SP Abendausgabe Nr. 351 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 176 Bezugsbedingungen und Anzeigenprelle fnb in ber Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-298 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Montag 28. Juli 1924 Berlag und zeigenabteilung Gefäftsgeft 9-5 Uhr Berlager: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenficaße 3 Jernsprecher: Douboff 2500-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Erweitertes Konferenz- Programm. Militärische Räumung. Sicherheits- und Schuldfragen. Daris, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Ueber Nacht ist die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets zum Zentralproblem der Londoner Konferenz geworden. Was am Sonn. tag noch in weitesten Krisen auf ffarte 3weifel gestoßen war, wird am Montagmorgen offiziell bestätigt. Ramsay Macdonald hat die Frage der militärischen Räumung zunächst in einem Brief auf geworfen, den er am Freitagabend an Herriot gerichtet hat. Er son mut Herriots erfordert, so zu handeln, denn diesen seinen Entscheidungen sei ein unformelles Ultimatum Poincarés mit Bezug auf drei Punkte voraufgegangen, in dem er darauf hingewiesen worden sei, daß er den hartnädigsten Widerstand zu erwarten habe, wenn er u. a. nicht die folgenden drei Punkte a) Deutschland soll nicht unter der Bedingung der Gleich berechtigung zur Konferenz zugelassen werden. b) Der Grundsatz der Durchfegung des deutschen Eisenbahnpersonals im Rheinland mit allierten Eisenbahnern soll auf rechterhalten werden. c) Für die wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebiets follen teine endgültigen Zeitpunkte festgesetzt werden. sin Aber Herriot sei entschlossen, sich einem derartigen Diftat feiner Opposition zu unterwerfen. Es verstehe sich von selbst, daß Herriot bei seinem Eintreten für eine Politit zufünftigen Zusammen wirtens zwischen den früher feindlichen Nationen der Sympathie und Unterstützung sowohl der britischen als auch der amerita. nischen öffentlichen Meinung sicher sei. Der Beschluß, mt den Deutschen in den Hauptfragen auf dem tatsächlichen Fuße der Gleich berechtigung zu verhandeln, sei im großen Maße veranlaßt worden durch Besprechungen, die Herriot und Clémentel mit Staatssekretär Hughes und mit Schabfefretär Mellon vergangene Woche gehabt haben. m. dri begründet: diesen Schritt damit, daß die Natur der von den Ban- annehme: tiers geforderten Garanfien es 3wedmäßig erscheinen laffe,& lar. heit über die Räumungsfrage zu schaffen; außerdem hat er ausdrücklich dabei einfließen laffen, daß nach seiner Ansicht eine prin. sipielle Regelung dieser Frage geeignet jei, die Schwierigteilen, in die die Konferenz jeit einer Woche geraten ift, zu überwinden. Herriot und mit ihm Theunis, der zu den Beratungen zugezogen worden war, hatte im Ggenjah zu den Darstellungen der fran söfifchen Preffe, the Distuffion darüber feineswegs abge. lehnt. Beide haben lediglich die Bedingung daran geknüpft, daß, wenn schon die ursprünglich vereinbarte Beschränkung der Condoner Konferenz auf bestimmte Fragen aufgegeben werde, dies nicht einseitig, sondern auch zugunsten der Fragen der Sicherheit und der alliierten Schulden gefchehe, der n Regelung für Frant reich und Belgien die unerläßliche Gegenleistung für die militärische Räumung des Ruhrg biets darstelle, Diefer Stand. punkt ist von Macdonald im Prinzip anerkannt worden. Nach dem Matin" foll von englischer Seite die Zusicherung gegeben worden sein, daß, wenn Frankreich durch die von ihm verlangten Zugeständ niffe die Erledigung der Reparationsfrage in dem von der Konferenz gewünschten Sinne ermögliche, die Fragen der Sicher if und der intralfiierten Schulden in einer den französischen Interessen Rech nung tragenden Weise der Lösung entgegengeführt werden sollen. In der Aussprache, die fich naturg. mäß nur auf die großen Linien der verfchiedenen Probleme bezogen hat, habe Ramjan Macdonald die Einbringung eines von dem Entwurf des Völkerbunds abweichen. den wirksamen und die moralische Unterstühung Ameritas ver. bürgenten Garantievertrags auf der Herbsttagung des Böl ferbundes in Aussicht gestellt. In der Schuldenfrage habe er Vorfchläge gemacht, die darauf hinauslaufen, die franzöfifche Schuld an England um% oder nachzulassen und für den Rest einen Zahlungsaufschub von langjähriger Daur enzuräumen. Er habe darüber hinaus versichern zu tönnen erklärt, daß in diesem Falle auch 2 merita zu einem Abkommen mit Frankreich bereit sei, das auf die nahezu völlige Streichung feiner Schuld hinauslanje. Den Alliierten Englands sei zu verstehen gegeben worden, daß Den Alliierten Englands sei zu verstehen gegeben worden, daß nach der Durchführung des Dawes- Berichts und der erforderlichen Ausgabe der Anleihe amerikanische Kredite nicht nur für Deutschland, sondern auch für Frankreich und für andere Länder reichlich nach Europa fließen würden. Herriots Haltung gegenüber Deutschland sei durch die beiden hervorragenden Juristen Sir Cecil Surft und Fromageot voll unterstützt worden. Herriots Beschluß bezüglich der militärischen Räumung des Ruhrgebietes fei durch ein Schreiben Ramsay Macdonalds her vorgerufen worden, in dem legerer im Nanten der britischen Regie zung bei seinem französischen Kollegen in freundschaftlichster Weise anregie, daß der Augenblid gekommen sei, wo die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebietes aufgeworfen werden fönne, da es schwierig sein würde, sie noch zu rechtfertigen, wenn die wirt schaftliche Räumung beendet sein würde. Er nimmt an, daß Frankreich zu einer Bedingung der balbigen militärischen Räumung des Ruhrgebietes machen werde, daß Deutschland sich bereit erfläre, mit Frankreich einen Handelsvertrag abzuschließen, der den Erfordernissen der Industrie Frankreichs, vor allem ElsaßLothringens, vollauf genüge. IC Diese überraschende Erweiterung des Programms der Londoner Konferenz ist nicht nur von Herriot und Theunis angenommen worden; fie begegnet, wie aus den bisher vorliegenden Kommentaren der Pariser Preffe ersichtlich ist, auch in Frankreich felbft teinerlei grundfählicher O position. Sogar der„ Matin" erflärt, Das erfte oder politische Romitee trete mittags zusammen und die Borbedingung einer solchen Regelung sei von unabsehbarer die Franzosen hofften, daß angesichts der veränderten Lage die briTragweite, daß Herriot deffen sicher sein müffe, daß die parteipolitische tische Regierung bem früheren Protokoll über die Berzugs- und Opposition seiner Gegner endlich aufhöre, feinen Patriotismus Ganttionenfrage in der Theunis Formel endgültig und fein Berantwortungsgefühl in Frage zu stellen. Weiter zustimmen werde. Herriot werde aufrechterhalten, daß er insftellt das Blaff die Bedingung, daß Herriot sich nicht mit platonischen besondere angesichts des Bersprechens, das er dem französischen Zusicherungen von England und Amerika begnügen dürfe, fondern Barlement gegeben habe, biefes im Bersailler Bertrag enthaltene daß er in der Frage der Sicherheit und der Schulden von Coubon souveräne Recht Frankreichs nicht zu veräußern, nicht formell bestimmte Zugeftändnisse mit nach Haus: bringe. Darüber hinaus auf Frankreichs Ansprüche, eine unabhängige aflion in einem müffe es diretten Verhandlungen zwischen Deuff- äußersten Falle zu unternehmen, verzichten könne. Das bedeute, mie land, Frankreich und Belgien vorbehalten bleiben, die er- erflärt werde, nicht mehr als eine neue Geltendmachung eines forderlichen om penfationen für die militärische Räumung theoretischen Rechts. Es müsse abgewartet werden, as Ruhrgebiets, die das Blatt insbesondere in deutschen Zugeständ niffen bei dem bevorstehenden Abschluß eines Handelsserfrags fleht, zu erreichen. Weiterhin verlangt das Blatt, daß die deutsche Delegation zu den Berhandlungen in Condon erft zugezogen werde, wenn die Allierten sich über den gesamm Kompleg dieser neu aufgeworfenen Frage refilos verständigt hätten. Herriots mutiger Entschluß. Condon, 28. Juli.( W. T. B.) Der diplomatische Berichterstatter bes„ Daily Telegraph" schreibt, während des Wochenendes hätten fich die gesamten Aussichten der alliierten Konferenz in bemerfens werter und vollkommener. Weise geändert, was sowohl die materielle Bedeutung, als auch die moralischen Erfolgs- Aussichten erhöhe. Dies fei in hohem Maße auf den Beschluß Herriots zurückzuführen, die Drohung der nationalistischen Opposi tion in Paris unberüdsichtigt zu lassen. Herriot habe zu geftimmt: 1. daß die deutsche Regierung, falls die heutige Bollfonferenz bem zustimmt, eingeladen werden foll, ihre Delegierten un verzüglich nach London zu entfenden, und daß in den Hauptfragen, wie Maßnahmen zur wirtschaftlichen und finanziellen wieder: herstellung der Einheit Deutschlands oder mit anderen Worten der wirtschaftlichen Räumung des Ruhrgebiets die deutschen Delegierten das freie Recht der Erörterung mit den Alliierten über die geplanten Vereinbarungen genießen sollen; ob die Banfiers ihren Einwand gegen eine derarige Klausel ang fichts der Finanziellen Garantien, die Frankreich weiterhin bereit sei, ihnen anzubieten, zurüdjiehen werden. Für die britische Regierung fäme dann auch die Erwägung in Betracht, ob die Annahme dieser Klaufel bedeuten würde, daß der britische Rechtsstandpuntt, separate Attienen widersprächen dem Versailler Vertrag, fallen gelaffen werden solle. Wenn aber die Suftimmung der Bankiers nicht zu erlangen fei, würde die Erörterung einer solchen Formel fruchtlos fein. Die deutsche Abordnung nach London. Die deutsche Delegallon zur Londoner Konferenz wird, vorausgefeht, daß im Laufe des Montag die Einladung Deutschlands von der Belltonferenz befchloffen werden sollte, in einem Sonderzug voraussichtlich am Mittwoch morgen die Reise über Holland nach England antreten. Die bayerische Regierung wird innerhalb der trefen werden. Die Bertretung der badischen Regierung dürfte deutschen Delegation durch den Handelsminister v. Meinel verder badische Ministerpräsident Köhler selbst übernehmen. Auch die Reparationskommiffion nach London. Condon, 28. Juli.