Nr.356 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 182 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Beit" mit ,, Gied. lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille zeile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 4.- Goldmart. Aleine Anzeigen das fettgedrudte Wort 0,20 Golde mart( auläffig awei fettgebruďte Worte), jebes weitere Mort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Die Meldung, daß die Londoner Konferenz abgebrochen worden sei, wird an hiesiger unterrichteter Stelle als Tendenzmeldung bezeichnet, der jede Grundlage fehlt. Paris, 30. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In den Wandelgängen der Kammer verbreitete sich am Mittwoch abend gegen 6 Uhr das Gerücht, daß die Londoner Konferenz resultatlos ab. gebrochen worden sei. Eine Bestätigung lag im Augenblick dieses Ferngesprächs nicht vor. Wir geben deshalb diese Meldung mit ausdrücklichem Vorbehalt wieder. Allerdings läßt sich nicht leugnen, daß bereits am Mittwoch morgen die Beurteilung der Lage ungewöhnlich pessimistisch war. Den äußeren Anlaß scheinen die Widerstände gegeben zu haben, auf die der neue franzöfifche Kompromißvorschlag sowohl in der englischen Delegation als auch bei der internationalen Finanz gestoßen ist. Das Prinzip der Einführung eines schiedsrichterlichen Berfahrens bei der Feststellung etwaiger deutscher Verfehlungen in all den Fällen, wo die Reparationsfommiffion nicht zu einstimmigen Beschlüssen gelangen sollte, hatte in den französischen Konferenzfreifen zunächst rückhaltLose Zustimmung gefunden. Erst der Versuch, die Aufgaben diefes Komitees auch auf die Entscheidungen der Reparationskommission tzw. des Komitees für die Ueberweisungen in den Fragen der deutschen Naturallieferungen sowie der aus Rücksicht auf die deutsche Währung gebotenen Üleberweisungen der Barzahlungen auszudehnen, ist im Laufe der Besprechungen, die am Mittwoch nachmittag statt. gefunden haben, auf heftigen Widerspruch gestoßen. Der allerdings nicht zuverlässige Berichterstatter der Liberté" hat bereits in den Mittagsstunden seinem Blatte gemeldet, daß Herriot den alliierten Delegationschefs Beinen Zweifel gelaffen habe, er werde weitere Verhandlungen für aussichtslos erklären und nach Paris zurückkehren, wenn die französische Kompromißformel abgelehnt merde. Auch der parlamentarische Mitarbeiter des Temps" schreibt am Mittwoch nachmittag, in der Kammer herrsche die Auffassung vor, daß die Londoner Konferenz wahrscheinlich mit der Annahme einer Reihe von Grundfäßen demnächst zu Ende gehen werde, da man angesichts der im Augenblick als unüberwindlich anzusehenden Schwierigkeiten die endgültige Entscheidung über die Durchführung des Dawes Planes einer späteren Konferenz überlassen werde. Außer den oben angedeuteten Reibungen über die neuen franzöfischen Ansprüche auf eine Revision der Bestimmungen über die Naturalleistungen und finanziellen Ueberweisungen scheint zu gleicher Zeit auch die militärische Räumung des Ruhrgebiets zu einem Konflikt zwischen Frankreich und den übrigen Delegationen Anlaß zu geben. Nach dem von franzöfifchen und belgischen Sachverständigen ausgearbeiteten Plan sollte die etappenweise zurückziehung der Truppen im gleichen Maße erfolgen wie sich die deutsche Schuld flüssig machen lasse und die von Deutschland ausgegebenen Obligationen mobilisiert werden können. Die erste Verkleinerung der gegenwärtigen Besazungszone follte erfolgen, sobald die 800- Millionen- Anleihe restlos gezeichnet sei. Die weitere Zurüdnahme der Truppen sollte in drei Abschnitten vor sich gehen und die Räumung vollendet sein, sobald der Betrag von 2 Milliarden Goldmark in deutschen Obligationen von dem internationalen Geldmarkt aufgenommen sei. Als äußerster Räumungstermin sieht der fran. zösische Plan den 1. August 1926 por, auch für den Fall, wenn die Aufnahmefähigkeit der internationalen Geldmärkte bis dahin die Unterbringung eines so großen Betrages deutscher Obligationen nicht ermöglicht haben sollte, jedoch unter der Vorausseßung, daß Deutschland bis dahin alle Verpflichtungen des Dames- Planes restlos erfüllt habe. Als Gegenleistung verlangt Herriot, daß die eng lische Regierung die Besetzung der Kölner Zone, deren Räumung für den 10. Januar von ihr in Aussicht genommen ist, aufrecht. erhalte bis zur völligen zurückziehung der französisch- belgischen Truppen aus dem Ruhrgebiet. * Eine Havasnote, die spät nachts in Berlin vorliegt, be. ftätigt die vorhergehenden französischen Räumungsbedingungen. Immer noch kein Kompromiß. London, 30. Juft.( Eigener Drahtbericht.) Die Bertagung der für Mittwoch einberufenen Sigung der politischen Kommission der Konferenz ist das Eingeständnis, daß die Kompromißformel immer noch nicht gefunden ist. Bersuche, innerhalb der franzöfischen Delegation zu einem Kompromißvorschlag zu kommen, be megen sich auf folgender Linie: Falls eine Macht das ist Frankreich- einen Mehrheitsbeschluß über deutsche Verfehlungen durch die Reparationskommission ader Sanktionsvorschläge der nach der Formel Theunis eingesetzten Sachverständigen nicht an erkennt, soll sie das Schiedsgericht anrufen können. Dabei wird die Frage aufgeworfen, ob diesem Schiedsgericht bindende Kraft verliehen werden soll oder nicht. Ueber diesen Punkt soll sich die französische Delegation nach glaubwürdigen Meldungen selbst uneinig sein. einig sein. Dabei spielen die Londoner Sonderberichterstatter mancher Pariser Blätter eine unwürdige Rolle, indem sie Herriot vor der französischen öffentlichen Meinung so hinstellen, als ob er den Londoner Intrigen nicht gewachsen wäre. Nachmittags um 4 Uhr traten die Führer der Delegationen zu fammen. Der Rat der Fünf hat sich seit Dienstag um den belgischen Außenminister Hymans und den japanischen Botschafter Baron Ishii ergänzt und zu einem Rat der Sieben erweitert. Ihm lag das franzöfifche Memorandum, das die am Mittwoch fertig. gestellte französische Kompromißformel enthält, vor. Die politische Rommiffion und die dritte, Kommission sind für Donnerstag einberufen. Die Einladung ist beschlossen. " London, 30. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der langsame Gang der Berhandlungen auf der Konferenz hat vielfach ein Gefühl der Enttäuschung hervorgerufen, dem verschiedene Blätter Ausdruck geben, insbesondere die Times". Indeffen wird anerkannt, daß die Konferenz bereits verschiedene schwierige Punkte geregelt hat, die noch vor einer Woche als mögliche Ursachen eines vollständigen Scheiterns betrachtet wurden. So ist z. B. die Frage der wirtschaft lichen Ruhrräumung endgültig gelöst und programmatisch festgelegt. Ebenso ist es jetzt sicher, daß die Deutschen nach London kommen werden, und zwar nicht um Beschlüsse lediglich zur Kenntnis zu nehmen und zu unterschreiben, sondern um über die Ausführun gen des Sachverständigengutachtens zu diskutieren. Es wird hier er. flärt, die Alliierten bedauerten es ebensosehr wie die Deutschen, daß die Einladung noch nicht unmittelbar nach der letzten Bollfonferenz am Montag abgesandt werden konnte. Aber es fei flar, daß es noch weniger schicklich gegenüber den deutschen Delegierten gewesen wäre, wenn man sie in London hätte warten lassen, bis die Alliierten unter sich einig geworden wären. Jedes andere Borgehen hätte insbesondere für die deutschen Delegierten die Gefahr eines Zeitverlustes mit sich gebracht. Daß die Einladung erfolgen werde, fei jedenfalls bereits beschlossene Sache. " Gedämpfte Stimmung in England. London, 30. Juli.( EP.)„ Daily Herald"( foz.) schreibt zur Londoner Konferenz: Wir sind noch nicht aus dem Schlimmsten heraus, wir stehen wohl noch nicht in der letzten Woche der Konferenz, es ist noch immer ein wenig Hoffnung vorhanden. Westminster Gazette"( lib.) sagt: Wenn die Konferenz bis heute eine Verzögerung erfahren hat. so war es gerade deshalb, weil man verfucht hatte, die Voraussetzungen von denen der Plan Dawes getragen ist, zu mißachten. Wir hoffen aber immer noch, daß es Macdonald gelingen wird, diesen Voraussetzungen noch zur Achtung zu verhelfen. Die bewegte Senatssitzung. Paris, 30. Juli.( WTB.) Im Senat schlug der Berichterstatter zum Amnestiegefeßentwurf vor, die Regierung zu ermächtigen, gewisse Gnadenafte zu vollziehen, jedoch die Erledigung des von der Kammer angenommenen Gesetzes bis zum Herbst aufzufchieten. Gegen diesen Vorschlag erhob die Linke Widerspruch. Bei der Rede de Menzies rief Delahaye( reaktionär):" Sie haben so viel Liebe zu den Boches!" Es tam zu lärmenden Brotesten und als Präsident De Selves teine Miene machte, den Delahaye Bräfident mußte die Sigung unterbrechen. Nach Wiederaufnahme zur Ordnung zu rufen schrie die Linke Demiffion!" Der der Verhandlungen wurde Delahaye zur Ordnung gerufen. rier" aus # Der neue polnische Außenminister. Er wünscht Freundschaft mit den Nachbarn. Königshütte, 30. Juli.( WTB.) Wie der„ Oberschlesische Kuneue Warschau meldet, hat der Strzynski gestern in einer Uebersicht fein Programm entwickelt. Außenminister Ueber das Berhältnis Bolens zu Deutschland erklärte er, daß es ein derartiges sein werde wie dasjenige Deutschlands zu Polen. Bolens Bestreben sei, mit Deutschland, aber auch mit Rußland, so freund. fchaftliche Beziehungen als nur irgend möglich anzu fnüpfen, und zwar nicht nur auf politischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Das tägliche Leben weise auf die beiderseitigen großen Vorteile auf dem Gebiet des Handels und der Finanz hin. Diesem Bestreben wolle Polen entgegenkommen. Darüber hinaus werde das Verhältnis Bolens zu den beiden Nach borstaaten abhängig sein von dem Verhältnis der beiden Staaten zu den bestehenden Verträgen und zu dem Völkerbund. Wenn Deutschland und Rußland die Idee des Bölferbundes fich zu eigen machten, jo glaube er, daß die Idee einer einträchtigen gutmachbar lichen Zusammenarbeit sich in ihrer ganzen Fülle entwickeln werde. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36. Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Der Kampf um die Anleihe. ( Von unserem Londoner Korrespondenten Am zweiten Wochenende befindet sich die Londoner Kon ferenz an einem kritischen Punkt. Sie hat einige Tage geschäftigen Stillstandes hinter sich. Aber die Geschichte dieser Woche ist nichts als die Geschichte geraubter Illusionen: die Politiker haben zuletzt erkennen müssen, daß das Kompromis in der Frage der Sanktionen und Verfehlungen null und nichtig ist, unbrauchbar, trotzdem es ohne jeden Zweifel ein Ausdruck der tatsächlichen Machtverhältnisse auf der Konferenz ist und ebenso zweifellos in den vergangenen Jahren damit auch schon eine neue politische Tatsache geschaffen hätte. Die Zeit, in der der Politiker die Reparationspolitik beherrscht hat, scheint aber vorbei zu sein. Es spielt ich hier unter unseren Augen, deutlich eine neue Etappe in der Ge schichte der Nachkriegspolitik ab. Bisher waren die Regelungen, von Versailles angefangen über Spa bis London( mit einziger Ausnahme des allerdings niemals verwirklichten Wiesbadener Abkommens), politische Kompromisse, auch soweit sie wirtschaftliche Regelungen zum Gegenstand hatten. Sie sind deshalb auch praktisch gescheitert weil sich der wirtschaftliche Mechanismus den politischen Fors derungen und Machtverhältnissen nicht im erwarteten Auss maße anzupassen vermochte, sondern mit den Fieberturven der Inflation und ähnlichem sichtbar genug reagierte. Diese neue Konferenz unterscheidet sich aber grundsätzlich von allen bisherigen darin, daß das wirtschaftliche Argument nicht mehn in die Rolle des Experten, des unmaßgeblichen Beraters zu rückgedrängt ist, über dessen Ratschläge man nach Belieben zur Tagesordnung übergehen kann, sondern daß es zum ersten mal mit der ganzen Fülle realer Macht befleidet ist. Es kann diesmal nicht mehr gelingen, irgendein politisches Kompromiß zu einer politischen Tatsache zu machen, weil im Gegensat zu früheren Konferenzen ein mesentlicher Bestandteil den Regelung die Verwirklichung einer internationalen Anleihe ist. Das ist das Neue, und das ist in gewissem Sinne das Gute. Denn wenn früher erst die Erfahrung jene Kompro misse umstoßen konnte, so ist diesmal die korrektur der nüchternen Wirklichkeit schon auf der Konferenz selbst gegeben. Der Widerstand, der früher der Zukunft vorbehalten blieb, ist nun verförpert in den Bankiers, die die Interessen der zukünftigen Anleihe zeichnet wahrnehmen, die ihren Kunden die Anlage ihres Geldes nicht empfehlen zu fönnen glauben, solange fie ber sorgen müssen, daß dieses Geld durch neue politische Berwir rungen in Frage gestellt werden kann. In Chequers hatte man die Durchführung des Dawes Blanes für eine technische Frage gehalten, man hatte über sehen, daß er nicht nur in sich selbst etwas Neues darstellte. Methode erforderte. Oder wenn man es mußte, so hat sondern daß auch seine Verwirklichung eine neue dieser neuen Methode entgegensezen mußten, unterschätzt. man doch die Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung Hier in London haben sich nunmehr die alten Borstellungen Sphäre war praktisch auf die neuen Erfordernisse nicht vorals stärker erwiesen als man geglaubt hatte, die politische bereitet: daraus ist der Stillstand entstanden, der die Arbeit der Konferenz lahmlegte. Augenblicklich ist die Lage so zugespigt, daß sie, schon aus äußerlichen Gründen, nicht lange in der Schwebe bleiben kann. Nicht nur Herriot, wenn auch Herriot in erster Linie, auch die übrigen alliierten Minister können nicht wochenlang auf einer Konferenz verweilen, die nicht marschiert, sie alle spüren einen starken Druck auf sich lasten, der praktisch zu einer schleunigen Entscheidung drängt. In dieser Situation ergeben sich mehrere Möglichkeiten der Lösung. Die nächstliegende: die Bankiers geben nach, was in dieser Stunde zwar noch immer möglich. Sie erklären fich, fo wenn auch wenig wahrscheinlich ist. Voraussetzungen für die Sicherheit der Anleihe befriedigt nehmen wir an, mit den von den Politikern vorgeschlagenen Oder es finden sich andere Finanzgruppen, die unter den ge gebenen Verhältnissen die benötigten Summen aufbringen. Damit wäre die Konferenz gerettet, der Dawes- Bericht fürs erste gesichert, Poincarés Angriff auf Herriot wäre die Spize abgebrochen und, auf längere Sicht gesehen, ergäbe sich immere hin die Möglichkeit einer dauernden langsamen Besserung der europäischen Atmosphäre. Neben dieser Chance einer günstigen lichkeit: Herriot, heute gerettet, fällt morgen, die französische Entwicklung bliebe aber die andere, ungünstige Wahrschein Separataftion, unter Herriot eine Unmöglichkeit, wird für feinen Nachfolger zur Selbstverständlichkeit. Die Schatten eines neuen Ruhreinmarsches mit allen seinen Gefahren tauchen neuerlich auf. Aber selbst die günstigere Lösung trägt ein weiteres Moment der Unsicherheit in sich, das es zweifelhaft erscheinen läßt, ob die Klärung der Verhältnisse wirklich von Dauer sein tönnte. Die 800- Millionen- Goldmart- Anleihe ist nicht die einzige, die die Durchführung des Dawes- Berichtes erheischt. Mag die erfte auf der Basis eines solchen Kompromisses zwischen Frankreich noch gerade gelingen, bei der zweiten An leihe würde sich dasselbe Problem zum zweiten Mate und mi größerer Schärfe stellen. Denn wenn schon die Banfiers die ersten 800 Millionen Goldmart ohne die letzte Sicherung hingeben würden, so ist es nach allem, was sich hier in den letzten Tagen abgespielt hat- völlig ausgeschlossen, daß sie noch mehr ristieren würden, ohne völlig