Menöausgabe Nr. 359» 47. Jahrgang Ausgabe L Nr. 7SS Bezug-Ixdtnguogen und Anzkigenpr«!!« sind in der Morgenauegade angegeben «edattian: Sw. SS. Cinöcnflrafce 3 Fernsprecher: Vönhoft 2g2— 295 r«l.-«»reff«:S»jiaIdemo»ral Berlin Vevlinev Volksblatt 5 Golöpfemifz 50 MiMarüen Freitag I.Mguft 1924 Berlog und?ln>eig»nabtt>Iim,, Tesch-st»,ett 9-5 Uhr Verleger: vorwörln-verlag fflmb£). Berlin SV. SS. Clnöenfscaü« 3 Fernsprecher: VSnhess 2306' 2301 Zentralorgan der öozialdemokratifd�en parte» Oeutfchtande Die Krise in Lonöon überwunden. Die Bankiers befriedigt. Lsvds«,».«ugufl. flvIV.)„Tlmes" schreibt ,v der gestern von der ersten Kommission der Reparationskonferenz erzielten va> einbarnng: Es besteht«rund zu der Annahme, daß die Bankier» sondiert worden sind, bevor der Plan ausgestellt wurde.$» ist daher glücklicherweise als wahrscheinlich zu betrachten, daß die Vor- schlage von der Konferenz endgültig angenommen werden. Utas die Frage der isolierten Aktion betrifft, so werden die vollen Rechte jedes Landes aus dem versailler Vertrag vorbehalten. Diese Rechte werden von Frankreich vermuftich so ausgelegt werden. daß es zu einer isolierten Aktion als letztem Mittel berechtigt M. Doch ist zuzugeben, daß diese MbgKchkeit entfernt ist. Sie könnte lediglich eintreten, nachdem drei verschiedene Autoritäten Deutschland in Verzug erklSrl haben. Auch dann verpflichtet sich Frankreich, mit den anderen Mächten über gemeinsame Aktionen zu verhandeln, bevor eine isolierte Aktion endgültig in Erwägung gezogen wird. Man darf also hoffen, daß dos Schreckgespen st einer»euen Ruhrinvasion gebannt ist. Auch.Daily Rems" glaubt, daß die französische Formel die Wünsche der Bankier» befriedigen wird. Da» Blatt sagt, selbstverständlich sei es durchaus möglich, daß. wenn die ganze für den Fall eines Verzuges vorgesehene Maschinerie in Sang gesetzt werde, auch irgendein Staat eine unabhängige Aktion unternehmen könnte. Aber der Wert des Plane» liege darin, daß er eine solche viel unwahrscheinlicher mache al» sie augenblicklich sei. London, 1. August.(MTB.) Der diplomatische Bevichterstotter de?„Westnmnstor Gazette- schreibt er höre, daß Logan und Owen Doung den«un ersten Komitee angenommenen Plan ge» billigt hätten, da er das Haupthindernis für die Aufbringung einer Anleihe für Deutschland beseitig«. Was die Arbeiten des dritten Ausschustes betreff«, so seien noch zwei Punkte ungeklärt, der eine sei die Frag« der Einsetzung eines Schiedskowitees für die vom Transferausschuß nach den Bestimmungen de» Daw«»-Plane» getroffene Entscheidung, der ander« fei dl« Frage der Einsetzung einer Instanz, die darüber entscheiden soll, welch« Abänderungen swenn überhaupt) an dem Dawes-Plaa vorganommen werden sollten. Die Franzosen hätten die Reparationskommission vor» geschlog«, Großbritannien habe eine unabhängig« Körperschaft oeelangt. Die Aussichten der Konferenz. Lovdou. 1. August. sEP.) Heut» nacht 2 Uhr tagte die Kam. Mission für den Zahlungsmodus immer noch. Einer ihrer Unteraus. schüss« hat den Entwurf für die deutschen Sachleistungen fertiggestellt. Danach sollen dem Organisationskomitee für die Sach» leistungen eine gleichs Anzahl alliierte und deutsche Delegiert« bei« gegeben werden. Der diplomatisch« Korrespondent de»„Daily .Herald" ist über die Aussichten der Konferenz optimistisch g«. stimmt. Bei Geduld und gutem Willen könnte«» möglich fein. zwischen den beiden Standpunkten zu einem Kompromiß zu gelangen. Der diplomatische Korrespondent des. Dolly Telegraph" schreibt jedoch, daß sich die Konferenz gegenwärtig in einem tragischen Zustand befinde. Die dritte Kommission noch nicht einig. Pari». 1, August.(WTB.) Wie der Sonderberichterstatter von „Haoas" aus London vormittags 9 Uhr mitteilt, konnte die dritte Kommission, die den größten Teil der Nacht beraten hat, sich über die Traneserie rungsfrag« gemäß dem Kompromiß- Vorschlag der französischen Delegation nicht einigen. Die Kom- Mission tritt um U Uhr wieder zusammen. Die pariser Faurös-Zeier. Paris, 1. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Gedächtnlsfeie?» mit der am Donnerstag ganz Frankreich den IE Pohrestog des Derbrethens beging, da» am Vorabend de» Kriege» mit der Ermor- dung von Jean Jaure, begangen worden ist, wurde zu einer unvergeßlichen Apotheose für den großen Apostel der Menschheit. Der Beschluß des Parlaments, JaureS' sterbliche Rest« in» Pan- theon, das Nationolhsiligtum der französischen Republik, zu überführen, von der Kammer mit überwältigender Mehrheit gefaßt, vom Senat fast einstimmig ratifiziert, gab dm würdigen Auftakt dieser Feier, die die sozialistisch« Partei zusammen mit den Gewerkschaften im Trocadöro, in einem von Gemier, dem Leiter de» vdöon-Theaters, entworfenm künstlerischen Rahmen veranstaltete. Chöre von Schumann und Mendelssohn leiteten die Trauerfeiex ein. Dann bestieg als Erster L ö o n Blum da» Podium, auf dem in schwarze Schleier gehüllt die Büste de» großen Toten stand. Blum rief di« Erinnerung wach an jene furchtbar» Stacht de» 21. Juli 1914. Jaures ist gefallen— so führt« er au»— im Augenblick, da die Nacht sich auf Pari» senkte, aus«in Pari»>n Angst und Fieber, und e, ward doppelt Nacht, da der strahlende Stern der geistigen Menschheit erlosch für immer. Jaurz» ist ge. fallen als einer der größten geistigen Führer. Er ist von Mörder- Hand dahingestreckt worden, er, der der Menschlichste unter Menschen war, der. durch ein Wunder, einzig In seiner Art. die seltene Gabe de« durchdringenden und weitschauenden Verstände» und den größten Reichtum de» Wissen» vereinigte, er ist gefallen als Opfer der Kriegs« hetz«, des Irrtums und des Hasses, als Opfer jener Kräft«, gegen die er sein Leben lang gekämpft hatte. Er hatte sich zum Ziele gesetzt, di« Menschheit von ollen Schatten zu befreim. Seitdem war es Nacht geworden auf der Erde, eine Nacht, die vier Jahre dauerte und Ströme von Blut fließen sah. Aber die Menschheit will den Tag. Schon erstrahlt das neue Licht, da» der Tote in der Ferne gejehe n hatte, Unter den weihevollen Klängen eines Schubertfchen Ehore» fielen die Schleier von der Büste, und der Saal bebte von einer vieltaufend- stimmigen Ovation. Dann folgten die Ansprachen der weiteren Redner, die das Andenken von Jaurös in allen Sprachen feierten und. feine Bedeutung für die Arbeiterklasse aller Länder und die Menschheit schlechthin priesen. Sesatzung frißt Reparation auf. Pari 21. Zoll.(Eigener Drahtbericht.) Eine von der Reparationskommission veröffentlichte Statistik beziffert die von den einzelnen Mächten bi» zum 30. Zuni 1924 vereinnahmten Repara- iiooensleistungeu in Millionen Goldmark wie folgi: Frankreich 1.7. England 1,2, Belgien 1,7, Zlaliea 0.4. Zm einzelnen Hai Frankreich erhallen: 144 Millionen bar. 127S Millionen in Sachlieserungea und 302 Millionen in Form abzutrelenden Eigentum». Räch Abzug der Lesotzungskosteu blieb davon ein lieber» fchuß von— 101 Millionen für Reparaliouszwecke. Die Sozialpolitik üer Rrbeiterregierung. Erklärungen des Genoffen Snowden. London, 1. August(Eva). In der gestrigen Unterhaussitzung er- klärte Finanzmimster S n o w de n bei der Beratung des Budgets des Arbsitsministeriums, auf welche Weis« die Regierung die Ar- beitslosigkeit beheben werde. Verschiedene Projekt«, die große Aus- gaben erforderten, seien vorgesehen, um die Produktion in Eng- kend zu steigern und infolgedessen auch di« Budgeteinnahmen. So käme man dazu, die Produktionskosten zu vermindern, ohne die Lohnhöh« herabsetzen zu müssen. Außerdem werde die i n t e r- alliierte Konserenz, die augenblicklich in Lpndon tag«, vor- aussichtlich ein Resultat erzielen, das den verschiedenen Völkern ge. statten werd«, sich wieder an die friedliche Arbeit zu begeben, und da»«Ine Lag« In Europa schaffen werde, daß die englischen Waren auf dem Kontinent ihre früheren Absatzgebiet« wieder finden könnten._ Kurswechsel in Süüflawien. In der sich seit vielen Monaten hinziehenden Regierungskrise Südslawien» ist«in« überraschende Wendung»ingetreten. Sonntag mittag betraute der König den Führer des