Fr. 352 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 180 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8, Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage, Bolt und Beit" mit..Gied. Jung und Kleingarten", fowie der Unterhaltungsbeilage ,, Heimwelt" and Frauenbeilage Frauenstimme" Erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareileeile 0,70 Goldmart, Reklamezeile - Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 0,20 Gold. mart( auläffig awei, fettgedruckte Borte), tebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengefuche das erte Wort 0,10 Goibmark, jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. 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Wie verlautet, beschloß die konferenz, die Frage einer Einladung an die Tutsche Regierung, Vertreter nach London zu entfenden, an die großen Fünf zu verweisen, die darüber entscheiden sollen, wann eine derartige Einladung abgesandt werden soll. Es wird vermutet, daß meinungsverschiedenheiten über den Bericht des ersten Ausschusses bezüglich der Frage des deutschen Verzuges hervorgetreten sind. Es wurde beschlossen, eine weitere Sigung diefes Ausschusses für Mittwoch vormittag einzuberufen. London, 28. Juli.( WTB.). Reuter meldet: Die Einladung an Deutschland wird wahrscheinlich am Donnerstag oder Freitag abgesandt werden. Hieraus darf jedoch nicht gefolgert werden, daß die Konferenz beabsichtige, den deutschen Vertretern irgendeine Entscheidung aufzuzwingen. Die von der Konferenz vorbereiteten Schriftsäze würden lediglich als Grundlage für die Unterhandlungen dienen. Man ist der Meinung, daß es zwecklos fei, Deutschland einzuladen, solange nicht ein Ueberein tommen unter den Alliierten erreicht ist. Der offiziöse Bericht über die Vollsigung. London, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Ueber den Verlauf der Bollkonferenz, die am Montag in London stattfand. wird folgende offiziöse Berlautbarung verbreitet: Es wurde beschlossen, einen Ausschuß aus Juristen zu bilden, um über die Abjäße f und k des fünften Teiles der franzöfifch- englischen Note vom 9. Juli( Ergebnis der Pariser Konferenz) zu beraten. Dieses Komitee wird aus Vertretern Belgiens, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens bestehen und durch einen amerikanischen Beobachter ergänzt sein. Der offiziöse Bericht gibt dann die Beschlüsse des juristischen Komitees, das sich mit der Einladung Deutschlands = zu befaffen hatte, im Auszug wieder. Es besagt, daß Deutschland zu befassen hatte, im Auszug wieder. Es besagt, daß Deutschland nach dem Versailler Vertrag freie hand habe, die geforderten Reparationssummen aufzubringen. Der Dames- Plan weiche das von ab, weil er feststellt, aus welchen Quellen Deutschland die Zahlungen erledigen soll. Hinsichtlich der anzuwendenden Tattit, Die eingeschlagen werden muß, um mit Deutschland zu einem Einverständnis zu gelangen, ohne irgendwie gegen den Versailler Vertrag zu verstoßen, wird bemerkt, daß Deutschland die Durchführung des Gutachtens versprechen und die Vorkehrungen hierzu Gegenstand eines besonderen Uebereinkommens sein müßten. Da der Versailler Vertrag ausschließlich die Reparations tommission als Vertreter der alliierten Regierungen zur Empfangnahme deutscher Reparationszahlungen eingesetzt habe, foll au ch sie in das als notwendig erachtete Uebereinkommen einbe zogen werden, Andererseits sei die Wiederherstellung der staatlichen und ökonomischen Einheit Deutschlands tine Angelegenheit, die die Reparationsfommission angehe. Denn es sei nicht die Re: parationstommiffion, die deutsches Gebiet befeht habe, und es könne darum auch nicht die Reparationsfommission sein, die die Räumung Deutschlands festzusetzen habe. Diese Frage betreffe lediglich die alliierten Regierungen, die Deutschland besetzt haben, und die anderen alliterten Regierungen, die an der Infrafisezung des Dawes- Planes teilnehmen, und natürlich auf der anderen Seite die deutsche Regierung. Folglich sei die Räumung der deutschen Gebiete durch ein Uebereinkommen zwischen den Alliierten und der deutschen Regierung zu regeln. Schließlich fei hinsichtlich der Durchführung des Dawes- Planes über verschiedene Punkte zwischen den alliierten Regierungen ein Einverständnis zu schaffen. Das gelte besonders für die Maßnahmen, die eventuell ergriffen werden sollen, falls Deutschland sich Ver. fehlungen zufchulden kommen fajte. Das sei ausschließlich eine interallierte Angelegenheit. Nichtsdestoweniger dürfe man nicht übersehen, daß auch die deutsche Regierung mit der Sanktionsfrage befaßt werden müsse, weil die Zeichnung der internationalen Anleihe, die für die Durchführung des Dames- Planes notwendig sei, nur in dem Vertrauen erfolgen merde, daß das wirtschaftliche Leben Deutschlands nicht durch unvorhergesehene Eingriffe von alliierter Seite gestört würde. Aus diesem Grunde müsse das interalliierte llebereinkommen über die Santtionen der deutschen Regierung in einer Form mitgeteilt werden, die ihr erlaubt, es bei den Verhandlungen mit Banfiers zu verwenden. Trok der verschiedenen Maßnahmen zur Infraftfegung des Dames- Planes und der Notwendigkeit dreier separater Uebereinkommen bleibe bestehen, daß der Dawes- Plan eine Einheit bildet und die Aufgabe der gegenwärtigen Konferenz sich darauf beschränte, feine vollständige und Ionale Berwirklichung 3 sichern. Diese brei Uebereinkommen sollen in das Schlußprotofo II aufgenommen merden. Es ist festgestellt worden, daß die Ent. schließung über die drei Uebereinkommen auch die Einladung an die Reparationsfommission und an die deutsche Regierung ent gestrigen Vollfizung. K B halten wird. Der Bericht wurde von der Konferenz angenommen sie unerwartet tomme. Denn die Frage der militärischen Räumung und es wurde den Premierministern Belgiens, Frankreichs, Groß der Ruhr sei nicht erst seit gestern oder seit dem 11. Mai, sondern britanniens, dem ersten Delegierten Itoliens und Japans und dem bereits seit der Unterzeichnung der Micum Verträge im Herbst amerikanischen Botschafter in London gemeinsam aufgetragen, vorigen Jahres pruch reif. Es habe für die militärische Besetzung die Bertreter der deutschen Regierung einzuladen, der Ruhr von Anfang an zwei Auffassungen gegeben. Man nach London zu tommen, um an der Aussprache sich zu beteiligen, habe sie als eine rein politisch militärische 3mangs= sobald die Alliierten untereinander zu einem maßnahme ansehen können; in diesem Falle wäre bie wirt= Uebereinkommen gelangt find. Ferner wurde beschlossen, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Re- schaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete als der Nebenzwed erschienen. Oder man habe umgekehrt sich als das eigentliche parationstommission in London zu versammeln. Ziel der Befehung die wirtschaftliche Ausbeutung der Ruhr gestellt; dann sei aber die militärische Besetzung nur ein Bestandteil dieser Aktion gewesen, der mit der Aufgabe der wirtschaftlichen Ziele jede Existenzberechtigung verfiere. Die letzte Auffassung sei die der franzöfifchen Regierung gewesen. Das ginge nicht nur aus der Note hervor, mit der Poincaré den Ginmarsch in das Ruhrgebiet der deutschen Regierung seinerzeit angekündigt habe, sondern auch aus den von ihm vor Kammer und Senat gegebenen Erklärungen, in denen er immer wieder als den 3wed des militärischen Einmarsches Der englische Finanzminister Snowden teilte der Konferenz mit, daß über die Arbeit des ersten Ausschusses nichts Neues zu berichten fei. Sie halte am Mittwoch früh ihre nächste zu berichten sei. Sizung ab. Der englische Kolonialminister Thomas legte den Bericht des zweiten Ausschusses vor, der die staatliche und wirtschaftliche Einheit Deutschlands behandelt. Auch dieser Bericht wurde ange= nommen. Sir Robert Kindersley berichtete für das dritte Komitee, deffen Arbeit noch nicht voilig beendet sei, aber in aller Kürze der Bollkonferenz vorgelegt werden würde. Pariser Echo der englischen Initiative. Paris, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Kommentare der Montagabendblätter bestätigen, was wir bereits am Montag vormittag über die Aufnahme der neuen englischen Vorschläge durch die öffentliche Meinung Frankreichs mitgeteilt haben. Nach dem man sich von der ersten Ueberraschung über die hier zunächst unerwartete Aufrollung der Frage der militärisch en Räumung des Ruhrgebiets erholt hat, bricht sich sehr rasch die Erkenntnis Bahn, daß die englische Initiative unter den gegebenen Umständen nicht nur die letzte und wahrscheinlich einzige Möglichkeit bietet, aus der Sadgasse herauszukommen, sondern bei Licht be. trachtet die endgültige Erledigung des Ruhrabenteuers in diesem Augenblick für Frankreich gar nicht so unvorteilhaft ist, als die nationalistische espresse, die über schmähliche Kapitulation und fchnöden Berrat an Frankreich zetert, ihren Lesern glauben machen will. Man gibt sich insbesondere darüber Rechenschaft, daß die militärische Räumung der Ruhr in kurzer Zeit sowieso afut ge= worden wäre, sei es im Zusammenhange mit der von England beabsichtigten Zurückziehung der Truppen aus der Kölner Zone, die die Aufrechterhaltung der französischen Besatzung rechts des Rheines unmöglich machen muß, sei es, daß man sich dem Argument, baß mit der wirtschaftlichen Freigabe der Ruhr die militärische Besetzung nach den Erklärungen Poincarés selbst jede Berechti gung verloren habe, auf die Dauer nicht entziehen zu können glaubt. Die Vorzeichen der Aufrollung des Problems bieten Frantreich dagegen die Möglichkeit, gewiffe Gegenforderungen zu stellen, beren Durchsetzung man in Paris in hohem Grabe für wahrscheinlich hält. So find es eigentlich nur die extremen natiovom Schlage der„ Liberté" und des nalistischen Organe Intransigeant", die in der gewohnten Weise gegen den englischen Schritt protestieren. Schon das„ Journal des Débats" wagt es nicht, das angestrebte Kompromiß grundsätzlich zu bekämpfen. Es fagt zwar, deß die Art, wie Ramsay Macdonald die franzöfifchen Delegier. ten überrumpelt habe, Mißtrauen einflößen müsse, gibt aber der Ueberzeugung Ausdruck, daß die englische Regierung teine intergebanten mit ihrem Plane verbinde. Im ersten Angenblid fönne man auf französischer Seite wohl versucht sein, unter Berufung auf die von Macdonald selbst gewünschte Beschränkung des Programms der Konferenz jede Diskussion über die Frage der militärischen Räumung abzulehnen, bei reiflicher Ueberlegung wäre es jedoch dem französischen Intereffe nur zuträglich. Was man verlangen müſſe, ſei lediglich, daß, wenn schon der den Verhandlungen in London gezogene Rahmen gesprengt werde, dies nicht einseitig geschehe, fondern daß in die Debatten auch diejenigen Probleme einbezogen werben, die für Frant reich mit der militärischen Räumung der Ruhr untrennbar verbunden seien. Herriot habe hier eine glänzende Gelegenheit, seine staatsmännischen Qualitäten zu beweisen, und da die Diskussion nicht vor dem Forum der Konferenz selbst, sondern in der intimen Aussprache zwischen den Ministerpräsidenten verhandelt werde, habe er die Möglichkeit, die Bedingungen, die Frankreich für die Aufgabe Der feiner Trümpfe stelle, mit allem Nachdruck zu vertreten. " ausschließlich den Schutz der entfandten Ingenieure und Zollbeamten bezeichnete und jeden militärischen Charakter der Sanktion entschieden in Abrede gestellt hat. Wenn dem entgegengehalten werde, daß Frankreich und Belgien in den späteren Beschlüssen von Brüssel die militärische Räumung von den deutschen Zahlungen abhängig gemacht habe, so leistet man der franzöfifchen Bolitik einen schlechten Dienst, wenn man damit beweisen wolle, daß die ursprüngliche Idee der Ruhrbesehung damit aufgegeben worden sei. Zwischen beiden bestehe in Wirklichkeit teinerlei Widerspruch. Wenn der Dawas- Plan endgültig angenommen werde, wenn die Anleihe gezeichnet und die allmähliche Unterbringung der deutschen Obligationen gesichert sei, jo handle es sich hier um effetfive Zahlun gen, und die von den Regierungen Frankreichs und Belgiens für die militärische Räumung gestellten Bedingungen seien damit erfüllt. Frankreich habe deshalb alles Intereffe baran, schon jezt darüber zu verhandeln. Reuter berichtigt... London, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Reuter meldet: Unmittelbar nach der Konferenz zwischen den Delegationsführern am Montagvormittag trat die britische Reichsdelegation zu einer Besprechung zusammen. Die allgemeine Ansicht in britischen Kreisen geht dahin, daß die Lage teine wesentliche Aenderung erfahren hat. Seit Freitag ist nach offizieller Kenntnis teine Lösung der von den Banfiers gewünschten Sicherheitsfrage aufgetaucht. Die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets liegt außerhalb des Rahmens der Konferenz. Die Eisenbahnfrage ist nach wie vor die gleiche, da Frankreich und England ihren jeweiligen Standpunkt genau festgelegt haben, bildet aber nicht das Hauptproblem. Der Gesamteinbrud von der Konferenz geht nach wie vor dahin, daß alle Beteiligten ihr Bestes tun, und daß niemand die Berantwortung für ein Mißlingen auf sich nehinen will. * Diese Reutermeldung steht in Widerspruch zu allen anderen Telegrammen über die Erweiterung des Konferenzprogramms. Da auch die gesamte französische Presse zu dieser auf englischer Initiative erfolgten Erweiterung Stellung nimmt, dürfte diese offiziöte Reutersche Auslaffung nur ein Beruhigungsmanöver darstellen. Ein neuer amerikanischer Kompromißzvorschlag. Paris, 28. Juli.( WTB.) Ueber die heutigen Arbeiten der ersten Kommission( Berfehlungen und Sanktionen), die um 11 Uhr vormittags zufammengetreten ist, berichtet der Sonderberichterstatter der Agentur Havas aus Londen, der Kommiffion set von dem nich tamtlichen amerikanischen Vertreter in der Reparationstommiffion ein neuer Borschlag unterbreitet worden, der das am 19. Juli in der ersten Rommission angenommene Kompromiß in großen Zügen durch folgende Beſtimmungen er. gänzt: Die deutsche Regierung und die Reparationsfommission bestimmen Berireter, die mit den Banfiers Verhandlungen über die Festsetzung der Anleihebedingungen im gegen seitigen Einvernehmen führen. Der Berichterstatter stellt feft, daß der Vorschlag dem Friedensvertrag entspreche. Die franzö fischen Sachverständigen hätten ihn im Prinzip angenommen, ber englische Schaßtangler Snowden jedoch habe sich dagegen ausgesprochen. Die Verhandlungen werden seit 3 Uhr nachmitta Temps" erklärt dagegen, der einzige Vorwurf, den man der von Macdonald aufgeworfenen Debatte nicht machen könne, fei der, daß| fortgesetzt. Mussolinis Meilenstein. Rom, den 25. Juli 1924. Von Zeit zu Zeit setzt Mussolini durch eine Rede einen weiteren Meilenstein der italienischen Geschichte". Meistens findet die faschistische Bresse, daß mit seinen Worten eine neue Mera beginnt, und so rasen wir von einer geschichtlichen Epoche in die andere, immer auf der ftaubigen Chauffee mit den geschichtlichen Meilensteinen, ohne aus den epochemachenden Reden bis jetzt etwas darüber erfahren zu haben, wohin eigentlich dieser Weg führen soll. Mit jeder Rede wird Mussolini far bloser, der Versuch ,,, gewaltig" zu erscheinen, wird mit immer mehr unzureichenden Mitteln unternommen, und für die faschistische Presse wird die Bejubelung der Rede immer mehr zur Herkulesarbeit. In der Tat ist heute mit Reden nicht mehr viel zu machen. Jeder Sah, jedes Versprechen, jede Drohung ist schon mehrmals verwendet worden. Die Rede, die Mussolini soeben vor dem hohen Rat des Faschismus gehalten hat, hätte vor allem das innere Problem der durch die Ermordung mat teottis aufgedeckten Parteiforruption behandeln sollen: war es doch das erstemal, daß Mussolini seit der Tat zu seiner Partei sprach. Offenbar hat dieser Punkt aber für Mussolini nur eine sehr geringe Bedeutung. Er spricht nur ganz nebenbei von der Notwendigkeit, die Partei zu verbeffern und den neuen Bedürfnissen gewachsen zu machen". Außer dem Disziplinargericht für die nicht endenden Streitig feiten unter den Faschisten möchte Mussolini einen oberen Gerichtshof schaffen, der die politische und private Tätigkeit der Barteiführer fontrolliert. Für einen ansehnlichen Bruchteil dieser Herren wird diese Kontrolle heute von der Justizbehörde ausgeführt, was Mussolini un erwähnt ließ. Er hat nicht die Frage aufgeworfen, die selbst vielen Gegnern des Faschismus fich aufdrängte: wie war es möglich, daß innerhalb der Parteileitung und der Regierung, von den Geldern der Partei und des Staates angezogen und genährt, eine vielföpfige und weitverzweigte Verbrecherbande erstehen konnte, ohne daß innerhalb der Partei selbst irgendeine instinktive Abwehrbewegung erfolgte, ein Versuch, das auszustoßen, was dem Gewebe einer gefunden Partei als Fremdförper hätte erscheinen müssen? Mussolini hat in dem absoluten Einklang, dem harmonischen Ineinandergreifen von Verbrechertum und faschistischer Partei kein Problem gesehen und schlägt daher nur ein äußerlich zu gebrauchendes Mittel vor, eben jenen Gerichtshof, als deffen Vorsitzenden er gern einen Nichtfaschisten sähe. Der größte Teil der Rede war der Opposition gewidmet, von der es zu Anfang heißt, daß der Faschismus fie auch besiegen kann, indem er fie ignoriert, während am Ende gesagt wird, daß die fünftigen Ereignisse auch von denen bedingt sind, die den Faschismus befeinden". Merkwürdig und in hohem Grade für seine Auffassung charakteristisch ist das, was Mussolini über die öffentliche Ordnung im Lande fagt; er bezeichnet sie als vollkommen und sicher gewährleistet und fügt hinzu: In jedem Lande der Welt gibt es Elemente der Unordnung, die alle Regierungen, auch die liberalsten, kontrollieren und bestrafen." Das ist es ja gerade, was die Opposition von der Regierung fordert, daß sie die Elemente der Unordnung kontrolliere und bestrafe, daß sie nicht die Strafrücstände ihrer Leute auf die berüche tigten ,, elf bis zwölf Morde" Duminis anlaufen laffe, ehe sie mit der Kontrolle anfängt. Es ist eben die unbestrafte Unordnung, die ihre eigenen Organe nähren, für die man Rechenschaft fordert von der faschistischen Regierung. Ballonmügen gibt es in allen Ländern der Welt; wenn aber, wie das in Rom geschehen ist, ein Wehrmann der faschistischen Miliz, ein gewiffer Bittorio Rosa, von andauernder gewaltfamer Erpressung seiner zwei Geliebten lebt, und wenn, als die Sache dem Vorgesetzten des Rosa gemeldet wird, dieser zur Antwort gibt, es handle sich um Kleinigkeiten und die Anzeiger wären feine Faschistenfreunde, so steht das eben doch auf einem anderen Blatte, an dem die Tatsache nichts ändert, Ein Brief aus dem Kriege von morgen. Von Erich Grisar. Saft bu gar nichts mitgebracht! Irgendeine Erinnerung. Einen Granatsplitter oder eine fremde Patronentasche. Oder einen Gasschutzanzug, wie sie da getragen wurden. Ich sähe gern einen. Vom letzten Krieg habe ich mir eine Maste aufbewahrt." Nein," erwiderte der Heimkehrer stumm. Nur dies", und er nahm einen Brief aus der Tasche. Ich fand ihn in einem Hause, das wir auf lleberlebende absuchten." Und sonst hast du nichts mitgebracht?" „ Nichts." daß schließlich der Wehrmann zu vier Jahren zwei Monaten| Präventivzensur vom Jahre 1898 auf, ohne es zu erwähnen; Zuchthaus und einem Jahre Polizeiaufsicht verurteilt wurde. Briefe gehen in allen Teilen der Welt verloren; wenn aber ein schwarzes Kabinett sie den Gegnern der Regierung entweder öffnet oder ganz vorenthält, so ist das eben mehr als die bloße Postschlamperei. Was Italien heute eine Ausnahmestellung gibt gegenüber allen anderen Ländern der Welt ist eben die Gesegesverlegung durch die Organe der Regierung; man flagt nicht über Erzesse der Kontrolle und Bestrafung, sondern über ihren Mangel gegenüber den Angehörigen der herrschenden Partei. Wie sich die Faschisten die Ordmung denken, sieht man aus folgendem allerliebsten Brief, den das Genueser Lavoro" veröffentlicht und der die Situation in den fleinen Orten treff lich beleuchtet: Nationalfaschistische Partei Kämpferbund von Monte Marciano. Herrn Um die offen zur Schau getragene Ab wanderung zu verhindern, die bei Gelegenheit unserer Feste von vielen ausgeführt wurde, werden Ew. Wohlgeboren aufgefordert, im Ort zu bleiben. Der Fascio wird die Entfernung Ew. Wohlgeboren während der am tommenden Sonntag zwischen drei und sechs Uhr nachmittags stattfindenden Zeremonie als eine Beleidigung auffaffen. Dies zur Nachricht, um mögliche Unannehmlichkeit zu verhüten, die auf diese beständigen und offenkundigen Provokationen gez. Das Direktorium. folgen fönnten. Wie kann man sich einen Zustand vollkommenerer Ordnung vorstellen, als der es ist, in dem das„ nationale Bewußtsein" die verweigerte Teilnahme an Zeremonien der herrschenden Partei als Provokation empfindet, die nach Rhizinusöl und nach dem Knüppel schreit? Den ministeriellen Liberalen geht Muffolini etwas um den Bart und gesteht ihnen sogar zu, daß die Faschisten oft etwas überschäumende Reisegefährten sind", an welchem Eingeständnis interessant ist, daß der Ministerpräsi dent dasselbe Wort braucht, mit dem sein Pressechef Cesare Roffie den Mörder Dumini bezeichnete, als einen„ waderen, wenn auch vielleicht etwas überschäumenden Faschisten". Mit Hinweis auf die vielköpfige Opposition paraphrasiert dann Mussolini das„ viel Feind, viel Ehr" und fügt hinzu, daß der Faschismus ein„ Element absoluter Originalität im italienischen Leben darstellen müsse". Gott sei Dant, daß das richtig ist! Man denke sich ein Land, in dem es den Landes sitten gemäß wäre, daß hohe Beamte des Ministeriums des Innern von diesem aus eine Reihe von Morden organisierte und so eine Art Amt zur Beseitigung der Gegner der herrschenden Partei" im Schatten und auf Kosten der Regierung erstehen ließen! Solche Manifestation ist in der Tat ganz originell, und man muß es dem Lande feines schlimmsten Feindes wünschen, daß ähnliche Erscheinungen in ihm immer originell" bleiben mögen. 