Abendausgabe Nr. 367 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 184 Bezugsbedingungen und Anzeigenprete sind in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden smis Mittwoch 6. August 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit S- 5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Deutschland und die Räumungsfrage. diese Frage, obwohl sie nicht auf der Konferenz selbst diskutiert werben fönne, im Vordergrund der Londoner Konferenz stehen. 1900 19 London, 6. Auguft.( Eigener Funtbericht unseres Sonder-| Genugtuung erhalte. Unter diesen Umständen werde wahrscheinlich forrespondenten.) Die deutsche Delegation wird ihre Stellung zu den Beschlüssen der Alliiertenkonferenz am Mittwoch um 12 Uhr überreichen. Die Redaktion der deutschen Stellungnahme ist in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch fertiggestellt worden. Cs Die Aussichten der deutschen Anleihe. handelt sich bei dem deutschen Memorandum um eine nähere New York, 6. Auguft.( EP.) Das Wallstreet- Journal" schreibt Darlegung der Punkte, die vom deutschen Standpunkt aus mit Rüd- über die deutsche Anleihe, daß der Erfolg dieser Anleihe in der Hauptficht auf eine ordnungsgemäße Durchführung des Sachverständigen sache von der Höhe des 3insfußes abhängen werde, doch gutachtens nicht erträglich erscheinen. Die deutsche Delegation ver- würden 7 Proz. genügen, um die Geldleiher zu interessieren. Schon zichtet zunächst darauf, die für sie erträgliche Lösung im einzelnen jetzt seien Bestrebungen im Gang, um ein Syndikat zu gründen, ausführlich darzulegen. Schwierigkeiten dürften bei den kommenden das in den Vereinigten Staaten die Ausgabe der Anleihe in die Berhandlungen in erster Linie die Räumungsfrage hervor- Hand nehmen werde. In diesem Syndikat würden folgende Großrufen. Dieser Punkt dürfte sicherlich auch eine vom deutschen Stand- banken vertreten sein: Morgan, Kuhn, Loeb u. Co., First- Nationalpunkt aus befriedigende Lösung erfahren, wenn Deutschland in der Harry Forbes u. Co. An der New Yorker Börse zeigt man gegen punkt aus befriedigende Lösung erfahren, wenn Deutschland in der bank, National- Citybank, Bankers- Trust, Kidder- Pealody u. Co., Lage wäre, Frankreich einen annehmbaren Ausgleich finan- wärtig großes Intereffe für alle deutschen Aktienpapiere, so 3. B. zieller Art zu bieten. Hier ist ein Ausweg aber sehr schwierig. find die 3% prozentigen Preußenrenten seit einigen Tagen um Deutschland selbst wird nicht in der Lage sein, diefen finanziellen 25 Punkte gestiegen. Anforderungen zur Erreichung der französischen Nachgiebigkeit gerecht zu werden. Infolgedeffen bleibt nur die Möglichkeit einer Lösung im Zusammenhang mit dem Problem der interalliierten Schulden. Besprechungen der Delegationsvertreter. London, 6. August.( Eigener Drahtbericht.) Heute vormittag fand im Auswärtigen Amt eine Besprechung statt, an der je zwei Vertreter der hauptsächlichen Delegationen, einschließlich der deutschen, teilnahmen. Gegenstand dieser Beratung war das Memorandum, das die deutsche Delegation heute nacht ausgearbeitet hat, um ihre Bemerkungen bezüglich der von den Alliierten ausgearbeiteten Dokumente schriftlich niederzulegen. Bis zur Stunde 1 Uhr milfags ist ein Zeitpunkt für das Zusammentreten der nächsten Plenarjigung noch nicht festgeseht worden, aber man nimmt an, daß dies nech im Laufe der jezigen Beratung, die noch andauert, geschehen wird. " Günftige Aufnahme der Kanzlerrede in Frankreich. Paris, 6. Auguft.( Eig. Drahtbericht.) Die deutsche Dele gation hat in Frankreich eine ungewöhnlich gute Breffe. Der Matin" nennt die kurze Rede, in der Reichstanzler Marg Ramsay Macdonald geantwortet hat, in jeder Hinficht vollkommen. Der Kanzler habe darin in wenigen Worten alles gesagt, was er zu fagen gehabt habe. Er habe damit auch auf die alliierten Delegationen einen außerordentlich guten Eindrud gemacht. Petit Parifien" meint, die Atmosphäre, in der die Verhandlungen mit den Deutschen begonnen hätten, sei über Erwarten günstig. Der vom Kanzler feierlichst proflamierte, Wunsch Deutschlands, sich mit den Alliierten über die Durchführung des Sachverständigen- Programms zu verständigen, habe den Eindruck des guten Willens von deutscher Seite bestärft, und diese Erklärung fei um so bemerkenswerter, als die deutschen Delegierten seit ihrer Ankunft in London in Renntnis aller in den letzten Tagen gefaßten Beschlüsse gewesen. feien. Der Quotidien" läßt sich aus London melden, daß alle Be= teiligten von der ersten Fühlungnahme mit den Deutschen sehr zwar zunächst von der Art, wie Ramsay Macdonald die Notwendigfeit, die Verhandlungen noch in dieser Woche zum Abschluß zu bringen, begründet habe, etwas chobiert gewesen, hätten aber doch später den Endrud gewonnen, daß Ramsay Macdonalds Anfpielung auf seinen am Sonnabend morgen abgehenden Zug nicht allzu ernst gemeint gewesen sei und daß, falls sich die Notwendig teit erweisen würde, die Alliierten nicht zögern würden, den am Dienstag genannten Endtermin der Konferenz hinauszuschieben. Die verkrachte Selbsthilfe. Oder: Der Wert agrarischer Versprechungen. Die Agrarier fordern bekanntlich den Schuß der nationalen Arbeit, wobei sie in erster Linie nicht den Schutz der Werktätigen und Produzenten in Industrie und Landwirtschaft meinen, sondern die anstrengende Tätigkeit der Bezieher von Bodenrente. Die lebhafte Entrüstung darüber, daß die Arbeiterschaft für die Nuznießer der Bodenrente, für Spekulanten, Berpächter, Fideikommißbesizer und andere wertvolle Mitglieder der menschlichen Gesellschaft dieser Art wenig Interesse hat, und daher den Schutzzoll ablehnt, während sie geeignete Maßnahmen zur Aufrechterhaltung und Förderung der landwirtschaftlichen Produktion durchaus unterstüßt diese Entrüstung ist feineswegs nur aus Merger über das angeblich mangelnde Verständnis der Sozialdemokratie für die Landwirtschaft zu erklären. Vielmehr spielen da ganz Einmal fühlen sich die Agrarier ihrer andere Gründe mit. mit ihrem lauten Geschrei über den Banterott der bis= Sache ohnehin nicht ganz sicher. Zum anderen aber suchen sie herigen Agrarpolitit hinwegzutäuschen. Man will vergessen machen, daß die Agrarier noch vor kurzer Zeit von der freien Wirtschaft den deutschen Verbrauchern alles Heil versprochen haben. Die freie Wirtschaft haben sie erreicht, und nun verlangen sie die 3 wangsbewirtschaftung des deutschen konsums durch die Ueberteuerung des Brotes und Fleisches. New York, 6. Auguft.( WTB.) Zahlreiche Banfiers äußerten die Ansicht, die Auflegung der Hälfte der im Dawes- Plan vorgesehenen Anleihe hierzulande bedeute nur die Einleitung des amerifanischen Brogramms für die finanzielle Unterstützung Deutschlands. Das Infrafttreten des Dawes- Planes werde weitere Rredite und Anleihen für die deutsche Geschäftswelt zeitigen. Einzelne Banken leiteten bereits Dollarkredite für verschiedene deutsche Industrien ein ähnlich dem kürzlichen Vier- zölle macht. Am 29. Januar 1921 hielt der Deutschnationale millionendollarkredit für die Zuckerindustrie. Die russisch englischen Verhandlungen. Abbruch und neue Fühlungnahme. Condon, 6. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Obwohl das engsche Auswärtige Amt am Dienstag morgen ein Kommuniqué herausgegeben hat, in dem erklärt wurde, die englisch- russischen Berhandlungen feien zusammengebrochen, erfährt man Abend, daß der Bruch nicht so pollständig sei, als zunächst angenommen wurde. Indessen weigern sich die amtlichen Stellen, am über die Art der Annäherung, die inzwischen wieder stattgefunden haben soll, irgendwelche Einzelheiten mitzuteilen, solange eine darauf bezügliche Erklärung des Unterstaatssekretärs Bofonby noch nicht erfolgt sei. Jedenfalls besteht jezt die Hoffnung, daß die Russen einige meitere 3 u geständnisse in den finanziellen Bedingungen des zur Diskussion stehenden englisch- russischen Bertrages machen werden. London, 6. Auguft.( WIB.) Reuter erfährt, daß im Hinblick auf die Tatsache, daß Ponsonby morgen im Unterhaus über den Abbruch der englisch- russischen Verhandlungen eine Ertlärung abgeben werde, in amtlichen Kreisen geringe Neigung bestehe, sich zur Lage zu äußern. Indessen sei es sehr wohl möglich, daß das legte Bort noch nicht gefprochen fei und daß vielleicht fogar einige weitere 3usammenfünfte stattfinden wür den. Doch sei nichts Endgültiges bekannt. befriedigt gewesen seien. Die deutschen Delegierten feien Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen. In den Kreisen der alliierten Delegation hat man mit großer Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß die Ansprache des Kanzlers feinerlei Drohung und feine jener unangebrachten AnSpielungen enthalten habe, an die man auf deutscher Seite von früheren Konferenzen gewöhnt sei. Nur das„ Echo de Paris" übt scharfe Kritik. Es unterstreicht, daß der Reichskanzler Marr das Brogramm der Sachverständigen wesentlich als eine Phase für die Regelung der Reparationsfrage aufgefaßt habe, während von französischer Seite dieses Programm ohne Bedin gung und Borbehalte angenommen sei. Wenn die Konferenz diesen deutschen Standpunkt annehme, so fönne man faum mehr davon sprechen, daß Frankreich und Deutschland auf dem Fuße völliger Gleichberechtigung verhandelten, da Frankreich bereits die Hände gebunden habe, während Deutschland völlige Freiheit habe, barüber zu diskutieren und zu verhandeln. Direkte Fühlungnahme zwischen der deutschen und französischen Delegation. Die Arbeiterpartei für Lafollette. New York, 5. August.( EP.) Der Bollzugsausschuß der Arbeiterpartei hat in einer Sigung in Atlantic- City beschlossen, teinen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen aufzustellen, sondern den Mitgliedern der Partei zu empfehlen, für Lafolette zu stimmen. Die Unterstützung der Progressisten durch die Arbeiterpartei wird allerdings teinen offiziellen Charakter tragen. Gefährdung deutscher Interessen. Reaktion und Achtstundentag. Genf, 6. Auguft.