( WTB.)" Times" zufolge wird beabsichtigt, die Reparationstommiffion nach London zu berufen, um mit den Mitgliedern den Dames- Plan zu erörtern. Aller Wahrschein 2. baß die baldige militärische Räumung des Ruhr- lichkeit nach würden die Mitglieder der Reparationskommission gebiets, die auf die wirtschaftliche Räumung folgen foll, von den morgen oder spätestens Mittwoch vollzählig in Londo erscheinen. Die Anzeichen, daß die Frage der militärischen Räumung des alliierten Regierungen erwogen und von den Befehungsmächten Ruhrgebietes vieleicht auch ernstlich von dieser Konferenz behandelt merde, hätten eine gewiffe Beunruhigung in franzöfifchen Rieisen erzeugt. Macdonald habe Herriot vorgeschlagen, daß die militärische Räumung des Ruhrgebiets fpätestens innerhalb von sechs Monaten nach der Anwendung des Dawes- Planes vollendet sein soll. erörtert werden soll. Diefe zwei bedeutsamen Entscheidungen Herriots überschatteten augenblicklich die übrigen Fragen, mit denen sich die Konferenz befaffe, und sogar in gewissem Maße die Schwierigkeiten, bie bezüglich der Dawes- Anleihe entstanden seien. Es habe ein großes Maß Jod Der gefesselte Herriot. Bon einer bekannten Persönlichkeit, die mit dem franzöfifchen Ministerpräsidenten int ständiger Fühlung steht, hat der Soz. Parlamentsdienst" nachstehende Zuschrift erhalten. Ihr Zweck ist, die anläßlich der Haltung der franzöfifchen Delegation in London gehegten Zweifel an einem ernsthaften Willen zur Verftändigung zu beheben. Baris, 26. Juli. Die französische öffentliche Meinung ist durch den Verlauf der Londoner Konferenz in starfe Berwirrung geraten. Mährend die Rechte Herriot vorwirst, sämtliche starken Positionen Frankreichs aufzugeben, zeigt man auf der Linken immer größeres Erstaunen darüber, daß der Ministerpräsident ein neues Ziel mit alten verbrauchten Mitteln zu erreichen fucht. Denn daß Herriot nach wie vor dieses neue Ziel, die wirtliche Berständigung mit Deutschland, unverrüdbar im Auge hat, daran zweifeln die Linksparteien, den feltsamen Vorgängen in London zum Troz, auch heute noch nicht. Sie haben Gründe dafür, über die sich einstweilen nicht öffentlich reden läßt. Das erflärt die Zurüdhaltung, die sich die Linkspresfe, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, in ihren Kommentaren zu den Londoner Berhandlungen auferlegt. Man will in den sozialistischen und auch in der Mehrzahl der raditalen Kreise teineswegs, daß Herriot die sogenannte Aktionsfreiheit" Frankreichs zum Mittelpunkt der Diskussion macht, während man weiß, daß er fich nicht den geringsten allusionen hingibt über die prattische Sinnlosigkeit dieser Formeln und dieses Rechts". Da die ganze neue Politit doch darauf hinausläuft, durch die Erzielung einer Berständigung zuerst unter den Alliierten und dann zwischen den Santtionspolitit" für immer ein Ende" zu Allierten, Frankreich an der Spize, und Deutschland der machen, so betrachtet man in führenden politischen Kreisen hier die ganze Sanktions- und Aktionsfreiheit" Diskutiererei als ein Buchstabengemegel, das zwar Poincarés würdig gemesen wäre, aber in feiner Weise mit der Politit, die die neue Mehrheit zu machen entschlossen ist, identisch sein kann. Diese Ansicht tommt in vertrauten 3irfeln viel schärfer zum Ausdrud als in den Zeitungsartikeln, obwohl der" Temps"( Her bette), die Information und die Breffe der Linken, wie der Quotidien" und der Ere Nouvelle" bas ziemlich deutlich umschrieben haben. " " n Herriot hält sich durch seine Rede, die er vor der Abreise nach London im Genat hielt, gefeffelt. Obwohl er versucht hatte. allzu präzisen Fragen auszuweichen, hatte ihn Boincaré schließlich zu ber Erflärung veranlaßt, baß er an die Aktionsfreiheit" Frankreichs nicht tasten lassen würde, und dieses Verfprechen war es, das Poincaré zum Anlaß nahm, seine Freunde zu bitten, für das Ministerium zu stimmen in der feften und richtigen Annahme, daß sich der von parlamentarischen Strupeln schwer geplagte Herriot dann um so gebundener fühlen würde. Da die öffentliche Meinung nicht aufgetlärt ist über die wahre Bedeutung der sogenannten Aktionsfreiheit und die dem Nationalen Block Symbol aus ihr gemacht haben, fürchtet Herriot zweifellos, treugebliebenen großen Boulevardblätter eine Art von heiligem selbst in der Kommer auf hindernisse au stoßen, wenn er in dieser Frage weitere Bugeständnisse machen würde. Das ist um so tragischer, als Herriots ganze Gedankenrichtung jedem alleinigen Vorgehen Frankreichs in der Zufunft zuwider ift. Seine Stellung ist vom Standpunkt der franzöfifchen öffentlichen Meinung aus noch schwieriger geworden, seitdem die völlige Aufgabe selbst der theoretischen Attionsfreiheit zu einer Forderung der Finanzkreise geworden ist. Um das zu verstehen, muß man sich über den großen Unterschied flar sein, der in dieser Hinsicht zwischen Eng( and und Amerito auf der einen und Frankreich auf der anderen Seite besteht. Für die öffentliche Meinung in England und Amerita und bis zu einem gewissen Grade in Deutschland mag der Eingriff der Finanzleute am wirksamsten fein. Ganz anders wirkt er in Frankreich. Es war gegenüber der öffentlichen Meinung des Landes eine Stärfung Boincarés, daß er jederzeit das lebergreifen der finanziellen Interventionen auf das politische Gebiet laut und feierlich ablehnte, oft zur Berzweiflung gewisser zum Nationalen Block gehöriger Finanzfreise. Die französischen Sozialisten. die doch von jeher gefordert haben, daß man die wirtschaftliche und finanzielle Seite des Neparationsproblems in den Vordergrund rüden müsse, haben in diesem Punkte Poincaré nie Borwürfe machen können. Wenn es nun heute unter der Herrschaft der Linfen und des Kabinetts Herriot dazu käme, daß die Finanz die Führung an sich reißt, so würde das nicht material bieten, sondern es würde auch unter den zur Linken nur dem Nationalen Block billiges und wirksames Agitations gehörigen Massen eine gefährliche Reaktion erzeugen. Das haben übrigens französische Sozialisten in den letzten Tagen unverhohlen zum Ausdrud gebracht, und es ist anzunehmen, daß auch die englische Regierung davon unterrichtet worden ist. Daß es so weit tommen fonnte, daran ist die von Herriot eingeschlagene Taftit mit schuld. Darüber ist man sich hier klar. Eine starte Genugtuung empfindet man in den Kreisen der französischen Kammermehrheit darüber, daß Deutschland nun eingeladen wird nicht nur, um gefaßte Beschlüsse zu unterzeichnen, sondern um vorher in freier Diskussion seine Meinung zu äußern. Seit dem Beginn der Konferenz hatte die Agentur Havas Meldungen verbreitet, denen zufolge die franzöfifche Delegation fich gegen die Einladung Deutschlands wende. Das mag gestimmt haben, soweit gewiffe wichtige Mitarbeiter, die Herriot Leider mit nach Lonbon nahm, in Be Der Brotwucher beginnt. anftaltung verlief ohne den geringsten Zwischenfall. Ohne ufit, ohne Gesang, in düsterem Ernst, wie es gekommen wor zog das Arbeiterheer wieder ab. Wer ist der Fälscher? tracht fomment. Aber es war ficher von vornherein falsch, was den Ministerpräsidenten selbst betraf, der seinen Freunden gegenüber nie einen Zweifel darüber gelassen hat, daß die In Berlin find bisher die Bäckermeister mit ihren AbUltimatenperiode ein für allemal als abgeschloffen betrachtet fichten auf Brotpreiserhöhung nicht durchgedrungen. werden müsse. Man bedauert es aber gerade deshalb in Die fofortige Alarmierung der öffentlichen Meinung hat Sachverständigengutachten und Schuldfrage führenden linken Kreisen besonders, daß Herriot nicht zweifellos abfühlend auf die Gemüter gewirkt. Inzwischen versteht, wenigstens den moralischen Vorteil beginnt die Brotpreistreiberei aber im Reiche. Bon heute ab dieser neuen Stellungnahme zu wahren, sondern auch in it in Dresden der Preis für ein 1900 Gramm- Brot auf Die Deutsche Zeitung" fühlt sich genötigt, das von der Rechten diesen Fragen den Eindruck entstehen ließ, als ob er sich nur 54 Pf. erhöht. Das bedeutet eine Berteuerung des Brotes um wiederholt aufgebrachte Märchen wieder aufzuwärmen, das Sachdem 3wange füge. rund zehn Proz. Der Reichsernährungsminister Ranig, verständigengutachten enthalte eine neue Feststellung der Daß Herriot alles daran jetzt, seinen Gegnern vom der den Gewerkschaften versicherte, die Einführung des Schuß- Schuld Deutschlands am Weltfriege. Die ganz allgemein verständ Rationalen Block das Spiel möglichst zu erschweren, ist selbst- zolles würde feine Berteuerung des Brotes bedeuten, wird liche und objektive Sachdarstellung der Grundzüge des Sachvers ständigengutachtens, die der Ministerialrat Dr. Saengsich el fürz verständlich. Aber man hat die Empfindung, daß er durch schnell genug Lügen gestraft. Leider muß man befürchten, lich als Flugschrift im Ulstein- Dienst erscheinen ließ, hat es der die Nachahmung einer aus der Poincaréschen Beriode stam- daß es nicht nur bei Dresden bleibt, sondern das andere Deutschen Zeitung" besonders angetan. Sie fürchtet von dieser Dar menden Taktif, die mit seiner eigenen Ueberzeugung nichts Städte und Gemeinden folgen werden, und daß auch in Berlin ftellung eine Berfeuchung" der Deffentlichkeit, wenn es einmal zume zu tun hat, nur das Gegenteil erreichte. Im übrigen hat man die Brottreiberei beginnt. Um so energischer muß der Wider- Boltsentscheid über den Sachverständigenplan fommen sollte und hier die Hoffnung feineswegs aufgegeben, daß der franzöft and gegen die Schuzzollpläne des Bürgerblods organisiert wirft dem Berfasser eine Berfchleierung der Wahrheit durch Ber fische Ministerpräsident noch während der Londoner werden, denn wenn diese Preissteigerungen schon ohne Schutz- fchweigen der erneuten Schuldfeststellung der Sachverständigen vor. Wie steht es nun mit dieser angeblichen neuen Feststellung unserer Ronferenz unter voller Wahrung