Abendausgabe Nr. 357 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 179 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag 31. Juli 1924 Berlag und Anzeigenabteilung) Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag Gmb. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Krise in London. Schiedsgerichtsfragen und Räumungsprobleme. Die deutsche Reichspost. Von Willy Steintopf. Das Postfinanzgesetz hat die Deutsche Reichspost von dem allgemeinen Reichshaushalt losgelöst und ihr als wirtschaftParis, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die am Mittwoch| gestimmt habe. Dies gestalte die Lage Großbritanniens etwas fdywie follte fortab nicht mehr bureaukratisch, sondern kaufmännisch liches Reichsinstitut eine gewisse Selbständigkeit gegeben. Sie abend in Paris verbreiteten Alarm gerüchte über ein Scheitern riger. Eine Ausdehnung der britischen Besetzung im Kölner Gebiet verwaltet werden und unter der Einwirkung kaufmännisch- freider Londoner Konferenz haben sich nicht bewahrheitet. Immerhin könne indessen, abgesehen von der Möglichkeit eines Sonderabkom- heitlichen Geistes einen neuen Aufschwung nehmen. zeigen die aus London vorliegenden Meldungen, daß auch dort die mens mit der deutschen Regierung, von einem anderen Standpunkt heitlichen Geistes einen neuen Aufschwung nehmen. Lage mit außerordentlichem Ernst betrachtet wird und daß aus gerechtfertigt werden, der korrekt sei. Wenn auch nach englischer alten Reichstag viele Politiker schwere Bedenken gegen diese Die Sache war vielleicht ganz gut gemeint, und wenn im man auch in den Kreisen der interalliierten Delegationen neuerdings Auffassung der Vertrag ausdrücklich besage, daß die Besetzung des fehr ernsthaft mit der Möglichkeit eines unbefriedigenden Ausganges Rheinlandes nach 15 Jahren aufhören soll( außer in besonders be- Regelung zurückgestellt und dem Postfinanzgesetz zugestimmt der Konferenz rechnet. Der franzöfifche Versuch, das schieds- zeichneten Fällen), fönne die Räumung der Brüdenköpfe von Köln haben, so geschah das unter dem Eindruck der Inflation und in richterliche Verfahren auch auf die Bestimmungen über die und Koblenz während dieser Periode als eine der Hoffnung, auch auf diesem Wege dem Volk Hilfe zu bringen. Sachleistungen und die deutschen Barüberweisungen auszudehnen, läuft auf eine Revision der einschlägigen Bestimmungen des Dawes- Planes hinaus und wird deshalb von Engländern und Amerifanern scharf bekämpft. Dagegen soll Herriot tatsächlich am Mittwoch erklärt haben, daß er den franzöfifchen Vorschlag als ein unteilbares Ganzes anjehe, und der„ Matin" behauptet, Herriot sei entschloffen, falls die von Frankreich geforderte Sicherung der Naturallieferungen und Barzahlungen nicht angenommen werde, es zum Bruch kommen zu laffen. Allerdings scheint man am Mittwoch die franzöfifche Delegation nicht im Zweifel gelaffen zu haben, welche Folgen Frankreich damit nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt anrichten würde, und das starte Sinten des Frank, das die Alarm meldungen am Mittwoch abend in Paris verursacht haben, scheint davon einen kleinen Borgeschmad gegeben zu haben. Die franzöfifche Delegation wird sich also wohl sehr reichlich überlegen, ob sie die besondere Gunst gegenüber Deutschland betrachtet werden, wenn es sich an den Vertrag halte. Es sei möglich, daß hier ein kompromiß gefunden und von den Deutschen angenommen werde. Vielleicht würden letztere mißtrauisch sein und fürchten, daß es einen Vorwand für ähnliche Verlängerung der Fristen in anderen als im Kölner Gebiet geben werde. Der Vertrag aber müsse in diesem Zusammenhang die Deutschen be= ruhigen, denn er besage ausdrücklich daß keine einmal geräumte Zone wieder besetzt werden dürfe, außer, wenn Deutschland von der Reparationstommiffion in Verzug erklärt werde. sich zur völligen Räumung des rechtsrheinischen Gebietes London, 31. Juli( WTB.).„ Times" schreibt, Herriot selbst habe verpflichtet, aber er habe sich offensichtlich von den Mitgliedern seiner Delegation überreden lassen, die die Frage der Zurückziehung der Truppen als ein Mittel zu weiterem Druck gegenüber Leider hat aber die kurze bisherige Entwicklung bereits Nicht nur, daß von einem anderen Geist nichts zu spüren ist. zur Genüge bewiesen, daß der eingeschlagene Weg falsch ist. hat die ausgeschaltete scharfe Ueberwachung und Kritik der unabhängigen Boltsvertretung zu einem Zustand geführt, der fürzlich im Haushaltsausschuß des Reichstags als„ Verkapselung des Bureaukratismus" treffend charakterisiert wurde. Als der neue Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost zum erstenmal zusammentrat, wurde ihm ein Etat vorgelegt, der u. a. in vielen Zahlen das in Reichs- und Staatspapieren waltungsrat wies denn auch diesen Etat" zurück und verangelegte Rapital der Reichspost aufführte, das zusammengenommen noch nicht eine Rentenmark ausmachte. Der Verlangte die Vorlegung eines vernünftigen kaufmännischen Voranschlages bis zum 31. Juli. Er ist rechtzeitig vorgelegt worden, jedoch glich er dem ersten Etat wie ein Ei dem anderen, nur H Konferenz vor eine Art Ultimatum stellen und damit die Ber- auch nicht zufrieden mit dem Vorschlage, daß der Dawes- Plan als daß er in Goldmark figurierte. Von einer Eröffnungsbilanz, antwortung für ein Scheifern auf sich nehmen wird. Allerdings hat in Frankreich selbst neuerdings auch die Linte, die bisher an Herriots Taffif in London scharfe kritik geübt hat, sich hinter seine Politif gestellt, und selbst Blätter, wie der„ Quotidien, behaupten, daß die franzöfifche Regierung sowohl in der Frage der Sanktionen wie der militärischen Räumung der Ruhr bis an die äußerste Grenze der 3ugeständnisse gegangen sei und daß, wenn es in London trotzdem zum Bruch kommen sollte, die französische Pelifik jich von jeder Verantwortung frei(?) wiffe. Der Kampf um die Räumungsfristen. Paris, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Blätter veröffentlichen eine Reihe weiterer Einzelheiten über den am Mittwoch in feinen Grundzügen mitgeteilten plan der militärischen Räumung des Ruhrgebiets. Danach soll als Endtermin für den völligen Rückzug der Truppen der 1. August 1926 in Ausficht genommen sein. Die eventuelle frühere Räumung ist abhängig gemacht von den Fortschritten in der Mobilisierung der deutschen Obligationen. Es sind dafür folgende Etappen vorgesehen: Nach voller Zeichnung der 800- Millionen- Anleihe Räumung des Landkreises Hagen, nach Unterbringung der ersten 600 millionen in Obligationen Räumung von Dortmund, nach Unterbringung weiterer zweimal 500 Millionen Räumung von Bochum bzw. Essen. Die Blätter behaupten, Deutschland habe es auf diese Weise in der Hand, die Räumung zu beschleunigen. Darin liegt gerade die Ungerechtigkeit dieses französischen Planes, daß die Räumung von der Erfüllung von Bedingungen abhängig gemacht werden soll, die nicht in der Hand Deutschlands liegen. Die Zeichnung der 800- Mil lionen- Anleihe hängt vom amerikanischen Finanzkapital ab, über die Unterbringung der Industrieobligationen entscheidet die Reparationstommission, während Deutschland nur für die Ausstellung und den 3insendienst haftbar gemacht werden kann. Deshalb steht dieser Plan im Widerspruch zu dem Geist des Dames- Gutachtens, und wir bedauern, daß sich Herriot auch hierin wieder einmal zum Sprachrohr seiner militärischen und bureaukratischen Mitarbeiter gemacht hat. * London, 31. Juli( WTB.). Der diplomatische Berichterstatter des „ Daily Telegraph" schreibt, das Hauptinteresse der gestrigen unformellen Besprechungen der Konferenz habe sich auf den franzö fisch belgischen Plan betreffend die militärische Räumung des Ruhrgebiets bezogen. Dieser Plan fönne nur Gegenstand von Verhandlungen zwischen den Franzosen, Belgiern und Deutschen sein, da Großbritannien nichts damit zu tun habe außer insofern, als die Frage der dadurch entstehenden besonderen Besetzungskosten zu erwägen sein. Der Plan habe indessen zur Voraussetzung, daß die britische Besetzung der Kölner Zone bis zur Beendigung der Räumung des Ruhrgebiets verlängert werden müßte. Hiermit werde die Frage der Laufzeit der Bewerden müßte. Hiermit werde die Frage der Laufzeit der Befehungsfristen überhaupt aufgerollt. Die französische These sei bis gestern gewesen, daß diese Fristen noch nicht begonnen haben, da Deutschland es unterlassen habe, den Versailler Vertrag auszuführen. Die britische These sei, daß die Fristen von Anfang an zu laufen härten. Uebrigens hätten die Belgier eine Kompromißformel aufgestellt. Diese fage, daß Deutschland feine vertraglichen Verpflich. tungen teilweise erfüllt habe, so daß die Unterbrechung der Laufzeit der Befegungsfristen vom Januar 1923 an datie ren würde, wo Deutschland als in Verzug befindlich erklärt wurde. Hiermit würde ermöglicht werden, die Besetzung, wenn sie von den Alliierten für notwendig oder wünschenswert gehalten werde, um 18 Monate bis 2 Jahre über die vom Friedensvertrag feftgefeßte Grenze hinaus auszudehnen. Der Bericht hebt hervor, daß das buitische Mitglied der Reparationskommission im Januar 1923 mit seinen Kollegen nicht übereinwenn man will, und anderen kaufmännischen Gepflogenheiten war gar keine Rede. fie wollten sicher sein, daß er Ergebnisse zeitige, und wollten am 15. Oktober in Kraft befindlich betrachtet werden soll, sondern daher die Räumung abhängig machen von der Schnelligkeit, mit Verabschiedet wurde der Etat auch diesmal nicht, und zwar der die deutsche Anleihe tatsächlich aufgenommen werde, die Anteile ministeriums die gründlich verfahrene Personalorganisation der aus dem Grunde, weil durch den Widerstand des Reichsfinanz verkauft, die Schuld an die Gläubiger abgetragen werde usw. Die Postverwaltung noch immer nicht gelöst ist, und der Vermalursprüngliche Formel der Franzosen sei gewesen, die Räumung von tungsrat durch die Nichtverabschiedung seinen Protest gegen deutschen Zahlungen abhängig zu machen. Jeht gehe sie dahin, fie den Finanzminister zum Ausdruck bringen und auf ihn zuvon der Ausführung des Dawes Blans abhängig zu gunsten der Lösung jener Frage einen Druck ausüben wollte. machen. Dies bilde die Grundlage des neuen französischen Memo- Man mag zu dieser neuartigen Tatsache das Weiterwirtrandums.