Nr.ZH2�»l.�ahrgattg Ausgabe A Nr. ISS Bezugspreis: Wöchentlich 70 Doldpfennig, monatlich 3,— Soldmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Laar» und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmarl, für das übrige Ausland 5,50 Doldmar! pro Monat. Der„Vorwärts' mit der Sonntags- beilage„Voll und Zeit' mit„Sied. tung und Kleingarten', sowie der Unterhaltungsbeilage„Heimwelt' und Zsrauenbeilage„Frauenstimme' erscheint wochentäglich zweimal, Eouiitags und Montags einmal. fe Telegramm-Adresse: »Sozi-ldemotrat Berlin' Sonntagsausgabe Nevltnev Nolkvlilnkt rl5üoldpfeniil� c HO flilliarfleB J Anzeigenpreise: Di« einspaltig» Nonpareille- »eile 0,70 Doldmark, R;klamiecile 4.— Goldmark.„Kleine Aazeizen' da, settgedruckte Wort 0,20 Wold. mark lzulässtg zwei settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0.10 Doldmar!. Stellengesuche da, erst- Wort 0,10 Doldmark, jede» weitere Wort 0,05 Goldmari. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, ssamilienao, eigen für Abonnenten geile 0L0 Doldmark. Ein« Doldmorl— ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächst e Nummer müssen bis 4M» Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 05, Linden» sirahe 5, abgegeben werden. Geöffnet von l> Uhr früh di, 5 Uhr nachm. ZtntvuXovgan der Bozialdcmokratifcbcn partei Dcutfcblands Neöaktion und Verlag: Sw HS, LinSenstraße Z K«-rndt,r«'-s,«>n- Redaktion: Dönhoff 292—295 tyerniytetqcr. Verlag: Dönhoff 2506-8307 vorwärts-verlag G.m.b.H., EM HS, Linöenstr. Z Postscheckkonto: Berlin 875 36— Bankkonto: Direktion der Diskonto. Gesellschaft, Depositenkane Lindenstrasie 8 Den Toten des Weltkriegs! Zehn Jahre sind es nun. Zehn Jahre nach dem Unglücks- tag, an dem die Erklärung der Mobilmachung di« letzten Hoff- nungen auf die Erhaltung des Friedens zunichte machte. Zehn Jahre nach jenen Schreckenstagen, in denen alle Furien des Menschenhasses und der Bestialität entfesselt wurden, die die Menschheit in einen Zustand der Barbarei, der geistigen und moralischen Verwilderung zurückwarfen. Es war, als ob ein Orkan über die alten Kulturstätten der Erde hinwegbrauste und alles vernichtete, was die Menschheit in Jahrhunderten mühseliger Arbeit aufgerichtet hatte. Furchtbar waren nicht nur die materiellen Berwüswngen des Krieges: die Berge von Leichen, die zerstörten Gebiete, die versenkten Schiffe, nicht minder furchtbar waren die geistigen und moralischen Verwüstungen: die Anbetung der Gewalt, die Herrschaft der Lüge, der Triumph des widerlichsten Egois- mus. Es war, als ob das dunkelste Mittelalter wieder lebendig' geworden wäre und jenen Kulturfirnis vernichtete, mit dem die europäische Menschheit solange geprunkt hatte. Die„große Zeit" brach an! Jenes„Stahlbad" kam, nach dem sich die alldeutschen Kriegshetzer so lange gesehnt hatten. Die Blüte der Nation ging zugrunde an den Fronten, Hunderttausende wurden in mörderischen Schlachten hinge- mäht oder zu endlosen Qualen in den Lazaretten verurteilt, Millionen verkamen im Schmutz und Dreck der Schützen- grüben. Inzwischen hungerten daheim die Frauen und Kinder, schmolz die Lebenskraft des Volkes zusammen unter dem Druck einer Aushungerung, die nicht allein durch die Blockade, sondern in nicht geringem Maße durch den Wucher der Prozent- Patrioten heraufbeschworen war. Während diese sich an den riesenhaften Kriegslieserungen wie an der Aushungerung der arbeitenden Massen mästeten, wurde das Volk jahrelang über den wahren Stand der Dinge getäuscht, wurde es mit Lügen und Versprechungen hingehalten, wurde es immer wieder zu neuen Opfern und übermenschlichen Kraftanstrengungen vorwärts gepeitscht. Jene aber, die im Kriege Gold und Ehre und Belohnungen einheimsten, büßten nichts von ihren Vorteilen und Vorrechten ein, sondern suchten, von wahnsinnigen Eroberungsplänen geleitet, jede Anbahnung eines Berständigungsfriedens zu vereiteln. Dieselben Kreise, die gleichermaßen mitschuldig sind an dem Ausbruch des Krieges wie an der Sabotage aller Friedensmöglichkeiten, schreien heute wieder am lautesten über Vergewaltigung und suchen sich am aufdringlichsten in den Vordergrund zu schieben. Sie spekulieren auf die Vergeh- lichkeit der großen Masse und hoffen durch Kraft- meiertum und durch Aufpeitschung der schlimmsten Leiden- schasten chre ungeheure Schuld am Volke vergessen zu machen. Jahrelang vor dem Krieg hatten sie durch ihren Rüstungs- und Eroberungswahn die ganze Welt gegen Deutsch- land aufgebracht und„die heilige Stunde" ersehnt, um gegen eine Welt von Feinden kämpfen zu können. Heute wagen sie es, sich als die wahren„Führer der Nation", als die„Retter aus Schmach und Not" anzupreisen. Wieder wollen sie die Führung im Staate an sich reißen und jenen schmachvollen Zustand wiederherstellen, wo eine kleine privilegierte Kaste. geführt von einem gekrönten Narren, die Herrschast über ein großes Volk ausüben kann. Es hat wohl kaum in der Ge- schichte einen Fall gegeben, wo eine korrupte, unfähige eigen- nützige Kaste, die die Hauptschuld am Zusammenbruch des Landes trägt, sich derart wieder In den Besitz der Macht zu setzen sucht. Schon im September 1914 schrieb der damalige Staatssekretär der Marine von T i r p i tz: „Alles ist letzten Endes der Spielerei zu verdanken. Viel- leicht rettet und das Volk und seine Kraft. Mit dem bisherigen Klassen- und Kastenwesen ist es vorbei. Sieg oder Niederlage—- wir bekommen die reine Demokrati e." Die Partei des jetzigen Reichstagsabgeordneten Tirpitz setzt aber noch heute die verbrecherische„Spielerei" des alten kaiserlichen Deutschland fort. Sie sucht das alte Kastenwesen wiederherzustellen, indem sie unter dem Banner der Monarchie gegen die Demokratie kämpft. Doch die Toten des Weltkriegs ehrt man nicht mrt dem Banner des alten Deutschland, das sie in Tod und Vekderben geführt. Man kann sie nur ehren und ihnen den Dank der Lebenden abstatten, indem man über ihren Gräbern flattern läßt die Fahnen der Freiheit und der Republik. In seiner bekannten Einleitung zu Borkheims„Mords- Patrioten" schrieb Friedrich Engel sim Dezember 1887 über die Konsequenzen eines Krieges für Preußen-Deutfch- land, der kein anderer sein könne als ein Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit: „Acht bis zeh-i Millionen Soldaten werden sich untereinander abwürgen und dabei ganz Europa so kahl fressen, wie noch nie ein Heuschreckenschwarm. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges zusammengedrängt in drei bis vier Jahre und über den ganzen Kontinent verbreitet; Hungersnot, Seuchen, allgemeine, durch akute Not hervorgerufene Verwilderung der Heere wie der Volksmassen: rettungslose Verwirrung unseres künstlichen Ge- triebe? in Handel, Industrie und Kredit, endend im allgemeinen Bankrott: Zusammenbruch der alten Staaten, und ihrer traditionellen Staatsweisheit derart, daß die Kronen zu Dutzenden über das Straßenpflaster rollen und niemand sich findet, der sie aufhebt; absolute Unmöglichkeit, vorherzusehen, wie das alles enden und wer als Sieger aus dem Kampf hervorgehen wird; nur ein Resultat absolut sicher: die allgemeine Erschöpfung und die Herstellung der Bedin- gungen des schließlichen Sieges der Arbeiterklasse." Die Wirklichkeit des Weltkrieges hat diese kühne Voraussage von Engels noch weit in den Schatten gestellt. Auf wirk- schaftlichem und politischem Gebiet sind drei Jahrzehnte später genau die hier geschilderten Folgen eingetreten. Es könnte aber scheinen, als ob sich Engels hinsichtlich der Bedingungen des schließlichsn Sieges der Arbeiterklasse einer gefähr- lichen Täuschung hingegeben hätte. Wenn man die heutige Wirklichkeit in Deutschland mit den Erwartungen ver- gleicht, die nach dem Zusammenbruch des alten Systems ge- hegt wurden, wird man schwerlich von einem„Sieg der Ar- beiterklasse sprechen können. Man wird vielmehr konstatieren müssen, daß die besitzenden Klasien es verstanden haben, die Arbeiterklasse immer mehr von den eroberten Positionen zurückzudrängen, die demokratische Republik von innen aus- zuhöhlen und den a u ß e n p o l i t i s ch e n D r u ck zur S t c i- gerurrg der sozialen Reaktion und der nationalisti- schen Welle in Deutschland auszunutzen. Trotz der Schläge, die er erhalten, steht der Kapitalismus in größerer Konzentriert- heit als vor dem Kriege der Arbeiterklasse gegenüber. Er hat es gelernt, auch die demokratische Republik seinen Zielen dienst- bar zu machen und ist ungeachtet der ungeheuren Lasten, die die Reparationen dem Volke auferlegen, mit allen Mitteln bestrebt, die Traditionen des Zollwuchers und des Scharf- m a ch e r t u m s aus der Kaiserzeit wieder aufleben zu lassen. Doch auch dir sozialistische Arbeiterschaft hat zugelernt! Gestählt durch die Leiden des Krieges und die, Kämpfe der Revolutionsjahre, hat sie in der klaren Luft der Republik gelernt, die Fragen, die früher in unklaren Um- rissen in der Ferne schwebten, mit praktischer Hand anzu- packen. Sie hat hierbei manche liebgewordenen Illusionen eingebüßt, manche Niederlage erlitten, manche Ziele zeitweilig zurückstellen müssen. Aber sie ist gleichzeitig, in Deutschland wie in anderen Ländern, zu der Erkenntnis gelangt, daß die unvermeidlichen Rückschläge des Krieges nur dann über- wunden werden können, wenn in den sozialistischen Arbeiter- Parteien aller Länder der Wille zur Macht sich paart mit der Fähigkeit zur Ausübung der Macht in Wirt- schaft und Staat. * Die Herstellung der„Bedingungen des schließlichen Sieges der Arbeiterklasse", von der Engels sprach, ist keine Aufgabe, die von heute aus morgen verwirklicht werden kann. Der Ge- schichtsprozeß vollzieht sich nicht in gerader Linie, sondern steht unter der Einwirkung der wellenförmigen Bewegungen im Völkerleben. Gerade die deutsche Arbeiterschaft empfindet' nicht nur den Druck der Reaktion im eigenen Lande, sondern noch vermehrt die imperialistischen Fesseln, die ihr von den Die Einlaöung nach Lonöon. Marx, Stresemann, Luther deutsche Bevollmächtigte. eondsn. 2. August.(Eigener Drahtbericht.) Der englische Ministerpräsident hat der deutschen Botschaft in London am Sonnabend nachmittag nach Beendigung der Dollkonferenz die Einladung an die Reichsregierung zur Entsendung von Delegierten übermittelt. 3n dem Schreiben wird ausdrücklich darauf verwiesen, daß Deutschland mit den Alliierten über die Durchführung des Sachverständigen- Gutachtens verhandeln so«. Schließlich bringt der englische Premier im Auskrage der hauptdelegierien den Wunsch zum Aus- druck, daß die deutschen Vertreter so bald als möglich nach London entsandt werden. Die Ankunft der deutschen Delegation wird für D i e n s t a g in London erwartet. Die vollkonsercnz wurde gegen i'A Uhr mittags beendet. Sie verabschiedete die Berichte der ersten und dritten Kommission, verzichtete jedoch daraus, auch die Eisenbahn frage in den besetzten Gebieten endgültig zu lösen. Dieses Problem soll in einer für Montag vormittag 10� Uhr einberufenen Besprechung der Hauptdelegierlen erneut erörtert werden. Man erwartet, daß diese Erörterung zu einer auch für Frankreich befriedigenden Lösung führen wird. Die Reichsregierung hat sich unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten am Sonnabend vormittag mit den..Richtlinien befaßt. die von der deutschen Delegation zu den Londoner Verhandlungen brachtet werden sollen. Der Wortlaut üer Einladung. Amtlich wird gemeldet: Die Einladung der deulschen Regierung zur Teilnahme an der Londoner Konserenz ist gestern eingegangen. Sie ist von dem britischen Herrn Premierminister dem deutschen Botschafter in London am Rachmittag übermittelt worden und tele- grvphisch am Abend In Berlin eingetroffen. Das Schreiben des bri- tischen Herrn Premierministers lautet in deutscher Uebersehung wie folgt:„Alz Präsident der seht in London versammelten Interalliierten Konferenz habe ich die Ehr«, Eure Exzellenz zu ersuchen, der deutschen Regierung eine Einladung zu übermitteln, Vertreter zu eonennen, um mit der Konferenz die besten Methoden für die Inkraftsetzung des Dawes-Bcrichts vom g. April 1924 zu e r ö r t e r n, den die alliierten Regierungen ihrerseits als Ganzes angenommen haben und der von der deutschen Regiening In ihrem Schreiben an die Reparationskommission vom IS. April angenommen worden ist. Ich wäre dankbar, wenn Eure Exzellenz mir sobald wie möglich die Ramen der deutschen Vertreter und den Zeilpunkt ihrer Ankunft mitteilen würden, die, wie ich hoffe, nicht j p ä- ter als Montag, den 4. August, ersolgen wird." Die deutsche Regierung hat die Einladung angenommen. Die deutsche Delegation wird voraussichtlich am Montag von Berlin abreisen. Die üeutsche fiborünung. Amtlich wird folgende Zusammensetzung der Vertretung Deutsch- lands auf der Londoner Konser:nz mitgeteilt: Bevollmächtigte Delegierte: Reichskanzler Marx, Reichsminister Dr. S t r e f e m a n n, Reichsminister Dr. Luther. (ftcncralkommiffar der Delegation: Ministerialdirektor von Schubert. Legotionsral Wiehl, Sekretär der Delegation. Vertreter der deutschen Behörden: Staatssekretär Bracht, Reichstanzlei, Ministerialrat Kiep, R.ichskanzlei, Ministerialdirektor Dr. S p i e ck e r, Presseabteilung der Reichs' regierung. Ministerialdirektor Gaus. Auswärtiges Amt, Gesandter R i t l e r. Auswärtiges Amt, Bortragender Lcgasionsrat von Friedberg, Auswärtiges Amt, Staatssekretär Fischer, Reichssinanzminislerium, Minislerialdireltor Ruppel. Reichssinanzministerium, Staatssekretär Bogt, Reichsverkehrsminislerium. Staalsjekrel. Dr. Trendelenburg. Reichswirtschastswiuisterium. Mmislcrialral Gras A d: l m a„ n, Reichsministerium für die besehten Gebiete, Staatssekretär w e i» m a n n. preußisches Staolpministerium. Staatsrat Dr. Schmelzte, Bayerisches Ministerium des Zlenßern. hinzu kommt noch das unbedingt notwendige Bureaupersonal. ßreuüe über Sie verftänüigung. Paris, 2. August.(Eigener Drahtbericht.) Herriot hat am Sonnabend nachmittag unmittelbar nach Schluß der Londoner Voll- sitzung den Pressevertretern gegenüber seiner Genugtuung über die nach langwierigen Verhandlungen endlich erzielt« Verständigung Aus» druck gegeben. Di« Geduld und die unermüdllchen Bemühungen der Delegation, so führt« er aus, hätten ihr« Bslohnuug gesunden in d«r Wiederherstellung der Verständigung(Enlertte) zwislizen den Alliierten. Die Derpflichtungen Deutschlands seien koin. merzialisiert, und alle Schwierigkeiten, die sich aus den Beziehungen zwischen Deutschland und den Alliierten ergeben könnten, würden auf schiedsgerichtlichem Wege ausgetragen werden können. Die Reparationsfrage habe aufgehört, ein politisches Probiem zu sein, und da ihr« Regelung nunmehr auf ein« positive und prak- tische Basis gestellt fei, werde diese dadurch erleichtert, i'apiialWschen Kräften der Siegerländer angelegi wurden. Um so größere Hofsnungen knüpft sie an das Wiedererftarken der französischen Sozialisten, an den Sieg der englischen Ar- lieiterpartei! Zeigten sich doch wirklich Ansätze zur Her- stellung eines europäischen Friedens erst in dem Augenblick, als die Arbeiterpartei in England zur Herrschast gelangte und der Wahlerfolg derfranzösischenSozia- I i st e n mit dazu beitrug, den Kurs der französischen Politik nach links zu wenden. Dem Blindesten muß darin sichtbar ivcrden, daß nur eine weitere Erstarkung der Arbeiterbewe- gung in allen Ländern, nur der Sieg der s o z i a l i st i- scheu Ideen einen Weg aus dem gegenwärtigen Chaos meist. Ohne Sozialis in us kein Friede, ohne Herrschaft der Arbeiterklasse keine Verhin- derungneuerKriegel Diese Schlußfolgerungen müssen sich jedem aufdrängen, der offenen Blickes die Weltereignisse erfolgt und, nicht verblendet durch mittelalterliche Traditionen, der Herstellung einer überstaatlichen Organisation der Mensch- hcit lmd eines wirklichen Bölkerfriedens zustrebt. -k In diesen Schlußfolgerungen liegt aber auch die Gewähr des endlichen Sieges der arbeitenden Menschheit über die dunklen Kräfte des kapitalistischen Systems. Der unerschütter- liche Glaube der sozialistischen Bewegung an ihre Weltmission ist der einzige, der sieghaft auch aus den Stürmen und Kämpfen des Weltkrieges hervorgegangen ist. Ihm hängt alles an, was die Welt im Sinne des Friedens, der Freiheit und Ge- rechtigkeit umgestalten will. Ihm beugen sich alle, die nie wieder kämpfen wollen für einer Herrenklasse Herrschast und Profit, sondern die die Ursachen des Krieges auszurotten suchen und durch aktives Eingreifen in die Lei- lung der Staatsgeschäfte in allen Ländern die Vor- bcdingungen dafür schaffen, daß nicht wieder eine verbreche- rische Kaste bewußt oder unbewußt einen Weltbrand entfesselt. In diesem Sinne gedenken wir heute der Opfer des Welt- krieges, die in ihren Gräbern modern oder als Krüppel dahin- vegetieren und oerkümmern. Der Gedanke an sie weckt bei uns nicht nationalistische Racheempfindungen, sondern verstärkt vielmehr den Haß gegen jenes System, das den Nationalismus zum Helfershelfer und Zutreiber der kapitalistischen Reaktion, zum größten Hemmnis des sozialen Fortschritts und des Frie- dens macht. Die Parole:„Krieg demKriege" ergänzen wir deshalb mit dem Rufe: Krieg der sozialen Real- t i o n, Krieg allen denen, die sich dem Ausstieg der Menschheit zur Gleichheit und Freiheit entgegenstellen!' Ein Ehrenmal für Sie Opfer! Aufruf des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident und die Reichsregierung haben am Sonnabend anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Mobil» machungstages folgende Kundgebung„An das deutsche Volk" erlassen: „In tiefem Ernst gedenkt Deutschland heute des großen Krieges und seiner unendlichen Opfer, gedenkt vor allem der gefallenen Brüder und ihrer Hinterbliebenen, gedenkt der großen Zahl der Kriegsbeschädigten, die noch immer unter den Folgen des Krieges leiden. Beispiellos haben die Kämpfer an der Front gelitten; unvergessen sind die Opfer und die horten Entbehrungen, die in der ausgehungerten Heimat- zu eMMy waren. Das deutsche Volk hat in diesem Kriege kein anderes Ziel cMMt als die deutsch e Freiheit. Für Freiheit und Unversehrtheit des Vaterlandes trat es vor zehn Iahren in unvergeßlicher Einigkeit und Stärke unter die Waffen. Dafür gaben die Gefallenen ihr Leben. Aber sie ließen uns, den Lebenden, ein Vermächtnis: die Forderung, in ihrem Geiste, dem Geiste der Einigkeit und Vaterlandsliebe den Willen zur Freiheit Deutschlands als oberstes Gesetz zu bewahren. Wenn wir heute auf die Gräber unserer Helden den ehrenden Schmuck der Blumen legen, und wenn heute für eine kurz« Spanne Zeit des Tages Lärm verstummt und jede Bewegung ruht, so verbindet sich ein großes, unerschüttertes Volk mit dem Geiste seiner Gefallenen. Aus der Trauer heraus soll uns neue Kraft und ernster Zukunftswille erstehen. Und so sollen die Fahnen, die wir am Morgen zum Zeichen der Trauer auf Halbmast setzten, als ein Zeichen des Glaubens an unser Vaterland am Mittag wieder zur Höhe emporsteigen. Die im gewaltigen Ringen unseres Volkes Gebliebenen sind nicht vergessen. Ueberall in deutschen Landen hat der pietätvolle Sinn der Bevölkerung zahlreiche Ehrenstätten und Ehrenzeichen den Gefallenen errichtet, die ihr durch Gemein- schaft der Heimat, durch Beruf und Kameradschaft besonders nahestanden. Noch aber fehlt das Ehrenmal, welches das ganze