sicher zu sein, daß Separataktionen unmöglich sind. Die Finanzleute verhandeln jetzt schon unter dieser größeren Perspektive, nur so ist im Grunde ihre bisherige starre Haltung erklärlich, und aus diesem Grunde ist es auch unwahrscheinlich, daß sie dem politischen Drucke nachgeben und ihren Standpunkt in den nächsten Tagen preisgeben könnten. Das aber ist der andere Fall, der sich aus der kritischen Situation ergibt. Wird es klar, daß ein Kompromiß zwischen dem französischen Wunsch nach separater Aktion und deni Standpunkt der Banfiers endgültig gescheitert ist, so wird der Stillstand sofort zur akuten Krise der Konferenz. Dann gibt es für Herriot fein Ausweichen mehr. Es ist menschlich ver ständlich, daß er bisher angesichts seiner inneren Stellung für das von einem Teil der französischen Oeffentlichkeit geforderte Recht zu eigener Sanktion, aber die volle Unterstützung seiner Augenblick aber wird er sich entscheiden müssen, ob er die Zukunft des Kontinents den Gespenstern einer Vergangenheit opfern will, an der er selbst innerlich feinen Anteil hat, oder ob er nicht doch den Friedenspalt, der Frankreich zwar kein Recht zu iegener Sanktion, aber die volle Unterstützung seiner Alliierten garantieren würde, unterzeichnet, bereit, sich feinen Gegnern in Paris in offener Feldschlacht zu stellen. Niemand weiß, wie ein solcher Kampf zwischen Herriot und der Reaktion enden würde, niemand fann troh dem 11. Mai den Ausgang voraussagen. Aber soviel ist sicher, fällt er, so wird er, wie Garvin im ,, Observer" schrieb, einer der ersten Männer Franfreichs und ein Mann der 3utunft bleiben." Siegt er aber, so hat er mit der Unterschrift unter den Dawes- Plan auch ein Gutteil der Gespenster vernichtet, die Europa noch immer bedrohen, und Europa tönnte, von einem zehnjährigen Albdrud erlöst, zum ersten Male ohne Selbsttäuschung aufatmen. Wozu Fleischzölle? Eine Gefahr für die Volksernährung. In der„ Kölnischen Zeitung" vom Dienstag abend legt Oberregierungsrat Dr. Foth Münster die schweren Be denken dar, die gegen die Einführung von Fleischzöllen sprechen. Nachdem er die auch von uns bereits eingehend gewürdigten schweren Folgen von Fleischzöllen für die Lebens haltung der breiten Massen gekennzeichnet hat, kommt er zu folgendem Schluß: „ Die Einführung von Vieh- und Fleischzöllen erscheint somit zurzeit als ein wenig geeignetes Mittel zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion. Sie führt aber mit Sicherheit zu einer Verteuerung der Fleisch nahrung der ärmeren Bevölkerung, zu neuen Lohnforderungen und zu heftigen Klagen über Fleischteuerung und Fleischnot, wie fie im Reichstage vor dem Kricge an der Tagesordnung waren und zu endlosen Aussprachen führten. An den bekannten Beschluß des Reichstags, vom 20. März 1911, ber tie unbeschränkte Zulassung der Einfuhr von Büchsenfieisch und Gefrierfleisch fordert, an die 1912/1913 vom Reichstag veranstaltete Enquete zur Untersuchung Der Ursachen der Fleischteuerung und des Fleischmangels und an die zur Linderung der Fleischnot" regierungsfeitig or ganisierte Einfuhr von frischem Fleisch aus Rußand sei erinnert! Und das war damals, als unser Biehbestand in hoher Blüte stand. Was können wir jetzt erwarten?... In Italien hat die Regierung Mussolinis die Zölle auf Gefrierfleisch wieder auf gehoben. Wir werden bald dasselbe tun müssen, wenn inner politische Rücksichten mancherlei Art sie uns doch noch bescheren sollten. Gerade der Hinweis auf die Fleischnot vor dem Kriege ist wertvoll, weil er eindringlich genug zeigt, daß der Bolts| Die Wiedergeburt der Tanzkunst. Die moderne Völkerpsychologie hat den Tanz als die älteste Runstgattung erwiesen, aus der bei fortschreitender Kultur die übri gen darstellenden Künste ihren Ursprung genommen haben. Im Tanze hat die Urmenschheit zuerst ihr Gefühlserleben fünstlerisch gestaltet. Bei der starken Beherrschung des öffentlichen Lebens der ältesten Völker durch religiöse Vorstellungen und Gebräuche wurde auch der Tanz vorwiegend der Belebung gottesdienstlicher Handlungen dienstbar gemacht und erhielt sich in diesem Charakter bis in historische Zeiten. Das antife Drama, dessen Aufführung selbst der Beredelung großer religiöser Feste diente, ist unmittelbar aus ful tischen Tänzen hervorgegangen und läßt diesen Ursprung noch in der ausschlaggebenden Verwendung des Chors erkennen. Durch die Kirche ist die Tanzkultur vollständig zurückgedrängt morden. Die sinnenfeindliche Einstellung der Kirche mußte naturgemäß jede Körperästhetik als fündhaft bekämpfen, und ihr maß gebender Einfluß auf das gesamte Geistesleben, der bis über das Reformationszeitalter hinausreicht, hat den Tanz bis in die neuere Zeit als Kunstgattung unterdrückt. Die Entstehung einer neuen Art von Tanzkultur steht deshalb im Zeichen einer ausgesprochenen, ein feitigen Reaktion gegen die asketischen Tendenzen der Kirche. Sie fällt zusammen mit der Entstehung des modernen Theaters, das im 17. Jahrhundert von Italien seinen Ausgang genommen hat. Die italienische Bühnenkunst dient im wesentlichen der Erregung sinn licher Reize. Szenische llenpigkeit, eine bis zu höchster Birtuofität als Selbstzweck gesteigerte sprachliche und gesangliche Technik und eine Betonung äußerer Effekte sind ihre Hauptelemente. Die Prunk liebe des Zeitalters des Barock und des Rokoko spiegelt sich in ihr, und die soziale Entwicklung beschränkt diese Kunst auf höfische und aristokratische Kreise. Zur Unterstreichung und Bereicherung ihrer finnlichen Wirkung schuf sich die Oper dann das Ballett. Der Ballett- Tanz ist also eigentlich fein selbständiger Kunstfaktor, sondern nur ein Nebenprodukt der Oper. 3mar hat der Wunsch der Ballettkorps nach einer gewissen fünstlerischen Eigeneristenz gelegent lich eine pantomimische Dramatit entstehen lassen, der manche an mutigen fünstlerischen Reize( ,, Coppelia", Schwanensee,„ Die Buppenfee") innewohnen. Über diese Pantomimit dient doch mehr oder weniger nur der Entfaltung der spezifischen, besonders technis fchen Ballett- Eigenschaften und täuscht ein fünstlerisches Eigenleben nur vor. " ernährung jetzt durch Fleischzölle größte Gefahr droht, nachdem der Biehstand wesentlich gesunken ist und die Landwirtschaft vor der Hand gar nicht imftande ist, ausreichend Fleisch zur Ernährung der großstädtischen Bevölkerung bereitzustellen. Die Fleischzölle wären in der Tat ein schwerer Schlag gegen die Lebenshaltung und damit gegen die Arbeitsfähigkeit der breiten Massen, die auf eine auskömmliche Nahrung angewiesen sind, um arbeiten zu fönnen. Die Industriellen melden sich. Nach den Agrarzöllen die Industriezölle. Der Ausschuß der sächsischen Industriellen, die sich von jeher durch ihre volkswirtschaftliche Kurzsichtigkeit und die bornierteste Vertretung der Profitintereffen auf Kosten der volkswirtschaftlichen Interessen ausgezeichnet haben, hat eine Entfchließung gefaßt, die 3ollerhöhungen für Industrieprodukte fordert. Der Schrei nach dem lückenlosen Rotschutz solltarif ist erhoben ein großer gemeinsamer Raubzug der Industriellen und der Agrarier gegen die Massen des Boltes foll beginnen. Landbundskandal. Stramm antirepublikanisch aber gemeine Betrüger. Bor einiger Zeit verwiesen wir bereits darauf, daß der Steuer. berater des Pommerschen Landbundes im Kreise Greifenberg. Karl Steer, mit recht erheblichen Steuerbeträgen, die er von den Beuern erhalten hatte, flüchtig geworden ist. Troß der ungeheuren Empörung der gepreliten Bauern schwieg sich die deutsch. nationale Presse bis heute über diese Affäre aus. Sie hatte tats fächlich auch alle Veranlassung, die Blicke der Deffentlichkeit von der unglaublichen Mißwirtschaft in der Kreisgruppe des Landbundes für Greifenberg abzufenten. Steer hat insgesamt etwa 24 000 Goldmark unterschlagen. Sein Schwindel begann, als die vom Kabinett Cuno unter dem Drud der Arbeiterschaft beschloffenen Steuern bezahlt werden foltten. Steer hielt zu diesem Zwed sogenannte Steuersprechtage ab, wobei die Steuererträge der Bauern gleich errechnet und fast immer fofort an Steer zur Ablieferung an das Finanzamt abgeführt wurSen. Vielfach endeten diese Steuertage mit wüsten Saufgelagen. Steer zeigte fich hier stets als vornehmer und freigebiger Gastgeber, neben war er auch als ein hervorragender Heyer gegen die Republit er sich auch von dem edelsten Großbauer nicht tumpen ließ. Daund gegen die verschiedensten Behörden bekannt. Seine nationalen" Schimpfereien haben sicherlich dazu beigetragen, ihm zu immer größerem Vertrauen und Wohlwollen bei den Landbüntlern zu verhelfen. Besonders aufwiegelnd trat dieser tüchtige Steuerberater" auf, als die von der Landbundleitung eingeleiteten Proteftattionen der Landwirte gegen die„ brutalen Steuern" ein setzten. Steer zeg mit feinem Anhang vor das Finanzamt und legie gegen die Auswucherung durch den Staat" feierlich Berwahrung ein. Anschließend fand man sich dann zu eingelagen brüderfich zufammen, um„ bie Net der Landwirtschaft" zu besprechen. Als das Finanzamt aber auf die Dauer feine Steuern von den dem Landbund blindlings vertrauenden Bauern erhielt und Mahnungen hinausgehen ließ, schimpfte manch einer mächtig über die„ Sauwirt schaft auf dem Finanzamt". Mancher Bauer fam mit der Quittung bes Steuerberaters" Steer in der Hand erregt zum Greifenberger Finanzamt, wo ihm dann die Augen geöffnet wurden. Inzwischen wurde dem Betrüger der Boden unter den Füßen zu heiß und er verschwand. Im ganzen Kreise gibt es faum einen Ort, wo Eteer nicht trauernde Hinterbliebene" het. Er war auch sonst noch sehr geschäftstüchtig, wenn es galt, Getreide, Schmalz, Stoffe usw. unter die Leute zu bringen. Der verantwortliche Leiter der Streisgruppe Greifenberg, Hauptmann 9. D. Rohleder, der mert würdigerweise von dem schon monatelang währenden Treiben des Steer nichts gemerkt hatte, wurde bald nach der Aufbeckung der Unterschlagungen versetzt. Als Nachfolger Steers wurde ein Dr. Bettertopf eingestellt, von dem sich aber bald herausstellte, hunderts eine Reihe von tänzerisch begabten Persönlichkeiten eine Reform oder eigentlich eine Neuschöpfung der Tanzlunst angestrebt. Als erste hat mit solchen Bersuchen die Amerikanerin Isadora Duncan viel von sich reden gemacht. Sie wollte den altgriechi. ichen Tanz neu beleben und hat sich dadurch immerhin das Berdienst einer Befreiung von der Ballettschablone erworben, ohne freilich über eine bloße Anregung hinauszugelangen, weil ihr Ziel lediglich archäologisch begründete Nachbildungen an Stelle von selbständigen Produkten der schaffenden Phantasie waren. Seit etwa zehn bis fünfzehn Jahren haben sich dann zahlreiche zum Teil sehr berühmt gewordene Tänzerinnen und Tänzer, cuch Schulen, wie die Heller auer des Genfers Jacques Dalcroze um eine neue Tanz fultur bemüht. Aber der neue, tunstrevolutionäre, fruchtbare Stil schien bis vor kurzem noch immer nicht gefunden. Erst in allerjüngster Zeit fönnen wir so etwas mie die Wieder. geburt der Tanzkunst wahrnehmen. Die Entstehung, die Prinzipien und Entwicklungsmöglichkeiten dieser neuen Tanzkunst schildert John Schifowsti in einer sehr fachkundigen, flar und anschaulich ge= schriebenen, von lebendiger Anteilnahme und feiner Einfühlung ge= tragenen Schrift Der neue Tanz"( Bolfsbühnen- Verlags- und Bertriebs- G. m. b. H., Berlin, Breis 1 M.). Der Verfasser geht zunächst in einem„ Die Theorie" überschriebenen Kapitel auf die fpe zifischen Kunstelemente des Tanzes ein und legt sich mit den außer: künstlerischen Wirkungen des Balletts und der Pantomime ausein: ander. Wie bei allem künstlerischen Erleben und Schaffen ist ganz besonders beim Tanze, deffen einziger Träger der menschliche Körper ist, und dessen Reize wegen seiner Boraussetzungslosigkeit auch dem Buschauer am leichtesten eingehen und ihn am unmittelbarsten paden, der Rhythmus das Urelement fünstlerischer Formung. Das Wesen des neuen Tanzes ist die naive rhythmische Gestaltung eines fubjektiven Gefühlserlebnisses. Dabei unterliegt der Rhythmus keinen von außen vorgeschriebenen metrischen Gesehen, sondern entsteht impulfiv in harmonischem Zusammenflange mit dem geistig- seelischen Gehalt des Tanzes. Daß im übrigen die Verwerfung akrobatischer Fertigkeiten nicht den Verzicht auf Anmut und vollkommene Beherr schung des Körpers bedeutet, liegt in der Natur des Tanzes begründet, wie ihm ja auch eine bescheidene dekorative Ergänzung seiner Wirkung zugute kommen fann. Die drei Hauptvertreter des neuen Tanzstils find Rudolf pon Laban, Mary Bigman und Jutta Klamt. Ihre Tanzschöpfungen find nicht Illustrationen der Werte von Dichtern und Mufilern, sondern Originalgebilde tänzerischer Phantafie, die seelische Vorgänge veranschaulicht. Die Ablehnung des rein tech. nischen, dekorativen und pantomimischen Beiwerts hat zu der Be. zeichnung des abstratten Tanzes" geführt, die mir wenig glücklich erscheint, da ja gerade der Tanz am unmittelbarsten zu den Sinnen fpricht. Treffender scheint mir die Bezeichnung bes gefreien"( Laban) oder abfoluten"( Bigman) Tanzes. Die legten Darbietungen diefer Meister und ihrer Tanzgruppen haben Eindrücke und Entwicklungsmöglichkeiten von einer Neuartigkeit gezeigt, deren erschütternde und erhebende Wirkungen sich durch Worte taum andeuten lassen. Schon sind einzelne Schüler, von denen die Wigman- Schülerin Gret Balucca bereits höchste Anerkennung gefunden hat, erfolgreich an der Weiterbildung des neuen Tanzes am Werke. Der neue Tanz zerstreut auch das meit verbreitete, für das Ballett bedingt zutreffende Vorurteil, daß der Tanz femininen So sehr auch bis in unsere Zeit eine Vervollkommnung, Bereicherung und Modernisierung des Ballett- Tanzes angestrebt worden ist und zu manchen Gipfeln sei es durch seelische Bertiefung bei den Schwestern Wiesenthal, sei es durch Grazie, schwebende Leichtigkeit und sprühendes Temperament bei den Russen führt hat, so mußte doch schließlich das Ballett zur Erstarrung ver= urteilt sein, weil es zu eng in das Schema einer Tradition gepreßt ist und in seinem Grundcharakter lediglich die Erregung von Sinnen reiz durch äußerliche afrobatische( Spigentanz, Pirouette, Entrechat), deforating und naturalistisch- pantomimische Effette anstrebt. Der Ballett- Tanz ist dadurch feine reine Stunft, die tiefstes Menschen erleben frei schöpferisch gestaltet, sondern vielmehr ein Kunsthandwert. Aus dieser Ertenntnis haben seit dem Beginn dieses Jahr | daß er sich den Dokfortitel unberechtigt zugelegt hatte. Er mußte beshalb gehen. Es ist verständlich, wenn nach diesen Vorgängen das Vertrauen der Bauern zum Pommerschen Landbund völlig geschwunden ist. Die Massenflucht wird aber erst voll einsehen, wenn der Landbund seine Absicht, durch besondere Getreidelieferungen und erhöhte Beiträge die Unterschlagungen des Steer auszugieichen, verwirklichen wird. Wie die Steuerberatung Ses Landbundes jetzt von den Bauern eingeschäzt wird, geht übrigens daraus hervor, daß sich nur 80 Bauern des Kreises für die weitere Existenz der Buchstelle ausgesprochen haben. Abbau- Fledderer. Er möchte Scheidemanns Nachfolger werden. Die jetzt in ihrer Mehrheit reaktionäre Stadtverordnetenversammlung in Kassel möchte befanntlich den Genossen Scheidemann ,, a b bauen", weil die Herrschaften die Beseitigung dieses Hochverräters" ihren Wählern feierlich versprochen haben. Scheidemann hat aber vorläufig, was ganz felbstverständlich ist, gegen den Beschluß der Stadtverordnetenversammlung Einspruch erhoben, und da es sich in diesem Falle um eine wirklich tolle politische Maßregelung handelt, ist mit Sicherheit zu erwarten, daß die Abbau- Revisionskommission für Hessen- Nassau- wenn nicht schon die Regierung vorher den Stadtverordneten einen den Beschluß beanstandet Strich durch die Rechnung macht. Aber schon melden fich offenbar neue Männer, die der Hoffnung sind, Gnade por den Augen der Reaktion zu finden. Allen anderen um eine Nasenlänge voran dürfte Herr C. Schellen in Dresden ſein: C. Schellen, Ministerialrat Preußischer Geschäftsträger. Dresden, den 26. Juli 1924. Bürgerwiese 23 Ferifpr. 