Abendausgabe Nr. 369 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 185 Bezugsbedingungen und Anzeigenprette find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 5 Goldpfennig 450 Milliarden Vorwärts Berliner Dolksblatt Donnerstag 7. August 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Serniprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Beratungen über die deutsche Denkschrift Condon, 7. Auguft.( Eigener Funtbericht unseres Sonderberichterstatters.) Die Abendfihung der Chefdelegierten, die um 9 Uhr begann, wurde furz nach 10% Uhr beendet. Ihr fachlicher Berlauf zeigte, daß die anfängliche Mißstimmung über den Begleitbrief zum deutschen Memorandum, der von der militärischen Räumung spricht, überwunden ist. Das ist zum Teil sicherlich auf den Inhalt des Memorandums selbst zurückzuführen, der auch bei der französischen Delegation nach genauem Studium nicht als ungünstig betrachtet wird. Immerhin bleibt bemerkenswert, daß die zunächst von Herriot bereits für Donnerstag in Aussicht genommene Besprechung mit Marg vorläufig aufgeschoben worden ist. Die Behauptungen, daß innerhalb der franzöfifchen Delegation Erregung herrsche, weil die deutsche Delegation ohne Wiffen Herriots mit Snowden verhandelt habe, find falsch. Borläufig wurde nichts unternommen, um derartige Berhandlungen überhaupt zustande zu bringen. In der Abendfihung wurde zunächst von den Berhandlungen, die im Laufe des Nachmittags zwischen den alliierten und deutschen Sachverständigen stattgefunden haben, Kenntnis genom men. Diesen Beratungen der Sachverständigen lag das deutsche Memorandum zugrunde. Die von den Sachverständigen vorgeschlagene Arbeitsteilung fand die Billigung der Chefdelegierten. Die wichtigsten Fragen werden die Chefdelegierten felbst besprechen. Am Mittwoch abend haben sie nur die ersten Punkte der Beschlüsse der ersten Kommission der alliierten Konferenz über die Feststellung der Berfehlungen erörtert. Man spricht davon, daß Fortschritte erzielt worden sind. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Am Donnerstag um 11 Uhr werden die Beratungen der Chefdelegierten fortgefeht. Gleichzeitig treten die Sachverständigen mit Einschluß der deutschen Sachverständigen zu einer Besprechung der Beschlüsse der zweiten und driffen Kommiffion der allierten Konjerenz zujammen. Die geftrigen Verhandlungen. [ liche Verfehlungen" aufgefaßt werden, wie es im Versailler Bertrag festgelegt ist, d. h. als Nichterfüllung der deutschen Verpflichtungen aus mala fides". Marg und Stresemann bei Macdonald. Condon, 7. Auguft.( WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph" mildet über die gestrigen Berhandlungen: Am Dienstag abend statteten der deutsche Reichstanzler und der Außenminister Stresemann Macdonald einen Besuch ab und erörterten mit ihm gewisse Fragen bezüglich der auf der Konferenz erörterten mit ihm gewisse Fragen bezüglich der auf der Konferenz zu befolgenden Berfahrensart. Diese spielte auch in den gestrigen Besprechungen der alliierten Minister untereinander und mit den Deutschen eine große Rolle. Französische Angaben über die deutsche Denkschrift. Paris, 7. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Troß der von der Londaner Konferenz am Mittwoch beschlossenen vorläufigen Geheimhaltung des deutschen Memorandums ist die Pariser Presse am Donnerstag morgen in der Lage, über dessen Inhalt sehr aus. Donnerstag morgen in der Lage, über dessen Inhalt sehr aus führliche Angaben zu veröffentlichen. Im ersten Teil des genom- re Memorandums, der die Frage etwaiger Verfehlungen und Santtionen behandelt, wird von deutscher Seite geltend gemacht, daß die gefaßten Beschlüsse der alliierten Konferenz eine Abänderung des Friedensvertrages darstellen und deshalb der Zustim mung der deutschen Regierung bedürfen. Darüber hinaus wird an geführt, daß in dem Protokoll die Rede ist von Verfehlungen schlechthin, daß es sich aber nach dem Friedensvertrag lediglich um vorfäßliche bzw. böswillige Verfehlungen handeln müffe. Im Teil II, der der wirtschaftlichen Räumung des Ruhrgebietes gewidmet ist, soll das deutsche Memorandum eine Abgrenzung der in dem Räumungsplan der allierten Konferenz vor gesehenen Fristen innerhalb vier bis sechs Moden verlangen, derart, daß die wirtschaftliche und fistalische Einheit des Reiches pä testens zum 1. Ottober wiederhergestellt sei. Weiterhin wird das Ersuchen ausgesprochen, daß die Amnestie für die von den Alliierten verhängten Strafen und Ausweisungen vollständig fei und daß die Interallierte Rheinlandkommission in Zukunft auf das Recht, Ausweisungen vorzunehmen, verzichte. Das Memorandum fügt hinzu, daß, wenn die deutsche Regierung in diesem Punkte nicht die gewünschten Genugtuungen erhalten werde, fie fich außer Stande sähe, ihrerseits die wegen ihrer aftiven Unterstützung der Besagungsbehörden, sowie die wegen Teilnahme an der feparatistischen Bes wegung Berurteilten zu begnadigen. Nach dem„ Quotidien“ ist man in Ronferenzfreifen der Auffaffung, daß über diese Punkte eine Berständigung dahin erzielt werden könne, daß fämt liche Regierungen eine vollständige Amnestie ohne Einschränkungen und Vorbehalte verfügen. London, 7. August.