmerer weiter zu verwenden. Nach Be- endigung dieser Arbeit verweigerten die Zimmerer den Aufbau der Kabinen, da sie hierfür keine Erlaubnis hätten und inzwischen der verschärft« Generalstreik erklärt worden sei. Wir wandten uns so- fort an den Verband und wurden auf di« am gleichen Tage statt- 'indende Sitzung der großen Streikleitung verwiesen. Auch in dieser Sitzung wurde unbegreiflicherweise unser Antrag abgelehnt. Wir können nur annehmen, daß die Sitzungsteilnehmer«inseitig infor- miert worden sind, daß man insbesondere nicht mitgetellt hat, daß wir die Arbeiten in eigener Regie ausführen. Da durch diesen Standpunkt die Benutzung des Bades für dieses Jahr in Frage ge- stellt war, zum Schaden der zum Bau verwandten Arbeitergroschen. setzten wir uns mit dem Bezirksbetriebsrat in Berbindung und teilten ihm mit, daß wir numnehr gezwungen seien, durch«inen herbeizuführenden Beschluß des Bezirksamts, sämtliche bei uns im städtischen Dienst beschäftigten Zimmerleute und Tischler für diese von uns ausgeführte Regiearbeit heranzuziehen. Der Betriebsrat ersuchte, mit Rücksicht darauf, daß sich die Zimmerleut« noch im Streik befänden, nochmals mit der Organi- satton Rücksprache zu nehmen. Dem Wunsch« des Betriebsrates kamen wir nach und begaben uns— Herr Vermessungsrat Ia- r o s ch als technischer Leiter und ich als Dezernent— für das Dezirksamt zum Streikbureau, um«ine den Interessen der Allgemeinheit dienliche Regelung zu erreichen. Der Vorsitzend« des Betriebsrats trug in kurzer, sachlicher Form die Angelegenheit vor. worauf«ine ebenso kurze und sachliche Ant- wort genügt hätte. Herr S t r e h l hielt«s ober gar nicht für nötig, zu den Ausführungen des Arbeitnehmervertreters klar Stellung zu nehnien, sondern wandte sich an uns mit einem Vortrage von zirka 20 bis 30 Minuten über Unternehmertum Und Kapitalismus. Ich habe schon viel erlebt, aber eine derartige unsachgemäße, fast leichtfertige Stellungnahme eines Gewerkschaftsvertreters ist mir bisher noch nicht vorgekonnnen. Da olles, was Herr Strehl vorbrachte, dem üblichen Schema? entsprach, erklärt« ich ihm:„Das verstehe ich nicht: was hat denn das mit dem Kampfe gegen die Unter- nehmer zu tun?" Auf diese Frage sagte Herr Strehl wörtlich:„Was heißt Unternehmer! In diesem Kampfe sind di« Unternehmer das kleinere Uebel! Unser Kampf richtet sich h a u p t s ä ch- lich gegen die Berliner Gewerschaftsbewegung!" Diese Worte beleuchten wohl am besten die Stellungnahme, die Herr Strehl bei unserer Verhandlung eingenommen hat. Jedes Drehen und Deuteln darüber ist überflülsia. Nicht„sinngemäß" sind die Wort« wiedergegeben, sondern sie sind wörtlich dem Munde des kommunistischen Gewerkschaftsvertreters Herrn Strehl entflohen. Ein« weitere Kennzeichnung dürft« sich erübrigen. Beilegung des Gemeindearbeiter-Lohnkonflikts. Nachdem die bisherigen Schiedssprüche in der Lohnbewegung der Kämmereiarbeiter von den Arbeitern abgelehnt worden, waren, haben gestern auf Eirrladung des Magistrats erneut Verhandlungen stattgefunden. Der Magistrat hat sich durch den bisherigen Verlauf der Lohnbewegung davon überzeugt, daß fein Standpunkt nicht mehr haltbar ist. Nach verhältnismäßig kurzen Verhandlungen wurde gestern folgende Regelung getroffen. Es erhalten: Ungelernte Arbeiter, die weniger als«in Jahr in städtischen Diensten stehen. 44 Pf. pro Stunde: bei einer Beschäftigung über einem Jahr 45 Pf., über drei Jahre 46 Pf., über fünf Jahre 47 Pf. Die Sätze für Handwerker betragen unter den gleichen Voraussetzungen 61. 62, 63 und 65 Pf. Als Handwerker gellen alle Arbeiter mit handwerksmäßiger Ausbildung, die in ihrem Beruf beschäftigt werden, und Rohrleger. Angelernte Arbeiter erhalten unter dreijähriger Beschäftigung 50 Pf., über drei Jahre 51 Pf„ über fünf Jahre 52 Pf. Als neue Gruppe ist die Gruppe der angelernten Arbeiter mit verantwortlicher Tätigkeit geschaffen worden, die 61 Pf. Stundenlohn erhalten. In diese Klasse fallen alle Arbeiter, die bisher in der Gruppe der gelernten Arbeiter waren, aber nicht handwerksmäßig ausgebildet sind. Die Gruppe der qualifizierten Handwerker fällt in Zukunft fort. Die Bezahlung aller andern Gruppen regelt sich im bisherigen Verhältnis: der Gedingelohn bleibt unverändert. Di« Vereinbarung enthält ferner die Beftimmung, daß höhere Löhne bestehen bleiben müsien. Der Schiedsspruch des Zentralausfchusses bleibt vom 1. bis 27. d. M. in Geltung. Die vorgenannten Löhne treten am 28. d. M. in Kraft. Die Vereinbarung gilt bis zum 30. September 1024: der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hat sich aber vor- behalten, neue Lohnforderungen zu stellen, sobald die Lebenshaltung der Arbeiter sich oerteuern sollte. Die Funktionäre der Kämmereiarbeiter haben der Lohnvsrein- barung nach einem Bericht von Polenskc gestern abend gegen eine erheblich« Minderheit zugestimmt. Damit ist der Lohnkonfiikt bei- gelegt._ Vertagung der Toller-Feier. Die für den 28. Juli im Großen Saal des Gewerkichasts- Hause» geplante Toller-Feier muß wegen plötzlicher Erkrankung des Dichter? auf einen späteren Termin vertagt werden. Die bereits gelösten Kartende- halten ihre Gültigkeit. Den neuen Termin werden wir noch rechtzeitig veröffentlichen. Freie GewerkschaftS-Jugend. Freie Angestellien-Jugend. Bor neuen Betriebseinschränkungen im Ruhrrevier? Hörde, 26. Juli. lTll.) Schon im Juni war von der Leitung der.Phönix" beim Demobilmachimgskommissar der Antrag gestellt worden, der Schließung oder Einschränkung einer Anzahl von Betrieben, wodurch 2000 bis 3000 hiesige Arbeiter betroffen werden, zuzustimmen. Die Phönix-Direktoren haben neuerdings beantragt, die Anfang August ablausende Sperrfrist abzukürzen: damit schon in dieser Woche die beabsichtigten Stillegungen aus- geführt werden könnten. In einer Vollversammlung der Vertreter der Arbeiterschaft, der Industrie- und Handelskammer Dortmund und der Stadt Hörde erklärte der Vertreter der Regierung sich gegen di« beantragte Abkürzung der Sperrfrist. die nach den Ausführungen der Werkleitungen aus der Not der Berhältniffe geboten sein soll. Aussperrung in der westsächsischen Textilindustrie. Nach einem Drahtbericht deS„Konfektionär" hat die Wollgarn- Spinnerei Crimmitschau ihrer gesamten Belegschaft gekündigt.— In der Schmöllner Knopfindustrie sind neue Einschränkungen durch weitere Kurzarbeit nnd teilweise Entlastungen erfolgt. Berantwortlich fUc Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artnr Latcrnu»! Dewcrkschaftsbewcgung: Z. Steinet; Feuilleton: Dr. Zohn Tchikow-Ii; Lokales und Sonstiges: Walter Trojan; Anzclqrn: Th. Klo«; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Bcrla«(S. ni. b. S.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel nnd Berlagsanstalt Paul S:n>:er u. Co., Berlin EW. SS, Lindcnstraße S. Hierzu 2 Beilage it. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch„Lebewohl"" los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. „Lebewohl*1 wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. — Seit 20 Jahren bewährt.— In Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring! Süßstoff Zucker! Schluß: Wirkliche Gelegenheitskäufe zu kaum wiederkehrenden Preisen Saison- Nr. 34$ ♦ 41. Jahrgang 1. Heilage ües vorwärts SonnabenS, 2$. �ull 1924 Sonntagliche wanöerziele. Eine steinreiche Gegend. Diele Strecken in der Mark Brandenburg zeichnen sich durch einen außerordentlich großen Reichtum an Steinen aus. Fels- trümmer der verschiedensten Gebirgsarten finden sich hier, obwohl riirgsndwo festes Gestein zutage tritt. Lang« Zeit dachte man dar- über nach, wie die Steine wohl hierher gekommen fein mochten, ohne des Rätsels Lösung zu finden. Immer neu« Theorien tauchten auf und warfen die allen über den Haufen. Schließlich kam man dann zu der Anschauung, die heut« noch herrscht, und die wohl zweifelsfrei den Steinreichtum märkischer Landschaften erklärt. Bestimmte Anzeichen, die sich in anderer Weise nicht deuten lassen, erbringen den Beweis, daß das Eis die Ursache der vielen Steine auf und in dem Boden der Mark ist. Etwa zehn- bis zwan« zigtausend Jahr« vor dem Heute ging ein«rdgeschichtlicher Zeitab- schnitt zu Ende, in dem die Mark Brandenburg, ebenso wie das norddeutsche Tiefland und andere Teile Europas sowie Nordamerika, unter einer Eisschicht von mehreren hundert Metern Mächtigkeit be- graben lag. Das Eis, das Norddeutschland bedeckte, kam von Skandinavien herab. All die Gesteinsblöcke, der Lehm, Sand, Kies, kurz, die gesamte äußer« Erdschicht Norddeutschlands bis zu einer bald mehr, bald minder großen Tiefe ist in Skandinavien beheimatet. Sie bildet die Moräne des eiszeillichen Inlandeises. Wir wandern also eigentlich aus fremder Erde, wenn wir die Mark Brandenburg durchstreifen. An den Stellen, an denen der Eisrand längere Zeit still lag, wo von Norden her also soviel Eis nachfloß, wie am Ende der Inlandeisdeck« abschmolz, türmten sich besonders viel Gesteinsblöcke auf. Die feineren Gesteinsteilchen wurden von den Schmelzwassern des Eises ausgewaschen und fortgespüll. Eine derartig« Moräne, die am Ende des Gletschers gebildet wurde, ist ein« Endmoräne. Besonders die Uckermark ist reich an solchen End- moränengebieten. Eins von ihnen, die Gegend um Joochimsthal, wollen wir heut aufsuchen. Bom Stettiner Fcrnbahnhof fahren wir über Eberswald«(um- steigen) bis A l t- ü tt�e n d o r f an der Bahn nach Tem pli n (Sonntagskarte bis Joochimsthal lösen). Am Bahnhof Alt-Hütten- dors sind die Anlagen, in denen die in der Endmoräne gewonnenen Steine bearbeitet werden. Man stellt aus ihnen Pflasterstein« her; die größeren Blöcke liefern Schwellen und Sockelsteine sowie Funda- mentstein«. Der Absall und die kleinen Steine gelangen in das Schotterwerk, das ebenfalls dicht am Bahnhof steht, und werden hier zu Schotter zerkleinert, wie er für Eisenbahnen und Chausseen ver- wandt wird. Vom Schotterwerk wandern wir in südöstlicher Rich- tung auf der Angermünder Chaussee neben dem Gleis« der Feldbahn zu den Steingruben in den Jhlow-Bergen. Hier ist der Ge- steinsreichtum der