10 408 An den Magistrat in Raffel. Da ich mich gegebenenfalls um die dortige Oberbürgermeister. stelle zu bewerben beabsichtige, bitte ich ergebenst um eine gefällige Auskunft, ob und eventuell unter welchen Bedingungen die Stelle Schellen." ausgeschrieben wird... Ein günstiger Wind hat uns diese Abschrift auf den Tisch geweht. Wir nehmen an, daß es der Einwohnerschaft Kassels willkommen sein wird, wenn wir ihr durch den Abdruck von der eiligen Bewerbung dieses Preußen in Sachsen Kenntnis berger feinen hängen, sie hätten ihn denn, und daß die Heffen geben. Herr Schellen scheint nicht zu wissen, daß die Nürnfeinen begraben, bevor er tot ist. In der Friedhofsordnung Don Gießen vom 12. Juni 1903 heißt es z. B. im§ 68 wörtlich: " Die Beerdigung ist erst nach eingetretenem Tode gestattet. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung des Bürgermeisters." Noch ist Scheidemann Oberbürgermeister, und noch lebter, Herr Geschäftsträger Preußens in Sachsen! Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Auch in Hessen versucht die Reaktion die in Preußen be= reits erprobten Abbau"- Erfahrungen anzuwenden. Bei den Landtagsverhandlungen verlangten die Rechtsparteien bekanntlich den Abbau des sozialdemokratischen Arbeitsministers, die Aufhebung des dem sozialdemokratischen Staatspräsidenten unterstellten Landesamts für Bildungswesen als selbständige Behörde und die Beseitigung eines der Sozialdemokratie angehörenden Ministerialrats und eines fozial demokratischen Polizeirats. Dieser Borstoß gelang vorläufig jedoch nicht. Jetzt versuchen die Vertreter der ,, nationalen Kreise" ihr Heil auf kommunalpolitischem Gebiet. In ihrem Organ stellen fie neuerdings folgende demagogisch begründete Forderung auf: Heute seufzt die Bürgerschaft unter einem taum noch erträglichen Steuerbrud. Es ist daher den Steuerzahlern gegenüber nicht länger zu verantworten, daß der für den Sozialdemokraten Delp geschaffenen Beigeordntenposten länger aufrechterhalten bleibt. Die Charakter habe und ein männlicher Tänzer feinen reinen ästhetischen Genuß biete. Der Klamt- Schüler Joachim Fischer wie auch Laban selbst dürften wohl dies Borurteil widerlegen. Vor Mary Wigman, einer offenbar sehr starten Persönlichkeit, scheint mir Jutta Klamt dies voraus zu haben, daß fie den Mitgliedern ihrer Tanz gruppe eine größere Entfaltung ihrer Individualität läßt, freilich auf Kosten der Einfachheit und einprägfamen Klarheit ihrer Darbietungen. Aber mir stehen ja erst in den Anfängen dieser neuen Kunst, und auf jeden Fall ist hier der Weg eröffnet, um, wie Schia towski treffend sagt, die Schöpfung des großen voltstümlichen Massentanzftils anzubahnen". Das Verständnis für diese Kunst und die Liebe zu ihr zu wecken, ist das nicht geringe Berdienst der genannten Schrift. Dr. Wilhelm Bolze. Der Streit ums Paradies. Bon Hans Wesemann( Genf). Einen schönen Schrecken bekam ich heute morgen, als ich meine tägliche Suisse" öffnete und in fetten Buchstaben las:" La décou verte du paradis par Herr Dokteur Franz von Wendrin pan. germaniste de première classe et antisémite complet..( das stand tatsächlich da, lieber Franz von Wendrin, Sie sehen also, wie berühmt Sie schon geworden sind) und dann felgerte das Blatt weiter, daß diese deutsche Reklamierung des Paradieses wieder fo eine abscheuliche germanische Heimtücke sei, die die Zivilisation bedrohe. Außerdem hätten die Berner längst festgestellt, daß das Poradies zwischen Bümpliß und Grindelwald gelegen habe, Bern selber aber der strahlende Mittelpunkt gewesen sei. Man fann fich die weitere Entwicklung denten, die Schweiz mirb gegen die Anfechtung ihres Originalparadieses protestieren, Noten und Verbalinjurien werden gewechselt werden und schließlich wird noch die Reparationstommission aufmerksam werden und das von Franz von Wendrin wieder eroberie Paradies beschlagnehmen. Um dieses Pfand nun lufrativ zu machen, wird der Feindbund as Paradies" dem internationalen Fremdenverkehr erschließen und wir werden es erleben, daß Franz von Wendrin, der als Gralshüter in seinem Paradiese angestellt wird, hier eines Tages den Fremdenführer für Mister Löb aus New Yort macht und einen Dollar Trinkgeld bekommt. " Trauerfeier für Busoni. Für ihr verstorbenes Mitglied, den Leiter der Meisterklasse für musikalische Komposition, Prof. Ferruccio Bufoni, veranstaltete die 2ta bemie der Künfte gestern mittag in ihren Räumen am Parifer Blah eine einbrudsvolle Trauerfeier. Den beurlaubten Präsidenten der Akademie, Prof. Mar Liebermann, vertrat dabei der Ständige Getretär Prof. Dr. A mmersdorfer, vom Auswärtigen Amt erschien Legationsrat Sievers, vom Kul tusministerium Prof. Restenberg Der italienische Botschafter Graf Bosdari und der italienische Generalfonful Asenni bes zeugten persönlich der Witwe und den beiden Söhnen des in Empoli bei Florenz geborenen Meifters ihr Beileid. Man fah ferner Bertreter der Hochschule für Mufit, der Staatsoper, des Philharmo nischen Orchesters und zahlreiche hervoragende Bersönlichkeiten des Berliner Musiklebens. An der Stirnwand des mit schwarzem Flor Stadtverordnetenversammlung hat die Pflicht, den Weg zu be- schreiten, den ihr Hannover und Kassel gewiesen haben, näm- lich die Stelle b a l d i g st abzubauen. 5)i«r werden unsere Stadtverordneten beweisen können, ob das Wohl der Gesamtheit höher steht, als das Interesse eines einzelnen und der ihn begön- ncrnden Partei."' Genosse Delp, dessen Wahl fast einstimmig erfolgte, trat sein Amt unter den schwierigsten Verhältnissen an. Mit Um- ficht und Klugheit verwaltete er die ihm von der Stadtver- waltung zugewiesenen Tätigkeitsgebiete: Notstandsarbeiter- fragen, Wohnungswesen, Erwerbslosenfragen, Sozial- und Kleinrentnerfürsorge, Kinderspeisungen, Kindersürsorge, De- mobilmachungswesen, Tarif- und Lohnfragen usw. Für diese erfolgreiche Tätigkeit, die die Stadt vor mancher schweren Krise bewahrte, soll er nach dem Muster von Kassel und Hannover auf Vorschlag der Deutschnationalen abgebaut werden. Ob auch hier die Demokraten wieder Hilfestellung leisten? Saperischer Separatismus. In München pfeift man auf die Reichsverfassung. Die neue bayerische Regierung scheint eine neue schwere Krise zwischen dem Reich und Bayern herausbeschwören zu wollen. Der bayerische Minister des Innern hat erklärt, daß er den Beschluß des Reichstags über die Aufhebung des Verbots von politischen Parteien nicht ausführen werde, da er die verfassungsrechtlichen Kompetenzen des Reichstags überschreite. Dieser fadenscheinige staatsrechtliche Vorwand soll— wie immer in Bayern— die offene, verfassungswidrige Auflehnung gegen die Reichsgesetze be- mänteln. Die Regierung Held scheint den Ehrgeiz zu be- sitzen, die Methoden des trockenen Putsches fortzusetzen. Wir erwarten, daß der Reichskanzler gegenüber diesen Versuchen energisch die Verfassung schützt und die Durchführung der Be- schlüsse des Reichstags sichert. Es ist um so notwendiger, daß die Reichsregierung dieser skandalösen bayerischen Krisenmacherei entgegentritt, da gleich- zeitig die bayerische Regierung demonstrativ die öffentliche Abhaltung von Verfassungsfeiern am 11. August verbietet. Die Begründung des Verbots, das bereits im Auslande großes Aufsehen erregt, ist klassisch. Sie stützt sich— auf die Paraden der Monarchisten und Hakenkreuzler. Es zeigt sich folgender Tatbestand: Rupprecht, der Prätendent der bayerischen Mon- archisten, konnte ungehindert Paraden abnehmen— den Republikanern ist es verboten, den durch Reichsgesetz festgelegten Verfassungstag öffentlich zu seiern. Die bayerischen Putschisten und Separatisten tonnten ungestört ihre Hakenkreuzsahnen und die schwarzweißroten Fahnen spazieren tragen— die Demonstration der Fahnen der Republik wird verboten. Daß die bayerische Regierung mit ihrem Verbot gegen die Monarchisten zielt, wird ihr niemand glauben. Sie selbst er- klärt ihren Standpunkt offen: sie hat keine Freude an der Reichsoerfassung und sieht daher von offiziellen Feiern ab. Mit dieser Erklärung ist jede Versicherung, daß die bayerische Regierung zum Schutze der Verfassung bereit sei, hinfällig und unehrlich. Eine Regierung, die die öffentliche Ver- sassungsfeier verbietet, die eine amtliche Erklärung gegen die Reichsverfaffung abgibt, die gleichzeitig die Nichtausführung der Beschlüsse des Reichstags verkündet, ist keine ver- fassungsmäßige Regierung im Sinne der Reichs- Verfassung. Diese bayerische Regierung macht Bayern mit ihrem Ver- halten zum Herd eines neuen Separatismus. Die Liebe der Bevölkerung in den besetzten Gebieten zum Reich hat das Gespenst des Separatismus gebannt. Hier erhebt die Regierung eines Landes erneut die Fahne des Separatismus, eines gefährlicheren und niederträchtigeren Separatismus, der sich hinter den heuchlerischen Versicherungen, die Verfassung schützen zu wollen, verbirgt. Eine schmachvolle Parallele zeigt drapierten Sitzungssaales der Akademie war der Eichensarg inmitten prächtiger Blumengewinde aufgebahrt. Gesang des Madrigalchores der Akademie für Kirchen, und Schulmusik, der Jakob Handels „Eicco quo modo justus"3u Gehör brachte, und der Vortrag des „AmdaMe cantabilc" aus Mozarts Streichquartett in C-Dur, vom Hovemann-Ouartett gespielt, leitete die Trauerfeier ein. Als Ver- treter des Präsidenten der Akademie der Künste ergriff dann Prof. Waldemar v. Baußnern das Wort, um den Werde- und Lebensgang des großen Musikers zu schildern. Dann sprach Prof. D e s s o i r begeisterte Worte zum Ruhme des Entschlafenen, dem er den Dank für olles das abstattete, was er dem deutschen Volk und der ganzen Welt gewesen sei. Na-mens der Internationalen Ge. sellschast für moderne Musik gedachte Prof. Adolf Weißmann des Dahingeschiedenen als des großen Virtuosen, der wie kein anderer Deutschland die Treu« gehalten habe. Die Bach'sche Motette „Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen" beschloß die Feier, nach deren Beendigung die Ueberführung der Leiche Busonis zum Wil- mersdorfer Krematorium erfolgt«, wo im engsten Familienkreis« die Einäscherung stattfand. Zaures und die deutsche Philosophie. Jean Iaures wurde durch das eingehende Studium der deutschen Philosophen Kant, Hegel und Fichte auf die tiefen ethischen Wurzeln des sozialistischen Ge- dankens aufmerksam gemacht. In einer— in lateinischer Sprache verfaßten!— Doktorthese, die heute noch als ein Musterbeispiel klastischen Latinismus gilt, deckte er die tiefen geistigen Zusammen- hänge zwischen den deutschen Philosophen des 18. und 19. Jahr- Hunderts und der modernen sozialistischen Arbeiterbewegung auf. Die These lautete:„Ueber die Vorläufer des deutschen Sozialismus bei Luther, Kant, Fichte und Hegel". Diese glänzende geistige Lei- stung war Iaures" erstes Glaubensbekenntnis zum s o z'i a l i st i f ch e n G e d a n t e n, und bald darauf vollzog er seinen politischen Uebergong aus dem linksdemokratrschen bürgerlichen La- ger zu der damals noch kleinen Schar der Vorkampfer für die Be. freiung des Proletariats. Seine für einen Franzosen ganz unge- wohnliche Beherrschung der deutschen Sprach- und der deutschen Kultur oerschasst« ihm die in seinem Land« nur allzu seltene Gabe, Deutschland nicht nur kulturell, sondern auch politisch wirklich zu verstehen. Und so wurde er. bei aller Lieb- zum eigenen Vaterland«, ein Internationalist im besten Sinn« des Wortes und blieb es bis zu seinem letzten Atemzug«. Er kannte und erkannte alle Vorzüge des deutschen Wesens, aber auch dessen Nachteile. Er begriff die geschichtlichen Ursachen der deutschen politischen Entwicklung wie kein anderer Franzose und sicher auch viel bester als die meisten Deut- schen. Er wurde zu einem der treuesten und besten Freund« des deutschen Volkes und gerade deshalb zu einem unerbittlichen, aber auch gerechten Ankläger gegen dos wilhelminische Deutschland. Prof. ZJlax ßauffmann, Hehler der Ztunltacschichte an der Ilnlversttät Rostock, tst al« Nachfolger WölfflinS an dt- Münchener Univerfitat berufen worden. Ein bcweglichc» votschaflsbelm. Sic.Tanin' meldet, bot die deutiibe Regicruiig em bewegliches HnuS mit zwölf Zimmer» siir die deutsche Bot- schast nach Zlngora gesandt. Teile t-Z Haui-S würden zu gewisteil Jahre«. zcilcn nach Konslaiilinovel gebiachl werde».— Sollte e« sich dabei um da« beruhmle Zelt handeln, das Wilhelm einst dem Wellmarjchall Salderfee i» den chinefischen Hunnenkiez mitgab? sich: die Bevölkerung Bayerns ist bei der Feier des Verfaffungs- tages ebenso eingeengt, wie die Bevölkerung der besetzten Ge- biete. Dort ist es militärische Willkür der frem- denBcsatzungsbehördcn, die öffentliche Verfaffungs- feiern verbietet— in Bayern aber ist es eine deutsche Regierung, die noch den Mut hat, sich verfassungsmäßig zu nennen. Welch eine Stütze für die Willkürherrschast der Besal-ungsbehörden! Wird die Reichsregierung die Verfassung gegen die baye- rischen Anschläge schützen? Wird sie auf die unehrliche Erklärung des Innenministers der bayerischen Separatisten gebührend antworten? Die Verordnung gegen die Verfassungsfeier. München, 30. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Da groß« Teile des bayerischen Volkes am 10. August den Geburtstag der republita- nischen Reichsversassung seiern wollen, hält die bayerische Regierung das für den günstigen Augenblick, um eine Verordnung zu er- lassen, die auf Grund eines Ministerratsbeschlusses eine B« s ch r ä n- kung der in der breite st en Oeffentlichkeit gefeie r- t e n F e st e bringt. In einer Pressekonferenz gab der Minister des Innern Stützet folgenden Aufschluß: „In Bayern geht seit einigen Monaden«ine F e st s« u ch e durch das Land. Die Häufungie Ersatz- wohnung wird hoffentlich ein Stübchen im Allersheim fein. ch So geht es Tag für Tag. Zum Teil erschreckende Bilder aus dem Großstadtleben rollen sich auf. Eigentlich nicht» Neues unter der Sonn«. Schon in Friedenszeiten ließ man die häßlichsten Leiden- schaften Spießruten laufen vor dem Kadi. Nur die Füll« des Neides, de» Haffes, der Mißgunst, des Unrechts ist etwas Neue«, ist heraus- gewachsen au» unserer Jammerzeit, wird dem Mietgericht in aller Oeffentlichteit wie breit auseinanderlaufender Schmutz auf den Prä- sentierteller gelegt. Wäre doch die gräßliche Wohnungsnot, die fo viele Menschen zum Zusammenleben wider Willen verurteilt, erst zu End«.,.. Hlühenöe Zensier. In diesen Zeiten soll dafür eingetreten werden, eine schön« In- stitution, wie sie kurz vor dem Krieg nach belgischem Muster in.Ber- lin eingeführt war, wieder aufleben zu lassen, eine Einrichtung, die Freude bereitet und außerdem noch die gerode heute unschätzbare Eigenschaft besitzt, der Stadt Berlin, oder wem immer, der sich damit beschäftigt, kein G«ld zu kosten. Gemeint ist die P r ä m i i« r u n g d er blühenden Fenster, das Aussetzen und Verleihen eines Preises für denjenigen, besten Balkon oder Fenster den schönsten Blumen- schmuck zeigt. E- ist nichts Zufälliges, daß man gerade in Belgien, dem Land der vielen Hochöfen, Minen und Gruben, mit der zahlreichen Arbeiterschaft, die unter einem ewig schwarz-grauen, von Ruß, Rauch und Staub verhängtem Himmel lebt, die nichts weiß von der Frische der Felder und Wälder, die Sitte eingeführt hat, denjenigen auszuzeichnen, der mit ganz besonderer Liebe seine Blumen gepflegt hat. Blumen und Pflanzen überhaupt beruhigen überreizte Nerven und abgespannte Menschen, sie lenken ab von der Fron des Alltags und leiten über zu anderen, besteren und lichteren Gedanken. Di« Arbeiterschaft Belgiens weiß ja nichts von längerem Urlaub, Ausatmen und Erholen, für große Gärten und blühende Gefilde lasten die Kohlenfelder keinen Raum, und so bleibt als einziger Trost für die müden Augen, als einzige Erholung und Ablenkung der Blumenflor auf dem Balkon oder am Fenster. Um die Arbeiter noch besonder« zur Blumenlieb« und Blumenpflege anzuspornen, hat man in Belgien unter dem Namen„ccrnccrnrz des fenetres fleuries" Preise gestiftet für den am schönsten geschmückten Balkon. Der Name des Preisgekrönten wird veröffenllicht, er erhält neue, schöne Blumen oder Samen für den Balkon, und es entwickelt sich im An» schluß an die klein« feierliche Zeremonie, die gewiß, wie man sieht, kein Geld kostet, so etwas wie ein Bolksfest. Daß Blumen- und Gartenpfleg« im übrigen gewissermaßen erzieherische Wirkung haben, veredelnd und die Aesthetik des einzelnen verbessernd wirken können, weiß zum Beispiel auch die E i s e n b a h n v e r w al t u n g, die den Beamten mit dem nervenzerrüttenden Dienst auf den Stell- werken kleine Parzellen Land neben dem Stellwerk zur Bersügung stellt, auf denen sie zu ihrer Erholung und Erheiterung Blumen pflanzen und pflegen sollen. In Berlin hatte man kurz vor dem Kriege, wie bereits erwähnt, die belgische Sitte ebenfalls eingeführt und sich viel Freunde damit erworben. Dann kam der Krieg und zerstörte auch dieses Liebes» werk. In Berlin liegen nun gewiß die Berhältniste nicht so kraß, so grausam und erbarmungslos, wie in belgischen Fabrikstädten. Der Berliner hat große Parks zur Berfügung, viele haben Laubenland, und auch an der Peripherie der Stadt sind die Straßen breit und luftig. Und doch! Man beachte einmal die Berliner Balkons und ihr«n Schmuck in den verschiedensten Stadtteilen. Gewiß sieht man im Westen und in den vornehmen Vierteln Balkons mit unerhörter Blumenpracht. Aber man erkennt hier bald, daß dieses Protzenwm lediglich angelegt und vom bezahlten Gärtner unterhalten wir�, weil es viel Geld kostet. Der Wohnungsinhaber ist mit der Seele nicht dabei, und die Gnädige gießt höchstens mit spitzen Fingern die Blumen, wenn sie es nicht vorzieht, auch dies« Arbeit dem Gärtner oder dem Stubenmädchen zu überlasten. Aber in den Arbeitervierteln, in den Gegend«», wo der„klein« Mann* wohnt, der keine ander« Erholung k«nnt, da findet man die schönsten und am liebevollsten gepflegten Balkon». Daneben und dazwischen jedoch sieht man verwahrlost« Balkons, und die Menschen, die hier wohnen, sind so oerzweifelt und müde am Leben, daß sie auch an dieser ablenkenden Beschäftigung keine Lust mehr haben. Zahnüungen nach öem Irauenmöröer. Ew Interessanter Brieffund. Zu dem Frauemnord in der Leibnizstraße wird mitgeteilt, daß der Polizeioberwachtmeister Gustav Rebsdat noch nicht ergriff«» ist. In der Wohnung seiner ermordeten Stteffchwefter Frau Luise Röslor fand man einige Tage nach der Entdeckung des Verbrechens noch einen merkwürdigen Arte f. Der Brief war an Frau Rösler gerichtet und enthielt Wendungen, di« auf eine Liebschaft schließen lasten. Die Anschrift war von einer anderen Hand als der Prief selbst. Der Umschlag trug den Bahnpoststempel Berlin— Hannover, als ob der Brief in Berlin aufgegeben worden wäre. Um über dieses seltsame Schreibon und auch über di« Persönlichkeit des flüchtigen Rebsdat volle Klarheit zu schaffen, wurde Kriminalkommistar Geißel nach Hannover entsandt. Die Feststellungen dort ergaben, daß Rebsdat amSü. Junid. I. ausderSchutzpolizeiausgeschieden ist. Erst nachträglich entdeckte man, daß er Unterschlagungen verübt hat. Rebsdat war schon in Hannover«in richtiger Schürzenjäger und brauchte stets Geld. Als er nach Berlin fuhr, beauftragte er ein Mädchen, ihm nach der Leibnizstraße 10 zu schreiben. aber nicht an seinen Namen, sondern an den der Frau Rösler. Er werde, wie er sagte, die Brief« auch so erhalten. Dieses Verfahre» begründete tt mit einem geheimen Auftrag«, den er ja auch seiner Stteffchwefter vorschwindelte. Mit Rücksicht auf dieses vermeintliche Geheimnis schrieb das Mädchen auch nicht selbst den Brief, sonder» ließ ihn von einer Freundin schreiben. Nur die Anschrift schrieb es selbst auf den Umschlag. Den Brief steckte e» dann auf dem Bahn» steig m Hannover in einen Kasten. Er wurde dann irrtümlich Berlin— Hannover statt Hannover— Berlin gestempelt. Die Beamten der Mordkommission und der Streif�eamtenschost der Krim malpolizei sind jetzt für neu« umfassende Fahndungen mit dem neuesten Lichtbild de» gesuchten Mörders versehen. Selbstmordversuch mit einer Krawatte. Der 33 Jahre alte Schneider Jakob C. versuchte sich mit einem Selbstbinder m feiner Wohnung in der Prostauer Straße zu erdrosseln. Al« man ihn auffand, lag er mit dem festgeschnürten Selbstbinder um den Hals besinnungslos am Fußboden. Er konnte gerettet werden. Beweggrund ist Arbeitslosigkeit. 4] Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. Andreas kann, je nach seiner Stimmung, die Kurbel so schnell drehen, daß der Walzer flott und kriegerisch wird, wie ein Marsch. Denn er selbst har manchmal«in Bedürfnis nach einer Marschmelodie, besonders an kühlen und trüben Tagen. wenn sich der Regen durch Schmerzen in der Gegend des amputierten Beins ankündigt. Das längst begraben« Dein tut ihm weh. Die Stelle am Knie, an der es abgesägt wurde, läuft blau an. Das Kiffen in der Kniehöhlung der hölzernen Krücke ist nicht mehr weich genug. Es ist mit Roßhaaren ge- füttert und schon durchgetreten. Es müßte mit Daunen ge- füttert sein oder mit Pelz. An solchen Tagen muß Andreas einige Taschentücher in die Kniehöhlung der Krück« legen. Sie sind kein vollwertiger Ersaß. Die Schmerzen verschwanden sobald d-r Regen kam. An Regentagen aber konnte Andreas nicht viel verdienen. Das Wachstuch, einst glänzend,- hart und waff-rdicht, war an ein- zclnsn Stellen gesprungen. Risse durchzogen seine Fläch« und bildeten eine Art Landkarte. Gelang es dem Regen, was Gott bis jetzt verhütet hatte, durch die Hülle in das edle Holz und durch dieses in das Innere des Instruments zu dringen, so waren die Walzen verloren., �, Andreas stand, wenn es regnet«, stundenlang»n einem jener freundlichen Hausflure, in denen das„Betteln und Hausieren" nicht verboten war, in denen kein Icharfer Hund wachte und kein knurriger Hausbesorger oder gar dessen Frau die Heiligkeit des Hauseinganges hüteten. Denn mit dem weib- lichen Geschlecht hatte Andreas unangenehme Erfahrungen� ge- macht. Sie hinderten ihn nicht, von der grausamen Suße einer vorläufig noch ganz unbestimmten Frauenhand zu träumen, die man sein eigen nennen könnte. Andreas besaß keinen all- täglichen Geschmack: je bissiger der Fluch einer Frau war. die ihn zur Flucht veranlaßte, je schneidender der Klang ihrer Stimme, je drohender die Haltung ihrer Gestalt, desto besser gefiel sie ihm. Und während er der ungastlichen Pförtnerin den Rucken kehrte, entzückte ihn ihre Weiblichkeit in dem Maße. in dem ihn der unerwartete Verdienstentgang enttäuschte. Abenteuer dieser Art bestand Andreas oft. Es waren seine ein- zigen Erlebnisse. Sie beschäftigten seine Rächt«, schufen ihm Traumbilder von wehrhasten Frauen, und die Gedanken an S begleiteten, wie ein malerischer Text, die seriösen unter den elodien seines Leierkastens. Es kam so, daß er sein Instru- ment nicht wie«in mechanisches und sein Spiel als ein Virtuosentum betrachtete. Denn die Sehnsucht, die Bangigkeit, die Trauer seiner Seele legte er in die Hand, welche di« Kurbel drehte und er glaubte, nach Wunsch und Stimmung, stärker und leiser, gefühlvoller oder kriegerischer spielen zu können. Er begann sein Instrument zu lieben, mit dem er ein« Zwie- sprach« hielt, die nur er selbst verstand. Andreas Pum war ein echter Musikant. Wollte er sich zerstreuen, so betrachtete er die bunte Malerei auf der Rückwand des Leierkastens. Das Bild stellte die Szenerie eines Puppentheaters dar und einen Teil eines Steh- parketts. Blonde und schwarze Kinder spähten in die Richtung der Bühne, auf der sich spannende Ereignisse vollzogen. Eine grau- und wirrhaarige Hexe hielt eine Zaubergabel in der Hand. Vor ihr standen zwei Kinder, auf deren Köpfe Geweihe wuchsen. Ueber den Kindern weidete eine Hirschkuh. Es war kein Zweifel, daß dieses Bild eine Verzauberung menschlicher Wesen durch ein böses Weib darstellen sollte. Andreas hatte niemals an die Möglichkeit'solcher Ereignisse in der wirklichen Welt gedacht. Weil er ober das Bildnis häufig betrachten mußte, wurde es ihm vertraut und glaubhaft, wie irgendein anderer täglich genoffener Anblick. Es war fast nichts mehr Märchenhaftes an solch einer Verzauberung. Wunderbarer, als der Vorgang selbst, waren die bunten Farben, in denen«r dargestellt erschien. Andreas' Augen tranken die ölige Sattheit dieser Farben und es berauschte sich seine Seele an der klang- vollen Harmonie, mit der ein blutendes Rot in ein sehnsüchtiges Orange des Abendhimmels im Hintergrund verfloß. Zeit zu solchen Betrachtungen hatte er zu Hause genug. Allerdings war fein Heim nicht eines jener Art, in dem der Mensch etwa den ganzen Tag verweilen kann. Es bestand vielmehr aus einer Bettstelle in einem, wie es Andreas vor- kam, geräumigen Zimmer. In diesem schliefen außer Andreas noch ein Mädchen und ihr Freund. Sie hieß Klara und er Willi. Sie war stellvertretende Kassiererin in einem kleinen Kaffeehaus und er ein arbeitsloser Metalldreher. Willi arbeitete nur einmal in der Woche und auch dann nicht in seinem Be- rufe. Er führte einen Handwagen durch die Straßen, um Zeitungspapier einzukaufen. Am Abend brachte er seine Waren dem Althändler. Von jedem Pfund erhielt Willi ein Drittel. Denn auch das geringe Betriebskapital steh ihm der Althändler. Es war klar, daß Willi von seinen Einnahmen nicht lebenl konnte. Er lebte von Klara. Sie hatte Nebenverdienste. Er war eifersüchtig. Aber in der Nacht, wenn sie sich beide unter der dünnen Decke befanden, suchte er zu vergessen, wovon er lebte und es gelang ihm. Am nächsten Morgen blieb er liegen, wenn Klara und Andreas längst aufgestanden waren. Er blieb den ganzen Tag zu Hause und ließ Andreas nicht vor dem Anbruch der Nacht ins Zimmer. Das begründete er immer mit dem Wort: Ordnung muß sein! Denn er war weit davon ent- fernt, Andreas, den Krüppel, etwa zu Haffen. Er liebte die Ordnung. Andreas Pum hatte eine Schlafftelle, aber keine Wohnung. Es ist so in der Welt eingerichtet, daß jeder mm das genießen darf, was er bezahlen kann. Auch Andreas war mit dieser Ordnung zufrieden und kam pünktlich nach Anbruch der Dämmerung. Er kochte Tee oust einer Spiritusmaschine. Willi trank den in einem Wasserglas verdünnten Spiritus, Andreas den Tee. Er aß dazu ein Brot. Willi lieferte manchmal die Wurst. Denn es ereignete sich nicht selten, daß Willi, wenn er an angenehmen Tagen einen Spaziergang unternahm, sich vor das Delikateffenhaus begab, an dessen Tür die prallen Würste wie Gehenkte an einem Nagel hingen. Mehr aus Uebermut, als aus Lust am Diebstahl schnitt Willi dann zwei oder drei Würste ab. Ihn lockten Gefahren und Freude an der eigenen Geschicklichkeit. Man hätte es außerdem als Sünde bezeichnen können, wenn er das Angebot des Schicksals ausgeschlagen hätte. Andreas ahnt« etwas von der Herkunft dieser Würste. Einmal fragte er, woher sie stammten.„Iß und schweig'," sagte Willi.„Ordnung muß sein." Es verstieß glücklicherweise nicht gegen die Ordnung, wenn stch Andreas, während er sein Abendessen verdaute, der Be- trachtung der Malereien am Leierkasten hingab. Die un- vollendete Verzauberung, welche das Bild darstellte, zwang zu Fortsetzungen. Andreas hätte gerne weiter gemalt. Er hätte auch die zwei noch in menschlicher Gestalt lebenden Kinder in Hirschkühe verwandelt, oder in andere Tiere. Es ergaben sich viele Möglichkeiten. Konnte man Kinder nicht in Ratten verwandeln? Hühl Ratten! Oder.in Katzen: in junge Löwen: in kleine niedliche Krokodile: in Eidechsen: in Bienen: in Vögel — Tlrilil In Vögel! Ein guter Maler, der mit Pinsel und Farben umzugehen verstand, könnte das Bild fortsetzen. (Fortsetzung folgt.) Die Untergrund- Langsambahn. " Es ist genau 6,10 Uhr abends, und man steht auf dem unter grundbahnhof Botsdamer Play und wartet. und endlich nein, wie reizend! tommt sie denn auch wirklich angenudelt, die Untergrundelektrische, die der Berliner, progig, wie er manchmal ist, Schnellbahn getauft hat. Und dann, nachdem ein Untergrundbahner Abfahren!" gerufen und ein zweiter auch Abfahren!" und ein Dritter, stumm wie Moltke, einen Taftstod mit einer weißen Scheibe baran hoheitsvoll erhoben hat, dann frabbelt das Schnellbahnzügle, man sollte es faum für möglich halten, wirklich und in der Tat aus dem Bahnhof heraus. Alle Welt in dem Zug ist froh und stolz darüber, daß man Untergrundbahn fahren kann. Nach hundert Metern Fahrt blitt es irgendwo in dem dunklen Schlauch. Alle Bampen im Bug gehen aus. Warum soll eine elektrische Zugbeleuchtung auch nicht mal Ausgang haben! Dann blitzt es mieder: die Lampen brennen. Plöglich fängt der Motor, der noch ' foeben lauf fläffte, an ganz leise und zari zu winseln. Entsetzt gehen die Lampen wieder aus. Diesmal auf Dauer. Der Zug schleicht ohne Kraft auf den Schienen entlang. Die Menschen im Zug beginnen zu schwitzen, teils vor Angst, teils vor Hize. Der Motor schweigt nun vollends( der Zug ist ganz normal besetzt!), und der Zug lahmt endlich in den Bahnhof Kaiserhof ein. Da aber friegt der Motor neue Puste, und num geht es in gedämpftem Tempo in der Richtung Leipziger Straße weiter. Unterwegs blißt es wieder einmal. Das Licht geht wieder aus. Dann ein müſter Anall. Bliz( dunkel), Blizz( hell). Wieder ein Knall. Es stinkt nach Schwefel. Düfte steigen auf. Die Menschen denken: Irgendwo brennt es ganz bestimmt. Eine alte Frau befreuzigt fich. Ein Herr holt fein Notizbuch heraus und beginnt zu schreiben: Meine letzten Gedanken, als mir bei dem Explosionsunglück der Untergrundbahn am 30. Juli wie in einer Mausefalle eingeschlossen waren. Der Bug trippelt dennoch auf den Schienen entlang, immerhin wohl etwa 80 Zentimeter in der Minute. Man muß das ehrlich anerkennen. Da wieder ein Knall 3weifellos haben die meisten nächsten Haltestellen feststellen. Diese Schwarzfahrer, darunter auch Frauen und Kinder, find fast durchweg in Not, haben das Fahrgeld nicht übrig. Formell liegt natürlich Betrug nor. Der Fahrgast, der seinen Schein weitergibt; macht sich der Beihilfe zum Betruge schuldig. Schließlich sollte man aber angesichts der Geld= not beide Augen zudrücken, solange die Sache nicht allzu großen Umfang annimmt. 