( WTB) Ueber die gestrigen Verhandlungen berichtet„ Times": In den Besprechungen der Sachverständigen am Nachmittag, bei denen Großbritannien durch Sir Eyre Crowe, Frank reich durch Seydour, Belgien durch Gutt, Italien durch Jung und Deutschland durch von Schubert vertreten war, feien nur Punfte eröitert worden, die vom zweiten und dritten Konferenzausschuß behandelt worden seien. Um 9 Uhr abends hätten die Sachverständigen cem Rat der Bierzehn ihren Bericht überreicht. In diesem seien die deutschen Bemerfungen in drei verschiedene Gruppen geordnet. Die erste enthalte Fragen, die vom Rat der Bierzehn selbst geprüft werden müßten: Amnestie, Reparationszahlun. gen und das Eisenbahnproblem. Die andern von den Deutschen aufgeworfenen Fragen feien eingeteilt worden in solche, Der zweite Teil des deutschen Memorandums schließt mit eini die die wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebietes, und folche, die den Transfer( Ueberweisung der Zahlungen) beträfen. Es sei vorgeschlagen und angenommen worden, daß die Ausschüsse wieder zusammentreten sollten unter Teilnahme deutscher Mitglieder. Die so gebildeten Ausschüsse sollen heute vormittag um 11 Uhe wieder zufammenkommen. Wie es heiße, habe der Rat der Bierzehn auch die Frage eines eventuellen deutschen Berzuges behandelt, und zwar zum erstenmal unter Beteiligung der Deutschen. Was die Hauptfrage, nämlich die militärische Räumung des Ruhrgebiets anlange, so sei fein bestimmter Fortschritt zu verzeichnen. Der„ Rat der Bierzehn" habe gestern vormittag diesen Punkt zu berühren sorgfältig ver. mieden, und wenn er auch am Anfange des deutschen Memorandums stehe, so gehe er doch nicht eigentlich die Konferenz an, sondern nur Deutschland, Frankreich und Belgien. Wahrscheinlich werde es so kommen, daß diese drei, sobald sie zu einer Berständigung gelangt seien, diese den anderen Mächten mitteilen würden, die dann ihre Bemerkungen machen würden. Dadurch werde der technische Teil der Arbeiten der Konferenz nicht gestört werden, doch müsse angenommen werden, daß die Unterzeichnung einer endgültigen Bereinbarung aufgehalten werden müsse, bis irgendeine Bereinbarung in diesen entscheidend wichtigen Punkten erreicht worDen sei. Die Nachtsigung der Konferenz. Paris, 7. August.( WTB.) Ueber die Nachtsizung der Konferenz berichtet der Sonderberichterstatter der Agentur Havas in London: Die Sigung, die die alliierten Delegierten gestern abend mit den deutschen Ministern abgehalten haben, hat zuerst der Anhörung des Berichts gegolten, der im Laufe des Tages von den bri tischen Sachverständigen über die deutschen Bemerkungen abgefaßt und vom Unterstaatssekretär Sir Eyre Crowe eingebracht worden ist. Nach den Schlußfolgerungen des Berichtes Crowes bieten die deutschen Einwendungen zu den Berichten der drei Kommissionen feine unüberwindlichen Schwierigteiten. Die Bevollmächtigten haben im Anschluß daran den auf die Feftftellung der Verfehlungen bezüglichen Teil des deutschen Memorandums beraten. Stresemann habe sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Zustimmung der deutschen Regierung zu jeder von den Alliierten vorgenommenen Abänderung an dem Anhang II des Bersailler Vertrages nötig ist, mit der Begründung, daß diese auch den ausländischen Geldgebern eine neue Garantie bieten dürfte. Gegenstand der Auseinandersetzungen war der Ausdrud fla grante Berfehlungen", der im Sachverständigenbericht als Bedingung für die Durchführung von Sanktionen angeführt ist. Stresemann hat in diesem Punkt die Möglichkeit einer schiebsgerichtlichen Entscheidung verlangt. Nach französischer Auslegung müssen die Worte„ flagrante Berfehlungen im Sinne von„ porfäßgen Borbehalten gegen die von der Konferenz zugunsten der UnTeihegläubiger ausgesprochene Priorität auf alle Einnahmequellen des Reiches. Teil III erklärt, daß die deutsche Regierung mit den Grundprinzipien der von der dritten Kommission gefaßten Beschlüsse über die Sachleistungen und leberweisungen einverstanden sei. Die deutsche Regierung erflärt sich zu der von den Alliierten geforderten Fortsetzung der Sachleistungen über das Jahr 1930 hinaus einverstanden unter der Voraussetzung, daß diese Leistungen auf dem Wege freier Abmachungen mit den deutschen Lieferanten sichergestellt werden und daß der deutschen Regierung das Recht eingeräumt werde, gegen die Entscheidungen der Repa rationsfommission über ein Lieferungsprogramm an eine schiebs gerichtliche Instanz zu appellieren. Außerdem lehne die gerichtliche Instanz zu appellieren. Außerdem lehne die deutsche Regierung es ab, die Garantie für solche Lieferungen zu übernehmen, die nicht im Friedensvertrage ausdrücklich vorgesehen find, und sie verlangt endlich, daß bei sämtlichen Naturallieferungen dem Eigenverbrauch Deutschlands und seinem Exportbedarf Rechnung getragen wird. Gegen die Ausdehnung des Schiedsgerichtsverfahrens auf die Entscheidungen des Komitees für Ueberweisungen macht das deutsche Memorandum geltend, daß dadurch die Autorität dieses Komitees untergraben werde. Es erklärt jedoch, die Anrufung eines Schiedsfpruches in einem bestimmten Fall anzunehmen, unter der Bedingung, daß auch der deutschen Regierung das Recht eins geräumt werde, gegen eine als ungerecht erscheinende Entscheidung zu appellieren, und daß in diesem Falle die Schiedsrichter gemeinzu appellieren, und daß in diesem Falle die Schiedsrichter gemeinfam von dem Komitee für die Ueberweisungen und der deutschen Regierung ernannt werden. Das Spekulationsfieber. Hauffetreiberei an der Börse. Allen Dementis zum Trog fette heute am Anleihemarft eine neue Hauffe ein. Gegen mittag nannte man bereits Kriegs anleihe wieder mit 610, 3½prozentige preußische Konsols mit 17,50 und Schutzgebietsanleihen mit 3½. Besondere Gründe für diese neue Aufwertungshausse liegen nicht vor. Man operiert immer wieder mit dem Hinweis auf eine tommende inländische Anleihe, bei der die alten Anleihen in Zahlung genommen werden sollen. Durch besondere Festigkeit zeichnete sich heute auch der Attienmartt aus. Bajuvarische Gesetzgeber. Ein Berliner Parteigenosse, der eben aus Bayern zurüdgefehrt ist, sendet uns die nachstehende Zuschrift, die die bayerischen politischen Zustände wirkungsvoll beleuchtet. In Bayern herrscht große politische Unzufriedenheit. Ich war bemüht, die Quellen dieser unerfreulichen Erscheinung aufzusuchen; vergebliches Unterfangen! Schließlich schien mir noch die zutreffendste Charakteristik der Ausspruch jenes einfachen Mannes zu sein, der mir sagte:„ Jo, unzufrieden seind mir schon; denn hent is alles Dred. Und der Jud! Der Jud vor allem." Als ich mich erfundigte, was der Jud" denn eigentlich verbrochen habe, erhielt ich die Antwort: Jo, jedipeder fagt ja doch, der Jud sei schuld." In diesem tiefsinnigen Ausspruch liegt ernste politische Wahrheit. 