Nr.354 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 181 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Lugemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und 8eit" mit ,, Sied. lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille. geile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmart.., Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 0,20 Goldmart( aulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 0,30 Goldmark. Eine Goldmark- ein Dollar geteiit burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 30. Juli 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Deutschland und der Sicherheitsvertrag. Morel und die Kriegsschuld. Beantwortung des Völkerbundvorschlags. seine große Aufgabe niemals voll erfüllen kann. Auch Deutschland brauchte alsdann nicht zu zögern, in die Gesellschaft der im Völker. bund vereinigten Nationen, selbstverständlich unter der Vorausfegung voller Gleichberechtigung, einzutreten, um auf dem Boden des Rechtes an der Erhaltung eines dauernden Friedens mitzuarbeiten." Der französische Kompromißvorschlag. WTB. meldet: Der Bölkerbund hat, wie bereits vor einiger Zeit gemeldet wurde, den von einer seiner Rommiffionen aufgestellten Entwurf eines ,, Vertrags über gegenseitige Unterstütung" auch der deutschen Regierung zur Stellung nahme übersandt. Das Auswärtige Amt hat den Entwurf einem Gremium von Sachverständigen zur Begutachtung unterbreitet, das sich aus den Herren Prof. Hoesch, Prof. Kaas, Prof. Kahl, Ministerialdirektor 3. D. Kriege, Prof. Meinede, General a. D. Graf Montgelas, Reichsminister a. D. Schiffer Ein Sanktions- Schiedsrichterkollegium. und Prof. Schüding zusammensetzte. Die Sachverständigen haben Paris, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die neue Kompromißihre Auffassung in einer Dentschrift vom 5. Juli dargelegt, die formel, die inzwischen von der französischen Delegation der ersten nunmehr vom Auswärtigen Amt dem Generalsekretariat des Völker- Kommission der Londoner Konferenz unterbreitet worden ist, sieht, bundes mit dem Hinzufügen mitgeteilt worden ist, daß die Reichswie offiziell mitgeteilt wird, vor, daß die Reparationsfommission bei regierung sich die Ausführungen der deutschen Sachverständigen der Feststellung etwaiger deutscher Verfehlungen jedesmal, wenn 3u eigen mache. darüber ein einstimmiger Beschluß nicht zustandekommen sollte, die Entscheidung eines dreimitgliedrigen Komitees mit schieds. richterlichen Vollmachten anrufen soll. Dieser Vorschlag, dessen Einzelheiten noch nicht festgelegt sind, dessen Prinzip sich jedoch völlig im Rahmen des Friedensvertrages halte, soll bereits die Zustimmung Ramsay Macdonalds gefunden haben. Dieser habe einen der englischen Sachverständigen beauftragt, sich mit seinem französischen Kollegen über die Ausarbeitung eines gemeinsamen Tertes zu verständigen. Die französische Delegation foll allerdings beabsichtigen, die endgültige Annahme des Vorschlages von Zugeständnissen in der Frage der Natural leistungen abhängig zu machen, deren Lieferung von der deutschen Regierung in einwandfreier Weise garantiert werden müsse. Die Denkschrift, die das ganze Problem der Sicherheits- und Abrüstungsfrage erörtert, unterzieht zunächst die Grundgedan fen des Völkerbundsentwurfs einer eingehenden Kritik. Der Entmurf geht von dem uneingeschränkten Verbot des Angriffstriegs aus. Die Frage aber, ob ein Angriffstrieg vorliegt, unterliegt ausschließlich der Entscheidung des Bölkerbundsrats, der auch die Befugnis haben soll, die Maßnahmen gegen den Angreifer, insbesondere die Aufbietung militärischer Machtmittel zu organifieren. Darüber hinaus gestattet der Entwurf, daß der allgemeine Bertrag durch Sonderbündnisse zwischen einzelnen Vertragsstaaten oder einzelnen Mächtegruppen ergänzt wird. Die Deutschen Sachverständigen erklären ein solches System für unge. eignet, das erstrebte Ziel der allgemeinen Sicherheit der Staaten und der dadurch ermöglichten Rüstungsbeschränkungen zu erreichen. Die Ausführungen der Denkschrift begegnen sich hierbei in den wesentlichen Bunkter mit der Kritik, die inzwischen auch von Seiten der amerikanischen und englischen Regierung an dem Bölkerbundsentwurf geübt worden ist. Bon besonderer Bedeutung ist der von der Denkschrift geführte Nachweis, daß Deutschland angesichts seiner völligen Entwaffnung in eine unmögliche Lage geraten würde, wenn es in einem bewaffneten Konflikt zwischen anderen Staaten auf Grund einer Entscheidung des Bölkerbundsrats feine Neutralität aufgeben und sich an friegerischen Maßnahmen beteiligen müßte. Die Denkschrift beschränkt sich indes nicht auf eine negative Kritit, sondern macht, wenigstens in großen Zügen, auch poffifive Borschläge, wie nach deutscher Auffassung das Problem der Sicherheit und Abrüstung gelöst werden könnte. Dabei wird u. a. folgendes ausgeführt: Will man in Wahrheit die den Bölkerbund tragende Idee der Völkerabrüstung ihrer Verwirklichung näher bringen, so wird man den Weg, den der Entwurf vorschlägt, nicht beschreiten dürfen. Er führt nicht über den Völkerbund hinaus, sondern von ihm und feinen Grundanschauungen ab. Nur ein organisechr Ausbau, nicht em äußerlicher Anbau verspricht Erfolg. Nicht eine Häufung von Berträgen und Abmachungen neben dem Völkerbundsvertrag, sondern seine vertiefte Ausgestaltung tut not. Diese Ausgestaltung fann nicht in der Richtung erfolgen, daß man der Gewalt lediglich durch Gewalt begegnet. Unrechtmäßige Gewalt wird man nur dadurch aus der Welt schaffen, daß man ihr das Recht entgegenstellt, durch das die zur Abwehr des Unrechts angewandte Gewalt erst gerechtfertigt und geheiligt wird. Man verbiete die gewaltsame Austragung von Streitigkeiten, die gewaltsame Durchsetzung vermeintlicher Ansprüche schlechtweg. Man schaffe neben dem für reine Rechtsstreitigkeiten bestimmten Weltgerichts hofe eine Schlichtungsinstanz für politische Konflikte mit allen Garantien der richterlichen Unabhängigkeit ihrer Mitglieder. Man verordne einen Einlassungszwang vor ihr und ebenso vor dem ständigen Weltgerichtshof im Haag. Man gebe beiden Stellen das Recht und die Pflicht zum Erlaß einstweiliger Verfügungen zum Zwecke des Besitzschuhe s, insbesondere auch gegenüber angeblich friedlichen Besetzungen fremden Staatsgebiets. Vor allem mache man für alle Staaten die Abrüstung obligatorijch. Man sorge endlich dafür, daß berechtigte Wünsche der Bevölkerung wegen Berichtigung der Grenzen auf dem Wege eines geordneten Rechtsverfahrens ihre Lösung finden. Denn die Entwicklung steht nicht still. Wer den Wunsch hat, sie nicht in gewaltsamen Eruptionen vor sich gehen zu lassen, darf nicht den aussichtslosen Versuch machen, sie in den Zustand einer Erstarrung zu versetzen, der schließlich doch gesprengt werden würde. Er muß vielmehr darauf bedacht sein, ihr freie Bahn zu lassen, und nur dafür sorgen, daß diese Bahn die des Rechtes ist. Nur so wird man die Voraussetzung für eine kraftvolle Wirksamkeit des Völkerbundes schaffen, nur so die Möglichkeit für eine starte Erweiterung feiner Kompetenzen heraufführen und nur so auch jener Universalität seines Mitgliederkreises den Weg bereiten, ohne die er Eine Botschaft Herriots. Paris, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In einem an den Bizepräsidenten des Ministerrats gerichteten und am Dienstag nach mittag in Kammer und Senat verlesenen Telegramm gibt Herriot eine ausführliche Darlegung über den Stand der Arbeiten der Londoner Konferenz. Er bedauert, daß er noch nicht in der Lage sei, dem Parlament endgültige Abmachungen unterbreiten zu können, da trotz des guten Willens aller Beteiligten die Verhandlungen bisher nicht zu einem Abschluß hätten gebracht werden fönnen. Sjerriot gibt sodann einen Ueberblick über die bisherigen Beschlüsse der dret Kommissionen und der Bollfizung am Montag. Er betont, daß die Beseitigung der zahlreichen Schwierigkeiten tech nischer Natur, auf die die Verhandlungen gestoßen seien, aller Boraussicht nach noch mehrere Tage in Anspruch nehmen werde. Die französische Regierung nehme an allen diesen Berhandlungen mit dem festen Entschluß teil, die Rechte Frankreichs zu verteidigen, zugleich aber die Einigung zwischen den Alltierten und den Frieden sicherzustellen. Sie werde die Ergebnisse der Verhandlungen dem Parlament unterbreiten, und sie überlasse es diesem, das Datum zu bestimmen, an dem es darüber zu beraten wünsche. Deutschland und der Völkerbund. Derartige = Wie die Reichsregierung dementiert. Die Reichsregierung hat, wie unsere Leser dem Dienstag: Abendblatt des" Vorwärts" bereits entnehmen konnten, die Meldung unseres Londoner Korrespondenten dementiert, der uns die Mitteilungen des Londoner„ Daily Telegraph" über Bedingungen gedrahtet hatte, die vom Auswärtigen Amt dem Generalsekretär des Bölkerbundes für den Eintritt Deutschlands gestellt worden sein sollten. Unterredungen sind ja stets informeller Natur, erst im entscheidenden Stadium geht man zu genauer Formulierung über, und darum wird es sich nicht um punktweise festgelegte Bedingungen gehandelt haben. Ob die allgemeine Stellungnahme des Auswärtigen Amts zur Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund und sein Verhalten gegenüber Sir Grit Drummond im besonderen nicht den Eindruck machte, daß Deutschland solche Bedingungen stelle- das würde man ja nur durch Vernehmung der Teilnehmer an jener Verhandlung feststellen können und allenfalls dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstags überlassen bleiben. Da jedoch das Dementi von einer angeblichen Auslassung des ,, Daily Telegraph" sprach, so lag darin die Verdächtigung unseres Korrespondenten, als hätte er gar die Daily- Telegraph"-Meldung erfunden. Diese herabsetzende Vermutung ist durch das WTB. an die gesamte Breffe verbreitet worden. Auf unsere drahtliche Anfrage telegraphiert nun unser Korrespondent, daß die von ihm übermittelte Meldung tatsächlich am Montag, den 28. d. M., im ,, Daily Telegraph" erschienen ist! Die verantwortliche Stelle hätte sich dieses verdächtigende angeblich" wohl sparen können. Sie sollte nun aber bei der deutschen Botschaft in London feststellen, warum diese Behörde die für Deutschland doch wahrlich nicht gleichgültige Meldung eines führenden Londoner Blattes nicht der Reichsregierung gemeldet hat- mindestens doch, um sie schleunigst in London selbst dementieren zu können! Sind die deutschen Botschaften auch sonst so sparsam im Telegraphieren? i Auch eine Erinnerung ans der Kriegszeit. Bon Eduard Bernstein. In der Reichstagsrede des deutschnationalen Abgeordneten Berndt vom 25. Juli über die Kriegsschuldfrage marschieren unter den angeblichen Zeugnissen für die von ihm behauptete Unschuld des kaiserlichen Systems in Deutschland auch Aussprüche des heutigen Mitglieders der britischen Arbeiterpartei E. D. Morel, Abgeordneter für Dundee( Schottland), auf. Herr Berndt stellt dabei Morel den Titel dieser aufrechte Mann" aus. Unser Gesinnungsgenosse hat auf ihn sicherlich allen Anspruch. Ob er aber Wert darauf legt, ihn aus dem Munde von Leuten entgegenzunehmen, die im eigenen Lande jeden als Landesverräter verkezern würden, der es wagte, auch nur halb so scharf wie er die Schuld der eigenen Regierung zu betonen und übertriebene Anschuldigungen der gegnerischen Nation zurückzuweisen, müssen wir, wie wir ihn fennen, sehr bezweifeln. Dies um so mehr, als es obendrein recht fraglich ist, ob Herrr Berndt überhaupt Morel richtig zitiert hat. Ich will ihm nicht unterstellen, daß er etwa Morte Morels gefälscht habe. Aber er zitiert ihn außerhalb des Zusammenhangs, in dem die Worte stehen, und erst aus diesem ergibt sich ihr richtiger Sinn. Es liegt doppelter Anlaß vor, das hervorzu heben, als Morel schon einmal Gelegenheit genommen hat, sich energisch gegen den Mißbrauch seiner Reden und Auffäße, durch die Anwälte des kaiserlichen Systems in Deutschland aufzulehnen. Der Vorgang ist unter verschiedenen Gesichtsa punkten von Interesse. Es war im Sommer des zweiten Kriegsjahres 1915. Damals bereifte ein gelehrter amerikanischer Quäfer Europa zu dem Zweck, festzustellen, ob sich eine Friedensvermittlung mit einiger Aussicht auf Erfolg anbahnen ließe. Er fand in Deutschland nur bei wenigen Personen Ermutigung. Auf seiner Heimreise über London erzählte er dort in einer Gesellschaft von Friedensfreunden, welche Eindrücke er in Deutsch= land empfangen habe, und erwähnte dabei, daß Morels Reden und Aufsätze in Deutschland nur als Beweis für die Schuld Englands zitiert würden. Morel erfuhr dies von einer Dame jenes Kreises, und das veranlaßte ihn, sofort an fie einen Brief zu richten, worin er seine wirklichen Ansichten darlegte und sie ermächtigte, den Brief auf irgendeinem Wege mir mit der Bemerkung zukommen zu lassen, es würde ihm sehr angenehm sein, wenn weitere Kreise in Deutschland über die Beweggründe und Voraussetzungen seines in England geführten Kampfes richtig unterrichtet würden. Der Brief ging mir über ein neutrales Land zu. Als ich ihn las, sah ich sofort, daß er die Berliner Kriegszensur nicht passieren werde. Daher übergab ich ihn dem Herausgeber der damals in München erscheinenden Zeitschrift ,, Das Forum" mit der Bitte um Veröffentlichung. In München, das bald von links und bald von rechts gegen Berlin frondiert, herrschte zu jener Zeit eine etwas mildere Atmosphäre als an der Spree. In Berlin erlaubte die Zensur, die kühl alles wegstrich, was ihr unzeitgemäß erschien, nicht einmal, durch Offenlassen der Stelle die Leser wissen zu lassen, daß etwas gestrichen sei. In München war man, bildlich ge= sprochen, human genug, dem Hund den Schwanz nur zur Hälfte abzuhacken. Und so erschien in der Augustnummer 1915 des Forum" Morels Brief in folgender Gestalt: London, 30. Juli 1915. Liebe Mrs. Minturn Scott! Aus einer Bemerkung, die Sie heute nachmittag fallen ließen, entnehme ich, daß in gewissen Kreisen in Deutschland der Eindruc vorherrscht, ich betrachtete England oder dessen Verbündete, sei es einzeln oder zusammengenommen, als allein für diesen troftlosen und finnlosen Krieg verantwortlich. Dieser Eindruck fann nur verursacht sein durch entstellte oder unvollständige Auszüge aus meinen Reden und Schriften. Was ich gesagt habe und glaube, ist, daß Deutschland nicht, wie dies allgemein in diesem Lande hingestellt wird, allein für diesen Krieg verantwortlich ist. ( 39 Drudzeilen unterdrückt.) Von dieser Haltung bin ich noch um fein Haar abgewichen. In einem erst ganz neuerdings, am 4. Jufi, in der„ New York Tribune" veröffentlichten Artikel schrieb ich: Ich bin nicht mit der Mehrheit mit denen, die behaupten, daß die Beherrscher Deutschlands diesen Krieg geflissentlich geplant haben und ganz verantwortlich für ihn sind. Daß sie ein großes Maß von Verantwortung für ihn tragen, liegt auf der Hand. Daß andere mit ihnen verantwortlich sind, fann nur von Leuten be stritten werden, die unter dem Einfluß der Furcht Halluzinationen verfallen sind. Und Furcht hat dieser Krieg verursacht, Furcht ver= längert ihn." Als ein Engländer, der feft davon überzeugt ist, daß ein dauernder Friede nur erwirkt werden fann durch stillschweigendes Eingeständnis verübter Sinnlosigkeiten von seiten aller Kriegführenden, durch Beseitigung der Ursachen früherer Reibereien und Ausmerzung der Systeme, welche diese zur Folge gehabt hatten, habe ich es für patriotische Pflicht gehalten, zu brandmarken, was nach meiner Ans ficht falsch, unbillig und ungerecht war in dem Verhalten der briti schen herrschenden Klaffen gegen Deutschland. Ich habe die beltische auswärtige Politik in dieser Hinsicht schon vor dem Krieg kritisiert. In gleicher Weise habe ich protestiert gegen Aeußerungen, die dem britischen Volk den Wunsch zuschreiben, Deutschland zu zermalmen oder sein Wachstum abzuschnüren. Als ein Deutscher, der aufrichtig bemüht ift, die internationale Gesellschaft auf der Grundlage einer wahren Gemeinschaft der Nationen wieder herzustellen, würde ich meinen Landsleuten erflären. daß ihnen Gelegenheit geboten ist, durch einen eindrucksvollen Att moralischen Muts, der ihrer nationalen Größe würdig ist, den Beweis zu liefern für die Ehrlichkeit ihrer Angabe, daß sie einen Verteidigungskrieg führen, und für ihre Entschlossenheit, in hervorragen. dem Grade dazu beizutragen, die Zivilisation von dem Fluch zu befreien, den ihre herrschenden Klassen und die herrschenden Klassen ihrer Feinde für so lange Zeit den leidenden Volksmassen Europas auferlegt haben. Aufrichtig Thr E. D. Morel. Es lag nahe, den Originalbrief Morels herauszusuchen und die, von der, Zensur gestrichenen Stellen oben wieder einzufügen. Ich bin aber nicht sicher, wo er sich jetzt befindet, und außerdem fcheint es mir auch überflüssig. Wie Morel über das taiserliche System und dessen Verantwortung am Kriege dachte, dafür sprechen im Verein mit dem gedruckten Stück des Briefes die weißen Stellen eine so deutliche Sprache, daß der Leser darüber nicht im Zweifel sein kann. Wobei ich daß der Leser darüber nicht im Zweifel sein kann. Wobei ich noch bemerken will, daß die 39 Druckzeilen mit dem dem vor: hergehenden Gazz Satz gegenüberstehenden bedeutungsvollen Aber erheblich mehr Raum einnahmen, als 39 Zeilen des Borwärts". Morel war ein leidenschaftlicher Gegner der nach feiner Ansicht übertriebenen frantophilen Politik Sir Edward Greys, der er einen großen Teil der Schuld am Krieg beimaß. Der gleichen Meinung war, wie wir wiffen, J. Ramsay Macdonald, aus deffen am 3. August 1914 im englischen Haus der Gemeinen gehaltenen mutigen Rede die deutsche Presse jetzt aus Anlaß einer foeben erschienenen Lebensbeschreibung Macdonalds Auszüge mitgeteilt hat. Aber man hat nicht mit geteilt, daß in jener Rede Macdonald auch sagte, er anerkenne aber, daß in den Tagen der Krisis Grey sein Möglichstes aufgeboten habe, den Frieden aufrechtzuerhalten. Wer für diese Fortlassung verantwortlich ist, fann ich nicht beurteilen. Sie ist aber ein Stüd jenes verruchten Systems der Berichterstattung, durch das das deutsche Volk zum Schaden der Republif in die Irre geführt wird und das die ganze Rede des Herrn Berndt durchzieht. Wie wenig aber die Gesinnungsgenoffen des Herrn Berndt gewillt waren, in irgendeiner Weife dem Appell zu entsprechen, den Morel am Schluß seines Briefes an die Deutschen richtet, ist bekannt. Es sind die Kreise, in denen damals jene unglaublichen Kriegsforderungen ausgehedt und propagiert wurden, die jede Friedensvermittlung aussichtslos machten. Nein, Herr Berndt, wenn Sie den Sinn von Morels Er flärungen nicht gröblich fälschen wollen, dann lassen Sie diesen aufrechten Mann aus dem Spiel. Braun geht nicht nach London. Prinzip oder Rotschen? Der preußische Ministerpräsident Genoffe Otto Braun soll nun doch nicht nach London gehen, der Reichsregierung find Bedenken gekommen. Wie die anderen Länder, deren Gebiete teilweise besetzt sind, wird auch Preußen mur einen höheren Beamten schicken, nicht den Ministerpräsidenten