oppositionellen Block», Ljuba Da vibov lisch, einen serbischen Demokraten, mit der Re- gierungsbildung, und abends war das Minisirrium ernannt, Daoi- dovitfch bildete ein Koalitionsministerium, in dam die Unabhängigen Demokraten, die klerikalen Slowenen, die bosnischen Mo- hammedaner vertreten sind. Di« bisher herrschende Partei P a s i t s ch ist übergangen worden. Di» Verhandlungen der Rc- gierung mit den Vertretern der kroatischen Bauernpartei haben einen günstigen Verlauf genommen. Die Partei wird die neu« Regierung unterstützen, weil sie in ihr eine Garantie für die Lösung der troatisch-serbischen Frage erblickt. Ueber die Rückkehr Raditsch' wurde nicht gesprochen, da einer solchen nichts im Wege steht. Sein Eintreffen in Agram ist in den nächsten Tagen zu erwarten. Di« Frag« de» Eintritt» der Raditsch-Partei in die Regierung wurde vorläufig noch nicht aufgeworfen. Das verbrechen an MatteoM. Rom. 1. August(EP.). Auf Grund eigener Erhebungen über die Wegschasfung der Leiche Matteottis stellt« das„Giarnale d' Italic" fest, daß am IS. Juni auf dem römischen Friedhof die Deiche eine» Unbekannten begraben worden sei. Da« Blatt gibt genau di« Stell« an und fingt, od es nicht angebracht wäre, di« Ausgrabung dieser unbekannten Leiche anzuordnen. Es vertontet auch, daß der anonyme Brief über das Verschwinden Matteottis bei Videsee von einem Beteiligten stammt, der di.« Be- Hörden Hab» irreführen wollen. Rom, 31. Juli(WTB.). Di« Auslagen des ehemaligen rrmtori- sehen Abgeordneten Zaniboni gegenüber dem volksparteilichen „Popolo d'ytalia haben großes Aufsehen erregt Zaniboni habe Nachforschungen nach dem Perbrechen an Matt-ottl bei mehreren Dekannten der Angeklagten in Mailand fortgesetzt und fistgestellt. daß Matteotti zuerst mehrer« Dolchstiche erhalten habe und schließlich erwürgt worden sein. Nur der Angeklagt« Volpi habe für dl« Teilnahme am Vorbrechen 89 900 Lire erholten, was er aber als schlechtes Geschäft betrachte. Dem toten Republikaner. Eine Gedächtnisfeier für Max Dort». Frelburg i. Br., 1. August.•(Eigener Drahtbericht.) Am Grobe des vor 75 Jahmn, am 31. Juli 1849, den Standrochtskugeln des preußischen„Kartätschen"-Prinzen zum Opfer gefallenen Reoolu- tionärs und Freiheitshelden Maximilian D o r t u aus Poisdam versammelten sich am Donnerstagabend die sozialdemokratische Partei. die sozialistische Arbeiterjugend, d« demokratische Partei und die demokratische Studentengruppe unter der Führung des Reichs» banners Schwarz-Rot-Gold zu einer schlichten Gedächtnis- feier, bei der Genosse Adolf Geck-Offenburg die Gedächtnisrede hielt auf den Vorkämpfer des republikanischen Staatsgedanken». Die Feier wurde eingeleitet und beendet durch Vorträge der Arbeiter- länger. Die einzelnen sozialistischen und republikanischen Organisationen ließen Kränze niederlegen. Kulturwille. Zur ersten Arbeiter-Kulturwoche in Leipzig. Von Richard Lohmaun. Der erste Versuch, das Neben einander sozialistischer Kulturbestrebungen und-organisationen zu einem M i t- einander und Für einander zu gestalten— ein Wagnis? Gewiß. Denn noch sehen wir kaum die Umrisse der neuen Kultur, die sich auf den wirtschaftlichen Umwälzungen der näheren und der ferneren Zukunft aufbauen wird. Noch können wir nicht einmal das Zeitmaß dieser wirtschaftlichen Umwälzungen mit einiger Sicherheit vorausbestimmen. Aber das eine hat uns eine Zeit verfrühter Sozialisierungsträume jedenfalls gelehrt— sollte sie uns aolehrt haben—: daß eine auf dem Gedanken der Gemeinschaft fußende Wirtschafts- ordnung erzieherische, kulturelle Voraussetzungen erfordert, die zurzeit noch nicht erfüllt sind. Weder.die Wirtschaftsgeschichte, noch die Kulturgeschichte lassen sich konstruieren: man kann nicht eine historische Epoche abhacken und eine neue dann dahinterbauen. Man kann nur die organische Entwicklung in ihrem Auf und Ab, ihrem Hin- und Zurückfluten zielbewußt— aber in Erkennt- nis des organischen Werdens jeder Entwicklung— b e- e i n s l u s s e n. Und man sollte nie vergessen, daß Wirtschaft- liche, politische und kulturelle Wandlungen im selben Strom- bett fließen, sich gegenseitig oerstärken, gemeinsam vorwärts- fluten oder einzeln versanden müssen. Zweifellos ist der kulturelle Strom hinter der Wirtschaft» llchen Entwicklung zurückgeblieben. Kultur und Bit- dungswesen, Erziehung und Unterricht unserer Zeit ruhen in ihrem weit überwiegenden Teil auf Anschauungen, die im Wirtschaftsleben seit einem halben Menschenalter oder länger überwunden sind. Und die Erkenntnis dieser Rückständigkeit ist es, die den Vorwärtsdrang der letzten Jahre auf allen Gebieten kulturellen Lebens geboren hat. Die sozialistische Kulturbewegung selbst brauchte aller- dings nicht erst g e m a cht zu werden. Sic war da. Der Auf- stieg der deutschen Arbeiterklasse, der Fortschritt der Arbeiter- beweaung, die politische und wirtschaftliche Machtentfattung der Arbeiterschaft wären undenkbar ohne das Fundament kulturellen Wollens.' ohne das vorwärtstreibende Moment der t nach höheren Formen der Kultur. Die einzelnen Pole der sich anbahckenden Entwicklung liegen auch hier neben- einander und verstärken sich wechselseitig. Aber organisatorisch gesehen steht die p o l i t i s ch e und wirtschaftliche Frage bis heute durchaus im Vordergrund. Hier macht sich von Ansang an das Strebern, nach machtvoller Zusammenfassung und Vereinheitlichung geltend. Partei und Gewerkschaften streben über den als selbstverständlich erkannten nationalen Zusammenschluß noch internationaler Gemein- samkeit. Kulturelle Organifationszcllen aber kristalli- sieren sich n e b e n h e r, in der Vereinzelung, in Angliedernng, in bunter Mannigfaltigkeit: sie tragen gar nicht den Willen zu einer selbständigen Kulturorganisation in sich, ja. sie haben zunächst nicht einmal das Bewußtsein, Glieder eines großen Gemeinsamen zu sein. Bildungsausschüsse der Partei, Bil- dungseinrichtungen der Gewerkschaften, Arbeitersängcr, Arbeitersportler, Naturfreunde, Volksbühne, Volkshochschule, Arbeiterwohlfahrt, Abstinentenbewegung, Freidenker, Arbeiter- jugend, Jungsozialisten, Kinderfrcunde und so fort— welch eine erdrückende Fülle mehr oder weniger selbständiger Spezia'.organisationen. die alle Wegbereiter einer neuen, einer sozialistischen Kultur sein wollenl Was wissen sie voneinander?! Von ihrer Arbelt, ihren Erfahrungen, ihrem Streben, von dem, was ihnen als Bild dieser neuen, sozialistischen, proletarischen Kultur vorschwebt! Wo war bisher etwas erkennbar von einem Willen, zur Zusammenarbeit, zur Einheitlichkeit, zur Organisation zu kommen! Ja, wo war auch nur das Bewußtsein der Gemeinsamkeit irgendwie klar aus- geprägt! Sollte der Grund dieser in der Arbeiterbewegung doch wirklich einzigartigen Zerfaserung nur in der Vielgestaltigkeit des kulturellen Lebens liegen? Und wäre darum hier eine Vereinheitlichung nicht zu erreichen, ja nicht einmal als not- wendig oder auch nur wünschenswert anzustreben? Das wirtschaftliche Leben ist doch sicherlich nicht weniger mannigfaltig als das kulturelle, und trotzdem hat sich die Form für eine große, einheitliche, wirtschaftliche Kampf- organisation der Arbeiterklasse finden lassen. Daran also liegt es nicht. Zum mindesten nicht ollein. Aber auf Wirtschaft- l i ch e m wie politischem Gebiet hat der Kamps, die Erfahrung, die Forschung ein so einheitliches Bild der nächsten Ziele vor uns erstehen lassen, daß eine ebenso einheitliche Kampffiont möglich war. Auf kulturellem Gebiete ist noch alles Tasten, Versuchen, Unsicherheit. Ueber Umfang, Inhalt oder gar Form der werdenden Kultur beginnt eben erst der Streit der Meinungen. Es ist noch nicht lange her, da konnte man mit einigem Recht behaupten, das Proletariat erhöbe jeweils die abgelegte Garderobe der Bourgeoisie zu ihrer kulturellen Mode. Jetzt droht man in den umgekehrten Fehler zu verfallen: man hantiert mit den Begriffen sozialistische Kultur, Massenkulwr, Prolettultur, ohne daß sich auch nur zwei Menschen dasselbe darunter vorstellen, man will eine neue Kultur hervor- zaubern, man zerrt an den Keimblättern, weil