Endmoräne aufgeschlossen. Dicht gepackt liegen hier die Geschiebe aneinander, vom kleinsten Steinchen bis zum viele Zentner schweren Block. Geschiebe werden die Stein« genannt, weil sie vom Eis weiter geschoben wurden. Bis über 10 Meter ist man in die Tiefe gegangen. Di« Zwischenräume zwischen den einzelnen Steinen werden von kalkig-tonigem Mergel ausgefüllt, der ein« graublaue Färbung zeigt. Da der Mergel die Geschieb« mit sich führt— sie sitzen in ihm wie die„Rosinen im Kuchen"— heißt er Geschiebe mergel. Nach der Oberfläche zu geht der grau- blaue Mergel in gelbbraunen Lehm über, der von der schwärzlichen Humusschicht bedeckt wird. Der Lehm ist ein entkalkter Mergel: der Kalkqehalt ist durch die Tageswasser(Regen- und Schneeschmelz- wasser) ausgelaugt und m die Tiefe geführt worden. Wir wandern an den Jhlow-Bergen nach Norden. Von der Höhe haben wir«inen schönen Blick in die Uckermark. Im Westen liegt Alt-Hüttendorf, im Osten sehen wir Groß- und Klein- ziethen; auch der weiße Turm von Schmargendorf bei Angermünde taucht hier am Gesichtskreis aus. Die Ihlow- Berge steigen als ein schmaler Höhenzug deullich aus dem umgeben- den Gelände empor. Wir können sehr gut den Verlauf der End- moräne verfolgen. Nach Süden zu fällt das Gelände ollmäl-'ich ab; hier nahmen die eiszeitlichen Schmelzwasser ihren Weg Ur- stromtal bei Eberswalde. Dieses Gelände, das Vorland. Endmoräne, dessen Kalkgehalt vom Wasser fortgeführt wurde, l>a! einen nährstofsärmeren Boden; er trägt Kiefern, oder, wo er beackert wird, Kartoffeln und Roggen. Dos Gelände nördlich der Endmoräne je- doch, ihr Hinterland, hat fruchtbaren Lehmboden, auf dem Buchen- wälder, Weizen und Klee gedeihen. Hier haben wir den fruchtbaren Teil der Uckermark, der zwar Steine trägt, aber auch Brot. Uhlands Wort« aus der Schwäbischen Kunde:„Viel Stein« gab? und wenig Brot", treffen hier nicht zu. Alt-Hüttendorf, das wir nun erreich«*, liegt a m Grimnitzfee. Vom hochgelegenen Fried- hos des Ortes überschauen wir die weit«, nahezu kreisrunde Wasser- fläche. Der See ist der Rest eines einstigen Staubeckens, das sich hinter der Endmoräne bildet, da der Wall den Abfluß des Wassers erschwerte. Am Sceufer wandern wir gen Nord: rechts abseits liegt Amt Grimnitz. Am Rand der Forst Grumsin und am Leistenhaus vorüber kommen wir nach Joachimsthal. Hier steht ein ganz gewaltiger Block als Gedenkstein. Er wurde beim Hausbau im Ort aufgefunden und dankenswerterweis« nicht vernichtet. Dom Bahn- hos Joachimsthal kehren wir über Eberswalde nach Berlin zurück. Wegläng« etwa 17 Kilometer. Velten— Nauen. In Velten, das wir vom Stetttner Borortbanhof au, über Tegel erreichen, beginnen wir die Wanderung. Das Dorf ist durch sein« Kachelfabriken weltberühmt geworden. Es liegt am Rande einer Hochfläche, an der sich im Osten das Haveltal entlang. ».----•«"£. 4.W»>'»? hw-— 7..---"V.-' � —.-.f„t i//'•'. In I i Jii_ zieht. Hier werden die Tonmergel, Gebilde der Eiszeit, abgebaut, die den wertvollen Stoff zur Herstellung der Kacheln geben. Bom Bahnhof wenden wir uns südlich über die Bahn gen West nach Marwitz. Dieses Dorf wird bereits in einer Urkunde von 1ZS0 erwähnt, die die Orte aufzählt, die zum Bezirk der Fe st e B ö tz o w, dem heutigen Oranienburg, gehörten. Wir wandern durch das langgestreckte groß« Dorf und kommen weiter in westlicher Richtung zum Wald. Ein echter märkischer Kiefernwald ist es, mit sandigen Wegen, die häufig von schimmernden Birken eingefaßt sind. Aber auch ein solches Gebiet hat seine Schönheiten, man muß sie nur zu finden wissen. Und dann ist ja der Weg nicht so lang, um beschwer- lich zu werden. Bald hinter dem Forsthaus Wansdorf geht es halb- links ab an ein« breit« Fahrstraße, der wir nach rechts folgen. Der Wald wird angenehmer. Rechts vom Wege steht«in alter Sand» steinobelisk.«in Meilenstein. Wir wandern jetzt auf der ehemaligen Poststraß« von Berlin nach Hamburg. Eine kleine Lichtung inmitten des Waldes tut sich auf: die Straße führt über sie hin. Linker Hand liegt der Z i« g e n k r u g, ein Gasthaus mit großem Vorbau(siehe Abbildung). Die alte Zeit taucht vor uns auf, jene Zeit, als der Schienenweg mit dem Dampfroß noch unbekannt war. Di« schwer- fällig« Postkutsche rumpelte vor den Krug, die Reisenden erholten sich von den Strapazen der Fahrt, während frische Pferde oorge- spannt wurden, und mit Hörnerschall und Geißelknall ging die Reife dann weiter. Jetzt liegt der Ziegenkrug einsam im weiten Wald: nur selten nimmt hier«in Fuhrwerk seinen Weg vorüber. Der Ver- kehr hat andere Straßen und andere Mittel gesunden. Westlich vom Ziegenkrug beginnt der Krämer, ein Kiefernwald mit zahlreichen Eichen. Starte Flugsandoerwehungen haben hier«in sehr schönes Dünengebiet geschossen. Am Ende der Eiszeit war das Land vom Pflanzenwuchs entblößt. Der Wind konnte den Sand unbe- hindert zusammenwehen. Als dann nach und nach die Pflanzenwelt in das vereist gewesene Gebiet ihren Einzug hielt, wurde der Boden gefestigt: mit der Dünenbildung war es vorbei. Als Kämme von meist bogenförmiger Gestalt ziehen sich die alten Dünen durch den Wald. Der Dünensand ist ein recht nährstofsarmer Boden: unter ihm liegt sedoch der nährstoffreichere de? Hochfläche, in dm die tief- wurzelnden Eichen hinabreichen. Nur so ist es zu crllärcn, daß diese Baumart hier gedeihen kann. Die Hochfläche, über die wir wandern, ist der Glien(aus dem slavifchen, Lehm oder Ton bedeutend). Der Rand dieser Hochfläche ist mit fruchtbarem Geschiebelehm be- deckt, wie bei Velten: hier liegen auch die Ortschaften, während das Imiere unbewohnt ist und nur Wald trägt, da der Dünenboden als Ackerland keinen genügenden Ertrag gibt. Zwischen zwei Urstrom- tälern erstreckt sich der Glien, dem Berliner im Süden und dem Eberswalder im Norden. In dem Berliner Tal zieht sich das Havel- luch hin, im Eberswalder das Rhinluch. Bei Forsthaus Krä- m e r p f u h l kreuzen wir die Chaussee von Perwenitz nach Vehlefanz. Etwa 25 Minuten weiter wenden wir uns an der Wegkreuzung nach links. Wir verlassen die breite Hamburger Post- straße und den Krämer und kommen nach Börnicke. Von hier wandern wir auf der Chaussee m südlicher Richtung weiter. Wir sind am Rand« des Glien, vor uns dehnt sich die weite Ebene des Havelluchs aus. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Luch entwässert. Wertvolles Wiesengelände wurde gewonnen, das der Viehwirtschaft dient. Zahlreiche Entwässerungsgräben wurdm ge- zogen, auch Dämme wurden aufgeschüttet, um bei Ueberschwemmun- gen die Gewalt der Wassermassen zu brechen und gleichzeitig als Fahrwege zur Verbindung der neuangelegten Siedlungen zu diene?. Zur Rechten ragen die gewaltigen Türme der Großfunken- station Nauen auf, von der die elektromagnetischen Wellen um den ganzen Erdball eilen. Wir überschreiten den Havelländischen Hauptkanal, der von Nieder-Neuendorf an der Havel bis nach Hohennauen nördlich von Rathenow führt, und der das Wasser aus all den kleinen Gräben des Luchs aufnimmt. Eine kurze Wanderung, und wir sind in Nauen. Di« Stadt liegt an einem alten Uebergong über das Luch, auf dem Süduser des Ur- stromtales. 1292 wurde Nauen zur Stadt erhoben: vorher war hier nur eine Ritterburg und«in Dorf mit Pfarrkirche, die in Urkunden aus den Iahren 1186, 1195 und 1197 erwähnt werden. Di« bei Nauen gelegene Feldmark zeichnet sich durch große Fruchtbarkeit aus: früher nannte man sie den„Fettpott". Nauen ist der End- punkt des Vorortverkehrs der Hamburger Bahn. Ueber Finkenkrug und Spandau kehren wir nach Berlin zurück. Wegläng« etwa 26 Kilometer. /�ber... Ferien tage und Urlaubswochen geben jetzt vielen Menschen Ge- legenheit, ein Stündchen oder zwei zu verplaudern, mühig zu sitzen und mit Nachbarn so allerhand Betrachtungen anzustellen. Wenn man m diesen Tagen die Bänke in den öffentlichen Parks und auf den großen schattigen Plätzen sieht, findet man, daß sie, namentlich in den Nachmittags, und Abendstunden, von Frauen besetzt sind, die auf die in der Näh« spielenden Kinder acht haben, dabei— fleißig, wie Frauen nun einmal sind— irgendeine Handarbeit in den Fin- gern halten und«in Schwätzchen machen. Wenn gute Reden sie begleiten, fließt bekanntlich die Arbeit besser und schneller fort. So plaudert man mit der Nachbarin auf der Bank, die man meistens nicht kennt, die aber ebenfalls gerne Rede und Gegenrede wechselt. Mit den guten Reden allerdings, die man bei diesen Plauder- stündchen hört, hat es so seine eigen« Bewandtnis, und wenn man die Probe aufs Exempel macht, sich zu den Plaudernden gesellt und ihren hurtig dahin plätschernden Gesprächen lauscht, wird man bald eines anderen belehrt, was traurig genug stimmt. Man unterhält sich über die Preis«, die wieder anziehen, man orakelt, was wohl alles der Winter bringen werde an Kälte, Teuerung und Lebens- mittelknappheit, man fragt sich, wie die neu« Mod« der Kleider, Mäntel und Hüte ausfallen werde, man freut sich an dem schönen, warmen Wetter und chofft, daß es noch recht lange anhalten werde. Niemand wird sich über derarttge Unterhaltungen verwundern oder gar entrüsten, und kein vernünfttger Mensch wird erwarten, daß die Frauen, die hier«in paar Stunden von Hausarbeit und häuslichen Sorgen aufatmen und ausruhen, zu großen sozialen, politischen oder gar philosophischen Problemen Stellung nehmen. Aber dann bringt jemand das Gespräch auf einen gemeinsamen Bekannten, der sich in diesem Sommer wieder«in« Erholungsreise hat leisten können, wöh- rend man selbst auch diesmal wieder in der heißen, staubigen und 42] Die Venus von Syrakus. Von Clara Ratzka. (Schluß.) Fragen und Antworten gingen hin und her. Wahrlich. eine Bühne!...... „Jeden Tag arbeitete ich am Hinteren Tor, schließlich be- wegt'e es sich. Ein jeder weiß, daß der Vogel aus seinem Türchen fliegt, wenn man es nur genügend weit öffnet," hörte Livia.