11 Das neueſte ist nun, daß sich Mussolini nach links wendet, nachdem ihm die Breffebetrete einige Enttäuschungen gebracht haben. Man hat nämlich die juristische Nichtigkeit dieser Defrete gering angeschlagen, weil man feine praktischen Folgen aus ihnen ableitete. Diese praktischen Folgen haben aber die Gerichte abgeleitet und drohen sie weiter abzuleiten. So hat z. B. das Strafgericht von Triest die Verweisung der von dem ersten Preffedefret vorgesehenen Delifte von den Geschworenen an das Landesgericht nicht gelten laffen, da ein Defret die Strafprozeßordnung nicht abändern kann, und hat also die Aften an das Geschworenengericht abgetreten. Für die südfichen Provinzen und Sizilien( das frühere Königreich beider Sizilien) gilt bie Presseverordnung deshalb nicht, weil sie nur als Ausführungsbestimmung des albertinischen Edikts vom Jahre 1848 gedacht ist, welches Ebift für die erwähnten später annektierten Landesteile durch zwei nachfolgende Dekrete ersetzt wurde. Das Ergänzungsdekret vom 12. Juli d. J., das angeblich Uebergangsbestimmungen enthalten sollte und dabei nebenbei die Beschlagnahmung einführt, hebt ein Gefeß gegen die In der oberen Stadt muß die Bombe niedergegangen sein. Wir hier unten wußten nichts. Sahen nichts. Bis es fich plöglich die Straßen herabsentte. Die Kutscher auf ihren Böden fanten um. vergifteten Inhalt gegen die Wände und überschlugen sich. Ein entDie Pferde vor ihren Wagen. Führerlose Autos raften mit ihrem jeglicher Krampf ging durch alle Leiber. Alles Leben sant um. Und nun liegt es da mit verglasten Augen. Grün. Grün. Die Bögel, die oben in den Lüften segeln, sah ich zur Erbe stürzen. Tot. Nur ich lebe. Nur ich. Und zu welchem Leben hat dein Rat mich aufgespart? Bleibe in den oberen Räumen, sagtest du, als du fortgingst. Ich blieb oben. Blieb oben. Und sehe stündlich mich näher dem Tode. Ich weiß nicht, steigt das Gas doch noch herauf ,, Dann erzähl doch wenigftens, wie es zuging, wie ihr lebtet. zu mir, verhungere ich bald, oder tommt Rettung. Wie ihr' lämpftet." Ich habe nichts zu erzählen." Da hatte einer der anderen schon den Brief gelesen. Nun rief er in das Schweigen:„ Das muß ja grauenhaft gewesen sein." Der Heimkehrer nickte. ,, Lies vor, ermunterten die anderen den Sprecher. Lies vor. Der jedoch gab den Brief weiter. Gab ihn mir und ich las: Heute ist der dreiundzwanzigste Tag seit der letzten Begasung. Seit zehn Tagen habe ich keinen Bissen Brot, keinen Schluck Waffer mehr zu mir genommen. Rarlchen starb bereits vor vier Lagen. Es war gerade zwei Tage vor seinem Geburtstag. Elise ist gestern hinübergegangen. Nun bin ich allein. Das einzige Lebewesen im Hause. Wie ich's mache, daß ich noch lebe, weiß ich nicht. Wie ich's mache, daß ich die Feder noch führen faan, ich weiß es nicht. Weiß nicht, ob je jemand diese Zeilen lesen wird, weiß nicht, ob je wieder jemand diesen Raum betreten wird. Gift lagert auf den Straßen. Gift auf den Treppen. Gift in den unteren Stockwerken des Hauses. Gift. Gift. Ueberall Gift. Unser Mädchen sant auf der Treppe um. Sie hat den Hunger nicht bezähmen können. Wollte hinab in den Keller. Wollte effen. Ich hielt sie, sie riß sich los. Sie schrie mich an. Unten sant sie um. Noch liegt sie da. Grün ihr Leib. Grün ihr Gesicht. Weit aufgeriffen die Augen starrt sie mich an. Und ich weiß nicht, soll ich mich hinabstürzen zu ihr. Oder soll ich weiter schmachten. Den sicheren Tod vor Augen. Wärft du bei mir! Ich litte nicht. Du hast die Mittel erfunden, dem Gift zu begegnen. Du fandest den Weg, dein Vaterland zu befreien. Aber was ist denn dein Vaterland? Lebst du noch? Kommst du je wieder zurüc? Die ganze Stadt ist still. Kein Leben ist mehr auf den Straßen. Warum aber mußten erst alle Menschen sterben? Warum wurde das Leben geopfert, da doch niemand nun das Gut, um das es ging, befigen will! Warum? Unten unter dem Fenster liegt der Leichnam eines Kindes. Es mollte feinen Bell hafchen. Da überraschte es die Welle. Rettung, woher? Wer weiß, daß hier im Hause noch ein Mensch lebt. Daß ein Weib noch um sein Leben zittert, um denen, die die Ueberlebenden, die die Sieger sein werden, zu sagen, daß sie Mörder sind, daß eine Mutter fie verflucht. Hörst du mein letztes Wort, zu dem die Hand kaum noch die Feder führt. Sie zittert, wie ich zittere: Ihr Männer seid Mörder. Ihr seid der Fluch der Erde. Uns zu schützen sagt ihr, führt ihr Kriege. Unsere Kinder wollt ihr schirmen und tötet sie doch nur. Unser Blut tötet ihr. Unser Blut. Für das, was ihr Ehre nennt. Daß ihr noch immer diese Ehre tragt, Frauen zu Gefährtinnen des Todes gemacht zu haben. Daß es euch nicht drückt, eure Kinder verröcheln zu sehen. diesen Tod überlebt, so soll sie die Welt beherrschen. Soll sie Ge Wenn je dieses Morden ein Ende findet, wenn je eine Frau setze machen und die Männer halten, wie man Tiere hält, deren Wildheit gebändigt werden muß. Das fagt dir deine Frau. Das sage ich, die ein Leben an der Seite eines Mannes gelebt, ehe ich sterbe. Weißt, du, es muß eine Luft sein, zu sterben am Pfahl, durch. bohrt von sausender Kugel. Eine Lust, zerschnittenen Leibes zu verbluten, aber Qual aller Qualen ist es, verenden zu müssen wie ich, inmitten von taufenden Toten. Berhungern oder vergiftet. Was weiß ich. Fluch dir. Fluch und dreifaches Wehe der Welt, die mir diesen Brief diktiert. Wehe.. Hier endete ber Brief in unflarem Zittern, das feine Buch staben mehr zustande brachte. Nur Krampf, nur Ohnmacht. Tob. Menschheitstod. Der, der den Brief mitgebracht, steckte ihn wieder zu sich und ging. Wie wir ihm nachfahen, wurde uns bewußt, daß er in seiner Tasche die Route des Menschheitsweges trug. Des Weges, ben die Menschheit gehen wird, wenn sie nicht bald denen folgt, die ihr den Weg zum Leben weisen. es ist also auch juristisch null und nichtig. Abgesehen von all dem ist es einleuchtend, daß ein in der Verfassung eines Staates verbuchtes Recht nicht durch ein Defret aufgehoben werden kann, das angeblich Normen für die Ausübung des Rechtes enthalten soll. In Rom hat sich bereits ein Komitee für den Rechtsschutz der betroffenen Zeitungen gebildet, das den Grundsay der Üngültigkeit der beiden Presseverordnungen vertritt. Unter Duzenden von Beschlagnahmen von Oppofitionsblättern haben wir auch ein Faschistenblatt beschlagnahmen sehen, das„ Impero", dessen Borbereitern des italienischen Weltreichs jeder Richter die völlige Unzurechnungsfähigteit zubilligen muß. Dem ungelesenen ernst gemeinten Hanswurstblättchen soll das Papier ausgegangen fein. Es brachte ,, reinen Sinnes", wie Mussolini sagen würde, eine harmlose Anregung, Turati, Amendola und andere Leader der Oppo sition umubringzen, und wurde von dem Schwert der Nemesis erreicht. Es war sehr ergreifend, nur die Geschichte von dem Papiermangel tat der Wirkung auf das ganze Land Abbruch. Da also die Presseknebelung so wenig Anklang gefunden hat, strebt Mussolini momentan nach links. Die Faschisten hatten den Unternehmern zwei Jahre hoher profite verschafft( ein fostbares Zugeständnis!), jetzt sei es an den Unternehmern, den Arbeitern einen Teil des Profits zu gewähren, sonst werde er andere Mittel anwenden, hat Mussolini einer Deputation Turiner faschistischer ArbeiterWeiter hat er eine Gegenleistung vertreter gesagt. gefordert für 300 millionen ungerechter Kriegsgewinne, die er den Unternehmern nachgelassen hätte( auch ein kostbares Zugeständnis!). In seiner Rede vor dem Hohen Rat hat er dann dem faschistischen Syndikalismus die nachstehenden etwas nebelhaften Aufgaben zugewiesen: die Ausarbeitung von Instituten, durch die die Korporationen rechtsfähig und als eine Kraft des Staates erhöht werden";" bie Hebung der moralischen Verhältnisse der Arbeiter, um sie enger dem Leben der Nation anzuschmiegen( renderle piu aderenti); 3uweisung eines Teils des Profits an die, die an feiner Schaffung mitgewirkt haben. Die Korporationen sollen zur Kraft des Staates erhöht, den Unternehmern einen Teil des Mehrwertes streitig machen. Wir fürchten, es wird ihnen gehen, wie jenem jungen Mädchen im„ Simplicissimus", das zur Freundin sagt:" Ich möchte mich auch gern feruell ausleben, aber Mama erlaubt es nicht." Man wird das mit dem Mehrwert auch nicht erlauben. | Geplanter Kommunistenputsch? Das Hamburger Fremdenblatt" enthüllt geheime Inftrut tionen der KPD. für einen angeblich am 4. Auguſt geplanten Butsch. Wir halten diese Instruktionen und Enthüllungen für Schwindel. Sie widersprechen vollständig den politischen Anschauungen, die in der letzten Zeit auf den Konferenzen der KPD. und auch in Mostau geäußert worden sind. Alles Geschrei der inten" Führung der deutschen Kommunisten hat nicht darüber hinwegtäuschen können, daß auch sie sich sehr wohl der allgemeinen Flaute bewußt sind, von der die kommunistische Bewegung betroffen ist. Auf dem letzten Zentralausschuß ist das ganz eindeutig von den verschiedensten Delegierten zum Austrag gebracht worden. Es ist infolgedessen bestimmt nicht anzunehmen, daß die Kommunisten zurzeit irgend etwas vorbereiten, was nach einem Butsch aussieht. Daß sie durch ihre Zentrale Anweisungen selbstverständlich; das Klappern gehört zum Handwerk der Parteis Demonstrationen, Propagandaveranstaltungen usw. geben, ist mühle. Die Zirkularanweisungen der KPD.- Zentrale lesen sich dabei in der Regel bedeutend bombastischer, als es die Veranstaltungen der Kommunisten nachher in Wirklichkeit sind. Man tut der PRD. nur einen ganz unangebrachten Gefallen, wenn man sie crifter nimmt, als sie es verdient. Ein Kommunist durch englisches Kriegsgericht verurteilt. Der Römer Kommunist Frenßen ist vom britischen Kriegsgericht wegen Besizes von Waffen und gefälschten Stempeln zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Unmöglichkeit einer wirtschaftlichen Goldfabrikation Professor Dr. Otto Hahn vom Kaiser- Wilhelm- Institut für daß es gelungen sei, das Quecksilber zu einem sehr feinen, aber Chemie in Dahlem schreibt: Im Anschluß an die Mitteilung des Herrn Geheimrat Miethe, deutlich wahrnehmbaren Betrage in Gold überzuführen, erschien vor wenigen Tagen in einigen Blättern die sensationelle Nachricht, daß auch die wirtschaftliche Herstellung des Goldes aus Quecksilber durchaus in den Bereich der Möglichkeit gerückt sei, und daß es mit einem besonders gebauten elektrischen Ofen gelänge, beispielsweise 3 Kildgramm Quecksilber in nicht länger denn zehn Minuten vollkommen zu zertrümmern", daß es gelänge, bas verhältnismäßig schwer ganze Reihe anderer Elemente entständea" u. a. m. fchmelzbare Eisen vollkommen zu zertrümmern, so daß daraus eine Jeder mit der modernen Naturter.nims auch nur oberflächlich Bertraute wird das geradezu Unsinnige dieler Behauptungen er kennen, und es würde sich erübrigen, von diesen Nachrichten Notiz zu nehmen, wenn nicht in einem Teil der Blätter, die diese Nachricht brachten, ein Artikel von mir gewissermaßen als Stüße für diese Behauptungen herangezogen würde. Die angeführte Mitteilung von mir erschien in der Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 17. Juli; fie enthielt lediglich eine fachliche Darstellung unserer heu. tigen Renntnis über den Atomzerfall und hatte mit der eigentlichen Mietheschen Beobachtung nichts zu tun. Meine Stellungnahme zu dieser fand sich in dem Schlußfah zusammengefaßt, der wörtlich folgendermaßen lautete:... die Beobachtung des Herrn Geheimrat Miethe und des Herrn Dr. Stammreich würde daher, falls fie sich bewahrheitet, als eine Entdeckung anzusehen sein, deren wissenfchaftliche Tragweite wir heute nur ahnen fönnen." Kein Unbefangener tonnte hieraus eine Stellungnahme für oder nicht möglich war. Noch viel weniger fann natürlich mein Artikel gegen die Mietheschen Angaben herauslesen, die ja nach den vorliegenden spärlichen wiffentschaftlichen Veröffentlichungen auch gar als Stüße für die oben erwähnten Phantasien herangezogen werden, und es scheint mir im Interesse der Allgemeinheit erwünscht, daß ihre Irreführung durch solche unwissenschaftlichen, ins Märchenhafte gesteigerten Nachrichten verhindert wird." Das Geheimnis des„ Cebenseligiers". Der Zauberer der ChiRodefeller- Institut, hat die Jahresversammlung des Britischen rurgie", der amerikanische Arzt Dr. Aleris Carrel vom New Yorker Aerztevereins in Bradford besucht und dabei interessante Mitteilun gen über seine neuesten Forschungen gemacht. Er glaubt dem so oft gesuchten Lebenselirier" auf der Spur zu sein. Carrels berühmtestes Experiment ist die nun bereits 12 Jahre durchgeführte Lebendigerhaltung eines Hühnerherzens, das aus dem Körper entfernt und in eine besondere„ Kultur" gelegt wurde. Alle zwei oder drei Jahre wird es in eine frische Kultur" eingepflanzt, der von Zeit zu Zeit das Blut von alten und jungen Hennen zugefügt wird. Es hat sich nun gezeigt, daß das Blut der der jungen Tiere es beschleunigt. Die Aufgabe ift," fagie Carrel, alten Hennen das Wachstum des Organismus aufhält, während das die Zellen des Körpers lebendig zu erhalten, gerade so wie Batte rien, und zu gleicher Zeit genau zu beobachten, wie sie leben. Blut Der Aufwertungsschwindel. Hergt mit dem Mühlrad im Kopf. Im Aufwertungsausschuß des Reichstages tam es im Anschluß an die Darlegungen des Geheimrats v. Pechmann zu einer Po= lemit zwischen ihm und dem deutsch nationalen Parteiführer Hergt. Auf die Frage von Hergt betonte v. Pechmann noch einmal, daß er einer Aenderung der dritten Steuernotverordnung widerraten müsse und daß eine Erhöhung der Aufwertung dazu führen würde, daß der Grundbesitz überhaupt feinen Kredit mehr hätte. Als Sachverständiger für die Lebensversicherung Sprach Geheimrat Riese. Auch er hielt eine Neuregelung der Aufwertung über die dritte Steuernotverordnung hinaus für bedent lich, weil sie neue Unsicherheit und Beunruhigung schaffen würde. Durch die Gründung von Tochtergesellschaften ist die Möglichkeit ause geschlossen worden, haß etwa die Deckungsmittel für die neu en wertbeständigen Bersicherungsabschlüsse zur Aufwertung der alten Bapiermarkversicherungen mit verwandt werden könnten. In der legten Zeit ist das Versicherungsgeschäft sehr rege gewesen, meil mit der Stabilisierung der Valuta das Bertrauen gewachsen ist und die Versicherungsnehmer fich con Papiermart auf Goldmark umstellen. Für den Zentralverband der Haus und Grundbefizer erflärte Stadtrat Humann- München: Die Regelung in der dritten Steuernotverordnung sei unbefriedigend und nehme nur Rücksicht auf die fiskalischen Interessen, nicht aber auf die Gläubiger und die Hausbesizer. Die Hauszinssteuer ist auf die Dauer nicht halt= bar. Ihr Ertrag wird von den Ländern und Gemeinden rein fisfalisch verwandt. Von den 25 Millionen aus dem Ertrag der baye rischen Hauszinssteuer, die für die Fortführung der stodenden Neubauten reserviert bleiben sollten, hat das Landwirtschaftsministerium einfach 12% millionen für sich verbraucht. Der Hausbesig hält eine höhere Aufwertung als 15 Proz. für tragbar, wenn er Freiheit bei der Mietzinsbildung habe. Durch Abbau der Hauszinssteuer muß dann die Instandsetzung der Häuser gewährleistet werden, so daß die Hausbesitzer sich vorbereiten fönnen auf die freie Wohnungswirtschaft, die nicht über Nacht kommen, sondern nur durch allmählichen Abbau der Zwangswirtschaft erreicht werden kann. Als Vertreter des Deutschen Mieterbundes sprach Rechtsanwalt Groß- Dresden. Wenn die Wirtschaft eine Aufwertung leisten kann, dann ist grundsäglich gegen die Aufwertung nichts einzuwenden, sie muß aber ge re cht fein. Wir bezweifeln aber, daß das zu erreichen ist. Jede Aufwertung ist für die Wirtschaft eine neue Laft und mit großen Zinsenaufwendungen verbunden. Die Mietzinssteuer ist unwirtschaftlich und unsozial. Es ist unmöglich, mit der Aufwertung der öffentlichen Anleihen zu beginnen. Es besteht die große Gefahr, daß die Aufwertung eine neue große Caft für die Mieter mit sich bringt. Dagegen wenden wir uns mit aller Entschiedenheit. Wir verlangen, daß die Mietzinssteuer durch Steuern auf Einkommen und Befiz ersetzt wird. Die Wohnungswirtschaft ist durch eine Wohnbauabgabe zu fördern. Die Bestimmungen über die Mietzinsbildung in der dritten Steuernotverordnung müssen gestrichen werden. Die Grundgedanken des Reichsmietengefezes sind aufrecht zu erhalten. Die Geldanlagen der Hausbefizer dürfen nicht höher aufgewertet werden, als alle anderen Forderungen. Auf Fragen fügt der Sachverständige hinzu, daß die Mieter durchaus tein Privileg wollen. Sie wehren sich nur dagegen, daß der Hausbesih Aufwertungsgewinnler wird. Es wird sodann festoestellt, daß der Allgemeine Deut. fche Gewerkschaftsbund nicht vertreten ist, da er feine Einladung erhalten habe und gewünscht, daß er seine Stellungnahme dem Ausschuß schriftlich unterbreite. Als Vertreter des Deutschen Gewertschaftsbundes entwickelt Herr Herschel folgende Gedankengänge: Der Deutsche Gewerffchaftsbund lehne grundfählich die Aufwertung ab. Wenn der Reichstag aber die Aufwertung beschließe, dann müssen erstens die fleinen Sparer bevorzugt werden( Fabriksparkassen und Sogiaperficherungen). Zweitens: die Hauszinssteuer darf nicht zur 2iufwertung tommunaler Anleihen benutzt werden. Drittens dürfen nur ursprüngliche Zeichner Anspruch auf die Aufwertung haben. Wirtschaft und Staat tönnten jedoch eine Aufwertung über das bisherige Maß hinaus nicht tragen. Die Unternehmer sagen immer, die Wirtschaft vertrage teine neue Lohnbelastung. Dann ertrage fie aber, auch teine Erhöhung der Aufmertung um 10 oder 20 Broz. Auch der Staat tönne nicht aufwerten, solange er feine Stentner so ungenügend versorge. Wenn man aber weiter aufwerte, dann müsse man aufwerten bis zur äußersten Konsequenz, allo auch bereits zurückgezahlte Forderungen usw. Niemand fönne bestreiten, daß das ein furchtbares Durcheinander gebe und das Bedenken der neuen Inflation als berechtigt er= junger Lebewesen enthält unzweifelhaft eine Lebenssubstanz in viel größerer Stärfe als das Blut alter Lebewesen, und wenn es ge= fingen sollte, diesen besonders der Jugend eigenen Stoff festzustellen, so würde man ein wirkliches Lebenseligier gefunden haben, das die Wissenschaft vielleicht dann aus dem jungen Körper entfernen und in einen älteren Körper überführen könnte. Bis jetzt ist freilich die Feststellung einer solchen Substanz noch nicht gelungen." Bergfon begrüßt Einstein. Das Genfer Völkerbundssekretariat veröffentlicht die Begrüßungsansprache, die in der nicht öffentlichen Sigung der Völkerbundskommission für geiftige Bufammenarbeit Präsident Henry Bergson an die neuen Mitglieder, darunter Pro fessor Einstein, richtete, Bergson erklärte in feiner Rebe u. a., daß Die Kommission glücklich und stolz darauf sei, daß Einstein, der Beltruf genieße, ihr angehöre. Sein Wert sei eine der gewaltigsten Anstrengungen, die der Mensch vollbracht habe, um die Grenzen des menschlichen Denfens weiterzuspannen. Einstein habe das Wert vollbracht, daß seine Theorien, deren Schwierigkeiten die Berufsgelehrten entmuligen könnten, die ganze Welt leidenschaftlich eingenommen und bewegt haben. Bergson erinnerte dann daran, daß Einstein sich über die Beziehungen zwischen den Bölkern Anschauungen gebildet habe, die dem Völkerbundsideai ähneln, und sprach die Hoffnung aus, Einsteins Beteiligung an einer Kommission des Bölkerbundes möge dazu führen, daß der größte Teil der Menschheit, den er zu seinen wissenschaftlichen Spekulationen befehrt habe, auch für dieses Ideal gewonnen werde. Ein elektrisches Planetarium. Man schreibt aus München: Unter dem großen Kuppelbau des Deutschen Museums ist ein Riefen planetarium zur Aufstellung gelangt, das von der Firma Zeiß in Jena nach den Plänen Dr. Bauersfelds hergestellt worden ist. Es ist ein Riefenprojektionsapparat, in dem 40 fleinere Projektions apparate ineinander greifen. Der Apparat projiziert den ganzen Sternenhimmel an die Kuppeldecke, dann sehen sich, burch einen Elektromotor betrieben, die einzelnen kleineren Apparate in Bemegung und am Kuppelhimmel gehen Sonne und Mond auf und unter, und die Planeten beschreiben ihre Bahnen. In exaktester Berechnung und genauester mechanischer Ausführung läuft lichtbildartig der Sternenhimmel über das Kuppelgewölbe. Diefes einzigartige Meisterwert eines elettrisch bewegten Weltalls im fleinen dürfte in Hauptanziehungspunkt des Deutschen Museums werden. Die Völker bundtommiffion für geiffige Zusammenarbeit nahm mehrere Entschließungen an, in denen die Schaffung eines internationalen Sataloges für wissenschaftliche Filme, die Einberufung eines internationalen Stine matographenfongreffes zur Aufstellung wissenschaftlicher, künstlerischer und pädagogischer Grundsäge und die Organisierung einer internationalen Aus ftellung für das belebte und unbelebte Lichtbild zu wissenschaftlichen und pädagogischen Zweden empfohlen wird. Eise amerikanische Schule in Tokio. Eine bedeutsame Rundgebung gegen die antiamerikanische Bewegung in Japan ist der Beschluß der Berwaltung des kaiserlichen Hauses, einen wertvollen Bauplas ohne Entgelt zum Bau einer amerikanischen Schule im Fremdenviertel bon Lokio zur Verfügung zu stellen. Die Schule soll im Herbst eröffnet werden. Cine toftbare Spike. Die neue Kathedrale von Liverpool, die soeben eingeweiht worden ist, hat ein außergewöhnlich fostbares Gefchent, eine Spize von feltener Bracht erhalten. 20 Damen haben an diesem Brachtstüd feit 1902, aljo boffe 22 Jahre, ununterbrochen gearbeitet. Stonnten die 20 Damen fich während dieser 22 Jahre nicht näglicher beschäftigen? scheinen laffe. Die Arbeitnehmer hätten die große Befürchtung, daß Gegen den Abbau des Reichswirtschaftsrats. die Caffen der aufgewerteten Forderungen auf die Maffen durch erhöhte Preise und niedrige Löhne abgewälzt werden. Niemand wolle die Lasten der Aufwertung felber tragen, sondern spreche für die Aufwertung aus den Taschen der anderen. Im weiteren Verlauf der Bernehmungen kommt Oberlandesgerichtspräsident Dr. Best- Darmstadt zu Wort. Er erläutert jeinen Gefeßentwurf und den des Staatssekretärs Mügel und bittet den Ausschuß, sich auf den Boden seines Entwurfs zu stellen. Niemals gebe es eine dauerhafte Regelung, wenn sie auf der Ungerechtigkeit beruhe, wie das bei der dritten Steuernotverordnung der Fall sei. Damit sind die Bernehmungen der Sachverständi gen beendet und der Ausschuß tritt in eine Geschäftsordnungsdebatte über die Art der weiteren Verhandlung ein. Abg. Hergt( Dnat.) meint, es sei zweifelhaft, ob die Berhandlungen des Ausschusses durch die Bernehmung der Sachverständigen geför dert worden seien. Es gehe ihm jeht wie ein mühlrad im Kopfe herum. herum. Es wird schließlich der Vorschlag gemacht, die Barteien follten ihre Anregungen dem Justizministerium zur gefehgeberischen Ausarbeitung unterbreiten, später fönne dann die Generaldebatte folgen. Es wird beschlossen, fo zu verfahren und die allgemeine AusSprache unter Beteiligung der verantwortlichen Minister sobald als möglich zu beginnen. Die Erstattung der Landabgabe. Auf unseren letzten Artikel über den Steuersfandal fendet uns das Reichsfinanzministerium eine Entgegnung, die sieben Schreibmaschinenfeiten umfaßt. Wir müssen es uns leider versagen, diese Erklärung im Wortlaut wiederzugeben, da sie mit ihrer Darstellung zahlloser technischer Einzelheiten eine ebenso ausführliche Entgegenung beanspruchen würde. Das aber ist uns aus Raumgründen nicht möglich. Im übrigen wird ja das Verhalten des Reichsfinanzministeriums in dieser Angelegenheit noch Gegenstand parlamentarischer Auseinandersezun gen sein, so daß wir auch aus diesem Grunde mit dem Nichtabdruck keinerlei Beeinträchtigung der Klärung der Angelegenheit vornehmen. Wir wollen mur auf einen wesentlichen, weil allgemeinen Gesichtspunkt hinweisen. Das Reichsfinanzministerium gibt zu, daß Fälle vorgekommen sind, in denen die Rückzahlungen höher waren, als die Einzahlungen. Es sucht dieses bei der Notlage der Reichsfinanzen unverständliche Verhalten mit der Tatsache zu er klären, daß die genaue Feststellung der eingezahlten Beträge in Gold überaus schwierig sei. Das unterliegt keiner Anfechtung. Das aber hätte sich das Finanzministerium sagen fönnen, bevor es Die Geltungsdauer der Landabgabe um zwei Monate verkürzte und den Rückzahlungsanspruch für Papiermartzahlungen in Gold ge feßlich festiegte. z. Wir begnügen uns mit der einfachen Feststellung, daß diefem Entgegenkommen an die Landwirtschaft tein entsprechen des Entgegenkommen an die Lohn- und Gehaltsempfänger gegenübersteht. Jeder Lohnsteuerpflichtige 3. B. genießt eine Steuerfreiheit für ein Einkommen von 600 m. pro Jahr. Angenommen, ein Lohnsteuerpflichtiger ist 11 Monate erwerbslos und hat im zwölften Monat nur ein Einkommen von 60 M., so müßte er eigentlich nicht nur für diesen Monat, sondern solange steuerfrei sein, bis fein Einkommen 600 M. überschreite. Das wäre, um die Worte des Finanzministeriums zu gebrauchen, „ billig". 