( TU.) Der polnische Delegierte beim Internationalen Arbeitsamt in Genf hat dem Arbeitsamt mitgeteilt, daß die polnische Regierung bereit sei, auf die verlängerte Arbeitszeit in den oberschlesischen Hütten zu verzichten, wenn die deutsche Regierung die Bestimmungen des internationalen Abkommens über den Achtstundentag respektiere. Dabei waren die Zusagen, die damals gemacht wurden, um nichts weniger selbstsicher und überheblich wie die Anfündigungen, die man jetzt im Falle der Annahme der SchutzWeilnböd eine Reichstagsrede, in der er sich ebenso leb= haft für den freien Stickstoffmarkt, d. h. für das Monopol des Stickstofffonzerns, und für die freie Getreidewirtschaft einfezte. Damals sagte er wörtlich: Geben Sie auch der Landwirtschaft baldigst volle wirtschaftliche Freiheit, sorgen Sie dafür, daß nicht immer Berteuerungen der Betriebsmittel eintreten und daß alle willkürlichen Störungen von den Betrieben vermieden werden. Das ist der einzig richtige Weg zu einer Erftarfung der deut. schen Landwirtschaft.. Aehnliche Töne ließ der Volksparteiler. Dusche vernehmen, als er am 15. Juni 1921 im Reichstag zusammenfassend ausführte: Ich wiederhole also: wir sind für die freie Wirtschaft, weil wir erkanni haben, daß nach Einführung der freien Wirtschaft, wie wir sie für einzelne Gebiete im Ausschuß für Bolkswirtschaft beschlossen haben, nach kurzer Uebergangszeit und bei der Freigabe von Milch und Butler sofort ohne Uebergangszeit bessere, erträg lichere Berhältnisse eingetreten sind, als sie vorher unter der Zwangswirtschaft waren. Wir sind der eberzeugung, daß eur die freie Wirtschaft im freien Spiel der Kräfte beffere und erträglichere Berhältnisse schaffen kann.... Heute sucht man das freie Spiel der Kräfte wieder durch Schutzölle auszuschalten. Damals freilich suchte man den Verbrauchern sogar vorzutäuschen, daß die freie Wirtschaft feineswegs die unter der Zwangswirtschaft noch niedrigen Getreidepreise an die Weltmarktpreise heranführen würde. Man setzte sich sogar für eine Preisregulie rung durch den Staat ein, wenn eine solche Gefahr drohte. Und es war kein Geringerer als der inzwischen verstorbene Landbundführer Edler v. Braun, der damals im Reichstage ausführte: ... Aber meine Damen und Herren, daraus ergibt sich auch ganz von selbst, wenn doch die gleiche Menge von Auslandsgetreide eingeführt werden muß und wenn die Berbilligung bis zu gewissen Grenzen noch weitergeführt werden muß, daß die Regierung auch die Mittel in der Hand hat, den Inlandgetreidepreis so zu beeinflussen, daß er feine Extravaganzen macht und nicht an den Weltmarktpreis herankommt. Ich halte die Auffassung für ganz falsch, daß der Brotgetreidepreis bei freier Wirtschaft in Deutschland ohne weiteres an den Weltmarktpreis heran muß. Solange wir unsere Grenzen gegenüber dem Ausland fest schließen- und das betrachte ich auch bei der Einführang der freien Wirtschaft für felbstverständlich; wir dürfen unter keinen Umſtänden dulden, daß deutsches Getreide nach dem Ausland ausgefährt wird; wir verlangen nach der Richtung die schärfften Maßnahmen, dann besteht kein Grund dafür, anzunehmen, daß der deutsche Getreidemarftpreis auf den Weltmarktpreis steigen muß, insbesondere dann nicht, wenn die Einfuhr noch zentralisiert bleibt und die Regierung durch eine Verbilligung des ausländischen Getreides dafür sorgt, daß das ausländische Getreide unter dem Weltmarktpreis auf den deutschen Markt kommt.... Diese Meldung ist von großer politischer Bedeutung. Bor kurzem hat die Betriebsratswahl auf einem deutsch overschlesischen Wert ein ganz überraschendes Anwachsen der polnischen Stimmen ergeben. Da eine nennenswerte Bermehrung des polnischen Bevölkerungsteiles nicht stattgefunden hat, kann dieser polnische Stimmengewinn nur darauf Heute ist auf Drängen derfelben Landbundlaute, die daParis, 6. Auguft.( Gigener Drahtbericht.) Nach einer Meidung zurückgeführt werden, daß die polnische Regierung erklärt hat, mals den Edlen v. Braun zu ihrem Sprecher gemacht hatten, des ,, Matin" wird Herriot bereits am Mittwoch aberd gelegentlich fie nerde das Washingtoner Abkommen über ben die Erportfreigabe, wenn auch unter goringen Eineines von Ramsay Macdonald gegebenen Festessens Gelegenheit Achtstundentag dem Parlament zur Ratifizierung unterschränkungen, durchgefeßt. Heute schon nehmen die deutschen haben, sich mit dem Kanzler außerhalb der Konferenz zu unterhalten. breiten, während in Deutschland eine derartige 3u Agrarier an den preisverteuernden Wirkungen der spefuMacdonald, der es immer bedauert habe, daß Deutschland und Frant. ficherung immer noch fehlt und die Arbeitszeit lativen Treibereien des Weltgetreidemarktes teil. Sie ziehen reich bisher niemals Gelegenheit zu direkter Aussprache ge- immer neuen Verlängerungen ausgesetzt ist. Erinnert man gewaltigen nu zen, während die Gefahr der Brotverfunden hätten, scheine die Absicht zu haben, die französischen und die fih, daß bei der Bolksabstimmung in Oberschlesien das Prole- teuerung in immer dichtere Nähe rückt. Aber diese Teuerung Deutschen Delegierten möglichst häufig zusammenzubringen, um ihnen teriat deshalb in überwiegender Zahl für Deutschland ge- hält sie nicht davon ab, weiter unentwegt nach den Schutzdie Möglichkeit zu geben, den Gedankenfomplex der deutsch- franzöfiftinumt hat, weil es die deutsche sozialpolitische Böllen zu schreien, obwohl infolge der Getreidenerteuerung fchen Probleme und Beziehungen zu erörtern. Nach der gleichen Geseggebung zu behalten wünschte, und ist man sich die Lage der Landwirtschaft fich wesentlich gebeffert hat und Quelle wird Herriot in diesen Tagen auch mit dem Chef der ruffifchen ferner bewußt, daß ein großer Teil der polnischen Boutifer auch das Vertrauen der produttiv tätigen Landwirte in die Delegation in London, Rafomiti, zusammentreffen. Ganz all- und schon gar die Militärs großen Appetit auf weiteren Land- fernere Entwicklung gestiegen ist. Der steigende Absatz an gemein ist der Eindrud in Paris der, daß von deutscher Seite gewinn haben, so erkennt man, wie weitere Verschlechterungen Stidstoff und Kali, der von den Syndikaten gemeldet wird, gegen die bisherigen Beschlüsse teinerlei unüberwindliche der deutschen Arbeiterschutzgesetzgebung und eine Nichtratifi- nachdem die Kredite für diesen 3wed bereitgestellt worden Einwände gemacht werden, vorausgesetzt, daß Deutschland in der zierung des Washingtoner Abkommens die elementarsten deut sind, ist doch ein deutlicher Beweis dafür, daß die wirklich Frage der militärischen Räumung der Ruhr die von ihm geforderte schen Interessen gefährdet. Schaffenden auf dem Lande an die vom Landbund pro pagierte Produktionseinschränkung gar nicht denken. Immerhin muß festgehalten werden, baß selbst ein Edler v. Braun die Weltmarktpreise damals nicht für notwendig gehalten hat, ja daß er sogar fich fast wie ein richtiger Marrist" für eine Senfung des inländischen Getreidepreisniveaus eingesetzt hat, während die Landbündler von heute die Ueberteuerung des deutschen Konsums und die ungeheure Belastung der breiten Massen als eine Selbstver ständlichkeit hinstellen. Im Jahre 1922, als die Frage der Einschränkung der Getreidezwangswirtschaft erneut beraten wurde, trat bereits deutlich das Bündnis der schutzöllnerisch orientierten Kreise in Industrie und Landwirtschaft zutage, obwohl man Grund genug hatte, es damals noch zu vertuschen. War es doch der deutschnationale Abgeordnete und bekannte Schwerindustrielle Dr. Reichert, der am 30. Januar 1922 unter großer Zustimmung seiner Parteifreunde sagte: .. | Man sieht: damals strozte die Landwirtschaft von Selbstbewußtsein und lehnte jeden Versuch einer ehrlichen Hilfe für die wirklich Produktionstätigen mit maßloser Ueberhebung ab. Die eigene Kraft war es, auf die sie bauten und die über alle Schwierigkeiten hinweghelfen sollte. Aus den Kraftmeiern von damals sind heute heulm ei er geworden, die sich nicht schämen, die Hilfe der Mindestbemittelten zur Erzielung möglichst hoher Getreidepreise in Anspruch zu nehmen. In diesem Stil gehen dann die Phantasien des Herrn Bulle weiter. Mit der größten Frechheit und Ungeniertheit werden militärische Rüstungen der Kommunisten, der schärften Gegner des Reichsbanners, mit dem Aubau dieser Organisation zum Schuße der Republik auf eine Stufe gestellt. Dabei weiß Herr Wulle natürlich ganz genau, daß die tommunistische Presse tagaus tagein einen fanatischen Kampf gegen das Reichsbanner führt. Herr Wulle, der ausdrücDas Ganze ist ein Kapitel von dem Wert agrarischer lich versichert, daß er die Presse sehr genau verfolge, fönnte Bersprechungen, an das man sich heute erinnern muß, wenn zum Beispiel wissen, daß fast täglich kommunistische Rowdies man den von der Wissenschaft widerlegten, von den Agrariern oft gemeinsam mit völtischen Heldenjüng trotzdem aber noch so gepriesenen Rugen der Schuhlingen Mitglieder des Reichsbaners belästigen. Wie die 3ölle richtig beurteilen will. Das arbeitende Bolf jedenfalls Rommunisten über das Reichsbanner denken, sieht man aus dürfte auf Grund agrarischer Versprechungen fein zweites einer Berliner Korrespondenz der Moskauer Iswistija", dem Experiment so tostspieliger Art machen. offiziellen Organ der Sowjetregierung, wo unter dem vielversprechenden Titel Sozialdemokratische Stroßtrupps zur Bekämpfung des Proletariats" über das Reichsbanner u. a. Wulles Alarmruf. 