selbst. Die Delegierung Brauns war durch das preußische Kabinett erfolgt, wie das Berliner Tageblatt" zu wissen glaubt, jogar auf dringendes Verlangen des volksparteilichen Frattionsvorstands. Es ist daher auf alle Fälle Unsinn, wenn die deutschnationale Presse es so darstellt, als ob es sich um einen sozialdemokratischen Borstoß" gehandelt hätte, der nun glücklich abgewehrt sei. Wahrscheinlich hätte es nichts " Der Totengräber. Bon Magim Gorti Als ich dem Friedhof smächter Bodrjagin eine Ziehharmonita schenkte, drückte er der Einäugige mit dem haarigen Gesicht seine rechte Hand an sein Herz, schloß freudeftrahlend sein einziges Auge, das freundlich, doch zuweilen auch schwermütig, blickte und sagte:„ Ah!" Er geriet ganz außer Atem vor Erregung, schüttelte seinen tahlen Kopf und sagte in einem Atemzug: Wenn Sie sterben, Leren Maximytsch, dann werde ich Ihnen. zu Diensten stehen." Er nahm die Harmonika überall mit, sogar zu den Gräbern, wenn er arbeitete. Wurde er müde, so spielte er ganz leise und mit Liebe eine Bolka. Diese Polka nannte er mit französischer Betonung„ Trin- blanc" und manchmal auch„ Drjan- bran". Sie war das einzige Stück, das er spielen konnte. Einmal fam es, daß er zu einer Zeit spielte, wo der Pope die Totenmesse las. Kaum war der Pope damit fertig, da ließ er Bodrjagin zu sich rufen und fing an zu schimpfen: Du beleidigst Dahingeschiedene, du Rindoieh!" Bodrjagin flagte mir sein Leid:" Es ist gewiß nicht gut, was ich getan habe; doch wie fann er wissen, was die Gestorbenen ich getan habe; doch wie fann er wissen, was die Gestorbenen fränft?" geschadet, wenn ein fo fluger Politiker wie Braun in der deutschen Delegation seine Stimme hätte abgeben können und wenn Macdonald unter den Vertretern Deutschlands auch einen Mann gefunden hätte, den er fennt. Aber in gewissen Kreisen hält man auf Marristenreinheit mehr als auf außenpolitische Erfolge. An sich das sei feineswegs verschwiegen ift es richtig, die verantwortliche Führung außenpolitischer Verhandlungen der Reichs regierung allein zu überlassen. Man muß aber berechtigte Zweifel daran hegen, daß die gegenwärtige Reichsregierung, die dem bayerischen Partikularis mus so weit entgegenfommt, wirklich nur der Reichseinheitlichkeit wegen wieder Bedenken bekommen hat, nachdem die Sache schon so gut wie beschlossen war. Es wird sich zeigen müssen, ob sie in Zukunft auch reaktionären Regierungen gegenüber eine solche Strenge der unitarischen Gefinnung an den Tag legen wird wie einer Regierung gegen über, an deren Spize ein Sozialdemokrat steht. Nationalismus und Brotwucher. Mobilmachung für den Hungerzollfeldzug. Es stellt sich immer deutlicher heraus, daß der Patentnationalismus der Deutschnationalen nur Mittel zur Einhandlung wirtschaftlicher Sondervorteile ist. Der Schutzzoll winkt- schon fallen sie um und unterzeichnen das zweite Bersailles. Indessen geht es ihnen zu langsam mit dem Zollwucher. Sie sind sehr ungehalten, daß der Reichsrat die Zollporlage noch nicht erledigt hat. Sie sind sittlich entrüstet, daß der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff verreift, statt ihnen beizuspringen. Ein Minister verreist, wenn die Agrarier Zölle brauchen? Also muß wieder stärker mit der patentnationalen Gesinnung gewinkt werden. Die„ Vaterländischen Verbände" teilen mit: In den Kreisen der Baterländischen Verbände ist eine lebhafte Bewegung dagegen entstanden, daß der nationalen Arbeit der Schuh durch landwirtschaftliche 3ölle verweigert werden soll. Die Bereinigten Baterländischen Verbände Deutschlands haben deshalb aus Sorge um die Erhaltung der Grundlage der deutschen Wirtschaft zum 2. Auguft die Vertreter der Baterländischen Berbände aus dem ganzen Reich nach Berlin eingeladen." Es soll also ein patentnationaler Rummel inszeniert werden, damit die Agrarier schnellstens zu den Zöllen tommen und der Bevölkerung das Fell über die Ohren gezogen wird. Plumper fann die Berlogenheit der angeblich nationalen Gefinnung der Brotwucherer nicht gezeigt werden. Aus dem Junkerparadiese. Landbündler unter sich. Aus Pommern wird uns geschrieben: einiger Zeit zu den voltijden Größen Bommerns. Es gehört Gutsbefizer Friß von Bodungen Eichwerder zählt seit offenbar zu seinen Haupttugenden, über feine Gegner, ganz gleich wo sie stehen, mit der bekannten völkischen Wahrheitsliebe herzufallen. Erst in den beiden letzten Tagen der vergangenen Woche wieder hatte sich die Strafkammer des Landgerichts Stettin mit feiner Person zu befassen. Die Verhandlung bewies nicht nur den eblen" Charafter dieses adligen Junters, sondern zugleich beleuchtete fie auch ein Stüd Landbundtreibens, wie es sich hinter ben Kulissen abzuspielen pflegt. Von Bodungen war bis zu feinem Ausschluß aus de m Landbund einer der draufgängerischsten Bandbundhäuptlinge. Er fann auch als der hartnäckigste Verfechter der Roggenanweisungen" gelten, die von allen reaktionär gerichteten Kreisen Pommerns im Herbst 1923 als die Währung be zeichnet wurden, die allein imstande sei, Deutschland zu retten. Das Experiment der Roggenscheine wirkte sich aber nicht nur für den Bandbund, sondern auch für die lekten Besitzer der Roggenfcheine ihres Guthabens, das sie zur Dedung" hinterlegt hatten und mußten sehr verhängnisvoll aus. Die Landbündler verloren etwa die Hälfte fogar noch Nachzahlungen leisten, um das Berlufttonto des Bommerfchen Landbundes einigermaßen auszugleichen. Zahlreiche Besitzer von Roggenscheinen aber warten noch heut auf ihre Einlösung. Auf Er„ ging" mit einer Friedhofsbettlerin, Sorofina, einem truntfüchtigen Weib, das fünfzehn Jahre älter war als er. Er selbst zählbe mehr als vierzig Jahre. " Bozu brauchst du fie?" fragte ich. Troftlofesten tröste ich am liebsten. Ich habe keinen eigenen Rummer, Und wer wird sie trösten? Niemand außer mtr. Gerade die so will ich wenigstens den fremden Kummer bezwingen." Wir unterhielten uns, unter einer Birke stehend, im plößlich strömenden Frühlingsregen. der auf seinen nadten, edigen Schädel flatschte, und murmelte:„ Es Kostja recte sich vor Vergnügen unter den Schlägen des Regens, tut mir gut, wenn mein Wort eine Träne trocknet." Wahrscheinlich hatte er Magenkrebs, sein Atem hatte den Geruch eines faulenden Leichnams, er fonnte nicht essen, da er an Erbrechen litt, arbeitete jedoch mutig, ging lustig auf den Friedhof und starb, während er mit einem anderen Wächter Schafskopf" spielte. Das Buch im Dienste der Freiheit. Zur Leipziger Kulturwoche. Während der Leipziger Kulturwoche wird sich in den Messeräumen am alten Theater eine Arbeiter Buch- und Bild aus ftellung auftun. Auch der sozialistische Buchhandel wird auf dieser Ausstellung einen Ueberblick über seine fulturellen Leiſtungen geben. Die Es ist nicht leicht, diese Leistungen, die sich fast über acht Jahrzehnte erstrecken, geistig zu überschauen. Zu diesem Zwede gibt jetzt der Verlag J. H. W. Dietz eine Broschüre heraus: Das Buch fampf der sozialdemokratischen Arbeiterschaft um ihre Befreiung im Dienste der Freiheit, in der sich der gewaltige Kulturwiderspiegelt. Er war innerlich überzeugt, daß es feine Hölle gibt. Seelen der guten Menschen fliegen nach dem Tode des Körpers in das„ heilige Paradies", die Seelen der Sünder bleiben im Körper und leben in den Gräbern, bis der Körper vermodert und zerfällt. Danach atmet die Erde die Seele in den Wind und der Wind zerstreut sie in den leblosen Staub. Als man den Leichnam der mir so lieben sechsjährigen Nikolajewa in das Grab gelegt hatte und alle anderen vom Friedhof weggegangen waren, tröstete mich Kostja Bodrjagin, während er den Grabhügel mit dem Spaten glättete:" Du, Freund, trauere nicht, vielleicht hält man im Jenseits andere Reden, schönere, freudi gere als bei uns. Vielleicht spricht man überhaupt nichts und spielt nur auf dem Bioloncell." Die Musik liebte er bis zur lächerlichen und gefährlichen Selbst. vergessenheit. Hörte er von fern die Töne eines Militärorchesters, einer Drehorgel oder eines Flügels, wurde er sofort ganz aufmertsam, streckte den Hals nach der Richtung, woher die Töne tamen, hielt die Hände auf dem Rücken, stand wie erstarrt und machte sein dunkles Auge weit auf, als ob er mit dem Auge hören wollte. Manchmal geschah das auch auf der Straße. Zweimal hatten ihn Bferte umgeworfen, und oftmals hatten ihn Kutscher mit der Beitsche geschlagen, wenn er wie verzaubert stand, ohne die Warnungsrufe zu hören und die Gefahr zu sehen. Er erklärte:„ Höre ich Musik, dann ist es mir, als ob ich auf ben tiefen Grund eines Fluffes tauche." 1918. Die Literatur der Sozialdemokratie läßt sich historisch in fechs Abschnitte gliedern: in die Mary- Engelssche Jugendperiode, in den Lassalleanismus, in die Zeit des elektrischen Sozialismus, in die Vorherrschaft des Marxismus, in die moderne Frauenund Jugendbewegung, in die Aufbauzeit nach der Revolution fleinen Broschüre anschaulich und gemeinverständlich entwidelt. Die Grundgedanken dieser Literaturabschnitte sind in der Der Leser erhält eine deutliche Vorstellung von dem Wesen des Marrismus, des Laffalleanismus, der modernen Frauen und Jugendbewegung usw. und zugleich wird ihm die Kenntnis ber Literatur vermittelt, durch die er in den einzelnen Berioden der sozialdemokratischen Kulturbewegung heimisch werden kann. Der Buchhändler und der Bibliothekar erhalten wertvolle Winke für ihre den Leser unterweisende Tätigkeit. | | Grund dieser Vorgänge mußte auch v. Bobungen fich aus de Landbund trollen. Ehemals als Held und Heiland gepriesen, schrien ihm jeht die erbosten Landbündler ein hartes ,, Kreuziget ihn zu. Seine Praktiken als Landbundhäuptling wurden bereits an= läßlich eines Prozesses im April d. I. vor der Stettiner Straffammer einer größeren Deffentlichkeit bekannt. Hier hatte sich v. Bodungen wegen schwerer Beleidigungen des Landrats Dr. Koehler- Greifenhagen zu verantworten. Seine Wahrheitsbeweise" mißlangen gänz lich und so fonnte er nur zu feiner Berteidigung anführen, daß sein Berhalten auf Beschlüssen des Landbundes beruhe, die dahin gehen, jeden Verwaltungsbeamten auf das rücksichtsloseste zu bekämpfen, der nicht die Belange der Landwirtschaft( lies: des Landbundes) wahrnehme. Die Aeußerung von Bobungens in einer Bundesverlammlung:„ Der rotefte und sei ihm als Landrat lieber, wie dieses arischen Weltverbesserers. Bon Bodungen wurde schließlich zu Roehler" charakterisiert wohl zur Genüge die geistige Verfassung 4000 Mart Geldstrafe verurteilt. In innigem Zusammenhang mit dieser Affäre steht der Prozeß. der am letzten Sonnabend zum Abschluß gebracht wurde. Auch er hat eine interessante Borgeschichte: Der Gutsbefizer 3elter- Neuhaus, ehemals Vorsitzender der Deutschnationalen des Kreises Greifenhagen, hatte eine kurze Zeit den Kreis in Vertretung des Landrats Koehler verwaltet. In jener Zeit- im Januar v. J.- herrschte unter den Landbündlern eine gewisse Erregung wegen verspäteter Zahlung für Umlagegetreide durch die Kreiskommunalbehörde. Obgleich Zelter seinen Landbundfreunden damals erklärte, daß die Kreisverwaltung daran unschuldig fei, verlangte v. Bodungen und sein Anhang eine Revision der Bücher. Merkwürdigerweise kam dann auch der Landrat diesem völlig ungefehlichen Verlangen nach. Die ,, Revision" zeigte aber, daß die Landbündler von der Kreisverwaltung ihr Umlagegetreide höher bezahlt erhielten, als von der Reichsgetreideftelle. Die Treibereien des v. Bodungen hörten damit jedoch keineswegs auf. Er intrigierte nunmehr gegen BelterNeuhaus, weil diefer ein feltener Fall- als deutschnationaler Agrarier für lo yale Durchführung der UmlageverBelter wegen dieser Haltung mit„ Schimpf und Schande", wie sich der Landbundaufwiegler äußerte, aus dem Landbund ausgestoßen pflichtungen eintrat. wurde. Im Oktober v. 3. hatte der Konflikt Zelter- o. Bodungen eine Gerichtsverhandlung in Greifenhagen zur Folge, bei der v. Bobungen wegen Beleidigung des Zelter zu einem Monat Gefäng nis verurteilt wurde. Damit beruhigte sich aber weder der Kläger noch der Berurteilte, und so fam es zu dem Berufungsprozeß in der vergangenen Woche. Der ehemals Deutschnationale v. Bodungen zeigte hierbei, daß ihm die völtischen Erleuchtungen bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind. Während nämlich Zelter äußerte, daß er mit dem Angeklagten seit 1904 in intimer Freundschaft gestanden habe, erklärte v. Bodungen, daß er schon immer eine blutmäßige Abneigung gegen 3." hatte. Trogdem ist aber v. B. nicht davor zurückgescheut, während des Krieges in einem Brieje Zelter zu bitten, sich seiner Frau und Kinder anzunehmen. Danach gefragt, warum er dann seine persönliche Abneigung bislang so wenig burchblicken ließ, gab v. Bodungen zur Antwort: 211e freic politischen Entscheidungen wurden auf der Jagt, in großen Gesellschaften und bei ähnlichen Anläffen gefällt. Deshalb wollte ich auch dabei sein!" Treffender tann wohl faum völkische Geschäftstüchtigkeit bc= zeichnet werden, als mit diesen Worten. Arischen Edelmut enthüllt münzt ist: Wenn jemand" fage, Rathenau ist der edelste Mensch auch der Ausspruch von Bodungens, der offenbar auf Belter gcgewesen, dann zeuge dies von keiner deutschen Gesinnung. Bodungen wurde von der Berufungsinstanz wegen fortgefehter Beleidigung des Gutsbesikers Belter zu 1000 Mart Geldstrafe verurteilt. Im unvermögensfalle tommt für je 10 Mart ein Tag Gefängnis zur Anrechnung. Der ungesetzliche Republikanerabbau. Nach Kaffel und Hannover Bielefeld. Bielefeld, 29. Juli.( Eca.) Die Stadtverordnetenbersammlung hat einen Antrag der Bürgerpartei auf Abbau des Magistrats, von dem in erster Linie der sozialdemokra tische 3 weite Bürgermeister Köllner betroffen wird, mit 19 gegen 17 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold. In Elberfeld ist eine Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold gegründet worden. Ideengänge der sozialistischen Theoretiker eindringen fann. Und die Herausgabe ist heute direkt geboten, da sich die sozialdemokratische Kulturtagung in Leipzig auch anschickt, die weitesten Kreise des deutschen Volkes über die Kulturarbeit der Sozialdemokrati: 3 unterrichten. Die Wiederherstellung des Berliner Opernhauses. Die von allen Kunstfreunden längst gewünschte Wiederherstellung des Berliner Opernhauses nimmt erfreulicherweise in diesen Ferien ihren Anfang. feinen eigenen feuersicheren Zugang. Der Umbau erfolgt im übrigen Mit den Mitteln, die der letzte Staatshaushalt dafür vorfah, werden zurzeit die Rangtreppen umgebaut. Jeder Rang erhält nunmehr unter ftrenger Schonung aller fünstlerisch wichtigen und bemerkenswerten Teile des Baues. Er hat eine höchst dankenswerte Nebenwirkung: die gräßlichen Eisentreppen, die seit zwanzig Jahren die Fassaden des Opernhauses schändeten, werden wenigstens an dem Borderteil des Baues sämtlich fallen, ja sie sind in den letzten Tagen Leider zunn größten Teil schon entfernt worden. Die Sicherheit der Opern besucher wird durch den Umbau der Treppen voll gewährleistet, fo daß die Nottreppen am Aeußeren des Gebäudes überflüssig wurden. Jeht ist man daran, die kleinen Schäden auszubeffern, die die Anbringung der Eisenteile für die Fassade zur Folge hatte. Wenn das Gerüst fällt, wird man die edlen Abmessungen dieser ersten großen Bauschöpfung des fridericianischen Architekten Knobelsdorff aum erftenmal feit langer Zeit wieder genießen können. die Borderfassade immer noch nicht so, wie sie bis weit ins 19. Jahr. bietet sich ja dann infolge der häßlichen Weberdachung der Vorfahrt hundert hinein gestanden hat, mit der rechtwinklig gebrochenen, im Unterteil gerade nach vorn führenden Treppe, die unter die Säulen dachung stehen läßt, so fönnte doch die nicht minder scheußliche und dann in den„ Apollonischen Saal", das heutige Foyer, hinausUeberdachung an der Ditfeite jetzt fallen, die ehemals für die Be. nutzung der kleinen Hofloge angebracht worden ist. Die Seiten. fassade aber und besonders die Rückseite find ja noch immer durch die Erweiterungsbauten in ihrem alten Bestande geschädigt, und der riesige Schnürbodenaufbau wird ja auch noch auf unabsehbare Zeit bleiben müssen bis sich Berlin eine neue Große Oper leisten fann. Für den Augenblick aber wollen wir uns freuen, daß wenigdaß man nun auch an den Seiten wieder die schönen Bildhauerstens die Lindenfassade die ärgsten Schäden losgeworden ist, und arbeiten jehen fann, die bisher von den Eisentreppen verdeckt wurden. Die Infelbildung im Ajowschen Meer. Zu dem plötzlichen Auf. tauchen einer fleinen Insel im Asowschen Meer hat die russische Akademie der Wissenschaften ein Gutachten abgegeben, in welchem Wer es heute unternimmt, die sozialdemokratische Literatur in folgendes ausgeführt ist: die Insel habe sich infolge von Verschie ihrem vollständigen gewaltigen Umfange dem Lefer in einem Kataloge bungen der Bodenfläche des Schwarzen Meeres gebildet. Das Ge= vor Augen zu führen, der muß ihm einen dicken und schweren Wälzer töfe, welches das Auftauchen der Insel begleitete, weist auf erdbeben. fataloges wird einmal im Interesse der Studierenden und der boden aufgestiegen. Aehnliche Infelchen haben sich übrigens schon vorsetzen. Die Abfaffung eines solchen sozialdemokratischen Fachartige Borgänge hin, auch ist wahrscheinlich Gas aus dem Meeres Bibliothekare unerläßlich sein. Notwendiger und drängender ist aber früher gebildet, sich aber niemals lange gehalten, da ihre Bestanddie Herausgabe eines Schriftchens, durch das der Leser schnell in die teile, Schlamm und Sand, der Einwirkung des Meerwassers auf die großen Perioden der sozialdemokratischen Geschichte und in die Dauer einen Widerstand leisten tönnen. Dementierter Putsch. Erklärung der Kommunistischen Partei. Auf Grund einer Nachricht über kommunistische Putschpläne, die das Hamburger Fremdenblatt" brachte und die auch von anderen Blättern übernommen wurde, wurde den Redaktionen von der Pressestelle der KPD. folgende Berichtigung zugesandt: = „ Die kommunistische Partei plant weder für Ham burg noch für irgendeinen anderen Teil des Reiches die Besetzung von Amtsgebäuden, Bahnhöfen, Banken, Gas, Wasser und Elektrizitätswerfen oder gar die Ermordung von Beamten. Sämtliche über einen angeblichen Putschplan der kommunistischen Partei für den 3 oder 4. August gebrachte Nachrichten sind freie Erfindung. Für die Kommunistische Partei Deutschlands: Rah, M. d. R." Wir haben schon beim Auftauchen der neuen Butschmeldungen auf ihre innere unwahrscheinlichkeit hingewiesen, da in allen Ver. handlungen der kommunistischen Organisationen eine erhebliche Butschmüdigkeit zu verzeichnen ist. Wenn solche Meldungen, wie die des„ Hamburger Fremdenblattes", immer noch Glauben finden, so ist daran allerdings das Verhalten der KPD. selbst schuld. Sie hat doch den Oktoberputsch in Hamburg veranlaßt, dessen Niederwerfung so zahlreiche Opfer foftete. Sie hatte das fächsische Experiment" vorbereitet, das mit einer„ Oftober- Niederlage" endete. Sie hatte den mitteldeutschen Aufstand organisiert. Sie allein trägt die Berantwortung, wenn Erfindungen weiterer kommunistischer Putschpläne ein gläubiges Publikum finden. Die Berichtigung von Katz und ihre Verbreitung durch bürgerliche Nachrichtenbureaus läßt also auf eine wesentliche Besserung schließen. Ein neuer Kommunistenprozeß. Leipzig, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am 6., 7. und 8 August tagt der norddeutsche Senat des Staatsgerichtshofes zum Schutz der Republik unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Niedner in Leipzig. Zur Verhandlung kommt unter anderem der Hochverratsprozeß gegen die Rommunisten Fiedler und Genossen. Ihnen wird die Vorbereitung gewaltsamer Berfassungsänderung zur Laft gelegt, insbesondere die Beschaffung von Gewehren, Handgranaten und Sprengstoffen für die Kommunistische Partei Deutschlands mit der Hilfe von Unteroffizieren und Mannschaften der Reichswehr im Standort Potsdam im Oftober und November 1923. In unmittelbarem Zusammenhang mit diesem Prozeß steht der damals gemeldete Selbstmord des Obergefreiten Gräfe am 16. Dezember 1923. Gräfe entzog sich der irdischen Gerechtigkeit aus Furcht vor der zu erwartenden hohen Strafe, indem er an sich selbst Hand legte. Zehn Angeschuldigte werden auf der Anflagebant erscheinen, von denen vier Unteroffiziere, ein Gefreiter und ein Schüße der Reichswehr angehörten. Leutheußer regiert weiter. 