„ Times" bemerkt, es verlaute, daß die Franzosen und schaften auf Grund des vorgelegten Etats ist dem Reichspost Belgier verlangten, daß der Plan, der in der Hauptsache nur fie ministerium genehmigt worden stehen wie man will. Sicher und die Deutschen angehe, nicht vor die Konferenz in ihrer ist, daß sie die einzige verdienstvolle Tat des Verwaltungsrats Gesamtheit tomme; andererseits aber sei er offenbar eng verknüpft darstellt. mit der Frage der wirtschaftlichen Räumung, die alle Alliierten angehe. Das Blatt schließt, die französisch- belgischen Vorschläge betr. die Räumung und die Frage des Verzuges hätten gestern abend eine hoffnungsvollere Atmosphäre geschaffen. Sie deuten aber offenfichtlich auf eine längere Dauer der Konferenz. Das Arbeiterblatt„ Daily Herald" äußert sich über den frans zösischen Vorschlag betr. Sicherheit für die deutsche Anleihe sehr optimistisch und meint, die großen Sieben hätten den Hauptgrundsatz des französischen Blares gebilligt und ihn mit ihrem Segen versehen" und an die Komitees verwiesen. Die Bantiers hätten ebenfalls ihrer Befriedigung Ausdruck gegeben. Was allerdings die Frage der Ruhrräumung betreffe, so sei es höchst un= wahrscheinlich, daß die Deutschen den französischen Vorschlag annehmen würden, aber die Tatsache allein, daß die Anregung. gemacht worden sei und daß die Franzosen bereit feien, die Sache zu besprechen, sei ein entscheidender Fortschritt. Die Reparationskommission in London. London, 31. Juli.( Eca.) Die Reparationsfommission ist gestern abend um 11 Uhr in London angekommen. Sofort nach der Ankunft begaben sich die franzöfifchen Delegierten Barthou und Mauclaire nach dem Hyde- Park- Hotel, wo sie eine längere Unterredung mit Herriot hatten. Die Reparationskommission wird heute morgen zu einer Sigung zusammentre.en. Prüfung der deutschen Gesetze.: Paris, 31. Juli.( Eca.) Die„ Information" meldet über den Stand der Verhandlungen in der Reparationskommission hinsichtlich der deutschen Gesetze zur Durchführung des Sachverständigenplanes, die Reparationskommission habe den Gesezentwurf hinsichtlich der Industrie obligationen mit zahlreichen 2 bände rungsanträgen und Bemerkungen an eine gemischte Rommission verwiesen. Augenblicklich sei sie dabei, den Gesetzentwurf über die Goldnotenbank zu prüfen, und habe auch hier schon eine gewisse Anzahl Einwendungen gemacht. Weiter prüfe sie den Gefeßentwurf über die Reichseisenbahngesellschaft. Jedenfalls habe die Kommission bis jetzt feinen der drei Gesezentwürfe endgültig angenommen, und die gemischte Kommission, die sich mit dem Studium der Kontrolle der Budgeteinnahmen des Reiches befaßt, habe ihren Bericht auch noch nicht beendet. Poincaré und Hughes. Boincaré in seiner gestrigen Unterredung mit Staatssekretär Paris, 31. Juli.( WTB.) Nach dem„ New York Herald" hat ughes betont, daß weder Herriot noch irgendein anderer seiner Nachfolger sich im Amt halten könnte, wenn die Politit des Selbstschußes und der direkten Erzwingung von Reparationen, die icht zwei Jahre hindurch bestanden hätten, eine einschneidende Alenderung erführe. Hughes habe große persönliche Sympathien für den französischen Standpunkt zum Ausdrud gebracht, aber darauf gedrungen, daß französischerseits das Aeußerste geschehe, um einen Ausweg aus der verfahrenen Lage zu schaffen. Poincaré reise morgen nach Lüttich, und falls Staatssekretär Hughes über Samstag hinaus in Brüffel bleiben sollte, sei die Möglichkeit gegeben, daß die beiden Diplomaten eine weitere Aussprache hätten, ehe Hughes mit den deutschen maßgebenden Persönlichkeiten Fühlung nehme. nach billigeren Tarifen, hat sich der Verwaltungsrat fast gar Um das übrige, außer der Personalfrage und Wünschen nicht gefümmert. Und hierin unterscheiden sich die ins einzelne gehenden Etatsberatungen im Reichstag von denen im Verwaltungsrat abgrundtief. Dort stand der Postverwaltung der unabhängige Abgeordnete mit unnachsichtiger Kritik und ge naueste Auskunft verlangend gegenüber. Hier ist der aus Vertretern der Wirtschaft, des Reichstags, des Reichsrats und des Personals zusammengesetzte Verwaltungsrat, der schließlich doch eine andere Stellung einnimmt als die Bolksvertretung. Hinzu tommt noch, daß infolge wichtiger Reichstagssigungen die Mitglieder des Reichstags an den Beratungen nur zu einem ge= ringen Teil teilnehmen fonnten, was oft der Fall sein wird. Die Folge ist, daß sich unverkennbar eine Art Autokratie des leitenden Staatssekretärs bemerkbar macht, die leider dadurch noch verstärkt wird, daß der Reichspostminister Dr. Höfle, mit zwei Ressorts belastet und von der politischen Entwicklung aufs äußerste in Anspruch genommen, offenbar nicht genügend Zeit, findet, dieser Entwicklung seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Einige Beispiele. Aus den umlaufenden Bostscheckgeldern, stehen der Post zurzeit etwa rund 400 Millionen Mark zur aus den Rücklagen und Ueberschüssen der Deutschen Reichspost freien Verfügung. Jeder Denkende wird als selbstverständlich annehmen, daß diese Gelder so angelegt werden, daß sie dem Nugen der Allgemeinheit dienen und ihr Mißbrauch verhindert ist. Was ist jedoch geschehen?- Ohne auch nur den Verwaltungsrat oder seinen Arbeitsausschuß zu fragen, sind die Gelder, und zwar in Beträgen bis zu fast vier Duzend Millionen Mart, langfristig und zu minimalen Zinsen Firmen zur Verfügung gestellt worden, die bei der großen Geldknappheit nun ihrerfeits als große Geldgeber auftraten und durch Zuschlag unerhörter Wucherzinsen Riesengewinne gemacht haben. Diese Methode ist jetzt, nachdem sie ruchbar murde, vorbei. Immer= hin hat die Deutsche Reichspost neuerdings einigen wenigen großen Banken in Berlin das Monopol auf ihre Gelder eingeräumt. Wer von der Post Kredit haben will, muß sich einer dieser Banken bedienen. Was die Bant tatsächlich nicht, was sie angibt daran verdient, und was mit dem Geld ge= schieht, ob es zum Nachteil der Allgemeinheit verwendet wird, darum fümmert sich die Poft nicht. Denn, so sagt sie, die Banten stehen ihr für den Betrag gut! Was sagt nun der Verwaltungsrat dazu? Nichts! Er ist in einer Entschließung damit einverstanden, daß die verfügbaren Gelder nach den mit der Reichsfinanzverwaltung und der Reichsbank vereinbarten Richtlinien" angelegt wird, die er aber gar nicht fennt. Auch genügt es ihm, daß die Reichsbank vertraulich darüber Auskunft erhält, wer Gelder bekommen hat und wie hoch die Summe ist. Um die Bedingungen der Ausleihung fümmert er sich nicht. Niemand wird behaupten wollen, daß diese überaus wichtige Frage damit gelöst ist. Dies um so weniger, als auf Anfrage die Deutsche Reichspost erklärt hat, daß sie es ablehnen müsse, z. B. Gelder für die produktive Erwerbslofenfürsorge herzugeben. Diese Haltung des Verwaltungsrates beweist, daß es so einfach nicht mehr weitergehen kann. Die Frage tommt denn auch in Kürze im Reichstag zur Sprache. Sämtliche Parteien haben in einer Entschließung hierüber Auskunft verlangt. Etwas anderes. Die Postverwaltung hat einen brutalen Abbau durchgeführt und dabei auch eine eigenartige Erscheinung verhältnismäßig junge und arbeitsfähige weibliche Beamte auf Wartegeld gesetzt. Dessenungeachtet und ohne Rücksicht darauf, daß mit der fortschreitenden Automatisierung des Telephonbetriebes immer mehr weibliches Personal überzählig wird, sowie daß ferner etwa notwendig werdender Bedarf mit Leichtigkeit aus dem weiblichen Personalbestand der Postscheckämter gedeckt werden kann, was wiederum Luft für die männlichen Beamten schafft, steht die Deutsche Reichspoft im Begriff, 1200 Helferinnen in das Beamtenverhältnis zu übernehmen. Die Folge wird sein, daß über kurz oder lang ein großer Teil dieser meiblichen Beamten wird abgebaut werden müssen und dem Reich dabei große Kosten für nichts und wieder nichts entstehen. Es ist ausgeschlossen, daß die Deutsche Reichspost hiermit beim Reichstag durchgekommen wäre. Dies schon deshalb nicht, weil die Einstellungssperre für Beamte besteht. Der Verwaltungsrat aber hatte dagegen nichts einzuwenden. Hinzugefügt sei hier noch, daß behauptet wird, es seien bei der Deutschen Reichspost mancherorts mehr neue Hilfskräfte eingestellt worden, als Beamte überhaupt abgebaut worden sind. Eine Nachprüfung war nicht möglich, weil der leitende Staatssekretär eine genaue Auskunft darüber ablehnte. Auch hinsichtlich der Grundforderungen des Personals hat fich der Verwaltungsrat so eigenartig wie nur möglich eingestellt, wenn man von der einen Entschließung über die Nichtverabschiedung des Etats