Nr.350 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 179 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der Vorwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit" mit ,, Sied. lung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage ,, Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin' Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonparsille. Beile 0,70 Goldmart, Reklatregeile 4.- Goldmart. ,, Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zulässig zwei fetigedruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, iedes weitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Jedoch ist in Kreisen der Konferenz gegenüber dem Pessimismus der letzten Tage eine freundlichere Auffassung festzustellen, da anscheinend in den letzten Stunden eine Annäherung zwischen der Finanz und Frankreich erfolgte. Es ist jedoch nur so riel befannigeworden, daß Frankreich die Garantie der Anleihe entweder durch die alliierten Regierungen oder durch die führenden Banthäuser als Grundlage der Sicherheit für die zukünftigen Zeichner in den Vordergrund gestellt hat. Daneben ist beachtenswert, daß nach dem„ Daily Telegraph" von verschiedenen alliierten Teilnehmern der Konferenz die Mitbeteiligung deutscher und französischer Bankhäuser an der Zeichnung der Anleihe verlangt wird, weil darin eine gewisse Garantie für den DamesPlan und für die Aufrechterhaltung der Stabilität der Währung der beiden Länder erblidt wird. Ein wichtiges Moment ist die Tatsache, daß der französische Finanzminster Clementel, der in den letzten Tagen in Paris weilte, eine Anzahl französischer Banfiers, darunter Morgans Pariser Vertreter, nach London mitgebracht hat. Außerdem ist ein Bertreter des New Yorker Bankhauses& ahn- Loeb in London eingetroffen. Jedoch soll Ford, wie aus New York gemeldet wird, die Beteiligung an der Anleihe abgelehnt haben. Die Abordnung nach London. Der preußische Ministerpräsident fährt mit. Der Ministerpräsident Gen. Otto Braun wird als gleichberechtigtes Mitglied der Verhandlungsdelegation den Besprechungen mit den Alliierten in London beiwohnen. Das geschieht auf Wunsch der preußischen Regierung mit Rücksicht auf die starken Interessen Preußens in allen Fragen, die das besette Gebiet und die Räumung des Ruhrgebiets betreffen. Auch von der bayerischen und der badischen Regierung wird je ein Vertreter mit nach London reisen. Die Delegierten bei der Flottenparade. Condon, 26. Juli.( WTB.) Reuter erfährt: Bon der Ron. ferenz sind eine neuen Entwidlungen zu melden. Alle Delegierten sind zur Flottenparade nach Spithead gegangen. Es verlautet, daß der größere juristische Ausschuß gestern verschiedene Fragen innerhalb seiner Zuständigkeit prüfte, aber zu Der Bericht vor Hurst und feiner Entscheidung fam. Der Bericht vort Hurst und Fromageot über die Bedingungen der Einladung an Deutschland ist fertiggestellt und einstimmig angenommen worden. Der Bericht wird der Konferenz am Montag nachmittag überreicht werden und dann wird die Frage der Absendung einer Einladung an Deutschland entschieden. Die Arbeiten der Ausschüsse. London, 26. Juli.( WTB.)" Morningpost" zufolge wartet das zweite Komitee, das den Bericht seines wirtschaftlichen Unterausschusses am Donnerstag erhielt und seine Erwägungen hierüber vollendet hat, jetzt auf die Vollfigung der Konferenz am Montag. Dem Bericht ist dem Blatte zufolge ein Schreiben beigefügt, das erklärt, daß, soweit die Ereignisse vom 11. Januar 1923 in Betracht kämen, die Entschlüsse der Delegierten nicht als Ausdruck der Zuftimmung zur Poliff irgendeiner anderen Regierung aufgefaßt werden dürften. Das Schreiben enthält auch Borbehalte bezüglich der militärischen Organisation und der Frage des franzöfifch- belgischen Eisenbahnternes. Der diplomatische Berichterstatter des„ Daily Telegraph" teilt weiter mit: Der Redaktionsunterausschuß des dritten Komitees arteitete in Richtung einer Vereinbarung zwischen der deutschen Regierung und der Reparationstommission bezüglich der Methoden bei der Wiederherstellung und Behandlung der Sachlieferun gen. Er trat ein für die Erneuerung eines Organisations ausschusses, der aus alliierten und deutschen Vertretern bestehen soll, um die notwendigen Vereinbarungen zu entwerfen. Sollte sich eine Einstimmigkeit als unerreichbar erweisen. so soll ein neu traler Sachverständiger ernannt werden. Die dritte in Angriff genommene Frage führte dem Berichterstatter zufolge zu beträchtlichen Meinungsverschiedenheiten, denn der Versailler Vertrag jieht bis zum Jahre 1930 Kohlen- und Kofslieferungen, bis 1925 Farbstofflieferungen vor, der Dawes- Plan jedoch zieht die Fortsetzung derartiger Lieferungen, insbesondere von Rohftoffen über die im Friedensvertrag enthaltenen Zeitpunkte hinaus in Betracht und in diesem Falle muß die Frage des Preises erwogen werden, denn die im Friedensvertrag enthaltenen Preise, die unangemessen günstig für die Alliierten sind, müssen abgeändert werden. Drei Interpellationen an Herriot. Paris, 26. Juli.( WTB.) Angesichts der Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten am nächsten Dienstag sind an das Generalsekretariat der Kammer brei Interpellations: begehren gerichtet worden. Sie beziehen sich alle auf die Londoner Konferenz und gehen aus von Margaine( Radikalsozialist), Léon Blum( Sozialist) und Marcel Cachin( Kommunist). Micum will die Verträge" verlängern. " 1 Effen, 26. Juli.( WTB.) Die Sechserkommission des Bergbaubereins erhielt heute die Einladung der Micum zu neuen Verhandlungen für Montag nachmittag. Beilegung des Russenkonflikts? In russischen Kreisen rechnet man wie der„ S03. Parlamentsdienst" erfährt mit einem befriedigenden Abschluß der Verhandlungen mit Deutschland über den Vorfall in der russischen Handelsdelegation in Berlin. Die Berhandlungen haben sich sehr wechselreich gestaltet und drohten mehrfach auf den toten Punkt zu gelangen. Aeußerst schwierig war z. B. die Erörterung der fünftigen Stellung der Handelsdelegation, für die inzwischen auch eine Formel gefunden wurde, so daß noch in der kommenden Woche mit einer völligen Ginigung gerechnet wird. Damit hätte ein Intermezzo ein Ende gefunden, das in drastischster Weise Politik und Wirtschaft verquickte und den kommerziellen Interessen beider Länder sehr geschadet hat. Deutsch- polnisches Grenzabkommen. Der oberschlesische Arbeitsverkehr. Kaffowih, 26. Juli.( WTB.) Der Präsident der gemischten Der Präsident der gemischten Kommiffion für Oberschlesien Ca l'onder stellt fest, daß die deutsche Calonder und die polnische Regierung übereinstimmend den Stand punft anerkannt haben, daß die Angestellten und Arbeiter, die in Obrschlesien wohnen, im Sinne der Genfer Konvention berechtigt find, ihren Beruf in Deutsch- Oberschlesien auszuüben und umgefehrt. Desgleichen haben die beiden Regierungen übereinstimmend erklärt, die notwendigen Maßnahmen treffen zu wollen. Diese Erklärung hat der Präsidert von sich aus im allgemeinen Interesse durch Meinungsaustausch herbeigeführt. Der Verfassungstag und die Rechtspflege. Der Preußische Justizminister gibt soeben für den Bereich feiner Verwaltung den Beschluß des Preußischen Staatsministeriums über die Feier des 11. Auguft bekannt und Inüpft, dem Amtlichen Preußischen Preſſedienst zufolge, hieran die Anweisung, die Abhaltung von Terminen an diesem Tage nach Möglichkeit einauschränken. Hitler- Dementi. München, 26. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Enthüllungen des Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei, Schäffer, über das Aktionsprogramm des ehemaligen Kampfbundes in der Zeit, als Kahr Generalstaatskommissar wurde, ist den Völkischen arg in die Glieder gefahren. Nunmehr kommt ihnen das in Landsberg etn= sperrte Kleeblatt Hitler- Weber- Kriebel zu Hilfe, die in einer offiziellen Erklärung folgendes bekanntgeben:„ Das von Schäffer erwähnte Aktionsprogramm sowie der Brief über Kahr war feinem von uns dem Sinne oder Wortlaut oder überhaupt nur feiner Eristenz nach bekannt. Die Herren Dr. Glaser, Graf Treuberg und Redakteur Rosenberg stander mit der Kampfbund leitung in feinerlei Beziehung und konnten auf deren Tätig. keit und Entschlüsse auch keine Einwirkung ausüben. Der Adresfat des Aktionsprogramms, Scheubner Richter, war wohl Geschäftsführer der politischen Leitung des Kampfbundes, doch lag die Entscheidung über irgendwelche politischen Schritte und Handlungen ausschließlich bei der politischen Führung( Hitler). Es ist unzulässig, den Inhalt eines von drei Seiten verfaßten Programms dem Empfänger als deffer geistiger Einstellung entsprungen unterzu schieben. Die vom Abgeordneten Schäffer auf Grund der gemachten Enthüllungen gezogenen Schlüsse sind daher falsch und unhaltbar. Wir Unterzeichneten sind bereit, vorstehende Erklärung eidlich zu erhärten und begrüßen zweds restloser Klärung der ganzen Angelege heit und der neuerdings erhobenen Angriffe die vom Landtag geplante Einsetzung eines Untersuchungsausschusses." Ueber diesen von der sozialdemokratischen Fraktion des Landtages verlangten parlamentarischen Untersuchungsausschuß wird am kommenden Donnerstag im Plenum des Landtages entschieden werden. Brasilianischer Bürgerkriegsbericht. Zeitgerecht zum Gedenktag der Völkerkatastrophe, Rio de Janeiro, 26. Juli.( WTB.) Einer amtlichen Meldung zufolge haben die Regierungstruppen an der ganzen Front beträchtliche Fortschritte gemacht. Flugzeuge bombardierten die Stellungen der Aufständischen mit Erfolg. Es wurden Maschinengemehre und Munition erbeutet und 60 Gefangene gemacht. Scheidemann und seine Widersacher. Hoetsch maskiert den deutschnationalen Umfall. Der Reichstag ist gestern in Ferien gegangen, um wieder zusammenzutreten, wenn die Entscheidung über den DamesPlan zu fällen ist. Zwischen den Skandalen bleiben als politische Tatsachen die Reden des Sozialdemokraten Scheidemann und des Deutschnationalen Hoetzsch. Für die Rechtsparteien ist Scheidemann noch immer und wieder der bestgehaßte Mann. Noch stärker als durch den Beifall der Freunde ist der Erfolg seiner letzten Rede durch die tobende Wut der Feinde unterstrichen worden. Wenn diesen die Erkenntnis fommt, daß der Mann, den sie schon totgehetzt zu haben glaubten ,,, noch immer gefährlich" ist, so mag ihm das eine persönliche Genugtuung sein. Nur hätte der der„ Natter, die Giff Scherl- Stribent das Bild von sprigt", nicht brauchen sollen, es beruht offenbar auf einer fehlerhaften Gedankenverbindung. Denn menschliche Nattern, die auf politische Gegner Gift sprigen nicht metaphorisches Redegift, sondern veritable Blausäurewerden von der Rechtspresse als holde Jungen behandelt, die sich eben nur einmal mit einer Kliftiersprize" einen harmlosen, netten Ulf erlaubten. Jener Ult ist vorbeigegangen, und der Mann, dem er galt, ist leider noch immer ge= fährlich"... An dem fanatischen Haß, der fich gerade gegen Scheidemann richtet, erkennt man den ganzen Stumpffinu des Gesindels, mit dem wir uns herumschlagen müssen. Nie mand hat in den vier furchtbaren Jahren stärker für die Baterlandsverteidigung gewirkt als er da hat er nun den Dank der ,, Baterländischen". Gestern sprach im Reichstag ein nationalsozialistischer dummer Junge aus Mecklenburg höhnisch von dem Reichskanzler a. D." Weiß der dumme Junge nicht, daß diefer Reichskanzer a. D." der erste war, der in freier Entschließung sein Amt seiner Ueberzeugung zum Opfer brachte und daß er zurücktrat, weil er den Frie den wollte? von Versailles nicht unterzeichnen Er hat es dann freilich nicht mit den nationalistischen Pharifäern gehalten, die da beten: ,, Herr ich danke dir, daß ich nicht bin wie jene". Sondern er hat noch am letzten Freitag wieder diejenigen verteidigt, die in jener tragischsten Stunde der deutschen Geschichte anders dachten als er. Vor solcher Gesinnung stehen dann die um Ahlemann Hier öffnen sich Klüfte... wie man leicht versteht, ganz fassungs- und verständnislos. ** Die moralischen Folgen des Krieges äußern sich in der Zusammensehung des Reichstags in geradezu grauenhafter Weise. Nie hätte man es für möglich gehalten, daß ein fulturell verhältnismäßig so hoch stehendes Bolt wie das deutsche solche Haufen geistiger und sittlicher Minderwertigteiten in feinen Reichstag schicken fönnte. Es ist niederdrückend, wie gewisse Volksvertreter zu jedem Gegenstand der Tagesordung- mag es fich um ein Sozialgejek, einen Handelsvertrag oder die Bekämpfung der Reblaus handeln ihre letzte Wahlversammlungsrede in den Saal schmettern, und es ist bedauerlich, daß man solche Leute, statt sie mit Berachtung zu strafen, noch einigermaßen ernst nimmt und ihnen dadurch Gelegenheit gibt, die Stänkerei zum Krawall ausarten zu lassen. denten noch vermehrt wird, kann durch Mittel der GeschäftsDiesem Uebel, das durch einen ziemlich hilflosen Präsiordnung allein nicht gesteuert werden. Es ist dringend notwendig, die Wahlkreise zu verkleinern, damit den Wählern Gelegenheit gegeben wird, sich ihre Abgeordneten genauer anzusehen. Leider ist auch diesmal wieder die ahlreform nicht vom Fleck gekommen, die um so dringender wäre, als ja mit der Möglichkeit naher Neuwahlen zu rechnen ist Die ehernen Worte, die gestern Herr Hoesch mit lächelnder Miene sprach, scheinen uns nun freilich noch lange feine Schicksalswende anzukündigen. Hörte man den Klang, fo fonnte man glauben, nun ginge es hart auf hart, und bei der Entscheidung über das Gutachten würde der Reichstag auseinanderfliegen. Aber sah man das Lächeln, so mußte man schon ein ganz perbissener Menschenfeind sein, um zu glauben, es sei wirklich so bös gemint. Rann es ja gar nicht! Herr Hoetzsch versichert, seine Fraktion werde alles unerbittlich ablehnen, wenn ihre berühmten sieben Forderungen nicht bis zum letzten Tüpfelchen auf dem I erfüllt werden. Herr Hoegsch aber einer der wenigen geistig Respektablen, die auf der Rechten sizzen ift viel zu flug, um ein solches Gelöbnis ganz ernst nehmen zu fönnen. Jedermann würde sich freuen, wenn die deutsche Regierung mit einem ganzen Sack voll Erfolgen aus London heimkehren sollte. Aber jedermann weiß auch Herr Hoetsch weiß es: Wenn man mit sieben zu stellenden Bedingungen an den Verhandlungstisch geht, fommi man günstigen Falls mit dreieinhalb erfüllten zurück. Die Deutschnationalen aber schwören, sie würden alles in die Luft sprengen, wenn es nur sechsdreiviertel wären und ein Biertel| von einem unerfüllt bliebe. Wäre es erlaubt, sich dem neuen Reichstagsstil anzunähern, so möchte man sagen: ,, Herr Professor Hoetsch, erzählen Sie das Ihrer Großmutter!" Nach Tisch liest man es anders, besonders wenn es ein Verhandlungstisch ist. ** Werden sie also umfallen? Jedenfalls wollen sie es und steuern mit großen Redensarten darauf hin. Niemals haben wir es grundsäßlich abgelehnt", schreibt Graf We starp in der Kreuzzeitung", in Verhandlungen über die Vorschläge der Sachverständigen einzutreten". Niemals? Waren nicht diese Vorschläge das zweite Versailles" ( Helfferich), waren sie nicht noch vor drei Tagen-„ der Schweristoß ins Herz des deutschen Bolkes?"( Tirpitz.) Nicht „ der Schrecken ohne Ende"?( Baecker.) Waren sie nicht die endgültige unwiderrufliche Berewigung der Berewigung der Sklaverei"? ( Kreuzzeitung"," Deutsche Tageszeitung" usw. usw.) Und diese gräßlichen Dinge lehnt man nicht grundsäglich ab ( ,, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende"), sondern man ist bereit, immer bereit gewesen, über sie zu verhandeln? War nicht monatelang jeder ein Schuft, ein Dolchstößler, ein Landesverräter, schlimmer noch, ein Marrist", der anzudeuten wagte, vernünftigerweise wäre es doch nicht gut möglich, die Vorschläge der Sachverständigen abzulehnen? Und jetzt?„ Wir sind die einzige Fraktion, die in der Reparationsfrage in all den Jahren einen festen und klaren Standpuntt eingenommen hat," sagte gestern Herr Hoetzsch. Der Bericht verzeichnet hinter diesen Worten:„ Gelächter." " Graf West arp aber flagt in der Kreuzzeitung" über den bösen„ Vorwärts", den Propheten des deutschnationalen Umfalls: Leider bestätigt sich wieder einmal die Erfahrung, daß solch ein Lügenfeldzug, mit jüdischer Betriebsamkeit geführt, nicht ohne Wirkung bleibt. Bei Regierung und Regierungsparteien mag dabei der Wunsch der Vater des Gedankens sein; bei der Nationalsozialistischen Freiheitspartei spricht das Bedürfnis mit, den Deutschnationalen agitatorisch etwas am Zeuge zu fliden bei ihnen teilweise, bei manchem eigenen Parteifreund auch das Bestreben, das zwar überflüssig ist, aber nicht weiter übelgenommen werden soll, den deutschnationalen Führern und Vertretern den Rüden zu stärken. Danach sieht es fast so aus, als ob es dem„ Borwärts" gelungen wäre, selbst in einige deutsch nationale Köpfe Licht zu bringen, aber das ist offenbar nur eine Uebertreibung des Grafen Westarp. Worauf es ihm ankommt, ist, diejenigen Deutschnationalen, die von der Unfehlbarkeit ihrer Parteileitung nicht ganz überzeugt sind, als bedauernswerte Opfer ,, jüdischer" Verführungskünfte hinzustellen. Indessen, wer leben wird, wird sehen! * Die Sozialdemokratische Partei hat als erste die Erkenntnis ausgesprochen, daß Deutschland den DawesBlan nicht ablehnen fann und ihn daher als Ganzes annehmen muß. Jetzt dreht sich die Deutschnationale Partei unter den sonderbarsten Berrenkungen dem sozialdemokratischen Standpunkt zu, weil sie weiß, daß dies notwendig ist, um zur politischen Macht zu fommen. Die Deutschnationalen gebenre fogenannte„ nationale" Außenpolitie auf, um fonservative Innenpolitik treiben zu können. Das ist der Kern der Sache und dieser Kern der Sache ist eine ausgemachte Lumperei. Wenn die Sozialdemokratie BerſtänSigungspolitik treibt, fo tut sie es aus ihrer ganzen Weltanschauung heraus. Wenn sich die Deutschnationale Partei auf die Bahn gleiten läßt, die sie stets als zum Verderben führend bezeichnet hat, so tut sie es, um die Schutzölle zu betommen, um dem Achtstundentag ganz den Kragen umzudrehen, um dem Bund der Großagrarier und Großkapitalisten die alte Herrschaftsstellung zurückzugewinnen. Esau war ein Dummfopf, daß er sein Erstgeburtsrecht Sommertag. Mittagsstunde. Jeder Baum starrt ein grüner Blätterfächer. Goldig träumt der Sonnenfraum um die Giebel, um die Dächer. Unbewegt steht still die Luft: Fernen winken nah zum Greifen. Ueber Nedern quirlt ein Duft mehlig- füß vom Körnerreifen. Und den schmalen Weg feldein zieht ein Mädel, in der Rechten einen Rechen, Sonnenschein in den weizenblonden Flechten. Und im gelben Halmgeblink wippen Rod und Hüftenrunde. Tortelnd tanzt ein Schmetterling Sonnenfraum und Mittagsstunde. Ludwig Lessen. ( Aus dem im Arbeiterjugend- Verlag, Berlin, foeben erschienenen Gedichtbändchen Wir wollen werben, Wir wollen wecken". Preis 35 Pf.) An die freien Europäer. Bon Armin T. Wegner. Dieser Aufruf wurde in den ersten Kriegswochen an eine Anzahl bürgerlicher Blätter versandt, von denen nicht eines ihn zu veröffentlichen wagte: Ihr seid es, freie Europäer, an denen meine Seele jeht sehn süchtig hängt! Ihr Vertriebenen, Heimatlosen, Ihr wandernden Seelen! Ich höre, daß überall der Haß gepredigt wird, daß der Mann das Weib, der Bruder den Bruder, der Vater den Sohn dies. seits wie jenseits der Meere, in allen Winden Europas aufreizt zum Kampf gegen einen unbekannten Feind, für eine Erde, die sie in Wahrheit niemals besaßen. Begeisterung tobt in der Nußschale jedes Hirns in unheilbarer Krankheit. Fremd gehe ich unter meinen Brüdern umher, ihr Kleid berührt das meine, ihr Gang, ihr Antlitz ist meinem Ange vertraut: doch fremd steht die Seele der Freunde vor der meinen. Aber der Haß ist die Abwehr des Schwachen. Ihr freien Europäer, Ihr Starken, Friedfertigen, ich kann nicht glauben, daß diefer Kampf Euer Wille war, Ihr gewappneten Seelen! Mein Denken, das im Tiefsten verwundet ist, sucht hinaus nach Euch und ahnt die ftumme, verborgene Sprache Eurer Einsamkeit. Ich weiß, daß auch Ihr seid, jenseits aller finnlos erhobenen Fäuste, aller niedriges Gier nach Tod und Zerstörung, und aller Wolluft des für ein Linsengericht verkaufte. Die Deutschnationalen machen| anerkanntermaßen einer der Haupteinpeitscher des Bürgerblods ift es nicht so billig. und wo beim Abbau des Stadtschulrats Paulsen in der Sache diefelbe Rechtsvergewaltigung vorgenommen wird wie in Hannover, Kassel und an anderen Orten. Aber mag man auch als Erfolg dieser wenig appetitlichen Entwicklung den Bürgerblod voraussehen die nächste Folge wird dann mit mathematischer Gewißheit der Sieg der Sozialdemokratie über den Bürgerblock sein. Die Partei wird wichtige taktische Entscheidungen zu treffen haben. Aber das Wichtigste dazu werden unsere Gegner selbst besorgen, denn wer in der Vergangenheit seine Ziele sucht, dem ist die Niederlage gewiß! Brauns und der soziale Gedanke. Wird er endlich ratifizieren? In der„ Germania" berichtet der Reichstagsabgeordnete Joos über die katholisch- soziale Konferenz, die vom 19. bis 22. Juli in Antwerpen tagte. Die Konferenz umfaßte Vertreter Länder. fatholisch- sozialer Arbeitervertreter verschiedener Joos berichtet: " Die Konferenz stimmte im Prinzip einer Entscheidung zu, die den gesetzlichen achtstündigen Normalarbeitstag unter Berücksichtigung der jeweiligen förperlichen Inanspruchnahme und Gefährdungsmöglichkeiten in den verschiedenen Berufen und Arbeitsarten aus wirtschaftlichen und geistig- sittlichen Gründen gutheißt. Die Konferenz fordert die ihr angeschlossenen Organisationen auf, ihren Einfluß bei den Regierungen ihrer Länder dahin geltend zu machen, daß das Abkommen von Washington ratifiziert wird." Herr Brauns wird nach diesem Beschluß von seinen Parteifreunden zur Ratifizierung aufgefordert werden. Wird er starr an der Vertretung der sozialen Reaktion gegen den sozialen Gedanken festhalten? Der Abbau der Republik. " Die Unverfrorenheit, mit der reaktionäre Zufallsmajoritäten in Stadtverordnetenversammlungen in letzter Zeit wiederholt Personalabbauverordnungen zu ganz unbeschreibbaren Rechtsverletzungen ausgenutzt haben, fällt allmählich nicht nur Sozialdemokraten auf die Nerven. Im Berliner