1200 Mann vermehrt werden. Als unser Genosse Hermann Innen-| Eisenbahnen forde und dann selbständig mit der Entente minister war, bewilligte man ihm nur 700 Mann. Der Haushalt plan sieht auch erhebliche Mittel für die Verlegung von Reichswehr nach Thüringen vor, wo bisher feine Reichswehr lag. Die thüringischen Handelskammern und Industriellen haben sich schon vor längischen Handelskammern und Industriellen haben sich schon vor längerer Zeit bereit erflärt, aus eigenen Mitteln Wohnhäuser für Reichs wehroffiziere und Unteroffiziere zu erbauen! Für die wohnungslosen Arbeiter haben die Herrschaften bekanntlich nie Geld zum Wohnungsbau übrig. Staatsgelder für Ehrhardt- Leute? " über die Beteiligung des bayerischen Netzes an der Reparationsfast verhandeln. Von dieser Absicht ist man schnell wieder abgekommen, da man für eine selbständige bayerische Staatsbahn ein großes Defizit befürchtete, das vor dem Kriege immer vorhanden gewesen ist. Mit Rücksicht auf die außenpolitische Lage Deutschlands", wie man jetzt sagt, wurde von dem ursprünglichen Plan Abstand genommen. Man will sich jetzt begnügen mit der Bildung einer eigenen bayerischen Betriebsgesellschaft im Rahmen des Statuts des Organisationsfomitees. Offiziell verlautet, daß Bayern nur unter dieser Bedingung die nach§ 8 des Staatsvertrages notwendige Zustimmung zur Umwandlung der Reichsbahn in eine Aktiengesellschaft geben wird. Bayern verlangt dabei auch, daß das pfälzische Eisenbahnmek in die bayerische Betriebsgemeinschaft mit einbezogen wird. Amerikanischer Verlegenheitsvorschlag. Die bayerische Regierung erklärt. München, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Im Finanzausschuß des Bayerischen Landtags nahm am Dienstag Finanzminister rausned Stellung zu der vom Genossen Auer in der vorigen Sigung angeschnittenen Frage der Zusammenhänge zwischen der Goldmillion des Herrn von Kahr für die darbende Jugend" und den Krediten, die die Bayerische Staatsbant dem jezt bankerotten Condon, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Erst am Dienstag Bankhaus Neufville in Frankfurt im Herbst 1923 gewährt hat. Der wird bekannt, daß die erste Kommission am Montag sich vor einen Finanzminister gab zu, daß Kahr damals von der Regierung eine amerikanischen Vorschlag gestellt fah, der praktisch darauf Million Goldmark zur Linderung der Hungersnot verlangt habe, hinauslief, nach dem Scheitern sämtlicher bisherigen Kompromißum diese Summe selbst zu verteilen. Er habe ihm aber unzweideutig versuche eine Arbeitsfommission einzusetzen, bis Deutscherflärt, daß das bayerische Finanzministerium vollständig außer land, die Bankiers und die Reparationstommiffion zu einem Erftande sei, diesem Ersuchen zu entsprechen. Da Herr von Kahr feine gebnis über die aufgeworfenen Probleme fommen. Da dieser Bor Gelder zur Verfügung gestellt bekommen hätte, entfielen auch alle schlag offenbar das Produkt der Verlegenheit ist, ergab sich auf Kombinationen nach dieser Richtung. Es wäre möglich, daß Kahr Umfrage, daß er abgelehnt werden wird, zumal die Franzosen über andere Staatsgelder verfügt hätte; über Gelder, die in der eine neue Kompromißformel in Aussicht gestellt haben. Inzwischen Staatsbant lagern, hätten nur deren Borstände zu verfügen. Da gingen die Besprechungen meiier. Außerdem fand eine Zusammen es nach Meinung des Finanzministers ausgeschlossen sei, daß Kalyr funft der amerikanischen und britischen mit den französischen Banüber Gelder der Staatsbank verfügen konnte, blicbe nur die Möglich- fiers statt. Gleichzeitig wurde von anderer Seite ein Kampf keit, daß er fremde Privatgelder nach Frankfurt überwiesen hätte. gegen die vorgeschlagene Anleibe aufgenommen. Nachdem feit Aber auch darüber sei nichts bekannt. Er als Finanzminister habe einigen Tagen die Rothermere Preise im angeblichen Infeinerzeit Rahr feinen Zweifel darüber gelaffen, daß er Anordnungen teresse der britischen Wirtschaft gegen die Anleihe agitiert hat, ließ nunmehr der Reichsverband der britischen Fabria und Verfügungen des Generalstaatskommissars in finanzieller Hin- tanten im Unterhaus eine Eingabe einreichen, die gegen die sicht ablehnen werde. Bei den in Frage kommenden Frankfurter Anleihe protestiert. Die Bedeutung dieses Schrittes ist allerdings Geldern der Staatsbant handele es sich um Ultimogelder von 24 Niederlagen der Bayerischen Staastbant. Herr v. Knilling hat gering, da im Falle einer Einigung der Poitiker der finanzielle in einem Briefe erklärt, daß die auf ihn bezügliche Anfrage eine Erfolg der Anleihe durch diese Altion nicht gefährdet wird. Der augenblickliche Zustand der Konferenz entlodt dem Man haltlose Berleumdung sei. Dieser Erklärung des ehemaligen Mi- chester Guardian" die Feststellung, es habe sich neben der Konnisterpräsidenten gegenüber fand es Genosse Auer um so verwunder- chester Guardian" die Feststellung, es habe sich neben der Konferenz eine zweite Konferenz von Genua aufgetan. Auf die licher, daß Kahr als Hauptbeteiligter feinen Anlaß nehme, sich zu kürzeste Formel gebracht, sieht das Blatt das wesentliche der Voräußern. Außerdem stellte er dem Finanzminister die Frage, ob es gänge darin, daß die Franzosen als Tauschobjeft für ihre Nachgiebigrichtig sei, daß einem Nürnberger Blatt, das zuerst die Mitteilung feit in der militärischen Räumung des Ruhrgebiets von Großüber diese Vorgänge gebracht habe, von der Staatsbank mit Kredit- britan: en Erleichterungen in der Frage der interalliierten Schul. entziehung gedroht worden sei. Krausned erwiderte, er würde eine den fordern. Es ist unwahrscheinlich, daß Macdonald sich auf eine solche Haltung entschieden mißbilligen. Auer verlangte zum Schluß, Diskussion über eine zweite Konferenz einlassen wird, der die daß Kahr in dieser Angelegenheit zur Rede gestellt werde. Schuldenfrage vorbehalten sein sollte, zumal in den Konferenzfreifen angenommen wird, daß Frankreich auch ohne Zugeständnisse in der Frage der militärischen Räumung Na dh giebigkeit zeigen wird. Mit Nadybrud wird festgestellt, daß sich die Konferenz selbst feineswegs mit der Frage der militärischen Räumung beschäf tigen werde, daß dieses Problem vielmehr mit den Deutschen lebiglich außerhalb des Konferenzrahmens erörtert werden würde. Bayern und die Reichsbahn. Berhandlungen über bayerische Reservate. Keine Auflösung des Thüringer Landtages. München, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch beWeimar, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Meldung der ginnen in München die seit längerer Zeit angekündigten BerhandFrankfurter Zeitung" über eine angeblich bevorstehende Auf- lungen der Reichsregierung mit den zuständigen bayerischen Stellen lösung des thüringischen Landtages muß als un- über die Eingliederung des bayerischen Eisenbahnnetzes in den neuen zutreffend bezeichnet werden. Bon einer parlamentarischen Betriebsorganismus der Reichsbahn, wie er auf Grund des SachMüdigkeit fann bei den Regierungsparteien im jezigen Landtage verständigengutachtens durch das Organisationsfomitee vorgeschlagen feine Rede sein. Auch der vorgeschobene Auflösungsgrund der Ver- worden ist. Als Unterhändler des Reiches führen die Verhandlungen minderung der Abgeordnetenzahl von 72 auf 53 fann nicht als stich Reichsverkehrsminister Deser und Reichsfinanzminister Luther, haltig angesehen werden, da der Landtag erst im Herbst das Land- während von Bayern Handelsminister v. Meinel, Finanzminister Krausned und Ministerpräsident Held bestimmt sind. Held wird tagswahlgesetz ändern dürfte. Es ist daher nicht anzunehmen, daß in Kürze Neuwahlen in Thüringen stattfinden. Die„ Ordnungspar- den Borsiz führen. Bayern wollte ursprünglich im Rahmen des teien" sehen feine Veranlassung, die durch die Wahlen unter dem Sachverständigengutachtens die völlige Rüdgabe seiner Reichswehrgeneral Hasse geschaffene Position der OrdnungsbundRegierung in Gefahr zu bringen. Sie würden bei Neuwahlen jetzt erheblich schlechter abschneiden, da der Rechtsfurs auch in einem großen Teil des Bürgertums Mißfallen erregt hat. Der Landtag ift bis September in Ferien gegangen, es tagen nur einige Aus schüsse. Bei seinem Wiederzufammentritt wird der Landtag den Etat verabschieden. Dann wird die thüringische Landespolizei auf Eine deutsche Erfindung zur Aufdeckung von Kohlenvorkommen. Nach einer Meidung des Telegraaf" werden zurzeit mit einem von dem deutschen Geologen Dr., Mitrop erfundenen Apparat im füdlimburgischen Rohlenbecken durchaus erfolgreiche Untersuchungen nach Rohlenvorkommen angestellt. Es handelt sich um einen dem Seismographen ähnlichen Apparat ,, der die durch die Dynamitexplosionen in den Kohlenlagern hervorgerufenen Erschütterungen registriert. Die durch den Apparat registrierten Erschütterungen werden nach einem Schlüssel verrechnet. Das Resultat ergibt dann die Lage des Kohlenvorkommens. Die Versuche, die mit dem Apparat Dr. Mintrops unter Aufsicht des Geologischer Instituts für den niederländischen Bergbau zur Erforschung der Tiefenlage der Kohlenvorkommen des limburgischen Steinkohlenbedens unternommen wurden, haben durchaus günstige Ergebnisse gezeitigt. Hughes gegen den Völkerhaß. Paris, 29. Juli.( WTB.) Staatssekretär Hughes ist heute vormittag mit feinem Kollegen von der franzöfifchen Anwaltsver einigung empfangen worden. In einer Ansprache erklärte er: Wir fommen, um mit Ihnen gemeinsam in jenem unsichtbaren Tempel der Gerechtigkeit und in jenem großen Gebäude niederzutnien, in dem das Beste von dem vereint ist, was die Völker im Laufe der Zeiten gedacht haben. Die Verehrer des Rechts fennen feinen Unterschied der Rasse, des Landes und des Standes. Deutsch- russisches Kompromiß. Beilegung des Zwischenfalls in der Handelsvertretung. = Gestern mittag wurde im Auswärtigen Amt von dem| Gesamtheit der gegenwärtig zur Handelsvertretung gerechneten Reichsminister Dr. Stresemann und dem Geschäftsträger Räumlichkeiten im beiderseitigen Einvernehmen ein der USSR. Botschaftsrat Bratman Brodowski ein Brotokoll über die Beilegung des deutsch- russischen Zwischenfalles unterzeichnet. Das Protokoll hat folgenden Wortlaut: Geleitet von dem Bestreben, den durch die Vorgänge in der Handelsvertretung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am 3. Mai hervorgerufenen Zwischenfall in freundschaftlicher Weise beizulegen, haben die deutsche Regierung, vertreten durch den Reichsminister des Auswärtigen, Herrn Dr. Stresemann, und die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, vertreten durch ihren Geschäftsträger Herrn Bratman- Brodowski, die Unterzeichnung folgenden Protokolls vereinbart: 1. Die beiden Regierungen fehen den Notenwechsel über den Zwischenfall als abgeschlossen an. Aufnahmen von New Vort aus 5000 Meter Höhe. Ein neuer Stadtplan von Groß- New York ist durch photographische Aufnohmen vom Flugzeug aus geschaffen worden. Wie in der 2. Die deutsche Regierung erklärt, daß das Vorgehen der Frankfurter„ Umschau" ausgeführt wird, mußten dazu eigene Flug oliei eigenmächtige Aition der deutschen Bolizei Polizeibehörden in Berlin gegen die Handelsvertretung am 3. Mai eine peuge gebaut werden, die mit besonders dafür geeigneten KameraRonstruftionen ausgerüstet waren. Die Augenlinjen, die Objektive darstellt. Sie gibt der Auffassung Ausdruck, daß die den Polizeider Kameras, die dazu verwendet wurden, stammten aus Deutsch behörden am 3. Mai zugegangene Meldung über das Entweichen land von der Firma Carl Zeiß. Die Aufnahmen erfolgten aus Bozenhardts feineswegs als Grund für die von der Polizei Aus diesem Grunde und im Sjöhen, in denen ein Flugzeug mit bloßem Auge überhaupt nicht angeordnete Aktion dienen konnte. mehr erkennbar ist. Die Flieger mußten bis zu 4800 meter auf Hinblick auf das freundschaftliche Verhältnis zwischen Deutschland feigen, um die ganze Riesenstadt mit ihren 16 000 Quadratkilometer und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Fläche auf die Blatten zu bekommen. 2,5 Zentimeter des Photos mißbilligt sie diese Aktion entsprechen 600 meter im Gelände. Danach mißt der Gesamtplan und bedauert, daß der Zwischenfall dadurch eine solche Auseiwa 3 Meter zu 2,50 Meter. Die eigentliche City wurde dann dehnung erhalten hat. Sie bringt der Sowjetregierung zur noch in größerem Maßstabe aufgenommen, und zwar entsprachen Kenntnis, daß der Leiter der Aktion seiner bisherigen Diensthier 2,5 Bentimeter 180 Meter in der Natur. Diese Karte mißt tätigteit enthoben worden ist. Wegen der von deutschen 6.70 Meter zu 7,35 Meter. Es waren für den New Yorker Stadtplan über 2000 Aufnahmen nötig, und trotzdem ein ganzes Ge- liftischen Sowjetrepubliken getroffenen Maßnahmen hat die deutsche Beamten gegen egterritoriale Beamte der Union der Soziaschwader von Flugzeugen daran arbeitete, dauerte die Herstellung Regierung bereits ihr Bebauern ausgesprochen. Die schuldigen doch sehr lange. Es sind nämlich nur wenige Tage für ein solches deutschen Beamten werden bestraft werden. Kartierungswert geeignet. Die Luft muß gang flar sein, denn schon 3. Die deutsche Regierung erklärt sich bereit, den von deutschen die geringsten Wolkenschatten, laffen das Panorama aus 5000 Meter Beamten im Gebäude ber Handelsvertretung verschuldeten Mate Höhe verschwommen erscheinen. Außerdem konnte die Küstenlinie von New York nur zur Ebbezeit aufgenommen werden. Trotz aller rialschaden in entgegenkommender Weise zu ersetzen. 4. Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Schwierigkeiten gelang das Wert. Die Kartenbilder zeigen die fleinsten Einzelheiten, jedes Gebäude, die Brüden, die Züge ber bestätigt, daß fie in lebereinstimmung mit den geschlossenen BerHochbahn, das Menschengewimmel in den Brennpunkten des Verträgen auf der Grundlage der Gegenseitigteit allen ihren Beamten und Angestellten, also auch den Mitarbeitern der Handelsvertretung fehrs. Jeder New Yorker kann auf diesem neuen Plan mit Letch- verboten hat, in irgendeiner Weise an dem inner politi perboten hat, in irgendeiner Weise an dem inner politi. tigkeit seine Wohnung und seine Arbeitsstätte herausfinden. schen Leben Deutschlands teilzunehmen, und wird für Sie Inne haltung dieses Verbotes, das sich naturgemäß nicht auf das Ver halten beutscher Angestellter außerhalb ihrer Tätigkeit für die Sie Handelsvertretung erstrect, nach wie vor Sorge tragen.. wird unter diesem Gesichtspunkt auch die in Verbindung mit dem vorliegenden Zwischenfall entstandenen Fragen behandeln. 5. Beide Regierungen erfernen an, daß durch den Zwischenfall am 3. Mai die Rechtsstellung der Handelsvertretung, wie fie fich aus den geschlossenen Verträgen ergibt, nicht geändert worden ist. Da sich jedoch anläßlich des Zwischenfalles Meinungsver schiedenheiten über die Tragweite der nach diesen Berträgen schiebenheiten über die Tragweite der nach diesen Berträgen der Handelsvertretung zustehenden besonderen Borrechte ergeben haben, find die beiden Regierungen übereingefommen, daß von der Eine neue Form von Werfffudentenarbeit. In Würzburg baben die berufensten Stenner ber Stunst- und Kulturgeschichte der Stadt einige Studenten darauf vorbereitet, Fremden eine sachgemäße und anregende Führung durch Würzburgs Kunststätten zuteil werden zu laffen. Der heilige Vater als Modeschöpfer. Der Papit hat, veranlaßt durch die ihm nicht zufagende Wiode in der Damenkleidung, Gelegenheit genommen, die Franen der Diözese Rom zu einem Wettbewerb für einwandfreie Frauenkleidung aufzufordern. Die einge reichten Modelle sollen von einer vatikanischen Jury geprüft und die besten mit einer Wiedaille ausgezeichnet werden. Zwei Berfreier der schönen künffe". Die französische Atabe. mie der fchönen sein fte bat den tönig von Spanien und 8. D. Rodefeller zu Mitgliedern gewählt. zusammenhängender Kompleg von Räumlichkeiten der eigentlichen Handeisvertretung, der von dem übrigen Teil des Gebäudes vollständig getrennt wird, und einen eigenen Straßeneingang besigt, als unverlehlich abgesondert wird. Als eigentliche Handelsvertretung gilt die Gesamtheit der erterritorialen Mitarbeiter und der von ihnen geleiteten Abteilu igen mit den zugehörigen Räumlichkeiten. Die 3erteilung des Hauses in zwei gänzlich getrennte Teile geschieht gemäß dem beigelegten Plan, der als Bestandteil der vorliegenden Abmachung gilt. Duch diese Absonderung werden die aus dem Abkommen vom 6. Mai 1921 fließenden sonstigen Rechte und Befreiungen der Handelsvertretung nicht berührt; insbesondere bleiben für die übrigen zur Handels vertretung gerechneten Räumlichkeiten die Bestimmungen im Abja zwei des Artikels II des Abkommens in Geltung. Diese provi sorische Verständigung bleibt während der Dauer des Abtommens vom 6. Mai 1921 in Kraft. Beide Regierungen werden inzwischen, geleitet von dem Wunsche, den Handelsvertrag tunlichſt bald abzuschließen, bestrebt sein, die Verhandlungen( pätestens im Laufe dieses Jahres nach Unterzeichnung dieses Protokolls zum Atschluß zu bringen. 6. Beide Regierungen werden dafür Sorge tragen, daß die beteiligten Dienststellen etwaige aus Anlaß des Zwischenfalles getroffenen Maßnahmen beseitigen, den durch diese Maßnahmen veränderten Zustand, wie er vor dem Zwischenfall beftanden hat, wiederherstellen und feine neuen derartigen Maßnahmen mehr treffen. 