der französischen Repa- zoll einfegen, wie werden sie erst zur Geltung tommen, wenn rationsintereffen Gelegenheit finden wird, um den das Ideal der Junker erreicht ist, wenn der deutsche Getreide- Schuld am Kriege? Die Wahrheit ist, daß davon in dem ganzen Gutachten nichts zu finden ist und daß es sich hier um eine Wechsel, der am 11. Mai in Frankreich eintrat, preis den Weltmarktpreis noch um die Schuzzollfäße über- offenbare Berfälschung des Gutachtens durch die flar und unzweideutig zum Ausdruck zu bringen. steigt. Noch ist es möglich, die Pläne des Bürgerblods zu Deutsche Zeitung" handelt. Der betreffende Saz der Sachverhindern, wenn der Widerstand der Bevölkerung von allen verständigen, auf den die„ Deutsche Zeitung" abzielt, heißt wörtlich: Seifen energisch einsetzt. Senat und Kammer werden am Dienstag zusammentreten. Herriot, auf deffen Rücktritt man in gewissen Kreisen gezählt hat, wird in London bleiben. Das ist am Freitag endgültig beschlossen worden. Die Kammer wird einstweilen eine Reihe innerer Fragen( provisorisches Budget, Achtstundentag im Eisenbahnwesen usw.) diskutieren und sich, wenn die Konferenz andauert, vertagen bis zur Rückkehr Herriots. Bon der Absicht, eine Regierungserklärung zum gegenwärtigen Stande der Londoner Verhandlungen abzugeben, ist man wieder abgekommen. Im Senat scheint man dagegen ein Manövergegen Herriot vorzubereiten. Der Präsident der Senatskommission für die auswärtigen Angelegenheiten hat die Kommission einberufen und die Londoner Konferenz auf die Tagesordnung gefeht. Poincaré soll beabsichtigen, Richtlinien" annehmen zu lassen, die dem Ministerpräsidenten nach London übermittelt werden sollen. Das wäre in anderer Form der Streich, den man Briand während der Konferenz von Cannes gespielt hat, nur daß damals die Senatsfommission fich auf die der Rammer verlaffen tonnte, während jezt die Zusammenfegung der Kammerfommission dafür bürgt, daß diese sich zu feinen Ronspirationen gegen Herriot her geben wird. Die beginnende Woche wird für den endgültigen Berlauf der Konferenz entscheidend sein. Troß der fritischen Zuspigung der Berhandlungen bemüht man sich in den französischen Kreisen, ruhig Blut zu bewahren. Soweit eine Einwirtung von Paris aus auf die französische Delegation stattfindet, geschieht das im Sinne der Verständigung, allen immer wieder neu auftauchenden Hindernissen zum Trok. Die Interpellationen an Herriot. Der Zehnjahrestag. " Es ist zudem feine gewöhnliche Schuld, mit der wir uns befassen, denn Deutschland hat keine nennenswerten Verwüstungen erlitten und an erster Stelle steht seine moralische Bera pflichtung denen gegenüber, die so schwer durch den Krieg gelitten haben." Gestern, am 27. Juli, waren es zehn Jahre, seitdem die Machthaber Desterreich- Ungarns den Krieg angefangen haben. Inwiefern hierin eine neue Aufrollung der Schuldfrage und Den Krieg gegen Serbien und um die Erhaltung des Habs eine Fessehung der deutschen Schuld am Kriege zu erbliden ist, wird burgerreiches. Sollten sie und ihre Verbündeten sich nicht für ewig Geheimnis der Deutschen Zeitung" bleiben. Die bewußt gewesen sein, daß die Kriegserklärung der Scheingroß Schuld", von der die Rede ist, ist dieselbe, von der die Sachmacht an den Kleinstaat bei dem System der zwei feindlichen verständigen vier Zeilen vorher sprechen, wo fie fich mit den prof Bündnisse den Weltkrieg bedeute, so war schon diese faum dent Hischen Mitteln zur Einziehung dieser Schuld" befaffen. Es ist bare Torheit bei verantwortlichen Staatslentern wie bei mirtlich fühn, diese Reparationsschuld, über deren Ein Gottesgnadenträgern ein Verbrechen. Darum mißt die Sozial- ziehung das Gutachten handelt, in die Schulb Deutschlands demokratie dem damaligen f. u. t. Außenminister Berchtold am Kriege umzufälschen. Wenn die Sachverständigen mit der und dem damaligen f. u. f. Generalstabschef Conrad Begründung, daß Deutschland feine nennenswerten Berwüftungen erlitten hätte, eine moralische Verpflichtung Deutschlands benen Höhendorf erhebliche Mitschuld am Kriegsausbruch zu gegenüber, b die so schmer durch den Krieg gelitten haben, festa Haben sie nur" den Präventivfrieg gemagt, ben die Böller zustellen versucht, so ift dies gerade das Gegenteil einer Aufe mit einem Meer von Blut und Leiden bezahlen mußten und rollung der Schuldfrage, nämlich der Versuch, Deutschlands Ver noch müssen, so hat auch er fehlgeschlagen- und wie!, denn pflichtungen lediglich auf die Grundsätze der Menschlichkeit das mußte er. An der Stelle des Habsburgerreiches fehen und des gemeinsamen Berbundenfeins aller Kulturvölfer bei der wir heute eine Anzahl Nachfolgestaaten- Nationalitäten Heilung der ihnen durch den Weltkrieg zugefügten Schäden zu staaten auch sie, wie das alte Reich, das eben an diesem fügen. Daß die Deutsche Zeitung" den Wortlaut der oben wieder Charakter mit zugrunde ging. Und gerade die beiden Racht begreiflich, da sonst selbst ihren Lesern ein Licht über diese plumpe Rach- gegebenen Feststellung der Sachverständigen ihren Befern vorenthält, folgeftaaten mit national oder sprachlich reinem Charakter, Fälschung aufgehen tönnie, Deutschösterreich und Ungarn, sind von allen Unterlegenen des Weltkrieges weitaus am schändlichsten behandelt worden. Hat man doch den Deutschösterreichern verboten, was man als oberstes Recht der Tschechen, Polen, Südflamen, Rumänen pro flamierte die freie Bereinigung mit ihren Brüdern im übrigen Deutschland; hat man Deutschösterreich doch sogar den freigewählten Namen geraubt und ihm den Namen des alten Kaiserreiches eingebrannt. Der Nationalitätenstaat der Tschechoslowaten hat anläßlich des gestrigen Gedenktages feine Vorfämpfer gegen Desterreich gefeiert die Hochverräter von gestern, die heute Schutzgeseze gegen Hochverrat ihrer Minderheitsvölker machen, während die Nationalitätenfrage ebenso ungelöst ist wie im alfen Reich. Der Achtstundentag. Aufruf des Internationalen Metallarbeiterkongreffes. Wien, 27. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In der Sonntage nachmittag- Sigung des Internationalen Metallarbeitertongreffes era statteten die Vertreter der verschiedenen Länder Berichte über den Achtstundentag. Es sprachen Brownie für England, Labe für Frant reich, Dißmann für Deutschland, Kaufmann für die Tschechoslowakei, Teller für Polen. Darauf wurde eine Entschließung angenommen, in der der Kongress die Metallarbeiter aller Länder aufruft, den Verfuchen einer geschloffenen Kapitaliftenfront, den Achtstunden. tag zu durchlöchern oder zu beseifigen, mit aller Entschiedenheit, eventuell mit den äußersten Mitteln, entgegenzutreten, in dem Bewußtsein, mit diefem Abwehrkampf die Sache des Gesamtprofetariats zu verteidigen. In diesem Kampf wird jeder tamp fenden Gruppe die vollste Solidarität der Metallarbeiter. Internationale zugesichert. Der Kongres fordert die Mitglieder auf, in allen Candern ihren ganzen Einfluß für eine rasche Ratifizierung des Washingtoner Abkommens geltend zu machen, ohne zu übersehen, daß in erster Linie die proletarische Selbsthilfe den Achtstundentag zu sichern vermag. Paris, 27. Juli.( Eigener Bericht.) Die Unzufriedenheit über Herriots Zauderpolitit, die in den Kreisen der Linten von Tag zu Tag zunimmt, hat ihren Niederschlag in zwei Interpellationen ge funden, die Leon Blum für die Sozialisten und Margaine für die Rabitalsozialisten über die Londoner Konferenz eingebracht haben. Gine dritte Interpellation hat der Kommunist Cachin an gefündigt. Auch in der Linkspreffe findet das Befremben über Herriots Taftit neuerdings fehr unzweideutigen Ausdrud. So fchreibt am Sonntag die Ere Nouvelle", ber republikanischen Kreise In allen Nachfolgeftaaten aber demonstrierte die Sozialbemächtige fich angesichts der Entwicklung in London eine von Tag demokratie in mächtigen Rundgebungen gegen die Mächte des zu Tag zunehmende Beunruhigung. Die Mehrheit, die am 11. Mai alten Krieges und gegen jeden neuen. gegen die Politit Poincarés gestimmt habe, nehme mit wachsenden Gewaltig, wie alle profeterischen Rundgebungen in Erstaunen wahr, daß der Schatten Poincarés auf den Ver- Wien, war auch der gestrige Aufmarsch in dieser am stärt handlungen der Konferenz liege und sie mehr und mehr zu verdun- ften sozialdemokratischen Großstadt des Erdenrunds. Unser teln scheine. Aus falscher Rücksicht habe Herriot offenbar einen Biener Korrespondent meldet darüber: Am Sonntagvormittag brüsten Bruch mit der Politik seines Vorgängers vermeiden fand vor dem Wiener Rathaus eine gewaltige„ te- wieber wollen. Herriot laufe aber neuerdings Gefahr, daß Opfer dieser Lattik zu werden. Denn er habe sich selbst in ein Dilemma hinein- Krieg"-Rundgebung der Sozialdemokratischen Partei statt, an gebracht, so daß es nur eine 26jung gebe. Er müsse sich entscheiden der fich über 100 000 Menschen beteiligten. Von 22 Tribünen Zwei tschechische fozialdemokratische Minifter, die Genoffer zwischen der Möglichkeit, die deutsche Schuld flüssig machen zu helfen Sprachen insgesamt 42 Redner, darunter mehrere zum Interenje( Unterricht) unb Sabrman( Sozialpolitik) find durch und dann den Berzicht auf politische und militärische Sanktionen zum nationalen Metallarbeiterkongreß in Wien weilende Aus Krankheit gezwungen, von diesen Stellen zurüdzutreten und werden Ausdruck zu bringen, oder aber der Handlungsfreiheit, die jede Aus- länder. Bon reichsdeutschen Parteigenossen sprachen Robert durch die Genossen Dr. Martovitih( jezt Minister für die ficht auf Reparationszahlungen illuforisch mache. Digmann und Toni Sender. Die eindrudsvolle Ber- Slowakei) und Abg. Dr. Les inter ersetzt. Ferruccio Busoni. Ferruccio Busoni ist an den Folgen eines Schlaganfalls geftorben. Wer ihn einmal am Flügel gesehen hat, wer Zeuge feines durch geistigten und doch so virtuosen Spiels gewesen ist, der könnte denken, Busoni sei der größte Schüler Liszts gewesen. Er war es nicht, aber er war als Pianist von Weltruf fein Nachfolger. Er gehörte zu den wenigen Auserforenen, die das Werk eines Großen durch das Filter feiner eigenen Persönlichkeit hindurchpressen dürfen, ohne pietätlos, zu wirken. Er gehörte zu denen, die eigenen Stil hatten und, Kind ihrer Zeit, selbst Bach und Mozart gegenüber eine Auslegung ris tieren durften, die Zünftigen ein Greuel, modernen Ohren eine Erquidung war. Was er interpretierte, war fein Erlebnis, fein Eigen tum geworden. Er verband klassische Form mit modernem Empfinden, immer von hoher fünstlerischer Warte aus. Ein eigener, ein ftarrsinniger und doch ein großer Boet, ein überragender Künstler. Ein Wille, eine Tendenz, ein Drang zur Großartigkeit und zu spezia listischer Färbung war in seinem Spiel, ja auch etwas Philologie, mindestens lag eine ausgearbeitete Dialettit meisternd im Phrasieren, Binden, im Renntlichmachen von Bäffen, wesentlichen Mittelſtimmen, Der Augenblick schuf Farbe von unnachahmlicher Schillerung, brachte Klänge von ätherischer Goldheit und Holdheit. Der Mann mit dem priesterhaften Kopf, den hinter die Welt schauenden Augen, mit den ernften Mienen schien gleichgültig auf die Menschen zu bliden, gefeffelt von Ideen, gebändigt und getrieben von Erotik und von einem Dämon in ihm selber. 