Tageblatt" äußert sich der hannoversche Landtagsabgeordnete Barteld über den Abbau Leinerts. Er gibt über die Borgeschichte dies Abbaues einige interessante Einzelheiten, um dann zu folgendem Ergebnis zu kommen: " Herr Leinert hat gegen seinen Abbau Einspruch eingelegt, dessen Erfolg man mit einigem Intereffe entgegensehen fann. Nicht seine Person verdient das allgemeine Interesse, sondern der Fall eines Beamtenabbaues aus politisch en Gründen. Kommt man schon allgemein in zunehmendem Maße zu der Ueberzeugung, daß vielfach mit dem Beamtenabbau poli= tischer Mißbrauch getrieben wird, und hat deshalb die Reichstagsfraktion der Deutschen Demokratischen Partei mit vollem Recht die Aufhebung der Personalabbauverordnung verlangt, so liegt diese Gefahr besonders start in den Bestimmungen, wonach die Stadtverordnetenversammlung über den Abbau von Magistratsmitgliedern beschließt, wo also die Entscheidung von den poli tischen Mehrheitsverhältnissen abhängt. Die Re gierungen wollen gern das Damoklesschwert des Abbaues noch jahrelang über der Beamtenschaft hängen lassen. Wer die for rumpierenden Wirkungen dieser Maßnahme fennt, muß verlangen, daß die Abbauverordnung jetzt aufgehoben wird,' nach dem der notwendige Abbau vollzogen oder dech wenigstens gemügend Zeit für ihn gewefen ist. Was dann noch nötig ist, fann im Wege der Organisationsänderung geschehen." Leider vergißt der Abg. Barteld dabei, daß die demokratische Reichstagsfraktion zwar die Aufhebung der Personalabbauverord nung verlangt, aber ihre tatsächliche Inhibierung noch vor wenigen Tagen zusammen mit allen anderen bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der Sozialdemokratie verhindert hat. Auch haben die Demokraten in vielen Fällen sich nicht gescheut, sich in die Reihen des Bürgerblods einzureihen, wenn es möglich war, den Abbau von Sozialdemokraten auf leitenden Verwaltungsposten unter den fadenfcheinigsten Vorwänden durchzusehen. Wir erinnern nur an Berlin, wo der Führer der demokratischen Rathausfraktion Blutes. Ich weiß, daß Ihr wie ich trauert um unser europäisches| Baterland, um ein Land, das uns allen gemeinsam ist; denn wir find eine einzige untrennbare Familie von Bölfern. Der Grund dieser Häfen ist aufgewühlt von den ehernen Flügeln der Schiffe von allen Küsten der Welt. Unser Wissen, unser Glaube, unsere Kunst, unser Handel, unser Gewerbe sind verflochten miteinander wie die Finger einer gefalteten Hand. In eisernen Pulfen gibt der Herzschlag unserer Städte den Euren Antwort. Schon mischte sich in den Adern vieler. unserer Kinder das gleiche Blut. Wer aber hat die Nerven der Länder zerschnitten? Wer ihre Adern zerrissen, daß das Blut über die nackten Leiber strömt und Europas Karte nichts scheint als ein Haufen von Scherben?. Ich klage nicht die Bölker an! Sie sind eine Herde von armen und willenlosen Lieren, sie laufen im Kreise und rennen in das Feuer wie Lämmer in den brennenden Stall. Ich flage nicht die Führer der Völker an; aber meine Seele ist in leidenschaftlicher Wanderung begriffen nach jenen, die gleich mir frei sind von Haß. Auch ich liebe die Scholle, auf der ich geboren bin; auch die Fasern meiner Seele wurzeln zwischen den Steinen deutscher Städte. Mein Leben ist groß geworden zwischen den Sorgen und dem Alltag meiner Brüder; aber ich kann nicht glauben daß meine Heimat beschlossen ist zwischen ein paar tausend Quadratmeilen oder einem steinernen Pfahl wie ich nicht glauben kann, daß mein Haus beschlossen ist zwischen seinen vier Wänden und mein Denken zwischen der Schale meines Hirns. Ich war daheim in den Städten Europas, wandernd von Kindheit an. Ich war zu Gast in den Städten Frant reichs und Englands, ich bin die Küste des Südens entlang ge wandert und die heißen staubigen Wälder, ich kann die Orte Europas Zählen, die ich nicht mit einem furzen liebenden Blick meines Auges streifte. Ich bin durch die Dörfer der Provence gezogen, viele Male, und habe immer gefunden, daß die Güte einer Mutter die gleiche ist dort wie hier; ich habe in den finsteren, gefahrvollen Kellern der Hafenstädte geschlafen, auf dem Deck fremdländischer Schiffe, zwischen Bündeln von Tau und verworfenem Volk und habe überall den Trost und die werktätige Hilfe von Menschen gefunden. Meint Ihr, ich müßie das Land meiner Väter verraten, um das Herz Frank reichs zu lieben? Um Italien, die Schweiz, Norwegen, Spanien zu lieben? Ich werde nie die Erde verleugnen, die mich geschaffen hat. Ob ich in fremden Ländern mar: un allemand, a german, un tedesco immer blieb dies die heimliche Melodie, die hinter der Maske aller fremden Worte stand: aber ich kann nicht hassen, wo so viel Liebe mir verankert liegt. Ich fühle nur, daß jeder Sieg meiner Brüder noch mich schmerzt wie der Schlag des Baters gegen den eigenen Sohn: auch ich bin ein Patriot und ich glühe für mein europäisches Bateríand. Die Seele Deutschlands ist nicht die Seele Europas allein; auch der mütterlichen Seele Frankreichs bedarf sie, der sehnigen Seele Englands. Gibt es ein Land, einen Staat in unserer Mitte, der zu klein oder zu groß wäre für eine Rammer in diesem Herzen? Wir Der Artikel des Abg. Barteld enthält aber noch eine andere Bemerkung, die zweifellos, mindestens im allgemeinen, berechtigt ist. Er sagt über einert, daß er den reaktionären Elementen in der Verwaltung nicht energisch gegenübergetreten sei. Und er wirft auch dem Oberpräsidenten Noste in Hannover vor, daß er mit Ausnahme seines Pressechefs teinen Republikaner in das Oberpräsidium gebracht habe: " „ Es genügt nicht, daß man die Spizen der Oberpräsidien und Regierungen mit zuverlässigen Republikanern befeßt, wenn sie es nicht verstehen, sich in der politischen Leitung zuverlässige Mitarbeiter zu verschaffen, und wenn man die„ regierenden" Bizepräsidenten des alten Regimes in ihren Aemtern beläßt. Vielleicht genösse auch Leinert heute mehr Achtung bei der Rechten, wenn er mehr nach Tramms Manieren regiert hätte." Die stumpfsinnige Kurzsichtigteit, mit der die bürgerlichen Parteien bis weit in die Reihen des Zentrums und der Demokraten hinein, oft sogar mit feltener Entschlossenheit und Einmütigkeit den Einfluß der Arbeiterschaft in der Verwaltung zurückzudrängen suchen, wird auch sein Gutes haben. Der Kurs der Bürgerblockpolitik, der hier gesteuert werden soll, ist ja schon deswegen so findlich, weil es für jeden Einsichtigen von vornherein klar ist, daß Sozialdemokratie aus diesen Vorgängen die Lehre ziehen. Es iſt solche Versuche zum Scheitern verurteilt sind. Um so mehr wird die noch sehr fraglich, ob die bürgerlichen Parteien es nicht eines Tages noch sehr bereuen werden, durch ihr Verhalten die Arbeiterschaft aufs äußerste gereizt zu haben. Staatsgefährliche Kinder. Eine ruhmreiche Aktion des Herrn Dr. Jarres. Im Reichstag verhinderte gestern bürgerlicher Widerspruch die Beratung eines kommunistischen Antrags, der sich gegen den Innenminister Dr. Jarres wendete. Bor Monaten hatte die Internationale Arbeiterhilfe einen Transport von 500 Kindern nach Frankreich organisiert. Damals herrschte in Frankreich noch der Paragraphenrepublikaner Poincaré, der selbstverständlich in dieser Invasion feindlicher Kinder eine Haupt- und Staatsaftion der teuflischen Deutschen erblickte und darum den deutschen Kindern feierlichst verbot, den geheiligten Boden der französischen Republik zu betreten. Darüber ungeheure Entrüstung im deutschen Blätterwald. Eine seltsame Einheitsfront von den Kommunisten über die Mittelparteien bis zu den Deutschvölkischen tat sich in allen Parteien und Zeitungen auf. Alle Welt war sich damals in Deutschland darüber einig, daß dieses Heldenstück Poincarés nur ihn selbst lächerlich machen könne. Jezt ist Poincaré gestürzt. An seine Stelle trat Herriot. Eine seiner ersten Regierungshandlungen war ein Gruß an den französischen Abgeordneten Cachin, in dem er die Erlaubnis zur Einreise der bisher so gefürchteten deutschen Kinder gab. Wer die Aeußerungen der deutschen Bresse zur Zeit des Poincaréschen Einreiseverbots in Erinnerung hatte, mußte annehmen, daß nun alle Schwierigkeiten beseitigt sein würden, denn welches Interesse folle Deutschland haben, am Abbau des Hasses in Frankreich durch seine Kinder mitzuarbeiten? Wer so rechnete, vergaß, daß wir einen Innenminister wie Dr. Jarres haben. Der Mann, der seinerzeit fich nicht schämte, die Beerdigung des in der Gefangenschaft gestor benen Dreyer zu einem völtisch- nationalistischen Spettafelst ü d umzugestalten, der die Fahneder Republit nicht zu zeigen wagte und dafür lieber als Reichsminister der Fahne des Bürgertriegs und des Brudermordes feine Reverenz erwies, der Mann konnte natürlich nicht daran denken, deutsche Kinder nach Frankreich zu schicken und dadurch an der Versöh= nung der beiden Völker mitzuarbeiten. Er verbot furger hand die Ausreise, und Frankreich wird von der feindlichen Invasion" verschont bleiben. Aber Deutschland erntet dafür von neuem den Ruhm, daß an der Spike der inneren Reichsverwaltung ein Mann steht, der durch diesen Unfug sich und damit leider auch fein Land vor der gesamten Welt lächerlich macht. MAY find Brüder. Dieser Krieg ist ein Bruderkrieg. O Ihr freien Europäer, Ihr Nüchternen, Kühnen, Ihr Abenteurer des Geistes, Gelehrte, Krieger der Arbeit, gestählt in tausend Gefahren, ich weiß, daß Ihr immer bereit seid, Euer Leben einzusehen für die Sache der Menschheit; aber laßt Euch nicht hinreißen von dem Wahnsinn der Massen! Bergeßt nie, daß es edler ist, ungerecht in Liebe zu leiden, denn gerecht zu sein im Haß. Besteckt nicht mit Blut die friebliche Hochzeit der Geister, bleibt Euch selber treu, und solltet Ihr die Verachtung Eurer Völker tragen unn Europas willen. Wo seid Ihr zu dieser Stunde? Müßt Ihr wie ich gebückt und verborgen gehen, die Augen versteckt unter dem Rand des Hutes, voll Scham, nur ein Pfleger von Wunden zu sein und ein Linderer von Leiden, da alle sind, Mörder zu heißen und Leben zu töten? Vielleicht wohnt Ihr auf fernen Bergen, während die Welt um Euch in Kampf und Aufruhr steht. Oder sizt, Ihr, einsame Gelehrte, in der Verborgenheit Eurer Zimmer und tönt Euch aus dem Singen der Arbeitslampe noch das nie endende barbarische Hufgetrappeí der Pferde? Vielleicht hocht Ihr schwindsüchtig und wollezupfend in den Gefängnissen Sibiriens: Ihr Leidenden alle, die ich liebie! Wie viele seid Ihr noch? Ich kann nicht glauben, daß Ihr Laufende seid, Millionen waten in Blut und Verderben. So viele sind abtrünnig geworden, die Besten haben die Arbeit ihres Lebens verleugnet, Europa verraten. Seid Ihr Hunderte? Seid Ihr Wenige nur? Mit der leidenschaftlichster Liebe will ich Euch suchen! Meine antwortheischende Seele horcht hinaus nach Euch, in der gelben Stille der Septembertage, in der ungeheuren Weite der Nacht, in den langen schlaflosen Morgenstunden; denn wer hörte nicht jetzt den Taumel der Welt an die Küfte seines Lagers schlagen, ob er gleich auf einer einsamen Insel schliefe. Warum erhebt Ihr Euch nicht? Weshalb höre ich nicht Eure Stimme ertönen, das verratene Europa zu retten? O, ich weiß: noch ist Eure Stunde nicht gefommen! Noch schweigt Ihr. Noch schweigt Ihr. Aber ich höre das unterirdische Klopfen Eurer Herzen wie das Hämmern der Bergleute, das wit unter Tage ist. Ich bin nur eine Stimme von wenigen, das Rufen meines Mundes ist bald verhallt. Aber ich will den Glauben festhalten an Euch, und wäre es auch nur, um einer einzigen Seele zu sagen:„ Kamerad! laß Dich nicht irre machen. Einmal wird das Mittelalter Europas vorüber sein!" O Ihr freien Europäer, Ihr einsamen Inseln, ich weiß, daß auch Ihr fremd zwischen Euren Brüdern und Schwestern wandeln müßt, verspottet, verlacht, der Feigheit gescholten, aber mit einer leidenschaftlicher Wärme und einem unaussprechlichen Mitleid zur Menschheit. Auch Euch bangt nach dem Trost und der Lieve fameradschaftlicher Seelen. Hier, verloren in einem Winkei Europas, size ich, in einer Stadt unter Tausenden, in einer Straße unter Tausenden, in einem Hause unter Tausenden, unter Menschen, deren Seelen der Haß getrübt hat, und wie der Gefangene in seiner Zelle mit dem gebogenen Zeigefinger an die Wand meines Zimmers flopfend, sende ich geheimnisvolle Zeichen hinaus. Wo Ihr auch Sie schämen sich nicht.... " 5 Zentnern pro Morgen, wobei zu bemerken ist, daß dieses un günstige Ergebnis auf einer Erntefläche von 1195 Hettar erziel wurde, während die gesamte Anbaufläche Deutschlands 4,14 Mis lionen Heftar bei Roggen betrug Wenn der Landbund also schon darauf hinarbeitebe, die Böder mit 4 Bentner Roggenertrag, also mit dem halben Durch schnittsertrag der Borkriegszeit, anbaufähig, d. h rentabel zu machen, so muß man schon die Frage aufwerfen ob die Schutzzollbewegung damit zu Ende ist, oder ob wir es viel leicht bei den nächsten Schutzzollberatungen erleben, daß man di Anbaufosten für Roggen auf großstädtischen Asphaltstraßei zur Grundlage für die Bemessung des Getreide- und Brotpreise! nimmt. die Bost im zweiten Rechnungshalbjahr 1923 einen Ueberschuß von| Roggenerträge lediglich in dem Freistaat Hamburg noch unter 54 Millionen Goldmark erzielt habe. Dieser Betrag sei zur Schuldentilgung verwendet worden. Im Rechnungsjahr 1924 werde mit einem Ueberschuß von 20 Millionen Goldmark gerechnet. Genosse Her stimmte der Zentrumsentschließung und der Entschließung der Deutschnationalen zu. Sodann stellte er feit. hak die Reichsfinanzen in steigendem Maße auf den höheren Erträgen der Steuern aus Massenbelastung beruhen. Es bestehe die Gefahr, daß bei weiterem Rückgang der Befizsteuern Lohnsteuer und Umsatzsteuer wiederum die alleinigen Träger der Reichsfinanzen werden. Schon jetzt sei der gesamte rechnerische Ueberschuß auf das unvorhergesehene Steigen diefer Steuern zurückzuführen. Der Erlaß des Finanzministers über die Steuerstundungen, die Herabsehung der Verzugszuschläge von 5 auf 2 Broz. sei ungerechtfertigt und gefährlich. Mit Schrecken müsse man feststellen, daß die Abneigung der Besitzenden zur Entrichtung der Steuerleistungen dauernd wachse. Das Entgegenkommen, das das Finanzministerium gegenwärtig zeige, vergrößere die Gefahr. Man müsse unbedingt daran festhalten, daß erst die allernotwendigsten Bedürfnisse des Staates erfüllt werden müssen, ehe die Rücksicht auf die Wirtschaft zu Ermäßigungen der Steuerleistungen führen dürfe. Jeder andere Weg führt unfehlbar zu neuer Inflation. widlung der Reichsfinanzen. Seine Haltung bei der Erstattung der Landabgabe sei unverständlich. Seine Richtigstellungen seien irreführend. Niemand könne bestreiten, daß die Landabgabe zum Spekulationsobjekt geworden sei, und daß insbesondere große Landwirte mehr erstattet erhielten, als sie überhaupt gezahlt haben. Redner warnte zum Schluß das Reichsfinanzministerium, auf dieser Steuergesetze, die zu einer sozialen Berteilung der Lasten not Bahn fortzuschreiben, und verlangte rechtzeitige Vorlegung der neuen wendig sind. Erbärmliche Severing- Hetze der ,, Deutschen Tageszeitung" In Bielefeld eriftiert seit furzem ein deutschnationales Blättchen, das sich dadurch interessant zu machen sucht, daß es Verleumdungen gegen unseren Genossen Severing in die Welt setzt. Nachdem es vor wenigen Tagen Severing als„ Gastwirt" wider besseres Wissen lächerlich zu machen gesucht hat, hat das Blättchen jetzt die Entdeckung gemacht, daß Severing im Oftober 1918, och und Landesverrat" begangen hätte und daß nur der Ausbruch der Revolution ihn vor seinem Richter bewahrt habe. Prompt fällt natürlich auch die„ Deutsche Tageszeitung", die erst vor wenigen Tagen in der Angelegenheit des Bielefelder Verbandshauses einen fläglichen Rückzug antreten mußte, wieder auf den neuesten Bielefelder Schwindel herein und schreibt triumphierend von Gevering als Hochverräter und Dolch stoßmann". Das Bielefelder Blättchen, aus dem jedenfalls wieder die„ Deutsche Tageszeitung" ihre Weisheit schöpft, ist zu seiner Behauptung durch ein nettes Fälscherstückchen gekommen. Es gibt nämlich eine Rede Geverings vom 27. Oftober 1918 so aus dem Zusammenhang gerissen wieder, daß der Sah:„ Ich würde mich gern an die Spitze einer Bewegung stellen, die die offene Empörung gegen einen Krieg des Militärs organisierte", sich anscheinend als eine Auflehnung gegen die damalige Regierung und Verfassung, also als eine Art Aufforderung zum Hochverrat charakterisiert. Unser Bielefelder Parteiblatt schlägt jedoch den Fälschern auf die schmutzigen Finger und weist ihnen nach, daß der Saz in einem ganz anderen Zusammenhang gefallen ist. Genosse Severing sprach davon, daß ein Staats= streich der Generäle erwartet würde und sprach auch von In seiner Erwiderung gab der Finanzminister Luther zu, daß der Militärtamarilla. Lediglich auf diesen Fall des Gelines Fälle gäbe, in denen mehr zurüdgezahlt worden als entrichtet gens eines solchen militärischen Staatsstreiches bezog sich die Aeuße- worden ist. Im übrigen stellte er eine Antwort auf den zweiten rung Severings, daß er sich dann allerdings an die Spitze einer Artikel des Vorwärts" in Aussicht. Er bestritt ferner, daß das Bewegung stellen würde, die die offene Empörung gegen diesen Reichsfinanzministerium bei der Herabsehung der Verzugszuschläge Krieg organisierte. Es wird in den letzten Tagen wieder verdächtig zu weit gegangen sei. Er müffe jedoch zugeben, daß ihm die Stellungviel und mit den übelsten Mitteln gegen Severing gehetzt. Insnahme der großen Organisationen zur Steuerwirtschaft mit großen besondere das Bielefelder Blättchen scheint auf den traurigen Ruhm verantwortlich und gefährlich. Die Stundungen können nur im e inBedenken erfülle. Das Treiber gegen die Steuerleistungen sei un der Bergisch- Märkischen Zeitung" neidisch zu sein, die seinerzeit die erfte große Hehlampagne gegen Severing inszeniert hat. Und ein einen Fall, nicht aber generell erfolgen. besonderer Skandal ist es, daß große Berliner deutschnationale Blätter sich nicht schämen, diesen Bielefelder Schwindel mitzumachen. 17 Der einfachste Berſtand sollte übrigens der„ Deutschen Tageszeitung" auch sagen, daß, wenn Severing damals wirklich in der Weise Hochund Landesverrat begangen hätte, wie sie es sich heute konstruiert, ihn am andern Tage bereits der Staatsanwalt am Kragen gehabt hätte. Denn damals waren diese Herren oben auf und noch nicht so schwerhörig und furzsichtig geworden wie heute, wo sie erst mit Gewalt auf Hoch- und Landesverräter gestoßen werden müssen. Der Reichsetat. Kritik der unsozialen Steuerverteilung. = Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde Sonnabend vormittag der Gesezentwurf über die weitere Regelung des Reichshaushalts für das Jahr 1924 beraten. Der Abg. Quaay ( Dnat.) äußerte Bedenken über die Abtrennung von Post und Eisen: bahn von der allgemeinen Reichsverwaltung und ersuchte um Aus= funft über deren Finanzbedarf. Auch der Abg. Dietrich- Baden ( Dem.) bedauerte, daß die Postverwaltung sich selbständig fühle und selbständig Kredite an Gemeinden des besetzten Gebietes gegeben habe. Von dem Abg. Dr. Schreiber( 3.) wurden einige Entfchließungen begründet, u. a. nach Borlegung einer Gesamtstatistit der Steuerverhältnisse in Reich, Ländern und Gemeinden. Auch wünschte er, daß das Reich den internationalen Steuerverhältnissen größere Aufmerksamkeit widme und entsprechende Propaganda im Auslande, insbesondere in der Schweiz treibe. Abg. Hergt( Dnat.) begründete eine Entschließung, die laufende Auskunft über das Finanazgebaren der Berkehrs- und Bostverwaltung wünscht und eine Denkschrift über die bisherine selbständige Entwicklung dieser Unternehmungen verlangt. Zugleich regte er an, das Reichsfinanzministerium möge rechtzeitig die zur Ausführung des Sachverständigen- Gutachtens erforderlichen steuerlichen Maßnahmen vorbereiten. Der Bertreter der Postverwaltung beilte mit, daß sein mögt, daheim und in deutschen Städten oder drüben in den fremden Staaten, in Ländern, die der Krieg mit Schrecken erfüllt hat, über tiefe, endlose Räume, über dem heißeren Lärm der Schlachten, über die Schreie des Zorns und der Berbitterung ich weiß, Euer lauschendes Ohr wird die Stimme der Freundschaft ver nehmen. Ihr werdet das Zeichen weitergeben. Ihr werdet die geheime Sprache der Liebe verstehen. Osteuropa, am 2. September des Weltkrieges 1914. Bernhard Shaw über Sinn und Bedeutung der Religion. In einer vorzüglichen Wahlrede hat Bernhard Shaw von der religiösen Gesinnung der englischen Arbeiterpartei gesprochen. Die Völker, führt Shaw aus, fönnen nicht gut sein, solange fie feine Religion haben. Er denkt aber nicht an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen Sefte, vielmehr schwebt ihm der religiöse Mensch vor Augen, der weiß und fühlt, daß er in die Welt gefeßt ist, um eine Aufgabe zu erfüllen, die über seine unmittelbaren egoistischen Zwecke hinausragt. Derjenige, der Profite anhäuft, auch wenn er bei jedem Gottesdienst erscheint, fann nur als ein materialistischer Atheist bezeichnet werden. Er fann feine wahre Religion befizen. Derjenige, der die Arbeitsbürde, die er felbft tragen müßte, auf andere Schultern überwälzt, begeht dieselbe Sünde wie der Straßenräuber, der andere Personen ausplündert. Viele glauben, daß im Augenblick des Todes fie vor dem höchsten Richterstuhl zur Verantwortung gezogen werden und über ihr Leben Rechenschaft abgeben müssen. Dieser Glaube ist sehr richtig. Wenn ihr aber in diese Lage tommen werdet, dann ist für euch viel beffer, statt vor Gott in die nie zu finden und als elende Sünder um Gnade zu flehen, wenn ihr sagen könnt: Ich habe von meinen Gaben einen guten Gebrauch gemacht; ich habe meine Arbeit getan und darüber hinaus die Welt besser gemacht als sie war, bevor Du mich in diese Welt gefeßt haft. Jetzt gib mir meinen Lohn dafür." " Volfsbühne. Kapellmeister Mar Roth übernimmt die musikalische Leitung des Blüthner- Orchesters für die ab 1. Auguſt im Theater am Bülowplat stattfindenden Vorstellungen der Operette Geisha". Für die Einstudierung der Tänze wurde Ballettmeister Eugen Chlebus berpflichtet. Generalinfendant a. D. Albert Bürklin gestorben. In Heidelberg ist der