3war nicht„ jedweder" fagt, der Jud" sei schuld; aber nicht wenige sagen es, und andere sagen, die Revolution sei schuld oder die Republik, und weil sie es fagen, wird es geglaubt. Bayern ist ein Patient, ist, wie ganz Deutschland, frant om unglücklichen Kriege, und wenn diese Nachkriegskrankheit von jenen Kreisen, die am Ausbruch des Krieges die Mitschuld tragen, auf den" Jud" zurückgeführt wird, so sagt ohne viel Nachdenken der bayerische Spießer und wo gibt es in Deutschland keine Spießer?: 30, der verdammte Jud." 13 Aus dieser Stimmung heraus hat das bayerische BarlaTage seiner Berhandlungen erörtert. Diese Verhandlungen ment in mehrfachen Sigungen die Judenfrage bis in die letzten find überaus bezeichnend gewesen; bezeichnend in zwiefacher Beziehung. Ein Sündenbock sollte gefunden werden. Der ist " immer vorhanden, wo es Juden gibt; dem stimmte so ziemlich das ganze Parlament zu, ausgenommen natürlich unsere Parteigenoffen, die sich auf dieses Quadsalberrezept nicht verpflichten ließen. Nun ergab sich aber die Schwierigkeit, wie den Juden an den dürren Leib kommen? Und da sich ein brauchbares Wanzenpulver" das ist ein Ausspruch von Bismard nicht finden ließ, so wurde aus der antisemitischen Attade nichts, gar nichts. Die Antisemiten gingen aus dem bayerischen Barlament mit leeren Händen nach Hause; nicht einen Judenstalp, auch nicht den kleinsten Judenstalp konnten fie ihren heimischen antisemitischen Freunden aufweisen. Schaudervoll, höchst schaudervoll diese Tücke, mit der man den Antisemiten die edlen germanischen Hände bindet; und viele dieser Hände sind vielleicht gar nicht einmal auf Arminius und Thusneldchen zurückzuführen! Die Anträge im einzelnen durchzugehen, lohnt gar nicht der Mühe. Die Juden sollen ihren Namen nicht ändern dürfen. und wer sollte sich dafür begeistern, daß Cohn sich plötzlich Ludendorff nennt? Fremdländische Juden sollen ausgewiesen werden; allein die Folge solchen Vorgehens ist schon gewesen, daß alsdann Polen die Deutschen christlichen Bekenntnisses ausweist, und wenn die Juden unter solchen Umständen: Au mei! rufen sollten, so äußern sich die aus Bolen vertriebenen Deutschen alsdann fraftvoll: Hol der Teufel diese verbretterten bayerischen Antisemiten, die uns um unser Legtes bringen. Kahr hat solche freundlichen Anreden über sich und seine weitfichtige Politif bereits seinerzeit ergehen lassen müssen. Also Ergebnis der Debatten: Nichts, aber auch gar nichts! Nicht das geringste Ergebnis, außer einigen blamablen Debatten für die Antisemiten, die mit gänzlich leeren Händen heimfommen. und das ist um so schlimmer für sie, da nicht nur ihre Hände, sondern auch ihre Taschen leer sind; da ihre Taschen, die bis vor furzem reichlich, sehr reichlich mit Papiergeld gespidt maren, heute sich im Zustand völliger geldlicher Erschlaffung befinden. Und da zum politischen Kriegführen Geld, heute viel Geld gehört, ist dieses Symptom nicht ohne Wichtigkeit. Ich hatte Gelegenheit, Einsicht in einen Brief zu erhalten freilich in Norddeutschland, der nach dieser Richtung hin aufschlußreich ist. Dem Inhalt nach besagte dieser Brief eines antisemitisch- reaktionären Herrn von sehr erheblichem Einfluß etwa folgendes: " Unsere antisemitischen Hilfstruppen, die unverfälschten, Antisemiten, sind bisher von uns mit allzu leichter Hand auf Trense geritten worden; das reicht nicht aus. Man kann die Kandare, nicht entbehren; und das versteht auch bereits uden dorff, dem politisches Verständnis nicht gerade leicht beizubringen ist. Man kann mit antisemitischen Redensarten nicht innere und äußere Politif in so ernsten und erregten Zeiten treiben. Wir wer den eben die Antisemiten in Ordnung halten müssen. Entweder sic werben vernünftig oder sie sollen sehr schnell politisch an Geldmangel verreden. Die Entziehungstur ist bereits eingeleitet. Natürlich bleiben wir Konservativen unserer antisemitischen Gesinnung treu, aber wir fönnen nicht wie ein gereizter Bulle gegen Mauern anrennen, wo sie am dicksten sind." " Als ich diesen Brief las, den ich hier aus dem Gedächtnis wiedergegeben habe, fand ich seine Charakteristik der Lage. fehr gut, und namentlich das Bild von dem Bullen war mir einleuchtend und eindrucksvoll, so wie der liebliche Ausdruc verreden", auf Freunde angewandt, recht freundlich erscheint. Das Berrecden" einer Reihe antisemitischer Zeitungen hat übrigens bereits in Bayern und außerhalb Bayerns begonnen. Auch der„ arische" Mammon scheint ein strenger Gott zu sein. Und wenn man nun diese ganze Entwicklung überblickt; Den 3 wischenfällen auf der geftrigen Londoner Ron diese Aufpeitschung aller dunklen Instinkte des Mißbehagens, fere nz mißt man teine besondere Bedeutung bei. Die Börse der Verzweiflung auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet, glaubt aber, daß die Verhandlungen sich bis in die tommende Woche diese bayerischen Leidenschaften, die sich nicht allein gegen die ausdehnen werden, da nach einer Einigung der Diplomaten auch die winzige Anzahl der bayerischen Juden, sondern ebenso gegen amerikanischen Banfiers zu Worte fommen müßten. Man das Reich, gegen ben gesamten Reichsbau richtet, glaubt aber zu wissen, daß von dieser Seite noch ganz bestimmte gegen die gesamte moderne Entwicklung, dann muß man Sicherungen für die fünftige internationale Anleihe gefordert werden. I fürchtend in die Zukunft bliden und besorgt sich fragen: Wie soll dieses Gift unschädlich gemacht werden? Und gelingt es, dieses Gift zu beseitigen, bevor es die schwersten Schädigungen im Körper unseres Vaterlandes hervorgerufen hat? Es zeigt sich in Bayern besonders deutlich, und gerade bei der neuesten Debatte, die oben erwähnt wurde, am oller» deutlichsten, daß für die Reaktion der Antisemitismus nichts ist als ein Borspann: ein Borspann für ihre rückschrittlichen Ab- sichten. Die allgemein-antisemitischen Forderung«! schiebt man beiseite und der Antisemitismus hat zu kämpfen für den P a r- tlkularismus und für die Wiederaufrichtung