Nr.358 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 183 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und geit" mit ,, Gied. Jung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage ,, Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abrene: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmart, Reklamegeile 1. Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 0,20 Goldmart( auläffig zwet fettgedruckte Worte), febes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmark. Worte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas in London glaubt vorausfagen zu können, daß morgen die Einladung an die deutsche Regierung zur Beteiligung an der Londoner Konferenz ergehen werde. Dieser Beschluß werde nach feiner Ansicht in der Sigung gefaßt werden, die morgen vormittag 10,30 Uhr die Führer der Delegation in Downing Street abhalten werden. In Condon nehme man an, daß die deutschen Delegierten am Montag zu Berhandlungen bereit fein werden. der Die deutschen Arbeitgeberverbände wünschen für ihre Zustimung zum Sachverständigengutachten einen sozialen Burgfchaft ihre Kämpfe um die Lebenshaltung und das Kulturniveau einstellt und sich ohne Widerrede und Widerstand dem Diktat der Unternehmer in der Lohnfrage und der Arbeitszeitfrage unterwirft. Es ist für sie eine Selbstverständlichkeit, daß die Lasten der Erfüllung und des verlorenen Krieges allein von den Arbeitern getragen werden müssen. Sie wollen desBedrückung der deutschen Arbeiter machen, um sich selbst zu halb das Sachverständigengutachten zu einem Instrument der entlasten. Condon, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Krise der zu der auch Loucheur gehört, eine lebhafte Tätigkeit in den frieden höchst einseitiger Natur. Sie wollen, daß die ArbeiterKonferenz erscheint nunmehr infofern überwunden, als die erste kommission am Donnerstag nachmittag den französischen Borfchlag über die Feststellung der deutschen Berfehlungen einstimmig angenommen hat. Bevor dieser Beschluß gefaßt worden ist, zogen bie englischen Vertreter ihren Abänderungsantrag zurüd. Aus dieser Tatsache ist zu entnehmen, daß der Rat der Sieben sich am Mittwoch mit der Angelegenheit befaßt hat und Herriot wahrscheinlich für die Zusicherung der Annahme feines Borschlages 3ugeständnisse anderer Art in Aussicht stellte. Als die erste Kommiffion auseinander ging, beglückwünschten sich die franzöfifchen und brifischen Delegierten zu dem Erfolg ihrer Anstrengungen. Da die zweite Kommiffion ihre Arbeiten bereits seit fast einer Woche a b geschlossen hat und ihr Bericht in der letzten Bollfihung schon verabschiedet wurde, hat nur noch die dritte Kommission, die sich mit der Transferfrage befaßt, ihre Entscheidungen zu fällen. Die Schwierigkeiten, die hier überwunden werden müssen, find nicht allzu groß. Diese Auffaffung wird auch von den Sieben vertreten, die am Donnerstag nachmittag um 4% Uhr nach dem Abschluß der ersten Kommission im Unterhause zusammentraten und sich u. a. mit der Einladung Deutschlands befaßten. Paris, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In der dritten Kom. mission haben die englischen Sachverständigen sich gegen die von Frankreich verlangte Ausdehnung des Schiedsgerichtsverfahrens auf die Naturalleistungen und die Barüberweisungen ausgesprochen. Die endgültige Entscheidung ist nunmehr den Delegationschefs überlassen worden. Nach einer Havas- Meldung foll in den Kreisen der Konferenz die Bagelam Donnerstag morgen sehr zuversichtlich beurteilt worden san. Ueber been Zeitpunkt der Berufung der deutschen Delegation ist allerdings auch bis zur Stunde noch fein bestimmter Befahluß gefaßt worden. London, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Erfolg der im ersten Ausschuß der Konferenz erzielten Bereinbarung hängt noch davon ab, ob der dritte Ausschuß ebenfalls zu einer Verständigung gelangt, da dieser Ausschuß noch einen Teil des französischen Kom promißvorschlages zu prüfen hat und da dieser Vorschlag nach französischer Auffassung ein unteilbares Ganzes bildet. Der dritte Aus schuß beriet bis spät abends über den ihn betreffenden Teil des französischen Vorschlags, wonach das Schiedsgerichtsverfahren auch auf die Sachleistungen ausgedehnt werden soll, falls Differenzen zwischen den Alliierten und Deutschland über die Sachleistungen nach dem Jahre 1930 entstehen. Ebenso wünscht Frankreich schiedsgericht. liche Entscheidungen bei Meinungsverschiedenheiteen zwischen Deutschland und dem Uebertragungskomitee. Die Aussichten auf Einigung auch im dritten Ausschuß werden als günstig angesehen. Die Räumungsfrage. Paris, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Sonderforre. fpondent des Intransigeant" melbet feinem Blatt, daß die fran zösische Forderung, die Besehung der Zone von Köln über den 10. Januar 1925 auszudehnen, nicht nur bei der englischen Regierung auf nachdrücklichen Widerstand stoße, sondern auch die Belgier die Absicht, das Ruhrgebiet erst im Berlaufe von zwei Jahren zu räumen, aufs entschiedenste betämpften. Belgien beabsichtige, feine Truppen so bald wie möglich zurückzuziehen. In den Kreisen der alliierten Regierungen in London nehme neuerdings der Gedanke greifbare Gestalt an, unmittelbar nach der Boll versammlung des Bölterbundes im September, d. h. spätestens im Oftober, eine neue Alliiertenkonferenz zur Lösung der Sicher heitsfrage einzuberufen. Dieser Konferenz werde wahrscheinlich auch die bisher ungelöst gebliebene Frage der Kontrolle der strate gisch wichtigen Eisenbahnen bzw. die von Frankreich gewünschte Einstellung von 4000 französischen und belgischen Eisenbahnern vorbehalten bleiben. Die, französischen Sachverständigen hätten den Eindruck, daß England in dieser Frage jedes Zugeftändnis ablehne. Die militärische Ruhrbesehung ist selbst von Poincaré nur mit der Notwendigkeit begründet worden, die Sanktionsingenieure, Zollbeamten usw. zu schüßen. Wenn diese mit der wirtschaftlichen Räumung verschwinden, hat also die militärische Besehung nach ihrer offiziellen französischen Zweckbestimmung fein Daseinsrecht mehr. Kommt Briand? Die London, 31. Juli.( Eca.) Der Bariser Korrespondent des soziaListischen„ Daily Herald" meldet, daß in Pariser politischen Streifen eine allgemeine Mißstimmung über die Schwierigkeiten und die langsamen Fortschritte der Londoner Konferenz herrscht. Die Mißstimmung wird noch vergrößert durch die Preffecampagne gegen Herriot. Im Mittelpunkt dieser Campagne stehe Briand, der nunmehr offen auf den Kampfplatz getreten sei. Er fündigt an, daß das Kabinett Herriot in flirzester Zeit erlebigt sein werde. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so dürfte Briand die größten Aussichten haben, Nachfolger Herriots zu werden. In den Jepten Tagen hat die teine, aber sehr einflußreiche Briand- Gruppe, Jaurès- Feier in Paris. Paris, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Auf der am Donnerstag abend im überfüllten Saal des Trocadero von der sozialistischen Partei und von dem Gewerkschaftsbund veranstalteben Gedenkfeier zum zehnten Todestag von Jaurès sprachen u. a. für die italienische Bartei Turati, für Belgien Bandervelde, für Frankreich Léon Blum, für die französischen Gewerkschaften Jou haug und für die deutsche Sozialdemokratie Paul Lobe. Genosse Löbe führte wurde, u. a. folgendes aus: in seiner Rede, die wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen geheiligten Boden betrete, so erfüllt sich damit die Sehnsucht meines Wenn ich zum erstenmal diesen durch große Freiheitsfämpfe Lebens, dn bem Drt zu weilen, von dem die Proklamation ber Menschenrechte in die zivilisierte Welt ging. Das erftemal hoffte ich als junger Handwerksgefell nach Paris zu kommen, es fam aber nicht dazu. Das zweitemal, im Trauerjahr der Menschheit, 1914, wollten wir hier bei Euch den Kongreß der Internationale abhalten. und dabei rechnete ich darauf, den Mann wiederzusehen, dem heute unser Andenten gilt, Jean Jaurès, den auch wir deutsche Sozialdemokraten als einen guten Franzosen, einen großen Sozia liften, einen edlen Menschen mit dem Herz voller Güte erklären. Bum erstenmal sah ich Jaurès bei dem Internationalen Sozialisten fongreß in Kopenhagen. Ergriffen und erschüttert standen wir alle, Franzosen und Deutsche, Engländer und Dänen, zu feinen Füßen, als er, der tapitalistischen Herrschaft zugewandt, mit einem Blid auf das Heer der Menschen ausrief:" Wehe Euch, wenn dieser Wall sich gegen Euch erhebt!" Was Jean Jaurès für Frankreich und den Sozialismus war, haben Berufenere in diesen Tagen ins Gedächtnis gerufen. Ich will nur sagen, was uns als Deutsche, als deutsche Sozialdemokraten, an ihm groß und unvergeßlich erscheint. Ich sagte, Jaurès war ein guter Franzose. Weil er sein Bolt liebte, haßte er den Krieg. Kann denn überhaupt jemand sein Land und sein Bolt lieben, der für den Krieg eintritt? Jaurès, der Menschenfreund, der Friedens freund, wurde getötet und mit ihm der Frieden, die Menschlichkeit. Entweiht lag das Menschentum am Boden, gebeugt, entwürdigt, zertreten. Der Krieg befreite weder die einen noch die anderen, weder die Sieger noch die Besiegten von den Retten des Rapitalismus. Die Welt hat nicht genau genug verfolgen können, was bei uns in Deutschland nach dem Krieg vorging. Sie sah nur das Augenfällige, den politischen Zusammenbruch des alten Regimes. Aber parallel mit der politischen Befreiung ging die Verstärkung der wirt fchaftlichen Abhängigkeit, gesteigert durch den außen politischen Drud. Poincaré hat dafür gesorgt, daß unsere Rapitalisten den sozialen Gegensatz versteden können hinter den Gegensatz zur Entente. Nun fieht es so aus, als ob der große demokratische Sieg vom 11. Mai, als ob Eure fluge außenpolitische Taktik diese Beriode abschließt und die Befriedung Europas beginnt. Da mit würde die Bahn frei für die sozialistischen Kämpfe der Zukunft; denn, was jekt in London beschlossen wird, ist vielleicht Befriedung, aber auch eine internationale Verknüpfung des Ka. pitals. Das Proletariat sieht, baß es dem Weltkapitalismus gegen übersteht. Je internationaler das Kapital, um fo infernationaler unser Kampf. Freilich in dem hohen Sinn, wie Jaurès den Internationalismus auffaßte: als ein friedliches Nebeneinander stolzer, ftarfer und blühender Nationen. Als die Schredensbotschaft von Tode Jaurès' zu uns drang, sprach eine innere Stimme zu mir: Begrabe deine off nungen auf Paris, du wirst nicht den Tag erleben, wo der deutsche Sozialiſt nach Frankreich geht und Hände sich brüderlich ihm entgegenstreden. Und doch, eher als der fühnfte Gedanke es er warten fonnte, ist der fünfflich gezüchtete unnatürliche Haß zurückgedrängt. In dieser feierlichen Stunde möchte ich die Hand eines jeden von Euch ergreifen und sagen: Laßt uns ein helles Haus für die Völker Europas bauen und laßt uns gemeinsam des großen Toten gedenken! Laßt uns rufen: Brüder, es lebe das Werf von Jean Jaurès!" einigung deutscher Arbeitgeberverbände herausgegeben werDiesem Zwecke dienen zwei Schriften, die von der Berden. Die eine, die bereits erschienen ist, behandelt„ Die Lohnpolitik der deutschen Arbeitgeber", die andere, deren Erscheinen bevorsteht, Die Arbeitszeitfrage in Deutschland", beides Programm und Berteidigungsschriften der sozialen Reaktion in Deutschland. Mit diesen Schriften will die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände nicht nur auf die deutsche Deffentlichkeit wirten, sie will vielmehr den Sachverständigen und den Ententeregierungen einreden, daß die Durchführung der Gutachten nur möglich sei, wenn die deutschen Unternehmer durch feine Borschrift des Gutachtens gehemmt würden, die deutschen Arbeiter bis zum Weißbluten auszubeuten. Tatsächlich enthält das Gutachten der Sachverständigen Arbeiter wirksam werden müffen, damit gleichzeitig auch gegen Bestimmungen, die als Schutzbestimmungen für die deutschen. eine leberlastung des deutschen Boltes mit Reparationsverpflichtungen. Wenn alle Steuerkräfte Deutschlands bis an das Maß des Erträglichen angespannt sind, wenn eine Steigerung der deutschen Leistungen nur noch zu erreichen wäre Durch die Unterschreitung der Grenzen, die das Herabfinten von Lebenshaltung und Arbeitsbedingungen der deutschen Arbeiterschaft unter das internationale Durchschnittsniveau verhindern sollen, so ist nach dem klaren Sinn des Sachverständigengutachtens die Grenze der deutschen Leistungsfähigkeit erreicht. Die deutschen Unternehmer laufen gegen diese Grenzen Sturm. Sie sind erfüllungswütiger als die Sachverständigen, heischenden Reparationsgläubiger. Sie wollen jede soziale schlimmere Feinde der deutschen Arbeiter als die Erfüllung Grenze für die deutsche Leistungsfähigkeit durchbrechen und damit praktisch das Bolt in grenzenloses Elend hineingehen laffen. Diese volksfeindliche und antinationale Haltung verbinden sie mit verlogener nationalistischer Heze gegen die deutschen Gewerkschaften: „ Die deutsche Arbeitgeberschaft weist darauf hin, daß der jahrelange Kampf der deutschen Gewerkschaften gegen die deutschen Arbeitgeber, die unsachlich vorgebrachten Vorwürfe der Lohnbrüderei und der Ausbeutung nicht ohne Eindruck auf die ausländische Konkurrenz und die ausländischen Regierungen geblieben sind, bie in dem ihnen aus deutscher Hand gelieferten Material die Begründung für ihre Versuche finden, das Sachverständigengutachten dazu auszunuzen, die deutsche Wirt. schaft für Menschenleben unter den Einfluß der ausländischen Konkurrenz zu bringen." müht, der deutschen Arbeitgeberschaft in aller Deffentlichkeit den Vor" Seit Jahr und Tag haben sich die deutschen Gewerkschaften bewurf eines durch unerträglich niedrige Löhne ermöglichten Dum= wurf eines durch unerträglich niedrige Löhne ermöglichten Dum pings im Export zu machen. In bem Sachverständigenbericht treten die internationalen Wirkungen diefer furzfichtigen Politit deutlich zutage." Das Sachverständigengutachten will in der Tat ein deutsches Dumping vermeiden und eine Borzugsstellung Deutschlands auf dem Weltmarkt verhindern. Dies ziel liegt durchaus auch im Interesse der deutschen Arbeiterschaft und der deutschen Bolkswirtschaft. Das Dumping, das DON Deutschland aus in der ersten Inflationsperiode im Erport betrieben worden ist und nun durch Lohndruck und Berlänge rung der Arbeitszeit fortgesetzt werden soll, hat der deutschen Bolkswirtschaft nicht genügt, sondern nur geschadet. Es hat die Leistungsfähigkeit der deutschen Arbeiter herabgesetzt, es hat die Dumpingabwehrbewegung in den anderen Ländern hervorgerufen, und es hat vor allen Dingen zur Berlotterung der Betriebsführung in der deutschen Industrie geführt. Mit Hilfe des Dumpings haben einzelne Privatwirtschaften Riesengewinne machen tönnen aber auf Kosten der Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Der Kampf gegen das Dumping war und ist deshalb nicht nur eine sozialpolitische, fondern auch eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Die Scharfmacher im Berband der deutschen Arbeitgeber fürchten die harte Prüfung, der sie sich unterziehen müssen, wenn Deutschland auf dem Weltmarkt zu gleichen Konkurrenzbedingungen um seine weltwirtschaftliche Position kämpfen muß eine Prüfung, die zur Gefundung der Betriebsmethoden in Deutschland bitter notwendig ist. sich dem Einfluß der ausländischen Konkurrenz entziehen, Sie möchten Indem sie durch vermehrte Alispressung der deutschen Arbeiter sich die Möglichkeit zur Schmutzkonkurrenz offen halten. Es ist kein nationales Ziel, im Interesse einiger auf Schmutz- konkurrenz eingestellten Privatwirtschaften den Einfluß der ausländischen Konkurrenz lahm zu legen, sondern unter dem Einfluß der ausländischen Konkurrenz muß die deutsche In- dustrie konkurrenzfähig gemacht werden durch die Verbesse- rung ihrer inneren Struktur— nicht durch eine sozialreaktio- näre Lohn- und Arbeitszeitpolitik. Aber die deutschen Arbeitgeberverbände richten ihren Blick nicht auf die Zukunft der deutschen Volkswirtschaft. Sie ührcn die Worte„nationale Wirtschaft" und„nationale Be- reiung" im Munde, aber sie denken nur an die Verewigung einer Deutschland in letzter Linie schädlichen Ausnahmekon- junktur, an die Bedrückung der deutschen Arbeiter. Es gibt jür die deutschen Unternehmer unter der Herrschaft des Sach- verständigengutachtcns zwei Wege. Sie können endlich zu ehrlichen Wirtschaftsmethoden übergehen und im harten Kon- kurrenzkampf der deutschen Wirtschaft eine starke Stellung auf dem Weltmarkt zurückgewinnen und damit die Zukunft der deutschen Wirtschaft sichern. Sie können aber auch an den bisherigen Methoden festhalten— dann werden die katastro- phalen Folgen zunächst im sozialen Leben in Deutschland und in der UnHaltbarkeit seiner politischen Stellung in der Welt, und fernerhin im Niedergang der deutschen Wirtschaft zutage treten. 