7. Das Protofoll tritt am Tage seiner Unterzeichnung in Kraft. Es wird in deutscher und ruffischer Sprache ausgefertigt. Beide Terte gelten als authentisch. Wenn man in Zukunft ein Beispiel dafür suchen wird, wie außenpolitische Konflikte durch Nachgiebigkeit unter Außerachtlassung aller Prestigegründe geregelt werden, so wird man diesen Fall heranziehen können. Denn rechtlich ist der Standpunkt der preußischen Polizei, daß das Gebäude der Handelsdelegation nicht exterritorial war, durchgedrungen, dauern ausgesprochen und ihre Urheber werden sogar bestraft! rozdem wird über die vorgenommene Haussuchung das BeDie Frage der Exterritorialität wird unter Hinzuziehung eines Architekten durch ein Kompromiß geregelt, und die deutsch- russische Freundschaft auf diese Weise wiederhergestellt. Wir begrüßen diese Freundschaft ohne jeden Hintergedanken und geben der Erwartung Ausdrud, daß sie von feiner Seite gestört werden möge. Es darf daran erinnert werden, was der Ursprung dieses Zwischenfalles war: nämlich der Argwohn deutscher Behörden, daß Kräfte in und aus Rußland trotz der dort herrschenden Unfreiheit, also im Einverständnis mit dortigen Regierungsstellen fich nicht ganz in freundschaftlicher Weise in die inneren deutschen Ver hältnisse einmischten. Nur menn solche Einmischungen von beiden Seiten unterlassen werden, ist eine Freundschaft auf dem Boden der Gleichberechtigung hergestellt. Gewerkschaftsbewegung Das englische Achtstundengesetz. bie Arbeiter affo die Hälfte ihres bisherigen Lohnes verdienen. Gleichzeitig beabsichtigt man, ihnen die Deputatkohle zu entziehen. Ein harter Schlag, besonders für die Halbarbeiter, die Invaliden. Aber auch den Bergarbeitern will man mit ähnlichen Maßnahmen kommen. Man kann sich also denken, wie gereizt die Stimmung ist. Die englische Regierung hat dem Parlament einen GeWenn nicht alle Zeichen trügen, steht also Polnisch- Oberschlesien fezentwurf über die Arbeitszeit zugehen lassen, der in seinen wieder einmal vor großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Am fezentwurf über die Arbeitszeit zugehen lassen, der in seinen Sonntag hat im Hindenburger Gewerkschaftshause eine sehr start Grundzügen sich dem Abkommen von Washington besuchte Versammlung der Arbeiter stattgefunden, die in Bolnisch über den Achtſtundentag anpaßt. Das Gesetz beschränkt die Oberschlesien arbeiten und im deutschen Teile wohnen. Es handelt Arbeitszeit in der Industrie auf acht Stunden täglich hier um viele Tausende, die sicher in absehbarer Zeit in Polnischlich oder 48 Stunden wöchentlich. Dem Gesez sind Oberschlesien keine Arbeit mehr finden, aber auch in Deutsch- Obersämtliche gewerbliche Unternehmungen unterstellt, mit Ausnahme der Landwirtschaft, des Handels, der Schiffahrt, der schlesien schwerlich beschäftigt werden können. Sie tragen auch dazu Fischerei und des Bergbaues. Für letzteren ist die Arbeitszeit bei, das Elend zu vermehren. auf sieben Stunden unter Tage beschränkt. Nicht anwendbar ist das Gesetz auf Personen in leitender Vertrauensstellung, die keine Handarbeit verrichten und deren Bezahlung so gehalten ist, daß sie eine eventuelle Ueberzeit einbegreift. Generalftreik in Polnisch- Oberschlesien. kattomih, 29. Juli.( TU.) Die Gewerkschaften aller Richtungen Polnisch- Oberschlesiens verkünden den Generalstreit. In einem Aufruf, der sich an die Bergarbeiter, Metallarbeiter und Der Achtstundentag ist nach dem Gesetz überall dort nicht an die Angestellten wendet, heißt es: Die lehte Frift, die die Ge. durchzuführen, wo durch Gesez, Brauch oder Abkommen werkschaften der Regierung gegeben haben, ist abgelaufen. Die durchzuführen, wo durch Gesez, Brauch oder Abkommen Antwort der Regierung auf unsere Forderungen vom 26. Juli ist zwischen Unternehmer- und Arbeiterorganisationen" die Arbeitszeit wenig er als acht Stunden an einem oder mehre- vollkommen unbefriedigend. Die schwere Lage der Metall- und Hüttenren Tagen der Woche beträgt. In diesen Fällen kann die arbeiter droht auch allen Bergarbeitern. Es ist von allen Gewerftägliche Arbeitszeit bis zu neun Stunden ausgedehnt wer- schaften beschlossen worden, daß nunmehr auf der ganzen Linie der den, ohne jedoch insgesamt mehr als 48 Stunden die Woche Streit stehenden Berg- und Metallarbeiter ab Mittwoch, den 30. Juli, Abwehrstreit in Kraft fritt, und zwar für die noch nicht im zu betragen. Für Schichtarbeiter fann die Arbeitszeit 48 Stunden überschreiten, vorausgesetzt, daß die durch früh 6 Uhr. Die unentbehrlichen Notstandsarb sten find auszuführen. schnittliche Zahl der Arbeitsstunden nicht 48 Stunden die Woche überschreitet. In diesem Falle darf aber eine Schicht nicht mehr als 56 Stunden in einer Woche betragen. Der Arbeitsminister hat außerdem das Recht, einem eventuellen Abtommen zwischen Unternehmer- und Arbeiterorganisationen zuzustimmen, wonach unter außerordentlichen Umständen die 48- Stunden- Woche als unpraktisch erscheinen fann, vorausgefeßt jedoch, daß die durchschnittliche Zahl der Ar beitsstunden 48 Stunden die Woche nicht über schreitet. Eine Ueberschreitung des Achtstundentages ist zulässig bei Unfällen, in dringenden Fällen, wo maschinelle Arbeitsfraft einzusehen ist, und in Fällen der höheren Gewalt. Das Gesetz legte fest, daß jede Arbeitszeit, die den Achtstundentag überschreitet und in den vorgenannten Fällen gestattet wird, als Ueberstunden zu bewerten ist und den Vorschriften des Arbeitsministers untersteht, der vorher die beiderseitigen Organisationen zu hören hat. Nach dem Gesetz und das ist eine grundsägliche Neuerung von wesent licher Tragweite müssen diese Ueberstunden mindestens 25 Broz. höher bewertet werden als der übliche Stundenlohn beträgt. Soweit Abkommen bestehen, die in diesem Punkte günstiger für die Arbeitnehmer sind, bleiben sie in Kraft. Das sind die wesentlichen Bestimmungen des Gesetzes, das am 1. Mai 1925 in Kraft treten soll. Der Minister hat die Vollmacht, unter besonderen Umständen für gewisse Industrien das Inkraftsezen des Gesetzes um sechs Monate hinauszuschieben. Mit diesem Gesetz wird die grundsägliche Erflärung der englischen Regierung, das Abkommen von Washington zu ratifizieren, in die Praxis umgesetzt. Bemerkenswert ist, daß das Gesetz sehr elastisch ist, doch zugleich nicht nur„ grundfäßlich", sondern auch tatsächlich am Achtstundentag festhält. Servorzuheben ist auch, daß die Mehrarbeit als solche höher bewertet werden muß. Wenn die Verordnung für die Arbeitszeit in Deutschland, die grundsäßlich" am Achtstundentag festhält, praktisch aber eine Verlängerung bis zu zehn Stunden zuläßt, von vornherein festgelegt hätte, daß die Arbeitszeit, die die acht Stunden überschreitet, mit einem Zuschlag von 25 Proz. zu zahlen ist, dann würden uns in Deutschland Riesentampfe er= spart morden sein. Denn dann würden die Unter" nehmer nur in den dringendsten Fällen von diesem Recht, das sie sich auf dem Wege der sogenannten Schiedssprüche" geschaffen, Gebrauch gemacht haben. Der englische Gesetzentwurf schlägt alle Argumente nieder, die gegen die Ratifizierung des Abkommens von Washington in Deutschland vorgeschoben worden sind. Die Lage in Polnisch- Oberschlesien. ( Von unserem oberschlesischen Mitarbeiter.) Kattowitz, 29. Juli. Vor wenigen Tagen ist die Garnison von Kattowitz verstärkt worden und auch nach Königshütte und anderen Industrieorten will man in aller Stille Militär schaffen. Die Industriellen sind in ihrem neuen Denkschreiben an die polnische Regierung noch deutlicher geworden wie im ersten. Sie fordern für den Bergbau vollständig freie Hand gegenüber den Arbeitern, und die Regierung scheint dem nachgeben zu wollen. In Kattowitz selbst merkt man eigentlich wenig von der Krisis. Das Straßenleben flutet wie sonst dahin. Aber in Königshütte erhält man schon ein ganz anderes Bild von den Dingen. Da stehen die Arbeiter der Hütten zu Taufenden auf der Straße herum, dazwischen bewegen sich die Polizeibeamten, immer zu dreien, den Karabiner auf der Schuiter. Für Oftoberschlesien ist Alkoholverbot angeordnet. Immer ein Zeichen, daß die Lage bedenklich ist. Die Königshütte steht vollständig still, die Noistandsarbeiten werden nur von Beamten verrichtet. Allen Arbeitern ist gekündigt. In anderen Hütten ist es ebenso. Auch die Zinkhütten stehen. Die Stimmung wird erst dann verständlich, wenn man hört, daß 3. B. die Königshütte schon seit Januar bis Juni nur drei Schichten in der Woche arbeiten ließ. Bom Juni bis 8. Juli durfte jeder Arbeiter sogar nur eine Schicht wöchentlich arbeiten, damit seine Bersicherungsansprüche gewahrt blieben. Seit dem 22. Juli ruht der Betrieb ganz und die Unternehmer werden erst dann wieder die Tore öffnen, wenn die Regierung und die Arbeiter zu Kreuze gefrochen sind. Bezeichnend ist, daß die Industriellen ihr Vorgehen damit begründen, daß ihnen nach der Verlängerung der Arbeitszeit in Westoberschlesien und der dadurch Bestoberschlesien und der dadurch verstärkten Konkurrenz der deutschen Werke nichts anderes übrig blieb. Sie gehen aber in ihren Forderungen weit über das hinaus, was in Deutschoberschlesien den Arbeitern geboten wurde. Es ist daher anzunehmen, daß auch hier sehr bald die Industriellen wieder angreifen werden. Der Lohn in den Eisenhütten ist für Polnisch- Oberschlesien für den Juli um 30 Proz. herabgedrückt worden. Er soll am 1. August noch um weitere 20 Pro3. gesenkt werden, so daß dann Hühneraug' auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich„ Lebewohl mit Filzring. Streikhezze des Deutschen Landarbeiter- Verbandes? Vom Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes wird uns geschrieben: In Nr. 347 der„ Deutschen Tageszeitung" vom 26. Juli wird in einer Drahtmeldung aus halle berichtet, der Deutsche Bandarbeiter: verband habe, nachdem die Lohnverhandlungen mit den Arbeitgebern Sachsen- Anhalts ergebnislos verlaufen sind, eine fieberhafte Tätig fit für einen Erntestreit der Landarbeiter entfaltet. Weiter wird vermerkt, daß an einzelnen Stellen die Landarbeiter schon befristete Forderungen auf Lohnerhöhung gestellt haben und, als diese abgeehnt wurden, damit gedroht hätten, in den Streit zu treten, sobald der Befehl von oben täme. Auch den kommunistischen Land- und Waldarbeiterverband läßt man in der Drahtmeldung mit der Betonung aufmarschieren, dieser habe die Landarbeiter aufgefordert, fich marschbereit zu halten zum Kanipf, da die Ernte vor der Tür stehe. Soweit die Tätigkeit des Deutschen Landarbeiterverbandes in Betracht kommt, enthält diese Drahtmeldung, deren Urheber man wohl in der Leitung der landwirtschaftlichen Arbeitgeberorganisation für Eachsen- Anhalt zu suchen hat, nichts wie einen aufgelegten Schwindel Wenn die Landarbeiter Mitteldeutschlands heute empört sind, ist das nicht die Folge irgendeiner Streitheße des Deutschen Landarbeiterverbandes, sondern die selbstverständliche Auswirkung der völlig unverständlichen Haltung der Arbeitgeber. Folgende Mitteldeutschlands inöge das beweisen: kurze Darstellung der legten Lohnbewegung der Landarbeiterschaft Im April reichte der Deutsche Landarbeiterverband Lohnforderungen ein. Hierauf reagierten die Arbeitgeber mit nichts anderem als mit ausweichenden und verschleppenden Antworten, obwohl der unparteiische Borsitzende des Tarifamts für Sachsen- Anhalt, Dr. Lüttens Magdeburg( gleichzeitig amtlicher Schlichter für Mitteldeutschland), cine Lohnerhöhung für unbedingt erforderlich hielt. Erst in den letzten Tagen des Monats Mai wurde endlich nach endlosen Terhandlung ein Suriebsspruch gefällt, ber eine Sohnden Schlichter erhöhung von 1 Bf. pro Stunde für die Landgebiete und eine solche von 2 Pf. pro Stunde für die Stadtgebiete zusagt. Zu weiteren Zugeständnissen glaubte Dr. Hoepfer, der die Lohnforderung des Deutichen Landarbeiterverbandes für durchaus berechtigt hielt, wegen der Notlage in der Landwirtschaft nicht gehen zu dürfen. Die Arbeit geber erhoben gegen diefen Schiedsspruch beim Reichsarbeitsministerium Einspruch mit dem Erfolge, daß dieses, wie nicht anders zu erwarten war, die Verbindlichkeitserklärung des Spruches ablehnte. Inzwischen reichte der Deutsche Landarbeiterverband eine neue, auf eine Zulage von 25 Broz. abzielende Forderung ein. Die Unternehmer beantragten dagegen einen Lohnabbau von 20 Pro3. mit der Erklärung. eventuell bis zum 25. Auguft auf die Erfüllung des Antrages verzichten zu wollen. Begründet wurde der Antrag der Begründet wurde der Antrag der Arbeitgeber mit der Feststellung, die jetzigen Löhne seien zu hoch und nicht mehr tragbar. Um die Gefährlichkeit dieses ganzen Verhaltens richtig würdigen zu können und um zu verstehen, weshalb die mitteldeutsche Landarbeiterschaft so entrüstet ist, muß man in Betracht ziehen, daß in Schlesien, im Freistaat Sachsen, in Hessen und Thüringen erst in allerletzter Zeit Löhne bzw. Erntezulagen festgelegt wurden. Man muß auch wissen, daß die einzelnen sächsischen Landwirte den Landarbeitern jetzt immer häufiger erklären: Daß wir im nächsten Jahre mit Euch feinen Tarifvertrag mehr abschließen, ist selbstverständlich, wie es selbstverständlich ist, daß am 25. August Euer Lohn um 20 Proz. gekürzt wird. Lohnabbau mitten in der Erntezeit! Braucht man vielleicht eine derartige Aufpeitschung der öffentlichen Meinung, um damit auf Regierung und Parteien antreibend zu wirken im Interesse einer schnelleren Durchbringung der Schußzzollforderungen? Die ganze Tätigkeit des Arbeitgeberverbandes in Mitteldeutschland läßt eine solche Vermutung nur als zu begründet erscheinen. Ein„ Ideallohntarif, auf dem Lande. Zehn Pfennig die Stunde. schaften. Sie selbst allerdings merken von der Not nicht viel, um Die Herren Agrarier sind bekanntlich sehr notleidende Herrso mehr aber ihre Arbeiter, denen sie Hunger- und Schandlöhne bezahlen. Ein nahezu unglaublicher Fall von Lohnschinderei wird Der Herr Besizer brauchte notwendig weibliches Arbeitspersonal uns von dem Gut Markgrafshof bei Kleinbeeren mitgeteilt. für leichte Feldarbeit, wie er dem städtischen Arbeitsamt der Stadt Berlin mitteilte. Er erhielt auf seine Anforderung etwa dreißig Frauen und Mädchen. Die Engagierten mußten zunächst feststellen, daß es sich nicht um leichte Arbeiten handelte, sondern die während der Ernte auf dem Lande zu leisten sind. Bei einer daß sie schlechterdings so ziemlich alle Arbeiten verrichten mußten, Stundenlohn von zehn Pfennigen. Nach Abzug der zehneinhalbstündigen Arbeitszeit erhielten sie einen Krantentassen, Invaliden und Steuerbeträge ( Steuer darf von diesem geringen Einkommen überhaupt nicht ab= gezogen werden), blieb den Frauen taum so viel Geld, um die Rückfahrt nach Berlin zu bezahlen. Nach ein paar Tagen wandten sie sich beschwerdeführend an den Inspektor, der Abhilfe versprach, ohne daß sich etwas an der elenden Bezahlung änderte. Darauf legten die Arbeitenden die Arbeit nieder und machten Anzeige glaubliche Schweinerei bezeichnete und mehreren der ausgenutzten beim Amts- und Gemeindevorsteher, der die Verhältnisse als unFrauen ein paar Mart Armenunterstützung gab. Nun wird gewiß mancher annehmen, daß man auf dem Gut Markgrafshof versucht habe, die elende Bezahlung durch gute Verpflegung mettzumachen. Weit gefehlt. Die Frauen erhiel ten für die Woche ½ Pfund rohes Schmalz, Pfund Margarine, 25 Pfund Kartoffeln und 6 Pfund Brot. Keinen Kaffee am Morgen und fein warmes Mittagessen. Schlafen mußten sie auf Strohsäcken in einer Barade. Verbandstag der Feuerwehrleute. Der im Jahre 1908 gegründete Verband Deutscher Berufsa feuerwehrmänner hält am 6., 7. und 8. August seinen 10. Verbands tag in Leipzig, Volkshaus, Beißer Straße 32. ab. Die Tagesordnung umfaßt 14 Punkte. Neben dem Bericht des Borstandes sind die wichtigsten Beratungspunkte Organisationsfragen, bei denen zum ersten Male die Verschmelzung des Berufsverlandes mit einer Großorganisation( Staats- und Gemeindearbeiterverband Deutschlands) auf dem Verbandstag diskutiert wird, ferner der Kampf um die Wachdienstzeit, Besoldungsfragen, Neuorganisation der Berufsfeuerwehren und die Feuerwehr im Privatbetrieb. Personalabbau gelitten. Insbesondere in der Privatindustrie Der Verband hat unter der wirtschaftlichen Depression und dem ist die Zahl des Feuerwehrpersonals start vermindert worden. Durch den wirtschaftlichen Drud sind die Löhne bei der Umstellung auf Gold hasis sehr herabgedrückt worden. Den Organisationen mit ihren von der Inflation geplünderten Rassen war es nicht möglich, dieses Veraufgegeten und der Organisation den Rücken gekehrt. Sie müſſen hängnis abzuwehren. Ein Teil der Mitglieder hat deshalb den Kampf für den Kampf wieder gewonnen werden. In den Städten hat ebenfalls der Personalabbau gewütet, von dem auch das Feuerwehrpersonal nicht verschont geblieben ist. Der Verband umfaßt etwa 80 Proz. aller Berufsangehörigen, ein außerordentlich hoher Prozentaß. Die Feuerwehrleute sind gewerkschaftlich so geschult, daß, abgesehen von der im Zentralverband der Kommunalbeamten und Angestellten Preußens( Romba) vorhandenen Fachgruppe, die ein bescheidenes Dasein fristet, aber sich doch störend und zerstörend in die Arbeiten des Berufsverbandes drängt, Splitterorganisationen nicht vorhanden sind. Es ist zu hoffen, daß der Berufsverband auf seiner Tagung fruchtbare Arbeit leisten wird. Wenn auch noch nicht zu erwarten ist, daß die Frage der Verschmelzung endgültig gelöst wird, wird doch die Beratung dieser Frage den großen Gewerkschaftsgedanken, Schaffung großer leistungsfähiger Verbände, fördern. Die übrigen zur Beratung stehenden Fragen werden dafür sorgen, daß die in der Organisationsdebatte erhigten Gemüter sich rasch beruhigen und alle Vertreter sich in dem einmütigen Willen der Abwehr drohender Ber. schlechterungen durch die geschlossene Gewerkschaft zusammenfinden. Kurzarbeit im Ruhrbergbau. Bochum, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Feierschichten im Ruhrbergbau erweitern sich täglich. Neuerdings haben die Verwaltungen der Zechen„ Bergmannsglück“ und„ Henrichshütte“ Kurzarbeit eingeführt. Die Arbeit. lichen Zeitschrift,„ Die Arbeit", liegt nunmehr vor. Es enthält Das erste Heft der vom ADGB. herausgegebenen wissenschafteine Reihe ausgezeichneter Auffäße, die sich vornehmlich mit den Problemen des praktischen Gewerkschaftstampfes beschäftigen. Der einleitende Artikel von Lothar Erdmann,„ Der Weg der Gewerkschaften", ist vor allem ein Programmartifel der neuen Zeitschrift. Der Vorstzende des Holzarbeiterverbandes, Fri Tharnow, veröffentlicht eine vorzügliche Uebersicht über die" Wandlungen im Tarifvertragswesen und eine polemische, aber sehr far herausgearbeitete Kritik der Ideen, die neuerdings von Edo Fimmen vertreten werden. Professor Lujo Brentano veröffentlicht unter dem Titel„ Die deutschen Gewerkschaften nach dem Versailler Friedensdiftat", eine Untersuchung über die unvermeidlichen Rückwirkungen des Friedens. vertrags auf die Gewerkschaftsarbeit. Der Vorsitzende des ADGB., Theodor Leipart, behandelt in dem Artikel„ Die Stel. Iung der Gewerkschaften in der internationalen Arbeiterbewegung" vornehmlich das Problem der Stellung der Gewerkschaften gegenüber den politischen Parteien und insbeson dere gegenüber der fommunistischen Partei. Karl Mennide vertuxg, des Achtstundeniages", Franz Spliebt bringt öffentlicht einen warmherzigen Aufsatz über„ Kulturbedeu einen furz gefaßten aber übersichtlichen Artikel über den„ Aus. bau des Arbeitslosenschuhes" und liefert auch in der Rundschau einige interessante Beiträge. Martin Wagner, der Geschäftsführer des Verbandes sozialer Baubetriebe, veröffentlicht über Gemeinwirtschaftspolitie" einen forsch zupackenden Artikel, der viele gute Gedanken enthält. Die„ Rundschau der Arbeit" bringt außer den schon erwähnten Artikeln noch eine Reihe interessanter Betträge von Fritz Schröder über die Angestelltenbewegung, von Th. Rohur über Be. amtenprobleme, von Gertrud Hanna über Arbeite rinnen in der gewerkschaftlichen Internatio nale", von Theodor Thomas über ,, Gewerkschaften und Bildung" und schließlich von Paul Ufermann über Die Kartellverordnung und ihre Wirkung". " Die Zeitschrift ist 64 Seiten stark, von handlichem Format, auf gutem Papier gedruckt. Sie erscheint jeden 15. und foftet 3 m. vierteljährlich, für Organisationsmitglieder 2,40 m., das einzelne Heft 1 M. bzw. 80 Pf. Sie kann durch die Post oder den Buchhandel, sowie bei den Verwaltungsstellen der Gewerkschaften und den Ortsausschüssen des ADGB. bezogen merden. Das zweite Heft wird Auffähe von Robert Schmidt, Hugo Sinzheimer, Dr. Otto Lipmann usw. enthalten. Der Bezug der Zeitschrift iſt nicht nur allein Gewerkschaftlern, sondern überhaupt allen, die sich über die Arbeiterbewegung informieren wollen, durchaus zu empfehlen. Sattler, Tapezierer- und Portefeuiller- Verband. Quarials- Generalversammlung Donnerstag, den 31. Juli, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 4. Tagesordnung u. a. Vortrag über Kvantentassenwesen.