„und ich hatte Glück. Am zweiten Tage ging die Prinzessin unter den Oelbäumen spazieren." Ganz triumphierend schnellte er es heraus. Jetzt aber packte ihn etwas am Kragen. Jawohl, man hatte ihn frei reden lassen, nun aber sollte er seine Helfer nennen. � „Nie_ niemals werde ich es tun, und wenn es mich den Kopf kostet," rief er in der Hochflut seines Gefühls. Ein Gemurmel erhob sich. Das— ja— war es nicht Beifall? Mit funkelnden Augen sah Renzo ins Publikum hinein. „Ein Verräter ist ein Schuft!" rief er.„Der Prinzessin ist nichts Böses widerfahren, ich verrate nicht. Von diefein Augenblick an wogten die Meinungen hin und her. Renzo. von seinem Advokaten angestachelt, war nicht zu halten.„Ganz Sizilien hat man durchgesiebt.— Her mit dem Sieb des Prinzen, versucht es noch zehnmal, hundertmal! Man wird nichts finden." Seine ungezügelte Keckheit brachte ihm Freunde. Scharf und eng spannte ihn das Verhör ein. Einmal lprach auch Livia. Ganz klar und ruhig. Alles stimmte mit dem überein, was Renzo sagte.. Da war wieder ein gelbes, hämisches Lächeln im Saal. Branco bebte vor Wut. Er wußte längst, was für ein blinder Narr er gewesen war. Der oberste Ankläger, der einen starken Instinkt für große Wirkungen hatte, die seinen Namen eingraben sollten, hatte Urteil längst fertig. Er brauchte gleichsam nur in die wasche zu greifen und es herauszuziehen. Sechs scharlachrot gekleidete Diener, die genau um seinen Willen wußten, standen ihm zur Verfügung. Er donnerte seine Rede in den Saal hinein, als handelte es sich um einen Königsmörder. „Zehn Jahre schweren Kerker!" rief er zum Schluß, während sich seine diabolisch hochgestrichenen Augenbrauen sträubten,„und sofortiges Zertrümmern dieses Schandbildes!" Damit wies er auf die Venus, die im schräg einfallenden Sonnenlicht stand. Fast schien es, als zuckte ein lebender Leib. Die scharlachroten Diener stürzten vorwärts, wollten sie fortschaffen. Die Zuhörer begriffen nicht, glaubten, man würde vor ihren Augen die Herrliche zerschlagen. Ein Ruf der Empörung— und dann? „Evviva Branco, ovviva Branco!" Sisto war auf das Podium gesprungen, hatte den ersten zurückgeschleudert und wendete nun mit der ganzen in ihm wohnenden Kraft das Steinbild, so gut er es vermochte, dem Saale zu. Bisher hatte man nur den Rücken, das Profil der Stawe gesehen, jetzt erblickten viele, wenn auch nicht alle, den meister- Haft gelungenen Kopf. „Ewiva Adriani, evviva Adriani!" scholl es hinauf. Renzo dankte gerührt, erschüttert. Dabei hob und senkte er immer wieder die gebundenen Hände. „Künstler— Künstlerhände!" rief es aus der Menge. „Evviva Adriani, evviva Branco!" So viel Spannung war in dem Saale, sie mußte sich entladen.— Währenddessen sprach der kluge Advokat und Begleiter Fratellis heftig auf ihn ein. Fratelli sträubte sich, wurde barsch, doch der Mann ließ nicht nach. Jetzt gab es ihm einen Ruck. Er trat vor und rief laut: „Ich schenke die Statue der Prinzessin Livia di San Cataldo." Livia stand auf und verbeugte sich dankend. Sic erkannte jubelnd ihre Zukunft: nein, jetzt tonnte und würde der Prinz sie nicht mehr halten. Als die Erregung verebbte, hatte alles ein anderes Gesicht. Die Schönheit, den Römern seit undenklicher Zeit so ver- traut wie ihr Herzschlag, hatte gesiegt. Die Venus von Syrakus blickte auf sie herab. Wohl hörten sie, daß der verwegene Sizilianer auf lange Zeit eingesperrt werden sollte, doch sie glaubten es nicht. Man sagt, daß alle Wege nach Rom führen, doch auch durch Ron, führen viele Wege, und wer sie kennt, dem öfincn sich die Türen, und wären sie noch so fest verschlossen. Man grollte, doch man wußte, dies kann nicht das letzte Wort sein! Renzo wurde abgeführt. Ein brausendes„Evviva" tönte ihm nach. War es nicht Erfüllung? Kam sie nicht schneller als er gehofft hatte?— Nach ganz kurzer Zeit schon schlich die Nachricht durch die Salons von Rom, dieser Renzo sei in einem Benediktiner- kloster in den Albanerbergen: er hätte einen einflußreichen Fürsprecher gehabt. Es war merkwürdig, wie viele Damen der Gesellschaft in den nächsten Wochen und Monaten den unwiderstehlichen Drang in sich fühlten, frommen Gemütes zu den Nieder- lassungen der Benediktiner zu wallfahrten. Eine wahre Bekehrunggsucht griff um sich. Sie wurde erst gestillt, als die hartnäckigste Büßerin her- ausgefunden hatte, wo man Renzo Adriani versteckt hielt. Doch die Mönche waren nicht der Meinung, daß sein An« blick die Zerknirschung fördern könnte. Auf die Dauer jedoch vermochten sie ihr Kloster den frei- gebigen Besucherinnen nicht ganz zu verschließen. Als die erste Römerin Renzos Arbeitsraum betreten hatte, fanden sie keinen Grund, eine zweite und dritte abzu- weisen. Schließlich verlegten sie das lichte Gefängnis in ein Nebengebäude, damit die klösterliche Ruhe nicht allzusehr ge- stört wurde. Denn nun war der Ehrgeiz einer jeden, die sich iür schön hielt, durch Renzos Hände eine zweite Venus zu werben. Armer Renzo, wie haben sie dein Künftlertum bedroht: wie viele Frauennamen gingen ihm wieder durch den Kopf! Doch die Kunst war feine Herrin. In einer abgelegenen Villa m Siziliens Bergland steht die Venus des Renzo Adriani. Heute noch, wie vor hundert Jahren, wird sie von einem jungen Graf« Sisto di vronco vergotten und geschmückt. stickigen Stadt hat bleiben müssen, trotzdem man doch ebenfalls«ine Erholung jo notwendig hätte. Und nun ist man im richtigen Fahr- wasser, jetzt ist man beim Lieblingsgespräch angelangt, den lieben Nächsten in kritisiere» und durchzuhecheln. Die Gerechtigkeit ver- langt das Eingeständnis, daß derartige Gespräche nicht nur Frauen, sondern auch viele Männer mit Vorlieb« pflegen. Und seltsam, keiner kommt ohne tadelnde Einschränkung, ohne ein kritisches Aber fort. Da wird dieser und jener wegen aller möglichen Eigenschaften gelobt, aber kommt dann zum Schluß jemand, er hat dies und das und er treibt es so und so. Ueberall fast dasselbe Thema und überall geht es ohne Aber und ohne Einschränkung nicht ab. Gewiß, nirgends gibt es Jdealmenscheti, und die Menschen sind Gott sei Dank keine Engel, jene indessen, die so streng kritisieren und mit dem Aber so verschwenderisch umgehen, haben häufig genug selbst die Kritik am meisten zu befürchten. Nur einmal glaubte ich das reine Lob eines Mannes singen zu hören. Man erzählte von ihm, wie sparsam er sei. wie fleißig und nüchtern und wie selbstlos er für seine Familie sorg«. Ich atmete ordentlich«rleichtert auf und wollte eben den Plaudernden meine Freude darüber ausdrücken, daß sie nicht in den allgemeinen häß- lichen Fehler des Aber verfallon seien, da sagte nach einer kleinen Pause eine Stimme mit Nachdruck und starker Betonung:„Aber er i st Sozialdemokrat!" Solöaten der Nepublik. Der Parademarsch im Bierlokal. Als am letzten Donnerstag wieder im Garten des„Brauerei- ausschanks Friedrichshagen" ein öffentliches Militärkonzert stattfinden sollte, ließen es sich etwa 20 Reichsbannerleute nicht nehmen, dorthin zu gehen, um zu sehen, was sich abspielen würde. Trctzdem die Hakenkreuzler zahlreich vertreten waren, wagten sie es nicht, die Reichsbannerleute zu belästigen, die so auf ihre Weis« für die Republik demonstrierten. Das Konzert selbst wurde vom Musikkorps der III. Nach- richtenabteilvng(Potsdam) ausgeübt. Soweit ging alles gmiz gut. Wie groß war aber dcrs Erstaunen der Mitglieder des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, als plötzlich auf der Biidfläche noch 15 Spielleute der Reichswehr in voller Uniform und mit dem Stahlhelm auf dem Kopf einen regelrechten Parademarsch ausführten. Daß die anwesenden Nationalisten und Hakenkreuzler hierzu den Beifall nicht versagten, erscheint selbstoer- ständlich. Abrr nicht so selbstverständlich sollte man die Tatsach« hin- nehmen, daß jetzt schon Reichswehrangehörige mit dem Stahlhelm auf dem Kopf im Garten eines Bierlokals Parademarsch ausführen. Ist Herr Geßler in seiner Eigenschaft als Reichswehrminister damit einverstanden? Ein kläglicher Rcinfnll. Die Deurschvölkische Freihcitspartei hatte am Freitagabend in der Schulaula in der Reicheei berger Straße eine öffentliche Bersomm- lrnig einberufen. Zu ihrem Leidwesen stellte es sich heraus, daß der vorgesehene Referent am Erscheinen oerhindert war. Der Vorsitzende mußte, nachdem er einige nichtssagende Worte über das Sachoerstän- digen-Gutachtcn vom Stapel gelassen hatte, dem Wunsche der Versammlung nach einer Diskussion hierüber willfahren. Da zeigte es sich, daß die übergroße Mehrheit der Versammlung gegen die de utfchv ö l! i s ch en K a t a st r o p h e n p o l i t i k e r Stellung »ahm und mit den in unserem Sinne sprechenden Diskussionsrednern gegen die wirklichen Kriegsurheber imd Verlängerer a ia Ludendorfs scharf ins Gericht ging. Am komischsten wirbte es, als der stell- oe'-tretende Vorsitzende seiner eigenen Partei wegen des Nicht- crscheinens des Referenten drastische Worte der Anklage widmete, die man nicht anders als einen„Dolchstoß von hinten" be- zeichnen kann. Inzwischen war ein Ersatzreferent erschienen, der sofort mitten in der Rede eines unserer Genossen das Wort er- greifen wollte. Er mußte sich aber von der Versammlung belehren lassen, daß es parlamentarischer Brauch ist, den anderen Redner erst aussprechen zu lassen. Ein deutschvölkischer Herr aus dem Vor- stand war darob dermaßen aus der Fassung geraten, daß er die zum Schutze der Versammlmig«ingesetzte Polizei herbeirief. Der führende Leutnant schien wohl auch falsch instruiert worden zu sein, denn er drohte, diejenigen Personen„zwangszustellen". die es unternehmen würden, die Versammlung zu stören. Darauf forderte einer unferer Cenosje» dazu auf, die Völkischen unter sich zu lassen. wobei sich herausstellt«, daß nur noch ein Bäckcrdutzend übrig blieb. Die Polizei faßt« den Schutz der Versammlung so auf, daß sie unseren Genossen, der ein Hoch auf unsere Partei ausbracht«, fest- nahm. Wie kann man auch in einer„völkischen" Versammlung, in der die Sozialisten die Mehrheit haben, solchen„Frevel" begehen! Oder sollt« i republikanische Schupobeamt« die Nerven verloren haben?