absieht. Die Beamten der Deutschen Reichspoft und mit ihr die gefamte Reichsbeamtenschaft fämpft um die Beseitigung des neunstündigen Mindestarbeitstages. Der sozialdemokratische Antrag ist im 14. Ausschuß des Reichstags einstimmig angenommen worden und liegt jetzt dem Haushaltsausschuß zur Beschlußfassung vor. Um den Beschluß des 14. Reichstagsausschusses zu stützen und weil es doch einfach selbstverständlich ist, daß der Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost an einer folchen Frage nicht vorübergehen kann, wurde von fozialdemofratischer Seite der gleiche Antrag gestellt und hinzugefügt, daß die Neuregelung der Arbeitszeit für alle Postbediensteten unter grundsäglicher Wahrung des achtstündigen Arbeitstages erfolgen solle. Das Ergebnis war, daß der Antrag abgelehnt wurde. Dagegen stimmte sogar ein Teil der Personalvertretung, und zwar höhere Beamte, und die meisten Reichsrats vertreter. Unter diesen auch die Bertreter jener Länder, die für ihre eigenen Beamten den Achtstundentag beibehalten haben. Un zweifelhaft wurde das Ergebnis dadurch stark beeinflußt, daß Der leitende Staatssekretär den Antrag leidenschaftlich befämpfte und die möglicherweise entstehenden Kosten auf 70 Millionen jährlich angab. Diese Stellungnahme muß um so peinlicher berühren, als der neueste Ausweis der Deutschen Reichspost- Finanzen ergibt, daß bereits im ersten Vierteljahr des Etatsjahres 1924/25 außer den Rücklagen usw. ein Ueberfchuß von 36,5 Millionen Mark erzielt worden ist. Soll man aus diesem Vorgang einen Schluß ziehen, so scheint man auf die alte Methode hohe Ueberschüsse auf Kosten der Knochen Des Personals" direkt loszusteuern. Genau wie dem Antrag über die Arbeitszeit erging es bem über die Gewährung des ungefürzten Urlaubs. Auch hier ergab sich bei der Abstimmung das gleiche Bild. Dagegen murde ein Antrag angenommen, der will, daß die Reichsbeamten nicht schlechter gestellt werden als die Länderbeamten. Der Unterschied zwischen den beiden Anträgen liegt darin, daß man im Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost zu einem großen Teil auch die Urlaubsfürzung für die Länderbeamten wünscht und deshalb dem Antrage zustimmte. Schließlich lehnte der Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost mit derselben Mehrheit noch den Antrag ab, überall Der Fliegenfänger. Von Erna Büsing. Unter der Lampe hängt er, der Fliegenfänger. Als etwas Leimiges, Klebriges schraubt er sich herab. Die Fliegen in der Stube, große und kleine, find unaufhörlich von dem Gedanken er füllt, wie verschaffe ich mir Rahrung. Der Hunger, bei Tieren nennt man es Freßsucht, ist der allmächtige Motor, der ihr ganzes Sein dirgiert. Getrieben vom Sättigungsbedürfnis jagen sie hierhin und dorthin, tippen über Löschpapier, latschen durch Zigarettenasche und durchfühlen den furzgeschorenen Plüsch eines Teddybären. Sie haben es schwer in diesem Zimmer, die Fliegen, denn nichts Eßbares tommt je hinein. Doch unter der Lampe hängt der Fliegenfänger, und fie stürzen auf ihn zu. Mit Fühlern, Flügeln oder Beinen geraten sin in den zähen Brei. Sie fämpfen unter Einsegung aller Kraft um ihr bißchen Leben, verkleben immer mehr und sind schließlich nur noch eine Leimerhöhung auf dem Streifen des Fliegen fängers. Doch der Fliegenfänger hat nichts mit Tierquälerei zu tun, denn sein tödlicher Saft enthält ein Betäubungsmittel, das steht schwarz auf blau an der fleinen Bapprolle, in der er verpackt ist. Das ist ein Troft für alle Fliegen und ein erhabenes Zeugnis menschlichen Mitgefühls. Ich denke, Tier und Mensch sind doch überhaupt nicht miteinander in irgendeinen Bergleich zu stellen. Und namentlich diese Flieger haben keinerlei Verständigungsmöglichkeiten untereinander; hätten sie die, dann würden sie sich doch warnen. Dann könnte doch nur eine einzige Fliege an dem Fliegenfänger fleben. Aber wir Menschen!!! Wir stehen nicht nur auf den Erfahrungen unserer Vorfahren, wir machen uns die Erfahrung eines jedes Mitmenschen zunuze. Aus einem Straßenbahnunfall in Tokio zieht womöglich das Berkehrsleben in Paris feite Borteile. Ich sehe durch das Fenster auf die Straße. Es spricht die Straße und auf ihr der Krieg und seine Folgen. Ein kluger Hund zerrt einen Blinden über den Fahrdamm, ein Schüttler wird von seiner Frau geführt, unterernährte Kinder marschieren in Reih' und Glied nach dem Bahnhof, um ins mildtätige Ausland verschickt zu werden, und weiter weiß ich, daß das Frieren des Unterernährtseins recht deutlich über manches Menschen Haut rieselt. Da erblice ich einen stiernackigen Mann in breitschultrigem, aufrechtem Selbstbewußtsein über das Pflaster schreiten. Oh, es ist ein Prominenter, ein gang Großer im geistigen Bereich der Menschen, denn seine wissenschaft liche Begründung der Notwendigkeit der Kriege, der Feigheit des Pazifismus und der Verweichlichung durch den Frieden werden in einer gewissen Tagespreffe Tag für Tag erörtert Ich sehe auf den Fliegenfänger, ich sehe auf die Straße und ich denke: Wie gut ist es doch, daß die Menschen einander warnen lönnen." Nur daß ich es feht in Anführungsstriche setze. 11 | J 11 dort, wo es dienstlich angängig ist, die ungeteilte Dienstzeit| lung an von Deutschland gerettet hat, was noch gerettet werden mieder einzuführen. Damit ist er wie bei der Dienstzeitfrage tonnte, und das jetzt wieder lebendig und wirksam gemacht werden der gesamten Reichsbeamtenschaft in den Rücken gefallen, meil muß. Die Aufgabe, dies zu tun. liegt in erster Linie bei der genau derselbe Antrag im 14. Reichstagsausschuß von der Demokratischen Partei und bei dem linken Flügel des SPD. gestellt einstimmig angenommen worden ist und der 3entrums. Für beide handelt es sich darum, das aufrecht zu erVerabschiedung durch den Haushaltsausschuß harrt. halten, was überhaupt Grundlage und Rechtfertigung ihrer Eristenz Wenn man zu dem allen noch hinzufügt, daß auch eine ift. Das eine muß es jetzt darum sein, sich dem Drange nach rechts, nennenswerte Verbesserung der Betriebseinrichtungen nicht dem Drange nach dem Bürgerblock mit allen Kräften zu widersetzen erfolgt ist die Berliner Telephonverhältnisse z. B. schreien und durch eine konkrete Verständigung mit der Sozialdemokrasie nach wie vor zum Himmel, auch troß der Ueberschüsse nicht über die unmittelbar zu lösenden Aufgaben wieder einen Block der daran gedacht wird, die übertrieben hohen Gebühren für Tele- deutschen Linten aufzurichten, der start genug ist, auch die nach graph und Telephon einer Revision zu unterziehen der rechts drängenden Teile der Regierungstoalition bei sich zu halten." Einziehungsmodus für Telephongebühren ist übrigens jetzt in Die Frankfurter Zeitung" verbindet diesen deutlichen furzer Zeit zum fünften Mal geändert worden wird Appell an die Mittelparteien mit einer tadelnden Bemerkung niemand behaupten wollen, daß die neue Betriebsform der an die Adresse der Sozialdemokratie. Sie findet, daß Deutschen Reichspost sich auch nur Geltung verschafft hat, von die Erörterungen in der Sozialdemokratie über das, was aneiner Bewährung ganz zu schweigen. gesichts des sich deutlich ankündigenden Verhaltens der bürgerlichen Parteien zu geschehen hat, allzu parteipolitisch bestimmt" seien, und daß aus diesen Erwägungen nichts anderes herausfomme als„ Parteiegoismus, der nur an die nächste Agitation denkt". Die" Frankfurter Zeitung" vergißt bei dieser Bemerfung an unsere Adresse leider nur, daß zu dem von ihr geforderten Gemeinschaftsbewußtsein der deutschen Linken" und zu der„ konkreten Verständigung mit der Sozialdemokratie" nicht nur die Sozialdemokratie allein gehört, sondern auch der Gegentontrahent, der die Absicht hat, einen solchen Weg der Verständigung zu beschreiten und das Hochkommen der Reaktion in Deutschland unmöglich zu machen. Wir sehen bisher leider bei den Mittelparteien feine ernsthaften Versuche, der Bürgerblockpropaganda von vornherein entgegenzutreten und Politik mit der Arbeiterschaft zu machen. Sieht etwa die " Frankfurter Zeitung" solche Kräfte? Wir glauben, daß auch sie sie nicht sieht, und daß ihre Bemerkungen gegen die Sozialdemokratie nur ein rethorisches Hilfsmittel sind und lediglich den Appell an die bürgerliche Linke verkleiden sollen. Die Sozialdemokratie hat, wie die Frankfurter Zeitung" selber zugeben muß, bewiesen, daß sie auch unter Opfern mit anderen zusammengehen will. Wenn aber die bürgerlichen Kreise diese an sich einzig mögliche Politik nicht wollen, dann verschone man die Sozialdemokratie mit Vorwürfen darüber, daß sie nur an sich denke. Die Verantwortung für die innere Entwicklung Deutschlands liegt heute ausschließlich bei den Mittelparteien. Es wäre gut, wenn alle, die es angeht, sich darüber im flaren wären und nicht versuchten, eine flare Verantwortung zu verschieben. In Wirklichkeit ist also genau das Gegenteil erreicht worden, was mit dem Postfinanzgesetz beabsichtigt wurde. Ein freiheitlich- kaufmännischer Geist ist nicht eingezogen, dafür aber blüht der Bureaukratismus in Reinfultur. Und die Beamten, die im Reichstag an den Parteien immerhin eine starke Stüze hatten, sind aus dem Regen in die Traufe getommen. Daran ändern die wenigen Stimmen der unteren und mittleren Beamten im Verwaltungsrat gar nichts. Deshalb fann es mit der Deutschen Reichspost so nicht weitergehen. Der Fehler ist von den verschiedensten Seiten erfannt worden und muß ausgemerzt werden. Dies erfordert