'Die deutschen Arbeitgeberverbände wählen den zweiten Weg. Sie wollen das soziale Dumping und begründen es international mit fadenscheinigen Vorwänden: „Dgs Gutachten widerspricht sich also selbst und irrt, wenn es glaubt, d'-e uns auferlegte Belastung könnte ohne erheblichen Druck auf die Lebenshaltung verwirklicht weiden. Die Putsche Arbeitgeberschaft weist darauf hm, daß dieser Druck bei den schweren Vorbelastungen der deutschen Wirtschaft infolge der terri- tcrmlen und wirtschaftlichen Verluste nach dem verlorenen Kriege auch schon ohne die Reparaticnslast eintreten mußt«. Sie sieht des- halb voraus, daß er bei der Ausführung des Sachverständigengut- achtens noch viel weniger ausbleiben kann und bis zur Unmog- lichkeit der Erfüllung verstärkt wird, wenn man uns durch internationale Vereinbarung noch die Möglichkeit der Pro- duktionsst.'igerunz durch längere Arbeitszeit nehmen sollte." Es ist der Wille der deutschen Arbeitgeberverbände, den Druck auf die Lebenshaltung der arbeitenden Massen auszu- üben. Was ihnen vorschwebt, ist nicht nur die Hemmung des Ausstiegs der Arbeiterschaft durch wirtschaftlichen Druck, son- dem auch eine neue Form der Machtpolitir nach außen. Sie wollen auf Kosten der deutschen Arbeiter einen wirsschaftlichen Krieg mit der Waffe des sozialen Dumpings führen. Damit fetzen sie sich in vollen Gegensatz zu dem Geiste des Gut- achtens. Die Schrift der Arbeitgeberverbände über die Lohnpolitik, auf deren Einzelheiten wir noch eingehen werden, kündigt in der Vorrede die Absichten der deutschen Arbeitgeberverbande offen an: „Die Vorgänge in Genf, das Verhalten der Te- w e r k f ch a f t« n, die offenbar ein Ziel ihrer Lohnpolitik überhaupt n cht kcrmen und ihren Beruf wie in der Inflationszeit, so auch bei den heutigen Verhältniffen lediglich in neuen Lohnbewegun- g e n zu erblicken scheinen, geben die Veranlassung, einen letzten Ver- such sachlicher Aufklärung über die Verhältnisse zu machen. Dies scheint um so notwendiger, als auch in der deutschen Oeffentlichkeit Stimmen laut werden, die sich gegen die Arbeitgeberschaft richten. Wir wenden uns deshalb mit unfevm Darlegungen an das gesamte deutsche Voik. Wir müssen verlangen, daß man stch in allen Teilen ■>-s Volkes über die Lasten und Gefahren klar wird, die die Erfüllung des Sachverständigengutachtens mit stch bringt." Das ist eine offene Kriegserklärung an die Ar- beiterschaft, die Einleitung zu einem Feldzug, der Lohndruck und Arbeit-zeitverlängerung zum Ziel hat. Bisher haben die vie öüßerprozesiion Zu veurne. Ein flandrssches Volksfest. Von Carl Onno Eisenbart. Auf halbem Weg« zwischen Dixmuiden und Dünkirchen liegt das alte flandrische Städtchen Veurne mit feinen kaum 7000 Einwohnern. In stillen Gassen und Gäßchen lohnen die schmalen und nicht selten infolge von Altersschwäche schief gesunkenen Häuser mit ihrem gleichmäßigen Dreisenstergesicht wie schlaftrunken aneinander, als müßten sie sich gegenseitig vor dem Umfallen bewahren. Ueber das erste Stockwerk sind sie meist nicht hinausgekommen, und diesem Obergeschoß ist ein rasch sich verjüngender Treppengiebel aufgesetzt, dessen lustiges Stufenzickzack sich in dieser Sphäre geruhiger Beschau- lichkeit fast wie Uebermut ausnimmt. Hier klebt ein Erker mit ver- ackterten Fensterchen und bunten, bleigefaßten Scheiben cm der Mauer, dort ein kaum aus der Fluchtlinie vorspringender Balkon, und an niederen Türen führt ein grobes holpriges Pflaster vorüber, aus dessen Ritzen eine Flora von Unkräutern und Gräslem sprießt.... * In merkwürdigem räumlichen Gegensatz zu dieser malerischen Enge steht der in riesigem Maßstabe angelegte schöne alte Markt- platz. Hier trifft die innerlich vornehme Gotik mit der prunkenden Renaissance seltsam zusammen. Aus den geschieferten Dächern in der Runde wachsen gigantische Türme heraus und tauchen, Hachaus- strebend, ihre Spitzen in den blauen Aether. Der wuchtige Velfried, das alte„ßändhuis", das schöne, im 12. Jahrhundert erbaute Stadt- Haus, vor allem aber die aus dem 14. Jahrhundert stammende drei- fchiffige gotische Hallenkirche zu St. Nicolas, mit ihrem gewaltigen unvollendeten stumpfen Turm und die nicht minder imponierende Zeitgenossin zu St. Walpurgis, ein Bauwert, dem sein Meister Größcnverhältnisse von so außergewöhnlicher Kühnheit zugrunde legte, daß es bis auf den heutigen Tag seiner Vollendung entgegen- harrt— alles das bildet in prächtiger Geschlossenheit den architekto- nischen Rahmen des Veurner Marktplatzes. Und dieser lichterfüllte„Groote Markt" hat ewen seiner Hauptreiz« darin, daß auf ihm die gleiche idyllische Ruhe und Abgestorben- heit herrschen wie in den winkligen Gassen. Nur einmal im Jahre, am letzten Sonntag des Juli, ändert sich das Bild. Da sehen die alten Türme von Veurne eine leichte, luftige Zeltstadt zu ihren Füßen liegen und ihre Glocken kommen den ganzen Tag nicht zur Ruhe. Dieser Sonnlag trägt den Namen„Veurne" weit ins Land hinaus, und bei seinem Klange horcht das Volk hoch auf, als habe man es gerufen. « Vier Uhr nachmittag ist es. Dicht gedrängt umsäumen die Men- scheu den Marktplatz mit einem breiten bunten Band. Hoch über sich die unermüdlichen Glocken, deren schon als körperlicher Schmerz fühlbar gewordenen Akkorde immer wieher vom Winde auf die Menge hinunterglsstoßen werden wie eindringliche unerbittliche Mah- nungen. Plötzlich erfaßt ei-ne sieberhaste Erregung die Menschen- mauer. Einen Augenblick lang herrscht lebhaftes Gemurmel, Ferse- heben und Hälserccken und gleich darauf wieder tiefstes Schweigen in starrer, ehrfurchtsvoller Andacht. Si« naht: dt« große Pro- z e s fi o-n de r B-üche-r 1 Scharfmacher sich von den Lasten des verlorenen Krieges ge- drückt, und unter dem Vorwand der Unerfüllbarkeit der deut- schen Verpflichtungen die deutsche Arbeiterschaft verelendet. Nun ist diese Taktik am Ende, nun sollen sie selbst Lasten über- nehmen. In diesem Augenblick kündigen sie einen neuen Ver- elendungsfeldzug gegen die Arbeiterschaft an, der zurückwirken muß aus die sozialen Verhältnisse in allen Ländern. Dieser Feldzug mutet den deutschen Arbeitern Entbehrungen zu, die nicht einmal das Sachverständigengutachten von ihnen fordert. Das ist nationaler Verrat an der großen Masse des deutschen Volkes!' Die deutsche Arbeiterschaft wird gegen eine Verfälschung des Geistes der Gutachten im sozialreaktionären Sinne an- kämpfen. Sie wird sich nicht willenlos und kampflos dem Los fügen, daß ihr zwar nicht die Reparationsgläubiger Deutsch- lands, wohl aber die deutschen Scharfmacher zumuten: den Paria der Welt zu spielen. Agitation unü Wirklichkeit. Tie Tcutschnationalen und das Eisenbahngesetz. Die Deutschnationalen, die entschlossen sind, den Gesetzen zur Ausführung der Gutachten zuzustimmen, setzen einstweilen, um ihre Anhänger nicht zu sehr über ihren Umfall auszu- klären, ihre verlogene Agitation gegen das Gutachten fort. In der„Deutschen Tageszeitung" schreibt ein gewisser Baron v. H o r st über„Die Eisenbahnfalle im Dawes-Bericht". Seine Behauptungen unterscheiden sich von dem wahren Inhalt des Dawes-Berichts sa stark, wie sich die Agitation der Deutsch- nationalen von ihrer wirklichen Politik unterscheidet. Er behauptet zunächst, im Berwaltungsrat von 18 Mit- gliedern, der feine Beschlüsse mit drei Viertel Majorität faßt, müßte Deutschland immer überstimmt werden, da es nur fünf Stimmen führe, und da der von den Inhabern der Vorzugs- aktien gewählte Vorsitzende eine entscheioende Stimme habe, sei das Verhältnis immer 14: 5, das heißt, das Ausland habe immer die Majorität über die deutschen Stimmen. In Wahrheit schreibt der Dawes-Vericht vor, daß der Vorsitzende immer ein Deutscher sein müsse. Es muß also mindestens eine der vier Stimmen, die die Vorzugsaktien führen, eine deutsche sein: macht also minimal sechs deutsche Stimmen. Da der Vorsitzende ein Deutscher sein muß, ist also auch die entscheidende Zusatzstimme des Vorsitzenden eine deussche. Das ungünstige Verhältnis für Deutschland ist also immer 12: 7, das heißt, Deutschland kann niemals überstimmt werden— gerade das Gegenteil von dem, was der Baron v. Horst behauptet. Er behauptet ferner, daß der Kommissar die deutschen Eisenbahnen verkaufen könne für den Fall, daß sie keine ge- nügenden Einnahmen erziele— was auch entfernt von der Wahrheit ist, denn der Satz im Gutachten lautet: „Wenn in irgendeinem Jahre die deutschen Eisenbahnen keine genügenden Einnahmen erzielen sollten, um die obigen Zahlungen zu ermöglichen(wobei vorausgesetzt wird, daß die Ge- sellschaft alle zu diesem Zweck verfügbaren Rück- lagen bis zu ihrer Erschöpfung heranziehen kann)".... Es handelt sich also nicht um die Einnahmen, sondern um die Erfüllung des Obligalionendicnstes. Deutschland ist im Konfliktsfall außerdem durch ein Schiedsgericht geschützt. Es kann außerdem durch den Verkauf seiner Stammaktien sich die Mittel beschaffen, um die Obligationen zurückzukaufen und damit die Tätigkeit des Kommissars und der ausländischen Mitglieder im Verwaltungsrat zu beenden. Gestützt auf die falschen Behauptungen, ruft dieser Baron von Horst in der„Deutschen Tageszeitung" pathetisch aus: „Welche deutsche Regierung und welcher deutsche Ab- geordnete kann zu solchen Bestimmungen seine Unterschrift oder sein« Zustimmung geben?" Es ist ein unvergeßliches Schauspiel! In endlos lecngem, tau- send Stockungen unterworfenem Zuge schleppen sich die„Büßenden" inmitten der die Monstranz begleitenden hohen Geistlichkeit über das Pflaster. Einförmiger Gesang und laute Gebete mischen sich mit dem Klange der Glocken zu einer eigentümlichen Sinfonie. Männer und Frauen sieht man mit gleicher Inbrunst vor aller Augen dos Werk der Buhe vollziehen, wenngleich das Recht der Gesichtsvermummung namentlich bei den männlichen Teilnehmern der Prozession au»- giebig in Anspruch genommen wird. Dennoch ist es ihnen ernst um ihre Aufgabe, und sie tragen stundenlang schwer« Heiligenfiguren, sehr massive Kreuze aus Holz und reichg-stickte bunte Seidenbanner unter fortwährendem Singen von Büßliedern durch das mittel- alterliche Straßengefüge. Der Vorschrift gemäß haben sie auf ihrem Wege mehrere Male zusammenzubrechen, ein Vorgang, der nament- lich an heißen Tagen nicht selten ohn« Zutun des Büßenden durch einen wirklichen Schwächeanfall hervorgerufen wird. Zu den lieb- licheren Bildern gehören die in sich geschlossenen Gruppen des Zu- ges, die Szenen aus der Bibel darstellen. Da sind die freundlichen Gestalten der biblische» Geschichte des Alten Testaments: Abraham und Jakob, Josef und seine Brüder, David und Salomo und selbst die Propheten. Weiter werden einzelne Begebenheiten cms dem Leben Jesu vorgeführt. Man sieht das Kind in der Krippe, die An- betung, die Flucht vor dem Hasse Herodes', den Einzug in Jerusa- lcm und Darstellungen aus der Leidensgeschichte. Immer neue singende und klagende Gruppen ziehen vorüber und es ist, als wür- den sie vorwärts getrieben von den schmerzhaften Stößen der ruhe- losen Glocken. * Erst gegen sieben Uhr abends ist die Bußprozession zu Ende. Umgeben von einer blauen Weihrauchwolte entschwindet die Geistlichkeit in das mystische Dämmern des geössneten Portals von St. Ni- colas, und noch haben die Kirchenglocken nicht ausgeschaukelt, noch sind die Türen des Gotteshauses nicht geschlossen, da öffnen schon srech und aufdringlich die schrillen Klingeln der Karussells, des Zelt- kinos und der Damenringkampfbudc ihren geräuschvollen Mund und rufen alle, die da gekommen sind. Und im Nu ist eine echte flämische K i r m e ß mit all ihrer Urwüchsigkeit im Schwange. Da findet man weinrote trinksröhliche Gesichter, wie Frans Hels sie malte, da werden die Derbheiten eines Tcniers wieder leibhastig und lebendig, denn mit einer Ausdauer, die ihres gleichen sucht, wird ohne zeitliche Schranke gegessen, getrunken, gesungen� getanzt und geliebt. Urrd endlich ziehen durch das von Mondschein übergosiene nächtliche Veurne bedenklich schwankende Gestalten heimwärts, und der aus dem Schlaf geschreckte gutherzige Bürger lauscht grollend und mit verhaltenem Atem hinler seinem geblümten Bettvorhang dem heiseren Singsang: Lustig lesen Is onz' streven Op den dag van Pönitence.., was aus gut Deutsch soviel bedeutet als: Am Bußtag laßt uns lustig sein!— * Im Festefeiern tut« den Flandrischen so leicht keiner nach. Die virtuose Kunst der flämischen Volksseele aber, mystischen Jenseits- kult mit kraftstrotzender Weltkindhastigkeit zu verschmelzen, ohne daß eins das andere erstickt, gibt diesen Festen den starken Schwung und einen ganz eigentümlichen Reiz. Welcher deutsche Abgeordnete? Die Deutschnatio- nalen! Sie sind entschlossen, ihre Zustimmung zu geben und sich in der parlamentarischen Stellungnahme von ihrer Agitation, deren Verlogenheit sie damit zugeben, ebenso zu unterscheiden, wie die Behauvtungen des Barons von Horstz sich von der Wahrheit unterscheiden. Späte Erkenntnis. Torheiten und Landesverrat. Der Konfuziosus des Ex-Kronprinzen, Major a. D. A n k e r, hat mit der„Berliner Börsen-Zeitung" dicke Freund- schaft geschlossen, seitdem er in einer Versammlung der deutsch- national gesinnten Juden, deren Leibblatt die„BBZ." ist, ein paar philosophisch-antimarxistische Redensarten abgelassen hat. In einem zwei Spalten langen Leitartikel dieses— dem Format nach— zweitgrößten Berliner Blattes beschäftigt sich Herr Anker mit der jüngsten Schulddebatte im Reichstag und mit der Rede Scheidemanns und wirst dabei der Sozialdemo- kratie alles mögliche vor, auf das einzugehen sich wirklich nicht lohnt, zumal es von einer geradezu klassisch-militärischen Unkenntnis der einfachsten politischen Tatsachen zeugt. Jnter- essant ist nur, daß Herr Anker von den durch Scheidemann an den Pranger gestellten Alldeutschen mit folgenden Worten abrückt: „Unstreitig sind solche Torheiten von den Entente. Propagandisten weidlich ausgenutzt worden, und wir habe» alle Ursache in Gegenwart und Zukunft solchen Schreihälsen bei uns stets umgehend eins auf den Schnabel zu geben. Auch und gerade von nationaler Seite muß das geschehen, denn in ihrer Wirkung sind nationalislifche Rodomdnladen einfach landesverräterisch: heute mehr als je." Hätte der hohe Chef des Herrn Anker v o r z w ö l f Jahren die Torheiten dieser Schreihälse zurückgewiesen, dann wäre er heute wohl nicht Kronprinz a. D. Statt dessen gefiel sich der hohe Chef in demonstrativen Beifallskund- gedungen für die größten Idioten der Alldeutschen, als deren Oberhaupt er infolgedessen in der ganzen Welt angesehen wurde. Diese Schreihälse haben Deutschland in den Ruf eines tollwütigen Raubtiers gebracht und die Tassachen ihrer Unter- stützung durch„hohe und höchste" Kreise hat in Millionen Menschen die Ueberzeugung entstehen lassen, daß Deutschland einen Eroberungskrieg wollte. Die Schuld dieser Leute zu vertuschen hat die Sozialdemokratie weder das Recht noch die Veranlassung. Und trotzdem ist es gerade diese Gesellschaft, die am lautesten die völlige Unschuld Deutschlands proklamiert! Im übrigen: wir verzeichnen mit Befriedigung das Ein- geständnis eines„nationalen Mannes", daß nationalistische Rodomontaden immer und heute mehr denn je Landes- verrat sind. Wir stellen aber fest, daß entgegen dem Wunsche des Majors a. D. Anker dieser Landesverrat von der Rechtspresse niemals getadelt, sondern stets getrieben und gefördert worden ist._ Leipziger Schilöbürgerftreich. Leipzig, 81. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Einen geradezu unglaublichen Streich leistete sich am Donnerstag die Leipziger Kriminalpolizei. Ein Kriminalkommissar und zwei Kriminal- schutzlente verhafteten nämlich den Dichter Ernst Toller, der zur Sozialistischen Kulturwoche hier eingetroffen ist. Die Verhaftung wurde begründet mit dem München er Fahndungsbefehl von IS 18 und mit einem skandinavischen Steckbrief gegen einen Mann mit ähnlichem Namen. Der Kriminalkommiffar, der offenbar nichts davon gehört hat, daß jener Münchener Fohndungsbetelil durch die Verbüßung einer fünfjährigen FestungSslrafe erledigt ist, ließ sich nicht abweisen, und Toller wurde ins Polizeipräsidium gebracht. Wie die„Leipziger VolkSzeitung" meldet, hat der Polizeipräsident sodann die Berhoflung rückgängig gemacht. /lrbeiterbibliothekarkonferenz in Tinz. Im Anschluß an einen Bibliothekarkursus fand am 28. und 27. Juli in der Heimvolkshochschule Tinz eine vom Reichsausschug für sozialistische Bildungsarbeit einberufen« Konferenz der Arbeiter- bibliothekare statt, die vom Gejchästsführcr des Reichsausschusses Gen. W e i m a n n geleitet wurde und in der ungefähr SS Leiter deutscher Arbeiterbibliotheken sowie Vertreter des Reichsausschuffes und des ADGB. teilnahmen. Eingeleitet wurde die Konferenz durch zwei instruktive Vor- träge. Der Münchener Arbeiterbibliothekar Gen. Setzer sprach über sozialistische Bildungsarbeit und Büchereiwesen, der Leiter des thüringischen Bildungswesens Gen. H e n n i g über unser Verhäli» nis zur Bildungsarbeit von Staat und Gemeinde. Danach wandte sich die Konferenz ihrem eigentlichen Behandlungsgegenstand zu. Der Reichsausschuß hatte einen Plan zur Errichtung einer Bücherei, zentrale ausgearbeitet, der nach längeren erläuternden Dar» legungen vom Gen. W« i m a n n und vom Arbeiterbibliothekar W a c l a w i a k- Berlin von der Konferenz in ebenso sachverstän- diger wie gründlicher Aussprache durchberaten wurde. Danach soll die zu gründende Büchereizentrale folgende Aufgaben haben: Sichtung und Ordnung des gesamten Schrifttums, Wissenschaft» lich-literarische Auswahl und Charakteristik der für die Arheiier. bücherei in Betracht kommenden Literatur, Bearbeitung eines Füh- rers durch das gesamte Schrifttum. Für diese Tätigkeit sind soweit als möglich anerkannte sozialistische Fachleute zu gewinnen. In Verbindung mit der wissenschastlichen literarischen Buchberatung zentraler Einkauf der wichtigsten Bücher soweit sie für die Arbeiter- büchereien in Betracht kommen. Herausgabe einheitlichen iechni- schen Materials für die Büchereien. Registrierung aller Arbeiter- büchereien, Fühlungnahme mit den Bibliothekaren durch Bezirks- konferenzen, Beranstaltunq von Vorträgen und Kursen zur Schulung der Bibliothekare. Die Arbeiterbüchereizentrale wird dem Reichs- ausschuß für sozialistische Bildungsarbeil angegliedert. Zur Be- ratung und Unterstützung der Geschäftsführung wird ein Bücherei- arbeitsrat von 7 Bibliothekaren gebildet. Ein engerer Ausschuß von 3 Bibliothekaren hat mit den Geschäftsleitern alle einschlägigen Büchereiaufgaben vorzubereiten, die dann dem gesamten Beirat zur Beschlußfassung unterbreitet werden müssen. Als Berater wird außerdem je ein Vertreter des ADGB. und des Parteibuchhandels beigeZogen. Weiter beschäftigte stch die Konferenz mit der Frage, wie die erwähnte, voraussichtlich vom Oktober ab erscheinende Kultur- Zeitschrift unsere Bibliotheksarbeit theoretisch und praktisch fördern könne. Die Aussprache zeitigte eine Fülle wertvoller, aus der langjährigen Erfahrung dieser Pioniere unseres Arbeiterbildungs- ivesens geschöpften Anregungen zur Ausgestaltung und Vertiefung unserer sozialistischen Bildungsorbeit. Einmütig war man der Aus- faffung, daß sowohl der politische wie der wirtschaftliche Aufstieg der Arbeiterklasse in letzter Instanz von den Massen abhänge, indem es uns durch unsere Bildungsbestrebungen gelinge, die svzialiltisch« Ueberzeugung unserer Anhänger zu vertiefen und den sozialistischen Anschauungen in immer breiteren Massen der Arbeiterschaft Bahn zu brechen. Es fei deshalb die Pflicht der leitenden Körperschaften der Partei und Gewerkschaften, diesen Bestrebungen, in deren Mittel- punkt die Propaganda für unser Schrifttum stehe, möglichst weit« gehende Fördcrnngen angedeihen zu lassen. Insbesondere erwarte. Er war brav. Der preußische Landwirtschaftsminister für Brotwucher. Die ,, Deutsche Tageszeitung" hat den preußischen Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff unwirsch angelassen, daß er gewagt hat, auf Urlaub zu fahren, während die Agrarier eilig Schutzölle durchsetzen wollen. Dr. Wendorff hat nun die Hauptschriftleitung der Deutschen Tageszeitung" aufgefordert, auf Grund des§ 11 des Preßgesezes nachstehende Berich tigung in der nächsten Nummer ihres Blattes zu veröffentlichen: 1. Die„ Deutsche Tageszeitung" behauptet in einem höhere Pflichten" überschriebenen Auffage in ihrer Nummer 352( Abend ausgabe vom Dienstag, den 29. Juli), daß ich „ in den Urlaub entwichen sei, um auf einer Schulungswoche des Bommerschen Provinzialverbandes der Demokratischen Partei, die vom 21. bis 26. Juli in dem Ostseebad Neuendorf auf Wollin abgehalten wurde, mit einem Borirage über Demokratie und Bauerntum in die Erscheinung zu treten". Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß ich am 19. Juli abends die Reise nach Bad Reinerz angetreten, um mich dort einer vom Arzte seit längerer Zeit verordneten Kurbehandlung zu unterziehen und an der Demokratischen Woche in Neuendorf nicht teilgenommen, dort also auch keinen Vortrag gehalten habe. 2. In dem gleichen Auffage derselben Nummer der Deutschen Tageszeitung" wird behauptet, ,, daß ich ihrer( nämlich der Zollvorlage) Erörterung an anderen, freilich wichtigeren Stellen mit Grazie aus dem Wege gegangen fei". Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß ich mich, wie auch durch den Wahr ist vielmehr, daß ich mich, wie auch durch den omtlichen Preußischen Preſſedienst der Deffentlichkeit bekanntgegeben ift, im Hauptausschuß des Preußischen Landtages grundsätzlich für die Zollvorlage ausgesprochen habe und dasselbe im PreuBiſchen Staatsministerium geschehen ist. Ein Zweifel über meine persönliche Stellung zur Zollvorlage fonnte daher auch bei den Beratungen der Landwirtschaftsminister der Länder nicht obwalten. Bad Reinerz, den 30. Juli 1924. gez. Dr. Wendorff, Staatsminister, Preußischer Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. in ,, Der Reichstag wolle befchließen: die Reichsregierung aufau-| Tageszeitung" berichten darüber in dem Stile, daß es heißt, der Berfordern, den dem Reichsrat vorgelegten Entwurf eines Gefeges treter des Landrats habe ,, et wa" ausgeführt. Berichtigungen werüber Zölle und Umsatzsteuer dem Reichstage noch im Monat August 1924 vorzulegen." Das ist doch noch ein ehrlicher Kuhhandel! Wir wollen sehen, wer nun noch den Mut hat zu bestreiten, daß die Zollvorlage nicht aus sachlichen Gründen eingebracht worden ist, sondern als Tausch objeft, mit dem der Ges sinnungswechsel der Deutschnationalen eingehandelt werden sollte und eingehandelt wird! Die Deutschnationalen sollen ganz ficher gemacht werden, daß dies Geschäft auf Kosten der deutschen Bevölkerung nicht schief geht darum soll die Beratung der Gutachtengesetze zeitlich mit der Beratung des Zollgefeßes verknüpft werden. Die Deutsche Volkspartei bewährt sich abermals als Butreiber der Deutschnationalen und des kommenden Bürgerblocks. Ein sauberes Geschäft und ehrliche Politiker! Ganz wie in Bayern! Die Verfassungsfeier im besetzten Gebiet. Düsseldorf, 31. Juli.