frühere Generalintendant des badischen Staatstheaters, Dr. Albert Bürklin, gestorben, nachdem er noch vor wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag Halte feiern fönnen. Bürklin betätigte sich in den letzten Jahren febr rege als Aufsichtsratsmitglied in vielen industriellen Unternehmungen und gehörte zu den reichsten Männern Badens. Julius Schaumberger, der bekannte Münchener Dichter, ist im Alter bon 61 Jahren gestorben. Er gehörte in den 1890er Jahren zu den Borkämpfern des literarischen Naturalismus. Sturze Zeit war er Dramaturg am Berliner Leffingtheater. Leitung tätig sind. Eine akademische Buchbinderwerfftatf. An der Berliner Universität ist eine Buchbinderei eröffnet worden, in der Studierende unter fachmännischer Neue Eisenbahnsiguale. Der französische Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Direktionen der großen Babngesellschaften aufgefordert, sofort ein neues Signalsystem einzuführen, bei dem durch die Wiederholung der Sign ale feitens des Lokomotivpersonals größere Sicherheit gegen Unfälle Die vorgelegten Entschließungen wurden angenommen. Zolldebatte imVolkswirtschaftlichen Ausschuß Sigung des Boltswirtschaftlichen Ausschusses des Am Sonnabend benutzten die bürgerlichen Parteien in einer Reichstags Anträge auf Kreditbeschaffung für die Landwirtschaft, um die 3olldebatte schon jetzt zu führen. Vor allem war es ber demokratische Bauernbundführer Dr. Böhme, der sich sachlich voll. ständig in die Front der großagrarischen Hochschutzöllner stellte. Für die Deutschnationalen sprach der Landbundführer Freiherr v. Richthofen, der u. a. behauptete, daß die Produktionskosten für 1 Zentner Roggen auf gutem Boden 11 und auf schlechtem Boden 15 m. betragen und daß der Landwirt im Durchschnitt bei jedem Zentner Roggen einen Berluft von 5 M. habe. Richthofen trug so did auf, daß sein Tabat sogar seinen näheren Freunden zu start war. Den Freunden der Agrarzölle antwortete Genosse Kräßig. Er verwies darauf, daß gerade die Verpächter von Ackerland eine um 5 Proz. höhere Bacht forderten und diese Forderung mit der Steigerung der Rentabilität der Landwirtschaft begründeten. Das seien doch schreierde Widersprüche gegenüber den Behauptungen des Herrn v. Richthofen. Kräßig verwies auch auf die doppelte Buchführung in den großen landwirtschaftlichen Betrieben, die darin besteht, daß Nebenprodukte des landwirtschaftlichen Betriebes, die, wie z. B. Dünger, tostenlos oder mit geringen Unkosten gewonnen und im Betriebe wieder verwendet werden, so auf der Ausgabenfeite verbucht würder, als wären sie gekauft worden. So würden Einnahmen in Ausgaben verwandelt, und dann entständen die Unterbilanzen, während in Wirklichkeit oft erheblicher Nußen vorhanden fei. Die Stellung der Sozialdemokraten formulierte Genoffe Kräzig wie folgt: Wenn eine Notlage besteht, ist die Sozialdemokratie bereit, mit Staatsmitteln zu helfen. Es kommt aber auf die Art der Mittel an und darauf, daß der Schuß der Landwirtschaft nicht zum Selbstzweck und zur Schröpfung des Volkes führt. Gegenüber der Behauptung v. Richthofens, daß auch der kleine Bauer von den Getreidezöllen Nutzen habe, betonte Kräßig an Hand der landwirtschaftlichen Betriebsstatistit, daß 3% Millionen Betriebe mit zusammen 1161 634 Heftar Getreideanbaufläche feinen Nugen, sondern direkten Schaden haben. 1 050 000 Kleinbauern haben sicherlich keinen Nußen, da sie durch Berteuerung der Betriebsmittel infolge der Industriezölle mehr als das verlieren, was sie etwa beim Verkauf fleinerer Mengen Getreide an Zolluzen erlangen. Nutzen hätten mur die 260 000 Großbauern und 23 000 Großgrund befizer, die zusammen über 4 Millionen Heftar Getreide anbauten. Der Getreidezoll set also eine unerhörte Brotsteuer. Bei einem Durchschnittlichen Mehlverbrauch von 166 Kilogramm pro Ropf und Jahr, wie wir ihn in normalen Zeiten haben, seien für die 45 Millionen der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung 10 Millionen Tonnen Brotgetreibe nötig, für welche also bei durchschnittlich 5 M. Zoll pro Doppelzentner jährlich eine Hungerſteuer von 500 millionen Mart aufgebracht werden müßten. Dagegen müsse die Sozialdemokratie protestieren. Das Ziel der Landbundpolitik. In dem dritten Teil eines längeren Artikels zur Zollfrage legt der Landbundführer Freiherr von Richthofen das Ziel der agra rischen Zollpolitit folgendermaßen dar: " Deutschland ist und bleibt auf eine blühende Landwirtschaft angewiesen und wird nur bestehen, wenn es eine solche Wirtschaftspolitik betreibt, daß diejenigen Böden, die noch vier Zentner Roggen je Morgen trage, anbauwürdig bleiben." Was bedeutet diese Forderung innerhalb der gesamten Volkswirtschaft? Vor dem Kriege hatten wir im Jahre 1913 einen durch ichnittlichen Settarertrag in Roggen von 19,1 Dop. pelzentnern, im Durchschnitt der Jahre 1902 bis 1913 waren es 17 Doppelzentner. Der durchschnittliche Ertrag pro Morgen betrug, roh gerechnet, demnach 8½, im letzten Borkriegsjahr sogar 9% Zentner pro Morgen. Unter den preußischen Provinzen und den deutschen Bundesstaaten fanden sich nur einige wenige Gebiete mit unbedeutendem Getreideanbau, die mit ihrem Hektarertrag wesentlich hinter dem Reichsdurchschnitt zurückblieben. Es sind dies Hohenzollern mit 6% bis 7, Württemberg mit rund 7% Zentner Roggen pro Morgen. Die östlichen Pro vinzen halten sich mit ihren Erträgen in dichter Nähe des Reichsdurchschnitts. Während des Krieges begann die große Fälschung der Ernte statistik, die schon vor dem Kriege sehr unzuverlässig war, und deren ganzer Wiberfinn daraus erkennbar wird, daß trotz niedrig ausgewiefener Ernteerträge gleich nach der Stabilifierung ein gewaltiger Getreideüberschuß auftrat, der erst nach der Freigabe des Erportes nachließ. Der Preisdrud, der während der Stabilisierung auf den Agrarerzeugnissen lastete, und erst in letzter Zeit einer Hausse Platz gemacht hat, ist ja in der Hauptfache aus dem Ueberangebot infolge der Geldkrisis zu erklären, und dieses ueberangebot hat die Vorräte sichtbar gemacht, die in der Statistik verschwunden waren. Selbst im Jahre 1922, einem verhältnismäßig schlechten Erntegewährleiſtet sein soll, die durch Nichtbeachtung der Signale entstehen. Dieses jahr, waren nach dieser auf das Ungünstigste gefärbten Statistik die System wird zurzeit auf allen französischen Bahnnezen praktisch erprobt. Die andere Frage taucht noch auf, was bei einer Annahm der Zollvorlagen aus den großen Sondergewinnen werden foll, die den nach der Statistit weit überwiegenden Grundbesitzeri mit ertragreicheren Böden bei der Einführung des Schutzzolles zufließen. Die Gewinne müssen, wie schon aus der zahlenmäßigen Gegenüberstellung hervorgeht. außerordentlic große sein und müssen in kürzester Frist zu einer enormen Stei gerung der Bodenpreise führen. Eine riesenhafte Bodenspeku Tation ist die unvermeidliche Folge. Wollen die Großagraria diese Bodenspekulation, die auf die Dauer den Getreideanbau wieder verteuert, so haben sie tein Recht, Gründe der Produktion fü den Zollschutz geltend zu machen. Wollen sie aber nicht, so müßt wirkende wegsteuerung der Uebergewinne verbunden sein. Boi mit der Zollvorlage ohne weiteres eine scharfe bodenreformerisd einer derartigen Forderung ist jedoch auf agrarischer Seite nicht zu hören. Man verläßt sich eben darauf, daß die Lasten der Getreidezölk und der Bodenpreissteigerung ohne weiteres von dem Verbraud getragen werden. Die Arbeiterschaft hat alle Ursache, diese Ar Großgrundbesizerpolitik und diesen spekulativen Machenschaften ent gegenzutreten, indem sie die ganze Zollvorlage auf das entschiedenst bekämpft. Gegen die Uebernahme fremder Eisenbahnei Vom Vorstand der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahn beamten wird uns geschrieben: Es ist nicht verfrüht, zu einem Punkt der Verhandlunge Eisenbahnpersonals auszusprechen: nämlich zu der von Frankreid in London schon jetzt die Ansicht und den Willen des deutschei zähe vertretenen Absicht, 4000 bis 5000 französische und belgisch Eisenbahner dauernd im Regiedienst zu belassen. Abgesehen davon, daß eine solche Maßnahme ganz offensicht lich gegen das Dawes- Gutachten verstößt, würde sie der glatten Ab widlung des Eisenbahnbetriebes nur sehr hinderlich und auch rech unwirtschaftlich sein. Französische und belgische( oder auch ander nichtdeutsche) Eisenbahner würden stets einen Fremdtörper in deutschen Eisenbahnwesen bedeuten. Wer daran denkt, wie ener gisch und zähe sich gerade das Reichsbahnpersonal gegen den fran 3öfifchen Machtwillen bei der Rhein- und Ruhrbesetzung im vei gangenen Jahre gewehrt hat, der fann nicht annehmen, daß ma dem deutschen Eisenbahnpersonal die dauernde Einmischung tausen der fremder Eisenbahnbediensteter mit mehr oder weniger Sach tenntnis zutrauen darf. bahner dann befinden? Sollen sie Borgesetzte oder Untergebene de Und in welcher Stellung sollen sich die nichtdeutschen Eisen deutschen Beamten und Arbeiter sein? In beiden Fällen wirde nur gefährliche Konfliktstoffe und stetige Reibungsflächen entstehet Den deutschen Eisenbahnern würde dazu noch unberechtigtermed ihre Berufsstellung weggenommen. Oder follen die Franzosen un Belgier nur eisenbahndienstlich untätige Kontrollorgane sein Das wäre ebenfalls eine Unsinnigkeit. Wer soll diese französische und belgischen Eisenbahner bezahlen? Die französische und belgsid den wahrscheinlich diese Regierungen auch ein Verfügungsrecht üb Regierung oder die Reichsbahngesellschaft? Im ersteren Falle wür ihre Beauftragten haben oder sie mit befonderen Bollmachten au ſtatten wollen; im letzteren Falle würden sie nur als Behinderun des Eisenbahnbetriebes und der verwaltung sowie als große U wirtschaftlichkeit anzusehen sein. Die deutsche Reichsbahngesellscha wird ohnehin schon übergenug belastet mit dem wohl unvermeil lichen außerdeutschen Eisenbahnkommissar mit feinem großen Stab Für die von unseren westlichen Nachbarn noch besonders geforderte Eisenbahner würden für 4500 Personen mit einem durchschnittliche Jahreseinkommen von beispielsweise nur 2000 m. 9 Millione Goldmark aufzubringen sein. Nicht nur diese sachlichen und allgemein politischen Gründe vet bieten die Einsetzung fremder Kräfte in den deutschen Eisenbah betrieb, sondern auch wichtige psychologische Erwägungen sollte den französisch- belgischen Borstoß auf Dauerbesetzung der deutsche Eisenbahnen glattweg zurückweisen. Jedenfalls darf nicht der g ringste Zweifel darüber bestehen, daß das deutsche Eisenbahnperson nicht daran denkt, im schwierigsten Eisenbahngebiet der Welt si für die Dauer fremdländische Eisenbahnbedienstete einschieben a lassen. Von den Vertretern der deutschen Regierung erwartet da Reichsbahnpersonal es als eine glatte Selbstverständlichkeit, da nur der vorstehend gekennzeichnete Standpunkt vertreten werde fann. Hilfe für die Heimkehrer. Im Reichstagsausschuß für die besetzten Ge biete wurden am Sonnabend eine Reihe von Anträgen erledig durch die das Los der heimkehrenden Ausgewiesenen erleichtei werden soll. Den Genossen Hoffmann- Kaiserslauter und Kirschmann, die in der Aussprache den Wortbruch de Reichsregierung an den Opfern des passiven Widerstandes g bührend kennzeichneten, mußte der Reichsverkehrsminister zugeben daß das Verlangen der Ausgewiefenen, namentlich der Eisenbahu arbeiter, auf eine den gegebenen Zusicherungen entsprechend Regelung ihres Schicksals verständlich sei. Aber es fehle an Gell Dennoch scheint das Gewiffen so sehr zu schlagen, daß man die u sprüngliche Absicht fallen läßt, den nicht im Beamtenverhältni fiehenden Rückkehrern 14 Tage nach ihrer Heimkehr nur noch di Erwerbslosenunterstützung zu geben. Es soll eine lebergangs betreuung gewährt werden, und darüber hinaus wollte man di 3uficherung geben, die verdrängten ausgewiesenen Arbeiter und Ai gestellten der Reichsbahn vorzugsweise wieder einzustellen nai uebernahme der rheinischen Bahnen von der Regie. Auf ſozia demokratischen Antrag wurde zur Sicherung dieser Regierungs erklärung der frühere Beschluß, bei der Reichsbahn länger als zeh Jahre beschäftigte Arbeiter ebenso zu behandeln wie die Beamter crneut einstimmig bestätigt. Außerdem wurde einstimmig be fchloffen, daß die verdrängten und ausgewiesenen Arbeiter un Angestellten der Reichsbahn, die mangels Wohnung und Beschäft gung nicht zurückkehren fönnen oder wollen, nicht entlassen werde dürfen. Ebenso dürfen nicht entlassen werden diejenigen zurüd gekehrten Arbeiter und Angestellten der Reichsbahn, die sich mit de Betreuung einverstanden erklären. Alle Bestimmungen, die diese Beschlüssen entgegenstehen, sind zurückzunehmen. Ein sozialdenu fratischer Antrag, der die Betreuung sofort in bestimmter Form fef legen wollte, wurde von den bürgerlichen Parteien abgeleh Gegen den Widerspruch der Sozialdemokraten vertagte dann de Ausschuß seine Beratungen auf den 5. Auguft. gen werben. Der Kampf gegen die Lebensmittel- t Mit dieser Formulierung haben die Dachdecker alle Angriffe ab Gewerkschaftsbewegung zölle und für den Achtstundentag sind die Mittel geschlagen, ba nur unter reiflicher Prüfung und mit Zustimmung Die Schuld der Unternehmer. dazu. Die Krise in Polnisch- Oberschlesien. Kaum ist die beispiellose Wirtschaftskrise, die der ZuKaftowih, 26. Juli( WTB.). Auch die gestrigen Verhandlungen sammenbruch der Mart auslöfte, verebbt, da begann eine neue in der Großindustrie haben zu teinem Ergebnis geführt. Die Krise die deutschen Arbeiter zu Hunderttausenden zur Arbeits- Arbeitgeber verharren auf der Forderung, daß für den Behnstundenlosigkeit und zur Kurzarbeit zu verurteilen. Jahrelang haben tag nicht mehr Lohn gezahlt werden foll als für acht Stunden. Die die Unternehmer der Industrie, des Handels, der Banken und Arbeitervertreter wollen am heutigen Sonnabend ihre Stellungder Landwirtschaft mit dem Sturz der Mart Genahme präzisieren. Mit dieser Erklärung wurden gestern die Verfchäfte gemacht, unbefümmert um die Folgen für den handlungen abgebrochen. Staat und die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit. Kattowik, 26. Juli( WTB.). Wie der„ Oberschlesische Kurier" Alle Versuche, den Sturz der Mark aufzuhalten, den meldet, entfalten die Kommunisten eine große Agitation, um einen Staatshaushalt auf Gold umzustellen, die Löhne und Gehälter Generalftreit herbeizuführen. Ein Aufruf der Kommunisten fordert die oberschlesischen Insurgenten auf, mit Waffen in der Hand zu wertbeständig zu machen und somit zwei wesentliche Faktoren, einem Kongreß am 27. Juli in Kattowitz zu erscheinen. Die früheren die den Sturz der Mark herbeigeführt haben, auszuschalten, Aufständischen sollten den Hauptbestandteil der„ Roten Armee" bilsind von den Unternehmern erbittert befämpft worden, um eine kommunistische Räterepublik im Oberschlesischen zu den. Ihr beschränkter Egoismus, ihre wirtschaftliche Inferio- erfämpfen. rität paarte sich mit einer selbstbewußten Ueberheblichkeit, die um so weniger verziehen werden kann, weil sich hinter ihr nur selbstsüchtige Gewinnsucht verbarg. Vom November 1918 bis November 1923 wird man vergebens nach einem großzügigen Plan des deutschen Kapitals suchen, sich auf die neuen innenund außenpolitischen Verhältnisse umzustellen, die deutsche Wirtschaft durch Vereinfachung und Intensivierung ertrag= reicher zu gestalten. Riefenkonzerne wurden in der Industrie gebildet, die Banken bauten Paläste, enteigneten die Sparer, verwässerten ihr Kapital, die Landwirtschaft bereicherte sich auf Kosten der städtischen Bevölkerung, aber alle diese ungeheuren Kapitalverschiebungen sind nuplos vertan, verbaut, verschleudert und verpraßt worden, ohne jeden Nuzen für die Gesamtwirtschaft. Das Kapital aller Schichtungen hat elend versagt. Dann kam der große Zusammenbruch. Aber statt aus der Vergangenheit die entsprechende Lehre zu ziehen, statt sich aufzuraffen zu einer großzügigen Umgestaltung unserer Wirtschaft, hat man sich krampfhaft bemüht, die bankerotten Methoden der Inflation in die Stabilisierung hinüberzuretten. Deshalb forderte man die Beseitigung des Achtstundentages, den Abbau der Sozialpolitik, die Aufhebung des Mitbestimmungsrechtes der Arbeitnehmer, das durch die Verfassung gewährleistet ist. Während Millionen feierten, vom Staat und aus den Beiträgen der Arbeitnehmer unterstützt werden muß ten, zwang man die Arbeiter, um den Achtstundentag erbitterte Kämpfe zu führen oder, wie der Vorsitzende der Spitzenorganisation der Unternehmer fürzlich schrieb, sich mur= rend" zu fügen. Die deutsche Wirtschaft erfordert die intensive Ausnüßung aller Arbeitskräfte. Innerhalb eines Jahres hat uns die geminnsüchtige Dentfaulheit des Unternehmertums nun schon die zweite Wirtschaftskrise beschert. Und schon wird mit Hochbruck an der Entfesselung einer dritten Krise gearbeitet. Die deutsche Wirtschaft kann nur ertragreich sein, wenn die Industrie mit Hochdruck arbeitet und die überschüssigen Produfte exportiert, um als Gegenleistung die Lebensmittel und Rohstoffe billig kaufen zu können, die wir im eigenen Lande nicht erzeugen. Eine der Vorbedingungen dazu sind die Verbilligung der Lebenshaltung der deutschen Arbeiter. Statt dessen unterstützen die Industriellen den Plan der Wiedereinführung der Lebensmittelzölle. Die Folgen diefer Politik liegen auf der Hand. Was der Verbraucher für Lebensmittel mehr ausgeben muß, wird er meniger ausgeben für Industrieerzeugnisse. Der Innenmarkt ist aber die Grundlage des Erports. Ohne einen großen Innenabsaz fann nicht billig produziert, somit nicht exportiert werden. Diesem fortgesetzten Versagen der deutschen Kapitalisten, dieser sich bergehoch häufenden Schuld der Unternehmer fann nicht durch Bernunftgründe abgeholfen werden. Die Unternehmer müssen zu einer vernünftigen Wirtschaft gezwunKattowih, 26. Juli( Mtb.). Hier wurde der sogenannte kommunistische 21er Ausschuß verhaftet. Der Ausschuß plante für morgen die Ausrufung einer Räterepublik. Die Lage auf den Gruben hat sich insofern geändert, als teilweise die Arbeit aufgenommen worden ist. Internationaler Metallarbeiterkongreß. Wien, 26. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend wurde in Wien der dritte internationale Metallarbeiter tongreß seit Kriegsende eröffnet. Aus 20 Ländern find 75 Delegierte anwesend. Deutschland hat elf Vertreter entsandt. Der internationale Sekretär Ilg eröffnete den Kongreß mit einer Begrüßungsansprache. Es wurde beschlossen, dem schwerkranken Genossen Merrheim( Frankreich) ein Begrüßungstelegramm zu senden. In das Präsidium wird u. a. Reichel( Deutschland) ge: wählt. Erster Vorsitzender ist Domes( Desterreich). Mg erstattet Er verweist u. a. darauf, daß die den Bericht des Sekretariats. vereinigten Metallarbeiter in Nordamerika in einer Entschließung ihren Mitgliedern den Beitritt empfehlen. Auch aus England liegt die Zusage vor, daß sich weitere Verbände anschließen werden. In der Debatte stellt Brom lay( London) eine Anfrage wegen des Anschlusses des russischen Verbandes. Ilg teilt mit, daß das Komitee den Vorschlag macht, die bisherigen Verhandlungen zur Kenntnis zu nehmen. Dißmann( Stuttgart) dankt für die internationale Hilfe. Stein( Wien) lenkt die Auf merksamkeit auf die Binnenwanderung der Metallarbeiter. Sola u ( Brüssel) beantragt im Namen der Kontrolle die Entlastung. Dieser Antrag wird angenommen. Ilg wird dann zum Sekretär wieder gewählt. Als Gih des Gekretariats wird wieder Bern bestimmt. Dann leitet 3g die Diskussion über Arbeitszeit und internationale Hilfeleistung ein, wobei er auf den Kampf um den Achtstundentag verweist. Der Kongreß wurde nach diesem Referat auf Sonntag nachmittag vertagt. Reichstarifvertrag im Dachdeckergewerbe. Der Achtstundentag aufrechterhalten. handlungen über den Reichstarif im Dachdeckergewerbe statt, nach In den Tagen vom 23. bis 25. Juli fanden in Berlin Berbem feit März, wo die ersten Verhandlungen gefcheitert waren, fich opferreiche Kämpfe abgespielt hatten. Auch im Dachdeckerberuf galt der Kampf in der Hauptsache dem Achtstundentag, dessen Aufrechterhaltung dem Verband in vollem Umfange gelungen ist. Es ist nun in der Frage der Arbeitszeit folgendes Abkommen getroffen worden: Die Arbeitszeit beträgt vorbehaltlich einer anderen gesetzlichen Regelung grundsäglich acht Stunden täglich( 48 Stunden wöchentlich). Während der Dauer dieser Regelung fann in den einzelnen Orten oder Gebieten, sofern sich aus dringenden Aufträgen oder aus sonstigen wirtschaftlichen Gründen eine Verlängerung der Arbeitszeit notwendig machen sollte, nach Dorheriger Verständigung mit der gefeßlichen örtlichen Arbeitnehmervertretung( Ortsausschuß) die wöchentliche Arbeitszeit bis zu 51 Stunden ausgedehnt werden. Für diese geleistete Mehrarbeit über 48 Stunden ist der tarifliche Stundenlohn zuzüglich einer Egtrazulage von fünf Pfennigen zu zahlen; für Ueberstunden sind 40 Proz. Zuschlag zu zahlen. der Betriebsräte in bestimmten Fällen die drei Stunden zugebilligt werden und durch die Sonderzulage der Charakter der Ueberstunde gewahrt ist. Die Regulierung der Löhne wird den Bezirken überlassen, die über die prozentualen Zuschläge zu entscheiden haben. Gegenwärtig wird in den Bezirken bis zu 18 Proz. über Maurerlohn bezahlt. Leider gelang es den Dachdeckern nicht, von der Lohnpolitik im Baugewerbe loszukommen, da die Unternehmer immer wieder auf ihrer engen Zusammenhang mit dem Baugewerbe hinwiesen. Die Arbeit nehmer traten für eine eigene Lohnpolitik ein. Im übrigen wurden alle Verschlechterungsabsichten der Unters nehmer abgewehrt. Auch die Anerkennung der Ferien wurde grundfählich für dieses Jahr erreicht, doch soll der Wortlaut des Ferienabkommens erst festgelegt werden, nachdem bekannt ist, wie der Urlaub im Baugewerbe geregelt worden ist. Lohnbewegung der Textilarbeiter. Eine Lohnerhöhung von 25 Proz. hatten die Textilarbeiter in Berlin und Nowawes gefordert. Da ihre gegenwärtigen Tariflöhne noch niedriger sind als die Friedenslöhne waren, die Preise der Terfilmaren aber bis 10 Proz. über den Friederspreisen stehen, so ist die Forderung der Textilarbeiter feineswegs unbegründet. Die Vertreter der Fabrikanten meinten aber bei den Verhandlungen, angesichts der jetzigen niedrigen Preise der Bedarfsartikel seien die Löhne der Tertilarbeiter hoch genug, so daß fie alles kaufen könnten, was ihr Herz begehrt. Mit Unternehmern, die solche Anschauungen vertreten, fonnte natürlich eine Verständigung in der Lohnfrage nicht erzielt werden. Es kam zu Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß, die mit einem Schiedsspruch endeten, der den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 9 Proz. zuspricht. Den im Nordostdeutschen Arbeitgeberverband der Textilindustrie organisierten Unternehmern erschien diese geringe Aufbesserung noch zu hoch. Sie Der Deutsche Lertillehnten den Schiedsspruch einstimmig ab. arbeiterverband hat die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs bantragt. Abschluß eines Manteltarifes mit der Transradio. Nach längeren Verhandlungen mit der Transradio ist ein Manteltarifvertrag für die Angestellten abgeschlossen worden, in dem grundsäßlich der Achtſtunden tag festgelegt wurde. Jede darüber hinausgehende Arbeitszeit wird mit einem besonderen Aufschlag bezahlt. Auch die Festlegung der Gehälter bei Erfrankungen der Arbeitnehmer, die Urlaubsbedingungen, find günstig. Die Gehälter stehen etwa 25 Proz. höher als die in der Metallindustrie. Daß die Angestellten in wesentlichen Dingen durch den Manteltarifvertrag ein Mitbestimmungsrecht erhalten, haben sie besonders ihre Organisation, dem ZDA., zu verdanken. Schiedsspruch für die Angestellten des Braugewerbes. Nachdem die Verhandlungen des Zda. mit den Arbeitgebern des Braugewerbes ergebnislos abgebrochen waren, tagte am Frei tag der Schlichtungsausschuß. Dieser fällte einen Schiedsspruch, der für die bestehenden Gehälter für die Monate Juli und August eine fünfprozentige Erhöhung vorsieht. Eine Anregung der Arbeit geber, auch den Monat September an erfassen, lehnte der Schlichtungsausschuß unter Hinweis auf die Unbeständigkeit der Wirtschaft ab. Die Erklärungsfrist läuft am 30. Juli ab. Nachtbackverbot in Frankreich. ordnung des französischen Arbeitsministeriums wird sämtliche Paris, 26. Juli.