die gründliche Revision des Postfinanzgesetzes. Der kommende Bürgerblock. " Ein Appell der Frankfurter Zeitung". Immer deutlicher zeigt sich das Bestreben, den kommenden Bürgerblock vorzubereiten. Die Stimmen aus bürgerlichen Kreisen, die sich gegen diese Bemühungen richten, find vereinzelt und ohne Kraft. Das deutsche Bürgertum ist nun einmal in seiner großen Mehrheit ohne politische Ideale und ohne politischen Weitblid. Es denkt nur an das Nächftliegende, an die bevorstehende Verteilung der Lasten. In der Gleichmäßigkeit, mit der der Abbau von Sozialdemokraten aus Verwaltungsstellen überall und ausnahmslos von allen bürgerlichen Parteien einschließlich des Zentrums und der Demokraten vorgenommen wird, kommt die ganze Troftlosigkeit mangelnder politischer Schulung auch bei den bürgerlichen Mittelparteien zum Ausdruck. Trotzdem ist es nicht uninteressant, einsichtige Stimmen aus bürgerlichen Kreifen zu hören, die sich gegen diese turzsichtigen Tendenzen wenden und die die Gefahren deutlich fennzeichnen, die daraus entstehen müssen. In der Frankfurter Zeitung" wird in einem Leitartikel der Drang nach dem Bürgerblock sehr deutlich charak terisiert: " „ Herr Stresemann mag in London Gelegenheit haben, zu er forschen, wie der außenpolitische Einfluß eines solchen Verfahrens fein würde. Nach ausländischen Pressestimmen ist es schon deutlich. Wir wollen heute nur von der Wirkung nach innen sprechen, und da ist zu sagen: Es wäre eine grenzenlose Treulosigkeit und eine grenzenlose Torheit zugleich, wenn man erst mit der Linken die Reparationspolitit macht, wenn man die Linke wie in den letzten Jahren jetzt wieder das ganze Ddium und die ganze Berantwortung für eine zunächst unpopuläre. aber für die Rettung des Volkes einfach unentbehrliche Politif auf sich nehmen ließe, und wenn man dann, nachdem die Linke ihre Schuldigkeit getan hat, fie höhnend verabschiedet, um die Macht über den Staat, um die BeStimmung über die weitere innere Entwicklung, die Bestimmung über die Verteilung der Reparationslasten nun der Reaktion in die Hände zu spielen. Wäre Schmählicheres denkbar? Wir sprechen vor allem zu der Linken, die rechtzeitig gewarnt ist und die alles daran sehen muß, ein solches Spiel, wenn es wirklich versucht wird, zu vereiteln. Was wir brauchen, ist das Gegenteil, ist das Gemein fchaftsbewußtsein der deutschen Linten, dieses Gemeinschaftsbewußtsein, das von den Wohlen zur Nationalversamm. Ggen den Fridericus- Kult wendet sich Walter von Molo, der Schöpfer der Fridericus- Lrilogie. Er schreibt u. a. ,,... Es wäre Pflicht, den Charakter des genialsten deutschen Fürsten nicht zu miß brauchen, ihn nicht zu umlügen, nicht den Versuch zu machen, ihn umzufügen, für parteiische und daher fleinliche und häßliche Zwecke". Molo, der zum ersten Male versucht hat, die Gestalt rein menschlich zu fassen, ist sicherlich einer der fompetentesten Sachperständigen in diesen Fragen. Seinem Fridericus", der aus einer hohenzollernschen Legendenfigur wieder Mensch geworden war, wurde während des Krieges die Veröffentlichungsmöglichkeit durch Benfur und andere Bedenken untersagt. Obwohl sein Buch sicher lich zum Entstehen des Kults beigetragen hat, ist es doch unschuldig an dieser findischen Vergottung und der törichten Hoff nung, die fich magisch an seinen Namen haftet. Molo trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er diese Seuche so tennzeichnet: Ihn neuerlich zur leeren Hurrafigur, zum Filmhelden mit Tendenz zu machen, zur Operettenfigur, zur Gößenfigur, die man anbetet, statt in der eigenen Brust den Fridericus in uns zu suchen, nach den wahrhaft menschlischen Qualitäten zu graben, die in jedem Menschen mehr oder weniger schlummern, die er bloß in höchster einzigartiger Konzentration besaß, ist Berbrechen." Der größte Umschlaghafen der Welt. Duisburg am Niederrhein ist dank seiner günstigen geographischen Lage am Zusammenfluß von Rhein und Ruhr im Laufe der Zeit zum größten Umschlaghafen der Welt geworden. Die Menge Güter, die hier verladen werden, übersteigt die der größten Seehäfen. Dies läßt sich, wie F. Scheuermann in einem Auffah von ,, Werft, Reederei, Hafen" ausführt, aus den Zahlen für das Jahr 1913 erkennen. Damais betrugen die Umschlagsmengen für den Londoner Hafen 19,7 Mii24 Mill. Tonnen, für Duisburg- Ruhrort 28 Mill. Tonnen und ein lionen Tonnen, für Hongkong 23 Mill. Tonnen, für New York schließlich aller Hütten- und Bechenhäfen 40 Mill. Tonnen. Der Duisburger Hafen ist danach nicht nur der gewaltigste Flußhafen der Welt, sondern einer der bedeutendsten Häfen des Weltverkehrs überhaupt. Von den 28 Mill. Tonnen Güterumschlag waren 18 Mill. Tonnen Kohlen. Die Bedeutung dieser Zahlen kann man sich vergegenwärtigen, wenn man bedenkt, daß, auf 300 Arbeitstage verteilt, täglich 60 000 Tonnen verladen werden müssen, was bei Eisenbahnwagen von 16 Tonnen Tragkraft täglich 4000 Wagen ladungen ergibt. Bei 8 Arbeitsstunden heißt das stündlich etwa 500 Wagenladungen und 6% Wagen in der Minute. Die Krane, die bei diesem gewaltigen Umschlagverfehr verwendet werden, find mit den neuesten Berbesserungen versehen, und die ganze Anlage des Hafens ist so vorbildlich, daß Stauungen und Ueberfüllungen faum vorkommen. Das Leben und Treiben im Hafen bietet ein abwechslungsreiches, fesselndes Bild," schreibt der Verfasser. Die zahlreichen, mit Gütern aller Art beladenen Schiffe, wie Sch'eppdampfer und kleinen Boote, die Klappbrücken, die sich beim Herannahen eines Schiffes geräuschlos öffnen, unt fich gleich nach seiner Durchfahrt wieder zu schließen, fo daß der mächtige Verkehr nur wenige Minuten unterbrochen wird, das Spiel der Hebezeuge, die die Lasten leicht | Das Verbot der Friedhofsfeier. Der preußische Minister des Innern hatte für die Feier zum Gedenken der Kriegsopfer in Berlin am fommenden Sonntag ledig lich bestimmt, daß nicht zugleich mit der Feier vor dem Reichstag andere Gedächtnisfeiern stattfinden dürfen, weil die Feier vor dem Reichstag als Trauerkundgebung im Namen des ganzen Reiches ge= dacht ist. Wenn also das Berliner Polizeipräsidium- Polizeipräsident Genosse Richter ist zurzeit nicht in Berlin- die von der jüdischen Gemeinde geplante Feier auf dem Weißenseer Friedhof verboten hat, so ist damit die Anordnung des Ministers unrichtig aus gelegt worden. Der Reichsminister des Innern hat erst durch die Bes schwerde der jüdischen Gemeinde von dem Verbot erfahren und sich alsbald mit dem preußischen Innenminister in Verbindung gesezt, damit diese Feier gestattet werde. Sie wird also voraussichtlich auch stattfinden, nur zu einer anderen Stunde als die Feier vor dem Reichs.ag. Die Münchener Besprechung über die Eisenbahnfrage. Gestern vormittag 10 Uhr haben die Berhandlungen zwischen Bayern und dem Reich in der Eisenbahnfrage im Ministerium des Aeußeren begonnen. Vom Reiche sind Reichsfinanzminster Dr. Luther und Berhandlungen nach München gekommen. Den Borsiz führte der Reichsverkehrsminister Deser mit mehereren Referenten zu den bayerische Ministerpräsident Dr. Held. Bon bayerischer Geite nahmen Handelsminister Dr. v. Meinel und Finanzminister Kraußnid mit mehreren Referenten an den Beratungen teil, Die Konferenz umfaßt im ganzen etwa 20 Personen. bewältigen, alles läßt den Pulsschlag eines fleißigen, unternehmenden Boltes verspüren. Wer einmal eine Fahrt durch die Duisburg- Ruhrorter Hafenanlagen gemacht hat, wird eine bleibende Erinnerung an die Bedeutung dieses mächtigen Binnen hafens mitnehmen." Eflettischer Sozialismus. Karl Kautsky hat die Beriode der sozialdemokratischen Literatur vor der Gründung der Neuen Zeit" als die Zeit des e flettischen Sozialismus" bezeichnet. Eine sehr glückliche und charakteristische Bezeichnung! Unter den Eklektikern verstand nämlich die Philosophie die Weltweisen, die sich bemühten, die Lehren der Pythagoräer, des Platon, des Aristo wähler Eklektiker. Bor dem Erscheinen der Neuen Zeit" teles usw. zu einem Syftem zu verschmelzen. Sie hießen ,, Aus machte sich der etlestische Sozialismus" in Deutschland breit, der den Lassalleschen, Rodbertusschen, angeschen und Dühringschen Sozialismus mit dem Margismus zu vereinigen suchte. Dieser ,, efleftische Sozialismus" folgte auf den Lassalleanismus. In dem Artikel„ Das Buch im Dienste der Freiheit"( Nr. 354) ist durch einen Druckfehler der eklektische in einen elektrischen Sozialismus verwandelt worden. Der Verlauf der„ Teddy- Expedition". Aus Reykjavik( Island) tamen gestern zahlreiche telegraphische Berichte über die TeddyMannschaft, die man seit einem Jahr im Eismeer verloren glaubte. Sie hat auf Shackletons altem Expeditionsschiff Jeland wohlbehalten erreicht. Nach dem ersten ausführlichen Telegramm, das„ Berlinste Tidende" aus Island erhalten hat, verlief die Teddy- Expedition folgendermaßen: Mit dem 7. September 1923 beginnt Teddys Todeskampf an der berüchtigten Liverpool- Küste, genau an derselben Stelle, wo das deutsche Expeditionsschiff Hansa" 1869 im Oktober vom Eife zermalmt wurde. Eisschrotungen und Orkane, die Teddy in dunkler Nacht herumwirbeln, geben ihm schließlich den Todesstoß. Man vera fucht, fich auf den gewaltigen Eisfeldern eine Wohnung zu erbauen. Auf dem 67. Breitengrad bricht plötzlich die Eisscholle, auf dem das Haus steht. Es glückt trotzdem, das Haus zu bergen, und man treibt nun in westlicher Richtung auf Land zu. Mit sieben Ziehschlitten und einer Jolle