der Throne und der reaktionären Herrschaft gegen die Republik und gegen die moderne Entwicklung: nur dazu braucht man ihn. Stinnes Erbe. Wegen Lcitungsftörnng sofort entlasse«. Bor einem Berliner Gericht spielte sich dieser Tage eine Verhandlung ab, die den„sozialen Geist' der Industrie- despoten glänzend charakterisiert. Bor dem Richter erscheint eine frühere Telephonistin des Berlages der„D. A. Z." und oerlangt, daß in ihrem Zeugnis als Kündigungsgrund ein Irrtum des Verlages angegeben werde. In der Ber- Handlung stellt sich folgendes heraus: „Dr. Edmund Stinnes ließ sich von Frankfurt e. M. aus mit der„Deutschen Allgemeinen Zeitung' telephonisch verbinden, bekam aber von der Zentral« der„DAZ." nicht die verlangte Ver» bindimg mit der Redaktion. Ohne nach der Ursache dieses Miß- geschicks zu fragen, erteilte Dr. Stinnes telephonisch« An- Weisung, die Telephonistin, welche in der Zentrale die betreffende Leitung zu bedienen hotte, sofort zu entlassen. Der Befehl des Beherrschers der„DAZ.' wurde ohne Säumen aus- geführt. In diesem Fall funktionierte die Leitung tadellos. Skr- qsbens berief sich die Telephonistin daraus, daß sie an der mangeln» den Verbindung nicht schuld sei, sondern daß eine Störung in der Leitung vorgelegen habe. Jede Teleponistin und leder Redakteur der„DAZ." wiffe aus Erfahrung, daß die Frank- furter Leitung oft gestört sei. Aber dieser Einwand half nichts. Dr. Stinnes hatte befohlen und fein Befehl mußt« ausgeführt weichen. Die Entlasiene erhielt ihr Gehakt für die Kün�igungszeit nebst einem Mgangszeugnis, in dem als Ursache der Eritkassmtg ein dienstliches Versehen der Telephonistin an- gegeben war. Mit einem solchen Zeugnis in der Land konnte die Entlassen« wohl kaum«ine neu« Stellung finden. Sie»lagt« deshalb beim Kaufmannsgericht auf Ausstellung eines Zeugnisses. worin als Enllosiungsgrund ein Versehen seitens der ,L>AA.' an» gegeben werde. Dessen weigerte sich aber der Vertreter der„DAS.*, weil eine solche Angabe der Ucbe-rzeugung der Firma widersprechen würde. Die Klägerin bezeichnet« das Boraehen der Firma gegen sie als brutal, um so mehr, als sie durch di« Entlassung a u ch u m ihren Urlaub von 10 Tagen gekommen fei. Auch Hobe man von ihr verlangt,...! sie solle wegÄ» ihrer Enklasiang nicht Nage»«ch nicht»! davon in die Oeffeullichkell bringen. Em Beweis, daß die Angestellten des Herrn Stinnes in der„DAZ.* das Borgehen ihres Gebieters gegen die Telephonistin wohl selber nicht für einwandfrei hasten. Auch der Borfitzende des Kauf- mannsgerichts gab dem Vertreter des Beklagten zu verstehen, daß andere ArbeitgÄier in solchem Falle nicht so gegen eine Angestellte vorgehen würden. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sich di« Klägerin nicht mit einer Beschwerde an den Angestelltenrat gewandt habe, um ihr« Entlassmig al» unbillige Härte anzufechten, antwortete di« Klägerin, das habe sie nicht tun künnen. denn«inen Ange» stelltenrat gebe es in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung* nicht.* Recht und Unrecht waren in diesem Fall so eindeutig ge- klärt, daß der Vertreter des Verlages sich bereiterklärte, der so behandelten Telephonistin eine Entschädigung»- summe zu zahlen. Für die Oeffenllichkeit bleibt übrig, daß Herr Edmund Stinnes wohl zur Genüge charakterisiert ist. Die Firma Stinnes oersteht es offenbar sehr gut, nicht nur den Staat um die Erbschaftssteuer zu prellen, sie weiß auch„sozialen Geist" in ihrer Art zu„betätigen". Lockstedt. Tentschdölkisches Lob für einen Sozialdemokraten. In der„Deutscheu Zeitung' stimmte dieser Tag« ein begeisterter Deutschvöltischer»in Jubellied an über die Entwicklung der Lockstedter Heid«. Dieser groß« ehemalig« Truppenübung?- platz lag vor vier Jahren»ach öde und wüst da, ist aber inzwischen völlig urbm und zu einer glänzend gedeihenden landwirtschaftlichen Siedlung gemacht worden. Es heißt in der Veschreldung: „Wo man noch vor kurzem in kniehohem Heidekraut oersank. da wogen übermanoshoch di« ährenreichen Kämme eines unübersehbaren Getreidemeeres. Wie an einer für die Augen undurchdringlichen oft zwei Meter hoheu Mauer geht man entlang.' Man liest die ganz« lange Abhandlung mit schmunzelndem ver. gnügen, well das überschwenglich« Lob, das der völkische Lockstedt. schwltmer mit Recht der Lockftedter Heide in ihrer neuen Gestalt darbringt, einem Mann dargebracht wird, dem gegenüber die Döl- tischen sonst mit ihrem Lob recht sparsam sind. Der Schöpfer der Siedlung aus der Lockstedter Heide, der Mann, der monatelang, ja beinahe jahrelang auf das heftigste und zäheste darum gekämpft hat, daß aus dem öden Truppenübungsplatz ein blühender Sied- lungsbezirt mit weiten Getreideanbauslächen geschaffen würde, war niemand anders als— unser Genosse Otto Braun, der jetzige Ministerpräsident und damalig« preußische Landwirtschaft». minister! Er hatte die unglaublichsten Schwierigkeiten bei den Offizieren des Reichswehrministerium» zu überwinden, die sich mit aller Ge- walt dagegen sträubten, daß der Platz für Truppenübungen verloren ginge und für vernünftig« Zwecke der Volksernährung nutzbar ge- macht würde. Wenn es nach den Köpfen der Reichswehroffiziere gegangen wäre, so wäre die Lockstedter Heide noch heute ein« große, dürr« Wüste, auf der höchsten» ein paar magere Heidschnucken grasen könnten. So aber, durch die Arbeit eine» sozialdemokrti» schen Politikers, der all« künstlich aufgetürmten Schwierigkeiten überwunden hat. sind viel« deutsche Volksgenossen auf dem 8000 Hektar großen Terrain angesiedelt und ist ein Stück wirtlichen Reu» lande» zum Wohl« de» Volkes geschassm worden. Den Herren, die vor vier Jahren der Ansicht waren, es sei wertvoller, dies« 3000 Hektar von Syldatenstieseln zerstampfen zu lassen, empfehlen wir angelegentlich, aus Grund der Lektüre der.Deutschen Zeitung', die Besichtigung de» Lockstedter Lagers, wie es sich heute mit seinen wogenden Getreidefeldern darstellt. Der neueste Universttätskampf. Au» Heidelberg wird uns geschrieben: Bereit» in seiner ersten Vernehmung hatte Dr. G u m b e! sein Bedauern über den unglücklichen von ihm verwendeten Ausdruck aus- gesprochen. In einem längeren Schreiben an den engeren Senat, das die gesamt« Heidelberger Presse gestern unverkürzt wiedergab, hat er dies Bedauern nochmals wiederholt. Die Angelegenheit hat in Heidelberg großes Aufsehen erregt. Eine Entschließung der dar- tigen Ariegsbeschädigienorganlsation hat sich für Gumbel ausge- sprochen. Die Zentrumspress«, die demokratisch« Presse und selbst die volks parteilich« stehen Gumbel nicht feindlich gegenüber. Sie betonen, daß es u n z u l ä s f i g i st, um eines einzigen unglücklichen Ausdrucks willen ein Mitglied der Universität zu entfernen. Die Universität jedoch teilt diesen gemäLigien Standpunkt der öffentlichen Meinung nicht. Das Rektorat schreibt heut« den Zei- langen, daß die Fakultät und der engere Senat sich in ihren Berichten an den Minister für eine Entziehung der Lehrberechti. g ung ausgesprochen haben. Wohl aus demonstrativen Gründen hat di« Umversität einen ihrer größten Säle heule für eine völkische De- mouskrallon zur Verfügung gestellt. Der gestrige Landtag war im wesentlichen dem Fall Gumbel gewidmet. Die Tribünen waren überfüllt, der sozialdemokratische Abgeordnete H ä b l« r hielt eine groß« Red«, in der er den Heidelberger Umversttätsfkundal im Zusammenhang mit den großen Schul- und Hochschulfrügen behandelte und eine eingehende Parallele zwischen der Longmut de» Unterrichtsministeis gegeu Lenard ( Silöer vom Sodensee. Von Leopold Löste. Wir lagern am Ufer, auf einer vorspringenden Landzunge de» kleinen bayerischen Anteils am Badensee. Zur Liitken da» male- risch aus ein« Insel gezwängte Lindau, die südlichste Stadt Deutschlands. Etwas lveiter hin. am östlichen Kopfende des See», taucht Bregenz auf, Vorarlberg» Hauptort, am Fuße des Pfänder», des Ausläufers des herrlichen Bregenzer Woldes, den man im Hinter- gründe zu den Hochgipfeln der Vorarlberger Alpen aufsteigen sieht. Dann folgt, bevor auf schweizerischer Seite dos Ufer wieder an. steigt, ei» tiefer Einschnitt, die Mündung des Rheines, der sich hier in den See ergießt. Hier zwischen Bregenz und Rheineck, hat der grüne Strom ein breites, flaches Delta angeschwemmt. Eine der Brittkolonien der Lachmöven befindet sich hier. Diese Vögel be» leben überall den See. und oft folgen sie scharenweise bettelnd dm Personen dampfern. Im Hintergrunde des Rhein-Einschnitts der mächtige, schneegekrönt« Gebirgsstock der Ecesaplana, daran an- schließend die Rhätischen Alpen Sraubündens. Dann schiebt sich, uns gegenüber, von Rheineck gegen Rorschach, Romanshorn und weiterhin,«In grüner Bergrücken das ganze schweizerische Südufer entlang. An sich einförmig, aber wirksam al» Folie für die schein- bar unmittelbar hinter ihm austagenden, schneefleck-glitzernden Fels- bürgen des Säntis, des nördlichsten Gebirgsstockes der schweizeri- schen Hochalpen. All« diese Gipfel Vorarlbergs und der Schweiz sind nicht immer und nicht immer auf einmal sichtbar. Wolken und Nebel oerhüllen bald den Blick, bald geben sie immer wechselnde Ausschnitte des Panoramas frei,, so daß das Bild sich fast ständig ändert. Es ändert sich weiter mst jedem Schritt, dm wir machen, dann verschieben die Kämme und Gipfel sich kulissenartig ineinander. In diesem Wechsel des alpinen Bildes liegt ein Haupsteiz des Sees, der hier, von der bayerischen Seite aus gesehen, seinen malerischsten Hintergrund besitzt. Der See, der drittgrößt« Binnensse Mtteleuropas, ist überall in feiner Brest«(bis zu 13,3 Kilometer) zu überschauen. In sein« Längsrichtung aber verschwimmt er mit dem Horizont«, nur hier und da unterbrochen durch die Silhouetten der Dampfer und Segel« boote. Das bayerische Ufer, wie das deutsche Ufer überhaupt, ist eine wellig« Morönm-Landschast, aus der weiter im Westen der aus Scheffels„Ekkehard' allgemein bekannt gewordene Hohentwiel und andere erloschene Vultankegel hervorragen. In der Näh« de» Ufers gleicht die Landschaft mit ihrm unzähligen Gärten, Obst- und an- deren Kulturen einem einzigen Parke, aus dem auf Schritt und Tritt in üppigster Fülle erblühend« Rosenhecken aufglühen. Der See ist grün, aber di« Tönung dieser Farbe wechselt an- dauernd. Selten ist der Spiegel fast glatt, fast immer ist er bewegt. Nach einer Folge heiß«? Sommert ag« erhebt fich die Temperatur de» Wasser» bi» zu 23 Grad Telsiu», und in den Badeanstalten ist es dann am lebendigftm. gm Wasser umspielen uns Barsche und „Aland* genannte Fische. Die Spezialität des Sees, die Blau- felchen au» dem Geschlecht der Lachse, bekommen wir lebendig nicht zu sehen. Sie bleiben dem Ufer fern, ihre Nahrung ist da, Plankton. Hat man Gelegenheit gehabt, die wasserhellen, zarten Organismen dieses Planktons zu sehen, so begreift man die Zartheit und den Wohlgeschmack de» Fleisches dieser Fische, die für dl« Anwohner de» Bodensees in wirtschaftlicher Hinsicht eine so große Rolle spielen. Eben legt«tn Motorboot an, da» mit seinen Netzen vom Blau» felchen-Fang zurückgekehrt ist. Die oberwärts bläulichen, unten silberweißen, im Mittel etwa fußlangen Fische werden an Ort und Stelle marktfertig gemacht und in Körpe gelegt. Irgendwo im Westen hat sich ein Wetter entladen. In kurzer Zeit rauscht es über den See, und mit weihen Echaumkämmen sagen die Wellen hintereinander her Und branden an die Ufer. Am andern Morgen aber scheint die Sonne wieder, und wir machen, eh« wir vom Bodens«« Abschied nehmen, noch einen Abstecher mit dem Dampfer nach Meersburg, Konstanz und nach der Mainau. Auf dieser berühmten Park-Jnsel bewundern wir di« üppigste Vegetation, di« Deutschland» Klima hervorzubringen vermag. Palmen, Ey« pressen und Bambus Im Freien, gewaltige Bäume, darunter mäch. tige Tulpenbäume, Wellingtonlen und viel« ander« exotisch« Ge> wächs« und deren üppig« Entfaltung gewähren einen südlichen Ein- druck, den die hell«, heiß« Sonne verstärkt. Und dann trug der Dampfer uns noch einmal über den See, zurück nach