das Wachs- tum zu langsam zu gehen scheint. Beide Fehler zu vermeiden, an Stelle der gedankenlosen Imitation wie der blutleere» Konstruktion einen wirtlich schöpferischen Ruftürmillen zu weden, das organeten hoeßsch am 26. Juli im Reichstag bedeutet den offiziellen Abmarsch der Partei in das Lager der Erfüllungspolitik." Wulle belegt seine Behauptungen über den Umfall der Deutschnationalen mit Einzelheiten aus den Ausschußverhandlungen des Reichstages. Die Landwirtschaft verlangt... Die ministerielle Dienstauffassung der Agrarier. Wir haben gestern der Berichtigung des preußischen Land. wirtschaftsministers Dr. Wendorff an die„ Deutsche TagesWer in den Ausschüssen zu tun hatte, konnte dauernd in der beugung Wendorffs vor den Agrariern nun von ihm legten Zeit feststellen, daß die Deutschnationalen die einzigen ftrammiter Gehorsam und Rückkehr zum Dienst für die Schutz„ Wer in den Ausschüssen zu tun hatte, fonnte dauernd in der zeitung" die Bemerkung hinzugefügt, daß nach der ersten Berzuverlässigen Stüßen der Regierung Martzöllner gefordert werden würde. Diese Voraussage hat sich Stresemann geworden sind. Alle weitergehenden sozialen schon bestätigt. Die Deutsche Tageszeitung" präſenAnträge, die zum Teil sogar von den Regierungsparteien angenom fiert dem Minister folgenden Barolebefehl: men worden waren, wurden durch die Deutschnationalen niedergestimmt, die dem Reichsfinanzminister Dr. Luther bei den Beratungen förmlich die Gegengründe in den Mund legten und mit wahrem Entfehen unsern Antrag niederstimmten, wonach der Etat für die Durchführung des fog. Friedensvertrages( 640 Goldmillionen Mark) zu streichen sei und die nische Werden der neuen Kultur tatkräftig zu fördern, ist die Aufgabe der kulturellen Arbeit der Gegenwart. Ihr will die erste sozialistische Arbeiter- Kulturwoche in Leipzig dienen, in der zum erstenmal alle die bisher getrennt arbeitenden Organisationen in eine zunächst lose Fühlung miteinander treten. Noch ist es nicht Zeit, ein organisatorisches Gerüst zu konstruieren, weil es in die Wolken hineingebaut werden müßte. Noch sind die Arbeiten der„ Kulturwoche" werden müßte. Noch sind die Arbeiten der„ Kulturwoche" nicht in die Geschloffenheit einer„ Tagung" zusammengepaßt. Noch tagen sie neben einander, nicht miteinander: die Bildungsausschüsse der Partei, der Gewerkschaften, die Kinderfreunde, die Lehrer, die Studenten, Sänger und Sportler, Jugend und Jungsozialisten. Aber daß sie alle diese Anregung einer gemeinschaftlichen Kulturwoche so lebhaft aufgegriffen und- aller geführt haben, beweist doch, daß das Gefühl der 3ufam deutschen Boltes, insonderheit zur Hebung der sozialen Not und für Herr Dr. Wendorff allein schon im preußischen, Rabinett Gelegenheit mengehörigkeit nunmehr lebendig geworden ist und nach einem organisatorischen Ausdruck sucht. Der Weg mag noch lang sein, an dessen Ende die dritte Säule der Internationale steht. Aber wir sehen ihn. Wir wandern schon auf ihm. Und wir warten und arbeiten, arbeiten und warten, bis die gesamte Kulturbewegung aus innerer Begründetheit dem nationalen und internationalen Zusammenschluß zustrebt. Die erste sozialistische Kulturwoche ist ein verheißungsvolles Zeichen. Deutschnationale als Regierungspartei. Wulle entlarvt fie als Erfüllungspolitiker. Als die Deutschnationalen gar nicht mehr wußten, wie sie ihren Um fall von nationaler Opposition zu regierungstreuer Erfüllungspolitik" verschleiern sollten, erfanden sie die schöne Theorie, nach der nicht fie, sondern die anderen, die Regierungsparteien, ja fogar die Sozialdemokraten um= gefallen seien. Ihre jeden Tag wechselnden Formulierungen über die sogenannten Ehrenpunkte wurden von ihnen abficht lich so gefaßt, daß an sich jeder Mensch bereit sein mußte, für die Durchsetzung dieser Bedingungen einzutreten, waren es doch zum größten Teil Selbstverständlichkeiten oder Bedingungen, die durch das Dawes Gutachten selber vorgeschrieben find. Jedenfalls: das Entscheidende war, daß die Deutschnationalen das Sachverständigengutachten als solches jetzt anzunehmen bereit sind und daß das Jonglieren mit Bedingungen nur die Bedeutung einer obligaten Rückzugstanonade ad usum Delphini hat, das die Wählermassen beschwindeln soll. Gott sei Dant: die Hüter deutscher Ehre schlafen und schlummern nicht. Wulle wacht. Er reißt rücksichtslos den Deutschnationalen die Maske vom Gesicht. In einem Artikel der ,, Mecklenburger Warte" stellt er wie wir glauben, nicht mit Unrecht fest, daß die Deutschnationalen ihr Anwachsen bei den Wahlen lediglich ihrer skrupellosen Agitation gegen das Sach verständigen gutachten verdanken. Jezt aber ist die Schwenkung der Deutschnationalen nicht mehr zu verbergen! " Die Blütenträume sind grausam zerstört. Die Leitung der deutschnationalen Fraktion ist von dem flaren Standpunkt während des Wahlkampfes abgewichen, fie erklärt das Gutachten für eine Verhandlungsbasis, wenn gewiffe Ehrenpunkte er füllt werden. Damit geht sie am Kern der Frage vorüber. Nicht die Beseitigung dieser oder jener unerträglichen Zustände ist das Wesent liche, sondern die Tatsache, daß dieses Gutachten der teuflischste Plan ift, der jemals erfonnen ist, um ein Bolt bis zum letzten Blutstropfen auszufaugen. Das hat kein anderer wie helfferich mit der ihm eigenen Klarheit erkannt, als er das Gutachten das zweite Versailles" nannte, und alle Wohlgerüche Arabiens schaffen die Tatsache nicht aus der Welt, daß die Deutschnationalen mit der Annahme des Gutachtens als Verhandlungsbasis fich offen zur Erfüllungs politik bekannt haben. Die Rede des deutschnationalen Abgeorddie Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, zu verwenden feien. Graf Westarp erklärte, grundfäßlich stimmten die Deutschnationalen uns zwar zu, man müsse aber doch erst London ab= warten. Das ist flipp und klar das Bekenntnis zur Er: füllungspolitit, denn die Konferenz in London mag ausfallen, wie sie will, fie bedeutet die Berewigung der Erfüllungspolitik und die Anerkennung der deutschen Verpflichtung zu ungeheuerlichen Zahlungen." Wulle weist nach, daß die Deutschnationalen dem Not etat geschlossen zugestimmt haben, der in dem allgemeinen Wirrwarr der Abstimmung bekanntlich von der sozialdemokra tischen Fraktion abgelehnt wurde. Damit ,, haben die Deutschnationalen buchstäblich die Regierung Marg Strefemann gerettet, die gleiche Regierung, bei deren Bildung die Deutschnationalen ihren Uebergang zur nationalen Opposition erklärten". Boller Entsetzen stellt Wulle fest, daß die Deutschnationalen durch ihr Verhalten sich damit auf den Boden der Erklärung der Regierung Marg gestellt haben, die den Versailler Friedensvertrag als Rechts grundlage und Verständigungsbasis anerkennt. hat doch Mary in seiner amtlichen Erklärung vom 12. Juli gesagt: A 1 „ Wir wollen wieder vertragsmäßige Zustände; wir wollen wieder, daß der Versailler Bertrag und das Rhein. Tanbabkommen voll in Kraft gefeßt werden und die Rechtsgrundlage bilden, auf der wir uns mit unseren ehemaligen Gegnern in ehrlicher Berständigung zu beiderfeitigem Nußen auseinandersetzen können." Das Urteil ist fertig: „ Das deutsche Volf ist um eine Hoffnung ärmer. Die Deutschnationale Volkspartei ist nicht mehr die Partei der natio nalen Opposition, fie gehört von jetzt ab zur Erfüllungsmehrheit." die" Abgabe einer platonischen Erflärung, sondern „ Schließlich genügt für einen Minister in solchem Fall nicht wendig und richtig Erkannte mit allem Nachdruck eintritt es tann mit Fug von ihm erwartet werden, daß er für das für notund gegebenenfalls fämpft. Zur Ausübung solcher Tapferkeit hätte Der Zollvorlage im Staatsministerium das Feld überlassen hat, mit daß er den Feinden dem ersten Ergebnis einer weiteren Verschleppung, darauf ist hier schon hingewiesen worden. Die Landwirtschaft verlangt in solcher Situation, wie sie ihr jetzt auf den Hals geladen ist, nicht nur platonische grundsätzliche" Zustimmung zu ihrer Forderung, sondern deren praktische und nachdrückliche Betäti gung." Nun weiß Herr Dr., Wendorff Bescheid. Damit er sich über