20 000 Prog. Jahreszinsen. Warum ein Kreditwucherer mildernde Umflände erhält. Ein Massenaufgebot von Zeuginnen, ausschließlich aus dem Arbeiterstande, trat in einem Strafprozeß gegen den Pfande leiher Maximilian Stern aus Wien vor dem Echöffengericht Mitte in Erscheinung. Unter Tränen schilderten die Zeuginnen, wie ihre größte Notlage von dem Angeklagten ausgenutzt worden sei. Trozdem der Angeklagte zweifellos den Ririn vieler Heiner und fleinster Eristenzen auf dem Gewissen hat, gewährte ihm das Schöffengericht mildernde Umstände, weil in der Inflationszeit die Moral allgemein start gesunken war. erstattet worden, von denen der eine die legte Nachricht aus Hannover gegeben hat. Das Berschwinden des jungen Berliners Heinz Schulenburg ist noch immer nicht aufgeklärt. Obwohl bei ihm eine Krawatte des Schulenburg gefunden wurde, hat Haarmann, auch bei seiner Ronfrontierung mit der Mutter des Verschwundenen, entschieden bestritten, den Jungen ermordet zu haben. In der Badewanne durch Gas betäubt. Fünf Menschenleben in Gefahr. Die Feuerwehr als Retter. Wegen einer Gasvergiftung wurde die Berliner Hauptfeuermache am Mittwoch nachmittag nach der Neuenburger Str. 15 alarmiert. Fünf weibliche Angestellte einer Taschenlampen fabrik waren dort während des Badens durch ausströmendes Gas aus einer schadhaften Gasleitung betäubt worden. Zum Glück bemerften andere Arbeitskolleginnen den Unfall noch rechtzeitig und stellten sofort mit den unangekleideten Mädchen und Frauen Wiederbelebungsversuche an, die aber feinen Erfolg hatten. Die benachrichtigte Feuerwehr entsandte schnell Samariter der Wehr, die mit ihren Sauerstoffapparaten erfolgreich waren und all'e fünf Personen retteten. Als die Retter erschienen, er. schrafen fie anfänglich, weil die nackten Körper der Berunglückten infolge Massage mit Graphit vollständig schwarz aussahen. Diese Bergiftung hätte auch noch anderen Bersonen gefährlich werden tönnen. Man hatte den Gasgeruch schon längere Zeit bemerft, aber ihm feine Bedeutung beigelegt. Falls plosion die Folge gewesen. jemand die Badestube mit Feuer usw. betreten hätte, wäre eine Ex„ Borbildliche" Berkehrsregelung Die neue Verkehrsregelung auf dem Boisdamer Blab hat, mie übrigens vorauszusehen breit und die neugebildeten Engpässe für den großen Ber mar, zu Bertehrsstodungen geführt, weil die Inseln zu Insassen des Zuges bereits mit ihrem Leben abgeschlossen. Und vornherein als Wertmeffer den Dollarstand in Anrechnung brachte, fehr viel zu schmal find. Nun fönnen die Infeln wieber entfernt 2 es find doch so reizende kleine Krabben darunter. Schade um das junge Blut. Dennoch aber, troy Knall und Blitz und Höllengestant der Zug rutscht vorwärts. Erreicht den Bahnhof Leipziger Straße mit Müh und Not. Der größte Teil der Infaffen flüchtet. Auf dem Bahnhof wilde Aufregung. Der Gegenzug rappelvoll. Bill nicht von der Stelle. Endlich! Kaum ist er heraus( er schleicht, er friecht). Rotes Licht. Keine Ausfahrt. Man sieht auch ganz beutlich die Schlußlaternen. Da fährt der nächste Zug schon ein. Ordnung, fegensreiche Himmelstochter, verehrte Direttoren! BerFehrssicherheit? Wer es glaubt, zahlt einen neuen Alpakka- Taler. Mun wieder drüben: Alles aussteigen! Der Zug wird leer. Trotzdem lahmt er, wie auf Krücken, aus der Halle. Höfliche Frage an den fungen Fahrdienstleiter: Warum? Was ist denn los? Der sehr junge Herr Fahrdienstleiter entflattert. Er ist total aufgeregt( mie es scheint) und fopflos. Geht mit energischen Schritten hin und her. Hebt das Kapellmeisterstödshen mit der weißen Platte. Nochmalige Frage und Hinweis: Von der Preffe. Antwort:( Merkwürdige Ant mort!). Ich bin im Dienst und habe feine Zeit. Das Publikum steht wie dumm. Leute mit intelligenten Gefichtern stehen wie verblödet. Warum? Weil niemand da ist, der die mit Recht Beunruhigten aufklärt. Demütige aber deswegen doch entschiedene Anfrage an die hochweise Direttion: Warum wird die schwerverantwortliche Stelle eines Fahrdienstleiters auf dem wild bewegten Bahnhof Leipziger Straße ausgerechnet einem ganz jungen Beamten anvertraut, der offenbar noch schwer triegsbeschädigt ist.( anscheinend blind oder auf einem Auge am Sehen behindert!) Und dann, warum wird das hilfloje Publikum immer wieder bei jedem derartigen Zwischenfall in Untenninis gelaffen? Und die ganz hilf- umd ratlosen Fremden! Berlin, die Fremden verfehrs stadt. Berlin, die Millionenstadt. Berlin, die Stadt des technischen Fortschrittes. Warum läßt, man fich eigentlich nicht Schilder malen mit folgender Aufschrift:„ Der Fahrgast betommt durch den Erwerb einer Fahrkarte feine Gemähr für Beförderung! Bei Betriebsstörungen hat sich das Publitum fchleunigst zu verfrümeln; Anfragen deswegen an die Beamten mer ben als Beamtenbeleidigung betrachtet. Jeder Fahrgast ist für den Schaden oder den Zeitverlust, den er durch die Bahn erleidet, felbft nerantwortlich." Erst wenn wir es so weit gebracht haben, werden wir ganz auf der Höhe sein. Der„ Schrecken des Westens". Erfolgreiche Berufung der Diebesbande Achtelif. Der Strafprozeß gegen die berüchtigte Einbrecher und Hehlerbande Achtelit und Genossen, der schon mehrfach die Gerichte be schäftigt hat, tam gestern endgültig zum Abschluß. In der Schöffen. gerichtsverhandlung vom Mai d. 3. war der Einbrecher Achtelit zu 8 Jahren Zuchihaus verurteilt worden. Seine Hehler, der Fabritant Röder und der Kaufmann Bransch, hatten 3, bzw. 1% Jahre Zucht haus erhalten. Gegen dieses Urteil hatten sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch diese 3 Angeklagten Berufung eingelegt, während die übrigen Angeklagten sich mit den schweren Strafen des Urteils beruhigt hatten. Die Behandlungen vor der großen Ferienftraffommer des Landgerichts III begann mit einer fenfationellen Einleitung, indem der Borsigende, Landgerichtsdirektor Siegert, die diensttuenden Justiz wachtmeister ersuchte, die Taschen der Angeklagten auf Waffen zu untersuchen, da bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht Charlottenburg der Angeklagte Bransch während der Beratung des Gerichts sich nach Hause begeben und dort einen Revolver eingesteckt hatte, um sich, wie er wenigstens nachher be hauptete, im Falle einer Berurteilung und Verhaftung auf der Antlagebant zu erschießen. Diesmal wurden aber bei den Angeklagten teine Waffen gefunden. Achtelik war das Haupt einer meit verzweigten, vielleicht der größten je in Berlin aufgetretenen organifierten Einbrecherbande, die in den Jahren 1921/22 planmäßig Einbrüche in die Wohnungen des Berliner Westens verübte und mit Hilfe einer bereitstehenden eigenen Lastautokolonne die entwendeten Orientteppiche in die Hehlernester, in Nachtdielen der Mogfireße und andere ähnliche Lokale abtransportierte. An dem Diebesund Hehlerkonzern waren über 70 Personen, teils als attive Einbrecher, teils als Hehler und in anderer Weise beteiligt. Die ganze Bande mar in Gruppen gegliedert, die selbständig vorgingen, aber bei der Verteilung der Beute untereinander in Verbindung standen. In derselben Weise wie die Einbrecher, waren auf die Hehler organisiert. Der größte Teil der Bande ist nach und nach hinter Schloß und Riegel gebracht worden. Achtelif hatte jetzt den Erfolg, daß die gegen ihn erfannte 8jährige Zuchthausstrafe auf die Hälfte ermäßigt wurde. Bei den anderen Angeflagten, gegen die Der Staatsanwalt eine wesentlich höhere Strafe beantragt hatte, wurden die Straffäße des Schöffengerichts bestätigt. Notleidende Straßenbahn- Schwarzfahrer. An der Straßenbahnhaltestelle steht ein schlecht getleideter Mann. Die Not ist ihm anzusehen. Er paßt scharf auf, ob Fahrgäste beim Verlassen des Wagens ihren Fahrschein fortwerfen. Kaum hat sich der Wagen wieder in Bewegung gesetzt, so geht der Mann mit einiger Scheu auf den Fahrschein los, hebt ihn auf und beäugt ihn forgfältig. Diesmal war es nichts, der Schein ist schon für die Umsteigefahrt gelacht. Fünf Minuten fpäter gelingt ihm der Fund. Nun ist alle Scheu verflogen: Im Bewußtsein, sich eine Freifahrt leisten zu fönnen, befteigt ber Mann einen der nächsten Wagen. Ariftandslos locht der Schaff ner den Schein. Solche Beobachtungen lassen sich in Groß- Berlin gäste, die nicht umsteigen wollen, um den Fahrschein gebeten. Rürzlich war ein Schwarzfahrer so unvorsichtig, fich von einem Fahrgast Ben Schein geben zu lassen und mit dem unmittelbar folgenden Wagen meiterzufahren. Der Schaffner hatte zufällig biefen Borgang beobachtet und ließ den Schwarzfahrer an einer der Stern betrieb in der Blumenstraße eine Pfandleihe und hatte in der Inflationszeit, in der die meisten Pfandleihen ihren Betrieb eingestellt hatten, emen sehr großen Bufpruch. Eine Zeugin befundete in beweglichen Worten, daß nach dem Tode ihrer Tochter die Apothekerrechnungen und Begräbniskosten alle ihre Mittel erdie Stiefel und Sonntagskleider ihres Mannes zu dem Pfandleiher schöpft hatten. Als sie nicht mehr aus noch ein wußte, brachte sie Stem. Hier erhielt sie wenige Papiermart gegen einen 3insfag von 40 Proz. Die Sachen wurden ihr jedoch nur auf eine Woche belichen. Von Woche zu Woche mußten die Zinsen bezahlt werden. In derselben Weise war es auch vielen anderen Leuten mit Stern gegangen. Der Pfandleiher hatte sich gegen die Geldentwertung dadurch geschützt, daß er von Ronnte ein Kunde in einer Woche die Zinsen nicht bezahlen, dann wurde die Schuld verdoppelt. Auf diese Weise errechnete der Sachverständige, daß mehr als 20000 Proz. Jahres 3insen von dem Angeklagten genommen worden waren! Nach bem Umrechnungskurs hatten die Darlehenssucherinnen nur wenige Goldpfennige für ihre Sachen erhalten. Viele der armen Frauen haben ihre eigenen Meidungsstücke und die ihrer Ehemänner noch heute nicht einlösen können, da sie nicht einmal imftande sind, die Zinsen aufzubringen. In einigen Fällen hatte sich der Angeflagte von den Frauen fogar über die aufgebotenen 3Zinsen Wechsel ausstellen lassen, die nur über wenige Tage liefen. Staatsanwaltschaftsrat Kirschner bezeichnete den Angeklagten als einen Vampyr, der seine Opfer unter den Wermsten der Armen sich ausgesucht habe und deren Notlage in der schamlosesten Weise ausgebeutet hätte. In der herzlosesten Weise sei er vorgegangen und verdiene daher die härteste Strafe. Deshalb beantragte der Staatsanwalt gegen Stern drei Jahre Gefängnis und 2100 M. Geldstrafe, somie fünf Jahre Ehrverluft wegen Kreditwuchers und unerlaubten Handels mit Brillanten, einer Straftat, die im Laufe der Untersuchung nebenher noch zutage getreten war. Landgerichtsdirektor Schulze sprach in dem Urteil des Schöffengerichts aus, daß an sich der Angeflagte die vom Anfiagevertreter beantragte hohe Strafe verdient hätte. Es hätte aber berücksichtigt werden müssen, daß feine Hand fungsweise in die Inflation 53eit falle, alfo in eine Zeit, in der die Moral start gesunten war und in der alle Welt bestrebt mar, Gewinne zu machen. Deshalb hat das Gericht mur auf eine Strafe von einem Jahr sechs Monaten und einer Woche Gefängnis, 2100 M. Geldstrafe und drei Jahre Ehrverlust erfannt. Der Angeflogte war wenige Tage vor der Verhandlung in haft genommen worden, weil zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft gelommen war, daß er seinen Haushalt aufgelöst hätte und beabsichtigte, ins Ausland zu gehen. Der Haftbefehl wurde vom Gericht aufrechterhalten. Schon wieder ein Straßenbahnunfall. una Ein schwerer Zusammenstoß ereignete sich am Mittwoch gegen 2 Uhr vor dem Hause Kurfürstendamm 127, gegenüber dem Part. Dort fuhr ein Straßenbahnzug der Linie 176 mit voller Bucht in das Fuhrwert der Waschanstalt May Hente aus Adlershof hinein. Der Kutscher wurde durch den heftigen Anprall vom Bod geschleudert, blieb aber glüdlicherweise unverlegt, während das Pferd auf der Stelle getötet wurde und der Wagen fchmer beschädigt liegen blieb. Mehrere Fahrgäste, die sich auf dem Borderperron der Straßenbahn befanden, wurden leicht verlegt, fonnten aber fämtlich ihre Wohnungen aufsuchen. Die Wilmersdorfer Feuermehr, die sofort zur Unglücksstelle eilte, beseitigte das Berfehrshindernis, so daß der Betrieb nach einer halben Stunde in vollem Umfange aufgenommen werden konnte. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Folgenschwerer Leichtsinn. Gegen 3 1hr in der Nacht zum Mittwoch brach auf dem Boden des Hauses Sickingenstraße 41 Feuer aus, wodurch der Dachstuhl vollständig eingeäschert wurde. Die alarmierte Feuerwehr fonnte erst nach vierstündiger Tätigkeit wieder abrüden. Allem Anschein nach hat der mohnungslose 54 Jahre alte Maler May Lemke, der unter dem Dach einen Raum zur Unterbringung seiner Malerutenfilien gemietet hatte und dort auch zu nächtigen pflegte, den Brand verursacht. Er soll seine Schlafstätte im angetrunkenen Zustande verursacht. Er soll seine Schlafstätte im angetrunkenen Zustande aufgesucht haben und dabei mit einem offenen Lichte fahrläffig umgegangen fein. 15 Os sidste Per Autobus durch die ganze Friedrichstraße. Wie die Allgemeine Berliner Omnibus- Aktiengesellschaft mitteilt, verkehrt die Autobuslinie 4 vom 1. August ab wieder durch die ganze Friedrichstraße. Vom 1. August ab wird auch eine Autobuslinie vom Bahnhof Zehlendorf Mitte zum Untergrundbahnhof Thielplatz eingerichtet. Der Fahrpreis beträgt 20 Pf. Wann endlich aber werden wir die Verkehrsgemeinshaft bekommen? Wer z. B. von Schlachtenfee oder Zehlendorf- West nach Wilmersdorf will, der muß erst ein Stüd Wannseebahn fahren, dann den Autobus und schließlich die Untergrundbahn benußen und muß jedesmal neu bezahlen, Uebergangstarten gibt es nicht. oder perffeinert werden. Bei der Gedenkfeier für die Opfer des Weltfrieges, die an 3. August vormittags 11 Uhr vor dem Reichstage stattfindet, wird auch der Opfer, die von den deutschen Fliegern gebracht wurden, durch das Erscheinen von zwei Flugzeugen über dem Königsplas während der Feier symbolisch gedacht werden. Die Flugzeuge find von der Fliegerschule Bornemann gestellt und werden von den che maligen Feldpiloten Carganico und Rienau geführt. Waldfest der Freidenter! Genosse Adolf Hoffmann schreibt uns in der Notiz in der Donnerstagmorgen- Nummer, daß die Redner Angabe: voraussichtlich Adolf Hoff zetiel ufw. mit Hoffmanns Namen veröffentlicht und erst hinter: mann" absichtlich irreführend ist. Die Veranstalter haben Handher am 28. d. M. eine Anfrage an ihn gesandt. Da falsche Anfündigungen sich in letzter Zeit wieder mehren, protestiert Benoffe Hoffmann ganz energisch gegen einen derartigen Mißbrauch feines Namens.( Aus diesem Anlaß madyen wir darauf aufmerksam, daß die deutlich lesbare Unterschrift des verantwortlichen Einsenders wir in Zukunft Einsendungen, die nicht den Vereinsstempel und tragen, überhaupt nicht mehr beachten werden. D. Red.) Bezirtsbildungsansschuß Groß- Berlin. Die reise 4, 5, 10, 11, 12, 13, 15, 16 und 17 werden ersucht, umgehend die Fragebogen ausgefüllt. nach hier: zurückzusenden. Die Einzeichnungslisten für Festkonzerte und Proletarische Feierstunden sind ausgegeben. Ginzeichnungen fönnen erfolgen bei allen Abteilungsleitern, sowie in der Buchhandlung Borwärts, Lindenstr. 2, im Jugendsekretariat, Lindenstr. 3, und im Bezirksbildungsausschuß, Lindenstr. 3, 2. Hof II. Berlin 1900, Mitglied des Deutschen Arbeiterfängerbundes, am Freitag, Ein öffentliches Gesangsfonzert gibt der Meinetesche Männerchor den 1. August, abends 7, Uhr, im Schillerpark vor der Terraffe Die Kundgebung wider den Brieg", beranstaltet von der Sozialistis schen Arbeiter- Jugend Groß- Berlin, er bebegir? ReutilIn fann am Freitag, den 1. Auguft, auf Grund technischer Schwierigkeiten richt stattfinden. Ausgegebene Karten werden zurüdgenommen. 