511 " lebte, dafür zeugen auch seine eigenen Klaviertompofitionen, nicht gulegt feine ewig neu bearbeitete, ewig unvollendete, in gotischer Reinheit und Genüge aufragende Phantasia contrapunctiffima". Auch sonst blieb er in Anlehnung an andere Meister( Mozart, Chopin, Beethoven) selbsteigen, schöpferisch, modern. Brautwahl Turandot"," Arlechino" gingen erfolgreich über die Bühne. Auch Sein hier fuchte er im alten Stil neue Bahnen zu wandeln. Größtes sollte die Mufit zu Fauft werden, deffen Tegt er felber schrieb. Teile daraus find befannt geworden, Der Reigen der Geifter" und" Sarabande et Cortége", astetische, transzendentale, reine Mufif eines weise Gewordenen, der vom Experiment lostam und seine eigene, noch unverstandene Sprache fand. So wird Bufoni, der große Anreger in Schrift und ert, noch in der Musikwelt Geltung behalten, wenn vieles, was sich jest als übermodern spreizt, abgeworfen ist; denn er nahm vieles an Klang, Koloriftit, Formgefehen vorweg, was wahrscheinlich spätere Jahrzehnte als gegenwärtig empfinden werden. Als anfeuernde, an Renntnis und Ethos überreiche Persönlichkeit, als Mensch und Meister des Flügels hat er vollends Ewigkeitsbedeutung. Rurt Singer. " 17 " 19 ist an den Lyzeen und Colleges die große Schulreform jezt durch Deutsche Lektüre an den franzöfifchen Schulen. In Frankreich geführt. Gelegentlich einer Besprechung, die Studiendirektor Franz Laue in der Zeitschrift„ Die deutsche Schule im Ausland" den neuen französischen Lehrplänen widmet, macht er auch nähere Mitteilungen über den Lesestoff des deutschen Unterrichts in Frankreich. Danach Eine Persönlichkeit, ein Mensch in Goetheschem Sinn. So zog werden in IV und III Märchen von Grimm, Bechstein, Hauff geer Künſtler an, denen das ori, fein Zuspruch, sein Rat zur Richt- lesen, daneben Auszüge aus Novellen und Romanen von Hoffmann, schnur ihres Wollens und Strebens wurde. Seit Liszt thronte ſo Eichendorff, Chamisso, Mörife, Freytag, Storm, der Ebner- Eichen tein Musiker auf hohem Sig. Gunst galt ihn wenig, haß und bach, Keller, Milbenbruch und Spitteler, in II Minna von BarnFeindschaft gar nichts. Italienisches und deutsches Blut floß in feinen helm", Hermann und Dorothea nebst Auszügen aus Berther", Adern. Als Kunit galt ihm nicht nur Mufit; ungeteilt strebte sein der„ Italienischen Reise“ und„ Tell". In I fiehen phigenie". Wesen einer Allkunft zu. Ganz früh schon schwur er auf den Sieg Egmont"," Tasso"," Göz", Wallenstein", die Jungfrau", der der Futuristen, ganz früh begründete er eine neue Aesthetit der Prinz von Homburg", dazu eine Auswahl aus den Dramen und Musit, erkannte er den Wert der Vierteltöne, experimentierte er mit Romanen des 19. und 20. Jahrhunderts, besonders aus Fontane, neuen Bildungen der Harmonit und des Orchestercholorits. Ein C. F. Meyer, Sudermann, Hauptmann, Hofmannsthal, Liliencron, Grübler, eine Faustnatur, einer mit dem Blick in unbebautes Thomas Mann, Johanns Schlaf, Frenssen, Clara Biebig, Hermann Land. In den neunziger Jahren Stand er wohl als Hesse auf dem Programm. Für die nach Philosophie und MatheWortführer ber Modernen in Berlin vereinzelt da. matit gegabelfen Gipfeltlassen sind Auszüge aus Lessings fritischen In ihm verkörperte sich wie in einem lebenden Symbol der Runit Werfen, aus„ Dichtung und Wahrheit"," Fauft I", der Kampagne fortschritt. Auch wer anderer Meinung war, beugte fich fein in Frankreich" und Heines Broja vorgeschrieben. Da dem deutschen autoritativen Urteil, feiner von propagierender Kraft erfüllten Tat. Unterricht in den Gipfelflaffen nur zwei, fonit vier Stunden ein Benn Busoni ohne Brätension, ohne Umschweife fein Urteil über geräumt sind, kann das Rennenlernen dieser Schriftsteller freilich nur einen Musiker abgab, oder gar wenn er ihn in den Streis seiner sehr fursorisch erfolgen. Immerhin ist im Bergleich mit dem fran Schüler aufnahm, dann durfte man gewiß sein, daß ein Wert inzöfifchen und englischen Unterricht an deutschen Schulen die starke dem Erwählten lag. Daß sich manche feiner Schüler auch die höchft Berücksichtigung moderner Autoren bemerkenswert. persönlichen Ausdrudsbewegungen des Meisters zu eigen machten, war nur die Schuld seiner anziehenden und höchst suggestiven Berfönlichteit. As Komponist blieb er problematisch Ein Leben lang tämpfte er um die Bollendung in Form und Ausdrud, Seine Bach Ausgabe i Bamais dafür, ie start in Sachscher Belt Die Temperatur des Weltraumes. Die beiden englischen Physiker Lindemann und Dobfon von der Universität Orford treten feeben mit einer überraschenden Hypothese über die atmosphärischen Berhältnisse in den höchsten Luftschichten an die Deffentlichkeit. Die englisches hyfiter haber ihre Untersuchungen die Ergebnisse der Sternschnuppenbeobachtungen zugrunde gelegt. Durch eingehende Beobachtung der an verschiedenen Orten niedergegangenen Mercere und durch die Berechnung ihrer Flugbahn hat man ziemlich genau deren Höhe feststellen tönnen. Man hat dabei gefunden, daß diefe Meteore, die Trümmer von Sternförpern sind, die den Weltraum durchfliegen und sich beim Bassieren unserer Atmosphäre erhitzen, durchschnittlich in einer mittleren Höhe von 90 bis 150 Rilometer er fcheinen. Ihre Schnelligkeit in der Luft schwankt zwischen 10 und 150 Kilometer in der Setunde, und ihre Leuchtkraft, die oft nur die eines Sternes 7. Größe ist, erreicht zumeilen diejenige des Bollmondes. Unter Berücksichtigung des Grades der Erhizung, der nötig ist, um uns die Meteore fichtbar zu machen, find die beiden englischen For scher zu folgenden Ergebnissen gelangt: Der Luftdrud ist, in größeren Höhen feineswegs so niedrig, wie man bisher geglaubt hat. Man hatte mit Hilfe von Registrierballons festgestellt, daß in 150 Kilometer Höhe der atmosphärische Drud nur sotaufendstel des Luftdruces an der Erdoberfläche beträgt. Lindemann und Dobson fanden dagegen, daß er in Wahrheit über tausendmal größer ist. In bezug auf die Temperatur ist das von den Engländern mitgeteilte Ergebnis noch überraschender. Bisher glaubte man, daß die Temperatur um so mehr finft, je höher man hinauftommt. Die beiden fie dafür in 50 Rilometer Höhe auf 27 Grad Bärme steigt, daß also englischen Gelehrten behaupten indeffen, daß, wenn die Temperatur in der Höhe von etwa 12 Kilometer auf 50 Grad unter Null fintt, in dieser Höhe die Temperatur des Beltraumes der eines schönen Sommertages auf der Erde entspricht... Widerspruch zu allen bisherigen Berechnungen stehen, werden nicht Diese überraschenden Berechnungen, die in so unüberbrüdbarem verfehlen, unter Phyfitern und Astronomen einen lebhaften Mei. nungsaustausch herbeizuführen. Siegfried Jacobjohn gehört nicht der Zeitgeschichte an. Ein für die Breffe intereffanter Rechtsstreit beschäftigte den 6. Zivilfenat des Rammergerichts. Der Herausgeber der Weltbühne", Siegfried Jacobsohn, hatte beim Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen das syndikalistische Organ Die Attion" erwirkt, wonach der letzteren verboten wird, Jacob'ohns Photographie in ihren Blättern zu ver öffentlichen. Auf eine Beschwerde der Attion", die damit begründet wurde, daß Siegfried Jacobjohn der Zeitgeschichte angehöre und des halb nah den gesetzlichen Bestimmungen auch ohne Erlaubnis photo graphiert werden dürfe, hob das Landgericht diese einstweilige Ber fügung wieder auf. Dagegen hatte der Herausgeber der Weltbühne" wiederum Berufung eingelegt. In der Berufungsverhandlung vor dem Kammergericht bestritt Jacobsohn, daß er der Zeitgeschichte an gehöre, während der Bertreter der Gegenfeite, Juftizrat Dr. Broh, barauf hinwies, daß jeder der Zeitgeschichte angehöe, der sich in die Deffentlichkeit stelle, diese beschäftige oder zu beeinfluffen fuche. Das Rammergericht ftellte sich jedoch auf den Etandpuntt, daß ein Bublizist wie Siegfried Jacobsohn nicht ber Beitgeschichte angehöre und hab das Landgerichtsurteil auf, so daß es bei der einstweiligen Berfügung gegen die„, 2ftion" bleibt. Prof. Erich Bernefer, der Bertreter ber flawischen Philologie an der Münchener Univerfitat, hat das Angebot des flawischen Lehrstuhls bet Unisersität Berlin abgelebst Die Aufwertungsfrage. Ablehnende Stellung des Großhandels, der Kredit- und der Hypothekenbanken. Der Aufwertungsausschuß des Reichstags fette am Montag bie Bernehmung der Sachverständigen fort. Für den Großhandel Sprach Geheimrat Ravené( Deutschnational). Er betonte, daß seine Auffassung sich durchaus mit der von Herrn Frowein( Reichsverband der deutschen Industrie) vorgetragenen dede. Jetzt fäme eine Aufwertung viel zu spät. Durch die allgemeine Berschiebung der Werte sei es unmöglich, die Aufwertung gerecht vorzunehmen. Unmöglich sei es, die öffentlichen Anleihen