seine Pflichten ja nicht irrt, liest ihm die„ Kreuz= zeitung" noch ein Kolleg über agrarische ministerielle Dienstauffassung: Herr Wendorff hätte aber angesichts der auch ihm bekannten Sabotageabsichten der Sozialdemokratie gegenüber der Zollvorlage feinen Urlaub ruhig um einige Tage verschieben tönnen. Daß er es nicht getan hat, zeugt zum mindesten von einer eigentümlichen vor der Revolution unbekannten mini.. steriellen Dienstauffassung." ſo war's vor der Revolution und so wollen es die Agrarier wieder Die Agrarier pfeifen, und die Minister gehorchen haben. Herr Dr. Wendorff ist zwar Schutzöllner, aber er ist Demokrat, ist republikanischer Minister, und er wird Charakter genug haben, um die agrarische Unverschämtheit anders zu beantworten als ein Minister des alten Regimes. Knüppel- Kunze ohne Badehose. Die luftige Geschichte einer Lebensrettung. Das„ Berliner Tageblatt" veröffentlicht die Zuschrift des Lebaer Badearztes Dr. Posner, der vor einigen Tagen den guten Knüp pel- Runze aus dem Wasser gezogen und ihm dadurch das Leben gerettet hat. Er bittet, sein Verdienst nicht zu übertreiben und schildert dann in außerordentlich launiger Weise die einzigartige. und föstliche Situation, wie der teutsche Arier Richard Kunze von " Ich hatte es noch nicht ganz ausgesprochen, da hing er schon Bulle bestätigt damit nur das, was die Deffentlichkeit einem Juden aus dem Waffer gezogen wurde. Er schreibt: Richtig ist nur, daß ich ins Wasser ging, um ihn zu retten; längst weiß, was noch viel mehr in die Massen des Volkes da unser Bademeister auf dem Posten war, wäre die Rettung auch hinausgetragen werden muß: die Deutschnationalen haben in ohne mich gelungen. Die ganze Sache ist nicht der Rede wert, da der übelsten und verlogensten Demagogie unter Ausnutzung ich, mit jedem Sturm vertraut, mich nicht in die geringste Gefahr der Unterstützung, die sie von Poincaré erhielten, begeben habe. Kunze badete an einem Tage, an dem ein fehr die Verzweiflung der Massen ausgenutzt. Sie haben beschwerer Nordweststurm herrschte; die Strömung war rafend. Aber wußt und wider befferes Wissen einen Bruch mit Kunze tanzte so arglos mitten ins Wasser hinein, daß ich sofort zu der Erfüllungspolitik und die Ablehnung des Dames- Gut- meiner Frau sagte: Der wird abgetrieben. achtens versprochen. Sie benußen die erste Gelegenheit, die sich ihnen bietet, um auf diese Versprechungen zu pfeifen, nur weil sie hoffen, ihre wirklichen Ziele erreichen zu tönnen: auf den Krüden des Bürgerblods die alte foziale und politische Bormachtstellung der wilhelminischen Periode für Junter, Generale und Schwerindustrielle wieder her zustellen. Ihnen ist das nationale Geschrei ebenso wie ihre scheinsozialen Agitationsredensarten nur Mittel zum 3wed. Die Nation ist ihnen nichts, der Geld: ad alles. Sie vergessen bei dieser ebenso plumpen wie dummen Spefulation nur das eine, daß die Folgen dieser Manöver sich gegen sie selber richten müssen. Die Volksbüchereien in Dänemark durch ihn hat die dänische Boltsbüchereiarbeit ein einheitliches GeAls das klassische Land der Volkshochschule hat Dänemart seinen unbestrittenen Ruhm. Daß es in jüngster Zeit aber auch auf dem Gebiete des Volksbüchereiwesens Mustergültiges geleistet hat, ist eine Tatsache, der noch längst nicht genügend Beachtung gefchenti worden ist. Diese fulturpädagogische Leistung eines kleinen Staates verdient um so mehr Anerkennung, als fie in einer verhältnismäßig furzen Zeitspanne, in rund dreißig Jahren, zustande gebracht worden ist und auf keineswegs günstigen Voraussetzungen fußen fonnte. Denn gerade dem Ansehen der Volkshochschulen, wo das gesprochene " lebendige Wort" als Lehre herrschte, war es zuzuschreiben, daß der ,, tote Buchstabe" der Bücher gering geachtet wurde. Der restlosen Arbeit eines Mannes und ihrer verständnisvollen Förderung durch den Staat haben es die Dänen hauptsächlich zu verdanken, daß aus den sechs Kopenhagener Volksbüchereien am Ende des vorigen Jahrhunderts heute ein wohlgefügtes, über das ganze Land verbreitetes System dieses Hauptzweiges aller Volksbildungsarbeit sich entwickelt hat. Was Grundtvig für die dänische Volkshochschule war, ist Prof. Steenberg für das dänische Büchereiwesen. Seiner rastiesen Agitations- und Organisationstätigkeit verdankt es feine heutige Blüte. Steenberg ging aus von dem Verhältnis des Kindes zum Buch und suchte in ihm zunächst die Bedeutung des Lesens zu verankern. Die Lehrer, und insbesondere den jungen Lehrernach wuchs, fuchte er in seinem Sinne zu beeinflussen und die Frage von Schülerbüchereien auch an Volksschulen in Fluß zu bringen. Schließlich gelang es ihm, hierfür einen regelmäßigen Staatszuschuß zu erhalten und 1917 die Gründung eines Vereins für Schülerbüchereien zu veranlassen. Durch diese zunächst schulmäßigen Bemühungen machte er auch die Deffentlichkeit darauf aufmerksam, weich ausgezeichnete Werkzeuge die öffentlichen Büchereien und ihre Fachbibliothekare für des Volkes geistige und materielle Entwicklung seien. So begann er darauf seine voltsbibliothekarische So begann er darauf seine voltsbibliothefarische Agitation, in der er von dem englisch- amerikanischen Vorbild ausging, vor allem in den Provinzstädten. Im Anschluß an feinen Bortrag wurde gewöhnlich ein Ausschuß gebildet, der die Einrichtung einer Bücherei am Orte vorbereitete; es wurden Gelder und Bücher gesammelt, ein Büchereiverein gegründet und eine Ausleihe eröffnet, zu deren Unterhalt die Stadt bald einen wesentlichen Zuschuß zu bewilligen pflegte. Hinzu kamen seit dem Jahre 1897 die staatlichen Zuschüsse, mit denen seit dieser Zeit außer den Kreisbüchereien auch die kommunalen Büchereien unterstützt werden sollten. Aus dem Ausschuß, der über diese Gelder verfügte, entwickelte sich der Staatliche Büchereiausschuß, der seit 1910 in Kopenhagen ein eigenes Bureau unter der Leitung Steenbergs innehat und feit 1920 nach Annahme des Büchereigesetzes als„ Büchereirat" zusammen mit der„ Büchereiaufsicht" das dänische Büchereiwesen leitet. Er ist für die weitere Ausbreitung der dänischen Bolfsbüchereibewegung von weittragender Bedeutung gewesen. Er gab die Regeln für die Einrichtung und den Betrieb von Büchereien heraus, ferner eine Reihe von Handbüchern über bibliothefarische Einzelfragen, richtete Ausbildungslehrgänge für Büchereileiter ein und setzte schließlich die Gründung einer Büchereischule in Kopenhagen durch. präge und dadurch eine größere Stoßfraft als z. B. bei uns erhalten. Als wichtige Glieder in dieser kraftvollen Entwicklung der dänischen Volksbüchereiarbeit sind von Bedeutung die Gründung der Staatsbücherei zu Aarhus, die sich besonders auch der volts. bibliothefarischen Arbeit annahm, ferner im Jahre 1905 der zu fammenschluß aller staatlich unterstützten Bolfs- und Jugendbüchereien zum Verein Dänemarks Boltsbüchereien", der vor allem den Büchereien Rabatt bei den Verlegern verschaffte und sich im Jahre 1920 mit dem zur Vertretung der Fachbibliothekare gegründeten Dänischen Büchereiverein zu„ Dänemarts Büchereiverein" verschmolz. Ein wesentlicher Anstoß ging ferner aus von der auf der Landesausstellung zu Aarhus im Jahre 1909 errichteten Musterbücherei und der daselbst tagenden Bibliothekarversammlung. Nach ähnlichen Gesichtspunkten ging etwas später der Stadtbibliothekar Aarbo in der Hauptstadt vor, deren Einrichtung dann wiederum bald für das ganze Reich vorbildlich wurde. Besonders geschah dies durch die Einrichtung von Zentralbüchereien in größeren Provinstädten, die fachlich ausgebildete Bibliothekare erhielten und den einzelnen Kreisen mit ihrem Bücherbestand und durch Beratung dienten. Ihre staatliche Befestigung fand diese Entwicklung des dänischen Bolts büchereiwesens im Jahre 1920 durch die Annahme des Bücherei die allgemeine Volksbildung und die wissenschaftliche Arbeit fördern, gefeges. Das Gefeß befaßt sich mit fämtlichen Büchereien, die einerlei ob sie fommunale, private oder Vereinsbüchereien sind. Der Staat tann ihnen einen Zuschuß für die Einrichtung gewähren und eine jährliche Beihilfe bis