3m Lunapart finden am 4., 6. und 8. August Rad- Bettrennen statt. Um den Preis vom Lunapart starten zwölf unserer zum Teil aus den Berliner Sechstagerennen befannten Rennfahrer, u. a. Mar Hahn, Franz Kruptat, Paul Münzner, Delar Tieb, Artur Stellbrint, Billi Techmer, Hermann Badebus usw. Die jeweiligen Sieger der beiden ersten Renn fage treten am 8. August zum Entscheidungsfahren an. Das nähere Programm wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben. Rampf mit Wilderern im Harz. Förster auf mehrere Bilderer, die einen Hirsch erlegt hatten. Es An der Grenze des Tanner Malbreviers im Harz traf ein Förster auf mehrere Wilderer, die einen Hirsch erlegt hatten. Es entspann sich ein heftiger Rampf. Der Förster schoß den einen Bilderer nieder, einen anderen verwundete er schwer. Die übrigen Bogelen aus Tanne erfannt worden. flüchteten. Der Tote ist als ein 70jähriger berufsmäßiger Wilderer Fabrifeinsturz im Regen. Nach einer Meldung aus Bomban ist infolge der schweren Regengüffe der letzten Zeit ein großer Teil der Baumwollfabrik Don Ahmedabad eingestürzt, während die Belegschaft arbeitete. 26 schmerverlegte Arbeiter wurden dem Hospital zugeführt, während 60 andere noch unter den Trümmern begraben liegen. nischen Belfrundflieger sind am 30. Juli in Brough bei Hull zur Weiterflug der amerikanischen Welfrundflieger. Die amerifa Fortsetzung ihres Fluges gestartet und werden zunächst bei Kirtwall auf den Orkney- Inseln landen, um von dort die lezte Etappe ihres Weltfluges zu beginnen. Ein amerikanisches Kriegsschiff wird auff einschlagen werden, patrouillieren. dem Wege, den die Flieger über Island und Grönlan d brüde zwischen Hamburg und Harburg entgleiste ein Teil eines Zugentgleifung auf der Hamburger Elbbrüde. Auf der ElbGüterzuges. Sechs Wagen stürzten um und richteten erheblichen Schaden an. Der Personenverkehr wurde nicht gestört. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 31. Juli, abends 71% Uhr: Gesundbrunnen I. Schule. Gotenburger Straße 2. Bortrag: Rarl Morg, Gein Leben und fein Wert". Schmargendorf. Rathaus Schmargendorf. Bortrag: Allgemeine Jugendbewegung". Weißensee. Realgymnasium, Woeldpromenade, Vortrag: Erlebnisse von der Fahrt durch Thüringen". Weitere Berliner Anzeigen gegen Haarmann. Nachdem erst fürzlich von den Berliner Behörden 8 Anzeigen an die Hannoversche Polizei weitergeleitet worden sind, die mög licherweise mit dem Fall Haarmann in Verbindung stehen, sind neuerdings zwei weitere Anzeigen bei der Berliner Polizei of über das Verschwinden von zwei jungen Männern Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 31. Juli. Sport. Rennen zu Karlshorst am Mittwoch, den 30. Juli. 1. Rennen. 1., Spöfentiefer( Rus), 2 Baria( Regal), 3. Szep Asszony( Wolff). Toto: 32:10. Blag: 18, 46:10. Ferner liefen: Vivace, afloped Memento. 2. Rennen. 1. Erzhalunke( Schuller), 2. Octavio( B. Sfreit) ,. 3. Maimond( Mannchen). Toto: 16:10. Blas: 11, 14, 13:10. Ferner liefen: Heerführer, Bippchen II, Kriegsbruder, Helmerding, Siri, Burgunder. ( Schuller). Toto: 33:10. Blag: 15, 14, 15:10. Ferner liefen: Rotbart, 3. Rennett. 1. Ziane II( Mate), 2. Zurfball( Meja), 3. Siege Connenschein, Hella, Minenhof. kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bein der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik. 7.30 Uhr abends: Sprachunterricht( Englisch). 8 Uhr abends: Vortrag, des Herrn Oberpostrat Dr. Harbich, vom Telegraphentechnischen Reichsamt, Berlin. 9-10 Uhr abends: Konzert der verstärkten. Funkkapelle. 1. Ouverture zu„ Ruy Blas", von Mendelssohn- Bartholdy. 2. II. L'Arlesienne Suite, von Bizet. 3. Réverie, von Leoncavallo. Friml. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tages4. Fantasie aus Sylvia" von Delibes. 5. Valse Papillonne. von nachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 10.15 bis 11.30 Uhr abends: Tanzmusik. 4. Rennen. 1. Gichwald( Mate), 2. Ditflucht( K. Edler), 3. Elfchen ( Schuller). Toto: 25: 10. Plag: 17, 12:10. Ferner liefen: Lilienstein, Tippel 5. Rennett. 1. Melinit( v. Pelzer), 2. Ellen( A. b. Besterhagen), 3. Spiritist( r. Freese). Toto: 17:10. Blag: 11, 13: 10. Ferner lief: 3ngri. 6. Rennen. 1. Sydow( Mate). Fichte( St. Edler), 3. Flora( Rufulies). Toto: 19:10. Blas: 13, 19, 19: 10. Ferner liefen: Sheitan, Varus, Puppenfee, Laon, Märchenzauberin 7. Rennen. 1. Parsifal( D. Müller), 2. Tranfuse( Torte),& Saufizer ( bert). Zoto: 37:10. Blag: 16, 18, 23:10. Ferner liefon: Balto, Flamberg, Grencza Gora, Leonore, Dorns Bruder, Theos, Beritas, Mara Die Vorwände der Brotwucherer. Unwahrheiten und Wahrheiten im Zollkampf. Es ist verständlich und bedarf nicht vieler Erklärung, daß unfere Agrarier wie andere Leute lieber höhere als niedere Preise für ihre Erzeugnisse einnehmen. Es begreift sich, daß die Masse der Landwirte, der volkswirtschaft lichen Zusammenhänge unfundig, der Einfachheit halber zur Bekämpfung ihrer gewerblichen Schmierigkeiten das nächst liegende Mittel der künstlichen Preiserhöhung wählt, obwohi den dauernden Nugen davon nicht der arbeitende Landwirt, sondern der mußige Agrarkapitalist: der Fideikommißnuznießer, der Berpächter, der abgefundene Erbe, der Bodenspekulant genießt. Es ist ein Zeichen tiefer Leicht fertigkeit, daß die maßgebenden Vertreter der Landwirtschaft für die wichtigen Erleichterungen des Landwirtschaftsbetriebes, die Genosse Braun in seinem Programm ihnen angeboten hat, feinen Sinn zeigten, sondern hypnotifiert auf das bequemere Mittel der fünstlichen Preissteigerung ftarren. All das muß man hinnehmen, weil's menschlich ist, sowenig Sinn auch darin liegen mag. Nicht aber brauchen wir uns gefallen zu lassen, daß zur Rechtfertigung dieser Politik amtlich wie in der Presse die abgestandensten Redensarten und Schwinde feien verzapft werden, die so alt sind wie der Kampf um die Getreidezölle und immer wieder widerlegt worden sind. Trägt das Ausland den Zoll? Benn es wahr wäre, mie die Agrarier seinerzeit behaupteten, und wie Graf Kaniß ihnen heute wieder nach betet, daß das Ausland den Zoll ganz oder zum übermiegenden Teil trage, dann hätte doch die ganze Agitation feinen Sinn Niemand wird glauben, daß unsere Agrarier, Sie sich um Reichstaffe und Steuereingang wirklich noch nicht viele Sorgen gemacht haben, eine große Bewegung in Szene fegen, damit ausländische Händler Zölle in die Reichskasse zahlten, die den inländischen Getreidepreis unverändert ließen. In Wahrheit handelt es sich natürlich nur um die Erhöhung dieses Breises, und dieser Smed ist auch immer erreicht wor= den Go foftete bei einem Zoll von 50 M. auf die Tonne Roggen, von 55 M. je Tonne Weizen im Jahre 1910 im Durchschnitt in Berlin. in Riga 0 in Amsterdam 1 Tonne Roggen 152 M. 118 124 1 Tonne Weizen 212 M. 152 160 M Nach der omtlichen Begründung der Zollvorlage von 1902, die zum Hochschutzzoll von 1906 geführt hat, war der Breis für Im Durchschnitt In Danzig Durchschnittl. der Jahre Inlandspreis unberzollt Noggen Inlandspreis höher um M. Bolsas 330 1885/87 97,50 134 36,50 30 1888/91 113,90 167,30 53,40 50 1896/99 98,70 134 35,30 35 Weizen 1885/87 141,20 1888/91 149 161 193 164,50 119,80 44 35,70 1896/99 128,80 30 50 35 Ich bestreite aufs allerentschiedenste, daß die Kornpreise und die Brotpreise in irgend einem nachweisbaren 3usam menhange stehen." Am 21. Mai 1879 erklärte Fürst Bismard, der Bater, wie nicht zu bezweifeln ist, an, daß die Entwidlung in dieser des nedischen Wortes„ Amtlich wird nicht gelogen", im Richtung fortgegangen ist die Umstellung zur KriegsReichstag: industrie hat die Industrialisierung start gefährdet, die Lebenss mittel- und Wohnungsnot ihr nur schwach entgegengewirft-, bedenkt man, daß die Abtretungen den Anteil der Landwirtschaft am verbliebenen Reste weiter vermindert,*) der Flüchtlingszustrom, der über die Städte ging, ihren Verhältnisanteil noch mehr herabgemindert haben, so tann der Anteil der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung heute nicht höher als etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung angenom men werden. Landwirtschaftsfragen und daher noch lange nicht ohne weiteres allgemeine Bolfsangelegenheiten. Aber auch die Landwirtschaft treibende Bevölke rung ist noch lange nicht in ihrer Maffe an hohen Getreide preifen interessiert. Im Gegenteil! Nady der Betriebsstatistik von 1907 gab es Damals war es Mode, nach seinem Vorgang auf die Bäder loszuschlagen, burch deren ungerechten Verdienst die Brotpreise weit über Gebühr getrieben würden. Es soll hier nicht behauptet werden, daß die Bäcker wenig verdienten, und eine Beränderung der Preisspanne zwischen Erzeuger und Berbraucher ist eine wichtige Aufgabe der Wirtschaftspolitik, der leider gerade unsere Agrarier nicht Förderung, sondern durch ihre Unterstützung des mittelständlerischen Kampfes gegen die Konsumgenossenschaften Schwierigkeiten bereiten. Aber ganz willkürlich ist die Annahme, daß die Bäder die Berteuerung ihres wichtigsten Rohstoffs durch eine Verringerung ihrer Betriebskosten oder ihres Geschäftsgeminns ausgleichen würden, und geradezu sinnlos die Weisheit des " Heros des Jahrhunderts", die einen Zusammenhang zwischen diesen Dingen überhaupt bestreitet. Wie eng er in Wahrheit ist, zeigt folgende Aufstellung, die der spätere Leiter des statistischen Amtes der Stadt Berlin Dr. Hirschberg in Conrads Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistit ( III. Folge, Bd. 17) mitgeteilt hat. Danach war in Berlin Im Jahre Roggenpreis Roggenmehlpreis Roggenbrotpreis je 100 kg M. je 100 kg M. je kg Pf. 13,06 20,80 1886 1890 17,00 1894 11,77 1898 14,63 17,90 23,45 15,47 20,12 27,18 20,43 25,15 unter 2 ha 2-5 Davon Betriebe bauten Brotgetreide Mit Brot Getreide getreide befläche je baubaut marent ha Getreideernte je Betrieb in Doppelzent. 1) enden Betrieb ha 3 378 509 2 585 716 341 983 0,13 2,8 1 006 277 985 013 819 651 0,88 14,5 " 1 065 539 1 050 696 2.726 807 2,69 45,8 262 191 259 475 2 372 000 9,14 162,0 " 23 566 Zusammen 5 736 082 28 262 1 760 008 75,66 1324,9 5-20 20-100 über 100 Nach der Ertragsstatistik von 1905-1909 wurden je Hektar 17,5 Doppelzentner Brotgetreide geerntet. Der Berbrauch von Getreide für menschlichen Berzehr in Form von Brot, Mehl, Teigmaren, Kaffee- Ersaz usw. einschließlich der in Brauerei und Brennerei vergeudeten Mengert 1894 mar in dieser Zeitfolge das billigste Jahr. Das wurde auf 170 bis 180 Rilogramm je Kopf und Jahr berech teuerste mar 1891 mit folgenden Zahlen: 21,12 29,05 31,66 Man sieht: überall ein nicht gleichmäßiges es wirken ja noch weitere preisbildende Umstände mit, die sich oft anders verhalten als die Getreidepreise aber ein stetiges Auf- und Absteigen der Mehlpreise mit den Roggen- und wieder mit ihnen der Brotpreise! Sonach ist die Enwirkung der Zölle auf die Getreide- und durch diese auf die Mehl- und Brotpreise unbestreitbar. Man tönnte den politischen Kampf einfacher und reinlicher gestal denen, immer wieder aufgedeckten unwahrheiten verzichten ten, wenn die Befürworter der Zölle auf ihre alt abgestan und schlichtweg erklären mürden: Wir fordern Zölle, um die Preise unseres Getreides zu erhöhen, auch um den Breis der dadurch unweigerlich herbeigeführten Vertauerung von Mehl, Mehimaren und Brot. Das wäre wenigstens ehrlich. Doch die Befürworter dieser Politik legen auf diese Ehrlichkeit, die ihren politischen Kampf sehr erschweren würde, fein Gewicht. Wer hat Interesse an Agrarzöllen? Aber mit dieser Feststellung ist die Frage noch nicht er schöpft. Es bleiben noch zwei Behauptungen zu prüfen. Sie lauten: # net, mit Einschluß des Biehfutters auf 250 Kilogramm. Die legtere Menge entfällt ganz auf die Landwirtschaft, erhöht also deren Bedarf auf das Mehrfache des durchschnittlichen Eine Familie von 5 Köpfen mit einer Silfskraft, die man für einen Betrieb zwischen 2 und 5 Heftar als das Mindeste rechnen muß, verbrauchte danach annähernd 3000 Kilogramm unmittelbar oder in Form gewerblicher Erzeugnisse, die sie faufte. Ihr Ernteertrag aber mar etwas mehr als die Hälfte,' wovon noch die Aussaat abgeht. Auch die Betriebe von 5 bis 20 Hektar mit einem Bedarf ( bei 5 bis 6 Familiengliedern und 3 bis 4 Hilfskräften) von geringen Ueberschuß, d. h. die größeren Betriebe etwas mehr, fast 4000 Kilogramm haben im Durchschnitt nur einen ganz die Mehrzahl der fleineren entsprechend weniger oder einen ungedeckten Bedarf, der Zukauf verlangt. Erst die kleine Zahl der Betriebe über 20 Hektar, die allerdings den weitaus größten Teil des Bodens besitzt, hat fast durchweg einen mit dem Betriebsumfang steigenden, bei dem Groß- und Riesenbesiz riesengroßen Borteil von erhöhten Getreidepreisen. Auf die vielfachen feineren Unterschiede, die na Bodengüte und Lage verschiedene Betriebsrichtungen und teilweise beträchtliche Interessengegenfäße auch unter Landwirten gleicher Betriebsgröße ergehen, fann hier nicht eingegangen werden. Jedenfalls aber ist die Masse der Kleinland mirte nicht an hohen, sondern an mäßigen Getreidepreifen interessiert. So erflärte Reichsfangler Fürst Hohenlohe am 29. März 1895 im Reichstag: Bestenfalls werden die landwirtschaftlichen Betriebe con Man sieht, nicht auf den Pfennig, aber annähernd, ein mal höher, einmal niedriger, stellt sich der Inlandspreis Weltmarktpreis Zoll. Ein Beweis dieser Tatsache sind auch die fleinen Bölfermanderungen, die überall an den Reichsgrenzen stattfanden, um die für den schmalen Grenz du berhindern und damit unsere Boltsernährung 6 Sjeftar ab bei gutem Boden imftande sein, den Bedarf an Ge gürtel geltende Befreiung von den Eingangszöllen im Klein nerfehr auszumügen. So erzählte der Zentrumsabgeordnete Hug Konstanz am 6. Februar 1903 im Reichstag: " Diese Zollbefreiungen haben einen hohen Wert für die ärmere Benölkerung, die auch einen ausgedehnten Gebrauch davon macht. Es rührt dies daher, daß die Lebensmittel in der Schweiz mefentlich billiger find als bei uns. 3. B. ein Kilo Btot foftet in der Schweiz 6 bis 7 Pf. meniger als in Baden. Es kommt das daher, weil in der Schweiz teine Getreidezölle eingeführt find." Der deutsche Roggenzoll war damals 7 Pf. je Kilogramm. Kornzölle und Brotpreise. Diese Darstellung beleuchtet schon den zweiten Schwindel, mit dem die Agrarier feinerzeit getrebst haben und der auch heute in ihren Gründen", die die Birkung der Zölle mög lichst harmlos mollen erscheinen lassen, stets wiederkehrt. TACK SCHUH Your gute Lovescord 190 gibt folgende Beispiele seiner Billigkeit Kinder- Leder- Schnürstiefel, beliebte Form.. Gr. 20/22 180 Kinder- Schnürstiefel, echt R.Chevreau, Gr. 25/26 4.90, Gr. 23/24 3.90, Gr. 20/22 320 Mädchen- Schnürstiefel, Rindbox, dauerhaft, Gr. 25/39 von Brauner Damenhalbschuh, echt R.- Chevreau, spottbillig Herren- Stiefel, echt R.- Chevreau, spottbillig. SW, Friedrichstr. 240/41 W, Potsdamer Strasse 50 W. Schillstrasse 16 .. 90 59 an 980 980 NW, Beusselstrasse 29 NW, Turmstrasse 41 NW, Wilsnacker Str. 22 1. Die Landwirtschaft, die michtigste Säule des Gesellschaftsgebäudes, verlangt nach dieser Zollpalitit. 