( TU.) Entgegen anders lautenden Nachrichten ist zu melden, daß die französische Befagung in einer besonrichten ist zu melden, daß die französische Besagung in einer besonderen Ankündigung das Flaggen in den republikani. schen Farben genehmigt hat. Gegen öffentliche Berjammlungen in geschlossenen Lokalen erhebt sie an diesem Tage gleichfalls einen Widerspruch. Im übrigen macht sie am 3. und 11. Auguft die deutschen Behörden für die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich. Im besetzten Gebiet wird sich also die Verfassungsfeier in denselben Formen vollziehen wie in Bayern, wo die Regierung die Verfassungsfeier durch Verordnung sabotiert. Wir nehmen sogar an, in würdigeren Formen; denn sicher wird die Bevölkerung des besetzten Gebietes durch das Zeigen der Reichsfarben ihre deutsche Gesinnung demonstrieren, während die bayerischen Separatisten daran arbeiten, die Demonstration der Reichsgesinnung zu unterbinden. Borkum- Skandal und fein Ende. Eine völkische Interpellation im Reichstag. Der Kampf um die deutsche Freiheit" auf Borkum Der Deutsche Tageszeitung" hat also gelogen nimmt kein Ende. Für die Deutschvölkischen ist der Skandal doppelter Hinsicht. Herr Dr. Wendorff ist kein Gegner des mit dem Borfumlieb ungefähr dasselbe, was für die KommuniBrotwuchers, sondern will den Brotwucher unterstüßen. Er sten der hannoversche a armannskandal ist. In Ermanhat sich nicht gedrückt, sondern hat seine Aushilfe schon be- gelung sonstiger politischer Agitationsstoffe werden diese Standale tätigt. Bir zweifeln aber nicht, daß, nachdem er auf Wohl aufgegriffen und aus ihnen Haupt- und Staatsaftionen gemacht. verhalten in der Frage des Brotwuchers bei der Deutschen Die völkischen Spießbürger scheinen selber nicht das Gefühl dafür Tageszeitung" plädiert, die Agrarier nun von ihm fordern zu haben, wie lächerlich sie sich mit ihrer aufgeregten Schreierei werden, daß er zurückkehrt und eifrig an der Durchpeitschung machen. Wenigstens muß man das annehmen, wenn man im Deut. der Zollvorlage mitwirft. Was zum Teufel sollen die Geschen Tageblatt" wörtlich folgenden Bericht vom Kriegsschauplatz gesundheitsbedenken eines Ministers, wenn die Agrarier Zölle nießen kann: wollen. Ehrlicher Kuhhandel. ,, Am Sonntag, 20. Juli, war der sozialdemokratische Landrat Bubert aus Emden, der für die Juden den ver fassungswidrigen Kampf gegen das Borfumlied" führt, persönlich in Borfum anwesend. Rasch hatte sich die Kunde davon unter den Kurgästen verbreitet. Es dauerte nicht lange, und am Musilpavillon hing ein Zettel mit der Aufschrift:" Der fozialdemokratische Landrat Bubert, S. M.( Sr. Merfwürden) ist anwesend, um das Bortumlied persönlich mitzufingen!" Das politische Geschäft zwischen der Deutschen Boltspartei und den Deutsch nationalen erfolgt Zug um 3ug. Die Deutschnationalen haben ihre patentnationale Gefinnung gegen die Zusicherung von Getreidezöllen verkauft. Sie haben ihre Absicht, bei der Abstimmung über die Geseze zur Ausführung des Sachverständigengutachtens für das zweite Versailles" zu ftimmen, mit aller Deutlichkeit zu erfingung dann ftets ohne Mufit das alte Borkumlied" gefennen gegeben. Ihre Stimmenthaltung bei der Abstimmung über das nationalsozialistische Mißtrauensvotum gegen die Reichsregierung war die erste Leistung in diesem politischen Tauschgeschäft. Nun erfolgt Bug um 3ug- die Gegenleistung der Deutschen Volkspartei. Die agrarischen Interessenten aus der Reichstagsfraktion der Deutschen Boltspartei haben im Reichstag folgenden Antrag eingebracht: die Konferenz, daß bei dem Ausbau unseres Büchereiwesens die sozialdemokratische Partei und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund Hand in Hand arbeiten. Eine solche Zusammenarbeit sei auch schon deshalb geboten, weil ja tatsächlich die bestehenden Arbeiterbibliotheken in den meisten Orten der gemeinsamen Verwaltung der Gewerkschafts- und Parteiorganisation unterständen. Schließlich wurde einstimmig die folgende Resolution angenommen: ,, Die Teilnehmer der Konferenz der deutschen Arbeiterbibliothe fare, versammelt am 26. Juli 1924 in Schloß Tinz, betonen mit Nachdruck die besondere Wichtigkeit des Arbeiterbüchereiwesens für die gesamte sozialistische Bildungsarbeit und erwarten von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund eine intensive Förderung des Arbeiter büchereiwefens. Die für das gesamte Arbeiterbildungswesen notwendigen Mittel sind durch Erhebung eines jährlichen Kulturbeitrages von allen organisierten Arbeitern aufzubringen. Die Vorstände der Sozialdemokratischen Partei und des ADGB. sollen die Durchführung der Erhebung des Kulturbeitrages als eine der wichtigsten nächſtliegenden Aufgaben betrachten." „ Alkoholverbrauch der Völker." Zu unserer Notiz in Nr. 349 schreibt uns der Deutsche Brauerbund, E R.: Die Notiz bedarf einer Richtigstellung. Es heißt u. a. darin: Wenn die Statistik recht hat, so trinkt jeder Bayer im Jahre 255 Liter Bier." Welche Statistik damit gemeint ist, sagt der Verfasser nicht. Nach der amtlichen Statistit des Statistischen Reichsamles betrug die Bier. produktion im Rechnungsjahre 1923/24 in Bayern 9 418 000 Hektoliter. Danach fämen auf den Kopf der Bevölkerung 130 Liter Bier. Im Gebiete des Deutschen Reiches wurden in denselben Rechnungsjahre 26 687 000 Hettoliter Bier hergestellt gegenüber 69,2 Millionen Heftoliter im Jahre 1913. Der Bierkonsum ist demnach weit über die Hälfte gesunken. Betrug der Bierverbrauch vor dem Kriege im Durchschnitt 102 Liter, so beträgt er heute nur noch 45 Liter pro Rapf. Hieraus ergibt fich fernerhin, daß zugleich ein Rückgang bes Alkoholverbrauchs in Form von Bier eingetreten ist. Betrug die Alkoholmenge im Jahre 1913 auf den Kopf der bierfonfumierenden Bevölkerung 3,5 Liter, so ist diese im Jahre 1922/23 auf 1,36 Liter, also auf fast ein Drittel der Borkriegsmenge gefunten. Das bisherige Friedrich- Wilhelmstädtische Theater wird unter der Direktion Wilhelm Dieterles als Das Dramatische Theater" weitergeführt werden. Die Eröffnungsvorstellung ist auf den 28. August festgefekt. Ein Bildungstheater in Mostau. Jn Mostau wird demnächst ein wiffenschaftliches ethnographiches Theater eröffnet. Es ist zur Hebung der Bildung der Fabritarbeiter bestimmt und wird ihnen Bilder aus dem Leben der Böller des Sowjetbund- Gebietes, ihre Sitten, Tänze, Lieder usw. bor, führen, Sturze belehrende Vorträge sollen die Aufführungen erläutern. Als die Kurtapelle als legtes Stüd das Borfum- Truglied" ( entstanden nach Berbot des Borkumliedes) spielte, nach dessen Abfungen wird, umftand eine Menschenmenge von mehreren tausend Köpfen den Musikpavillon, Man wollte dem Genossen Bubert zeigen, wie die Kurgäfte zu seinem lächerlichen Verbot stehen. Kaum waren die letzten Töne des Trugliedes ver Plungen, da bestiegen der Borkämpfer für das judenfreie Borkum, Pastor Münchmener, der abgesetzte Badedirektor Hempel mann und der völlische Reichstagsabgeordnete Henning mit einis gen Kurgästen den Musiktempel. Die alte Reichstriegsflagge und die schwarzweißrote Satenfreuzflagge der völkischen Freiheitsbewegung wurden gehißt, die nötigsten Musikinstrumente und das Dirigentenpult von den genannten Herren befeht und so fräftig wie wohl nie zuvor erklang das Bortumlied, Herrn Bubert zum Erobl Als nach Schluß des Liedes der Ausscheller" des Ortes mie üblich seine Neuigkeiten verlas, darunter auch weggelaufen ein kleiner Hund -", ertönte plöglich eine laute Stimme über die Menge hin: Bugelaufen ein sozialdemokratischer Landrat, abzugeben am Bahnhof!" " Merken Herr Bubert und seine porgesezten Genossen" noch immer nicht, wie lächerlich sie sich machen und daß der völtische Wille auf Borkum nicht zu brechen ift?" Dieser„ völkische Wille auf Borkum" ist nichts weiter als die Regung eines grotest lächerlichen Spießbürger tums, das nicht die geringste Distanz sich selbst und den Dingen gegenüber hat. Die völlische Reichstagsfraktion wirft sich jetzt als Hüterin der Verfassung und der Gesetze auf, indem sie eine Interpellation im Reichstag eingebracht hat. Darin heißt es: ,, Schon vor dem Weltfriege ist amtlich festgestellt, daß es teine verfassungsmäßige und gefegliche Grundlage gibt, das Singen des Bortumliedes" au unterdrücken. Auch die Weimarer Verfassung bietet hierzu feine Handhabe. Trohdem gehen seit vorigem Jahre preußische Behörden in offensichtlichem Zusammenwirken mit jüdischen Kreisen unter Bruch der Reichsverfaffung und unter Verlegung der gesetzlichen Vorschriften mit Gemaltmaßnahmen gegen Borkum vor, um den Juden den Aufenthalt zu erzwingen und das ,, Borfumlied" zu unterdrücken." Auf Grund diefer einwandfreien Feststellungen" wird die Bestrafung des preußischen Innenministers Severing und des Landrats Bubert verlangt und ferner wird die Reichsregierung gefragt, was sie zu tun gedenkt, ,, um zu erreichen, daß die deutsche Bevölkerung in Preußen nicht von Beamten regiert wird, die im vorliegenden Falle von der untersten Instanz bis um Minister ohne jegliche fach männische Vorbildung ihre Aemter zu einseitiger Parteipolitit ausnuten?" Die ganze Geschichte ist an sich höchstens für ein Wigblatt geeignet. Man stelle sich den Herrn Reichstagsabgeordneten und Ma jor a. D. Henning vor, wie er im Verein mit dem Diener Christi Hümpelmener, unterstützt von der vieltaufendtöpfigen Menge Bortumer völtischer Badegäste„ Verfassung und Freiheit schützt" und feinem teutschen Manneszorn durch fräftige und wiederholte Abfingung des Bortumliedes Ausdruck verleiht. Es ist wirklich schwer, über diese Gesellschaft teine Satire zu schreiben. Im übrigen scheuen die Bölkischen und auch die Deutschna tionalen bei ihrem Kampfe für die deutsche Freiheit( lies Lerrorismus) nicht vor den übelsten Mitteln der Berleumdung zurück. In einer großen Anfrage der Deutschnationalen Alfillyrische Ausgrabungen. Frankreich und Albanien haben einen Volkspartei, die im Preußischen Landtag eingebracht worden ist, Bertrag abgeschlossen, der den französischen Archäologen erlaubt, in dem Gebiet des ehemaligen Jüyrien Ausgrabungen vorzunehmen. Eine Gruppe werden z. B. über die Verhandlungen, die der Beauftragte des Landfranzösischer Archäologen hat nun Ausgrabungen im Gebiet des alten rates bereits vor einem Jahre mit der Gemeindeverwaltung geführt Apollonium veranstaltet. Dort wurden die Ruinen einer Ansiedlung aus hat, bewußt unwahre Behauptungen aufgestellt. Der gegraben, die ins 14. Jahrhundert zurückgehen soll. Die Entbedung hat Bertreter des Landrates, Regierungsrat Dr. Wüflenweber, infojern eine gewisse Bedeutung, als man bis jest noch nicht sehr viel von dem Bau des griechischen Hauses weiß. Man darf botten, daß die Ausfoll mit wirtschaftlichen Repressalien, mit Steuerdruck usw. gedroht grabungen neue Aufschlüsse über diese Frage bringen werden, haben. Die tapferen reaktionären Zeitungen, wie die Deutsche den von diesen Blättern grundfählich nicht aufgenommen. Im ,, Kampf ums Recht", d. h. im Kampf für den wüsteſten und et elhaftesten Terrorismus, für die widorwärtigste tonfessionelle Berhebung der Staatsbürger untereinander ist dieser Gesellschaft jedes Mittel recht. Herr Wir sind sehr neugierig, wie der Reichsinnenminister, Herr Dr. Jarres, sich zu dieser völkischen Interpellation stellen wird. Die beinahe genial zu nennende Art und Weise, wie die Brüstierung der jüdischen Konfession gegenüber den Katholiken und Protestanten von ihm begründet wurde, läßt immerhin manches erwarten. Jarres ist selbstverständlich mit seinem Herzen ganz bei der Sippschaft derer um Henning, aber als Reichsinnenminister wird es ihm etwas schwer werden, den Anforderungen dieser wildgewordenen Spießbürger gerecht zu werden. Irgendwie wird er schon eine loyale Haltung gegenüber der preußischen Regierung marfieren müssen. Aber nicht nur Herr Dr. Jarres wird gezwungen sein, einen bewunderswerten Eiertanz aufzuführen, man kann auch neugierig sein, wie die deutschnationale Reichstagsfraktion, die über so wertvolle Mitglieder, wie z. B. Dr. Qua a ß, den Sohn einer geborenen Josephsohn verfügt, sich mit Anstand aus der Affäre ziehen wird. Es wird im Reichstag hoffentlich den Organisatoren des völkischen Banditismus energisch entgegengetreten werden. Aber das alles wird nicht hindern, daß durch das Treiben dieser Leute Deutschland immer wieder in der ganzen Welt als ein nicht ernst zu nehmendes Land hingestellt wird. Verhinderter Abbau. Einspruch der Regierungspräsidenten. Gegen die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlungen non Hannover und Kassel über den Abbau der sozialdemokratischen Oberbürgermeister Scheidemann und Leinert haben die Regierungspräsidenten von Hannover und Kaffel Einspruch era hoben, weil zuwider der zwingenden Vorschrift des§ 22 der Abbauverordnung die von dem Beschluß Betroffenen nicht vorher gehört worden sind. Die Stadtverordnetenversammlungen werden sich infolgedeffen erneut mit der Angelegenheit beschäftigen müssen. Wir teilen nicht die Hoffnung des Berliner Tageblattes", daß die Bürgerlichen Parteien zur Einsicht kommen und ihren standalösen Beschluß nicht zum zweiten Male fassen werden. Wird ein neuer Abbaubeschluß gefaßt, den die Regierungspräsidenten formell nicht mehr beanstanden können, dann hat der provinzielle Ausschuß die Frage zu entscheiden, ob entgegen der Abbauverordnung politi che Gründe maßgebend gewesen sind, was allerdings von einem fann gespannt sein, wie diese Angelegenheit weiter verlaufen wird. objektiv Denkenden wohl nicht gut beftritten werden kann. Man kann gespennt sein, wie diese Angelegenheit weiter verlaufen wird. Das„ Tageblatt" macht darauf aufmerksam, daß in Biele feld, wo nach einem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung der Beschluß war nur möglich, weil die Demokraten sich an ihm teder sozialdemokratische Bürgermeister Kölner abgebaut werden follteiligten seinerzeit zwischen sämtlichen Parteien eine Berein barung zustande gekommen ist, derzufolge der dem rechten Flügel der Deutschen Boltspartei angehörige Oberbürgermeister wiedergea wählt und der Bosten des zweiten Bürgermeisters mit einem Sozial demokraten besetzt wurde. Jetzt haben sich sämtliche Parteien an die damaligen Vereinbarungen nicht gehalten. Es liegt auf der hand, welche Lehre die Sozialdemokratie aus solchem Verhalten des Bürgertums zu ziehen hat. dod Ein Kaffeler Dementi. Nach einer Mitteilung der Regierung in Raffel ist die Blättera meldung, daß die Regierungspräsidenten pon Kaffel und Hannover die Beschlüsse über den Abbau der sozialdemokratischen Oberbürger reister Scheidemann und Leinert beanstandet hätten rcil entgegen der Abbauverordnung die von den Beschlüssen Betroffenen nicht vorher gehört seien, und daß die Gemeindevertretungen sich nunmehr erneut mit der Angelegenheit befassen würden, in dieser Form, soweit Rasses in Frage tommt, unzutreffend. Dier bürgermeister Scheidemann sei vorher gehört worden, jedoch sei iber die von ihm eingelegte Beschwerde eine Entscheidung noch nicht getroffen. Bayern gegen die Amnestie. München, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Das Plenum des Bayerischen Landtages befaßte sich am Donnerstag mit den sozialdemokratischen, tommunistischen und völlischen Anträgen für eine Amnestie der politischen Gefangenen. Alle Anträge wurden mit Das gleiche Echicksal fanden wechselnden Mehrheiten abgelehnt. die Anträge auf Aufhebung des Ausnahmezustandes, ferner der Bujazantrag der sozialdemokratischen Fraktion, der entgegen der Verfassungsfeiern unter freiem Himmel verlangte. neuen Verordnung des Ministers des Innern die Abhaltung der Verfassungsfeiern unter freiem Himmel verlangte. Abgelehnte Verfassungsänderung. München, 31. Juli.( WTB.) In der heutigen Nachmittagsfigung des Bayerischen Landtags wurde der Antrag der Baye rischen Volkspartei auf Aenderung des§ 92 der Verfassung( Erleichterung von Verfassungsänderungen) beraten. Gegen den im Ausschuß mit einfacher Mehrheit angenommenen Antrag sprachen sich die Redner des Bölkischen Blocks und der Kommunisten aus. In der Abstimmung ergab sich für den Antrag bei 55 Ja Stimmen und 38 Nein- Stimmen feine qualifizierte Mehrheit( Diese beträgt 86 Stimmen), so daß der Antrag als abgelehnt zu bea trachten ist. Der neue Micum- Vertrag. Der Abschluß im Kohlenbergbau. Wie wir gestern bereits in einem Teil unserer Auflage mitteilen fonnten, ist zwischen der Sechserkommission des Rheinisch- Westfälischen Kohlenbergbaus und der Micum der laufende Vertrag abgeändert und verlängert worden. Die Sachleistungen bleiben danach im bisherigen Umfange bestehen. Eine Ermäßigung hingegen erfahren die auf dem Kohlenbergbau ruhenden Geld. abgaben. So werden die Ein- und Ausfuhrabgaben sowie die 3u- und Ablaufsgebühren auf die Hälfte des Standes vom Juni herabgesetzt. Die Kohlensteuer wird sogar vom 1. August ab auf ein Drittel des bisherigen Betrages, nämlich auf 25 Pf. pro Tonne ermäßigt. Ferner hat die Micum, um den Absatzschwierig feiten des Kohlenbergbaues Rechnung zu tragen. die jetzt fällig werdende Kohlensteuer für den Juli nachträglich von 75 auf 50 Pf. je Tonne herabgefeßt. Bon den bisherigen Berträgen des Bergbaues mit der Micum unterscheidet sich der jeßige dadurch, daß er nicht an einem bestimm ten Termin abläuft, sondern bis auf weiteres Geltung be hält. Das bedeutet nicht eine Verewigung des gegenwärtigen Ver tragszustandes, da die Sechserkommission vom 15. August ab das Abkommen mit fünftägiger Frist fündigen kann. Der Vertrag ist also darauf zugeschnitten, bis zur Durchführung des Da wes Gutachtens in Kraft zu bleiben, wenn nicht unvorher. gesehene Schwierigkeiten eintreten, Gewerkschaftsbewegung Für das Abkommen von Washington. Nunmehr haben auch der Vorstand des Deutschen Gewert schaftsbundes und der Vorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften zu dem Antrag des ADGB., die Ratifizierung des Abkommens von Washington durch Volksentscheid herbeizuführen, Stellung genommen. Der gefaßte Beschluß lautet: Der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften sind bereit, nach Erledigung des DawesGutachtens und nach der Ueberwindung der gegenwärtigen Kreditund Wirtschaftskrise mit ihrer gewaltigen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sowie nach erfolgter Stellungnahme der Reichsregierung zur Frage der Rafifizierung des Washington- Abkommens auf die Reichsregierung dahingehend einzuwirken, daß sie dem Reichstag einen Arbeitszeitgefehentwurf vorlegt, der die Mängel der gegenwärtigen Arbeitszeitverordnung beseitigt. Erforderlichenfalls ist der DGB. auch bereit, für die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens einzutreten und, wenn nötig, einen Volts entscheid darüber herbeiführen zu helfen unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß die gefehgebenden Körperschaften der übrigen Haupfindustrieländer sich ebenfalls zur Ratifizierung bereit erklären. Mögen auch die Vorbedingungen etwas verklausuliert erscheinen, wie das ja bei der Zusammensetzung des Borstandes des DGB. nicht anders zu erwarten ist, das Wesentliche ist die grundfäßliche Forderung der Ratifizierung des Ab= tommens von Washington. Bis zur Durchführung des Volksentscheids wird schon aus rein technischen Gründen eine derartig lange Frist verstreichen man rechnet mit vier bis fünf Monaten, daß schon dadurch die Voraussetzungen des Vorstandes des DGB. hinfällig werden. Die englische Regierung will ratifizieren. London, 31. Juli.