Lindau, und noch einmal nahm das Auge das ständig wechselnde Panorama auf, um im Berliner Alltagsleben noch lange an wundervoll« Eindrück« zurückdenken zu können. Seefahrer und Romandichler. ver englische Schriftsteller Joseph Conrad, dessen Abieben schon kurz ge meldet ist. war einer der meist gelesenen britischen Romanautoren, der seine Beliebtheit in der Hauptsache seinen Seegeschichten zu danken hatte. Der Verstorben«, der am ö. Dezember 1357 geboren wurde, war weder Cnglädder von Geburt noch Schriftsteller au» Neigung. Seine Wieg« stand in Polen und sein« Kindheitserinnerungen beschränkm sich auf einen fchneebedeckten Gefängnishof. auf dem Kofaben herumjagten, di« die Gefangenen wie eine Schafherde zusammentrieben. In der Verbannung in Sibirien, wohin des Kind mit der Mutter dem Bater gefolgt war, erwacht« seine Neigung zur See, di« durch die Lektüre englischer Romane geweckt worden war. Um seine Aden» teurerlust zu befriedigen, flüchtete der polnische Junge au» Sibirien und»ahm Dienst als Schiffsjunge auf einem englischen Segelschiff. Als Matrose und Steuermann durchfuhr er alle Meere, lernte die Küsten von Borneo und Sumatra, die weltverlorenen Flüsse de» Kongo und da« Märchenland der Süds«« kennen, und trieb sich in den verrufenen Hafenkneipen von Marseille wie in den noch ver» rufeneren de» fernen Ofden» herum. Er fchlepte auf seinem Rücken Gotreidefäcke und arbeitete von V Uhr morgens bis 5 Uhr abends O und dem raschen Vorgehen gegen Gumbel zog. Auch der v o l k s- parteilische Abgeordnete betont«, daß der Ausdruck„Feld der Unehre* hätte vermieden werden sollen, sprach sich aber sonst nicht gegen Gumbel au». Em kommunistischer Antrag oerlangte, daß der Landtag die Maßregelung Gumbels mißbillige und die Regietung auffordere, ihn wieder in sein Lehramt«inzusetzen. Dieser dem Haue- haltungsausschuh überwiesene Antrag wurde jedoch sofort übcrhclt durch«in« Erklärung des Kultusministers. Sie lautet:„Nachdem Privatdozent Dr. Gumbel in einem an den engeren Senat der Uni- versität Heidelberg gerichteten und dem Unterrichtsministerium mit- geteilten Schreiben sein Bedauern über die von ihm gebrauchte Rede- wendung ausgesprochen hat, ist durch da» Unterrichtsministerium die Aufhebung der sofortigen Enthebung vom Lehramt verfügt. Der Gang de» gegen Dr. Gumbel eingeleiteten Verfahren» bleibt hiervon unberührt.' Demnach hat das Ministerium also Dr. Gumbel wieder in seine früheren Recht« eingesetzt, doch ist diese Aufhebung der früheren Suspendierung selbst nur wieder als vorläufig zu betrachten. Der Kampf, der bisher innerhalb der Universität geführt wurde, ist gegen Gumbel, da» Ministerium aber hat sich vorläufig für Gumbel entschieden. Es wird interessant sein, welche der beiden Kräfte die Oberhand behalt. Nationale VürZe. Barbusse und Tuchomlinow. Sest Tagen tobt di« deurschnational« Presse darüber, daß Henry Barbusse in Greifswald vor Arbestern reden sollt«. Natürl.ch war da» eine schmähliche Verletzung der„nationalen Würde'. Aber was ist das? Nun öffnet di«„Deutsche Tageszeitung' ihre stramm nationalen Spalten einem Artikel des Generals W. Suchomlinow, bei Kriegsausbruch kaiserlich ruf. sischer Krieg» mini st erl Jahrelang hat gerade unsere nationalistische Presse Herrn Suchomlinow als den eigentlichen A n- stifter des Weltkriegs bezeichnet, der den Zaren aufgeh.tz:. durch Betrug zur Unterfchr-st der Mobilmachungsorder verleitet und auch sonst schon jahrelang mit Frankreich Ränke gegen Deutschland gesponnen habe. Ein Teil davon ist sicher richtig, Herr Suchomlinow gehört zu den Hauptkriegsschuidigen auf der Ententeseite. Ader daß dieser Mann jetzt in txutsHzn, sogar deutschnationalen Blättern schreibt, das oerletzt nicht die„nationale Würde'! Die „Deutsche Tageszeitung" versichert uns. Suchomlinow sei gar nicht der„Deutschenfresser, als den ihn die Kriegspropaganda hingestellt habe'— nebenbei ein hübsche» Selbstbekenntnis—, sie findet es auch ganz in der Ordnung, daß dieser Mann, der ihr einen „sympathischen Eindruck' macht, seit zwei Jahren in Deutschland Asyl gemeßtl Deutschensresser hin, Deutschenfresser her— Suchomlinow g?. hört« unleugbar zur russischen Kriegspartei. Er darf nichtsdestoweniger in einem deutschnationalen Blatt austreten und öffentlich schreiben, ohne daß die deutsche Würde dadurch irgendwie gefährdet ist! Aber Henry Barbusse, de? zeiUebens Frieden s- freund und Freund des deutschen arbeitenden Volkes war, dar verletzt die national« Würdet Werkwürdig, merkwürdig! deutfchaationale Schmerzen. Die deutschnationale Reichstagssraktfou hat folgende Interpellation eingebracht: „Am 3. August, dem Gedenktag der Gefallenen, wehte aus dem Palais des alten Kaisers die schwarzrotgoldene Fahne.(Furchtbar! Die Red.) Wo« gedenkt die Reich» regierimz zu tun, 1. um der Reichsverfassung, die am nächsten Sonntag gofeierr werden soll, auch in Preußen zu ihrem Recht zu verhelfen? 2. Um die an ihre: geschichtlicher, Vergangenheit hangenden Bevölterungs- kreise vor Provokationen(!) durch die preußische Staalsregic- rung zu schützen?' Die Deutschnationalen scheinen wirtlich anzunehmen, daß sie mit Frechheit aus irgend jemanden Eindruck machen. Wir hasipt wenigstens noch nie gehört, daß ausgerechnet di« Deutschnat'.onolcn die Bevölkerung vor Ptovotationen schützen wollen. als Hafenarbeit«? in den Londoner Dock». Zu seinem Vergnügen schrieb er da», wo» er gesehen, nieder, und so entstand sein ersver Seeroman„Almayers Folly*. an dem er sechs Jahr««bei tu. Auf den Rat von John Galsworthy, mit dem Eonrad auf einer Reife noch Australien bekannt geworden war, schickte er das Manu- ftript an einen Verleger nach London. Der Erfolg des Buche?, t«» durchaus nicht zu seinen besten gehört, war enorm. Obgleich Conrad Deutsch. Französisch und RuMch gleich fertig sprach und schrieb, wählt« er als Schrif'stellerfprache da» Englisch« und wurde so der gclesenst« der modernen englischen Autoren. Ja,«r galt in En:- land als besonder, erlesener und vorbildlicher Stilist, dessen Englisch mustergültig war. Aber sein Herz w« nicht bei der Sache.»Schrei- ben ist für mich ein« entsetzlich« Qual.