1208 Wir brauchen ein gewiſſes Maß von Ellenbogenfreiheit, die Angst vor dem Reichsbanner. wenn das großzügige Produktionsprogramm, das vor kurzem in Dresden der Deffentlichkeit dargelegt worden ist, durchgeführt wer den soll. Die Landwirtschaft verlangt nicht so sehr die finanzielle Hilfe der Regierung, als die Möglichkeit, daß sie selbst sich Hilfe gemähren fann. " " Die eigene Kraft", mit der die Landwirtschaft die Produktionssteigerung herbeiführen wollte, fonnte damals nicht hoch genug gepriesen werden. Das führende Agrarierorgan, die Deutsche Tageszeitung", schrieb am 31. Januar 1921: Das Hilfswert der deutschen Landwirtschaft beginnt mit einer großen Kreditgemeinschaft. Ohne den Krebit würde die Produktionsförderung sich nur langsam entwidein tönnen: mir brauchen schnelle Hilfe. Jedes Weggehren der Kreditfähigkeit der Landwirtschaft, wie es durch die Zwangsanleihe erfolgen dürfte, ist eine schwere Gefährdung dieses Hilfswerks. Fortsetzung der Umlagewirtschaft bet Getreibe und Auferlegung einer 3wangsanleihe bedeuten ein 3er störungswert durch die Regierung, während die Landwirtschaft aus eigener& raft ein Hilfswerk für das Boltsganze in Angriff nehmen will. Man gebe diesem Hilfsmert die Bahn frei, sonst wird trok Zuschüssen und steuerlichen Maßnahmen aller Art, die den Beifall der Straße finden, feine wirtschaftliche Besserung eintreten. Ebenso hat am 21. Februar 1922 der deutschnationale Abgeordnete Schiele von der freien Wirtschaft dem deutschen Bolte alles versprochen. Er sagte damals wörtlich: .. Das allein befreiende Wort für uns und für jeben, der die Dinge draußen beobachtet und der auch wünscht, daß dem Baterlande durch die Entwicklung ein Dienst erwiesen wird, heißt eben: freie Wirtschaft! Ueber die günstigen Folgen, die eine freie Wirtschaft haben kann, können Sie sich ja vergewissern, wenn Sie die Kartoffeiwirtschaft ins Auge fassen, abgesehen von den traurigen Preisverhält niffen. Während man gleichzeitig die Hilfe der Schwerindustriellen für die Begründung des Abbaues der Zwangswirtschaft in Anspruch nahm in dieser Frage fämpften, genau so mie heute bei den Schutzöllen, Schmerindustrielle und Agrarier in einer Front- ließen sich die Deutschnationalen dazu her bei, die Ueberteuerung der fünstlichen Düngemittel jogar noch zu begünstigen. Genosse Otto Braun wollte durch sein bekanntes Produktionsprogramm den Gedanken der Umlage mit dem der Beschaffung billiger Produktionsmittel für die Landwirtschaft verbinden und Borkehrungen ba gegen treffen, daß durch die Preispolitik der Industrieverbände die Landwirtschaft durch die lleberteuerung ihres Stickstoff düngers produftionsunfähig würde. Die höhnische Antwort, die der Reichslandbund damals auf diese im Interesse der Landwirtschaft liegenden Pläne gegeben hat, verbient in ihren zwei wesentlichen Sägen festgehalten zu werden. Zur Linken gewandt, führte Abg. Schiele aus: net.folgendes geschrieben wird: Den armen Böltischen geht's schlecht. Genau so wie bei den Kommunisten geht auch bei ihnen die Konjunttur merflich zurüd. Wohl nur darauf ist es zurückzuführen, daß die rechtsradikale Presse neuerdings den Bolschewisten schred macht. Das scheint überhaupt der neueste Tipp aller Rechtskreise zu sein. Die„ DA3." z. B. fabriziert einen zwei 3. Spalten langen Leitartikel und versichert allen Ernstes, daß eine furchtbare kommunistische Gefahr für Deutschland herauf ziehe und daß unbedingt etwas geschehen" müsse. Bei diefen Leuten muß bekanntlich immer irgendetwas ge schehen". Entweder muß ein Butsch gemacht werden oder es muß ein„ Direttorium" gebildet werden oder es muß der Bürgerblod zustande tommen, irgendwie müssen diese Leute einen radikalen Bruch herbeiführen, der ihnen ihre alte Bormachtstellung wiedergibt. Sie werden natürlich niemand finden, der diesen neuesten Schwindel nicht durchschaut. Der fünstlich aufpolierte Bolschewiftenschred ist nichts anderes als Agitationsstoff zur Verschleierung ihrer politischen Restau rationsziele. Ernstes, daß das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold eine Dr Reinhold Bulle erzählt seinen gläubigen Lesern allen ganiſation fei, die von den Kommunisten für den kommenden Bürgerkrieg ausgenutzt werden solle!! Es wird einem ordentlich schaurig zumute, wenn man seinen phantasievollen Schwindel genießt. In einem großen Alarmruf an alle völlischen Organisationen" schreibt Herr Reinhold Bulle wörtlich: 1 W " Die volfischen und nationalen Kreise in Deutschland sollen sich durch die augenblickliche Ruhe nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß der Kommunismus unter der Oberfläche fieberhaft arbeitet, um bei passender Gelegenheit loszuschlagen. Es ist auch damit zu rechnen, Daß im Falle eines solchen Losschlagens wesentliche Teile des Reichsbanners Schwarz Rot Gold" mitgeriffen werden, unbefümmert darum, ob die Leitung dieser Organisation damit einverstanden ist oder nicht Seit einiger Zeit verfolge ich Nachrichten aus allen Teilen des Reiches, denen zufolge überall Ueberfälle auf völfische Gruppen durch dieses sogenannte Reichsbanner inszeniert werden. Bricht der kommunistische Aufstand los, fo wird namentlich die sozialistisch eingestellte Jungmannschaft sich ganz von selbst der Bewegung anschließen. Außerordentliche Geld mittel stehen diesen sozialistischen Organi. fationen zur Verfügung. Ganz offen wird in bi esen Kreisen von dem kommenden Bürgerfrieg gesprochen, die Not wendigkeit von Attentaten erörtert. Ich bin dahin unterrichtet, daß selbst in Untergruppen ganz offen die Beseitigung gegnerischer Führer erörtert wird, darunter Befindet sich auch meine Benig feit. Ich bin für diese Ehrung außerordentlich dankbar. Wahr. scheinlich werden Landarbeiterstreits die Kämpfe einleiten, in Medlenburg fonnte man bereits fommunistische Quartiermacher fest. Sie haben sich aber nicht nur gescheut, die Landwirtschaft in stellen, die Uniformierung scheint ziemlich weit vorgeschritten zu sein. Feffein zu legen, sondern Sie wollen auch einen wesentlichen Teil der Ein derartiger Aufstand ist um so wahrscheinlicher, als der Sozia Industrie in Fesseln legen, nämlich die Dünger- lismus aller Richtungen auf der ganzen Linie abgewirtfabriken. Gegen eine solche Befriedigung Ihrer schaftet und einfach den Boden unter den Füßen verliert, wenn nicht 3 mangswirtschaftsgelüfte müffen wir uns unter allen durch die Ergreifung der politischen Macht dieser Entwicklung ein Umständen wenden. Riegel vorgeschoben wird." Auch ein Jubiläum. Bon Hans Peter, Karlsruhe. Tinte und fuhr raschelnd und fragend mit großer Schnörkelschrift über das Papier. Das erste Inserat entwerfend! Die Londoner staunten, als sie die erste Anzeige im Impartial Intelligencer" lafen. Ob der Honorable Sir Horfefriend auf Ein Jubiläum sonder Art ist von der kultivierten Menschheit verGrund dieses Inserats zu seinen gestohlenen Lieblingen fam, ist gegeffen worden. Man feiert Gedenktage großer Menschen, die Daten von, Völkerstreiten und grandiosen Naturereignissen, aber das Geschichtlich nicht bekannt, aber daß er unbewußt den Anstoß zu einer bächtnis an wirtschaftliche Errungenschaften verschwindet meist in fulturgeschichtlichen Tat gab, das wissen wir. der Bersenkung der Vergessenheit. Selbst die sonst ja alles wissende Presse hat Tag und Datum verschwißt, wiewohl sie der Tag, den ich meine-- den 275. Geburtstag des Zeitungsinserats- am ureigensten angeht. " Zweihundertfünfundsiebzig Jahre Zeitungsinserat!" Die Zeitung ist ja viel älter!" Was? „ Stimmt!" Mit der Geburt der Zeitung war das Zeitungsinserat noch lange nicht zur Welt gebracht. Bereits Anno 1615 brudte Egenolph Emmet in Frankfurt a. M. eine regelmäßig möchentlich einmal. erscheinende Zeitung, die erschröckliche und ergögliche Nachrichten aus aller Welt", aber feinerlei Jnferate hatte. Erst vierunddreißig Jahre später schlug die Stunde des Zeitungsinfecats. Es war in London am 12. April Anno 1649, einem Tag, an dem die Rübölfunzel in der Queen- Mary- Gaffe bis in den Mutag rötlich burch den Nebel fladerte, da trat ein Herr, der Honorable Sir Horse friend, in die Offizin des Impartial Intelligencer". Mr. Blackwhite, Besitzer, Redakteur und Druder in einer Person dieser damals ein zigen regelmäßig erscheinenden Zeitung Londons, erhob sich unwillig aus seinem weitauslabenden Sorgenstuhl, sprigte die breite Rielfeder geschäftig aus und begrüßte seinen Befucher. Wie erstaunte er aber, geschäftig aus und begrüßte seinen Besucher. Wie erstaunte er aber, als er das Anliegen des Gentlemans hörte!- Swei Pferde waren diesem in de: Nacht zuvor gestohlen worden, Lieblingspferde, an deren Wiederbeschaffung ihm sehr viel gelegen sei. Was soll ich dabei?" fragte Mister Bladwhite topfschüttelnd. " In Ihrem Intelligencer" abbruden!" Im Intelligencer"? No, Sir, geht nicht!" Warum nicht? Fünf Schillinge für die Anzeige." Und Sir Horsefriend legte fünf schwere Silberstücke auf den Tisch. Mister Bladwhite beschaute die Silberlinge, welche anscheinend frisch aus der Münze tamen und gar lieblich in dem zudenden Kerzenlicht glänzten, und fragte fich verlegen unter der weißgrauen Berüde. Das war ihm neu! In feinen Intelligencer", der nur Nachrichten von der Regierung, Stabitiatich und Begebnisse aus aller Belt brachte, sollte eine Anzeige über einen Pferdediebstahl mit dem Hin. weis auf gute Belohnung! Wolft Ihr oder nicht?" Und schon zuckte die Hand des ehrenwerten Gentlemans, das Geld wieder aufzunehmen. Yes, Sir, ich will's versuchen!" und gemütlich fezte sich Mister Blackwhute iu feinen Sorgenstuhl, tauchte die schön geschwungene Gansfeber in die Rasch lebte sich das Inserat in den Zeitungen ein, und bereits acht Jahre später gab es in London Zeitungen, welche ausschließlich Anzeigen enthielten. In Deutschland brachte die Berliner Zeitung „ Einfommende Ordinari Postzeitungen" im Jahre 1665 bie ersten Inferate, und zwar Buchhändleranzeigen über neue Broschüren, wie z. B.: Hierben werden einige relationes von dem Cometen umb 1 Groschen absonderlich verkauft." Heute ist das Injerat das materielle Rückgrat der meisten Zeitungen, da die oft außerordentlich fostspieligen Leistungen des modernen Journalismus in gar feinem Berhältnis stehen zu dem geringfügigen Abonnements preis der Zeitung Die Schnelligkeit der Traumvorgänge. Es war mir, fagt der aufgefallen, wie rasch sich eine große Geschichte( ein lange bauernder holländische Forscher Tendelor, schon als etwa elfjährigem Knaben Borgang) im Traum abzuspielen