( Familienversicherung, Kurzarbeit, Ersagkassen.) Ref. Kollege Fritz Boß. Erscheinen aller Mitglieder erwünscht. Mitgliedsbuch legitimiert. Zentralverband der Zimmerer. Am Freitag, den 1. August, abends 7 Uhr, findet im Saal 3 des Gewerkschaftshauses eine Funktionärfonferenz statt. Das Erscheinen aller Bezirksführer und Kassierer ist unbedingt Pflicht. Weiter bitten wir die Funktionäre und Vertrauensleute in den nächsten Tagen für die am Sonnabend, den 2. Auguft und Sonntag, den 3. August, stattfindenden Bezirksversammlungen die regste Propaganda zu entfalten. Auch haben die Vertrauensleute neben der Bücherfontrolle auf den Boustellen darauf zu achten, daß alle in Berlin beschäftigten Sameraden den Berliner Beitrag( 1,25 Mark) zu zahlen haben. Laut Beschluß des lekten Verbandstages ist nur derjenige noch Mitglied unseres Verbandes, welcher nicht länger als 6 Wochen mit feinen Beiträgen im Rückstande ist. NB. Der Bezirt 20 tagt erst am Dienstag, den 5. August, abends 7 Uhr, bei Balewski, Boddin-, Ede Jfarstraße. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Bxc CAVALIN DAS STREUPULVER GEGEN ACHSEL- U.FUSSCHWEISS Überall erhältlich! Cavalin an Sommertagen schafft unendliches Behagen. Der Streupuder gegen Schweiß und dessen Wirkungen,-Für Sport und Wanderung. Herstellerin W. Spindler A- G., Berlin C. 19 Nr. 354 ❖ 41. Jahrgang Seilage öes vorwärts Die Durchfihnittsehe in Amerika. Man nennt Amerika zuweilen das Paradies der Frau. Unter gewissen Einschränkungen mag dieser Name richtig sein. Die Frau hat aber selber mit dazu beigetragen, ihre im allgemeinen geachtete Stellung zu schaffen. In einen, Lande, in dem infolge der über- wiegend männlichen Einwanderung die Frau lange Zeit in der Min- verzähl blieb, war das auch leichter als in Europa mit seinem Bal- last an überlieferten Sitten und Anschauungen. Die Amerikanerin war auch klug genug, ihr Uebergcwicht, das sie mit der Zeit er- langte, nur soweit auszunutzen, als nötig war, um völlige Gleich- berechtigung mit dem Manne zu erzielen. Wenn man hin und wieder von extravaganten Dingen aus dem Leben der amerikani- schen Frau hört, so bezieht sich das meistens auf die in überwälti- gendem Luxus ausgewachsenen jungen Damen aus dem Kreise der „Oberen 400", dem Adel Amerikas.• Mann und Iran als kameraöen. Die Durchschnittsamerikanerin ist ihrem Manne nicht nur eine gute Kameradin, sie arbeitet wie er vom Morgen bis zum Abend, schafft mit gleicher Freude wie er: auch hier ein grundlegender Un- terschied zwischen alter und neuer Welt. Hier in Europa steht hin- ter der Arbeit der Zwang, die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, um leben zu können, dort mehr die Freude am Schaffen selbst, der Sport des Geldoerdienens, der den Zwang zur Arbeit weniger lästig werden läßt. Man heiratet jüng in Amerika und kann jung heiraten, weil Mann und Frau verdienen: selbst in Kreisen, in denen Wohlhaben- heit herrscht, spekuliert weder Mann noch Frau auf das Taschengeld, die Mitgift oder Erbschaft, die man durch Eltern oder Schwieger- elhern erlangt. So gestaltet sich die Ehe zweier guter Kameraden, die sich vielleicht schon in der gemeinschaftlichen Schulerziehunq oder Universität kennengelernt hatten, zu einer treuen Arbeitsgemein- schast: man steht früh auf. Die Frau bereitet das Frühstück, der Mann macht„Stubendienst". In wohlhabenden Familien über- nimmt die gröbere Arbeit eine aus einem Institut bestellte Kraft oder die in der Miete mitbczahlt« Hauskraft. Hierbei muß bemerkt werden, daß in Amerika nur die Schwarze billiger ist, weiße Hausangestellte können sich nur die Reichen leisten, weil sie sehr teuer sind und die Frau in jedem Berus gleich geachtet ist und als„Lady" gilt. Der Amerikaner wird sich seine Schuhe nie von einer Haus- angestellten, geschweig« von seiner eigenen Frau putzen lassen. Kommt ein Baby, so haben oft zwei Freundinnen eine Schwarze als Kinderwärterinnen für ihre Kleinen. Nach dem Frühstück fahren die Ehegatten zur Arbeit. Die Arbeit geht in dem bekannten Tempo von statten. Pausen, und seien es nur Sekunden, kennt der Ameri- kaner bei der Arbeit nicht. Um 12 Uhr ist Lunchzeit. Man geht in ein naheliegendes Restaurant, denn viel Zeit hat man nicht. Nux wenn die Arbeitsstätte der Frau ganz in der Nähe ist, kann man sich treffen. Meist ißt man in einem der vielen Restaurants mit Selbst- bedienung. Man steht hinter einer unendlich langen Tischplatte, be- stellt, eine halbe Minute später erhält man das Gewünschte. Was man bekommt ist reichlich, gut und nahrhaft. Alkohol gibt es nicht. Man trinkt, wenn überhaupt, Milch, Eiswasser, Gingerale. 3n fünf Minuten ist man fertig, schließt sich der langen Reihe an, die nacheinander an der Kasse vorbeipassiert. seinen Scheck bezahlt und geht. Wieder ins Bureau! Wieder dasselbe atemraubend« Arbeits- tempo bis zum Kontorschluß, 6 Uhr. Dann nach Hause. Nie wird es vorkommen, daß der Mann die Frau in einem öffentlichen Ver- kehrsmittel stehen läßt, wie das bei uns so üblich ist. Nach öer Arbeit. Derjenige der Ehegatten, der dem Heim am nächsten ist, also früher nach Hause kommen kann, besorgt meist die häuslichen Ein- kaufe. Selbstverständlich beschwert man sich nicht mit Dingen, wie sie die deutsch« Hausfrau in ihrer �üchc gewohnt ist: Gemüseputzen, Fischausnehmen und dergleichen. Alles kommt koch- und bratfertig ins Haus. Man benutzt hauptsächlich Konserven, die in Amerika sehr gut und billig sind und sogar das frische Gemüse ersetzen. Ob- gleich das Menu eines bürgerlichen Dinners in Amerikg meist be- deutend reichhaltiger ist als bei uns, so macht doch die Zubereitung viel weniger Mühe. In einer halben Stunde ist man fertig und hat den ganzen Abend vor sich. Nun treibt man Sport, sitzt im Kino, das meist auch zugleich Barietö ist, oder treibt, was einem gefällt. Die Wohnungen in Reiv Pork sind sehr klein und eng. Eine Drei- zimmerwohnung in New Jork in guter Gegend kostet etwa 2400 Dollar jährlich, aber man kann sich kaum eine Vorstellung von dem Komfort solcher Wohnungen machen, wie ja überhaupt die praktische Amerikanerin durch immerfließendes warmes Wasser, allerlei Ma- fchinen, die ihr den Haushalt erleichtern, verwöhnt ist. Beobachtet man eine Amerikanerin, so weiß sie tausend Tricks, um ihre Mrt- schast schnell und gut in Ordnung zu halten. Der Stolz der Ameri- In d»r Straßenbahn: Drüben l kanerin bleibt, bei aller praktischen wie geistigen Arbeit, die sie zu leisten imstande ist, nichts von ihrer Weiblichkeit einzubüßen. Der Mann jedoch, der von Jugend auf Achtung vor der Frau gelernt, sieht meistens als seinen Lebenszweck, das in rasendem Arbeitstempo gewonnene Geld für feine Lebenskameradin und seine Kinder zu nutzen. Im allgemeinen ist der Amerikaner gebildeter, als wir glauben: er kennt die internationale Literatur, liebt Musik, aber die Frau ist meist diejenige, die sich mit allem Eifer der Kunst, der Wissenschaft oder Musik widmet, sie hat zu allem Zeit, weil der Haushalt sie nie ganz beschlagnahmt. Die amerikanische Ehe be- wahrt sich jedoch den Charakter steier Kameradschastlichkeit. Die Frau sitzt nicht bei den Kindern zu Hause, während der Mann sich im Wirtshaus oder in den Dielen amüsiert. Di« Ehe erscheint im Durchschnitt nicht als Sklaverei. Man lebt für einander, man be- weist es in Arbeit und Kameradschaftlichkeit, aber dabei wahrt' Mann In der Straßenbahn: Bei nnsl s! Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. Wer ihn sah, fühlte die Notwendigkeit, ihm beizustehen, und die Ohnmacht zugleich. Schmerzlich war die Erkenntnis zugleich� daß man ihm nicht helfen konnte und beschämend. Aus Scham hätte man selbst zittern mögen. Die Krankheit übertrug sich auf den Betrachter. Schließlich zog man sich zurück, entwich, und konnte dennoch das Bild des zitternden Riesen nicht vergessen.«'.., Drei Tage vor der Ankunft der Kommission begab sich Andreas in die Baracke Bossis, den er immer gemieden hatte. Zwanzia Lahme und Einbeinige waren um den Schmied ver- sammelt und sahen ihm in einer leidenschasllichen Stille zu. Vielleicht hofften sie auf die ansteckende Wirkung des Zitterns. Jedenfalls verspürte bald der eine und bald ein anderer ein heftiges Zucken in Knien, Ellenbogen und Handgelenken. Sie gestanden es einander nicht. Einzelne schlichen davon und probierten, zu zittern, wenn sie einen Augenblick allein waren. Der mißtrauisch- Andreas, der Dojsi aus ganz unbestimmten Gründen nicht leiden mochte, zweifelte zuerst an der Krank- heit. Ret? erfaßte ihn und zum erstenmal Bitterkeit gegen die Regierung, die just Zittcrer belohnen wollte und keine anderen. Zum erstenmal durchdrang ihn eine Erkenntnis von der Ungerechtigkeit derjenigen, die zu befehlen und zu be- stimmen hatten. Plötzlich fühlte er, daß ferne Muskeln zuckten, fein Mund sich verschob, sein rechtes Augenlid zu flackern be- gann. Ein freudiger Schrecken überfiel ihn. Er humpelte davon. Seine Muskeln beruhigten sich Sem Augenlid flackerte nicht mehr. �. Er schlief nicht ein. Im Finster» kleidete er sich an und ohne Krücken, um die Schlafenden nicht zu wecken, die Hände auf den Kopf des Bettes und auf den Tisch stützend, schwang er sein Bein zum Fenster und ließ den Oberkörper nachfolgen. Er sah ein Stück der nächtlichen Wiese und das schimmernde. weiß gestrichene Gitter. Länger als eine Stunde stand er so und dachte an einen Leierkasten. Es ist ein heller Sommernachmittag. Andreas steht im Hof eines großen Hauses, im Schatten eines alten, breiten Baumes. Es mag Zne Linde fein..Andreas dreht die Kurbel seines Kastens und spiekt: Ich habt' einen Kameraden. Oder: i Draußen vor dem Tor«, oder die Nationalhymne. Er ist in Uniform. Er trägt sein Kreuz. Aus allen offenen Fenstern fliegen Münzen, in Seidenpapier eingewickelt. Man hört den gedämpften Metallklang des fallenden Geldes. Kinder sind da. Dienstmädchen lehnen über die Fensterbrüstungen. Sie achten der Gefahr nicht. Andreas spielt. Der Mond kam über den Rand des Waldes, der vor den Baracken lag. Es wurde hell. Andreas fürchtete, seine Käme- roden könnten ihn entdecken. Er wollte nicht mitten in der fahlen Helle stehen. Er schwang sich wieder ins Bett. Zwei Tage lebte er still und versonnen. Die Kommission kam. Jeder wurde einzeln hereingerufen. Ein Mann stand an der Portiere, welche die Kommission vor den Augen der wartenden Invaliden verbarg. Der Mann schlug jedesmal die Porttere zurück und warf einen Namen hinaus. Jedesmal löste sich ein gebrechlicher Körper aus der Reihe der anderen, schwankte, humpelte, polterte und ver- schwand hinter dem Vorhang. Die gemusterten Invaliden kamen nicht mehr zurück. Sie mußten den Saal durch einen anderen Ausgang verlassen. Sie bekamen eimen Zettel und gingen dann in ihre Baracken, packten ihre Sachen und krochen zur Endstation der Straßenbahn. Andreas wartete unter den anderen, er beteiligte sich nicht an ihrer geflüsterten Unterhaltung. Er schwieg, wie einer, der sich nicht verraten will und der in der Furcht lebt, eine kleine Aeußerung könnte ihn verleiten, sein ganzes großes Geheimnis herzugeben. Der Mann schob den Vorhang zurück und warf den Namen: Andreas Puni in den Saal. Einigemal pochte Andreas Pums Krück« auf den Boden und widerhallte in der eingetretenen Stille. Plötzlich begann Andreas zu zittern. Er sah den Vorsitzenden der Kommission, einen hohen Offizier mit goldenem Kragen und blondem Bart. Bart. Antlitz und Unifgrmkragen vermischten sich zu einer Masse aus Gold und Weiß. Iemapd sagte:„Noch ein Zitterer." Die Krücken in Andreas Hand begannen selbständig über den Boden zu hüpfen. Zwei Schreiber sprangen auf und stützten Andreas. „Lizenz!" befahl die Stimme des hohen Offiziers. Die Schreiber drückten Andreas auf einen Stuhl und eilten an ihre Arbeit. Schon saßen sie gebeugt über raschelnden Papieren i und ihre Federn tanzten. Mittwoch, 30. Juli 1924 und Frau ihren selbständigen Charakter. Oft geht eine verheiratete Frau ihren eigenen Lebensweg, fei es in Kunst, Wissenschaft oder Politik. Zu allem muß noch ein wesentlicher Unterschied zwischen der Neuen und Mten Welt hervorgehoben werden: der amerikanische Mann versteht nie nur einen Beruf, er ist meist in mehreren er- zogen und geschult. Es kann vorkommen, daß ein Rechtsanwalt Versicherungsagent wird oder Geschäftsmann, und daß ein Inge- nieur, weil irgendeine Unmöglichkeit besteht, in diesem Beruf weiter- zukommen, gleich einen ganz anderen Beruf ergreift. Die Einseitig- keil der Ausbildung wie bei uns, kennt der Amerikaner nicht. So scheint das Zusammenleben zwischen Mann und Frau in Amerika, von Europa aus gesehen, freier und kameradschaftlicher zu fein als bei uns. Drüben gilt das alles als Selbstverständlichkeit und fchsießlich hat jeder auch dort seine eigenen Sorgen und Wünsche. Die Anzeige. Die Schupo hat nicht viele Freund«, besonders nicht unter denen, die stei wie der Bogel durch die Lande ziehen, von milden Gaben leben, oft frieren, oft hungern, oft einfam sterben. Aber es gibt unter den„Grünen" auch solche, die Pflicht und Menschlichkeit zu vereinen wissen. Endlos rieselt der R»gen herab. Ich habe mich glücklich in eine Straßenbohnrvartehalle in einem unserer westlichen Villenvorort« flüchten können und warte hier das Ende des Regengusses ab. Plötzlich erhalte ich Gesellschaft. Ein alter Mann stürzt zu mir hinein und läßt sich ermattet auf die Bank fallen. Völlig durchnäßt, Kleider und Stiesel zerrissen, das Geficht vor Unterernährung tief «ingefallen, fo preßt sich der Alte scheu in eine Bankeck«. Rur von Minute zu Minute sieht er erregt nach draußen, wo immer noch der Regen fällt, als ob er eine Gefahr von dort erwarte. Immer un, ruhiger wird er, dabei murmelt er unverständliche Worte. Mir tut er leid, ich frage ihn nach der Ursach« seiner Erregung. Und in Bruchstücken, abgehackt, zusammenhanglos, enthüllt der Alte ein Stück menschlicher Gemeinheit.„Habe Hunger— drüben nach Brot gefragt(er zeigt dabei auf eine palastartige Villa), der Portier tele- phoniert zur Herrfchaft— ich höiv nur, wie er deren Antwort wiederholt: Jawohl, Polizei Bescheid sagen, damit sie den Kerl fassen. Ob sie mich hier finden?— Die reichen Leute, um ein Stückchen Brot!" Ich beruhige ihn, fo gut ich kann, aber immer wieder murmelt«r:„Um ein Stückchen Brot" Währenddessen hat draußen der Regen nachgelassen. Plötzlich zuckt der Alte zusammen: „Sie kommen." Und wirtlich, der Partier hat den Bettler nicht aus dem Auge verloren und zeigt ihn jetzt der telephonisch herbei, gerufenen Polizeistoeise. Man merkt es den Beamten an, wie un, gern sie ihr« Pflicht erfüllen. Der ältere weist auf den Portier, der sich beschämt in seinen Garten verzieht, und sagt zu mir wie entschuldigend:„Wir müssen ihn mitnehmen, er ist wegen Bettelns angezeigt." Und den Alten sorgsam führend, nehmen sie die Rich- tung zur Wache. Da mein Weg derselbe ist. folge ich ihnen lang- sam, froh, daß der lange Regen endlich der Sonne gewichen ist. Und siehe, auch das Erlebnis mit dem Bettler findet«inen be- friedigenden Abschluß. Am ersten Bäckerladen machen die Beamten halt, einer geht hinein und kommt m't einem Brot unterm Arm zurück, das er dem Alten gibt. Der andere Beamte drückt ihm ein Geldstück in die Hand, und heidi sind die Beamten um die Ecke verschwunden. Der Bettler aber steht erstaunt da, wiegt das Brot, besieht das Geld, und schaut dann hinauf zum Himmel, von dem die schwarzen Wolken jetzt gewichen sind und aus dessen Blau die Sonne locht. Er hatte erfahren, daß es Beamte gibt, die Pflicht und Menschlichkeit zu verbinden wissen. Einer Nichtigkeit wegen ins Zuchthaus. Vor dem Ferienschwurgericht des Landgerichts II hatten sich der Heizer R. und der Kartoffelhändler G. wegen Meineides zu verantworten. Eine Bagatelle hat die bisher unbescholtenen Männer insZuchthaus gebracht. R. hatte von feinem Schwieger- vater D. ein Spind geliehen erhalten. Als Differenzen zwischen ihnen entstanden, klagte der Schwiegervater auf Herausgabe des Spindes. R. hatte das Spind aber inzwischen an seinen Schwager G. verkauft. Der Schwiegervater strengte nnn einen Prozeh gegen G. wegen böswilligen Erwerbes an. Er behauptet«, daß er mit Dann hielt Andreas ein Bündel Papiere in der zappeln- den Hand und humpelte zur Tür hinaus. Als er feine Sachen zu packen anfing, verließ ihn das Zittern. Er dachte nur: Ein Wunder ist geschehen! Ein Wunder ist geschehen! Er wartete im Klosett, bis alle Kameraden verschwunden waren. Dann zählte er sein Geld. In der Straßenbahn machten ihm die Leute Platz. Er wählte den besten der ihm angebotenen Plätze. Er saß gegenüber dem Eingang, neben ihm lag feine Krücke, quer über die Mitte des Wagens, wie ein Grenzpfahl. Alle sahen Andreas an. Er fuhr in das Hospiz, das ihm bekannt war. 3. Der Leierkasten stammt aus der Drehorgelfabrik Drecoli u. Co. Er hat die Form eines Würfels und ruht auf einem hölzernen Gestell, das man zusammenklappen und tragen kann. An zwei Riemen trägt Andreas seinen Kasten auf dem Rücken, wie einen Tornister. An der linken Seitenwand des Instru- ments befinden sich nicht weniger als acht Schrauben. Mit ihrer Hilfe bestimmt man die Melodien. Acht Walzen enthält der Kasten, darunter die Nationalhymne und die Loreley. Andreas Pum hat seine Lizenz in einer Brieftasche, die eigentlich einmal der Ledereinbaud eines Notizbuches war und sich zufällig in einem Misthaufen gefunden hat, an dem Andreas täglich vorbeigeht. Mit der Lizenz in der Tasche wandelt der Mensch sicher durch die Straßen dieser Welt, in denen die Polizisten lauern. Man scheut keine Gefahr, ja, man kennt keine. Die Anzeige des brotneidischen bösen Nachbarn brauchen wir nicht zu beachten. Auf einer Postkarte teilen wir der Behörde mit, worum es sich handelst Wir schreiben knapp und sachlich. Wir sind sozusagen der Behörde gleichgestellt, dank unserer Lizenz. Wir sind von der Regierung ermächtigt. zu spielen, wo und wann es uns gefällt. Wir dürfen an den belebten Straßenecken unseren Kasten aufstellen. Selbstver- ständlich kommt nach fünf Minuten die Polizei. Lassen wir sie ruhig berankommen Mitten in einem Kreis gespannt zu- sehender Leute ziehen wir unsere Lizenz hervor. Die Polizei salutiert. Wir spielen weiter, was uns gerade in den Sinn komipt:„Mädchen, meine nicht!"