aufzuwerten. Bei den Brivaten sei es ebenso schwierig. Das Betriebskapital des Großhandels ist vernichtet. Es unterlag ebenfalls der Entwertung und fann auch nicht aufgewertet werden. Miele Unternehmungen des Großhandels find gegenwärtig nicht imftande, ihren Cohnverpflich. Großhandels find gegenwärtig nicht imftande, ihren Cohnverpflich. tungen nachzukommen. Insbesondere der Getreidegroß. handel habe ungeheure Summen an Betriebsfapital verloren. Zu elledem komme die Belastung durch die Industrieobligationen. Falls feine Kredite vom Auslande auf lange Sicht gegeben werden, ist der Zusammenbruch der Wirtschaft unvermeidlich. Die Wirtschaft braucht endlich Sicherheit. Man folle daher von neuen gejehlichen Eingriffen abfehen. Auf eine Frage des Abg. Dr. Reichert( Dnat.) fügte Ravené hinzu, mit der britten Steuernotverordnung habe die Wirtschaft sich abgefuriden. Die Erlangung ausländischer Kredite fei vor allen Dingen abhängig davon, daß jetzt das Gefühl der Sicherheit der geschaffenen Berhältnisse nicht wieder enttäuscht werde. Das Ausland stelle bei der Gewährung von Kredit nicht moralische Erwägungen an, sondern frage nur, was hat Deutschland, welche Sicherheit und welche Ertragsfähigkeit bietet seine wirtschaft. Rechtsanwalt v. Karger als Bertreter des Zentralverbandes der Banten schließt fich ebenfalls den Ausführungen von Fromein on. Die Banten haben ganz besonders unter der Geldentwertung gelitten. Ihre Geldanlagen haben sich entwertet. Die dritte Steuernoiser ordnung ist zwar nicht ideal, aber die Wirtschaft hat sich mit ihr ab gefunden. Uns würde jedoch grauen, wenn daran etwas geändert wird und ein ueuer unerhörter unprobuftiver Aufwand aufgeboten werden würde. Für die Hypothefenbanten äußerte fich Geheimraf Schwarz. Einzelheiten aus der britten Steuernotverordnung hätten anders sein fönnen. Die Wirtschaft hat sich aber mit den durch she gefchaffenen Tatsachen abgefunden. In den fünfeinhalb Monalen des Bestehens der dritten Steuernotverordnung hat sich langjam eine gefunde Abwicklung des Berhältniffes zwischen Schuldern und Gläubigern angebahnt. Erst nach Einsegung des Aufwertungsaus schusses trat eine Stodung in dieser Entwicklung ein. Der Grund besig begrüßte in der dritten Steuernotverordnung festen Boden. Go lange Unsicherheit besteht, fam er nicht über seinen Befik verfügen, ist auch fein Realkredit zu erlangen. weil der Kreditgeber nicht meiß, welche Schulben auf dem Befiz find. Bir Bertreter der Bir Vertreter der Hypothefenbanten find ein hellig der Meinung: Die dritte Steuernotverordnung ist ein wesentlicher Schritt zur Sanierung unserer Berhältnisse. Wir bitten, daran nichts zu ändern. Der inländische wie der ausländische Kredit ift von der Stabilität der Gefehgebung abhängig. Um die Elektrizitätstarife. Die Neuregelung des Tarifs der Städtischen Elektrizitätswerte, die am 1. April d. J. eingeführt wurde, hat in manchen Kreisen lebhafte Angriffe erfahren. Die eingeführte Grindgebühr wurde namentlich in Rreifen des besseren Mittelstandes deswegen für ungerecht erflärt, weil diefe Grundgebühr sehr häufig auf einen zu Sm Mittelstand sind sehr großen Zähler zugeschnitten war. häufig noch Wohnungen mit großen elektrischen Anlagen vorhanden, die entweder nicht ausgenugt werden oder auch nicht ausgenugt werden fönnen. Die Stadtverordnetenversammlung hat, um diesen Rlagen entgegenzufommen, feinerzeit einen sozialdemokratischen An trag angenommen, der von der Direttion eine forgfältige Nachprüfung der Beranlagung der Grundgebühr verlangt. Etwas spät hat sich die Direktion der Städtischen Elektrizitätswerte jetzt veranlaßt ge ſehen, diesen Wünschen der Stadtverordnetenversammlung dadurch Festsetzung der monatlichen Grundgebühr in mehreren Bunkien zu Rechnung zu tragen, daß fie die Richtlinien der erte zur gunsten der Verbraucher geändert hat. Die Aenderungen bestehen im wesentlichen im folgenden: Leere Fassungen sind bei der Gesamtaufnahme des Anschlußwertes nicht mitzu zählen, Anschlußdosen nur insoweit, als hierfür bewegliche Stromverbraucher vorhanden sind. Koch, Heizapparate und del, soweit sie nicht die Aufstellung eines Zählers größeren Meßbereichs bedingen, find bezüglich der Grundgebühr nicht nach der auf ihnen angegebenen Watt zahl, sondern wie Glühlampen( 24 Watt) zu bewerten. Für größere ohnungsanlagen mit Anschlußwerten erheblicheren Umfangs ift auf Antrag mit den Abnehmern ein bestimmter, marimal gleichzeitig in Gebrauch zu nehmender Anschlußwert zu vereinbaren und hierfür ein Zähler aufzustellen, dessen Meßbereich fich tunlichst den im Tarif feftgelegten Berechnungsstufen anpaßt. # Hoffentlich bleibt es nicht nur bei diesen Bestimmungen und der dadurch ermöglichten Herabsehung der Grundgebühr in vielen Fällen. Es ist unbedingt notwendig und wirtschaftlich durchaus möglich, daß auch der eigentliche Elettrizitätstarif, der zurzeit 18 Pf. für das Rilowatt beträgt, weiter heruntergefekt wird. Die Städtischen Elektrizitätswerte haben die Berpflichung, ihren Tarif o niedrig wie möglich zu halten, benn sie beeinflussen dadurch die Broduktionstoften des größten Teils der Berliner Industrie, des Handels und Gewerbes. Eine Herablegung des Stromtarifs ist mirt schaftlich bei der Entwicklung, die die Berte genommen haben, durchaus möglich. Sie sollte deswegen schleunigft durchgefühet werden. Kreisleitertag der Arbeiterfamariter. Der Bundesausschuß und die Kreisleiter des Urbeiter Samariter- Bundes aus allen Teilen des Reiches traten in den Musikerfälen am Sonnabend und Sonntag zu einer Rreis. leiterfonferenz zufammen. Ferner Der Gefchäftsbericht des Bundesvorsitzenden Rresh mer bemies, daß fich der AGB. troh Inflation und Arbeitslofig. feit gut gehalten hat. Der Bund stellt heute eine machtvolle Organifation dar und zählt gegenmärtig 36 000 Mitglieder mit einem Teil in der Haustrantenpflege tätig. Sie find bestrebt, möglichst allen Rolonnenbeftand von 650. Die Rolonnen sind zu einem großen Schichten der Bevölkerung in gesundheitlichen Fragen beizustehen. Außerdem hat der Bund Bertreter in den Krantenfaffen, Berfiche tommunistisch eingestellten Mitglieder eine Berſplitterung nicht er rungs- und Wohlfahrtsämtern. Leider blieb dem Burd durch die ( part. Diese Außenseiter fonnten jedoch größeren Schaden nicht anrichten, weil die gefunden Clemente im AGB. weit überwiegen. Die Herren vom Proletarischen Gesundheitsdienst bewiesex aber An die Darlegungen des Geheimrats Schwarz fnüpft sich eine durch ihr Auftreten, daß fie gar nicht den ernsten Billen haben, überaus interessante Fragestellung. Unter anderem fragt der Ab- für eine Berschmelzung mit dem ASB. einzutreten. Einstimmig nahm der Kongreß folgende Resolution an: Nachdem Bundesvor. geordnete Düringer( D. Bp.), wieso Geheimrat Schwarz feine stand und Bundesausschus in genügender Form versucht haben, den Meinung fo wesentlich geändert habe und ob er eine Bujammenschluß des ASB. mit dem BGD. herbeizuführen und die Sypothetensperre für zwedmäßig halte. Geheimrat Schwarz Arbeit infolge der böswilligen Taftit des PGD. bisher negativ verentworter: Die bestehende Goldwertbelastung des Grundbefizes belief, erachten wir es für überflüssig, sich weiter mit dieser Frage zu trage noch 6 Milliarden Goldmart, die Belastung nach der dritten beschäftigen. Die Kreisleiterfonferenz erwartet som Bundesvorstand, Steuernotverordnung also etwa eine Milliarde Goldmart. Der inlän- daß alle Berhandlungen und Thematas möglichst vermieden werden, dische Realkredit ist sehr eingeschränkt. Er setzt anlagefuchendes damit wir uns fruchtbringender Arbeit widmen fönnen. wurde der Bundesvorstand beauftragt, für das Zusammenwirten Rapital voraus. Die Rapitalbildung geht aber fehr langfam vor wärts. Vor dem Kriege fetten die Hypothekenbanken für etwa auszugeben. Der Raffenbericht des Koffierers zeigt eine er mit dem Zungenfranten und Tuberkuloseverband Richtlinien her 400 Millionen Goldmart jährlich Pfandbriefe ab, jezt höchstens für freuliche Ueberwindung der finanziellen Strife. In der Zeit vom 20 Millionen. Eine Aenderung der britten Steuernoterordnung 1. Januar bis zum 30. Juni 1924 wurden 65 917 m. eingenommen wird Monate und Jahre erfordern, diese Unsicherheit wäre für die amb 62 724 m. ausgegeben. Es ist ein leberichuß von ca. 3200 m. Wirtschaft sehr gefährlich. Zur Frage des Abg. Düringer be zu verzeichnen. Mehrere Stunden nahmen die Beratungen der Sta merit er: tuten in Anspruch. In der regen Aussprache wurden, die Mängel der alten Saguneen fargelegt und die Umstellung des Bundes in eine Zentralorganiſation ausführlich begründet. Der Bundesbeitrag beträgt monatlich 30 Bf. Ein Drittel ist an die Kreife arozentual abzuführen. Die Sterbeunterstützung beträgt nach einem Jahr mit siebichaft 20 M., nach 3 Jahren 30 M., nach 5 Jahren 40 M. für jedes weitere Jahr kommt ein Zuschlag von 10 M. bis zur Höchft fumme von 100 m. Retsschuß und Unfallsflicht wird vom Burde selbst eingeführt. Ein Witrag, der die Einstellung eines technischen Beilers fordert, wurde angenommen. In Sachen ber Internationalen Arbeiterhilfe murde ferner der Beschluß gefaßt, daß der AGB. jede Zusammenarbeit mit der 325. abzulehnen hat. Bum Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" nahin bie Tagung folgende Stellung ein: Da der Bund politisch neutral bleiben will, lehnt er es ab, sich am Reichsbanner zu beteiligen. Da der ASB. auf dem Boden der Republik steht, stellt er sich bei Anforderungen zu Versammlungen, Demonftrationen stets zur Ber fügung." Schließlich wurde noch eine Entschließung engenommen, bie sich gegen die eigenartige Stellungnahme des Ministeriums des Innern in bezug auf Anerkennung des Arbeiter Sama: riter- Bundes als dem Rotes Kreuz gleichberechtigte Organisation wendet. Die reisleitungen geloben, nichts unversucht zu laffen, die Regierungen der einzelnen Länder zu überzeugen, daß ber Arbeiter Samariter Bund in allen seinen Bestrebungen und Beiftungen für die Allgemeinheit dem Roten Kreuz gleichgestellt Gewiß sei er von Ende 1922 bis Mitte 1923 für ein Sperr gefek eingetreten. Heute fei aber die Lage ganz anders. 