vermag. In meiner damaligen Wohnung wurde morgens früh eine Glode breimal je 4 bis 5 Sefunden geläutet. Einmal träumte ich eine lange Seereifegeschichte, offenbar durch die Glode veranlaßt. Als ich beim( geträumten) Läuten der Abfahrtsglocke des Danipfers erwachte, ertönte die Glocke im Hause noch ein paar Sefunden, und zwar zum erstenmal." Eine Halbmonatsschrift Natur und Kultur". Mir träumte vor einiger fast gleiche Beobachtung schildert Herr Dr. Bezel- München in der Beit so außerordentlich lebhaft, daß mir die Einzelheiten des Traumes nicht mehr aus dem Gedächtnis schwinden, ich stünde auf dem Bahn steig meines Heimatortes und erwartete den Zug, mit dem ich ab= reisen wollte. Der Bahnhof liegt 1½ Kilometer außerhalb des Dorfes und gewährt auf weite Strede hin freien Ausblid. Man fah den Bug jeweils schon mehrere Kilometer weit herannahen. Ich stand also auf dem Bahnsteig mit mehreren anderen Reffenden und erwartete ungebulbig die Annäherung des Suges. Wie die Bahnhof, uhr zeigte, war die fahrplanmäßige Abfahrtszeit bereits überschritten, aber vom Bug war nichts zu sehen. Immer wieder sah ich die Bahn gleife entlang, immer wieder auf die Uhr, deren Zeiger sich rastlos vorwärtsdrehten. Eine Stunde hatte ich bereits gewartet Bild der Uhr ist mir noch ganz frisch im Gedächtnis da tündete endlich die Meldeglocke des Bahnhofs mit ihren charakteristischen Schlägen die Einfahrt des Zuges an. Ich sah den Zug noch heranbraufen, dann erwachte ich und im selben Augenblid begann mein Beder zu raffeln. Der gange Traum. ber nach meiner Empfindung mindestens die Dauer einer Stunde umfponnte, war offenbar durch den ersten Anschlag der Bederglode verursacht worden: Das = „ Es( das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold) ist ausschließlich zur Befämpfung der deutschen revolutionären Arbeiterschaft ins Leben gerufen. Die Sozialdemokratie bietet dem Bürgerfum ganz offen ihre Dienste im Kampfe gegen das deutsche Proletariat an. Es ist selbstverständlich, daß dabei an einen Kampf gegen die Monarchisten und Faschisten gar nicht gedacht wird. Davon fann feine Rede sein, weil diese sozialdemokratischen Organisationen auf Befehl des Bürgertums geschaffen find, mit einem ganz bestimmten 3med, und weil sie was feinem Zweifel unterliegt vom Bürgerfum allseifig unterstützt werden. Es ist kein Zufall, daß die Organisation gerade jetzt ins Leben gerufen ist, wo die deutschen Kapitalisten sich anschicken, den Sachver ständigenbericht auf Kosten der deutschen Arbeiter zu verwirklichen. Es ist interessant, festzustellen, daß gleichzeitig mit dem Entstehen der sozialdemokratischen Organisationen die Kapitalisten den faschistischen Organisationen und Zeitungen ihre Subventionen entziehen. Die Rapitalisten haben eingesehen, daß der gegenwärtige Zeit punft zu ernst ist, um sich auf die faschistischen Banden zu verlassen, die befanntlich feinen besonderen Mut aufweifen und sich im Rampfe befchloffen, ihre Sache den Sozialdemokraten anber gegen das Proletariat noch nicht bewährt haben. Sie haben deshalb vertrauen, die im Laufe der letzten Jahre ihre Treue gegenüber der Bourgeoisie bewiesen haben." Das ganze Gejammere des Herrn Wulle und seiner Freunde über das Reichsbanner tommt ja nur daher, weil sie einsehen, daß ihnen ihre Felle allmählich wegschwimmen. Die Frechheit der terroristischen Antisemitenbanden war nur so lange möglich, solange die Republit sich nicht selbst verteidigte, solange alle ehrlichen Republikaner ohne Unterschied der Barteirichtung sich nicht zum Schutze der demokratischen Freiheit und einer verfassungsmäßigen Entwicklung zusammen. taten. Endlich hat die Abwehr begonnen und der Erfolg ist unverkennbar. Das hysterische Geschrei Mulles be sagt alles. Es ist erfreulich, daß der Gedante des Reichsbanners, alle republikanischen Kreise zum Schutz der Remblik au fammenzufassen, einen mächtigen Wall der Massen zu bilden, an denen sich die Wellen der Bürgerkriegsagitation und des Putschismus von rechts und links brechen müſſen, immer weiter an Boden gewinnt. So haben die deutschen Windthorst Bünde auf ihrer Tagung in Glaz sich auch mit diesen Fragen beschäftigt. In dem Bericht der Germania" heißt es: " 1 In der Frage der Stellungnahme zu den nöffischen Berbänden und zu den Schuhverbänden der deutschen Republie begnügte man sich mit dem Bericht des 2. Ausschusses, indem die välkischen Berbände und die fogenannten„ vaterländischen" Organi fationen aus den Gründen, die schon auf der letzten fatholischent Jungmännertagung in Fulda in einer Entschließung angegeben worden sind, abgelehnt werben, wagegen bie Schugorganisationen für die deutsche Republik als notwendig anerkannt wer ben und der Beitritt den Mitgliedern der Windthorftbünde freigestellt wird. Schon während der Tagung sind dem Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" zahlreiche Teilnehmer bei. getreten." Ein amerikanisches Urteil über das deutsche Theater. Der Direttor des New Yorker Deutschen Theaters, Rudolf Bach, der sich in Deutsch land aufhielt, um neue Stüde zu erwerben und Künstler für seing über seine Eindrüde in Deutschland. Er hat etwa 20 Theater be Bühne zu engagieren, berichtet in der New Yorter Staatszeitung fucht und stellt zunächst den schwachen Besuch feft, wofür er die Urs fache in den hohen Eintrittspreisen sieht. Weiter schreibt er:„ Die Operetten sind dabei auch noch großer Kitsch. Man versucht in faft allen Operetten neueren Datums dem amerikanischen Geschmac Rechnung zu tragen, wohl in der Hoffnung, diefelben nach Amerifa verlaufen zu können, aber die meisten diefer Shimmys, Fortrotts und Jazznummern find direkt unmöglich." Dabei würden den Hauptdarstellern Gagen bezahlt, die selbst für Amerika als zu hoch er fcheinen würden, während die Durchschnittsschauspieler faum genug verdienen, um ihr Leben zu fristen. Borstellungen vom Kosmos ist durch Beobachtungen des Harvard. Das entferntefte Weltall. Eine gewaltige Erweiterung unserer Obfervatoriums geglückt. Die Astronomen entbedten nämlich von dort aus ein neues Weltall, den entferntesten Gegenstand, der je von einem Menschenauge gesehen wurde. Das Licht braucht von dort aus eine Million Jahre, um zur Erde zu gelangen. Das neue Weltall ist, wie in der Umschau berichtet wird, 6 Quintillionen graphien beobachtet, die einen ganz blaffen Fled am Firmament Meilen weit. Es wurde zunächst vor eingen Jahren durch Photozeigten. Mount Wilson, dem größten der Welt, fonnte festgestellt werden, Aber durch Aufnahmen mit dem 100-3oll- Teleskop von daß es sich bei dieser Sternwolfe wirtlich um ein Weltall handelt. Es entspricht den Magelhaens- Wolfen, schwachen Lichtflecken am füdlichen Himmel, die zuerst von Magelhaens gefehen wurden und iegt als ein großes Sternfystem ertannt find. Der Durchmesser des Lichtjahre gefchätzt. Der weiteste Musläufer der Unendlichkeit, den Kosmos, zu dem unser Weltall gehört, wurde bisher auf 350 000 der Menschengeist jest erfaßt hat, ist aber noch dreimal so weit. Der Kleine Belf wird überbrüdi! Die Ropenhagener, Bolitifen" veröffentlicht eine Unterredung mit einem höheren Eisenbahn beamten, in der dieser mitteilt. daß mit den Landarbeiten zum Brückenbau auf beiden Seiten diefer Meerenge im Frühahr 1925 begonnen werden wird. Eisenbahnchef Flensborg fomie fein Mita arbeiter, Ingenieur Engelund, besichtigen vorläufig alle größeren Brüdenbauten der Welt. Mit dem eigentlichen Brückenbau wird im Herbst 1925 begonnen werben können. Die Afademie der Künfte veranstaltet auch in diesem Jabre im Herbst eine Schwarz- Weiß- Ausstellung am Bariser Blak 4, zu der außer den Werfen der Mitglieder und der eingeladenen Gäfte frete GinDie Ausstellung wird Ende September fendungen zugelassen werden. eröffnet und etwa 4 bis 6 Wochen tauern. Der Weltrekord einer Ente. Eine englische Ente, die an dem Rege wettbewerb zu Bentley in Suffolt teilnahm, hat einen Weltrekord aufgeftelt, indent fie an jedem von 325 aufeinanderfolgenden Tagen ein Ei legte, Eine andere Ente legte 354 Gier in der Zeit vom 21. Juli 1923 bis zum Eine deutsche Verkehrsausstellung soll vom Mai bis Difober 1925 in 21. Juli 1924 und fielte damit einen Reford für das Eierlegen in einem Jahr auf.( Wenn diese Ente nur leine, Ente" ist) manchen stattfinden. Diese Entwicklung mttb wesentlich dazu beitragen, daß das Geschrei des Herrn Wulle ebenso wirkungslos bleiben wird, wie die putschistische Wühlarbeit des beut- schen„linken" Kommunismus. Die schwerste Zeit für die Republik ist vorbei, es muß und wird wieder vorangehen. Die Arbeiterschaft wAß zu genau, warum sie sich hinter die Republik stellt und.warum sie an ihrem Aufbau mit- arbeitet. Die dunklen Träfte, die von rechts und links ihren Sturz mit allen Müchsln versucht haben, werden ihre Hoffnungen aufgeben müssen. Ihre Zeit ist vorbei. Gumbels Suspenüierung aufgehoben. Sarlsruhe. 6. August.(Eigener Drahtbericht.) Im badischen Landtag hat Unterricht sminister Dr. Hellpach am Mittwoch vormittag zum Fall G u m b e l gesprochen und Gumbels Aeußerungen von dem.Felde der Unehre" als recht unerfreulich bezeichnet. Gumbel habe inzwischen«inen Brief an den Semit der Universität Heidelberg geschrieben, in dem er den von ihm gewähllen unrichttgen Ausdruck als«in Produkt des Augenblicks bezeichnet, er Hab« nicht die Ge- fühle jener verletzen wollen, die den Krieg bejahen. Er bedauere den Ausdruck. Der Minister erklärte, daß auf Grund dieser Erklärung Gumbels das Unterrichtsministerium feine Anordnung, die Gumbel seiner Lehrtätigkeit enthob, aufgehoben habe. Das Verfahren gegen Gumbel nehme ab« feinen weiteren Fortgang. Gumbel hätte den Brief an den Senat 4 Tag« früher schreiben müssen. Mannheim. 6. August.