* erklärt» er noch kurz vor seinem Tode.„Ich bin al» Seemann geboren und aufgewachsen, und bis zur Stunde greif« ich nur mit Unlust zu? Feder.' Für die großen transattantlfchen Dampfer hatte«r. der stets auf Ssgelschiffen gefahren war, nichts übrig. „Simson und Dalila" im Renaissance- Theater. De» Dänen Sven Langes Tragikomödie, die diescn alten Stoff in«inen wo- dernen Feuilletonstil übersetzt, ist mehr Kino als Theater. Der neue Simson ist der Dichter Peter Krumbok. die neue Dalila seine Frcn, die Schauspielerin, die Verkörperung des Philisters der Großhändler Meyer. Di« Frau verrät ihren Mann an den Philister, de? dumm. geschmacklos, aber reich ist und dafür vom Dichter mit«iferfüchtige>, Bosheiten traktiert wird. Der zweite Akt nutzt den alten Trick aü»: die Bühne auf di« Bühne zu bringen. In einer Bühnenprobe, in der Krumbaks symbolische Tragödie„Simson und Dalila' gespielt wird, geht das Stuck in die Wirklichkeit über. Krumbak, der den Simson einem talentlosen Mimen vorspielt, fallt den zufällig hin- zukommenden Weyer an, Talila entflieht. Dieser Akt ist wenigstens amüsant und rührt zuweilen an Menschliche». Im Schlußakt lehrt Krumbak. innerlich zerrissen und verstört, tn fein« Wohnung zu< rück, überrascht dos Philisterpaar, das eben von der Premiere ieines Stückes kommt, tötet aber nicht sie— sondern sich. Nur Walte? Franck(als Krumbak) bot höheres Interesse, er vertiefte die zwischen Brutalität und Verstiegenheit schwankend« Gestalt, streift« an» Tragisch« und ließ Blicke in ein von der Liebe zu einer Unwü« digen zerkrawpftes Herz tun. Di« Tschechow« war nur in der Nacktheit des zweiten Aktes sinnberückend, sonst wenig überzeugend Aus dem Großhändler Meyc? modelt« sich Paul Marx«m« sehe ulkig« Figur mit einem Stich in» Groteske zurecht.— r. Mar viebermavll«leder Atadewiepräfldeat. Zum Pröfidenien der?.-», liner Atademie ist für da» Amt»jahr 1Ö&/S5 wiederum Professor Mar Liedermann gewählt worden. Der Senat der Akademie hat dabei eine AU«nahme von der Bestimmung gemacht, datz ein« Wiederwahl nur nach einer Unterbrechung eintreten kann. vi« Suphsr-on-tiunfiaueflellung, Tharlottendurg. Fasanenstrahe?5. ern Zoo,«iSsfnet am 9. August 192» ein« ÄraphiIauSstellung von Touloas: Lautrer. Liebknecht» Sries« in» Fr arni fisch« aberfetzt. Karl Liebknecht«„Briefe von der Front und au« dem Oi-'ätinm»' find von Franot Trest und Paul VaiZanI-TouIurier in« FranzMche ubersetzt. Endlich... Amtlich wird mitgeteilt: Um zu verhindern, daß das Spielen von Militärkapellen für militärische und sonstig« Sanderzw-zcte m t ß- braucht wird, ist ihnen In jedem Falle da? Spielen in Uniform bei allen Deranstaltugen van Organisationen, Dereinen und Bünden untersagt, deren Mitgliedschaft den HeeresangehSrigen auf Grund der§§ 36 und 37 des Wchrgesetzes untersagt ist. Diese neue Verfügung ist offenbar veranlaßt durch dauernd« Mitteilungen in der Presse über die Teilnahme von Reichswehrkapellen an völkischen und m o n a r ch i st i- s ch e n Demonstrationsversammlungen. Erst heute noch tonnte das.Berliner Tageblatt" Mitteilung davon machen, daß der völkische Agitator T r a u b gewissermaßen als Einlage zwischen den einzelnen Stücken eines Gartenkonzerts einer Reichswehr- kn pelle eine monarchistische Hetzrede halten konnte. Es ist de- dauerlich, daß es üverhaupt erst einer solchen Verfügung de- durste und daß die Herrn v. Seeckt unterstellten Generäle nicht von sich aus den nötigen politischen Takt aufgebracht haben. �Ein gefährliches Spiel". Amtlich wird mitgeteilt: In einigen Blättern wird darüber Beschwerde geführt, daß die vom Reichstage beschlossenen erhöhten Sätze der Erwerbs- losenunterstützung noch nicht veröffentlicht worden seien. Zur richtigen Beurteilung der Frage ist darauf hinzuweisen, daß das Reich zur Durchführung des Reichstagsbeschlusses der Zu- stimmung der L ä n o e r bedarf, die an dem finanziellen Aus- wände in gleichem Ausmaße beteiligt sind wie das Reich. Die Reichsregierung weiß, in welch schwerer Notlage sich viele Er- werbslose befinden und ist daher van Ansang an bemüht ge- wesen, die Zustimmung der Landesregierungen mit möglichster Beschleunigung herbeizuführen. Diele Verständigung ist bisher leider noch nicht mit allen Ländern zustande gekommen. Es kann uier bestimmt damit gerechnet werden, daß die er- höhten Unterstützungssätze noch Ende dieserWoche veröffentlicht werden._ Die erhöhten Renten öer Kriegsopfer. Die cieum. mit dem 1. August b. I. m Wirkung getretenen Bestimmungen über die Erhöhung der Bersorgungsgebührnisse für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen sind nun im Reichsgcsetzbtatt bekannözemacht..viel Lärm um nichts." werden die Rentenempfänger bei EntgcgennalM« der neuen Rentenbeträge denken, um so mehr, als es sich bei ihnen auf Grund von Reichs- tazsbrrichten die Meinung bilden konnte, daß d.e vom Reichstag beschlossene Erhöhung der Rentenbeträge um 60 Proz. die zuletzt gezahlten Renten betraf. In Wirklichkeit sind um bO Proz. erhöht die mit der Verordnung vom 14. Dezember 1923 io außerordentlich kärglich bemessenen Grundrentenbeträge, welche— unter dem Druck der össentlichen Meinung— bisher schon um 40 Proz. erhöht weiden mußten, so daß es sich jetzt nur um eine winzig« wettere Erhöhung der im Dezember 1SZZ festgelegten Grundrentmbeträge handelt. Wie außerordei-dich gering sich R« neue Erhöhung zahlenmäßig auswirkt, dafür ein paar Beispiele: Ein 3 0 prozentiger Kriegsveschödigier bezog zuletzt, und zwar in der höchsten Ortsklasse, eine Monatorente van L.LV Goldniark. Nach der neuen Erhöhung bekommt er 7,30 Goldmark. Handelt«» sich in dem Beschädigten um einen sogenannten ungelernten Arbeiter, so betrug die Monaisrent« bisher 5,25 Galdmark, jetzt er- hä't er 6, SS Soldmark, also 4» Psz. mehr im Monat. Ein um 4 0 Proz. in de? Erwerbsföhigkeit herabgesetzter Kriegsbeschädigter mit zwei Kindern erhielt bisher