— und„Schwarzbraunes Mägdlein!"— und„An der Quelle faß der Knabe!"— Für ein mondänes Publikum haben wir einen Walzer aus der vor- jährigen Operette.(Fortsetzung folgt.) feinem Schwiegersohn einen Mietsvertrag abgeschlossen habe, den deffen Schwager G. mit als Zeuge unterschrieben habe. In einem Zivilprozeß behaupteten die als Zeugen vernommenen beiden jetzigen Angeklagten unter Eid, daß diese Angaben falsch seien. Wegen Große Kundgebung im Luftgarten Die streitbare Tante. Wie eine Furie." Ein Kampf mit seiner Tante brachte einen jungen Bantbeamten dieser Bekundung hatten sich die beiden Angeklagten wieder Für die Republit Gegen Monarchie und Reaktion auf die Anklagebant. Diese Tante, die jetzt 42 Jahre zählt, hatte zu verantworten. Es wird behauptet, daß fie falsch geschworen haben. Die Verteidiger vertraten die Ansicht, daß die Sache nicht geklärt sei. Das Gericht befand die Angeklagten aber schuldig bes wissentlichen Meineides. Wegen der bisherigen Unbescholtenheit und mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagten nur durch ihr törichtes Handeln zu ihrem Fehltritt gekommen feien, erkannte das Gericht auf die Mindest strafe von einem Jahr Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust gegen jeben der Angeklagten. Da die Angeklagten sich gegenwärtig in Freiheit befanden, beantragte der Staatsanwalt ihre Verhaftung, mas jedoch vom Gericht abgelehnt wurde. Der Mord bei Prözel. Berhaftung des mutmaßlichen Täters. Der Mord bei Prößel wird jetzt voraussichtlich seine Sühne finden. Der mutmaßliche Täter, der Melker Heine, ist verhaftet worden. Am 14. Juni d. J., nachmittags um 4 Uhr, wurde der 65 Jahre alte frühere Landwirt Ferdinand Jahnte aus der Margaretenstr. 30 zu Lichtenberg ungefähr 200 Meter von dem Dorfe Brögel entfernt aus einer Kopfwunde blutend in einer Vertiefung an der Chaussee schwer verletzt aufgefunden. Man glaubte, daß er durch einen Schlag verletzt worden sei, und brachte ihn nach dem Krantenhaus in Strausberg, wo er bald darauf starb. Die Untersuchung ergab, daß die Berlegung nicht von einem Schlage, sondern von einem Schuß herrührte. Eine zweite Kugel war dem Manne durch die Müße gegangen. Jahnke war, als man ihn auffand, durch die Gehirnverlegung völlig verwirrt und fonnte feine flaren Aussagen mehr machen. Die Ermittlungen ergaben, daß er allein von Strausberg nach Prözel gekommen war. Dort hatte er eine Gastwirtschaft aufgesucht und sich mit dem Wirt über diefes und jenes unterhalten, auch über die Handelsgeschäfte, die er betrieb, seitdem er von seinem Landgut in Polen vertrieben worden war. Etwas angeheitert und luftig fingend, verließ er den Ort, um nach Strausberg zurückzukehren. Bald darauf hörte man zwei Schüsse fallen. Es ging aber niemand hinaus, weil es start regnete. Später fand man dann den Schwerverletzten an einer Wegegabelung auf. Geraubt waren ihm etwa 1000 Mart und jein Militärpaß. Der Räuber mußte ihn überfallen und mit seinem eigenen Revolver erschossen haben und von einer fleinen Brüde in die Bertiefung geworfen haben. Der Verdacht fiel bald auf einen aus Kamenz in Sachfen geborenen, wiederholt vorbestraften Melter Otto Heine, der am Vormittag desselben Tages aus dem Erwerbslofenheim in Strausberg verschwunden war und bei dem Förster in Prößel um Arbeit vorgesprochen hatte. Heine, der sich öfter in der Gegend herumgetrieben hatte, wurde seitdem vergeblich gesucht. Kriminalfommiffar Seinemeyer, der die Ermittelungen leitete, erließ ein Fahndungsausschreiben, und so gelang es jetzt der Ortspolizei von Müncheberg in der Mart den Gesuchten in der Herberge zu Müncheberg zu ermitteln und festzunehmen. Er wurde unter sicherer Bedeckung nach Berlin gebracht und einem Berhör unterzogen. Heine leugnet die Tat. Er gibt zu, an jenem | H am Montag, den 11. Auguft, abends 7 Uhr. Sammelplätze und Marschstraßen: 1. Verwaltungsbezirk Kreis mitte: a) Treffpunkt 6% Uhr Bülowplah( Spike Kaiser- WilhelmStraße). Abmarsch 6½ Uhr durch Kaiser- Wilhelm- Straße, KaiferWilhelm- Brücke. b) Treffpunkt 64 Uhr Delitzschplah( Spike Inselstraße). Abmarsch 6% Uhr durch Inselstraße, Fischerbrüde, Burgstraße, KaiserWilhelm- Straße. 2. Verwaltungsbezirk Kreis Tiergarten: Treffpunkt 5% Uhr kleiner Tiergarten( Spihe Ede Stromftraße). Abmarsch 6 Uhr durch Alt- Moabit, Invalidenstraße, Heffische Straße, Oranienburger Straße, Monbijoustraße, Kupfergraben, Eiserne Brücke. 3. Berwaltungsbezirk-Kreis Wedding: a) Treffpunkt 5% Uhr Nettelbedplah( Spihe Gerichtstraße). Abmarsch 6 Uhr durch Aderstraße, Große Hamburger Straße, Monbijouplah, Burgstraße. b) Treffpunkt 5% Uhr Humboldthain( Spihe Brunnenstraße). Abmarsch 6 Uhr durch Brunnenstraße, Rosenthaler Straße, Hadefcher Markt, Neue Promenade, Friedrichsbrüde. 4. Verwaltungsbezirk- Kreis Prenzlauer Berg: a) Treffpunkt 5% Uhr Faltplah( Spike Schwedter Straße). Abmarich 5% Uhr durch Schwedter Straße, Schönhauser Allee, Kaifer- Wilhelm- Straße. Abmarsch 5% Uhr durch Cychener Straße, Danziger Straße, Schönb) Treffpunkt 5% Uhr Helmholtplah( Spike Cychener Straße). hauser Allee und weifer wie zu Treffpunkt a. 5. Verwaltungsbezirk- Kreis Friedrichshain: a) Treffpunkt 5% Uhr Weberwiese( Spike Königsberger Straße). 2bmarsch 6 Uhr durch Königsberger Straße, Grüner Weg, Blumenffraße, Schidlerstraße, Stralauer Straße, Poststraße, Königstraße. b) Treffpunkt 6 Uhr Strausberger Play( Spike Weberstraße). Abmarsch 6½ Uhr durch Weberstraße, Landsberger Straße, Alexanderplah, Königstraße. 6. Verwaltungsbezirk Kreis Kreuzberg: a) Treffpunkt 6 2hr Urbanstraße( Spike Blücherstraße). Abmarich 6 Uhr durch Blücherstraße, Belle- Alliance- Blah, Cinden straße, Jerufalemer Straße, Franzöfifche Straße, Schinfelplatz. b) Treffpunkt 6% Uhr Platz an der Jerufalemer Kirche( Spike Jerufalemer Straße). Abmarsch 6% Uhr, Anschluß an Zug a c) Treffpunkt 6 Uhr Mariannenplah( Spike Bethanienufer). Abmarsch 6 Uhr über Adalbertbrüde, Engelufer, Annenstraße, Roßftraße, Breite Straße. 7. Verwaltungsbezirk Kreis Charlottenburg: es von jeher verstanden, auf Kosten anderer zu leben. Sie war die Tochter einer reichen Kölner Familie. Sie erregte aber in der Stadt am Rhein so viel öffentliches Aergernis, daß sie von der Besagungsbehörde ausgewiesen wurde. In dem Ausweisungsbefehl wurde sie als moral insanity" bezeichnet. Sie fam vor zwei Jahren nach Berlin und fiel nun ihren hiesigen Berwandten, besonders dem Ehemann ihrer verstorbenen Schwester, einem Obertelegraphenfefretär D. und seinen beiden Söhnen, zur Laft. Obwohl man fie lange Zeit unterstützte, verfolgte sie die Familie dauernd mit Forderungen und suchte von ihnen durch Berle u mbungen und Standalszenen immer wieder neue Geldsummen zu erpressen. Ihren Schwager suchte sie sogar in seinem Dienstgebäude auf und wollte ihn mit einer Hundepeitsche überfallen, so daß sie gewaltsam herausgebracht werden mußte. Ebenso verfolgte sie ihren Neffen Alfred D., den sie in dem Bank geschäft, in dem er angestellt war, besuchte und ebenfalls dort Lär mSzenen verursachte. Rechtsanwalt Dr. Johanni erwirkte für den Bantbeamten die einstweilige Verfügung, wonach Selma Loeb unter Androhung einer Haftstrafe verboten wurde, das Bankgebäude zu betreten. Damit hörten die Belästigungen aber nicht auf. Die liebenswürdige Tante erschien vor der Wohnung ihres Schwagers und der Neffen und verbreitete im Hause beim Portier und bei den benachbarten Geschäftsleuten die übelsten Gerüchte. Um sich die Sache endlich vom Halfe zu schaffen, suchten die beiden Neffen Selma Loeb eines Tages in ihrer Wohnung zweds einer Aussprade auf. Sie hatten aber faum die Tür geöffnet, als Gelma Loeb wie eine Furie auf sie losstürzte; dem einen Neffen schlug sie die Brille aus dem Gesicht, zertrat sie und zertragte ihm das ganze Gesicht. Dem anderen umflammerte sie mit eisernem Griff den Hals, so daß er sich kaum losmachen konnte. Bei diesem Spazierstod derartig start über den Kopf geschlagen worden fein, Vorfall will nun die Loeb von ihrem Neffen Alfred D. mit dem daß fie infolge einer Nezhaufverlegung auf dem rechten Auge erblindet sei. Die Folge dieses Borfalles war eine Anflage gegen Alfred D. wegen schwerer Rörperverlegung mit nachfolgendem Siechtum, ein Verbrechen, für das auf Zuchthausstrafe bis zu 5 Jahren erfannt werden fann. In der Berhandlung vor dem Schöffengericht Mitte bestritt der Angeklagte, der Tante auf den Kopf geschlagen zu haben. Er habe sich nur gegen ihren Angriff gewehrt. Es handele sich bei der Anzeige um nichts anderes, als um die Erpressung einer dauernden Rente. Auf Veranlassung von Rechtsanwalt Dr. Johanny wurden die Zivilgerichtsaften vom Landgericht I herbeigezogen, aus denen hervorgeht, daß eine von Selma Loeb veranlaßte Verfügung auf eine Rente Don 35 M. wegen Unglaubwürdigkeit der Tante aufgehoben worden war. Der als Sachverständige vernommene Augenarzt Dr. Hilde 5heimer, der die Klägerin schon früher wegen einer Netzhautertranfung operiert hatte, fam allerdings zu dem Schluß, daß ein Schlag auf den Kopf die Erblindung herbeigeführt haben fönne. Der Sachverständige hat aber den Eindruck gewonnen, daß die hysterische und leicht erregbare Person eine Laft für ihre Umgebung bilden müsse und daß ihre Angaben mit Vorsicht auftam zu einer Freisprechung des Angeklagten. Abend in Prößel gewesen zu fein, will sich aber noch vor dem Morde marsch 5% Uhr durch die Gerickestraße, Galvaniſtraße, Dovestraße, zunehmen seien. Auf Antrag des Berteidigers blieb die Zeugin von dort nach Budow begeben haben. Wie er fagt, hat er wieder holt ein paar Tage bei Bauern gearbeitet, ohne seinen Namen zu nennen, und die übrige Zeit in verschiedenen Herbergen zugebracht. Zeitungen will er in der ganzen Zeit nicht gelesen und auch mündlich mill er von dem Morde nichts gehört haben. Der Berhaftete hat cinen umfangreichen Alibibeweis angetreten, der aber durch die Aussagen verschiedener Zeugen zum Teil widerlegt wurde. Seine übrigen Angaben müssen noch nachgeprüft werden. Er er scheint fo schwer belaftet, daß er auf Veranlaffung der Staatsanwalt. schaft in Untersuchungshaft genommen worden ist. Häußer hungert. Der bekannte ,, Apostel" einer neuen Heilslehre, Louis äußer, war im März 1923 vom Landgericht Oldenburg megen Berlegung des republikanischen Schuhgefehes, insbesondere auch wegen Beleidigung hoher Beamter, zu der Strafe von einem Jahr neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er wurde zunächst nach der Strafanstalt Bechta in Oldenburg gebracht, woselbst er vier Monate verblieb. Im August 1923 hatte er sich vor der Straffammer in Stettin wiederum wegen Beamtenbeleidigung zu perantworten. Auf dem Rücktransport nach Bechta erkrankte Häußer in Berlin so schwer an einem Magenleiden, daß ihn sein Transporteur in dem Untersuchungsgefängnis Moabit zurücklassen mußte und allein nach Bechta fuhr. Häußer verblieb zwei Monate Jüngerin, Fräulein 2. aus Kiel, die bisher schon einen erheblichen in ärztlicher Behandlung und heiratete in dieser Zeit feine Teil der Kosten für seine Agitationsreisen und für seinen tostspieli gen Lebenswandel bezahlt hatte. Der Gefängnisarzt bescheinigte die Haftunfähigkeit, so daß Häußer schließlich aus der Haft entla ssen werden mußte. Die wiedergewonnene Freiheit nutzte er aus, um im Reich herumzureisen und für die Reichstagswahlen ein Mandat aufzustellen, und zu predigen. Mit Stolz verzeichnete er 40 000 Anhänger und er versprach in seinen Wahlaufrufen dem Deutschen Reich die Befreiung aus der Rhein- und Ruhrplage innerhalb von acht Tagen, wenn er in den Reichstag gewählt würde. Burch dieses Auftreten hatte er sich aber der Staatsanwaltschaft in Denburg in unliebfame Erinnerung gebracht, so daß er am 24. Juni von neuem verhaftet und nach der Strafanstalt in Bechta gebracht wurde. Kaum war Häußer im Gefängnis, so erfranfte er wiederum und trat in einen Hunger- und Rebe. streit. Er verweigerte jede Nahrung und magerte immer mehr ab. Der früher start beleibte Mann hatte in ganz furzer Zeit 44 Pfund abgenommen. Neue Haftentlassungsanträge waren abgelehnt worden, weil die Oldenburger Aerzte auf dem Standpunkt standen, daß sich die Krankheit bei Häußer immer nur dann einfinde, wenn er zur Strafverbüßung aufgefordert würde. Im Auftrage zahlreicher Anhänger Häußers hat sich Rechtsanwalt Dr. Schwindt nach Oldenburg begeben, um bei der Staatsan waltschaft und dem Ministerium wegen der Unterbrechung der Strafverbüßung vorstellig zu werden. Die Behörden zeigen sich feinem Antrage feineswegs abgeneigt, allerdings wird es Borausfegung der Haftentlassung Häußers sein, daß er für längere Zeit alle weiteren Angriffe gegen die Oldenburger Staatsbehörden und die deutschen Reichsbehörden in Wort und Schrift unterlasse. Wie erinnerlich, hatte sich Häußer im vorigen Jahr auch in Moabit vor dem Strafrichter wegen Beleidigung zu verantworten. Eine interessante Brandprobe. Cine Brandprobe zur Prüfung des Gronidfeuerschutzes der Gronid, Chemische Industrie G. m. b. 5.", fand türzlich auf dem Ererzierplaz des Wachtkommandos Berlin in der Rathenower Straße ftatt. 38wei gleichgroße, etwa 2 Meter breite, 2 Meter tiefe und 2½ Meter hohe Holzhäuser waren dort errichtet, von denen bas eine mit Gronid" bestrichen war. Beide Häuschen waren mit der gleichen Menge Holz und Holzwolle ausgefüllt und die lektere mit Benzin getränkt. Im gleichen Augenblick angezündet, war das nicht gestrichene Häuschen nach zehn Minuten vollständig verbrannt und zusammengestürzt, während das mit Gronid" gestrichene Holzhäuschen taum angegriffen war. Die Farbe hatte mie sich bei näherer Betrachtung herausftellte, an einzelnen Stellen Blafen gebildet, auch hatte die Hitze zu einer teilweisen Berkohlung der unmittelbar unter der Farbe liegenden Holzfläche geführt. Nach Abfragen dieser etwa einen halben Millimeter betragenden Verkohlungsstellen tam jedoch das weiße Holz unberührt zum Borschein. Der Dachstuhl des Hauses war mit Heu angefüllt, das nach Beendigung des 15 Minuten dauernden Brandes nicht im geringsten gelitten hatte. Treffpunkt 5½ Uhr Wilhelmplah( Spike Lützowstraße). Ab. Helmholtzstraße, Alt- Moabit und weiter wie 2. Kreis Tiergarten. 9. Verwaltungsbezirk Sreis Wilmersdorf: Treffpunkt 5% Uhr Uhlandstraße, Ede Wilhelmsame( Spike Nassauische Straße). Abmarsch 5% Uhr durch Nassauische Straße, Berliner Straße, Grunewaldstraße, Großgörschenstraße, Bordstraße, Belle- Alliance- Straße, Lindenstraße, Jerusalemer Straße, Franzöfifche Straße, Schinfelplah. 11. Verwaltungsbezirk- Kreis Schöneberg: a) Treffpunkt 5% Uhr Untergrundbahnhof Hauptstraße( Spike Hauptstraße). Abmarsch 5% Uhr durch Hauptstraße, Großgörschen. ffraße und weiter wie 3ug Wilmersdorf. b) Treffpunkt 5% Uhr Kaifer- Wilhelm- Platz( Spihe Potsdamer Straße). Dann Anschluß an Zug a 11. Kreis. 12. Berwaltungsbezirk Kreis Steglitz: Steglih- Lichterfelde fucht nächstgelegenen Treffpunkt auf. 13. Berwaltungsbezirk-Kreis Tempelhof: Treffpunkt 5% Uhr Ringbahn Tempelhof. Abmarsch 5% Uhr über Tempelhofer Feld, Belle- Alliance- Straße und weiter wie Zug Wilmersdorf. 14. Berwaltungsbezirk Kreis Neukölln: Treffpunkt 5% Uhr Hermannplah( Spike Koffbujer Damm). dener Straße, Roßstraße, Breite Straße. Abmarich 6 Uhr durch Koffbujer Damm, Kottbuser Straße, Dres15. Berwaltungsbezirk- Kreis Treptow: Treffpunkt 5% Uhr Görlißer Bahnhof( Spike Wiener Straße). Straße. Roßstraße, Breite Straße. Abmarsch 6 Uhr durch Wiener Straße, Oranienstraße, Dresdener 17. Verwaltungsbezirk 17. Berwaltungsbezirk Kreis Lichtenberg: Treffpunkt 5% Uhr Mittelpromenade Frankfurter Allee an der Kronprinzenffraße( Spike Frankfurter Allee). Abmarsch 5% Uhr durch Frankfurter Allee, Königsberger Straße, Grüner Weg, Blumenstraße, Schidlerstraße, Stralauer Straße, Poststraße, Königstraße. 18. Verwaltungsbezirk- Kreis Weißenfee: Das Skelett im Kornfeld. Ein Mord am Klüdensee. Einen schaurigen Fund machten Arbeiter des Stadtgutes 33. hannisberg bei Arnswalde. Beim Mähen eines Roggenschlages, der 1 Kilometer vom Gutshof und 300 Meter vom Klückensee entfernt ist, stießen sie auf ein Skelett, das mit einem weißen Kragen." Sport" Nr. 34 und einem grauen Trifothemd angetan war. Am Fußknochen fanden sie noch graue Strümpfe, in die mit roten Kreuzstichen das 3eichen D. B. eingeftict war. Als man die weitere Umgebung des Fundortes absuchte, stieß man ungefähr nach 50 Meter auf einen nicht allzu großen gewöhnlichen Hammer. Dazwischen verstrent lag noch ein zerbrochener Spiegl und ein Hornfamm. Dicht am See, ungefähr 300 Meter von der Fundstelle des Skeletts entfernt, stieß man auf eine Militär- Drillich hose und ein braunes wollenes Jadett. Beides war vollkommen mit Malerfarbe durchtränkt. Die Hoje trug folgende Abzeichen M. G. I. D. III. Diese Sachen werden sicher dem Loten gehören. Ein Arzt fonnte feststellen, daß es sich um das 1,70 Meter große Sfelett eines jungen Mannes handelt. Beim weiteren Nachforschen fand man nody an dem Gabelpunkte der Bahnstrecken Arnswalde- Kreuz unb Arnswalde- Rallies ein weißleinenes Hemd, besien rechter Aermel fehlt, eine schwarze Luchwefte und ein gra mollenes Jadett. Die letterer Sachen waren ebenfalls schon vom Wetter gebleicht und mürbe geworden. Ob auch diese dem Toten angehören, ist noch nicht festgestellt. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß Berliner als Täter in Frage kommen, ist auch die Berliner Kriminalpolizei zur Mitfahndung ersucht worden. Hinab in die Tiefe. Die 64jährige Frau Ernestine Went war in ihrer Wohnung Lüzow- Straße 107, mit dem Bußen der Fenster beschäftigt. Blöklich stürzte sie fopfüber vier Stodwerke in die Tiefe. Der Ehemann schaffte die Berunglückte nach dem Elisabeth- Krankenhause, wo aber nur der Tod konstatiert werden konnte. Wahrscheinlich hatte sie ein plöglicher Schwindelanfall ergriffen, dem fie zum Opfer fiel, da sie sich nicht gegen Abstürzen gesichert hatte. Der 55 Jahre alte Händler Mar M. stürzte sich aus einem Fenster seiner Woh 19. Berwaltungsbezirk- Kreis Pankow: nung in der Bergstraße in Neukölln drei Stodmerte tief auf den Bürgersteig hinab. W. irug so fchwere innere Berlegungen daTreffpunkt 5% Uhr Falfplah und Helmholtplah wie für 4. Ber- von, daß der Tod bald danach eintrat. Das Motiv zu der Tat konnte noch nicht ermittelt werden. waltungsbezirk. Treffpunkt 5% Uhr Antonplatz. Abmarsch 5% Uhr durch Greifswalder Straße. Neue Königstraße, Königstraße, Spandauer Straße, Kaifer- Wilhelm- Straße. 