(MTB.) In der gestrigen Sitzung des badischen Landtag«- wurde«in Antrag der Kommunisten auf Wiedereinsetzung des Privatdozenten Dr. Gumbel in sein Lehramt einem Ausschuß zur weiteren Behandlung überwiesen. In der Aus- spräche hatte sich der sozialdemokratisch« Redner im Sinne des kommunistischen Antrages ausgesprochen, während die Redner der deutschnationalen Voltspartet sich gegen Dr. Gumbel wandten. Das Enüe einer verleumüung. Gegen den sozialdemokratischen Beigeordneten, Stadtrat Lindemann in Eisenach, wurden vor längerer Zeit in der Thüringer bürgerlichen Presse die fürchterlichsten Enthüllungen verbreitet. Er sollte sich als Dezernent des Städtischen Wirtschaftsamt ungeheuer- liche Unregelmäßigkeiten haben zuschulden kommen lassen. Lindemann wurde daraufhin sofort seines Amtes enthoben und gegen ihn sin Strafverfahren anhängig gemacht. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Lindemann einstellen müssen, weil das Belastungsmaterial zur Erhebung ein« öffentlichen Anklag« in keiner Weis« sür genügend erachtet werden tonnte. Wenn schon ein Staatsanwalt ein« Untersuchung gegen einen sozial. demokratischen Beamten«instellt, kann man bei unserer heutigen Justiz wohl sicher annehmen, daß mit der größten Lupe und beim besten Willen wirklich nichts hat«ntdecktwerden können. Aber die oergiftende Verleumdung, mit der jeder Sozialdemokrat in einem öffenllichen Amt verfolgt und bekämpft wird, die bleibt notür- lich best-hen. Das Gesindel hofft ja doch nur. daß schließlich immer irgend etwas hängen bleiben möge. Man wird gespannt sein können. ob Stadtrat Lindemann nun endlich volle Genugtuung ver? schafft und« wieder in sein Amt eingesetzt wird. Interpellation in Württemberg. Stuttgart. 6. August.(Mb.) Der sozialdemokratische Mge- ordnete L« i l hat an die württembergische Regierung folgende klein« Anfrage gerichtet: „Bei der am 3. August stottgefmrdmen Gedenkfei« zu Ehren der Gefallenen des Weltkrieges waren im Unterschied zu.den Gepflo«n- Helten bei ähnlichen Veranstaltungen der letzten Zeit fast samtlich« StQatsg-ehäuDe nur in den Lundessarden, nicht m Reichsfarben beflaggt. Ich ersuche das Stavtsministermm um Auskunft darüber, warum die Beflaggung in den Reichsfarben gerade an diesem Tage, der den Gedanken der Reichseinheit, für den die im Kriege Gefallenen und Gestorbenen ihr Leben opferten, detont«, unte.'Mi'.ben ist. Ich bitte serner um Auskunst darüb«, ob dos Staatsministerium bei künftigen Reichsgedenkfeiern vre B«- flaggung der Staatsyebäude in Reichsfarben anordnen wtlll Die Antwort darauf ist ungewollt schon vorweg durch folgenden Erlaß der Regierung zur Berfassungsfeier sür den 11. August gegeben: Zur Fei« des Versassungstages am 1t August sind die staatlichen Dienstgebäube in den Reichs» oder Landesfarbe» zu beflaggen. Den Beamter, und Angestellten, die an Derfaffungs- feiern teilnehmen wollen, ist auf Antrag, fowett die Dienstverhältniff« es gestatten, Dienstbefteiung zu gewähren. Die Fürsorge für üie Ausgewiesenen. In Erwartung der Londoner Beschlüsse. Bon dem Ergebnis der London« Konferenz wird es abhängen, od die Rückkehr der Vertriebenen aus den besetzten Gebieten über das jetzt von den französischen Behörden festgesetzte Maß stattfinden kann od« nicht Die zuständigen deutschen Behörden haben für den Fall, daß die Verhandlungen in London in diesem Punkt Erleichte- rangen bringen sollten, zusammen mit den charitottven Organisa- tionen und den großen Berbänden Maßnahmen getroffen, um die Rückkehr der Ausgewiesenen nach Möglichkeit zu erleichtern. Di« schwierigst« Frage ist natürlich die Wohnungsfrage, denn die Neuschaffung von rund 3000 Häusern genügt natürlich bei weitem nicht, um auch nur einen kleinen Teil der Ausgewiesenen unterzubringen. Aus diesem Grund« ist damit begonnen morden, in den größeren Städten Holzhäuser zu«richten, die durch ihre besondere Bauart geeignet erscheinen, die Bewohn« auch gegen die Unbilden des Winters zu schützen. Weiterhin bemüht man sich durch die zuständigen Wohnungsamt« Zimm« freizu- machen, in denen die Heimkehrenden wenigstens vorläufig Unter. kunft finden können. Em Teil der Beamten wird allerdings damit rechnen müssen, daß er die Heimkehr zunächst ohne feine Familie bewerkstelligen muß, da die Wohnungemöglichteiten zu be- schränkt sind. Allerdings ist zu hoffen, daß die Franzofen, immer voraus- gesetzt, daß die London« Besprechungen günstig verlausen, einen Teil der jetzt von ihnen beschlagnahmten Häuser und Wohnräume freiwillig zu räumen bereit sind. Bon verschiedenen Seiten sind für die Errichtung imi« Wohnhäuser für die Der. triebenen. sowi� überhaupt sür Unterstützungszweck« größ«e Epen- den«ingeleitet'morden. Bedauerlicherweise haben diese Tamm- lungen bisher recht geringe Ergebnisse gehabt, so vermocht« die Reichspost bisher insgesamt nur für«0 000 M. Unterstützungsmarken für die vertriebenen Deutschen zu verkaufen. Es soll seitens der maßgebenden Sellen nochmals ein Appell an die Oeffenkichkett ge. richtet werden, durch Spenden dazu beizutragen, den Vertriebenen. die zum Teil ihre gesamte Hab« verloren, die Möglichkeit zum Wiederaufbau ihrer Existenz zu geben. v-r llrlandkonslikt. Kolonialminister Thomas und Innen. Minister Henderson verhand-lten m Dublin mit dem Präst- kenten Cosgrave und anderen irischen Ministem über die Frag« der irischen Grenze. Kilometerfresser. Das Geld ist bekanntlich knapp, das hört man heute überall bis zur Verdünnung, wie der neueste„Schlager" lautet. Da ist es nur zu erklärlich und logisch, daß sich jeder dritte schicke Jüngling ein schlemmerhaftes Motorrad kauft, oder zum mindesten einen Motor in fein Zweirad einbauen läßt Das Geld ist wie gesagt. verdammt knapp, und daher ist ein großes, schweres Motorrad schon für 250 Mark zu haben, bei einer Anzahlung der Hälfte der Summe. Wenn d« Motorradheld die notwendigen Formalitäten bei der Steu« und der Polizei erledigt hat, dann wird er ohne weiteres auf die leidettde Menschheit losgelassen. Die traurige Folge sind die zahlreichen Unfälle, die sich ständig mehren und seit langem schon eine stehende Rubrik der Zeitungen bilden. Wer in der Swdt wohnt, kann die Sucht der meist jungen und übermütigen Leute, so schnell wie möglich zu fahren, nicht so er. kennen. Innerhalb der Stadt ist einmal infolge des lebhasten Straßenverkehrs ein gemäßigteres Tempo geboten, und außerdem fürchten die.Herrenfahrer" die zahlreichen, scharf aufpassenden Schupoposten. Aber draußen in den Vororten und aus den Elzausseen, da ist das wahre Dorado d« Kilometerfresser. Hier kann der Schupomann und der Landjäger bei der großen Geschwindigkett, mit der die Motorräder dahinflitzen, die Rumm« nicht erkennen, und er hat kein Mittel in Vereitschost, den da hinsausenden Kilometer- fress« in seiner waghalstzen Fahrt aufzuhalten. Die Tafeln aber, die aus den Chausseen und in den Landkreisen aufgestellt sind, aus denen die Geschwindigkeit sür Autos und Motorräder angegeben Ist, beachtet natürlich der echte Sportsmann nicht. Dazu koizzmi, daß die Herren Motorradfahrer fast alle hinter sich auf schmalem, schwanken- den Sitz das Fräulein Braut mit sich führen, so daß ein Spaßvogel diese Räd« Brautomobile getauft hat. Das Fräulein Braut ist zuerst, wenn die Fahrt losgeht, sehr mutig. Wenn aber die Ge- schwindigkett immer größer und gefährlicher wird, bekommt auch sie es. mit der Angst zu tun. rückt unruhig auf dem unsicheren Platz hin und her, umklammert oerzweifelt den Fahrer, der ins Schwanken kommt, und schließlich kippt die Karre um. Häufig genug aber ist der Fahrer selbst nicht sich« auf dem Sitz und fest genug im Sattel. Von jedem Automobilfahr« wird verlangt, daß« vor der Fahrpal izei eine Prüfung darüber ablegt, ob er es oersteht, einen Wagen zu steuern. Will man wirklich die Zahl der durch die Motorräder verursachten Unfälle vermindern, wird es notwendig fein, daß auch der Motorradfahrer auf feine Fähigkeit, ein Rad lenken zu können, geprüft wird. Oer falsche Rebsöat. Eine folgenschwere Verwechslung. In d« vergangenen Nacht wurde der?g Jahre alt« Weinküfer Zwirki aus der Kastanienallee mit dem Raubmörder Rsbsdat verwechselt und schwer angeschossen. In geradezu unverantwortlickzsr Weise hat sich hier der Gärtner Rudolf Bork als Privatdetektiv aufgespielt, der schlauer sein wollt« als die Polizeibeamten. Die Folg« ist ein schwer gefährdetes Menschenleben. Der leichtfertige Täter wird für die unsinnige Tat voll verantwortlich gemacht werden müssen. Geden 2%' Uhr ging der Gärtner Rudolf Bork aus der Ehristburger Straß« angetrunken durch die Prenzlauer Allee und sah vor dem Hause Nummer SLouseinex Bankeincn Mann sitzen, in dem er den gesuckzten Raubmörder Rebsdat zu erkennen glaubtn Er ging an ihn heran, schob ihm die Mütze aus der Stirn und erklärte ihm, daß er Rebsdat fei. D« Mann, in dem später Zwirki festgestellt wurde, verbat sich das. So gerieten die beiden in Streit. Zwei Beamte der Schutzpolizei, die außer anderen Leuten dazukamen, überzeugten sich, daß Bork sich irre, trennten die Streitenden und gingen weiter Gleich darauf hörten sie einen Schuß fallen. Bork war in der Meinung, daß der Mann auf der Bank doch Rebsdat sei, wieder umgekehrt. Wie er sagt, um ihn nicht entweichen zu lassen, gab er aus seiner Pistole einen Schuß auf ihn ab und traf ihn dickt unter dem Herzen in die Brust so schwer, daß er von der nächsten Rettungsstelle ins Kranken- haus gebracht werden mußt«. Die beiden Schupobeamten nahmen Bort fest und brachten ihn nach der Wache. Die BerfaffungSfeier der Berliner Polizei. Die Feier des Derfossungstages soll in diesem Jahre auch von der Berliner Polizei durch eine große Veranstaltung be- gangen werden Während sich bisher die Berfa ssungsfci« der Schutzpolizei nur in internem Rahmen auf dem Hof der Alexanderkoferne vollzogen hatte, wird die gesamte Berliner Polizei, und zwar sowohl die Schutzpolizei wie die Kriminal- und Verwaltung?