zur Hälfte der Ortszuschuffes. Schon jetzt ist die außerordentliche Wirkung des Gesezes erkennbar in dem bedeutenden Anwachsen der Staatszuschüffe( von 190 000 kronen im Jahre 1919 auf 465 000 kronen im Jahre 1921/22) und der örtlichen Zuschüsse( von 300 000 kronen auf 605 000 kronen in der gleichen Beit) und der Ausleiheziffer auf über drei Millionen, alles ohne Eindes Landesetats ist und deren Ausleihe diesem Verhältnis ziemlich beziehung der Kopenhagener Büchereien, deren Etat gleich der Hälfte genau entspricht. Schamgefühle. Bon Klompen mader. Magdeburg ist bekanntlich in einen Farbentopf gefallen. Das fieht ganz luftig aus. Budem: Man hatte es auch nötig. Natür lich find noch Mänget dabei. Es ist zu fühlen, es geschieht meist aus Ueberzeugung, aber Bedürfnis sind die Farben, die Kinder des Lichtes noch nicht überall. hing dabei, So philofophierte ich, im wartenden Zug, mein Oberförper den Rahmen gut füllend, aus dem Fenster 2 × 2. Klasse. Ich fühlte schon die Abfahrt nach Berlin. Da lief mir plöglich ein mindigeiliges Männchen mit einem blauen Atten deckel unterm Arm ins Blickfeld. Zum Teufel, das war ja der leib hafte Aftuarius, die personifizierte Bureaukratie, das Bünktchen am Baragraphenschwanz! Hinter ihm drängten fich zwei Grüne, jeder hatte einen Zivilisten an der Handfessel. Dann fam, eilig im Ge sid an dem Drahtseil, das die Badeanstalt umschließt. An diesem halle er sich ohne weiteres entlangziehen und retten tönnen, wenn er nichtg völlig den Kopf verloren hätte. Er biteb am Geil hängen, rief mr Holt mich doch," und verlor die Badehose. Das ist der ganze Eachverhalt. Ich habe ihn dann noch in ein Badetuch gewickelt, damit er fich vor den Menschen nicht unverhüllt zu zeigen brauchte. Kurze hätte teinen Retter gebraucht, wenn er den Unterschied zwischen der stürmischen See und einer politischen Versammlung erfaßt hätte: in der See muß man den Mund zu machen und etwas fun, Dinge, die nie getan werden dürfen, wenn der Staat Bestand haben in seinen Versammlungen eißt man ihn auf und redek foll. Schließlich ist noch zu berichten, daß Kunze es nicht der Mühe für wert gehalten hat, fich zu bedanken, ferner, daß er sich wirklich fpäter, als er wieder der große Kunze war, erkundigt hat, ob ich wühl vorwärtsdrängend, ein Kriminaler ich nehme an, es war einer, denn er zerrte einen großen, stattlichen Menschen in Zuchthausdrillich hinter sich her. Dieser schaute geradeaus, in den Horizont, über die Köpfe der neugierig und gruselnd starrenden Menfchen hinweg. Er mochte sich in den Blicken der Umstehenden vielleicht nicht spiegeln wollen da schwenkte der blaue Aftendeckel, er war auf dem falschen Bahnsteig. Die Prozession mußte den Spießrutenweg zurück. In diesem Augenblick lachte der Zucht häusler auf; leises Rot stieg ihm vom Gesicht bis tief in den freien als und stierftarten Raden. Er wollte die Situation wohl komisch finden, weil sie ihm gar nicht gleichgültig war. Mir erschien das Schamrot des Zuchthäuslers wie ein plötz lich aufspringendes Problem: Warum genierten sich nicht die müßigen Gaffer, warum schämte sich der Drillichmann über die Neus gierigen, warum schämte ich mich? Ich fürchte, Tauts sämtliche Farbentöpfe reichen nicht aus, um schmutzige Menschen innerlich sauber zu machen. Echt war auf dem Magdeburger Bahnhof jedenfalls nur eine Farbe: Das Scham rot des Zuchthäuslers. Hundert Jahre nervös". Jm 18. Jahrhundert hatte der Ausdrud" nervös", wie auch das lateinische„ nervosus" und das französische nerveux", durchaus noch die Bedeutung fehnig... fraft, poll". Ein nervöser" Mann war damals also ein nervenstorfer mittlung zum Begriff„ nervenschwach" geschieht durch die mediMann; 3. B. Waffenschmiede nervöse, rußige Rerle"! Die Ver. zinische Wortbildung. In einem Auffah Goethes über das menschliche Auge aus dem Jahre 1824 findet sich der Gaz:„ Das Blendungsbild pflegt bei nervöser Stimmung in afthenischem(= matten) Zustande länger wachzuhalten!" In der Folgezeit steigerte sich das Interesse für die Bezeichnung frankhafte Nervenzustände durch das Wort„ nervös" dauernd. Besonders die unbefriedigten, negierenden, -mit einem Wort selbst nervösen" zwiespältigen Schriftsteller des Jungen Deutschlands brachten den Ausdrud„ nervös" bzw. in Aufnahme. In wenigen Jahrzehnten drang er dann in Novellen, Nervofität" für ohnmächtige Erschlaffung und frankhaffe Unruhe Dramen, Romane, ja selbst in die Lyrik ein und machte sich auf diefen Gebieten unentbehrlich. In der allerlegten Zeit verbindet man nicht immer mehr einen nachteiligen Sinn damit. Wenn man", schreibt Ladendorf, das Automobil als ein„ nervöses" Fahrzeug bezeichnet, so will man domit doch nicht seine Untauglichkeit, sondern seine Feinheit, feine Fähigkeit zum schnellen Eingehen auf den Willen des Lenkers hervorheben; und" nervöse" Feinheit japanischer Zeichnung und japaninischen Kolorits foll doch offerbar ein Lob für die gesunde Sinnlichkeit der Japaner bedeuten, welche für die zartesten Reize von Farbe noch empänglich sind." So erscheint es nicht ausgeschloffen, daß unsere Sprache durch des Ausdrucks nervös" zurückkehrt! einen abermaligen Bedeutungswandel zu dem ursprünglichen Sinn bardtsbrunn bei Friedrichroda statt. Die Leitung hat Dr. chem. Frik Eine biologische Woche findet vom 15. bis 22. Auguft auf Schloß Rein Rauffungen, St. Gallen. Thema: Der Entwidlungsgedanke im Bandel der Beiten Anfragen bis zum 5. Auguft an die Bollshochschule Thüringen, Jena, Carl- Beiß- Blat 3. Jude fei. Ich fann ihn wenigstens infoweit entlasten, als ich mit ihm der Ansicht bin, daß die Sache nicht des Dantes wert war. Ja, ich gebe ihm fogar die Versicherung, daß ich auch weiterhin jedem in Not Befindlichen beispringen merde, daß ich aber niemals dulden würde, daß sich ein Knüppel- Kunze bei mir bedankt." Wir sind wirklich neugierig, ob Knüppel- Kunze sich zu dieser Pöstlichen Affäre noch äußern wird. Im allgemeinen entwidelt sein Mundwerk doch eine eigentlich nur als jüdisch" zu bezeichnende Frechheit. Wenn er den ersten Schreck über die verlorene Badehose überwunden hat, wird die Mitwelt wohl wieder von ihm hören. Wir werden aber auch das überstehen, denn schließlich irgendwann tötet die Lächerlichkeit doch einmal. d Ein verständiges Urteil. Elternrenten werden nach dem Reichsversorgungsgefeß grundsätzlich nicht gewährt, solange Personen da sind, welche auf Grund gefeßlicher Unterhaltspflicht imftande find, aus reichend für den Unterhalt der Kriegereltern zu sorgen. So hatte das Hauptversorgungsamt Altona den Anspruch der Witwe G. in Badendiek( Mecklenburg), welche der Kriegsfurie drei Söhne hatte opfern müssen, abgelehnt, weil noch zwei Söhne lebten, welche, da sie zu den Beamten, wenn auch nur der untersten Gruppen, zählten, imftande sein sollten, ausreichend für den Unterhalt der Mutter zu sorgen. Schlecht belohnte Gastfreundschaft. Beufezug eines Schwindler- Ehepaares. Bei ihrer Rückkehr von der Hochzeitsreise wurden ein 34 Jahre alter Schlosser Lente und seine Frau Frieda in Berlin verhaftet. Lenke entwich vor einiger Zeit aus dem Gefängnis in Holtenau und wurde seitdem zur Verbüßung seiner Reftstrafe eifrig gesucht. Unterdessen tam er nach Berlin. Von hier aus fandte er seine Anstaltskleidung an das Gefängnis zurüd, mit einem schönen Gruß an den Bosten, der hinter ihm her geschossen hatte. Die Kleidung, so schrieb er in seinem Begleitbrief, fönne er jetzt nicht mehr gebrauchen. Kürzlich heiratete Lente seine Geliebte, die früher in großen Hotels Zimmermädchen gewesen war. Das Paar machte eine Hochzeitsreise nach dem Harz und fam dort auch nach Altenau. Hier traf Frau Lente eine frühere Kollegin, die in Altenau verheiratet ist und mit ihrem Manne ein kleines Häuschen besitzt. Diese nahm das Paar bereitwillig auf und bot ihm auch ein Nachtquartier an. Sie hatte feine Ahnung, was für ein Mann Lente war. Als alles im tiefsten Schlafe lag, stand das feine Paar geräuschlos auf, pacte Betten und Wäsche und was es sonst an Wert sachen in seiner Stubs fand, zusammen, riegelte das Fenster auf, stiegen hinaus und fuhren