_ ver Morö an öem Kaufmannslehrling Zeller. Widersprechende Aussagen. Zu dem Mord in der Pirschheid« wird mitgeteilt, daß sich das Psrdachtsmaterial gegen den jungen H e l l r i« g e l, zu mindestens von dem Tode des Paul Zeller etwas gewußt zu haben, so v e r st ä r k t hat, daß er dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Die weiteren Eumrttlungen aber machen diesen Mord immer rätselhafter. In den letzten Tagen sind alle Eisenbahnbeamten vernommen worden, die am 1. Juli die fragliche Bahnstrecke befahren haben. So sagte ein Lokomotivführer cus, der ein« leere Maschine von Beelitz nach Nauen brachte, folgendes aus: Um l2 Uhr 2 5 M i n. passierte er die Strecke zwischen den Bahnbuden 64 und 65. Zu gleicher Zeit sah er« i n e m ä n n l i ch e L e i ch e auf dem Bauche. Kopf nach unten, eine kurze Strecke von dem Vahndamm entfernt an einem Gebüsch liegen. Es ist dies unzweifelhaft Zeller gewesen. Er machte den Heizer darauf aufmerksam, doch konnte dieser nichts mehr sehen. Zwischen 12'A— 1254 Uhr hörte der Zugführer eines Personenzuges, der von Nauen nach Trnienbrietzen fuhr, in der Nähe des Fundortes, gerade als er sich im Packwagen befand, einen Schuß fallen. Eigentümlich ist nun, daß der Lotomotivsührer der leeren Maschine um 12 Uhr 25 Min. schon die Leiche gesehen hat, während der Zugführer des Personenzuges zwischen 12)4 und 12?4 Uhr erst den Schuß gehört haben will. Es besteht nun die Annahm«, daß der Schuß, der von dem Zugführer gehört worden ist. von dem Täter zum Schein aus der Waffe, die man bei Zeller gesunden hatte, die auch als sein Eigentum erkannt worden ist. abgefeuert wurde und ihm dann zwischen die Beine gelegt hat. Ein anderer Beamter, Beglefter eines Güterzuges, sagt aus, daß er auf der an- deren Seite des Fundortes, also zwischen Bahndamin und Havel, in der Näh« der beiden Buden, ungefähr 50 Meter vom Bahndamm ab, ein älteres Eh« paar hatte sitzen gesehen. Er beobachtete weiter, daß ungefähr 50 Meter davon entfernt«in untersetzter Mann im Alter von etwa 30— 22 Jahren aus dem Walde heraustrat, als er das Ehepaar erblickte, sichtlich erschreckt sich wieder in den Wald zurückzog. Dieses spielte sich ungefähr X>12— 12 Uhr ab. Ein anderer Bahnbeamtcr beobachtete am Abend zwischen 5 Z4 und 6 U hr. als er mit seinem Zuge die Stelle passierte, wie zwei Schupobeamte zwei jung« Leute fest- nahmen und svrttransportierten in der Richtung nach Potsdam. Alle diese Angaben werden nun noch von der Kriminalpolizei genau nachgeprüft werden. Unbedingt wichtig ist es. daß sich das Ehe- paar, das zwischen!412 und 12 Uhr beobachtet worden ist, und die beiden S ch u p o b e a m t e n, die abends zwischen 5)4 und 6 Uhr gesellen wurden, umgehend bei Kriminalkommissar Dr. Koch im Zimmer 9Za des Polizeipräsidiums melden. Hier werden auch Mittellungen von Reisenden, die ebenfalls vielleicht Beobachtungen am fraglichen Tage und zur fraglichen Zeit dort gemacht haben, ent- gegonge nommen. vss l�undLunKproxrsmm. Sonnabend, den 26. Juli. Tageeeintoilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermrttelnng des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2Jö Uhr: Börsenbericht. 6,30—7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik(Berliner Funkkapelle). 7,30 Uhr abends: Vortrag des Herrn San.Rat Hr. Frank:„Durst und Hitze". 9— 10 Uhr abends: Konzert der veratärkten Berliner Funkkapelle. 1. Triumphmarsch aus„AJda", Verdi. 2. Jessonda-Ouver- ture, Spohr. 3. Arie aus„Die Entinhiung aus dem Serail;„Hier soll ich dich denn seh'n", Mozart(Artur Philips). 4. Idylle passioneile, Razigade. 5. Brahms-Memoiren, Morona. 6. al Des Harfners Gesang. Schubert: b) Auf ein altes Bild. Hugo Wolff: o) Mädchen mit dem roten Mündchcn. Franz(Artur Philips). 7. Kordseebilder, Job. Sirauli. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. 10,15— 11, 30 Uhr abends; Tanzmusik. Volkenretlame. Bon Paul Ehr. Plottke. L o u d on, ftn Juli. Nach fast drei Mouate langem Schinutzwetter ein Sonnentag: Wie jauchzt das Herz, das von dem riesigen Häusermeer der fremden Stadt bedrückt wurde! Alte Potksliedmelodien, lange untergetaucht im Gewirr der harten Laute, drängen sich hervor. Summend schreite ich durch die Straßen des vornehm.en Westviertels nach dem Hyde- Park. Diese„Lunge" Londons ist wie eine Oase in der Hauser- wüste: Inmitten ein großer Teich; Wiesen, herrlich« Wiesen: hier und da Baumgruppen; bequeme Bänke und Stühle; und keine Schilder:„Das Betreten der Grasflächen ist bei Strafe verboten!" Wie lange habe ich den Himmel nicht so klar-blau gesehen! So weit das Auge reicht kein Wölkchen— nur fern am Horizont leichter Dunst, der sich auszulösen scheint. Doch plötzlich ballt sich in gewaltiger Höhe irgendwo aus dem blauen Nichts heraus eine kleine, auffallend weiß« Wolke. Wie ein Punkt erscheint sie anfangs. Dieser Punkt aber hat eine geheimnis- volle Wandlungsfähigkeit. Er dehnt sich aus zu einer Linie. Diese Linie rundet sich, hört dann auf: fetzt an einer anderen Stelle von neuem an; setzt wieder ab; fängt wieder neu an... Du siehst weiter nichts als das hellblaue Firmament und diese weißen Zeichen, Schristzeichen, die fich zu Worten formen. Du könntest wirklich glauben, ein übermächtiger, unsichtbarer Gott schriebe Warnungs- zeichen für die oerruchte Menschheit an den Himmel— doch dann erkennst du die Worte„Daily Mail"— der Name einer reaktiv- näven Movgenzeittmg!(Auflage fast zwei Millionen; Anzeigenpreis per Seit« fast 1000 Pfund Sterling: zum Pvesie-Trust des edlen Lord Rothermere gehörig, zu dem u. o. auch die illustrierte Margenzeitung„Daily Mirror" mit einer Auflage von em«r Million und droi Sonntagszeitungen mit einer Auflage von zusammen fast vier Millionen gehören. Nun verstehst du: das ganze ist kein hlmm- lijches, nur ein technisches Wunder. Dos Flugzeug, das mit Hilfe rauchgefüllter Zylinder diese Worte in kaum drei Minuten in die Luft schrieb, ist in so großer Höhe, daß es selbst kaum sichtbar wird. Der Effekt ist gewaltig: Wohin du blickst: überall starren Menschen hinauf. Es ist nicht aus- zudenken, wie viele in allen Teilen Londons diesem Schauspiel folgen. Ein originelles Freilichtspiel— und gratis!— Unter dem Gesichts-winkel des Profits betrachtet für den Ro therm ere-Trust sicher von guter Wirkung: denn neue Tausende werden den„Daily Mail" kaufen, um darin Einzelheiien über die Produktion dieser .Himmeloschrift zu lesen. Das allgemein« Ansehen der Zeitung wächst. Ob das auch die politische Macht dieses Trusts erhöht? Der„Daily Herald", die einzige— wirtlich, so sonderbar es erscheinen mag: einzige!— Tageszeitung der englischen Arbeller- schost, hat jetzt eine Zirkulation von zstka 400000 Exemplaren. Die Arbeiterpartei hat ferne Somttogszeittmgem Die Unabhängige Arbeiterpartei hat nur eine Wochenzeitung, den„New Leader", mit einer Auflage von etwa 60 000. Dock) trotz dieses im Verhältnis zu den fünf mächttgen kapitalistischen Aeiwngskonzernen däumlingshaften Umfanges der englischen Arbeiterpresse wird die politische Macht der Labour Party mehr und mehr dominierend! Ein auffälliges Zeichen für die Relattvität der polittschen„Großmacht Presse"! Kann man daraus schließen, daß die englische Leserw-elt der Politik der bürgerlichen Zeitungen recht kritisch gegenübersteht? Ich würde das nicht sagen, obwohl der Engländer einen imponierenden praktischen Sinn für politische Notwendigkeiten und Möglichkelten hat. Es ist nur ein verschwindender Prozentsatz der Käufer kapita- listischer Zeitungen, der den Leitartikel und die politischen Spalten liest. Die politische Erziehung genießt der Engländer in der Haupt- fache bei den zahlreichen öffentlichen Diskussionen, m den Klubs usw. Die meisten lesen in den Zeitungen nur die Neuigkeiten des Sport- teils oder Thcaterieils, Eheskandale und ähnliches und verschlingen die auch in Tageszeitungen zahlreich enthaltenen Bilder. In Tranis, Omnibussen und Untergrundbahnwagen kann man haufenwetze derartig„verarbeitete" Zeitungen herumliegen sehen. Der Eng- länder nimmt sein« Morgen-, Mittag- und Abendzeitungen nicht so wichtig— obwohl er kaum länger ohne Essen als ohne Zeitung fem könnte. Schon das englische Wort für„Zeitung" deutet das uu: „news paper", was wörtlich übersetzt„Neuigkeiten-Papier" heißt. Damit ist nicht gesagt, daß die großkapitalistische Press« keinen Einfluß auf die öffentliche Meinung hat. Den hat sie; sehr sogar. Aber mehr in der Richtung auf das, was gekauft werden soll, auf Mode, gesellschaftlich« Sensationen, Sport und dergleichen. In praktisch-politischer Hinsicht sprechen die Taten der Labour- Regierung, obwohl sie zunächst nur das Amt und noch nicht die Macht hat, eine zu beredt« Sprache, als daß die Massen der Leser auf das Geschrei der bürgerlichen Zeitungskuiis etwas geben würden. In dieser Hinsicht ist kein« zu große Gefahr. Das erklärt ober andererseits auch zum Teil die im Alltagsleben liberalistisch. klein- bürgerliche Haltung der englischen Genossen, die politisch m vielem so weit find: Die kulturelle sozialistische Erziehungsarbeit einer groß- zügigen Arbeiterpresse fehlte! Doch man arbeitet eifrig dem», diesem Mangel abzuhelfen. Di« weißen Reklame-Wolken des„Himmelsschreibers"(sky w riters, wie ihn die Londoner nennen) verwischen sich bald und ver- gehen wieder im blauen Dunst. Die kulturelle Macht der englischen Arbeiterpresse wird langsam aber stetig wachsen mit der siegreichen Idee des Sozialismus— ohne die Errungenschaften der grog- kapitalistischen Retlametechnik. Willslätters Rücktritt unwiderruflich? Die Verirauenskund- gebung des Profefsorenkollegiums der Müuchener Universität für Geheimrat Willstätlsr, durch die der Gelehrte zum Verzicht auf seine Nücktrittsabfichten bewogen werden soll, hat, wie wir von unter. richteter Seite erfahren, eine Borgeschichte. Es hat nämlich große Mühe gekostet, die Gesamtheit der München«: Unwersitätsprosefioreu 2rkschafts- und Kranken- kasienbewegung besetzte er hervorragend« Stellen und bekam deshalb oft die Unternehmerwillkür zu spüren. Trotz aller Schikanen blieb er der sozialistischen Sache treu. Sein« Frau war ihm eine treue Lebensg-fährtin, die Freud und Leid mit ihm zu teilen wußte. Er legt« mit den Grundstein zur Verliner