3u diefer Billigkeit aber hat man sich bisher noch nicht auffchwingen können. Bei Lohn und Gehaltsempfängern gilt eben ein anderer Maß sta b, als bei den großen Agrariern. Die Flagge des Herrn Jarres. Nur kein Bekenntnis zur Republik! Die Deutsche Republik hat einen Reichsinnenminister, der sich wirklich vor der Welt sehen lassen kann. In der Volkszeitung" wird mit Recht auf das eigentümliche Verhalten des Herrn Dr. Jarres bei den Borbesprechungen zu der Feier am 3. Auguft aufmertfam gemacht. Schon bei der Beerdigung des in französischer Gefangenschaft gestorbenen Dreyer fonnten wir nachweisen, wie Herr Jarres seinen ganzen Apparat in Bewegung gesetzt hatte, um nur die schwarzrotgoldene Schleife zu vermei= ben. Damals tam man auf den genialen Einfall, ein Blumengebinde in Form eines Eisernen Kreuzes im Namen der Reichs regierung zu überreichen. Die schwarzrotgoldene Fahne hat auch diesmal dem Reich sinnenminister große Kopfschmerzen bereitet. Er hat ausdrücklich bei den Vorbesprechungen gebeten, nicht mit Fahnen zu erscheinen". Und als Begründung dieser eigentümlichen Aufforderung erklärt der Reichsinnenminister, der Streit um die Reichsfahnen" dürfe nicht störend in die Erscheinung treten. In Wirklichkeit macht Dr. Jarres damit nur eine Verbeugung vor den rechtsrabitalen Berbänden, in deren Nähe er sich offenbar wohlfühlt, und er folgt nur dem Drang feines eigenen Herzens. Schwarz- Rot- Gold ist in der Tat nichts für einen Mann vom Schlage des Herrn Dr. Jarres. Die staatsgefährlichen Kinder. Die Reichsregierung läßt als Antwort auf unseren Angriff wegen des Ausreiseverbotes für die 500 Kinder der Internationalen Arbeiterhilfe erklären, dieses Verbot sei nur erfolgt, weil es fich bei dem Transport der JAH. lediglich um fommunistische Propaganda gehandelt habe. Daß es sich bei Aktionen der JAH. um kommunistische Propaganda handelt, das wissen wir auch ohne eine offizielle Belehrung der Reichsregierung. Deswegen ist das Ausreiseverbot des Reichsinnenministers doch nach wie vor eine groteste lächerlichkeit. In dem Augenblick, in dem der französische Ministerpräsident durch seine Gefte des Entgegen. tommens und der Versöhnlichkeit demonstrativ befundet, daß er für eine Aenderung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich eintreten will, wäre es felbstverständlich gewesen, doß die Reichsregierung sich über solche kleinlichen und vollständig untergeordneten Gesichtspunkte hinweggesett hätte. Der Trans port der Rinder nach Frankreich hätte gerade in diesem Augenblick port der Kinder nach Frankreich hätte gerade in diesem Augenblick nur gut wirken können. Das Verbot erfolgt bei einem Manne wie Dr. Jarres nicht nur deswegen, weil Jarres überhaupt teine Berständigung zwischen Deutschland und Frant reich will, weil dieser Typ eines bureaufratischen Verwaltungs beamten des alten Regimes im Innern nur Ausnahmerecht und nach außen nur Revanche tennt. " Vom Juden gerettet. Wie der Welt am Montag aus Lauenburg( Bommern) geschrieben wird, hielt der bekannte nippel Kunze in Lauenburg einen Vortrag, in dem er wie üblich auf die Juden schimpfte, und fuhr dann nach dem Badeort Leba, wo er beim Baden in eine Untiefe geriet und zweifellos ertrunken wäre, wenn ihn nicht der Badearzt Lebas, Herr Dr. Poiner, aus dem Wasser gezogen hätte. Herr Kunze erkundigte sich noch nachträglich, ob Herr Dr. Posner wirklich Jude sei, und verschwand nach dieser fatalen Fe tellung ohne ein Wort des Dantes. 100 Auf Grund einer Entschließung des Bundesausschusses des 2DG B. haben die Gewerkschaften der Reichsregierung und dem Reichstag folgendes unterbreitet: Bertretung der wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Interessen ,, Der Abbau des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates hat für die der Arbeiter eine unhaltbare Lage geschaffen, die mit längerer Dauer immer unerträglicher wird. Ueber zwei Drittel der Mitglieder des Reichswirtschaftsrates sind seit Beginn des Jahres ihrer Rechte beraubt und von jeder Mitarbeit ausgeschaltet. Den Ausschüssen, die noch tagen dürfen, ist das Recht der Initiative genommen. Bienartigungen haben seit länger als Jahresfrist nicht statt. gefunden. Die wichtigsten Wirtschaftsfragen werden entschieden, ohne die in der Verfaffung des Reiches vorgesehene Mitwirkung des Reichswirtschaftsrates. Mehrere Gefeßesvorlagen, die ihm früher zur Begutachtung unterbreitet wurden, hat die Reichsregierung unerledigt wieder zurückgezogen. Die längere Aufrechterhaltung dieses Zustandes ist unvereinbar mit Artikel 165 der Reichsverfassung. Auch der Hinweis auf erforderliche Ersparnisse im Reichshaushalt tann einen solchen Dauerzustand nicht rechtfertigen, da der Vorl. RWR. bereits im November 1923 der Reichsregierung in seinem Gutachten über die endgültige Gestaltung des RWR. den Weg gezeigt hat, eine dem Artikel 165 der Reichsverfassung entsprechende gesetzliche Bertretung mit wesentlich verminderten Roften zu schaffen. Der Bundesausschuß des ADGB. erhebt die dringende Forderung an die Reichsregierung und den Reichstag, dem gegenwärtigen un= würdigen Zustand, den der dezimierte und entrechtete Borl. RWR. darstellt, baldigst ein Ende zu machen und ein dem Gutachten des Borl. RWR. entsprechendes Gesez über den endgültigen Reichswirtschaftsrat ungefäumt zu beschließen, bis dahin aber die für die volle Arbeitsfähigkeit des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates erforderlichen Etatmittel zu bewilligen." Freilassung in Bayern. München, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Einer der Führe der Münchener Räterepublif, der zu 5%, Jahren Festung verur teilte Gustav Klingelhöfer, ist jest aus der Haft in Niederschönenfeld entlassen worden. Für das lezte halbe Jahr der Strafzeit wurde ihm Bewährungsfrist zugebilligt. Unterbrechung der Micum- Verhandlungen. Düsseldorf, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die am Mon tag geführten Verhandlungen zwischen der Sechserkommission des Zechenverbandes und den Vertretern der Micum sind nach mehrstündiger Dauer infolge mangelnden Entgegenkommens der MicumVertreter ergebnislos abgebrochen worden. Nach Fühlungnahme der Vertreter der Sechserkommission mit der Reichsregierung werden die Verhandlungen am Donnerstag vormittag fort gefett. Hughes in Paris. Paris, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der amerikanische Staatssekretär des Aeußern, Hughes, ist am Montag in Paris eins. getroffen. Hughes tommt in Begleitung einer größeren Deputation der amerikanischen Anwaltskammer zum Befuche feiner franzöfifchen Kollegen. Wenn auch versichert wird, daß seine Reise feinerlei offiziellen Charakter habe, so nimmt man in gutunterrichteten Kreisen doch an, daß er die Gelegenheit benutzen werde, fich mit den maßgebenden französischen Stellen über die Frage der alliierten Schulden an Amerita zu unterhalten, zumal wenn durch die Annahme des von Ramsay Macdonald neuerdings vorgeschlagenen Kompromisses bis dahin die Frage der französischen Schuld an England eine Regelung gefunden habe. Deutschland und der Garantiepakt. Genf, 28. Juli.( WTB.) Die deutsche Regierung ließ heute dem Böllerbundjefretariat eine Dentichrift überreichen, in der der deutsche Standpunkt zu dem von der legten Völlerbundbersammlung ausgearbeiteten Garantiepakt, d. h. dem Vera trage über gegenseitige Unterstügung dargelegt wird. Verfasser der Deutschrift find namhafte deutsche juristische Persönlichkeiten. Die deutsche Regierung war seinerzeit wie alle anderen Regierungen zur Stellungnahme zum Garantiepaktentwurf aufgefordert worden. Treibt die Wilhelmstraße Sabotage? labung Deutschlands erinnert„ Daily Telegraph" an Tattlofigfeiten, durch die Deutschland mehrmals günstige Aussichten zerstört habe, insbesondere durch die Methode, mehr zu fordern in der Erwartung, dadurch möglichst viel zu erlangen. Das Blatt weist als charakteristisch für seine Behauptung auf ein Beispiel aus der jüngsten Zeit hin, das bringend der Aufklärung bedürfe. Macdonald fei bemüht gewesen, ein Gesuch Deutschlands um Aufnahme in den Bölterbund rechtzeitig für die Herbsttagung zustande zu bringen. In der Absicht, den Vorstellungen des britischen Botschafters Nachdrud zu verleihen, fei vom Bölkerbund Sir Erit Drummond nach Berlin gereist. Das Auswärtige Amt habe ihm gegenüber die Auffoffung vertreten, Deutschland benötige den Völkerbund zwar nicht, sei aber um Englands Willen unter folgenden Bedingungen zum Eintritt bereit: Ständiger Sitz im Bölferbundral, Revision des korridors zwischen Deutschland und Ostpreußen, Neuregelung der Kolonialfrage, indem ein Mandat über die Kolonie Ostafrika in dem Sinne gewährt werde, daß deutschen Gesellschaften ausgedehnte territoriale Privilegien zugestanden würden. Diese lettere Forderung hätte Macdonald von der Unbilligkeit der deutschen Haltung überzeugt. Condon, 28. Juli.( Eigenèr Drahtbericht.) Angesichts der EinDazu schreibt der Soz. Parl.- Dienst.": Eine Feststellung darüber, ob die Annahmen des ,, Daily Telegraph" zutreffen, war am Montag abend bei den amtlichen Stellen nicht mehr zu erreichen. Infolgedessen verzichten wir heute auf eine eingehende Stellungnahme zu den Veröffentlichungen des englischen Blattes, erklären aber jetzt schon, daß die Haltung der Reichsregierung in einem Augenblid, wo die Einladung Deutschlands zur Debatte stand, mehr als ein Standal bedeuten würde, vorausgesetzt natürlich, daß die Angaben des ,, Daily Telegraph" zutreffen. Im Intereffe Deutschlands möchten wir wünschen, daß das Blatt das Opfer falscher Informationen geworden ist. * Die deutsche München, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht). Delegation nach London wird als Vertreter Bayerns der Staatsrat im Ministerium des Aeußern, Dr. Schmelzte, begleiten. Das Ende der Militärrevolte von Sao Paulo. New Hort, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die revolutio nären Truppen haben Sao Paulo nach hier vorliegenden Nachrichten in der Nacht von Sonntag zum Montag geräumt. Die Regierungstruppen haben die Stadt inzwischen wieder besetzt und bie Verteidigungsstellungen bezogen Gewerkschaftsbewegung ihren Arbeiten diese Grundsäße aufrechterhalten, damit auch hier Gegen das Internationale Arbeitsamt. ( Bon unserem Genfer Rorrespondenten.) Die Deutschnationale Reichstagsfraktion hat bekanntlich von der Sheichsregierung gefordert, das Washingtoner Abtommen nicht zu ratifizieren und den Austritt Deutschlands aus dem Internationalen Ar. beitsamt zu erklären. Aus dem nachstehenden Artikel ergibt fich die Auffaffung der maßgebenden Genfer Areise zu den geplanten reaktionären Machenschaften. ( D. Red.) Die deutsche Reaktion hat ihre Karten aufgedeckt; sie verwirft ftrifte die Ratifikation des Washingtoner Abkommens und fordert ebenso kategorisch den Austritt Deutschlands aus dem Internationalen Arbeitsamte, da dieses dauernde Kritik an den deutschen Zuständen übe". Man ist in den Kreisen des Internationalen Arbeitsamtes von diesem Schritte nicht besonders überrascht. Er wird hier nur als notwendige legte Konsequenz des Verhaltens betrachtet, wie es die offiziellen deutschen Kreise gegenüber Genf bisher an den Tag gelegt haben. Die ebenso ausgiebige mie objektive unrichtige Bresselampagne gegen Thomas, dem man die Idee einer Wirtschaftskontrolle über Deutschland unterschob, das fleißige zitieren Pinots, des Wortführers der französischen Industriellen gegen Godard, die betonte Gefte des 4000- M.Beitrages, die von Deutschland jährlich für das Arbeitsamt gezahlt werden halb soviel wie der Beitrag Liberias- und Die Erklärungen des Reichsarbeitsministers Dr. Braunsalles das ist in Genf verstanden worden als die Einleitung einer Kampagne des Großtapitals gegen die soziale Institution, die dem Schuge der Arbeit in der ganzen Welt dient. Deutschland hat dabei den Wort führer gemacht. Die deutsche Reaktion hat den Zeitpunkt für ihren BorStoß nicht ungeschickt gewählt. Sie fühlt sich stark und glaubt fich der Unterstützung einer teils interessierten, teils unent schlossenen und beeinflußten bürgerlichen Mehrheit sicher, wenn fie zum Generalangriff auf das Proletariat übergeht. Nach außen hin vertraut man auf den amerikanischen Bantier", der schon die nötige Ellbogenfreiheit garantieren mird, wenn man ihm dafür seinerseits eine glatte Abwicklung des deutschen Geschäfts garantiert das auf Roften des deutschen Arbeiters vorgenommen werden soll. Aber das Internationale Arbeitsamt ist dabei im Wege. Es ist ein lästiger Mahner andas soziale Belt gemissen. Es hat den Achtstundentag auf den Schild erhoben und dient sachlich den Interessen der Arbeit. Gewiß, noch ist es eingeengt in seiner Bewegungsfreiheit und bei der Durchführung seiner sozialen Arbeit auf den guten Willen der verschiedenen Regierungen angewiesen. Aber es ist meit über feine unmittelbare praftische Arbeit hinaus schon ein Gymbol für das kommende große Wert der sozialen Gerechtigfeit und der Solidarität der Arbeit in der ganzen Welt. Für die deutsche Reaktion werden allerdings derartige Ueberlegungen nicht ausschlaggebend sein. Sie sieht ihren Kampf gegen das Arbeitsamt wie gegen jede Art von internationaler Berständigung nur unter dem engen Gefichtsmintel ihrer unmittelbaren Interessen. Sie will das ,, wieder herrim Hause sein" auch ins internationale Gebiet übersezen. Daher die bewußte Ablehnung des Völkerbundes und die Brüsfierung des einzigen internationalen Instituts von Rang, in dem Deutschland für feine fozialen Aufgaben und Notwendigkeiten gemeinsam mit allen Völkern arbeiten fann wenn es will. Keine der ausländischen Regierungen wird das Odium auf sich nehmen, trok alier geheimen und offenen Aufmunterungen ihrer fapitalistischen Kreise, das Internationale Arbeitsamt zu brüsfieren, schon aus Gründen des europäischen Tattes nicht aber die deutsche Reaktion ist unbefümmert und macht ihre Staatspolitif" auf ganz besondere Art. ein reibungsloses Zusammenarbeiten mit den Vertretern des Deutschen Wertmeisterverbandes gewährleistet wird." Rentralität einsetzt und dafür sorgt, daß die AA- Ortskartelle bei| schaftsatiesten stellten und auch den Borstand am Niederrhem bes feßten, haben für ihre unternehmerfreundliche Haltung, die sie wäh rend der zwei Jahre zum Ausdruck brachten, den richtigen Dentzettel von den Kameraden erhalten, indem sie zu einer verschwindenden Minorität herabgedrückt worden sind. Sie erhielten nur 302 Stimmen. Gleichberechtigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als Vorauslegung für die Mitarbeit in der Zentralarbeitsgemeinschaft schon seit langer Zeit nicht mehr vor handen war und von einzelnen Arbeitgeberverbänden die gemeinschaftliche Arbeit in der Zentralarbeitsgemeinschaft nicht gefördert, sondern sogar gehindert worden ist. Der Abgeordneten tag erklärt jedoch, daß der Deutsche Werkmeisterverband bereit ist, Berbänden in einem neu zu schaffenden Organ mitzuarbeiten, menn zu geeigneter Zeit und in Gememschaft mit anderen gleichgerichteten die Gewähr dafür geboten ist, daß die restlose Gleichberech tigung der Arbeitnehmer sichergestellt ist." Wünsche der Zechenbesizer. = Die Frage der Zentralarbeitsgemeinschaft wurde in folgender, einstimmig angenommener Entschließung erledigt: „ Der Abgeordnetening des Deutschen Wertmeisterverbandes Würzburg 1924 bedauert, daß die Berhältnisse den Bundesausschuß des AFA- Bundes gezwungen haben, am 3. Januar 1924 den Be Effen, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Auf Veranlaffung des fluß zu faffen, aus der Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber Deutschlands auszutreten. Er stelltechenverbandes hatte der Schlichter für die Provinz Westfest, daß eine falen die Tarifparteien für Montag zu Verhandlungen geladen. Gegenstand der Verhandlungen war der Antrag des Zechenverbandes auf Ausdehnung der südlichen Randze chen Klausel von 12 auf 40 Bechen und Erhöhung des Prozentsatzes von 3 auf 15 Prozent, um den die in der Lohnordnung festgesetzten Löhne unterfchieden werden dürfen. Bevor in die Verhandlung über den Antrag der Unternehmer eingetreten werden konnte, wurden von den Arbeitnehmervertretern gegenüber dem eingeleiteten Schlich tungsverfahren Bedenken rechtlicher Art geltend gemacht, indem sie erklärten, daß, solange ein rechtsfräftiger Vertrag vorliege, dieser nicht durch ein Zwangsschlichtungsverfahren abgeändert werden könne. Die Unternehmer hingegen bestritten das Vorliegen einer rechtsgültigen Lohnordnung für die südlichen Randzechen. Da die Arbeitnehmervertreter an ihrer Auffassung, daß auch für die südlichen Randzechen noch ein rechtsgültiger Vertrag vorliege, festhielten und bei einer eventuellen Verbindlichkeitserklärung des zu fällenden, gaben die Unternehmervertreter die Erklärung ab, daß ein den Schiedsspruches sie ebenfalls ihre Bedenten geltend machen würweiteres Verhandeln zwecklos fei, fie an Zwangsschiedsverhandlun= gen tein Interesse haben und sie daher ihrerseits die Verhandlungen abbrechen. Nach den Erklärungen der Parteien wurde vom Schlichter, der sich in dieser Angelegenheit weitere Schritte vorbehielt, die Verhandlung für beendet erklärt. B An Regierung und Reichstag wurden folgende Forderungen gestellt: „ Der Deutsche Wertmeisterverband hält es zum Aufbau der Arbeitnehmern in der Weimarer Verfassung angekündigte wirt. deutschen Volkswirtschaft nach wie vor für notwendig, daß die den fchaftliche und soziale Gleichberechtigung auch in die Tat umgesezt wird. Der 26. ordentliche Abgeordnetentag beauftragt deshalb die Vorstände des Deutschen Wertmeister verbandes und des AfA- Bundes, sich mit allem Nachdruck für die beschleunigte gefeßliche Verwirklichung der seit 1919 angefündigten wirtschaftsrates einzusetzen. Er verlangt meiter, daß die Bezirkswirtschaftsräte und des endgültigen Reichs. Vorarbeiten zur Schaffung des einheitlichen Arbeits. rechts nun endlich zur Durchführung kommen." Die Auffassung zur Gemertschaftsarbeit im Deutschen Wertmeisterverband wurde in einer Entschließung zusammengefaßt, die betont, daß für die fünftigen Arbeiten des Deutschen Wert meisterverbandes das soziale Programm des Verbandes und die richtunggebenden Beschlüsse der Abgeordnetentage Gelsenkirchen 1920 und Erfurt 1922 umter Beachtung der gewerkschaftlichen Richtlinien, die der Af- Bund unter Mitarbeit mit dem DWV. dafür amtlich und beambeten Funktionären und den Mitgliedern des gegeben hat, maßgebend find. Der Hauptverwaltung, den ehrenDeutschen Wertmeisterverbandes machte es der Verbandstag zur Pflicht, dieses Programm und diese Beschlüsse in allen Einzelheiten zu befolgen und ohne Ansehen der Person im Interesse der Mirglieder durchzuführen. In der Sonntagssigung des Verbandstages verursachte die Erörterung über eine nationalsozialistische Schimpfbroschüre gegen die freigemerfschaftliche Bewegung, die von dem Leipziger Geschäftsstellenleiter des DWV. verfaßt worden ist, einige Aufregung. Der Verbandstag billigte das Vorgehen des Verbandsvorstandes, der dieser Berbandsangestellten sofort feines Postens entho b. Internationaler Metallarbeiterkongreß. Wien, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Internationale Metallarbeiterfongreß hat am Montag vormittag die Debatte über den Acht st und entag fortgesezt und schließlich die zu dieser Frage vorliegende Entschließung einstimmig angenommen. Hier auf berichtete Dizmann über den Internationalen Gewerkschafts. fongreß. Der Bericht wurde ohne Debatte zur Kenntnis genommen. Dann kam der Vertreter des allrussischen Metallarbeiterverbandes, Arientiem, zu Wort, der in längeren Ausführungen ein Bild der gewerkschaftlichen Lage der Metallarbeiter in Rußland gab und die Aufnahme der russischen Metallarbeitergewertschaft in den Internationalen Metallarbeiterbund unter Zuficherung der reft. losen Anerkennung der Statuten des Bundes verlangte: Es wurde beschloffen, eine befondere Konferenz mit der eventuellen Aufnahme der Ruffen zu betrauen. Damit war der Kongreß beendet. Der Borsigende Reichelt schloß ihn mit Worten des Dantes an die Delegierten und einem furzen Ueberblick über seine geleistete Arbeit. Aussperrung in den niederschlesischen Eisenhütten. Breslau, den 26. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Vielfache Anfragen, welche sich auf die Aussperrung in den Betrieben des Eisenhüttenverbandes Niederschlesien beziehen, machen es notwendig, darauf hinzuweisen, daß die Aussperrung noch wie zuvor besteht. In feinem der in Frage kommenden Werke hat die Arbeiterschajt auch nur daran gedacht, entgegen dem Willen aller Beteiligten die Arbeit aufzunehmen. Alle anders lautenden Grüchte sollen sicher nur dazu dienen, die Ausgesperrten mutlos zu machen. Konflikt im oberpfälzischen Bergban. München, 28. Juli.( WTB.) Wie die Münchener Bost" berichtet, haben die schwebenden Arbeitsstreitigkeiten im Bereich der oberpfälzischen Bergbau- und Hüttenbetriebe eine Verschärfung erfahren. Die Verwaltungen der Luitpold- und Marhütte haben, nachdem ihre Anträge auf eine etwa 17prozentige Lohnberabſegung durch Schiedsspruch abgelehnt worden waren, der Arbeiterschaft nunmehr zum 1. August gekündigt. Neue Verhandlungen in diefer Angelegenheit, die zurzeit beim Sozialministerium geführt werden, waren bisher ergebnislos. Die Krise in Oberschlesien. Kalfowitz, 28. Juli.