1. Etwe Die Hälfte der Hypotheten feien bereits zurückgezahlt. 2. Die Lage der Wirtschaft habe fich wesentlich geändert. Selbft die Möglichkeit des Grundbefizes, 15 Broz. zurückzuzahlen, ist eingeschränkt. Bor allen Dingen aber sei von Bebeutung, daß sich auf dem Boden der dritten Steuernotverordnung der Ausgleich zwischen den widerstreitenden Interessen vollziehe. Geheimrat Peschmann, ein bayerischer Bertreter der Hypothefen banten, schließt sich Schwarz in jeder Beziehung an. Das müsse er fagen, obwohl er vier Jahrzehnte feines Lebens der Arbeit der Berbreitung der Pfandbriefe gewidmet habe, bie in Bayern das eigentliche Sparpapier barstellten. Er fürchtet, daß eine höhere Aufwertung auf dem Papier fiehen bleibt, weil die Wirtschaft die Bast nicht tragen kann. Heute sei eben die Bage anders, als 1922. Es sei ganz unmöglich, die Höhe der Auswertung der Entwicklung unserer Wirtschaftsverhältnisse zu überlassen, wie überhaupt eine 26änderung der dritten Steuernotverordnung wegen der damit verbundenen Berewigung der Rechts- und Verkehrsunficherheit viel mehr Nachteile als Vorteile enthalte. Die Berhandlungen des Ausschuffes bauern fort. Die Börse hoffnungsfreudig. Die Berliner Börse schickt sich an, einen günstigen Aus.. gang der Londoner Ronferenz bereits jetzt zu estomptieren. Das Angebot, das bisher ständig auf bie Effettenmärfte drückte, ist mit Beginn der neuen Woche fast völlig verschwunden. Man hört allenthalben nur Geldkurse, die außenpolitische Lage wird im Hinblid auf die heute in London stattfindende Bolligung uns in Erwartung einer sofortigen Einladung der deutschen Delegierten außerordentlich günstig beurteilt. Man glaubt, daß die Londoner Ronferenz ihr fritisches Stadium überwunden habe. Dementsprechend schreitet bie Spekulation zu erheblichen Räufen, um für den Fall einer allgemeinen Aufwärtsbewegung mit Waren versorgt zu sein. Auch die ausländifen Räufe nehmen ihren Fortgang. Außer der Londoner Ronferenz spielen verschiedene Bor. gänge, deren Hauptgewicht am Gelbmartt liegt, eine Rolle. Go gibt das Krebitablommen ber Rommerz- und Privatbant mit ameritanischen Kreisen Anlaß zur Hoffnung auf baldiges Zustandekommen weiterer berartiger Abmadungen. Auch die Aeuße rungen des Reichsbanfpräsidenten über bevorstehende Erleichterun gen im Lombardtrebit bestätigen die Erwartung, bag bei einem befriedigenden Berlauf der Bonboner Ronfereng die Kreditpolitit ber Reichsbant wesentlich gemilbert werde. Bei ber allgemein herrschenden optimistischen Stimmung finden naturgemäß auch Melbungen über Auslandsaufträge für deutsche induftrielle Werte stärtere Beachtung. Bei Beginn der Börje war das Geschäft bereits recht lebhaft. Man handelte z. B. Kriegsanleihe mit 315 Geld, Deutsch- Betroleum mit 12% Gelb, 3½proentige Ronfols mit 680 Geld. Der Geldmartt bleibt flüssig, someit täglich Gelb in Frage tommt. Im Devisensertehr ist das Geschäft ruhig bei ausreichendem Angebot. werden fann. W " Mit einem Hoch auf den ASB. fonnte die Tagurig nach fünf. zehnftündiger Beratung geschlossen werden. Selbstmord oder Verbrechen? der Bandarbeiter Karl Dippe im Garten des Bergnügungslotals Mit einer Schußverlegung wurde heute Nacht gegen 42 Uhr Rohr in der Kaiſerallee in Wilmersdorf aufgefunden. Beim Eintreten der Sanitätsmannschaft der Wilmersdorfer Feuerwehr und eines Arztes war D. bereits verstorben. Die Waffe wurde wenige Meter von der Beiche entfernt aufgefunden. Die Polizei beschlagnahmte ie Leiche und oronete die Ueberführung in das Leichenschaubaus an. Der Tote gehörte einer fintspolitischen Organisation an. Es wird der Berdacht ausgesprochen, daß ein politisches Berbrechen vorliege. Die Polizei ift zurzeit noch mit der Aufklärung beschäftigt. Ein Neunzehnjähriger als Räuber. Ein unangenehmes nächtliches Erlebnis in einem Cafshaus hatte ber Musiker Hans 2. Im vorigen Jahr fuchte er ein Café in der Nähe des Rottbufer Lers auf und machte dort bie Bekanntschaft eines 19jährigen jungen Mannes, mit dem er sich bald anfreundete der Beche unvorsichtigerweise gezeigt haben, daß er eine große Geld. und bis zum Schluß ber Polizeistunde zechte. L. muß beim Bezahlen fumme in seiner Brieftasche hatte. In liebenswürdiger Weise wollte ihn nun sein neuer Bekannter nicht allein nach Hause gehen lassen, fondern bis zur Hochbahnstation begleiten. Blöglich) traten aus dem Duntel zwei Männer vor und verlangten von 2. bie Brieftasche, Sie warfen ihn dann zu Boden und der Neunzehn. jährige entriß ihm die Brieftasche; sodann liefen fie elle davon. nahm die Berfolgung auf, wurde aber non feinem Caféhausbe Bannten bebeant, hag er ein paar Mejerische betemmen tönnte, wenn er nicht zurüblish Singutsammenben Baffanten gelang es jedoch, einen der Täter, und zwar den Bekannten aus dem Café feftzunehmen. Er entpuppte fich als ber 19 jährige rich Wegen Shwarzlose, der bereits zweimal vorbestraft war. schweren Raubes angeflagt, verhängte die große Strafsommer des Bandgerichts I über den Hebeltäter eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis. Eine 20köpfige Diebesbande. Eine zwanzigtöpfige Banbe, bie es auf Bigarren- und Zigarettengeschäfte abgesehen hatte, wurde von der Kriminalpolizei festgenommen. Eine Reihe von großen Einbrüchen dieser Art vers anlaßten die Kriminalpolizei zu besonderen Beobachtungen in gemissen Stadtvierteln. Dabei fielen ihr Leute auf, die namentlich in der Elfasser und in der Gormannstraße verdächtige Geschäfte machten. Es zeigte fich, daß fie mit gestohlenen Bigarren und 3igafestzunehmen, die zum Teil einbrachen, zum Teil die Beute retten handelten. Nach und nach gelang es, zwanzig Männer verschärften und zum Teil sie als Hehler fauften. Diese Bande haufte besonders in der Invaliden- und Petersburger Straße. An einer Stelle brach fie sogar vom Keller aus durch eine starte, betonierte Dede in einen Laden ein und räumte ihn aus. großer Teil des gestohlenen Gutes wurde wieder herbeigeschafft. Ein Bosten wurde bei einem gewissen Grünbaum noch gefunden. Andere Waren, besonders Zigaretten, waren schon an Kleinhändler vertauft und befanden sich bereits in der dritten und vierten Hand. Fünf große Einbrüche fonnten der Bande nachgewiesen werden. Verbesserung der Berliner Straßenbeleuchtung. Ein Der Berliner Magiftrat hat bekanntlich für die Verbesserung ber Berliner Straßenbeleuchtung Mittel bewilligt. Augenblicklid wird bei den Bezirksämtern geprüft, in welchem Ausmaß sowoh bie Gas wie die Elektrizitätsbeleuchtung ver mehrt werden soll. In erster Linie sollen bie bisher starl bernaglafiigten Rebenstraßen, die teilweise in fai bölliges Dunkel gebüllt sind und deshalb au wiederholter Bov ftellung der Polizeibebörden Anlaß gegeben haben, beffer beleuchte werden. Boraussichtlich wird die Vermehrung der Straßenbeleuch tung bereits im Laufe des Monats September erfolgen, doch dürft aus dann erft höchstens ein Drittel der Friedensbeleuchtung ev reicht werben. Sieben Berjonen bei einem Autozufammenstoß verlegt. An Sonntag früh gegen 54 Uhr stießen vor dem Hause Kaiserbamm( ein Privatauto, Führer Karl Riffing aus Zehlendorf, Mittelstr. 5 und eine Autobroschte, gefahren von dem 60 Jahre alten Chauffeu Hermann Arnst aus der Rofimenftr. 12 in Charlottenburg, mit volle Gewalt zusammen. Der erstere Wagen tam von der Heerstraße uni wollte einer Wasserpfüße ausweichen, dabei fuhr er zu weit nad lints und fam der Kraftbroschte, die vom Reichstanzlerplaz tam, i den Weg. Die 27 Jahre alte Chefrau Anna Nissing erlitt ein Gehirnerschütterung. Mit leichten Verletzungen kamen di anderen Infaffen davon. trat heute zu einer Ferientagung zusammen. Nach der Justizreforn Das Ferienfchwurgericht. Das Schwurgericht des Bandgerichts. I vem 1. April d. I. wird das Schwurgericht nicht mehr durch di Gerichtsferien vollständig unterbrochen, sondern es trif zur burteilung dringender Haftfälle jeweils zu furzen Tagun hat zwei Fälle des Meineids abzuurteilen, die heute un gen zusammen. Die gegenwärtige Tagung des Ferienschwurgericht morgen zur Verhandlung anstehen. Jm Dienste der Menschheif! In dem Artikel in Nr. 340 de Vorwärts" hat eine Stelle zu einem Mißverständnis Anla gegeben; es wurde nämlich das Zusammenarbeiter m bem Stoten Kreuz dabin gedeutet, ale ob eine Arbeitsgemein faft des Arbeiterfamariterbundes mit dem Roten Kreuz be fände. Das ist eine vollkommen faliche Auffassung, da ein arbeitsgemeinfcaft mit einer bürgerlichen Orga nisation ftritte abgelehnt wird. Auf bebördliche Ar forderung wird mit anderen Sanitätsorganisationen Dienst ai Außenfpielplägen uit. wechselteise geleistet. Studentenunterfunft. Ber fans einen Teilnehmer des Pazifiſtiſche möglich gegen feine oder geringe Vergütung. Mitteilung erbeten a Studententongreffes vom 7.