Parteibewegung. die heuie so stolz dasteht Wir Jüngeren aber haben die Pflicht, ihm nach- zu eifern womit wir auch am besten sein Andenken ehren. Wir werden das Werk, das Emil Boeske begonnen hat. m seinem Sinne weiterführen! Ein Vertreter des ZdA., Sektion der Krankenkassen- angestellten, Hab noch die Verdienste Boeskes in der Krankenkassen- bcwegung hervor. Wieder ertönte Märnierg-esang durch den Raum. Heller Sonnenschein flutete herein, als sich die Türen der Kapelle öffneten. Dann trug man Emil Boeske zu Grabe, wo Georg S ch m i d t im Namen des Parteivorstandes, Franz Künstler für den Bez-irksvoritand Berlin sowie Tänzer für den Gewerkstrankcn- kasstnoerein und der Vertreter der 95. Abteilung Kränze nieder- legten._ Schon wseöer ein Morü! Gestern abend gegen 8 Uhr wurde in der Nähe des Spree- tupnels in Treplaw die Leiche des 38 Jahre alten Kellners August Schöbe aus der Spree gelandet. Schöbe wohnte im Haus« Elsterstraße 2 in Neukölln. An der rechten Hals- feite weist die Leiche eine Stichwunde auf. Außerdem ist d i e Schädeldccke zum Teil zertrümmert. Da angenommen werden muß, daß es sich um«ine« Mord handelt, sind die Kriinmal- kammissars Dr. A n u s ch a t und Qu aß mit der Aufklärung des Fundes beschäftigt. Die Leiche, die etwa zwei Tage im Wasser gelegen haben mag, ist dem Schauhause zur Obduktion übergeben worden. Misthandlung eines Kriminalbeamten. Zu diesen Ausführungen in Nr. 343 schickt uns der darin an- gegristen« Äostwirt Feister eine Zuschrift� der wir folgendes enl- nehmen: Die Angelegenheit hat sich tmmitleibar vor meinem Lokal abgespielt. Soweit es der Tumult und die kurz« Zeit des Tor- fanges zugelassen haben, habe ich mich, wie durch Zeugenaus- agen sestgestelit ist, mit Kräften durch persönliches Eingreifen bemüht. Arges zu verhüten. Meine dabei ausgesprochene Absicht, die Unfallstation telephonisch anzurufen, wurde dadurch gegenstandslos, daß der angefallene Beamte durch Passanten bereits fortgeschafft worden war. Unter diesen Umständen kann wohl kaum die Rede davon sein, daß es mir an der allgemeinen menschlichen Hilfsbereitschaft, die in solchen Fällen angebracht ist, gefehlt hat. Die inzwischen erfolgten polizeilichen Ermitt- l u n g e n haben auch erwiesen, daß die im Bericht gegebene Dar- stellung, soweit sie sich aus mein« Person bezieht, nicht zu- treffend ist._ Die Teilnehmer am Sinderfest des Bezirksamts Prenzlauer Verg versammeln sich um S'/zstlhr bor dem Bezirfeamt Prenzlauer Berg, Danziger Str. 64, zum gemeinsamen Abmarsch nach dem Festplatz. Da durch das Fest' allen Kindern, die nicht zur Sommererholung hinauskonnten, eine Freude bereitet werden soll, so ist recht zahlreiche Beteiligung erwünscht. Ein seltenes Zubilönm. Am TcimerStag beping der besonders den älteren Parteigeiiosse« wohlbekannte Tischler Genosse Wilhelm Rasch, der jetzt im F r i c d r> ch- W i 1 h c l m- H o s p i l a l wohnt, mit seiner Ehefrau das Fest der ,D i a m o n t c n e n Hochzeit". Vater Rasch, so wurde er srühcr genannt, denkt noch immer mit Freude und Stolz an die srühercn Kämpserjahre. auf eine gemeinsame Bertrauensformel festzulegen. Schon vor etwa einer Woche hatten fünf Professoren, darunter Rektor v. Kraus und Geh. Rat Sauerbruch, einen Entwurf ausgearbeitet, der in unverhüllten Worten die Völkische Hetze an der Münchencr Universität brandmarkte. Dies« Entwurf fand aber nicht die Billigung des Kollegiums, so daß Rektor und Senat nunmehr einen neuen Mcrtlaut einer Vertrauens kund- gebung für Willstätter ausarbeiteten. Wie wir ab« hören, soll die darin ausgesprochene Bitte, der Gelehrte möge sich zu einem Verzicht auf seinen Rücktritt bewegen lassen, erfolglos bleiben, da Geheimrat Willstötters Entschluß, München zu verlassen, unabänderlich sein soll. Dölk«lmndskommission für geistige Zusammenarbeit. Aus Gens wird gemeldet: Unter dem Vorsitz des französischen Philo- sophen Henri V e r g s o n wurde im Völt«bundssekretariat die Boll- sitzung d« Bölkerbundskommission für geistige Zusammenarbeit er- öffnet. Es nahmen daran teil: Professor Einstein(Deutschland), Professor Gilbert Murray(England), Murie(Polen) und Lorenz (Holland). Professor Bergs on hielt eine Ansprache, in der er Pro- fessor Einstein sowie ein anderes neues Mitglied, Lugones(Argen- tinien), begrüßte. Einstein dankt«, indem er seiner Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an den Arbeiten d« Kommission Ausdruck verlieh. H>«auf wurde B«gson wieder zum Präsidenten und Murray zum Vizepräsidenten gewählt. Dann trat die Kammisstan in ihre Tagesordnung ein, indem sie zunächst Mitteilungen über die Gnmdunz und Tättgkeit der nationalen Komitees fiir geisttge Zusammenarbeit in den verschiedenen Ländern entgegennahm, die Frage der Beziehungen der Kommission zu der kürzlich gegründeten katholischen Kommisston für geistige Zusammenarbeit und zum Internationalen Verband geistig« Arbeiter erörterte und schließlich auf Grund eines ausführlichen Berichtes die Debatte üb« das geistige Leben in den einzelnen Staaten eröffnete. Das Skelett Richards III, Ein Skelett ist in Leicester aus- gegraben worden, von dem man annimmt, daß es das des englischen Königs Richard IJI. ist. der in der Schlacht von Bosworth am 22. August 1455 erschlagen wurde und durch Shakespeares Drama unsterblich geworden ist. Richard, der die Nacht vor der Schlacht in einem Gersthof in Leicester schlief, wurde nach dem für ihn unglücklichen Treffen tot dorthin zurückgebracht, und zwar war der Leichnam aus einem Pferd festgebunden. Die Beerdigung fand ohne jede Feunrlichkeit statt. Das einzig« Andenken an sein Grab ist ein Stein in einem Gebäude bei Bow Bridge, aus dem angegeben ist, sein Grab sei nahe dabei. In der Nähe dieses Gedenksteins ist nun das Skelett ausgegraben worden, das im Lokalmuseum Lei- eester Aufftellung gestünden hat. Die diesjährige ärzlNchc Studienreise skihrt w die Schwarzwaldbädcr. Sie wird am 6. September in Würzburg beginnen ttnh nrn 20. September in Bad Türrbeim((blichen. Nähere Auskunft erteilt das Bureau der Deutschen Gesellschaft für ärztliche Studienreisen, Berlin A. 9, Potsdamcr Strahe 134 d. Aulostragc vom Kongo zum iMl. Vom Kongo zum oberen Nil ist zur« zeit emc Krastwagenilragc im Bau. die als Borläuserin einer Strecke der noch auszubauenbeit Kav-Kairo-Balm zu betrachten Ist. Tie Straße lülnt in einer Länae von 1100 Kilometern vvn Aketi(nordwestlich von Stanley- ville) über Buta. Bambüi. Niangara am Uelteslutz, Dungu, Karadjh Ada nah Rejas, daS etwa unter dem sünstcn nördlichen Amtcgrad am oberen Nil liegt. Sie oerläuft also ziemlich genau in nordwestlicher Richttttrg Das Sestänönis Ses Serchtesgaüener Woröers. Er wollie noch einen Kurgast berauben. Der megen bes Raubmordes an dem Berliner Studienrat Dr. Merz vorhaftcl« IVjährige Gymnasiast Keßler aus Nürnberg hat im Lauf« feiner Vernehmung auf die Frage, weshalb er nach BerSb'mg der Tat spater wieder in die Berchtesgadener Gegend zu rüch?� kehrt sei, bekundet, daß er noch einen Raub an einem Kurgast beabsichtigt hätte, von dem er vermutet«, daß er mehr Geld bei sich haben würde, als es bei Dr. Merz der Fall war. Für diesen neuen Ueberfall hatte sich Keßler den Weg von Berchtes- gaben zum Unterstein als geeignei ausgewählt. Nachdem er dort einige Zeit auf Spaziergänger gelauert halte, nähert« sich ein« Frau Bauer aus Zwickau. Der jugendliche Räuber stürzte stch nach seinen eigenen Aussagen aus die Ahnungslos«, schlug sie mit «m«m Stock zu Loden und schleppte die ohnmächtig geworden« Frau, trotzdem in der Nahe Leute vorbeigingen, unbemerkt ins Gebüsch. Als«r dann merkt«, daß sie wieder zu sich kam, versetzte er ihr aus Z.'ngst, daß sie um Hilfe rufen könnte, mehrere Messer st ich« und ergriff dann unter Mitnahme der Handtasche der Ueberfallenen die Flucht. Bei Keßler fand man u. a. auch einen Zettel, auf den er geschrieben hatte:„Ich habe den Wunsch, mit mir noch eine Anzahl von Leuten mit in die ewigen Jagd- gründe gehen zu lassen." An seine Mutter hatte er nach Verübung der Tat eine Postkarte mit der Mitteilung, es ginge ihm gut, geschrieben pnd auf die Kart« dazu die Münchener Frauen- türme aufgezeichnet. Den Revolver, mit dem er den Mord an Studienrai Dr. Merz verübt«, hatte er für 7 M. gekauft, das Geld hatte er sich von einem Bekannten geliehen. Keßler ist nach seiner Vernehmung in der Münchener Polszeidirektion nach dem zustän- digen Untersuchungsgefängnis in Traunstein transportiert worden, wo er seiner Aburteilung durch das Schwurgericht entgegensieht. Der erste weibliche Gemeindevorsteher, eine Frau Magdaleuc Affe, ist in Schneidemühler Hammer bei Schneidemühl im Amt. Frau Asse wurde 1S23 zum ersten Male einstimmig von der Gemeindevertretung zu diesem Posten berufen und ist bei den diesjährigen Neuwahlen wiedergewählt worden. Die Bestätigung durch den Landrat von Deutsch-Krone ist nunmehr erfolgt. Frau Asse hat ihr Amt seit einem Jahr unter schwierigen Verhältnisien, politisch wie wirtschaftlich, zur allgemeinen Zufriedenheit geführt. Eine polnische Sladt von russischen Räubern geplünderl. Eine etwa 30 Personen starte Bande, die dieser Tage von Sowjetrußland auf polnisches Gebiet eindrang, plünderte die Stadt WiSzniewo an der polnisch-russischen Grenze. Bei der Ver- solgung der Banditen durch polnische Truppen gab es auf beiden Seiten Tote und Verwundete. Ueberschwemmungen in der Umgebung von Tientsin bedrohen von neuem die Stadt. Die Wassermengen haben 15 Meilen von der Stadt entfernt eine bedrohliche Höhe erreicht. Infolge der Weigerung der chinesischen Behörden, die Dämme im Norden und Süden des Landes durchstechen zu lassen, um ein Abfließen des Wasiers zum Meere zu ermöglichen, wird die Lage immer drohender. Ein« braune Akleulasche verloren. Im Nordringzug ab 4 Uhr 14 Min. nachmittags, Börse, Richtung Landsberger SIllee, ist eine braune Aktentasche mit Inhalt verloren worden. Der ehrliche Finder wird gebeten, die Tasche bei dem Genossen H c n t s ch e l> Ebelingstt. 