deuffche Volk gemeinsam allen Gebliebenen schuldet. Deshalb rufen wir am heutigen Tage unsere Volks- genossen zur Sammlung für ein solches Denkmal auf. In schlichter und wuchtiger Form, aus freiwilligen Beiträgen ge- schaffen, soll dieses Ehrenzeichen der Trauer um das Ver- gangene zugleich die Lebenskraft und den Freiheitswillen des deutschen Volkes verkörpern." Um die Hrunülagen öes dawes-plans. Reichsverband der Deutschen Industrie. Der Reichsverband der Deutschen Industrie teilt istit: „Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat zum Domes- scheu Sachoerständigen-Gutachten! den Standpunkt vertreten, daß es eine geeignete Grundlag« zu Verhandlungen über die Reparationsfrage sei, und er hat diesen Standpunkt trotz ernstester Bedenken gegen die Art und Höhe der Deutschtand zugemuteten- Belastungen und trotz mancher Widersprüche aus seinen eigenen Reihen bisher aufrechterhalten. Um fo mehr muß der Reichsverbaich der Deutschen Industrie nach den bisher vorliegenden Nachrichten gegen die Versuche auf der Londoner Konferenz, die Grundlagen des Sochverstän- digen-Gutachtens in vielen Punkten zu verschieben. Ein- spruch erheben. Der Reichsverband der Deutschen Industrie muß daher die Reichsregierung auf das nachdrücklichste davor warnen, den Ver- suchen, die Grundlage des Sachverftändigen-Gutachtens zu ver- ändern, nachzugeben. Die Deuffche Reichsrsgierung darf an die Durchführung de» Gutachtens erst dann herangehen, wenn Gewähr dafür besteht, daß auch die Gegenseite die Bestimmungen des Gutachtens innehält." Diese Kundgebung spricht eine Selbstverständlich- k e i t aus. Das Dawes-Gutachten ist ein unteilbares Ganze, seine Annahme und Durchführung ist nur möglich, wenn von beiden Seiten die Bestimmungen des Gutachtens innegehalten werden. Auf die Bestimmungen, die Schutz und Erleichte- rung für Deutschland bedeuten, müssen ebenso innegehalten werden wie die Bestimmungen, die dem Schutz der Gläu- biger dienen. Ein Zurückgehen hinter die Bestimmungen des Gutachtens ist nicht vereinbar mit der Annahme der Gut- achten. Zu den Bestimmungen des Gutachtens gehören aber auch herSchutz der Lebenshaltung der deutschen Arbeiter vor dem Herabsinken unter das Durchschnitts- Niveau, der Schutz vor Lohndruck und Arbeitszeit- Verlängerung zum Zweck des sozialen Dumpings. Die deutschen Arbeitgeberverbände haben eben in einer Kampfschrift erklärt: Ohne die Durchbrechung dieser Schutzbestimmungen keine Durchführung des Dawes- Planes. Ist der Reichsverband der deuffchen Industrie der- selben Ansicht wie die deutschen Arbeitgeberverbände? Will er, während er von der Gegenseite die strikte Innehaltung der Bestimmungen des Gutachtens und von der Regierung das Bestehen auf den Bestimmungen fordert, im selben Atem- zug selbst die Schutzbestimmungen für die deutsche arbeitende Bevölkerung durchbrechen und preisgeben? Krieg Sem Kriege. Krieg, Krieg und Krieg. Und vi» zum Sieg! Der Himmel soll es hören. „Hei, willst du dich nicht wehren?" Hufeklirrn und Kugelsang Schwing auf, schwing auf dich, Schlachtgesana! Der lehke Kampf soll's werden— „Hei, willst du dich nicht wehren?" Die Erde dröhnt— und hoch zu Roß— 3m Lauch der Erde, du mein Troß— Gas— biete ich dem Leben Hohn. Sieg! Sieg! Der Tag. die Lust stirbt schon Mr nach!— „Empören, du. empören! Du sollst, du muht dich wehren! Besieg den Sieg. Krieg. Krieg dem Krieg! Der Himmel soll es hören. Wir woll'n uns wehren.�wehren." Fritz Mache, Metallarbeiter. Umkehr. Bon Hans Fr. B l u» ck. Der Abend sank über das Land. Im Westen stand eine lchmale :ote Brück« on Wolke zu Wolke; blahbunt spannt« sich der Himmel über den späten Frühlingstag. Der Bauer am Anhang halfterte die Pferde ob. ließ die Walze, mit der er über die spät eingeworfene Saat gefahren war, auf dem Felde und trieb die Tiere müde vor sich her zum Hof zurück. Er war nicht jung, nicht alt, das erste graue Haar stand um die Schläfen, mehr nicht. Wie er durch das Knickgatter bog, sah er sein Weib drüben über eine Bodenwelle schreiten. Sie wartete nicht auf ihn; es war eher, als eilte sie rascher, er sollte wohl nicht wissen, daß sie nach ihm aus- aeblickt hatte oder an seinem Feld vorbeigegangen war. Nein, sie wartet« nicht, sie hatte Furcht vor dem Bauern. Sie hatte wohl Grund dazu. Seit jenem Tag, wo man ihren Knaben h.:imgetragen hatte, ließen seine drohenden Blicke nicht mehr von ihr ab. Schuld host Du, sagten sie. Hättest Du das Kind nicht aus den Augen gelassen, hätte es nicht bis zum Schleusengraben geipielt. „Schuld hast Du," hatte er ihr zugeschrien, als sie vor dem loten Kindlein stand«,».„Schuld hast Du," drohten seine Augen ohne Unterlaß. r>art war der Mann seitdem. Wo junge Tiere waren, tat er, als diirfo er allein sie besorgen. Ohne Erbarmen, mit einem kurzen Wort, einer Gebärde, wies er das Weib zur Seite. So unbändig und stark die Liebe zu seinem Knaben gewesen war, so hart war er gegen alle, die dem Kind einst nahegekommen rvaren, voll seltsamer Eifersucht fast gegen den Tod. Der Mann schritt gesenkten Hauptes härter den Pferden. Der Westen stand noch einmal in fahlgelben Flammen, ihr Widerschein ließ die Leiber der Tiere aufleuchten und krönt« alle Gräser und Büsche mir seinen Staubtropfen. Er sah nichts davon. Dunkel kroch in den Spuren der Räder vor ihm her. Dunkel war auch sein Aug«, hart und herb lein Gesicht, Als der Bauer einmal zwischen den Tieren aufsah, sah er wieder die Frau von fern und ihre scheue Furcht. Ein Tag stieg ihm vor den Augen auf, der Tag, als er, der Großbauer, die Magd als Weib zu sich nahm. Söhne, die er gehabt hatte, waren im Krieg und a»f See geblieben, allzu hart war es für ihn, ohne Erbe zu fein. Mehr wollte er nicht. Als sie ihm das Knäblein schenkt«, war er eins mit ihr gewordm: Es ist Du und ich, hüt' es, daß das Band nicht zer- springt., Der Abend war fahler, blaßbroun stand er wie ein roter Falk über der Kimmung. Das Band war zersprungen. Der Mann tat dem Weib, dem er die Schuld daran gab, weh, wenn er nur konnte. Er verbarg sich, wenn einmal ein Mitleid aufstieg oder«ine herbe Fröhlichkeit. Er wies seine Härte doppelt und hielt sie wie im Gleich- ms von jedem jungen Tier fern, als fei sie nicht wert, sie zu hüten, und brächte ihnen den Tod. Und sie licß es geschehen, schluchzend in der Nacht, aber demütig gehorsam am Tag. Hatte er nicht recht, hatte sie nicht schuld? Der Bauer hielt die Pferde an, die Zügel strafften sich ihm in den Fäusten. Er mochte den Weg nicht, er war ihm verleidet durch die Eilende, die er vor sich sah Die Tievs waren müde, aber er zwang sie zur Wiese hinab. Borsichtig, die Huf« voll Erde, stiegen sie den schrägen Hang hinab.„Will noch mal nach den Jungtieren sehen," dachte der Mann.„Wer soll auch sonst danach sehen,' sagte er voll Zorn, als habe ein anderer in ihm zur Frau gewiesen. So Hort zu sein er sich antrieb,— er mußte heut zum Hof' hinüberschauen und fühlte das Leid der vor ihm flüchtenden Frau, als täte er fich's selbst an. Die Jungtiere lagen drüben im Dunkel des überhängenden Buchenwakes. Wasser leuchtete aus mattem Glanz herüber. Die weißen Kelche der Nachtnelken hatten sich aufgctan und dustclen stark. Die Pferde waren stehengeblieben, die Feuchte der Wiese be- unruhigte sie, sie bogen ihre Köpfe dem Querweg zu, der langsam steigend im Bogen zum Hof führt«. Da gab d« Mann feinen Weg auf rmd ließ die Tier« heimschreiten, die Konsequenzen üer Schwinüelpolitik. Methoden des deutschnationalen Umfalls. Die deutschnationale Presse ist in ziemlicher Verlegerfheit. Sie darf nicht wagen, sich gegen den Vorwurf der verlogenen Agitationspolitik und des Umfalls mit Verve zur Wehr zu setzen, weil sie angesichts des kommenden Umfalls der deutsch- nationalen Reichstagsfraktion die Erschütterung ihrer Partei damit nur vermehren würde. Andererseits muß auf die hoch- gehenden Wogen der Erregung im deutschnationalen Lager ob des bevorstehenden Umfalls Oel der Besänftigung gegossen werden. Das erfordert neuen Schwindel. Diesem Zweck dienen die„unverzichtbaren Vorbehalte" der deutschnatio- nalen Reichstagsfraktion, über deren Auslegung und Ausmaß die Schriftgelehrten der Deuffchnationalen feit Wochen dis- tutteren. In der„Deutschen Zeitung" veröffentlicht Graf W e st a r p seine Auslegung der unverzichtbaren Vorbehalte. Sie ist auf den Ton gestimmt; nur ruhig Blut, wir werden schon ablehnen! Aber, so heißt es bei W est a r p: „An der nötigen Klarheit und Eindeutigkeit der deuffchnationalen Erklärungen hat es nicht gefehlt. Es kommt nun also auf die Glaubwürdigkeit an, die man ihnen beimißt, und aus den höheren oder geringeren Grad des Vertrauens in ihre Festigkeit." Was sich doch die deutschnationalen Wähler alles gefallen lassen müssen! Erklärungen, soviel sie wünschen, aber Glaub- Würdigkeit? Das sind die Konsequenzen einer verlogenen Agi- tattonspolitik, daß sie schließlich zum allgemeinen Mißtrauen gegen die Wahrhaftigkeit von Parteierklärungen führen. Bei diesem Durcheinander wird für die Haltung der Deutschnationalen bei der Abstimmung über die Gutachten- gesetze eins immer wahrscheinlicher. Sie werden umfallen, aber sie werden auch nicht umfallen. Sie werden das„zweite Versailles" unterschreiben, aber sie werden sich trotzdem die Basis für patentnationalen Schwindel bewahren. Sie werden als Fraktion die Geste des Neinsagens machen, aber sie werden soviel Abkommandierungen vornehmen, daß die Zwei- drittelmehrheit für die Eisenbahngesetze gesichert ist. Mit an- deren Worten: sie werden umfallen, aber sie werden nicht einmal beim Umfallen ehrlich sein, Ver„Geheitnbimö* von Gaffen. Der Staatsanwalt gegen„Reichsbanner". Guben, 2. August.(Eigener Dvahtbericht.) Im Prozeß gegen die Mitglieder der Ortsgruppe Gassen des Reichsbanners „Schwarz-Rot-Gold" wegen angeblicher G«heimbüirt>elei stellt sich heraus, daß einer der beiden Schöffen Mitglied des „Stahlhelms" war, während der weibliche Schöffe zum Land- band gehört. Der Vorsitzende wollte immer wieder wissen, wie die„Kom- mandos" der Gruppenführer gelautet haben, ob z. B. Worte wie „Stillgestanden!",„Maul halten!" und ähnliche gefallen seien. Mitten in die ermüdend« Vernehmung wurde vom Staatsanwalt bekannt- gegeben, daß der im Saal anwesende Vertreter der Frankfurter Regierung, Reqierungsrat Eidinger, an die Regierung in. Frankfurt telephoniert habe, um sich Auskunft zu erbitten über die Rechts- gültigkeit der Verordnung des Reichswehrnffnisters vom 17. Oktober 1923. Im Anschluß daran kam es zu längeren juristische Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. Bärensprung und des Staats- qnwaltjchaftsrats Heyderich, Rechtsanwalt Dr. Bärensprung betont«, es handele sich hier um«in« Organisaffon, die durch Versiigung des Reichswehrministers vom 17. Oktober 1923 anläßlich des Münchener Puffches erlaubt worden sei. Unter dies« Verfügung sielen alle Verbünde zum Schutze der Republik, die dann später zum Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zusamnKngeschiosscn seien, es fielen aber nicht darunter die kommunistischen Organisalio- nen. Pon einer solchen könne hier auch nicht die Rede sein. Er werde daher den Antrag auf Einstellung des Verfahrens stellen. Der Staatsanwalt widersprach. Er wolle, so betonte cr, nachweisen, daß es sich hier um proletarische Hundertschaften Handel' und daß die Verfügung vom 17. 19. 23 rechtsungültig sei. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende: Di« Sache wird zur weiteren Klärung vertagt auf den 29. September 1924. Erst als die Frau den Wall erreicht hatte, wagt« sie sich umzu- sehen. Sie hatte sich sehr geeilt, sie hörte immer noch dos Geschirr der Pferde in den Ohren klirren. Aber wie sie sich umblickt«, war sie allein. Sie blieb ein« Weil« unter den Ulmen. Di« Knospen waren schmal aufgebrochen in diesem Jahr. Es war ein rascher, warmer Frühling gewesen, alles war vor der Zeit gekommen. Spät war nur der Bauer mit feiner Saat. Aber er war einer von denen, die alles selbst machen wollen. Seinen Söhnen hätte er die Arbeit anvertraut, Kncchtarbeit ließ er sich nicht gefallen. Als die Frau an die Söhne dachte, war es, als würde der Abend sprunghaft dunkler. Das Unglück mit ihrem Kind stand vor ihr, ihre Furcht und, noch größer, dos Leid, dos sie umgab. Kälte war um sie her. Kälte auch in diesem warmen Frühlingstag. Drüben trieb der Knecht ein Füllen heim. Es wieherte nach der Mutter und die antwortete vom Stall. Sie hätte Lust gehabt, das jung« Xtn zu umhalsen für seinen Ruf und wagt« es nicht. Ein böses Wort über das Kind hätte fallen können, eines jener Worte, die bis in die Seele verletzen und den Menschen«in« lange Rocht weinen lassen. Wie sie so stand, war im Beifaßkraut, das den Wall fast über- wucherte, ein leises Rücken und Ziepen. Di« Frau fuhr sich über die Augen, Ob sich ein krankes Tier verkrochen hatte? Plötzlich ergriff sie die Sehnsucht, etwa» Verlassene« zu pflegen oder ein Un- glück zu heilen. Aber wie sie im Halbdunkel die Stauden auseinanderbog, huschte es und raschelt« es von kleinen gelben und grauen Küchlein. Di« Henne, die vor Wochen verschwunden war, stand glucksend mit gesträubten Flügeln davor. Ein wunderliches Lächeln ging über das vergrämte Gesicht der Frau. Da hatte das Tier draußen gebrütet und brachte jetzt fünf, sechs Kindlein zum Hof heim, glücklich war das Weib über die ge- spreizte Mutterschaft, sie mußte sich überneigen, fast geschwisterlich sorgend. Sie lockte die Henne und die kam halb zutraulich, halb kämpf- bereit näher. Schritt um Schritt, immer von den eilenden, piependen Tierlein gefolgt. Sorgsam, mit unendlicher Geduld lockt« die Frau sie aus dem Biffch zum Weg. „Bist bang vor diesem Hof?" Sie hockte vor den Tieren und sah scheu zur Seite, es war, als müsse ein Schritt von fern komra-e. „Ja, nian kann hier bange sein, wo keine Lieb« ist, ist kein Segen." Sie haschte die Henne, hob sie in die Schürze und hatte im Nu die' kleinen Tiere dazu.„Kommt nur, ich will sorgen, ich will weisen, wie ich sorgen kann. Die Wort« kamen fast wie ein neues Schluchzen, glückselig war sie und furchffam, der Bauer möchte ihr die Tiere nehmen.„Der Jung!" würde er fragen,„hast Du denn für de Jung sorgen können?" Der Mann, der heimgekommen war, stand an einem Pfosten und sah ihr zu. Und er sah ihre Zärtlichkeit und ihre mütterliche Hand und die tief« Sieb« ihrer Ettmm«, wie wenn sie«in Kindlein deutschlanö und öas Kompromiß Mehr als vierzehn Tage lang mußten die Alliierten in London miteinander verhandeln, ehe sie unter sich zu einer vollkommenen Einigung über die Modalitäten der Durch- führung des Sachverständigengutachtens gelangen konnten. Entsprechend der von Anfang an geäußerten Absicht ist die Einladung an Deutschland erst nach vollendeter interalliierter Einigung erfolgt. Vielleicht wäre dieser Zeit- Punkt noch immer und noch lange nicht eingetreten, wenn nicht das heikelste Thema sorgfältig von vornherein von der ofsi- ziellen Tagesordnung der Londoner Konferenz ausgeschaltet gewesen wäre, nämlich die militärische Räumung des Ruhrgebietes. Mehr als zwei Wochen lang ist ausschließlich um die rem wirtschaftlichen Probleme gerungen worden. Das Endergebnis dieser interalliierten Besprechungen ist, wie nicht anders zu erwarten war, ein Kompromiß, zu dem nun Deutschland durch den Mund seiner Delegierten in den nächsten Tagen Stellung zu nehmen haben wird. Auf die Einzelheiten dieses Kompromisses läßt sich natürlich in diesem Rahmen kaum eingehen. ZweiThesen standen sich von Anfang an gegenüber: die französische These der grundsätzlichen Handlungsfreiheit der einzelnen Mächte im Fall künftiger böswilliger Verfehlungen Deutschlands und die angelsächsische These, die sowohl den An- schauungen der Regierungen von London und Washington wie auch den Forderungen des angelsächsischen Finanzkapitals entsprach, wonach der Wille der Geldgeber in Zukunft allein maßgebend sein müßte und nicht durch politische Ent- schlüsse einer einzelnen Macht aufgehoben werden könnte. Es ist nun nicht leicht zu entscheiden, welcher Standpunkt bei dem endgültigen Kompromiß das Uebergewicht erlangt hat. Denn einerseits ist es richtig, daß die Möglichkeit künftiger militärischer Sanktionen von feiten einer einzelnen Macht nicht vollständig ausgeschaltet wurde, andererseits aber ist es ebenso sicher, daß diese Möglichkeit durch zahlreiche Voraus- setzungen schiedsgerichtlicher Art dermaßen eingeengt wurde, daß sie nur noch theoretische Bedeutung besitzt. Es erscheint daher als eine arge Uebertreibung, wenn deutscherseits unter Berufung auf einzelne linksoppositionelle französische Stimmen behauptet wird, das Dawes-Gutachten liege nunmehr in Fetzen. Indessen ist nicht zu leugnen, daß der G«ist, in dem die Ver- Handlungen bisher von der französischen Delegation geführt worden sind, für uns Deutsche insofern eine Enttäuschung ist, als man von der Regierung H e r r i o t ein etwas deutlicheres Abrücken von der Vergangenheit hätte erwarten dürfen. Nicht der eigentliche Inhalt des Kompromisses ist es, der be- sonderen Tadel oerdient, sondern die Tatsache, daß Herriot überall den Eindruck erweckt hat, als sei er nicht fähig, mit der Politik Poincar6s endgültig zu brechen. Das ist vielleicht nur eine optische Täuschung: Es ist durchaus möglich, daß man mit Poincar6 in London überhaupt zu keiner Einigung gelangt wäre, und wer weiß, ob nicht die Zugeständnisie, die sich Herriot hat schließlich abringen lassen, von seinen inner- politischen Gegnern als«ine unerträgliche Preisgabe der französischen Rechte hingestellt werden und zu seinem Sturze führen. Bei der Beurteilung des bisherigen Werkes der Londoner Konferenz wird man gut tun, immer wieder von dem Gesichtspunkt auszugehen, ob es für Deutschland vorteil- hafter gewesen wäre, wenn Herriot von Anfang an eine uns genehmere Haltung eingenommen haben würde und sich seine Zugeständnisse etwas weniger bockbeinig hätte abhandeln lassen, dafür aber von einer unter dem geistigen Einfluß Poincarös stehenden Senatsmehrheit bei feiner Rückkehr ge- stürzt worden wäre. Es ist von dem Obersten Rat der Alliierten ausdrücklich erklärt worden, daß Deutschland nicht zur bloßen Entgegen- nähme eines Diktats, sondern zu Verhandlungen nach London geladen wird. Selbstverständlich ist der Begriff von „Verhandlungen" ein etwas relativer. Es ist nicht anzu- rrgraBH— MdWI—WW H——— B——— rief. Und obschcm er ihre Worte nicht verstand, wußte er, was sie zu den Tieren sprach. Er fuhr mit der Hand über die Stirn. Zorn oder Gram war es, den er darüber hinstrich. Aber plötzlich rief er den Namen der Frau, daß sie mit einem Schrei zusammenfuhr. Er rief ihn noch einmal. Es war, als habe er Mühe, das Wort zu holten, das er fast vergehen hatte! Es war etwas in dem Ton und in dem Namen, das war ein anderer Ruf als sonst. Sie barg die Tiere, hob sich«nd sah verwundert, voll steigender Verwirrung auf den Mann, der ihren Namen wiederfand. .Komm, Mazda," sagte er und sein Blick suchte am Boden, „das ist wohl wie'n Wunder mit den Tieren, was?" Eine Expedition zur Erforschung der Heuschrecken. Zur Be- kcimpfung der in Südafrika so furchtbar wütenden Heuschreckenplage ist ein« Expedition nach der Kalahari-Küsde ausgerüstet worden, die von Pretoria abgegangen ist und von Serowe aus die Wüste urchqueren will. Di« Route führt in nordwestlicher Richtung zu dem Dorf Ratops, wo ein Polizeiiager ist, von dort nach dem Dr.ami-Se« und von dort südwestlich nach Ghansi. Ueber Gobabis will man dann nach Windhuk gelangen, um die Lag« mit den Be- bürden von Südwestafrika.zu besprechen. Die Expedition wird sich bei den Häuptlingen darüber unterrichten, inwieweit sie von den Heuschrecken belästigt werden mrd was sie dagegen-unternehmen. Tic bereits vorhandenen Methoden sollen nach Möglichkeit verbessert werden. Man hvfst. in der Wüste mit einem größeren Wüstenauto. wie es von den Franzosen bei der Durchquerung der Sahara benutzt worden ist, vorwärts zu kommen. Da die Beschaffenheit der Wege ab:r ganz unbekannt ist, so wird man sich auch aus die Berwendung von Ochsen- und Kamelwagcn einrichten. helmholh über sein geistiges Schassen. Helmholtz.