- polizel, soweit die Beamten am Derfaflungstage abkömmlich sind. sich am 11. August, vormittags 10 Uhr. im Lust gor- ten vor dem Schloß versammeln. Da der Dienst der Polizei an diesem Tage insbesondere auf diese Feier zugeschnitten ist, ist zu erwarten, daß mindestens 6000 bis 7000 Berliner Polizeibeamte vor dem Schloß Aufstellung nehmen werden. Das Programm der Feier steht noch nicht endgültig lest, wahrschein- lich wird Reichspräsident Ebert selbst beftimmi aber der preußische Ministerpräsident Braun dabei das Wort ergreifen. Auf jeden Fall wird die Berliner Polizei feit ihrer Reu- bildung noch dem Krieg« mit dieser Veranstaltung zum ersten Male in einem starken Aufgebot an die Oeffentlichkeit treten. „Ruck— Zuck." Man schreibt uns: „Ich war Sonntag auf dem Potsdamer Platz, als um 12 Uhr für zwei Minuten Verkehrsstille eintrat zum Gedächtnis der Toten des Weltkrieges. Als das Schweigen zu End« war, mußte ich schaudernd feststellen, welche Feldwebelseele neben mir gestanden lzotte. Sofort platzt« er zu seinem Begleiter heraus, daß die Sache nicht richtig geklappt hätte, weil es nicht„Ruck- Zuck" ging wie beim Griffe- klopfen der alten Armee. Er hott« am liebsten die Sache tl Tage vorher geübt, damit sie schneidig klappte, zum mindesten aber um 12.02 Uhr kommandier': Zurück marsch, marsch, dasselbe nochmall— bis es klappt. Um dieses Problem scheinen die Gedanken dieses Menschen während der zwei Minuten gekreist zu hoben. Auf alle Fälle hat er an die nicht gedacht, denen das Gedenken galt: an die Opfer des Wellkrieges."_ Die Stahnsdorfer, Grabschänder vor Gericht. In der Zeit der steigenden Metallpreise im Vorjahre wurde der große Zentralfriedhof in Stahnsdorf fast täglich von Metalldieben heimgesucht. Die Diebe haben in ruchlos« Weise Denkmäler zerstört und Teile davon weggeschleppt. Alle Nachtwachen waren vergebens, trieben sich doch diese Fried- bofshyänen am hellen lichten Tage als Trauergemeinde umher. Ein Friedhofswärt« bemerkte eines Tages, wie sich ein Trauerpaar üb« einen Hügel im Bezirk Schöncberg zu schaffen machte, aus dem es gar nichts zu tun hatte.„Ich muß doch endlich die Rosen- stocke anbinden", meinte die Frau, als sie sich beobachtet glaubte. Unauffällig folgte d« Wärt« dem Paar und kurze Zeit darauf war der Mann im Begriff, eine Bronzehand von einer Frauen- grebsigur abzuzwicken. Bei der Verhaftung fand man in den Aktenlaschen des Paares einen Engelskcpf. verschlungene Kind«. band« und Vronzetttfeln vor. Auch das nötige Diebeswerkzeua kam zum Vorschein. Die Denkmalsschänd« wurden als d« �Ijähriqe Schlosser Fritz Grenz und seine Zljährige Ehefro» Frieda au» B«Ln festgestellt. Vor dem Potsdam« Amtsgericht wegen gemeinschaftlichen Diebstahls im Rücksalle angeklagt«kannte das Gericht unter Versagung mildernder Umstände bei beiden An, geklagten auf je ein Jahr sechs Monat« Zuchthaus, drei Jahre Ehrverlust Der Ehemann G. wurde gleich in Haft behalten. Die Frau wurde entlassen, da sse zu Hause noch ein neun Wochen altes Kind zu versorgen hat Ckn Erfolg für Groß- verlin. Gakow und Clodow gegen gie Ausgemelndnng. In den beiden am westlichen Ufer der Havel gelegenen Dörfern Gatow und Clodow, deren Ausgemeindung d« Ausschuß des Preußischen Landtags vor einigen Wochen beschlossen hatte und üb« deren endgültiges Schicksal im September der Preußische Landtag entscheiden soll, hat jetzt dieser Tag« eine Listenabstimmung unter den Einwohnern über die Ausgemeindung aus Berlin statt- gefunden.- Dabei hat ssch gezeigt, daß die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung von einer Ausaemeindung aus Verlin nichts wissen will. Es haben sich nämlich in Claoow von 028 Einwohnern bei 743 Abstimmungen(einschließlich der Angshö- rigen) 721, also 77,7 Prozent der Bevölkerung oder 07,1 Prozent der Abstimmenden, sür Berlin ausgesprochen, für Osthovellcrnd nur 220. In Gatow baden von 600 Einwohnern bei Slö Abstimmenden(cinschlsießlich der Angehörigen) 456, also 74,8 Prozent der Bevölkerung oder 88,5 Prozent der Abstimmenden, für Berlin gestimmt, für Osthavelland nur 59, Die Einwohner bereiten sine Bittschrift an den Landtag vor, die in den nückstcn Tagen den zuständigen Stellen überreicht werden soll. Es ist zu erwarten, daß der Landtag an dieser nahezu einmütigen Willens- kundgebung der Bevölkerung nicht vorübergehen und Cladow und Gatow in Berlin belassen wird. Im übrigen ist das Ergebnis dieser Abstimmung ein voller Er, folg für d«n Gedanken der Einheitsgemeinde, den me Sozialdemokratie als einzige Partei all die Jahr« hindurch vertreten hat. Jetzt, wo die Stabilisierung der Währung allmählich normale Beziehungen auch in der Eemeindepolitik schafft, zeigt sich eben für jeden absolut unwiderleglich, daß die Eroß-Berliner Ein- heitsgemeind« wirtschaftlich bedeutend leistungsfähiger ist. Man kann mit Sicherheit rechnen, daß in ein bis zwei Jahren überhaupt kein Mensch mehr von einer Los-vcn-Bcriin-Bewegmi,-; reden wird. Was an der inneren Orgonifation Groß-Z«lm» zu ändern ist, wird sich von innen heraus von selber«ntwickoln. Der Dorteil der Einheitsgemeinde wird aber so groß sein, daß in Kürze jeder über die bürgerlichen Kirchturmpolitiker lachen wird, die diesen ungeheuren Fortschritt mit ollen Mitteln schmutzigster Demagogie bekämpft haben. Berfaff nng sfeier- P ostkarten. Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz» Rot. Gold bat sich an den R« i ch s p o st m in i st e r mit einem Antrag gewandt, besondere Verfassungsseier. Karten gm 10. August durch einen besonderen Poststempel Mit der Inschrift„Dersafsungstag 1924" zu versehen. Die so abgestempelten Postkarten hätten scibstvcrständlich für Sammler einen besonderen Wert. Es ist wohl anzunehmen, daß das Reichspostmmistenum diesem Antrag um so eher entsprechen wird, als durch derartige und ähnliche vielleicht zunächst ols harmlos«scheinende Dinge im In. land sowohl wie auch im Ausland das Vertrauen zu dem neuen deutschen Volksstaot verstärkt wird. In der Notwehr erschossen? Der Kriminalassistent Ludwig Wolf, d« schon lange �ahre bei der Berliner Kriminalpolizei tätig ist und' als zuverlässiger, ruhiger Beamter bekannt sein, soll, hat gestern abend im Hof« des von ihm verwalteten Hauses Frantsurter Alle« 315 zwei Pferdehändler namens Max Zarittov und La- bann Luszat im Streit erschossen. Di« Händl« sollen ihn und seine ,«0» in eine Ecke gedrängt und schwer bedroht haben. Infolge. dessen soll die Erschießung ein Akt der. Notwehr gewesen sein. Bolle Klarheit kann erst die Vernehmung der Zeugen bringen. lieber Fraukrcich und Teutschland. Die Berliner Ortsgruppe der„Deutschen Liga für Menschen- rechte" hatte gestern abend in ihre» Räumen in oer Wiihelmstraße «inen kleinen ttreis geladener Gäste oersammelt � vor denen der Generalsekretär der französischen Liga für Menschenrechte, Gu e r- n u t, sich über Fragen d«r sronzösischen Politik äußerte. Er sprach sich sehr zuversichtlich über die S.cllunz des Ministerpräsidenten Herriot aus. Wenn auch der Linksblock im Senat über keine Mehr- heit verfügt, so ginge der parlamentarische Brauch in Frankreich doch dahin, daß oer Ministerpräsident nur auf Grund eines Miß- trauensvotums des demokratischen Partaments, also der Kammer, zurückzutreten brauche. Hier steht aber die Mehrheit durchaus auf Seilen Herriots. Frankreich hat>n seinem Etat riefige Beträge sür seinen Schuldendienst einstellen müssen: deshalb fordert das franzö- fische Volk, daß Deutschland seinen Teil zu der Abtragung der Kriegsschulden beitrage. Die allgemeine Siimmunz Frankreichs Deutschland gegenüber bttrachtet« Euermtt sehr optimistisch. Mit dem Geschrei einer kleinen Klique besonders Interessierter und ihr« Press« identifiziert sich die große Masse der Bevölkerung keineswegs. Die französische Liga sür Menschenrech.«, die nicht nur für «ine gerecht« Behandlung Deutschlckids eintritt, sondern auch ganz allgemeinen pazifistischen Grundsätzen huldigt, hat sich in den letzten Jahren ganz außerordentlich entwickelt. Vor 25 Jahren mit zwölf Mitgliedern gegründet, ha: sie jetzt 120 000 Friedensfreunds zu Anhängern, die sich aus allen Partei- und Bevölkerungskreisen zu- sammensetzen. Die auch für deutsche Verhältnisse intereisame Frage eines Anwesenden, ob die Möglichkeit bestände, daß sich aus der französischen Liga eine Partei entwickeln könnte, die für Parlaments- wählen eizene Kandidaten aufstellen würde, verneinte der franzö- sische Genösse. Die Tatsach«, daß Mitglieder vieler Parteien in der Liga vereinigt sind, würde bei einer solchen Entwicklung der Liga deren Sprengung zur Folge höben. Die französische Liga für Menschenrechte betreibt keine Parteipolitik, sondern eine Politik der Prinzipien. Gerade dieser interfraktionellen Politik hat die Liga ihren Einfluß auf die Regierung Herriot zu danken. Petroleum ins Feuer. Die etwa gOjährige Frau Helene Schmidt aus Ltthtenberg, Oderstr. 10. verunglückte gestern beim Feueranmacken. Sie goß Petroleum ins Feuer, Dabei wurde sie von der Stichflamme ersaht und erlitt schwer« Verletzungen am Oberkörper. Sie mußte nacki dem Kranken» hauS gebracht averden. Ihr Zustand ist lehr bedenklich. Die grauenhafte Tot einer Mull«. In der Nacht zum 4. d. M. hat«ine in Köln- Zoll stock wohnende 27jährize Frau in ihr« Wohnung ihren beiden 1 und 3Jahre altenKnobßn mit einem Rasiermesser den Hals durchschnitten unv dann durch Oeffnen der Pulsader und durch einen Halsschnitt S« l b st m o r d oerübt. Dem Vorfall waren Streitigkeiten mit iem Ehemann vorausgegangen. parteinachrichten|Sr| für Hroß-Serim El»s»nduno,cn!Sr diese Rubrik sind slets a» dos Sezirkslekretariat. Berti» SW. SS, Lindenstraze Z, 2.§#f, 2 Trep. rechts, zu richten. 2c. Abt. Morsen. D-nn-rsta«. den 7. Ausust. abend» S Uhr, Funllionärsttzung bei Winzer, 2Bin»rtra|e, Ecke Ehristburser Strage, Iii.«dt. Watdmaua»lust. Domrersiag. den 7. August, S Uhr. bei Pusch, Extra. «ahlabend. Gewerkschaftsbewegung Die Festangestellten der Straßenbahn.. Die Schilderung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter über die Art, wie mit den Straßenbahnangestellten bei der Umwandlung in eine G. m. b. 5. umgesprungen wurde, in Nr. 355 des„ Vorwärts", wird durch die folgende Buschrift eines Fejtangestellten ergänzt: Ritter des Gregorius- Ordens. Schiedsspruch für die Leipziger Metallindustrie. Leipzig, 6. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der bisherige Stundenlohn der Leipziger Metallarbeiter betrug 53 Pfennig. Das Lohnabkommen lief am 26. Juli ab. Die Unternehmer beabsich tigten, anstatt der geforderten Lohnerhöhung von 20 Proz. einen Lohnabbau durchzusehen. Am 29. Juli tagte der Schlichtungsausschuß, der einen Schiedsspruch mit 55 Pfennig Spihenlohn fällte. Eine Betriebsräteversammlung der Leipziger Metallarbeiter nahm den Schiedsspruch an, da keine Möglichkeit besteht, augenblicklich mehr zu erreichen. Die Leipziger Metallindustriellen aber Als nach der sogenannten Stillegung der Straßenbahn der Behaben den Schiedsspruch abgelehnt, troßdem ihnen befannt war, trieb auf wenigen Linien wieder aufgenommen wurde, da wurden daß derselbe für Zwickau, Bauzen, Chemnik und Dresden( es plötzlich alle Festangestellten des Bureau- und Aufsichtspersonals tommen 120 000 Metallarbeiter in Frage) für rechtskräftig erklärt zum Magistrat bzw. den Bezirksämtern versetzt. Hier erhielten sie wurde. Der Metallarbeiterverband hat daher die Verbindlichkeitsdenn auch gleich am 30. September die Kündigung zum Jahres erklärung beantragt. Am fommenden Sonnabendvormittag finden schluß unter Berufung auf die Betriebsstillegung der Straßenbahn, die Vorverhandlungen statt. obgleich fie von dieser Stillegung zunächst überhaupt nicht be troffen waren, da sie am 9. September ihren Dienst nach wie vor verrichteten, ihr neuer Dienst aber mit der Straßenbahn nichts mehr zu tun hatte. Trotz des Einspruches gegen die Kündigung erfolgten am 31. Dezember die Entlassungen unter Auszahlung eines Abkehrgeldes bis zu sechs Monaten. Sie wurden dann noch unter besonderen Verträgen als Aushilfskräfte bis Mitte Januar in den städtischen Bureaus beschäftigt und dann entlassen. Ihr Einspruch gegen die Kündigung wegen Stillegung der Straßenbahn hatte schließlich den Erfolg, daß am 25. Januar die Kündigung aus diesem Grunde zurüdgenommen und sie eine neue Kündigung auf Grund der Personalabbauverordnung befamen. Der Abbau erfolgte am 1. April mit einer Abfindungssumme bis zu vier Monaten, je nach dem Dienstalter, unter Anrechnung des beDas Gewerkschaftsarchiv" hat seine Auguftnummer( Seft 4) dem reits gezahlten Abkehrgeldes. Außerdem erhielten die Abgebauten die schriftliche Zusicherung, daß sie im Falle der Invalidität oder Arbeitsrecht und der Arbeitszeit gewidmet. Der Tarifvertrag als nach Zurücklegung des 65. Lebensjahres Ruhegeid erhalten. Diese Quelle des Arbeitsrechts" wird von Dr. G Flatow auf Grund der Angestellten, die eine Dienstzeit von 10, 20 und 30 Jahren hinter Ende 1922 bestehenden Tarifverträge gewürdigt. Clemens Nör pet fich haben, find natürlich noch arbeitsfähig, allein für ihre Arbeitstommt bei feinen Betrachtungen über Zwangstarife zu dem Schluß: fähigkeit finden fie feine Verwendung. Auf Erwerbslosenunter- Schafft starte Gewerkschaften mit freier Betätigungsmöglichkeit, Die Neuregestügung haben sie feinen Anspruch, da sie der Krankenversicherungs- dann werdet ihr auch gute Arbeitsverträge haben. pflicht nicht unterlagen. Was sollen diese abgebauten„ Festbesolde- lung der Arbeitszeit im Rahmen der Entwicklung des Arbeitsrechts ten", die ihre beste Arbeitskraft der Berliner Straßenbahn gegeben erörtert Dr. Ernst Fraentel- Frankfurt a. M., während Krahaben, nun machen? Könnte die Straßenbahn nicht verpflichtet nold Jena seine Untersuchungen zur Problematik des Achtwerden, diese erfahrenen und erprobten Angestellten in ihren stundentages" fortjeßt. Die Uebersichten von Falkenberg, Seidel Dienst zu nehmen? und Suhr schließen das Heft ab. Verschlechterung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Nach den neuen Richtlinien, die der Reichsarbeitsminister am 21. Februar d. J. erlassen hat und jetzt im Reichsarbeitsblatt bekannt gibt, darf, abweichend von den bisher geltenden Bestimmungen, u. a. für den Verkauf von Roheis und Milch eine Verkaufszeit von fünf( statt zwei) Stunden, für Gegenden mit besonders startem Fremdenverkehr an 20 Sonn- und Festtagen im Jahre den Verkauf von Bade, Andenten-, Lugusartikeln, Tabakwaren für die Dauer Don fünf Stunden bewilligt werden. Menschenleben vor Vernichtung oder schwerer Schädigung bewahrt werden. = In der Debat te spricht zunächst Tister England, worauf Franz Deutschland mitteilt, daß die Zahl der Unfälle in Preußen außerordentlich hoch ist. Erst die grauenhafte Radbod- Katastrophe im Jahre 1908 hat zur Schaffung der Sicherheitsmänner geführt. Fallone e Belgien spricht über den Mangel an Fürsorgevorfchriften im belgischen Bergbau. Roffy Frankreich hofft, daß auf dem nächsten Kongres alle Redner über Besserungen berichten fönnen. Murray- Amerita teilt mit, daß im amerikanischen Bergbau in den legten vier Monaten 993 Menschen umgefommen sind. Eine Resolution im Sinne des Referats und der Debatte wird einstimmig angenommen. Ueber die Frage des Erholungsurlaubes sollte Adamek- Polen referieren, der aber wegen des großen Kampfes in Oberschlesien nicht anwesend ist. In der Debatte führen die Redner aus, daß der egoistische Widerstand der Unternehmer gegen Nach einer Eca- Meldung aus Essen hat. Papst Pius XI. die den Arbeiterurlaub gebrochen werden müsse. Von dem ErholungsVerdienste des Vorsitzenden des Christlichen Metall- urlaub werden die Arbeiter nur dann etwas haben, wenn der Lohn arbeiterverbandes, Reichstagsabgeordneten Franz Wieber weitergezahlt wird. in Duisburg, auf dem Gebiete der driftlichen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung und feine segensreiche Tätigkeit zum Wohle" der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer derart geschäßt, daß er Herrn Bieber zum Ritter des Gregorius- Ordens ernannte. Ob die Herren Adam Stegerwald und Reichsarbeits. minister Dr. Brauns bereits Ritter dieses Ordens sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Bei Besprechung des Gewerkschaftsarchivs" in Nr. 31 der „ Gewerkschaftszeitung" geht Genosse Nörpel auch auf das Neben einander der neuen Monatsschrift des ADGB.„ Die Arbeit" und dem„ Gewerkschaftsarchiv" ein und bemerkt dazu: = Zur Arbeitszeitfrage liegt ein Bericht des Engländers Cook vor, in dem es heißt, daß anstatt vorzuschreiten und den Frankfurter Beschluß zur Ausführung zu bringen, die Bergarbeiter jezt die allergrößten Schwierigkeiten haben, die gegenwärtige Arbeitszeit unversehrt zu erhalten. In fast allen Ländern ist versucht worden und wird versucht, die Arbeitszeit im Bergbau zu verlängern. Lombard- Belgien bedauert, daß es den deutschen Bergarbeitern nicht gelungen sei, die Berlängerung der Arbeitszeit hintanzuhalten. Reffron Tschechoslowakei sagt, daß die Bergarbeiter. Internationale für einheitliche Regelung der Arbeitszeit in allen Ländern fämpfen müsse. In der Tschechoslowakei besteht die gesetzliche Achtstundenschicht einschließlich Ein- und Ausfahrt und seit Mai 1920 die 46ftündige Arbeitswoche. Die zweistündige. Arbeitszeitverfürzung am Sonnabend ist den Bergherren ein Dorn im Auge. Die Bergarbeiter- Internationale muß die deutschen Bergarbeiter = 4 = in dem schweren Kampf um die Arbeitszeit unterstützen. Es sprechen weiter 3wan 3ger Deutschösterreich, Arch- Südflamen und Estreich- Deutschland, der jagt, daß trok des muchtigen Angriffes der deutschen Unternehmer die Arbeitszeit im deutfajen Bergbau pro Schicht nur un: 18 minuta änger ist als in Ungarn. Nach einer Rede von Barthe Frankreich bespricht ancnt- Polen die Verhältnisse in Oberschlesien und Bayer. Ungarn die dortige Lage. Der heute eintreffende spanische Delegierte Ladezza, mit großem Beifall begrüßt, führt aus, daß alle Bersuche der spanischen Dittatur, die Arbeitszeit zu verlängern, bis jeẞt mißglückt feien. Murray Amerika berichtet, daß seit dem Kriege 150 000 Bergarbeiter in Amerika eingewandert sind. Eine Resolution gegen Arbeitszeitverlängerung wird einstimmig angenommen. Auf Antrag der deutschen und der tschechoslowakischen Delegierten beschließt der Kongreß, den fämpfenden Bergarbeitern in Die weiteren Ber= Oberschlesien die Sympathien auszusprechen. bieten ,, Die handlungen werden auf morgen, Mittwoch, vertagt. ,, Sachlich liegen. die Dinge... so, daß die Gewerkschaftsbewegung eine große Zahl wichtigster Probleme und einen Millionenfreis von Menschen umfaßt. Schon diese Tatsachen beweisen die Notwendigkeit auch mehrerer Organe. Dann fönnen sich dieselben auch gegenseitig befruchten und anspornen. Es gibt einen Beharrungszustand, dem auch der Beste unterliegt, wenn der unmittelbare Antrieb nicht vorhanden ist. Demgegenüber bieten„ Die Arbeit" und Gewerkschaftsarchiv" nebeneinander die Gewähr, daß beide das Höchste leisten... " ,, Möge die große deutsche Arbeiterbewegung die Sicherheit dafür bieten, daß auch das„ Gewerkschaftsarchiv" feine Aufgaben erfüllen tann. Die Arbeitnehmer sollten auch diese Zeitschrift in jeder BeGrundfäßlich wichtig als Durchbrechung des Verbots des allgemeinen Warenvertaufs ist folgende Beftimmung: Für Gemeinden in Gegenden, in denen infolge weitläufiger Siedlungsweise für die landwirtschaftliche Bevölkerung ein dringendes Bedürfnis dafür vorliegt, fann der Verkauf weiterer Bedarfsgegenstände auf die Dauer von zwei Stunden zugelassen werden." Der Minister sieht die Gefährlichkeit dieser Zulassung wohl ein. Den Landesregierungen, als deren Bereinbarung die Richtlinien beziehung fördern.“ zeichnet werden, wird eingeschärft: Ich möchte empfehlen, daß Anordnungen im Sinne( dieses Punktes) nur aus zwingenden Gründen getroffen werden. Es muß m. E. durchaus vermieden merden, der bloßen Bequemlichkeit und GedankenlojigLeit des Publikums nachzugeben; eine Ausnahme von der Sonntagsruhe, wie sie durch( diese Bestimmung) ermöglicht wird, darf m. E. nur bewilligt werden, wenn es zum 3wede der Steigerung Der landwirtschaftlichen Erzeugung geboten erfeheint." Es bleibt abzuwarten, wieweit die fgl. bayerische und ähnlich geariete, Regierungen sich nach diesem Grachten" des Herrn Dr. Brauns merten. Jedenfalls werden die Gewerkschaften, den Behörden bei der Anwendung des neuen Erlasses scharf auf die Finger zu sehen haben. Arbeitern, Angestellten und Lehrlingen, die länger als zwei Stunden an Sonn- oder Festtagen beschäftigt werden, ist ein freier Nachmittag in der Woche zu gewähren.