( WTB.) In der ostoberschlesischen Industrietrise ist bis heute feine nennenswerte Veränderung eingetreten. Die Verhandlungen dauern fort. In der Arbeiterfchaft selbst macht sich eine Neigung für Beendigung des Streits geltend. So hat heute früh der größte Teil der Belegschaft der Bismard- Hütte die Arbeit wieder aufgenommen, auch in zahlreichen anderen Betrieben nimmt die Zahl der Arbeitswilligen zu. Unter den verhafteten Mitgliedern des 21 er Ausschusses befanden sich auch zwei Mo& tauer Kommunisten, die den Berkehr zwischen dem Ausschuß und Moskau aufrecht erhielten. Das Material, das bei den Verhafteten gefunden wurde, soll sehr belastend sein. Bergmann E.-B., Rosenthal. Dienstag, nachmittag 5 Uhr, Fraktionsbersammlung in Schneiders Festfälen. Sämtliche Genoffen des Werkes müssen erfcheinen. Mitgliedsbuch als Ausweis. Ludwig Löwe, Huttenstraße. Mittwoch, fofort nach Betriebsschluß, Betriebsbersammlung im Moabiter Geſellſchaftsbans, Wiclefstraße 24. Bortrag des Genossen Crifpien, M. d. R., über das Sachverständigengutachten. Knorr- Bremse Lichtenberg. Am Mittwoch, den 30, Juli, nachmittags 4 Uhr, findet eine Versammlung aller EPD.- Mitglieder bei Badmeister, Weser, Ede Kronprinzenstraße, fstatt. Einlaß mur mit Mitgliedsbuch. Baugewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Am Mittwoch abend 6 Uhr Kollegen, soweit sie Interesse für die Angelegenheit haben, fönnen daran teil nehmen. Bangewerkschaft, Fachgruppe der Glaser. Auf Beschluß der letzten Mit gliederversammlung soll bis Ende dieser Woche in allen Betrieben eine Büchertontrolle borgenommen werden. In der am Sonntag, den Unzulänglicher Schiedsspruch im Steinfeggewerbe. Die Steinießer und Berufsgenossen nahmen in einer Verfammlung am Sonntag Stellung zu dem vom Tarifamt gefällten Schiedsspruch. Gauleiter Schende berichtete, daß die Stunden- bei Saverland, Neue Friedrichstraße 35, Bortrag für die Seisberater. Andere löhne der Steinießer und Steinbauer für die Lohnperioden im August von 95 auf 98 Pf. erhöht werden, während die der Nammer und Hilfsarbeiter auf 85 bzw. 60 Pf. bestehen bleiben sollen, um so mit dem Tiefbaugewerbe tonfurrieren zu können. Die stürmisch verlaufene Verfammlung beauftragte die Schlichtungskommission, nochmals die Verhandlungen aufzunehmen und über das Ergebnis am nächsten Sonntag in einer vom Gesellenausschuß einzuberufenden öffentlichen Versammlung zu berichten. Gewerkschaftlicher Fortschritt Verbandstag des Werkmeisterverbandes. Würzburg, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Nach ausgiebiger 2lussprache, an der innerhalb eines Sigungstages rund die Hälfte Der Delegierten teilnahm, fam es zur Abstimmung über die dem Wertmeisterverband vorliegenden Entschließungen zu den taftischen bzw. wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen, die die Tagung wäh rend der ersten beiden Sitzungstage beschäftigten. Einstimmig angenommen wurde folgende Entschließung, die das Verhältnis des Merfmeisterverbandes zum Af- Bund festlegt: Bochum, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag, den „ Der Abgeordnetentag des Deutschen Wertmeisterverbandes 27. Juli, fanden am Niederrhein die diesjährigen Knapp. Würzburg 1924 spricht sein Bedauern darüber aus, daß einzelne ich af ts mahlen statt. Bon den in 22 Sprengeln abgegebenen Beschwerden über den AfA- Bund Anlaß zu Auseinandersetzungen| Stimmen erhielten: Bergarbeiterverband 3211, Christen 1888, über die Frage des Berbleibens im AfA- Bunde gegeben Union 2772, Hirsch- Dunder 249, Unorganisierte 302, zersplittert 94. haben. Er erflärt ein mütig, daß als Spigenorganisation für Vier Sprengel stehen bei diesem Ergebnis noch aus. Sie werden eine freigemerffchaftliche Organisation der Werkmeister nur der aber das Endergebnis nicht weiter beeinflussen. Wenn man bedenkt, AfA Bund in Frage kommt. Er erwartet jedoch auf das be- daß bei der letzten Wahl 1912 am Niederrhein die Gelben aus. stimmteste, daß der AfA- Bund jederzeit Rücksicht auf die wirt ichlaggebend gewesen sind, so fann das vorliegende Ergebnis fchaftlichen und Arbeitsverhältnisse der Wertmeister nimmt, daß der für den Bergarbeiterverband zufriedenstellend sein. Die UnorganiAfA- Bund sich weiter restlos für die religiöse und parteipolitische fierten, die aus ihren Reihen zum übergroßen Teile die KnappC Spittelmarkt Ecke Wallstraße Alexanderplatz naho Aschlager Königstr. 55 gegenüber Rathaus Friedrich- Str. 193 a Ecke Leipziger Str. Lelpziger Str. 113 Ecke Mauer- Str. Linkstr.1 Ecks Potsd. St. N Schönhauser Allee 81 am Bhf. Nordring Friedrich- Str. 106 Ecke Ziegel- Str. Invallden- Str. 164 Eoke Brunnen- Str. Invaliden- Str. 117 am Stettiner Bahnhof Chaussee- Str. 72 nahe Müllerstr. Frankfurter Allee 14 nahe Tletz 3. August, borm. 10 Uhr, im Gemertschaftshaus stattfindenden Versammlung, in der auch die Wahl zum Verbandstag stattfindet, soll darüber Bericht erstattet werden. Alle Kollegen müssen anwesend sein. Die Fachgruppenleitung. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Sateruus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales und Sonstiges: Walter Trojan; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich) in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerst und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 8. Sierau 2 Beilagen. Hevitan HEVITAN VitaminNährpräparat nach Prof. Dr. Reyher Bewährt bei nervösen Störungen. Appetit und Körpergewicht nehmen zu Wachstumfördernd bei Kindern und Säuglingen, bewährt bei Ernährungsstörungen derselben In Apotheken Arbeiten Sie geen? Sie können fein Vergnügen an Ihrer Arbeit finden, wenn Sie nicht mehr gut sehen fönnen. 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Zuweilen übernimmt das Jugendamt die Kosten für solche, die unter keinen Umständen in der Bor etwa anderthalb Jahren wurde in Neukölln eine Abteilung| gesetzt, wenn sie Nahrung auch für andere Säuglinge hergeben. für Säuglinge im Waisenhaus und ein Säuglings- und Mutterheim geschaffen. Solche Einrichtungen sind in Berlin gerade nicht zu reichlich gesät. Auch dieses Heim ist erst nach großen Schwierigkeiten entstanden. Es ist das Verdienst unserer Parteigenossen, insbeson dere des jetzigen Dezernenten für Gesundheitswesen, Genossen Dr. Silberstein, für die Schaffung dieser Einrichtung mit aller Kraft eingetreten zu sein. Unsere Parteigenoffen ließen sich von der Anschauung leiten, daß es notwendig ist, jedes Menschenkind zu erhalten und gerade die Sterblichkeit der unehelichen Kinder einzudämmen. Sie wollten eine Stelle schaffen, zu der auch junge unehe. liche Mütter kommen konnten, um Rat und Hilfe zu erbitten. Die Welt der kleinen. In einfacher schlichter Form ragt das Heimgebäude gegenüber der Brandenburgischen Provinzialhebammenlehranstalt am Mariendorfer Weg auf. Architekten und Mediziner haben in idealer Gemeinschaftsarbeit ein Werk geschaffen, bei dem die Erfahrungen, die bei ähnlichen Bauten gemacht wurden, in einer Weise Berücksichtigung gefunden haben, daß Mängel und Fehler möglichst vermieden wurden. Es ist eine Inneneinrichtung entstanden, die den modernften Anforderungen in hygt mischer und kultureller Hinsicht entspricht. Licht und Luft durchfluten die Räume, in denen jedes Fleckchen ausgenutzt ist. Durch den Haupteingang im Mittelbau gelangt man, ohne die eigentlichen Anstaltsräume selbst zu betreten, in das Aufnahme und Amtszimmer, Jeder Säugling, ganz gleich, ob er gefund oder frank ist, kommt zunächst in die völlig abgeschlossen liegende Quarantänestation. 14 3immer sind hier, dazu bestimmt, je einen der kleinen Erdenbürger aufzunehmen. Sie find mit Glaswänden umschlossen und mit je einem Bettchen und einer Badeeinrichtung ausgestattet. Wenn der Arzt festgestellt hat, daß jede Ansteckungsgefahr vermieden ist, wandert das kleine Geschöpf nach zwei bis drei Wochen in die eigentliche Säuglingsstation. In diefer Quaran tänestation steht auch ein„ Brutapparat", der dazu bestimmt ist, die fleinen Wesen aufzunehmen, die nicht früh genug auf die Welt kommen fonnten. Das Zimmer wird durch Dampf erwärmt, so daß für das junge Leben die notwendige Temperatur je nach den Anforderungen erzeugt werden kann. Die Zimmer der Säuglingsstation, Die in vorbildlicher Sauberkeit glänzen, haben Fenster, die sämtlich nach Süden gelegen find. Geräumige Liegehallen sind ihnen vorgelagert. In jedem dieser Zimmer stehen 6 Betten. Zwischen je zwei dieser Räume sind zwei Badewannen eingebaut. Jede Abteilung hat ihr Schwesterzimmer, eine Teeküche sowie einen Sammelund Vorreinigungsraum für Säuglingswäsche. Oft hört man Mütter flagen, daß ihr Säugling sie nicht zur Ruhe kommen lasse und daß Die Nachbarn ihr die Hölle heiß machen wegen des Lärms, den ihr Kind verübt. Hier find 130 Säuglinge vereinigt und trotzdem herrscht hier eine wohltuende Ruhe. Ohne den„ Lutscher" und ohne Kissen liegen die Säuglinge flach in ihren Bettchen, leicht mit einem Hend chen befleidet. Durch die offenen Fenster strömt ungehindert frische Luft durch die Zimmer. Bei schönem Wetter werden die Betten in Die Liegehallen geschoben. Die Proletarierkinder, die hier untergebracht sind, sehen rotbäckig und munter aus. Man sieht ihnen Die gute Pflege an und erkennt, daß auch die Unterbringung einmandfrei ist. Der leitende Arzt Professor Dr. Orgler feßt seine ganze Tatkraft ein, um die Anstalt in mustergültiger Weise zu erhalten. Durch diese hier geschaffenen, geradezu idealen hygienischen Verhältnisse ist es gelungen, die Sterblick it der Säuglinge auf ein Minimum herabzudrücken, obwohl zwei Drittel von ihnen frank eingeliefert werden. Wenn man die Säuglinge, die schon in den ersten 24 Stunden nach der Einlieferung sterben, abrechnet, so hat das heim eine Sterblichkeitsziffer von nur 2,6 Broz., während im allgemeinen in anderen Heimen die Sterblichkeit 9-10 Broz. beträgt. Bei den Müttern. In dem Heim find ferner 40 Mütter untergebracht, die ihre eigenen Kinder stillen. Besondere Prämien aber sind dafür aus2] Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. Das Dörrgemüse, das die anderen„ Drahtverhau" nannten, schmeckte ihm weniger. Dennoch leerte er den Teller. Er hatte dann das befriedigende Gefühl, eine Pflicht erfüllt zu haben, wie wenn er ein rostiges Gewehr blank geputzt hätte. Er bedauerte, daß fein Unteroffizier kam, um die Geschirre zu kontrollieren. Sein Teller war sauber, wie sein Gewissen. Ein Sonnenstrahl fiel auf das Porzellan und es glänzte. Das mahm sich aus, wie ein offizielles Lob des Himmels. Am Nachmittag tam die längst angekündigte Prinzessin Mathilde in einer Krankenschwestertrocht. Andreas, der in seiner Abteilung das Zimmerkommando führte, stand stramm an der Tür. Die Prinzessin gab ihm die Hand und er verneigte sich, wider Willen, obwohl er sich vorgenommen hatte, stramm zu bleiben. Seine Krücke fiel zu Boden, die Begleiterin der Prinzessin, Mathilde bückte sich und hob sie auf. -Die Prinzessin ging, hinter ihr die Oberschwester, der Oberarzt und der Priester. Alte Nutte! jagte ein Mann von der zweiten Bettreihe.„ Unverschämt!" schrie Andreas. Die anderen lachten. Andreas wurde zornig. Er befahl: Betten in Ordnung bringen, obwohl alle Decken sauber und vorschriftsmäßig dreimal gefaltet waren. Niemand rührte fich. Einige begannen, ihre Pfeifen zu stopfen. Da kam der Gefreite Lang, ein Ingenieur, dem der rechte Arm fehlte und vor dem auch Andreas Respekt hatte und sagte:" Reg Dich nicht auf, Andreas, wir sind ja alle arme Teufel." Es wurde sehr still in der Barade; alle sahen den Ingenieur an, Land stand vor Andreas und sprach. Man wußte nicht, ob er zu Andreas oder zu den anderen oder auch nur für selbst sprach. Er blickte zum Fenster hinaus und jagte: Die Prinzessin Mathilde wird jetzt sehr zufrieden sein. Auch sie hat einen schweren Tag hinter sich. Sie besucht jeden Sonntag vier Krankenhäuser. Denn es gibt, müßt ihr wissen, schon mehr Krankenhäuser, als Prinzessinnen und mehr Kranke, als Gesunde. Auch die scheinbar Gesunden sind frank, viele wissen es nur nicht. Vielleicht machen sie bald Frieden." Einige räusperten sich. Der Mann in der zweiten Bettreihe, der vorher alte Nutte" gesagt hatte, huſtete laut. Andreas humpelte zu seinem Bett, nahm vom Kopfbrett eine Schachtel Zigaretten und rief den Ingenieur herbei.„ Gute Zigarette, Herr Doktor!" sagte Andreas. Er nannte den Ingenieur Doftor". Lang sprach wie ein Heide, aber auch wie ein Geistlicher. Bielleicht, weil er so gebildet war. Aber immer hatte er recht. TIT Lage find, selbst diese geringen Sätze zu zahlen. Die Mütter bleiben einige Monate, je nach dem Gesundheitszustand ihrer Kinder, in dem Heim. Die Säuglinge werden gewöhnlich ein Jahr lang hier be= halten, dann kommen sie in Privatpflege. Bemerkenswert ist, daß über das Betragen der Mütter in diesem Heim keinerlei Klage geführt wird, während in anderen Heimen solche Klagen an der Lages. ordnung sind. Es mag das auch an dem Einfluß der Oberin liegen, der ein tiefes menschliches Verständnis nachgerühmt wird. Außer den bereits bestehenden vier Mutterberatungsstellen des Bezirks Neukölln werden auch im Heim selbst Sprechstunden für Mütter an jedem Mittwoch abgehalten. Im unteren Stockwert find außer der Wäscherei eine Milch sterilifiermaschine, eine Kühlmaschine und eine Flaschenspülmaschine untergebracht. Jim Lachgeschoß liegen die Küchenräume. Dadurch wird den lästigen Küchendünsten das Eindringen in die Anstalt verwehrt. Aufzüge forgen für schnelle und einwandfreie Beförderung aller Materialien. Leider hat der Geldmangel bisher die Einrichtung einer Röntgenstation verhindert, und auch der Operationssaal ist noch unvollständig ausgerüstet. Hier bleibt noch einiges in der Zukunft zu tun. Wer dieses Heim besucht. gewinnt den Eindruck, daß durch die Errichtung und sachgemäße Leitung ähnlicher Anstalten viel Men fchenleid gemildert werden könnte. Man hatte Luft, ihm zu widersprechen und fand keine Argumente. Er mußte recht haben, wenn man ihm nicht wider fprechen fonnte. Am Abend lag der Ingenieur auf dem Bett in Kleidern und sagte:„ Wenn die Grenzen wieder offen sind, fahre ich weit weg. Es wird nichts mehr zu holen sein in Europa." Wenn wir nur den Krieg gewinnen," sagte Andreas. " " Alle werden ihn verlieren," erwiderte der Ingenieur. Andreas Bum verstand es nicht, aber nickte achtungsvoll, als müßte er dem Lang recht geben. Indessen nahm er sich vor, im Lande zu bleiben und fünft lerische Postkarten in einem Museum zu verkaufen. Er fah ja ein, daß für Gebildete vielleicht kein Plaz war. Sollte der Ingenieur etwa Parkwächter werden? Andreas hatte feine Angehörigen. Wenn Andere Befuche empfingen, ging er hinaus und las ein Buch aus der Spitalsbibliothet. Er war oft nahe daran gewesen, zu heiraten. Aber die Furcht, daß er zu wenig verdiente, um eine Familie zu erhalten, hatte ihn gehindert, um Anny, die Köchin, die Näherin Amalie, das Kindermädchen Poldi anzuhalten. Er war mit allen drei nur gegangen". Sein Beruf war allerdings auch nicht für junge Frauen. Andreas war Nachtwächter in einem Holzlager außerhalb der Stadt und nur einmal in der Woche frei. Seine eifersüchtige Natur hätte ihm die ruhige Freude am gewissenhaft ausgeführten Dienst gestört, oder diesen ganz unmöglich gemacht. Einige schliefen und schnarchten. Der Ingenieur Lang las.„ Soll ich abdrehen?" fragte Andreas. " Ja," sagte der Ingenieur und legte das Buch weg. " Gute Nacht, Doktor," erwiderte Andreas. Er fnipste das Licht ab. Er zog sich im Dunkeln aus. Seine Krücke lehnte an der Wand zur rechten Seite. Andreas denkt, ehe er einschläft, an die Brothese, die ihm der Oberarzt versprochen hat. Es wird eine tadellose Prothese fein, wie sie der Hauptmann Hainigl trägt. Man merkt gar nicht, daß ihm ein Bein fehlt. Der Hauptmann geht frei, ohne Stod durchs Rimmer, als hätte er nur ein fürzeres Bein. Die Prothesen sind eine großartige Erfindung der hohen Herren, der Regierung, die es fich wirklich etwas fosten läßt. Das muß man sagen. 2. Die Brothese kam nicht. Statt ihrer fam die Unordnung, der Untergang, die Revolution. Andreas Bum beruhigte sich erst zwei Wochen später, nachdem er aus den Zeitungen, den Vorgängen, den Reben der Menschen entnommen hatte, daß auch in Republiken Regierungen über die Schicksale des Landes walteten. In den großen Städten schoß man auf die Empörer. Die heidnischen Spartatisten gaben keine Ruhe. Dienstag, 29. Juli 1924 Ein paar Kirschen. Auf dem Askanische 1 Plaz, unmittelbar vor dem Anhaiter Bahnhef. Auto auf Auto fährt vor dem Bahnhof vor, viele Droshken folgen, Privatequipagen, Reisende mit Rucksäcken, Gepäckträger mit Koffern, und das alles drängt und schiebt sich in die große Bahnhefshalle hinein, die wie ein gewaltiger Schlund alles schnell aufsaugt. Auf den Gleisen unter dem hohen Glasdach stehen zwei lange D- 3üge zur Abfahrt bereit, besetzt mit lachenden, fröhlichen Men= schen, denn ihnen winkt Aufaimen, Erholungsaufenthalt im Ge hat man sich Kirschen gekauft, die der Händler in der Eile in schlecht birge oder im nervenstärke iden Wald. Auf dem Weg zum Bahnhof schließende Tüten gepackt hat. Die Tüten fließen über, und auf dem schnellen Gang über den Askanischen Platz nach dem Bahnhof und in den bald abfahrenden Zug fallen ein paar Kirschen aus der Tüte auf die Erde, rollen in den Straßenschmutz, fallen in die Gosse, in der Lachen von schmutzigem Rege iwasser stehen. Niemand fümmert sich darum, die Reisenden achten gar nicht des Verlustes, streben weiter und stürmen in die Bahnhofshalle, um den Zug nicht 3 versäumen. Eine halbe Stunde später. Vor dem Bahnhof ist es still und einsam. Die Züge mit den vielen Reisenden sind aus der Halle gerattert, und nun ist wieder ein paar Minuten Ruhe im Bahnbetrieb. Da schleicht über den Askanischen Platz ein etwa zehnjähriger Junge, die Blicke wie gebannt am Erdboden. Seine Kleidung ist von einer Armseligkeit, daß sie auch den, der schon viel Armut und Elend gesehen, in Schrecken setzt. Der Junge ist außer= dem so elend und sieht so blaß aus, als ob er schon ein paar Tage im Grabe gelegen hätte. So schleicht er über den Play und sucht. sucht... da hat er die Kirschen in der schmutzigen Wasserlache entdeckt. Hastig bückt er sich, gierig greift er nach den verlorenen Früchten, trocknet sie an seiner Hose ab und will die Kirschen in den Mund schieben. Nun tritt ein Herr dazwischen. Er vermeist dem Kinde sein Vorhaben, hält ihm eine große Rede von gesundheitsgefährlichem Tun, Ansteckungsgefahr, unhygienischem Verhalten und was dergleichen erbauliche und schöne Redensarten mehr sind. Der Junge horcht erstaunt und verschüchtert auf, wirft die Kirschen fort und trollt sich weiter wie ein verprügelter Hund. Der Herr aber geht hocherhobenen Hauptes wie einer, der ein gutes Wert getan. Die Szene hat ein anderer bemerkt, dem man ansieht, daß er wohl nicht soviel von Hygiene versteht wie der Herr mit der prachtvollen Predigt vorhin, daß er aber das Leben und die Praxis besser versteht und weiß, was not tut. Er geht eilig dem Kinde nach, klopft ihm auf die Schulter und sagt:„ Na, nun weißt du, was man darf und nicht darf, und bist ebenso flug wie vorher! Hier hast du fünfzig Pfennig, geh' und bauf' dir Kirschen!" Damit verschwindet er schnell um die Ecke. Der Junge aber steht vor Erstaunen wie angewurzel1. Dann aber läuft er, das Fünfzigpfennigstück in der kleinen Faust zum nächsten Händler, und sein Gesicht strahlt vor Verwunderung der Welt geschenkt. und Freude so hell auf, als habe man ihm eben alle Kostbarkeiten 5 " Ein Berliner Messe- Amt. Die Arbeiten der Gemeinnügigen Berliner Messe Aufbau- Gesellschaft haben in den letzten Wochen einen guten Fortgang erfahren, der seinen Ausdruck nunmehr auch in der Begründung des Berliner Meise Amtes ge funden hat. In einer vertraulichen Besprechung, an der die zu ständigen Reichs- und Staatsbehörden, sowie Vertreter der zunächst beteiligten Industrien teilnahmen, erklärten der Reichswirtschaftsminister und der preußische Handelsminister ihre Zustimmung zu den Bielen des Berliner MesseAmtes, und gaben ihr durch Eintritt in den Ehrenausschuß bandssyndikus Dr. Adolf Schick berufen worden. Die Räume Ausdruck. Zum Direktor des Messe- Amtes ist der bisherige Verbefinden sich in Berlin SW 48, Friedrichstr. 