- 9. Oftober Untertunft gewähren Gerba BeyI, Berlin N. 54, Lothringer Straße 42. Flucht eines Raubmörders. Die zu Sachsen ein entsetzlicher Doppelraub mord verübt. In der Nacht zum 24. Juni wurde in Petersdorf im Freistac nächst noch unbekannt gebliebenen Täter waren in das Grundstü des Biehhändlers Schäfer eingebrungen, hatten deffen wachge wordene 82 Jahre alte Mutter niedergestochen und nat schwerem Kampfe die in den fünfziger Jahren stehende Sch weſt e bes Befibers erstochen. Ohne Beute mußten die Berbreche flüchten. Die zuständigen Bolizeiorgane hatten bald festgestellt, da als Täter der 20jährige Schuhmachergehilfe Glafer ber Leptilarbeiter Friedl und ein gewisser Netoma i Betracht tamen, die sich nach Wien gewendet hatten. Dort konnte Glaser und Friedi bereits vor zwei Wochen verhaftet wer den, sie hielten sich in einem Grundstüde am Ottakringe auf. Ne tom a war zunächst nicht zu fassen, er hatte sich nach Glashütte Berwandten begeben, wurde aber sehr bald aufgespürt und an 18. Juli festgenommen und in das Amtsgerichtsgefängnis Lauenstei eingeliefert. Am Sonnabend, vormittags während des fogenannte Spazierganges, ist der noch nicht zwanzig Jahre alte Raubmördes der ein gewandter Turner und Schnelläufer ist, über die hoh infriedigung entflohen und entkommen. Retoma gewendet, steht noch nicht fest, alle Polizeibehörden murde von dieser verwegenen und geglückten Flucht sofort in Kenntnis ge fett, sowie deffen Personalbeschreibung allerorts verbreitet. Mohin fie der Nähe von Balencia, veripürte man gegen 11 Uhr heute oor Erdbeben in Spanien. In der Gemeinde Cargagente, mittag zwei Erdstöße binnen einer Viertelstunde. In Huejer wurde im Berlaufe des Bormittags ebenfalls ein Erdftos verzeichnet der sechs Setunden andauerte. In mehreren Orten im Gebirge ware bereits am legten Dienstag mehrere Erdstöße ver zeichnet worden. megifchen Ameritadampfer Bergens Fiord" brach am Sonn Feuer auf einem norwegischen Ameritadampfer. Auf dem nor abend, nachdem er Chriftiania verlassen hatte, Feuer aus 500 Baffagiere wurden in Bettungsbooten nach Chriftiania ge bracht. Der Materialschaden ist bedeutend. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Roch ziemlich fühl, meist bewölft mit Regen fällen und frischen westlichen Winden. Deutschland: Weftsftmärts forfehreitende Nieberschläge, dann im efter etwas Aufheiterung. Ueberall noch fühl Parteinachrichten Ginsenbungen für biefe Kadrit find Berlin G. 68, Sindenstraße 2, für Groß- Berlin flets on bas Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten 107. bt. Borftandsligung heute Montag, abends 8 Uhr. im Jugendheim Falter berg. Erscheinen aller Funktionäre erforderlich. Die Genoffen des Reiche banners Schwarz- Rot- Gold nehmen an einer wichtigen Besprechung teil. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 33. st. Der Genoffe Poul Röder ift plöglich verstorben. Einäicherung Mittwed ben 30. Juli, nadpittags 2 Uhr, in Srematorium Baumschulenmeg. Us rege Beteiligung bittet Der Borftand. Gewerkschaftsbewegung Internationaler Friseurgehilfenkongreß. T. C. iet, den 25. Jufi. Der vierte Kongreß der in der Union der Friseurgehilfen vereinigten Organisationen der Arbeitnehmer im Friseurgewerbe tagte hier in der Zeit vom 21 bis 23. Juli in den Räumen der Arbeiter tammer. Während der letzten Berichtsperiode hat die Organisation der Friseurgehilfen einen beträchtlichen Rückschlag erlitten, der sich auch bei der Beschidung des Kongresses geltend machte. Den meisten Organisationen, worunter Frankreich, Schweden und Ungarn, fehlten die Mittel, um Delegierte zu entfenden. Doch laffen auch die Berichte der nicht vertretenen Verbände erkennen, daß der Lief punkt der Krife überschritten ist und die Bewegung wieder einen Aufschmung nimmt. Der fommunistischen Agitation ist es nur in Nor megen und Frankreich gelungen, Schaden anzuftiften. Der Aus schluß der kommunistischen Organisation in Frankreich machte sich um so mehr notwendig, als sich inzwischen eine neue, auf dem Boden der Amsterdamer Richtung stehende Organisation gebildet hat und der Internationalen Union beigetreten ist. Die Konzentrationsbewegung der Gewerkschaften bringt es mit fich, daß die Friseurgehilfen den verschiedensten Organisationen, Gemeindearbeitern, Sandlungsgehilfen, Bekleidungsarbeitern und anderen Industrieverbänden, angeschlossen werden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diefe mehr zufälligen als fyftematischen Angliederungen nicht geeignet sind, die Friseurgehilfen organisatorisch besser zu er. faffen. Der Kongreß brachte daher zum Ausdrud, daß auf absehbare Zeit die berufliche Form der Organisation für die Friseur gehilfen am zweckmäßigsten ist. érwerbstos werdenden Industriearbeiterschaft bauernb in der Landwirtschaft untergebracht wird. Um dies zu ermöglichen, müssen zwei Boraussetzungen erfüllt sein: die Wohnungsfrage auf dem Lande muß wenigstens einigermaßen gelöst werden, und ferner ift es notwendig, die landwirtschaftliche Arbeit durch st ärbere Verwendung von Maschinen zu vereinfachen. Auf dem Wege zu dieser Vereinbarung sind bereits gute Fortschritte erzielt worden. Es liegen übrigens auch neue Möglichkeiten vor, wie die legte landwirtschaftliche Ausstellung in Hamburg überzeugend nach gewiesen hat. Neben diefer grundsäglichen Frage der Umsiedlung eines Teiles der Arbeiterschaft von der Stadt auf das Land beschäftigt die Reichsarbeitsverwaltung auch die gesteigerte Nachfrage der Land wirtschaft nach Erntearbeitern. Es ist zu diesem 3med eine großzügige Propaganda bereits eingeleitet. Im vorigen Jahre wur ben für die Kartoffelernte rund 30 000 Erntehilfsarbeiter aus der Stadt vermittelt. In diesem Jahre follen por allem die erwerbs lofen Kaliarbeiter bei den Erntearbeiten verwendet werden. Der Zustrom ausländischer Wanderarbeiter hat gegen ben Frieden gewaltig nachgelassen. Wir haben in Deutschland heute nur noch rund 100 000 fremde Wanderarbeiter gegen 400 000 vor dem Kriege. Sie werden in der Hauptsache auch nur dort in der Landwirtschaft verwandt, wo entweder die Wohnungsfrage oder Berwendung von einheimischen Arbeitern von vornherein ausschließt die sehr strapaziöse Art der Arbeit, z. B. im Zuckerrübenbau, eine oder erschwert. Zur Arbeitszeit der Gemeindearbeiter. Die Stettiner Hafengemeinschaft, ein kommunaler Betrieb, wollte durch Schiedsspruch für ihren Betrieb die Regelung der neunftündigen Stunden täglich, im Winter dagegen zum Ausgleich nur acht Stunden Arbeitszeit, die festgelegt ist, so vornehmen, daß im Sommer zehn gearbeitet werden sollte. Maßgebend für diese Anordnung war die Absicht, die Lichtverhältnisse im Sommer länger auszunützen, ein Vorwand für eine beabsichtigte Arbeitszeitverlängerung, der ja auch bei den Oberbauarbeitern der Reichsbahn eine gewisse Rolle spielte. Die Stettiner Hafenarbeiter wehrten sich gegen die zehnstündige Arbeitszeit und die Berbandsleitung in Stettin rief die Bezirksschiedsstelle zur Entscheidung an. Der Spruch dieser tariflichen Schlichtungsftelle gab der Stadtverwaltung recht und gestand ihr zu, die Ver teilung und Ausgleichung der Arbeitszeit über das ganze kalenderjahr vornehmen zu können. In der Begründung wurde gesagt, daß das Wort„ durchschnittlich" in Reichsmanteltarif den Willen der Tarifvertragsparteien erkennen ließe, bei der Ver= teilung der Arbeitszeit in den einzelnen Betrieben auf Witterungsund Jahresverhältnisse Rücksicht zu nehmen. Das Referat über die wirtschaftliche und soziale Lage der Friseure, das Genosse Schubert Wien eritattete, zeigte, daß mit ber Schwächung der Organisationen fich auch die Arbeitsbedingungen wefentlich verschlechterten. Die Resolution zu diesem Punkte der Tagesordnung verweist auf die Durchführung der Programmforderungen der Union, insbe. ondere die des Achtstundentages und der Sonntags : uhe. Der Vortrag des Borsigenden der Union, Genossen Estorn Berlin, über die hygienischen Verhältnisse im Fri jeurgewerbe beansprucht insbesondere das öffentliche Intereffe. Die Forderungen der Friseurgehilfen- Union auf diesem Gebiete bereffen in erster Linie e den Schuß des Bublifums, beber Friseuren Geficht und Kopf anvertraut, meiter aber auch die erforder ichen Rücksichten auf die Gesundheit der Arbeitnehmer Des Gewerbes. Da die früheren fortlaufenden Erhebungen über Die Krankheits- und Sterblichkeitsverhältnisse der Friseure seit dem Frieg unterbrochen wurden, das frühere Material jedoch peraltet ft, wurde den Organisationen zur Pflicht gemacht, das verfügbare tatistische Material der Krankenkassen der Union möglichst alljähr. ich zur Verfügung zu stellen. Für die Anlage und die Ausübung Des Friseurgewerbes follen geeignete gefeßliche Bestimmungen geroffen werden und die Belehrung über die Frisierstubenhygiene bereits während der Lehrzeit durch Spezialärzte erfolgen. Nach einem Referat über das Lehrlingswefen von dem Genoffen Chri.hebung des Spruches der Bezirksschiedsstelle folgendermaßen: tensen Kopenhagen wurden die Forderungen der Union zur Jefeßlichen Neuregelung des Lehrlingswesens, die eine Mitbestim nung der Gehilfenorganisationen und der Lehrlingseltern Dorsehen, erneut betont. Der Vorstand der Union wurde wiedergewählt und Paris als nächster Kongreßort bestimmt. Menschenunwürdige Zustände. m Was man Landarbeitern zu bieten wagt, geht aus folgendem irztlichen Attest hervor: Fürstenberg a. d. D., den 11. Juli 1924. Gelegentlich eines Besuchs bei dem schwerkranten Kind Hilda Thierbach in Rampit habe ich die in einem ehemaligen Stall gelegene Wohnung der Eheleute Karl Thierbach, Arbeiter in Rampit, besichtigt. Der Raum befindet sich in baulicher Beziehung ninem geradezu menschenunwürdigen Zustande; das Dach läßt alte Niederschläge durch, Fenster sind teine por janden, der Raum ungedielt, die Dunggrube ummittelbar neben der Außenmauer, feine ordnungsmäßige Durchheizung möglich. In gesundheitlicher Beziehung ist die genannte Wohnung m jeder Beziehung zu beanstanden, als Wohnraum für eine sechstöpfige Familie durchaus zu verwerfen. Dr. Kalisch, prattischer Arzt. Zu bemerken is, ag das schwertrante Rind inzwischen verstorben ift. Der menschenfreundliche Arbeitgeber ist der Domänenpächter auf Rampiz. Jeder Kommentar wäre eine Abschwächung. des sid Ueberleitung von der Industrie in die Landwirtschaft. Gegenwärtig muß mit einer starben Abmanderung der Industriearbeiter in die Landwirtschaft gerechnet werden. In Voraussicht dieser Entwicklung hat die fozialdemokra tische Reichstagsfraktion dem Boltswirtschaftlichen Ausschuß zwei Anträge vorgelegt, die von diesem angenommen wurden und die fordern, einmal die Vermittlung geeigneter einheimischer Arbeitsloser für landwirtschaftliche Betriebe, und zweitens die Einschränkung der Bermittlung landwirtschaftlicher Saisonarbeiter, um zunächst den einheimischen arbeitslosen und arbeitswilligen Bandarbeitern Plag zu machen. Die Vermittlung einheimischer Arbeitsloser für landwirt haft. liche Betriebe erfordert, wie wir von der Reichsarbeitsverwaltung hören, nicht die Schaffung einer besonderen Behörde. Der Bermitt lungsapparat besteht bereits, es müßten nur die Beihilfen an die Landesarbeitsämter für jede Unterbringung eines städtischen Arbei ters auf dem Lande erhöht werden. Bis jetzt wird als Beihilfe pro Kopf das Bier bis Fünffache des Erwerbslosenunterstühungsfages gezahlt. Die Beihilfen sollen die Spefen für die Zusammenstellung der Arbeitergrunnen, der Transporte usw. deden. Der Kernpunkt der ganzen Frage liegt nach der Auffassung der Reichsarbeitsverwaltung darin, daß ein Teil der immer aufs neue Direktion: Komische Oper James Ken Trauerfpenden 8 Uhr Nur noch 4 Tage 8 Uhr Die tanzende Prinzessin von Walter Kolló jeder Art liefert preiswert Paul Golletz, Dormals Robert Meyer. Mariannensir.3. Amt Morikpl. 