( Wenn der Herr Geschäftsinhaber so freundlich sein will! D. Red.) Der Schlußjah besagt: Weitere als die vorstehend vorgesehenen Ausnahmen sollen in der Regel nicht bewilligt werden. In dringenden Fällen und unter besonderen Umständen tönnen jedoch die Landesregierungen Ausnahmen von den obigen Richtlinien bewilligen. Ter durchgefallene DHV. " Italienische Spinnereiarbeiterinnen sind in Chignolo in den Streit eingetreten, worauf die Unternehmer mit der Aussperrung antworteten. Internationaler Bergarbeiterkongreß. Zweiter Verhandlungstag. Prag, 5. Auguft. ( Eigener Bericht.) Die heutigen Verhandlungen des Kongreffes leitete der tschechische Bergarbeiterverband. Es fir find auch zwei Vertreter der spanischen Bergarbeiter eingetroffen. Die Mandatsprüfungsfommiffion berichtet, daß 125 Delegierte aus 13 Staaten anwesend sind. Die Debatte über Lohnfrage und Kollektivverträge wird fortgesezt. Im Schlußwort empfiehlt Del atres die Armahme folgender Resolution, die einstimmig erfolgt: " Der Internationale Bergarbeiterfongreß hat die Frage der Rollektivverträge besprochen und fordert die Festsehung eines mit einem anständigen Lebensunterhalt in Einklang stehenden Lohnes für alle Bergarbeiter. Der Kongreß ist der Ansicht, daß in dieser Zeit der wirtschaftlichen Störungen dos Prinzip des für eine anftändige Lebensunterhaltung ausreichenden Lohnes neue Bedeutung erhält. Der Rongreß beschließt deshalb die Organisierung von Kampagnen in den angeschlossenen Ländern zur Erreichung der Fest segung eines mit den Lebenshaltungskosten im Einvernehmen stehen den Minimallohnes auf dem Wege des Gesetzes oder durch Kollektiv. verträge. Um diese Kampagne zu erleichtern, wird das intemationale Sefretariat allen angeschlossenen Verbänden den Tert der in Kraft stehenden Gefeße oder Kollettivverträge, sowie Angaben über, die Mittel zur Erzielung solcher Uebereinkommen und Gesetze über mitteln. Auf dem nächsten internationalen Kongreß werden die angeschlossenen Organisationen der verschiedenen Länder über die zur Ausführung dieser Resolution gemachten Anstrengungen und dabei erzielten Erfolge Bericht erstatten." Ueber die Bergwerfsinspektion refetiert BrozitTschechoslowakei. Er führt aus, daß langsam und unter stetigem Druck der Arbeiterschaft die Anerkennung gewisser Mindestforderun gen in den einzelnen Staaten erreicht worden ist. In den Bordergrund dieser Borkehrungen gehört Bei der Wahl zum Gesamtbetriebsrat der AEG. fiel der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband durch. Auf seine Liste maren nur sechs Stimmen abgegeben. Infolgedessen hatten die deutschnationalen Handlungsgehilfen fein Mandat im Gesamtbetriebsrat erhalten. Nun zählten sie die Häupter ihrer Lieben in den AEG.- Betrieben, und es fanden sich neun Wahlberechtigte, die erklärten, für die Liste des DHB. gestimmt zu haben. Als sie aber diese Erklärung durch eine vom Bertreter des DHB. verlangte eidesstattliche Versicherung bekräftigen sollten, da zogen fich zwei von den angeblichen Wählern des DHV. zurück. Immerhin blieben noch sieben, welche die eidesstattliche Bersicherung unterschrieben. Ausgerüstet mit diesem Beweismittel", erhoben die deutschnationalen Listenvertreter beim Gewerbegericht Klage auf Ungültigkeitserklärung der Wahl. Sie behaupteten allen Ernstes, ihre fiebente Stimme müsse durch irgendeine unredliche Handlung aus der Urne entfernt worden sein. Die Beweiserhebung ergab jedoch, daß eine Wahlfälschung, falls man nicht an die Mitwirkung übernatürlicher Kräfte glauben sollte, ausgeschlossen ist. Das Gericht kam einstimmig zu dem Beschluß, den Ander Arbeiter. Als richtigen Gradmesser der Kultur in den einzelven trag auf ungültigkeitserklärung der Wahl zurück- Ländern fann man einzig und allein die Schuhvorkehrungen für zuweisen. Da zwei Wähler, welche zuerst angaben, für die Liste Leben und Gesundheit der Arbeiter annehmen. Vor allem gilt dieser des DHB. gestimmt zu haben, ihre Erklärung zurückgezogen hatten, Grundsatz für den Bergbau, der infolge feines Charakters neben so könne auch die Differenz von einer Stimme auf einem Irrtum schwerster, anstrengendster Arbeit den Arbeitern solche Gefahren beruhen. Erfahrungsgemäß femme es ja öfier vor, daß ein durch für ihr Leben bringt, die bei ungenügender Bekämpfung zu den den Wahlkampf aufgeregter Wähler einen anderen Stimmzettel abs furchtbarsten Katastrophen führen. Nur durch genügende gebe, als er beabsichtigt habe. Jedenfalls reiche das Beweismaterial Sicherheitsvorkehrungen und ihre strikte Einhaltung und Durch nicht aus, um die Wahl für ungültig zu erklären. führung ist Vorbeugung möglich und fann eine große Anzahl der Schutz des Lebens und der Gesundheit Sternzwirne, garne Nähnah- Twift Wirtschaft Deutsch- schweizerische Handelsvertragsverhandlungen. Für die nächste Zeit sind Berhandlungen zwischen Deutschland und der Schweiz in Aussicht genommmen zur Vereinbarung eines neuen Handelsvertrags. Von deutscher Seite find beim Bundesrat in den letzten Monaten wiederholt Schritte unternommen worden, um einen Abbau der schweizerischen Einfuhrbeschränkungen zu erlangen. Die deutschen Wünsche konnten aber vom Schweizerischen Wirtschaftsdepartement nicht ohne weiteres berüdsichtigt werden, well Deutschland gegenüber einer Reihe wich tiger schweizerischer Produkte Einfuhrverbote erlassen hat oder durch Prohibitivzölle den Abjab der schweizerischen Erzeugnisse unmöglich macht. Die Schweiz tann deshalb nach der Ansicht des Bundesrats nicht einseitig ihre Einfuhrbeschränkungen aufheben, sondern müffe für die Freigabe der Einfuhr eineiner deutscher Erzeugnisse unbedingt von Deutschland Gegentonzeffionen verlangen. Der ganze Fragentompler der gegenfeit gen Handelsbeziehungen müsse deshalb einheitlich behandelt und möglichst durch den Abschluß eines Handels vertrages auf eine neue, folite Grundlage gestellt werden. Von schweizerischer wie von deutscher Seite werden Sie mit dem Abschlußz eines neuen Handelsvertrages zusammenhängenden Probleme schon feit geraumer Zeit erwogen. In der nächsten Woche wird in Bern eine erste sa chverständigenzufammenkunft stattfinden, zu der hervorragende Renner der deutsch- schweizerischen Handelsbeziehungen eingeladen worden sind. Diese Vorbereitungen deuten darauf hin, daß gegen Ende des Jahres die eigentlichen Verhandlungen zwischen der Schweiz und Deutschland über den Abschluß eines neuen Handelsvertrages einsehen werden. Die Lederpreise.reis Angesichts des ergebnislofen Verlaufs der 2ederenquête ist die Tatsache von Wichtigkeit, daß die Lederpreise noch immer weit über Friedenspreis liegen. Wir geben die Entwickelung im Monat Juli wieder: 1914 Kölner Lederbörse Anfang Ende Juli 3,30-3,60 3,30-3,70 • 3,35-3,70 4,25-5,00 0,75 1,10-1,25 1,00 1,20-1,75 3,45-3,80 4,35-5,00 1,10-1,25 1,35-1,75 Sohlleder( kg) 2,95 Zahm Vache( Hälften, kg) 2,40 ( Kern, kg) 4,28 Rindbor, 1 qu- Fuß Borcalf, 1 Im Anschluß an die Preissteigerungen auf den Häuteaultionen ( Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Erfurt usw.), die sich zwischen 5 und 15 Broz. bewegten, zeigen die Lederpreise eine bemerkenswerte Befestigung, die sich, sehr wahrscheinlich mit unter Eindruck der glorreichen Lederenquête, im Anfang Auguſt fortsette. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Egtorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. erliner Elektriker- Was trinken wir? Sefenträget, Gummiben, Kämme, GeDamen- Konfektion Volfskleidung! Berliner Genossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit. B HOLZMAUSER von 500 Mk. an. Schuppen, Hallen, Garagen etc. liefert preiswert kurzfristig Holzhausbau Littmann 54, Lothringerstrasse 91/93 Norden 6020/21 Erfrischende Limonaden, selbstbereitet aus Reichels Limonaden- Sirup- Extrakten Himbeer, Kirsch. Citronen-, Orangen- Aroma etc. Köstlicher Fruchtgeschmack. Der erquickende Sommer- Kühltrunk. Vorzüglich auch als Speisenbeiguß. Eine Flasche ergibt 3, Pfd. Limonadensirup M. 0,75, Flasche M. 0.45. In Drogerien u. Apoth. erhältlich. sonst bei Otto Reichel, Berlin 43, SO., Eisenbahnstr. 4. Man nehme nur Marke Lichtherz, die Qualität verbürgt. Wanzen Motten s. Brut Linksol- Gas kann jeder selbst d. in wenigen Stunden ohne Risiko, ohne Geld oder Zeitverlust unter Metallbetten Garantie radikal beseitigen, selbst da wo alle anderen Staalmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. Mittel versagt. Vorrätig in Drogerien. Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. vor minderwertigen Nachahmungen. Warnung u. f. Rurzwaren, weit unter Tagespreis Säusler, Beuthstraße 15. Merfur 6389 2Mark wöchentl. Teilzahlung liefere erhalten Sie bei bequemster Teilzahlung von nur wöchentlich 2.jetzt auch direkt aus der Fabrik 0. Wollburg, Brunnenstr. 56-57 Kredit- Abteilung Eleg. Herren- Garderobe Strickjacketts, Strandjacken, fertig und nach Maß Garantie für tadellosen Sitz u. Verarbeitung Maßschneiderei J. Kurzberg Oranienstraße 160, I. Sportwesten, Sportjacken aus reiner Wolle in allen Farben, sowie Blusen kaufen Sie am besten und billigsten direkt vom Fabrikanten Wiederverkäufer u. Sportvereine erhalten besondere Preise, Kein Ladenverkauf Grüssner& Co., Nenk., Sanderstr. 27 0600 Kosen für Sport, Beruf und Straße. Manchester- Anzüge. Coden- und Gummimantel. Anzüge für Herren u. Knaben. Semben Socken Unterhosen. Nur gute, solide Ware, billigste Preise. Berufskleidung! Gerhard Kohnen Hermannstr.75-77. Neukölln Der gute KapitänKaufabak sin den meisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861