225( Telephon: Nollendorf 7587, 7888, 7889). Der Leitung des Messe- Amtes untersteht bereits die Meise der Schuh- und Lederwirtschaft, die vom 3. bis 6. August in Berlin stattfindet. | Wahrscheinlich wollten sie die Regierung abschaffen. Sie mußten nicht, was dann folgen würde. Sie waren schlecht oder töricht, sie wurden erschossen, es geschah ihnen recht. Ge= wöhnliche Menschen sollen sich nicht in die Angelegenheiten der Klugen mischen. Man erwartete eine ärztliche Kommission. Sie hatte über den Bestand des Spitals, über die Arbeitsunfähigkeit, über die Versorgung seiner Insassen zu entscheiden. Das Gerücht, aus anderen Krankenhäusern herüberflatternd, wollte wissen, daß nur die Zitterer bleiben würden. Alle anderen bekamen Geld und vielleicht eine Drehorgellizenz. Von einem Briefmarkenverschleiß, einer Wächterstelle in einem Park, in einem Museum fönne feine Rede sein. Andreas begann zu bedauern, daß er kein Zitterer war. Von den hundertsechsundfünfzig Kranken des Kriegsspitals Numero XXIV zitterte nur einer. Alle beneideten ihn. Er war ein Schmied, namens Bossi, italienischer Abkunft, schwarz, breitschultrig, finster. Sein Haar wuchs schwer über den Augen und drohte, sich über das ganze Angesicht auszubreiten, die schmale Stirn zu überwuchern und, die Wangen bedeckend, eine Vereinigung mit dem wilden Bart zu finden. Bossis Krankheit milderte nicht die furchtbare Wirkung seiner förperlichen Gewalt, sondern vergrößerte seine Unheimlichkeit. Die schmale Stirn faltete sich und verschwand zwischen den buschigen Augenbrauen und dem Haaransay. So traten die grünen Augen hervor, der Bart bebte, man hörte die Zähne klappern. Die mächtigen Beine krümmten sich, daß sich die Kniescheiben innen bald berührten und bald auseinanderstrebten und die Schultern zuckten empor und fielen zurück, während der wuchtige Kopf in einem ständigen leisen, verneinenden Schütteln verharrte, wie man es bei kraftlosen Häuptern alter Frauen sieht. Die ununterbrochenen Bewegungen des Körpers hinderten den Schmied, deutlich zu! sprechen. Er sprudelte halbe Sätze hervor, spuckte ein Wort aus, blieb eine Weile stumm und setzte wieder an. Daß ein fo fräftiger, wilder Mann zittern mußte, ließ die allgemein bekannte Strankheit furchtbarer erscheinen, als sie war. Eine große Traurigkeit befiel jeden, der den zitternden Schmied fah. Er war wie ein schwankender Koloß auf unsicherem Grunde. Er hielt alle in der Erwartung seines bald erfolgenden Zusammenbruchs und brach dennoch nicht nieder. Unglaubhaft war, daß ein Mann von solchen Ausmaßen beständig wankte, ohne sich selbst und seine Umgebung erlösend, endgültig auseinanderzustürzen. Sogar die unglücklichsten Invaliden, die ein zerschossenes Rückgrat hatten, gerieten in Bossis Nähe in eine unübersichtlich endlose Furcht, wie man sie vor Katastrophen empfindet, die nicht eintreffen wollen und deren Ausbruch eine Erlösung wäre. ( Fortsetzung folgt.) Zur Reform des Asyls für Obdachlose. Der Sommer eilt seinem Ende zu. Nur wenige Monate noch und es kehrt der Winter mit Regen und Kälte wieder. Mit ihm fehrt aber auch die Ueberfüllung in das Asyl für Obdachlose ein. Etwa 2000 Menschen suchen das Haus in der Fröbelstraße jetzt im Sommer Nacht für Nacht auf. Im vorigen Winter find es 5000 gewesen wieviel werden es wohl im fommenden sein? Der„ Borwärts" hat vor wenigen Monaten die bösen sanitären und sittlichen Zustände, die dort herrschen, nur annähernd erschöpfend geschildert. Er hat bei dieser Gelegenheit auch verschiedene Vorschläge zur Aende rung der Verhältnisse gemacht. Was ist nun zu ihrer Verwirklichung geschehen? Bor einigen Tagen brachten die Zeitungen die Nachricht, Minister Severing habe in Begleitung des Kriminalkommissars Gennat das Afyl besucht. Offenbar steht dieser Besuch in Verbindung mit den im Asyl geplanten Reformen. Daß eine ganze Reihe von Reformen beabsichtigt sind, ist in der Presse berichtet worden. Die Asyliften sollen in Zukunft zur Arbeit angehalten werden, die Geschlechtsfrankenstation soll fort und ihre Räume einer weit ausgebauten Wohlfahrtsstelle zur Verfügung gestellt werden. Man will den Verfuch machen, wenn möglich, alle Neuankömmlinge durch Fürjorger zu befragen und diejenigen, denen noch zu helfen ist, moralisch durch Zuspruch und materiell durch Kleidung, Arbeit, Fahrkarten usw. zu stützen. So soll verhütet werden, daß Unerfahrene und mehr oder minder unberührte Menschen in den Sumpf des Aſyls. hinein gezogen werden. Werden sich aber dazu die notwendigen Mittel finden? Es müssen Fürsorger angestellt werden, es müssen auch sonst Mittel zur Wohlfahrtstätigkeit vorhanden sein. Wo die hernehmen? Das Asyl, so wie es sich heute darstellt, ist ein sittlicher Infektionsherd. Die Infizierten tragen die Bazillen über das ganze Reich. Denn es gibt kein zweites ähnliches Obdachlosenasyl im Reiche. Wäre es da nicht recht und billig, wenn Preußen und die Länder dem Asyl Zuschüsse zukommen ließen? Der Sommer geht zu Ende und in einer Beziehung ist die Zeit schon verpaßt. Neue Baraden sind nicht entstanden. Die lleber füllung der Schlaffäle im Winter wird die geplante Wohlfahrtsarbeit unglaublich erschweren. Arbeit aber wird es in Hülle und Fülle geben. Den sozial empfindenden älteren jungen Menschen aus der Jugendbewegung bietet sich hier eine ungeahnte Möglichkeit, tiefe Einblicke in das soziale Elend unserer Zeit zu erhalten und helfend und aufrichtend zu wirken. Mögen sie sich doch bei der Wohlfahrts stelle im Asyl melden. Da es sich hier z. T. um eine Abendtätigkeit handelt, wird sie auch vielen, die am Tage beschäftigt find, möglich fein. Auf der Suche nach Rebsdat. Der Mörder der Frau Rösler wahrscheinlich noch in Berlin. Eine umfassende Fahndung nach dem Mörder der Frau Rösler in der Leibnizstraße, dem Polizeioberwachtmeister Rebsdat, unternahmen die Kriminalkommissare Geißel und Johannes Müller mit den Beamten der Mordkommiffion in Verbindung mit der Streisbeamtenschaft unter Kriminalkommissar Hermann in der Zeit vom Sonnabendmittag bis zum Sonntagmorgen. Es wurden besonders die Bahnhöfe von Groß- Berlin und alle Lokale der Stadtviertel abgesucht, in denen man den Flüchtigen vermutet. Das Ergebnis war die Feststellung, daß Rebsdat am Freitagabend noch in Berlin war und daß er wahr scheinlich auch jetzt noch hier ist. Bei dem Schankwirt in der Schönhauser Allee tehrte am Freitagabend ein bine chrippe dahin unbekannter Gaft ein. Er setzte sich an einen Tisch, zog und einen Hering aus der Tasche und trant dazu ein Glas Bier. Mehrere andere Gäfte, die dazutamen, trudelten Bier aus und veranlaßten diesen Mann, mitzuspielen. Der Unbekannte gewann wiederholt, verlor zu guter Leht aber doch auch eine Lage und erPlärte jetzt, daß er sie nicht bezahlen könne. Deshalb mußte er, als er aufbrach, feinen Hut zum Pfand lassen. Als nun die Kriminal beamten, die mit dem neuesten Lichtbild des Berfolgten versehen find, dieses Pfand sahen, ergab sich, daß es ein grüner Hut ist, wie ihn Rebsbat zuletzt abwechselnd mit einer blauen Sportmüße trug. Die Wirtsleute und einige Gäste vom Freitagabend erkannten nach der Photographie Rebsdat in dem Manne wieder, der den Hut zurücklaffen und ohne Kopfbedeckung gehen mußte. Die große Fahndung wird jegt fortgesetzt. Daß Rebsdat kein Geld mehr gehabt haben sollte, um die verlorene Lage Bier zu bezahlen, ist kaum anzunehmen. Wahrscheinlich hat er sich gescheut, von dem geraubten Silbergelde, etwas wechseln zu lassen. Der Mörder fieht nach seinem neuesten Bilde und der Beschreibung der Leute, die ihn jetzt fahen, etwas anders aus als ein älteres Bild ihn darstellt. Sein dunkelblondes, ursprünglich dichtes, trauses Haar ist schon so gelichtet, daß er nicht einen Anfang von Blaze, sondern eine fast vollständige Glaze und nur noch wenig haar hat. Die Narbe am rechten Unterarm, auf die schon aufmerksam gemacht wurde, rührt, wie jeht feststeht, von einer Schußverlegung her. Polizisten und Alkoholisten. Ein Vortrag vor Offizieren und Mannschaften. Im ehemaligen Offizierskafino des Augusta- Regiments, von dessen fürstlichem Schmuck nur noch die Gardeſterne aus Stuck an ber Decke übrig geblieben find, in jenem Raum, in dem einst die „ Edelsten der Nation" dem Alkohol freudig übermäßig Opfer gebracht haben, hielt gestern nachmittag vor einer großen Anzahl von Offizieren, Ober- und Unterwachtmeistern der Schupo Dr. Me! aus Wien einen Vortrag über das ein wenig langatmige Thema: ,, Wie entwickeln fich infolge Alkoholgenufjes jene Seelenstörungen, welche zu polizeilichen Interventionen Beranlassung geben?" Der überaus lobenswerte 3wed feines Bortrags ging dahin, beni Polizisten das Wesen des Trinkers zu erklären, ihn aufzuklären, warum der einzelne unter dem 3 wange des Alkohols die verschiedensten Straftaten begehen muß, und den Beamten endlich zu unterrichten über das Aussehen des Trinters. Dr. Mehl betonte, daß Alkoholein Gift und daß der Rausch eine akute Alkoholvergiftung ift. Der Betrunkene müsse verschieden je nach seiner Individualität beurteilt werden. Der chronische Trinter weiße ganz besonderes Gepräge verbotener Handlungen auf. Die Streitfucht des Trinters, seine Un ruhe und Unftätigkeit, die Veränderung im Nervensystem des Trinters, alle diese Dinge wurden sehr eingehend behandelt, um dem Polizisten die leider viel zu wenig befannte Latfache einzuprägen, daß der Trinter ein franter Mensch ift und unter allen Umständen auch von dem Straßenpolizisten und auf der Polizeimache als Rranter angesehen und behandelt werden muß. Wenn auch die Statistiken, die Dr. Mehl brachte, sowie verschiedene Beispiele sich lediglich auf Wien bezogen, brachten sie doch auch genügend Belehrendes für Berlin. So erwähnte Dr. Mehl, um nur ein Beispiel herauszugreifen, daß in Wien, wenn der Straßenpoligift einen Besinnungslosen von der Straße aufgelesen und nach der Bache gebracht hat, in der Annahme, daß es sich um einen Betrun tenen handele, immer erst der betreffende Polizeiarzt geholt werde, dem es obliege, genau festzustellen, ob der Betreffende nun wirklich infolge von Truntenheit in besinnungslosen Zustand gefallen oder aber ob er nicht etwa durch einen Unfall auf der Straße, namentlich im Winter bei Schnee und Glatteis, zu all gekommen und die Besinnung verloren habe. Man fanm hieraus jebenfalls ersehen, daß die Wiener Polizei Schema und Uniformi fat vermeidet, daß sie genau feststellen fäßt, ob der Eingelieferte einfach bis zum Morgen auf der Bache zu bleiben hat, von wo er dann ernüchtert und nach Feststellung der Personalien entlassen werden kann, oder ob er einem Krankenhaus zugewiesen werden muß. Eine Nachahmung dieser Borsorge ist auch in Berlin geboten. Der Vortrag von Herrn Dr. Mehl war entschieden sehr unterrichtend. Db aber die Ausführungen das erstemal bei den Zuhörern wirklich Nutzen geftiftet haben, muß bezweifelt werden, weil der Vortragende in der Annahme, ein akademisch vorgebildetes Publikum vor sich zu haben, häufig genug allzu gelehrt medizinisch und psychologisch vertieft zu Werke ging. Die Aufklärung der Schutzpolizeibeamten in dieser Richtung sollte aber, wenn auch in leichter verständlicher Form, fortgesetzt werden. Er beschwor da= Weil er mit ihr Arm in Arm gegangen. Zuchthaus und Ehrlosmachung für eine- Unwahrheit. Traurige Familienverhältnisse enthüllte eine Meineidsklage, die das Ferienschwurgericht des Landgerichts II gegen den Architekten Karl A. beschäftigte. Die Anflage ist aus einer Anzeige der geschiedenen Ehefrau des Angeklagten hervorgegangen. Es handelt fich hier um zwei zerrüttete Ehen, die geschieden worden sind. Weil der Angeklagte einmal unter Eid bestritten hatte, daß er mit einer befreundeten Frau Arm in Arm gegangen und weil das Gericht zu der Ueberzeugung gelangte, daß er doch mit der betreffenden Frau Arm in Arm gegangen sei, deshalb läßt die moderne Justiz es zu, daß die ganze Schwere der Zuchthausstrafe, mehr noch, der dauernden bürgerlichen Ehrlosmachung auf das Haupt des Angeflagten herabfaust. Es ist ein Urteil, das Aufsehen und Widerspruch erregen wird. Karl A. war Verwalter eines Hauses, in dem auch der Kaufmann D. mit seiner Ehefrau wohnte. Zwischen A. und der Frau D entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis, das aber im weiteren Verlauf das Mißtrauen des Ehemanns erweckte. Schließ lich kam es zu einer Ehefcheidungsklage. Gleichzeitig wurde auch von den Eheleuten A. ein Ehescheidungsverfahren eingeleitet, da diese Ehe sich schon seit Jahren unglücklich gestaltet hatte. In beiden Prozessen spielte das Verhältnis zwischen dem Architekten und der Kaufmannsfrau die Hauptrolle. Die D.'sche Ehe wurde schließlich geschieden und Frau D. schuldig gesprochen. Die andere Che wurde wegen beiderseitigen Verschuldens ebenfalls gefchieden. Während der letztere Prozeß noch schwebte, wurde A. in einem Zipil prozeß, den D. gegen seine ehemalige Frau wegen Herausgabe der Möbel angestrengt hatte, als Zeuge vernommen. bei, daß er niemals intime Beziehungen zu Frau D. gehabt hätte. Ferner befundete er unter Eid, daß er, während der Ehefcheidungs: prozeß noch schwebte, mit Frau D. nie Arm in Arm gegangen fei und sie auch niemals gefüßt habe. Die Ehefrau A. hatte aber ihre Nebenbuhlerin auf Schritt und Tritt bewacht und für diese leberwachung auch noch ihre Tochter, ihre Schwester und deren Tochter, und sogar noch eine Freundin aus Neu ruppin herangezogen. Auch den Sohn des Portiers des Hauses, in dem Frau D. wohnte, hatte sie fchon für fich gewonnen. In allen möglichen Verkleidungen hefteten sich diese BerDabei wollen sie nun Befolger an die Fersen der Frau D. obachtungen gemacht haben, die zu den Bekundungen A.'s vor Gericht in Widerspruch standen. In der Verhandlung beftritt der Angeklagte A. jegliches Verschulden. Die 18 Jahre alte Gisela A. erklärte, daß ihre Mutter sie einmal aufgefordert habe, sich mit anzusehen, wie ihr Vater sich mit einer anderen Frau treffe. Um fich unfenntlich zu machen, hätten sie sich dazu verschleiert. So habe sie mit angesehen, wie ihr Vater Frau D. von einem Café abholte und mit ihr Arm in Arm von dannen ging Frau D. bestritt die Behauptungen der Zeuginnen ebenfalls mit großer Entschiedenheit. Staatsanwalt Dr. Conrad hielt auf Grund der geholt häite und auch mit ihr Arm in Arm gegangen sei. Es Beweisaufnahme für erwiesen, daß der Angeklagte Frau D. abhabe zweifellos ein Verhältnis zwischen ihnen bestanden, wenn es auch nicht erwiesen sei, daß es zu Intimitäten gefommen sei. Er beantragte gegen ihn die Mindest strafe von einem Jahr 3uchthaus und drei Jahren Ehrverlust, erkannte aber auch auf die dauernde Unfähigkeit als Zeuge und Sachverständiger vor Gericht auftreten zu können. Rechtsanwalt Dr. Gollnit bezeichnete die Ehe der A.'schen Eheleute als eine zerrüttete. Bei der Unterfuchung vor dem Kammergericht sei es dem Angeklagten in erster Reihe darauf angefommen, die ehebrecherischen Beziehungen in Abrede zu stellen und er habe auf so harmlose Vorgänge, wie z. B. auf das Arm in Arm gehen ufm., tein Ge= wicht gelegt. Wenn nun aber der Angeklagte nicht glatt frei gesprochen werden könnte. so fönne hier nur ein fahrlässiger Falscheid vorliegen. Nach eineinhalbstündiger Beratung fam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte A. in bezug auf den Bunkt, daß er feit der Ehescheidung nicht mehr mit Frau D. Arm in Arm gegangen sei, wiffentlich eine unwahrheit gefagt habe. In bezug auf die anderen Punkte konnte das Gericht diese leberzeugung nicht gewinnen. Der Angeklagte war daher des wissentlichen meineides schuldig und das Schwurgericht verurteilte ihn unter Berücksichtigung aller Milderungsgründe zu der Mindeststrafe von 1 Jahr Zuchthaus, sowie zu drei Jahren Ehrverluft und der dauernden Unfähigteit als 3enge und Sachverständiger aufzutreten. nommen Vorsicht beim Pilzesammeln. erscheinende wohlfeile Pilzmerkblatt tann von dort oder im Wege des Buchhandels bezogen werden. Namentlich sind darin auch die Erkennungsmerkmale der Knollenblätterschwämme, der gefährlichsten aller Giftpilze, angegeben und an farbigen Abbildungen erläutert. Auch sind diesen Pilzarten die ihnen ähnlichen eßbaren Pilze gegenübergestellt. Gaukonferenz der Arbeitsinvaliden. Ein tragischer Zwischenfall. Im„ Altersheim" Prenzlauer Berg tagte am Sonntag die Gaukonferenz Groß- Berlin des Zentralverbandes der Invaliden und Witwen Deutschlands, zu der 70 Delegierte erschienen waren. Auf Krücken und an Stöcken gehend, verhärmt und zermürbt waren die Invaliden und Witwen gekommen, um einen erschütternden Protest zu erheben. Protest dagegen, daß in Deutschland, angeblich dem„ Land des Idealismus" und dem „ Land der sozialien Gesetzgebung", alle die, die in der Arbeit zuschanden, zu Invaliden, Krüppeln und Siechen geworden sind, ein Verbandsvorsitzender Kollege Matthes berichtete in einem Refeerbärmliches Hunger- und Elendsdafein führen müssen. rat über die Anstrengungen des Zentralverbandes und über das mangelnde foziale Berständnis, das die Interessenvertretung der Invaliden bei der bürgerlichen Reichstagsmehrheit gefunden hat. Immer nur Worte des Bedauerns, denen feine Tater folgen. Die An= träge der Arbeiterparteien zweds Aufbesserung und Neuregelung zur Invaliden- und Unfallversicherung sind fast immer Eine ganze Mark pro Monat habe man den Invalidenrentnern bewilligen zu können geglaubt, so daß abgelehnt worden. die Invalidenrente ab 1. Auguft statt 13 M. nunmehr 14 M. monatlich beträgt. Die Unfallverlegten und Hinterbliebenen sind gleichfalls auf das Schwerste benachteiligt, und auch hier muß endlich eine durchgreifende Aenderung und Besserung der Rentenleistungen erfolgen. In der Diskussion kam durch die Kollegen Bläfing, Weifel, Wolf, Müller, Gast, Heermann, Rohde die ungeheure unzufriedenheit über den vorgenommenen sozialen Abbau zum Ausdrud. Ihre Ausführungen entsprachen der Erregung, die ben Delegierten innewohnte. Anträge an den im September ſtattfindenden Verbandstag in Dresden wurden beraten und als Delegierte für Groß- Berlin die Kollegen Weisel, Lüneburg und Walthe gewählt. Gegen Ende der Gaukonferenz trat ein trauriger Zwischen fall ein, der die ganze Tragik der Arbeitsinvaliden fennzeichnet der 81jährige Gauleiter Ludwig Mittag bradh plöglich wa rend der Verhandlungsleitung infolge Erschöpfung un Anstrengung zusammen und mußte von den Invalider a dem Saal getragen werden. Es stellte sich heraus, daß Koiles mittag von einem schweren Schlaganfall betroffe worden war. In einer scharfen Resolution, die am Schluß der Gautonferen einstimmig angenommen wurde, wird Brotest gegen die unsoziale Behandlung der Sozialrentner und Hilfsbedürftigen durch die Reichstagsmehrheit und die Reichsregierung erhoben. Die Arbeits invaliden und-veteranen, die ein Leben reicher, schwerster Arbei: hinter sich haben, müffen, so heißt es, die beschlossene monatlic Zulage von 1 M.(!) für 1½ Millionen Invalidenrentner, dere Erwerbsunfähigkeit mit mindestens 66% Proz. behördlich festgestellt ist, geradezu als Hohn auf ihre verzweifelte Lage empfinden. Statt 43 Pfennig stehen diesen Schwerbeschä digten und Schwererwerbsbeschränkten jekt 46 Pfennig täglich zur Verfügung. Es wird an die gesunde Arbeiterschaft appellier. durch ihre berufenen Organe, Gewerkschaften usw., auch für die Arbeitsveteranen und-invaliden die Verdoppelung der Rentenleistungen zu verlangen. Die Lage der Unfallverlegten und Hinterbliebenen ist ebenfalls eine verzweifelte, und auch für sie wird ein gerechter Ausgleich gefordert. C Versuch eines Attentats auf einen D- Zug. Die Strecke Berlin Görlik, die schon einmal vor Jahren bei der Station Schleife in der Nähe von Sprember der Schauplah eines der fürchterlichsten deutschen Eisenbahnunfälle gewesen, hätte um ein haar, und zwar auf der Strede Berlin Rottbus in der Nähe von Lübben, abermals ein in seinen Folger gar nicht abzumessendes Unheil gesehen. Zwischen den Bahnhöfer Brand und Schönwalde waren zwei große eiferne Plai ten, die ein Gewicht von je einem Zentner hatten, und mehrer schwere Steine auf die Schienen gelegt. Die Täter hatten es a den D 3ug D. 191 aus Berlin abgesehen, der aber eine furt Verspätung aufzuweisen hatte. Aus diesem Grunde paffic zuerst der Güterzug 6941 die Strecke. Nur diesem Umftande ist zu danken, daß ein schweres Unglück verhütet wurde. Durch die Geistesgegenwart des Lokomotivführers des Güterzuges wurde der Zug rechtzeitig zum Stehen gebracht. Die Staatsanwaltschaft hat sich sofort der Angelegenheit bemächtigt und die Polizei entfandte ci Aufgebot von Feldjägern. Hunde nahmen eine Spur nach einem f der Nähe liegenden Gebüsch auf. Hier hatten sich die Täter ver steckt gehalten und auf die Folgen ihres Anschlages gewartet unb sind dann im Dickicht des Waldes verschwunden. Dörr aus der Haft entlassen. Der Führer der kommunistischen Fraktion im Berliner Stadtparlament, Stadtverordneter Dörr, gegen den ein HochberrateDie in den letzten Jahren beobachtete große Zahl von Bilz- berfahren eingeleitet worden war, ist jetzt auf Anweisung des vergiftungen mahnt zur Borsicht beim Einsammeln von Bilzen. Die Staatsgerichtshofs wieder aus dem Berliner Untermeisten Unglüdsfälle sind nicht wie vielfach irrtümlich ange- fuchungsgefängnis entlassen worden. Es handelte sich bei dem auf den Genuß verdorbener, sondern giftiger Pilze Verfahren um einen Ende April d. J. in der Roten Fahne" erzurückzuführen, die nicht auf den Märkten gekauft, sondern von unschienenen Artikel, für den Dörr verantwortlich gemacht wurde, kundigen Personen gesucht worden sind. Es kann nicht weil er in der betreffenden Nummer des fommunistischen Blattes dringend genug gewarnt werden vor dem Einsammeln und dem Genuß von Bilzen, die dem Sammler nicht sicher als unschädlich als verantwortlicher Redakteur aufgeführt war. Inzwischen hat bekannt sind. Ganz irrig ist die leider noch immer weit verbreitete aber Dörr den Beweis dafür angetreten, daß er zurzeit des EiAnschauung, daß es allgemein gültige Erkennungszeichen für eßbare icheinens des betreffenden Artikels bereits aus dem Nedaktion oder giftige Pilze gäbe, wie Milchsaft, flebrige Beschaffenheit des verband der„ Roten Fahne" ausgeschieden war und daß seine Hutes, Braunfärbung eines in das Bilzgericht eingetauchten silbernen Anführung als verantwortlicher Redakteur ohne sein Wissen erfolgte. Löffels, Berfärbung einer mitgefochten Zwiebel. Allein die genaue Kenntnis der besonderen Merkmale der eineinen eßbaren und giftigen Pilze schützt vor fchädlichen Folgen. Zur Verbreitung solcher Kenntnis hat das Reichsgesundheitsamt die wichtigsten eßbaren und die wichtigsten schädlichen Pilze in einem Pilzmerkblatt zusammengestellt, das eine Reihe von Belehrungen und eine Tafel mit 34 farbigen Abbildungen enthält. Das jetzt in neuer, erweiterter Ausgabe im Verlage von Julius Springer Berlin W. 9, Linfstr. 23/24 Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 29. Juli. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Ueberfallene Polizeibeamte. enttom= In der Sonntagnachi um 11 Uhr wurde der Polizeioberwachtmeister Sch. vom Revier 144 während eines Streifganges durch die Wilhelmstraße durch fünf unerkannt mene Burschen, die er zur Ruhe ermahnt hatte, niedergeschlagen. Einer der Täter warf sich auf ihn und fniete ihm auf der Brust, wobei er ihn mit seinen Fäusten bearbeitete. Schließlich gelang es Sch., fich zu befreien und den Angreifer durch zwei Hiebe mit dem Seitengewehr unschädlich zu machen. Darauf ergriffen die Burschen die Flucht und entkamen. Einen harten Kampf hatte in derselben Nacht der Polizeioberwachtmeister B. zu bestehen. Als er auf einem Streifgange den Helmholzplatz passierte, murde er von ein er Horde junger Burschen überfallen, nachdem er sie wegen groben Unfugs zurechtgewiesen hatte. In der Notwehr machte er von seinem Seitengewehr und auch von seiner Pistole Gebrauch. Mehrere der Angreifer sind durch Schläge mit der Hiebwaffe verlegt worden, zwei derselben fonnten festgenommen werden. Der Beamte selbst hat Kragwunden und durch Fußtritte hervorgerufene schmerzhafte Anschwellungen davongetragen. 7,30 Uhr abends: Vortrag der Frau Frida Baumgarten:„ Meine Tochter lernt von mir kochen". 9-10 Uhr abends: Männerchor( bestehend aus ehemaligen Mitgliedern der Staatsoper). 1. Pilgerchor( Beglückt darf nun) aus der Oper Tannhäuser". von Wagner. 2. Priesterchor aus der Oper Zauberflöte", von Mozart. 3. JägerBei Einzahlungen auf Zahlfarten und Rentenmartpoftanweisungen chor aus der Oper Freischütz", von C. M. v. Weber. 4. Adagio fowie bei Einlösung von Nachnahmen und Postaufträgen, die auf aus der A- moll- Sonate, von Grieg( Otto Urack, Cello, Eugen Sentenmart lauten, werden von den Postanstalten fortan bis auf Wiesner, Klavier). 5. Hymne an die Nacht, von Beethoven. weiteres Beträge bis 50 Rentenmark für jede einzelne Sonntag ist's". von Breu. 7. Heimkehr". von 8. a) Träumerei, von Schumann. b) Andante, von Goltermann( Otto noten oder anderen Zahlungsmitteln, die zu Zahlungen Gelbke. Bahlfarte oder Rentenmarkpostanweisung auch in Reichsban! Urack. Cello, Eugen Wiesner, Klavier). 