verläßt man, nachdem man 400 Meilen mit der Eisscholle getrieben ist, am 30. Oktober das Haus, 20 Meilen östlich von der Leifs- Insel. Am 1. November tritt ein Schneesturm ein. Ein riesiger Eisberg zerteilt die Eisscholle und zwischen Schnee und Gisbergen wird die Mannschaft herumgewirbelt, bis sie sich schließlich bei besserem Wetter 25 Meilen nördlich von Kap Dan an Land getrieben sieht. Nach endlosen Kämpfen mit Hunger und Kälte erreicht man schlichlich Verbindung mit einem Menschen, dem Bärenjäger Nada. Mitte September ſizen alle 21 Mann in der Kolonie Rap Dan, wo sie mit Aufopferung gepflegt werden. Die ganze Reise ist ein Wunder und die Nordpol- Literatur wird durch sie sehr bereichert werden. Der Euphollon- Verlag bereitet gemeinsam mit Paul Graupe eine Graphisausstellung von Toulouse- Lautrec bor. Die Universität Löwen in Flammen. Durch eine Feuersbrunst tst der größte Teil der Universität von Löwen zerstört worden. Insbesondere das hemische Laboratorium hat start gelitten. Der Schaden ist sehr groß. Der bayerische Separatismus. Zu den Erklärungen des bayerischen Innenministers Stüzel gegen die Verfassungsfeier wird offiziös mitgeteilt, daß die Reichsregierung alle Länder aufgefordert hat, die Verfassungsfeier zu begehen. Dieses Ersuchen ist natürlich auch an Bayern gerichtet worden, und wenn die bayerische Regierung eine Berfassungsfeier nicht veranstaltet, so ist das eine demonstra. tive zurückweisung des Ersuchens der Reichsregierung. In feinen Aeußerungen zur Rechtfertigung" der einschränkenden Be Stimmungen gegen die Verfassungsfeier in Bayern hat Herr Stüßel auch angedeutet, er glaube damit die Zustimmung der Reichsregierung zu haben. Offiziös wird eine derartige Vermutung de men tiert. Allerdings hat das Reich feine Möglichkeit, den Ländern nach dieser Richtung Vorschriften zu machen. Verlängerung des Micumabkommens. Nachträgliche Ermäßigung der Kohlensteuer. Düsseldorf, 31. Juli.( WIB.) Heute wurde von der Sechserkommission und der Micum das bisherige b. tommen mit folgenden Abänderungen verlängert: gewisser Heinrich Landgraf und Ernst Erfward, die in der Wallstraße noch festgenommen wurden unter den dringenden Verdacht, der Einbrecherbande Aufpafferdienste geleistet zu haben. Auf den Dächern fand man mehrere Revoider und ein großes Brecheisen, das die Flüchtlinge weggeworfen hatten, in den crbrochenen Geschäftsräumen einen Handkoffer, der mit guten Einbruchswerkzeugen gefüllt war. Nie wieder Krieg." 1. Das neue Abkommen gilt bis zu dem Zeitpunkt, der für den Beginn des im Sachverständigengutachten vorgesehenen Reparationszahlungsagendums bestimmt worden ist und bestimmt werden wird. Indessen fann die Sechserkommission vom 15. August ab den Vairag Die Kundgebungen des Attionsausschusses„ Nie wieder, mit fünftägiger Frist fündigen. 2. Die Aus- und Einfuhrabgaben, Krieg" zur Erinnerung an die zehnte Wiederfehr der Lage der sowie die Ju- und Ablaufgebühren, die im Juli in Kraft waren, wer- Kriegserflärungen, die am Sonntag, 3. Auguft. vormittags 10 Uhr, den vom 1. August ab auf die Hälfte herabgefett. 3. Die und am Montag, 4. Auguft, abends 8 Uhr, in der neuen Weit, laufende kohlensteuer wird vom 1. August ab auf 25. Hasenheide, im Saalbau Friedrichshain und in der Lehrermäßigt. 4. Um den Abfahschwierigkeiten, unter denen die und Versuchsbrauerei im Norden, Seestraße 15( am MonZechen im Monat Juli zu leiden hatten, Rechnung zu tragen, wird tag Neue Welt) stattfinden, werden dem feierlichen Charakter des Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold in Stettin die Kohlensteuer für diesen Monat auf 50 Pf. ermäßigt. Chöre des Arbeiter- Sängerbundes die Feiern eröffnen und schließen. Tages voll Rechnung tragen. In allen Etablissements werden Stettin, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Im großen Soale Der Stettiner Börse fand eine imposante republikanische Kundgebung des Bundes der republikanischen Kriegsteilnehmer statt. Der Saal mar überfüllt, so daß Hunderte umfehren mußten. Beispielsloje Begeisterung herrschte während der Rede des Gauvorsitzenden Kame raben Hartwig- Stettin und des an Stelle des verhinderten Kameraden Dr. Haas- Karlsruhe erschienenen Kameraden Lem= mert- Berlin. Wir alten gedienten Kriegstetlnehmer, die während des Krieges seelisch und körperlich unendlich gelitten haben, haben es fatt, uns von den grünen Hatentreuzjungen auf her Nase herumtanzen zu lassen. Das war das erste Spontane Bekenntnis der versammelten Republikaner. Ihm folgte bas begeisterte Bekenntnis zur Republik und deren Ber fassung. Bereits 10 000 Mitglieder gehören in der kurzen Zeit des Bestehens des Bundes, seit etwa 6 Wochen, dem Reichsbanner in Pommern an. Die Kundgebung hat der Reaktion gezeigt, daß die Republikaner auch in Pommern ihren Mann stehen und für die Republik und die Verfassung mit aller Kraft und Macht eintreten werden. Die Rundgebung war ein außerordentlich guter Auftakt für die Verfassungsfeier am 10. August im Gauvorort Stettin, zu der sich tausende Teilnehmer angemeldet haben. JAH. Kommunistische Propaganda und ihre Helfer. Der letzte sozialdemokratische Parteitag hat sich veranlaßt geschen. vor der Mitarbeit von Parteigenossen in der Internationalen Arbeiterhilfe" zu warnen und zum Ausdrud zu bringen, daß weiteres Zusammengehen mit der JAH. nicht vereinbar sei mit den Pflichten eines Genossen gegen seine Partei. W Darauf haben fast alle an führender Stelle der JAH. gestellten Barteigenossen sich zurückgezogen. Soviel wir wissen, blieb nur Frau Meta Kraus Fessel übrig, die unter Berufung auf ihre Zugehörigkeit auch jetzt noch im Dienste der JAH. im Lande herumreift und zum Gaudium ihrer fommunistischen Freunde gegen die Partei polemisiert, der sie bisher angehört hat. So hat sie in einer Hamburger Versammlung der JAH., die einer rein fommunistischen Mitgliederversammlung glich, sich nicht gescheut, öffentlich die SozialDemokratie herunterzureißen, trotzdem fie erklärte, daß sie nicht au3getreten sei und nicht daran dente, aus ihr auszutreten! Mit Recht macht aber das„ Hamburger Echo" darauf aufmertfam, daß die betriebsame Rednerin der JAH. gewissermaßen automatisch aus der Sozialdemokratie ausgeschieden ist. Denn wer so oftentatio Parteitagsbeschlüsse mißachtet, erklärt damit, daß er sich felbft außerhalb der Partei stelle. Die kommunistische JAH. mag ihre soziale Hilfstätigkeit betreiben, wir werden sie nicht darin stören. Sie ist aber praktisch eine Propagandaabteilung der KPD. Diesen Charakter sollten Sozialdemokraten nicht verwischen helfen. Bielmehr sollten unsere Genoffen überall an jenen fommunistischen Parteibefehl" denken, der den Kommunisten auferlegt: „ Jeder Umgang mit fozialdemokratischen Angestellten, auch in den Gewerkschaffen, hat den Charakter des politisch scharfen Kampfes gegen die Gewertschaftsbureaukratie überhaupt zu tragen. Ein persönlich freundschaftliches Verhältnis gibt es mit diesen Klaffenfeinden nicht." Der Sinn ist so klar, daß kein Barbeigenosse, der noch ein bißchen Würde empfindet, ihn mißverstehen kann. Soll er etwa zum Dank die andere Wange hinhalten, nachdem er auf der einen noch die Chrfeige brennen fühlt? Notgesetz für weltliche Schulen. Die Arbeitsgemeinschaft der freigeistigen Verbände der deutschen Republik, der u. a. der Deutsche Monistenbund, die Ge meinschaft proletarischer Freidenfer und eine Reihe anderer Freidenfervereine hat an den Reichsminister des Innern eine Eingabe gerichtet, in der sie auf die Entschließung ihrer Leip. ziger Hauptversammlung hinweist. ,, Die Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Berbände der deutschen Republik stellt fest, daß das durch die Reichsverfassung gewähr leistete Recht auf Errichtung weltlicher Schulen dem deutschen Bolte bisher vorenthalten ist. Große Teile unferes Volfes empfinden diesen Zustand als Gewissensbedrüdung für Kinder, Lehrer und Eltern. Die Arbeitsgemeinschaft ist nicht gewillt, folche Geistestnechtung länger zu ertragen. Sie fordert deshalb die rasche Verabschiedung eines Notgefeges, das die Errichtung weltlicher Schulen ermöglicht, und ist nicht bereit, diese Borenthaltung eines perfassungsmäßigen Rechtes untätig hinzunehmen, sondern wird bei weiterer Verschleppung der Angelegenheit zur Selbsthilfe gezwungen sein." Die in der Arbeitsgemeinschaft zusammengefaßten Berbände erheben in der Eingabe an den Minifter erneut die Forderung, ein Gesetz zu erlassen, das die Errichtung von weltlichen Schulen ermöglicht, weil der bestehende Zustand von ihren Angehörigen als Gewissensbedrüdung empfunden merde. Um die Eidesformel. Das Reichsjustizministerium hat auf eine Eingabe derselben Arbeitsgemeinschaft, in der darüber Beschwerde geführt wurde, daß unter Bezugnahme auf die Emmingerschen Justizerlaffe die ver fassungsrechtlichen Bestimmungen über den nicht religiösen Eid häufig nicht innegehalten würden, erwidert: Auf Ihr Schreiben erwidere ich, daß sich durch die Neufassung bes Gerichtsverfassungsgesetzes und der Verfahrensgefege an den verfoffungsrechtlichen Bestimmungen über den nichtreligiösen Eid nichts geänder hat." Jeder Deutsche hat also nach wie vor das Recht, die relt giöse Eides formel abzulehnen. Diese Feststellung scheint uns notwendig, da dieses Recht unter Bezug auf die Emmingerschen Suftizerlasse bereits von einigen Gerichten bestritten wurde. Die„ Bossische" im befesten Gebiet verboten. Durch Verfügung