( TU.) Durch eine gestern veröffentlichte Ber Nachtarbeit in den Bäckereien für die Zukunft verboten. Gehaltsregelung für die Angestellten der Gesundheitsindustrie. Am Dienstag verhandelten die Af- Organisationen mit dem Arbeit In geberverband der Gesundheitsindustrie( Rohrlegergewerbe). freier Vereinbarung wurden folgende Gehaltsregelungen festgelegt: Die Junigehälter gelten auch für Monat Juli; dagegen werden die Augustgehälter um 5 Proz. erhöht.( Eine genaue Aufstellung der Gehaltssäße ist in der Tarifabteilung des 3dA. zu haberr.) ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Beilage.) Verantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Sonstiges: Walter Trojan; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 3 Beilagen. Israel BERLIN C. KONIGSTRASSE SPANDAUERSTR. Vorteilhafte Angebote Kleiderstoffe Bedruckt. Perkal 80 cm, in mod. Taghemd Trägerformm. 1.45 Streifen für Oberhemden und Blusen Mr. 0.80 Frotté gestreift auf grauem Grund, ca. 100 cm Mtr. 1.25 Reinw. Cheviot marine, 2.25 130 cm Reinw. Rockstoff Mtr. Wirkwaren Damen- Strümpfe Herrenwäsche Madapolam, 2.50 Taghemd mit Falten Damenwäsche Stick- Ansatz mit Doppelsohle, grau, 0.65 Oberhemd gestreift Perkal, 3.90 Taghemd im Rumpf 3.25 leder, weiß... k gestickt... Beinkleid m. Sticker.2.75 Nachthemd Stick 3.90 Ansatz.... m. Ansatz.. Untertaille Jumpermoderne Karos, 105 cm, Mtr. 3.80 form, Batist, mit Spitze. 3.75 Reinw. 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Ein paar Zahlen aus dem Geschäftsbereich der Fürsorgestellen, die erschütternd wirken, mögen hier folgen: Im Jahre 1921 wurden in Groß- Berlin 625 Personen infolge von Truntenheit in das Irrenhaus gebracht, 1922 waren es 863 und 1923 706! Ein fleiner Teil davon hat die Irrenhäuser wieder verlassen können, die meisten aber sind im Irrenhaus an Gehirnschlag gestorben. Jedermanns eigene Sache ist es, alkoholische Getränke zu sich| altoholischen Getränke bereitet und zusammengemischt werden. Bor| Geschicklichkeit erfordert. Jedenfalls also richten die Fürsorgestellen zu nehmen oder abstinent zu leben. Für uns kommt es nicht darauf an, uns in diesen Streit der Meinungen zu mischen. Abstinenz oder Temperenz, mag da jeder nach seiner Fasson felig werden aber was darüber hinaus ist, das ist vom Uebel. Wer trinkt, darf niemals vergessen, dem Kopf, der Moral und dem Portemonnaie mehr zuzumuten, als ihm zuträglich ist. Bekämpft werden muß der Saufleufel, der in Berlin, wie die nachfolgenden Beilen beweisen, sein Unwesen besonders erschreckend treibt. Gefeh und Alkohol. Man hat ja nun allerdings vor längerer Zeit bereits in den Bereinigten Staaten von Amerika den Alkoholgenuß durch Gfez verboten. Indessen, die Gerechtigkeit erfordert das Eingeständnis, daß das Prohibitionsgefeg feine angenehmen und einwandfreien Zustände geschaffen hat. Die Folge war und ist bis auf den heutigen Tag, taß die reichen Leute sich trotz des Gesetzes hintenherum" für teures Geld Alkohol verschafft haben, und daß dis ärmere Bevölkerung auf dem Wege des Schmuggels diesen sehr zweifelhaften und nicht selten der Gesundheit schädlichen, verfälschten Alkohol trinkt. Auch in Normegen, in einem Lande, in dem allerdings, in ter Hauptsache infolge des rauhen Klimas die Trunkenheit in crschreckender Weise überhand genommen hat, in dem Trinkerheil- und Fürsorgeanstalten aller Orten errichtet sind, ist man, wie vor einiger Zeit an anderer Stelle unseres Blattes berichtet wurde, gegen das staatliche Alkoholverbot sturmgelaufen. Man darf im übrigen niemals vergessen, daß die Regelung der Alkoholfrage nicht so einfach ist. Wie immer diese Dinge aber auch liegen mögen, wie permidelt und schwierig die Lösung auch sein möge, die eine Tatsache ist flar und braucht nicht bewiesen zu werden. daß unter allen Umständen Uebermaß von Alkohol von den verderblichsten Folgen begleitet ist und unter allen Umständen bekämpft werden muß, scharf, rüdsichtslos und mit aller Energie. Gewiß, in Uebermaß genoffen, sind alie Reizmittel der menschlichen Gesundheit schädlich, Kaffee ebenso gut, wie Lee und Nikotin. Um allerschlimmsten aber liegen die Berhältnisse beim Alkohol, weil er die Menschen in einen unzurechnungsfähigen Zustand verseht und sie im Dämmerzustand" Taten begehen läßt, die sie mit den Gerichten in nähere und unangenehme Beziehung bringt. Wie mancher hat in der Trunkenheit schon eine Tat verübt, für die er Zeit seines Lebens hat büßar niüffen. Die Folgen des übermäßigen Alkohol. genuffes liegen also nicht nur auf gesundheit= lichem, sondern auch auf triminellem Gebiet Die allzuvielen Kneipen. RK Eine Gemeinde wie Groß- Berlin mit fast vier Millionen Eins nohnern muß natürlich auch eine große Anzahl von Schantstätten haben, und man wird es auch schließlich verständlich finden, daß in der Nähe der großen Bahnhöfe und wegan eines ausgedehnten Fremdenverkehrs der Kneipenbetrieb ein besonders reger ist. Alle diese Fattoren in Rechnung gezogen, muß aber doch darauf hinge niesen werden, daß wir in Berlin viel zu viel Kneipen haben und daß es z. B. durchaus nicht notwendig ist, wenn in der Friedrich straße in jedem Haus fast mehrere Restaurants fich eingenistet haben. Vor allem aber muß Front gemacht werden gegen die allzuvielen Ainimiertneipen, Bars, Dielen, Zylinderdestillen und Nepp. kneipen, die nach dem Kriege in wilder Zeit überall, namentlich aber im Westen emporwucherten und in erster Linie eine Gefahr für die jugendlichen Personen bilden. Mit der Konzefsionierung neuer Kneipen muß daher außerordentlich sparsam umgegangen und die Bedürfnisfrage auf das forgfältigste geprüft werden. Nicht die fleine, einfache Kneipe, die Weißbierstube, in der der Arbeiter sich nach schwerem Tagewert durch einen Trunk erfrischt, bildet die Gefahr, sondern die Schlemmerstätte, in der die raffiniertesten ]] Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. 1. Die Baraden des Kriegsspitals Numero XXIV lagen am Rande der Stadt. Von der Endstation der Straßenbahn bis zum Krankenhaus hatte ein Gesunder eine halbe Stunde rüstig wandern müssen. Die Straßenbahn führte in die Welt, in die große Stadt, in das Leben. Aber die Infassen des Kriegsspitals Numero XXIV fonnten die Endstation der Straßenbahn nicht erreichen. Sie waren blind oder lahm. Sie hinkten. Sie hatten ein zerschossenes Rüdgrat. Sie erwarteten eine Amputation oder maren bereits amputiert. Weit hinter ihnen lag der Krieg. Vergessen hatten sie die Abrichtung, den Feldwebel, den Herrn Hauptmann, die Marschkompagnie, den Feldprediger, Kaisers Geburtstag, die Menage, den Schüßengraben, den Sturm. Ihr Frieden mit dem Feind war besiegelt. Sie rüsteten schon zu einem neuen Krieg, gegen die Schmerzen, gegen die Prothesen, gegen die lahmen Gliedmaßen, gegen die frummen Rücken, gegen die Nächte ohne Schlaf und gegen die Gefunden. Nur Andreas Bum war mit dem Lauf der Dinge zufrieden. Er hatte ein Bein verloren und eine Auszeichnung bekommen. Viele besaßen feine Auszeichnung, obwohl sie mehr als nur ein Bein verloren hatten. Sie waren armund beinlos. Oder sie mußten immer im Bett liegen, weil ihr Rückenmark faputt war. Andreas Pum freute sich, wenn er die anderen leiden sah. Er glaubte an einen gerechten Gott. Dieser verteilte Rüdenmarkschüsse, Amputationen, aber auch Auszeichnungen nach Verdienst. Bedachte man es recht, so war der Berlust eines Beines nicht sehr schlimm, und das Glück, eine Auszeichnung erhalten zu haben, ein großes. Ein Invalider durfte auf die Achtung der Welt rechnen. Ein ausgezeichneter Invalider auf die der Regierung. Die Regierung ist etwas, das über den Menschen liegt mie der Himmel über der Erde. Was von ihr fommt, fann gut oder böse sein, aber immer ist es groß und übermächtig, unerforscht und unerforschbar, wenn auch manchmal für gewöhnliche Menschen verständlich. T ambe. In allen den Fällen, in denen offenbar wird, daß die Kon zeffion mißbräuchlich benutzt wird, indem die betreffende Kneipe zu einer Stätte aller möglichen Ausschweifungen gemacht wird, ist die Konzession sofort und rücksichtslos zu entziehen. Wir haben bei uns in Breußen immer noch bei derartigen Verboten durch die Polizei das Einspruchsrecht beim Bezirksausschuß und schließlich die Wider fpruchstlage beim Oberverwaltungsgericht. Dieser Instanzenweg ist viel zu lang und zu umständlich und läßt dem betreffenden Gastwirt, den ein Verbot der Polizei getroffen hat, zu lange Zeit, das gefähr. liche Treiben in seiner Kneipe fortzusehen. Sofort herunter mit den Jalousien, das ist am wirkungsvollsten und abschreckendsten! Die Alkoholfürsorgestellen. In früheren Jahren bestand in Berlin ein Zentralfomitee der Auskunft- und Fürforgestellen der Lungentranten und Alkoholtranten, dessen Vorsitzender Geheimrat Pütter, der Direktor der Charité war. Die Tätigkeit dieses Zentralfomitees ist jetzt auf das städtische Hauptgesundheitsamt in der Fischerstraße übergegangen. Das Hauptgesundheitsamt unterhält in Groß- Berlin vier Beratungsftellen für Alfoholftante. Das ist gewiß nur eine fleine Zahl. Nimmt man Einblick in die Berichte dieser Beratungsstellen, erhält man Kenninis von dem statistischen Material, das hier über Aitoholifer zusammengetragen ist, so fönnte der Nichteingeweihte leicht auf den Gedanten tommen, daß diese Stellen nur sehr mangelhaft arbeiten, und herzlich wenig Erfolge erzielen. Berichte über Täfigfeit auf dem Gebiet der Trinterfürsorge liegen bisher nur aus drei Beratungsstellen vor, und die sogenannten Erfolgzahlen der anderen Stellen sind flein. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß die Stellen von den Alcoholfranfen sehr wenig aufgesucht werden, oder daß tie Beratenen nach kurzer Zeit wieder fortbleiben. Dazu tommt die große Anzahl der Rückfälle, so daß das Endresultat, der Erfolg, winzig genug ist. In Wahrheit aber liegen die Dinge so, daß die Fürsorgestellen ein ganz ungeheures Maß von Kleinarbeit vertichten, wobei man auch nicht vergessen darf, daß diese Arbeit in dem großen Berlin außerordentlich schwierig ist, viel Tati und Es gibt Kameraden, die auf die Regierung schimpfen. Ihrer Meinung nach geschieht ihnen immer nrecht. Als ob Als ob der Krieg nicht eine Notwendigkeit wäre! Als ob seine Folgen nicht selbstverständlich Schmerzen, Amputationen, Hunger und Not sein müßten! Was wollten sie? Sie hatten feinen Gott, feiner Kaiser, fein Vaterland. Sie waren wohl Heiden. Heiden" ist der beste Ausdruck für Leute, die sich gegen alles wehren, was von der Regierung fommt. Es war ein warmer Sonntag im April, Andreas Bum saß auf einer der roh gezimmerten weißen Holzbänke, die mit ten im Rajen von den Baracken des Spitals aufgestellt waren. Fast auf jeder Bank saßen zwei und drei Rekonvaleszenten zusammen und sprachen. Nur Andreas saß allein und freute sich über die Bezeichnung, die er für seine Kameraden gefunden hatte. Sie waren Heiden, wie zum Beispiel Leute, die wegen falscher Eide und wegen Diebstahls, Totschlags, Mordes oder gar Raubmordes im Zuchthaus faßen. Warum stahlen die Leute, töteten, raubten, desertierten sie? Weil sie Heiden waren. Wenn jemand in diesem Augenblick Andreas gefragt hätte, was die Heiden sind, so hätte er geantwortet: zum Beifpiel Menschen, die im Gefängnis figen, oder auch jene, die man zufällig noch nicht erwischt hat. Andreas Pum war sehr froh, daß ihm die heiden" eingefallen waren. Das Wort genügte ihm, es befriedigte seine freifenden Fragen und gab Antwort auf viele Rätsel. Es enthob ihn der Verpflichtung, weiter nachzudenken und sich mit der Erforschung der anderen abquälen zu müssen. Andreas freute sich über das Wort. Zugleich verlieh es ihm das Gefühl der Ueberlegenheit über die Sie Kameraden, die auf den Bänken saßen und schwazten. hatten zum Teil schwerere Wunden und feine Auszeichnun gen. Geschah ihnen nicht recht? Weshalb schimpften sie? Warum waren fie unzufrieden? Fürchteten sie um ihre 3u funft? Wenn sie weiter in ihrem Troh verharrten, dann hatten sie wohl recht, um ihre Zukunft bang zu sein. Sie schaufelten sich ja selbst ihre Gräber! Wie sollte sich die Regierung ihrer Feinde anehmen? Ihn, Andreas Bum dagegen, wird sie schon versorgen. Und während die Sonne schnell und sicher am wolfen: lofen Himmel ihrem Höhepunkt zustrebte und immer glühenlofen Himmel ihrem Höhepunkt zuftrebte und immer glühender und fast schon sommerlich wurde, dachte Andreas Bum Die Betrunkenen und die Polizei. Bon den einzelnen Polizeirevieren Groß- Berlins werden täglich an die Zentralftelle, das Kommando der Schuhmannschaft in der Niederwalstraße, Berichte erstattet über alle Vorkommnisse, die sich im Laufe eines Tages auf den verschiedenen Revieren ereignet haben. In der Zentralstelle werden dann diese Berichte, je nach den verschiedenen Straftaten, die angeblich vorliegen, zu einer Statistik verarbeitet. Die Statistit über Betrunkene spricht eine eindringliche Sprache. Nach den uns von Polizeiinspektor Hellriegel freundlichst zur Berfügung gestellten Zahlen wurden im Monat Januar 388 und im Februar 490 finnlos Betrunkene auf Groß- Berliner Polizeirevieren eingeliefert. Die Bilder, die sich dabei dem Beschauer bieten, sind von einer Scheußlichkeit sondergleichen. Wie einen naffen Sack oder wie ein Bündel Cumpen schleppt und schleift der Schupomann den Berauschten, der von sich nichts mehr weiß, auf die Wache. Hier ereignen sich oft die efelerregendslen Szenen. Der Betrunkene übergibt sich, beschmußt die Zelle, denioliert Türen und Fenster, wirft Stühle und Lische um und benimmt sich überhaupt in einer Weise, daß man nicht mehr glaubt, einen Menschen vor sich zu haben. Diese Statistit gibt aber außerdem auch noch intr effante Aufschlüsse über die Stadtgegenden, in denen die meisten Betrunkenen des Nachts aufgelesen werden. Im Januar wurden von den einzelnen Berliner Polizeigruppen insgesamt fest 400 Betrunkene eingeliefert. Diese verteilen sich in folgender Weise auf die einzelnen Gruppen: Gruppe mitte( das ist das Zentrum mit den meisten Kneipen): 120, Gruppe Norden: 23, Gruppe Ost: 52, Gruppe Süd: 87, Gruppe Westen: 76, Gruppe Südwest: 31. Für den Monat Februar liegen folgende Zahlen vor: Gruppe mitte: 138, Gruppe Nord: 28, Gruppe Oft: 68, Gruppe Süd: 122, Gruppe esten: 89, Gruppe Südwesten: 45. Bei oberflächlicher Prüfung der Zahlen könnte man vielleicht zu dem Ergebnis fommen, daß fie für ganz Groß- Berlin gering genug sind. Das wäre indessen ein Trugschluß. Es ist abei zu bedenken, daß es fich bei diesen Zahlen nur um sinnlos Betrunkenz handelt, die zu ihrer eigenen Sicherheit, damit sie nicht ausgeraubt merden. auf die nächste Woche gebracht werben, sowie um foláje Betrunkene, die durch ihr Benchmen ein Einschreiten der Polizei notwendig gemacht haben. Man hat also bei diesen Zahlen niht alle Betrunkenen aus den beiden Monaten vor sich. Um den Betrunkenen, der nach Hause taumelt, ohne zu standalieren, oder Bassanien zu belästigen, befümmert sich die Polizei natürlich nicht. Dazu tommt, daß bei einer großen Anzahl von anderen Delikten, die sich im Laufe eines Monats ereignen, Trufene und Angetrunkene eine Rolle spielen. So wurden z. B. verhaftet im Monat Januar wegen Ruheftörungen: 388 Personen, groben Unfugs: 1103, Schlägerei: 163 Personen. Im Monat Februar wegen Ruyestörungen 395 Personen, groben Unfugs: 1103, Schlägerei: 163 Personen. Nach den Erfahrungen der Polizei fann man damit rechnen, dak fich unter diesen Berhafteten mindestens 50 Proj. Betrunkene befunden haben. 14yk< J * So wird das Wort wahr, daß der Alkohol der Feind des Menschen werden kann, wenn der einzelne fine Würde vergißt und sich noch unter das Tier erniedrigt. an die nächsten Jahre seines Lebens. Die Regierung hat ihm einen fleinen Briefmarkenverschleiß übergeben oder eine Wächterstelle in einem schattigen Barf oder in einem fühlen Museum. Da fißt er nun mit seinem Kreuz auf der Brust, Soldaten grüßen ihn, ein etwa vorbeigehender General flopft ihm auf die Schulter und die Kinder fürchten sich vor ihm. Er aber tut ihnen nichts zuleide, er gibt nur acht, daß sie nicht auf den Rasen springen. Oder die Leute, die ins Museum fommen, faufen bei ihm Kataloge und Künstlerfarten und betrachten ihn dennoch nicht als einen gewöhnlichen Händler, sondern als eine Amtsperson. Vielleicht findet sich auch noch eine Witwe, finderlos oder mit einem Kind, oder ein älteres Mädchen. Ein gutversorgter Invalider mit einer Pension ist keine schlechte Partie, und Männer sind nach dem Krieg sehr gesucht. Der helle Klang einer Glode hüpfte über den Rafen vor den Baracken und verkündete das Mittagessen. Die Invaliden erhoben sich schwer und wankten, aufeinander gestützt, der großen langgestreckten hölzernen Speisebarade entgegen. Andreas hob mit eiliger Beslissenheit seine heruntergefallene Krücke auf und humpelte munter hinter den Kame= raden, um sie zu überholen. Er glaubte nicht recht an ihre Schmerzen. Auch er mußte leiden. Und dennoch seht wie flink er sein fann, wenn ihn die Glocke ruft! Selbstperständlich überholt er die Lahmen, die Blinden, die Männer mit den frummen Wirbelsäulen, deren Rücken gebückt ist, daß er einen parallelen Strich zur Erde bildet, auf gebückt ist, daß er einen parallelen Strich zur Erde bildet, auf der sie gehen. Hinter Andreas Bum rufen sie her, aber er der sie gehen. Hinter Andreas Pum rufen sie her, aber er wird sie nicht hören. Es gab wieder Hafergrüße, wie jeden Sonntag. Die Kranten wiederholten, was sie alle Sonntage zu sagen gewohnt waren: Hafergrüße ist langweilig. Andreas aber fand fie gar nicht langweilig. Er hob den Teller an die Lippen und trant den Rest, nach dem er ein paarmal mit dem Löffel vergeblich gefischt hatte. Die anderen sahen ihm zu und folgten zaghaft seinem Beispiel. Er hielt den Teller lange vor dem Mund und schielte über den Rand nach den Kameraden. Er stellte fest, daß ihnen die Suppe schmeckte und daß ihre Sie find Reden Brahlerei und lebermut gewesen waren. Heiden! Heiden! frohlockte Andreas und setzte den Teller ab. s ( Fortsetzung folgt.) Schützt öen Walö! In der gegenwärtigen Jeit der Ausflüge in die schöne frei« Natur mehren sich wieder die Klagen der Bewohner der Ausslugs- orte über die rülksichtslose Verunstaltung von Wald und Flur durch Ausflügler. Da ist es an der Zeit, diesen Barbaren ein Privatissi- mum zu lesen. Ausflügler, laß erst mal in deine eigene Swbe schauen! Sie mag traulich und gemütlich sein. Du wachst mit Fleiß und Punkt» lichkcit darüber, daß es immer sauber und ordentlich drinnen aus- schaut, denn wer zu uns kommt, beurteilt uns nach unserem Heim... Nun denk dir, du seiest einmal über Land gegangen. Fröhlich kehrst du am Abend wieder heim und freust dich auf deine Stube und ibre Stille. Aber— o Entsetzen, die Tür ist erbrochen— der Fußboden ist mit Papierfetzen, Glasscherben und häßlichen Dingen be- deckt, Bilder sind heruntergerissen, Tische und Stühle zerschlagen und zerbrochen, deine Blumen welken am Boden. Endlich begreifest du schauernd: ein Bösewicht ist bei dir eingedrungen, er hat gewütet wie«in Barbar und dir deine Freuden zertreten und zerstört. In heißem Groll rufst du: Wie kann em Mensch nur so sein, wie konnte er nur in meinem Heim so wüten!" Nein, liebe Freunde, Hand aufs Herz, seid ihr nicht selbst schon oft auch solche Barbaren ge- wesen? Habt ihr nicht zerstört und vernichtet, wo Frieden und Schönheit herrschte? Habt ihr nicht geraubt und beschädigt was nicht euer war? Kamt ihr auf Besuch in den Wald, wie habt ihr seine Gastfreundschaft belohnt? Papier und Abfälle warft ihr auf den weichen Moosteppich, Flaschen und Scherben ließet ihr im Gras zurück, Aeste und Zweig« brächet ihr ab, und eure Kinder pflückten Blumen, um sie nach einer Weile achtlos fortzuwerfen. Einige von euch gruben Farnen und Waldträuter aus, um sie nachher in sonnenreichem Garten sterben zu lassen. Sie rissen Moos und Borken ab und taten anderes mehr, was den Wald nicht freundlicher mochte. Jeder schimpft Und beschuldigt den„anderen� beim Wandern. Setzt er sich dann aber selbst ins grüne Gros, um zu früh- stücken, dann wirst er ebenso wie der.andere' die Ueberreste und das Papier umher. Cr selber will seine üble Gewohnheit nicht ein- sehen, denn er denkt:.Einer ist keiner.' Werr ober tausend „Einer' dasselbe tun, dann sind tausend Schandtaten da, die die Natur verunzieren. Schützt den Wold, bewegt euch so in ihm, als ob es euer eigenes Heim wäre! Oer teure aber gute Kohlrabi. Ein Unterschied zwischen Händler- und amtlichen Preisen. Mit der Bedeutung der von der Berliner Markthallendirektion veröffentlichten amtlichen Marktberichte hatte sich die 8. Straf. kammer des Landgerichts I in einer Berufungsoerhandlung gegen das Vorstandsmitglied einer Gemüsezüchtergenossenschaft zu be- schäftigen. Der Angeklagte war in erster Instanz wegen unerlaubten Groß- Handels und Preiswuchers zu 2 Monaten Gefängnis und einer Geld- straf« verurteilt worden, weil seine Genossenschaft am Pfingstsonn- abend in der Berliner Zentralmarkthalle Kohlrabi zu 4,50 M. je Schock oerkauft hatte, während der Marktbericht am Tage zuvor für Kohlrabi nur einen Preis von 2—3 M. bestimmte. Das Amtsgericht hatte angenommen, daß der amtlich« Marktbericht als Marktpreis zu gelten Hab«, und daß ssch die Genossenschaft bei ihren Verkäufen am 7. Juni nach dem Marktbericht vom 6. Juni hätte richten müssen. In der Berufungsinstanz wies R.