7, gegen Belohnung abzugeben. Wetterbericht, gär Berlin und Amgegend: Zeilweise heiter, doch noch unbeständig, mit Regcnlchauern. Am Tage etwas wärmer, mäßiger wen- licher Wind.— Jßr Deutschland: In ganz Deutschland wird das ver- änderliche Wetter anhalten. Es werden sich weitere Regenschauer von West nach Ost sortpflanzen. Rotter-Methoöen uns Konzesilonswefen Die Theaterdicettion Gebrüder Ratter in Berlin galt von jeher als besonders geschäftstüchtig. Ihre Geschäftstüchtigkeit hat sich nun in letzter Zeit ein neues Betätigungsgebiet gesucht: nicht mehr der Eigenbelrieb von Theatern, sondern die Pachtung von Thoatergebäuden zum Zweck ihrer Weiterverpachtung soll den Herren die Taschen füllen. Es ist den Gebrüdern Rotter gelungen, nach und nach folgende Theater in ihre Gewalt zu bringen: das Residenz- lheater, das Trianontheater, das Kleine Theater, das Zentraltheater, das Lessingtheater und das Theater des Westens. Einen eigenen Betrieb wird man voraussichtlich in der nächsten Spielzeit nur in zweien oder dreien dieser Häuser eröffnen. Für die übrigar hat man bereits Pächter gefunden oder versucht, sie zu finden. Di« Pacht- summen aber, die man verlangt, bzw. bereits abgemacht hat, gehen ins Phantastisch«. Man spekuliert bei dem einzelnen Haus auf 50 000 bis 100 000 M. jährlichen Zwischengewinn. Für nichts und wieder nichts. Ein falscher weg. Es ist verständlich, wenn sich gegen diese Geschästsmeihoden Dliderspruch zu regen begonnen ha!. Die Genossenschasi der deutschen Bühnen cm aehcrigen erschien zuerst auf dem Plan, um auf das Wucherische der Rottcrschen Methoden aufmerksam zu machen: es haben sich dann auch das Polizeipräsidium und andere behörMiche Stelleo mit ihnen beschäftigt. In der Be- und Berurleilung der Rotterschen Geschäftspraktiken war man wohl überall einig. Aber es scheint, daß die verantwortlichen Behörden keine rechte Möglichkeit sahen, gegen die Herren Rokter einzuschreiten. Inzwischen hat die deutsch« demokratische Fraktion im Preußischen Landtag«ine Anfrage«ingebracht, die, ohne die Gebrüder Rotter gerade zu riennen doch augenscheinlich von ihren Methode» ausgeht, sie gebührend kennzeichnet und dann den Versuch niacht. einen Ausweg zu zeigen. Es heißt da:„In den Berliner Theatern haben sich feit längerer Zeit unerträgliche Mißstände entwickelt. Es bat sich die beklagenswerte Unsitte eingebürgert, daß von kapita- listischen Konzernen während der Znjlantionszelt zahlreickze Theater aufgekauft oder ausgepachtet und zu hohen Preisen an Dritte weitergegeben werden, so daß an dieser geradezu wucherischen Ueberpacht der wirtschaftliche Bettieb dieser Theater zusammenbrechen muß. Dieser Kettenhandel mit Theatern, die der Volksbildung und Er- ziehung dienen sollen, zwingt natürlich die Unterpächter, so hohe Eintrittspreise zu fordern, daß der Theaterbesuch bei den schweren wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen mir leben, zur Unmöglichkeit wird. Diese beklagenswerten Uebelstände beruhen auf einer für die jetzigen Verhältnisse völlig unzureichenden Verordnung über Konzesjionserteilung. deren Umgestaltung im öffentlichen Interesse notwendig ist. Diese Neuordnung der Konzcssionsvorschriften müßt« in erster Reih« dafür Sorge tragen, daß der Konzessionsträger auch tatsächlich die' moralische, materielle und künstlerische Verantwortung hat und nicht irgendeinen Strohmann vorschieben kann, und daß außer einer entsprechenden Kaution, die die Forderungen der an dem Theater Beschäftigten weitergehend als bisher deckt, der Bewerber den Nachweis zu führen hat, daß nicht untragbare Lasten die Existenz des Theaters von vorneherein gefährden und sein« Rentabilität ausschließen." Die Ratschläge, die hier ge- geben werden, mögen aut gemeint sein. Aber sie führen aus einen falschen Weg. Eine Verschärfung der Borschriften für die Er- teilung der Svielerlaubnis, wie sie hier gewünscht wird, würde die Gebrüder Rotter bestenfalls mittelbar, in zweiter Lim« treffen, näin- (ich nur insofern, als sie es ihnen schwerer machen würde, Pächter zu finden. Sie würden keineswegs ausschließen, daß sie zu ihren hohen Pachten kommen. Denn ein Unternehmer mit großem Kapital wird letzten Endes doch nachweisen können, daß er die von den Herren Rotter geforderten hohen Pachtbeträge zu zahlen ver- mag. ohne daß sein Betrieb wirtfchaftuch gefährdet wird.(Wie es heißt, hat übrigens das Polizeipräsidium bei einem der Unterpächter der Gebr. Rotter kürzlich bereits die Probe aufs Cxempel gemacht: Man wollle ihm die Konzession nicht erteilen, weil die hohe Packst seine finanzielle Zuverlässigkeit beeinträchtige. Jener Direktor konnte dann aber, gestützl auf bestimmte Abmachungen mit einer B:sucherorganisatton. einen Etat ausstellen, an dem die Bedenken des Polizeipräsidiums zerschellten.)....„ Es ist nicht einzuseben. warum der Kamzss um die Geschäfts- Praktiken der Herren Rotter durchaus auf dem Rucken anderer aus- getragen werden soll Wenn die bestehenden gesetzlichen Bcsttmmun- gen wirtlich nicht ausreichen, um den Rotters das Handwerk zu legen, so mag man die Dsrordnungen über den EJucher oder keilen- Handel ergänzen: es können da nicht allzu umständliche Aenderungen notwendig sein, um eine Handhobe zum Emichrelten gegen die Gebr. Rotter zu schaffen. Es muß ein'Weg gesunden werden, den Herren Rotter diejenigen Theater, die sie gekauft oder aufgepachtet l aben, nicht, um selbst darin zu spielen, sondern nur, um damit Ge- schäft« zu machen, glattweg zu enteignen. Ihnen und alle den- jenigen, die auf gleiche Wcise sich zu bereichern trachten. Oos Problem See konMoneerteilung. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die heutigen Bestimmun- gen über die Konzessionserteilung berechtigten Ansprüchen ge- nugten. Und es wäre sicherlich«in Berdienft der demokratischen An- frag«, wenn sie das Problem der Sonzessionserteilung aufrollen und zu einer gründlichen Umgestaltung der heutigen Verhältnisse fuhren wurde. Die Spielerlaubnis regelt heilte der � 82 der Ge- werbeordnung von 1896 Danach darf die Konzession zur Veran- stattung gewerblicher Vorstellungen mir solchen Personen oerliehen werden, dl- finanziell, moralisch und künstlerisch zuverlässig er- schernen. Daneben steht eine Verordnung von 1317, wonach vor der Erteilung einer Spielerlaubnis auch die Bedürfnisfrage zu prüfen ist. Zuständig für die Konzessionserteilungen sind in Preußen die Verwaltungsbehörden, in letzter Instanz das Mini- ftcrium des Innern. Um die moralische usw. Zuverlässigkeit eines Antragstellers festzustellen, werden vor jeder Konzessionserteilung die Genossenschaft der deutschen Bühnenangehörigen und der Deutsche Bühnenoerein(die Vereimgung der Theaterunternehmer) um ein Gutachten angegangen. Um gleich an das letzt« anzuknüpfen, so ist es doch eigentlich widersinnig, daß die Frage der Konzessions- erleiluvg zum Ministerium des Innern„ressortiert", und daß als Gutachter nur eine Gewerkschaft und ein Unlernehmerverband gehört werden. Für die Fragen der Kunstpflege und der Theater- Politik im allgemeinen ist das Kultusministerium zuständig. Wie aber kann dieses«in« systematische Theaterpolitik oerfolgen, wenn die Konzessionierung neuer Betriebe, unter Umständen auch die Eni- ziehung laufender Korzessionen, durch eine von ihm unabhängig« Stell« erfolgt. Es ist doch ein Unfug, das private Theaterwesen, von dessen Entwicklung das öffentlich- gemeinnützige(heute bereits ganz dem Kultusministerium unterstellt) hundertfach abhängig ist, als„Gewerbe" nach rem gewerbepolizeilichen, d. h. juristtschen. formalistischen Gesichtspuntten zu behandeln! Und ebenso veraltet ist die ausschließlich« Befragung von Genosienschaft und Bühnen- verein als Gutachten m einer Zeit, wo auch die Theaterbesucher. wenigstens die an einem Kulturtheater interessierten, stch in ihren volksbühneoorgauisationen wichtig« und machtvolle Organe ge- schaffen haben, wo in der preußischen Landesbühn« und ihren provinziellen Unterorganisationen überdies Körperschaften entstanden sind, die mit den Besucherorganisationen auch all« sonst an einer planmäßigen Thcaterpflege auf gemeinnütziger Grundlage inter- «fsierten Stellen vereinigen, i-elbstverständlich werden immer Gut- achten der Organisationen, der Darsteller und Unternehmer ein- zuholen sein. Aber ihr Monopol bringt zweifellos die Gefahr mit sich, daß gewiss«, für das Kulturcheater wichttge Punkt« nicht ge- niiqend berücksichtigt werden. Veraltet sind endlich auch die gesetz- lichen Grundlagen, die heute die Konzessionserteilung regeln. Welch ein Widersinn, wenn irgendwo der Bezirksausschuß(es handelt sich nicht nur um Theorien!) das„Bedürfnis" nach einem Theaterbetrieb verneint, während in dem betreffenden Bezirk so und so viele Volksbühnenorganisationen vorhanden find und für den geplanten Wanderbühnenbetrieb«ine zu seiner finanziellen Fundierung völlig ausreichend« Anzahl von Vorstellungen garantieren! Wenn andererseits bereits die Tatsache, daß irgendein unternehmungs- lüsterner Herr das an einem Ort befindlich« Tbeatergebäud« pachtet, ausreicht, um für feinen Bettieb die Bedürfnisfrage zu bejahen! Die Bestimmungen des? 32 der Gewerbeordnung lassen völlig außer Betracht, daß es heute zahlreiche Untcrnehmungsformen für das Theater gibt, bei denen die Prüfung der„finanziellen und künstlerischen Zuverlässigkeit des Unternehmers" völlig in die Irre führen muß. Man denk« nur an jene nicht mehr seltenen Fälle wo ein« Volksbühne die Trägerin eines Theaterbetriebes werden will. Unternehmer ist hier gar nicht mehr eine Person, sondern ein« Personenqemeinschaft. Nach den geltenden Bestimmun- gen kann dies« aber kein« Konzession erhalten. Es ergeben sich jedoch auch Schwierigkeiten, wenn etwa der Vorsitzende Träger der Konzession werden soll. Als Person wird er am Ende nicht jene„finanzielle Zuverlässigkeit" besitzen, die sonst zur Voraussetzung der Spie'erlanbnis gemacht wird.