10803. Parkett 1.50-5.00 Mark Quittungs- Marken Auf Teilzahlung / s Auzahlung Reft in fechs Monatsraten zu Ladenpretien taufen Sie elegante gutfigende Herrengarderoben Anzüge f. Straße u Sport( evtl. mit 2 Hofen), Cutaway u Smoting, Covercoat- u. MarengoPaletots, imprägn. 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Die Gemeindehafenarbeiter von Stettin haben also trotz des Spruches der Bezirksschiedsstelle und trotz des Gutachtens der Unparbeiischen, das doch sicher der Auffassung der Arbeiter entgegenftand, sonst wäre der Spruch der Bezirksschiedsstelle nicht zustande gefommen, durch ihren Protest nicht nur ihre Auffassung durch gebracht, sondern sie sind auch zu ihrem gefeßlichen Recht gekommen. In der gleichen Sitzung des Zentralausschusses wurde auch in einer anderen Streitfache über die Arbeitszeit zugunsten der Arbeitnehmer entschieden. Der Bezirksarbeitgeberverband Bommern hielt sich für berechtigt, auch für die Ofenhaus. arbeiter in Gasanstalten und Reifelheizer in uns unterbrochenen Betrieben die neunstündige Arbeitszeit ver langen zu fönnen. Begründet wurde dies Berlangen damit, daß die Arbeitgeber behaupteten, der§ 7 der Arbeitszeitverordnung fei so lange noch nicht in Kraft getreten, bis der Reichsarbeitsminister die beitergruppen unter den besonderen Schutz des§ 7 fallen follen. SoBestimmungen darüber erlaffen hat, welche Berufszweige oder Ar lange diese Bestimmungen nicht erlaffen find, fönnten teine Aus nahmen gemacht werden. Die angerufene Bezirksschiedsstelle Stettin fällte am 12. Juni folgende Entscheidung: Nach der durch den Zentralausschuß festgestellten neuen Fassung des§ 2 Ziffer la des RMT. find die Arbeitgeber berech tigt, von den Arbeitnehmern eine tägliche Arbeitszeit von neun Stunden zu verlangen, soweit nicht die Bestimmung des§ 7 der Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 entgegensteht. Dies ist nach Anficht der Bezirksschiedsstelle der Fall bei Ofenarbeitern in den Gasanstalten und bei fämtlichen Reffelheizern, soweit fie an Wechselschichten in ununterbrochenen Betriebszweigen beteiligt find." Der Bezirksarbeitgeberverband Bommern gab sich mit diefem Spruch nicht zufrieden, sondern rief den Zentralausschuß an. Dieser stellte sich in der genannten Sigung auf die Seite der ersten Instanz und der Arbeiter und bestätigte die Entscheidung der Bezirksschieds. stelle. Es bleibt also für die Ofenhausarbeiter in den Gasanstalten und für die Kesselheizer bei der achtstündigen Arbeitszeit. Streit bei der Firma Schulze, Schuhfabrit. Die Firma Ostar Schulze, Berlin, Borhagener Str. 17, hat den bei ihr beschäftigten Ballschuhmachern den Lohn um 20 Broz. gefürzt. Als die Arbeiter Klage beim Gewerbegericht erhoben, legte die Firma ihnen einen Revers vor, des Inhalts, daß sie auf die bisher ge währte Zulage von 20 Broz. verzichten. Ein Teil der Arbeiter ver weigerte die Unterschrift. Diese sind nun von der Firma gemaßregelt; fie erhalten feine Arbeit mehr. Die Ballschuhmacher dieser Firma haben darauf am 26. Juli den Streit beschlossen und fordern alle Kollegen zur Solidarität auf. Die Firma ist für organisierte Ballschuhmacher gesperrt. Zentralverband der Schuhmacher. 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Wegmann, der einen Angriff auf Lewanom magte, büßte dies damit, daß er vom Motor Kurz vor dem Ziel aber ging der Schweizer an und wies Rudel geriet und nun seinen zweiten Plak an Rudel abtreten mußte. auf den britten Blaz. Beiß, Kruptat und Didentmann folgten. Gleich beim Beginn des zweiten Laufes( über 18 Kilometer) gab Trogdem Krupkat sich bemühte, aufzuholen, mußte er doch den Sieg es einen scharfen Kampf zwischen Wegmann und Krapfat. Bawie. Den dritten Lauf( über 24 Kilometer) holte sich KuschWegmann überlassen. Dann folgten Weiß, Rudel, Kuschtow und tow. Nachdem er schon in ber zweiten Stunde die Spize besetzen fonnte, hielt er diese bis zum Sdfuß des Rennens. Rudel, der hark hinterher war, belegte den zweiten Plaz vor Weiß, Kruptat, Wegmann und Pawfe. Im Gesamtflaffement erhielt Rubel den Sieg zugesprochen, weil er mit einem 2., 3. und 4. Platz die und Punkte fahren füllten das Rennprogramm weiter aus. beste Gesamtleistung gezeigt hatte. Fliegerhauptfahren Resultate: Großer Preis bon Rubleben. 1. Rauf über 12 Stilometer: 1. 2emanom 14 Min. 16 Set., 2. Begmann 25 Meter, 3. Rudel 26 Meter, 4. Weiß 600 Meter, 5. Strublat 750 Meter, 6. Didentmann 755 Meter zurüd. 2. Lauf über 18 Rilometer: 1. Wegmann 20 Min. 40,4 Cet., 2. Struplat 25 Meter, 3. Weiß 275 Meter, 4, Rudel 300 Meter, 5. Sufchlow 625 Meter. 6. Batole 900 Meter zurüd. 3. Lauf über 25 meter, 4. Strupfat 40 meter, 5. Wegmann 875 Meter, 6. Bamle 750 Meter zu 3. Weiß 34 B., 4. Krupla 31 B., 5. Kuschkow 30 P., 6. Lewanow 12 B. rüd. Gefa mtilaisement: 1. Rudel 37 B., 2. Wegmann 36 P., auptfahren über 1200 Meter( 1 Runde). ein Endlauf. Endlauf: 1. Jenssen, 2. Koch, 3. Behrend, 4. Binzelbera, 5. Meyer, 6. Schulz.- Vorgabefabren über 1200 Meter ( 1 Runde). 1. Gubler 62. 2. Niloleirig 87% 3. Gamall 75, Borgabefahren über 3400 meter( 2 Runden). 1. Gubler 4. Erleben 37, 5. Chrobblin 87/ 6. Jenssen 0 Meter Vorgabe. 125, 2. Berger 25, 3. Maujotat 100, 4. Stechun 150, 5. A. Meyer 24 Stilometer: 1. Rustom 27 Rin. 18,3 Set., 2. Rubel 10 Meter, 3. 23eig Zwei Vorläufe, 25, 7200 Meter( 6 Runden). 1. Buideliotb 13 B. in 11 Min. 10 Sel. 6. Jenssen O Meter Borgabe.- Punktefahren über 2. Roch 12 P., 3. Stroll 10 P., 4. Weber 9 P., 5. Schulz 9 P., 6. Zimmermann 7 B. 380 Gemertidaftsbemegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; zotles Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Gateznus; und Sonstiges: Walter Trojan; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 8. Berlag: Bormärts- Berlag G. m. b. S., Berlin, Drud: Borwärts- Buchdruderet Gewinnlifte bet 9 Jado 23. Breunisch- Süddeutschen( 249. Preuß.) Klaffen- Lotterie 6, Rlaffe Chne Gewähr. 230 1 Gewinn zu 100 000 26. Juli 1924 Rachorud verboten, 1 Brämte zu 500 000 umb 1000 Sim auf 108969 m 87845 2 Gewinne zu 75 000 1 Gewinn zu 50 000 1 Gewmn zu 25 000 2 4 Gewinne zu 5 000 15 Gewinne zu 3 000 302 Km 98869 108945 m 270045 m 148145 m 4145 31769 115169 279545 Km 1545 18869 57545 73769 97345 106445 125969 141669 186945 199869 204545 232969 257945 273645 283245 9 Gewinne zu 2 000 Km 39845 50445 72369 85048 95769 126745 166645 228669 284669 21 Gewinne zu 1000 mm 41169 58169 59369 76969 99445 119445 120745 127569 131169 142445 183545 185245 189245 222645 224169 248845 271045 275369 280169 283345 295889 43 Gewinne au 800 Rm 6489 8269 14969 19545 31145 36945 40845 53469 59545 64169 65969 71069 71569 78769 90645 95069 95969 142045 142145 150569 155445 156845 160245 160645 167545 177889 180245 181569 186969 195245 199245 199345 199489 203145 n 224445 235145 235845 244445 256369 268745 268445 274845 297369 86 Gewinne su 500 m 8589 12345 13945 14145 15969 17945 20969 22445 22869 25969 26369 29645 85345 87269 40245 47269 47945 49269 52969 53769 56845 57089 58145 84569 66248 71369 72669 75045 85145 86269 87669 89069 96969 97469 104369 105845 107469 107569 110569 120569 128769 133245 184169 135745 137869 148945 147145 158469 157669 161269 162745 163369 163845 168169 168369 171089 172545 191045 191945 201369 203245 207169 209645 213145 216545 217845 225445 227669 232345 234445 238845 240969 242269 249845 251269 255869 261145 263769 265269 267045 269345 271169 273245 283969 289045 296769 216 Gewone su 300 m 845 3189 6669 11345 11569 12889 13545 14845 16169 19145 21460 25769 29145 29569 29745 29969 31545 31969 32669 33369 37745 88145 40045 40969 41745 41769 43345 44245 45645 46345 48269 48845 51069 53269 54845 54969 57145 67845 58569 58869 60345 61645 61945 66845 67845 68945 73589 74945 75545 80545 81645 82269 83645 84545 88045 88669 89345 91145 92069 93269 94369 94669 96489 98845 99945 108645 108045 109369 112645 112969 115245 117769 119369 120045 120445 120489 120545 123169 123969 134545 139645 145545 146045 147369 147569 147745 148469 151845 151945 153845 153945 154069 156169 157369 157569 158289 161945 162569 187569 168145 170045 170369 170689 mi si 170845 171845 171745 173569 174845 175389 175489 176869 177545 179689 181745 183145 183369 191569 192969 194745 195445 198745 198145 198745 200569 201545 203345 203469 203845 204145 205645 208245 206469 211269 213969 214269 216845 220169 220545 221169 221589 222169 222769 224069 226845 227569 227969 228089 228369 228769 229645 232469 233369 234169 234769 234869 235245 236045 236969 237969 288469 239869 240869 242345 243445 243869 248145 247469 248945 249169 249169 250969 251369 252369 252845 263869 255169 257669 257845 258789 259545 281769 261869 263569 264145 264545 265745 268269 268169 288269,270745 271845 275169 277445 277745 278145 278945 279069 279445 281345 283969 284345 284369 285169 290269 291345 291745 292745 293245 295169 295245 295369 295489 297469 298659 299569 299645 Auf alle Losnummern von 1 bis 300 000, die auf die Zahlen 45 und 69 enden und nicht mit einem höheren G.winn gezogen wurden, entfällt der Gewinn von 150 Rm Spezial. 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