bes obertommandierenden Generals im beiegten Gebiet ist die Voisische Zeitung" bis zum 25. September 1924 für das besezte Gebiet verboten worden, weil sie am 22. Juli unter dem Titel Französischer Militarismus" die Parade vom 14. Juli in DüsselSorf lächerlich gemacht haben. Der Bürgerblock von Fürstenwalde. Einspruch des Magistrats. Fürstenwalde( Spree), 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer gestrigen Sitzung mit 18 gegen 10 Stimmen beschlossen, den Ersten Bürgermeister, ger Wirkung abzubauen. Der Magistrat hat gegen diesen Beden sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Stoll, mit foforti. schluß auf Grund der Städteordnung Einspruch erhoben. Bis zur Erledigung dieser Beanstandung bleibt der Bürgermeister noch in seinem Amte. Schokolade. Selten hat der Berliner so reichlich Gelegenheit gehabt, sich sein Leben zu versüßen, als gegenwärtig. An allen Straßeneden richten fich Händler ein, die Schokoladen, Konfekt, Cremestangen für einen sich Händler ein, die Schokoladen, Konfekt, Cremestangen für einen bestimmten Preis in solchen Quantitäten anbieten, daß man schon getroft Mitglied im Bund der Kinderreichen" sein kann, wenn man die erstandene Ware mit einem Male verschenken will. Das muß man den Händlern lassen: Großzügig sind sie in jeder Hinsicht. Die Größe des Borrats, die Aufmachung des Geschäfts", ihr Auftreten und die Art des Anbietens laffen durchaus den ,, Großfaufmann" erfennen, der aus einer Großmutsanwandlung heraus sich in den Kopf gesetzt hat, auch den Wermsten der Armen einmal einen Schokoladengenuß zu verschaffen. Die Reflame, die zu jedem Geschäft gehört, wird auf verschiedene Art ersetzt. Der eine erscheint im schwarzen Rod mit mehreren Rohrplattenkoffern, die einen großen Warenbestand vortäuschen sollen, und die er sich auch noch von Gelegenheits: arbeitern tragen läßt. Ein anderer wieder hat sich Pferd und Wagen, manchmal auch eine Droschke, gemietet. Auf dem Kutscherfit thronend preist er dann in wohlgefehter Rede an die Nation die Waren an. Er verrät neben seinem Talent, dem Bublifum den Anfauf schmackhaft zu machen, die Befähigung, auf die Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung der Gegend, in der er gerade handelt, einzugehen. Während er in der Geschäftsstraße zur Mittagszeit ein Sortiment aus Tafelschokolade und Konfekt zusammenstellt, bietet er im Arbeiterviertel Milchschctolade und Cremestangen an, um den Arbeiterfrauen bei der Befriedigung der Kinderwünsche entgegen zu kommen. Immer ist es eine Kollektion, die preiswert und begehrenswert erscheint und deshalb gern getauft wird, sofern es nur irgend der Geldbeutel gestattet. Zwei Tafeln Schokolade, zwei Bäckchen Konfekt und Liförbohnen, eine Stange und ein Bädden Pfeffer minztabletten werden für eine Rentenmart angeboten, ein Preis, der auf den ersten Blid in feinem Verhältnis zur Warenmenge steht. Natürlich versteht es der Verkäufer ausgezeichnet, die Qualität feiner Ware hervorzuheben. Er verkauft nur im Auftrage der Firma Sonundfo", die im Publikum gut befannt sei; nur er hätte den SpeBialauftrag, die Waren der Reflame halber zu so billigen Preisen abzugeben und die Firma fäme wegen der Einführung dem Bubli fum weit entgegen. Die Anfündigung zieht um so mehr, als meist der Name einer bekannten Firma genannt wird. Hinterher liest man denn an der nächsten Anschlagsäule, daß die genannte Firma sich dagegen verwahrt, ihre Waren zu Reklame- und Einführungsfindet der„ Beauftragte" sein Publikum. Je mehr Käufer sich nach seinem Vortrag melden, desto erregter wird er. Er zieht Jackett und Beste aus und hantiert wie ein halbwilder auf dem Wagen herum Zwischendurch verteilt er wieder einmal eine Reflametafel an die Rundschaft, wobei er zu tun hat, die Gehleute" abzumehren, d. h. in diesem Falle diejenigen, die aus dem Probieren und Studieren nicht herauskommen und darüber das Kaufen vergessen. Daran liegt ihm natürlich nichts, er muß„ Umsag" haben, will er sein Geld verdienen. Lange fann er seine Reden an das Volk an einer Stelle nicht halten. Die Ausnutzung der geeigneten Tagesstunden und die Ermittlung eines guten Verkaufsplazes sind die Hauptsache. So hat auch dieses Geschäft seine Schattenseiten und trok Schokoladen und anderer Süßigkeiten ist es auch ein bitteres Brot. Die Teppichklopfordnung. Nach den geltenden Bestimmungen dürfen in Groß- Berlin auf den Grundstückshöfen Teppiche nur am Freitag von 8 bis 5 Uhr und Sonnabends von 8 bis 1 Uhr getlopft wer den. Tatsächlich aber wird in den meisten Häusern jeden Tag vom frühen Morgen an und häufig auch noch am Sonntagvormittag geflopft. Es gibt Leute, die sogar ihre Decken und Läufer auf dem Balton austlopfen, so daß der dicke Staub auf die Straßenpassanten fällt. Infolge zahlreicher Beschwerden soll jezt von der Polizei auf die strenge Befolgung der Vorschriften geachtet werden. Vielfach mögen allerdings die Hausbewohner über die Teppichtopfen im unflaren sein. Die polizeilich vorgeschrie. tenen Blechschilder bei der Teppichtlopfstange mit Angabe der Klopfzeiten und der Strafbestimmungen find in vielen Häusern feit Jahren nicht mehr vorhanden oder völlig verrostet. Bon den einzelnen Polizeirevieren werden jetzt die Hausbefizer aufgefordert, neue Blechschilder anzubringen. Ueber die Dächer. In luftiger Höhe wurden nach längerer Jagd in der vergangenen Nacht vier Einbrecher verhaftet, die vom Keller aus in ein Tuch geschäft in der Inselstraße 15a eingedrungen waren und bereits mehrere Ballen herausgeschafft hatten. Ein Wächter nahm sie gegen 2% Uhr wahr und rief das le berfallfommando Morigplak an. Sie müssen wohl gemerkt haben, daß sie entdeckt waren. Denn als das Ueberfallkommando erschien, waren sie unter Burüd Iaffung der Beute bereits verschwunden. Man bemerkte, daß fie über die Haustreppe und den Boden auf das Dach geflüchtet waren. Das Ueberfallfommando sperrte die Straßen ab und nahm die Verfolgung auf. Die Verbrecher entflohen über die Dächer nach der Wallstraße zu. Einer von ihnen wurde durch einen Schuß der Berfolger in den linken Unterschenkel getroffen. Auf einem Dach in der Wallstraße wurden alle vier Mann eingeholt und festgenommen. Auf der Wache wurden fie festgestellt als ein Maler Eduard Bitterling, ein Arbeiter Richard Kreuzer, ein Schlächter Krojanewsti und ein Maschinenzeichner Ernst Goldberg. Bitterling hatte den Schuß erhalten. Die Verlegung war aber nur leicht und wurde gleich auf der Mache verbunden. Alle vier wurden dann der Kriminalpolizei zugeführt, ebenso ein Nach dem Vortrag eines Prologs von Theobald Tiger, der eigens für diesen Tag geschaffen wurde, und den namhafte Berliner Schauspieler rezitieren, werden folgende Redner das Wort nehmen: Jacob Altmaier, Paul Ebert, Pastor Frande, Helmuth von Gerlach, Manfred Georg, Stefan Großmann, Dr. Max Hochdorf, Harry Graf Reßler, Dr. Leber- Lübed, M. d. R., Georg Ledebour, Dr. Baul Levi, M. d. R., Paul Mende, Hans Meyer, Eduard Müller, Dito Heinrich Ströbel, M. b. R., Heinrich Leuber- Bochum, Karl Better, Nuschke, M. d. L., Carl von Offietty, Emil Rabold, M. d. L., Toni Sender, M. d. R., Prof. Dr. Walter Schüding, Gustav Schwarz, Ignaz Wrobel. Als Bertreter der französischen Friedensfreunde spricht Henri Guernut, Generalsekretär der Franzöfifchen Liga für Menschenrechte. Prüfe alles und behalte das Beste." Auf frischer Tat wurde ein unverbefferlicher Bodeneinbrecher ertappt und festgenommen. Es handelt sich um einen 39jährigen ,, Arbeiter" Paul Schulze, der im Besten Groß- Berlins wert volle Beute machte und sie durch seine Geliebte verkaufen ließ. Durchsuchungen bei Abnehmern des Berhafteten und Verdächtige förderten nun außer Wäsche auch einige andere Sachen zutage, die der Flatterfahrer auch mitgenommen hatte, darunter ein Poesiealbum, in dem nur wenige Blätter beschrieben gewesen waren. Schulze hatte diese säuberlich herausgenommen, dann das Album mit seinem Wahlfpruch: Prüfe alles und behalte das Beste!" verfehen und es einem Mädchen einer ihm bekannten Familie zur Einsegnung geschenkt. Die Jagd nach dem Ballon. Bor dem Warenhause stehen Scharen von Kindern und umschwärmen herauskommende Käuferinnen. Bitte, bitte, schenken Dutzende verlangender Händchen überpurzeln sich in der Luft. ,, Aber Sie mir Ihren Rassenzettel!" Einer überschreit den anderen. dafür gibt's doch keinen Luftballon gratis." Sie lassen sich nicht Jungens und Mädels, ich habe ja nur für 43 Bf. getauft abspeisen. Jeben Se man her bitte. bitte viere habe ich schon et fehlen bloß noch 94 Bf. an die fünf Mart." Natürlich geben die meisten Frauen den heiß ersehnten Kassenzettel. Das Warenhaus verspricht bei einem Einkauf von mindestens fünf Marb einen der bekannten Kinderballons als Zugabe. Es ist eine fleine unschuldige Beschummelung, die hier die Schuljugend ausgeheckt hat. Am Geschäft bleibt ja doch noch etwas hängen. " Bieder Schüsse auf einen fahrenden Eisenbahnzug. Gestern nachmittag um 14 Uhr erhielt der Ringbahnzug 1791, der von der Schönhauser Allee ausfuhr, in der Höhe der Schön. fließer Brüde wieder einen Schuß, der eine Fenster. feibe zertrümmerte, ohne einen Fahrgast zu treffen. Der Schüße ist noch nicht ermittelt. Auf seine Erareifung ist, wie in allen Fällen, eine Belohnung ausgefeßt. Mitteilungen an Kriminalfommissar Dr. Riemann im Bolizeipräsidium. Pilz- Erfurfionen in die märkischen Wälder zur Belehrung über ,, Biologie und prattische