2. Die 3ölle find nötig, um den Uebergang zur erten fiven, die Kräfte des Bodens nicht verwertenden Wirtschaft 6ufichern. Was ist daran mahr: Tatsächlich ist nicht die Landwirtschaft, sondern nur ein Bruchteil der Landwirte, ein fleiner und stets abnehmender Bruchteil der Gesamtbenölkerung, durch die Zölle begünstigt. Leider geht unsere Berufsstatistik nicht weiter als bis 1907. Immerhin läßt diese lezte Zählung im Bergleich mit den beiden vorhergehenden die Richtlinien deutlich erkennen, die mit der Erfahrung seit 1907 durchaus übereinstimmen. Die landwirtschaftliche Bevölkerung war bei den drei Berufs- und Gewerbezählungen: In Tausend Broz. der Gesamtbevölkerung 1882 19 226 42,0 1895 18 501 35,8 1907 17 681 28,6. Also eine kleine, aber andauernde Abnahme der Zahl an sich bei einer andauernd starten Zunahme der Gesamtbenölte. rung und dadurch eine rasche und starke Verminderung des landibirtschaftlichen Anteils an der Gesamtzahl. Nimmt man, Lonrad N, Brunnenstrasse 37 N, Danziger Strasse 1. N, Friedrichstrasse 130 treide für den Befizer und seine Familie zu decken. Nun umfassen landwirtschaftlichen Betriebe..., die von der Erhöhung der Ge. die... Gruppen( mit geringerer Fläche) zusammen 76 Broz aller treibepreise feinen Borteil, ja mit wenigen Ausnahmen bireften nachteil durch die Berteuerung der Lebensa baltung haben werden." Diese Tatsachen und Urteile ließen fich häufen. Wir sehen: Von etwa einem Fünftel der Bevölkerung, die Landwirtschaft treibt, ist fnapp ein Viertel, d. i. der zwanzigste Teil der Gesamtbevölkerung, durch hohe Getreidepreise begünstigt. Neunzehn 3manzigstel werden dadurch ge schädigt! Das eine Zwanzigftel umfaßt freilich die Schicht des größeren und großen Grundbesizes, den Kern der staatserhaltenden Parteien" von ehedem, der durch Jahrhunderte *) Nach dem Statist. Jahrbuch 1921/22 hat sich durch die Ab. tretungen die gesamte Reichsbevölkerung um rund 10, die von Land. und Forstwirtschaft lebende aber um 15 Broz. verringert. Pumps 890 Damen br. R.Chevr. sehr chic Herren- Halbsch. 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Tatsache ist, daß Getreidepreise und Bodenpreise eng zusammenhängen. Jede Bollerhöhung treibt sofort den Bodenpreis. So taufte nach Gotheins Agrarpolitischem Handbuch die Ansiedlungsfommission in Bosen und Westpreußen im Jahre 1903 den Hektar durchschnittlich mit 1007 M., nach der Zollerhöhung im Jahre 1907 mit 1508 M. Die Stadt Greifswald hatte ein Rittergut für 12 000 m. verpachtet. Nach Einführung des Bülowtarifs erklärte sich der bisherige Bächter bereit, 18 000 m. Pacht zu zahlen. Jeder Verkäufer, also auch der Spekulant, der zum Verkaufen kauft, jeder Berpächter, alfo der winzige Bodenbesitzer, hat Vorteil von hohen Käufer, also der kleine Mann, der sich ansiedeln will, jeder Bächter, der mit seiner Arbeit die Bodenrente des Herrn aufbringen muß, Vorteil von niedrigen Bodenpreisen. Ebenso der Landwirt, der seinen Betrieb selbst führt, im Gegensatz zu den nichtarbeitenden Familienangehörigen, die als Miterben je nach dem Geldwert des Familienbefizes in Geld abgefunden werben, das der Landwirt, in dessen Händen das Gut bleibt, verzinsen muß. | Denten wir uns in einer Stadt ein Gaswert, das einem ein zigen Mann gehörte. Könnte dieser seinen Betrieb zu den geltenden Preisen nicht aufrechterhalten, so müßte die Gesamtheit der Gasverbraucher wohl oder übel die Erhöhung bewilligen, um nicht auf das Gas zu verzichten. Bestände wirk lich die Gefahr, daß niedrigere, nicht durch Zoll hochgetriebene Preise die ertensive Betriebsweise erfordern, d. h. die volle Ausnutzung der Bodenkräfte für den Ernährungszweck unter: binden, dann müßte das Opfer der Preiserhöhung gebracht werden freilich noch lange nicht in der grob schematischen und unsozialen Weise, in der ohne jedes Mitwirkungsrecht der Gesamtheit einfach alle Broteffer mehr zahlen, alle Getreideverfäufer mehr einnehmen, wie es der Roll mit sich bringt. Aber liegt die Gefahr wirklich vor? Der Weizenertrag je Heftar mar in Doppelzentnern: Schußzzollstaaten Dentsch- Defter Frant land reich reich Stalien Eng land Däne mart Freihandelsstaaten Holland Belgien 1881/ 85*) 14,48 10,82 12,12 7,67 19,53 17,28 17,11 21,85 8,68 21,58 23,05 22,33 29,56 19,9 13,4 14,8 8,8 20,4 20,7 25,2 20,4+) 16,5 11,0 23,7 33,1 22,0 34,3 *) Durchschnitt der Jahre.- †) Dhne goll. 1901/ 05*) 18,44 11,97 18,55 1910. jeber 1921 Nun würden alle diese Tatsachen nicht durchschlagen, wenn die Beltsernährung wirklich diese Zollpolitik erforderte. Die Uebersicht zeigt, daß der Hektarertrag in den zollfreien Ländern durchschnittlich erheblich höher war als in den zollgeschüßten, und daß dieser Vorsprung sich im Wandel der Beiten mindestens erhalten hat. Man vergleiche die Entwiclung in Holland und Dänemark mit der in Frankreich und Italien! Gewiß würde der Rückgang fünstlich hochgehaltener Getreidepreise manchen zum Getreidebau weniger geeigneten Boden für andere Früchte, für die er besser taugte, freimachen. Gebrauche Ata At Das Automi | an Es würde sich auch die naturgemäße Entwicklung, die den überseeischen Boden mit seinen riesigen gleichmäßigen Flächen dem Körnerbau, den heimischen, verhältnismäßig eng be= grenzten, in vielfältigster Mannigfaltigkeit liegenden Boden der mehr gewerblichen, einen aröseren Aufwar Menschenarbeit und Geschick erfordernden Betriebszweigen des Gemüse und Obstbaues, der Mastvieh, Geflügel- und Milchwirtschaft nach dem Muster von Holland und Dänemark zuführt, dann leichter durchseßen. Diese Entwicklung gilt es nicht aufzuhalten, sondern zu fördern. us Agi= tationsschlagwort der Agrarier, daß das ganze Bolt dauernd Opfer bringen müsse, um im Kriegsfall die Ernährung Deutschlands aus eigener Kraft sicherzustellen, hat sich als hinfällig erwiesen. Deutschland hat sich nicht aus eigener Kraft ernähren fönnen und ist dadurch wie durch die Wirkung vieler anderer Sünden und politischer Mängel unserer agrarischen Herrenkaste zu Fall gefommen. Und die Weltlage, die Deutschland mit der ganzen Welt kämpfen und den Versuch der selbstgenügenden Wirtschaft austosten ließ, fann nie mehr wiederkehren. Wozu dann der Versuch. Absterbendes künstlich zu erhalten, unsere Volksernährung zu gefährden, die Industrie zu behelligen, den Staatshaushalt zu erhöhen, den Abschluß von Handelsverträgen zu erschweren? Nur um den bevorrechteten Herren des vaterländischen Bodens dauernd ihre Grundrente ungeschmälert und wachsend zu erhalten und ihnen die Umstellung auf vielleicht umständlichere, dafür aber der heimischen Ernährung dienlichere Betrieszweige zu er sparen! Das ist eine Politik des Schuges der nation nalen Arbeit, sondern der Bodenrente auf often der Volksmassen und ihrer Er= Simon Kagenstein. nährung. 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Unterbezirkssekretär zum möglichst baldigen Antritt vom Unterbezirk Jüterbog- Luckenwalde mit dem Sitz in Lucken walde gesucht. Bewerbungen von bereits bewährten Kräften sind bis zum 10. August an den Vorsitzenden des Unterbezirks, Genossen Franz Weibezahl, Luckenwalde, Haag 13/14, zu richten. Sabis Tüchtige branchekundige go Verkäuferinnen für die Abteilungen Möbelstoffe Gardinen Bettfedern sofort gesucht. Meldungen zwischen 1-2 Uhr mittags und 6-7 Uhr abends leiden. Jandorf& Co Alleinmädchen. Stüßen, Köchinnen, Hausmädchen, Aushilfsmädchen finden jederzeit gute lohnende Stellung bei tostenloser Bermittlung durch den Be girlsarbeitsnachweis Wedding, Abteilung für weibliches Haus personal, Berlin N31, Brunnenstr. 59, nach mittags 4-7 Uhr. Belle- Alliance- Str. 11-2 nt.ss« ♦ M.Jatftgaag 2» �OCÖJQrtÖ»ooncrsiog, SI.JuUMJl Jean saures zum Gedächtnis. Zum zehnten Jahrestage seines Todes. Als am 31. Juli 1914 der Revolverschuß eines feigen Dleuchelmörders Jean Jaur�s niederstreckte, empfand jeder instinktiv, daß durch diesen Mord einer der stärksten morali- scheu Widerstände gegen den Krieg vernichtet worden war. Marcel S e m b a t schrieb damals in seinem Nachruf in der „5)umanitH".-„Jauräs stirbt, die Mobilmachung ist erklärt. Jauräs geht, der Krieg kommt. O, wenn man auf seine Worte gehört, wenn man seinen Rat besser befolgt hätte, vielleicht wären wir jetzt nicht in den Krallen des Ungetüms." Das Empfinden, das in diesen Worten zum Ausdruck kam, war wohl nicht allein in den Kreisen der engeren Parteifreunde von Jaur�s vorherrschend. Als Jauräs, der in den kritischen Tagen vor dem Kriegsausbruch mit leidenschaftlicher Hingabe für den Frieden gearbeitet hatte, noch am Abend des 31. Juli eine Rücksprache mit der Regierung hatte, war die Wucht seiner Argumente und die unbezwingbare Logik seiner Rede so stark, daß der Unterstaatssekretär Abel Ferry ausrief:„Wie tief bedauere ich es, Herr Jaurös, daß Sie nicht in unserer Mitte sind, um UNK mit Ihrem Rat beizustehen!" Wenige Stunden danach war der beredsame Mund geschlossen, der glühendste und größte Geist, den Frankreich besaß, durch Meuchelmord vernichtet, und ungehemmt konnten die Bestialität des Kriegs- raufches, der Wahnwitz des Völkermordes über Vernunft und Menfchjichkeit triumphieren. Der nationalistische Mordbube, der Jean Jaurds nieder- streckie, wußte sehr wohl, was er tat. Genau so wie in den späteren Jahren in Deutschland, als die Reaktion kühl und planniäßig die besten Vertreter des Proletariats hinmordete, unternahm die chauvinistische Reaktion in Frankreich am 31. Juli einen Stoß gegen das Herz des französischen So- zialismus. Denn Jauräs war nicht nur der große parlamen- tarische Redner, der auch Andersdenkende mit sich fortriß, er war nicht nur der weitschpuende kenntnisreiche Politiker, dessen Urteil weit über die Kreise seiner Partei beachtet wurde, er war der Repräsentant der gesamten französischen Arbeiter- klasse, deren Wille zur sozialen Gerechtigkeit, zur politischen Macht, zur Fortführung des Werks der großen französischen Revolution in dem glühenden Tatwillen von Jaurös zum Ausdruck gelangte. Jauräs war kein Angehöriger der proletarischen Klasse, er entstammte bürgerlichen Kreisen und kam erst im Jahre 1893, als 34jähriger, zur sozialistischen Partei. Er kam zu ihr, aus- gerüstet mit außerordentlichem Wissen auf philosophischem, geschichtlichem und ökonomischem Gebiet: er kam zu ihr, nach- dein er die Unvollkommenheiten und Irrtümer der bürger- lichen Weltanschauung erkannt und die Ueberzeugung ae- wonnen hatte, daß die großen Prinzipien der französischen Re- volution, angewandt in der Wirklichkeit der modernen kapi- talistischen Periode, nur verwirklicht werden könnten durch den Kamvf der Arbeiterklasse für den Sozialismus. Diese tiefinnerliche Ueberzeugung, die sich parte mit wissen- schaftlicher Gründlichkeit und realpolitischer Tatkraft, machte Jaur�s zum größten Vorkämpfer des französischen Sozialis- mus.' In wenigen Jahren verstand er es, die sozialistische Be- wegung von den Fesseln des Sektierertums zu befreien, ihr die Wege zu den Massen zu ebnen und sie zu einem bedeuten- den Faktor im politischen Leben Frankreichs zu machen. Seine taktischen Methoden, die sich aus den politischen Verhältnissen Frankreichs erklärten, wurden oft im Auslande, insbesondere in Deutschland nicht verstanden oder nicht richtig eingeschätzt. Er galt als das Haupt des Reformismus, während er in Wirklichkeit, in seinem Streben zur politischen Macht, revolu- tionär�r war, als manche seiner radikalen Opponenten. Maß- gebend für seine Beurteilung ist die Rolle, die er dem Prole- tariat in geschichtlicher und kultureller Hinsicht zuwies. Schon im Jahre 1902 schrieb er: „Es zib! fürdcrhin nur eine Klasse mehr, die imstande ist, den Gedanken eine soziale Kraft zu geben: das Proletariat. Das Proletariat, das sich keines Privilegs erfreut, das Proletariat, das nach den Worten von Marx nur seine Ketten zu verlieren hat und sich vor keiner Wahrheit fürchtet, weil jede Wahrheit ihm vorwärts hilft. Jede freie Kritik, die die veralteten und falschen Anschauungen zersetzt, bereitet seinen Ausstieg vor. Deshalb ist auch der instinktive Idealismus� oer die arbeitend« Klasse der Wahrheit entgegenträgt, im Einklang mit ihren wirklichen Interessen. Es gib: sicherlich innerhalb des Proletariats Köpf«, die durch Sklaven- arbeit unterdrückt sind und von bürgerlichen Vorurteilen strotzen. Es gibt außerhalb des Proletariats kühne und unentwegte Denker, die die Wahrheit über alles setzen. Aber als Ganzes genommen ist das Proletariat allein ,n vollständiger Harmonie mit der Wahrheit Trotz ihrer Unbewutztheit und ihrer Ignoranz ist di: Arbeiterklasse die wahrhaft intellektuelle Klasse, denn sie hat es nic nötig, zu lügen." Das Proletariat hat es nie nötig, zu lügen— das ist die Grundidee der Weltanschauung von Jaurus, die treibende Kraft seiner gewaltigen Leistung auf politischem Gebiet. Ge- leitet von dieser Idee, stürzte sich Jauräs nicht nur in alle inner- politischen Kämpfe, in denen es galt, den Grundsätzen der sozialen Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen, er wurde vor allen Dingen zum eifrigsten Vorkämpfer des französischen und des internationalen Proletariats gegen den Krieg, der seit Beginn des Jahrhunderts mehr als einmal auszubrechen drohte. Ausgerüstet mit einer ausgezeichneten Kenntnis aller Einzelheiten der internationalen Politik, stand Jauräs in diesen kritischen Jahren in den ersten Reihen der Sozialisten. die den imperialistisch-militaristischen Lettelungen der bürger- lichen Klassen den entschlossenen Friedenswillen des inter- nationalen Proletariats entgegenstellten. Die Grundlage seines politischen Wirkens war sein Wunsch nach einer deutsch-französischen Verständigung. Unver- gessen ist sein kraftvolles Handeln zur Zeit des ersten großen Marokkokonfliktes von 1905 P, wo sein parlamentarisches Auf- treten den Sturz Delcass�s herbeiführte: unvergessen seine e,n- dringliche Mahnung zur Besonnenheit, als im Sommer 1911 der deutsche Panthersprung nach Agadir, Frankreich in Er- regung versetzt: unvergessen sein Drang, vor deutschen Ar- beitern als Friedensbote zu sprechen: unvergessen sein sreudi- ges Mitwirken an den beiden deutsch-französischen Berständi- gungskonferenzen von Bern und Basel und sein Kampf gegen die Steigerung der Friedensstärke des französischen Heeres durch die Rückkehr zur dreiährigen Dienstzeit. Ileberall, wo es gast, den niistniichondfilt.ftTvftfl:V]Ptnhr''"»Ntgegenznireken und mit kräftiger Hand in das Netz der' diplomatischen Intrigen einzugreifen, stand Jaurös als Sprecher des französischen Pro- letariats in erster Reihe. Er scheute sich nicht, den Haß der französischen Nationalisten und Reoanchephantasten auf sich zu laden, indem er in seiner Rede vom 9. Juli 1905, die durch Richard Fischer in öffentlicher Versammlung in Berlin ver- lesen wurde(er selbst war durch das talentvolle Verbot des damaligen Reichskanzlers Fürst Bülow am Erscheinen ver- hindert worden), erklärte, daß die französische Partei„gründ- lich und für alle Zeiten, und was auch die wechselnde Kon- junkwr des Völkerglückes mit sich bringe, Verzicht geleistet habe auf jedes Vorhoben eines militärischen Rachekrieges gegen Deutschland, auf jeden Gedanken einer sogenannten Revanche". Er kämpfte leidenschaftlich für diesen Ausgleich, den er als das wirksamste Gegengewicht gegen die zunehmende Spannung zwischen den beiden großen europäischen Mächtekoalitionen, als beste Garantie des fortgesetzt bedrohten europäischen Frie- dens betrachtete. Diesem Streben von Jauräs blieb leider der Erfolg ver- sagt. Zwar fand sein Ruf zur Verständigung starken An- klang bei den Arbeitern Frankreichs und Deutschlands, aber ihre politische Macht, ihr Einfluß auf die Gestaltung der inne- ren und äußeren Politik waren zu gering, als daß sie die Wege der europäischen Diplomatie in maßgebender Weise hätten beeinflussen können. Hinzu kam noch die Gleichgültigkeit, die man in breiten proletarischen Kreisen den Fragen der aus- wärtigen Politik entgegenbrachte, sowie jener gefährliche Opti- mismus, der den Ernst der internationalen Komplikationen übersah und den Beschlüssen internattonaler Kongresse oft eine zu bedeutsame Rolle beimaß. Jaurös, der aus ganzer Seele Internationalist war und deshalb eine starke tatkräftige sozio- listische Internationale herbeiwünschte, war ein Gegner dieses zu Selbsttäuschungen verleitenden