20. Verwaltungsbezirk- Kreis Reinidendorf: Schließt sich den Sammelpuntien des 3. Kreises( Wedding) an. * Weitere weisungen gehen den Kreisen noch zu. Sosialdemokratische Partei, Bezirksverband Berlin. Die Auguftmiete. Vom städtischen Zentralamt für Wohnungswesen wird mite geteilt: Nachdem der Preußische Minister für Boltswohlfahrt, wie bereits durch den amtlichen Preußischen Pressedienst bekannt Berliner Gewerkschaftskommiffion. Oriskartell Berlin der Afu. gegeben wurde, bestimmt hat, daß für die Berechnung der gesetzDas Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 30. Juli. Nachm. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachmittagskonzert. Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr: 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Heidler:„ Lebenskampf und 7,30 Uhr abends: Lustige Kindergeschichten( Jugend- Vortrag). Lebenskunst. 9-11 Uhr abends: Blasorchester( Dirigent: Kapellmeister Karl Woitschach): 1. Frohe Jugend, Kinderliedermarsch von K. Woitschach. 2. Quverture zu„ Maritana" von Walace. 3. Noch sind die Tage der Rosen, Lied von Baumgartner. 4. Potpourri aus der Operette„ Die Fledermaus" von Joh. Strauß. 5. Hie guet Brandenburg allewege, Fanfarenmarsch von Henrion. Während der Pause: Dritte Bekanntgabe der neuesten TagesnachHolzhacker- Buab'n, Marsch von L. F. Wagner. 7. Indianerliebe. richten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. 6. Tiroler Intermezzo von L. Siede. 8. Künstlerleben, Walzer v. Joh. Strauß, 9. Ein Studentenkommers, Potpourri von Rich. Thiele. 10. Mit Paradeflaggen, Marsch von Blankenburg. lichen Miete für den Monat August die Bestimmungen seiner Anordnung über die Regelung der gesetzlichen Miete für Juli in Kraft bleiben, verbleibt es auch für Berlin bei den Bestimmungen bom 28. Juni d. J. Die Miete für den Monat August ist daher in gleicher Höhe wie für den Monat Juli zu zahlen. Beim Abspringen überfahren. Gestern mittag gegen 1 Ubr wurde in der Königstraße zwischen Rathaus und Bahnhof Alexanderplag ein Mann im Alter von 30 bis 40 Jahren beim Ab. steigen vom Auto omnibus von der Straßenbahnlinie 160 mehr mußte gerufen werden, um den Wagen zu heben. Die Leiche überfahren. Er war auf der Stelle tot. Die Feuer wurde von der Feuerwehr nach dem Leichenschauhaus gebracht, da die Personalien nicht festgestellt werden konnten. Die Oberförsterei Friedrichshagen veranstaltet unter Leitung des Herrn Oberförster Mudra am Donnerstag, den 31. Juli, ihre 4. Forstwanderung. Da die Beteiligung bei der 3. Wanderung eine äußerst starte war, ist anzunehmen, daß auch diesmal zahlreiche Teilnehmer fchuzes belehren zu laffen. berausfommen werden, um sich über die wichtigsten Fragen des Forfts Die Wanderung gebt diesmal in das Waldgebiet Grünau. Die Teilnehmer versammeln sich um vier Uhr am Bahnhof Grünau. Die Wanderung wird ungefähr 2-3 Stunden dauern. Fürstenwalde ohne Bürgermeister. Die geradezu tindisch anmutende Ausschaltung aller auch in den Gemeinden tätigen Sozialisten unter Mithilfe von Demokraten und Zentrumsleuten nimmt, wie jetzt auch der folgende Bericht aus Fürstenwalde beweist, allmählich Formen an, die den Aufbau der Gemeinde stören und das fommunale Leben zerstören müssen. Es geht so nicht mehr weiter. Aus Fürstenwalde erhalten wir folgenden Bericht, aus dem hervorgeht, daß man sich dort zutraut, ganz ohne Bürgermeister und ohne Stadträte zu regieren. Das müßte notwendig eine kommunale Anarchie zur Folge haben und die Demokraten helfen dazu: Die Bürgerblockmehrheit in Fürstenwalde/ Spree, die erft fürgli Ersparnisgründen, abgebaut hat, beabsichtigt nunerst fürzlich den sozialistischen Wohlfahrtsstadtrat, angeblich aus mehr, auch den Ersten Bürgermeister, den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Stoll, ab= zubauen. Da die Stelle des zweiten Bürgermeisters, die durch reguläre Versegung des Inhabers in den Ruhestand zur Erledigung kam, bereits von der alten Stadtverordnetenversammlung einge zogen wurde, so hat sich die Zahl der besoldeten Magistratsmitglieder nunmehr von vier auf eine verringert, und der Inhaber dieser Stelle ist noch dazu ein Techniker. Da er aber ebenfalls mit dem schweren Charakterfehler belastet ist, Sozialist zu sein, so wird die Abbauwut des Bürgerblods, in dem Demokraten und Bölkische friedlich beieinander hoden, nicht eher geftillt werden können, bis auch dieser Inhaber einer unvorschriftsmäßigen Gesinnung beseitigt ist. " Man sagt freilich, daß es sich beim Genoffen Stoll, deffen persönliche Eignung auch von bürgerlicher Seite nicht bestritt en wird, nicht um einen Stellen, sondern um einen Bersonenabbau handle. Auch kommen angeblich keine politischen, sondern andere Gründe" in Frage. So macht man es Stoll zum Borwurf, daß er in zwei Fällen der bürgerlichen Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung nicht zu Willen gewesen sei. Dabei sind die Beanstandungsbeschlüsse des Magistrats in diesen Fällen von sämtlichen bürgerlichen Stadträten mit gefaßt worden! Diese ,, Gründe" sind einfach findisch. Selbst weite Kreise des Bürgertums sind empört über diefes vom Machttigel bestimmte brutale Vorgehen ihrer eigenen Vertreter, unter denen sich ein stahlhelm begeisterter Lehrer und ein Beamter der Stadtverwaltung neben einem„ demokra tischen" Arbeitervertreter besonders bemerkbar machen. Die Auffichtsbehörde kann zu diesen Dingen natürlich nicht schweigen. Sie wird dem Unfug, der in Fürstenwalde angestellt wird, schleunigst ein Ende machen müssen. Eine Jugendherberge beim Kloster Chotin. Der unermüdlichen Tätigkeit des 8weigausschusses Mart Brandenburg für Deutsche Jugendherbergen, dessen Borsigender Oberbürgermeister Bö, Berlin, ist, ist es gelungen, den Plan der Errichtung einer großen schönen Jugendherberge bei dem vielbesuchten Kloster Chorin der Verwirklichung nahe zu bringen. Schon in den nächsten Tagen soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Unterkunft für mindestens hundert jugendliche Die Herberge wird Wanderer erhalten, ferner einen faalartigen Aufenthaltsraum, eine Küche und eine Verwalterwohnung. Zur Erleichterung der Baudurchführung werden verzinsliche Anleiheſcheine in Höhe von 20 M. ausgegeben, die gewiße Benutzungsrechte für mehrtägigen Aufenthalt bieten. Freunde der Jugend werden sich gern mit diefem Betrage an der Schaffung dieses großzügigen Werkes beteiligen. Waldfeft der Freidenker. Sonntag, den 3. Augnft, im Grunes wold. Treffpunkt 2 Uhr nachm.( Endpunkt der Straßenbahn 48 in Dahlem), Restaurant Waldfrieden am Holzturm. Mitwirkende: Arbeiter Männerchor Friedenau- Steglig, M. 5. A.-S.-B. ArbeiterFrauenchor Berlin- Stegliz, M. d. A.-S.-B. Arbeiter- Touristen vercin Naturfreunde Steglitz. Redner voraussichtlich Adolf Hoffmann. Gesang, Mufit, Rezitationen, Vollstänze, Kinderspiele. Gemeinsamer Rüdmarsch 7 Uhr abends. Freidenfer- Jugendweihe. Herbst 1924. Lehrerin für den Vorbereitungsunterricht und Weiherednerin: Frau Dr. Krische. Anmeldungen nehmen entgegen: Max Vapenfuß, Schildhorn- Str. 9, Gartenh. 3 Tr. Friedrich, Zimmermannſtr. 9, Gartenhaus 2 Tr. ,, Kurt Ganswind, Stephanfir. 8, Kühne, Körnerstr. 42, Gartenhaus parterre. Brauczet, Birkbuschstr. 46, Gartenh. part. Als der Großvater die Großmutter nahm," ein Bolksliederspiel sette Paul Rose für das Rose Theater in Szene. Er fennt die ihm zur Berfügung stehenden Mittel und sein Publikum und so herrschte eitel Freude. Unter den lebenden Bildern waren etliche recht einprägsam nnd geschmackvoll und von den Balletts gefiel sonderlich eine luftige Bogel gesellschaft in den farbenprächtigsten Feberkleidern. Ein stolzer abn fiel unter ihnen wieder besonders auf. Am Abend wird auf der Gartenbühne Stolz Operette Madi" gespielt. Trude Polzin, eine sehr fchäzenswerte Strast, ist eine vorzügliche Bertreterin der Hauptrolle. Rate Jungberr als Elo Bernas ist ebenfalls ansprechend, zwar durch derbere Mittel. Hans Rofe gefällt sich und den Zuschauern als Trottel Stiedi, während start winter als Anatol sehr für sich einzu nehmen weiß. Emma Bailleul studierte wiederum nette Balletts ein. Im Rose- Theater hat man stets ben guten Einbrud, daß sich alle Mühe geben, und über das Gelingen einer Aufführung erfreut find. Die Terte der Hauptschlager erscheinen auf dem Borhang und das Publikum fingt mit, wodurch Mädi" etwas gewaltsam volkstümlich wird. Da die Darsteller sich leicht dazu bewegen lassen, für den lebhaften Beifall durch Wiederholungen zu danken, so gibt es deren sehr viele. Ein jüdischer Friedhof zerstört! Nicht einmal die Toten haben Ruhe! Eine Tat von geradezu unglaublichem Bandalismus wird aus Hagen gemeldet. Dort wurde der im Stadtteil Eilpe gelegene jüdische Friedhof in der Nacht vom Sonntag zum Montag durch bisher nicht ermittelte Täter verwüstet. Der Friedhof bietet ein furchtbares Bild der 3erstörung. Nur fechs Grabstellen stehen noch; viele zentnerschmere Grabsteine und Grabmäler sind umgestürzt und Blumen ausgerissen worden. Um die Steine umwerfen zu können, wurden die Gräber teilweise abgegraben. Auf dem Friedhof hat man ein hatenkreuz gefunden. Ein Brückeneinsturz. Ein schweres Unglüd ereignete fich in Rödinghausen bei Herfort in der Nähe des Rangierbahnhofes der Rheinisch- Westfälichen Kallmerke. Ueber die etwa 12 bis 13 Meter lange Hoehnebrüde war ein Anschlußgleis gelegt worden, um Ziegel abzufahren. Am Sonnabend war die Brücke von der Bahn zum erstenmal benutzt worden. Als gestern nachmittag ein mit 3000 Ziegelsteinen beladener Wagen die Brüde passierte, brachen die Nieten, die die Querträger in der Mitte hielten. Die Brüde brach zu sammen und der Wagen stürzte in die Hoehne. 3wei Arbeiter wurden getötet, zwei schmer verletzt; vier Arbeiter famen mit dem Leben davon. Eine Untersuchung über den Unglücksfall ist eingeleitet worden. Eine Maschinenfabrik abgebrannt. Die Braler Maschinenfabrik A.-G. vorm. Christian Schmidt in Brate, Oldenburg, ist ein Raub der Flammen geworden. Die Fabrit hat sich vornehmlich mit der Herstellung landwirtschaftlicher Maichinen befaßt. Es wird lange dauern, bis der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Die EntEin großes Feuer hat die Möbelfabrik von Heistermann in Orbfe bei Detmold vollständig vernichtet; große MöbelDorräte sind Opfer der Flammen geworden. stehungsurfache ist noch nicht aufgeklärt. Die Feuerwehr hatte große Mühe, die benachbarten Häuser zu schützen. Der Schaden ist beträchtlich. Wirtschaft Aktionärsrechte und Kapitalbeschaffung. Uns wird geschrieben: Wenn zurzeit an der Börse eine Abneigung besteht, Käufe von Attien vorzunehmen, wenn besonders das Privatpublikum, auch das, welches Geld hat, sich von der Börse fern hält, so ist das nicht nur auf die Ungewißheit über die Goldbilanzen, auf die Unsicherheit der wirtschaftlichen Zukunft und damit auch der Zukunft der Aftiengesell schaften zurückzuführen, sondern diese Abneigung hat ihren Grund in erster Linie darin, daß das Privatpublikum infolge der Stabilifierungsfrisis an seinen Effekten erhebliche Verluste erlitten hat. Man kann nicht etwa sagen, daß das Publikum an diesen Verlusten unschuldig ist. Troß vieler Warnungen ließen sich immer weitere Kreise des Volkes dazu verführen, in der Hoffnung, ohne Mühe große Gewinne erzielen zu können, die Anlage in Industriepapieren für ihr Geld zu wählen. Aber ganz gleich, ob das Publikum nun schuld hat oder nicht an diesen Verlusten, die Verluste sind entstanden, und die Abneigung der Privatkapitalisten, Gelder in Effekten anzulegen, wird auch dann weiter bestehen, wenn das Dames- Gutachten selbst die fühnsten Hoffnungen erfüllt und wenn dadurch reichliche Gelder ins Land kommen. äußerst nachteilig ist, wird noch genährt durch die ganze Art und Diese Abneigung, die für die Rapitalbeschaffung der Industrie Weise, wie augenblicklich mit den Rechten der Aktionäre, soweit sie solche überhaupt nach dem Gefeß haben, umgegangen wird. Bei drei Bierteln der deutschen Aktiengesellschaften stellt sich die Majorität gewöhnlich auf den Standpunkt: Wir haben die Majorität, ihr anderen Aktionäre fönnt ja boch nicht dagegen an. Daß ein Aktionär bei diesem in fast allen Generalversammlungen zum Ausdruck kommenden Standpunkt der Majoritätsinhaber teine große Luft führung und Geschick er nicht den geringsten Einfluß aus hat, sein Geld Unternehmungen anzuvertrauen, auf deren Geschäfts: zuüben vermag, bedarf gar feiner Frage. Sehen wir uns doch einmal die Praktiken der Berwaltungen Artiengesellschaften ist gewöhnlich derart kurz, daß man sich aus in den Generalversammlungen an. Schon der Geschäftsbericht der ihm über den Geschäftsgang der Gesellschaft überhaupt nicht inmai erklärt, dann kommen sie stets mit dem Argument: Es ist die formieren fann. Selbst wenn man das den Verwaltungen ein. Zeit der Papierbilanzen, die sowieso merilos find, es ist die Zeit der Ungewißheit der wirtschaftlichen Lage, wir können also den Aktionären überhaupt nichts Wissenswertes sagen. Diese Argumente find höchst fadenscheinig. Auch aus dem Papiermarkbilanzen kann man manches ersehen, nicht Gewinne oder Verluste, aber Bewertung der Aktiven und Passiven. Und man kann aus dieser Bewertung doch manche Schlüsse ziehen, das hat erst vor kurzem eine Bersammlung bewiesen, nämlich die Versammlung der Berliner allen Seiten hin zerpflückte und doch manches vorbrachte, was Hand Hotelgesellschaft, in ber ein Aftionär auch eine Papiermarkbilang nach und Fuß hatte. Aber was nutte es ihm; er hatte ein paar Attien, die Majorität gab ihm vielleicht aus Höflichkeit Antwort auf seine Anfragen, aber im übrigen stellte auch sie sich auf den Standpunkt: Opponiere, soviel du willst, wir tun ja doch, was wir wollen." Begen diese Methode ist ein opponierender Affionär natürlich voll tommen machtlos, denn selbst wenn er einen Protestgrund hat, macht die Durchführung eines Prozesses derartig viel Schwierigkeiten; es müssen Vorschüsse gezahlt werden, die Sache wird in die Länge gezogen, gewöhnlich hat auch die Verwaltung noch die befferen Juristen für sich, daß der Aktionär troß seines Rechts mit seiner Klage durch fällt. Es fommt eben vor Gericht nicht darauf an, wer Recht hat, sondern wer Recht bekommt. Dann ist ein sehr beliebtes Mittel, mit dem sich sonst bei Generalversammlungen die Majoritäten und die Berwaltungen zu verschanzen pflegten, um unbequeme Frager los zuwerden, daß das Geschäftsinteresse es ihnen verbiete, eine Auskunft zu erteilen. Vielfach trifft dies ja zu, denn es fommt sehr häufig vor, daß jemand sich von einer Konkurrenzgesellschaft Attien fauft, um die Verhältnisse bei der Konkurrenz fennen zu lernen. Es fann auch häufig vorkommen, daß man das, was man einem einzelnen Attionär wohl fagen würde, nicht in der Generalversammlung vorbringt, weil die Generalversammlung doch öffentlich ist, weil den meisten Generalversammlungen doch Pressevertreter beiwohnen. Das find aber im großen und ganzen nur Ausnahmefälle, meistenteils ist der Vorwand, daß das Geschäftsintereffe die Auskunft verbiete, für die Verwaltung mur dazu da, etwas der Deffentlichkeit vorzuent halten, was ihr unbequem ist. Daß derartige Methoden und Praktiken nicht dazu dienen, der Aktiengesellschaft Freunde zuzuführen, bedarf feines Bemeises. Dann ist es in der letzten Zeit üblich geworden, die Presse von Generalversammlungen auszuschließen. Don Generalversammlungen auszuschließen. Eine Attiengesellschaft wird meistenteils dann gegründet, wenn das Kapital für ein Unternehmen nicht ausreicht, wenn man sich früher oder später an den öffentlichen Geldmarkt wenden will, wenn man ein rifitoreiches Unternehmen in Händen hat, bei dem man das eigene Risiko begrenzen möchte und einen Teil des Risitos auf andere abwälzen möchte, wenn man fonst in irgendeiner Form den öffentlichen Rapitalmarkt für irgendeinen Zwed heranziehen will. Wer aber den öffentlichen Kapitalmarkt in Anspruch nehmen will, hat auch die Pflicht, sich von der Deffentlichkeit tontrollieren zu lassen, und hat infolgedessen auch die Pflicht, der Deffentlichkeit mindestens die Auskunft zu geben, die er zu geben gefeßlich verpflichtet ist. Die Generalversammlungen der Aktiengesellschaften finden ja gewöhnlich nur einmal im Jahre statt, und es ist wirklich nicht zuviel verlangt, wenn man fordert, daß in diesen Generalversammlungen in feit wenigstens einige Anhaltspunkte, viel sind es ja sowieso nicht, der breitesten Oeffentlichkeit verhandelt wird, damit die Deffentlichfür die Beurteilung einer Gesellschaft hat. Es wäre direkt zu verlongen, daß die publizität der Generalversammlungen im Gefeß festgelegt wird, damit mit der Ausrede der Familiengründungen, an denen die Deffentlichkeit fein Interesse hat, sich die Verwaltungen gewisser Aktiengesellschaften nicht der Kontrolle der Deffentlichkeit zu entziehen vermögen. Die Afttengellschaften, die gleich allen anderen Wirtschaftseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmungen zurzeit nicht an Geldüberfluß leiden. und die faum die Zeit erwarten fönnen, wo wieder der öffentliche Kapitalmarkt für sie da ist, dürfen keine Methoden anwenden, die nur verhindern, daß dann, wenn sie an den öffentlichen Rapitelmartt appellieren, dieser ihnen verschlossen bleibt, daß die Abneigung gegen die Anlage von Rapital in Attien nur verstärkt wird. * Die in der Zuschrift fritifierten Uebelstände im Aktienrecht haben nicht nur Bedeutung für das spekulierende Publikum, sondern auch in hohem Maße für die Arbeiterschaft. Denn der Mangel an Betriebstapital ist es ja gerade, der den Fortgang der Produktion hemmt und die Arbeitslosigkeit und die Betriebsstillegungen erzeugt. Es ist daher zu fordern, daß die Kapitalbeschaffung nicht durch fleinliche Schilanen bei der Behandlung von Attienminderheiten noch unnüz gefährdet wird. Das gebietet schon das Eigeninteresse der Gesellschaften. Die Ernteaussichten. Die Statistische Korrespondenz schäßt auf Grund des Saatenstandsberichte von Anfang Juli die diesjährige Ernte Preußens wie folgt: Winterroggen etwa 75 Proz. der vorjährigen Ernte. Die Ernte an Winterweizen dürfte höchstens ein Fünftel geringer ausfallen als die vorjährige Ernte. An Sommer weizen würden etwa 5 Proz. weniger als im Vorjahre geerntet werden. Sommerroggen ebenfalls etwa 5 Proz. weniger als im Borjahre. Alles in allem würde ein Ausfall von wenig mehr als 20 Prozent der vorjährigen Brotgetreideernte zu erwarten sein, im Vergleich also zu der recht guten Ernte von 1923 noch ein ganz leibliches Ergebnis, aber nur unter der Voraussegung einer normalen Entwicklung des Wetters, im besonderen während der Erntezeit. Die Hoffnung, daß durch die verhältnismäßig noch immer nicht schlechten Ernteaussichten mäßige Getreide und Brotpreise& u erwarten wären, ist jedoch unberechtigt. Die Anbaubeschränkungen in Nordamerika, insbesondere in Kanada und die schlechten Aussichten der russischen Getreideernte