9. Trinklied aus der Oper Die verkaufte Braut", von Smetana. Anschließend: Dritte Be- an Posttassen zugelassen sind, entgegengenommen. Warum wird kanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetter- benn überhaupt noch ein Unterschied zwischen den Zahlungsmitteln dienst, Sportnachrichten. gemacht? 6. Zeugen gesucht: Reichstag 1920. Die beiden ArbeiterSamariter 1920, in Neukölln wohnhaft, welche am Tage der Demonstration vor dem Reichstag am 13. Januar 1920 einem Schwerverwundeten die erste Hilfe gebracht und nach der Klinit in der Ziegelstraße transportierten, denselben dort auch einmal besuchten, werden dringend gebeten, ihre Adresse an Richard Elsholz, Dahlwig- Hoppegarten, Siedlung Birkenstein, B. 79, gelangen zu laffen. Konzerte auf öffentlichen Plägen im Bezirk Wedding finden in nächster Zeit an folgenden Tagen statt: Am 1. und 9. August, abends 7 Uhr, im Schillerpart, am 2. August, abends 7 Uhr, auf dem Sparrplaz. Die Stonzerte werden ausgeführt von Vereinen des Deutschen Ar. beiter Sängerbundes. Kunstgemeinde Neuton. Neuanmeldungen zur Kunstgemeinde und Umtausch der alten Mitgliederfarten muß baldigit erfolgen, da bereits am 7. September das Bolksbildungsamt Neutölln den Winterspielplan mit Wagners Der fliegende Holländer" eröffnet. Folgende Zahlstellen nehmen Neuanmeldungen entgegen und tauschen alte Karten um: Boltsbildungsamt Neukölln; Ortsstelle Briz; Teubner, Rottbuser Damm 96; Städtisches Beltpanorama, Kaiser- Friedrich- Str. 8; Lindner, Kaifer- FriedrichStraße 36/37; Eichstädt, Siedlung, Einhornstr. 9; Bading, Bergstr. 43; Warenhaus Josef, Berliner Straße; Gärtner, Biffmannstr. 14; Moeffert, Hermannstr. 69; Stadtgeschäft II, Hermannstr. 95. Wieder ein Seilbruch. Sechs Bergleute tödlich verunglückt. Die Leben der Bergarbeiter scheinen bereits wieder billig wie Brombeeren zu werden. Bor etwa zwei Wochen mußten infolge eines Explosionsunglücks auf der Zeche Bonifatius 5 Bergarbeiter ihr Leben lassen. Am Donnerstag voriger Woche fanden auf der Zeche Auguste Vittoria in Hüls bei Recklinghausen infolge Seilbruchs 4 Bergleute den Tod. Soeben teilt nun das preußische Oberbergamt aus Dortmund mit, daß abermals, wid zwar auf Beche 4 der Gewerkschaft Friedrich Thyssen in Hamborn am 28. Juli, nachmittags 2 Uhr, zu Beginn der regelmäßigen Einfahrt das Förber feil der Nebenförderung von der 5. nach der 6. Sohle gerissen ist. Beide Körbe, von denen nur einer besetzt war, find abgestürzt. Hierbei find sechs Mann tödlich verunglüdt. Das preuBische Handelsminifterium teilt amtlich mit, bie Bergämter und Oberbergämter anzuspornen, in den Zechen nach dem Rechten zu sehen. Wenn zweimal furz hintereinander Seilbruch gemeldet wird, bann scheint doch allerlei im argen zu liegen. Immer neue Opfer Haarmanns? Seit einigen Jahren wird ein Glauchauer Bürger vermißt, den Spuren in die Nähe von Hannover führen. Es liegt der Verdacht nahe, daß der Betreffende ein Opfer des Maffenmörders Haarmann geworden ist. Auch das Verschwinden junger Leute aus Hohenstein- Ernsttal und Umgegend wird mit den Morden Haarmanns in Verbindung gebracht. Der Brand im Wiener Olympia- Zirkus. Jn Wien wurde der ehemalige Birkusdirektor Martin Heibz unter dem dringenden Berdacht verhaftet, an dem verheerenden Brand, der in der legten Nacht den Zirkus Olympia eingeäichert hat, Schuld zu tragen. Es fann zwar als sicher gelten, daß Direktor Heibz nicht selbst als Brandstifter in Betracht kommt, weil er zur gleichen Zeit in einem Gasthause weilte, dagegen ist der Verdacht aufgetaucht, daß er durch Mittelspersonen den Brand legen ließ. Als Brandstifter werden der entlassene Nachtwächter Nelwet sowie ein entlassener Arbeiter Sefzit verdächtigt. Der Zirkus war mit 300 Millionen und das Inventar mit 120 Millionen versichert. 64 Schulkinder bei einem Schuleinffurz getötet. Infolge der Ueberschwemmungen ist, wie aus Madras( Indien) gemeldet wird, eine Knabenschule in Cheruthuruthy im Staate Cochin eingestürzt. Ein Lehrer und 64 Schüler wurden getötet, zahlreiche Schüler verlegt. Mutounglück bei Sfrehlen. Ein schweres Automobilunglück ero eignete sich am Sonntagmittag auf der Landstraße zwischen Eisenberg und Luisenhof. Der Wagen, ein schwerer 45pferdiger Daimler, der dem Oberingenieur Müller aus Beuthen D/ S. gehörte und mit sechs Personen besetzt war, schlug bei einer Kurbe mit dem hinteren Teil gegen einen starten Kirschbaum. Eine Insassin, die Schwägerin des Oberingenieurs Müller, war auf der Stelle tot. Die übrigen Infaffen sind mehr oder minder schwer verlegt. Der Wagen ging total in Trümmer. Das Auto hatte nach Angabe von Augenzeugen ein übermäßiges Fahrtempo. Dresden verbilligt Gas und Elektrizität. Die Dresdener Stadtverwaltung teilt mit: Die gegenwärtigen Schwierigkeiten im Wirtschaftsleben fordern gebieterisch eine allgemeine Preisermäßi gung, damit einerseits die Lebenshaltung im Inland verbilligt und andererseits die deutsche Industrie für die Ausfuhr wieder fonkurrenzfähig wird. Um ihrerseits an diesem Ziel mitzuwirken, haben sich die städtischen Werke entschlossen, die Gaspreise um 10 Broz, also von 20 auf 18 i. und die Einheitsstrompreise von 48 auf 45 f. herabzufezen. Wie aus Die Leichen zweier deutscher Touristen geborgen. Innsbrud gemeldet wird, sind in den letzten Tagen die Leichen zweier deutscher Touristen, die von der Südwand des großen Bettel. wurfes abgestürzt waren, zu Tale gebracht worden. Jugendveranstaltungen. Heute, Dienstag, den 29. Juli, abends 71/2 Uhr. Copenie. Städt. Jugendheim, Grünauer Straße 5. Bortrag: GAS uno militarismus". Gesundbrunnen D. Jugendheim Pant. Ecke Wiesenstraße. Mariendorf. Alte Schule, Dorfstr. Disfuffion: Demokratie oder Diktatur" Bortvag: Einführung in die Bokswirtschaft". Vortrag: ,, Arbeiterbewegung". Reukölln III: Jugendheim, Nogatftraße 53. Reukölln IV. Jugendheim Schierkeftraße 44. Glaßbrenner- Abend. Nordring. Lokal von Mahnkopf, Brenal. Borstadt. Badeanstalt, Oderberger Straße 57. Distuffion: ,, Was haben Carmen- Sylva- Grtaße Ede Greifenhagener Straße. Mitgliederversammlung. uns die Jahre 1914 bis 1918 gebrachyt". Schöneberg II. Frankenstraße 10. Bortvag: Reichsverfassung" II.- Weften. Baugewerkschule, Kurfürstenstr. 141. Bortrag: 1914 bis 1924". * Achtung, Jugendgenossen! Für Leipzig werden wegen der Fahrpreisermäßi nachm. 4.25 Uhr mitfahren wollen. Meldung spätestens Mittwoch, den 30. d. M., gung noch Jugendgenoffen gesucht, welche am Freitag, den 1. August, abends im Jugendfekretariat. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". カ Große Feuersbrunst in Saloniti. Die Stadt Saloniki murde von einer großen Feuersbrunst heimgesucht. Das ganze Stadtviertel Bardare ist niedergebrannt. Mehrere Tabakfabriken sind vernichtet. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Unsere Berfassungsfeier". Der Schaden beträgt mehrere Millionen Dollar. Wetter für Berlin und Umgegend. Aufangs noch ziemlich beiter, zunehmende Bewölkung mit geringen Regenfällen bei wenig geänderten Temperaturen. Für Deutschland. Im Westen vielfach leichte Regenfälle, im Osten noch zeitweise heiter. Preisnotierungen für Nahrungsmittel! Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Raifer- Wilhelm- Straße 46 III. Kameradschaft Behlendorf", am Dienstag, den 29. Juli, 8 Uhr abends, bei Schnorre, Zehlendorf- Mitte, Potsdamer Straße 3( am Markt). Mitgliederversammlung. Wichtige Besprechungen für die Berfassungsfeier." Kamerabschaft 17( Lichtenberg). Mittwoch, den 30. Juli 1924, abends 7.30 Uhr Antreten Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde. Kamerab schaft Kaulsdorf". Mittwoch, den 30. Juli 1924, abends 8 Uhr, Antreten Bahnhof Raulsdorf. Ortsgruppe Treptow und Jugendgruppe. Am Donnerstag, den 31. Juli 1924, abends 7% Uhr, Lobal Stephan, Treptow, Graeßstraße 1. Pünkt liches Erscheinen ist Pflicht. Republikaner als Gäfte willkommen. Kamerab schaft Charlottenburg". Donnerstag, den 31. Juli 1924, abends 7% Uhr, im Restaurant Wilhelmshof, Berliner Straße, Eingang Spreestraße, Rameradschaftsversammlung. Bortrag. Erscheinen ist Bflicht. Kameradschaft ,, Brenzlauer Berg". Jugendgruppe, 8 Uhr, Schulhof Senefelder Straße 6. Mitzenausgabe. Dienstag, den 29. Juli 1924. Kameradschaft Tempelhof"( Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade). Bersammlung am 31. Suli, Restaurant Burr Linde", Tempelhof, Friedrich- Karl Ede Werderstraße, abends 8 Uhr. Republikaner als Gäfte willkommen. Kameradschaft 19 Bantom". Freitag, den 1. August, abends 7.45 Uhr. Mitgliederversammlung. Pantom, Türkisches Relt" bei Maier. Müßenausgabe. Erscheinen ist Pflicht. " Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Kameradschaft Wilmersdorf". Sonnabend, den 2. Auguft, abends 8 Uhr, Ber4 Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose... Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1.... Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Zentner frei Haus Berlin. 75,00-85,00 86,00-100,00 16,00 20,00| Röstgetreide, lose.... 15.50-18,00 15,00-15,00 Kakao, fettarm 15,50-17,00 Kakao, leicht entölt 18,00-19.00 Tee, Souchon, gepackt 350,00--430,00 13,00 14,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 18,50-19,75 Inlandszucker basis mel. 37,50- 39,00 21,75-24,25 Inlandszucker Raffinade 15,25-17,25 Zucker Würfel. 18,00 22,50 Kunsthonig 12,25-15,50 Zuckersirup hell in Eim. 8,75-11,75 Speisesirup dunk. in Eim. 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. Langbohnen, handverles. 27,00 30,50 Marmelade Vierfrucht Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimeh! Schnittnudein, lose. Bruchreis. Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari. Zimt( Cassia) 20,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00-37,50 Steinsalz, lose 39,00-46,00 Siedesalz, lose 18,75-20,50 Bratenschmalz in Tierces 36,00-42,00 Bratenschmalz in Kübeln 33,00-35,00 Purelard in Tierces 15,00-16,25 Purelard in Kisten.... 14,50 15,5 Speisetalg in Packung 15,50-17,0 Speisetalg in Kübeln 23,25-31,00 38,50- 41,50 42,50-46,00 23,00-32,00 38,00- 43,00 25,00-29,00 80,00-95,00 35,00-40,00 33,00- 38,00 3,10- 3,70 4,004,70 76,50-77,50 78,50- 79,50 75,50-7,00 76,50-78,00 49,00-52,00 48,00-50,00 Margarine, Handelsm. I 60,00 desgl. II 30,00-36,60 54,00-57,00 78,00-80,00 Margarine, Spezialm. I. 76,00 40,00-43,00 desgl. II. 63,00-65,00 50,00-$ 5,00 Margarine III 46,00-50.00 60,00 Molkereibutter i. Fässern 176,00-186,00 70,00- 75,00 Molkereibutter in Pack. 182,00-190,00 70,00-8,00| Landbutter .. 65,00-70,00 Auslandbutter in Fässern 190,00-201,0 155,00-158,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00- 37,00 145,00-152,00 Ausl Speck, geräuchert 72,00-78,00 106,00-115,00 Quadratkäse. 25,00-38,00 65,00 7,00 Tilsiter Käse, voltfett.. 100,00-110,00 98,00-108,00 Bayr. Emmenthaler 160,00-170,00 140,00-145,00 Echter Emmenthaler... 178,00-185,00 Rohkaffee Brasil 180,00-215,00 Ausl. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16. Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer. Röstkaffee Brasil. 20,50-23,25 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 16,50- 17,50 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00-26,50 " fammlung im Augusta- Hof", Wilmersdorf, Augustastraße 1( Ede Berliner Straße.) Erscheinen ist Pflicht. Republikaner als Gäste willkommen. Jugendkameradschaft Oberspree". Dienstag, den 29. Juli, 8 Uhr, Appell Bahnhof Niederschöneweide, Haupteingang. Die Zugführer treffen sich bereits um 7 Uhr im Jugendheim Riderschöneweide. Männerchor Sarmonie Charlottenburg. Die Mitglieder nehmen ant Mittwoch abend an der öffentlichen Bersammlung der 56. Abteilung teil. 7% Uhr: Aula Pestalozziftr. Dienstag abend Treffpunkt 7% Sebbel- Bart. Sport. Die Meisterschaft von Deutschland im Radrennen über einen Kilometer gewann im Kölner Stadion Dimella Köln gegen Roßbach- Köln, Walter Rütt jr.- Berlin( Dritter) und Graue Berlin( Bierter). Die Meisterschaft von Deutschland über 25 Stilometer fiel an lethe- Köln gegen Krewer Köln( Zweiter) und Rütt jr.( Vierter). " 3 Briefkasten der Redaktion. $. E. Sp. Die Besoldung erfolgt aus den Zuschüssen des Staates und den Steuern. Selberg. Nur wenn eine Arbeitsordnung vorliegt, die darüber Bestimmungen enthält. 2. Nein. Es läßt sich aber auch ein entgegengefester Standpunkt vertreten. R. M. 1924. 1. Stadtbezirk 262. Das Bezirksamt Wedding, Exerzierstraße 11. 2. Die Orte a und c haben felbft Amtsgerichte; Heidenau gehört zum Amtsgericht Birna. B. S. 25. 1. Cha 10 Mt. 2. Dem Rinde ist der volle Unterhalt zu gewähren. Fordern Sie für sich und das Kind wöchentlich 15 Mr. 28. 89. 1. Ihr Bruder kommt mur gls Erbe in Frage. 2. Unter Umständen ja. 8weckmäßiger wäre es, menn Thr Bater gegen Ihren Bruder die Unterhaltstlage erheben würde. 3. Laffen Sie sich die Wohnung von Ihrem Bater vermachen. A.$. 11. 1. Die Frage ist sehr zweifelhaft. Dem Standpunkt des Mieteinigungsamtes fönnen wir uns nicht ohne weiteres anschließen. Nach der Bekanntmachung des Magiftrats in der vom 1 Juli d. J. ab geltenden Faffung ist der Vermieter berechtigt, das Wassergeld umzulegen. Danach wäre der Hauswirt im Recht. Vielleicht ift eine Berständigung mit dem Sauswirt möglich. 2. Aus der gefeßlichen Miete find sämtliche öffentliche Baften zu entrichten. Sur Umlegung der Haus sinsfteuer ist daher der Hauswirt nicht berechtigt. Kleine Massary 2s CAID Gold 3, s Urteilen Sie selbst! Jetzt auch die altberühmte Massary Classe RUND DICK+ * in unveränderfer Güfe 2.s Urteilen Sie selbst! ROAL extra dick 5.8 Delft Gold 6.8 Deutscher Krankenkassentag. Hamburg, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Unter starter Beteiligung von Vertretern aus allen Gauen Deutschlands nahm am 27. Juli 1924 der 28. Deutsche Krankenkassentag in Hamburg seinen Anfang. Den Auftakt bildete ein Empfang beim Hamburger Senat am Sonnabend. Die eigentliche Tagung nahm am Sonntag ihren Anfang. Von den Begrüßungsreden war die des Ministerialdirektors Dr. Grieser vom Reichsarbeitsministerium bemerkenswert, der darauf hinwies, daß die Krankenversicherung der Seeleute in nächster Zeit geregelt werde. = bie Raffer bie Gewährung von Milch an ihre Mitglieder wieber| für eine großzügige Belehrung und Auftlärung der Raffenmitglieder aufnehmen. Endlich müssen die Träger der Krankenversicherung muß eingerichtet werden. durch die hoffentlich bald tommende Reform der Versiche. rungsgefeggebung unter Erhaltung der Selbstverwal. tung vereinheitlicht und mit den Kommunalverwaltungen und den Trägern der Invalidenversicherung in eine engere Verbindung gebracht werden. Anschließend folgte ein zweites Referat von Albert Cohn Berlin über die Wege, die zur Wiederaufnahme sozial- hygienischer Arbeiten führen. Cohn rückte die Bekämpfung der Tuberkulose und der Geschlechtskrankheiten is In das Präsidium wurden die Herren Lanz- Hamburg und in den Bordergrund seiner Ausführungen. In der Gesund Stadtrat Ahrens Berlin gewählt. Das erste Referat hielt Mi- heitsfürsorge muß die Arbeit unverkürzt fortgesetzt werden, cisterialdirektor Dr. Grieser über den Umbau der Sozialversicherung. Für die Leistungen forderte der Referent Umgestaltung nach dem Familienstande und Ausbau der vor beugenden Heilverfahren. Eine engere Zusammenarbeit der Kranken-, Invaliden- und Unfallversicherung sei erforderitch. In der Diskussion wandte sich Reichstagsabgeordneter Graf Pforzheim scharf gegen die sogenannten Berufsfassen, die mit den höchsten Verwaltungskosten arbeiten und den Ortskrankenkassen die besten Risiken entziehen, ohne dafür besondere Leistungen bieten zu fönnen. Der Redner bedauerte, daß die Regierung die Ermächtigungsgesetze nicht dazu benutzt habe, um hier gründlich Ordnung zu schaffen. Er lehnte die Neugründung von Berufs- und Betriebsfrantantassen ab. Der folgende Redner, Hallmann- Magdeburg, unterstrich diese Ausführungen. Die Versammlung nahm darauf zwei Entschließungen an, die alle Bestrebungen auf Bulaffung neuer Ersagkassen scharf zurücmeisen und sich wenden. gegen den Abbau der Versicherungsleistungen damit die Erhaltung der Arbeitskräfte gewährleistet werde. Die Krankenkassen müssen auch auf dem Gebiet der Woh nungsfürsorge vorangehen, da ohne Geſundung des Woh nungswesens feine Gesundung des Volkskörpers erfolgen fann. Be fondere Bedeutung muß der Belehrung der Bevölkerung zugemandt werden. mandt werden. Die Arbeiten der sozialhygienischen Fachverbände weißen hierzu die richtigen Wege. Besonders wandte sich der Redner gegen die Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel, wie sie durch die Kornzölle erfolgen. Von einer Uebertragung der sozialhygienischen Arbeiten von den Krankenkassen auf die öffentliche Fürsorge verspricht sich Cohn feinen Erfolg. Als erster Diskussionsredner sprach Generaloberarzt a. D. Dr. Held, welcher der Tuberkulosebekämpfung das Wort redete. Professor Dr. Wichmann- Hamburg wies darauf hin, daß chne große Geldmittel eine Art der Fürsorge möglich fei, die für die mit Erbsyphilis Behafteten in Wirkung trete. Darunter versteht der Redner die Fürsorge für Kinder und Erwachsene, die ohne äußer liche Anzeichen an dieser schwersten aller Geschlechtskrankheiten von Geburt an leiden. Professor Dr. Rott Berlin erklärt für die Arbeitsgemeinschaft sozialhygienischer Fachverbände die Bereit willigkeit zur Zusammenarbeit mit den Krankenkaffen auf diesem Gebiete. Frau Floßmann- Düsseldorf wünscht einen Ausbau der Versicherung besonders für die Hausfrauen. Bum zweiten Punkt der Tagesordnung: Wiederauf nahme der sozialhygienischen Arbeiten" berichtete Professor Dr. Grotjahn- Berlin. Jetzt gilt es, die schleichenden Krankheitszustände und zersezenden Infektionskrankheiten mit Er folg zu befämpfen. Diese Aufgaben begegnen sich mit den Interessen der Krankenkassen, denen gerade die schleichenden Krankheiten die größte Belastung auferlegen. Die Einbeziehung der Familien mitglieder in die Wohltaten der Krankenversicherung sollte möglichst allgemein durchgeführt werden. Wichtig ist auch die Ver= schickung Leichterfrankter in Seime und Kuranstalten, wichtiger aber ist doch immer noch eine großzügige Gewährung von Krantenhausaufenthalt. Wünschenswert ist ferner, daß die die Kaffe gegenwärtig überhaupt treffen kann. Eine Zentralftelle WIE ADEN Einstimmig nahm darauf die Versammlung eine Entschließung an, die eine Wiederaufnahme der sozialhygienischen Arbeiten fordert. Von vornherein muß dabei planmäßig und nach den Grundsägen größter Wirtschaftlichkeit vorgegangen werden. Die Familienfrankenhilfe ist die wichtigste fozialhygienische Maßnahme, In die Behandlung des nächsten Tagesordnungspunktes ,, Wirtfchaftliche Behandlungsweise" teilten sich Chefarzt Dr. Bryll- Berlin und Direktor Dr. Knad Hamburg. Dr. Bryll Die wirtschaftliche Behandlungsweise ist unmöglich führte aus: ohne Mitwirkung der Aerzteschaft. Dazu genügt es nicht, daß die Kassen Forderungen stellen, vielmehr müssen die Aerzte schon bei der Ausbildung aufgeklärt werden, damit sie allmählich in ihre neue Aufgabe hineinwachsen. Dr. Knad erläuterte dann die Notwendigfeit der wirtschaftlichen Behandlungsweise vom Standpunkt des praktischen Arztes aus. Es bedarf eines weiteren Ausbaues des Vertrauensarztsystems. Zur vertrauensärztlichen Tätigkeit müssen auch in viel weiterem Umfange als bisher Spezialärzte herangezogen werden. Die beste wirtschaftliche Behandlungsweise ist die Gesundheitsprobe. Sie darf nicht durchgeführt werden ohne den engsten Zusammenhang mit der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung, durch die schwächliche und fränfliche Personen anderen Berufen zugeführt werden können, für die ihre Arbeitskraft ausreicht. Die wirtschaftliche Behandlungsweise ist nicht zu erreichen im Kampf zwischen Rassen und Aerzten, sondern in engster ZusammenEine Entschließung im Sinne des Referenten wurde einstimmig angenommen. Am Montag vormittag referierte zunächst der Geschäftsführer Karl Lehmann Dresden über die Arztfrage. arbeit. Die wirtschaftliche Entwicklung hätte zu einer Proletarisie rung der Aerzte geführt. Die Aerzte hätten sich jedoch noch nicht in die Front der Hand und Kopfarbeiter eingereiht. Es scheine, als ob manchen Aerzten jogar an dem Verschwinden der Sozialversicherung gelegen sei. Sie dürften aber nicht vergessen, doß die Vernichtung der Sozialversicherung auch zum Ruin des Aerzteberufes führen müsse. Einen Weg zur Lösung der Aerztefrage, wie sie heute besteht, sieht der Redner in der Einrichtung von Ambulatorien. Die Krankenkassen hätten feine Veranlassung, sich mit ihren wichtigsten Mitarbeitern herumauftreiten. Sie legten im Gegenteil den größten Wert darauf, mit einer sozial eingestellten Aerzteschaft om dem Wiederaufbau des Volkes auf gesundheitlichem Gebiet zusammenzuarbeiten. = In der Debatte öußerte sich dann noch Rechtsanwalt Dr. Nürnberger Nürnberg. Er hält es nicht für nötig, in allen Orten Ambulatorien einzurichten, und schlägt vor, bei den kleineren Kassort einen Ausbau des Vertrauensärztesystems vorzunehmen. dann wurde in den geschäftlichen Teil der Tagesordnung eingetreten Kreyssel Zigaretten Wiesbaden Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Komische Oper Pines Staats- Theater 8 Uhr: James Klein D. Kreuzelschreiber 8 Uhr Nur noch 2 Tage Grete Bäck Karl Etlinger Leo Peukert/ Emil Lind Julius Sachs/ Orto Sauter- Sarto Deutsch. Theater Sommerspielzeit 8 Uhr Die tanzende Prinzessin von Walter Kollo Direktion: Stab und Gerner Parkett 1.50-5.00 Mark Tägl. 8 Uhr: MaxAdalbert u.Max Landa in Clubleute Kammerspiele Sommerspielzeit Direktion: Staab und Gerner Tägl. 8 Uhr: Georg Alexander in Kümmelblättchen Th.i.Admiralspalast 81% U.: Der Erfolg d. Jahres 12 Monate enanterbr. auf dem Spielplan ist die große Revue Drunter und drüber Intimes Th. 8 U. Gasts. Künstlersp. Alb/ Nachtlichter Befehl Metropol- Th. 8U. D.Weltschlager Mascottchen Tribune 8 Uhr: Premiere: Biederleute SCALA eröffnet 1. August 8 Uhr mit AuslandSensationen Der Vorverkauf hat begonnen Theater a.Kottbuss.Tor Täglich 8 Uhr: ElifeSänger Großartiges JuliProgramm 11.&.: Die Lieblingskub des Maharadschal ZOOLOGISCHER GARTEN Täglich Gr. Konzert Aquarium TlerkunstAusstelig. LUNAPARK Heute Dienstag: Volkstag. Konzert Feuerwerk Eintritt 60 Lebende Skulpturen Pfennig amLehrter Vergi ULAP Bahnhof Vergnügungspark Opernhaus am Königsplatz Täglich 72 Uhr: Fürstenkind Residenz- Th. u.Ltg: Alfr.Belerle Tägl. 8 Uhr: Hinkemann Gutschein bis 3. August 1-4 Personen 50% Ermäßigung Trianon- Theater Tägl. 8 Uhr: Anatol Lustsp. v. Schnitzler Gutschein bis 3. August 1-4 Personen 50% Ermäßigung Verteilt heute bis 3. August Rose- Theater 20 Trostpreise Bedingungen siehe Anschlagsäulen. Heute Dienstag: Ausnahmetag. Jeder Besucher eine Attraktion frei. Eintritt 75 Pf. Beginn 4 Uhr LUNAPARK Preisaufgabe ? Dienstag/ Mittwoch/ Donnerstag/ Freitag Als Preise: 50 Geschenke ( u. a. 5 Motorräder) Beteiligungsbedingungen siehe Eintrittskarte Amtliche Wett- Annahme des Union- Klubs Berlin NW. 7, Schadowstraße 8. Annahme von Wetten für alle Berliner Rennen in der Zentrale, Schadowstr. 