im Nachtzug mit der Beute nach Berlin. Alls das bestohlene Ehepaar am andern Morgen den Diebstahl entdeckte, setzte sich die Frau mit ihrem Bruder in den nächsten Zug und fuhr ebenfalls nach Berlin, weil sie wußte, wo ihre frühere Kollegin zu verfehren pflegte. Kriminalfommissar Busch gab ihr einige Beamte mit, und bald entdeckte man das diebische Baar in Schöneberg bei Verwandten und nahm es fest. Hier hatte es unter. schlupf gefunden und auch die Beute vorläufig untergestellt. Völkische Wut. Hakenkreuzler gegen Schupo. Das Bersorgungsgericht Schwerin erkannte dann im Klagewege den Anspruch auf die Elternrente an, indem es die beiden überlebenden Söhne nicht für unterhaltspflichtig im Sinne des Gesetzes anfah. Gegen dies Urteil legte das Hauptversorgungsamt Altona Refurs beim Reichsversorgungsgericht ein und„ de: abend von 8 bis 11% Uhr ein Militärfonzert statt, zu dem sich etwa In der Brauerei Friedrichshagen, Geestraße 32, fand gestern duzierte", daß man das Bestreben gewiffer Bevölkerungsschichten, 3000 Zuhörer eingefunden hatten. Nach Beendigung des Konzerts abend von 8 bis 11% Uhr ein Militärfonzert statt, zu dem sich etwa die keineswegs zu den wirtschaftlich am schlechtesten gestellten gerempelten Hakenkreuzler Angehörige des Reichsbanners Schwarzhören, ihre Unterhaltspflichten auf die Allgemeinheit, also auf andere, abzuwälzen, durch derartige Entscheidungen nicht unterſtüßen solle. Jedenfalls sei das nicht der Wille des Gesetzes". Das Reichsversorgungsgericht hat nun den Rekurs des Hauptversorgungsamts Altona als unbegründet zurüd gewiesen. Es führt dazu u. a. aus: Bei den derzeitigen Teuerungsverhältnissen und der Besoldung der untersten Beamten gruppen, denen die beiden Söhne Ludwig, der zudem verheiratet ist, und Friedrich angehören, fönnen fie auch gemeinschaftlich nicht als imftande erachtet werden, der bereits 66 Jahre alten und somit auch pflegebedürftigen Klägerin regelmäßig den ausreichenden Unterhalt, auch bei Berücksichtigung ihrer Einfünfte aus der Meinen Häuslerstelle, zu gewähren. Dem Returs des Fistus war daher der Erfolg zu versagen." Das Urteil des Reichsversorgungsgerichts wirft um so befriedigender, als der Krieg die alte Frau durch den Verlust dreier Göhne so außerordentlich hart getroffen hat. In solchem Falle herauszuspintisieren, ob nicht das Gesez eine Handhabe biete, den Anspruch abzulehnen, ist sicher nicht der Wille des Gesetzgebers. Rot- Gold" an. Da es schließlich zu Tätlichkeiten tam, mußte das Lokal polizeilich geräumt werden, wobei 10 Beamte der Bereitschaft Köpenid die Friedrichshagener Polizei unterstützten. Zu einem Waffengebrauch ist es nicht gekommen. Zwei Personen sind wegen widerstandes gegen die Staatsgewalt festgestellt worden. Bon der Kameradschaft Köpenid des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" wird uns dazu folgendes mitgeteilt: Als am Donnerstag wieder ein öffentliches Militärton zert im Brauereiausschant Friedrichshagen stattfinden sollte, waren die anwesenden Hafenkreuzler sehr erstaunt, als fie hörten, daß der Parabemarsch der 15 Reichswehrleute ausfalle. Aus Aerger darüber und in der Annahme, daß die Reichsbanner- Leute mit der Veröffentlichung in der Sonnabendmorgenausgabe des Borwärts" diefes ,, Spiel" verhindert haben, griffen die hatentreuzler Mitglieder des Reichsbanners tätlich an. Ein Schupobeamter, der das verhindern wollte, er hielt vom„ Ober" hafenkreuzler Loofe aus Köpenick mit einem dicken Stod einen Schlag ins Kreuz. Der zusammenbrechende Beamte wurde von Reichsbanner- Leuten aufgefangen und der mutige ,, Teutsche" verhaftet. Dann räumte die Schupo das Lokal. Schupo- Verschwendung. Die Hochwaffergefahr in Oberbayern beseitigt. Auf Grund der neuesten Meldungen fann die Gefahr einer Hochwasserfatastrophe für Oberbayern als beseitigt gelten. Seit heute Nacht ist der Wasserstand der Alpenflüsse wieder im Sinfen begriffen. Die Jfar, die am gestrigen Donnerstagabend ihren höchsten Wasserstand mit 450 Zentimetern erreicht hatte, hatte heute vormittag 10 Uhr nur noch einen Wasserstand von 350 Zentimetern. Dank der im Jahre 1910 errichteten großzügigen Dammanlagen ist München von Ueberschwemmungen fast ganz verschont geblieben. Nur an einigen Stellen wurden tiefgelegene Fabrikanlagen und Keller sowie die Schuppen des Pionierübungsplatzes unter Wasser gesetzt. Die Jfarbrüden werden von Laufenden von Neugierigen belagert, die das grandiose Naturschauspiel der anstürmenden Wassermassen beobachten. Der Andrang war zeitweise fo start, daß einige fleine Brüden für den Verkehr gesperrt wer den mußten. Infolge des Hochwassers werden aus verschiedenen Teiten des Alpenvorlandes Unterbrechungen des Eisen= bahnverters gemeldet, so auf der Strecke Traunstein- Rupolding und Garmisch- Mittenwald. An den ungeheueren Massen von mitgeriffenem Treibholz ist zu erkennen, daß die Forswerwaltungen, besonders im österreichischen Gebiet des Inn, große Schäden erlitten haben müssen. In Bayern dürfte der erhebüchste Schaden im A11gäu im Gebiet der Iller angerichtet sein, wo u. a. auch die Verbindungsbrüde zwischen Bayern und Württemberg weggerissen ist und zahlreiche Telephon- und Telegraphenleitungen zerstört worden sind. Der Bierte Internationale Esperanto- Kongreß findet vom 14. bis 18. Auguft in Brüssel statt. Parteinachrichten Berlin W. 68, Lindenstraße 3, Einsendungen für diese Rubrik find 福 für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 137. Abt. Meinidendorf. Weft. Seute abend 7% Uhr: Kreisvertreterverſamm. lung im Bollshaus, Scharnweberstr. 114. Die Delegierten erhalten ihre Ausweise im Boltshaus vom Abteilungsleiter ausgehändigt. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 77. Abt. Schöneberg. Genoffe Karl Hating, Maurer, Augsburgerstr. 52, ist verstorben. Einäfcherung Sonnabend, 2. Auguft, mittags 1 Uhr, im Krematorium Bilmersdorf, Berliner Straße. Bewerkschaftsbewegung Die Ratifizierung marschiert. Wie wir in unserem heutigen Morgenblatt bereits mitteilten, hat die englische Regierung, nachdem sie einen Gesetzentwurf ausgearbeitet hat, der entsprechend dem Abkommen von Washington den Achtstundentag in England zum Gesetz erhebt, dem Barlament eine Borlage unterbreitet, die die Ratifzierung des Abtommens ausspricht. Damit hat die englische Regierung ihre in Genf gemachte Ankündigung eingelöst. Nachdem vor einigen Tagen die französische Depu* tiertentammer einen Antrag angenommen hat, der den Eisenbahngesellschaften die strenge Einhaltung des Achtstundentages zur Pflicht macht, fann mit Sicherheit angenommen werden, daß in furzer Frift auch die franzöfifche Regierung die in ihrem Pro gramm angekündigte Ratifizierung des Abkommens von Washington dem Parlament unterbreiten wird. die Abwehrmaßnahmen gegen die neuerdings vom Magiftrat an Geschid eniledigt. Inzwischen aber haben allerhand Berschiebungen Bort. Rach dem Beschluß der christlichen Gewerkschaften, der unter Nunmehr hat die Regierung des Deutschen Reiches das bestimmten Boraussetzungen die Ratifizierung des Abkommens von Washington verlangt und erklärt, dem Antrag des ADGB. nuf herbeiführung des Boltsentscheids beizutreten, fann kein Zweifel Gestern hat auch der Gesamtvorstand der Hirsch Dunder fchen Gewertschaften eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Die Zahl der Schupobeamten für Berlin ist zu gering, das weiß Protest der Straßenhändler. jedermann, wie es ihm ebenfalls nicht unbekannt ist, daß die Entente eine notwendige Bermehrung nicht bulbet. Ministerial Der Reichsverband ambulanter Gewerbe dirigent Dr. Abegg, der vor Jahren die Neuorganisation der Ber Gewerbe dirigent Dr. Abegg, der vor Jahren die Neuorganisation der Bers treibender" hatte die Straßenhändler Berlins zu einer Berliner Polizei in die Hände genommen, nachdem die Blauen ausges sammlung im Lehrervereinshaus zusammengerufen, um mit ihnen schieden waren, hat sich der überaus schwierigen Aufgabe mit großem, geordnete Standgelderhebung und gegen die willkürliche Auslegung in der Besetzung der einzelnen, Wachen stattgefunden, die, nicht