-der geniale Physiker, sprach sich einmal in sehr interessanter Weise darüber aus, lvann und wie ihm die guten Gedanken kamen.„Da ich ziemlich oft bei meinen Arbeiten in die unbehagliche Lage kam, auf günstige Einfälle harren zu mühen, habe ich darüber, wann und wo sie kamen, einige Erfahrungen gewonnen, die vielleicht anderen nützlich sein können. Sie schleichen oft genug still in den Gedankenkreis ein, ohne daß man gleich am Anfang ihre Bedeutung erkennt. In anderen Fällen aber treten sie plötzlich«in. ohne Anstrengung, wie ein« In- ip>ation. Soweit meine Erfahrung reicht, kamen sie nie dem er- müdeten Gchirn und nicht am Schreibtisch. Ich mußt« immer erst mein Problem nach allen Seiten so viel hin- und hergewendet haben, daß ich alle seine Wendungen und Verwickelungen mi Geiste über- kchauen und sie frei, ohne zu schreiben, durchlaufen konnte. Dann mußte, nachdem die davon herrührende Ermüdung vorübergegangen war, eine Stunde vollkommener körperlicher Frische und ruhigen Wohlbefindens eintreten,«he die guten Einfälle kamen. Befonders gern kam sie bei gemächlichem Steigen über waldige Berge bei son- i.igem Wetter. Di« kleinsten Mengen alkoholischer Getränke aber schienen sie zu verscheuchen." Führ,«, t« Masenm für VUraettmi*, Aeorgenstr. 54. Di««»» t« 0 1 Hört Prot,«ahlber»!.Schtst«*> SchWtmaschm««.- nehmen, daß die Alliierten sich darauf emlasien werden, daß die deutschen Vertreter etwa das gesamte Endergebnis ihrer langwierigen internen Verhandlungen etwa durch einen ganz neuen deutschen Gegenvorschlag werden anfechten und ersetzen lassen. Insbesondere dürften sie sich auf den Standpunkt stellen, daß ihr mühsam zurechtgezimmertes S a n k t i o n s- k o m p r o m i ß lediglich eine einseitige interallierte Verienbarung mit den künftigen Geldgebern darstelle, die Deutschland völkerrechtlich nicht berühre. Deutschland könnte freilich dem entgegnen, daß die Frage der Sanktionen im engsten Zusammenhang stehe mit der Interpretation des be- rühmten Paragraphen 18 des. Anhanges H zum siebenten Teil des Versailler Vertrages und daß es für die Zukunft eine eindeutige Klarstellung dieser Bestimmungen wünsche. O b es aber taktisch klug von Deutschland wäre, dieses Problem aufzurollen, das wohlweislich von den Alli- ierten in London wie heißes Eisen beiseite gelassen wurde, ist eine andere Frage. Es wird von dem Gang der VerHand- langen mit der deutschen Delegation abhängen, ob es sich empfiehlt, diesen Punkt überhaupt zu berühren. Das einzige, was einstweilen auf diesem Gebiete erreichbar zu sein scheint, wäre vielleicht ein deutscher Antrag auf Anrufung des Welt- schiedsgerichtshofes im Haag zur grundsätzlichen Entscheidung über diesen wichtigen Punkt. Zu einer Boraussetzung der Annahme des Dawes-Programms und dessen in London ver- einbarten Ausführungsvorschläge wird diese Frage kaum ge- macht werden können. Am wichtigsten ist es natürlich, ob es der deutschen De- legation gelingen wird, im Zusammenhang mit der Annahme des Sachverständigengutachtens die Frage der m i l i t ä- r i s ch e n Räumung zur Sprache zu bringen und hierüber zu einer befriedigenden Vereinbarung mit der Gegenseite zu ge- langen. Das wird in hohem Maße von der Geschicklichkeit unserer Unterhändler abhängen. Man wird sich der Tatsache nicht verschließen dürfen, daß dieses Problem formell weder zu dem absichtlich eingeengten Aufgabenkreis des Sachver- ständigen-Komitees gehörte, noch infolgedessen zur offiziellen Tagesordnung der Londoner Konferenz. Indessen gibt es Gründe genug, mit denen man die Besprechung dieses Kapitels im Zusammenhang mit den übrigen Problemen der Londoner Konferenz stichhaltig begründen könnte. Das haben die Alli- ierten fo gut gefühlt, daß sie bereits unter sich über dieses Thema oerhandelt haben. So würden wir es durchaus be- greifen und billigen, wenn die deutsche Delegation den stärksten Widerstand jener Forderung der französischen Delegierten leisten würden, die dahin geht, viertausend Regieeisenbahner als Reservemannschaft im Falle von Streiks und dergleichen für die Sicherheit der Besatzungs- truppen im Ruhrgebiet zu belassen. Das ist ein Verlangen, das im klaren Widerspruch au dem Inhalt und dem Geiste des Dawes-Gutachtens steht: vbllige Wiederherstellung der wirtschaftlichen Souveränität Deutschlands innerhalb der Reichsgrenzen ist unvereinbar mit der Aufrechterhaltung von Regiebahnlinien oder von Regieeisenbahnern, gleichviel ob im Ruhrgebiet oder im altbesetzten Gebiet, gleichviel ob es sich um viertausend oder nur um vierzig französische Eisenbahner handelt. Es ist übrigens bezeichnend, daß diese Frage die einzige ist, über die sich die Alliierten unteremander nicht einigen konnten und wenn sie trotzdem die Einladung an Deutschland haben ergehen lassen, so geschah dies offenbar in der richtigen ErkennMis, daß man hierüber nur mit Deutsch- lanb selbst zu einer Verständigung gelangen könne. Hier wäre am ehesten der Hebel anzusetzen, um die Frage der militä- rischen Räumung zur Sprache zu bringen. Der Erfolg eines solchen Versuches hängt allerdings zum großen Teil von dem Grade des Vertrauens ab, das die Alliierten den deutschen Delegierten entgegenbringen werden. In dieser Hinsicht müssen wir uns allerdings jeder Pro- phezeiung enthalten. Was auf der deutschen Delegation am schwersten lasten wird, das ist die Tatsache, daß sie den Reichs- tag vom 4. Mai 1924 vertritt. Der einzige Umstand, der ihr in den Augen der Welt zugute kommt, ist die bedingte außen- politische Unterstützung der deutschen So- zialdemokratie. Aber dieses moralische Plus wird durch sin bedenkliches Minus nahezu restlos aufgehoben: man weiß, daß diese Regierung bestrebt ist, sich nach rechts zu erweitern, daß sie um die Gunst derjenigen wirbt, die bisher die schlimmsten Gegner der Erfllllungspolitik und der Ver- ständigungspolitik waren. Wir fürchten, daß das Mißtrauen, das aus den Bürgerblockbestrebungen im Auslande— und zwar in England ebenso sehr wie in Frankreich— entstanden ist, die Aufgabe der deutschen Unterhändler nicht gerade er- leichtern wird, wenn es gilt ein bestimmtes Versprechen der militärischen Ruhrräumung zu erwirken! Immer wieder ist in der französischen Presse in den letzten Tagen im Zusammenhange mst dem Problem der mili- tärischen Räumung an die Worte erinnert worden, mit denen H e r r i o t in seiner Programmrede vor dem Parlament zu dieser Frage Stellung nahm. Und die betreffende Stelle lautete: In Anbetracht des augenblicklichen Zustand«? in Deutschland, in Anbetracht der Notwendigkeit, nicht nur Frank- reich, sondern auch ander« Völker gegen«ine neu« Offensive des nationalistischen Alldeutschtums zu schützen, glauben wir die Ruhr erst räumen zu können, wenn die von den Sachverständigen, deren Bericht wir ohne Hintergedanken annehmen, in Aussicht genommenen Pfänder samt ausreichenden und billigen Garantien für die loyal« Erfüllung konstituiert und den für ihre Verwaltung vorgesehenen nationalen Organismen ousgehän- d i g t sind. Der augenblickliche Zustand Deutschlands, von dem Herriot sprach, wird verkörpert durch den e l e n d e n R e i ch s- tag, den sich das deutsche Volk am 4. Mai gegeben hat. Bei allen ihren bedenklichen Schönheitsfehlern ist die jetzige Reichs- regierung im Verhältnis zu diesem Reichstage noch einiger- maßen in London präsentabel. Aber man weiß im Auslande, daß die deutsche Reaktion nur auf den Augenblick lauert, wo sie die Londoner Konferenz hinter sich haben wird, um eine Regierung des Bürgerblocks einzusetzen, die in schärfste Kampffront gegen die einzige Partei treten wird, die sich bis- her konsequent zur Politik der Erfüllung und der Verstän- digung bekannt hat. Im Interesse unseres Landes, unserer Wirtschaft, unserer Arbeiterklasse und besonders unserer Brüder im Ruhrgebiet wünschen wir der deutschen Delegation von Herzen, daß es ihr gelingen möge, ein bestimmtes und befriedigendes Ver- sprechen auf militärische Räumung aus London heimzubringen. Sollte es ihr jedoch nicht gelingen, dann werden wir uns nicht damit begnügen pharisäisch die Franzosen anzuklagen, sondern wir werden denjenigen Teilen des deutschen Volkes, die sich am 4. Mai haben verleiten lassen, für die Extreme von rechts und links, gegen die ErMüngspolltik und' gegen die demokratische Republik zu stimmen, zurufen:.Eure Schuld, Eure größte Schuld!" Dos Entgegenkommen Englands. London. 8. August.(Eigener Drahtbericht.) Di« auf der Konferenz erzielte Einigung war nur dadurch möglich, daß die Engländer in letzter Stunde den französischen Vorschlag betreffend die Berusungsinstanz in Transfersachen, allerdings gegenüber der ersten Lesung in modifizierter Form, angenommen haben. Es wird in Konferenzkreisen erklärt, daß dies nur möglich gewesen sei, weil die Finanz ihren anfänglichen Widerstand gegen jede Macht- einschränkung des Transferkonritces aufgegeben habe. Durch diese Konzession haben die Engländer die Konferenz praktisch gerettet. Der gestern' nacht trotz gegenteiliger Bulletins, als ob nur noch nebensächliche technische Fragen offen wären, äußerst kritische Punkt der Einladung Deutschlands wurde noch vor der Konferenz vom Rat der Sieben beschlossen. Die um 2 Uhr beschlossene Einladung Deutschlands konnte schon um 1�4 von der deutschen Botschaft nach Berlin weitergegeben werden. Das Er» gebnis des heutigen Tages wird in Konferenzkreisen als von außerordentlicher historischer Bedeutung gefeiert und auf einen Ausspruch des amerikanischen Delegierten Logan verwiesen, der die Sitzung den größten Erfolg allierter Beratungen seit Versailles nannte, wobei der Ton nicht auf Versailles, sondern auf Erfolg liegt. Man ist der Meinung, daß nunmehr der Weg zur«nd- gültigen Regelung der Reparationsfrage zum ersten Mal« frei sei, und es wird als charakteristisches Spiel des Zufalls bezeichnet, daß es der zehnte Jahrestag des Eintritts Englands in den Krieg ist, an dem Deutschland zur Erreichung des wahren Friedens nach London eingeladen werde. Paris, 2. August.(WTB.) Wie der Londoner Berichterstatter des„Temps" meldet, soll Macdonald heute mittag Herriot ge- sagt haben:„Das Einverständnis unter den Alliierten ist jetzt erzielt. Von nun an könnte nur der Satan allein uns trennen." Der Frank steigt. Paris, 2. August. lEP.) Unter dein Einfluß der auf der Lon- doner Konferenz erzielten Einigung hat der Frantturs sich heute wesentlich gebessert, indem die Dollarnotierung, die seit einigen Tagen auf 20,60 gestiegen war, wieder auf 19,22 gefallen ist. tzughes in Serlin. Der Bater des Dawes-Plans. Heute, Sonntag, früh 7 Uhr 10 Minuten trifft der nord- amerikanische Staatssekretär des Aeußeren mit seiner Gattin in Berlin ein. Er bleibt zwei Tage hier, um mit dem Reichs- Präsidenten, der Reichsregierung und weiteren Persönlichkeiten der deutschen Politik und Wirtschaft Bekanntschaft zu schließen und einen, wenn auch nur flüchtigen Blick in die deutschen Verhältnisse zu tun. Irren wir nicht, so ist von allen regierenden Männern der Staaten, die mit Deutschland in jenem fürchterlichsten aller Kriege lagen, Herr Hughes der erste, der die Reichsregie- rung besucht. Er tut es zwar nicht offiziell, denn er ist ja mit einer großen Reisegesellschaft nordamerikanischer Juristen nach Europa gekommen, um die britischen Kollegen zu be- suchen: aber er kommt nach Berlin auch nicht als Tourist ohne Rang und Namen, sondern als der Außenminister der größten demokratischen Republik der Welt und ihres reichfM Landes. Dieser Besuch erfolgt genau zehn Jahre nach dem Aus» bruch jenes Krieges, den Amerikas Eingreifen zu Deutschlands Ungunsten entschieden, zur zerschmetternden Niederlage der Zentralmächte geführt hat. Aber jenes sogenannte Friedens- diktat von Versailles haben die Vereinigten Staaten nicht an- erkannt und der Republikanischen Partei, die Hughes führt, ist die Nichtratlfizierung zu danken. Zwar haben auch Union- truppen an der Rheinlandbesatzung teilgenommen, aber sie sind längst abgezogen, und es war ein Trauertag für das Koblenzer Gebiet, als die Amerikaner durch die Truppen des dloe-natkmsl-Frankreich ersetzt wurden. Der Abzug war der Ausdruck der Abkehr Nordamerikas von der europäischen Politik, die aber niemals das große amerikanische Hilfswerk für nolleidende Deutsche gehindert hat; war doch gerade Ge» neral Allen, der frühere Befehlshaber in Koblenz, ein Haupt- anreger dieses Aktes neuerwachter Völkersolidarität. Indessen wirkten deutscher Währungsverfall und deutsche Schleuderkonkurrenz, auf Kosten der deutschen Arbeiter ge- boten, so zersetzend auf die amerikanische Wirtschaft, und er- schien das bißchen Frieden, das nach Versailles eingetreten ist, so bedroht durch den Nationalismus, den der Gewalffrieden urud die Gewaltmaßnahmen des poincaristischen Frankreich in Deuffchland wieder großzüchteten, daß Amerika daran gehen mußte, seine Passivität auszugeben. Zwei Tage vor Beginn des unseligen Jahres 1923 hielt Hughes m Rewhaven jene Rede, in der er den nun verwirklichten Vor» schlag machte, die Reparationsfrage und die Möglichkeit ihrer Lösung durch politisch nicht voreingenommene Sachver- st ä n d i g e prüfen zu lassen, um so dieses Zentralproblem auf rein wirtschaftlichen Boden zu stellen. Herr H u g h e s ist der führende Mann einer bürgerlichen Partei des Landes mit dem entwickelfften und dabei noch jugendllch-aktiven, nicht greifenhaft-raffgierigen Kapitalismus; von ihm ist nicht zu erwarten, daß er sich die Löfungsvor- schlüge unserer Internationale zu eigen macht. Dankbare An- erkennung verdient es zweifellos, daß er die Passivität der Union aufgegeben hat: einmal darum, weil damitxdas mäch- tigste Land der Erde wieder in die ach so zerrissene, doch un- verkennbare und untrennbare Kultur- und selbst Interessengemeinschaft der west- und mitteleuropäischen Pölker einge- fügt wird und dann, weil Amerikas Beteiligung schon an sich die Zurückdrängung des militaristischen Ge- w a l t g e i st e s bedeutet. Herr Hughes kommt in die deutsche Republik, an der man in all ihrer Wehrlosigkeit brutalste Rache für die Taten der verblendeten Kaiser-Partei genommen hat. Der Vater des Sachverständigenplans kommt hierher, kurz bevor die Ausführung dieses Plans beginnen dürfte. Kein Mensch weiß, ob das die Lösung sein wird, und ob die schweren Opfer des deutschen Volkes nicht vielleicht im Endeffekt nutzlos gebracht fein werden. Hoffen wir, daß wir der Lösung nahe find und daß Hughes, der gewiß das Rechte gewollt, auch des Rechts gewaltet hat. �_ Wechsel am Staaisgerlchtshof. An Stelle des am 1. 8. insolg« erreichter Altersgrenze in den Ruhestand getretenen Senatsprästden- ten beim Reichsgericht Dr. S ch m i d t übernimmt der bisherige stell- vertretend« Vorsitzende beim Staatsgerichtshof, Ssnatspräsident R i e d n« r, nunmehr endgültig den Vorsiü. Zu Mitgliedern des Staatsgerichtshofes sind der Umversttätsprof-ssor Dr. F« l i x Sa. lomon-Leipzig und der Obertewdesgerichts Präsident Reuter- Naumburg ernannt worden. OeweMhastsbewegung Steigerung üer proüuktion. Wenn heute viele deutsche Unternehmer behaupten, daß zur Steigerung der Produktion, die nun einmal durch die Re- parationslasten notwendig wird,«ne Verlängerung der Ar- beitszeit erforderlich sei, so beweist diese Behauptung, wie rückständig die deutschen Unternehmer sind. Wir wollen ohne weiteres zugeben, daß es unter den deutschen Unter- nehmern auch rühmliche Ausnahmen gibt, Leute wie Rathenau, Abbch Bosch, deren geistige Bedeutung auch von uns Sozialdemokraten stets anerkannt worden ist. Aber das sind, wie gesagt, Ausnahmen. Der Durchschnitt der deut- schen Unternehmer, wie er sich heute unter der Führung des Herrn v. Borsig breit macht, vertritt in wirtschaftlicher Be- ziehung Anschauungen, die etwa dem wirtschaftlichen Stande der Manufakturperiode entsprechen. Wenn man sie hört, könnte man annehmen, es gäbe keinen technischen Fortschritt, keine maschinellen Verbesserungen und Erfindungen, keine Rationalisierung der Produktion und de? Absatzes, keine Standardisierung und Vereinfachung der Produkte. In anderen Ländern werden großzügige Untersuchungen über die Verschwendung in der Industrie angestellt. Bei uns machen es sich die Unternehmer leichter. Sie wälzen alles von sich ab. Auf den Verbraucher durch Kartellpreise, auf den Arbeiter durch Lohndruck und Verängerung der Arbeitszeit. Beobachtet man in der Praxis, wie unsere Unternehmun- gen heute im Durchschnitt funktionieren, insbesondere wie unsere vielgerühmten Großbetriebe organisiert sind, dann darf man sich freilich nicht wundern über die Schwierig- leiten, mit denen unsere Industrie heute zweifellos zu kämpfen hat. Statt einer fortgesetzten Rationalisierung des Betriebes — denn in dieser Beziehung darf es niemals einen Stillstand geben— hat eine verknöcherte Bureaukratisierung Platz gegriffen, die nicht nur die Unkosten außerordentlich erhöht, sondern gleichzeitig ein H e m m s ch u h für die Weiter- entwicklung ist. Die Großbetriebe haben ein so kompliziertes Kontrollsystem eingeführt, daß die Anforderung irgendeines notwendigen Gegenstandes, dessen Wert vielleicht eine Mark beträgt, eine Unmenge von Schreibereien, Berichten usw. ver- ursacht, deren Kosten weit die Kosten des angeforderten Gegen- standes übersteigen. Wenn die Unternehmer immer wieder auf die große Belastung hinweisen, die die Geschäftsunkosten heute für die Produktion ausmachen, so sind sie naiv genug, zu übersehen, daß es die bureaukratische Organisierung ihrer Be- triebe ist, die diese Unkosten so sehr steigert. Darüber hinaus bildet diese Bureaukratisierung, diese vielfach übereinandergestaffelte Hierarchie eine Art Drahtver- hau gegen technische Fortschritte. Die Unternehmer stellen es nämlich so hin und schließlich glauben sie es selbst, daß der technische Fortschritt in den Betrieben von ihnen ausgeht. Tatsächlich— und das weiß jeder Praktiker— kommen die technischen Verbesserungen fast immer von unten. Der Ar- beiter am Werktisch, der sich täglich und stündlich mit der feind- lichen Materie herumschlagen muß, erfindet nicht nur prak- tische Kunstgriffe, sondern auch verbesierte Werkzeuge, neue Arbeitsmethoden, ja ganze Maschinen. Wie wird es dem Arbeiter in den deutschen Großbetrieben heute gedankt, wenn er solche Vorschläge macht? Er muß sich erst durch eine Mauer von Eifersüchteleien durchbeißen, bis sein Vorschlag an die allerhöchste Stelle, die in letzter Instanz zu entscheiden hat, gelangt. Man wird, wenn er glücklich so weit ist, davon Kenntnis nehmen, den Vorschlag oder die Er- findung benutzen, aber nur in den allerseltensten Fällen wird der Arbeiter einen materiellen Vorteil daraus einheimsen. Es kann ihm sogar passieren, daß er auf die eine oder die andere Weise aus dem Betrieb hinausgeekelt wird, wenn er über den Kops seines oder seiner unmittelbaren Vorgesetzten solche Vor- schlüge direkt der Direktion unterbreitet. Schon deshalb haben die Unternehmer heute gar kein Recht, eine Verlängerung der Arbeitszeit zu beanspruchen. Sie sollen erst einmal den ehr- lichen Versuch machen, gemeinsam mit der Arbeiterschaft— und darunter verstehen wir nicht etwa, daß die Arbeiterschaft nur zu„hören" ist— die Steigerung der Produktion durch die Rationalisierung der Betriebe herbeiführen. Erst wenn ein solcher Versuch mißlingen sollte, erst dann hätten die Unter- nehmer ein gewisses Recht, ihre Vorschläge als die allein richti- gen hinzustellen. Ihre Vorschläge, die in Wirklichkeit zur Versumpfung der Produktion führen. Gegen öle kommunistische Lügenhetze. Eine Entschließung der SPD.