(Sie beruht ja in diesem Fall« auf der Verpflichtung einiger tausend Voltsbühnenmitglieder, reget- mäßig die Vorstellungen des gesamten Theaters zu besuchen.) Vollends werden dem Vorsitzenden einer Voltsbühnengemeinde meist die künstlerischen Qualitäten fehlen, die er nach§ 32 besitzen soll; denn er wird in der Regel weder Schauspieler nach sonst aus- übender Künftler sein. Man nehme ferner an, dl« vom Verein als Konzessionsträger bestimmte Persönlichkeit verliert das Vertrauen des Vereins: nach den geltenden Bestimmungen bleibt sie gleich- wohl Trägerin der Spielerlaubnis, der Verein aber hat das Nach- sehen.(Das Absurde dieser Verhältnisse hat bereits dazu geführt. daß auf Grund gewisser Vereinbarungen das Ministerium hier eine andere Praxis anerkennt. Aber das beweist doch nur die Unmöglich- keil der geltenden Bestimmungen!) Nicht weniger unzulänglich find die Bestimmungen des§ 32 im Hinblick auf gewisse Erfchei- nungen des Laienspiels und anderes mehr. Dabei wäre es völlig verfehlt anzunehmen, daß der derzeittge § 32 irgendeine Sicherung des Theaters gegen finanziell moralisch und künstlerisch bedenklich« Personen bedeutete. Er läßt das Tor immer noch weit offen für jedermann, den es treibt, ein Theater zu eröffnen. Schlimmstenfalls unternimmt der Betreffend« den Bettieb nicht auf seinen eigenen Namen: es gibt in Deutschland einige Dutzend oft recht fragwürdiger Gestallen, die von ttgendwoher im Besitz einer Konzesston sind(einige von ihnen haben sogar angeblich für da» ganze Reich gültig« Konzessionen), und die ein Geschäft daraus machen, mit dies« Konzession anderen auszuhelfen. Man hat kaum je gehört, daß dagegen«ingeschritten worden wäre. Wahr- scheinlich wäre es in manchen Fällen möglich. Aber hier spielt wieder die Tatsache mit. daß nicht kunstpolitische, sondern rein gewerbepolitijche Instanzen jür das Konzejsionswesen zuständig sind. » Es ist unmöglich, in wenigen Absätzen da, große Problem der Konzessionierung der Theater erschöpfend zu behandeln. Gewiß ist aber, daß hier baldigst grundsätzliche Aenderungen erfolgen müssen. Bor'allen Dingen, daß für die Konzessionssrage auch in Preußen (wie schon in arderen Staaten) diejenige Behörde mahgebend wird,! die im übrigen für die Kunstpalittt zuständig ist: das Kultus-! mimsterium.' Sie können Ihr Fnßstelett im Röntgen-Apparat mit eigene« Augen sehen. SiaHlkMiirtKZiSks Ii Wem WMAilm Utonil 3br Fuß am Abend anschwillt— wenn die Sohlen tvi-UU brennen— wenn Sie Schmerzen im Mittelfuß verspüren— wenn auf der Fußsohle Schwielen(harte Äaut) entstehen, welche hartnäckig immer wiederkehren— wenn der Ballen weh tut(Frostbeulen), wenn Schmerzen an der Ferse das Gehen zur Qual machen— rheumatische Schmerzen in der Tiefe der Wade und IVl-Ull dem Schienbein entlang fühlbar sind— wenn die Gelenke an Knöchel und Knie schmerzhast anschwellen— wenn ziehende neuralgische und rheumatische Schmerzen vom Fuß bis zum Kreuz sich melden— TtallN besteht der Verdacht auf Senkfußbildnng. Eine ärzt- 4/uiM liche Untersuchung gibt Ihnen Klarheit und erspart nutzlose Kuren. 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Walsenstr.27. 1 Treppe, Zimmer Nr. 23. an den Geschästslagrn in der Zeit von S bis 2 Uhr während der oben de» zeichneten Frist zur Einficht aus Zur mündlichen Erörterung der recht zeitig erhobenen Einwendungen wirb vor unserem stommtssar, Herrn Stabtinfbektor stunde, aus Mittwoch, den 18. August 1924, vormittags 9 Uhr, w unserem Bureau, Wai- senstraße 28. 1 Treppe, Zimmer 25, einTermin anberaumt, zu dem der Unternehmer sowie die Wchersprechenden unter der Eröffnung geladen werben, bah auch bei ihrem Aus- leiben mir der Erörterung her Emmen. bungen vorgegangen wirb. Berlin, den 28. Z»ti 1924. Sst Sluvluusschus, Berlin, übt L n c I Volkskleidung! Kosen für Sport, Beruf unb Straße. Mauchester-Auzüg«. Conen- unb(Bummimdnlel. Anzüge für Herren n. Änobtn. Hemden fit Socken A Unterhosen. Oer idt,»5h Mm, billigit« Pnli«. Berufskleidung! Gerhard Kohnen Neukölln Hermannstr 75-77. aiZNark wöchentl. 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August an ben Botsttzenden der Preßkommiiüon. Gnsta» Küsterman». WUHelmnh-ne». Siüitrlnge», Peterstr.»6. Daring der..Aepnbtip.. zwischen 18 und 30.Jahren stellt gegen Akkordlohn ein Spinnstoffafrik Zehlendorf 0. m. b. H. 1 Ortstell Schönow(bei Teltow). Persönliche.Meldungen mit Steuerbuch, Invaiidenkarte und letzte I Arbeitsbescheinigung vormltfcgs _ von 9-io Uhr fTc. 348 ♦ 41. Jahrgang 2. Heilage des vorwärts Sonnabend, 26. Juli 1924 Sozialpolitik- Notetat. Die Regierung verzichtet auf Erklärungen— Deutschnationale Kriegsfchuldrede. Die Spezia'berawnq über die sozialpolitischen Vorlagen wird bei der Erwerbslosenfürsorge fortgefetzt. Abg. Brey(Soz.) führt aus, daß die Unterstützung v e r- yetrateter Arbeitsloser durchaus unzureichend sei. Wenn Herr Mumm von Arbeitsscheu gesprochen habe, so stehe die deutsche Arbeiterschaft hoch erhaben über diesem Vorwurf. Die Arbeitslosig- keit sei wieder gestiegen, in einzelnen Betrieben sei die Entwicklung geradezu katastrophal. Die unzulängliche Arbeitslosenunterstützung müsse unbedingt erhöht werden. Die Kurzarbeit habe einen er- schreckenden Umfang angenommen. Redner befürwortet den Antrag inner Partei, die Unterstützung bereits mit dem 1k. Lebensjahre be- ginnen zu lassen. Abg. Esser(Ztr.) tritt für die Ausschußanträg« ein. Es komme jetzt alles auf schnelle Hilfe an, darum müßten auch berechtigte nieitergehende Wünsche vorläufig zurückgestellt werden. Die Rot der Kurzarbeiter erheische Hilfsmaßnahmen des Reiches, der Länder und Gemeinden. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns bestättgt, daß die Not der Kurzarbeiter immer beunruhigender werde. Ta:- sächlich ständen jetzt viele Kurzarbeiter mit ihren Bezügen unter denen der Vollerwerbslosen. Die Hilfe sei nicht nur wegen der Finanznot, sondern auch deshalb schwierig, weil die Wiederetn- iiihrung der Kurzarbeiterunterstützung einer Unterstützung der Wirt- schuft aus Reichsmitteln gleichkommen würde. Die Regierung sei bereit, dem Zentrumsontrag entsprechend, den besonders belasteteten Gemeinden die erforderlichen Mittel zur Kurzorbeiterfürsorge durch Abzweigung aus dem Beitragsaufkommen der Erwerbslosenfürsorge zuzuführen. Abg. Ehwatel(Ratsoz.) verlangt die Beschaffung von Arbeit durch den Vau von Wohnungen. Di« jetzig« Regierung und der Berliner Magistrat seien dazu freilich unfähig. Sie hätten Hunderttausend« von Ostjuden nach Deutschland kommen lassen.— Der Redner wird vom Präsidenten wiederholt ermahnt, sich mehr an das Thema zu halten. Abg. Schlecht(Komm.) bezeichnet die Ausschußbeschlüsi« als durchaus unzureichend und tritt für die weitergehenden kam- munistifchen Anträge ein. Damit schließt die Aussprache. Die Ausschußanträge werden in allen drei Lesungen angenommen. Der sozialdemokratische Deckungsantrag(Tan- tiemensteuer, Vermögenssteuerzuschlag) wird dem Steuerausschuß überwiesen. Der Ausschußantrag zur Kriegsbeschädigten- für sorge wird in dchn einen Punkt geändert, daß die Nach- zahlung der bereits gezahlten Abfindungen auf Antrag der Deutschen Volkspartei dem Aufwertungs ausschuß überwiesen wird. Di« über die Ausschußbeschlüsi« hinausgehenden Anträge werden a b- gelehnt, meist gegen eine Minderheit der Kommu- nisten, Sozialdemokraten und Nationalsozia- listen.- Es folgt die Ernzelberatung der Anträge zur Aursorgepflicht. Abg. Frau INüller-Olfried(Dnatl.) schildert die Not der Klein- r e n t n e r und verlangt schleunige Hilfe. Abg. Arau Schröder(Soz.): Wir hoben von jeher verlangt, daß die Armenpflege zu einer wirklichen Wohlfahrtspflege emporgehoben wird, aber die Fürsorgepflichtvermdnung hat gerade das Gegenteil getan, sie hak die Wohlfahrtspflege zur Armenpflege herabgedrückt. Wir haben unseren Antrag auf Aufhebung der Verordnung im Ausschuß zurück- gestellt, weil, nachdem die Verordnung seit einigen Monaten besteht, jetzt eine Aufhebung nicht gut möglich ist, aber wir hoben an die Zurückstellung unseres Antrages die Voraussetzung und Erwartung geknüpft, daß das Arbeitsministerium aus dieser Verordnung wenig- stens alles Herausholl, was für«ine wirkliche Wohlfahrtspflege hgend herauszuholen ist. In bezug auf die Fürsorge für die Mi nderjöhrigen herrschen in den einzelnen Ländern groß« Ä'rschiedenheiten. Wir wünschen, daß die Mindestsätze für die Für- sorgeunterstützung gesetzlich festgelegt und nicht den Derwaltungs- stellen überlasten werden. In der W o ch e n s ü r I o rg e herrscht die größte Verwirrung: die Ausführungsbestimmungen des Ministeriums besagen nichts weiter als daß schwangeren Frauen die erforderliche Unterstützung gewährt werden soll. Warum macht man insbesondere einen Unterschied zwischen der verheirateten und der alleinstehenden Wöchnerin. Das Stillgeld mich zum integrierenden Bestandteil der Wochenfürsorge gemacht werden. Selbstverständlich sollte es sein, daß die Kurzarbeiter in die Fürsorgepslicht einbezogen werden. Die Fürsorgepslichtverordnung ist überstürzt erlassen worden und hat Schäden in Ländern und Gemeinden herbeigeführt. Das Reichs- orbeitsministerium muß durch Ausführungsbestimmungen diese Schäden abstellen.(Beikall b. d. Soz.) Reichsarbeitsminister Dr. Brauns erklart dazu, diese Angelegen- hell fall« unter die Zuständigkeit des Reichsjustizministeriums. Er hätte es für falsch, die Leistungen der Fürsorge für Sozialrentner, Kleinrentner usw. als Ar me n u n t e r st u tz u n g im Sinne des siierichtsverfasiungsgefetzes zu betrachten. E» wäre zu wünschen, b-h in den Parlamenten der Lander den Fursorgefrogen das gleich« I'llercsie entgegengebracht würde wie hier im Reichstag. Die Reichs- re gierung werde die hier gegebenen Anregungen den Landesregierun- " Ab°a"sketter(Komm.) bekämpft die neu« Fürsorgevsrordnung. die die Iürforgepflicht vom Reich auf d.h Uhr. im K r e m a- t o r i u m Gericht st roße statt. Um rege Beteiligung mird gebeten. Arbeiter-Radio-KIub. Am Montag, den 2 8. Juli, abends 7 Uhr. findet die-Vorftandsschung in der Gefchäftskicllc. Sendelitr. 