wachen eine Preissteigerung des Getreides am Weltmarkt wahrscheinlich; diese hat bekanntlich bereits eingesetzt und zu großen spekulativen Machenschaf= ten an der Weltweizenbörse in Chicago geführt. Man meint sogar, daß durch Zusammenschluß kapitalſtarter Gruppen mit Farmgenossenschaften ein Getreidetruſt im Entstehen ist, der auf die fünstliche Hochhaltung der Weltmarktpreise hinarbeitet. Die bedingte Freigabe des deutschen Getreideegportes hat bereits zu einer weitgehenden Angleichung der Inlands= an die Weltmarktpreise geführt. Die Inlandspreise werden aber aller Voraussicht nach mit den Weltmarktpreisen noch weiter steigen, wenn die tatsächlichen Ernteergebnisse der Welt die Befürchtungen bestätigen sollten. Ergibt sich aus dieser Lage die Gefahr einer schweren Bedrohung der Lebenshaltung für die arbeitende Klasse, so steht dem auf der Seite der Landwirtschaft gegenüber, daß die Preisspanne zwischen Agrarprodukten und Industriefabrikaten dadurch gemilbert, wenn nicht beseitigt wird. Unter diesen Umständen ist für die nächste Zeit die Einführung von Getreidezöllen nicht nur für den Berbrauch äußerst bedenklich, sondern selbst vom Mindestens muß man die Entwicklung des Weltmarktes in Getreide Standpunkt der Schutzöllner aus für die Landwirtschaft unnötig. und ihre Rückwirkungen auf den inneren Markt abwarten, ehe man sich zu der Einführung von Getreidezöllen entschließt. Diese und ähnliche Beweggründe mögen auch den Reichswirtschaftsrat zu der Entschließung veranlaßt haben, die von der Regierung fordert, die allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in Kraft Bölle nicht ohne weiteres, sondern erst nach Berücksichtigung der zu setzen. Die Getreidepreiserhöhungen in Amerika. Wie aus Diawa gemeldet wird, hat die fanadische Regierung eine Kommiffion von Sachverständigen ernannt, die die Ursachen der alarmierenden Getreidepreiserhöhungen insbesondere für Weizen nachprüfen soll. Auslandskredite für den Zuckerexport. Ehe Eine vom Equitable Trust geführte Bankgruppe hat, wie die TU. aus London meldet, einen sechs Monate laufenden Kredit über vier millionen Dollar für die deutsche Zuckerindustrie abgeschlossen. Der Binsfag beträgt 7 bis 7% Proz. und ist durch die Zuckererzeugung sichergestellt. Die Wechsel werden auf deutsche Raffinerien gezogen, dann von deutschen Großbanken indoffiert und nach New York zur Bevorschussung gefandt. nicht die deutschen Schuldner die zur Deckung der Beträge notwendigen Zucerausfuhrgenehmigungen vorweisen, wird kein Geld gezahlt. Das Abkommen ist bisher geheim gehalten worden im Hinblick auf den englisch- amerikanischen Wettbewerb in Anleihen, den man nach der Reparationslösung erwartet. Der Export von 200000 Tonnen 3uder wird auf diese Weise finanziert. Wenn fich die Meldung über den Kreditabschluß bestätigt, so ist wieder ein neuer Weg zur Erleichterung der Kreditnot in der Landwirtschaft beschritten. Denn letzten Endes kommt der den Raffinerien zur Verfügung gestellte Kredit den Rübenbauern zugute, die jonst beim Absah ihrer Produkte infolge der Kreditknappheit auf Schwierigkeiten stoßen würden. Die Arbeitsmarktkrise hält an. Auf dem Berliner Arbeitsmarkt ist auch in der Berichtswoche eine Verschlechterung vorherrschend. Besonders laffen die Metallund Holzindustrie ein weiteres Nachlassen des Beschäftigungsgrades erkennen. Im Gastwirts- und Hotelgewerbe sind die Beschäftigungsverhältnisse infolge Rückgangs des Reiseverkehrs und des geringen Besuchs der Bade- und Kurorte ungünstig. Der in diesem Gewerbe zu dieser Zeit sonst beobachtete Mangel an geübten Kräften tritt in diesem Jahre nicht in Erscheinung. Berschiedentlich mildet sich jetzt schon Personal aus den Bädern zurück. Unter den wirts schaftlichen Schwierigkeiten leidet insbesondere auch der Handel, der auch noch von dem Ausbleiben der Auslandsaufträge betroffen wird. Die Unterbringung von Angehörigen dieses Berufs gestaltet fich außerordentlich schwierig. Anzeichen einer fleinen Besserung machen sich für weibliche Kräfte im Bekleidungsgewerbe für Damenund Herrenkonfektion sowie für die Butz- und Pubfedernbranche bemerkbar. Auch das Baugewerbe zeigt für einige Gruppen eine stärkere Nachfrage. Jedoch stehen der weiteren günstigen Entwicklung auch hier die wirtschaftlichen Widerstände entgegen. Die teilweise erhöhten Anforderungen vermögen nicht, den Arbeitsmarkt nennenswert zu beeinflussen, da die Verschlechterung noch immer bedeutend überwiegt. tübungsempfänger ist weiterhin gestiegen. Es waren Die Zahl der Arbeitsuchenden und Unter 96 648 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen gegen 92 567 der Borwoche. Darunter befanden fich 67 654( 64 905) männliche und 28 994( 27 662) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 26 694( 24 441) männliche und 4533( 3983) weibliche, insgesamt 31 227( 28 424) Personen Die Zahl der zu gemeinnüßigen Pflichtarbeiten lleberwiesenen betrug 1425 gegen 1457 der Borwoche. Bon den einzelnen Berufsgruppen hat lediglich die LandwirtIchaft im Zeichen der beginnenden Kornernte großen Bedarf an Saisonarbeitern. In den Industrie- und Handelsberufsgruppen ist die Lage allgemein ungünstig. Eine Offfee- Reederei mit städtischer Hilfe. Die Lübeder Bürgerschaft genehmigte ein Darlehn von 450 000 M. für die zu gründende übed Reederei. Diese soll die regelmäßigen Fahrten vom Lübecker Hafen nach Rußland und den Randstaaten, vor allem nach Riga, Reval und Petersburg wieder aufnehmen. Neues Micum- Abkommen der Tegfilindustrie. Das am 1. Augus abgelaufene Abkommen der rheinischen Textilindustrie mit der Rheinlandtommission ist, wie„ Die Textilwoche" erfährt, um zwei der bisherigen Abgabenfäße um 50 Broz. vor, und zwar sowohl Monate verlängert worden. Es sieht eine allgemeine Ermäßigung bei den 8ollabgaben, wie bei den kontributionen, die in eine Ausgleichslasse gezahlt werden müssen. Die Gefamtabgaben beim Versand nach dem unbesetzten Deutschland und Ausland betragen daber fünftig für Baumwoll- und Wollgewebe und Wirkwaren 0,9 Proz, vom Werte, bei Seidenwaren 1 Proz. vom Werte, bel Leinenwaren 1,2 Proz.. vom Werte und bei Spizen, Bändern usw. 1.5 Broz. vom Werte. Die Pauschalgebühr für den Versand vor Bostpaketen stellt sich in den Gewichtsgrenzen von 5 zu 5 Kilogr auf 0,30, 0,60, 0,85 und 1,20 Goldmark. Für den Fall, daß fid bor dem 1. Oktober das Deutiche Reich mit den Alliierten übel die Reparationszahlungen verständigt, ist eine frühere Kündigungsi möglichkeit vorgesehen. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin Vorträge, Vereine und Versammlungen. ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Sihung des engeren Bezirksvorstandes am Donnerstag, den 31. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Sekretariat, Lindenstr. 3. 56. Abt. Charlottenburg. Heute, Mittwoch, abends 7½ Uhr, öffentliche Versammlung in der Aula der 113. Gemeindeschule, BestaTozzistraße 40. Thema: Sachverständigen- Gutachten und Schußzölle. Referent: Genosse S. Lempert. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 31. Juli. abends 7 Uhr, im Bezirksamt Danziger Straße äußerst wichtige Fraktionsfigung. Gämt liche Giadt- und Bezirksverordnete müssen erscheinen. 6. Krois Kreuzberg. Die Genossen der südöstlichen Abteilung, die Mitglieder des ,, Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" find, bezw. werden wollen, werden gebeten, zu der heute, Mittwoch, abends 8 Uhr, im Lokal von Pflug, Mustauer Straße 1, Ecke Zeughofstraße, stattfindenden Mitgliederversammlung unbedingt zu erscheinen. 13. Kreis Tempelhof. Donnerstag, den 31. Juli, abends 7 Uhr, im Rathaus Mariendorf, Zimmer 26, Sigung der Bildungskommission, Bezirksführer mit allen übrigen Funktionären. Besprechung zum Sommerfest. Alle arbeitslosen Genossen sind hierzu eingeladen.( Bitte die Plakatsäulen beachten.) Uebermorgen, Freitag, den 1. Auguft: 33. Abt. Mitgliederversammlung abends 7 Uhr im Lokal von Ratschmaret, Benmestr. 11. Tagesordnung: Die politische Lage, Wahl der Delegierten zum Bezirkstag und Stellungnahme dazu. Jugendveranstaltungen. Heute, Mittwoch, den 30. Juli, abends 7% Uhr: Friedrichsfelde. Jugendheim Berliner Straße 45. Diskussionsabend: Naturfchuß und Naturpflege. Görliger Viertel. Die Abteilungsveranstaltungen finden verläufig Freitags im Jugendheim des Köpenicker Viertels statt. Neu- Lichtenberg. Lokal von Krüger, Türrschmidtstraße 33. Bortrag: Die Ursachen des Weltkrieges. Petersburger Biertel. Jugendheim Weißbachstraße, Eingang Ebertnstraße 12. Bortrag: Die Tierwelt unserer Heimat.. Reichenberger Viertel. Jugendheim Glogauer Straße 15. Schule. Vortrag: Das heutige Rußland. Tempelhof. Jugendheim Lyzeum, Germaniastr. 4-6. Vortrag: Freie Liebe. Werbebezirk Westen. Mittwoch, 30. Juli 1924, abends 8 Uhr, findet bei Will, Schöneberg, Martin- Lutherstraße, gegenüber Neues Rathaus", eine Jean- Jaurès- Gedächtnisfeier statt. Alle Mitglieder der Abteilungen Schöneberg I, II, Friedenau und Wilmersdorf nehmen daran teil. Theater, Lichtspiele usw. 8 Uhr: Direktion: Staats- Theater 8 Volksbühne Komische Oper James Klein D. Kreuzelschreiber 8 Uhr Heute letzte Vorstellung& Uhr Die tanzende Prinzessin Grete Bäck Karl Etlinger Leo Peukert/ Emil Lind Julius Sachs/ Orto Sauter- Sarto Deutsch. Theater Sommerspielzeit von Walter Kollo Direktion: Staab und Gerner Parkett 1.50-5.00 Mark Tägl. 8 Uhr: MaxAdalbert u.Max Landa in Clubleute Kammerspiele Sommerspielzeit Direktion: Staab und Gerner Tägl. 8 Uhr: Georg Alexander in Kümmelblättchen Th.i.Admiralspalast im Theater Große Volksoper des Westens 8 Uhr: Fra Diavolo ( Sommerpreise) Trianon- Theater Residenz- Th. Tägl. 8 Uhr: Anatol 8% U. Der Erfolg d. Jahres Lustsp. v. Schnitzler 12 Monate ununterbr. auf dem Spielplan Gutschein bis 3. August ist die große Revue 1-4 Personen u.Ltg: Alfr.Beierle Tägi. 8 Uhr: Opernhaus am Königsplatz Täglich 72 Uhr: Fürstenkind Theater a.Kottbuss.Tor Täglich 8 Uhr: EliteSänger Großartiges JuliProgramm 1. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefchäftsstelle: Berlin C. 2, Kaifer- Wilhelm- Straße 46 III. Kameradschaft Kreuzberg". Jugendgruppe I, Mittwoch, den 30. Juli, abends 7% Uhr, Versammlung und Vortrag bei Reichelt, Fidicinstraße 44. Kameradschaft Eichwalde. Sonntag, den 3. August 1924, vormittags 9 Uhr, Uebungsmarsch. Treffpunkt: König- Albert- Plaz. Vollzähliges Erscheinen Pflicht. Kameradschaft Kreuzberg", Abt. Süd- Ost. Aeltere sowie jüngere Rameradschaft Mittwoch, den 30. Juli, abends 8 Uhr, im Restaurant von Pflug, Muskauer Straße 1 Ecke Zeughofstraße. Mitgliederversammlung. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung unbedinges Erscheinen Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. 16,00 20,00| Röstgetreide, lose 15.50-18,00 15,00 15,00 Kakao, fettarm 75,00-85,00 15,50-17,00 Kakao, leicht entölt 86,00-100,00 18,00-19,00 Tee, Souchon, gepackt 350,00-430,00 13,00 14,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 18,50-19,75 Inlandszucker basis mel. 37,50-39,00 21,75-24,25 Inlandszucker Raffinade 38,50-41,50 15,25-17,25 Zucker Würfel....... 42,50-46,00 18,00 22,50 Kunsthonig 12,25-15,50 Zuckersirup hell in Eim. 8,75 11,75 Speisesirup dunk. in Eim. 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 27,00 30,50 Marmelade Vierfrucht 20,00 Gerstengraupen, lose.. Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1.... Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Herl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimehl Schnittnudeln, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) 29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00-37,50 Steinsalz, lose... 39,00-46,00 Siedesalz, lose 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 36,00-42,00 Bratenschmalz in Kübeln 33,00-35,00 Purelard in Tierces 15,00-16,25 Purelard in Kisten 14,50-15,50 Speisetalg in Packung 15,50-17,00 Speisetalg in Kübeln 23,25- 31,00 Margarine, Handelsm. I 30,00-36,00 desgl. Il 78,00-85,00 Margarine, Spezialm. I.. 4,00-43,00 desgl. M. 26,00-32,00 38,00- 43,00 25,00- 29,00 90,00-95,00 35,00 40,00 33,00- 38,00 3,10- 3,70 4.00 4,70 80,00-80,50 81,00- 82,00 77,50-78,00 78,00-79,00 49,00-52,00 48,00-50,00 60,00 54,00-37,00 76,00 63,00-65,00 50,00 55,00 Margarine III 46,00-50.00 60,00 Molkereibutter i. Fässern 176,00-186,00 70,00- 75,00 Molkereibutter in Pack. 182,00-190,00 80,00-95,00| Landbutter L 65,00 70,00 Auslandbutter in Fässern 190,00-201,0 155,00-158,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00- 37,00 145,00-152,00 Ausl Speck, geräuchert 72,00- 78,00 106,00-115,00 Quadratkäse 25,00-38,00 Kümmel, holländischer. 65,00- 75,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 100,00-110,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 93,00-108,00 Bayr. Emmenthaler Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 140,00-145,00 Echter Emmenthaler 180,00-215,00 Ausl. ungezuck. CondensRohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16. Röstkaffee Brasil 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 160,00-170,00 178,00-185,00 20,50-23,25 16,50- 17,50 26,00-26,50 Eeee<<< Heute>>>>>>> Treptow in Flammen Riesenfeuerwerk Deutscher Metallarbeiter- Verband Landpachtgenossenschaft Die Lieblingskuh chfung! Betriebsräte Achtung! des Maharadschal ( E. G. m. b. H.) Nr. 11 der Betriebsräte- Zeitschrift Die im Vorwärts" Nr. 346 bekannt ift erschienen und kann gegen Borlegung bes Mitgliedsbuches und der Legitimations Hinkemann Preis- farte des Betriebsratsobmannes imBureau, Gutschein bis 3. August 1-4 Personen Drunter und drüber 50% Ermäßigung 50% Ermäßigung Intimes Th. 8 U. Gasts. Künstlersp. Alb/ Nachtlichter Befehl Metropol- Th. 8U.:D.Weltschlager Mascottchen Tribüne 8 Uhr: Biederleute mit Jakob Tiedtke Rose- Theater 8 Uhr: Lehmanns Kinder Gartenbühne 71/2: Mädi SCALA eröffnet 1. August 8 Uhr mit AuslandSensationen DerVorverkauf hat begonnen Reichsballen- Theater Täglich 8 Uhr: Dresdener ViktoriaSänger Dönhoff- Brettl Anf. 7%, Sonnt. 5 U. Gr. Varieté- Progr. Bleichsucht Blutarmut, Nerven schwäche in furzer Zeit behoben. Reichels Malzelsenpulver, Das beste Rezept. 33jähr Erfolge. M. 1,50 ibl. 3 Dosen M. 4,25 Jn Drog., sonst bei Otto Reichel, Berlin 43, SO. Eisenbahnstr. 4. Vergi ULAP gungspark amLehrter Bahnhof Preisverteilung vom 30. Juli bis 3. August 20 Trostpreise Bedingungen und Lösung siehe Anschlagsäulen Heute Mittwoch ein Kind frei! Voller Betrieb Eintritt 75 Pf. Beginn 4 Uhr Rennen zu Karlshorst Mittwoch, den 30. Juli, nachm. 3 Uhr Matadoren- Preis Abbau im Etablisse Car Zimmer 5, in Empfang genommen werden. Die Ortsverwaltung. Auf Teilzahlung Vengabus et in left Telka Anzahlung Monatsraten Friedrichstr. 60 Ecke LeipzigerSt. Varieté- Kabarett Nachm. 41/2, abds. 78/4 I. u. II. Etage 51 Billards Café Zielka im Walde das neue Grunewald Paradies an der Krummen Lanke Zehlendorf- West Alsenstraße 141 Wannseebahn Tagl. ab 4 Uhr Groß. Garten- Konzert nferate im Vorwärts fichern Erfolg! CUPREX ge gen pei Mensch und Tier Ungeziefer Käuflich in Apotheken und Drogerien 50 ges. gesch. 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Juli, abends 7 Uhr, im Lokal Ramlow( Rastanienwäldchen) Schönholz 14( Nahe Bahnhof Reinickendorf- Schönholz, Endhalte stelle Straßenbahnlinie 36). Wichtige Zusammenkunft. Erscheinen ist für die Kameraden sämtlicher Untergruppen Pflicht. Kameradschaft 17. Atreis ( Gruppe Biesdorf). Donnerstag, den 31. Juli, abends 8 Uhr, bei Pyrat, Marzahner Straße 31, Bersammlung. Kamerabschaft 17. Kreis( Gruppe Lichtenberg). Donnerstag, den 31. Juli, Antreten 7.20 Uhr Bahnhof Lichte berg- Friedrichsfelde. Kameradschaft Ober-, Nieder- Schöneweide- Johannisthal, Freitag, den 1. August, abends 8 Uhr, wichtige Zusammenkunft bei Räthel, Niederschöneweide ,, Brückenstraße 15( Mügenausgabe). Republikaner als Gäste willkommen. Sozialdemokratische Studentenvereinigung. Wir beteiligen uns an der heute abend 8 Uhr von Jungsozialisten und SAJ. gemeinsam bei Will, Martin- Luther- Straße 69, veranstalteten Gedenkfeier zum 10jährigen Todestage von Jean Jaurès. Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, den 29. Juli: 1. Rennen. 1. Aralinda( H. Jentsch), 2. Rosendame( D. Schmidt), 3. Mandarin( F. Kasper). Toto: 18: 10. Plat: 12, 16: 10. Ferner liefen: Rückgrat, Sarnot. 2. Rennen. 1. Rossini( D. Schmidt), 2. Saturn( H. Jentsch), 3. Stromer( N. Torfe). Toto: 21: 10. Plag: 12, 28: 10. Ferner liefen: Troja, Namen. 3. Rennen. 1. Woatagirl( H. Jentsch), 2. Königsleutnant ( D. Schmidt), 3. Mumpit( Nowak). Toto: 28: 10. Platz: 15, 13: 10. Ferner liefen: Vietnik, Rasvidr. 4. Rennen. 1. Hornbori( W. Tarras), 2. Palamedes( D. Schmidt), 3. Moloch( Bleuler). Toto: 14: 10. Plag: 10, 10: 10. Ferner lief: Mädchenjäger. 5. Rennen. 1. Mundschenk( R. Torke). 2. Morgenstunde( Bleuler), 3. Catania( Franzke). Toto: 27: 10. Blat: 17, 46, 22: 10. Ferner liefen: Floree, Qurur, Margitta, Neptun, La Mamora, Rahel, Fama. : 6. Rennen. 1. Weißfern( H. Jentsch), 2. Freia III( Grabsch), 3. Beto( D. Schmidt). Toto: 18:10. Platz: 12, 15, 20 10. Ferner liefen: Mantinea, Bertram, Palma, Divette, Prolog, Gaudium, Lustig. 7. Rennent. 1. Licht- Alberich( D. Schmidt), 2. Doktor( Stalff), 3. Eisenritter( Krüger). Toto: 37: 10. Plag: 11, 49, 31: 10. Ferner liefen: Fontamora, Tatkraft, La Mara, Cea, Tingl Tangl, Heldin, Jungfern rede, Tiefurt. Briefkasten der Redaktion. Abesch, Sdf. Dieser Beruf bietet zur 8eit wenig Aussicht. Anfragen zu richten an: Norddeutscher Lloyd, Bremen und Hamburg. Amerikanische Paket fahrt A.-G., Hamburg. W. M., Berlin. Nicht verwendbar. Wetter für Berlin und Umgegend. Etwas fühler. Trübung mit Regen Für Deutschland. fällen bei schwachen südöstlichen bis südlichen Winden. Im Westen Abkühlung mit einzelnen Regenschauern. Südost- Deutschland: noch ziemlich heiter. Nach langen, schweren Leiden verschied am 28. Juli meine liebe Frau Auguste Springsguth im 41. Lebensjahre. in tiefer Trauer Arthur Springsguth. Einäscherung Freitag 11 Uhr Krematorium Gerichtstraße. [ 25b Sonntag, den 26. Juli 1924, verstarb nach kurzem Leiden unser Vater Hermann Virtler. In treuem Gedenken feine Rinder Otto Virtler nebit Frau, Hamburg. Luise Klitzke, Baumschulenweg. Am Sonnabend, den 26. Juli 1924, verstarb nach kurzem, aber schwerem Leiden unser langjähriger Mitarbeiter Herr Bildhauer Eugen Unruh Wir verlieren in ihm eine tüchtige Kraft, einen guten Menschen, der sein ganzes Können unserm Unternehmen widmete und dem wir ein dauerndes Andenken bewahren werden. Die Einäscherung findet am Don nerstag, den 31. Juli 1924, nachmit tags 32 Uhr, im Krematorium Wilſtatt [ 206 Keine Wanze Bildhauerei Richard Gerschel& Co. Keine Wanze Herrengarderoben each Anwend. von Reichel's Wanzenmehr Anzüge f. Straße u. Sport( evtl. fluid ,, Radikal", der Wanzen ärgfter Feind mit 2 Hofen), Cutaway n Smo- Erzeugt eine für Wanzen absolut tödlich fing, Covercoat- u. Marengo- wirtende Gasart, die in die verborgensten Baletots, imprägn. 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