-A. Dr. Thiel« daimf.&iin�daß die erst am Nachmittag durch die Post versandten amtlichen Marktbericht« überhaupt nicht als Markt- preise anzusehen seien. Der wirkliche Marktpreis käme an jedem Tage selbständig durch Angebot und Nachfragezu stände. Di« Genossenschast hätte den Marktpreis, der sich am 7. Juni gebildet hatte, nicht überschritten. Auch sei von der Genossenschaft nicht der in den Marktberichten aufgeführte Frei- landkohlrabi, sondern gezüchteter Kohlrabi verkauft worden, der schwerer und besser gewesen sei. Wegen des unerlaubten Groß- Handels hat der Verteidiger mit Rücksicht auf die inzwischen er- folgte Aufhebung des Handelserlaubniszwanges um Einstellung des Verfahrens. Auf Grund der Beweisaufnahme kam das Berufungs- gericht zur Aufhebung des ersten Urteils und zur Freisprechung des Angeklagten, weil dieser schon ans tatsächlichen Gründen für die Preisforderung der Genossenschaft am 7. Juni strafrechtlich nicht verantwortlich sei. Wegen des unerlaubten Großhandels wurde das Verfahren eingestellt. Gerichtliches Nachspiel zu einem Theaterskandal. Eine unliebsam« Szene, die sich im Februar I. in der Komischen Oper abspielte, wird demnächst Gegenstand einer Beleidigungsklage fein. Zwei Herren aus Wien die den Theaterkreisen nahestehen, hatten in Begleitung der bekannten Tänzerin Eelly de Rheidt eine Borstellung in der Komischen Oper aufgesucht und drei Logenplätze genommen. Kurz nach Beginn der Borstellung erschien der Oberkontrolleur und forderte einen der beidm Herren, einen Herrn Barder im Auftrage des Direktors. James Klein, auf, dos Theater unauisäUm z" ne. lassen. Der Theaterbesucher weigerte sich und ersucht« ihn unbelästigt zu lassen, da er seinen Platz bezahlt und sich im Theater keineswegs auffällig benommen habe. Während der Pause erschien der Direttionsstellvertreter in Begleitung eines Schupobcamten und zwang B., das Theater zu verlassen. Es kam dabei zu einer sehr peinlichen öffentlichen Szene. Der Hinausge» wiesene begab sich mit seiner Begleitung zum Polizeirevier, um Be- schwerde gegen das Eingreifen des Beamten zu erheben. Es wurde ihm auch dort anerkannt, daß der Beamte sich unberechtigt eingemischt habe und erhielt einen Oberwachtmeister mit, um ihn im Theater wieder in sein Recht einzusetzen. Dem Beamten und B. mit seiner Begleitung wurde aber der Eintritt ins Theater vom Portier verweigert. Außerdem soll von einem der Beteiligten in bezug auf B. geäußert worden sein:„Dieser hergelaufene fettge» fressene Valuta- und Fettschieber", welche Aeußerung Frau Eelly de Rheidt deutlich gehört haben will. B. fühlte sich durch diese BeHandlungsweise beleidigt und hat gegen den Theaterdirektor James Klein, den Direktionsstellvertreter Hans Ritter, sowie den Gefkhäftssührer Felix Wolfs Beleidigungsklage angestrengt. Zu. dem Verhandlungstermin, der demnächst stattfinden wird, hat das Ge- richt das persönliche Erscheinen von James Klein und Frau Eelly de Rheidt angeordnet. Ter Verfassungstag und die Rechtspflege. Der preußische Justizminister gibt soeben für den Bereich seiner Verwaltung den Beschluß des preußischen StaatSministeriumS über die Feier bes 11. August bekannt und knüpft Sieran die Anweisung, die Abhaltung von Terminen an diesem Tage nach Möglichkeit einzuschränken. Als ebenio selbstverständlich muß im übrigen gelten, daß alle Republikaner sich den 10. August für die Große Volks-Berfassungsfeier restlos freihalten. Zu dem Frauenmord iu der Leibnizstrafle. Von dem flüchtigen Polizeioberwachtmeister Gustav RebSdat ist noch keine Spur gefunden. Auch die drei Flaschen Sekt, die er mitraubte, sind noch nicht aufgetaucht. Sie sind von der Firma Mannkopf u. Söhne und vom Jahrgang 1917. RebSdat. aus den die Kriminalpolizei eifrig fahndet, ist 35 Jahre alt und 1,73 Meter groß. Er hat dunkelblondes Haar mit einem Anfall von Glatze, ein gelbliches, eingefallenes Gesicht,«ine hohe Stirn, dunkalblaue Augen mit dunkelblonden Brauen, eine große Nase, abstehende Ohren und vollständige Zähne. Besondere Kenn» zeichen sind eine Narbe und eine kleine Geschwulst am rechten Unterarm. RebSdat tritt gewandt und sicher auf und trägt wahrscheinlich einen blauen Anzug und eine blaue Sportmütze oder einen graukarierten Anzug mit dunkelgrünem Hut. Sein Lichtbild wird jetzt in den hiesigen Kinos gezeigt. Die Massenerkrankungen in Görbersöorf. Eine amtliche Erklärung. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte erläßt durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst ein« längere Erklärung über das Ergebnis der amtlichen Untersuchungen, die aber im wesentlichen nichts Neues bringen. „Die Erkrankungen, so heißt es in dem Bericht, sind auf den Genuß einer Erdbeerspeise zurückzuführen, in der Paratyphus- b a z i l l e n(L) festgestellt sind. Di« Erdbeerspeis« wurde am Sonn- abend, den 12. Juli d. I., zwischen 6 und 7 Uhr angefertigt aus frisch dem Garten entnommenen Erdbeeren, die nach zweimaligem Waschen roh verwendet wurden, aus abgekochter Milch, frische i Eiern, Zucker und Gelatine. Die Speise stand die Nacht über im Kühlraum und ist am nächsten Mittag(13. Juli) zur Ausgabe gelangt. All«, die van der Speise genossen haben, sind erkrankt, mit Ausnahme eines Mannes, der gesund blieb, trotzdem er zwei Portionen gegessen hatte. Alle, die nicht von der Speise gegesien haben, sind gesund geblieben, vier von den Erkrankten sind gesiorben, all« übrigen außer Gefahr, zum großen Teil mehr oder wemger vollständig wiederhergestellt. Da alle Zutaten der Erdbeerspeise anscheinend einwandfrei gewesen sind, wird angenommen, daß die frisch aus dem Garten gelieferten Erdbeeren mit Paratyphusbazillen verunreinigt waren. Eine Düngung des Erdbeerbeetes hat während des letzten Jahres überhaupt nicht stattgefunden. Da aber in der Gemeinde Görbershorf eine erheblich« Rattenplage vorhanden ist, ist der Verdacht der Uebertragung der Bazillen durch die Rotten hervorgetreten. Alle erforderlichen Maßnahmen sind angeordnet.. Volksgericht auf frischer Tat. Der 29 Jahre alte Fischhändler Arthur Schatt- kowsti und dessen 2Zjährigsr Druder Franz. die beide in Heinersdorf wohnen, machten sich nachmittags gegen 5 Uhr das nicht ganz ungefährlich« Vergnügen, mit ihrem Fischwagen neben einem Straßenbahnzug« der Linie 73 längere Zeit im schärfsten Tempo einherzufahren. Do sie auch an den Haltestellen die rasende Fahrt nicht mäßigten, kamen Passanten in Lebens- g« f o h r. Schließlich kam es zwischen ihnen und dem Wagen- führer sowie den beiden Schaffnern an der Haltestelle Ecke der Gustav-Adolf-Straße und Prenzlauer Promenade zu heftigen Aus- einandersetzungen, die in Tätlichkeiten ausarteten. Dabei bedrohten die Gebrüder Sch. die Straßenbahner und das empörte Publikum mit einem Beil. Das war das Signal, daß man ollgemein über die beiden Burschen herfiel und sie so übel zurichtet«, daß sie mit Kopfverletzungen von dem in. zwischen alarmierten Ueberfalltommando Weißensee nach dem Krankenhause in der Schönstraß« transportiert werden mußten. Man braucht durchaus kein Freund dieser Art von Lolksgericht zu sein, das oft in der Empörung über dos Maß des Berechtigten hinaus- schießt und wird dennoch nicht umhin können zu gestehen, daß es sich hier um«inen wenn auch recht drastischen Akt der schnellen Ab» und Notwehr gegen gemeingefährlich werdende Menschen handelt. Fahrpreiserhöhung auf Umwegen! Di« Eisenbahnbebörde hat schon wieder ein« Fahrpreis- erhöhung— wenn auch indirekt und auf Umwegen— in oller Still« festgesetzt. Mit einer in Neukölln gelösten Wochenkarte(1. Preisstufe) konnte man bisher nicht nur bis S pi n d le r s f e ld, sondern auch bis Grünau fahren. Plötzlich streicht die Eisenbahn die Wort« „und Grünau' oder„Spindlersseld' mit einem Blaustift auf der Karte aus. Die große Zahl der in Oberspree und Spindlersseld be. schäftigten Arbeiter und Angestellten kann nunmehr mst der Wochen. karte nicht mehr Sonntags nach Grünau fahren. Durch diese Streichung, die einem Streich nicht unähnlich ist, will die Eisenbahn. behörde erreichen, daß die Wochenkartenbesitzer an Sonntagen ein« Extrafahrkarte lösen müssen. Wir haben bereits vor längerer Zeit einmal nachgewiesen, wie sich die Eisenbahn gerade an den Wochen- karten groschenweise bereichert. Der Berliner Direktion, die vermut- lich derartige Maßnahmen, wie die vorliegend geschilderte, höchst belanglos erscheinen werden, läßt damit aber jedes Derständniis für das Empfinden der Bevölkerung vermissen. Es gebt ober in einem demokratischen Staat nicht mehr, daß man der Bevölkerung«ine derartige Einrichtung, an die sie seit langem gewöhnt ist. mit einem Federstrich nimmt, ohne es für nötig zu halten, die Oeffentlichkeit vorher mit einer die Maßnahme begründenden Erklärung davon in Kenntnis zu setzen._ Schwerer Unfall eines Berliner Autos in der Provinz. Am Sonnabendmorgen gegen l'4B Uhr fuhr ein Auto des Nllstein-VerlageS kurz hinter Pasewalk, 300 Meter vor dem Dorfe Belling, gegen einen Chausieebaum. Vorher hatte der Wagen bereits zwei Bäume gestreift. Bei dem ersten Anprall wurde der Mechaniker Ernst Ringa aus Berlin. Neanderstr. 87. aus dem Wagen geschleudert und sofort getötet. Ein zweiter Reisender, der Schüler Rudi Krautner auS Potsdam erlitt leichte Verletzungen. Der Chauffeur zog sich einen Bruch des linlen Schienbeines zu und liegt im Krankenhaus. Der Mechaniker Ringa wollte seine schwerkranle Frau in Swinemünde besuchen._ Weiterführung der Deutschen Nothilfe- In einer Sitzung de« ReichSarbeitSauSschusse» der Deutschen Nothilfe vertraten die Vertreter der Behörden, der Länder sowie der freien WohliahrtSorganisalionen einstimmig den Standpunkt, daß mit Rückficht auf die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse und die in weiten Kreisen noch andauernd vor- Dss Rundfunkprogramm. Sonntag, den 27. Juli. 5,30— 7 Uhr abends: Unterhaltungsmusü fBertiner Funkkapelle). 7 Uhr abends: Märchen,(tolesen von Ida Orloff(Jngendvortrag). 8— 9 Uhr abends; Quer durch die Berliner Operette(Gilbert, Kollo, Künnecke). Musikalische Leitung: Otto ürack. Mitwirkende: Else Tuschkau von der Gr. Volksoper(Berlin), Willi Weiß, ein Kammer- quintett. 9,18— 1t Uhr abends: Tanamusik. Montag, den 28. Juli. Taoeaelnteilung. Vormittags 10 XThr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise dar wichtigsten Lebensmittal in 4er Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Ohr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebemittelung des Zeitzeichens. Nachm. 105 Uhr: Nachrichtendienst Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbarioht 7,80 Uhr abends: Sprachunterricht(Englisch). 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Ingenieur Schacht: ,W anderrudern'. 9— 10 Uhr abends: Konzert 1. Aus dem„Duo ooncartanta* für Klarinette und Klavier; 1. und 2. Satz von 0. M. v. Weber(Ernst Fischer, Soloklarinettist des Berliner Philhannomsehen Orchesters und Otto Ürack). 2. Arie aus„Simon Bocoanegra" von Verdi(Wilhelm Strienz). 3. Die Madonna im Gefängnis von A. de Nora(Ludwig Trautmann, Meistersprecher, Hermann Hopf, Gallo obligat), Otto Urack, Klavier). 4. Arie aus.Eugen Onegin" von Tschaikowsky (Wilhelm Strienz). 5.„Sturm'' von Morris Rosenfeld(Ludwig Trautmann, Meistersprecher). 6. Aus dem.Duo ooncertanto" für Klarinette upd Klavier. 3. Satz von 0. M. v. Weher(Emst Fischer. Scloklarinettist des Berliner Philharmonischen Orchesters und Otto Urack. Am Steinwav-Plügel: Kapellmeister Otto ürack.— Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tegesnechriehten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Händen« Not die Organisation der Deutsche« Not« Hilfe bestehen bleiben und ihre earitative Sammeltätigkeit fortsetzen müsse; auch die Vertreter des besetzten Gebietes sprachen sich in diesem Sinne aus. Zur Verteilung gelangten rund 300 000 Mark. Hiervon wurde über die Hälfte für Notstände im besetzten Gebiet ausgeschüttet und insbesondere ein namhafter Betrag zur Unterstützung der Ausgewiesenen bestimmt. Zusammenstoß zwischen zwei MotorrLöern. vier Personen schwer verlehk. Am Sonnabend nachmittag stießen in Waidmannslust in der Dianastraße an einer Straßenkreuzung zwei Motor» räder mit voller Gewalt zusammen. Der Führer des einen Motorrades war der 21 jährige Redakteur Georg Walter aus Rosenthal, Uhlandstraße; auf seinem Soziussitz befand sich der Kaufmann Hans Ratseischak, ebenfalls aus Rosen» thol, Lindenallee 61. Auf dem zweiten Rad saß der 38 Jahr« alte Schlosser Karl Hendris aus Waidmannslust. Kurhaysstr.� S. und ein Fräulein Frieda Schürmann aus Niederschön- Hausen. Sämtliche vier Personen wurden in weitem Bogen auf das Straßenpflaster geschleudert. Ratseischak trug schwer« Kopfverletzun. gen und ein« Gehirnerschütterung, Hendris Kopfverletzungen und einen Oberschenkelbruch, Fräulein Schürmann Kopf- und Fußver» letzungen, Waller Kopsverletzungen davon. Sämmtliche vier schweroer» letzten Personen wurden nach dem St. Dominikusstift in Reinicken» dorf transportiert. Die Schuld an dem Zusammenstoß soll Wolter treffen, der noch keinen Führerschein besitzt und eine Probefahrt unternommen hatte._ Ter„Eisenfresser" und seine„Braut". Aus Aerger über feine Braut wollte der berufslose Franz Haselosf, dessen einziges Gewerbe von Jugend auf der Ein- bruchsdiebstahl gewesen ist, die Selbstanzeig« gemacht haben, die ihn zusammen mit seiner Braut, der Arbeiterin Anna R., und mehrere andere Personen vor dem erweiterten Schöffengericht Mitte unter der Anklage des Einbruchsdiebstahls, der Hehlerei und Begünstigung bracht«. Haseloff führt den Beinamen„Der Eisenfresser deshalb, weil er bereits mehrfach Dietriche und Feilen oerschluckt hat, um bei Festnahmen das verdächtige Diebeswerkzeug beiseite. zu schassen. Wiederholt hat er die Zuchthäuser kennen gelernt. Nach Verbüßung der letzten Zuchthausstrafe war er wieder zu seiner alten Braut, der Anna N., gezogen. Eines Tages erschien er auf der Polizeiwache und bezichtigt« sich freiwillig des Ein- bruchs in etwa acht bis zehn Fällen. Als seine Diebes- genossen gab er u. a. Furkert und Tugend an, und zwei Frauen als gewerbsmäßige Hehlerinnen. Di« anderen Mitbeteiligten an oer- schieden«» Einbrüchen wollte er nur unter ihren Spitznamen und Vornamen kennen. Nachdem er hinter Schloß und Riegel gebrocht war, schien ihm die Selbstbezichtigung leid zu tun, und er widerrief alles. Das nützte ihm aber nichts, denn die Ermittlungen hatten ergeben, daß nicht nur sämtliche Einbrüche wirklich oerübt worden waren, sondern daß auch alle Einzelheiten, die er angegeben hatte, ganz genau stimmten. Daher wurde gegen ihn und die Mitbezich- tigten Anklage erhoben. Auch vor Gericht bestritt Haselosf seine Teilnahme an den Einbrüchen und behauptete, daß es nur ein Racheakt gegen seine Braut gewesen sei. Run dreht« diese jedoch den Spieß um und trat mit der Behauptung auf, daß Haseloff einen großen Teil der gestohlenen Sachen nach Haus« gebracht hätte. Dar- über geriet Haseloff in große Wut. Das Gericht kam zur Frei- sprechung einiger Angeklagten und beschloß, Haseloff zunächst«in- mal auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Gegen«inen anderen Teil der Angeklagten wurde dar Strafverfahren oertagt. Schutz der Ernte. Di« bevorstehende Ernte gibt dem Preußischen Justizminister Anlaß, in einer Allgemeinen Verfügung die Strafversolguags- behörden darauf hinzuweisen, daß es zur Sicherung der Volts- ernährung notwendig ist, durch schleunigstes und tatkräftige« Ein- schreiten gegen alle strafbaren Eingriffe die Feldfrüchte zu sch ütz e n und der Landwirtschaft eine ungestörte Produktion zu ermöAichen. Personen, die bei einer Felden twendung auf frischer Tat ertappt werden, werdar zweckmäßig nach Möglich- keit im beschleunigten Verfahren des§ 212 StPO. abzuurteilen sein. Auch der Schutz der Forsten, die in Zeiten der Brenn st offknappheit in besonders hohem Maß« unter Entwendungen gelitten haben, muß wieder streng durchgeführt und demgemäß muß gegen Forstdiebstähle schnell und energisch«inge» schritten werden.— Eine entsprechend« Verfügung, die nach der Emt« dafür sorgte, daß etwas Getreide erstens der deutschen Bevölkerung zu erschwinglichen Preisen zugeführt würde, um dem Volk««in« ungestörte Konsumtion zu ermöglichen, wäre gleichfalls sehr zu empfehlen._ Schwere Zuchthausstrafe» für Banknotenfälscher. Weit über den Antrag des Staatsanwalts ging AmtSgerichtSrat AalSborf in einer Verhandlung, die gestern vor dem Schöffengericht Milte gegen eine Gruppe von Banknotenfälscher und die Verbreiter dieser Banknoten stattfand, hinau«. Wiederum handelte es sich um den io häufig angewandten Trick, daß auf den Geldscheinen der deutschen Reichsbahn Millionen in Billionen umgewandelt worden waren. Die Angeklagte Weide erhielt zwei Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust, die Angeklagten Müller drei Jahre, Henle zwei Jahre und Muesam drei Jahre Zuchthaus; die letzteren auch fünf Jahre Ehrverlust, außerdem wurde auf die Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt._ Erholungsfürsorge der Arbeiterwohlfahrt. Für unsere Erholungsfürsorge gingen ein: Alfred Kohn u. Co„ Schützenstr. 53: 300,— M.; Personal der Druckerei de» HolzarbeiteiverbondeS: 20,30 VI.; Richard Träger, Große Hamburger Str. 33: 10,— M.; R. E. 200.— M.; Hirsch, Charlotten« bürg: S0.- M.; O. Br.: 100.- M.; Kohl. Köpenick: 20.— M.; PeterS, Falkenberg bei Grünau 80.— M. Weitere Spenden zur Deckung der insbesondere auch für Heilkurse erforderlichen Mittel erbitten wir auf Konto ErholungSfürsorgederArbeiter» Wohlfahrt Paul Neumann. M. Todenhagen bei der DiSeonro-Gesellschaft, Linden st r. 3, oder direkt an den Genosien Paul Neumann, Lindenstr. S, 1. Hof 4 Tr„ beim Parteihorstand._ Ein Briefmarder. In großer Zahl liefen beim Postamt Potsdam Beschwerden ein, daß Briese und Wertsendungen nicht in die Hände der Empfänger gelangt waren. Diel« Ermittlungen wurden angestellt, ein Po st schaff- ner endete durch Selbstmord, aber noch wie vor oer» schwanden Briefe. Di« Ermittlungen ergaben schließlich, daß die Brief» immer dort verschwunden waren, wo der 3S jährige Post- schasfner Theodor Fritz« die Briefe bearbeitet hatte. Di« Post. behörde sandte einen einfachen Brief aus Berlin an eine Schein. adresse nach Potsdam und legt« 12 gezeichnet« Renten, m o r k f ch e i n« mit hinein. Prompt verschwand der Brief. Am nächsten Tage sond man bei einer Haussuchung diegezeichneten Scheine bei Fritze vor. Vor dem Potsdamer Schöffengericht wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung und Briestmterdrückung an- geklagt, gab Fritze zu,»ine groß« Zahl einfacher Brief« ihres Geldinhalts beraubt zu haben. Auch Wertbrief« und Zigarrenpakete wurden erbrochen und die Umschläge in dl« Aborte veirsentl Fritze befand sich in bester Vermögenslage, kaufte seiner Frau Brillanten, schöne Kleider und andere» mehr. Do» Urteil erging auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, Berlust der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von S Jahren. Der Angeklagt« wurde sofort i» Haft yrommew Ende der dänischen Kinderhilfe. Nachdem bereits Schweden und andere Länder die organisierte Hilfstätigkeit für Deutschland nach jahrelangem, so sehr dantens wertem und unvergleichlichem Wirten eingestellt haben, folgt auch das von unserem Genossen 3. R. Nielsen geleitete dänische Hilfs. werk, für das alle diese Dankesworte in höchstem Maße gelten. Noch in diesem Sommer hatten die Dänn i Helseröd ein neues Heim für deutsche Kinder errichtet. darin im ganzen 3000 im Jahr 1924 im gaftlichen Dänemart beherbergt werden. Die dä nische und alle ausländische Kinderhilfe wie die brüderlich deutsch österreichische und deutsch böh mische, wird in der Geschichte menschlichen Edel finns unauslöschlich vermerkt werden. = Wir hören, daß die dänischen Kataofüchen in Deutschland möglicherweise auch im kommenden Winter noch bestehen werden. Selbstmord, nicht Mord! Die in der Spree bei Treptom ge fundene Leiche ist jetzt obduziert worden. Die eigentliche Todes= ursache war infolge der schon zu weit fortgeschrittenen Verwefung nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Die Stichwunde an der rechten Halsseite ist nicht tödlich gewesen. Die Nach forschungen der Kriminalpolizei lassen aber mit Sicherheit darauf schließen, daß es sich um einen Selbstmord handelt. Der Kellner Schöppe war schon seit längerer Zeit arbeitslos und hatte auch früher geäußert, daß es das beste wäre, sich aufzuhängen. Die Stichwunde hat er sich wahrscheinlich selbst mit einem kleinen Taschenmesser beigebracht, ehe er sich in das Wasser stürzte. Sprengunglüd bei einer Kinoaufnahme. Ein schwerer Unglüdsfall ereignete sich in der Nacht zum Sonntag auf dem Filmgelände der Decla Biostopgesellschaft in Neubabelsberg. Dort fand eine Nachtfilmaufnahme mit Sprengungen, statt. Ein Feuerwerfer leitete die Sprengung. Mehrere Sprengstücke flogen ab und verletzten einen Biotechniker von der Firma Schwarz in Berlin und den dreißigjährigen Arbeiter Mertens aus Nomawes sehr schwer. Die Verlegten wurden mit einem Krankenhausautomobil in das Oberlin- Krankenhaus nach Nowawes geschafft. Berunglücktes Flugzeug. Als nachmittags gegen 1 Uhr auf dem Flugplaz Staaten das Flugzeug B. 3. 