-vuchdrucker. Die am Dienstag, den 29. Juli, stattgefundene Fraktionssitzung der SPD.- Buchdrucker beschäftigte sich u. a. mit der voll- zogenen Wahl der Delegierten und nahm hierzu folgende Eni- schließung an, um deren Veröffentlichung wir gebeten werden. Die am Diensteg, den 29. Juli, stattgefundene Franktionsvor- standssitzung der Berliner SPD.-Buchdrucker stellt mit Befriedigung fest, daß sich bei der Wahl der Delegierten zum Verbandstag 8 S P r o z. der Kollegen durch ihre Stimmabgabe auf den Boden der von uns vertretenen gewerkschaftlichen Auffassung gestellt haben, ob- wohl es die Kommunisten in der Hetze gegen uns an nichts haben fehlen lassen. Ein Flugblatt, das an Verlogenheit und Verleumdungen befon- dcrs gegen unseren Fraktionsoorsitzenden, den Kollegen Fiedler. das Höchste an kommunistischer Gemeinheit darstellen dürste, wurde sogar unter Kenntlichmachung der verleumderischen Stellen an die Mieter im Hause desselben verteilt.— Der aus diesem Flugblatt ersichtliche und in der kommunistischen Presse wiederholte Wunsch nach einer Rechtfertigung unsererseits ver- anlaßt uns zu der öffentlichen Erklärung, daß es der Feattionsvor- stand für sich und seinen Borsitzenden ablehnt, die kommunistischen Lügen und Verleumdungen auch nur durch den Versuch einer Recht- fertigung höher einzuschätzen, als sie es wert sind. Wir werden die kommunistischen Lügner und Ehrabschneider, die in der Verunglimpfunq der Sozialdemokratischen Partei, der Gewerk- schaften und deren Führer mit der Reaktion wetteifern, auch welter- hin. allerdings in verstärktem Maße, mit den in der Arbeiterschaft üblichen Mitteln bekämpfen und fügen hinzu, daß wir diesem Grüppchen Kommunisten in Zukunft das Recht, im Namen einer ge- werkschttfilichen Minderheit aufzutreten, absprechen werden. Im übrigen scheint uns unser« von der Berliner Kollegenschaft gebilligte Tätigkeit im Interesse der Gesamtarbeiterschaft riutz- bringender zu sein als jeder Rechtfertigungsversuch gegenüber den gewerbsmäßigen kommunistischen Lügnern und Verleumdern. Fraktion der SPD.-Buchdrucker. I. A.: Heinr. Dierkes, Adolf G r ö n i n g, Adolf G u t h, Georg P ö t f ch, Karl Stürmer. Ein Erfolg des Afa-Bundes. Auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 8. November 1923 hotte die Reichsregierung dem Reichsarbeitsminister in einer Verord- nung vom 13. Februar 1924 die Befugnis erteilt, die bevorstehende Wahl der Beisitzer in den Ausschüssen, Kammern und Senaten der Ang estelltenversicherung dem Ver- waltungsrat der Reichsversicherungsanstalt zu übertragen. Der Reichsarbeitsminister hatte nachträglich von dieser Ermächtigung Ge- brauch gemacht und durch eine Verordnung vom 28. Mai 1924 eine von den Bestimmungen des Versicherungsgesetzes abweicheng« Wahl der Beisitzer in die Spruch- be Hörden angeordnet, indem er die Wahl dem Verwallungsrat übertragen hat, während sie noch dem Gesetz durch die Vertrauens- männer erfolgen muß. Der A f A- B u n d hatte gegen diese nach- trägliche und deshalb mißbräuchliche Anwendung der Ermächtigungsoerordnung eine große Protestaktion eingeleitet mit dem Erfolg, daß der Reichsarbeitsminister nunmehr durch«ine neue Verordnung vom 31. Juli seine erste Verordnung vom 28. Mai 1924 mit Wirkung vom Tag« ihres Inkrafttretens auf- gehoben hat. Dieser Vorgang war bekanntlich auch Gegenstand einer Interpellation der sozialdemokratischen Reichs- tagsfroktion. Wie uns mitgeteilt wird, dürfte der AfA-Vorstand zu der veränderten Situation in den nächsten Tagen Stellung nehmen. Der internationale Transportarbeiter-Kongrest. Nach Mitteilung des Internationalen Transporwrbeiterverbandes werden an dem in der Zeit vom 7. bis 12. August in Hamburg statt- findenden Internationalen Transportarbeiterkongreß über 39 Organisationen au? mehr als 23 Ländern teilnehmen. Auch außereuropäische Delogierte dürften zum erstenmal auf dem Kongreß erscheinen. Angemeldet sind Vertreter der Trans- portarbeitcr aus den Vereinigten wtaaten, Kanada, Argentinien, Australien und Rhodesien Der großen Bedeutung des Kongresses entsprechend wohnen die beiden Vorsitzenden des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Purcell-London und Iouhaux- Paris den Verhandlungen bei. Der Vorsitzende des Jnternatio- nalen Transportarbeiteroerbandes Fimmen, wird über die internationale Lage, der Vorsitzende des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes Döring, über den Achtstundentag sprechen. Die Stillegung der Kohlenzechen. Am 1. August hat eine Anzahl Steinkohlenzechen im Dortmunder Bezirk ihren Belegschaften gekündigt. Von„Deutsch-Lux" wird die Zeche„W iendahlsbank" in 14 Tagen restlos still- gelegt. Die Stillegung der Zechen„Kaiser Frie- d r i ch" und„G l.ü ck a u f- T i e f b a u" wird abhängig gemacht von den Regieverhandlungen des Konzerns. Von der„Gelsenkirchener Bergwerks A.-G." soll die Z e ch e„Hamburg" i n A n n e n still- gelegt werden. Die Kündigung der Kriegsbeschädigten ist bereits vor 14 Tagen erfolgt, die Kündigung der übrigen Belegschaft erfolgte am 1. August. Auf den Zechen„Präsident". „Holland" und„Karoline" sind ebenfalls Kündigungen am 1. August vorgenommen worden. In Annen dürften auf den Krupp- Werken und im Annener Gußstahlwerk bereits in den nächsten Tagen Betriebsstillegungen erfolgen. Ebenso soll das Baroper Walzwerk stillgelegt werden. Die Kündigung der Arbeiter ist hier schon aus- gesprochen worden. Ueber die Weiterbeschäftigung der Kriegsbeschädigten wird noch verhandelt. Als Ursache der Betriebsstillegungen geben die Werke überall Mangel an Betriebs- Mitteln und Absatzschwierigkeiten an. DI« AoUegea d«r fftrata Lzawe A.-G. werden aufgefordert,!f>re Papier« In Empfang zu nehmen. Die Auszahlung des rückständigen Lohnes erfolgt durcki Postanweisung. Der Betriebsrat. Zentralperband der Schuhmacher. Dienstag, den». August. Branchen» Versammlung der Schäftcmacher, abends s Uhr, im Berbandsbureau, Engel- Ufer 24, parterre. ?ugenüveranftaltungen. Heute, Sonntag, den 3. August: Friedenau. Ausflug mit den Ainderfreunden. Treffpunkt H2 Uhr nachm. Schill-rplatz.— Lichtenberg. Nord. Beteiligung an den Beranstaltungen der Partei.— Moabit U. Besuch des Zoo. Treffpunkt vormittags 8 Uhr Strom- Ecke Turmstrahe. Nachmittags Spielen auf der Iungfernheid«. Treffpunkt 2 Uhr Bahnhof Putlitzstraße. Morgen. Montag, den 4. August, abends 7� Uhr: Friedenau. Ahendfpazicrgang. Treffpunkt Vit Uhr Jugendheim.— Moabit I. Schule Waldenfer Strohe. Mitgliederversammlung.— Werbe- bezirk Bcdding. ttreisfunktionitrstgunz Ledigenheim, SchSnftedtstr. 1. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Birtfchaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung � 3 Steinet; Feuilleton: Ä. H. Döfcher; Lokales und Sonstiges: Frist Sarftädt; Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich In Berlin. Verlag:»Borwäris'-Verlag G. m. d. H, Berlin. Druck:..BorwSrt»-»Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. To., Berlin EW. 68, Lindenstraße 3. Hierin 3 Beilagen. Bei der VreukWell � Vlet!ßl!lli'Stliit>eulsllzm Kiliss?llllikkerZe werden von der 24./2ö0. Lotterie ab, deren Lose 1. Klasse jetzt verkaust werben, wieder alle Gewinne einzeln gezogen wie früher.* Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig im Alleindepot: Zions-ÄpoflicHc"z�Mii'cfn6 Berlin N.3I, AnKlamer Strafte 39, nahe Ecke Brunnenstr. T ei. Amt Humboldt 1022 Dortselbst wird auf Wunsch auch das Pfarrer Heumann- Buch abgegeben. Große Ausgabe(248 Seiten 100 1 Abbildungen) gratis and franko-— läoHleithaflteAta&eboile BEPLiN C. KÖNJGSTRASSE SPAntoAUEPSTT? Kleiderstoffe Crepe-Marocain Baumw.. Torrfigi. Qualität in reich. Farbenaua- ck wähl, ca. 100 cm breit, Mtr. Frotte gestreift, gute Qualität, auf grauem Grund, in vielen 4 O C Streifen, ca. 100 cm br„ Mtr, X*�>0 Rctmuoll. Cheviot(Chevron- gewebe), vorzügl. Qualität, 1 C marine, j 18-120 cm bT„ Mtr. X-OO Heinivoll. Rocfestrcifcn moderne Desaina. 105 cm rt O/A breit............... Mtr. 4h>*Ov' Eoltenne Wolle mit Seide, a Q/% gute Qual-, ca. 100 cm. Mtr. Jfc-C/ V- Seidenstoffe Bastseide für WSsebe u. 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Wir wissen jetzt, wohin der Weg führte uiid was uns damals noch verborgen lag, oerhüllt unter dem Wust der Tiraden und glanzvollen Reden, hat sich m furchtbarer Deutlich- keil enthüllt. Die Erinnerung aber an das, was diesem Weg der JJ.r.ümer vorherging, soll nicht in feiger Scham ausgelöscht sein, es soll unvergessen dastehen als grause Warnung, im Gedenken der Dinge, die nachher kamen. Spionenwahn. Es war in den ersten Tagen des August vor zehn Jahren nicht ganz ungefährlich, sich aus den stets überfüllten, mit laulen, lärmenden und singenden Ätenschen besetzten Straßen zu bewegen, und die Schutzmannschast wußte nicht, wo sie zuerst ein- schreiten und Ruhe stisten sollte. Dazu kam, daß diese Tage von cuicr glühenden loitze ersülli waren und wehe dem. der nach Ansicht eines der allzu ivilo Begeisterten verdächtig aussah.„Der Kerl ist ein helmshavener Straße 48, Laden— A. Hönisch, N. 65, Müller- Eck« Utrechter Slraße(Spedition)— P. Kroll, N. 65, Uttechter Straße 21, Restaurant— H. M ä ck«, N. 65, Barfussttatze 13— W. H o f f m a n n, N, 58, Lychener Straße 8, Restarirant— A. L o- r e n z, N. 58, Gleimstraße 56— W. Rüdiger, R. 58, Lychener Straße 127— H. Obst, N. 39, Ackerstraße 174(Spedition)— K. Anderssen, N. 31, Stralsunder Straße 19— H. Fischer, N. 20, Bastianstraß« 7(Spedition)— P. D ö l z, NO. 55, Immanuel- kirchstraße 24(Spedition)— M. W a r t m a n n, 0. 34, Königs- berger Straße 37, Laden— 2. Wittschuß, 0. 34, Petersburger Straß« 5, Restaurant— W. G ü d e, NO. 18, Landsberger Allee 45 I — 2. P« t t e, SO. 36, Glogauer Sttahe 30 v. IV— P. L i e r, SO. 26. Naunynstraße 9, Restaurant. Für Charlottenburg findet die Weihe am Sonntag, den 21. September, im Schiller-Theater statt. Die Anmeldungen sind vorzunehmen bei: Jonny H i n r i ch s e n, Charlottenburq, Bayreuther Straße 25g— Oskar H o r st i g, NW. 87, Sickingenstraß« 58 — F. Schmidt, Charlottenburg, Rofinsnstraße 4, Zigarrengeschöst S. Katzen st«in, Charlottenburg, Niebuhrstraße 61. Jugendweihe für Treptow-Baumschulenweg am Sonntag, den 28. September, im Realgymnasium. Neue Krug- Alle« 6. Die Anmeldungen sind vorzunehmen bei: W. Gallas, Vaumschulenweg, Schroderstrah« 16111— V. Haß, Treptow, Har- zerstraße 117. Für Lankwitz. Lichterfelde und Steglitz am Sonntag, den 28. September, im Realgymnasium in Lankwitz. Die Anmeldungen� sind vorzunehmen bei: G. Felqentreu, Lankwitz, Charlottenstroß« 34— H. Krüger. Steglitz, Siemensstraße 76 — Frau Un gerer. Wilmersdorf, Hanauer Straße 43, Siedelung. Für Schöneberg und Friedenau am Sonntag, den 28. September, in Friedenau. Realgymnasium Homuthstraße. Die Anmeldungen sind vorzunehmen bei: Frau Klawitta, Schöne- berg, Apostel-Paulus-Straße 7— A. Petrie. Schöneberg, Ebers- straße 70—®. S cha u d t, Friedenau. Bachestrah« 9— A. Joachim, Schöneberg, Belziger Straße 27. Für Pankow am Sonntag, den 21. bezw. 28. September. im Lyzeum, Görschstraße. Die Anmeldungen sind vorzunehmen bei: Hugo Klüh, Pankow, Lindenpromenade 56— Konsum- verkaufs stelle, Pankow, Wollanksiraß« 102— Konsumverkaufsstelle, Pankow, Berliner Sttaß: 47— Konsumverkaufsstelle, Niederschönhausen, Kaifer-Wilhetm-Straß« 79 �-Konsumverkaufsstelle. Niederschönhausen, Kaiserweg 60. Mitte« i» der Friedrichstraste! Um 10 Uhr vormittags wurde die Frau Margarete Grützke aus der Bornholmer Str. 96, die mit Wechselgeld von der Bant kam, an der Eck« der Rosmarin- und Friedrichstraße von dem Moltereibesitzer Hans Schenk aus Zingahmen, Kreis Marienwerder in West preußen, angefallen und ihrer Aktentasche beraubt. Während der Verfolgung durch Passanten und Polizeibeamte gab Schenk einen Schuß ab, der aber fehlging. Die Kugel zertrümmerte lediglich die Schau- fcnsterscheibe einer Weingroßhandlung in der Behrenstr. 26a. Schließlich konnte der Straßenräuber durch einen Polizeibeamten festgehalten und zur Wache gebracht werden. Wie Arbeitsuchende betröge« werde«. In manchen Zeitungen erscheinen wiederholt Stellenangebote mit der Aufforderung, den Bewerbungsschreiben Rückporto beizu- legen. Aus vielfachen Klagen geht hervor, daß es den Anzeigenden lediglich auf die Vereinnaymung der Porto betrag« ankommt und daß«ine Antwort auf die Anfrage nicht erfolgt. In diesen Fällen muß das Gebaren der Anzeigenden als eine be- trügerischer Vereinnahmung beträchtlicher Geldbeträge bezeichnet werden. In allen Fällen, in denen der Verdacht einer betrügerischen Ausnutzung des Stellensuchenden vorliegt, wende man sich an den Kriminalkommisiar Wächter, Dienststelle C II3 im Zimmer 372a des Polizeipräsidiums am Alexanderplotz. Nochmals die TUilchpreise ab 2. August. Die Preise für Voll- milch betragen bei Abgabe der Milch an den Kleinhändler 26 Gpfg., bei Abgabe der Milch vom Kleinhändler an den Verbraucher 30 Gpfg., Mogermilch 9 Gpfg. Di«-�-Milch- karten werden mit% Liter, die U-Milchkarten sowie die Karten für werdend« Mütter(C-Karten) mit% Liter Vollmilch beliefert.— Die gestern früh veröffentlichte Mitteilung, die vom Nachrichtenamt des Magistrats in unvollständiger Weife herausgegeben war, wird jetzt durch die vorstehend« Notiz richtiggestellt. Au einem Volksfest neuen Stils rüsten sich die Mitglieder der betonnten Gartenstadt Falkenberg b ei Grünau, Dieses Fest soll am 17. August auf dem Anger in der Gartenstadt Falken- berg stattfinden. Unsere Folkenberger Genossen und Freunde nun sind dafür bekannt, daß sie nicht nur den«rnsthasten Willen haben, ilire Bolksfcste aus eine ganz neue Grundlage zu stellen, sondern daß sie auch den Willen zur Tot werden lassen. Den Unzulänglichkeiten und Unzuträglichkeiten dieser Zeit will man mtt Humor, Witz, Spott und Satire zuleibe gehen. Eine besonders eindringliche Note er- hält das Fest dadurch, daß sich die Volksbühne an ihm be- teiligen wird. Der Reinertrag des Festes soll für das von Bruno Tant, den Schöpfer der Siedlung entworfene Festhaus, dos der ganzen Groß-Berliner Bevölkerung dienen wird, verwendet werden, Entrittskarien zum Preis von 50 Pfg.(Kinder 25 Pfg,) sind in der Volksbühne am Bülowplatz, am Königsplatz(Krolloper) und' in der Volksbühnen-Buchhandlung in der Köpenicker Straße zu haben. Eine Richtigstellung. Zu dem Prozeßbericht in Nr. 352 teilt die darin genannte Frau A. mit, daß sie das Meineidsverfahren gegen ihren vom Schwurgericht verurteilten Ehemann Karl A. nicht selbst veranlaßt habe. Die Anzeig« ist vielmehr von dem Ehemann der Frau D. ausgegangen. Ein Franzose spricht in Verlin anläßlich der Kundgebung für die Zukunft Deutschlands und Frankreichs: Nie wieder Krieg! Der Generalsekretär der französischen Liga für Menschenrechte, Henri G u« r n u t- Paris, wird am Montag, den 4. August, abends 8 Uhr im Historischen Saal der Neuen Welt(Halenheids), in dem seinerzeit Jaures die Rede vephoten wurde, als Redner vor Deulsch« treten. Außer ihm sprechen Hellmut von Gerlach, Dr. Lsber-Lllbeck, Mitglied des Reichstages, Chefredakteur Otto Nuschke, Mitglied des Landtages, und Graf Harry Keßler auf Grund seiner Eindrücke aus Amerika, England und Frankreich, Dr. Robert Kuczynski leitet die Versammlung, Dr. Max Hochdorf wird die Red« übersetzen. Für den Reichsbund der Kriegsbeschädigten hält Paul Ebert eine kurze Ansprach«. Die StraßenbochnNnien 4 und SS verkehren ob Montag, den 4. d. M., nicht mehr über Potsdamer Platz, Potsdamer Straße, sondern durch die Lützowstraße. Flottwellstraße, Schöneberger Ufer, Köthener Straß«, Königgrätzer Straß«. Ter Bcrllner B-ttschor ist zur Teilnahme an der Staatlichen Ver- fessungsseier im Schauspielhaus am ll. August für die Aufführung der S Sinfonie a.,?gesord«rt worden, ES findet deshalb für alle daran teil- nehmenden Mitglieder am Dienstag abend 8 Uhr«ine Extraprobe t» der Aula Koppenstr. 76 statt. Ausnahmsweise Stundung der yauszlnsfkensr. Bor kurzem hat der Preußische Finanzminister in einer Rondverfügung be- stimmt, daß unter besonderen Voraussetzungen die staatlich! Steuer vom Grundvermögen bei Grundstücken, die ausschließ- lich der Pflege von Leibesübungen dienen, zinslos und fristlos gestundet werden kann. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, finden noch einer neuen Rund- Verfügung diese Bestimmungen sinngemäß auch auf die Hauszins- st euer Anwendung. Wiederherstellung der Grunewald-Chausseen. Die Chausseen im Grunewald, die während der Kriegszeit und auch späterhin sehr in Verfall geraten sind, da der Stadt die nötigen Mittel zur Unter- Haltung fehlten, sind in diesem Jahre durch Erwerbslos« wieder instandzesetzt worden. Es ist jetzt beschlossen worden, die Straßen mit einer Oberslöchenteerung zu verselzen, um die Staub- entwicklung zu verhindern und um ihre Lebensdauer zu verlängern. Der Anfang wird mit der Verbindungschausse« zwischen Heerstraße und der Havelchaussee gemocht, daraufhin wird die Havelchaussee geteert. Das Bezirksamt Wilmersdorf, dem die Unterhaltung der Chausseen unterliege», hat die Arbeiten einer Spezialfirmo, der Sttaßenbau-Gesellschast Zoeller, Walsers, Droege, Berlin, die be- reits durch die Teerung der Aous-Bahn bekannt geworden ist, über- tragen. Willionen-Defizit der Olympischen Spiele. Die olympischen Spiele in Paris werden voraussichtlich mit einem Defizit von zwei Millionen Franken abschließen. Aulobusse aus Aluminium-Rädern. Di« Versuche der Lon- doner Aulobus-Linien mit AuminiumRädern sind gelungen. Sie sind 40000 Kilometer ohne Schädigungen ge- laufen, und ihr Gewicht ist halb so groß, wie das der gebräuchlichen Räder. Explosion auf einem französischen Schlachtkreuzer. Nach einer Mitteilung des Marineministeriums hat sich auf dem französischen Schlachtkreuzer„Eournet", der aus der Höhe von Toulon Schieß- Übungen veranstaltete, eine Kesselexplosion ereignet. Zehn M a n n der Besatzung wurden verwundet, darunter drei schwer. Der kommandierende General ist unverzüglich von Paris nach Tou- lon abgereist. Schweres Eisenbahnunglück in Amerika. Auf dem Bahnhof von Long Jsland-Eity stießen gestern zwei überfüllte Personenzüge zusammen, Ueber 50 Passagiere wurden zum größten Teil sehr schwer verletzt. Dem Zusammenstoß folgte eine Panik, bei der Frauen und Kinder zertreten wurden. Der Zusammenstoß wird auf eine falsche Signalstellung zurückgeführt. Unfall des Schnellzuges Barcelona— Paris. Der �Schnellzug Bareelona- infolge Zug._...... Wagen des Güterzuges auf die Lokomotive des Schnellzuges gehoben und mehrer« andere Wagen des Güterzuges vollständig zertrümmert wurden. Der Lokomotivführer des Exprehzuges und zehn Reisende wurden v er letzt. Wetlerkatastrophe in Italien. In der Gegend von Florenz und in Mantua und Brescia find schwer« Gewitter nied«rg>?F,ingen. Schwerer Hagel hat in der Gegend von Ziovara die ganze Ernte vernichtet. Man schätzt den Schaden aus 6 Mil- lionen Lire. Bei Bergamo ist sogar Schnee gefallen. Neues Erdbeben im Kaukasus. Zu den Erdbeben in Turksstan und den Kautosusländern, die die Bevölkerung dieser Gebiete in letzter Zeit wiederholt beunruhigt haben, ist jetzt noch ein Erd- beben in Sowjetarmenien gekommen, das einige Erschütterungen bewirkte, ohne indessen ernstlichen Schaden anzurichten. Unser Zigarren-Sonderangebof bleibt noch einige Zeit in Kraft! Ermäßigte Zigarren-Preise: Rara Avis klein.. 