20, stat!. Alle Gruppenleiter milsscn erscheinen. Arbeiter fpon» Arbeitcr-Radfahrer-Bunb„Solidarität"'. Stegliß. Sonntag, den 27. Juli, 1 Uhr. Start Rugeplaß, zur Korsofahrt LMterfeldc. Arbcitcr-Tnrn- und Sgortbnnd, f. Kreis. Achtung, Groß-Berlincr Dereine! Wir ersuchen hiermit die Vereine bzw. die Abieilungen. die Plakate zn st>e» Kreismeisterschaftsspiclen am 3. August in Empfang zu nehmen. Die Ausgabe erfolgt jeden Ta« in der Geschäftsstelle des To.„Fichte", Köpcnicker Str. IM. Freie Turnerschaft Nenkölln-Briß. Heute, Sonnabend, den 28. Juli, abends 7 Uhr. Vcreinsvicrleljahrsverfammlung auf dem Turnplatz. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Arbeiter. Sport- und Kultur-Kartell Reukölln. Fu der Ende August statt. findenden Sport-Werbe-Woche des Kariells haben verschiedene Vereine die Earantieh-träge noch nicht ah-jefllhrt. Falls bis Montag, de» 28. Juli, keine nahlung erfolgt, werden diese säumige» Vereine namentlich in der Arbeiterpresse bekaniitgemocht. Alles Nähere durch P. Wolff. Fiethenftr. 80 II. T.-V.„Die Ratnrfeeunde", Att Eharlottcnbnrg. Zu einer Fahrt nach München bzw. Garmisch am 2. August d. I. rönnen stch noch Teilnehmer auf den Fahrschein melden beim Gen. H. Schmidt, W.»0. Rankestr. 3g (Stcinplatz 017«). Teilnehmer zum Bunbcsscst nach Karlsbad. Teilnehmer aus dem I. Kreise! Am Dienstag, den 2 g. Juli, findet die Probe der verlangten Freiübungen und eine Aussprache infonnatorifchen Charakter» abcnds 7 Uhr auf dem Fichtc-Platz in Treptow statt. Vollzähliges Erscheinen aller Beteiligten ist Pflicht! Berliner Fußball-Elub„Adler" 1912 fMitgl. d. A. T. V i Arn Sonnabend. den 26. Juli, findet auf dem Adler-Sportplatz in der Chriftianiastrgßc ein interessantes Fußballwetlspiel zwischen dem Berliner Meister Alemannia 22 nird dem B. F. E.„Adler" 12 statt. Da hcide Vereine mir voller Mannschaft antreten, ist ein hochinteressantes Spiel zu erwarten. Spielbeginn 6!4 Uhr. Geschästlick»? MacitungLi'.. Eine der ältesten Figaretien-Fabriken am Platze, die Zigarcttca-Fabrik „Brapour", hat sich trotz ihrer hishrrigcn Abneigung gegen Anfertigung billiger Zigaretten-Morken entschlossen, eine 2-Pscn»ig-zigarette, die..Kleine Bravour". herauszubringen. Mr die Güte derselben bürgt der Ruf der Firma, deren Leitung seit 27 IahMt in den bewährten Händen wohlbekannter Fachleute liegt. EZessn». 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In der gestrigen Sitzung des Zentrnlausschusies der Reichsbank betonte der Reichsbankpräsident Dr. Schacht, daß sich nach den Wochenausweisen für die Zeit vom 24. Juni bis IS. Juli die Lage der Bank weiter günstig entwickelt Hot. Der Zahlungsmittelumlauf zeigte zwar eine mäßige Erhöhung, bewegt sich aber noch immer unter drei Milliarden Goldmark. Usber die Lage am Geldmarkt sprach- sich der Reichsbant- Präsident dahin aus, daß sie nicht mehr so kritisch anzusehen ist wie vor einigen Wochen. Die Zinssätze zeigen«ine sinkende Tendenz und die Einlagen bei den Banken eine erfreuliche Ent- wicklung. In der Zeit von Ende Dezember bis Ende April ist un- gefähr eine Verdoppelung der Kreditoren eingetreten; inzwischen dürfte sich das Anwachsen fortgesetzt haben. Wenn auch grundsätzlich an der bisherigen Politik der Kredit- befchränkung festgehalten werden muß, so ist doch die Reichsbank nach wie vor bestrebt, in allen Einzelfällen, in denen ein Kradtt angebracht und vom Standpunkt der Währungspolitik ver» trctbar ist, zu helfen. Auf dringende Vorstellungen des Reichs- Ministers für Ernährung und Landwirtschaft hat sich die Reichsbank entschlossen, außerdem der Landwirtschaft die Finanzierung der Ernte dadurch zu ermöglichen, daß sie der Scehandlung eine Rückendeckung bis zur chöh« von 200 Millionen Goldmart für an die Landwirtschaft zu gewährend« Kredite gegeben hat. Die See» Handlung wird die ihr zufließenden, anders schwer unterzubringenden täglichen Gelder durch Vermittlung der in Frage kommenden Zentral- institute in landwirtschaftlichen Wechseln anlegen und bei zwingendem Bedarf dies« Wechsel bei der Reichsbank re-diskontieren oder lombardieren. Um eine Kapitalbildung für länger« Fristen zu begünstigen, null die Reichsbank den Kreis der lombardföhigen Papiere durch Einbeziehung von auf Sachwerten basierenden An- leihen erweitern. Diese wertbeständigen Wertpapiere sollen zu denselben Bedingungen beliehen werden wie bisher die Anleihen des Reiches und der Länder, d. h. unter Zugrundelegung einer Quote von 50 Proz. des amtlichen Kurswertes bei Wertpapieren auf der Basis von Gold oder siner ausländischen Währung und von 40 Proz. des amllichen Kurswertes bei Wertpapieren auf Warenbasis. Dar- lchsn können im allgemeinen auf die Dauer von 6 bis 8 Wochen«r- teilt werden. Für Banken und Geldinstitute wird die Entnahme auf böchstens 3 Tage beschränkt. Die dem Zentralausschuß vorgelegt« Liste der dafür in Frage kommenden Wertpapiere wurde gebilligt. ver Reichsinöex für Sie Lebenshaltung. <1913/14--- 1) tl. Februar lS.. 25-. 13. März. 17... 9. April. Steigerung gegen die Vorwoche O.g proz. Weitere Zunahme öer Erwerbslosigkeit. In der Zeit vom 1. bis 16. Juli ist im unbesetzten Deutsch- land die Zahl der unter st ützten Vollerwerbslosen von 239 600 auf 276 000, d. h. um 16 Prozent, die Zahl der Zuschlagsempfänger-- unterstützungsberechtigte Angehörige Bollerwerbsloser— von 297 000 auf 844 000, d. h. um 12,6 Prozent gestiegen. Dabei ist daran zu erinnern, daß nach den geltenden Bestimmungen ein Teil der Erwerbslosen Unter» stützungen nicht erhalten kann. AuS dem besetzten Gebiet liegen die entsprechenden Ziffern noch nicht vor. Die flEG. in Gesierrelch und den Nachfolgesiaaten. Die Tochtergesellschaften der AEG. in Oe st erreich zählen zu deren größten und wichtigsten im Ausland. In Wien errichtete die AEG. schon früh ein Tochterinstitut, dos nach der Fusion mit der Union-Elektrizitätsgesellschast mit deren Wiener Zweiggesellschaft in AEG.- Union-Elektrizitätsgesellschaft, Wien, umge- wandelt wurde. Die AEG.-Union hatte die Aufgabe, die altöster- reichische Monarchie mit elektrotechnischen Erzeugniffen zu beliefern. Da der Friedensvertrag von St. Germain dieses Territorium in sieben Staatengebilde auflöste und die Nachfolgestaaten sich gegeneinander hermetisch abschlössen, war auch die ursprüngliche Zweckbestimmung der AEG.-Union hinfällig. Sie mußte sich gemäß den neuen B«r> hältniffen umstellen. Aber auch das ursprüngliche Verhältnis zur Berliner Mutter- geselllchaft konnte uicht mehr aufrechterhalten werden. Man schritt deshalb zu einer gründlichen Reorganisation. Di« AEG.- Union-Elektrizitätsgesellschaft wurde zur Holdinggesellschaft zur Kon- Preisnotieruagea für Nahrangsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittei-Einielhandelt Je Zentner frei Haus Berlin.' Gerstengraupen, lose.. 16,25— 20,00 Gersten grOtze, lose... 15,00— 16,00 Haferflocken, lose.... 15.50— 17,00 Hafergrütze, lose..... 18,00— 19,00 Roggenmehl 0/1..... 12,75— 13,75 Weizengrieß........ 18,25— 19,50 Hartgrieß.......... 21,50— 24,00 70% Weizenmehl..... 17,50— 22,00 Weizen-Auszugmehl... 16,00— 21,25 Speiseerbsen, Viktoria. 12�5— 15,50 Speiseerbsen, kleine... 8,75— 11,75 Bohnen, weiße, l erl... 20,00— 24,00 l.angbohnen. handverles. 27,00— 30,50 Linsen, kleine....... 20,00— 29,50 Linsen, mittel....... 31,00— 37,50 Linsen, große....... 39, CO— 46,00 Kartoifelmehl....... 18,75- 20,50 Makkaroni......... 36,00— 42,00 Makkaronimehl...... 33,00— 35,00 Schnittnudeln, lose.... 15,00— 16,25 Bruchreis.......... 14,50— 15,59 Rangoon Reif....... 15,50— 17,00 Tafelreis, glasiert, Patna 23,25— 31,00 Tafelreis, Java....... 30,00— 36,00 Ringäpfel, amerik..... 78,00— 80,00 Getr. PMaumen 90/100.. 4 ,00- 43,00 Pflaumen, entsteint... 50,00— 55,00 Cal. Pflaumen 40/50... 60,00— Rosinen in Kisten; Candia 70,00— 75,00 Sultaninen Carabumu.. 70,00- 85,00 Korinthen, choice.... 65,00— 70,00 Mandeln, süße Bari... 155,00—158,00 Mandeln, bittere Bari.. 145,00-152,00 Zimt(Cassia)....... 106,00-115,00 Kümmel, holländischer. 70,00— 80,00 Schwarzer PfefferSingap. 98,90-108,01) Weißer Pfeffer....... 135,00-140,00 Rohkaffee Brasil..... 180,00- 215,00 Rohkaffee Zentralamerika220,00— 285,00 Röstkaffee Brasil..... 230,00—280,00 Röstkaffee Zentralam... 309,00—375,00 Röstgetreide, lose.,,. Kakao, fettarm...... Kakao, leicht entölt... Tee, Souchon, gepackt. Tee, indischer, gepackt. Inlandszucker basfs meL Inlandszucker Raffinade Zucker Würfel....... Kunsthonig......... Zuckersirup hell in Elm. Speisesirup dunk. in Elm. Marmelade Einfr. Erdb, Marmelade Vierfrucht. Pflaumenmus in Eimern Steinsalz, lose....... Siedesalz lose...... Bratenschmalz in Tiercet Bratenschmalz in Kübeln Purelard in Tiere e«... Purelard in Kisten.... Speisetalg in Packung. Speisetalg in Kübeln.. Margarine, Handelsm. I desgl. II.......... Margarine, Spezialm. I.. desgl. II.......... Margarine III........ Molkereibutter 1. Fässern Molkereibutter in Pack. Landbutter......... Auslandbutter in Fässern Corned beef 12/6 Ibs p. K. Ausl Speck, geräuchert Quadratkäse........ Tilsiter Käse, vollfett.. Bayr. Emmenthaler.., Echter Emmenthaler... AusL ungezuck. Condens- milch 48/16........ Inländische desgl. 48/12 InL gez. Condensm. 48/14 ISJ0- 17,50 75,00— 85,00 86.00-100,00 350,00— 430,00 425,00— 500,00 36,00- 37,50 37,00— 40,90 41,00- 44,50 23,00— 32�0 38,00- 43,00 25,00- 29,00 80,00- 95,00 35,00- 40.90 33,00- 38,00 3,10- 3,70 4,00- 4,70 75,50— 76,50 77.50— 78,50 74,50- 75,00 74.50- 76,00 49,00— 52,00 48,00- 50,00 60,00- 54,00- 57,00 76,00— 63,00- 65,00 46,00- 50.00 178.00-190.00 183,00—192,10 193,00— 198,0 33,00- 37,00 72,00- 78,00 25,00- 38,00 100,00—110,00 160�)0-170,00 178,00-185,00 2 Meter, ■iminiHiiiiiiiiniiinimniiiiiniiiininuiiniinmimiimiiimnimiinmMitunniimimiiiimnnniiii« = Der Verkauf In--•—-—•'- 5«mserem Kauf hause—------------„_ = findei fem te den dank modernen Umbau ferHwedelUen RAumet) etaii.£ räOCnd QÜnSÜOer Findefkund deS Bedarfs! ■uiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiuHiiiHniiuminiHnmiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiHinniiiiiiiiiiiiiiimiiiiiniidi v v Armblätter mu prima � Fabrikale...3 Duiiend i O W'\ ö Sterne 'pf. Leinenzwim(ernnh- Witt) 20- Meier Stern..... 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