( ED.) Die Regierung hat heute nachmittag im Unterhaus eine Vorlage eingebracht, in der die Rafifizierung der Washington Borschläge über die Einführung des Achiffundentages beantragt wird. Es will Abend werden. Als in der KPD. die ,, Führergarnitur" Brandler, Zetkin, Koenen abgesägt wurde und die Scholem, Ruth Fischer an die Spize famen, geschah das unter dem Feldgeschrei der bevorstehenden und mit aller Energie zu betreibenden ,, Revolution". Es ist zweifellos, daß damals die KPD. großen Zulauf hatte. Die Berzweifelten aller Schichten, die nur noch an eine gewaltsame Lösung der furchtbaren Krise glaubten, die in Deutschland wütete, liefen zu den Kommunisten oder den Bölkischen. " Wo ist nun die kommunistische Revolution geblieben? Wo sind die großen Taten der Ueberrevolutionäre, die heute die KPD. fommandieren? Wo sind vor allem die Massen der Mit- und Nachläufer hingeraten? Täglich schreit die„ Rote Fahne":" Heran an bie Massen" Das heißt, die Massen sind davongelaufen und die Kommunisten bemühen sich verzweifelt, ihnen nachzulaufen. In dieser Beziehung sind die Debatten, die auf den Moskauer Rongreffen gepflogen wurden und in Berlin ihre Fortsetzung fanben, sehr aufschlußreich. Alles schreit nach der flaren Linie" und jeder hat mindestens drei Meinungen darüber, die von den anderen Rommunisten wieder verworfen werden. Der Kazenjammer, der in den Konventikeln der KPD herrscht und heute wohl die wirkliche tommunistische Einheitsfront ist, tommt so recht in dem Epilog zum Ausdruck, den die Rote Fahne" veröffentlicht. Wir zitieren: Man kann ohne eine flare gemerfschaftliche Auffaffung wohl von der Organisierung der Revolution und von der bolschewistischen Massenpartei reden, aber man wird feines von beiden erreichen, wenn man nicht in der Bragis an die Gewinnung der in den freien" Gewerkschaften organisierten Massen herangeht. Die Erfassung der Unorganisierten ist neben der Notwendigkeit schärffter und planmäßigster Arbeit in den Gewerkschaften eine völlig unter geordnete Frage.( Bisher war es umgekehrt.) Der Bezirksausschuß erkannte in richtiger Weise, daß gerade in Berlin- Brandenburg nur dann eine Vorwärtsentwid Iung unserer Partei möglich ist, wenn sich alle Parteigenoffen von dem Grundíaz leiten lassen, daß wir erst dann die SozialDerräter erledigt haben, wenn wir wieder in ihrer einzigen Refrutenschule, den reformistischen Gewerkschaften, festen Fuß fassen und die Massen für uns erobern. Bei einer sofortigen Inangriffnahme dieser schweren Arbeit merden wir unseren Einfluß und unsere Erfolge in ungeahnter Weise vergrößern. Jeder Genosse muß sich darüber im flaren sein, daß Sabotage in dieser Frage einem Verzicht auf die Revolution gleichzusehen ist!. Noch vor wenigen Monaten taten die Kommunisten so, als wären wir schon vernichtet", die Gewerkschaften erledigt", während die KPD., gestützt auf die Massen", binnen turzer Frist Deutschland mit der Räterepublik beglücken würde. Nun aber wird als nächste Aufgabe bezeichnet, an die Gewinnung der Massen heranzugehen", = die in den Gewertschaften sind und nicht, wie die Kommunisten mit den Unternehmern frohlockend glaubten, außerhalb der Gewerkschaften. Andernfalls wäre eine„ Borwärtsentwicklung" ( welch opportunistische" Phrase!) der KPD. nicht möglich. Man will also in den Gewerkschaften, die man schon als erobert hingestellt hatte ,,, wieder festen Fuß fassen". Für eine ,, Massenpartei", die die Amsterdamer und die Sozialdemokratie schon vernichtet hatte, ein fehr bescheidenes Beginnen. Und woher dieser Rückschlag, der einem Zusammenbruch nahe fommt? Der Berichterstatter über die Moskauer Rongreffe fagte darüber laut ,, Rote Fahne" auf der Tagung des Bezirksausschusses der APD. u. a.: Zur Frage der selbständigen Verbände einige Worte. Die Massen werden in diese nur hineingehen, wenn sie von ihnen gewisse Vorteile erhoffen. Nun betrachtet die Lage des Kapitalismus und begreift, daß wir einen fatastrophalen Zusammenbruch erleben, wenn wir die Massen enttäuschen, indem wir ihnen diese Vorteile nicht geben fönnen. Sie werden euch dann eines Tages eine furchtbare Quitfung vorlegen und fagen, daß ihr genau solche Schurken seid wie die Reformisten. Aus der Sprache des Bolschewismus in gewöhnliches Deutsch übersetzt heißt das: Die Kommunisten können sich nur dann behaupten, wenn sie ihre Versprechungen verwirklichen. Da sie aber dessen ganz und gar unfähig sind, erleben sie einen fatastrophalen Bufammenbruch". Nach Düsseldorf Jena! Schwere Niederlage der Kommunisten. Jena, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bei der gestern erfolgten Neuwahl der Ortsverwaltung des Deutichen Metallarbeiter Berbandes und der Delegierten zum Ortsausschuß des ADGB. wurden die kommunisten mit 3 wei Drittel Mehrheit geschlagen. Nachdem die Kommunisten bereits bei der Reichstagswahl 25 Pro3. ihrer Stimmen verloren hatten, ist diese Niederlage in einer ihrer ältesten gewerkschaftlichen Hochburgen ein schlagender Beweis des Rüdgangs ihres Einflusses in den freien Gewerkschaften. So= | und mehr der Einfluß der Organisation geschwunden. Schon jahres lang find die Ensemblemufiker ohne Tarifvertrag und nun will man auch die Orchestergruppe rechtlos machen. In dem neuen Vertragsentwurf find u. a. vier ganze freie Tage oder acht halbe freie Tage vorgesehen, d. h. daß Tage, an denen vormittags feine Probe stattfindet, schon als halbe Freitage gerechnet werden tönnen. Heute gehen die Bestrebungen dahin, nicht nur die Gehälter abzubauen, sondern auch die Ensembles zu verkleinern. In Hamburg, wo eine geschlossene Organisation vorhanden ist, ist der Versuch der Arbeitgeber fläglich gescheitert..- Die Musiker liegen jetzt wieder in schärfften Kampf gegen die Schmugtonturrenz der Beamten und Militärmusifer. Die behördlichen Bestim mungen fönnen nicht so durchgeführt und kontrolliert werden, wie es notwendig wäre. Heute sind die Beamten schon in die Cafés, die Orchester-, ja schon in die Theaterfapellen eingedrungen. Die unzweifelhaft bevorstehenden Kämpfe können nur von einer ein heitlich organisierten Musiferschaft geführt werden. lange die Berliner Musifer in ihrer Gesamtheit das nicht begriffen haben, werden die Angriffe der Unternehmer auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht ausbleiben. Notwendigkeit einer Einheitsorganisation anerkannt. Die Bersammlung nahm schließlich einstimmig eine Entschließung an, in der es heißt: ,, Eine Befferung der gegenwärtigen Verhältnisse ist nur möglich, wenn es gelingt, schnellstens die so notwendige Einigkeit unter den Berliner Musikern herbeizuführen. Die Versammlung sieht in einer starten gewertschaftlichen Organisation das beste Mittel, die Angriffe der Unternehmer erfolgreich abzuwehren. Sie erfucht alle Berliner Musiker, dafür Sorge zu tragen, daß in aller Kürze eine starke gewerkschaftliche Einheitsfront hergestellt wird. Die Versammlung erwartet vom Deutschen Musikermit aller Entschiedenheit ablehnt und unverzüglich an die übrige Arverband, daß er die Forderungen des Deutschen Bühnenvereins beitgeberschaft zwecks tariflicher Regelung der Arbeitsbedingungen unter Aufrechterhaltung der sozialen Errungenschaften herantritt, und des weiteren alle gegebenen Mittel zur Beseitigung der Beamten-, Militär- und Dilettantenfonkurrenz anwendet. Die Berliner Musiker find bereit, für ihre berechtigten Interessen, wenn es nottut, auch den Kampf aufzunehmen und einem diesbezüglichen Rufe des Deutschen Musikerverbandes Folge zu leisten." In der Diskussion wurde von den meisten Rednern die Zentralverband der Maschinisten und Seizer, Gefchäftsstelle Groß- Berlin. Am Sonntag findet die Stichmahl der Delegierten zur 15. ordentlichen Verbandsgeneralversammlung in Breslau statt. Die Wahl erfolgt in nachftehenden Wahllokalen in der Zeit von 9-12 Uhr vormittags und 3-6 Uhr nachmittags; im Bezirk Centrum von 9-2 Uhr nachmittags. Bezirk Adlershof: im Bezirkslokal, Bezirk Bernau: im Bezirkslokal, Bezirk Charlottenburg: Ad. Werner, Charlottenburg, Wallstr. 96, fleines Gewerkschaftshaus: Bezirk Cöpenick, Stippefohl, Cöpenid, Schönerlinder Straße 76; Bezirk Centrum: Mattauch, Berlin, Linienstr. 6la, Ede Gormannstraße; Bezirk Friedrichshagen: Bezirk Hallesches Tor: Bayerischer Geppl", Bergmannstr. 103; Bezirk BeltenSennigsdorf: Su den drei Linden", Hennigsdorf, Friedrichstraße: Bezirk Raltberae- Ertner: im Bezirkslokal; Bezirk Rönigswufterhausen: bei Groffe, Königswusterhausen, Potsdamer Straße 9; Bezirk Lichtenberg: Wörliger. Marienfelde: im Bezirkslokal; Bezirk Neukölln: Cassun, Neukölln, Erkstr. 8; Bezirk Nowawes: Gebauer, Rowawes, Wallstraße: Bezirk Often: Biebermann, Rorndorfer Straße 9; Bezirk Oranienburg: Hennrich, Oranienburg, Bernauer Straße 5: Bezirk Niederschönhaufen- Bankow: Wahllofal in Weißensee; Bezirk Südost: Wagner, Berlin, Rotbufer Straße 19; Bezirk Schöneberg, Kupante, Schöneberg, Eisenacher Straße 63; Bezirk Steglig: Mahlis. Stegliz, Düppelftraße 7; Bezirk Schönhauser Vorstadt: Soffmann, Berin, Enchener Straße 8; Bezirk Spandau: Windt, Spandau, Pichelsdorfer Straße 5; Bezirk Reinidendorf- Weft, Reinickendorf- Oft, Wittenau, Tegel: ,, Lindengarten", Inh. Gerbsch, Tegel, Berliner Straße 65: Beziet Teltow: im Bezirkslokal: Bezirk Wedding: Riechmann, Berlin, Lynarstr. 4; Bezirk Weißensee: Pfikner, Weißensee, Berliner Anee. Das Zentralwahlbureau ist die Geschäftsstelle, Berlin, Engelufer 24-25. Telephon: Morisp at Nr. 13261, wo telephonisch Auskunft Lichtenberg, Gürtelſtr. 38: Bezirk Moabit: Beste, Berlin, Surmfic. 29; Bezirk gegeben wird. Die Ortsverwaltung. Der Generalstreik in Polnisch- Oberschlesien. Hindenburg, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Von einem eigentlichen. Generalstreit kann in Ost- Oberschlesien nicht die Rede fein. Es streifen nur die Gruben und Hütten. Die Weiterverarbeitung, Elektrizität, Baugewerbe usw. haben die Arbeit nicht im Lotal Seeftr. 102; Bezirk Gesundbrunnen: Döhling, Berlin, Brunnenstr. 79; eingestellt. In der Hubertushütte arbeiten Korfanty- Leute als Streitbrecher. Es ist alles ruhig. Am Donnerstag abend kommt der Minister für soziale Fürsorge, Durowiti, nach kattowi, um zu verhandeln. Die Gewerkschaften haben den Streit fest in der Hand. Das Streifgebiet ist in Bezirke eingeteilt und wird planmäßig bearbeitet. Die Zahl der Streifenden ist auf 100000 zu schäzen. Der Ministerpräsident Grabiti hat das Ersuchen an den Sejm- Marschall gerichtet, den Sejm nicht eher auseinandergehen zu lassen, ehe er nicht die Zehnstundenverordnung fanttioniert hat. Dem wird sicher stattgegeben. Für den Zehnstundentag ist leider eine sichere Mehrheit vorhanden. Der weitaus größere Teil auch des Bürgertums von Polnisch- Oberschlesien steht auf der Seite der Streifenden. Bemerkenswert ist ein Artikel in der„ Rattowizer Beitung", überschrieben Wegbereiter des Kommunismus", den der deutsche bürgerliche Sejm- Abgeordnete lig geschrieben hat. Er wirft den Industriellen vor, daß fie den Bogen zu straff spannen. 3hre ungerechten Forderungen müßten die Massen dem Bolschewis mus in die Arme treiben. Korfanty felbft ist von seiner Frattion aufgefordert worden, fein Mandat niederzulegen, weil er ebenfalls mit den Industriellen für den Zehnstundentag eingetreten ist. Es herrscht eine erregte Stimmung gegen ihn. Noch bedenklicher ist freilich die Stimmung gegen die Regierung. Einzelnen Ministern, wie Durowski und Niedorn, wird direkt vorgeworfen, daß sie sich von der Industrie laufen ließen. Vorläufig ist von einem Einfluß der Kommunisten noch gar nichts zu merken. Die Lage wird freilich anders, wenn der Streit unter der Führung der Gewerkschaften zusammenbrechen sollte. Soviel steht heute schon feft, daß die Industriellen in der Frage des Zehnstundentages nicht nachgeben wollen. In der Lohnfrage sind sie bereit, kleine Konzessionen zu machen. Die Polizei ist verstärkt worden. Irgendwelche Be fchränkungen, abgesehen vom Alkoholverbot, sind aber nicht zu bes merken. Die Musiker spielen auf. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Musikerverbandes hatte die Musiker Berlins in eine überfüllte öffentliche Versammlung zuJammenberufen, in der Verbandsvorsitzender Fauth über: Wie verbessern wir unsere Lohn- und 2 beitsbedingungen" referierte. Fauth ging davon aus, wie in der ersten Zeit nach Beendigung des Krieges, als die Musifer in eine: träftigen Einheitsorganisation zufammengeschloffen waren, die Berufsbedingungen in Berlin den Arbeitgebern von den Musikern vorgeschrieben worden sind. Nachdem im Laufe der Zeit von der großen Organisation wieder Teile abgesplittert und Sondergruppen gebildet haben, ist auch mehr Vorträge. Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". " Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Raifer- Wilhelm- Straße 46 III. Rameradschaft 3. Bedding". Am Sonnabend, den 2. August, abends 6-8 Uhr, Abholen der Müzen( auch für die, die nicht Rame angezahlt haben) bei Müller, ferstraße Ede Martin- Opig- Straße. rabschaft Neukölln“ und„ Brih". Am Sonnabend, den 2. Auguft, abends 7.45 Uhr, legte dringende Zusammenkunft Bahnhof Köllnische Heide( Siedlung), dortfelbft werden auch Müßen ausgegeben. Rameradschaft Reiniden dorf- Rosenthal( Aleinbahn) aur Fahrt nach Bandlig. Erscheinen ist Bflicy barf". Sonntag, den 3. August, mittags 1.15 Uhr, Antreten Bahnhof Reiniden. Rameradschaft Behlendorf". Sonnabend, den 2. Auguft, abends von 7 bis 7 Uhr bei Schnarre, Potsdamer Straße 3, Ausgabe von Mühen, Arm binden usw. 7½ Uhr erfte Uebung. Anwesenheit der Kameraden und Jugendkameraden unbedingt notwendig. Nur Mitglieder. Kamerabschaft Türrschmidtstraße 33, Borstandssigung. Dazu die Zugführer, die auswärtigen Gruppen. Kameradschaft Faltenberg, Alt- G ienide. Deffentliche Versammlung am 1924, Gruppe Lichtenberg. Freitag, den 1. Auguft, 8 Uhr abends, bei Emil Krüger. trag des Kameraden Northeim:„ Die Not der Republit. Republikaner als Gäste willkommen. Berantwortlich für Politit: Ernft Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Döfcher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Rote u. schwarz- rot- goldene Fahnen fertigt an Flaggen- Minuth BERLIN Beuthstr. 4 Merkur 2422 Tiefz BILLIGE Lebensmittel Gemüse Verkauf sowelt Vorrat Fische und Räucherwaren 181 Kopt, im Frisches Fleisch Neue Kartoffeln 10 Prd. 40P. Schollen Pfund 8Pf. Hammel- Vorderfleisch Möhren Weisskohl Zwiebeln. Pfund 4 Seelachs one and 12 Pr. Hammeirücken ganzen Pfund Pf Pfund 6p. Rotharso.Kopf. i. ganz., Pfd. 15PL Pf. Pfund 10rr Kabliau o.Kopf. L. ganz, Pfd. 17 Pf. 2 Hammelkeulen Kalbskamm Kalbskeulen. Mengenabgabe vorbehalten Kise Wurst n. Braunscnw. Art..... Pfand Gamembert.... Schachtel 25 Pf. folwurst........... Pfund 48Pf. Pfand 70P Pfund 75P. Romatour i.Stanniol, Stück 28p Leberwurst Pfund 48Pf. Pfund 85Pt. Quadratkase..... Pfand 35P Hausm.- Leberw. Pfund 90Pf. Pfund 70P. Briekäse Pfund 50P Salzwurst.. Pfund 75Pt. Schmorgurken... Pland 10P. Ostseeheringe Pfand 35P. Schweinebauch ohne Beilage..... .Pfund 85 Pf. Limburger Käse Prund 65P Mettwurst 100 Pfund 95PL Wirsingkoh! Pfund 12P Salzheringe sst. 10,20,25P Schulterblatt ohne Beilage....... Pfund 95p. Tilsiter Käse..... Pfund 65 Grobe Mettwurst Prand 98Pt. Schoten Pfand 12Pr. Matjesheringe 2 Stack 15P. Schweineköpfe gepökelt........... Pfund 28 Goudakäse. .... Pfund 28r Goudakäse Pfund 75P. Jagdwurst Pfund 115 Holländ. Rotkohl Prand 12 Pr. Rotbars geräuchert, Pfd. 40Pf. la Ochsenfleisch gefroren........... Pfund 45Pt. Steinbascher.... Pfand 90Pt. ff. Leberwurst Pfund 120 Grüne Gurken Stück von 14 Sprotten Pfund 44Pf la Hammelfleisch Edamer Käse. gefroren....... ....... Plund Pfand 95Pr Teewurst ...... Pfund 145 Pund 45p. Schweinefleisch gefroren Pfund 70Pf. Molkerel- Butter Stück 95P Ausland.Speck, tett and 80Pf. mag Pd. Strudeläpfel Pfund 18Pt. Bücklinge......... Pfund Pfund Eimer 70Pt. Pfd. Holländischer Kakao( Bensdorp 80Pf. Zwelfrucht- Marmeladen 9820 Frisch gebr. Kaffee aus eigener Rösterei 240 Amerik. Würstchen Port. Ölsardinen Frische Landeier Dänische Vollmilch Corned beef 25. Dose Pf. Dose 38 PL Stück 11 Pt. 1ºº 3 Dosen ca. 2- Pfund- Dose 98 PL. Hc. 35$ ♦ 41. Jahrgang 1. Heilage ües vorwärts Lreitag, 1. August 1424 Spitzel � �lchtgrofihenjungen. Don Z«it zu Zeit wirft ein besonders krasser Fall ein grelles Schlaglicht auf eine Erscheinung, die in seltsamen und abstoßenden Formen die Brück« zwischen Polizei und Verbrechertum bildet: Das Spitzeltmm Die große Erregung der Hannoveraner bei dem Falle Haarmann beweist, daß die Erkenntnis von der unheilvollen Wir- kung des Spitzelwesens weit« Volksschichten erfaßt hat, aber es ist noch lang« nicht ollen ins Bewußtsein gedrungen, daß es sich hier nicht um einen Einzelfall, sondern um eine verbreitete gemeinschodliche Einrichtung des Gesellschaftslebens handelt. Rutsches Spitzelwesen. Der Spitzel hat seiner Bestimmung gemäß die Aufgabe, geheime Taten oder Pläne an die Behörden oder an privat« Auftraggeber zu verraten. Zu diesem Zwecke muß er sich in das Vertrauen der bespitzelten Personen einschleichen, und für den Mißbrauch dieses Vertrauens erhält er seine Bezahlung. Es ist klar, daß sich zu einem solchen Gewerbe nur moralisch besonders liefstehende Menschen hergeben, und es ist bezeichnend, daß sogar ganz„schwer« Jungen" mit Verachtung auf die Spitzel herabsehen. Die Polizei und andere Behörden behaupten, daß sie nicht ohne die Dienste dieser verkommenen Subjekte auskommen lönnerr und daß ihnen die Spitzel bei der Verfolgung von Verbrechern die wertvollsten Dienste leisteten. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß in der Tai manche Straftoten durch Denunziation von Spitzeln aufgedeckt worden sind, daß dieser Zweck aber auch mit anderen Mitteln erreichbar ist und vor allem, daß der von Spitzein angerichtet« Schoden sehr viel größer ist als der Nutzen ihrer Tätigkeit. Die schlimmsten Früchte hat dos Spitzelunwesen von jeher in der Politik gezeitigt. Wer sich überzeugen will, was hier, nicht in der Aufdeckung von Verbrechen, sondern in ihrer Anstiftung und Ausführung von Spitzeln geleistet wird, der braucht aur die Geschichte Rußlands in den letzten Jahrzehnten zu durch- rnuftern: Die Ochrana, die allmächtige gehnm« poli- tisch« Polizei, unterhielt ein Heer von Spitzeln bei allen revolutionären Organisationen, und umgekehrt gab es auch revolutionäre Eindringlinge bei der Polizei. Bei den bekannten Enthüllungen in der Angelegenheit Azew-Burzew kam es zutage, daß von diesen Polizeispitzeln eine Fülle von Mordtaten angezettelt worden, sind. Großfürsten wurden ermordet, Attentate auf Minister und «.rider« Würdenträger verübt von Spitzeln. Die Beweggründe zu deren Taten sind klar. Di« Polizei und ihre Helfershilfer wollen ihr« eigene llnentbehrlichkeit beweisen, wenn die Reootutionäre selbst nicht genug in dieser Richtung tun. Manchmal geschehen diese Dinge auch, wönn die Spitzel m Verdacht bei den Revolutionären gekomnien sind und sollen ihre«inwandfteie Gesinnung beweisen. Oft kommt es dahin, daß die Subjekte Geld von beiden Seiten nehmen und am Ende selbst kaum noch wissen, in wessen Diensten sie stehen. Unver- gessen ist auch noch in Rußland der Zug des Popen Gapon, der in Petersburg eine ganze Menge in die Bajonette und Knuten der Kosaken hineinführte. Erst zu spät, nachdem viele Opfer gebtutet hatten, erkannte man, einem Spitzel ins Garn gegangen zu sein. Gapon verdient durch die Eigenart seiner Persönlichkeit in diesem Zusammenhange besonders erwähnt zu werden. Er war anfänglich Gefängnisgeistlicher und Hot durch sein brutales Auftreten und feine reaktionären Redensarten das schlimmste Andenken bei den Ge- sangenen hinterlasien. Wi« es geschah, daß er plötzlich in Arbeiter- kreisen eine Rolle zu spielen begann, weiß man noch heute nicht. Es handelt« sich um Organisationen, die von der politischen Polizei nicht allein gegründet, sondern sogar begünstigt wurden, die unter ihrer Aufficht standen und die Arbeiter von der Teilnahme an den illegalen politischen Parteien ablenken sollten. Gapons Popularität wuchs von Tag zu Tag, inrn.er mech Arbeitergruppen gerieten in seinen Bann, er entwickelte sich allmählich zu einem hervorragenden Redner, der alles mit sich zu reißen oerstand. Niemond ahnte aber, daß dieser Pope dbr politischen Polizei Lockspiheldienste leistete. Den regierenden Kreisen um Nikolaus herum galt es, dem Zaren gegen- über den Arbeitern Schreck einzujagen und ihn so den Konzessionen an die liberalen Elemente, deren Drängen während des russisch- japanischen Krieges immer stärker wurde, abgeneigt zu machen. Andererseits sollte durch ein tüchtiges Blutvergießen den Arbeitern kür die Zukunft die Lust zur Aktivität gegenüber dem herrschenden System genommen werden. Für den 9. Januar war der große Schlag bestimmt,-am 8. jedoch wußte ganz Petersburg bereits, was von der Regierung geplant war. Und am nächsten Morgen wurden Der Zug des Popen Gapon. di e zehntausende von Arbeiter»— Männer, Frauen und Kinder, die ausgerüstet mit Nationalfahnen und Kaiserporträts vor dem Zarenpalais erschienen, zusammen- geschossen. Einige tausend Menschen blieben tot an Ort und Stelle. Gapon führte aber sein verbrecherisches Spiel wester. Nur zu einem gewissen Teile war er von dem Ausgang des 9. Januar befriedigt. Sein Endplan, daß es zu einem bewaffneten Aufftande in ganz Petersburg kommen würde, war ihm nicht gelungen. Ge- glückt war es aber, in den Arbeitertreisen Petersburgs Zwfft her- vorzurufen. Dann erfuhr man aber doch, welche Rolle Gapon ge- spielt hatte. Es wurde über ihn ein Gericht eingesetzt und eine» Morgens wurde er erdrosselt in einer Villa in der Nähe von Peters- bürg aufgefunden. Arbeiterhände hatten an diesem menschlichen Ungeheuer, das das Blutvergießen am 9. Januar verschuldet hott«, das llrtül vollzogen. Die Gärung unter den Arbeitern griff aber immer weiter um sich. Es zeigten sich bereits die Borläuser der ersten russischen Revolution von 190S. ?n DeutschlanS. Aber in Deutschland Hot das Epitzeltum vielleicht weniger Mord- taten angestiftet, doch kaum geringeres Unheil gezeitigt. Noch in der glorreichen Aera Wilhelms mußt« der Staatssekretär des Auswärt!- gen Amtes v. Marschau die berühmt«„Flucht in die Oeffentlich- keit" antreten, weil er sich trotz seiner hohen Staatsstellung nicht an- ders vor den Spitzeln retten konnte. Und in unseren Tagen hat der Seeckl-Prozeß gezeigt, daß durch die gegenseitige Bespitzelung der Parteien und der Behörden ein Element der Beunruhigung und des dunkelsten Verbrechertums in das politische Leben hineingetragen wird. Bei den gemeinen Verbrechern vollzieht sich die Wirksamkeit der Spitzel unauffälliger und nur selten dringt etwas von diesen Dingen in die Oesfentlichkeit. Aber es fft dennoch wahr, daß auch dabei die schwersten Mißstände bestehen. Ein gewerbsmäßiger und erfahrener Einbrecher, dem sein Handwerk zu beschwerlich geworden ist, begiebt sich in Polizeidienst«. Nun ist es fast unmöglich zu unter- scheiden, ob die von ihm der Behörde mitgeteilten Verbrechen nicht zum großen Teil von ihm selbst angestiftet worden sind. Und selbst die Taten, die er etwa noch auf eigene Faust begeht, werden nur zu leicht von der Polizei„übersehen" und so ergibt sich«in Zustand der öffentlichen Unsicherheit, der nach Abhilfe schreit. Am Falle haarmann sieht man, wie leicht die Polizei geneigt ist,«in ihr nützlich erschei- nendes Subjekt so lange zu decken, als es irgend an- gängig ist. Und vor allem: es zeigt sich immer wieder dleselb- Erscheinung, daß die Spitzel, um ihre Tüchtig- keit zu beweisen, selbst Verbrechen anftisten, deren Aufdeckung sie dann als ihr Verdienst in Anspruch nehmen. Der berüchtigte Typus des„Achtgroschsa- jungen", der durchaus nicht immer mit diesem Mini- malbetrage abgespeist wird, ist allen alten Sozial» demokraten wohlbekannt. Aber weniger bekannt dürste es fein, daß heute auch im wirtschaftlichen Leben von der Einrichtung des Spitzeltums Gebrauch gemacht wird, wenn die Arbeitgeber einen ihnen ge- nehmen Stteik provozieren wollen. Namentlich in Amerika sind solche Falle bekannt geworden, und es ist dort durch diese verwerflichen Methoden ein sehr bedauerlicher Gefft des Mißtrauens bei den Arbestern erregt worden. Zu den zahlreichen von Spitzeln begangenen Uebeltaten gesellen sich noch häufig« an ihnen ver. übte Racheakte der von ihnen, verratenen Personen. Eine Wirrnis von Verbrechen, Helmtücke, Vertrauens. bruch und Verhetzung tut sich auf, wenn man das Spitzeltum näher beleuchtet! Und wenn dies« durch und durch unmoralische Einrichtung immer wieder als „notwendiges Hebel" hingestellt wird, so muß man darauf hinweisen, daß die zur Unterhalwng dieser halunkenzunft aufgewendeten Summen viel bester den zum Teil immer noch sehr unzulänglich besoldeten nnteren Polizeibeamten selber gegeben werden sollten. Bei den jetzigen Verhältnisten kommt«s oft genug vor, daß die Polizei mangels genügender Mittel mcht schnell genug oder nicht so eingehend wie nötig einem Verbrechen nachspüren kann. Mst dem Gelds, das jetzt in die Taschen von Spitzeln fließt, und Po direkt oder indirekt zur Besoldung einer Berbrechergilde dient, könnt« man dem oft beklagten Nichtzureichen der Spesengelder für die Polizei weit- gehend abhelfen. Vor allem aber darf man nicht länger durch amtliche Beihilf« die„schlechtesten Kerle im ganzen Land" unterstützen und zu immer neuen Missetaten instand setzen.' Dr. St. Elektrische Beleuchtung der Eiseubahnwagen. Nach dem Eisenbahnunfall von Bellinzona war oon Schweizer Seite gewünscht worden, daß nur noch Wagen mit elekttischer Beleuchtung von den angrenzenden Ländern nach der Schweiz übergehen möchten. Wie d�r Verwaltung der Bundesbahnen nun mitgeteilt wird, hat die Deutsche Reichsbahn die von ihr für den Uebergang nach der Schweiz zu stellenden Kurswagen auf elektrische Beleuchtung umgebaut, so daß alle mit Gasbeleuchtung versehenen Personen- und Packwagen nunmehr zurückgezogen werden können. In allen von Deutschland zu stellenden Zügen, die noch und durch die Schweiz laufen, werden vom 1. August ab nur noch Wagen mit elektrischer Beleuchtung verkehren. Bemerkenswert ist hieran die Schnelligkeit, mit der hier«in« deutsche Reichsverkehrsbehörde eine notwendige Reform durchgeführt lzal. B] Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. Kurz nach Mitternacht kam Klara. Sie entkleidete sich. Andreas ließ eine Augenlidspalte offen und sah sie im Hemd. Sein Blick angelte nach ihrer freien Brust und sein Herz klopfte in der Hoffnung, ein Schulterband würde sich lösen. Dann hörte er Küsse und Umarmungen und schlief ein, von kräf- tigen, breithüftigen Witwen mit vorgewölbten Busen träumend. Ach, er sehnte sich nach einem Weibe und einem eigenen Zimmer und einem breiten Ehebett voll schwellender Wärme. Denn weit vorgeschritten war der Sommer und ließ die Grau- samkeit des Winters ahnen. Allein stand Andreas in der Welt. Den letzten Winter hatte er noch im Spital verlebt. Jetzt drohte die winterliche Straße und erhob sich manchmal vor ihm, steil geneigt, wie eine Rodelbahn. Unser Feind ist die Straße. In Wirklichkeit ist sie so, wie sie uns erscheint, steil und eine schiefe Ebene. Wir merken es nur nicht, wenn wir sie durchschreiten. Aber im Winter— man liest es in den Zeitungen— vergessen die Portiers und die Ladendiener, dieselben, die uns aus den Häusern und Höfen treiben und deren scheltende Worte uns verfolgen, Asche oder Sand auf das Glatteis zu streuen und wir stürzen, von der Kälte der Beweglichkeit unserer Glieder beraubt. Andreas hätte gerne bis zum Winter eine Frau gehabt. eine jener wehrhaften, starken und streitbaren Portiersfrauen, vor denen er fliehen mußte und deren imposante Stellung er stets dennoch ahnte: er sah sie die Hände in die Hüften stemmen, so daß diese hervorquollen und das Hinterteil sich straffte. massig und weiß unter den Röcken. Solch ein Weib sein eigen nennen— das gab Kraft, gab Mut und Sicherheit und machte den Winter zum Kinderspiel. Früh schon weckte ihn der Fluch Willis, den die auf- stehende Klara im besten Morgenschlas gestört hatte. Dann betrat Andreas die morgendliche Straße und hinkte eilig mit den Eilenden, als riefe ihn nicht die freie Lust, in einem beliebigen Hof zu spielen, sondern die Notwendigkeit, einen ganz bestimmten, weitabgelegenen zu erreichen. Er hatte auch , die Stadt nach Bezirken geordnet und eingeteilt, ganz will- kürlich, nach seinen privaten Zwecken und jedem Tag einen eigenen Bezirk zugedacht. So kam er in immer neue Gegenden, forschend und neugierig, hinkte furchtlos über den glatten Asphalt weiter Straßen und war vorsichtig, hielt heranfahrende Automobile mit seinem erhobenen Stock auf und fluchte hinter bedenkenlosen Chauffeuren. So lernte er die Straße besiegen, die gefährliche Straße, die unser aller Feind ist. Von ihr ließ er sich noch lange nicht unterdrücken. Er besaß die Lizenz. Eine Lizenz von der Regierung, zu spielen, wo und zu welcher Zeit immer es ihm behagte. Er besaß eine Krücke und eine Lizenz und ein« Auszeichnung. Alle jähen, daß er invalid war, ein Soldat, der sürs Vaterland geblutet. Und es gab immer noch Achtung vor solchen Männern. Wehe, wenn man ihn nicht geachtet hätte! Denn wie? erfüllte er nicht eine Pflicht, wenn er auf seinem Leierkasten musizierte? War die Lizenz, die ihm die Regierung gewissermaßen eigenhändig überreicht hatte, nicht eine Verpflichtung und keine Vergünstigung? Indem er spielte, enthob er sie dmer Sorge um ihn und befreite das Land von einer ständigen Steuer. Ja, es war kein Zweifel, daß seine Tätigkeit nur mit jener der Behörden zu vergleichen war und er selbst etwa mit einem Beamten; insbesondere, wenn er die Nationalhymne spielte. 4. Es geschah in der Pestalozzistraße, an einem heißen Donnerstag und im Hof des Hauses Nummer 37(der Kirche aus gelben Ziegelsteinen gegenüber, die. rings um sich, mitten in der Straße einen grünen Rasen geschaffen hatte, als hätte sie ihre Besonderheit vor allen anderen Häusern hervorheben wollen)— daß Andreas Pum das Verlangen überwältigte, einen Marsch zu spielen, vielleicht, weil die wachsende ZNattigkeit des Tages und Andreas' eigene eine aufrüttelnde Unterbrechung notwendig machten. Andreas stellte den Wirbel an der linken Seitenwand des Leierkastens auf„Notionalhmne" und drehte die Kurbel so hurtig, daß die feierlichen Klänge ihre langsame Pracht ver- loren und hastig zu hüpfen begannen, die Pausen vergaßen und wirklich eine entfernte Aehnlichkeit mit der Melodie eines Marsches erreichten. Fünf Kinder standen im Hof und zwei Dienstmädchen lehnten ergriffen über die Fensterbrüstungen. Eine schwarz- gekleidete Frau trat aus dem Hausflur, lenkte ihre männlichen zielbewußten Schritte in die Richtung, in der sich Andreas befand und blieb hinter ihm stehen. Sie legte eine kräftige Hand auf die Schulter Andreas Pums und sagte:„Mein guter Gustav ist gestern selig geworden. Spielen Sie etwas Melancholisches!" Andreas, obwohl nicht feige oon Natur, erschrak dennoch ob der Ueberraschung, brach ab, so, daß die Kurbel mit aus- wärts ragendem Griff stecken blieb und wandte sich um. Dabei tat es ihm leid, daß die starke und warme Hand zögernd. aber notgedrungen von seiner Schulter glitt. Er sah der Witwe in das gerötete Antlitz. Es göfiel ihm. Wenn er auch nicht Zeit genug fand, ihr Alter abzuschätzen, so durch- strömte ihn doch plötzlich die Erkenntnis, daß die schwarz- gekleidete blonde Frau eine Witwe in jenem Alter war, welches man„das beste" nennt. Aus dieser Einsicht zog Andreas vorläufig noch keine weiteren Schlüsse. Allein, eine dunkle Empfindung breitete sich in ihm aus, daß diese Frau zugleich in den Hof und in sein Leben getreten war. Es war ihm, als beginne es, in seiner Seele zu dämmern. „Mit dem größten Vergnügen," sagte Andreas und voll- zog eine leichte Verbeugung mtt dem Kopfe. Als erfordertH ein melancholisches Lied ganz besondere Vorbereitungen, schraubte er mit wichtiger Umständlichkeit den Nationalhymne- Wirbel ab, gab der Kurbel einen Schwung, daß ihr Hand- griff hinunter glitt und der letzte noch steckengebliebene Ton dem Kasten entfloh, ähnlich einem unterdrückten und ab- gebrochenen Gähnen. Hierauf drehte Andreas den viertletzten Wirbel. Er hatte eine Sekunde lang zwischen der Loreley und An der Quelle saß der Knabe geschwankt. Er entschied sich für die Loreley, weil er annahm, daß dieses Lied der Witwe bekannt sein müsse. Diese Annahme bestätigte sich. Die Witwe, die sich in ihr Zimmer zurückgezogen hatte, um die melancholische Weise bequemer an ihrem Fenster zu genießen, begann zu singen. Sie bemühte sich, den Klängen des Instruments zuvorzu- kommen, so, als triebe sie die Ungeduld und der Ehrgeiz, sich und den Zuhörern zu beweisen, daß sie die Melodie aus- wendig kannte und gleichsam auf den Kasten nicht angewiesen war; während Andreas im Gegensatz zu der Eile der Frau, eine ganze besondere Langsamkeit nötig befand und gemäch- liche Drehungen vollführte, um die Melancholie des Liedes deutlicher wirken zu lassen. Auch befand er sich selbst in jener Stimmung, die uns in entscheidenden Augenblicken unseres Lebens befällt und der wir gerne durch rine hervorragende Feierlichkeit nachzugeben gewohnt sind. �(Forts, folgt.) j Die Nationalflagge. Dom Hinterkopf nach dem Genid herunter und eine zweite Berlegung an der Stirn, und ist so start mitgenommen, daß er fich bisher gar nicht mehr erinnern fann, was mit ihm geschehen ist. Er weiß nur, daß er zuletzt auf der Prezlauer Chaussee in der Nähe des Bahnhofs Pantow- Heinersdorf gewesen ist. Hier muß ihn der Kutscher aufgefunden haben. Dieser, von dem man nur weiß, daß er einen Brotwagen führte, wird ersucht, sich un= verzüglich entweder auf dem Revier in Heinersdorf oder bei der Dienststelle B. I. 14 im Zimmer 96a des Polizeipräsidiums melden. Ein netter Landsmann. Aus der Praxis der Brillantennepper. Nach bewährtem Muster arbeitete eine internationale Brillantennepperbande, durch die ein russischer Kaufmann schwer hinein. gelegt wurde. Der Missetäter war der Techniker David Sztajmann aus Chelmen in Rußland, der seinerzeit zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Gegen das Urteil hatte Sz. Berufung eingelegt, die nunmehr vor der Straffammer verhandelt wurde. den Zauber feiner Sprache und die Fülle seines Wiffens die mannig faltigen Gegner zu entwaffnen. Noch heute lebt und wirkt sein Name unter den Massen, gibt ihnen Ziel und Richtung und ist Hoffnung in dieser leiderfüllten Zeit. Rezitationen von Hasenclever und Mag Barthel umrahmten die Ausführungen des Redners und gaben der schlichten und ernsten Stunde ein feierliches Gepräge. Unbeirrt mird die sozialistische Jugend ihren Weg durch die Wirr nisse der Zeit suchen und schönem Ziele zustreben. Sie mußte für ihn stehlen gehen. Eine Pelzdiebin und ihr geheimnisvoller Freund. Diebesfahrten durch Kleider- und Pelzgeschäfte hatte die Ber fäuferin Franziska D. unternommen. Sie war jetzt wegen zahlreicher Diebstähle vor dem Schöffengericht Mitte angeflagt. Angefl.: Die Bor angerer Zeit hatten die Reichsbehörden farbige Flaggen tafeln herstellen lassen, die die fämtlichen im Deutschen Reiche vorhandenen und üblichen Flaggen amtlichen Charakters zusammen. stellten. Es gehört ein gutes Gedächtnis dazu, um sie alle auseinander zu halten. Da gibt es schwarzweißrote Flaggen mit einem ganz winzigen schwarzrotgoldenen Obereck, dann schwarzweißrote mit einem eisernen Kreuz darin, schwarzrotgoldene mit einem heraldischen Adler. Und alle haben sie ihre besondere Bezeichnung: Handelsflagge, Flagge der Schiffahrtsbehörden usw. In der oberen linken Ecke der Tafel aber ist eine reine schwarzrotgoldene Fahne abgebildet, die die Unterschrift trägt: Nationalflagge. Mit der Bezeichnung Nationalflagge ist eigentlich alles das gesagt, was über die Flaggen der deutschen Republik zu sagen ist. Die Nationalflagge ist eben die Flagge, das Abzeichen des Deutschen Reiches und des deutschen Volkes. Es kann neben einer Nationalflagge gar keine andere Flagge geben, und wenn wir immer noch Flaggen amtlichen Charakters haben, die als Grund Schwarz- Weiß- Rot aufweisen, so ist das eigentlich nur wieder ein Beweis für die innere Zerrissenheit unseres Volkes, die sich auch in der Verschiedenheit der Flaggen spiegelt. Die Flagge der deutschen Republik ist und muß bleiben das reine Schwarz- Rot- Gold. Um fie allein geht der Kampf. Wird dieser Kampf fiegreich durchgehalten, so ist es nur eine Frage der Zeit, wann auch Schwarz- Weiß- Rot, der Reft aus monarchischer Zeit, verschwindet. Bon unseren sozialistischen Republikanern sieht bereits ein großer Teil mit Hochachtung und Schäzung auf die Flagge der Republik... Und das sind ganz besonders die Parteigenossen, die sich die Zeit genommen und die Mühe gegeben haben, in der Geschichte zu studieren. Sie werden dann nämlich bald gewahr, wieviel Leiden aufrechte deutsche republikanische Freiheitshelden man dente nur an Frizz Reuter um diese Farben erduldet haben, wieviel unschuldiges Blut um diese Flagge von den deutschen Schergen vergossen worden ist. Aber weite Kreife stehen ihr auch noch ablehnend gegenüber und meinen, es sei ein Aufgeben der Ziele, zu der die reine rote Fahne weist, wenn wir der Flagge des Reiches unseren Gruß der bringen. Hier wird noch Wandlung in der Gesinnung notwendig sein. Besonders die Arbeitersportler, durch kommunistische Blödiane verwirrt, täben gut, auf ihren Festen neben der selbstverständlichen roten Fahne auch der Fahne der Republif ihre Achtung zu erweisen, denn kein Arbeitersportler wird leugnen können, daß es sein Sport unter dieser Flagge leichter hat als unter der alten kaiserlichen Dollars aus der Hand und steckte ihm den Brillantring zu, worauf Knochtetuberkulose und weist psychische Anomalien Fahne. Der Kampf geht zunächst um Schwarz- Rot- Gold! Müßten die Republikaner es erleben, daß diese Flagge einmal gestrichen wird, dann würden sie quch bald gewahr werden, wie schnell die Kommunisten ihre roten Fahnen einmotten und sich geräuschlos vertrümeln. In solchen wirklich lebensgefährlichen Situationen würden fie es in plötzlicher, aber bestimmter Bescheidenheit den Sozialdemofraten freundlichst überlassen, den Ansturm der