8, in alten Filialen und bei den größeren Renn- Vereinen im Reiche. Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug. Schriftliche Aufträge und Aufträge auf Konto- Einrichtung sind nur an die Zentrale zu richten. 8 Uhr: Lehmanns Kinder Gartenbühne 71/2: Mädi Reichshallen-Theater Täglich 8 Uhr: Dresdener ViktoriaSänger Dönhoff- Brettl Anf. 7 Sonnt. 5 U. Gr. Varieté- Progr PreisAbbau im Ctabliss Caff Tielka Friedrichstr.60 Ecke LeipzigerSt. Varieté- Kabarett Nachm. 41/2, abds. 78/4 I. u. II. Etage 51 Billards Café Zielka im Walde das neue Grunewald Paradies an der rummen Lanke Zehlendorf- West Alsenstraße 141 Wannseebahn Tägl. ab 4 Uhr Groß. Garten- Konzert Rennen zu Grunewald Der gute KapitänDienstag, den 29. Juli nachm. 3 Uhr Kautabak ist in den meisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Rocker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 im Theater] des Westens Große Volksopers 8 Uhr: Der Troubadour ( Sommerpreise) Blumen für Opfertage 1000: 5, 8, 10, 15 M. Blum.fabrik Hesse, Dresden Neue Schuhpflege! Wenn Sie auf elegantes Aussehen Ihrer Schuhe Wert legen, so dürfen Sie nicht Unmassen farbiger, harziger, unangenehm riechender Schuhcreme auftragen. In wenis gen Tagen ist das empfindliche Leder unansehnlich und wird brüchig und hart. Benugen Sie deshalb die farblose überfettete wohlriechende Edelcreme Tuberan. Sie gibt schon in fleinen Mengen einen fametweichen Glanz, verharzt nie und ist im Gebrauch in der Tube für Haushalt und Reise höchst sauber, sparsam und praktisch. Alte unansehnliche Schuhe werden wie neu. Für feines Schuhwerk unentbehrlich. 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Der Internationale Gewerkschaftsbund( Amster-| Aber wie weit entfernt ist die Organisation, die heute diesen Namen dam), die Sozialistische Arbeiterinternationale trägt, von der Verwirklichung des großen Gedankens der fried( London) und die Sozialistische Jugendinternatio- lichen Organisation der Welt. Wir fordern, daß in den nale( Berlin) erlassen zum zehnten Jahrestage des Kriegsbeginns einen gemeinsamen Aufruf an die Arbeiter und Arbeiterinnen aller Länder, in dem es heißt: Völkerbund alle Staaten aufgenommen werden, daß er ein Instrument der Völker und nicht der Regierungen werde. Wir wollen feine Gelegenheit der Berständigung unbenüßt und unversucht lassen. Aber wir wissen: das kapitalistische Interesse kommt immer wieder in Widerspruch mit der friedlichen Organisation der Welt. Und daher wird die Kriegsgefahr bestehen, solange die tapitalistische Ge,, Erinnert Euch an die Zeit, als der große Krieg begam! Blickt zehn Jahre zurück! Erinnert Euch vor allem an die ersten Lage und Wochen, wo Ihr noch nicht wußtet, was Ihr später in Schmerzen und Qualen erfahren habt. Erinnert Euch an die Besellschaftsordnung besteht. geisterung für den Krieg, die in jenen Tagen die Massen ergriff. Erinnert Euch, mit wie vollendeter Kunst sie von den Beitungen in allen Ländern geschürt wurde. Nicht um Euch zu tadeln, nicht um Euch zu kränken, erinnern wir Euch an die damalige Kriegsbegeisterung, sondern um Euch zu fragen, ob solch unheilvolles Nichtverstehen noch einmal vorfommen darf. Millionen ruhen in den Gräbern; Millionen Krüppel leben unter uns; Millionen Kinder werden ihr Lebenlang den Stempel der großen Zeit" tragen; Millionen sind arbeitslos; Millionen darben und hungern. Noch sind die Ruinen nicht aufgebaut, noch ist die Wirtschaft nicht im Gang; noch sieht jeder, der sehen will, die Vercerungen des Krieges. Aber schon wagen sich die Kriegsheher wieder hervor. Sie spekulieren auf die Bergeßlichkeit der Menschen. Ludendorff und Poincaré wurden in diesem Jahre bei den Wahlen geschlagen. Aber täuschen wir uns nicht: je mehr Zeit vergeht, um so leichter wird es wieder, Kriegsstimmung zu erzeugen. Und daher rufen wir Euch auf, benüßet dieses Gedächtnisjahr des Kriegsbeginns, rufen wir Euch auf, benüßet dieses Gedächtnisjahr des Kriegsbeginns, um die Erinnerung zu wecken an alle Greuel, die wir erlebt, um das Bewußtsein zu festigen, daß nie wieder Krieg sein darf! Aber das Gefühl des Abscheus vor den Krieg genügt nicht, die Völker müssen zur Erkenntnis der Ursachen der Kriege tommen, um sie zu beseitigen. Und deshalb genügt es uns nicht, die Verbrecher, deren Schuld in ihren eigenen amtlichen Dokumenten zweifelsfrei flargestellt ist, zu verfluchen, sondern wir müssen eine Weltordnung be= seitigen, die immer wieder Kriegsverbrecher erzeugt, die uns ständig mit allem Unheil der Barbarei bedroht. Während des Krieges verkündete man, daß gekämpft werde, damit dieser Krieg der lezte Krieg fei. Wir sehen jedoch, daß der Militarismus immer neue Kraft gewinnt. Den Besiegten ist es zwar verboten, aber unter den ehemals verbünde ten Siegern kommt das Wettrüften zu nie gekannter Blüte. Und damit bleibt die Gefahr friegerischer Explofionen so groß wie nur jemals. Im Krieg verkündete man, daß sein Ergebnis der Völker bund sein werde, der künftig Kriege unmöglich machen rerde. Wirtschaft Rechenfehler des Ruhrbergbaues. Gegenüber den Darstellungen des Ruhrkohlenbergbaues, det tzlich wieder in der Deffentlichkeit über seine Berluftwirtschaft Klage führte und dabei unrichtige Zahlen über seine Produktionskosten verbreitete, erhalten wir nachstehende Ausführungen aus Fachkreisen: Der rheinisch- westfälische Bergbau arbeitet unter den Micum Lasten mit großen Verlusten. Diese Tatsache wird anerkannt, aber libertreibungen muß ebensosehr entgegengetreten werden. In einer Selbstkostenberechnung des Bechenverbandes, die in diesen Tagen veröffentlicht wurde, find sie im Uebermaß enthalten. Die Tatsachen zeigen das mit aller Deutlichkeit. Der Zechenverband gibt in seiner Berechnung an, daß 11 Proz. der Förderung im Selbstverbrauch und durch AbWir verweisen darauf, daß 1913 für diese 3wede nur 5,7 Bro3. benötigt wurden. Eine Steigerung des Selbstverbrauchsanteils ist erfolgt, aber feine Berdoppelung. Die Zahl der Berg arbeiter hat sich vermehrt und damit auch die der Deputatkohlenbezugsberechtigten; andererseits ist der Fördereffekt gegenüber 1913 geringer geworden. Das sind zwei Momente für die Steigerung des Zechenfelbstverbrauchs und der Deputatfohlenmengen. In der Berechnung des Bechenverbandes wird aber ferner die Tatsache verschwiegen, daß die Bergleute tarifmäßig 8 M. für eine Tonne Deputattohle bezahlen müssen. Unter voller Würdigung aller dieser Tatsachen tommen wir zu dem Ergebnis, daß feines: falls mher als 9 Proz. der Förderung für die genannten Zwede verbraucht werden. Dadurch erhöht sich die Menge der Absazkohle; so wird das crfte Loch in die Berechnung des Zechenverbandes gestoßen. Das zweite foll gleich folgen. Bom 1. Dezember 1923 bis 30. Juni 1924 wurden im Ruhrgebiet 42,57 millionen Tonnen Kohle gefördert. Davon sind 5 Millionen Tonnen als außerhalb der Micum- Lasten stehend abzuziehen, da sie im unbefeßten Gebiet gewonnen wurden. Die För derung der mit den Micum- Lasten bedachten Zechen beträgt somit in der genannten Zeit 37,57 millionen Tonnen. Davon werden 9 Proz. 3 381 300 Tonnen im Selbstverbrauch und für Deputattohle benötigt, so daß die abfabfähige Förderung 34 188 700 Tonnnen betragen hat. Hiervon find 9 Millionen Tonnen unbezahlte Micum- Lieferungen abzuziehen, so daß 25 188 700 3 um freien Berkauf verblieben. Nimmt man nun noch weiter an, daß 1 Million Tonnen nicht abgefeßt, sondern auf Lager gelegt wurden, daß sich demgemäß die tatsächlich verkaufte Kohlen menge vom 1. Dezember 1923 bis 30. Juni 1924 auf 24 188 700 Tonnen bezifferte, so läßt sich ziemlich genau errechnen, wie sehr die sogenannte„ rüdwärtige" Rohlensteuer Produktion und Preise belastet. = Das Micum- Abkommen verpflichtete die Zechen 15 Mil lionen Dollar= 63 Millionen Goldmark für rückliegende Rohlensteuer zu zahlen. Der Gesamtbetrag war bis zum 15. Mai 1924 zu begleichen. Er stellte eine sehr schwere Belastung dar. Um fie rechnerisch auszugleichen die Zechen haben dafür noch keine fattische Deckung wurde jede verkaufte Tonne Rohle mit 3 M. belastet. Der Bechenverband schrieb selbst in seiner ersten Rostenberechnung vom Ende Februar 1924 hierzu: Diese Ziffer ist ermittelt, indem man den Gesamtbetrag von 15 Millionen Dollar gleich 63 Millionen Mark auf die für die Monate Dezember 1923 bis mai 1924 zu erwartende verkauf bare Förderung aufteilt. Wir haben damit die Summe auf die Wir wollen arbeiten gegen die Kriegsgesinnung, gegen die Geheimdiplomatie, für allgemeine Ab= rüstung, für friedliche Verständigung und internationale Schiedsgerichte, wir wollen alle Kräfte organisieren in unseren Gewertschaften und Genossenschaften, in unseren politischen Organisationen, in den Parlamenten, in den Institutionen des Völkerbundes und überall, wo wir uns geltend machen können. Wir wollen uns international zusammenschließen, um den internationalen Abwehrkampf in allen Formen bis zum Generalstreit vorzubereiten. Aber wir wissen, daß alles dies nur die Kriegsgefahr einschränkt, sie nicht beseitigt. Solange ber ungeheuerliche Machtapparat des Militarismus besteht, solange tapitalistische Mächte die Möglichkeit haben, diesen Machtapparat in Bewegung zu sehen, solange werden die arbeitenden Menschen das Opfer von Kriegen sein. Physische Gewalt, ökono den Krieg werden den Massen immer wieder die Waffen in die Hand mischer Drud und nicht zuletzt zielbewußte Stimmungsmache für drücken, sie auch gegen ihren Willen zu blinden Werkzeugen der Kriegsinteressenten machen. Die persönliche Kriegsdienstverweigerung wird stets eine eindrucksvolle Demonstration fein, nicht aber als Massenerscheinung den Gang des Berhängnisses wirklich hemmen fönnen. Wurzel auszuroffen; wir müssen die kapitalistische GesellschaftsordDaher gibt es feinen Weg, als die Kriegsmöglichkeit mit der nung beseitigen. Die Herrschaft der Arbeiter in allen Ländern wird nicht nur das Ende der Ausbeutung, sondern auch das Ende der Kriege sein. Deshalb rufen wir Euch auf, in gewaltigen Demonftrationen der Menschheit zum Bewußtsein zu bringen, daß sie noch immer an demselben Abgrund des Wahnsinns und Verbrechens steht wie im Juli 1914. sozialistischen Gesellschaftsordnung; gedenket Jean Jaurès, des Gedentet des großen Vorfämpfers des Weltfriedens und der ersten Opfers im Weltkrieg! Gebentet der tausende und tausende treuer Genoffen, die uns entrissen wurden; gedenket ber tausende Krüppel, die ihre Arbeitsfähigkeit verloren; gedentet der Leiden der Frauen und Kinder! Dentet Arbeiter und Arbeiterinnen und vor allem auch Ihr Jugendgenossen an Eure große geschichtliche Aufgabe, und gelobet, daß ihr nicht erlahmen wollt im Krieg gegen den Krieg!" gütungen an Zechen, die solche Lieferungen im Auftrage des Synbitats auszuführen hatten, nicht mehr sehr hoch sein werden. Damit fann der Saz wesentlich, ungefähr um 50 Broz. vermindert werden. Wir veranschlagen dafür 0,90 m. je Tonne. Mit den angeführten Einschränkungen fommen wir nun zu folgendem Selbsttostenergebnis in der Gegenwart: Förderung je bergm. Belegichaftsmitglied in der Schicht 0,88 Ton. Lohn je Schicht im Durchschnitt Je Tonne Förderung betragen: Arbeiterlohnkosten Beamtengehälter( 10 Proz. der Arbeiterlohnsumme). Werksbesizerbeitrag zur Knappschaft. Beitrag zur Knappschaftsberufsgenossenschaft Materialienkosten Staats- und Gemeindesteuern Allgemeine Unkosten 6,20 M. 7,04 M. 0,70 " 0,92 0,20 2,90" 0,58 " " " 0,90 " Summe der Selbsttosten 13,24 M. Abschreibungen 10 Proz. der Selbstkosten. 1,32 Insgesamt Selbstkosten je Tonne Förderung 14,56 M. Bon 100 Tonnen Förderung entfallen auf Selbstverbrauch und Deputate 9 Tonen, so daß eine Nußförderung von 91 Tonnen ver bleibt. Davon sind nach den Angaben des Zechenverbandes für Reparationslieferungen abzuziehen 25,18 Proz.= 22,91 Tonnen oder rund 23 Tonnen. Es verbleibt sodann eine verkaufsfreie Förderung von 68 Tonnen. Nach unserer Selbstkostenberechnung tosten 100 Tonnen Förderung 1456 M. Verkaufsfrei verbleiben 68 Tonnen X 19,47 M. Durchschnittspreis= 1323,96 m. Die Selbstkosten für 1 Tonne Förderung betragen 14,56 M. Nach Abzug der Micum- Lieferungen und des Selbstverbrauches wird ein Erlös erzielt von. 13,23 verbleibt ein Mindererlös von 1,38 M. Hinzugefügt werden müssen: Für laufende Kohlensteuer Für Handelsunkosten 5 Proz. vom Förderkohlenpreis 0,88 Für Syndilatsumlage.. 0,90 0,75 M. " " Mindererlös je Tonne 3,81 W. Diese Berechnung dürfte der Wahrheit sehr nahe kommen. Sie zeigt, daß nach dem Fortfall der Mi um- Lasten, d. h. wenn infolge anderer Regelung die Reparationslieferungen bezahlt werden und feine Kohlensteuer an die Besatzungsbehörde mehr abgeführt zu werden braucht, der Kohlenpreis noch weiter gefenft ihrer Wettbewerbsfähigkeit durchaus erwünscht ist. werden kann, was im Interesse der deutschen Wirtschaft und Der Zechenverband errechnete einen Verlust von 10,22 M. 3,81 M. Die Differenz erklärt sich aus den notwendigen Abstrichen, die wir eingehend erläutert haben, insbesondere aber durch den Ausfall des Betrages für rüdwärtige Kohlensteuer. Diese Erleichterung ist aber auch erst im Juli voll wirksam geworden. In den vergangenen Monaten sind die Verluste höher gewesen, so daß die Angaben, die Zechen befänden sich in einer endgültige Lösung des gesamten Reparationsproblems fann be= äußerst kritischen Finanzlage, durchaus glaubhaft sind. Nur eine freiend wirken und auch den Arbeitern einen gerechteren Anteil am Tonne verkaufter Kohle. Wir kommen zu einem folchen von Produktionsertrag zuteil werden laffen. * Soweit die Darstellung. Die Ergebnisse erscheinen darin für den Bergbau noch ungünstiger, als sie wirklich sind, weil der Staatszuschuß zur Abbürdung der Micum- Lasten im Juli dabei gar incht berücksichtigt ist. Würde man ihn mit einsetzen, so fäme man zu dem Ergebnis, daß der Ruhrfohlenbergbau schon jetzt Ueberschüsse, wenn auch nur in geringem Umfange, erzielt. Diese Feststellung ist notwendig, weil der Ruhrkohlenbergbau mit seinen Produktionskostenaufstellungen ganz offenbar die AbEs muß aber dem entgegengewirkt werden, damit der nach Beseitigung der Micum- Lasten notwendige Preis abbau nicht durch Rechenfehler in den Kalkulationsbureaus der Verbände verhindert wird. Zeit verteilt, während der die Teilzahlungen im großen und ganzen ficht verfolgt, seine Lage schlechter darzustellen als sie wirklich ist. fällig werden. Ob dieses Vorgehen berechtigt war oder nicht, soll hier nicht weiter untersucht werden, denn es ist sehr wohl denkbar, daß der Gesamtbetrag, der eine Art Rapitalbelastung darstellte, auf eine viel längere Zeit aufgeteilt werden fonnte. Der Zechen verband hat zu dem einfachen und beliebten Mittel des Preisauffchlags gegriffen. In der Juni- Berechnung hat nun der Zechen- Die Ruhrindustrie vor neuen Stillegungen. verband zur Abdeckung dieses Betrages" die Abfaßtonne Kohle erDer großindustrielle Rheinisch- Westfälische Wirtschaftsdienst" neut mit 3,11 Goldmark belastet. Hierzu liegt jetzt teine Berecht is verbreitet, wie uns aus Essen gedrahtet wird, unter der sensationellen gung mehr vor. Wir haben nachgewiesen, daß über 24 Millionen Ueberschrift„ Die Ruhreisenindustrie vor der StillTonnen Rohle vom 1. Dezember 1923 bis 30. Juni 1924 abgefeßt legung" eine Darstellung der Lage der Ruhreisenindustrie, die in der sein müssen, deren jede mit 3 M. belastet wurde zur Aufbringung Forderung planmäßiger Produktionseinschränkun des Betrages der rückliegenden Kohlensteuer. Nehmen wir die errechnete Abfazziffer für die genannte Beit, dann ergibt sich folgende Betriebseinschränkungen im Rahmen eines Verbandes, damit eingen gipfelt. Der Artikel fordert den Beschluß systematischer Einnahme: 24 188 700 × 3 72 566 100 Mart. Benötigt wurzelne Werte bei der Beurteilung der Verhältnisse von Produktion 72,56 Millionen Mart. den aber nur 63 Millionen Mart, während eingegangen find und Nachfrage fich nicht trügerischen Hoffnungen hingeben". Der leberschuß von 9,56 Millionen Die alarmierenden Gerüchte der großindustriellen Pressestelle Mark ergibt flipp und klar, daß der Bechenverband teine Berechti- über die bevorstehende Stillegung der Ruhreisenindustrie bezwecken gung mehr hat, die abgesetzte Kohle im Juni noch weiter mit 3,11 m. eine Agitation für gleichmäßig und fonsequent durchgeführte je Tonne zu belasten. Eine geringe Belastung fonnte berechtigt sein. Betriebseinschränkungen als Einleitung für einen allgemeinen Der 3 echenverband schreibt in seiner letzten Berechnung zu Lohnabbau. Tatsächlich sind die Verhältnisse einer derartigen dieser Angelegenheit folgendes: Bewegung günstig. Infolge des durch Arbeiterentlassungen shitematisch gesteigerten Angebots von Arbeitsfräften werden natürlich die Lohnverhältnisse zum Nachteil der Arbeitnehmer beeinflußt: Gesteigertes Arbeitsangebot bedingt sinkende Löhne. Allem Anschein nach handelt es sich bei den Betriebseinschränkungsbestrebungen der Ruhrindustrie um Anzeichen bevorstehender schwerer sozialer Kämpfe. " Die Belastung durch die rückliegende Kohlensteuer fann heute genau angegeben werden, indem die gesamten Zahlungen auf den gesamten verkauften Abfaz verteilt werden. Es ergibt sich ein Betrag von 3,11 m. je Tonne. Da bis Ende Juni die rückständige Kohlensteuer zum größten Teil bezahlt ist, ergibt sich für Juli aus dieser Belastung nur noch ein Tonnenbetrag von 0,52 m.; er wird im Verlauf der nächsten Monate auf Null herabgehen." Wir haben die genauen" Angaben mit durchaus guten Gründen angezweifelt und müssen dabei bleiben. Für Juni fonnten nicht mehr 3,11 m., sondern im äußersten Falle 1 M. für rückwärtige Kohlensteuer in Frage kommen, und im Juli ist der gesamte Betrag als vollständig abgegolten zu betrachten. 3ur weiteren Berechnung des Zechenverbandes ist folgendes zu bemerken: Der Fördereffekt wird mit 865 Kilogramm je bergmännischem Belegschaftsmitglied angegeben. Auf Juni bezogen, mag diese Zahl richtig sein. Der Effekt in diesem Monat hatte aber sehr unter den Nachwirkungen der Maiaussperrung zu leiden. Nach der Arbeitsaufnahme waren viel Zimmerungsarbeiten zu perrichten, ehe die Förderung normal wurde. Darunter hat das Produktionsergebnis gelitten. Für Juli ist es mindestens mit 880 Kilo anzusetzen. Dadurch verringern sich die Arbeiterlohntosten je Tonne. Der Gehaltsanteil für Beamte, 13 Proz. der Arbeiterlohnfosten, ist entschieden zu hoch. Aus den Protokollen der Kohlenwirtschaftsorgane ist ersichtlich, daß hier immer nur mit 10 Broz. gerechnet wurde. Gin höheres Verhältnis wäre nicht nur ungesund, Die Unkosten für Masondern auch unwirtschaftlich. terialien sind mit 3,60 m. gleichfalls zu hoch angesetzt. In der Verkriegszeit wurde im äußersten Falle mit 2,40 m. je Tonne gerechnet. Der Stand des Großhandelsinder gestattet einen Aufschlag Don 20 Proz., so daß man im äußersten Falle auf 2,90 m. je Tonne fommen fann. Die allgemeinen Unkosten mit 1,90 m. erscheinen uns erschreckend hoch. Sie können auch mit den Binsfäßen der Gegenwart nicht gerechtfertigt werden. An Hand früherer Berechnungen und unter Berücksichtigung der inzwischen erfolgten Einschränkung unproduktiver Lasten durch Beamtenabbau usw. ist dieser Saz höchstens mit 0,90 m. anzunehmen. Die Synditatsumlage mit 1,75 m. je Tonne ist zu hoch, besonders wenn man die eingetretene Preissenkung berücksichtigt. Nach der allgemeinen Preissenfung um 20 Broz. werden im Kampf mit der Konkurrenz nicht mehr viel Verkäufe unter dem festgesetzten Preis erfolgen, so daß RüdverDer Kampf gegen die Mißernte in Rußland. Die Leitung der ruffischen Kommunistischen Partei hat einen Appell an alle Lokalorganisationen gerichtet, welcher Weisungen für die Bekämpfung der Folgen der Mißernte enthält. Es heißt darin: Die allgemeine Entwicklung der Landwirtschaft ist wiederum auf ernste Schwierigkeiten gestoßen. Die Trockenheit hat die Hoffnung auf eine gute Ernte erheblich verringert und in einigen Territorien geradezu eine Mißernte verursacht. Davon find betroffen: das mittlere und südliche Wolgagebiet, ein bedeutender Teil Südostrußlands, ein nicht großer Teil der Ostukraine, insgesamt etwa 6 bis 7 Millionen Einwohner. Ein Vorteil gegenüber der Mißernte vom Jahre 1921 besteht darin, daß der Staat gegenwärtig große Brotgetreidevorräte befizt. Wenn die Mißernte auch erhebliche Schwierigkeiten verursachen kann, so kann doch nicht von einer verzweifelten Hungersnot und einer hoffnungslosen Lage gesprochen werden. Auf dem Programm der Regierung befindet sich die Gewährung von 30 Millionen Goldrubel zur Versorgung der Bauernschaft mit Getreidesaat, die Gewährung einer Anleihe von 300 millionen Goldrubel unter Verpfändung des Viehes, die Gewährung von 20 Millionen Goldrubel zur Versorgung der Bevölkerung mit Getreide, von welchen 14 Millionen für die Erwachsenen bestimmt sind, und zwar in der Weise, daß ihnen Beschäftigung bei den öffentlichen Arbeiten verschafft wird, und 6 Millionen für die Kinder, welche heuer nicht aus den von der Mißernte betroffenen Gouvernements weggeschafft werden. Außerdem soll die Bauernschaft in den betroffenen Gegenden entweder teilweise oder vollständig von den Steuern befreit werden. Weiter wird ein Plan für Meliorationsarbeiten ausgearbeitet werden, um in der Zukunft Trockenheit zu verhüten. Diese Pläne sind aber, wie es in Damit sie solche dem Aufrufe heißt, noch nicht Tatsachen. werden, muß die Landwirschaft selbst zum Kampfe gegen die Trođen heit und deren Folgen herangezogen werden. Die Maßnahmen ber Regierung bleiben lediglich auf dem Bapier, wenn sie nicht von der Landwirtschaft in wirksamer Weise unterstützt werden. GL Arbeiter- Sport o Sekunde. Um die förperliche Ertüchtigung der Jugend bemühen fich in den Legten Jahren Klubs, Bereine, Behörden in immer steigendem Maße. Es werden große Mittel dafür aufgemandt und man spricht mit einem gewissen Recht davon, daß das angelegte Rapital dem Bolksganzen dereinst gute Zinsen bringen werde. Das ist auch fchließlich der 3med der Uebung. Es würde wohl faum einem Sportbefliffenen einfallen, Sport zu betreiben lediglich aus dem Grunde, um vielleicht im schmucken Dreß umherlaufen zu können und seine mehr oder minder schönen Waden zu zeigen( obwohl es auch solche geben soll), sondern man erwartet doch wohl in den mei D Kreisfeft hergestellte Zeichnung, und die Erläuterungen find nicht dem Festbuch, sondern mörtlich dem„ Borwärts entnommen. Rann die Rote Fahne" nicht gelegentlich auch mal die Wahr. beit sagen? Die Kommunisten bei den Arbeiterradfahrern. den