35, Typ Junker, zu einem Flug nach Danzig startete, brach der Haltebolzen der mittleren Fahrgestellstrebe, wobei das Fahrgestell sich unter die rechte Tragfläche schob. Das Flugzeug war mit dem Führer Fluzalek und Passagieren besetzt, von denen einer Verlegungen am Ropfe erlitt. Die Luftpost Berlin- Condon verkehrt vom 1. August werftäg lich ab Berlin( Flugplatz Staaten) 8.30, ab Hannover 11.0( Anschlußflug ab Bremen 9.30), an Amsterdam 2.5, an London 5.30. Der Anschluß der Post vom Zuge D4 Rönigsberg- Berlin, an Berlin, Schlej. Bhf. 6.47, bleibt gesichert. Der Flugplan London- Berlin ändert sich nicht. 75jähriges Jubiläum des Friedrich- Wilhelm- Hospitals in der Palisadenstraße wird am 3. Auguft begangen werben tönnen. Seit einigen Jahren ist das Hospital ganz den Frauen vorbehalten, von denen einige bereits 25 Jahre im Hospital leben. Der 3. August, der in einfacher Feier begangen werden soll, wird für die alten Beutchen hoffentlich ein erfreulicher Erinnerungstag ihres Lebens abends sein. Freunde der kommunalen Wohlfahrtspflege mögen sich den Tag merken und der alten Leute ein wenig gedenken. Billiger Abendeintritt in den 300. Um vielen Wünschen zu entsprechen, hat sich die Verwaltung des Zoologischen Gartens ent schlossen, vom nächsten Montag ab wieder zu ihrer früheren Einrichtung des billigen Abendeintritts zurüdzukehren. Ab 7 Uhr zahlen Erwachsene nur noch 1 m. Die Impfungen fchulpflichtiger Kinder. Der Borftand der Aerztekammer für die Provinz Brandenburg und den Stadtkreis Berlin macht darauf aufmerksam, daß Impfungen und wieder impfungen schulpflichtiger Kinder nach wie vor auch von Privatärzten vorgenommen werden können. Raffenvernichtungstag im Herbst. Seit einiger Zeit mehren fich die Klagen über eine zunehmende Rattenplage. Dabei wird die Anordnung eines allgemeinen Rattenvernichtung tages gefordert. Nach einer Mitteilung des Polizeipräsidenten fommt ein berartiger Tag für die gegenwärtige Jahreszeit nicht in Frage, da sich die Ratten jetzt meistens im Freien aufhalten und dort ausreichende Nabrung finden. Wegen der nicht unerheblichen tosten soll der Anordnung eines allgemeinen Rattenvernichtungstages erst im Herbst d. J. nähergetreten werden. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Die Kreise werden ersucht, um. gehend die Fragebogen zurückzureichen. Die Einzeichnungslisten für Fe ft. tonzerte und Feierstunden sind ausgegeben. Einzeichnungen fönnen erfolgen bei allen Abteilungsleitern fowie in der Buchhandlung Vorwärts. Lindenstr. 2, im Jugendfefretariat, Lindenstr. 3, und im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof II. Englischer Anschauungsur ferricht. In den nächsten Tagen beginnen die letzten Anfängerkurse im Englischen( Abendunterricht) für Teilnehmer obne Vorkenntnisse. Der Unterricht wird nach Anschauungstafeln erteilt. Anmeldungen am Montag, den 28. Juli, und Dienstag, den 29. Juli, bon 7 bis 9 Uhr abends, in der 92. Gemeindeschule, Winterfeldtstr. 16( nabe Bülowftr. u. Nollendorfplak). Bei genügender Beteiligung sollen auch für Französisch und Spanisch Kurse eingerichtet werden. Sprachschule für Proletarier. „ Lehmanns Kinder toben fich fezt auf der Saalbühne des RoseTheaters aus. Um seinen Erbonfel, einen eingefleischten Junggesellen, nicht zu verlieren, hat der Herr Theaterdirektor zehn Jahre lang seine Ehe mit einer Kollegin verschwiegen, weshalb auch die Kinder, als der Onkel auf der Bildfläche erscheint, zehn Jahre jünger sein müssen. Das ergibt nun das gewünschte Schwant- Durcheinander, in das Theaterdirektor und Frau, Sohn, Tochter, Schwiegertochter, Entellinder, Dienstmädchen, die Waschfrau und deren Kinder verwidelt find. Hans Sturms Schwant, der mur dankbare Rollen enthält, wurde von den Darstellern sich selbst und dem Publikum zur Freude gespielt. Es find höchst harmlose drei Atte, mit oft start gesuchter Verwirrungsmöglichkeit, um den Faden nicht abreißen zu lassen. Aber, was macht's, selbst der Griesgram lacht. Damit ist der Bwed dieser sommerlichen Spieler erfüllt. Das Publikum spendete den Schauspielern Emmy Loned, Gerda Schröder, Erna Heinrich, Hans Edert, Paul Rose, Wolfgang Müller und Lotte von Shrow reichen Beifall. Wiedereröffnung der Scala. Humsti- Bumsti, Green, Wood und Violett fommen nach jahrelanger Abwesenheit wieder nach Berlin und gastieren im Eröffnungsprogramm der Scala im Auguft. Haleys 18 Juveniles, eine englische Gesangs- und Tanz- Revuette von Weltruf, die spanische Tänzerin Carolina de la Riva, Tarzan I., das größte und schönste zur Beit eriftierende Schimpansen- Exemplar, verkörpern die Aus. landssen ationen im August- Programm. Dlito, der große Jusionist, tommt wieder mit seiner geheimnisvollen Stugel. Einige Sportnummern sind mit Neuheiten vertreten. Außerdem ist der plastische Film zu erwähnen. 3wel größere Zirkusunternehmen fündigen für Berlin ihren Besuch an. Da ist zuerst der bekannte Zirkus Corti Althoff zu nennen, der im Herbst seinen Einzug mit 30 Birkusnummern bei uns halten will. Er be absichtigt mehrere Monate zu gastieren. Dann fommt der ebenfalls be fannte Birtus Krone mit feinem Bestand von 400 Tieren, darunter allein 28 Löwen, 32 Tiger, Eisbären, Braunbären, 12 Elefanten usw., sowie einem Marstall von 106 Bferden. Die Vorstellungen finden in einem riesigen 10000 Personen fassenden Niesen- 4- Master- Belt statt. Das Rose- Theater, Große Frankfurter Straße, gewährt unseren Lesern für die Boe bon heute bis zum 3. Auguft bedeutende reis ermäßigung. Es wird der überaus luftige Schwank Lehmanns Stinder" gegeben. Näheres im Anzeigenteil. Der 2. Kongreß der Religiösen Sozialisten Deutschlands findet vom 1. bis 5. August in Meersburg am Bodensee statt. Auf der Tagesordnung steher folgende Referate: am 2. August vormittag Sozialismus, Evangelium und Kirche" von Günther Dehn, " Berlin, nachmittag Evangelischer Sozialismus, Wirtschafts, Staats. und Völkerleben" von E. Edert, Meersburg, am 4. August ourmittag„ Die Wirkungsmöglichkeit in der Kirche von Dr. Dietrich, Karlsruhe, nachmittag„ Die Wirkungsmöglichkeit in der Arbeiter. schaft" von Dr. Piechowsky, Berlin, am 5. August vormittag nachmittag„ Die Presse des Bundes" von M. Löffler, Büsching. " Die Organisation des Bundes" von Bernhard Göring, Berlin, schlefischert, mitteldeutschen, norddeutschen, füddeutschen und rheinischen Der Kongreß ist besucht durch die Delegierten der ostpreußischen, Gruppen. Gäste sind herzlich willkommen. Wegen Unterkunft wendet man sich an Pfarrer Eckert, Meersburg am Bodensee. Amsterdam nicht vom Feuer bedroht. Wie aus Amsterdam berichtet wird, entspricht die Meldung über ein Feuer in Amsterdam nicht den Tatsachen. Es haben in Vlissingen einige Be troleumtants im Hafen Feuer gefangen. Der entstandene Schaden wird auf 1 Million Gulden geschäßt, ein Wachtmann wurde getötet. Das Feuer ist jetzt bezwungen. Hohe Zuchthausstrafen für Brandstiftung. In der Nacht zum 2. Januar 1924 wurde die mit 9000 3entnern Getreide gefüllte Scheune des Domänenpächters Grafen von Marienburg ein Raub der Flammen. Das Gericht verurteilte, mie aus Hildesheim ge= Aberkennung der Ehrenrechte auf 10 Jahre. Das Gericht fam meldet wird, die Brandstifter zu 5 und 7 Jahren Zuchthaus und zu der Ansicht, daß eine solche Tat, durch die das Boltsvermögen in erheblichem Maße geschädigt worden sei, nicht scharf genug beurteilt werden könne. 1. Rennent. Sport. Rennen zu Karlshorst am Sonnabend, den 26. Juni. 1. Mimameidr( Schuller), 2. Wetterbere( Edler), 3. Mittermurzer( Dertel). Toto: 318: 10. Plag: 21, 12, 13: 10. Ferner liefen: Columbus, Bafur, Cambutta. 2. Rennen. 1. Marone( Stutulies), 2. Mellarosa( Lüder), 3. Grazie ( Dertel). Toto: 55: 10. Plug: 21, 15: 10. Ferner liefen: Abenteurer, Grasmüde, Gigerl 3. Rennen. 1. Sydow( Mate), 2. Erzbalunke( Schuller), 3. Gifterne ( Walter Heuer). Zoto: 31: 10. Plat: 16, 32, 28: 10. Ferner liefen: Graf Hold, Teresina, Gera, Madi, Fescher Teufel, Solo, Arensdorf gef., Lachfalve. 4. Rennen. 1. Feirefis( Rutulies), 2. Rotdorn( Schuller), 3. Jmmel mann( Thalede). Toto: 39: 10. Blag: 16, 18, 30: 10. Ferner liefen: Stontrahent, Elschen, Hildtrud, Magifter. 5. Rennen. 1. Räuberhauptmann( v. Below), 2. Melinit( b. Pelzer), 3. Halili gef.( Hr. Staudinger). Toto: 25: 10. 3 liefen. 6. Rennent. 1. Rubel( Duade), 2. Denkstein( Dorff), 3. Narr ( Schwarz). Zoto: 43: 10. Plaz: 11, 14, 17: 10. Ferner liefen: Lijane II, Badea, Lall, Alleluia. 7. Rennen. 1. Teifi( v. Borde), 2. Heldin( b. Retsch), 3. Roderich ( v. Morgen). Toto: 31: 10. Plag: 15, 13: 10. Ferner liefen: Mimi, Lily J. Bei den Radrennen in Ruhleben bildet die Hauptnummer des Tages der Große Sommerpreis von Rubleben", ein Dauerrennen in drei Läufen über 10, 15 und 25 Stilometer, an welchem 16 unserer besten Fahrer teil. nehmen. Die Schrittmacherfrage ist ebenfalls bestens gelöst. Die Stärte berhältnisse der Straßenmotoren find ausgeglichen worden und werben nicht mehr die großen Unterschiede wie beim letzten Rennen aufweisen. Außer dem werden die Schrittmacher alle in Einheitsanzügen fahren, so daß mit einem einwandsfreien Resultat gerechnet werden fann. Den Fliegern Bei der großen Anzahl der eingetragenen Fahrer, worunter sich auch dies ist ein Hauptfahren, zwei Handicaps und ein Punktefahren vorbehalten. mal die Straßenfahrer befinden, ist mit scharfen Stämpfen und schönen farbenprächtigen Bildern zu rechnen. Die Eintrittspreise sind wieder der elektrischen Straßenbahn 54 und 154, Einlegewagen ab Stnie und Bahn bon 1 M. aufwärts angefekt. Fahrverbindungen zur Trabrennbahn mit bof Westend. Außerdem Untergrundbahn bis Stadion, Eisenbahn bis Spandau sowie Autobusverkehr ab Alexanderplatz und 8oo. Die Rennen selbst beginnen um 4 Uhr. Kleine Massary 2s CAID Gold 3,8 Urteilen Sie selbst! Jetzt auch die altberühmte Massary Claye RUND DICK in unveränderfer Güfe 2$ Urteilen Sie selbst! ROAL extra dick 58 Defft Gold 6.8 nils@ BILLIGE ANGEBOTE Verkau nur soweit Vorrat Waschbare Kittelkleidchen 150 ca. 45 cm lang.. Waschbare mit Trägern, vorzüglicher fester Stoff 150 Damen- Hemd Damen- Beinkleid Sporthosen 200 Prinzessrock für Knaben, aus marine Satin, f. ca. 3 Jahre Weitere Grössen je 25 Pf. mehr Taschentücher Damen Taschentücher90. weiss Batist, mit Hohlsaum......... 1/2 kräft.Qualität, mit Hohlsaumu. bunt. Kante, 1/2 Dtzd. 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Juli, früh 6 1hr, starb nach langem, schwerem Leiden meine liebe, gute Frau, unsere Schwester, Schwägerin, Lante und Schwiegertochter 77/ 14a Klara Zimmermann geb. Seegebarth. Robert Zimmermann Petersburger Str. L Die Einäscherung findet Montag, Den 28. Juli, nachmittags 12 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Riefholaftraße 221, statt. Unerwartet verschied nach turzem, schwerem Krantenlager am Freitag, den 25, Juli, unser allverehrter Chef Herr Carl Heckert. Für sein Bersonal stets ein offenes Herz und soziales Empfinden, im Geschäft der Erfte und Begte, an sich selbst julegt gedacht, wird Herr Heckert immer in den Herzen derer weiter leben und ein Borbild bleiben, die näher zu ihm geftanden haben. 18b Das Personal der Firma Carl Heckert, Firmen- Schilderfabrit. Einäscherung: An Mittwoch, den 30. Juli, nachm. 4 Uhr, im Arematorium Wilmersdorf, Berliner Straße. für Herren für Damen, mit breit.Schiebespange, schwarz Boxcalf, mod. 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Butritt nur gegen Borzeigung des Mitgliedsausweises einer zum Metallfartell gehörenden Gewertschaft und der Ein Buch für unsere Jungen mit dem Siempel BBMJ. versehenen und Mädel Mit reichem Bilderschmud bersehene Kalenderjeiten. Erzählungen auch be lehrenden Inhalts, schöne Gedichte machen das Buch zu einem immer wieder gern in die Hand genommenen Geschenk Preis 1.- Mark Su haben bei allen Zeitungsspediteuren und in der Vorwärts- Druckerei, Lindenstr.3 Chevr.- Spangenschuhe..... 590 Braune echt. Chevreausch. 750 Braune la Boxcalfschuhe.. 975 Legitimationstarte. Das Metallfartell. Mittwoch, den 30. Juli, abends 7 Uhr, im Lotal von Sachse, Lindower Str. 26 ( nahe Bahnhof Wedding): Bertrauensmännerfonferenz des 15. Bezirks. Tagesordnung: Bezirksangelegenheit. Die Ortsverwaltung. Stahlmatratzen n. Maß, Bolsteraufl., Metallb. a. Priv. Günft. Beding Kat.30Afrei.Eisenmöbelf.Suhl, Thür. 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Das östlich gelegene, das Fürstentum BullenhausenBiesterstedt, war mit seinen Wiesen und lieblichen Triften reich ge= Jegnet. Wo immer man das Landgebiet betrat, da trat man in etwas, und das tam von den zahlreichen Kuhherden, die ringsumher weideten. Das westliche Ländchen hingegen, das Herzogtum Schnur. zingen- Winzingen, erfreute sich eines ungemein fruchtbaren Ackerbodens und brachte an Früchten des Feldes weit mehr hervor als fein eigener Bedarf erforderte. Infolgedessen tauschten die Bewohner beider Länder seit alters ihre Landeserzeugnisse gegenseitig aus und standen in den freundnachbarlichsten Beziehungen zueiander. Leider teilten indessen die derzeitigen Herrscher, Fürst Balduin der Neunundzwanzigste von Bullenhausen- Biesterstedt und Herzog Nazi der Siebenunddreißigste von Schnurzingen- Winzingen, die friedfiche Gesinnung ihrer Untertanen keineswegs. Beide waren vielmehr von zäsarischem Machthunger und wilder Kriegsluft besessen. Tag und Nacht grübelten sie darüber nach, wie sie einen geeigneten Vorwand fänden, das Nachbarreich mit Krieg zu überziehen. Doch wollte ihnen durchaus nichts einfallen; wie ihnen überhaupt felten etwas einfiel. Eines Tages aber Draußen brannte die Julisonne, man hatte die Rouleaux mit den vielen goldgestickten„ N" herabgelassen, und nur ein dicker Brummer störte mit seinem Summen die friedevolle Mittagsstille- sprang Herzog Nazi plötzlich mit Gepolter von seinem Thron empor und rief aufgeregt ein über das andere Mal:„ Ich hab iha! Ich hab ihu!" Und als sein Kanzler, der in einer Ecke des Thronsaals gerade ein Nickerchen gemacht hatte, ganz verstört auffuhr und fragte, men Seine Herzogliche Hoheit denn hätten, etwa den Sternickel oder gar den Bebel, da packte ihn der Herzog bei den Schultern, schüttelte ihn derb und schrie mit blizenden Augen: ,, Einen Kriegsgrund hab ich!" Dabei wies er mit dem Zeigefinger auf eine Stelle des Buches, in dem er gerade gelesen hatte. Es war ein Geographiebuch, der ffeine Seydlig, und der Kanzler las mit stockender Stimme:„ Das Fürstentum Bullenhausen- Biesterstedt mit der Haupt- und Residenzstadt Biesterstedt ist 261 Quadratkilometer groß, hat 17 200 meist evangelische Einwohner, eine höhere Lehranstalt für Rindviehkunde, ein Landesmuseum, enthaltend unter vielen anderen Sebenswürdigkeiten die berühmte goldene Gabel Balduins des Gefräßigen( 11. Jahrhundert), und stößt mit seiner Westgrenze an das Herzogtum Schnurzingen- Winzingen. Fragend sah der Kanzler zu seinem Herrn empor. Der aber hatte bereits sein blizendes Schwert gezogen, fuchtelte damit wie toll herum und schrie aus Leibeskräften:„ Es stößt es stößt Mensch, Esel, Kanzler, hörst du nicht? Es stößt! Dies freche Ge findel wagt es, mit seiner Westgrenze an Unser Herzogliches Erbland zu stoßen! Beim Herkules, wir werden diesen Stoß parieren! Wir werden das Prestige Unserer Monarchie gegen diesen frevelhaf= ten Angriff zu verteidigen wissen....!" Etündlich flogen von diesem Augenblick an die diplomatischen Noten von einem Lande zum anderen. Jede der beiden Regierungen behauputete, von der anderen schmählich herausgefordert zu fein und beteuerte ihre eigene friedliche Gesinnung. Ein mörderischer Krieg entbrannte. Beide Länder wurden aufs furchtbarste verwüstet und erlitten ungeheure Verluste an Menschenleben, ohne daß die eine oder die andere Seite einen entscheidenden Sieg zu erringen vermochte. Die beiden Herrscher aber saßen, bebend vor eldenzorn, auf ihren Schlössern weit hinter der Front und beobachteten durch Ferngläser das Ringen der Heere, wenn sie nicht gerade Dankgottesdienste für die gelungene Niedermegelung eines friedlichen Haufens abhielten oder ein Seftfrühstück zur Stärkung ihres Siegeswillens einnahmen. Bald meriten sie jedoch zu ihrem Schrecken, daß trog des vielen Schnapses, den sie an die Front schickten, die Kampfluft der Truppen zu erlahmen anfing und daß sich im Bolte ein immer lauter werdendes Murren über die ganze Kriegsdauer und die täglich wachsenden Entbehrungen erhob. Und schließlich tam es auf beiden Seiten zu offenen Meutereien. Eines Tages Fürst Balduin lag noch in den Federn drang sogar ein Haufen seiner eigenen Soldaten, gefolgt von ihren halbver hungerten und zerlumpten Weibern und Kindern, ins Schloß zu Biesterstedt und forderten sofortigen Friedensschluß. Balduin, der den Tumult schon von weitem gehört hatte, sprang ahnungsvoll aus dem seidenen Himmelbett, griff schnell noch auf den Nachttisch nach Krone und Szepter und begab sich dann eilends an einen gewiffen stillen Ort, wo er sich einriegelte und schlotternd vor Angst das. Kommende erwartete. Es geschah aber nichts. Ein paarmal wurde zwar an der Tür gerüttelt, auf Balduins geistesgegenwärtige Antwort„ Besetzt!" gab man weitere Versuche, zu öffnen, auf und begnügte sich damit, vor dem bewußten Gemach eine Schildwache zu postieren. Etwas Aehnliches begab sich gleichzeitig in Schnurzingen- Winzingen. Hier besichtigte Herzog Nazi gerade die Stallungen eines feiner Güter, als ein Latai atemlos die Kunde brachte, daß ein aufrührerischer Volkshause im Anzuge sei. Bleiches Entfeßen malte sich auf allen Gesichtern, und im Nu war das Gefolge des hohen Herrn in alle Winde zerstoben, so daß Nazi plötzlich ganz allein mit seinem Kanzler mitten auf dem Gutshof stand. Schon vernahm man in der Ferne dumpfen Lärm- da kam dem Kanzler ein glüdlicher Gedanke: den dicken Herzog an einem feiner glitzernden Orden hinter sich herzerrend, rannte er mit ihm in den Schweinestall, riß ihm und sich schleunigst die Kleider herunter und sprang dann mit ihm mitten unter die feisten Borstentiere. Sofort begannen die teiden Herren sich zwischen den Ebern und Säuen herumzuwälzen, deren Grunzen und Quieten sie ungemein naturgetreu nachzuahmen wußten. Inzwischen waren die Meuterer in den Gutshof eingedrungen und suchten nach ihrem Landesvater. Einige tamen auch in den Schweinestall, blickten halb wohlgefällig, halb neidisch auf die fetten Insassen und zogen dann wieder ab, ohne Nazi und den Kanzler bemerkt zu haben. Einer der letzten tonnte es sich indessen nicht versagen, beim Weggehen Nazi ein wenig mit seinem Bajonett am Bauch zu figeln, wobei er lachend zu seinem Kameraden meinte: ,, Dat hie is dat fettste Biest, Karl, dat könnten wi glit für hüt Abend flachten Doch der andere erwiderte nur turz und ernst:„ Erst die Revolutschon, denn dat Vergnügen, Krischan." Damit gingen fie hinaus. 