Reaktion auszuhalten, Italien, Spanien und Ungarn beweisen das. Darum muß am Sonntag, den 10. August, dem Tag der Verfassung, ein Meer von schwarzrotgoldenen Fahnen über Groß- Berlin rauschen. Die Berliner Hotels am Verfassungstag. Ein Flaggenverbot des Hotelbesitzervereins. In allen wahren, demokratischen und republikanischen Ländern ist der Verfassungstag der Tag, an dem sich ein zum Bewußtsein feines Eigenwertes gekommenes Volk von der Despotie des„ angeftammten Herrscherhauses" freigemacht hat, der höchste meltliche Feiertag. In Deutschland scheint es noch ein Weilchen zu dauern, ehe die Bolksmassen die Bedeutung eines folchen Tages begriffen haben. Aber das fommt alles noch. Ziemlich hoffnungslos fcheint aber der folgende Fall zu liegen, der uns durch einen Zufall zur Kenntnis gelangt. Der Verein Berliner Hotel und verwandter Betriebe E. B. hat unter dem 30. Juli 1924 ein Rundschreiben an seine Mitglieder erlassen, in dem es unter Buntt 7 n. a. heißt: Sehr wichtig! Betrifft Stellungnahme des Gewerbes gegenüber Behörden, insbesondere dem Magiftrat. Der Stand Der Stand hat aber noch weniger Veranlassung, trotz der Behandlung dauernd auf Wünsche und Anregungen von Behörden und vom Magiftrat einzugehen. Bekanntlich haben diese Stellen dauernd Wünsche auf Unterstübung irgendwelcher Veranstaltungen, auf Flaggen an abgebauter Der russische Kaufmann war auf der Durchreise, und als er am 20. Oktober vorigen Jahres am Fahrtartenschalter des Bahnhofs 300 fich eine Auskunft einholte, trat an ihn ein Mann heran, der sich als Landsmann vorstellte und sich erbot, mit seiner besseren Orts- und Sprachkenntnis dem Fremden in mit seiner besseren Orts- und Sprachkenntnis dem Fremden in Berlin behilflich zu sein. Beim Verlassen des Bahnhofs trat an sie ein Mann heran, der dem„ freundlichen“ Führer in russischer Sprache ein goldenes Fünfrubelstück zum Kauf anbot. Der Kauf wurde auch perfekt und nun fragte der Verkäufer, ob man ihm nicht auch einen Brillanten abfaufen möchte. Der Begleiter des russischen lier abgeschätzt werden müsse. Auf Borschlag des Verkäufers begab Kaufmanns erwiderte, daß der Brillant vorher erst bei einem Juweman sich zu einem in der Nähe gelegenen Jumelierladen. Dort stand vor der Ladentür ein Mann ohne Hut und Mantel, der als der Geschäftsinhaber begrüßt wurde. Der angebliche Juwelier nahm auch gleich eine Lupe aus der Westentasche, und nach eingehender Besichtigung erklärte er, daß der Stein echt und von hohe m Werte sei. Der Unbekannte hatte nun aber aufällig" feine Brieftasche zu Hause gelassen und bedauerte, den vorteilhaften Rauf nicht machen zu können. Er wußte dann aber den Kaufmann zu bewegen, selbst das gute Geschäft abzuschließen. Der Brillanten befizer führte die beiden in einen Hausflur. Der Kaufmann hatte nur etwa 50 Dollar bei sich und sagte, daß das Geld zum Ankauf des Brillanten nicht reiche. Der vermeintliche Reiseführer entfernte sich mit den Worten, er wolle Geld heranschaffen. Nachdem er sich entfernt hatte, nahm der Brillantenbefizer dem Kaufmann seine er verschwand. Plöglich allein geblieben, stieg dem Russen der Verdacht auf, daß er hineingelegt iei. Diese Bermutung bestätigte sich auch, denn der„ Stein" stellte sich als wertlojes Glas heraus. Auf dem Polizeipräsidium erkannte der Russe aus dem Verbrecheralbum in dem Landsmann, der sich ihm genähert hatte, den Technifer David Sztajmann. Er wurde erst nach einiger Zeit wegen eines Taschendiebstahls festgenommen. Bei der Durchsuchung fand man bei ihm 23 faiime Brillanten und ein goldenes Fünfrubeltüd. Vor der Ferienſtraflammer des Landgerichts III wollte 63. den Nachweis führen, daß er sich an dem fraglichen Tage in Meh befunden habe. Der Alibibeweis mißlang vollständig. Die Straf. tammer tam zu einer Bestätigung des Urteils. In den Urteilsgründen wurde betont, daß nur hohe Freiheitsstrafen geeignet seien, das internationale Gaumertum, das Deutschland geradezu überschwemme, abzuschreden. Der Angeklagte trat denn auch die Strafe gleich an. Schwarzweißrotes Sommertheater. W Ein auswärtiger Bezieher des„ Borwärts" schreibt uns: Gelegentlich meiner jüngsten Anwesenheit in Berlin besuchte ich auch das Theater im Admiralspalast und das Me tropol Theater. Genau wie in der Borfriegszeit und während des Strieges ist auch bei allen jetzigen Aufführungen dieser beiden Unterhaltungsstätten der fchwarzweißrote Militär fimmel Trumpf. Wenn im Admiralspalast bei der Ausstattungs. revue„ Drunter und drüber" die Grenadiere des Alten Friz aufmarschieren, bricht ein frenetischer Beifall der monarchistischen Brovinzontels und Provinztanten los. Dasselbe Bild im Metropol Theater bei der Operette Mascottchen". Die im Parkett und in den Rängen izenden Militärintereffenten und ehemaligen Etappen offiziere spenden stürmischen Applaus, wenn das Flaggenlied erschallt. offiziere spenden stürmischen Applaus, wenn das Flaggenlied erschallt. Die Kriegsgewinne und der Kasernenhof mit seinem sadistischen Drill schweben diefen politisch unreifen Zeitgenossen als sehnsüchtiges Kulturziel" vor! Angesichts dieser fortgesetten offensichtlichen Berhöhnung der Republit darf man wohl Ich weiß nicht, was ich gestohlen habe," so erklärte die Anfang der zwanziger Jahre alte Angeklagte vor Gericht. Auf den Borhalt von Amtsgerichtsrat Schmidt, daß sie doch verschiedene Belzdiebstähle zugestanden habe, erwiderte fie: Ja, aber alles habe ich selbst nicht gestohlen. Ein Mädchen ist mit mir mitgegangen, die kenne ich nicht mit Namen. Durch die bin ich zum Stehlen angelernt worden." Bors: Was haben Sie mit den Sachen gemacht? habe ich meinem Freund gegeben. Ich mußte für ihn stehlen gehen, denn sonst wollte er mit mir nicht gehen. Bors.: Wer ist Ihr Freund? Angefl.: Den darf ich nicht nennen, denn sonst würde ich ihn verlieren, aber ich habe wirklich die Kleider nicht gestohlen, das war das andere Mädchen, mit der bin ich verwechselt worden." Die Direttrice eines Kostümgeschäftes sagte aus, daß die Angeklagte mit einer Begleiterin in das Geschäft gekommen sei und ein Kleid übergezogen habe. Sie habe dann erklärt, daß das Kleid ihr nicht gea ftohlener Geschäftsinhaber erklärte, daß die Angeklagte nicht bei ihm falle und fei weggegangen. Gleich darauf wurden zwei Kostüme vermißt. Angefl.: Das war die andere! Ein begewesen sei, wehl aber zwei Frauen, die er vorhin auf dem Korridor gesehen habe und die sich, als er aufgerufen wurde, schnell entfernt hätten. Der Vorsitzende schickt darauf sofort einen Justizwachtmeister ben beiden Frauen nach. Nach einiger Zeit wurden sie auch in den Gerichtssaal geführt, und die eine von ihnen war die Schwester der Angeklagten, eine Frau R., gegen die das Verfahren ebenfalls, ge= schwebt hatte, aber vorläufig zur Einstellung gelangte nunmehr meldete sich die Mutter der Angeklagten, eine Frau G., und be hauptete, daß sie wisse, wer die andere" sei. Es sei das eine Else G., die am Planufer wohne und mit der ihre Tochter leicht verwechselt werden könne. Außerdem nannte sie noch ein anderes Mädchen, das auch beteiligt sein könne. Medizinalrat Dr. Thiele hat die Angeflagte auf ihren Geisteszustand untersucht. Sie leidet an schwerer auf. Sie ist zwar nicht geiftestrant, hat aber gegenüber kriminellen Entgleisungen wenig Widerstandskraft. Für eine feruelle Hörigkeit habe er feine genügende Anhaltspunkte erhalten. Ueber den Freund äußerte sie sich sehr vorsichtig und war besorgt, ihn durch nähere Angaben verlieren zu fönnen. Aus ihren Worten war zu entnehmen, daß sie vor diesem Manne große Furcht habe, denn er habe sie oft geschlagen, wenn die Beute nicht ergiebig genug war. Das Gericht hielt es für erforderlich, da möglicherweise Bandendiebfiahl in Frage komme, eine restlose Aufklärung zu schaffen, und kam daher zu einer Vertagung Zu dem neuen Termin sollen die Schwester der Angeklagten sowie Else G. und die von der Mutter weiter angegebene Frauensperson geladen werden. Hamsterei mit Falschgeld. und Durch Lebensmittelanfäufe in Ostpreußen hatte eine Falschmünzerbande die von ihr hergestellten Fälschungen in großem Um fange unterzubringen verstanden. Der Händler Bruno Walter, der in Zegel ein Produktengeschäft betreibt, hatte zusammen mit dem Dreher Hugo Lawrenz und dem Dreher Bernhard Döring in einem Keller der Türtenstraße eine Fabrik zur Herstellung von falfen Biertelbollarschahanweisungen Preußen Dollar eingerichtet. Hier wurden die falschen Noten in Hunder ten von Eremplaren fertiggestellt. Döring schickte dann seine 17jährige Schwägerin mit den falschen Noten nach Ostpreußen, wo fie große Lebensmittelantäufe machen mußte. Er schickte ihr dann auch noch in einem Einschreibebrief eine weitere größere Sendung, mit dem Auftrage, Schweine anzukaufen. Nachdem bereits HunGänse, Wäsche und Schweine bei Bauern aufderte von Noten abgesetzt worden waren, für die sie Fleisch, vier Personen standen jegt unter Anklage der Falschmünzerei vor getauft hatte, wurde sie am 22. Dezember festgenommen. Die dem Schöffengericht Wedding, das Walter und Döring zu je zwei Jahren sechs Monaten, Lawrenz zu zwei Jahren Gefängnis verurteilte. Die Angeklagte K. erhielt neun Monate Gefängnis, für den noch zu verbüßenden Rest von fünf Monaten erhielt das junge Mädchen, das sich zurzeit in dem Mädchenschuhhaus des Städtischen dergleichen. Wir erhalten täglich Anregungen feitens gerade des Admiralspalaftes und des Metropol- Theaters noch nicht zum Be. Sugendamtes Pankom befindet, Bewährungsfrist. unserer hervorragendsten Mitglieder, die darauf abzielen, eine einheitliche Stellung im Verein gegenüber den Wünschen des Magistrats einzunehmen. Wir machen diese Auffassung zu unserer eigenen und ersuchen unsere Mitglieder ergebenst, alle Wünsche und Anträge von Behörden, insbesondere des Magistrats Berlin, rundweg abzulehnen und demgemäß auch am sogenannten Berfaffungstage oder an anderen Tagen nicht zu flaggen. Die Verfassung, in der sich das deutsche Unternehmertum und beson ders das Hotel- und Restaurationsgewerbe dank beamtetem Unverständnis und behördlicher Mißgriffe befindet, ist nicht geeignet, uns zu veranlassen, irgendwelchen Tag feftlich zu begehen und dies durch Flaggen zu befunden. Gerade als Zeichen der Abwehr und des Bedauerns gegenüber den Behörden sollten unsere Betriebe an diesem Tage und an anderen Tagen ohne festlichen Schmuck bleiben." mußtsein gekommen, daß derartige künstliche monarchistische Tendenzfundgebungen eine Beleidigung der verfassungstreuen, auf dem Boden der Republik und ihrer Farben Schwarz- Rot- Gold stehenden Theaterbesucher find? Und was werden sich die ausländi fchen Besucher denken, wenn sie hier bestätigt finden, daß der Revanchegeist gewisser Kreise unausrottbar ist? Werden Admiralspalat und Metroppl- Lheater fo menig staatspolitisches, Verantwortlich feitsgefühl besigen und auch am 10. und 11. August 1924 das gleiche be schämende Schauspiel als vertappte Feinde der Republit bieten? Damit hätten sie aufgehört, neutrale Unter haltungsstätten zu sein! Jaurès Gedächtnisabend. = Revolverattentat in Nen- Heiligensee. Das sonst so stille und behagliche Neu- Heiligensee ist durch ein gemeines Verbrechen aufgestört worden. Gegen 14 Uhr hörte der Tischler Karl Möbus in Neu- Heiligensee bei Schulzendorf Geräusch in den vorderen Räumen seiner Wohnung und ver mutete Einbrecher. Er stand auf, ging nach vorne und fah, wie zwei Einbrecher, die sein kommen wohl schon gehört hatten, flüchteten. Er verfolgte sie. Plöglich drehte sich einer der Fliehenden um und gab auf Möbus mehrere Süsse ab. Einer traf ihn in den Bauch. Schwer verlet brach M. zuſammen und wurde dann von herbeigerufener Polizei in das VirchowKrantenhaus gebracht. Die Einbrecher enttamen. Ein Ehepaar durch Gas in Lebensgefahr. Als am Donnerstag vormittag die Stieftochter der Heldschen Eheleute ihre Eltern besuchen wollte, fand fie feinen Einlaß in die Wohnung Hafenheide 49. Da ste starten Gasgeruch wahrnahm schlug fie eine Glasscheibe ein und alarmierte die Feuerwehr. Die Behr fand den Glasarbeiter Reinhold Held und dessen Ehefrau im besinnungslosen Zustande auf. Wie sich herausstellte, war Gas aus einer undichten Zeitung geströmt und batte bas schlafende Ehepaar betäubt. held und seine Frau Wenn man sich mit einiger Mühe durch das gebrochene Deutsch Die fozialistischen Jugendorganisationen des 11. Kreises( Schöne. diefes Rundschreibens hindurchgefunden hat, dann kann man feft- berg- Friedenau): Sozialistische Arbeiterjugend, Jung stellen, daß der Verfasser dieses Rundschreibens zweifellos nicht in sozialisten und Sozialdemokratische Studenten, der richtigen Verfassung war, wenn er die allgemein große Ver- hatten am Mittwoch, den 30. Juli, ihre Mitglieder zu einer Ge faffungsfeier in Zusammenhang bringt mit besonderen Wünschen dächtnisfeier für den großen Bortämpfer des Friedens, Jean des Magistrats. Aus dem Gedantengerümpel ragt aber immerhin Jaurès, aufgerufen. Rote Fahnen, Blumen und ein Bild mit breiter, deutlicher Gehässigkeit der eine Saz hervor: Am so schmückten den Raum, in dem eine stattliche Schar junger Männer genannten Verfassungstag nicht zu flaggen! Und dann wun- und Mädchen den Ausführungen des Genossen Dr. D. Fried länder lauschten. Er sprach von Jean Jaurès' Werben, feinem Menschen, der durch das Studium der deutschen Philosophie den Weg zum Sozialismus fand. Und dieser Mensch, der jahrelang sich mit der höchsten Kraft für sein Ziel eingesetzt hatte, der noch in den schwierigsten Stunden kraftvolle und mutige Worte für den Frieden und die Abwendung der drohenden Völkerkatastrophe fand, wurde das Opfer eines Wirrkopfs, der dann als irrfinnig bezeichnet wurde und als solcher freigesprochen worden ist. Jaurès mar der Mann, der es verstand, der Sehnsucht der Arbeiter, Bauern und Soldaten Ausdruck zu verleihen, der es verstand, durch dern sich die Berliner Hoteliers, daß keine auswesen und seiner Persönlichkeit, schilderte den geistigen Weg dieses wurden nach dem Urban- Krantenhause geschafft. ländischen Fremden nach Berlin fommen. verfrorenheit, vom sogenannten Berfassungstag zu sprechen, wird dem Herrn vom E. B. nicht vergessen werden. Die Deffentlichkeit wird ja sehen, ob die vielen bekannten Berliner Hotels, in denen es fluge und vernünftige Leute und Leiter genug gibt, am Berfaffungstag dieser Aufforderung wirklich nachfommen werden. Kein Tag ohne Straßenbahnzusammenstoß. Auch am Donnerstag stieß ein Straßenbahnzug mit einem Fuhrwerk an der Ecke der Schiller- und Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg zusammen. Die Berliner Kutscher, die wegen ihres mangelhaften Fahrens in der ganzen Welt bekannt sind, wissen zum größten Teil nichts von einer Fahrordnung, wonach z. B. die Straßenbahnen stets das sogen. Vorfahrrecht haben. = Ueberfall auf einen Kriminalbeamten. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 1. August. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. Ein noch ganz dunkler Ueberfall auf einen Kriminalbeamten ereignete fich Mittwoch nachmittag in der Nähe des Bahnhofs Bankow Heinersdorf. Der Kriminalassistent Dehnhoff verließ nachmittags um 3 Uhr seine Dienststelle, um nach Hause zu gehen. Zwischen 4 und 5 Uhr brachte ihn ein unbekannter Kutscher schwer verlegt nach seiner Wohnung zu Niederschönhausen. Bevor die erSchrockene Frau, die sich zunächst nur um ihren Mann bekümmerte, noch dazu kam, den Kutscher nach seinem Namen und nach den Vorgängen zu fragen, entfernte er sich wieder und fuhr weiter. Dehnhoff jelbst erhielt eine 10 3entimeter Lange Stichwundenachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik. 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Egon Jacobsohn:" Ach, wie peinlich!"( Beherrschung in allen Lebenslagen). 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Exner: Kanusport", 9-10 Uhr abends: Szenen aus Undine"( Romantische Oper von Lortzing), am Steinway- Flügel: Kapellmeister Otto Urack, Undine, Marie Flocke- Hagemann, Hans, Erik Schubert, Veit, Artur Kistenmacher, Kühleborn, Hermann Schey. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten TagesSelbstmord eines Polizeibeamten. Der 26 Jahre alte Polizeiunterwachtmeister Josef B. von der Inspektion Treptow hat sich in seinem Zimmer mit der Dienstpistole erichoffen. Die Kugel drang ihm in die rechte Schläfe und trat an der linken Schläfe wieder heraus. Da er noch schwache Lebenszeichen von fich gab, schaffte man ihn nach dem Staatstrankenhause, wo aber nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Das Motiv ist noch unbekannt. Einfam gestorben. Der 61 Jahre alte Schneider August Schröder wurde in feiner Wohnung im Hause Borsigstr. 32 a tot aufgefunden. Da ein Arzt die Todesursache nicht festzustellen vermochte, ist die Leiche dem Schauhause zur Obduktion überwiesen worden. Mit ihren Hunden in den Tod gegangen. Die 39jährige Frau Luise N. wurde in ihrer Wohnung im Hause Waßmannstr. 22 burch Gas vergiftet tot aufgefunden. Ihre beiden in der Wohnung befindlichen Hunde waren ebenfalls Opfer des ausströmenden Gases geworden. Der Beweggrund zu der Tat ist noch nicht ermittelt worden. Ueberfall auf einen Schupobeamten in Barmen. In der vorber bon einem Bassanten überfallen, der eine grüne Uniform trug. gangenen Nacht wurde ein Bosten der Saupo in Barmen plöglich Der Beamte wurde durch einen Brustschuß schwer verlegt. Sechs Personen, die sich versteckt gehalten hatten, ergriffen mit dem Täter die Flucht. Das vorzeitige Abspringen. Ein entsegliches Unglüd ereignete fich am Donnerstagabend um 210 Uhr an der Ede der König- und Spandauer Straße. Eine Krankenschwester sprang von einem Triebwagen der Straßenbahn ab, sprang verfehrt, stürzte und geriet unter den nachfolgenden Anhänger, der die Unglückliche zermalmte, so daß der Tod sofort eintrat. Unter Mithilfe von etwa 30 Passanten wurde der hänger hochgehoben und die Leiche entfernt. Es wurde im Publikum abfällig bemerkt, daß an der sehr belebten gefährlichen Ede zur Zeit des Unglücks überhaupt kein Schußpolizeiposten be= merft wurde. Die goldene Hochzeit begeht in fieffter Armut am 1. Auguſt der in der Dieffenbachstr. 30 wohnende Invalide Sigismund Thusius und seine Ehefrau Johanna. Beide Eheleute leben in allerdürftigsten Verhältnissen. Der Mann liegt infolge eines Schlaganfalles seit 10 Jahren frank darnieder, so daß die bitterste Not immer ihr Begleiter war. Ungarische Sozialdemokraten. Bersammlung am 3. August, vormittags 10 Uhr, im Lokal von Schuhe, Elisabethstr. 30. Erscheinen aller ist Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiert. Oberbayern vom Hochwasser bedroht. Andauerndes Steigen der Alpenflüsse. Aus Oberbayern tommen alarmierende Nachrichten über eine drohende Hochwasserkatastrophe. Infolge der in den letzten acht Tagen andauernden heftigen Regenfälle sind die Alpenflüsse in stän digem Steigen begriffen und es wird bereits aus den verschiedensten Bezirlen des Alpenvorlandes Hochwasser gemeldet. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrit find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 3. Kreis Wedding. Seute, Freitag, den 1. August, abends 7% Uhr, im Bazenhofer, Chausseestr. 64, Kreisvertreterversammlung. Bericht und Wahl der Kreisleitung. Anträge. 6. Kreis Kreuzberg. Sonnabend, den 2. August, abends 7 Uhr, Sigung der Kreisbildungsausschußmitglieder( ohne Abteilungsleiter) im Deutschen Hof, Ludauer Straße, aweds wichtiger Materialausgabe. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf. Sonnabend, den 2. Auguft, im Geebad Mariendorf, Sommerfest. Festansprache Genosse Gevering. Chor: Prof. Rosebery de Arguto. Solift: Opernsänger Meller. Großes Konzert, Ber Tofung( Fahrrad, Korbmöbel, Lebensmittel, Bücher). Tanz in beiden Sälen. Eintritt 50 Pfennig. Die Genossen werden gebeten, mit ihren Angehörigen fich zahlreich zu beteiligen. Genoffen der anliegenden Kreise Schöneberg, Steglig, Lantwig. Kreuzberg und Neukölln sind ebenfalls herzlichst eingeladen. 20. Kreis Reinidendorj. Freitag, den 1. Auguft, abends 7 Uhr, im Volkshaus Reinickendorf- West, Scharnweberstraße 114, Rreisvertreterversamm ung. Tagesordnung: Die politische Lage. Referent: Gen. Landa. Stellungnahme zum Bezirkstag. Genofsinnen und Genoffen als Gäste willkommen. Heute, Freitag, den 1. August: 16. Abt. 7 Uhr bei Döhling. Brunnenstr. 79, 8usammenkunft fämtlicher jüngeren Genossen der Abteilung. Referent: Genosse Hansen. Jungsozialisten Charlottenburg. Beteiligung an der Jean Jaures Feier im Jugendheim Charlottenburg, Rosinenstr. 4. Morgen, Sonnabend, den 2. August: 119. Abt. Lichtenberg. 7% Uhr bei Gieke, Möllendorfstr., Ede Rittergutstraße, wichtige Funktionärsigung. Die Eintrittskarten zum Sommerfest find ab. zurechnen und nicht vertaufte Rarten mitzubringen. Sonntag, den 3. August: 27. Abt. Gemeinsamer Ausflug nach Schulzendorf in Müllers Gasthof ( Waldrestaurant). Abfahrt 8.06 Uhr früh vom Bahnhof Gesundbrunnen. Treffpunkt 72 Uhr an der Millionenbrüde. Ungarische Sozialdemokraten. Bormittags 10 Uhr Mitgliederversammlung bei Schulze, Elisabethstr. 30. Mitgliedsbücher mitbringen. Jugendveranstaltungen. Achtung, Raffierez! Marten und Zeitungen für Monat August find heute in der Reit von 5-7 Uhr im Jugendsekretariat abzuholen. Diejenigen Jugendgenoffen, die sich bereits zur Fahrt nach Leipzig am vom Haupteingang des Anhalter Bahnhofs. Freitag( mach. 1.25) angemeldet haben, treffen sich spätestens 4 Uhr links Heute, Freitag, den 1. August, abends 7% Uhr, Abteilungs- Mitgliederversammlungen: 12. Im Allgäu hat die Iller bei Kempten und die Wertach bei Kaufbeuren bereits am Mittwoch den mittleren Hochwasserstand erreicht. Beide Flüsse steigen nach der in München eingetroffenen Nachrichten von Stunde zu Stunde. Im oberen Jfargebiet herrscht außergewöhnliches Hochwasser, auch die Brien mies gestern einen noch nie beobachteten Wasserstand auf und hat im Orte Brien bereits zahlreiche Häuser unter Wasser gefeht. Aehnliche Nachrichten kommen aus dem Gebiet des Lech, der Ammer, Loisach, Saalach, Traun und Rott. Die Jfar hat in München am Dienstag mittag einen Wasserstand von 365 Zentimeter erreicht und ist in weiterem starten Steigen begriffen. Aus Bad Tölz wird gemeldet, daß dort im Stadtteil Gries, der dicht am Sfarufer liegt, bereits die Keller und vielfach auch die in den Erdgeschossen befindlichen Läden unter Wasser stehen. Eine Zimmer Grünauer Straße 5. Adlershof. Jugendheim Bismardite. Copenid. Jugendheim Salensee. Schule, Joachim- Friedrich- Str. 35-36. mannswerkstatt wurde von den reißenden Fluten weggeschwemmt. Suifenftabt. Badeanstalt, Baerwaldftr. 64. Moabit I. Schule am Stephan. Das Hochwasser der Jsar reißt viel ertruntenes plag. Niederschönhausen. Schule, Blankenburger Str. 69. Nordost I. Bieh mit sich. Die Kadaver von Kühen, Pferden und Often Str. V. Schule, Nagler. fogar Hirsch en werden an Land gespült. Eine Meldung aus ftraße 3. Schöneberg II. Frankenstr. 10. Steglig IL. Solsteinische Str. 3. Mittenwald besagt, daß dort bei einer Sennerei 20 Stüd Güboft R. V. und G. V. Jugendheim Mariannenufer la. Bankom. Bieh abgängig find, die vom Hochwasser mitgerissen wurden. Jugendheim Breitestr. 32. Webbing. Ledigenheim, Schönstedtstr. 1. Das Städtische Tiefbauamt in Munchen hat seine auf Urlaub befinden. Jugendheim Offenbacher Str. 54. Bortrag:„ Der Staat und feine Friedrichsfelde. Schule, Berliner Straße Ede Schloßftraße. fichen Beamten telegraphisch zurüdberufen und seinen gesamten Be Bazifistischer Abend. Moabit I. Schule. Waldenfer Str. 20. Vortrag: trieb unter Alarmbereitschaft gesetzt. Allerorts merden Borber situnRörperkultur". Treptow. Jugendheim, Elfenstr. 3. Bortvag: ,, Karl Marg. Gein Leben und Wirken". gen für den Fall einer Hochwasserfatastrophe getroffen. Die tane Berbebezirk Besten. Abends 8 Uhr im Jugendheim, Charlottenburg, rischen Pionierformationen der Reichswehr stehen ebenfalls zum Ein. Rofinenfte. 4. Jean Jaurès- Gedenkfeier. Alle Mitglieder der Abteilungen greifen bereit. Seit Mittwoch mittag hat der Dauerregen in Süd- Charlottenburg, Salenfee, Schmargendorf nehmen daran teil. banern aufgehört, doch melden die Wetterwarten ein weiteres Steigen der Alpenflüsse. München, 31. Juli. Borliegenden Meldungen zufolge scheint die Hochwassergefahr weiter zuzunehmen, u. a. steigt der Stausee des Walchenseer Kraftwertes immer mehr. Nach Mitteilung der Landeswettermarte ist zudem eine Besserung der Betterlage in den beiden nächsten Tagen nicht zu er marten Aus dem bayerischen Alpengebiet und aus Orten der schwäbisch- bayerischen Hochebene merden überaus starte Niederschläge berichtet, die stellenweise fogar bis auf faft 130 Millimeter gehen. Sämtliche Alpenflüsse haben die Hochwassergrenze über Schritten. Am Nachmittag um 2 Uhr erreichte die jar in Mün den einen Stand von 5 Meter. Der Fluß führte gewaltige Mengen Holz, Bauhütten und alles erdenkliche Inventar mit fich. Die Anlagen in der Nähe des Fluffes sind überschwemmt. Aud aus dem Donaugebiet wird Hochwassergefahr gemeldet, ebenso aus den Flußgebieten der Altmühl, der Tauber und der Wörni. Zeppelin- Luftkfrenzer Z. R. III aufstiegbereit. Der für die amerikanische Marine als Reparationsleistung neu erbaute, 70 Rubikmeter große Riesenluftkreuzer 3. R. III ist jetzt aufstiegbereit. Die Motoren von 400 PS find erneut überholt und werden gegenwärtig einer 30stündigen Laufprobe unterzogen. Nach gutem Berlauf der Motorproben soll der Luftkreuzer dann seine erften Probefahrten aufnehmen. Als Abnahmefahrt ist eine 30ftün Dige Dauerfahrt vorgeschrieben, die von Friedrichshafen über Berlin nach Stockholm führen foll. Die Führung liegt in Händen des altbewährten Führers und Mitarbeiter Zeppelins, dem Direktor Dr. Edener, des Kapitänleutnants Flemming und des Chefinge: nieurs Dr. Am stein. Die Besagung besteht aus 25 Mann, wäh rend von der amerikanischen Abnahmefommission die Versuchsfahrten zwei amerikanische Offiziere mitmachen. Die Unwetterschäden im Rheinland. Der rheinische Provinzials ausschuß genehmigte zur Behebung der Unwetterschäden in den Kreisen Düsseldorf- Stadt, Grevenbroich und Neuß weitere 150 000 Goldmart. In 3nkunft sollen Provinzzu schüsse bei Unwetterschäden nicht mehr bewilligt werden, wenn nachgewiesen wird, daß die Schäden durch eine Versicherung hätten gebedt werden fönnen. Raubtiergefahr in den nordruffifchen Dörfern. Aus zahlreichen Dörfern des Gouvernements Petersburg laufen Klagen der Bauern über die Zunahme der Raubtiere, besonders der Wölfe, ein. Während diese sonst nur im Winter sich an die Viehherden der Bauern wagen, sollen sie jetzt ohne Scheu auch am Hellen Tage Ueberfälle auf die weidenden Tiere bei den Dörfern berüben. Mehrere Bauerngemeinden fordern Abhilfe, die wahrscheinlich durch Abkommandierung von Jägerkommandos aus den Truppengarnisonen gewährt werden wird. Der große Umschwung in der Reifenfabrikation war die Einführung des Cordgewebes; Cordreifen sind geschmeidiger, schneller und haltbarer als solche aus veraltetem Vollgewebe. Der erprobte deutsche Cordreifen heißt Continental Cord ( Fahrt nach der neuen ,, Continental- Straßenkarte".) often e. V. Schule, Tilfiter Straße 4-5. Schule, Georgentirchstr. 2. Nordoft II. Schule, Danziger Straße 23. Arbeitersport. Altersriegenturnen Groß- Berlin. Heute, Freitag, 8 Uhr abends, findet das Zufammenturnen aller Altersriegen Groß- Berlins in der Turnhalle Koppenstr. 76 statt. Nachher: Besprechung über die Altersriegenturnfahrt Groß- Berlin am 5. Oftober. Beide Veranftaltungen sollen den engeren Zusammenschluß der über 35 Jahre alten Turner fördern und auch die Deffentlichkeit auf die Notmenbigkeit der planmäßigen Körperfuftur für ältere Arbeiter aufmerrfam machen. Für die Turnfahrt am 5. Oftober sind bereits alle Vorbereitungen getroffen, um dieselbe zu einer erinnerungsreichen Veranstaltung für alle Teilnehmer zu machen. Der Plan wird in obiger Sigung vorgelegt. Teutonia 69, Sportplag. Am Sonnabend, den 2. Auguft, um 6% Uhr, findet ein Fußball- Wettspiel zwischen Nordista I und A. G. B. I statt. Beide Vereine verfügen über fiarte Mannschaften, so daß guter Sport zu fehen ist. Arbeiter Radfahrer- Bund ,, Solidarität". Ortsgruppe Berlin. Touren für Gonntag, den 3. August. 1. Abt.: Stienissee, 4 Uhr früh, Großes Fenster 12 Uhr. Start Bülowstraße 55. 2. Abt.: frilh 5 Uhr, Grössinfee. Start Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Gröbenter See, 5 Uhr, Start Laufiger Blag. 5. Abt.: früh 5 Uhr, Störissee, 7 und 12 Uhr, Crossinsee. Start Landsberger Plaz. 6. Abt.: Sonnabend, 6 Uhr abends, Oderberg. Sonntag früh 5 Uhr. Gamengrund, 12 Uhr mittags Ahrensfelde, Schneider. 8. Abt.: Start 8 Uhr, Arminiusplay. 9. Abt.: 2. 6 Uhr abends Achin, 3. Uhr früh Start Schulstraße 114. 10. Abt.: Rangsdorfer See, 5 Uhr früh; Müggel hort 12 Uhr. Start Comeniusplag. 12. Abt.: Stienißfee, früh 7 Uhr, Frant früh 6 Uhr Bahnhof Weißensee. Ortsgruppe Reukölln: Start Herzbergplaz. furter Allee, Ede Barschauer Straße.. Jugend- Abt.: Bauernfee bei Brenden, Ortsgruppe Baumschulenweg, Treptow: 6 Uhr am Start Bahnhof Baum. fchulenweg. Ortsgruppe Wilmersdorf: Schön- Mulze, früh 5 Uhr Start am Denkmal. Ortsgruppe Charlottenburg: 2. Mondscheinfahrt nach Schmetter lingshorst, Abfahrt abends 7 Uhr vom Tegeler Weg. Reed. Rieb. 3. Familien. tour, Bichelswerder, Freund. Start Uhr Galvaniſtraße 13. Ortsgruppe Bantom: 5 Uhr frih. Rörbistrug. Start Mühlenstraße 12. Ortsgruppe Briz: 2. Abends 5% Uhr, Altglichen bei Freienwalde. Start Chauffeestraße 64. Achtung, gangfiredeafahrer: 9-10 nach Deffau. Start 4% Uhr nachmittags Ortsgruppe Tegel: Familientour Heiligenfee. Start 1 Uhr, Schlieperftr. 64. Bahnhof Heerstraße. Die Arb.- Athi.- Sport- Bereinigung Neukölln veranstaltet zum Wohle der Rarlsgartenstr. 6.11. eine große Propaganda- Sportvorstellung, verbunden mit Jugendabteilung am Sonntag, den 10. Auguſt, im Karlsgarten, Neukölln, artistischen Borführungen, Jiu- Jitsu- Ringen und Ringen der A- und B- Klasse gegen die besten Ringer des Arb..Athl.- Bundes. Da der Berein über gute Kräfte verfügt, ift guter Sport zu erwarten. Sport- Club Rüftig- Borwärts 1913", Reuföln( Mitglied der Märk. Spiel. Bereinigung Berlin). Bereins- und Verkehrslokal von Otto Korn, Neukölln, Herzbergstraße 22. Fernsprecher Neukölln 1636. Sigung jeden Freitag, abends 8 Uhr, Männer und Jugend 7% Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder nur in den Sikungen. Am Freitag, den 1. August, abends 8½ Uhr, muß 1924 bis 1925 erscheinen. Ebenfalls ift es Ehrenpflicht eines jeden, sich in ein jedes Mitglied aweds Aufstellung der Mannschaften zu den Serienspielen die Spielerliste einzutragen und fich ein Baßbild zu beforgen. Abgabepflicht am 1. Auguft. Ber nicht erscheint, tann nicht berüdsichtigt werden. Am 3., 10. und 17. August: Spiele für 1. und 2. Jugend sowie für Männer für 17. Auguft. Buschriften find au richten an Willy Zier, Neukölln, Johann- HußStraße 5. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je . Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1. Weizengrieß Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine. Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Zentner frei Haus Berlin. 45,00-48,00 30,00-32,00 38,00-43,00 16,00 20,00 Röstgetreide, lose... 15.50-18,00 15,00-16,00 Kakao, fettarm 65,00-75,00 15,50-17,00 Kakao, leicht entölt 86,00-100,00 18,00-19.00 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 13,00 14,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 18,50-19,75 Inlandszucker basis mel. 39,00- 41,50 21,75-24,25 Inlandszucker Raffinade 40,00- 43,00 15,25-17,25 Zucker Würfel. 18,00-22,75 Kunsthonig 12,25-15,50 Zuckersirup hell in Eim. 8,75-11,75 Speisesirup dunk. in Eim. 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 27,00-30,50 Marmelade Vierfrucht 20,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00-37,50 Steinsalz, lose. 39,00 46,00 Siedesalz, lose 18,75-20,50 Bratenschmalz in Tierces 36,00-42,00 Bratenschmalz in Kübeln 33,00-35,00 Purelard in Tierces 15,00 17,75 Purelard in Kisten 14,50-15,50 Speisetalg in Packung 16,50-17,75 Speisetalg in Kübeln 23,25-31,00 Margarine, Handelsm. I. 60,00 30,00-36,00 desgl. II • 25,00-29,00 90,00-95,00 35,00-40,60 33,00-38,00 3,10- 3,70 4.00- 4,70 80,00- 80,50 81,00-82,00 Solles so enden? Eine Belehrung für alle, welche an Rheumatismus leiden. Tausende von Personen können sich, wie der Mann auf unserem Bilde, nur mühsam vorwärts bewegen. Schuld daran ist fast immer ein ,, unheilbarer" Rheumatismus der Gehwerkzeuge. Warum sind diese Rheumatismen unheilbar? Einzig und allein, weil sie falsch behandelt werden, da die wahre Ursache gewöhnlich nicht richtig erkannt wird. Diese Ursache besteht in 80-85 Prozent aller Fälle in einer scheinbar unbedeutenden Störung im Fußskelett, nämlich im Plattfuß und in seinen Vorstadien, der Senkung und Uebermüdung des Fußzes. Anfangs äußert sich die anatomische Veränderung durch Fußschmerzen( am Fußbogen, am Rist, unter den Knöcheln und an der Ferse) dann in scheinbarem Muskelrheumatismus( in den Waden, am Schienbein entlang, in den Hüften bis zum Streuz hinauf, nächtliche Wadenfrämpfe und ischiasartige Schmerzen), außerdem in scheinbarem Gelenkrheumatismus( in Knie und Hüften). In diesen Fällen ist natürlich durch Medikamente oder Badeturen nicht der geringste Erfolg zu erzielen. Nur allein die Beseitigung der Ursache durch Hebung und Wiederherstellung des Fußbogens kann den statischen" Rheumatismus heilen. " Dazu dient die patentierte pneumatische Schuheinlage Pneumette welche den empfindlichen Fußbogen durch ein weiches Luftkiffen, einen richtigen fleinen Pneumatik( daher der Name Pneumette") hebt. " Durch ihre Anwendung verschwinden solche„ unheilbare" Rheumatismen, welche jeder anderen Behandlung hartnäckig trotzen, gewöhnlich ,, wie durch. ein Wunder". Die Pneumette kann in jedem Schuh unsichtbar getragen werden, isi federleicht und unverwüstlich, auch beim stärksten Gebraudi. Wir geben Ihnen ein Paar Pneumette Kostenlos 8 Tage zur Probe. Ueberzeugen Sie sich selbst! Beginnen Sie heute noch mit dem Versuch, bei dem Sie nichts risKieren, sondern nur gewinnen können.( Ist schmerzfreies Gehen nicht diesen Versuch wert!) Peiser Schuhhaus größten Stils Kostenlose ärztliche Untersuchung in eigenen RöntgenStationen, Leipziger Straße 64 und Friedrichstraße 179 ( 9-2 und 4-7). Fußprüfung und unentgeltliche fachmännische Beratung in allen Leiser- Verkaufsstellen: Leipziger Straße 64 Tauentzienstr. 20 77,50-78,80 78,00-79,00 49,00-52,00 48,00-50,00 Friedrichstr. 179 Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Königstr. 34 54,00-57,00 Ringäpfel, amerik. 60,00 . Getr. Pilaumen 90/100.. 4,00- 43,00 63,00-65,00 Pflaumen, entsteint... 50,00 55,00 Margarine III 46,00-50,00 Cal. Pflaumen 40/50 Molkereibutter i. Fässern 183,00 Rosinen in Kisten, Candia 70,00-75,00 Molkereibutter in Pack. 193,00 Sultaninen Caraburnu.. 80,00-95,00| Landbutter Korinthen, choice 78,00-85,00 Margarine, Spezialm. I. 76,00 desgl. I. Moabit, Turmstr. 50 189,00-196,00 65,00 70,00 Auslandbutter in Fässern 195,00-206,0 Mandeln, süße Bari 155,00-165,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 33,00-37,00 Mandeln, bittere Bari 145,00-152,00 Aus! Speck, geräuchert 72,00-78,00 Zimt( Cassia) 106,00-115,00 Quadratkäse 30,00-45,00 100,00-115,00 Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 145,00-150,00 Echter Emmenthaler 180,00-215,00 Ausl. ungezuck. Condens180,00-185,00 Rohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16 21,00-23,25 Röstkatfee Brasil 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 Kümmel, holländischer. 65,00 7,00 Tilsiter Käse, vollfett. Schwarzer Pfeffer Singap. 103,00-110,00 Bayr. Emmenthaler 165,00-175,00 Neukölln, Bergstr. 7/8 Friedenau, Rheinstr. 14 Oranienstr. 34 Oranienstr. 47a Müllerstr. 3a Leipzig: Kaufhaus Ury Gebrüder, A.-G.- Dresden: Residenz- Kaufhaus. Erfurt: Kaufhaus Römischer Kaiser G.m.b.H. Mannheim: Hill& Müller, N 3, 11/12. Stuttgart: Wilhelm Spring, Innere Büchsenstraße 23. Schriftliche Aufträge von außerhalb dieser Städte sind zu richten an: Kreuzversand Alfred Klotz, München, Lindwurmstraße 76. Alleiniger Fabrikant u. Patent- Inhaber( 4 D. R. P.). Röstkaffee Zentralam., 300,00-375,00 Inl. gez, Condensm. 48/14 26,00-26,50 Wirtschaft Ein Monat Getreidehausse. am Getreidemarkt die Aussichten der Landwirtschaft im eigenen| Lager längst nicht so pessimistisch beurteilt werden, wie es im Landbund geschieht. Die Zollfrage, deren Regelung im Sinne des Schutzolls überdies nach dem eigenen Zeugnis von Landbund führern nicht sofort der Landwirtschaft Vorteile und u. E. fo= gar überhaupt keinen Nuzen bringt, erweist sich sonach als längst nicht so dringend, wie man es auf agrarischer Seite darzustellen beliebt. Die gute Wirkung des Preisabbaus am Stidstoffmarkt für die landwirtschaftliche Produktionsfähigkeit ist ein neuer Beweis für die von uns immer vertretene Anschauung. daß es andere Mittel zur Lösung der Agrarfrise gibt und daß die Verbilligung der landwirtschaftlichen Betriebsmittel ein wichtigeres Problem der Hafer Sommergersie agrarischen Produktion ist als der Schutzol. Die bedingte Freigabe des Getreideerportes hat in Deutschland ein starkes Anziehen der Getreidepreise herbeigeführt. Im Laufe des Monats Juli stellten sich an der Berliner Börse die Getreidepreise wie folgt: 1. Juli 16. 31. " " Amtliche Produktenpreise in Goldmart je Tonne. Roggen Weizen 139-144 127-134 124-134 138-147 170-180 142-148 143-150 160-170 162-171 185-190 137-143 147-153 Bei der Würdigung der obigen Zahlen ist zu berücksichtigen, daß die für die Stichtage angegebenen Preise weder den niedrigsten noch den höchsten Preisstand der letzten sechs Wochen enthalten. Roggen notierte in der zweiten Junihälfte rund 120 M., Weizen hatte sich am 30. Juli bereits dicht der 200- Mart- Grenze genähert, von ter ein rechtsgerichteter Politifer, Dr Georg Wilhelm Schiele, gesagt hatte, daß sie bereits neue Inflation bedeute. Berücksichtigt man diese Tatsachen, so muß festgestellt werden, daß die Getreidehausse nachhaltig gewesen ist und daß die Preissteigerung gegenüber den fritischen Tagen sehr erheb. lich, nämlich bei Weizen über ein Drittel, vei Roggen immerhin mehr als 15 Proz. war. Dabei ist das Ende der Bewegung noch nicht abzusehen, da die Meldungen vom Weltgetreidemarkt ungünstig lauten. Solange aber nicht ersichtlich ist, ob nicht schon durch die Gedenen allein eine Steigerung von 610 750 auf 1095 130 Doppel zentner eingetreten ist. Auch bei den übrigen Metallmaren sowie bei Wasserfahrzeugen hat die Einfuhr zugenommen. Dagegen hat die Einfuhr von Textilfertigerzeugnissen sich allgemein vermindert, nur Seidengarn und Wollgewebe zeigen geringe Erhöhungen. Was die Ausfuhr angeht, so ist bei der Gruppe der Lebens mittel und Getränke eine beträchtliche Steigerung der Ausfuhe Don Zucker, dagegen ein Rückgang derjenigen von Hafer zu vera zeichnen. Die Wirkung der Freigabe der Brotgetreideausfuhr dürfte erst im nächsten Monat festzustellen sein. Die Ausfuhr von künft lichen Düngemitteln, namentlich von Kalisalzen, hat gleichfalls weiter nachgelassen. Auch die Ausfuhr der übrigen chemischen Rohstoffe und Halberzeugnisse hat, nachdem sie im Bormonat erheblich zu genommen hatte, wieder eine Abnahme erfahren. Die Fertiga waren weisen fast durchweg Ausfuhrverminderungen auf. Bei Tertilmaren ist der Rückgang recht erheblich, ebenso bei chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen, bei Ton- und Por Borzellanmaren, Glas und Glaswaren. Auch die Ausfuhr von Walz werkerzeugnissen und Eisenwaren, sowie von Maschinen ist geringer gewesen als im Vormonat. Walzwerkerzeugnisse und Eisenwaren zeigen eine Ausfuhr von 844 090 Doppelzentner gegenüber 864 180 Doppelzentner im Vormonat und 1930 970 Doppelzentner im Monatsdurchschnitt 1922, Maschinen eine Ausfuhr von 203 740 Doppelzentner gegenüber 217 230 Doppelzentner im Bormonat und 398 950 Doppelzentner im Monatsdurchschnitt 1922. Bei diesen Zahlen muß jedoch wieder daran erinnert werden, daß der Außena handel des befezten Gebietes nur unvollkommen erfaßt wird. Erwähnt sei noch, daß eine sehr starke Einfuhr von Gold und Silber, und zwar vornehmlich von Silber für Rechnung der Reichs bant stattgefunden hat, während zugleich die Ausfuhr von Gold und Silber sich verminderte. Rückgang des Außenhandels im Juni. Mit den üblichen durch die Ruhrbesehung gegebenen behalten veröffentlicht das Statistische Reichsamt folgende Zahlen über den deutschen Außenhandel im Juni. Es betrug die Einfuhr Ausfuhr Juni Mai Mai Jan./Juni Juni Nach Gegenwartswerten in 1000 Goldmart. 