Bedeutung der Bilze", unter Führung des Dozenten Dr. Nägler von der Volkshochschule Lichtenberg, sollen in den Monaten August und September 1924 veranstaltet werden. Interessenten werden zu einer Borbesprechung am 14. Auguft und September 1924, 8 Uhr abends, im Cäcilien- Lyzeum, Lichtenberg, Rathausstraße 8, und am 15. August, 8 Uhr abends, im KantRealgymnasium, Karlshorst, Trestowallee 44, eingelaben. Die Teilnehmergebühr in Höhe von 3 M. ist an den Ertursionsleiter zu zahlen. Jebermann ist herzlich willkommen. Eine Messerstecherei. Um 1% Uhr nachts wurde das Ueberfalltommando Linden" nach der Rettungsstelle in der Bothringerstraße gerufen, wohin man den 46 Jahre alten Arbeiter Reinhold einen aus der Lnchener Straße 104 mit fweren Stichperlegungen in der Rippengegend geschafft hatte. Nach Anlegung von Verbänden brachte man ihn nach der Charité. Wie sich herausstellte, war Beinen in der Zehdenider Straße mit dem Artisten Albert Finkelmann aus der Chriftinenstraße 37 in eine Schlägerei geraten, wobei er die angegebenen Berlegungen bavongetragen hat. Finkelmann fonnte festgenommen werden. Auch er hat einige Berlegungen erlitten. Weil sie nichts mehr von ihm wiffen wollte. Nach einem Mefferanschlag auf seine frühere Geliebte wurde ein gemisfer Krüger am Dienstag nachmittag festgenommen. Krüger versuchte wiederholt. cine Paula W., die nichts mehr von ihm wissen wollte, zur Rückkehr zu ihm zu bewegen. Als er feinen Erfolg hatte, lauerte er ihr auf und traf fie endlich auf dem neuen Markt. Als das Mädchen sich nach einem furzen Wortwechsel zum Weggehen umwandte, stieß er ihr ein Küchenmesser in die rechte Schulter und ver legte sie ziemlich schwer. Das Publitum ergriff den Täter, veratreichte ihm eine Tracht Prügel und übergab ihn der Polizei. Ein öffentliches Gefangstonzert veranstaltet der Berliner Uth. mann Chor am Sonnabend, den 2. August, abends 28 Uhr, auf bem Sparrplay. Ungarn. Der ungarische Genosse Alexander Miß. Georgenkirchfir. 27 III, hat eine Silis aftion zur Beschaffung von Winterfohle eingeleitet. Alle Interessierten werden zweds Einschreibung gebeten, sich am Sonnabend, den 2. August, nachmittags 3 Uhr, bei ihm einzufinden. Die Hagener Grabschänder verhaftet. Die Grabschänder, die den jüdischen Friedhof in Hagen verwüstet haben, find im Laufe des heutigen Lages von der Kriminalpolizei ermittelt und zum größten Teile festgenommen worden. Es hanbelt sich unt vier männliche und zwei weibliche Personei, die angeblich Mitglieder der Kommunistischen Partei sind. Schweres Fliegerunglück bei Paris. Im Bourg- la- Reine, in der Nähe von Paris, hat sich gestern ein furchtbares Unglüd ereignet, indem ein Militärflieger, der über dem Hause seiner Mutter Sturzflüge ausgeführt hatte, plöglich ab stürzte. Der Mechanifer murde fofort getötet, der Pilot selbst schwer verlegt. 3 mei Bassanten wurden ebenfalls getötet, darunter die Mutter des Fliegers, zwei andere Passanten erlitten schwere Verletzungen. Wetter für morgen. südwestlichen Winden. Berlin und Umgegend: Mäßig warm und ziemlich heiter mit schwachen Deutschland: In den meisten Gegenden Eripärmung, im Süden Aufhören der Regenfälle und Aufheiterung, in Norddeutschland Fortbauer ber meist trockenen Bitterung. Gewerkschaftsbewegung Kommende Kämpfe. Die Lasten, die der Arbeiterschaft aufgepackt werden, machen die schwersten Wirtschaftskämpfe um Lohn und Arbeitszeit unvermeidlich. Wohl versteht die Arbeiterschaft, daß die deutsche Wirtschaft einen schweren Konkurrenztampf auf dem Weltmarkt zu bestehen hat. Allein gerade deswegen kann sich die Arbeiterschaft, vor allem im Bergbau und in der Eisen industrie, unmöglich mit den bestehenden Zuständen in der Lohn- und Arbeitszeitfrage abfinden. Noch immer erhalten die Bergleute im Ruhrgebiet nicht einmal ihren vollen färglichen Lohn, weil die seinerzeit ausgegebenen Notscheine für Kartoffeln, Fleisch usw., jetzt verrechnet und vom Lohn abgezogen werden. Die einzelnen ueberarbeitszeitabkommen werden im Laufe der kommenden Monate( im oberschlesischen Bergbau am 31. Auguſt, im Ruhrbergbau im November) periodisch ablaufen. Schon deshalb wäre es notwendig, daß das Reichsarbeitsministerium in Voraussicht des Kommenden die Regelung der Arbeitszeit der Schwerarbeiter frühzeitig unternehmen würde. Das Zweischichtensystem ist un halt bar. Der jetzt auch von dem Christlichen Metallarbeiterverbande erfolgte dringende Appell an den Reichsarbeitsminister zeigt, daß selbst die Wähler des Reichsarbeitsministers fich gezwungen sehen, diesen zu warnen. Schäden erwachsen sollen. Es wurden darum Beschlüsse gefaßt, die jedem Mitglied dieser abgesplitterten Vereinigung die Rückkehr in den 3d2. ohne jeden persönlichen Nachteil ermöglichen. Der Verbandstag findet in Zukunft alle drei Jahre statt. Um jedoch eine enge Fühlungnahme mit den Mitgliedern des Reiches aufrechtzuerhalten, findet nun nicht mehr jährlich, sondern halbjährlich eine Konferenz des Borstandes mit den Gauleitern und Ortsbeamten statt. Der Beirat, die höchste ehrenamtliche Körperschaft des Verbandes, ist mit weitgehenden Funktionen ausgestattet worden. Die Funktionärversammlung verzichtete einstimmig auf eine Aussprache. Geroffe Gottfurcht fonnte unter dem Beifall der Verfammlung feststellen daß in dem Stillschweigen eine Anerkennung der geleisteten Arbeit erblickt werden soll. Ein ,, Revolutionär." Wirtschaft Der Stand der Welthandelsflotte. Der neuen Ausgabe von Lloyd's Register Boot zufolge beträgt die Welttonnage der feefahrenden Dampf- und Motorschiffe aus Stahl und Eisen im Juni 1924 57 530 000 Brutto- Registertonnen und verteilt sich auf die einzelnen Länder wie folgt: Juni 1924 Juni 1914 18 917 000 Großbritannien u. Jrland Britische Dominions Amerika( Verein. Staaten) Desterreich- Ungarn Belgien. Dänemark Frankreich. Deutschland Griechenland Holland. Italien Japan Norwegen Spanien Schweden Andere Länder 2 213 000 11 823 000 555 000 974 000 3 193 000 2 856 000 18 877 000 1 407 000 1837 000 1 052 000 341 000 768 000 1 918 000 5 098 000 820 000 1471 000 751 000 2 533 000 2 676 000 1 428 000 3 655 000 2 326 000 1 163 000 1 146 000 2 749 000 2 057 000 1 642 000 1923 000 883 000 992 000 Unterschied gegenüber 1914 +40 000 +896 000 +9 986 000 214 000 206 000 +1275 000 2242 000 69 000 +1 062 000 +1 248 000 +2 013 000 +403 000 Der Klempner Ostrowski, der blutige Leo", Führer der fommunistischen Spaltorganisation, läßt sich von zwei Betriebsratsmitgliedern der Firma Schebera in der Roten Fahne" bescheinigen, daß er seine Anmeldung auf dem Arbeitsnachweis während der Aussperrung bei Schebera auf Anraten und im Einverständnis mit den Verbandsvertretern wie auch andere Arbeiter, die sogar Sozialdemokraten seien, vorgenommen habe. Wir haben feststellen Bönnen, daß die Behauptungen in der Roten Fahne" unwahr sind. Es ist keinem Verbandsvertreter eingefallen, bereits einige Tage nach Beginer der Aussperrung Ostrowski und feinen Genossen zu empfehlen, die Flucht zu ergreifen. Das hat der Führer der fommunistischen Metallarbeiter auch in der Versammlung am 25. Juni eingestehen müssen. Der große Revolutionär" versteckt sich also zum zweiten Male hinter andere, weil er nicht eingestehen will, daß er sich mit der Anmeldung persönliche Vorteile gegenüber seinen Mitkämpfern verschafft hat. Daß in einem späteren Stadium des Kampfes die Taktik der Abwanderung beschlossen und durchgeführt wurde, beweist nichts zugunsten dieser tonnen bedeutet. 1 186 000 Tonnen der gegenwärtigen Tonnage kommunistischen Helden. Personalabbau bei den städtischen Werken. Man schreibt uns: Neben der Regelung der Arbeitszeit der Schwerarbeiter muß u. E. so schnell wie möglich die Beseitigung der halbstündigen Mehrarbeitszeit in den o berschlesischen Grubefchloffen ben erfolgen. In den übrigen Bergrevieren beträgt die Arbeitszeit unter Tage nur acht Stunden, und der Einwand der oberschlesischen Grubenherren, sie hätten weitere Wege zu ihrem Absatzgebiet und müßten deshalb eine Zugabe bei der Arbeitszeit haben, ist nicht stichhaltig. Die maßgebenden Stellen sollten endlich verstehen, daß es schon vom nationalpolitischen Standpunkt aus notwendig ist, in dem oberschlesischen Bergmann nicht das Gefühl hochkommen zu lassen, daß er sich in einer Art Bariaſtellung befindet. Die halbstündige Ueber arbeitszeit in Oberschlesien ist eine Ungerechtigkeit fie muß verschwinden. Aber im Reichsarbeitsministerium hat man es weder eilig, wenn es sich darum handelt, die in der Arbeitszeitverordnung festgelegten Schutzbestimmungen für Schwerarbeiter zu verwirklichen, noch sorgt man sich dort sonderlich um die Wirtschaftskämpfe, die durch diese sträfliche Nachlässigkeit Berordnung ist nun schon seit acht Monaten in Kraft heraufbeschworen werden. Zum Streit in der Kistenbranche. die Wie wir am Dienstagabend berichteten, hat die Vereinigung der Kistenfabrikanten zwecks Beilegung der Differenzen den Schlich tungsausschuß angerufen. In den Vorverhandlungen, die gestern stattfanden, fonnte deshalb keine Verständigung erzielt werden, weil die Arbeitgebervertreter erklärten, daß fie prinzipiell am Lohnabbau festhalten. Doch steht auf Grund der zuverläffigen Informationen der Arbeitnehmer die Tatsiche fest, daß ein großer Teil der Unternehmer der Ristenindustrie an einer Lohnreduzierung gar fein Interesse hat. Der Schlichter hat nunmehr eine Rammer zusammenberufen, bie voraussichtlich noch in dieser Woche eine Entscheidung fällen wird. Die Angestellten zum Kaffeler Verbandstag. Am Dienstag versammelten sich die Funktionäre des 352. in den Musikerfälen, um zu dem Verlauf des zweiten Verbandstages in Kassel Stellung zu nehmen. Genosse Gottfurcht erstattete den Bericht.