15 � Rara Avis groß.. 20 � Hofgunst A.... 15 � Expansion.... 20 � für 1 Stück. Bei Entnahme von Originalkisten 10 Prozent Rabatt. DAS der kommenden Wodic! Solange der Vorrat reicht MASSART-- 20% ZIGARETTEN RABATT Somit kosten; C«id:;: 2,4 Dcift.. 4,»� Roal.;:;• 4-s Ritter..:;. 8 � Haus, 12c! für 1 Stück. 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Die amtliche Gewinnliste der Hauptzlehuns ist erschienen und bei mir zu haben. Mit der bevorstehenden 1. Klasse der 3ubiläums- 250 S klassenlotterie kehrt der alte Ziehungsmodus wieder. Es werden also künftig die Gewinne nicht mehr im End- nummern-Systera bestimmt, sondern wie früher alle Losnummern und Gewinne einzeln sezosen. Für meine bisherigen Kunden halte ich die Stammnummern zur Verfügung und bitte um baldgeiäiligt Einlösung. Für neue Interessenten habe ich noch frei Achtel-Lose 3 Mark Viertel-Lose 6 Mark Halbe Lose 12 Mark Ganze Lose 24 Mark Staatlicher Lotterie-Einnehmer MeUMöüer.ßgiMü In Firma Lud. Müller 4 Co. üerusalemerstr. 18 Nr. 362 ❖ 41. Fahrgang 2. Seilage öes vorwärts Smmtag, Z. August 1924 Kampf um öen Zrieöen. Von PH. S ch« i d« m a n n. Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens! Jahrzehntelang vor dem Kriege haben der letzte Kaiser und die Speichellecker, die ihn feierten wie einen. Gott, die Kon- servatioen, Nationalliberalen, Alldeutschen, Antisemiten p tuttl czuanti aller Welt verkündet, daß in Deutschland Millionen von Landesverrätern wohnen. Der Kaiser selber hat hundert Sprüchlein von sich gegeben, um immer wieder zu versichern, daß die Sozialdemokraten, die man ihm überlassen möge, eine„Rotte von Menschen sei, nicht wert, den Namen Deutsche zu tragen". Wer sich ihm entgegenstelle, den wolle er„zerschmettern" und dergleichen Blödsinn mehr. Was war denn im Grunde genommen diese Rederei anders, als eine Einladung an alle unsere„Erbfeinde", mal ein bißchen über Deutschland herzufallen: denn passieren könnte ihnen dabei ja nichts, weil der dritte Teil der Bevölkerung Sozial- demokraten, also vaterlandslose Gesellen, d. h. La»desver- räter seien! So saudumm wie die deutsche Politik der„Nationalen in Deutschland ist keine Politik in irgend einem Lande der Welt gewesen. Diese irrsinnige Politik wurde gemacht, weil dem Spießer das Gruseln vor den Roten beigebracht werden mußte, damit er stets auf die Leimruten kroch, die ihm gelegt wurden. Aus Angst vor den Sozialdemokraten mußte der Spießer„national" wählen, damit dann der Reichs- tag der Handvoll Kapitalisten, Imperialisten und'Groß- agrarier indirekte Steuern, Schutzzölle, Ausfuhrprämien usw. auf Kosten der Arbeiterschaft und der— aus die Leimruten gekrochenen Spießer machen konnte. Es kam der unglückselige Krieg, in dem die Arbeiter» s ch a f t, deren Kern die Sozialdemokraten waren, die 5? a u p t o p f e r hat bringen müssen.„Wir führen keinen Eroberungskrieg!" schwur Wilhelm II., und weiten �..Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!" Es war erstaunlich, was er nun über Nacht für verständige Sprüche hersagen konnte. Die Arbeiterschaft und die Sozialdemokraten zogen nicht dieser Redensart wegen an die Front, sondern des- halb, weil sie keine Lust hatten, Deutschland zum Kriegsschau- platz werden zu lassen, auf dem die zaristische Dampfwalze alles in Grund und Boden walzen könnte. Was wäre denn aus Deutschland geworden, wenn die Russen, die sofort in Ostpreußen einbrachen und recht bösartig hausten, bis Berlin eingedrungen wären und dort mit den Franzosen, die von Westen gekommen wären, nachdem Deutschland ihnen den Krieg erklärt hatte, ihre Siegesfeste hätten feiern können! Das galt es zu verhüten,— das Vaterland mußte verteidigt, die Gegner mußten abgewiesen und so schnell als möglich ein Frieden der Verständigung herbeigeführt werden. Das war— in der Nußschale— die sozialdemokratische Taktik: Landesverteidigung, Frieden der Berständigung— nie wieder Krieg! Nachdem wir also in den Krieg„hineingestolpert und „hineingeschlittert" waren, ging scheinbar— das Volk wurde durch die Kriegsberichte schandbar betrogen— alles ausgezeichnet. Von der Marneschlacht, die den Krieg schon entschied, wurde das deutsche Polk fast gar nichts gewahr. Dann siegten wir und siegten uns zu Tode, weil alle Versuche, zu einem Frieden zu kommen, sabotiert wurden. Jeder taktische Erfolg wurde zu einem großen strategischen Siege umgelogen. Das Kriegsgebiet wurde immer größer. Ganz Europa war Kriegsschauplatz geworden. Nur� Deutschland blieb vom Feinde unberührt, abgesehen von vorübergehender Besetzung im Osten und dauernder Besetzung kleinerer Ge- biete im Westen. Je länger desto mehr mußten alle verständigen Menschen einsehen, daß der Krieg für Deutschland nicht gewonnen werden konnte. Das wurde zur Gewißheit, als nahezu die ganze Welt gegen uns focht, an unserer Seite aber nur kom- plette Bankerottstaaten standen. Unser Ziel mußte sein, mit einem blauen Auge davonzu- kommen. Daran war aber nur zu denken, wenn eine Ver- ständigung herbeigeführt wurde, solange unser Heer noch intakt und das Volk nicht vollkommen ver- e l e n d e t war. Deshalb unsere andauernden Bemühungen, eine Berständigung herbeizuführen. Wir arrangierten die Stockholmer Konferenz— sie scheiterte, weil die feindlichen Regierungen den Sozialdemokraten Ausreise- crlaubnis nicht gaben, sicherlich schon in der Gewißheit, daß Deutschland der unterliegende Teil sein müsse. Die Zeit arbeitete ja auch tatsächlich für sie, s i e wurden immer stärker, w i r immer schwächer. Es kamen mancherlei andere Ge- legenheiten, bei denen wir die Regierung drängten, nichts zu versäumen, um zum Frieden zu kommen. Von allen Möglich- leiten war die am besten, die der Pap st 1917 herbeizuführen suchte. Hier setzten wir mit aller Entschiedenheit ein. Vor- aussetzung war, daß von deutscher Seite die bestimmte Er- klärung abgegeben wurde, Belgien herausgeben zu wollen! Daß wir Belgien nicht behalten konnten, mußte damals jedem Menschen, der seine fünf Sinne bei- sammen hatte, klar sein. Die guten Absichten des Papstes. die ganz parallel gingen mit unseren eigenen Wünschen und Forderungen, wurden zerstört durch die Ober st e Heeresleitung, der sich der damalige Staatssekretär v. Kühlmann vollkommen unterwarf. Der wichtigste Punkt der päpstlichen Bedingungen war der vierte: „England gibt die deutschen Kolonien Deusschland zu- r ü ck. Dafür räumt Deutschland 1. das zurzeit besetzte fran- zösisch« Gebiet. 2. B e l g i e n in seiner ganzen Ausdehnung. Belgiens voll« militärisch«, politische und ökonomische Unabhängigkeit soll durch geeignete zu vereinbarend« Bürgschaften sowohl Deusschland als England und Frankreich gegenüber gesichert werden." Aus dem Auslande waren dem Papste auf feine An- regungen sehr beachtenswerte Antworten zuteil geworden. Hier ist die englische Antwort: „Der König von England habe die Friedensvorschläge mit der aufrichtigsten Wersschätzung der erhabenen und wohlwollenden Ge- sinnungen, welche den Papst beseelten, aufgenommen. Di« englische Regierung würde sie mit der größten und ernstesten Auf- merksamkeit erwägen." Aus Amerika kam eine Antwort, der wir diese Stelle entnehmen: .Jedes Herz, das nicht durch den furchtbaren Krieg verblendet and oerhärtet sst. muß durch diesen rührenden Appell Seiner Heilig- Sobald es losgeht... Egon Freiherr von u.zu Trottelsöorf, Oberleutnant a D. im ehemaligen 2. Garöe-Ulanenregiment: ltanö tue. Slertumpel: Fraulein flmanöa puvogel: „Sobald es losjehk, erst mal sämtliche Juden und Marxisten an die Wand jeskellt. Dann ist uns Sieg tot- sicher!" Geh. Rat Prof. vr. Totengräber» Mitglieü der flkaäemie der Wissen- schasten: „Mit der Referendarprüfung warte ich bis zum nächsten Krieg. Dann mache ich das Rotexamen." Emil Krawutsthke, siebenfacher Lustmöröer: „Wenn es nicht bald Krieg gibt und man als Krankenpflegerin gehen kann, werde ich schließlich noch als Jungfrau sterben!" Raffke, ehemaliger Heereslieferant: „Sobald die kriegerischen Operatio- neu wieder aufgenommen werden. wird endlich mein sechsbändiges Werk „Der Krieg als Kulturförderer" in zweiter Auflage erscheinen können." „Zweimal haben se mir schon beim Ausbrechen jefaßt. Jetzt warte ick lieber. bis Ludendorfs losmarschiert. Dann lassen se mir von selber raus zur Rettung des Vaterlandes." „Ach könnss ich noch einmal so liefern..." ux lest des Papstes bewegt werden... Dos Ziel dieses Krieges ist. die freien Völker der Welt von der Bedrohung einer ge- waltigen Militärmacht zu besteien, die durch«m« unverantwortliche Regierung geleitet wird.... Es ist nicht unsere Sache, wie jenes groß« Boll unter ihre Gewalt gekommen ist oder sich mit zeitweiliger Bereitwilligkeit der Herrschast ihrer Ziele unterworfen hat. Aber es sst unsere Sache, daß die Geschichte der übrigen Welt nicht länger von der Ausübung dieser Macht abhängig bleibt.... Das amerikanische Volk hat durch die Kaiserliche Deutsche Regierung unerträgliches Unrecht erlitten. Aber es wünscht kein« Repressalien gegen da» deutsche Volt, das selbst in diesem Kriege, den es nicht nach eigener Wahl führt, alles erduldet hat. Die Amerikaner glauben, der Friede müsse auf den Rechten der Völker, nicht auf den Rechten der Regierungen ruhen... Die Absichten, welche die Bereinigten Staaten in diesem Krieg« ver- folgen, sind der ganzen Well und jedem Bolke bekannt, bei dem die Wahrheit Zutritt hat: st« brauchen nicht wiederholt zu werden..." Und was haben die deutschen„Staatsmänner" auf diese entgegenkommenden Antworten zu sagen gewußt? Reichskanzler Michaelis, der frumbe Handlanger Ludendorffs, bemerkte: „Meines Erachtens muß unser Bestreben dahin gehen, das Odium eines etwaigen Scheiterns des päpstlichen Bermittlungsver- suche auf unser« Gegner abzuwälzen und sie ins Un- r e ch t zu setzen, wie es im Dezember vorigen Jahres mit unserer Friedensaktton der Fall gszpesen ist. Ich beabsichtige daher, die An- gelegenheik ziemlich dilatorisch zu behandeln..." Dieser evangelische Mucker, eine Puppe des Drahtziehers Ludendorff, wollte die Bemühungen des Papstes„dilatorisch" behandeln, also hinziehen! Hinziehen hieß aber: weiten Hunderttausende dahinmorden oder vor Elend verkommen lassen! Der Papst drängte und wir Sozialdemo kraten drängten, aber Ludendoess hoffte auf ein großes Wunder und rechnete damit, daß er Belgien dennoci werde retten können. Ludendorff, der schuldigste Deutsche, duldete nicht, daß eine den Papst befriedigend: Antwort, die uns den Frieden hätte bringen können, gegeben wurde. Am 21. September 1917 wurde von päpstlicher Seite noch einmal nach Berlin telegraphiert: „Im Interesse des Friedens wird der Heilig« Stuhl die Ant- wort der Kaiserlichen Regierung nicht veröfsenklichen. bis Berlin letztes Work gesprochen hat über Abschnitt 3 und 4 des päpstlichen Vorschlages." Am 22. September 1917 wird folgendes Telephongespräch des preußischen Vertreters in München im Anschluß an ein Telegramm(Rr. 173) mit dem Auswärtigen Amt registriert:' „Hobe Pcipstv-rtreter mitgeteilt, daß nichls mehr zu ändern sei. Er schien nach unseren Unterholtungen keine anderen Entscheidungen erwartet zu haben, wiederholt« aber, daß nach Ansicht des Kardinal- Staatssekretärs, wie sie aus heute eingegangenem Telegramm her- vorging, die Friedensaktion des Papstes damit als gescheitert an- Züschen sein dürfte. Am 21. erneuerte er seinen Versuch zu unserer Umstimmung noch einmal. Er war ziemlich aufgeregt." Und nun kommt das Unerhörteste. Am 22. September 1917 telegraphiert Staatssekretär v. Kühlmann an den preu- ßischen Gesandten in München: „Durch Herrn v. L. erfahre ich, daß der Papstvertreter zu Eurer Exzellenz gesagt hat, wir müßten den Bermittlungsvorschlägen des Papstes besonders entgegenkommen, weil wir es wären, die den Frieden wünschten. Obwohl Euer Exzellenz dieser Auffassung bereits entgegen- getreten sind, bitte ich, keinen Zweifel darüber zu lasse», daß au» unserer Friedensbereitschaft keineswegs eine Ariedensnotwendigkeit zu folgern ist. Kühlmann." Mit dem U-Boot-Krieg kamen die Amerikaner und mit dem Eintritt der Amerikaner in den Krieg war das Schicksal Deutschlands endgültig besssgelt Je schlimmer unsere Lage wurde desto verlogener wurden die Berichte vom Kriegsschauplatze. Je dringlicher der Friedensschluß für uns war, deste irrsinniger wurden die Forderungen der„Eroberer" daheim. Die Annahme der bekannten Friedensresolution im Reichstage hatte die Gründung der Vaterlandspartei unter Kapp und Tirpitz zur Folge! Je verrückter die Erobevungsabfichten waren, die diese Narren verkündeten, um so tiefer wurde der Riß, der durch unser Volk ging, das die unsäglichsten Opfer an Gut und Blut bringen mußte! Der ehemalige Kronprinz hat einmal an seinen Vater geschrieben, Ludendorff habe ihm gesagt:„Deutschland muß siegen oder untergehen!" Das war die Politik des verrückt gewordenen Kadetten", um mit Hans Delbrück zu orechen. Solange eine Verständigung möglich war, das heißt, llange das Heer noch fest gefügt war, lehnte Ludendorff sie :b, als es fraglich geworden war, ob das Heer— nach seinen eigenen Telegrammen!! � noch vierundzwanzig Stunden standhalten könne, da bettelte er um Waffen still» st and und Frieden, d a, als es z u s p ä t war, hätte er sich herzlich gern verständigt. Mit einem Gegner, der vollkommen fertig ist, verständigt sich aber ein Sieger nicht, dem diktiert er d'e Bedingungen. Wenn man die niederträchtigen Be- dingungcn, die uns Foch diktiert hat, in ihrer ganzen Ab- scheulichkeit erfassen will, dann lese man die Forderungen der sechs deutschen Wirtschaftsoerbände für den Fall unseres Sieges! Der lese, was die Vaterlands- parket noch im Herbst 1917 für Forderungen aufgestellt hat: Her mit Belgien und der französischen Küste bis Calais, her mit Longwy und Briey! Her mit den russischen Randstaaten! Die Wahrheit ist, daß das deutsche Volk weder den Krieg noch Evrberuygen gewollt hat. Die Wahrheit ist, daß das deutsche Volk 1914 wie heute und in aller Zukunft in Frieden zu leben wünscht. Und well es das will, sst es bereit, jeden Weg zu gehen, der zur Hölkeroersöhnung führt. Wie dumm ist demgegenüber die Taktik der„Nationalen". Sie sind heute genau so verblendet wie vor dem Kriege. Sie rasseln mit allen Säbeln und regen für die Revanche die Zungen wie Trommelschlägel. Dabei könnten sie wirklich wissen, daß sie doch das ganze Volk auf ihre Seite bringen müßten, wenn sie einen neuen Krieg beginnen und siegen wollen. Statt dessen beschimpfen sie Tag für Tag die Mehr- heit des Volkes als Landesverräter und Dolchstößer, als Schufte und Lumpen. Der lauteste Rufer im Streite ist Ludendorff, der uns in Not und Tod, in Hunger und Sklaverei gebracht hat durch seine kinüsköpfische Kadetten- Politik. Daß diesem Manne noch ausgewachsene Menschen nachlaufen, ist das Beschämende für Deutschland. Für unsere Gegner ist die Ludendorfferei das beste Mittel, die milita- ristische Propaganda gegen Deutschland immer wieder zu be- fruchten. Freilich, der wahre Zweck ist dieser: Unter dem„natio- nalen" Rummel sollen der Achtstundentag begraben werden, aber Schutzzölle auf Lebensmittel und neue Steuern auf alle Gebrauchsgegenstände wieder auferstehenl fim Leginn üer Katastrophe. Habsburgische Eroberungspolitik. „... Das österreichisch-ungarische Ultimatum ist nichts als ein Kriegsvorwand, aber diesmal ein gefährlicher. Wie es scheint, stehen wir dicht vor einem österreichisch-serbischen Kriege. Es ist möglich, sehr möglich, daß w i r osteuropäische Brände mit Gewehren löschen müssen, aus Verträgen, oder aus dem Zwange des Tages. Aber es ist e i n Skandal, wenn die Reichsregierung nicht in Wien längst verlangt hätte, daß solche Endgebote ihr vorher rorgelegt werden. Heute bleibt uns nur eins übrig, zu erklären: Für Kriege der habsburgischcn Eroberungspolitik sind wir nicht ver- pflichtet."(„Rheinisch-Westfälische Zeitung", 24. Juli 1914.) Energie, die erschreckend wirkt... „Ist das eine Note? Nein. Es ist ein Ultimatum. Und zwar ein Ultimatum in schärsster Form. Binnen vierundzwanzig Stunden verlangt Oesterreich die Antwort. Die Antwort? Nein. Die glatte Unterwerfung, die völlige Demütigung Ser- b i« n s. Man hat bisher->st genug(und mit Recht) über Oesterreichs Mangel an Energie gespottet. Hier hat man einen Beweis von Energie, der erschreckend wirkt! Die Note bietet so ziemlich das Aeuß erste, was man einer Regierung sagen kann, und man sagt dergleichen nicht, wenn man nicht in jeder Weise zum Krieg ent- schlössen ist."(„Die Post""(freikonservativ), 24. Juli 1914.) „Nun aber wollen wir sie dreschen". „Als der Kaiser nach der gestrigen unvergeßlichen Eröffnung des Reichstags im Weißen Saal des königlichen Schlosses sich von den Abgeordneten verabschiedete, reichte er dem Abg. van Calker, dem Straßburger Staatsrechtslehrer, als letztem die Hand. Herr van Calker trug seine Uniform als Major der Garde-Landwehr und trat somit dem Monarchen in der Doppeleigenschaft als Mitglied des Reichstags und Offizier gegenüber.... Der Kaiser sah Herrn van Calker einen Augenblick an, dann nach dem Händedruck machte er mit der Hand und mit geballter Faust ein« kurze energische Geste, wie einen Hieb nach unten. Und: Nun aber wollen wir sie dreschen!" rief er vor sich hin, nickt« und ging."(„Tägliche Rundscheu", S. August 1914.) Wilhelm zieht das Schwert! „Bevor das Leibregiment der Hohenzollern, das 1. Garde-Regi- meut zu Fuß, seine Garnison Potsdam verließ, hat sich der Kaiser, als Chef des Regiments, von seinen Grenadieren mit einer Ansprache verabschiedet, in der u. a. sagt: „Und so ziehe ich denn das Schwert, das ich mit Gottes Hilfe Jahrzehnt« in der Scheide gelassen habe.