40 り אן Der Märtyrer von Doorn. ма سرع Sonntag, 27. Juli 1924 moto?? KOESTER „ Ich habe den Krieg nicht gewollt. Ich wollte nur dem Serbengesindel mal auf die Füße treten." Stimmen wurden laut, die für die Einführung republikanischer Berfaffungen waren; doch fanden sie nur geringen Widerhall. Besonders die weiblichen Mitglieder der sogenannten guten Familien( man hatte inzwischen auch den Frauen das Stimmrecht verliehen) waren dagegen: was würde denn dann aus den Hofbällen im Winter werden, auf dener es doch immer so furchtbar nett gewesen war; und ein Präsident in schwarzem Rock und 3ylinder, ohne Krone und Szepter und sonstige Metallverzierungen, fähe so furchtbar lang. weilig aus; und überhaupt. Da sich diesem Botum außerdem fämt liche Hoflieferanten sowie eine Anzahl Hofprediger und Professoren der Geschichte anschlossen, entschied man sich hüben wie drüben für Beibehaltung der Monarchie. Doch sollten die Weiseften beider Länder gemeinsam darüber beraten, wie die Rechte der Monarchen verfassungsmäßig zu beschränken seien, damit sich ein so furchtbares Unheil in Zukunft nicht wiederholen könne. Balduin und Nazi waren inzwischen aus ihren Verstecken wieder aufgetaucht. Balduin hatte, nachdem man ihm durch die Tür Sicherheit für Leib und Leben versprochen, geöffnet und war respektvoll auf seinen Thron zurückgeleitet worden. Nazi, der sich mit seinem Kanzler unter den Schweinen schon ganz gut eingelebt hatte, war schließlich von einer Stallmagd an einem goldenen Siegelring er fannt worden und saß nun gleichfalls wieder auf dem Thron seiner Bäter, mit etwas verlegenen Gesicht und ab und zu zerstreut vor sich hingrunzend. Man Schon am nächsten Tage legte der Rat der Weisen den konstituierenden Bersammlungen beider Länder einen Gesetzentrourf vor, der unter allgenteinem Beifall fofort angenommen wurde. war bei der Abfassung des Gesetzes von dem Gedanken ausgegangen, daß die Kriegsgefahr hauptsächlich in der beschränkt- nationalistischen Dentart der Monarchen begründer sei. Hiergegen müsse durch Internationalisierung der Monarchie ein Gegengewicht geschaffen werden. Diese Internationalisierung sei aber am einfachsten dadurch zu erzielen, daß die Monarchen beider Nachbarländer alle halbe Jahre ihre Bläße miteinander wechselten. An Abend läuteten alle Glocken in beiden Ländern den Frieden ein. Auf den Schlachtfeldern schüttelten sich die bisherigen Feinde die Hände und schworen einander feierlich, sich nie wieder zu einem so wahnsinnigen Beginnen mißbrauchen zu lassen. In den Etätten und Dörfern herrschte endloser Jubel. Nach dem ersten Freudenrausch aber begann man hüben und drüben zu beraten, wie in Zukunft am besten neuen Kriegen vorzubeugen sei. Eine Anzahl| fchließlich em. Nazi und Balduin sträubten sich anfangs heftig gegen die Anerfennung dieses Beschlusses. Als man ihnen aber die Zuficherung gab, daß sie ja ihre eigenen angeftammten Throne jedesmal beim Umzug mitnehmen dürften, willigten sie nach reiflicher Ueberlegung Von nun an fah man jährlich zweimal, am 1. April und am 1. Oktober, auf der Landstraße, die von Schnurzingen- Winzingen nach Bullenhausen- Biesterstedt führte, zwei Rollfuhrwerke einander entgegenfahren, die sich gerade an der Grenze beider Länder zu treffen pflegten. Auf jedem der Wagen stand ein prächtig ver goldeter Thronseffel mit wundervollem Baldachin, der eine mit gelber, der andere mit blauer Seide überzogen. Auf dem einen Thron gewahrte man G. Durchlaucht den Fürsten Balduin den Neun. undzwanzigsten von Buller.hausen- Biesterstedt, auf dem anderen S. Hoheit den Herzog Nazi den Siebenunddreißigsten von Schnurzingen- Winzingen in majestätischer Haltung und prachtvollen Uniformen. An der Grenze angelangt, hielten die Wagen, die Monarchen stiegen von ihren Thronen, begrüßten sich herzlich und füßten einander auf beide Wangen, während eine von beiden Ländern gestellte Ehrenkompagnie falutierte, eine Rapelle die beiden National hymnen spielte und die Fuhrleute sich eine neue Pfeife anzündeten. Alsdann fuhren die beiden Herrscher weiter, um, am Ziele angelangt, die Zügel der ihnen jeweils zufallenden Regierung in höchstdero Hände zu nehmen. Die Kühe von Bullenhausen- Biesterstedt aber pflegten den beiden sich entfernenden Wagen noch lange finnenden Blides nachzuschauen. Bon Kriegen zwischen den beiden Nachbarreichen hat man seitdem nichts wieder gehört. Wirtschaft Die Agrarische Internationale des Profits. Die Führer der Großagrarier gebärden sich gern national bis auf die Knochen. Deshalb ist es auch dem Reichslandbund sehr unangenehm gewesen, daß auf seiner Pressebesprechung der betannte deutschnationale Freiherr v. Richthofen sich darüber beklagt hat, daß im Krieg und in der llebergangszeit eine übertriebene Nationalisierung" stattgefunden habe. Der Reichs. landbund", das Zentralorgan der gleichnamigen Organisation, versucht daher, diese Aeußerung des Landbundführers zu bestreiten. Demgegenüber möchten wir an Hand unserer Aufzeichnungen erneut feststellen, daß Herr v. Richthofen auf der besagten Besprechung # 7 nach einer scharfen Kritit der Wirtschaftsentwicklung im letzten Jahr| zehnt wörtlich gesagt hat: " Wir haben statt Internationalismus eine nationale Wirtschaft aufgezogen, die allen modernen Anschauungen ins Gesicht schlägt." Es wird dem Reichslandbund nicht schwer fallen, diese Aeußerung, die auch von anderen gehört worden ist, an Hand protokollarischer Aufzeichnungen festzustellen. Schließlich ist es doch nicht abfolut notwendig, daß man Dinge, die ausschließlich für die Presse gesagt worden sind, nachträglich bestreiten will. Beinlich ist allerdings diese Feststellung aus einem Grunde. Sie zeigt, daß die Landwirtschaft international orientiert ist, solange sie sich davon Erfolg verspricht. Die Weltmarktpreise waren. ja auch ihre Parole in der Zeit der Zwangswirtschaft. National ist man nur dann, wenn man den Schutz der nationalen Arbeit", b. h. die Schröpfung der nationalen Arbeitskraft, Damit begründen will, daß man durch Getreidezölle tünstlich leberweltmarktpreise herbeiführt. Das ist dann eben der internationale Nationalismus des Profits. Deutsch- spanisches Handelsabkommen. Zwischen der deutschen und der spanischen Regierung ist ein Handelsabkommen geschlossen worden, durch das die spanische Regierung der deutschen die zweite niedrigere Kolonne des Zolltarifs für ihre Waren einräumt, ohne irgendwelchen Aufschlag. Außerdem gewährt sie ihr für eine nennenswerte Reihe von Waren 3ollermäßigungen bis zu 20 Proz. unter der zweite 1 Kolonne. Die deutsche Regierung hat der spanischen Regierung gegenüber die allgemeine Meistbegünstigung und für eine Reihe von Waren Ermäßigungen beziehungsweise Konsolidierungen von Positionen des deutschen Zolltarifs zugestanden. Das Abkommen ist bis zu seiner Ratifizierung vorläufig durch einen Notenaustausch Gefeßes, von sich aus einen fünfgliedrigen Ausschuß zur Beaufsich ist, neue Spekulation mit den in der Bant liegen= den Geldern, die meist von Arbeitern und Mittelständlern stammen, zu dulden. Wie groß der Verlust ist, ist noch undurchsichtig; jedenfalls ist sicher das 40 Millionen große Aktienkapital verloren. Die Bankeinlagen sollen zwar gerettet sein, doch drückt sich der Bericht des Bankinspektors sehr vorsichtig aus. treise haben laut„ Konfektionär" die Vorarbeiten für eine regelAuch Petersburg wird Messestadt. Die russischen Wirtschaftsmäßige Messe in Petersburg jezt schon so weit gefördert, daß in diesen Tagen über Zeit und Umfang der Messe endgültig beschlossen werden kann. tigung des Konturfes einzufeßen, gezeigt, daß fie nicht gewitt Parteinachrichten Die Berliner Sozialdemokratie, die Berliner Gewerkschaftsfommission und das Ortskartell Berlin des AfA- Bundes rufen die Berliner Arbeiter und Republikaner zu einer gewaltigen Demonstration im Lustgarten am 11. August abends 7 Uhr auf. Es gilt zu demonstrieren für die Republik ++ gegen Monarchie und Reaktion++ Wir bitten dringend alle Arbeiter- und republikanische Organifationen, von Sonderveranstaltungen an diesem Tage Abstand zu nehmen. Sammelpläge und Aufmarschpläne werden in den nächsten Tagen bekanntgegeben. Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) als Uebergangszustand vom 1. Auguſt 1924 ab in Kraft gesetzt Verbandstag des Deutschen Werkmeisterverbandes. worden. Zu der Meldung über den Abschluß eines deutsch- spanischen Handelsabkommens erfährt der„ Deutsche Handelsdienst" von amt licher Stelle: Gegen den Abschluß des Vertrages hat in der letzten Zeit der rheinische Weinbau verschiedentlich Protest erhoben, weil in diesem Vertrag eine besondere Begünstigung der spanischen Weine in der Einfuhr nach Deutschland zugestanden wird. Auf der anderen Seite sind in den letzten Tagen beim Auswärtigen Amt von anderen Berufsverbänden Protestschreiben eingegangen, die sich energisch dagegen wehren, daß an dem Einzelintereffe der Winzer der Abschluß des deutsch- spanischen Handelsvertrages gefährdet würde. Für den baldigen Abschluß, der nun soeben erfolgt ist, haben sich in diesem Schreiben besonders eingesetzt der Reichs verband des Deutschen Ein- und Ausfuhrhandels, der Deutsche Industrie- und Handelstag, die Industrieund Handelskammer Essen, die Industrie- und Handelskammer Solingen. Herabfegung der Zinsfähe von Privatbanken. Die Stempel pereinigung hat entsprechend dem Borgehen der Preußischen Staatsbank( Seehandlung) beschloffen, die habenzinfen für lang fristige Gelder bis zu einem Zeitmonat von 15 Proz. auf 12 Proz. jährlich herabzusetzen. Auf der anderen Seite ist eine allgemeine Erleichterung in den Kreditbedingungen eingetreten, so find die Sollzinsen z. B. von 14 Proz. auf 12 Broz. jährlich ermäßigt worden. Abfahtrise in der westdeutschen Schwerindustrie. Die Dortmunder Schwerindustrie befindet sich in einer schweren Krise wegen Mangel an Aufträgen. Das Eisen- und Stahlwert Phönig in Hörde legt ani 26. Juli einen Teil seiner Betriebe völlig still. 2700 Arbeiter werden am gleichen Tage entlassen. Auf dem Stahlwert Hösch in Dortmund ist eine Bekanntmachung der Direktion angeschlagen worden, daß wegen Auftragsmangel in fürzester Zeit die Arbeit gestreckt werden müsse. Die Beschäftigungsaussichten für die nächste Zukunft seien sehr ungünstig. In der ,, Union" in Dortmund, wo jetzt noch in Doppelschichten gearbeitet wird, ist die Arbeitsstreckung ab 1. August angekündigt worden. Eine der beiden Schichten soll dann vollständig ausfallen. Bei weiterer Verschlechterung der Marktlage wird die Notwendigkeit von Arbeiterentlaffungen angekündigt. = = Die Weltfrise des Kohlenbergbanes. In fast fämtlichen Ländern der Welt, wo die Kohlen-, Eisen- und Stahlerzeugung eine wichtige Rolle hat, ist eine scharfe Absahtrise dieser Produktionszweige zu verzeichnen. Eine Ausnahme bildet nur Frankreich und Belgien. Auch in diesen ist jedoch mit jeder Hebung des Geldwertes ein Rückgang der Ausfuhrziffern festzustellen. Augenblicklich ist in der Welt eine Ueberproduktion an Kohle vorhanden. Die fohlenverarbeitenden Industrien, in erster Linie die Stahl- und Eisenindustrie, fönnen die Kohlenerzeugung der Welt, die die Friedenshöhe durchschnittlich bereits erreicht hat, nicht aufnehmen. Auch wollen sie sich in Erwartung weiterer Preissenfungen feine Vorräte anschaffen. Der ameritanische Kohlenberg bau mußte fich wesentlich nach den Berichten bisher schon um 20 Proz einschränken. Es ist dort eine beträchtliche Arbeitslosigkeit der Bergarbeiter eingetreten. Die englische Kohlenausfuhr für den englischen Kohlenbergbau ist die Ausfuhr eine Lebensfrage geht andauernd zurück. Erst letzte Zeit hat er sich etwas gehoben, doch ist die Menge der ausgeführten Rohle monatlich um zwei Millionen Tonnen geringer als zuvor, und betrug zuleht, troß der beträchtlichen Preisermäßigung, nur 5,5 Millionen Tonnen. Unverkäuflich ist die Saartohle, mo allerdings die hohe Preislage schuld an der Absazkrise ist. Die am 1. Juli erfolgte herabsehung der Saarfohle um 4 Broz. reicht zur Belebung des Absages nicht aus. Die Lage des polnischen Rohlenbergbaues ist tatastrophal. Die ostoberschlesische Ausfuhr nach Deutschland war im vorigen Jahr noch sehr beträchtlich; fie betrug monatlich im Durchschnitt 1,2 Millionen Tonnen, ging aber in diesem Jahr auf 400 000 Tonnen zurüd. Die polnische Kohlenausfuhr nach Defterreich ist ebenfalls im Sinten begriffen. Die polnische und englische Kohle habe im vorigen Jahr der Ruhrfohle innerhalb Deutschlands, und zwar auch in Mittel- und Süddeutschland, eine große Konkurrenz gemacht. Die vor furzem erfolgte Herabsehung der deutschen Kohlenpreise um 20 Pro3. foll die Absatzfähigkeit der Ruhrkohle erhöhen. Auch in der Tschecho= flowakei herrscht gegenwärtig ein Kohlenüberfluß. Die Ausfuhr der Braunkohle geht zurück. Auch hat sich dort ein Konkurrenztampf zwischen Braun- und Steinkohle entwickelt. Feierschichten im Ruhrgebiet. Die Zahl der Feierschichten wegen Abfahmangels hat in den letzten Tagen wieder stark zugenommen. Seit dem 23. Juli( in 4 Arbeitstagen) mußten auf 82 Bechen 151 475 Feierschichten eingelegt werden. Die Zahl der feiernden Arbeiter betrug am Sonnabend 51 840. Großer Bankfrach in Dänemark. Die Kopenhagener Revisionsund Diskontobant hat ihre Zahlungen eingestellt. Sie ist eine der nier Großbanten Dänemarks mit einem ausgedehnten Filialsystem. Die Bank war schon einmal im Jahre 1922 zusammengebrochen, wurde aber rekonstruiert. Ihr Fall erklärt sich aus dem Fehl= schlagen von Kriegstonjuntturunternehmungen und verfehlten Hafenterrainspekulationen in Ropenhagen um 1918/20 herum, als man in Kopenhagen hoffte, mit dem Zusammenbruch Deutschlands einen großen Teil der Rolle der deutichen Häfen übernehmen zu können. Jetzt ist durch das provisorische Bejezz der dänischen Regierung, das der zusammengebrochenen Reisions- und Disfontobant aufgibt, Konkurs anzumelden, das Schickil dieser Bank endgültig entschieden. Die sozialdemokra= ische Regierung hat mit der weiteren Bestimmung dieses Würzburg, 26. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Nach Erledigung fleinerer Geschäftsangelegenheiten nahm der Werkmeistertag den Bericht von Stähr Berlin über die Geschäftsarbeit entgegen. Stähr erörtert zuerst die Frage der religiösen Reutralität des AfA- Bundes. Dieses Thema ist für den Deutschen Wertmeisterverband besonders wichtig, weil die christlich- nationalistische Organifation der Wertmeister, gestützt und geschüßt durch einen Teil der katholischen Geiftlichkeit, immer wieder ihre Propaganda verlogen darauf zu gründen versucht, daß der Deutsche Wertmeisterverband religionsfeindlich" fei. Ebenso wird oft der Tatbestand gegen den Deutschen Werkmeisterverband ausgespielt, daß einzelne Führer feiner Spikenorganisation und des AfA- Bundes in der Sozialdemo fratischen Partei an hervorragender Stelle stehen und tätig sind. über überhaupt fein Streit besteht, daß es günstig sei, wenn Ge Er weist darauf hin, daß bei anderen Gewerkschaftsrichtungen darwerkschaftsinteressen parlamentarisch- politisch vertreten würden. Es sei auch Ludendorff, Graf Westarp und anderen nie verwehrt wor= den, die sozialen Interessen auch der Werkmeister zu vertreten. Brattisch sei es aber so, daß die Arbeitnehmerinteressen zuerst von den Sozialdemokraten im Reichstage vertreten worden seien. Des wegen bliebe der Deutsche Wertmeisterverband doch parteipolitisch neutral. Er frage niemand nach seinem politischen Bekenntnis. Viel Staub hat im Deutschen Werkmeisterverband die Frage aufge wirbelt, ob der AfA- Bund mit Recht aus der Zentralen Arbeitsgemeinschaft ausgetreten fei. Hierzu bringt Stähr das Material vor, das zu diesem Entscheid geführt hat. Ginsendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin sfets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 1. Kreis Mitte. Dienstag, den 29. Juli, 7% Uhr, Gigung des erweiterter Kreisvorstandes bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11, am Arfonaplag. 5. Kreis Friedrichshain. Am Mittwoch, den 30. Juli, 7 Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a, Kreisvertreterkonferenz.. Bericht des Kreisvorstandes. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Vorstandes. Die Delegierten sowie die Abgeordneten des Kreises werden gebeten, pünktlich zu erscheinen. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, den 28. Juli, 72 Uhr, im Schiller- Realgymnasium, Schillerstr. 25-27, Kreisvertreterversammlung. Stellungnahme zum Bezirkstag. Referent: Gen. Richard Krille. 9. Kreis Wilmersdorf. Montag, den 28. Juli, 8 Uhr, bei Rollat, Heidelberger Plat 1, Sigung des Bildungsausschusses. Dienstag, den 29. Juli, 8 Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung bei Kreis, Holsteinische Str. 60. Vorbesprechung zum Bezirkstag, daher Erscheinen Pflicht! 13. Kreis Tempelhof. Mittwoch, den 30. Juli, 7% Uhr, Zimmer 26, Kreisvorstandssigung. Tempelhof, Mariendorf, Lichtenrade. Am Sonnabend, den 2. August, im Seebad Mariendorf: Sommerfest. Feftansprache des Gen. Minister Gevering. Gemeinschaft für gefangliche Kultur mit Profeffor Rosebery Arguto und Opernsänger Meller. Großes Konzert. Berlosung: 1 Fahrrad, Rorbmöbel, Lebensmittel. Tanz mit Künstlerbapelle in beiden Gälen. Eintritt 50 Pf., Arbeitslose und Kurzarbeiter frei. 14. Kreis Neukölln. Dienstag, den 29. Juli, abends 7. Uhr, im Gekretariat, Neckarstr. 3, Sigung des Engeren Borstandes. 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, den 30. Juli, 7% Uhr, in der Bibliothek, Weichselstr. 28, Kreisvorstandssitung. Namen und Adressen der Bezirkstagsdelegierten find sofort an den Borsigenden Gen. Thurm, D. 112, Scharnweberstr. 24, einzureichen. 20. Rreis Reinidendorf. Montag, den 28. Juli, 6½ Uhr, im Berwaltungsgebäude, Reinickendorf- Ost, Hauptstr. 46, Zimmer 60, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes, um 7% Uhr im gleichen Raum Gigung des Festausschusses und der Bildungsausschußmitglieder des Kreises. Pünktliches Erscheinen notwendig. Morgen, Montag, den 28. Juft: 33. Abt.: 7% Uhr bei Lujat, Benmeftr. 8, Funktionärversammlung. Stellungnahme zum Bezirkstag. Die Bezirksführer rechnen ab. Gruppenführer Taben ein. Uebermorgen, Dienstag, den 29. Jufi: 20. 96t.: 7 Uhr Frauenabend bei Sueltus, Drontheimer Str. 31. Thema: Die Frau und der Sozialismus. 27. Abt.: 7 Uhr Funktionärsizung im Kinderhort, Schule, Sonnenburger Str. 20. 46. Abt.: Alle amtlich und ehrenamtlich in der Jugend- und Wohlfahrtspflege tätigen Mitglieder werden ersucht, ihre Adresse umgehend dem Abteilungsleiter Gen. Fritsch, Schlesische Str. 31, anzugeben. 121. Abt. Karlshorst. Die Genossen werden hiermit auf die um 8 Uhr im Reſtauvant 8ur Rennbahn", Treskowallee, Ede Friedrich- Wilhelm- Promenade, stattfindende Gründungsversammlung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold aufmerksam gemacht. Rege Beteiligung erforderlich. 137. Abt. Reinidendorf- Weft. 7½ Uhr im Boltshaus, Scharnweberstr. 114, Sigung des engeren Borstandes der Gruppenführer und der Revisoren. Das Er. fcheinen aller Genossen ist Pflicht. Mittwoch, den 30. Juli: 106. Abt. Johannisthal. 8 Uhr bei Gobin, Roonstr. 2, Sigung der Funktionäre. * 24. Abt. 25 Jahre Mitglied der Partei find die Genoffen Engelmann, Eßlinger und Zeipert. Herzlichen Glückwunsch. Die Abteilungsleitung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 14. Abt. Genoffe Rarl Schilling, Butbufer Str. 49, ist verstorben. Beerbigung am Montag, den 28. Juli, nachmittags 4 Uhr, Friedensgemeinde Nordend. 28. Abt. Genoffin Johanna Croner, Fransedystr. 37, ist verstorben. Be erdigung am Montag, den 28. Juli, nachmittags 2 Uhr, auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee( Neue Halle). 38. Abt. Genosse Willi Gohlice, Strausberger Straße, lengjähriger Parteifunktionär, ist verstorben. Einäscherung am Montag, den 28. Juli, im Krema torium Baumschulenweg, nachmittags 2½ Uhr. densplay. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonntag, den 27. Juli: Rieberschönhausen. Fahrt: Oranienburg- Grabowfee. Treffp. 6 Uhr FrieTempelhof. Fahrt: Königswusterhausen. Nachmittags Beteiligung am Sommerfest der SPD. in Wildau. Treffp. 7 Uhr Bhf. Tempelhof. Steglik L. Fahrt: Krüpelsee. Treffp. 7 Uhr Bhf. Steglig.- Wannsee. Fahrt: Geddiner Gee. Treffp. 6 Uhr Schule. Westen. Fahrt: Oranienburg- Lehnig Der Verbandsvorsißende Buschmann betonbe in der Disfuffion das Grundsätzliche der Af- Gemeinschaft. Sie sei z wingende Notwendigkeit, weil auch der Deutsche Werkmeisterverband aus der Periode des reinen arbeitsrechtlichen Kampfes her fee. Treffp. 6 Uhr Bhf. Bülowstraße, ausgewachsen sei. Er fann sich nur voll zur Geltung bringen, wenn er alle fozialen und wirtschaftspolitischen Möglichkeiten, die in der Linie der allgemeinen Arbeitnehmerbewegung liegen, erfülle. Wir können uns nicht zurüdorienfieren und bedeutungslos machen.( Beifall.) In der republikanischen Staatsform liegen die Wurzeln einer starten freigewerkschaftlichen Bewegung. Wir wollen uns nicht die Kritik des Gegners zu eigen machen.( Beifall.) Wir sind gewillt, nach allen Seiten Betennermut zu zeigen. Die freigewertschaftliche Spizenbewegung ist jung. Sie muß von uns, dem Deutschen Wertmeisterverband, gestützt und gefördert werden.( Lebh. Beifall.) Einige Delegierte bringen Klagen aus den Ortskartellen der AfA vor. Einer bittet, die Eingaben des Deutschen Wertmeister verbandes und der Af doch auch den Mittelparteien zuzusenden, die ja ebenfalls Arbeitnehmerinteressen vertreten.( Widerspruch.) Es wird von anderer Seite unterstrichen, daß der Streit um die religiöse und parteipolitische Neutralität des Deutschen Wertmeisterverbandes nichts anderes sei als eine politische Heße des Gegners. Morgen, Montag, den 28. Juli: Karlshorst. Jadh. Auguste- Biktoria- Str. 35. Diskussion: Was muß der Abteilungsfunktionär wissen? Arbeitersport. Fußballkampf Berlin- Stettin. Der Berliner Fußballklub Teutonia 09( Mitgl. d. A.-T.-B.) hat am Sonntag, den 27. Juli, den Stettiner Fußballtlub Walhalla anf seinem geschlossenen Sportplag in der Christianiastraße, Ede Schulstraße, zu Gast. Teutonia, einer der spielstärksten Vereine in diesem Verbande, wird gegen Walhalla einen harten Stampf zu bestehen haben, da Walhalla zurzeit Stettiner Meister und in dieser Serie noch ungeschlagen ist. Walhalla, eine junge, flinke Mannschaft, verstärkt durch Spieler aus der Stettiner Oberliga, wird alles aufbieten, um ihren Siegeszug in Berlin fortzusehen. Da auch Teutonia in stärkster Aufstellung antritt, ist ein äußerst spannender Kampf zu erwarten. Anfang des Spieles 4 Uhr. Großes Arbeiter.Fußballwettspiel in Neukölln. Zwischen der Freien Turnerfchaft Lichtenberg- Friedrichsfelde 1. Mannschaft und Rüstig Vorwärts" 13 Neu tölln 1. Mannschaft findet am Sonntag, den 27. Juli, auf dem städtischen Sportplak in Neukölln, Grenzallee( nahe Cimbriaplay) ein Freundschaftsspiel statt. Anfang der 1 Mannschaft 5½ Uhr, der zweiten GIF 31% Uhr. Jugendfpiel vorm. 10.20 Uhr auf dem Play Neukölln- Brig, Am Dammweg. Ein Redner fritifiert die politischen Uebergriffe der Fuldaer Bischofstonferenz. Er fragt, wann sie es einmal für notwendig befunden hätten, den Unternehmern einen Spiegel vorzuhalten. Der Vertreter Bayerns erflärte im Namen seines gesamten Gebiets, daß bei ihnen, obwohl es sich um eine tatho lische Gegend handle, ein Streit um die freigewerkschaftliche Bolitit überhaupt nicht bestehe. Ein rheinischer Delegierter verlangt einen attiven Kampf gegen die parteipolitisch und religiös nicht neutrale Agitation des Christlichnationalen Werkmeister- Gizung jeben Freitag, abends 8½ Uhr, Männer und Jugend 7 Uhr. Am Bundes. Bereinslotal Otto& orn, Neukölln, Serkbergstr. 22( Fernſpr. Neukölln 1636). Sportklub Rüstig Vorwärts" 1913, Reukölln( Mitglied des MSV., Berlin). Freitag, den 1. August, abends 8 Uhr, muß ein jedes Mitglied zwecks Aufstellung der Mannschaften zu den Serienspielen 1924-25 erscheinen. Ebenfalls ist es Ehrenpflicht eines jeden, sich in der Spielerliste einzutragen erscheint, kann nicht berücfichtigt werden. Am 10. August ist der Klub noch) und sich ein Paßbild zu besorgen. Abgabepflicht am 1. Auguft. Wer nicht spielfrei. Buschriften find zu richten an Billy Bier, Neukölln, Johann- Huß Unter großer Aufmerksamkeit spricht Müller- Essen vom Ber: bandsvorstand über die Notwendigkeit der AfA- Stüße. Uber die Korrektur einzelner Schönheitsfehler tönne leicht eine Verständigung erzielt werden. Danach zeigt er an einer Fülle von Material die demagogische Agitation und Gewerkschaftspolitik des chriftlich- Straße 5. nationalen Konkurrenzverbandes. Dieser christliche Bund sei mit Groß- Kampftag des Sport- Club ,, Zurich 02"( Mitglied des A.-A.