Optimismus. In seiner be- reits erwähnten Berliner Rede vom 9. Juli 1905 sagte er: „Es darf der Name des Weltproletariats nicht ein prunken- des Wort und ein leerer Schall fein. Es darf das inter- nationale Proletariat nicht zu einer intermittierenden und ober- flächlichen Machtquelle werdcn. die bloß in entfernten Zwischen- räumen auf Kongressen oder durch Zirkularberichte des Internatio- nalen Sozialistischen Bureaus zur Wirkung gelangt. Es muß eine wirkende, eine wohlunterrichtete,«ine wachsame Macht werden, die stets imstande ist, di« Ereignisse von vornherein zu kontrollieren und die Konflikte schon im Keime zu überwachen, deren Entwicklung zum Krieg führen könnte." In noch schärferer Weise äußerte sich Iauräs in seiner berühmten Rede auf dem Internationalen Sozialistenkongreß in Basel(November 1912), der angesichts der durch den Balkankrieg heraufbeschworenen Gefahren einberufen worden, war: � „Die Jnternational«— rief er aus— muß wachen, daß sie über- all ihr Wort des Friedens hindringen läßt, daß sie überall ihr« gesetzliche oder revolutionär« Aktion entfaltet, die den Krieg oew hindern wird, oder aber, um an den Verbrechern Vergeltung zu üben, die ihn verschuldet haben... Ueberall müssen wir hingehen, um das Bewußtsein unserer Aktion in die Massen zu tragen, überall in den Parlamenten müssen wir unseren Entschluß zum Frieden noch einmal bestätigen. Alle Köpf« erfaßt der Gedanke des Friedens und der Internationale, und während die Regierungen wanken und zögern, müssen wir vor ihnen die proletarisch« Aktion er, stehen lassen." In diesen Worten, in denen leidenschaftlicher Kampfwillö mit nüchterner Realpolitik vereint sind, steht Iaurös in seiner ganzen Größe und Lebendigkeit vor uns. Kein Träumer, kein Stubengelehrter, kein Schönredner, sondern einManntat» kräftigen Willens, der die Größe des Problems und die Schwierigkeit der Wege sieht, aber keinen Augenblick davor zurückschreckt, wenn es sein muß, die ganze Macht der pro- letarischen Klasse in die Wagschale zu werfen, um den Krieg zu verhindern und die ganze Menschheit vor der Katastrophe zu retten... Was er damals aussprach, möge als Ver- mächtms fortleben im Bewußtsein der Arbeiter aller Länder, die ihn als einen der größten ihrer Vorkämpfer ehren müssen, Republik unö Sozialismus. Es ist gesagt worden, Republik oder Monarchie sei nur eine Form des Staates, es komme aber auf den Inhalt an. Das ist in doppelter Beziehung falsch. Dia Republik ist an sich ein hohes Gut. Dem» sie ist die V e r w i r k l i ch u ng derFreiheit.... Sagen wir damit etwas, was nicht Geist vom Geist des! Sozialismus ist? Was ist denn Sozialismus, wenn Sozialismus nicht Freiheit ist?! Wir wollen doch den. Sozialismus, weil wir befreit sein wolsen von der Uebermacht der materiellen Interessen, von der Herrschast der Interesse iwrganisationen, weil wir wollen, daß eud- lich diese Fragen aufhören: wo kann ich heute Mittagbrot essen, wo finde ich morgen ein Obdach? Diese Dinge müssen aus dem Gesichtskreis der Menschheit zurücktreten, damit die Menschheit sich erst verwirklichen kann in der Teilnahme an den Gütern der menschlichen Kultur. Kultur und Frei» heit ist unzertrennlich, und deshalb ist R e p u- blit und Sozialismus unzertrennlich. Aus der Rede des Genossen Rudolf Hilferding auf dem Sozialdemokratische» Parteitag in Berlin. Di« Rede ist unter dem Titel„Für die soziale Republik" im Dietz-Berlag erschio, netz uni> oaeulD Pfemag�u beziehM. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin W. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Bezirksvorstandssitung! Heute, Donnerstag, den 31. Juli, nachmittags 5 Uhr, Sigung des engeren Bezirksvorstandes im Sekretariat, Lindenstr. 3. Sonnabend, den 2. August, abends 6 Uhr( pünktlich), Sigung des erweiterten Bezirksvorstandes im Jugendheim, Lindenstr. 3.( Die Kreise müffen unbedingt vertreten sein.) 132. Abt. Blankenburg. Freitag, den 1. Auguft, abends 8 Uhr, öffentliche Versammlung bei Alug, Dorfstraße. Vortrag des Genossen Rünstler über: Die politische Lage, Schußzölle und Lastenverteilung. Kreisleiterinnen für Arbeiterwohlfahrt. Die Fragebogen find umgehend einzusenden. 9. Areis Wilmersdorf. Die Kreisdelegiertenversammlung findet um 8 Uhr im Bittoriagarten, Wilhelmsauc, statt. $ 4. Rreis Reukölln. Die Abteilungen werben ersucht, bis Sonnabend, den 2. August, im Getretariat Namen und Wohnung der Delegierten zum Bezirtstag anzugeben, 17. Areis Lichtenberg. Am Sonntag, den 3. August, nachmittags 4 Uhr, feiert der Kreis fein diesjähriges Sommerfest im Restaurant Reu- See land"( Schonert), Rynaststraße 19. Darbietungen der verschiedenen Arbeitersportvereine( Turner, Radfahrer, GSchwimmer, Artisten) sowie des Berliner Ulttrios und der vereinigten Sänger Lichtenbergs. 20. Areis Reinidendorf. Freitag, den 1. August, abends 7 Uhr, im Bolts. haus Reinickendorf- West, Scharnweberstraße 114, RreisvertreterverfammJung. Tagesordnung: Bortrag über: Die politische Lage, und Stellung nahme zum Bezirkstag. Genoffinnen und Genossen als Gäste willkommen. Heute, Donnerstag, den 31. Juli: 13. Abt. Achtung, Bildungsausschuß! Die Einzeichnungslisten für die Brole= tarischen Feierstunden und Winterkonzerte liegen beim Genossen Dr. Adolf Baez, N. 21, Stromstraße 58 I, wochentags täglich von 5-6 Uhr bis juni 25. August aus. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 29. Abt. Die Einäscherung des verstorbenen Genossen Georg Soff, Stargarder Straße 47, findet statt am Freitag, den 1. August, vormittags 10 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. 38. Abt. Genoffe Otto Reiter, Strausberger Str. 4, ist verstorben. Be. erdigung Freitag, den u. August, nachm. 2% Uhr, von der Salle Sentralfriedhof Friedrichsfelde. Einäscherung 42. Abt. Genofsin Auguste Springsguth ist verstorben. Freitag, den 1. August, vormittags 11 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 110. Abt. Grünau. Genoffin Marie Bluhme ist verstorben. Einäscherung Donnerstag, den 31. Juli, nachmittags 1½ Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Kaiser- Wilhelm- Straße 46 III. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Der Festausschuß nimmt an der Verfammlung in Bantow, Freitag, den 1. Auguſt( siehe unter Bankow) teil. Samerabschaft 2, Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 31. Juli, abends 7 bis 8 Uhr, bei Schneider, Brenzlauer Allee 43. Müzenausgabe. Freitag, den 1. August, pünktlich 6½ Uhr bei Blessin, Stargarder Straße 3. Antreten sämtlicher Mitglieder, anschließend Sportübungen. Müßenausgabe. 5. Ramerabschaft( Friedrichshain). Freitag, den 1. Auguſt, abends 7 Uhr, Vorstandssigung mit Führerbesprechung in Schmidts Gefellschaftshaus, Fruchtstraße 36a. Auch müssen an diesem Tage weitere Abfchlagszahlungen geleistet werden. Sonntag, den 3. August, Antreten Weberwiefe. 19. Rreis Ramerabschaft Bantaw. Freitag, abends 7½ Uhr, wichtige Mitgliederversammlung. Vantow, Türkisches Zelt, Breite Straße. Ausgabe der Müßen und Angelegenheit des 3. Auguft. Ortsgruppe Treptow und Jugendgruppe. Donnerstag, den 31. Juli 1924, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung. Treptow, Graeßstraße 1, Lotal Stephan. Tagesordnung: Unsere Berfassungsfeier". Erscheinen Pflicht. Republikaner sind eingeladen. Zur Beachtung. Wir ersuchen die Kameradschaften, alle Nachrichten von Berlin- Brandenburg, Berlin C. 2, Kaiser- Wilhelm- Straße 46 III, gelangen Jungfozialisten, Gruppe Nordost. 7% Uhr zusammenkunft im Jugendheim, Beranstaltungen, Bersammlungen usw. nur an die Geschäftsstelle des Gaues Danziger Straße 23. su laffen, die fämtliche derartige Nachrichten für die gesamte republitanische Presse Berlins zusammenstellt. Einzelne von den Kameradschaften uns zugehende Benachrichtigungen werden wir also ohne die Kennzeichnung, daß fie durch die Geschäftsstelle des Gaues gegangen sind, nicht mehr ausnehmen. D. Redaktion. Der Berliner Mieterbund. Ortsgruppe Neukölln. Am Freitag, den 1. August, 7½ Uhr abends im Restaurant Karlsgarten, Mieterausschußzung. Vorstand. Arbeitersport. Jeden ,, S. B. Sparta 1911". Leichtathletik, Fußball, Socken, Sandball. Dienstag und Donnerstag Training im Lichtenberger Stadion. Gäfic will. tommen. Freie Schwimmer Neukölln. Am Sonntag, ten 3. August, veran stalten die Freien Schwimmer Neukölln" ihr diesjähriges Schwimmen Quer durch Neukölln". Der Start ist um 10 Uhr an der Lohmühlenbrüde( nahe Weichselplaz). Sämtliche Altersklassen werden hier ihre Kräfte im friedlichen Wettkampf messen. Am Ziel, Raiser- FriedrichStraße, find ab 10 Uhr Vorführungen im Brüdenspringen und Rettungsschwimmen. Wasserballspiele guter Mannschaften finden ebenfalls statt. Pankower Sportklub Union 1911. Vereinslokal Heinrich Opl, BerlinPantow, Floraftr. 24, Ede Sennstraße. Gigungstag jeden Freitag 8 Uhr im Vereinslokal. Zur Vervollständigung unserer Seniorenmant it fchaften werden junge Leute über 18 Jahre und zur Hebung der Jugend mannschaften noch junge Leute im Alter von 14-17 Jahren aufgenommen. Auch diejenigen, die das Fußballspielen erlernen wollen, sind gern gesehen. Mitteilungen find an Willy Fischer, Berlin R. 20, Pantstr. 72, zu ridien, Am Sonnabend, den 2. August, findet auf dem Teutoniaplag in der Christianiastraße ein großes Fußballwettspiel zwischen der Union- Bankow und Teutonia 09 um 6% Uhr statt. Da beide Vereine in der stärksten Aufstellung spielen, ist guter Sport zu erwarten. Kreismeisterschaften in Turnspielen. Am Sonntag, den 3. August. finden im neuerbauten Stadion in Reinickendorf, Scharnweberstraße, die Entscheidungsspiele um die Kreismeisterschaft statt. In folgenden Spielarten werben die besten Mannschaften ermittelt: Sand Raff, Faust, Schlag und Trommelba II. Es werden Männer, Frauen, Jugend und alte Herren der fünf Turnbezirke( zirka 500 Teilnehmer) im frieblichen Wettkampf ihre Kräfte messen. Nach den voraus gegangenen Bezirksausscheidungsspielen sind spannende Rämpfe zu erwarten. Beginn der Vorrundenspiele 9 Uhr vormittags, der Endspiele 2 Uhr nach mittags. Fahrverbindung: Straßenbahn 27, 28, 128. Eisenbahn: Bahnhof Eichbornstraße. Theater, Lichtspiele usw. Yolksbühne 8 Uhr: D. Kreuzelschreiber Grete Bäck Karl Etlinger Lea Peukert/ Emil Lind Julius Sachs/ Orto Sauter- Sarto im Theater Große Volksoper des Westens 8 Uhr: Mignon ( Sommerpreise) Staats- Theater Berliner Prater Opernhaus am Königsplatz Täglich 72 Uhr: Fürstenkind Deutsch. Theater Sommerspielzeit Direktion: Staab und Gerner Tägl. 8 Uhr: MaxAdalbert u.Max Landa in Clubleute Kammerspiele Sommerspielzeit Direktion: Staab und Gerner Tägl. 8 Uhr: Georg Alexander inKümmelblättchen Th.i.Admiralspalast 84 U.: Der Erfolg d. Jahres 12 Monate ununterbr. auf dem Spielplan ist die große Revue Drunter und drüber 8 U Intimes Th. Gasts, Künstlersp. Alb/ Nachtlichter Befehl Metropol- Th. 8U.:D.Weltschlager Mascottchen Tribune 8 Uhr: Biederleute mit Jakob Tiedtke Rose- Theater Kastanienallee 7-9 Das sensationelle Juli- Programm Jeden Mittwoch: Kinder Freudenfest Jeden Donnerstag: auf allen Volkstag 0,50 LUNAPARK Heute Donnerstag: Elite Tag Eintritt 1 Mark Großes Feuerwerk Tonkünstler- Konzert Zum letzten Male: Lebende Skulpturen III. Preistag: 50 Geschenke= für die Einsender der 50 besten Verse auf den Lunapark bez.Zwei- od. Vierzeiler 8 Uhr: Lehmanns heater a.Kottbuss.Tor Residenz- Th. Kinder Gartenbühne 7/2 Mädi Reichshallen-Theater Täglich 8 Uhr: Dresdener ViktoriaSänger Täglich 8 Uhr: Elifeu.Ltg: Alfr.Beierle Tägl. 8 Uhr: Sänger Hinkemann Großartiges JuliProgramm 1. a.: Die Lieblingskah des Maharadschal Dönhoff- Brett 700LOGISCHER Anf. 7 Sonnt. 5 U. Gr. Varieté- Progr 20 GARTEN ZOOLOGIS Täglich SCALA Gr. Konzert eröffnet Aquarium 1. August 8 Uhr mit AuslandTierkunstGutschein bis 3. August 1-4 Personen 50% Ermäßigung KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße Gin grauer Kopf macht 10 Jahre älter! Graue Saare erhalten die frühere Trianon- Theater Farbe wieber burch Tägl. 8 Uhr: Anatol Lustsp. v. Schnitzler Gutschein bis 3. August 1-4 Personen 50% Ermäßigung 99 Alcolor". In allen Farben. FI. M. 8,75 u. 5,50. In Drog., fonft bei Otto Reichel, Berlin 43 GO, Eisenbahnstraße 4 Stahlmatratzen Ausstellg. n. Maß, Bolsteraufl., Metallb. a. Brin. Günft. Bebing.Rat.30Afrei.Eisenmöbelf.Suhl.Thür Gustav Neumann Ww. Berlin C, Wallstraße 81, Ecke Neue Roßstraße Rotfeuer( Untergr.- Bhf. Inselbrücke) Sensationen Kilo 1.20 Der Vorverkauf hat begonnen Feuerwerkskörper Preis- laito Abbau in Stablisson Caf Mielka Friedrichstr.60 Ecke LeipzigerSt Varieté- Kabarett Nachm. 41/2, abds. 28/4 I. u. II. Etage 51 Billards Café Zielka im Walde das neue GrunewaldParadies an der Krummen Lanke Zehlendorf- West Alsenstraße 141 Wannseebahn Tagl. ab 4 Uhr Groß. 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Da ich keinem Verband angehöre und alle Ware in eigenem Betriebe herstelle, bleiche, färbe, ausrüste und konfektioniere, bin ich in der Lage, der Bevölkerung Berlins eine Gelegenheit zu bieten, sich dauernd zu billigen Fabrikpre sen einzudecken. Ueber 700 Arbeiter stehen hinter mir und bürgt die Firma für die billigsten Hersteller- Preise. am Werder Werder Str. 3-4 schen Markt Gesucht die lebenden Erben von Nach langen, schweren Leiden verschied am 28. Juli mein lieber Mann Otto Reiter 26b im 34. Lebensjahre. Jn tiefer Trauer Cina Reiter geb. Herbst. Die Beerdigung findet am Freitag nachm. 234 Uhr von der Kapelle des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde aus statt. Polier-, Werk- u. Schachtmeisterbund f. d. Baugewerbe Deutschlands, Bez.- Verein Gr.- Berlin Todesanzeige. Am Sonntag, 27. Juli, verstarb plöglich durch Unfall unser langjähriges Vorstandsmitglied und zweiter Rassierer, unser lieber Kollege Bimmerpolier Georg Hoff Ehre seinem Andenken. Die Trauerfeier findet am Freitag, 1. August, vormittags 10 Uhr, in der Salle des Krematoriums Berlin N, Gerichtstraße, statt. Um rege, zahlreiche Beteiligung Der Borstand. bittet Nachrut! Am 28. Juli verstarb der Zigarettenmaschinenführer Otto Reiter Ehre seinem Andenten! Die Beerdigung findet am Freitag. den 1. August 1924, nachm. 24 Uhr. auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Branchenkommission der Zigarettenmaschinenführer im Deutschen Metallarbeiter- Verband. Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Achtung! Die Kollegen der Firma Szawe, William Otto, automobil- 11. Rarofferiefabrit, Reiniden. der in den Vereinigten fi fofort zweds Abgabe einer Erklärung dorf- West, Spandauer Weg 1/2, müssen Staaten im Jahre 1893 im Beichenfaal melben. verstarb. Mitteilungen erbeten an David J. Smilow, Rechtsanwalt, Minneapolis, Minnesota, ( U. S. A.), Die mittlere Ortsverwaltungsfisung findet am Freitag, den 1. August, nicht statt. Liquidationen tönnen bis 6 Uhr abenbs eingelöst werden, an den übrigen Tagen bis 4 Uhr nachmittags. Die Ortsverwaltung. Neue Fahrräder direkt ab Fabrik Halbrennmaschinen M. 55.Nelson- Spezial- Herrenund Damen- Tourenräder unbedingt zuverlässig und rassig, mit prima Freilauf und prima Bereifung, gelbem Sattel mit vernickelter Feder und gelber Ledertasche mit Werkzeug, Handbremse und Schutzblechen 1 Jahr schriftliche Fabrikgarantie Mk. 78.Nelson- Fahrrad- Rahmen für Herren und Damen, mit komplettem Getriebe, Vordergabel und Steuerung, außengelötet 1 Jahr schriftliche Fabrikgarantie Mk. 35.. Seit 1. Januar 1924 über 5000 Nelson- Fahrräder und Fahrradrahmen allein in Berlin verkauft Nelson- Fahrradbau G. m. b. H. Berlin- Schöneberg, Akazienstraße 28 Fabrikgebäude