(Bei diesen Worten zog der Kaiser das Schwert aus der Scheid« und hielt es hoch über seinem Haupte.) Das Schwert ist gezogen, das ich, ohne siegreich zu sein, ohne Ehre nicht wieder einstecken kann. Und ihr alle sollt und werdet mir dafür sorgen, daß es erst in Ehren wieder eingesteckt werden wird. Dafür bürgt ihr mir, daß ich den Frieden meinen Feinden diktieren kann." („Hamburger Nachrichten", 17. August 1914.) Das„Stahlbaü". Die Menschenopfer des Weltkriegs. Usber die Opfer, die der Weltkrieg gekostet hat, kann man auch jetzt, sechs Jahr« nach seinem Ende, noch keine genauen Zahlen er- Mitteln. Berschisdene Gelehrte haben versucht, die Zahl der Opfer zu berechnen, wobei sie nicht nur die offiziellen Berlustlisten zu Rate zogen, fondern auch die offiziellen Statistiken über das Hinterland. So brachte die Kopenhagener Studienkommission für soziale Folgen de« Krieges in den bald nach Kriegsend« herausgegebenen Bulletins eine von Christian Döring verfaßte Aufstellung über die Menschen- Großbritannien und Irland. Frankreich.. Bulgarien.... Rumänien.... Serbien..... Europäisch. Rußland und Polen._ Zusammen: 20 250 000 15 130 000 9 829 000 35 380 000 In dieser Tabelle fehlen noch ein« Reihe von europäischen Staaten, so die Türkei, sowie alle außereuropäischen Staaten, wie die französischen und deutschen Kolonien, die Vereinigten Staaten und Japan. Döring bemerkt dazu: Rechnet man alle diese Menschenverluste zusammen, so erhält man einen Gesamtverlust von vierzig Millionen(an Geburtenverlust, Zu- nähme der Sterblichkeit llsw.). Darunter sind etwa zwölf Millionen Kriegstote. Die Kriegskosten. � Aber nicht nur die Menschheit wurde dezimiert. Es wurde auch das Bermögsn der Völker in Trümmer gelegt. In seinem Buch „Die Kriegskosten und ihre Finanzierung" berechnet Professor Borgst die Kriegskosten der einzelnen Mächte folgendermaßen: Verbündete Mächte: Vereinigte Staaten... 139 439 199 819,89 England....... 191526 201 626,89 Britische Kolonien.... 19 648 985 863,20 Frankreich...... 112 286 605 180,— Rußland....... 98 283 682 500,— Italien......•• 53665891300,— Belgien....... 5021935425,20 Serbien Rumänien.. Griechenland Japan... Sonstige Verbündete. 1 737 390 000,— 6 960 000 000,— 1 164 5f 0 000,— 174 000 000,— 2 175 000 000,— Zusammen: Goldmark 632 001 454 205,— In«oldmart unigerechnet 174 652 500 000,— 89 709 378 610,— 6 220 500 000,— 3 546 120 000,— Mittelmächte: Deutschland.. Oesterreich-Ungarn. Türkei...... Bulgarien....' Zusammen: Goldmark 274 128 098 810.— Rund tausend Milliarden oder eine Villion Goldmark haben also die bloßen Kviegstosten der kriegführenden Staaten betvagen. Zahrt durch Süödeutschland. Bon Franz. Lepinsti. I. Als hinter den Zäunen der Flieder aufging, schnürte ich meinen Ranzen. Mit hungrigem Herzen Usch mäßigem Geld fuhr ich davon — dem Süden zu. Im Abenddunst oersank die Stadt. Ihr Pulsschlag hatte mich hundertmal begeistert, ihr« Lebensfüll« mich tausendmal entzückt. Nun war ich ihrer müde. Ihr« Geräusch« taten mir weh. Ihre Farben beleidigten mich. Und ihr Dunst ließ meinen Atem stocken. Mit jedem Lichtschein, der aus dem nächtlichen Land« aufblitzte, wurde es mir heller zu Mut. Und mit jedem schlafenden Dorf, das am Zugfenster vorbeiflog, fang mir der Rädertakt lauter ins Ohr: „Ich weiß, daß Berge auf mich warten— draußen weit..." Der Zug glitt durch die Mark wie«in Bügeleisen über geglätte- tes Linnen. Als die erste Frühe die schlaftrunkenen Gesichter um mich her zu röten begann, kam uns draußen schon die Saal« ent- gegen. Sie gab uns«in langes Geleite— durch tauig« Wiesen, vor- bei an ihren„Burgen, stolz und kühn", vorbei an Dornburg» hohen Schlössern, durch das erinnerungsreiche Jena— welch ein« Ironie, daß am Bahnhof„Paradies" meine einstige Kaserne liegt!—, durch das freundliche Rudolstadt und das still« Saalfeld. Lange rann uns die Saale zur Seite. Sie führte uns in die Thüringer Waldberge hinein wie in ein Traumland. Hangauf, hangab standen die Tannen. Die Dörfer reckten ihre schieserschworzen Dächer aus Wiesen und Gebüsch hervor, als müßten sie darin«r- trinken und sähen das nicht einmal ungern. Und die Lust flimmert« von Sonn« und Blüten. II. Nun rollt der Zug ins Maintal hinab, ver Stasselstew grüßt. Bayern kommt— das finsterste Land Europas. Aber der Frühling hat auch über Bayern Duft und Hell« gebreitet. Er läßt fein« Sonn« scheinen über Gerechte und Ungerechte. Sonntags drauf feiert das ganze Bayerland fem Kmgersest. Durch all« Städte wälzen sich Umzüge mit schmetternder Musik. In allen Straßen wogen die Fahnen— blauweiß und schwarzweißrot. Ich fuhr durch viel« Städte, und ich suchte auch nur in einer Straße und nur an einem Fenster die Farben der Republik. Ich suchte mich müde und fand keine. Aber aus den Bahnhöfen der Deutschen Reichseisenbahn blähten sich stolz die schwarzweißroten Fahnen, die Farben der Reaktion. Es gibt immer noch Leute, die mit boshafter Beharrlichkeit behaupten, daß Bayern zur deutschen Republik ge- höret Bamberg! Buntes Treiben durchflutet die Stadt. Zwischen hellen Sommerkleidern— wie farblos wären die Städte ohne die Frauenl— wandeln Schwarzröcke einher, zahlreicher als anderswo und finsterer beinah«. Wo ihre Zahl dichter wird, da ist der Dom nicht weit. Dieser Dom— auf sanftem Hügel breit gelagert— trögt die Paradox:« eines Uebergangswerkes in stolzer Großartigkeit. Einen wuchtig gefügten Unterbau flankieren wci Paar feiner Türme, um die die Morgenfrische einer anderen Zeit y>eht. Sie springen wie junge Triebe aus dem Koloß ihres alternden Stammes hervor.» Das Innere, einheitlicher im Wuchs, ist reich an Altären, 5)ei- ligenbildern und Holzschnitzereien. Eine Schatzkammer strotzt voller Monstranzen, Kruzifixen, Königsmäntel und Kaiserkronen. Um alle diese Schätze liegt gedämpftes Licht und wohltuend« Kühle. Da- zwischen gespenstern Gerüche umher wie Reste von Opferfeiern. Ein Mehner jagt uns rudelweis« durch die Schatzkammer— für ein er- kleckliches Eintrittsgeld natürlich. Denn die Kirche hat einen guten Magen. Bamberg hat noch viele Hügel— sieben sollen es sein. Der schönst« ist sicher der, von dem die Altenburg mild herabschaut. Dorr oben läßt sich's gut plaudern, wenn über das FrankenlaNd die Nacht hereinltficht.— llAer den Mauern Nürnbergs perlen Rotdorntrouben, kühl und still. Drinnen aber geht der Atem dieser Stadt heiß und unruhvoll. Unruhe umwogt auch die großen Steindenkmole jener hohen Kultur, deren Kraft und Tief« aus ruhigeren Quellen floß. Laut und grell zittert der Strom der Großstadt an ihnen vorbei. Das zu sehen, war ich diesmal nicht auf Reisen gegangen. Ein Gang nur noch durch die Feierstimmung der gotischen Kirchen und durch die schlafenden Gänge der Galerien— und dann fort— weiter. Dann rollen uns die Wellen der Donau entgegen. Ulm naht. Kein Stadtbild sah ich noch, das diesem an Strenge gleicht. Ueber der Stadt steht das Münster. Breitschultrig überragt dos Schiff das Gedränge der Dächer. Und darüber steigt der Turm auf, hochreißend wie ein steingewordenes Massengebet. Bon der höchsten Kreuzblum« kann der Weg in den Himmel nicht weit sein. Vom Balkon des Kaffeehauses am Markt läßt sich's mit dem Münsterturm gut Zwiesprache halten. Von dort kann der Blick hin- aus- und hinabspazieren, kann sich in dem Strebewert der Pfeiler verfangen, sich m dem Gewirr der Wimperg« und Krabben verlie- ren, an einer Kreuzblum« ausruhen. Man sollte aber zuweilen hinabschauen auf den Markt oder in ein Buch— man könnte sonst der Genickstarre verfallen. Denn Ulm ist stolz auf den Ruhm, die höchst« Kirche der Welt zu besitzen. Wer sich die Müh« nimmt und bis zur letzten Balustrade im Turmhelm hinauffteigt, dem leuchtet das«m. Der einsame Tür- mer— man muß ihn sehien, wenn er die Glocken läutet!— liefert dem Zweifelnden auch an der Hand reichen Bildmaterials den schlüssigen Beweis für diesen Ruhmestitel. An jedem Vormittag ist im Münster Orgelkonzert. Dann wer- den die düsteren Pfeilerbündel lebendig und beginnen zu schwingen wie Saiten, und der Dom wird ein einziges klingendes Orgelwerk, auf dem unsichtbare Hände Hymnen von überirdischer Gewalt spielen. * in. Fern grüßen die Alpen mit Schneehäuptern— ein andermal! Dann blitzt es graugrün zwischen den Höhen. Der Bodensee zieht mit blinkender Fläche herauf. Lindau schwimmt auf dem Wasser wie«in artiges Spielzeug. Ein Schiff trägt uns nach Meersburg, der schönsten Stadt am Schwäbischen Meer. Als hätte jemand ein Stück Rothenburg an dieses Ufer gezaubert, io winklig und eckig, mit Türmen und Toren, steigt die Stadt zwischen den Weinbergen auf. An diesen Hängen reift der rot« Meersburger, der schon den mutigen Kämmerer der Herzogin Hadewig von Schwaben manchmal unter den Tisch gepzorfen haben soll. Ich kann nicht bezeugen, ob der Wein heute noch so kräftig gedeiht. Wohl ein halbes Dutzend Torbogen— es ist in der Fremde io heimallich, durch Torbogen zu schreiten— führt der Weg zur Lu- gendherberg«, dieser Perle von Jugendherberg«. Zwar ist der Stroh- sack nicht weicher und das Kopfkissen nicht reinlicher als anderswo, aber vor der Tür steht das.Jänzele". Dort sitzest du noch«in« Stund« vor dem Schlafengehen. Dunkel glänzt der Bodensee herauf wie flüssig gewordene Nacht. Winzig« Lichllein. einzeln und zu Haus,— irren fern an den Usern herum. Zur Rechten die Schar, das ist Konstanz. Di« alt« Kastanie sät ihr« Blütenflocken in die Dämmerung. Du denkst an dies und an das, vielleicht auch an das große Frauenherz der Annett« Droste, die hier wohl manchmal in solchem Abendfrleden ihre heiße Seele gekühlt haben mag,— da �»6 4cig( h&men nicht daviiW Simwegfc'r.cn fähigkeit. Unser heutiges Angebot ist ein erneuter Beweis dafür! 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Ein zahn- loser Alter fuhr uns im Kahn hinüber und malte uns Bilder seiner Jugend, von der Philosophie jenes Steinklopfers durchweht, daß diese Welt eine lustige Welt sei. Bon Reichenau sind wir wie weiland das Mönchlein Ekkehard auf den Hohentwiel gefahren, diesem stolzesten Bergkegel im Hegau« r Land. Die Hegauer feierten just in der Stadt Singen ihr Musikfest mit großem Gepränge. Seit Wochen hatten alle Dorf- Musikanten ringsum allabendlich ihre Blasinstrumente zu fleißiger Ucbung erklingen lassen. Nun waren sie alle beisammen: die von Schwitzingen, Witzingen, Blitzingen und Jtzelfingen— und bliesen, daß in der Runde die Klinksteinfelsen bebten. Zum Fest war auch die Herzogin Hadewig von Schwaben höchstselber mit ihrem Gefolge von ihrer Burg herabgestiegen. Im Zuge schritt Ekkehard, den verhängnisvollen Virgil unter dem Arm, das zierliche Hoffräulein Praxedes aus Griechenland, der Herr Kämmerer Spazzo und noch manche Gestalt, die Scheffel aus der Vergangenheit der Geschichte in die immerwährende Gegenwart der Dichtung gehoben hat. Der Dichter selbst, der in Bronze gegossen vom Hohentwiel auf die Stadt herabschaut, soll an diesem Tage eine Unmutsfalt« im Gesicht getragen haben. Er wird feinen Grund dazu gehabt haben. IV. Andern Tags geht die Fahrt in den Schwarzwald hinein. In den Tälern der Ach und der Alb blühen die Wiesen. So blühen sie wohl nirgends auf dieser Erde. So blühen sie nur in Märchen und Träumen. So springen auch die Bäche nur durch Märchenwiesen— und aus den Bildern, die der Sohn dieser Erde, HansThoma, gemalt hat. Sein Heimatdorf Bernau liegt weitläufig in eins dieser Wiesen- täler gestreut. Wir wallfahren von Unterlehen nach Oberlehen; dort steht sein einfaches Wohnhaus. Draußen spielen blond« Kinder, und drinnen in der niedrigen Dorfstube schnitzt«in Nachfahr« Tho- mos' Hirsche und Vögel aus weichem Tannenholz. Von Oberlehen schlingert der Weg nach Jnnerlehen, wo die blendend weiß getüncht« Kirche steht. Für diese Kirch« hat Thoma zwei Heiligenbilder gc- frevelt— einen hölzernen Christus, einen steifbeinigen Johannes und einen papiernen Weihnachtsengel— als ob es Heiligeres gäbe als dieses Tal in seinem Frühlingsglanz. Tannenwälder riegeln Bernau von der Welt ringsum ab. Wenn ein Gott die Welt erdacht hat, dann sind dies« Tannen in seiner glücklichsten Schöpferstunde seinem Schädel entsprungen— Gestaltungen, von Kraft und Anmut, Füll« und Streng«, Düsterheit und Klarheit in gleichem Maß« erfüllt. So laufen sie über Höhen, so säumen sie die Wiesen und Dörfer ein. so klettern sie mit uns den Feldberg hinauf, und so spiegeln sie sich blütenüberladen im Schluch- see, so fassen sie mit zackiger Bort« den Himmel ein. und so stehen sie, schwarz und schweigend, wenn Mvndlicht auf sie fällt. Inmitten solcher Tannen liegt Fr ei bürg, die Schwarzwald- stadt. In ihren Straßen klingt die Melodie des Schwarzwoldes in einer anderen Tonart fort. Wenn du die Stadt betrittst, begrüßt dich ihr Münster in stolzer Zurückhaltung— ein Wunderwerk feinster gotischer Baukunst. Sein Turm steht selber wie eine Schwarzwaldtann«, Anmut und Kühnheit in seinem aufstrebenden Wuchs verschmelzend. Als hätte ein Bau- meister das Urbild der Schwarzwaldtanne weiter gedacht, Über sich selbst hinaus gesteigert und in roten Sandstein geformt. Doch wenn die Abendsonn« in den Fenstern spielt, dann glühen die Mauern wie die Stämme märkischer Kiefern. Viele Bäche und Brunnen hat die Stadt. Wenn du nächtens durch die Straßen wandelst, dann rauscht es und gurgelt es um dich her, als kämen hier all« Schwarzwaldbäch« zu Häuf, als schwömme die Stadt auf glucksenden Wässerlein, die ganze„BSchele-Stadt". V. An einem Iunimorgen geht's heimwärts— mit Widerspruchs- vollen Empfindungen in der Brust. Der Zug rattert durch die weite Eben« des Oberrheins. Wie gm, daß er Zeit läßt. Erlebtem nachzuhängen, Kommendem entgegenzusehen. Im Westen verdäm- mert der Wasgenwald— weht schmerzliche Erinnerung aus bitte- rer Zelt herüber. Im Osten zeichnet der Schwarzwald dunkle Linien am Horizont. Zuweilen öffnen sich sein« Täler wie weite Tor« in noch unentdecktes Land— lassen neue Tannenhäng« ahnen, dunkel und schweigend, neu« Wiesen, wo Margeriten wie Wellenkämm« schäumen und Bäche über Steine stelzen. Schaut sie einer? Schweift ein Menschenblick über ihren Farbenüberschwang? Sollen sie ver- gehen, ohne daß Augen sie umfassen, ohne daß Menschen ihre Her- zen daran ausweiten und ihr« kurze Erdenbahn an die Grenze dessen führen, was dieser Planet an Unlrdischem zu gebären weiß? Der Zug rattert durch den Tag und durch die Nacht und wieder in den Tag. Wieder durch gebügeltes Land, durch brandige Kiefern- Heiden, durch sandigen Grund— bis der letzt« Tropfen Grün in rauchgeschwärztem Gemäuer versickert und die Zahl der Gleise sich Hundertsach vervielfältigt— bis Berlin kommt. Zilmsihau. Die Filme der Woche. DaZ Repertoire der Urausführungsthealer weist eine merkwürdige Er- scheinung aus: eS werden so gut wie nusschliehlich amerikanische Filme gespielt. Nun ist es der Vorzug der deutschen Kultur von jeher gewesen, dah sie für alles in der Welt Sinn und Empfängnis hatte. Aber daß der deutsche Film, der auch einmal Kulturbedcutung erstrebte und damit die Weit erobern wollte, völlig in seinem UrsprnngSIandc ausgeschaltet wird, ist ein betrübliches Zeichen schlechter Konjunktur. Und wenn nur das fremde Gut wenigstens wertvoll wäre! Das.Modell"(im N.T. Kurfür st endam ml ist typisch amerikanisch. Eine Geschichte vom Künstler und einem Modell. Er entdeckt in der armen Stellungslosen, die sich als Modell ausgibt, die Muse, die ihn begeistert und zu den Höhen des Schaffens führt. Aber seine vornehme Familie stellt sich zwischen sie beide, nimmt ihr das Versprechen, die angetragene Ehe nicht ein- zugehen. Trennung— beiderseitiger Schmerz— Wiederfinden— aber sie bleibt ihrem Versprechen treu. Neue Zwischenfälle— ein entehrender Angriff aus das Modell, das in seiner Schicht als Freiwild gilt. Schließlich findet fich das Paar und die Familie gibt ihren Segen. Aber was sür seltsame Künstler, die w einer aufgedonnerten LuxuSwclt leben und ihr Gesetz von deren spießigem Vorurteil empsangen. Weltliche Aengstlichkeit, daß das Modell nicht zu viel Nacktheit zeige. Die ganze verlogene Moral- anständiglcit der Pharisäer erfüllt die Handlung. Und wie sentimental und cdclkitschig i>t das Modell. Corinne G r i s s i t h, die ihre.prämierte Schönheit" ganz dieser Anschauung anpassen muß. Sie ist wirklich in Gestalt und Ausdruck vollendet, nur gar zu süß und schmachtend. Die Männer find alle kalt, und die Künstler genau so langweilig wie die andern. Die Inszenierung ist ganz aus die vornehme Welt eingestellt, nur ein Kontrast- bild zeigt einen Fetzen Elend. Die Photographie ist technisch gut, bietet aber kaum Neues. Die Regenfzene, das nächtliche Straßenbild und das Vergnügungstreiben der NcujahrSnacht haben wir olle schon gesehen. .Fräulein Frau"(im Bafegtheatcr) zeigt auch eine Künstlerehe. Ein junger Musiker hat ein Mädchen geheiratet, das im Hause einer Verwandten daS Aschenputtel war. Ein Familienidhll spielt sich in ländlicher Ruhe ab. Da kommt eines Tages der Vater der Frau mit schwerem Gelde aus Australien zurück. Er hat hochfahrende Pläne mit seiner Tochter, die nun Mann und Kind verleugnet, um seine Gunst und daS Wohlleben des Reichtums nicht zu verlieren. Sie führt ein Leben im großen Stil; ein bankerotter Baron soll sie heiraten. Sie gesteht ihm ihre Lage. Aber die Konflikte zwischen ihr und ihrem Mann iverden unüberbrückbar und führen zur Trennung. Sie glaubt, daß ihr Kind, an dessen Krankenbett sie von einer Ballnacht'zu spät kam,«gestorben ist und verfällt körperlich und seelisch. Am schönen Mittelmeer finden sich Mann und Frau und Kind wieder, wo alle zu ihrer Genesung weilen— zufällig. Der Vater ist beglückt und versöhnt. O selige Gartenlaube, daS nennt man Rührung! Hübsche Land- schastsbilder und ein entzückendes Spiel Jco von L e n k e f s y s in der Hauptrolle sind das beste an diesem Film. ä. vr. Zack in der Alhambra. Die Alhambra eröffnet die neue Spielzeit mit einem außerordentlich unterhaltenden Programm. Als Horsdoeuvre bringt sie den spannenden, wenn auch etwas rohen Borkamps zwischen den Federgewichte» Criquii und Frush, einige angenehme Tänze des Balletts Farabont-Vronzi und eine kurze Groteske.Er sprengt die Bank" mit H a r o I d L I o h d, in der das Publikum aus dem Lachen über die akrobatischen Verwicklungen eines Bohemienlebcns in amerikanischer Be- leuchtung nicht herauskommt. AIS Hauptmahlzeit wird dann gleichfalls ein Harold- Llohd-Film.Dr. Jack" serviert, der die Bezeichnung GroteSke nur zum Tell verdient, weil er neben den obligaten Sprüngen und Glieder- Verrenkungen eine ernste Gesühlsnote aufweist. Ich hätte nie geglaubt, daß Lloyd mit seinem unbeweglichen Nußknackergcsicht so ttese Wirkungen erzielen könnte wie in diesem Film, wo er als Arzt ein junges Mädchen aus der falf' nachdem er st indem er ihren nd sterblich in sie verliebt hat. Wenn er ein» Mutter heilt, Sohn aus der Ferne herbeizitiert, einen simulierenden jungen, indem er ihn zur Schule schickt, erscheint er als ein gütiger Scelenarzt, und selbst bei den wildesten Sprüngen sewer zur Heilung seiner Liebsten auSgesührten Verkleidung als Wahnsinniger bleibt dem Zu- schauer die warme Sympathie mit einem herzensguten Menschen. f. h. o. »vi«»eis« um die Erde in 18 lagen* geht in ihrem ersten Tell im M o z t< S a a I vor fich. Di« Amerikaner lassen einen Urenkel Jules Vernes� austauchen, der von der Gemütlichkeit seines Großvaters nichts mehr an sich hat, sondern nur Zweierlei kennt, nämlich die Hätz und die Sensation. Eine Wette läßt man der Erdreise noch zn zugrunde liegen, sonst aber beutet man Jules Vernes' Phantasie beliebig und vornehmlich zu Filmkaiastrophen aller möglichen Art aus. Um die Zuschauer tu bebende Erregung zu versetzen, werden bei der tollen Jagd alle nur denk- baren Verkehrsmittel benutzt. Man sieht Bilder von London und Paris, wie man sie schon des öfteren zu scben bekam, aber Flugzeugausnahmeu von Berlin, wie man sie bislang noch nicht sah. Konstantinopel ist leider ganz und gar Kulisse und noch dazu eine sehr schlechte. Uebcrhaupt ist der Ucbergang von der Kulisse zum natürlichen Anschlußbild nicht glänzend geiuiigcn. Wem es aar zu schwer fällt, seine Neugierde zu bezwingen, der kann sich sosort im Theater am Nollendorsplatz den zweiten Tell der Reise ansehen. Dieser ist mit allergröbsten Mitteln ganz aus den Reißer zugeschnitten. Nicht ein schönes Städtebild taucht aus, alle» ist Kulisse, Kulisse und nochmals'Kulisse. Die Unwahrscheinlichkeiten nehmen in nahezu berauSsordclnder Weise überhand. Eiu Vulkan bricht aus einer Zuckerrohr- Plantage aus, ein Mensch schwimmt mindestens zehn Minuten unter Wasser, wobei sein Hemd trocken bleibt, Leute fallen in einen Krater und in Lava- massen und behatten ihre untadelig saubere Wäsche, und eine Dame hat trotz aller Hätz stets Zeit, ihre Garderobe zu wechseln. Julei Verne«' Phantasie war unerhört kühn, die Amerikaner bringen kein« vertiefte AuS« gestaltung, Jules Vernes hatte Kultur, die Amerikaner kennen nur ein Gewimmel von UnWahrscheinlichkeiten. Der Tauentzien-Palast verschrieb sich auch einen Amerikaner, und zwar.Spiel und Ehre". Ist Amerika das Ursprungsland, dann ist jedes Manuskript von vornherein der weitgehendsten Rücksicht sicher. Drei bekannte Würzen durchziehen diesmal die sieben Akte, die Sentimentalität, die Moral und der kriminelle Einschlag. In dieser technisch sauberen Arbeit sieht man vor allen Dingen Sportbilder, die man in ihrem vollen Reiz gerne auskostet. Sie sind sehr interessant, da sie in einem uns unbekannten Ballspiel wirklich etwas Neues bieten. Die Zuschauertribünen sind in ihrem vollen Leben ersaßt. So erzielt man Anteilnahme und ein williges Mit- gehen des Publikums. Das Spiel ist verständlich und das starre Gesicht des Hauptdarstellers, so durchaus stirmps im Ausdruck, paßt gut zu der Nolle. e- b. .Schweigsame Lippen", ein italienischer Film, lies über die Leinwand in O s w a l d- L i ch t s p i e I e n. Es ist leine aufregende Angelegcnbcit, aber die Sache ist durch kontrastierende Szenen(die ersten Bilder spielen auf See an Bord eines Kriegsschiffes) abwechslungsreich ausgezogen. Ein junger SchiffSlcutnant ist der leibliche voreheliche Sohn der Gattin feines Kommandanten, eine Tatsache, die die Mutter solange zu verbergen weiß, bis ein Schuß aus dem Revolver des eiscrsüchtigen Gatten sie zum Ge- ständnis zwingt. Die Darstellung zeigt kluge, beherrschte Typen, man glaubt oft Nordländer vor sich zu haben und nicht Italiener. Vieles wird dadurch zu matt, weil man sich nicht zu bewegen wagt und den Affekten nicht nachgibt, anscheinend ein Regiesehler. IC Sport. Rennen zu Grunewald am Sonnabend, den 2. August: I.Rennen. 