( Die wesentlichsten Beschlüsse des Verbandstages find unseren Lesern bereits aus den Veröffentlichungen an dieser Stelle befannt.) Es wurde insbesondere auf die außerordentlichen schweren Schäden hingewiesen, die den Finanzen der Organisation durch die Inflationskrise zugefügt morden sind. Ein immer größer werdender Prozentsatz der Einnahmen mußte für die Unterstügung stel. lungsloser Verbandsmitglieder verbraucht werden. Die internationale finanzielle Hilfe der Bruderorganisationen trug wesentlich zur Aufrechterhaltung der Organisation bei. Der Verbandstag hatte sich ferner mit dem gewerkschaftszerstörenden Berhalten der kommunistischen Opposition zu beschäf tigen. Er faßte Beschlüsse, die für die Zukunft unmöglich machen, den 3d2. zum Tummelplay fommunistischer Quertreibereien zu machen. Die Zusammensehung des Verbandstages hatte auch den Beweis erbracht, daß die stets behauptete Stärke der Kommunisten im Verband unwahr ist. Von den 110 Delegierten gehörten nur vier der sogenannten fommunistischen Fraktion an. Der Verbandstag mar einstimmig der Auffassung, daß die Führer der eben gegründeten Freien Angestelltengewerkschaft" das denkbar Schädlichste für die Argestelltenschaft getan haben. Er war aber auch ebenso einstimmig der Auffassung, daß den Mitgliedern, die zum größten Teil irregeführt sind, keine gewerkschaftlichen Hosen werfe zu einem Bersonalabbau schreiten, der ermöglicht wird durch Wir berichteten vor einiger Zeit, daß die städtischen Wasserein neues System ter Wassergeldeinkassierung. Wie wir erfahren, beabsichtigt jetzt auch das städtische Elektrizitätswert einen umfangreichen Personalabbau vorzunehmen. Es ist befremdend, daß bei dem Abbau auch solche Angestellten betroffen werden, die zehn Jahre und darüber hinaus im Betriebe sind und damit Anrecht auf eine Altersversicherung haben. Da es nicht dem Wesen der Altersversicherung entsprechen kann, daß man diejenigen, die bestimmte Anrechte darauf haben, vor die Tür fett, ehe sie ihre Anrechte geltend machen fömmen, werden die Angestelltenorganisationen. in jedem solcher Fälle den Schlichtungsausschuß anrufen. Der Zentralverband der Angestellten wird, sobald die Kündigungslisten fertiggestellt sind, eine Versammlung aller Werks. angestellten einberufen, die sich mit dieser Frage eingehend beschäftigen wird. Zur Lage der Angestellten in der Metallindustrie. Die vom Gedag beantragte Verbindlichkeitserklä= rung des Schiedsspruches, der eine 5prozentige Gehaltserhöhung für Juli und August vorsieht, ist abgelehnt worden. Damit ist der Bedag auch hier abgeblikt. Es ist eben nicht möglich, die Gewertschaftsarbeit so aufzufassen, wie es der Gedag gerade in letzter Zeit zu tun beliebt. Die Angestellten müssen sich zu der Erkenninis durchringen, daß Gewerkschaftsarbeit Kampf bedeutet. Hätten sich in den vergangenen Monaten die Angestellten so fest und start wie im Jahre 1919 zusammengeschlossen, so wäre es ein leichtes, die geradezu erbärmlichen Gehälter der Metallindustrie zu erhöhen. Nachdem die Erfahrungen gezeigt haben, daß es unmöglich ist, auf anderem Wege als bem des gewerkschaftlichen Kampfes vorwärts zu kommen, müssen nun die Angestellten ihre Konsequenz ziehen. Mehrere Betriebsversammlungen, u. a. bei Borsig, Bergmann, Siemens, beschäftigten sich mit dem starr föpfigen Verhalten des VBMI. Es ist verständlich, daß die Angestellten auf Grund der Berichte der Organisationsvertreter aus den Borgängen die Lehre ziehen, daß mit allem„ Wohlwollen" der Unternehmer nicht weiter zu kommen ist. Bauarbeiteraussperrung in Sachsen. Plauen i. Vogtl, 30. Juli.( WTB.) Die im Arbeitgeberverband organisierten Bauunternehmer des Vogtlandes haben beschloffen, die Bauarbeiter in ihren Bezirfen auszusperrem Als Grund werden rechtswidrige" Streits in Delsnig und Faltenftein angegeben. Das englische Arbeitslosenversicherungsgesetz. Condon, 31. Juli.( WTB.) Das Gesetz betreffend Versiche rung gegen Arbeitslosigkeit wurde vom Oberhaus in dritter Lesung mit Abänderungen angenommen, mit denen das Unterhaus nicht einverstanden ist. Toller- Feier der freigewerkschaftlichen Jugend. Der Toller- Abend, den die freigewerkschafliche Jugenzentrale Berlin ursprünglich für den 28. Juli angekündigt hatte und der wegen Erkrankung Tollers verlegt werden mußte, findet nunmehr bestimmt am Donnerstag, den 7. August, abends 2 8 Uhr, im großen Gaale des Gewerkschaftshauses, Engelufer, statt. Die für den 28. Juli gelöften Karten behalten ihre Gültigkeit. Hosen Traueripenden Damen- Konfektion Art jeder Art kaufen Sie am besten und liefert preiswert billigsten in d. 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Insgesamt 57 530 000 +280 000 +154 000 +692 000 42 514 000+15 016 000 Die Tonnage der Segelschiffe einschließlich feefahrender Barken wird auf 2509 427 Bruttotonnen beziffert, was gegenüber dem Stand von Juni 1914 eine Abnahme von 1470 000 Bruttoentfallen auf die Vereinigten Staaten, während Frankreich daran mit 208 000, Großbritannien( einschl. Irland) mit 152 000, Italien mit 114 000, Norwegen mit 113 000 und Kanada mit 109 000Tonnen beteiligt ist. Eine besondere Tabelle gibt Auskunft über das Alter und bie Größe der feefahrenden Dampf- und Motorfchiffe aus Stahl und Eisen. Ihr zufolge find 5059 Schiffe weniger als 5 Jahre alt. Zusammen stellen diese rund 27 Proz. der Gesamttonnage dar. 6848 Schiffe find 25 Jahre und mehr alt, bilden aber nur 12,6 Proz. der Gesamttonnage. Von den vor 1900 gebauten Schiffen hatten 64% Proz, von den in den letzten 5 Jahren gebauten nicht ganz 33 Proz. weniger als 1000 Tonnen. Von den 786 Schiffen mit 8000 und mehr Tonnen sind 338 in den letzten 5 Jahren gebaut worden. Die Schiffsgruppe, die die größte Tonnage umfaßt, ist die zwischen 4000 und 6000 Tonnen. Ihre Tonnage beläuft sich auf 17 386 285 Tonnen, was 284 Proz. der Gesamttonnage entspricht. Die Schiffe von 15 000 und mehr Tonnen stellen nur 3 Proz. der Gesamttonnage dar. Den größten Prozentfaß neuer Tonnage weist die Handelsflotte Deutschlands auf. Nicht weniger als 52 Proz. ist in den letzten 5 Jahren gebaut. Das ist eine natürliche Reaktion auf die Ablieferung von Schiffen an die Entente, die das Versailler Dittat vorschrieb. Für Holland ist der entsprechende Prozentsaz 36,8, für Dänemark 33,7, für Frankreich 32,25, für Kanada 30,5, für die Vereingten Staaten 30,4, für Norwegen 30,3 und für Großbritannien und Irland 26,1. Der wachsende Uebergang von der Kohle zum Del als Betriebsstoff wird durch folgende Tabelle beleuchtet: Segler, einschl. seefahrender Barken Motorschiffe Schiffe mit Delfeuerung. Schiffe mit Kohlenfeuerung. 1914 1924 8,06 Proz. 3,92 Proz 0,45 3,09 2,65 88,40 " 26,79 " 66,20 11 Während also im Jahre 1914 noch annähernd neun Zehntel ber Welttonnage von der Kohle abhängig waren, sind es im Jahre 1924 gerade noch zwei Drittel. Berantwortlich für Politik: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R.$. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerek und Verlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Gute Schuhe- billig! Das bekannte Schuhlokal Behrendt, Münzftr. 25, mit den 8weiggeschäften Frankfurter Allee 54 und Rottbuser Damm 13, bringt wieder eine Reihe besonders vorteilhafter Angebote. Diese Firma hat große Herren, Damen- und Kinderschuhe gegen sofortige Raffe eingekauft, die ihr wegen der großen Geldknappheit besonders günftig angeboten wurden, so z. B. 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Bankow: Rikmann. Mühlenstr. 70. Rahnsdorf: Teichert, Forststr. 7. Reinidendorf- Oft, Schönbola: Albert Bable. Broving Strake 56( Laden). Reinidendorf- West: Bendt. Scharnweberstr. 114. Bolts haus. Rosenthal: Mag Dehmel, Schillerstr. 13. Rubow: Otto Raiser, Waltersdorfer Chauffee. Rübersdorf, Ralfberge, Tasdorf: Adolf Goerte, Ralfberge, Rhedenstraße 15. Senzig, Niederlehme, Neue Mühle, Bernsdorf, Cablow Friedewald, Genzig, Chausseeste. 54. Siemensstadt: Stenzel, Brunnenstr. 6, v. I. Spandau: Brohm, Achenbachstr. 7. Staaten: Bältel. Eichenwinkel 16. Steglig:: oft, Schadenrute 2. Südende: Ludwig, Halsteftr. 36. Tegel, Tegelort: Spieß, Tegel, Schlieperftr. 52. Teltow: Säfel, Ritterstr. 29. Tempelhof: Sarsdorf, Werderftr. 31 v. pt. tempelhof: Randler, Hohenzollerntorso 5. Trebbin: Göring, Bahnhofstr. 62. Treptow: Reßler. Riefholzftr. 18b. 6. Weißensee: Greune, Langhansstr. 52. Waidmannsluft: Rohde, Oraniendamm 10. Sabowa, Raulsdorf- Sub, Mahlsdorf- Süd: Senschke, Raulsdorf- Süd, Waldstr. 66. Camargendorf 1: Plista; Breite Str. 14. Reu Wildau- Hoherleyme: Rud. Lettow. Wilhelmshagen, Seffenwinkel: Schulze, Wilhelmshagen, Wilhelmstr. 31. Wilmersdorf II: Schubert, Wilhelmsaue 27, of I. Wilmersdorf I: Buhle, Ludwig- Kirch- Plag 9, Gtfl. IV. Bittenau Ribell. Sauptstr. 65. Wilmersdorf III: 3immer, Augustaftr. 34, Hof part. Woltersdorf: Schurba um. Cichendamm 22. Behlendorf, Schlachtensee, Nikolassee: Rehlendorf, Teltower Straße 3. Beuthen, Miersdorf: A. Behling, Bahnhofstr. 2. Roffen: Witt. Bahnhofstr. 25. sämtliche Literatur fowie alle wiffenfchaftlichen Werke werden geliefert. Sonntags find die Geschäftsstellen gefchloffen