4 871 9 290 44 488 530 Warengruppen I. Leb. Tiere II. Rebensmittel 1924 620 30 985 32 792 26 526 Jan./Juni 2612 u. Getränke. 138 237 169 584 1 033 705 150 682 IIIa Rohstoffe. 303 164 424 886 2 004 495 31 883 170 090 IIIb Halbf.Waren 71 560 79 769 440 661 33 403 33 526 181 155 IV. Fertige War. 216 446 202 499 924 304 383 013 415 082 2 315 137 782 32 987 V. Gold u. Silb. 18 846 791 2 267 7.603 1753 124 886 810| 4 480 640 475 248 516 170 2 827 279 Diese Zahlen lassen im Juni eine sehr starte Verminderung der vorhanden, doch ist dieser absolut und relativ geringer als derjenige der Einfuhr. Die Verminderung der Einfuhr geht hauptsächlich von der Gruppe der Rohstoffe und Lebensmittel aus, während die Gruppe der Fertigwaren steigende Tendenz hat. Die Ausfuhr hat dagegen bei allen maßgebenden Gruppen nachgelassen, und bei dem überragenden Anteil, den die Fertigwaren an der Ausfuhr befitzen, bei dieser Warengruppe am stärksten. treidehausse die Agrarfrise in Deutschland überwunden wird, solange Einfuhr erkennen. Es ist allerdings auch ein Rückgang der Ausfuhr auch die übrigen Mittel Kredithilfe und Minderung der Preisspanne zwischen Erzeuger- und Kleinhandelspreis nicht erschöpft sind, ist die 3ollpropaganda ungerechtfertigt und stellt eine überflüssige Bedrohung der Lebenshaltung der breiten Massen dar. Stickstoffmarkt und Zollpolitik. Die Förderung des Stickstoffbezuges durch Festsetzung niedriger Preise für den Sommerbezug und durch Gewährung von Zahlungs crleichterungen haben bereits mefentliche Erfolge gezeitigt. In dem Bericht des Stidstofffynbitats über den Absatz im Juli heißt es u. a.: Die Preisvergünstigungen, die als vorübergehende Maßnahme gedacht sind, haben weite Abnehmerkreise veranlaßt, ihren Stiftoffbedarf bereits jegt zu deden, in der richtigen Voraussicht, daß ein rechtzeitiger Bezug im Frühjahr in Frage gestellt ist, wenn alle Aufträge sich in der Hauptver brauchszeit zusammendrängen. Infolgedessen war der Eingang der Abrufe im letzten Julidrittel außerordentlich start. Namhafte Abschlüsse, auch für Auguft- und Septemberlieferung find bereits getätigt worden. Abgesehen davon, daß die lebhaftere Aufnahme von Stickstoff durch die Landwirtschaft ein erfreuliches Zeichen für das Streben ist, die Produktion aufrechtzuerhalten und nicht wie der Landbund fortwährend droht, sie zu ertensivieren, zeugt diese günstige Entwicklung des Stickstoffmarties auch von einem wachsenden Vertrauen der Landwirtschaft in die Rentabilität der Verwendung von Stickstoffdünger. Dieses Vertrauen ist durch die Entwicklung der Getreidepreise durchaus berechtigt. Der Tatbestand muß aber besonders festgehalten werden. Wir haben betanntlich noch nicht neue Getreidezölle Wenn die Landwirtschaft trotzdem schon jetzt reichlich Stickstoff tauft, obwohl Die Kredit- und Kapitalnot noch längst nicht behoben ist, so ist das ein deutliches Zeichen dafür, daß insbesondere nach der letzten hausse Kapitalistische Steuerscheu. Bei den Goldmartbilanzen, die jetzt vorläufig aller dings nur tropfenweise den Aktionären zur Begutachtung kann pielmehr zur Beschlußfaffung in den man wohl nicht sagen Generalversammlungen der Aktiengesellschaft vorgelegt werden, richtet sich die Kritik der Aftionäre sehr häufig gegen die 3u. sammenlegungsquoten. Den Aktionären liegt daran, daß das Papiermarkkapital so wenig wie möglich vermindert wird. Die Verwaltungen haben häufig das entgegengesetzte Intereffe. Die Kritik der Aktionäre beginnt gewöhnlich mit einer Bemängelung der Bewertung der Waren vorräte. Diese Warenvorräte merden von den Verwaltungen sehr häufig zu einem niedrigen Werte in die Bilanz eingefeßt. Sie begründen das mit der unsicheren Geschäftslage und mit der Notwendigkeit, sich bei der Bewertung Verlustmöglichkeiten offen zu lassen. Wenn nun in den General versammlungen von den Aktionären Auskunft über die Bewertungs maßstäbe verlangt wird, so erklären die Verwaltungen, diese Frage zu beantworten, sei aus steuerlichen Gründen nicht möglich Erst fürzlich geschah dies in der Generalversammlung der Berlin Gubener Hutjabrit. Anders ausgedrückt heißt das doch Gubener utfabrit. nichts weiter, als daß die Verwaltungen die Warenvorräte mit Absicht niedrig in die Bilanz einsehen, damit die Steuer Im einzelnen ist über die Veränderungen folgendes zu berichten: Die Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln hat durchweg abgenommen. Die ausnahmsweise Einfuhrerhöhung für Sprit und Brennspiritus ändert das Bild nicht. Stärker noch als die Einfuhr der Lebensmittel ist die der Rohstoffe gefunfen. Hieran find fast alle Warenarten beteiligt. Die Textil rohstoffe, auf die fast die Hälfte der gesamten Einfuhr an Rohstoffen und halbfertigen Waren entfällt, haben sämtlich eine Verminderung der Einfuhr aufzuweisen. Es sant die Einfuhr an Rohjeide von 2210 auf 1650 Doppelzentner, an Wolle und Kammzug von 319 970 auf 185 300 Doppelzentner, an Flachs, Hanf, Jute und anderen pflanzlichen Spinnstoffen von 211 220 auf 159 580 Doppelzentner. Ebenso ließ die Einfuhr an Häuten und Fellen. Tabat, Delfrüchten und Delfaaten nach. Auch die Einfuhr an Steinkohle hat sich im Monat Juni wieder vermindert, nachdem sie im Vormonat im Zubehörden nicht den wahren Wert erfahren und demnach ihre sammenhang mit dem Ruhrfohlenstreit start gestiegen war. betrug 11,9 Millionen Doppelzeniner, wohingegen sie im Mai, wie endgültig festgestellt, 16,4 Millionen Doppelzentner und im Monatsdurchschnitt 1922 10,5 Millionen Doppelzentner betragen hatte. Die Einfuhr an Eisenerzen, die in den letzten Monaten eine fort: gesetzte Erhöhung zu verzeichnen hatte, ist auch im Monat Juni wiederum und zwar von 2,0 Millionen Doppelzentner auf 2,4 Millionen Doppelzentner gestiegen. Es ist aber wahrscheinlich, daß, wie bisher, auch jetzt nur ein geringer Teil der tatsächlichen Erzeinfuhr statistisch ermittelt wird. Bei den Fertig waren ist im Gegenjazz zu Lebensmitteln und Rohstoffen eine weitere Einfuhrerhöhung erfolgt. Sie beruht vor allem auf einer sehr starken. Einfuhrvermeh rung der Walzwerterzeugnisse und Eisenwaren, bei Sie Besteuerung vornehmen. Diese Praktiken, die mir nur an einem Beispiel gekennzeichnet haben, die sich jedoch oft wiederholen, sollten einmal den Steuerbehörden zu denken geben, nicht nur deshalb, weil damit neue Steuerquellen erschlossen werden können, sondern auch deshalb, weil die Unsicherheit, die auf solche Weise in der Bewertung der einzelnen Gesellschaften entsteht, ein Hindernis für die Beschaffung von Rapital werden fann. Wetter für Berlin und Umgegend. Warm und vielfach heiter bei 79 Für Deutschland. An der Küste ganz vor schwachen westlichen Winden. übergehend etwas Regen, sonst heiter, troden und warm. 6 Ausnahmetage für Damen- Konfektion! in Sportformen und anderen Damen- Kostüme modernen Macharten Strick- Kostüme Damen- Kostüme enorm billig 29 50 1650 750 Damen- Staub- und Alpakka- Mäntel 2250 Damen- Mäntel Homespune • aus Tuch u. 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Auch weist man auf dieser Seite immer wieder darauf hin, daß in den nächsten Jahren mit einem erheblichen Produktionsausfall zu rechnen ist und das deutsche Wirtschaftsleben als Ganzes in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn nicht unverzüglich Maßnahmen getroffen werden, um der Landwirtschaft durch Agrarzölle und Steuererleichterung zu helfen. Nun ist es ein leichtes, theoretisch durch Zahlenmaterial und statistische Unterlagen sowohl die tatsächliche Notlage der Landwirtschast wie auch das Gegenteil zu beweisen. Die wirtliche Lage festzustellen ist mehr Gefühlssache und setzt vor allen Dingen voraus, daß man in der Praxis einen Einblick in den heutigen landwirtschaftlichen Produktions- prozeß gewonnen hat und dem Fragenkomplex mit der not- wendigen Objektivität gegenübersteht. Pom Standpunkt der Praxis aus gesehen kommt man zu dem Schluß: die Landwirtschaft befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrisis, in Gefahr ist jedoch vorläufig nur die Bodenrente. Der Landbund kämpft in Wirklichkeit nicht für das tägliche Brot der Bodenbearbeiter, sondern um Erhaltung der arbeitslosen Bodenrente für. Mittel- und Großgrundbesitz. Viele mittlere Eigentümer und auch reine Bodenbearbeiter unterstützen diesen Kampf, weil sie in dem guten Glauben sind, der produktiven Arbeit wäre durch Agrar- zölle zu helfen und weil ihnen das Beurteilungsvermögen für so komplizierte Fragen der Weltwirtschaft fehlt. Um das richtig zu verstehen, muß man sich vor Augen halten, daß es in der Landwirtschaft klare Scheidelinien zwischen Boden- bearbeite? und Bodeneigentümer nicht gibt, vielmehr ist die Struktur der landwirtschaftlichen Betriebsform in Deutschland derart, daß wir es mit einem etappenweisen Hinübergleiten vom Landarbeiter zum Latifundienbesitzer zu tun haben. Mittlere Landwirte sind in der Regel zugleich Bodenbearbeiter und Nutznießer der Bodenrente, doch behält bei entscheidenden Fragen stets der Eigentümerstandpunkt die Oberhand. So ist es auch heute in der Z o l l f r a g e. Die 250 000 Betriebe mit über 20 Hektar Betriebsfläche sind führend in dem Streit um die Zölle. Der landwirtschaftliche Kleinbetrieb hat— obwohl in der Mehrzahl— auch in der Republik es bisher nicht verstanden, sich seiner übermächtigen Zahl ent- sprechend zur Geltung zu bringen. Aus diesem Grunde muß der breiten Masse des arbeitenden deutschen Boltes noch einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden: diejenigen Kreise, welche in vorderster Kampflinie für die Zölle stehen, haben vornehmlich Eigentümer interessen und sehen unter den jetzigen Verhältnissen ihre bisherige wirtschaftliche Vormacht- stellung und ihre Bodenrente bedroht. Unter normalen Ver- hältnisjen vor dem Kriege war das Leben dieser 250 000 mitt- leren und größeren Landwirte nicht ein Kampf um das tag- liche Brot— dieses tägliche Brot war ihnen gesichert—, sondern sie versuchten, einen möglichst großen Anteil von den übrigen Genüssen des Lebens zu erhaschen und auch chrer Nachkommen- schaft, soweit sie nicht in der Landwirtschaft unterzubringen war, in anderen Berufen eine gute auskömmliche Stellung zu sichern. Je größer der Betrieb war, um so stärker trat die Bodenrente in Erscheinung, derart, daß jemand, der vor dem Kriege westlich der Elbe 100 Hektar mittleren Ackerbodens be- faß, schon ohne Arbeit durch die Welt kommen konnte, denn es fanden sich immer fleißige Hände, welche für diese 100 Hektar einen Pachtpreis von 5000 Mark bezahlten und außerdem die gesamten auf dem Boden ruhenden Lasten trugen. Auch im Vorjahre, in der Inflationszeit, wo die Roggenpacht sich eingeführt hatte, konnte der Eigentümer von 100 Hektar mit einem Einkommen von 1 Zentner Roggen pro Morgen(— 400 Zentner Roggen jährlich) rechnen. Das so erzielte wertbeständige Einkommen überstieg bei weitem das reale Jahresgehalt eines Ministerialdirektors. Sogar im Wirt- schaftsjahr 1. Oktober 1923 bis 1. Oktober 1924 haben viele kleinere Pächter außer sämtlichen Steuern und sonstigen Lasten bei guten Böden noch eine Pacht von 120 M. pro Hek- tar zu entrichten, obwohl nach Aussagen des Landbundes und aller Sachverständigen ein Reinertrag in diesem Jahre ent- weder gar nicht oder nur in geringem Maße bei allergünstig- sten Wirtschaftsverhältnissen erzielt werden kann. Diese Pachtpreise müssen von den Pächtern durch e r- höhte Arbeitsleistung und Einschränkung der Lebenshaltung aufgebracht werden, obschon es in der bestehenden Pachtschutzordnung heißt, daß die Pacht- einigungsämter den Pachtzins auf Antrag neu festzusetzen haben, und zwar auf den Betrog, welcher„nach dem Ertrag angemessen erscheint, den das Grundstück bei ordnungsmäßiger Bewirtschaftung nachhaltig zu gewähren vermag". In der Praxis ist mit diesem wunderschönen Paragraphen jedoch zu- gunsten der Pächter wenig anzufangen, weil die Pachteini- gungsämter unter Vorsitz derAmtsrichter, welche in vielen Fällen selber Grundeigentümer sind, durchweg 90 bis 125 Proz. der Friedenspacht festsetzen. Das Pachteinigungsamt Halle i. W. hat eine Erhöhung des Pachtpreises über die Vor- kriegspacht hinaus sogar damit begründet, daß die gegen die Zeit des Vertragsabschlusses erheblich gesteigerte Er- j tragsfähigkeit des Pachtlandes es billig erscheinen lasse, jetzt den Pachtpreis zu erhöhen. Nun wird man mir entgegenhalten, daß vor dem Kriege die Bodenrente in Wirklichkeit auch für die größeren Betriebe nicht von so großer Bedeutung gewesen sein kann, weil die in der Landwirtschaft angelegten Kapitalien sich nur mit 3 bis 3� Proz. verzinsten. In der Landwirtschaft ist es aber äußerst schwierig, sogar fast unmöglich, die Ertragsfähigkeit und Rentabilität zahlenmäßig zu erfassen. Man wird immer wieder die Erfahrung machen— genau so wie bei den Ernte- schätzungen—, daß die tatsächlichen Verhältnisse ganz anders liegen wie auf Grund des statistischen Zahlenmaterials angenommen werden könnte. So auch bei Beurteilung der Ertragsfähigkeit der Landwirtschaft vor dem Kriege. Hier wird immer wieder die Tatsache übersehen, daß auf dem Lande ein Geburtenüberschuß von 50 Proz. vorhanden war, welcher zwar von der Landwirtschaft bis zum erwerbsfähigen Alter großgezogen und unterhalten wurde, später aber in die Städte— in einzelnen Fällen auch ins Aus- land— abwanderte. Durch diese Abwanderung der Landbevölkerung flössen alljährlich ungeheure Summen aus der Landwirtschaft in nichtlandwirtschaftliche Be- triebe. Der Abfluß des Kapitals war wiederum am stärksten beim Großgrundbesitz und bei den großbäuerlichen Betrieben, wo die abgehenden Kinder außer der Aussteuer noch namhafte Summen mitbekamen, welche somit der Land- Wirtschaft entzogen wurden. Hierdurch erklärt sich die ver- hältnismäßig große Verschuldung der größeren Betriebe, welche durchaus nicht ihren Grund in der geringen Rentabili- tät der Landwirtschaft im allgemeinen hatte. Namentlich in katholischen Gegenden war der Kinderreichtum der Bauern so groß, daß fast die Hälfte der Kinder sich nichtlandwirtschaft- lichen Berufen zuwenden mußten. Bei Kleinbetrieben gingen die Kinder als Arbeiter, Beamte und Gewerbetreibende in die Städte, von größeren bäuerlichen Betrieben wurden viele Amtsrichter, Rechtsanwälte, Arzt und Verwaltungsbeamte. Söhne des Großgrundbesitzes bevölkerten bekanntlich die Mi» nisterien und andere höhere Verwaltungsstellen oder wurden Offiziere in der kaiserlichen Armee. Die Kosten für das Studium und das weitere Fortkommen all dieser Kinder trug aber die Landwirtschaft. Ferner waren Landwirte- töchter in den Städten infolge ihrer hohen Mitgiften sehr ge- suchte Partien: umgekehrt konnte jedoch der Landwirt niemals aus wirtschaftlichen Gründen ein Stadtfräulein als Frau ge- brauchen. Nur der adelige Großgrundbesitzer hat es unter der zunehmenden Verschuldung öfters versuchen müssen, sein Hauswappen durch eine reiche Stadtheirat— diese brauchte nicht immer agrarischer Abstammung zu sein— neu zu vergolden. Die Reichsregierung hat nun eine Zollvorlage ein- gebracht, welche den subjektiven Forderungen der Grundeigen» tümer Rechnung trägt. Es wird nun Sache des Reichstages fein, zu prüfen, ob auch die objektiven Voraussetzungen für eine so tief einschneidende volkswirtschaftliche Maßnahme wie die Agrarzölle vorliegen. Hierbei wäre zunächst zu prüfen: 1. Ist tatsächlich die landwirtschaftliche Pro- d u k t i o n schon in Gefahr und nicht nur die Bodenrente? 2. Wenn für die erstere Annahme der Beweis erbracht werden könnte, sind denn alle übrigen Mittel e r s chö p f t, um der Landwirtschaft ohne Wiedereinführung der Vorkriegszölle zu helfen? Der Versuch der Regierung, den Verbrauchern die Schutz- zölle durch Ermäßigung der Umsatzsteuer schmack- Haft zu machen, ist volkswirtschaftlich als d i l e t t a n t e n- Haft zu bezeichnen, weil durch Ermäßigung der Umsatz- steuer zwar auf Kosten der Steuerkasse die Kleinhandelspreise sinken, jedoch in keiner Weise ein Ausgleich dafür geschaffen wird, daß durch Agrarzölle s6)ätzungsweise jährlich 800 bis 900 Millionen Mark Verbraucherkreisen entzogen werden und 5. Rennen. 1. 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Wenn beispielsweise eine wesentliche Berbilligung der Düngemittelerzeugung herbeigeführt werden könnte, so fäme diese infolge der zu erwartenden Produktionssteigerung nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch den übrigen Boltstreifen zugute. Das ist bei Agrarzöllen nicht der Fall. rer en publ ted profitated aid, con ** 1916, 1900 plas Ano gbt od mojamo nise odnol nooit med mon Aus der Partei. Diana VII, Submill I, 190 d Von der im Diez- Verlag erscheinenden Internationalen Rebue für Sozialismus und Politil, Die Gesellschaft", heraus gegeben von Dr. Rudolf Silferding, ist Seft 5 erschienen. Das Heft enthält neben ausführlichen Buchbesprechungen folgende Artikel: Die Formen der Selbstverwaltung", von Stadtrat Dr. Karl Herz. Die gefegliche Regelung ber Die gefegliche Regelung der Reichsegefutive und des Ausnahmezustandes" mschendong nad Die Gesellschaft. 10 Theater, Lichtspiele usw. 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Kein Arbeiter oder Angestellter sollte versäumen, neben der Zeitung seines Verbandes umgehend das Abonnement bei seinem Postamt aufzugeben Preis monatlich 40 Pfennige Probenummern stehen kostenlos zur Verfügung und sind anzufordern bel der Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin S14, Inselstraße 6 ges. gesch Drum prüfe, wer sich ewig bindet..... Trauringe 1 Ring Dukatengold von 6,00 Goldmk. an 1 Ring 585 gestemp. von 4.00 Goldmk. an 1 Ring 333 gestemp. von 2,50 Goldmk. an Einfache Ringe 1,80 Goldmark Hermann Wiese, Juwelier, Berlin N, Artilleriestr.30 5 Minuten vom Bhf. Friedrichstraße, Untergrundbhf, Oranienbg. Tor Berlin W, Passauer Str. 12, Untergrundbahnhof Wittenbergplatz Garantieschein für gesetzlichen Goldinhalt. 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