-B. D.). Andem Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, dem Hort der dem Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, dem Hort der läßlich seines 22jährigen Bestehens veranstaltet der Berein am Sonntag, den Hakenkreuzler, eng liiert. Da werde Kulturkampf gegen die Katho- Gesamträumen von Schonerts Restaurant ,, Neu- Seeland". Stralau, Kynast 27. Juli 1924, einen Großkampftag im Ringen Breslau- Berlin in den lifen getrieben, und der Christliche Werkmeisterverband schweige straße 20-21( dicht am Bhf. Stralau- Rummelsburg). Die Lurich- Mannschaft dazu. Es folgen eine ganze Reihe Redner, die gleiche Tat( A- RI.) tritt diesmal gegen den ostdeutschen Meister des A.-A.-B., den Bres bestände mitteilen. Einer betont energisch, daß sich die Werkmeisterschaft des 1. Kreises von 1922, 1923 und 1924 innehat. Außerdem finden noch lauer Sport- Club Eichenlaub 1910", an, der die Bezirks- und Kreismeisterzur Weimarer Verfassung bekennen und an Stelle Bor- und Jiu- Jitsu- Kämpfe ftatt, wozu Gegner aus den Bereinen ,, Berliner der Arbeitsgemeinschaften das in ihr versprochene Arbeitsrecht Bor- Club 1919" und AGC. ,, Boran" gefordert sind. Dazu bietet der Berein verlangen. Ueber die vorliegenden zwei Entschließungen zu der noch ein erstklassiges Varietéprogramm mit Neuattraktionen der Artisten und Tagesordnung wird am Sonntag abgestimmt werden. Heber. Anfang 5 Uhr nachmittags. Borher und während der Pausen großes Konzert. Baugewerksbund Berlin, Fachgruppe Stud- und Gipsbau. Am Montag, 5½ Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Gaal 3, Versammlung der Baudelegierten und Betriebsräte für das Stud- und Gipsbaugewerbe. Mitgliedsbuch legitimiert. Jeder Bau muß vertreten sein! Die Gruppenleitung. Element- Industrie am Dienstag, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, EngelBerband der Fabritarbeiter. Branchenversammlung der Batterie- und ufer 24-25, Gaal 1. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften erhalten nach einer Vereinbarung zwischen der Gewerkschaftskommission und dem Ortskartell Berlin des AFA- Bundes einerseits und der Direktion des Residenz- Theaters andererseits Vorzugskarten zum Preise von 1, M. gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches und eines besonderen Ausweises an der Sonderkaffe. Zur Aufführung gelangt zurzeit Tollers Sinkemann". Als weiteres Stüd foll in Kürze Die Wandlung", gleichfalls von Toller, gegeben werden. Die Gewerkschaftsmitglieder sollten von diejer billigen Gelegenheit zum Besuch dieser Veranstaltungen den regften Gebrauch machen. Die Ausweise sind in den Bureaus der einzelnen Organisa. tionen erhältlich. Ludwig Loewe, Suttenstraße. Alle Genossen werden ersucht, am Dienstag um 4 Uhr in der Fraktionsversammlung bei Trüller, Berlichingenstraße 7, zu erscheinen. Bergmann E.-W., Rosenthal. Dienstag, nachm. 5 Uhr, Fraktionsversammlung in Schneiders Festsälen. Sämtliche Genossen des Werkes müssen erscheinen. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Eine Sport- Ausstellung in Lichtenberg. Bom 24. bis 31. Juli findet in der Schule, Martistraße 10-11, vom Arbeiter- Sport- und Kultur- Kartell des 17. Bezirks( Lichtenberg) eine große Sport und Kultur- Ausstellung statt. Beteiligte Organisationen sind: der Touristen- Berein Die Naturfreunde", der Proletarische Gesundheitsdienst, der Arbeiter- AbstinentenBund, der Arbeiter- Radio- Club, der Arbeiter- Stenographen- Verband Stolze. Schren", der Arbeiter- Schachbund, das Proletarische Jugendkartell sowie das Berlagsgeschäft des Arbeiter- Turn- und Sportbundes und das Sporthaus Fichte. Die Ausstellung ist geöffnet: wochentags von 4 bis 9 und Sonntags 9 bis 6 Uhr. Eintritt frei! Boranzeige: Bom 3. bis 10. August Werbewoche! Don Berliner Arbeiter- Schachklub. Am Donnerstag, den 31. Juli, abends 8 Uhr, findet bei Wende, Rooniestr. 147, ein Wettkampf der Abt. Nord- OstRorben II ftatt. Da beide Abt. in stärkster Befegung antreten, ist ein intereffanter Kampf zu erwarten. Gäfte willkommen. Am 14. August, abends 7 Uhr, beginnt, ebenfalls bei Wende, ein Kursus für Anfänger.- Die Kinder. gruppe spielt jeden Montag von 5 bis 7 Uhr im Jgdh., Schönstedtstr. 1 ( Lebigenheim), 5 Tr. Jeden Sonntag von 10 bis 10 Uhr freier Schachverkehr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Goal 5. Wetterbericht. Für Berlin und Umgegend: Zunächst ziemlich trübe und fühl mit einzelnen leichten Regenfällen. Dann zeitweise aufklarend 1d ein wenig wärmer bei mäßigen nordweitlichen Binden, Für Deutschland: Im Diten noch zahlreiche Regenfälle, im Westen Aushciterung; berall ziemlich fühl. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Kaifer- Wilhelm- Straße 46 III. Kameradschaft Zehlendorf. Die für Donnerstag, den 31. Juli, anberaumte Mitgliederversammlung findet wegen dringlicher Vorarbeiten zur Verfassungsfeier bereits am Dienstag, den 29. Juli, abends 8 Uhr, bei Schnorre statt. Erscheinen aller notwendig. Jugendtameradschaft Südost. Heute, Gonntag, Treffp. nachm. 5 Uhr Görlizer Bhf., Unfallstation. Jugendkameradschaft Oberspree. Dienstag, den 29. Juli, abends 8 Uhr, Appell, Bhf. Niederschöneweide, Hauptausgang. Die Jungführer treffen sich bereits um. 7 Uhr im Jgdh. Niederfchöneweide. Berein ber Freidenter für Feuerbestattung E. B. 5, Bezirk Friedrichshain. Freitag, den 1. August, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Bokal ,, Rönigsbank", Große Frankfurter Straße 117. Tagesordnung: 1. Bortrag über Die Feuerbestattung und ihre 8iele"( Referent Gen. Oberül be r). 2. GtelTungnahme zur Vereins- Generalversammlung. 3. Wahl der Delegierten. Verband der Lungen- und Zuberkulose- Erkrankten Deutschlands, Ortsgruppe Berlin. Wohltätigkeitskonzert am Sonntag, den 27. Juli, im Moabiter Schüßenhaus, Plößensee, zum Besten der Fürsorge- und Beratungsstelle des Verbandes der Lungen- und Tuberkulose- Erkrankten Deutschlands, veranstaltet vom Musikverein ,, a- Tempo" unter gütiger Mitwirkung des Männergesangvereins Bleibtreu" und der Bühnenspielvereinigung Rheingold". Raffeneröffnung 2 Uhr. Anfang 3 Uhr. Eintritt einschl. Steuer 0,50 M. Geschäftliche Mitteilungen. Um dem verehrt. Publikum einen ganz besonderen Raufreiz zu bieten, veranstaltet das altrenommierte ,, Berliner Möbelhaus" Moris Hirschowig, Berlin Südosten, Skaliger Straße 25, Sochbahn Cottbuser Tor, mit dem 27. d. M. beginnend, eine ,, Schlafzimmer- Woche", während der kurzentschloffenen Interessenten ganz besondere Vorteile geboten werden. Es gelangen erstklassig gearbeitete Modelle in allen Holz- und Stilarten zum extra billigen Verkauf, und ist eine Besichtigung dieser Ausstellung von größtem Vorteil. Die ausgesuchten Möbel können kostenlos lagern. 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In der Debatte über den Notetat, über deren Beginn wir in der Abendausgabe berichteten, sprach weiter: Abg. Dr. Bredt( Wirtschaftl. Vgg.): Auch wir halten das Gutachten für eine geeignete Grundlage für weitere Berhandlungen und sind bereit, die Regierung zu unterstügen, wenn sie die in der Erflärung Fehrenbachs erwähnten Punkte in London mit vollem Nachpruck vertritt. Wenn wir jetzt gegen die Regierung stimmen, würde Das im Ausland ganz falsch verstanden werden, und das könnten wir nicht verantworten. Dem Ausland gegenüber muß die Einheitsfront aufrechterhalten werden, so auch jetzt in London. Im übrigen bleiben wir in der Opposition. Abg. Dr. Hoeksch( Dnatl.) Es ist heute buchstäblich der letzte Augenblick, wenn die Einladung nach Lo idon an uns fommt, uns im Reichstag über die dort innezuhaltende Politit auszusprechen und vor allem die Regierung sich aussprechen zu hören, was bis jetzt und auch gestern nicht ausreichend geschehen ist. In jedem anderen Lande ist es selbstverständlich, daß bei solchen Gelegenheiten auch die nationale Opposition ausgiebig zu Worte fommt. Gewiß ift es ein Novum von großer Bedeutung, daß sich jetzt die Vereinigten Staaten intensiver an einer Konfrenz beteiligen als je zuvor, und hierher gehört auch die bedeutsame Rede des Staatssekretärs Hughes. 2lber die anhaltende Neigung zum Mißtrauen in das Gelingen und in die Hoffnung auf diese Wendung stammt auch daher, daß das deutsche Volk zu oft in feinen Hoffnungen getäuscht und betrogen worden ist. Frankreich hält am Boincaréschen Standpunkt des Versailler Vertrages fest. Der Redner gedenkt des vet= storbenen deutschnationalen Führers Dr. Helfferich, der in der Unterschrift unter dieses Gutachten ein zweites Bersailles gefehen habe, Verhandlungen aber über das Gutachten habe die Partei niemals abgelehnt und daran habe sich nichts geändert. Die Partei habe von vornherein unverzichtbare Voraussetzungen an die Annahme geknüpft, während die Sozialdemokratie sogar burch einen Boltsentscheid die bedingungslose Annahme erzwingen molle. Später habe die Deutsche Boltspartei solche Vorbehalte aufgestellt. Schließlich habe auch der englische Ministerpräsident das omi töse Wort von den unverzichtbaren Vorbehalten gebraucht, und gestern habe sogar Fehrenbach im Namen aller Regierungen eine ganze Liste von Bedingungen vorgetragen und sei damit den Deutschnationalen gefolgt.( Widerspruch bei der Mehrheit; Zustimmung b. d. Dnatl.) Leider hätten sich die Aussichten für die Beachtung dieser Vorbedingungen immer mehr der= schlechtert, deshalb habe sich die oppositionelle Stellung der Deutschnationalen verschärfen müssen. Die erste Forderung sei die Amnestie, die wir nicht als Gnade wünschen, sondern fordern. Das zweite sei die Sicherung gegen Ganttionen, die schon dann nicht bestehe, wenn die Reparations to mission in ihren alten Rechten bestehen bleibe. Die dritte conditio sine qua non sei die wirtschaftliche und militärische Räumung; die erste sei noch völlig unsicher, die zweite sei überhaupt nicht auf die Tagesordnung vor London Gefeßt.( Hört, hört! b. d. Dnatl.) Der Redner fragt den Kanzler, ob er auf diese Forderung etwa verzichten wolle. Ferner hätten auch nach Ansicht des jetzigen französischen Ministerpräsidenten die Räu mungsfristen noch nicht zu laufen begonnen, wie es Poincaré aufgestellt habe. Von der deutschen Regierung habe man darüber im Zusammenhang mit dem Gutachten noch nichts gehört. Das letzte fei die Wiederherstellung des Rheinlandabtom= mens, das ja sogar auch von Amerita unterschrieben worden set. Das seien die unverzichtbaren Voraussetzungen für die Deutschnattonalen. Sie feien aber bereit, große Opfer zu bringen, wenn eine Lösung gefunden werde, die im Rahmen der deutschen Leistungsfähigkeit liege und vereinbar sei mit der nationalen Würde und hem wenigen, was an staatlicher Souveränität uns noch geblieben sei. Von dieser Plattform aus greife die Partei die Bindungen cn, in die die Regierung sich schon hineinbegeben habe oder hineinbogeben wolle. Jedenfalls würden die Deutschnationalen an der Notwendigkeit der 3weidrittelmehrheit fest halten. Wenn Deutschland nicht als gleichberechtigter Faktor nach Rondo geladen werde, solle die Regierung lieber zu Hause bleiben. ( Reichsaußenminister Dr. Stresemann: Bollkommen meine Meinung!) Der Redner spricht weiter seine Freude aus über die Ueberein stimmung mit Scheidemann in der Kriegsschuldfrage. Das sei die Folge des wachsenden Druckes von rechts.( Lachen b. d. Soz., Zustimmung b. d. Dnatl.) Aber, so erklärte der Redner, wir haben in dieser Stunde nicht das Vertrauen zu einer Regierung, die auf so schmaler Basis steht, daß sie bei diesen Bedingungen steht, wie mir es fordern. Darum haben wir in dieser Stu ide unserer Berpflichtung vor unseren Wählern nachkommen wollen. Der Redner rerteidigt seine Fraktion des weiteren vor dem sozialistischen BorStot = Iwurf, sie bereite ihren Umfall vor, und erwidert, gerade die Stellung der Sozialdemokraten zur Reparationsfrage sei unflar ge= wesen. Sie befinden sich heute in der Sackgasse mit ihrer bedingungslosen Annahme; in der Frage der Annahme oder Ablehnung würden die Deutschnationalen weder indirekt noch direkt den Sozialdemofraten in die Hände arbeiten. Es werde ihnen nicht gelingen, die hundert Mann starke deutschnationale Fraktion auseinanderzureden, wie es in letzter Zeit mehrfach versucht worden sei. Alle 1 Abmachungen, die diesen Mindestbedingungen nicht entsprechen, würden sich die Deutschnationalen mit allen Mitteln widersehen. Sie fäßen ja am längeren Hobel, Stresemann brauche nur an die 3 weidrittelmehrheit zu denken. Die Deutschnationalen würden von ihrer Macht unter Umständen rüdsichtslos Gebrauch machen. Sie erkennen die Lehre der Geschichte an, daß der Unterlegene sich schweren Opfern nicht entziehen fain.( hört, hört! links und b. d. Matsoz.) Aber die Rechte, die droben hängen unveräußerlich, die ließen die Deutschnationalen nicht zum Gegenstand parlamentarischen Kuhhandels machen. Wo diese Grenzen überschritten würden, selen fie entschlossen, den Abmachungen ein entschiedenes Mein entgegenzusetzen.( Lebh. Beifall b. d. Dnatl.) Abg. Bartels- Krefeld( Komm.): Die ganze Razbalgerei in Lonvon geht nur darum, ob der englische oder der französische Imperialismus und Kapitalismus die Oberhand gewinnt. Das Opfer fi.id die deutschen Arbeiter. Die Verschacherung der deutschen Eisenbahn ist ein besonders dunkles Kapitel. Reichsfanglers waren nur pflaumenweich. Die Laften des Sachver. Abg. Schroeder- Mecklenburg( Natsoz.): Die Erklärungen des ständigengutachtens sind für das deutsche Volk unerträglich. Geradezu schrecklich ist, wie die deutsche Eisenbahn zerschlagen werden soll, Dieses großartigste volkswirtschaftliche Institut, das dem Fürsten Bismard zu verdanten ist.( 3wischenruf links.) Ja, ich bin Sozialist, Nationalsozialist. Fürst Bismard war auch National10zialist.( Lachen links.) Die Rentenmark ist durch das Sachverständigengutachten gefährdet. In geradezu teuflischer Weise ist im Sachverständigengutachten der Wohlstandsinder erfunden worden, damit auch kein deutscher Arbeiter mehr etwas Geld ersparen tann, sondern rettungslos dem: Großkapitalismus zum Opfer fällt. Die Re gierung hat das Volk über die Bedeutung des Sachverständigengut achtens getäuscht. Wir brauchen eine Regierung, die sich wieder das Vertrauen des Volkes zu erweden versteht und die auch Furcht ermeden fann. Der letzte Fluch des sterbenden Deutschland fällt auf diese Regierung, die den Schandvertrag von Versailles unterschrieben hat.( Stürmische Zustimmung rechts.) Antrags der Kommunisten wegen Aufhebung der Verordnung des Abg. v. Kardorff( Dop.) beantragt die Zurückverweisung des Reichspräsidenten vom 17. Juni 1924 betr. Neuregelung der Presse und des bezüglichen Ausschußantrags, der auf Annahme diefes fommunistischen Antrags gerichtet ist, an den Rechtsausschuß, da die Regierung dem Ausschuß neues Material vorlegen will. Abg. Kak( Komm.) protestiert gegen dieses Ersuchen des Vorredners. Abg. Dittmann( E03.) erklärt gleichfalls, den Antrag v. Kardorff abzulehnen, da es offenbar darauf abgesehen sei, die Aufhebung der Verordnung zu verhindern. Bon seiten der Nationalsozialisten wird das Gleiche erklärt. Der Noietat wird hierauf im einzelnen und in der Schlußabstimmung gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und Nationalsozialisten angenommen. Der Antrag der Kommunisten betr. die Verschickung deutscher Rinder nach Frankreich wird gegen die Stimmen der Kommunisten und Sozialdemokraten abgelehnt.( Lärm bei den Kommunisten und Rufe: Kindermörder!) Es folgt die namentliche Abstimmung über das von den Nationalsozialisten beantragte Mißtrauensvotum. Vor der Abstimmung erklärt Abg. Schulh- Bromberg( Dnatl.): Die deutschnationale Fraktion hat heute bestimmte flar umrissene Forderungen an die Reichsregierung gestellt, welche als unverzichtbare Bedingungen für die Verhandlungen in London zu gelten haben. Im übrigen hat die Frattion durch wiederholte Erklärungen ihren Standpunkt zu den schwebenden Fragen der inneren und äußeren Politik deutlich und bestimmt und insbesondere durch ihr letztes am 6. Juni vom Reichstag abgelehntes Mißtrauensvotum zum Ausdruck gebracht. Vor Abschluß der Verhandlungen in London hat die deutsch nationale Fraktion feinen Anlaß, ihr Bekenntnis und ihre bekannte Gesamteinstellung zu dieser Regierung an dieser Stelle zu wiederholen. Dazu wird Zeit und Gelegenheit nach Abschluß jener Verhandlungen gegeben sein. Von ihrem Resultat hängt die weitere Stellung der Fraktion ab. Wir werden uns daher an der Abstimmung über das Mißtrauensvotum nicht beteiligen. Sonntag, 27. Juli 1924 Die Abgg. Katz( Komm.) und v. Graefe( Natsoz.) protestien: n dagegen, daß diese Abstimmung schon jezt anstatt am Schlusse der Abstinumungen vorgenommen wird. Der Präsident stellt demgegenüber fest, daß sich das Haus mit dem von ihm vorgeschlagenen Modus einverstanden erklärt hat. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag der Nationalsozialisten„ Der Reidystanzier und die Reichsminister besigen nicht das Vertrauen des Reichstages" mit 172 gegen 62 Stimmar bei 79 Stimmenthaltungen abgelehnt Die Anträge der Kommunisten und Nationalsozialisten wegen Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. Februar 1924 über die Aufhebung des militärischen Ausnahmezustandes hat der Rechtsausschuß mit Stimmengleichheit abgelehnt. Im Plenum muß bei der Abstimmung Auszählung erfolgen. Das Ergebnis ist die Ablehnung der Anträge mit 168 gegen 133 Stimmen. Der auf Grund eines Antrags v. Graefe vom Ausschuß vor gelegte Antrag alle von der Reichsregierung oder von den Landesregierungen ergangenen oder aufrechterhaltenen Verbote von politischen Parteien sind aufgehoben", wird gegen die Mittelparteien angenommen. Die vom Ausschuß zur Annahme empfohlene Entschließung, die Reichsregierung zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß die vom Generalstaatskommissar v. Ka hr erlassene Berordnung betr. Unterdrückung kommunistischer Zeitungen und Bestrafung der Hersteller, Verbreiter usw. aufgehoben wird, erklärt der Präsident nach Probe und Gegenprobe für abgelehnt. Dagegen erhebt sich aus dem Hause Widerspruch. Nach längerer lebhafter Auseinandersetzung erklärt Abg. Bell, daß das Zentrum bei der Abstimmung irrtümlich angenommen habe, es handle sich um den ursprünglichen Antrag der Kommunisten. Von den Deutschnationalen wird dieselbe Erklärung abgegeben. Darauf läßt Präsident Wallraf die Abstimmung wiederholen und nunmehr wird die Entschließung mit großer Mehrheit angenommen. Entsprechend dem Antrag v. Kardorff wird von der Mehrden Rechtsausschuß zurückverwiesen. heit der Ausschußantrag betr. Neuregelung der Rechte der Presse an Ein Kommunist rief dem Präsidenten Wallraf zu: Schieber! Präsident Wallraf: Ich bitte den Herrn, sich zu melden, der mir eben den Ausdruck Schieber zugerufen hat. Der betr. Abgeordnete meldet sich nicht.( Pfuirufe rechts und Ruf: Feigling!) Darauf erhält der Abg. Fritsch( Natsoz.) außerhalb der Tagesordnung das Wort zu einer Erklärung, wonach die Artikel, wegen deren er vor Gericht verfolgt werde, die Firma Warburg nicht beleidigt, sondern nur fritisiert hätten, und wonach er sich vor Gericht verantworten werde. Nunmehr wird das Gesetz über das Wiederaufnahmes verfahren gegenüber Urteilen der bayerischen Volksgerichte in weiter Lesung angenommen, die Verabschiedung in dritter Lesung wird jedoch durch den Einspruch des Abg. Dr. Bredt( Wirtschaftl. Vgg. und Bayer. Bauernbund) verhindert Damit ist die Tagesordnung erledigt, das Haus vertagt sich. Der Präsident erhält die Ermächtigung, es wieder zusammenzurufen entsprechend den Wünschen des Aeltestenrats, wenn Entwürfe vorliegen oder ein Antrag gestellt wird. Schluß 5% Uhr. Filmschau. Rin- Tin- Tin", der Hund von Karibu, erlebte im ufa Balaft am wurde von Stanadiern in Frankreich in einem verlassenen deutschen. 800 seine Uraufführung. Dieser Filmstar, ein deutscher Schäferhund, Schüßengraben gefunden, als er die Leiche seines Herrn bewachte. Er fam nach Amerifa und wurde dort berühmt. Das wurde durch den Mund eines tüchtigen Propagandachefs bekanntgegeben. Und da man Rin- Tin- Tin zu der Uraufführung nicht bekommen fonnte, hatte man eine große Anzahl Berliner Schäferhunde auf die Bühne dirigiert, die mi Geheul und Gebell den Beifall eines im voraus begeisterten Bublikums entgegennahmen, der ihrem erlauchten Artgenossen galt. Der Film spielt in Alaska, in Schnee und Eis, wo ein junger Hund als Fracht von einem Hundeschlitten verloren wird Das Jungtier wird unter Wölfen groß. Infolge feines Hundeinstinkts bält es sich abseits von seinen Stiefbrüdern. Auf einmal tritt ein verfolgter Mensch in das Leben des Hundes, der ihn erst als Beute, nachher aber als Freund betrachtet. Im Verlauf der Handlung wird der Hund dann mehrere Male zum Lebensretter, weil eine sehr mit Intrigen tämpfende menschliche Liebesgeschichte neben der Geschichte des Hundes einherläuft, erfreulicherweise ohne die lettere zu erdrücken. Wenn man das Tier attiv sieht, gewahrt man die typische Dressur des deutschen Schäferhundes, die es sich angelegen sein läßt, die Fähigkeiten des Hundes zu entwideln. Rin- Tin- Tin ist stets mit Lust und Liebe, mit Freude an der Leistung bei der Sache. Wie wechselnd find seine Ausdrucsmöglich feiten! Die Filmhandlung ist zu start menschlich aufgefaßt, zum Beispiel treibt in Wirtlichkeit der Instinkt das Zier durchaus nicht immer zum Menschen, auch verläßt der Hund fich nicht auf sein Gesicht, sondern auf seine Nase. Ferner tönnen die Innenaufnahmen nicht mit den Außenaufnahmen fonkurrieren. Manche eingeflochtenen Sinotrids find in Anbetracht der Glanzleistung des Hundes unnötig. Alle Szenen, in denen er arbeitet, find der größten Wirkung gewiß. Das Tier ist eben als An greifer oder als Freund ganz Natur, ob man es eifersüchtig, beleidigt oder schmeichelnd fiebt, es hat es nie nötig, jemals einen unbilligen Borteil für fich in Anspruch zu nehmen. Allen Tierfreunden aber, und namentlich den Freunden des deutschen Schäferhundes, wird der Film insofern zum Genuß werden, als er Beobachtungsgelegenheiten erschließt und zugleich ein Beweis des großen Könnens der deutschen Schäferhundrasse ist. Was sagt Leiser? 6.6.13 ist das richtig? Damen- Haferlschuhe Nein prima braun Sportleder, Lederfutter, zweisohlig, äusserst strapazierfähig.. aber ebensowenig ist es richtig, wenn Sie glauben, dass unsere fabelhaft billigen Preise auf Kosten der Qualität erreicht werden. 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