1. Favilla(Elslein), 2. Caracas(Hellmann), 3. Thrain (ffiolss). Toto: 33: 10. Platz: 13, 15, 16: 10. Ferner liefen: Teusels- braut, Prinz Karneval, Stummer Teufel, Diogenes._ 2. Nennen. 1. Sternschnuppe(Bleuler), 2. Samadnn(Hugueniu), 3. Lese(F. Kasper). Toto: 23:10. Platz: 14:10. Ferner liesen: Karrara, Mainbcrg, Aufklärung, Dalberg, Escorial. 3. R e n n e n. 1. Sisyphus(Bleuler), 2. Antener(G. Schmidt), 3. Jsonzo(Jentzsch). Toto: 45: 10. Platz: 13, 11, 13: 10. Ferner liefen Magnei, Winnetou, Fliegender Fuchs, Torquato, Arie. 4. Rennen. 1. Hampelmann(O. Schmidt), 2. Perikles(F. Kasper),: 3. Eigilbert(Jentzsch). Toto: 36: 10. Platz: 18, 27: 10. Ferner liefen: Tranmdeuter, DardanoS, Habicht, 5. Rennen. 1. Hohe Pforte(Ch. Korb), 2. Wartburg(Huguenin), 3. Lapis Electrix(W. Tarras). Toto: 24: 10. Platz: 16, 17: 10. Ferner lies: Whatagirl. «.Rennen. 1. Coran(Torke), 2. Marienburg(P. Ludwig!, 3. Oberau II(S. Jentzsch). Toto: 37: 10. Platz: 18. 125, 20: 10. Ferner liefen: Melanie, Parnaß, Queen Mary, Manttnea, Prinz Christian, Magnus, Myron, Allotria, O Straßburg, Königliche Hoheit, Panter. 7. Rennen. 1. Kati(E. Mutter), 2. Sankt Thomas(Kalff), 3. DioSour(W. TarraS). Toto: 69: 10. Platz: 21. 20. 17: 10. Ferner liefen: Roderich, Kadewitt, Pennemätzchen, Parioli, Penelopc, Gripsholm. Wetter für Berlin mid Amgegend. Nach Gewittern wieder aufklarend und Abkühlung bei mäßigen westlichen bis nordwestlichen Winden.— Für veutschland. In Westdeutschland wieder ziemlich heiter. In Ostdeutschland nach Gewittern aufklarend. umm BERUH Soz. Baugesellsdiaft m. b. H. Gememwirtsdiaftlidie Bauunternehmung 0 Ab tilg, für Hochbau Tiefbau Eisenbetonbau Zimmerei Dadidecfcungen Ausführung von Bauarbeiten aller Art Umbauten u. Reparaturen Villen und Landhausbau Industriebau Uebernahme ganzer Bauprojekte Schlüsselfertige Herstellung ganzer Siedlungen G Äbtllg. für Entwurf Architektur Konstruktion Statik Bauberatung AT Bureau; Berlin W., fienlhiner Sir. 34 Telephon: Kurfürst 9350-51, 8868 AUFRUF Resolution der Betriebsversammlung vom I. August 1924 Gegen die Geschäftsleitung unserer Arbeitsstelle werden unkontrollierbare Gerüchte, die nur den Zweck haben sollen, den Betrieb zu schädigen und lahmzulegen, verbreitet Diese Gerüchte entbehren jeglicher Begründung und bitten wir als Arbeitnehmer, deren Brot durch derartige Machenschaften in Frage gestellt werden kann, dem Betriebsrat Namen und Adresse der Verbreiter mitzuteilen. Die Belegschaft der Maschallah Cigarettenfabrik o.m.b.H. I. A.: Der Betriebsrat gez.: Kuprat. Gegen die Verleumder werden wir mit allen strafrechtlichen Mitteln vorgehen. Maschallah Cigarettenfabrik o.m.b.H. gez.: Findeis. Berlin 0 17, Mühlenstr. 51/58, den 3. August 1924. Fernsprecher: Alexander 603 u. 901. VOXHAUS-CIGARETTEN unerreicht für 2 Ff. In der Qualität liegt der Siegf Nr. ZH2 4 41.�ahrgakg 5. Heilage öes vorwärts Sonntag, Z. ftogujl 1�24 Zölle unö Hanüelspolitik. Die reaktionäre Presse wendet alle Mittel an, um die Lebens- mittelzölle ihren Anhängern schmackhaft zu machen. Der„Schutz der nationalen Arbeit" zieht da nicht immer Denn da sich unter den rechtsgerichteten Kreisen viele befinden, die nicht das Glück haben, Besitzer von Land oder Produktionsmitteln zu sein, sondern als Ar- bciter und Angestellte von dem Ertrag der Arbeit ihrer Hände oder ihrer Köpfe leben, diesen aber bei einer allgemeinen Verteuerung der Lebenshaltung gemindert sehen, wird oft genug die Frage auf- geworfen, warum denn der Schutz der Großgrundbesitzer und Fa- brikanten eine nationale Sache sein soll, während die in Deutsch- land viel zu niedrig bezahlt« Arbeitskraft außerhalb jeden Schutzes stehen soll. Verfangen nun oll« übrigen Pro- pagandamittel nicht, so begründet man die agrarischen Zollfordcrun- gen mit der Notwendigkeit der Außenhandelspolitik. Man betont ganz richtig, daß der Abschluß von Handelsverträgen zur Erschließung des Marktes notwendig ist, und fragt dann, wie man denn dem Ausland«inen Anreiz zum Abschluß solcher Verträge geben will, wenn nicht durch die Aufrichtung von Zöllen. Die Fragestellung ist falsch, wenn man sie mit den Schutz- zöllen in Zusammenhang bringt. Richtig ist, daß für die Handels- vertrüge die Zollpolitik von großer Bedeutung ist. Schutzzölle aber, die auf die Begünstigung heimischer Produktionsgebicte abzielen, zeichnen sich aber dadurch aus, daß sie auch beim Abschluß von Han- delsverträgen nicht in Wegfall kommen. Sonst würde ja der beab- stchtigte„Schutz" aufhören. Das Wesen der zum Abschluß von Handelsverträgen bestimmten Zölle ist ja ein ganz anderes. Diese Zölle sind vielmehr dazu bestimmt, ganz oder teilweis« über- flüssig zu werde n, wenn das Ausland unserem Warenexport seinerseits Erleichterungen bietet und seine Zollmauern ebenfalls ab- baut. Ist also der Schutzzoll bestimmt von den Interessen des eige- nen Landes, so ist der für Vertragszwecke festgesetzte Zoll ein Mit- tel der auswärtigen Handelspolitik, das mit dem be- rühmten„Schutz der nationalen Arbeit" gegen ausländische Kon- kurrenz nichts zu tun hat, auf ihn sogar bewußt verzichten läßt, vienn uns für unsere Einfuhrerleichtexungen auch Vorteil« bei der Ausfuhr geboten werden. In der Praxis der Zollpolitik laufen die Begriffe oft durchein- ander. Aber die grundsätzliche Einstellung zu dieser Frage ist von grundlegender Wichtigkeit. In demselben Maße, wie man den Schutzzoll in den Vordergrund stellt, sperrt man den eigenen Markt gegen die fremd« Konkurrenz, macht man Zugeständnisse an den Handel anderer Länder schwer oder unmöglich, schaltet man also den Zoll als Mittel der Handelspolitik aus. Je mehr man hin- gegen den Zoll als Ausgangspunkt für Verhandlungen ansieht, die es ermöglichen, unsere Jnteressen mit denen uns freundschaftlich ge- sinnter oder aus unser« Einsuhr angewiesener Staaten abzuwägen, um so weniger kann man im einzelnen Falle danach fragen, ob die eigene Industrie oder Landwirffchaft besondere Vergünstigungen verlangt: man wird sie sogar in demselben Maße der fremden Kon- kurrenz aussetzen müssen, als sie selbst den Anspruch auf freie Kon- kurrenz am Weltmarkt erhebt. Der Schutzzoll unterscheidet sich demnach von dem Handels- vcrtragszoll grundsätzlich so: ersterer ist nur auf den i n l ä n d i s ch e n Markt bedacht, letzterer ist ein Mittel zu internationaler Handels- und Wirtschaftsvolitik, zur Einordnung der eigenen Volkswirtschaft in die Weltwirtschaft. vie Entstehung öes Vertragstarifs. Praktisch verfährt die Zollpolitik dabei folgendermaßen: Es wird ein sogenannter autonomer Zolltarif aufgestellt. Da- bei bleiben in der Regel Rohstoffe, die vom Ausland bezogen werden müssen, zollfrei. Die Zollfreiheit solcher Rohstoffe ist, wie schon 5rarl Marx im 3. Band des.Kapitals" festgestellt hat, sogar eine „Hauptlehre des rationeller entwickelten Schutzzollsystems". Ist der autonome, zu deutsch„selbstgegebene", nur von den eigenen Jnter- essen diktierte Zolltarif fertiggestellt, so läßt sich die Regierung die Ermächtigung geben, auf Grund dieser Sätze mit anderen Staaten über Handelsverträge zu verhandeln. Bei diesen Verhandlun- gen ermäßigt sie gegenüber anderen Staaten«inen Teil der Zölle. Jeder einzelne Vertrag wird den gesetzgebenden Körperschaften vor- gelegt, die sich dann darüber schlüssig werden, ob den von uns ge- botenen Zugeständnissen gleichwertige anderer Staaten gegenüber- stehen. Da es sich dann nur um die Frage handelt, ob der Vertrag als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden soll, da serner neue Verhandlungen die von einzelnen Jnteressentengruppen drin- gend geforderte Vertragsregelung lange Zeit hinausschieben würden, kommen so oft erhebliche Zoljermäßiglingen zustande. Diese Zollermäßigungen gelten zunächst theoretisch nur für den Staat, mit dem der Vertrag geschlossen wurde. In der Praxis aber hat sich der Brauch herausgebildet, daß Staaten, die miteinander Verträge abschließen, sich die Meistbegünstigung ausbedin- gen und daß diese Meistbegünstigung selbst in kürzer befristeten Ab- kommen vorgesehen wird. In solchen Verträgen wird dann fest- gelegt, daß der vertragschließende Staat in den Genuß aller Vor- teile tritt, die jetzt oder später vom anderen Staat dritten Mächten gewährt werdcn. So wird die Zollermäßigung, die nur für ein Land festgesetzt wurde, allgemeingültig für die Staaten, mit denen Meistbegünstigungsverträge zum Abschluß kommen. Die er- mäßigten Zölle sind dann in ihrer Gesamtheit der„Vertrags- tarif" im Gegensatz zum allgemeinen, dem„Generaltorif", Handelsverträge unö flußenhanöel. DI« bedeutende Rolle, die im deutschen Zolltarif von 1902 den Vertragszöllen zukam, sei mit folgenden Angaben beleuchtet. Vor dem Kriege bestanden langfristige Handelsverträge, die außer der Meistbegünstigung auch Zollermäßigungen zum Gegenstand hatten, zwischen Deutschland und Rußland(mit Finnland), Oester- reich-Ungarn, Belgien, Italien, Schweiz, Schweden, Rumänien, Japan, Portugal. Griechenland, Serbien, Bulgarien. Wir nennen diese im Folgenden V e r t r a q s st a a t e n. Außerdem bestanden aber Verträge und Abkommen in größerer Zahl, die besondere Zollermäßigungen nichl vorsahen, dagegen neben anderen Vertragspunkten die erwähnte M e i st b e g ü n st i g u ng s- klausel, teilweise mit gewissen Einschränkungen, enthielten. Die Meistbegünstigung gewährte Deutschland auf Grund solcher Abreden oder anderer Verpflichtungen an Dänemark. Frankreich. Groß-Bri- tannien, Norwegen, Spanien, Türkei, Aegypten, Britisch-Afrika, Britisch-Indien. Nicderländisch-Indicn. Vereinigte Staaten. Ehile, Kanada, Australien. Handelsverträge und Meistbegünstigung waren so zu Instrumenten der Handelspolitik der ganzen Welt gewor- den. Nur wenige Staaten konnten gegenüber einer festen Regelung ihrer handelspolitischen Beziehungen mit Deutschland gleichgültig bleiben. Erst der Krieg hat dieses Netz der weltwirtschaftlichen Verflechtung durchrissen. So war es kein Wunder, daß der weitaus ü b e r w I e- g e n d e Teil des deutschen Außenhandels auf solche Länder entfiel, die dem Deutschen Reiche durch Handelsverträge oder Meistbegün- stigung irgendwie verbunden waren. Der gesamte Außenhandel oer- teilte sich im Jahr« 1913 folgendermaßen: Einfuhr Ausfuhr in Proz. der Gesamt- in Mill. M. Einfuhr Ausfuhr Gesamter Außenhandel (Tpezialhandel).. 10 770 10 096 100 100 Davon mit Vertragsstoaten 3 634 4 182 33,3 41,4 mit Meistbegünsti- gungSländern.. 6 005 5 166 57,7 51,5 Durch diese Verträge und Abkommen wurden die deutschen Ein- gangszöll« bei rund 390 verschiedenen Waren auf den Ver- tragszoll herabgesetzt bzw. ganz beseitigt. Die Entstehung des Vertragstarifes, wie sie vorstehend geschil- dert wurde, trifft aus Deutschland und«ine Reihe anderer Staaten zu. Frankreich verfuhr anders. Es setzte neben dem Generaltarif, der die normalen Höchstsätze für Zölle enthielt, die M i n d e st- grenze fest, bis zu der beim Abschluß von Handelsverträgen ge- gangen werden durste. Diese Mindestzölle ergaben den Minimal- tarif. Die Minöestzölle für Getreiöe. In einem einzigen Punkte stimmte der deutsche Tarif mit dem französischen überein: Er hatte Mindestsätze, aber nicht für Industriewaren, sondern ausschließlich für Agrarpro- d u k t e, und zwar für Getreide. Dieses Privileg der Groß- grundbesitzer fand darin seinen klassischen Ausdruck, daß es unabhängig vom übrigen Tarif in dem Rahmengesetz der Zollpolitik festgesetzt war. In dem Gesetz von 1902 hieß es in 8 1 Abs. 2: „Die Zollsätze sollen durch vertragsmäßige Abmachungen bei Roggen.... nicht unter 5,— M) „ Ha�er.••••„>, 5,- herabgesetzt werden." Dieser Gesetzesparagraph bestimmt also von vornherein und unter Ausschluß aller etwaigen Abänderungen durch Handelsver- träge, daß Brotgetreide mit rund zwei Dritteln seines Marktpreises zu verzollen Ist. Die gegenwärtige Vorlage der Reichs- regierung geht darauf aus, diesen Rechtszustand wieder herzustellen. Die Wiedereinführung der Mindestzollsätze für Getreide ist der erste Schritt. Neben dem Minimalzoll war In dem Zolltarif von 1902«in Generalzoll für Getreide festgesetzt, der noch um 2 Mark höher war. Von diesem Generalzoll ist bisher nicht die Rede. Es ist aber ein« unabweisbare Konsequenz, wenn man, wie es die Agrarier fordern, den Vertragszoll von 5 bzw. 5,50 M. je Doppelzentner Roggen und Weizen als Schutzzoll festlegt. Wollte man Agrarzölle als Grundlage für Vertragsverhandlun- gen, so brauchte man«inen Mindest zoll überhaupt nicht. Der Generalzoll würde ausreichen, und im Weg« der Der- Handlungen mit den Weltgetreidelieferanten, die ja auch Abnehmer von deutschen Jndustrieprodukten sind, wäre dann sestzustellen, wie weit eine Ermäßigung des Generalzolles gehen müßte, um unseren Industrieabsatz nach den fraglichen Staaten zu erreichen. Da aber heute unsere wichtigsten Lieferanten die Vereinigten Staa- ten von Nordamerika sind, die das Muster eines in sich ge- schlossenen, noch große Mengen von Ueberschußgetreide produzieren- den Industriestaates sind, ist die Aussicht, auf diese Weise Sonderver- günstigungen zu erreichen, gering. Somit ist sowohl die theore- tische wie die praktische Bedeutung des Getreide- z o l l e s für die Erleichterung von Ihandelsverträgen gleich Null. Und der Schutzzoll muß sogar zum Schaden von Bertraqsab- schlüssen ausfallen, wenn er wirklich als Schutz, d. h. als Sperre gegen ausländisch« Konkurrenz, wirken soll. Diese Gründe dürsten es auch gewesen sein, die den zur Förderung von Handelsvertrags- beziehungen gegründeten„Außcnhandelsverband" zu dem bekannten scharfen Protest gegen die Agrarzölle veranlaßten. Die Verknllpsung der Getreidezollfrage mit der Handelsoer- tragspolitit ist also ein Widersinn, der nur aus der Unkenntnis oder mit dem Willen, absichtlich Unklarheiten zu schaf- f e n und mit haltlosen Schlagworten zu operieren, zu erklären ist. Wie schlecht muß es um die Forderungen der Agrarier stehen, daß sie zu solchen Mitteln greifen und damit ihre eigenen Ziele in Mißkredit bringen!_ Di« Besserung der Lage der Landwirlschaft. die schon aus dem wesentlich erhöhten Absatz von Stickstoffdünger hervorging, wird auch jetzt durch eine Meldung des Kailsyndikates bestätigt, wo- nach in der letzren Zeit ein lebhafter Umsatz an Kali zu ver- zeichnen ist, seitdem das Synditat den Landwirten Kredite bis zum 15. September einräumt. Es bestätigt sich bei dieser Gelegenheit, daß auch früher der Kaliabsatz nicht auf einen so katastropha- len Ties st and gesunken war. roie es nach einzelnen Blätter- Meldungen den Anschein hatte. So sind st m März und April nicht, wie es ursprünglich hieß, nur für eine, sondern für 10 Millionen Mark Kalisalz« aus Kredit bezogen worden. Mcumvertrag auch in der kleineffenindustrle. Das abgelaufene Micumabkommen der Solinger Industrie ist um einen Monat ver- längert worden. Aussuhrfreihclt für Hülsenfrüchte und Futtermittel. Das Reichs- Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat durch den Reichs- kommissar für Aus- und Einsuhrbewilligung die Zollstellen«rmächti- gen lassen, bis auf weiteres die A u s f u h r von Buchweizen, Hülsen- srüchten aller Art. Futterrüben. Wasser- und sonstigen Feldrüben, Möhren. Grünfutter und Heu aller Art, Melasse, Melassefutter, Rübensast, Ahornsaft, Oelkuchen, Abfällen der Stärkeerzeugung, aus- gelaugten Schnitzeln von Zuckerrüben, Malztrebern und Malzkeimen Die sozialistische Kulturwoche. Leipzig, 2. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend vormittag nahm die Sozialistische Arbeiter-Kulturwoche mit der Ta- gung der Kinderfreunde ihren Anfang. Kinder grüßen die erste Konferenz der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kindcrfreunde mit dem Gesang„Im Osten geht die Sonne auf", und siegverheißend klingt der helle Kinderchor„Brüder zur Sonne zur Freiheit!" L o h m a n n- Berlin eröffnet die Konferenz und gedenkt des ver- storbenen Gründers der Organisation, A f r i t f ch- Graz. Im Auf- trag des Parteivorstandes begrüßt Crispien die Versammlung und weist auf die Aufgaben der Kinderfreunde gerade im.Hinblick aus das Kriegs- und Nachkricgselend hin. Wildung wünscht im Namen der Arbeiter-Sport- und Kulturoercin« den engen Zu- sammenschluß dieser Organisationen mit der Sozialdemokratischen Partei. I a l o r z e stellt die' Mitarbeit der d« u4 s ch ö st e r- reichischen Kinderfreunde in Aussicht, und 5) a n s o n begrüßt die Tagung im Namen der amerikanischen Arbeiterkultur- organisationen. L o h m a n n würdigt dann in einem Referat die bisherige Enkwicklung der Kinderfreunde-vewegung. Die Bewegung, die nicht immer volles V« r st ä n d n i s bei den Parteigenossen fand, hat seit ihrem Bestehen bereits große Fortschritt« gemacht und entwickelt sich zwangsläufig aus dem Wirken der Arbeiterjugend und im Dienste der Arbeiterwohlfahrt. Die be- stehenden Arbeitsgruppen müssen organisatorisch zusammengefaßt und befähigt werden, das öffentliche Bildungswelen maßgebend zu beeinflussen und die Erziehungsgemeinschast zu fördern. Der Auf- ruf zur Gründung von'Elternvereinen blieb bisher fast«rgebnis- los. Der Versuch einer Zusammenarbeit mit den Kam- munisten ist gescheitert. Eine Anlehnung an die Partei war notwendig, und die weitere Entfaltung der Bewegung hängt von ihrer Einordnung in die gesamte Arbeiterbewegung ab. Dem trägt auch das vom Vorstand ausgearbeitete Organisations- ft a t u t Rechnung. Es handelt sich darum, einen Stamm von Hel- fern heranzubilden, Schulungskurse ins Leben zu rufen, eine Erziehungszeitschrift und eine Kinderzeitschrift zu gründen. Die Finanzierung muß durch Eltern beitrüge erfolgen. Die Kinderfreunde müssen in alle, selbst die kleinsten Orte dringen, aus 70 Gruppen müssen 700, aus 6000 Mitgliedern Hunderttausende werden. In der Diskussion forderte der Vertteter Hamburgs den Anschluß der Organisation an die überall bestehenden Erziehungs- verein«. Di« Selbständigkeit anderer Kulturorganisatio- nen müssen auch die Kinderfreundegemeinschaften beanspruchen. Des- halb sollte ein« Kommission das Statut in diesem Sinne ändern. Der Vertreter Kiels und Genossin Essig(Thüringen) unterstützen diesen Standpunkt. Eine Reihe anderer Diskussionsredner, am schärfsten W e i ma nn- Berlin, treten dagegen für straffen or- ganisatorischen Zusammenschluß«in. Erziehungsoer. eine seien nur an wenigen Orten vorhanden. Ihr« Schaffung würde zu Parallelorganisationen, also zur Zersplitterung und Schwächung, führen. Außerdem würden in sie auch Nichtsozialisten Eingang finden, und deshalb würde ihnen in Partei und Gewerkschaft mit Mißtrauen begegnet. Zur Vereinigung der beiden gegensätzlichen Standpunkte wird dann eine Kommission eingesetzt. Um'AI Uhr trat man in die Mittagspause. Abends um 9 Uhr begann auch im Volkshause die Tagung der sozialistischen Studenten. Ms öer Partei. Einem Sechzigjährigen! Am 1. August 1924 vollendet« Genosse A u g u st B tt« y in Hannover in körperlicher und geistiger Frische sein" 60. Lebensjahr. August Brey ist als Sozialist und Parteigenosse, als Partei- und Gewerkschaftsführer mit der sozialistischen Arbeiterbewegung, beson- dcrs Hannovers, eng verknüpft. Der sozialistischen Arbeiterbewe- gung galt seine Lebensarbeit. Im Kampfe für die sozialistische Idee steht heut« noch die ungebrochene Kraft des in harten Kämpfen er- grauten Mannes. August Brey wirkt bereits ein volles Menschen- alter in den ersten Reihen des Proletariats, ßkboren am 1. August 1864 zu Gelnhausen im Nassauischcn, erlernte er in Frankfurt a. M. von 1878 bis 1881 das Schuhmacherhandwerk. Als junger Schuh- machergesell« schloß er sich 1885 in Frankfurt a. M. der Sozialdemo- kratischen Partei an, die damals außerhalb des gemeinen Rechtes, unter dem Druck des Sozialistengesetzes stand. 1885 ging er nach Handwerksbrauch und-sitte auf die Wanderschaft. Nicht lang« darauf warb und kämpft« er in Hannover für den Sozialismus, ollen Gefahren des Sozialistengesetzes trotzend. Seit 1906 gehört er als Nachfolger des verstorbenen Genossen Heinrich Meister dem Reichstag an. Noch wichtiger und von großer Bedeutung für die gesamte deutsche Arbeiterbewegung ist aber seine Tätigkeit als G e w e r k- s ch a f t s f ll h r« r, als Vorsitzender des Fabrikarbciterverbandcs. 1890 nach der Gründung des„Verbandes der Fabrik-, Land-, Hilfs- arbeiter und-arbeiterinnen" auf dem„Kongreß aller nichtgewerb- lichen Arbeiter Deutschlands" wurde er an die Spitze der jungen Organisation berufen. Seitdem ist sein Lebensgang die Geschichte des Fabrikarbeiterverbandes. Sein Arbeitseifer, seine Pflichttreue, seine Tatkraft haben ungeheuer viel dazu beigetragen, daß der Fabrik- orbeiteroerband die ihm gestellte überaus schwere Aufgabe, die Ver- «inigung der großen Masse der ungelernten Industriearbeiter zu einer machtvollen Organisation, durchgeführt hat. Die Sozialdemo- kratie wünscht ihrem wackeren Vorkämpfer noch viele Jahre rüstigen Schafsens! parteinachrichten für Groß-Serlin Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstrahe Z, slet» an da» Dezirkesekreteriat. 2. Hof, 2 Trep. recht», z» richten. 2. Ztreia Tiergarten. Monloa, den< A»a»st. abends 7 Uhr. Eifuing des geschafisfiihrcudcn Krcisvorftai-.dcz bei Alfred Nrilger, Putllstktr. 10. Rtcia Prenzlauer Berg. Dienstag, den 5. August, abend» 7 Uhr, bei Hoffmann. Lychcner Str. 8. Sitzung des«rweitcrten Nrcisnorstandcs. Arbeite-ioohlfahrt und itinderschntzkommiffion. Montag, den 4. August, abend» 7 Uhr, im Bezirksamt Danziger Strahe 64 izimmer Zl1> Sitzung. Die Delegierten zur Iahreskonfcrcnz am 12. August find zwecks Empfang- nähme der Ausweise zum Erscheinen verpflichtet. l>. strei, Wilwer»d»rf. ltr«i«hlsn*s iWMW'tfMi saure Kalk ist ein seit altersher gekanntes unentUehrlichps Putzmittel für die Zähne, das den Schrnelz"Bicht angreift�JMelrcn diesem mechanischen� Reinigungsmittel enthält Chlorodont neutrale Salze, die den Speichel genehm schmeckende antisept Chemikalien, wie in manchen MljadwÄSserp, sind aigage- schl o ss entSÜ�C A Tcr-f�f-'S o n t- Z~a A n& a 3 t*" mit ihrem herrlich erfrischenden Pfefferminz- Geschmack ist eine glückliche Komposition�vonV Wer daneben Mundwasser verwenden will. [jenutze daa�rftiswtffle und angenehm er- nschend�schmeckencfS�/C'X'/ o r o i o n t» dasf frei von Salol unangenehm che 12. Biet»«Icfllig. Montag iven 4. August, abends 8 Übt, erweitert« streisvorstandsschunq an bctaniitcr Stelle. 1«. Brei, Rcutälln. Montag, den 4.«iignst. abends T/s Uhr, Slstung de, erweiterten strctsnorstandcs an bekannter Stelle. 1». Äteit- Srweitcrte Areisnoritandsstw'ng mit den Delegierten jum?e. zirkstag am Montag, den 4. August, abends 7'- Uhr, im stinstrdlcr in Iabannistkial. Erscheinen unbedingt notwendig. 28. Kreis Zteiniikrndorf. Dienstag den z. August, abends 7N. llbr Sitinng aller Fnnttionärinnen(Agitations»Arbeilerwo!>lfol>rt und Kinderschust) des Kreises im Verinaltnngsgebaude Rcinickendorf-Ost s.stirnmer bll>.?eVr Ort mit st vertreten sein.— Dienstag, ä, August. 7' 2 Ill>r, im Dolks- staus Rcinickendorf-Welt. Scharuwcbcrstr.>44, Atzung des!sestkoinitccs. Di« Mitglieder desselben tnllssen voll.iäblig erscheinen. Ebenso werden die v°» den Abteilungen benannten Ordner silr den 10. August ersucht, an dieser Sitzung teilzunehmen. Morgen. Monkag. den 4. August: >. Abt. 7>g Uhr bei Zschiestng. Arkerstr. l, wichtige ssunktioniirsttzung. 8. Abt. 7'b Uhr bei Nickcrt. Etcinmctzstr. 5&>, Funktionärsitzung. Jeder Vezirkgssihrer must erscheinen. 15. Abt. 7V. Uhr bei Ol'iglo. SIralsunder Str. 11, Funktionärsitzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. 28. Abt. Frauenabcnd. Ha Uhr bei Büttner. Schwedter Strohe. Wahl der Delegierte» zur Arbeitcrwohlfahrt. 40. Abt. 7>2 Uhr bei Eichhalz. Euvrnstr. 28. Funktionärsttzung. 78. Abt. Tchönebcrg. 8 Uhr bei Kdnig. Feurig». Ecke Brinz-Georg-Straste, Fnnktionärsitzung. Erscheinen unbedingt«rforderlich. 81. Abt. Friedenau. Bildungsausschust 7 Uhr bei Klabe, Kandjcrnstr. 80-6l. Sitzung. tDa um 8 Uhr>>Kansumsttzuna. wird pünktlich begonnen.) l08. Abt. Eöpeaick. Frauenougskug noch Marienlust. Treffpunkt Strasten- bahn-Endhaltestcllc. Wcndensckilost. nachmittags 2 Uhr. Acbsrmorgen. Dienskag, den S. 2lugust: 32. Abt. 7 Uhr bei Kromvhardt. Grüner Weg 40, Abteilungsvorstands. sitzung mit den Gruppenleltern. 52. Abt. Eharlottenburg. Familienansflug nach der Inngfernheidc. Die Genossen und Genossinnen treffen sich um Vi Uhr Bahnhof Snngfern» Heid«. Gemeinsanicr Abmarsch mit der 53. Abteilung um iVs Uhr vom Eingang des Bolkepark». Kaffeekochcn im..Haus Mevwig" an der Mäkeritzbrücks. 53. Abt. Eharlottenburg. Die Genossinnen treffen sich zum Familienausflug um Us, Uhr bei Lux. Ufnaustrastc. Kaffeekoche« im„Haus M-Ilwig an der. Mäkeritzbritcke. 8». 30. und Ol. Abt. KcukZlln. Die Sozialistische Arbeiteriugend Neukölln VI veranstaltet heute im Iilgendhcim Kaiser»F»iedrich-Str. 4«ine Bnti. Kriegskundgebung. Neferent: Genosse Bernstein, M. d. R. Erwachsene Genossen sind willkommen, 100. Abt. Zabanvisthal. 7V, Uhr hei Schreiner. Friedrichstr. 0, Mitglieder. Versammlung. Referat über Sachverständigengutachten und die Londoner Konferenz. Referent: Genosse ASustler. 108. Abt. Eöpenick Frauonaussliiq nach Marienlust. Treffpunkt: nachmittag» l!b Uhr auf dem Schiostplatz. ZNikkwoch. den 6. August: 44. Att. Nachmittags Vi Uhr allgemeines Kaffeckochen im Caf« Henn«. Hascnheidc, Ecke Fichtestrastc. Trcifpunkt nachm. 3 Uhr Admiralzhrückc. Alle Gcnosstnncn und Gäste herzlich willkommen. 140. Abt. Reichsdrnckerei. Nachm. ll'l Abtcilungsvcrsammlunq bei Hennig. AlexandrinenNr. 44. Erscheinen aller Parteigenossen der R.-D. ist PNicht. Der Borstand._ 101. Abt. Treptow. Die LorstandZsitzung wird auf Donnerstag, den 7. August. abends 7ih Uhr, in der Barwärtserpedition, Kiefholzftraste. verschaben. — Mittwoch, den 0. August. Kasfcekochcn der Familien beim Genossen Krugmonn. Iägerhauschen. Am Treptower Park 07. Gemütliches Bei. sammenfein und Tanz. bervorragend bewährt bei: Gicht, Rheuma, Ischias, Grippe, Nerven- und Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und ickeidet die Harnimire aus. Klinisch erprobt.— In allen Apotheken erhältlich. .Best. 74,3"sti Acick aceL Salle., 0,44 0/0 Chinin, 12.4«,» Lithium ack 100 Amyium Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz Rol-Gold". Geschäft« st eil«: Berlin C. 2. Kailer-Wilhilm-Straste 40 NU \ VV1" Kameradlchast Kieuzberg. Abt. Slld-Ost. Aelterc und jüngere •P/rl'* Kameradschaft. Sonntag, den 3. August. Abmarsch 8.15 Uhr vor. rnitlags. Mariannenplatz. Fcuerwehrdcnknral.— Mittwoch, den 0. August. ältere und jüngere Kameraden abends v.tz Uhr Antreten..Robe*. Fichtc» straste.— Sonntag, den 10. August. Abmarsch 12 Uhr mittags vom Feuer- wehrdenlmal, Mariannenpla.tz.— Kameradfchast Krcuzberg sZnger.dgruppe I). Montag, den 4. Aug.nst. Bcrsammlunh bei Zicichelt, Fidicinstr. 44. Repu» blikoncr als Gäste willlommen._ Skädliichrs volkskonzcrt in Treaiow. Jtm 0. Augitss. abends 8 Uhr. der- nnstaltet das Volksbiidiiiisisamt Tleptoin i» Mörner'S Blumengarten, Ober- schöiieweide, Ostendslratze II— 13, ein slädtijches Jolkskonzert mit dcni gc- jachteu Berliner PHiujarmumschen Orchester. Der Eintrittspreis bdrsig! 40 Pfg., Programm io Psg. Besonders bervorzilhebeit ist„Blatavo" sMoIdau). sinjonische Dichtung, Z. Teil aus.Mein Vaterland"' von ,s. Smelana. Gastkarteil lind im Vorverkauf, an der Abendkasse und tu den bekannten Stellen erhältlich. Zwei öffentliche Gesangskanzerte gibt die Charlottenburger.Lieder- tasel" IM. d. A�-S.-B.) am Dienstag, den 5. August. 714 Uhr abends, am Gustav-Adois-Play, Tonuerstag. den 7. August, 744 Uhr abends, am KarLAugust-Play sTrinitaliSlirchej. Schutzvereiu der Kund«, und Tierfreunde e. B. Neukölln an: Montag. 4. A u g u st, abends 8 Friedrich. Straste Ecke Iansastrast?(Restauranl).— Schöneberg-Wilnicr sdars, Friedenau 5. A u g u st, abends S Uhr in Echöneberg, Sauptstr. Westens.— Sitzung der Gruppe s: e g l i tz. L witz. Lüde n de am Mittwoch, den 0. A u g u Lichterfelde. Kindenburgdanim 1l5(Aestaupont). In die brennenden Fragen de, Tierschutzes erörtert. gebeten. Gäste jederzeit herzlich, willkomme»! Sitzung der Gruppe Uhr. Neutölln. Kaiser- Sitzung der Gruppe am Dienstag, den 31. Gesellschaftshauz des ichterfelde-Lauk» st, abends 8 Uhr, in allen Sitzungen werden Um regen Besuch wird preisnotieninxen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaulspreise in Golckmark des Uebensmittel-Einzelhandeis je Zentner frei haus Berlin. 16,00— 20,00| Rösftzetreide. lose. Gerstengraapen, lose Gerstengrütze, lose... I>,00— 14,00 tialertloaken, lose.... 15,50— 17.00 tiatergrlllze, lose.... 13,00— 19,00 Roggenmehl 0/1...... 12.75— 14,00 Weizengrieß........ 18,50- I«.75 Hartgrieß.......... 21,75— 24.2! 70% Weizenmehl..... 13,25— 17 25 Weizen-Auszugmchl..,>8,00— 22,15 Speiseetbsen, Viktoria. 12,25— 15,50 Speiseerbsen, kleine... 8,75— 11,75 Bohnen, weiße, 1 erl... 20,00— 24.00 Langbohnen, handverles. 27,00— 30,50 Linsen, kleine....... 20,00— 29,30 Linsen, mittel....... 31,00— 37,50 Linsen, große....... 39,00— 46,00 Kartoffelmehl 18,75— 20,50 Makkaroni......... 35,00- 42,00 Makkaronimehl...... 33,00— 35,00 Schnjttnudein, lose.... 15,00— 17,75 Bruchreis.......... 14,50— 15,5 Rangoon Reis....... 17,50— 18,25 Taielreis, glasiert, Patna 23,25— 31,00 Tafelreis, Java....... 30,00— 36,00 Ringäpfel, amerik..... 752,00 Zimt(Cassia)....... 106,00—115,00 Kümmel, holländischer. 4\p0— 7 ,00 Schwarzer PfefferSingap. 103,00— l t0,0J Weißer Pfeffer....... 145,03-1-0,00 Rohkaffee Brasil..... 180,00- 215,00 RohkaffeeZentralamerika220,00- 285,00 Röstkaltee Brasil..... 230,00-280,00 Röstkaflee Zentralam.,. 300,00—375,00 15.50— 18,00 65,00- 75,00 85,00-100,00 350,00—430,00 Kakao, fettarm Kakao, leicht entölt., Tee, Souchon, gepackt Tee, indischer, gepackt. 425,00—500,00 Inlandszucker basis mel. 39,00— 41.50 Inlandszucker Raffinade 40,03— 43,00 Zucker WOiiel....... 45,00— 48,00 Kunsthonig......... 30,00— 32,00 Zuckersirup hell in Eim. 38,00— 43,00 Speisesirup dunk. inEim. 25,00— 29,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00— 95,00 Marmelade Vierfrucht, 35,00— 40,(0 Pflaumenmus in Elmern 33,00— 38,00 Steinsalz, lose....... 3,10— 3,70 Siedesalz, lose...... 4,00— 4,70 BratenschmaizinTierces 80,00— 80,50 Bratenschmalz in Kübeln 81,00— 8t,>0 Purelard in Tierces... 78,00— 78,59 Purelard in Kisten.... 78,00— 79,00 Speisetalg in Packung. 49,00— 52,00 Speisetalg in Kübeln.. 48,00— 50,00 Margarine, Handels m. I 60,00— desgl. II.......... 54,00- 57,00 Margarine, Spezialm. I.. 76,00— desgl. II ,......... 63,00- 65,00 Margarine III........ 46,00— 50.00 MolKereibutter I. Fässern 18", 00— 195,00 MolkereiPuuer in Pack. 189,00-196,00 Landbutter......... 189. 0—196,00 Auslandbutter in Fässern 195.00— 206.0 Corned beef 12/5 Ibs p. K. 33,00- 37,00 Ausl Speck, geräuchert 72,00— 80,00 Quadratkäse........ 39,00— 45,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 100,07-115,00 Bayr. Emmenthaler... 165,00—175,00 Echter Emmenthalqr... 180,00—185,00 Ausl. ungezuck.Condens- milch 48/16........ 21,(30— 23,25 Inländische desgl. 48/12 16,50— 17,50 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00— 26,50 Ungarische Tazialdemakraien. Sonntag, den Z. August, varmittags 1» Uhr. Elisabeihstraste 30, bei Schutze, Versammlung. Jedes Genosse« Ctschcinen Pflicht. Sehr wichtige Tagesordnung. Esperanto-Berbaud(Gruparo), Berlin. Montag. 4. August. 7 � Uhr, Eaf« Zosty, Potsdamer Platz. Begrüstungsabend für die zum 18. inter» nationalen Esperanto. Kongrest in Wien durchreisenden Espeeantistcn. Wcttangelu auf der Oberhavel. Heute Sonntag, den Z. August, hält der Märkische Anglerb und E. V. auf der Ob er Habel bei Spandau sein 2. Wettangeln ab. an dem sich etwa 800 Mit- glieder beteiligen. Vertreter alidr in der Mark Brandenburg geübten ntngclniethbden werden zitgegeu sein. Treffpunkt der Teilnehmer: Sport- platz des Spandaucr Sportbereins E. V., Spandau. Rcundoner. Ecke Triflstiaße, morgens 7 Uhr._ Arbeitersport. Freie Turnepschaft Zteukölln-Britz. Der 1. Turnabcnd nach der Schliestung der Hallen anlästlich der F-ricn ist für die in der Turnhalle Weisestraste turnenden Abteilungen am Dienstag. 5. August: 1. Fraucn-Ahtetluiig: am Donnerstag 7. August! 1. Iugend-Abicilung: am Freitag, 8. August: 1. Männer-Abteilung.__ Geschäftliche Mitteilungen. Da, Lose-Theater gewährt unseren Lesern in der Feit vom 4.— 9. August bedeutende E r m ä st i a u n g für die G a r t« n b u h n e. ZUtben der entzückenden Operette„Mädi" gelangt das neue Vollsliederspiel..Freut Euch des Lebens" mit Balletts und lebenden Btldern zur Austührung. Näheres siehe im Anzeigenteil. s o o d o n so» v k I« n t D\E GEMEINDE HALBMONATSSCHRIFT FÜR SOZIALISTISCHE ARBEIT IN STADT UND LAND Heft 3 Aus dem Inhalte Kommunale Schulpolitik.,.. Wllh. Paulscn Das Jugendamt als Vormund., Schumann Sozialpolitik und Kommunalpolitik— Rieht- llnlen für kommunalpolttlsche Mitarbeit— Gesetzgebung— Verwaltung— Notizen Sonderanhang: ERWERBSLOSEN. FÜRSORGE Preis des Heftes 60 Pf. Zu beziehan durch' die Vorwärts- Ausgabestellen u. Botenfrauen Wichtig für Krasihe! Einer der gl ößten medizinischen Erfolge des Jeizten Jahrzehnts, die Ultravioleltbestranlung mit Quarzlampe.Künstliche Höhensonne"— Original Hanau— bewirken Se I b s t h i 1 1 e des k r a n k h e i t s g e sc h w Ich t e n Körpers, daher natürlichste Heilmethode. HSotlg er. geben sich Bellerfolge, wo andere Be. bandlungsmethoden versagen. Beschleunigung der Genesung bei Rekonvaleszenten. lieber 1200 Urteile der medizinischen Fachpresse berichten Ober die oit erstaunlichen Erfolge auf Überaus zahlreichen Krankheitsgehieten entstehen durch zu hohen Blutdruck und lieber- ansirengung des Herzens Dr. med. Breiger schreibt:„Durch die Quarzlichibestrahlung schwindet Unregelmäßigkeit des Herzschlages sehr rasch, der Blutdruck wird wesentlich herabgesetzt. Sämtliche Herzkranke lebten auf, waien leistungsfähiger, die nervösen Symptome traten zurück; ein gesunder Schlaf trat ein; etwa vorhandenes Dursigefühl verschwand vollkommen. Die Ultraviolettbestrahlung vermag also Herz-oderGefäß- kranken die besten Aussichten lür eine längere Lebensdauer und relatives Wohlergehen zu eröffnen.'' Gesund bleiben. Wie die Urlaubsrelsc, sollte der Arzt jedem Gesunden, namentlich Abgespannten und U e be r ar b e 1 1 e t e n, Schlaflosen und Nervösen alle vier Wochen einige Bestrahlungen mit Quarzlampe„Künstliche Höhensonne"— Original Hanau— ■anraten. Die Bestrahlung erzeugt ein Gberaus wohltuendes GelGhl der Kräftigung und Frische nicht nur kSrperllch. sondern auch seelisch. Der Bestrahlte fühlt sich auch geistig lebhafter, gut gelaunt, fröhlich gestimmt. Die Abwehrkräfte seines Körpers werden gestärkt, seine Widerstands- fähigkeit gegen Krankheitsgitte wird erhöht iiPünan Iltrori Äpvf linfl loCBtt nnpIlGtflilAIlHlz RfnCFhlfroil•'.Licht heilt, Licht schützt vor Krankheit" von San.-Rat Dr. Breiger. geh. Gm. 0.20,—„Sonne als Heilmittel" von Dr. F Thedering, natjjuU Ulv llHou üful U!IU Icacil Die UuliUalvilvllUC DruuuuUlCll« geh Q n. I.oo.—„Ultraviolett. Bestruhluagen als neue Grundlage von Herz. u. Gefältkrankheiten" von Hofrat Dr. med Schicker. „Stärke Dein Herz" von San-Rat Dr. Breiger.— Beide Schritten zusammengefaßt in einer Broschüre geh. Gm. 0 20. Zuzüge Porto u Verpackung(Selbstkosten) zu beziehen vom Solluz.Verlag, Hanau a. M., Postfach Nr. 148. Komplette Apparate von Gm. 202.— an, ab Werk Hanau. Originalfabrikat der Quarzlampen-Gesellschaft m.b.H., Hanau a. M, Postfach 143. Stromverbrauch nur 0,77 Kw. p. Std. Jbalbe Arbeit billiges � Wa&hen und dieTföfche f Eddies Nur in der bekaru7te�Richung,memcil&Ios e. a. 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