Arbelterradfahrern Bezeichnend für die Kampfesweise der tommunistischen Fraktion in der Arbeitersportbewegung ist der Ausgang der am 24. Juli 1924 stattgefundenen Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin des AR B. Solidarität. Der Vorsitzende des Kartellverbandes B. Dehlschläger betonte eingangs feine parteipolitische Neutralität, um gleich hinterher in befannter Manier die Anhänger der aller Verhegung aber, wie fie in gleicher Dreiftigkeit noch nicht da war, erreichte ein Dringlichkeitsantrag der 11. Abteilung, den mir in feiner ganzen Schönheit genau wiedergeben, ohne natürlich für das darin enthaltene Deutsch verantwortlich zu sein. Der Antrag lautete: ſten Fällen eine Gefundung des Körpers und eine Fortentwing GBD. und die Farben der Republik herunterzureißen. Die Krone des Geistes und dadurch auch wieder ein besseres Fortkommen im bürgerlichen Leben. So weit, so gut und wenn man die Gewißheit hätte, daß wirklich alle, aber auch alle Sportsleute von diesem Idealismus beseelt wären, müßte jede Kritik schweigen. Leider ist es aber nicht so. Es soll zugegeben werden, daß das Bewußtsein, in irgendeiner Sportart seinen Sportgenossen überlegen zu sein, leicht zu einem gewissen Dünfel verführt. Daß dieses Selbstbewußtsein aber von den Vereinen auf eine Art und Weise fultiviert wird, wie man es bei den feudalen bürgerlichen Sportflubs in immer steigenberem Maße feststellen muß, gereicht dem Grundgedanken jeder sportlichen Betätigung nicht zur Ehre. Es werden bei besonders Beranlagten Spizenleistungen andreffiert, die dann diesen Sportsmann zur Kanone in einem Spezialfach werden lassen. Erst fürzlich brachte eine illustrierte Zeitung in größter Aufmachung Bilder und Beschreibungen von Läufern, die über soge= nannte turze Streden mit einer Geschwindigkeit rasen, die schneller ist, als die eines Personenzuges. Die Laufzeiten waren in einzehntel Gefunden angegeben und in der Biographie der Läufer war jede erdenkliche Einzelheit nachzulesen. Die ganze Sache hätte aber feinen großen Wert, wenn sich nicht schließlich einer gefunden hätte, dem es gelungen wäre, dank seiner besseren Beinmuskeln den Konkurrenten zu schlagen, und zwar um den zehnten Teil einer Sekunde. Man weiß wirklich nicht, was man mehr bewundern soll: die Schnelligkeit der Läufer überhaupt, die Genauigkeit der Zeitmessung, oder aber daß es überhaupt möglich sein darf, daß ein so geringer Zeitabschnitt genügt, um einen Sportler über den anderen zu stellen. Solche Refordleistungen haben mit Sport wenig oder gar nichts zu tun, sie sind Erfolge einer systematischen Dreffur auf einem eng begrenzten Sondergebiet, die für die fportliche Tüchtigkeit des Rekordinhabers gar nichts besagen brauchen. Sie find höchstens geeignet, den einzelnen, unterstügt von tapita. listischen Reklameinstituten, unberechtigterweise über die anderen emporzuheben, ihn zu einem ,, Helden" zu machen, der es dann ge= wohnt wird, auf alle Nichtrekordmenschen mit größter Geringschägung herabzublicken. Und damit ist dann das Gegenteil von dem erreicht, was die sportliche Betätigung erreichen soll. Die Bolfsgemeinschaft hat von ihrer Sportfererei, die mit Sport nichts zu tun hat, gar nichts. Eine„ Berichtigung". Zu unserem Bericht über das Kreisfest der Arbeitersportler er halten wir vem Borsitzenden des Kartells der Arbeitersportler, Deh schläger, folgende Berichtigung: „ Es ist mir gar nicht eingefallen, in meiner Begrüßungs. ansprache die SPD. oder die sozialistische Presse anzugreifen. Ich habe in meinen Ausführungen gesagt: daß ein Arbeiter. blatt in lezter Zeit verschiedentlich verlangt hat, die Arbeiter sportler foilten bei ihren Beranstaltungen die republikanischen ,, Da die Führer der SPD. wissentlich den Boden des Klaffen tampfes verlaffen haben und jegliche Vertretung der proletarischen Massen ablehnen, weiterhin den schärfften Kampf und Terror ausüben gegen alle proletarischen Kämpfer, die gewillt find unter Einjehung ihres Lebens das Ziel zu erreichen was uns einst dieselben Führer vor Augen geführt haben, sie schrecken dabei nicht vor den gemeinften Mitteln zurück und verbinden sich zu diesem Zweck mit den schärfsten Gegnern der Arbeiterschaft um mit Hilfe derer die Not und das Elend zu vergrößern. Wir sprechen ihr das Recht ab sich überhaupt noch Arbeiterpartei zu nennen! Am 3. August, dem Jahrestag des Ausbruchs des größten imperialistischen Krieges, wo so viele Millionen Arbeiter ihre Knochen zu Martte getragen haben, ruft die KPD. auf zur Demonstration gegen jeden imperialistischen Krieg und fordert alle menschlich denkenden Arbeiter jeder Parteirichtung auf sich an dieser Demonstration zu beteiligen. Damit sich verschiedene Mitglieder unserer Ortsgruppe nicht auf den Generalversammlungsbeschluß stüßen fönnen, welcher politische Neutralität im Richtungsstreit verlangt, beantragen mir die Aufhebung dieses Beschlusses und geschlossene Beteiligung der Ortsgruppe am 3. Auguſt." Der sich erhebende Proteststurm der SPD.- Delegierten brachte die Versammlung zum vorzeitigen Abschluß und verhinderte die Abftimmung. Da die Kommunisten jedoch in Berlin eine schwache Mehrheit haben, ist an der Annahme des Antrages nicht zu zweifeln. Es ist zu hoffen, daß dieses Vorgehen endlich allen SPD.- Sportlern zeigt, wie die Kommunisten sich die Einheitsfront vorstellen. Wie lange noch wollen die auf dem Boden der SPD. stehenden Genossen fich diefes Gebaren mit ansehen? Es ist wahrlich Zeit, daß sich alle nichtkommunistischen Arbeitersportler zur gemeinsamen Abwehr zu fammentun, um ihre Organisation vor weiterer Zerstörung zu bewahren? Entscheidungsspiel um die Bundesmeisterschaft im Fußball. Dresdener Sportverein 1910 gegen Stern, Breslau. Das Endspiel um die Bundesmeisterschaft bedeutet für alle Arbeitersportler ein Ereignis, über das auch den entfernteften Kreisen unserer Sportbewegung berichtet werden muß. In diesem Jahr hatte sich der DSB. 1910, deffen Aussichten auf die Bundesmeister. schaft in den letzten Jahren stets beim Kreismeisterschaftsspiel gegen Leipzig- Stötterig verloren gingen, doch einmal zum Endspiel durch 40 Meter in 87 Gef.; 2. Start- Neptun 38 Meter in 38 Gef.; 3. Lindner- Bor märts 35 Meter in 30 Set. Mannerschwimmen beliebig über 35 Jahre, 50 Reter: 1. Gelchow- Neptun 43%; 2. F. Kühn- Neptun 43%; 3. G. Rühn- Neptun 44%. Jugend- Lagenftafette 4X50 Meter: 1. Vorwärts- Lichtenberg 2.46%; 2. Neptun 2.48; 3. Magdeburg 2.54%. Mädchen- Brustschwimmen 50 Meter: 1. Teichmann- Rüstrin 53%; 2. Schieche- Neptun 54 Get. Jugend- DamenRüdenschwimmen 100 Meter: 1. Went- Borwärts 1.54%; 2. Born- Neptun 1.57. Neptun. Jugend: Neptun- Lichtenberg gegen Elbe- Magdeburg 1: 0 für Neptun. Bafferball: Männer: Neptun- Lichtenberg gegen Welle- Strausberg 1: 0 fire Gruppensportfest der Nordgruppe bes 4. Bezirks am Sonntag, den 17. Auguft in Steglis, Sportplag Ringstraße. Umkleidelokal Schule Ringftraße. Ausschreibung: Borm. 9 Uhr Borkämpfe. Männer und Jugend: Fünffampf in Weitsprung mit Anlauf, Hochsprung aus dem Stand, Kugelstoßen, Speerwerfen und 100- Meter- Lauf. Einzelkämpfe dieselben Geräte des Fünftampfes. 3000- Meter- Lauf( Jugend 1000 Meter), 1000- MeterGehen, 4X100 Meter. und Schwedenstafette. Frauen Dreikampf in Weitsprung, Rugelstoßen und 100- Meter- Lauf, 4X100- Meter- Stafette. Gemischte Stafette: 3 Jugendturnerinnen, 2 ältere Turnerinnen, 2 Jugendturner und 2 ältere Zurner je 200 Meter. Nachmittags 1 Uhr Umzug, Freiübungen, Endtämpfe, Turn- und Fußballmettspiele. Meldungen mit Startgeldern, pro Teilnehmer 0,30 W., find an Friedrich Neumann, Gruppensportwart, Lichten vabe, Kaiserstraße 15, bis spätestens 4. Auguft einzusenden. Das Startgeld gilt für die Teilnehmer gleichzeitig als Eintrittsgeld, und merden die Garten dafür den Bereinen nach Meldung zugesandt. Es wird von jedem Turn- und Sportverein erwartet, daß er an diesem Tage restlos mit allen seinen Sportlern erscheint, um dem Verlauf dieser Veranstaltung das würdige Gepräge zu geben. Auch Bereine anderer Bezirke werden als Gäste gesehen. Am Sonnabend, den biel. Da äußerst wichtige Tagesordnung, darf tein Berein unvertreten 2. Auguft, Gruppenversammlung in Steglig, Albrecht, Ede Ringstraße bei fein. Meldungen für das Gruppensportfest werden hier entgegengenommen. Turnerinnen- Bundesschule, I. Kreis. Die Uebungsabende am 29. Juli, 5. un 12. august finden in der Turnhalle, Görlizer Str. 51, bon 7-9 Uhr abends statt. Während der Generalreinigung der Turnhalle der KirschnerOberrealschule findet der Turnbetrieb der 4. Männerabteilung des Turnber eins Fichte auf dem Wassersportplatz Blößensee statt. Die 4. JungmädchenSiemensstraße 20. abteilung turnt während dieser Zeit bis Ende Auguft Dienstags und Freitags Arbeiter- Turn- und Sportbund. 1. Kreis. Schwimmer. Alle Vereinspertreter und Schwimmwarte haben die Zahl ihrer Teilnehmer zum Bundesfeft am Mittwod mitzubringen, wegen der Eisenbahnfahrt, zweds Gestellung egtra Bagen. Die technischen Kommiffionsmitglieder und Gruppenschwimmwarte am Mittwoch eine halbe Stunde früher erscheinen. 1 Arbeiter- Turn- und Sport- Bund. Kreis 1, 6. Bezirk. Mittwoch, den 30. Juli, abends 7 Uhr, Vereins- Vorstände- Konferenz in Neukölln, Marcschftraße 14. Jeder Verein muß 2 Borstandsmitglieder entfenden. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Das Mitteilungsblatt gelangt am Sonnabend zur Ausgabe. Bezirk Süben. Donnerstag, 8% Uhr, Urbansportplag, Sportlersikung. Wichtige Beschlitſſe. Berliner Arbeiter Schwimm- Berein Fretheit". Am Freitag, den 1. August Bersammlung im Lokal von B. Seidel, Schönhauser Allee 156, um 8 Uhr. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Mitgliedsbücher mitbringen. Generalversammlung am 15. Auguft. Näheres siehe im Arbeitersport des ,, Bormärts" am 12. August 1924. ,, Liebertas 96", Charlottenburg. ,, Berolina", Neukölln. Die genannten Vereine treffen fich am 1. August in der Berliner Rindl- Brauerei, Neukölln, Sermannstraße 114-119, im Mannschaftsringtampf mit je zwei Mannschaften um die Kreismeisterschaft des 4. Rreises des AABD. Liebertas" als vorjähriger Kreismeister wird mit der Mannschaft Stod, Klapper, Maron, Magen, Mummert und Wegner vom Bantam bis Schwergewicht in stärkster Aufstellung antreten, um Berolina", die noch bisher keinen Rampf verToren hat, die erfte Niederlage zu bereiten. Brolina wird mit der Mannschaft Droas, Hentschel, Rieger, Geelenbinder, Schnadenberg und Fengler alles daran fegen, auch hier ehrenvoll abzuschneiden. Nicht minder heiß wird es in der B.Rlaffe hergehen. Sier steht Berolina an 1. Stelle, doch Liebertas ver filgt auch über eine ausgezeichnete B- Mannschaft, die ebenfalls im vorigen Jahr Meister in ihrer Klaffe werden konnte; so ist die Frage durchaus offen, wer hier fiegen kann. Ausgefüllt wird der Abend mit Heben, Boren und Jiu- Jitsu unter großer Teilnahme bekannter Kämpfer. Anfang 7 Uhr. Athletik- Sport- Club, e. B. Leichtathletik Socken Handball Rudern. Männer und Frauen- Abteilung: Training jeden Dienstag und Donnerstag auf dem Fichtesportplag, Baumschulenweg, Eichbusch- Allee. Jugend- Abteilung: Training jeden Dienstag und Freitag ebenda. Freitag, den 8. August, abends 8 Uhr: Monatsversammlung bei insener, Mühlenstraße 58. Ge. fchäftsstelle: Alfred Behrends, Berlin N. 87, 8inzendorfstr. 7. Mittwoch, Touristen- Verein Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin. den 30. Juli, 8 Uhr, Monatsversammlung, Beinmeisterstraße 16-18. Bortrag: Dr. Mennide, Die Rulturauffassung des Margismus“. AusAm gabe des Fahrtgenoß" Don 7.30-8.00 Uhr Jugendgruppe Weftend. Dienstag, den 29. Juli, abends 7% Uhr, im Heim Saefelerstraße 16 b, Deffentlicher Abend. Thema: Krieg dem Kriege. Der Männerchor Berche"( M. d. A.-G.-B.), veranstaltet am Mittwoch, ben 30. Suli, abends 7 Uhr, auf dem Arnimplag ein Freiluftkonzert. Farben Schwarz- Rot- Gold führen, wir Arbeitersportler aber auf gerungen, das fie am 26. Juli in der Dresdener Städte Kampfbahn Parteinachrichten feinen Fall irgendeine Veranlassung hätten, dieses zu tun. Diese Farben find der Ausdrud der jegigen hochfapitalistischen deutschen Republit und unterscheiden sich in nichts von den Farben Schwarz Weiß Rot des tapitalistischen Borfriegsdeutschland.. T Si e Dehlschläger hat also nicht die" Arbeiterpreffe, Tondern ein" Arbeiterblatt angegriffen und damit den 2 or wärts" gemeint, und das ging auch aus unserem Bericht über das Kreisfest hervor. Wozu diese Wortklauberei? Seine Behauptung, daß Schwarz- Rot- Gold fich in nichts von Schwarz- Weiß- Not unterscheidet, zeugt von großer politischer Naivität. Warum betämpft denn( außer den Kommunisten) die gesamte schwarzweißrote Reaktion die republikanischen Farben, wenn beides dasselbe bedeutet? Weiß Dehlschläger nicht, daß Schwarz- Rot- Gold Farben ber 48er Revolutionäre waren und heute das Ginnbild aller Derer find, die eine freiheitliche und demokratische deutsche Re publit schaffen wollen? Daß die heutige Republik noch nicht unser Ideal ist, liegt doch vor allem an der gegenseitigen Bekämpfung innerhalb der Arbeiterschaft, von der nur die Realtion den Vorteil hat. Wünscht Dehlschläger sich die schwarzweißrote Borkriegszeit zurück, wo der Arbeitersport auf das schlimmste unterdrüdt mar, während er sich jetzt frei entwickeln fann? Daß die Kommunisten in der Bekämpfung von Schwarz- Rot- Gold mit der Reaktion Hand in hand gehen, scheint gerade nicht von großem Berständnis für die wirklichen Arbeiterintereffen zu zeugen, im Gegenteil wirft eine solche Bundesgenossenschaft kompromittierend! Im übrigen sollten derartige parteipolitische Erörterungen bei einer Festrede unbedingt ausgeschaltet werden, weil sie direkt zum Protest der Andersdenkenden herausfordern undu darum geeignet sind, die ganze Feststimmmung zu verderben, mie dies bei den noch schärferen Ausführungen von Lieste in einem anderen Lokal der Fall war. Daß dies fehr gut möglich ist, hat der Spandauer Festsonntag bewiesen, an dem jede Parteipolitik ausgeschaltet war und der demzufolge in größter Harmonie verlief. Wenn der Arbeitersport in immer weitere Kreise des Boltes eindringen will, dann muß jede parteipolitische Provokation vermieden werden. In diesem Sinne wird der Vorwärts" auch in Zukunft wirten, und er befindet sich dabei in vollkommener Uebereinstimmung mit dem Arbeiter- Turn- und Sportbund, der sich auf seinem letzten Bundestag in Raffel ebenfalls in diesem Sinne ausgesprochen hat. Wozu der Vorwärts" gut ist! Zu unserer Notiz am vorigen Dienstag unter obiger Ueberfchrift schreibt die" Rote Fahne", daß sie die Stizze aus dem Bharusplan, die Erläuterungen aus den Festprogramm entnommen habe, und daß die Fahrverbindungen nach Spandau jedes Kind, das Lesen gelernt hat", aus jedem r- beliebigen Straßenbahnfahr: plan nachlesen fönne. Das leßtere ist zwar richtig, aber marum brudt die Rote Fahne" aus dem Borwärts" ab, dem sie in jeder Nummer nachsagt, daß er fein Intereffe für den Arbeitersport hat? Die ersten beiden Behauptungen find bewußt unwahr! Die Rote Fahne" hat nicht den Bharusplan benußt, sondern die vom Borwärts" eigens für das gegen Stern, Breslau( 14. Kreis) austrugen. Breslaus Spielstärke war nicht die, die man nach dem Abschneiden im Vorrundenspiel gegen den nordwestdeutschen Meister erwartete. Bei allem Eifer, den die Mannschaft mitbrachte, konnte sie dem ausgeprägten Syftem spiel der Dresdener nicht Stand halten. Spielverlauf: Bom Anstoß weg zeigte sich bereits eine beinahe beängstigende Ueber. legenheit des DSV., die sich nur in den bis zur Halbzeit erzielten. 2 Loren, sondern vielmehr in den zahlreichen erzwungenen Eden ausdrückte, die zum Teil durch den vorzüglich arbeitenden Breslauer Torwart verschuldet wurden. Einen Ball, den er in höchster Not abwehren wollte, fauftete er in das eigene Tor zum ersten Erfolg für Dresden, dem ein unhaltbarer Schuß des Halbrechten einen weiteren hinzufügte. Nach dem Seitenwechsel raffte fich Breslau etwas auf und schoß zunächst sein Ehrentor. Der dadurch gewonnene Mut fant aber beim dritten Tor für Dresden wieder beträchtlich, worauf dann in gleichmäßigen Abständen die weiteren Treffer folgten. Ein Elf. meter wurde vom DSB. verschenkt. Ergebnis: 6: 1, Halbzeit 2: 0, Edenverhältnis 14: 2. Der Schiedsrichter Hannermann( Mannheim- Neckarau) leitete zufriedenstellend. Troh des regnerischen Betters waren zirka 9000 3uschauer anwesend, die dem neuen Bun desmeister verdienten Beifall spendeten. Das Schau- und Wettschwimmen " des Lichtenberger Schwimmvereins Neptun 1894" e. B. in der Badeanstalt von Pödel in Raulsdorf brachte sportlich schöne Kämpfe. Die Schwimmer der Brudervereine Küstrin und Elbe" Magdeburg haben mit Erfolg an den Ronkurrenzen mitgewirkt. Das Programm fand seine Eröffnung durch einen sehr gut ausgefallenen Reigen. In der Männer- Lagenstafette mußte„ Neptun" nach schärfstem Rampf den Sieg Vorwärts"-Lichtenberg überlassen. Auch im männlichen Jugend- Seiteschwimmen fonnten sehr scharfe Kämpfe beobachtet werden. In der Herausforderungs- Jugend- Bruftftafette gelang cs Welle"-Strausberg, den Sieg an sich zu reißen. Im Jugendschwimmen( männlich) beliebig 100 Meter fonnte KühnNeptun" mit der außerordentlich guten Zeit von 1,15/ s die Teilnehmer schlagen. Im Männer- sowie im Jugenwasserball durfte ,, Neptun" nach sehr scharfem Spiel den Sieg behaupten. Nachfolgend die Refultate: " " Eröffnungstafette 4X50 Meter bel. männl. Jugend: 1. Neptun 2.32%; 2. Bor wäris 2.36; 3. Elbe"-Magdeburg 2.42%. Juternes Männerbruftschwimmen 100 Meter: 1. Rarge 1.38%; 2. Tiede 1.42; 3. Gräfendorf 1.52%. Internes Ju ndbruftschwimmen 100 Meter: 1. Behrend 1.42; 2. Meinert 1.45%; 3. Manthey 1.53. Männer- Lagenftafette 4X50 Meter: 1. Borwärts 2.50%; 2. Neptun 2.58%; 3. Müggelsee 2.55. Männl. Jugend- Geiteschwimmen 100 Meter: 1. Rozuta- Borwärts 1.29%; 2. Söhnom Neptun 1.40%; 3. Rehrer Neptun 1.40%.- Damenbrustschwimmen 100 Meter: 1. Diete- Borwärts 1.57%; 2. Viertel- Vorwärts 2.3%; 3. Pollack- Borwärts 2.6%. Herausforderungs Jugend- Brust- Stafette 4X50 Meter: 1. Strausberg 2.56%; 2. Magdeburg 2.59%; 1.1%; 2. Witt- Neptun 1.5; 8. Griepentrog 1.12%. 3. Neptun 3.8%. Männer- Erstlingsschwimmen 50 Meter: 1. Pafchte- Neptun Jugend- Erstlingsschwimmen 50 meter: 1. Manthen- Neptun 52%; 2. Blod- Neptun 54%. Männer- Rüden. schwimmen 100 meter: 1. Wilde- Neptun 1.33%; 2. Niemann- Magdeburg 1.54%; meter: 1. Rühn- Neptun 1.15%; 2. Gräbert- Borwärts 1.28%; 3. Teglaff- Reptun 3. Hoffmann- Müggelfee 1.38%. Männliches Jugendschwimmen beliebig 100 1.33%. Jugend- Damen- Lagenftafette 3X50 meter: 1. Borwärts 2.36%; 2. Reptun 2.39%. Männerschwimmen beliebig 50 meter: 1. Anhalt- Bormärts 34 Gef.; 2. Segebarth- Magdeburg 39%; 3. Bödner- Neptun 41%. Jugenb Rüdenschwimmen 100 Meter: 1. Henschte- Neptun 1.31%; 2. Gräbert- Borwärts 1.41%; 3. Lange- Neptun 1.42. Männer- Streckentauchen: 1. Waldow- Borwärts Dixin Henkel's Seifenpulver Bestes Seifenpolver Díxin ericiunet 1000 00 Henkel -W Einsendungen, für diese Rubrik find Berlin S. 68, 2indenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, p 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 56. Abt. Charlottenburg. Mittwoch, den 30. Juft, abends 7 Uhr, Bffentliche Versammlung in der Aula der 18. Gemeindeschule, Besta Tozzistraße 40. Thema: Das Sachverständigen Gutachten. Alle Genoffen müssen pünktlich erscheinen. 1. Areis- Mitte. Mittwoch, den 30. Juli, abends 7% Uhr, Kreisvertreter versammlung im Reichstafino, Neue Rönigstraße 26. Tagesordnung: Jahres bericht, Vorstandswahl, Anträge. Die Kreisrevisoren treffen sich zweds Raffenresision um 6½ Uhr. 3. Rreis Webbing. Gigung des erweiterten Kreisporftandes am Mittwoch, den 30 Juli, abends 7 Uhr, an belaanter Stelle. 4. Rreis Tecazlauer Berg. Die Namen und Adressen der Bezirkstagsbele. gierten müffen, soweit noch nicht geschehen, von den Abteilungen umgehend an die Kreisleitung, Gen. Döhnert, N. 113, Belter Straße 27, eingesandt merden. 6. Areis Kreuzberg Die Genoffen, die Mitglieder bes Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" find, bzw. werden wollen, werden gebeten, zu der om Mittwoch, den 30. Juli, abends 8 Uhr, im Restaurant Bflug, Mustauer. Straße 1, Ede Reughofftraße, stattfindenden Mitgliederversammlung unbedingt zu erscheinen. 7. Kreis Charlottenburg. Achtung! Parteigenoffen und-Genoffinnen, melche amtlich in der öffentlichen Wohlfahrtspflege tätig und besoldet sind, merden gebeten, ihre Adressen an die Kreisleiterin Martha Eide, Eschen. Allee 8, fofort abzugeben Erweiterte Borstandsfizung am Mittwoch, abends 28 Uhr, im Zimmer 1. 9. Kreis Wilmersdorf. Rreisdelegierten- Bersammlung unter Sinzuziehung der Bezirtstagsdelegierten am Donnerstag, den 31. Juli, abends 7 Uhr, im Wilhelmsgarten, Wilhelmsau. Jungfozialisten Schöneberg und Charlottenburg. Beteiligung an der JeanJaurès- Feier am Mittwoch, den 30. Juli, abends 8 Uhr, im Lokal Will, Martin- Luther- Straße 69. Lichtenberg. Die für heute, Dienstag, geplante Beranstaltung fällt aus. Frauenveranstaltungen. 2. Kreis Tiergarten. Am Mittwoch, den 30. Juli, Raffeekochen im Infel reftaurant Blößenfee( Spandauer Schiffahrtstanal). Nur bei günstiger Witterung. Gäste herzlich willkommen. 38. Abt. Der Frauenfefeabend am Mittwoch, den 30. Juft, fällt aus. Dafür Frauenausflug am Donnerstag, den 31. Juli, nadh Gadowa, Restaurant Sanssouci. Treffpuntt mittags 12 Uhr Schlesischer Bahnhof, Madaiftraße. 21. Abt. Die Delegiertenbarten zu der am 1. August im Pazenhofer Aus fchant, Chauffeeftraße, ftattfindenden Kreisvertreterversammlung sind bei Genoffen Kroll, Utrechter Straße 21, abzuholen. Morgen, Mittwoch, den 30. Juli: 29. Abt. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung in der Aula Senefelder Straße 6. Bortrag über aktuelle Erziehungs- und Segualprobleme.( Der Fall Haarmann). Referent Genosse Maaß. 40. Abt. Abends 7 Uhr bei Reufner, Hagelberger Straße 20a, Abteilungs. verfammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zum Bezirkstag. Wahl der Delegierten. Berschiedenes. 43. Abt. Abends 7 Uhr. Sigung der Bezirksführer bei Wolf, Gräfestraße Ede Mühlenhoffstraße. Die Bezirksführer bringen Marken und Material mit. Der wichtigen Tagesordnung wegen darf niemand fehlen. 54. Abt. Charlottenburg. Abends 7 Uhr. Abteilungsversammlung Jugendheim, Rosinenstraße 4. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Be girlstag, 2. Raffenbericht, 3. Wahlen. Die Funktionäre der Abteilung treffen fich pünktlich 7 Uhr im Jugendheim zu einer Sigung. 31. Abt. Riederschönhausen. Abends 7½ Uhr Mitgliederversammlung im Schloß Schönhausen, Lindenstraße. Stellungnahme zum Bezirtstag. Die Bezirksführer laden ein. ist sparsam im Gebrauch und von ausgezeichneter Wafchwirkung.