nur merkwürdig genug anmuten, sondern auch die Sicherheit der Be und Anwendung der Polizeistraßenverordnung zu besprechen. wohner verschiedener Bororte auf das ärgfte gefährden. Go herrscht Zunächst hielt Wille ein Referat über die volkswirtschaftliche zum Beispiel, um nur dieses eine herauszugreifen, auf der Bolt Bedeutung des Straßenhandels. Der Straßenhandel, der ein ehrfides Gewerbe wie jeder andere ist, hat durch die Schnelligkeit, mit 8eiwache der Gemeinde Grunewald eine verfchwen mehr darüber herrschen, daß in dieser Frage eine gemertfchaft berische Ueberfülle von Schupoleuten. Man sieht fie am Tage auf allen Wegen und Stegen der ruhigen und friedliche Ginheitsfront besteht. lichen Kolonie immer zu zweien patroullieren, und in gewissen Ab ständen fligen noch Radfahrerpatrouillen umher. Des Nachts das felbe Bild. Sollen etwa die reichen Billenbefizer und ihr kostbarer Besiz besonders geschützt werden?! Die Schupowache Grunewald hat auch einen Polizeihund zur Verfügung, während andere Wachen einen Hund nicht haben. In der Rolonie Grunewald ist denn auch noch niemals ein Einbruch passiert. Schön! Wie steht es aber an anderen Stellen? Die Bache im benachbarten Schmargen: dorf, einem viel größeren und abgelegeneren Ort, ist so klein, daß die hier amtierenden überanstrengten und übermüdeten Beamten bei ihren nächtlichen Patrouillengängen immer mur alle drei Stun ben wieder durch dieselben Straßen fommen. Und doch ist gerade Schmargendorf und namentlich der abseits gelegene Ortsteil om Bahnhof Hohenzollerndamm immer wieder von einer Einbrecherbande heimgesucht worden, die bis auf den heutigen Tag nicht hat bestimmt nicht billigen und hoffentlich bald durch eine ge ergriffen werden können. Herr Dr. Abegg wird derartige Dinge rechtere Verteilung Abhilfe schaffen. Zwei Minuten Aufenthalt. Aus Anlaß für die Opfer des Weltkrieges werden am Sonntag, den 3. August, alle Stadt, Ring- und Borortzüge in der Zeit von 12 bis 12,2 Uhr 2 Minuten auf der Strecke und in den Bahnhöfen halten. Es wird dringend davor gewarnt, aus den auf der Strede, insbesondere aus den furz vor den Bahnhöfen haltenden Zügen aus zuſteigen. der ar die Waren an die Käufer heranbringen kann, besonders für die minderbemittelte Bevölkerung große Bedeutung erlangt. Befonders Obst und Gemüse werden ohne Umwege unmittelbar vom Großhändler zum Verkauf gestellt und auf diese Weise nicht nur frisch und gut erhalten, sondern auch durch geringere Geschäftsunfosten wesentlich billiger abgegeben. Das ist aber für große Teile der Berliner Bevölkerung von unschäßtarem Vorteil; nur so fann das für die Ernährung und die Gesundheit so zuträgliche Obst und Gemüse den weitesten Volksschichten zugänglich gemacht werden. Es liegt für das Bublifum unzweifelhaft ein Reiz zum Kauf darin, daß es fofort auf dem Wege durch die Straßen Gelegenheit zum Kaufen hat. Der sogenannte Spezialist", der den Zwed seiner Waren und Artikel durch eine Belehrung dem Bublifum verständlich macht, ift oft der Pionier für die Übernahme dieser Baren neuheiten in den allgemeinen Handel. Der Straßenhandel ist zu einer Notwendigkeit im Wirtschaftsleben geworden, er sollte von den Behörden gefördert, statt befämpft werden. Der Syndikus des Obst- und Gemüsegroßhändlervereins, Dr. Eisner, versprach die Unterstützung feiner Organisation in jeder Hinsicht. Zum Thema des Abends sprach Lehmann von der Ortsvermal. tung Berlin des Berbandes. Er zeigte, wie in der Zeit der Zwangs. wirtschaft dem Ladenbefizer durch bie Magistratsware" die Kunden einfach in den Baden getrieben worden sind. Das hat jetzt ein Ende, und nun hehen und protestieren die Ladenbefizer in der unglaublichsten Weise gegen die ambulanten Händler. Es hat fast den Anschein, als feien Magistrat und Polizei geneigt, diesen Hezereien rochzugeben. Der Straßenhandel hat während der Zwangswirtschaft schwer um feine Existenz ringen müssen; jeßt fommen diefelben Beute, die während dieser Zeit von außerhalb tamen und sich einen Laden nebst Wohnung fauften, und wettern gegen den alteingefeffenen Straßenhändler. Der Redner protestierte gegen die Einführung von Platzscheinen und Standgeldern, denn dadurch wird aus dem fliegenden Händlergewerbe ein ständiges gemacht. Der Straßenhändler wirkt aber durch seine billigen Waren preisregulierend; er hat auch nicht die Absicht, die durch die Standgelder ent stehende Belastung auf das Bublitum abzuwälzen. Durch die Polizei ist es dem ambulanten Händler fchon ihmer genug gemacht. Er fann durchaus nicht dort handeln, wo er will, ja, es ist nicht einmal bedingungslos erlaubt, in freigegebenen Straßen zu handeln. Es ist vor längerer Zeit unter Mitwirkung des Reichsverbandes durch die Polizei eine allgemein gültige Straßenordnung festgelegt worder heutigen Bostauflage bei. den, die den Händlern verständnisvoll entgegen fam. Die Händler Rein Tag ohne Straßenbahnzusammenstoß." Unter diefer protestieren aber dagegen, daß die Ausführung dieser Verordnung den einzelnen Polizeireviervorständen über Spigmarke hatten wir in der heutigen Morgennummer eine Nachricht laffen wird. An vielen Beispielen zeigte Lehmann, wie unlogisch über den Zusammenstoß eines Straßenbahnzuges mit einem Fuhr die Behörden in ihrem Kampf gegen die Straßenhändler vorgehen. wert veröffentlicht. Im Anschluß daran war die Behauptung auf Während man den Erwerbslosen den Rat gibt, Straßenhändler zu gestellt worden, daß die Berliner Kutscher in der ganzen Welt wegen werden, wendet man auf der anderen Seite alle erdenklichen Mittel ihres mangelhaften Fahrens bekannt seien und daß sie zum größten an, den Händlern das Leben schwer zu machen. Täglich werden Teil nichts von einer Fahrordnung wissen sollten. Diese hahneeine Unmenge neuer Umfagsteuertarten an neue Straßenhändlerbüchenen Anwürfe gegen die Berliner Fuhrwertsleiter stammten natürlich nicht von uns. Durch ein technisches ausgestellt, aber auch fast täglich werden die Straßen, in denen gehandelt werden darf, vermindert. Das ist eine Taftit der Behörden, gegen die schärfster Protest erhoben werden muß. Unter dem Beifall der Versammlung schloß der Redner mit der Aufforderung, den Kampf der Straßenhändler gegen die Erdrosselungsmaßnahmen der Behörden mit aller Kraft und Entschlossenheit durchzuführen, Nachdem noch ein Bertreter der ambulanten Textilmarenhändler gegen das Berlaufsverbot auf den westlichen Borortmärften pro testiert hatte, nahm die Versammlung eine Entschließung an, die fich gegen die willkürliche Auslegung der Polizeiverordnung durch die Reviervorsteher wendet. Die Straßenhändler verlangen, daß die in Gemeinschaft mit der Organisation festgelegte Bolizeiverordnung nur nach Beratung mit dem Reichsverband ambulanter Straßenbändler geändert merden fann Schwarzrotgoldene Fahnen. Unser Hinweis auf die Schwierigkeit, sich schwarzrotgoldene Fahnen zu beschaffen, hat die Bekleidungsmerfftätte der Berliner Gewerfichaften, Sebastianstraße 37, veranlaßt, die Herstellung schwarzrotgoldener Fahmen in die Hand zu nehmen. Die Berliner Bevölkerung, und insbesondere die Arbeiterschaft, wird also die Möglichkeit haben, zum 11. Auguft die republikanischen Farben zu biffen. Nähere Mitteilungen über den Bezug diefer Fahnen werden noch folgen. Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt Bersehen ist die folgende von uns dazu geschriebene Bemerkung aus gelassen worden, die wir hiermit nachholen:„ Die Nachricht in dieser Form stammt aus einer allen Berliner Zeitungen gleichmäßig zu gesandten Berliner Lofalkorrespondenz, die es plöglich für nötig hält, die Schuld an der unglücklichen Berliner Berkehrsmiſere auf die Berliner Fuhrwertsleiter abschieben zu können. Wer es beob. achtet hat, mit welcher überlegenen Kaltblütigkeit, Ruhe und Zuver. läffigkeit die Berliner Fuhrwertsleiter ihre Fuhrwerte durch die Verkehrsstrudel steuern, der wird diesen Vorwurf als unberechtigt und tränkend ablehnen müssen." Außerdem wird uns aber mitgeteilt, daß das fragliche Fuhrwert ein Bastauto war, dessen Leiter noch immer nicht Kutscher sondern Chauffeur heißt. Aus den Erflärungen dieses Chauffeurs entnehmen wir, daß er durchaus frei non Schuld an dem Zusammenstoß ift. die Der „ Der Bersuch der deutschen Wirtschaft, Deutschland baldmöglichst wieder vom wirtschaftlichen und politischen Druck und den Fessein der Reparationen zu befreien, fann nur glüden und ein gemeinfchaftlicher Lösungswille ist nur zu erreichen, wenn im Innern foziale Rämpfe und Erschütterungen nach Möglichkeit vermieden werden. Die Sicherung eines den wirtschaftlichen Bedürfnissen der foziale Rämpfe und Erschütterunge nach Möglichkeit vermieden Gegenwart anzupassenden Achtstundentages und Ratifizierung des Washingtoner Abkommens find deshalb dringende Notwendigkeiten inneren und äußeren Politik. Die Ratifizierung hat zu erfolgen, fobalb. feststeht, daß England, Frankreich und Belgien ebenfalls dann einer Lösung entgegengeführt werden, wenn durch ein verratifizieren. Das Reparationsproblem kann, wenn überhaupt, nur ständiges Reparationsabfommen zwischen Unternehmern und Arbeit. nehmern die Leistungsvoraussetzungen geschaffen werden. Der Gewerfschaftsring wünscht einen Volfsentscheid möglichst zu vermeiden, da der vorhergehende Kampf den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft schwächen und Unruhe in die Betriebe tragen würde. Dieser Standpunkt fann aber nur aufrechterhalten werden, wenn ein tragfähiges Reparationsabkommen im vorstehenden Sinne zustande tommt. Unbeschadet dieses Berhandlungswillens wird der Borstand. des Gewerkschaftsringes beauftragt, entsprechend der grundsätzlichen Bereitschaft, nötigenfalls, um den Bolksentscheid anzuwenden, alle technischen und finanziellen Borbereitungen für seine Durchführung zu treffen." Nach diesem Beschluß bilden also die Organisationen der Arbeiter, Angestellten und Beamten in der Frage des Achtstundentages eine Einheitsfront, und es tann schon jetzt gesagt werden, daß der Bolfsentscheid eine überwältigende Mehrheit für die Ratifizierung ergeben wird. Denn in dieser Frage sind die Frauen mindestens ebenso start wie die Männer an der Einhaltung des Achtstundentages intereffiert. Man sollte nur meinen, daß unter diesen außen- und innenpolitischen Umständen die Reichsregierung flug genug sein würde, unverzüglich die entsprechenden Vorlagen auszuarbeiten und dem Reichstag zu unterbreiten. Aber die Reichsregierung weiß sich zu sehr abhängig von den reaktionären Parteien, insbesondere von der Deutschen Bollspartei, als daß sie einen derartigen Schritt wagen dürfte. Es wird also nichts anderes übrig bleiben, als den Boltsentscheid durchzuführen. Wohl werden es sich die Unternehmer ein Stück Geld foften faffen, um Deutschland mit ihren Verdrehungen und falschen Zahlen zu überschwemmen. Es war deshalb ein Gebot der Klugheit, wenn Gonderbeitrag von 50 Pf. zu leisten hat. Denn es handelt sich hier der Bundesausschuß des ADGB. beschloß, daß jedes Mitglied einen um einen großen Rampf. Ein solcher Kampf muß geführt werden mit Gefchloffenheit, mit 3ähigkeit und Energie, mit durchschlagenden Argumenten, aber auch mit einem groß aufgezogenen, schnell arbeitenden Propagandaapparat. Der erfordert nicht allein die freudige, begeisterte Mitarbeit aller, er erfordert auch erhebliche finanzielle Mittel. Durch eine Umlage auf die Mitglieder sind sie zu beschaffen. Und nun: Borwärts für den Achtstunden. tag! Sehr wertvoll, aber verräterisch. Daß die Sozialdemokraten bie Arbeiterintereffen verraten", ist um Gemeinplay der fommunistischen Agitation geworden. Daß die Kommunisten aber dabei gezwungen sind, sich auf diese„ Sozialver räter" als Sachverständige zu berufen und ihre Argumente zu benugen- bas ist eine ziemlich heitle Angelegenheit fogar für die in allen Rünsten der Demagogie beschlagenen Moskauer. Man muß aber doch den Zynismus bewundern, mit dem die bolichemistischen Berleger jetzt die ruffische Ueberlegung der von zwei Sozialbemo froten, P. Herz und R. Seibel, perfaßten Schrift über den Achtstundentag( Arbeitszeit. Arbeitslohn und Produktivität der Arbeit") einleiten. Diese Schrift ist nämlich gegenwärtig in russischer Sprache gleich in zwei Auflagen erschienen, und zwar im Mostauer Staatspertag und zugleich im Verlag des Allruffifchen Gewertschaftsbunbes. Man tonn natürlich die Tatsache, Daß eine folde folibe wissenschaftliche Arbeit, wie die von Herb und Seidel, trop der sozialverräterischen" Gesinnung der Berfasser, ihren Weg nach Sowjetrußland gefunden hat, nur begrüßen. Charatteristisch aber für die in russischen Sowjettreifen herrschende ferDile Gesinnung ist die Art, in der die Berleger und Ueberseber diese Tatsache zu entschuldigen suchen. Die Arbeit von Hert und heißt es in der Vorrede Seidef ist sehr nüßlich und wertvoll" Das gesammelte material ist Jehr wertvoll für feben, der sich für zuständige Bezirkslohnamt am 22. Juft gefällten Schiebsspruch a be die wirtschaftliche Lage Deutschlands und insbesondere für die gelehnt haben, find in einigen Drien Streits ausgebrochen, Arbeiterfrage interessiert", heißt es in der Vorrede zu einer anderen Nunmehr verlangt die Tarifgemeinschaft der Arbeitgeber die Eind Auflage. Scheint also alles in Ordnung zu sein. Aber auch der bol- stellung der Streifs, andernfalls Gegenmaßnahmen ange fchewiſtiſche Sittenzenfor muß befriedigt werden. Deshalb fezt droht werden. Soweit bekannt, soll die Aussperrung sämt gleichzeitig, in denselben Borreden, eine entsprechende Schimpflicher Arbeiter für ganz Rheinland und we sta fanonade gegen die Verfasser ein. Die Sozialdemokraten müssen falen bereits beschlossene Sache sein, nur über die wirksamste eben beschimpft werden, wenn man auch die Früchte ihrer Arbeit Durchführung soll in den nächsten Tagen noch entschieden werden. Die Einstellung der Streifs ist unmöglich. Die Verantwortung für benußt. Das gehört nun einmal zum fommunistischen Ritus. die in dieser für die Wirtschaft so ernsten Zeit entwickelte Bewegung müssen die Arbeitgeberverbände infolge ihrer Ablehnung des Schiedsspruchs selbst übernehmen. Die Arbeitnehmerverbände find nach wir vor zur Verhandlung über die Beilegung der Differenzen des Der Konflikt in der Solinger Metallindustrie. Solingen, 81. Juli.( Eigener Drabtbericht.) Der Arbeitgeber verband für das Solinger Industriegebiet hat in feiner Vollverfammlung am Mittwochabend dem Ginigungsvorschlag Schlichters augestimmt, ber einen Rahmentarif für die Metallindustrie des Solinger Bezirkes bei unveränderter Arbeitszeit und unverändertem Sohn vorsieht. Die Gewerkschaften haben bisher noch feine Stellung genommen. Bauarbeiteraussperrung in Rheinland- Westfalen? Effen, 1. Auguft.( WTB.) Bon den Arbeiterverbänden des zu der einen Auflage, die von einem der Hauptideologen der russi Baugewerbes wird berichtet: Nachdem die baugewerblichen schen offiziellen Gewerkschaftsbewegung, Taroßffi, geschrieben ist. Arbeitgeberverbände der Rheinlande und Westfalens den durch das bereit. Der Bauarbeiterftreit in Köln hat sich verschärft. Die Zim merer, Dachdecker und die christlichen Bauarbeiter haben gleichfalls die Arbeit niedergelegt. Die Bautätigkeit hat fast ganz aufgehört. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: A.$. Döscher; Lokales und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baut Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. HM AUGUST MESSE Besichtigen Sie bitte unsere Schaufenster- Auslagen! Preise haben Galligkeit bis Sonnabend, den 9. August Wilhelm Hermann Wir haben große Vorbereitungen in allen Abteilungen zu dieser gewaltigen Verkaufsveranstaltung getroffen, die am Freitag, dem 1. August Umfang und Vorteile beginnt und deren weit über unseren bisherigen Kundenkreis hinaus größtes Interesse bedingen Wir verweisen auf den bei uns ausliegenden und zur Verteilung gelangenden Führer durch die Verkaufsstände in unserem originell dekorierten MESS- LOKAL Lesser Berlin- Schöneberg Kolonnenstr 10-11 Gewaltige Preisherabsetzung! Solange Vorrati Solange Vorrat! Ecke Sedanstraße, gegenüber dem Ringbahnho Preise haben Gültigkeit bis Sonnabend, den 9. 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