einschließlich der Kii'cherzulags eine Monatsrsute von 12,25 Goldmark. Die neu« Er- hähunz bringt ihm ein« Monaisrent« von 14,20 Goldmark. Als . ungelernter' Arbeiter bezog em solcher Kriegsbeschädigter bisher O.feO Goldmark. mährend er setzt 10,50 Goldmark erhält. Auch hier ist die höchste Ortsttosie gedacht. Ein verheirateter 6 0 prazentiger Kriegsbeschädigter hatte zuletzt einschließlich der Schwerbeschädigtenzulage, der Frauen- und Kender- zulogen Anspruch auf monatlich 24,66 Goldmark: dieser Betrog er- höht sich jctz! auf 23.60 Goldmark. Der.unzelernte" Arbeiter er- hielt in diesem Falle 1970 und erhält nun 21,10 Goldmark. Diese Beispiel« genügen, um darzutun, tot gerechtfertigt der vom Reichstag abgelehnt« sozialdemokratisch« Antrag war, die kärglichen Grundrentenbeträge der Verordnung vom De- zember 1923 mindestens zu verdoppeln. Die Republik marschiert. Da» Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hat in letzter Zeit im Frei- staot Oldenburg und im benachbarten Ostsrieslond starken Zuwachs bekommen. In der Stadt Oldenburg Ist die Gruppe auf über 400 Mitglieder angewachsen. In Wilhelmshaven-Rüst- ringen besteht eine gleich starke Ortsgruppe, und selbst in der nur 8000 Einwohner zählenden Hofenstadt Brake, wo nach einem Bor- trog« des Ministerpräsidenten a. D. Tontzen eine Ortsgruppe gebildet wurde, tonnten schon vier Gruppen zu je 100 Mann gebildet werden. Auch auf dem Land« nimmt die Bewegung zu: es vergeht keine Woche, in der nicht einige neue Ortsgruppen gegründet werden. Die größeren Gruppen sind bereits an dem Gedenktage für die Ge- fallenen in die Erscheinung getreten und werden besonders gelegentlich de» Derfassungstag«? auf dem Posten sein. Der Gau Oldenburg- Ostfriesland veranstaltet am Dersassungstag« in Wilhelmshaven- Rüstringen eine große Kundgebung. Reichsdanncr-Ttatistik. Die.Münchener Post' teilt gelegentlich einer Polemik über da« Reichsbonner Schwarz-Rot-Gold mit: .Unter den ersten 1000 Aufgenommenen sind Offiziere 12, Offizier- stelloertreter. Feldwebel, sonstig« Unterosfizier« 220. Gefreit, und Soldaten 624. Da» sind 766 Kriegsteilnehmer, wvhlaus- gebildet« Soldaten. Davon sind 437 Infanteristen, 116 Artilleristen. der Rest verteilt sich auf all« Wafsengatwngen. Diese 766 weisen eine Kriegs dienst zeit von 26542 Monaten auf, treffen aus den Kopf 84,6 Monate. Ein Teil der Eingetretenen hat über Kriegs- auszeichnungen keine Angaben gemacht: soweit Angaben gemacht sind, ergeben sich 668 Auszeichnungen, darunter Eisernes Kreuz 1. Klaffe 18. L. Klasse 299. 4.goldene' und 12„silberne Tapferkeitsmedaillen'. Die Zahl der Verwundungen beträgt 363. Di« 244 Richtkrtegvteilnehmer des ersten Tausend sind ältere Jahrgänge und Mitglieder der Iugendabttilung. Wenn uns«ine gleichwertige Statistik einer völkischen Orgoni- sation vorgelegt wird, geben wir dem Ueberbringer Einblick in unsere Statistik über dos erste Tausend.' Die.Münchener Post' wird lange warten können, bis die Völkischen sich melden._ ßlucht aus Staöeibeim. Münch-n. 7. August.(Eigener Drohtbericht.) Der Schriftsteller und Kurier der KPD.-Zentrale in verlin. der österreichisch« Staats- angehörigs Dr. Paul Frank, der kürzlich wegen Teilnahm« an einer geheimen kommunistischen Tagung in München zu 7 Monaten Defängnt« oerurteilt wurde, ist au» dem Gefängnis in Stadelheim (bei München) entflohen. �luto-wacht. Am 8. Juli 1924 wurde von ollen am Kroftfahrzouqvertehr unmittelbar imercssierien Verbänden und Dereinen ein« Organi- sation gegründet, die den einzigen Zweck veriolgt, eine glatt« und möglichst reibungslose Regelung des Kraftfahrzeug» Verkehrs in engster Zusammenarbeit mit den Dertehrslbehörden herbeizuführen. Durch fortwährende Belehrung in Wort und Schrift, in Schule und Kinos, in der Presse und in Der- fammlungm soll auf all« Dolkskreise eingewirkt werden, so daß in Zukunft trotz der fortwährenden Steigerung de» Kraftfahrzeugver- kehr» die Verkehrsunfälle auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben. Der gesamte Verkehr im allgemeinen und der Kraftfahrzeugverkehr im besonderen wird dauernd von ausgewählten Funktionären der Autowacht, dl« durch ihre jahrelang« Tätigkeit als Lenker von Kraft- fahrzeugen ihre Eignung dokumemieren, beobachtet und jeder Der- stoß gegen die verkchrsordnung, übermäßig schnelles Fahren, vor- schriftswidriges Ueberholen, rücksichtsloses Fahren an Straßenbahn- Haltestellen u. a. m. wird von diesen Funktionären der Autowacht zur weiteren Veranlassung gemeldet. Selbsterziehung und strenge Disziplin der Mitglieder soll in der Autowacht erstes Gesetz sein. Wirtliche Schädlinge de» Kraftfahrzeugverkehrs, gleichgültig ob De- sitzer oder Fahrer, werden schneller als bisher als solch« erkannt und, fall, sie Ermahnungen nicht zugängig, ohne Ansehen der Person mit allen der Autowacht zur Verfügung stehonden Mitteln bekämpft. Ueberall da. wo es technisch durchführbar ist, soll das Publikum an besonder» belebten Straßenkreuzungen und Plätzen durch besonder« Kennzeichen beim Ueberschreiten de» Fahrdammes geschützt und die Kraftsahrzeugführer zu besonderer Vorsicht gemahnt werden. 2(ll« Mitarbeiter in der Autowacht üben ihr« Funktionen ehrenamtlich aus, nur von dem Gedanken geleitet, der Allgemeinheit zu dienen und mitzuhelfen, in Zukunft ein« größtmöglichst« Verkehrssicherheit zu erreichen und die augenblickliche Voreingenommenheit des Publi- kum» gegen die Lenker von Kraftsahrzeugen zu beseitigen, zum mindesten dazu beizutragen. In Frankfurt o. M. und München hat die Autowacht trotz der kurzen Zeit ihres vestehen, ihre Daseinsberechtigung be- reits erwiesen, was von den Behörden sowohl als auch von der gesamten Presse anerkannt wird. Die im Deutschen ver- kehrsbund organisierten Berufskraftfahrer sehen in der Grün- dung d« Autowacht die Erfüllung einer alten Fordeung und hoffen, durch regst« Mitarbeit auch für ihre Berufskollegen die Verhältnisse zu schaffen, die im eigenen sowie auch im öffentlichen Interesse baldigst herbeigeführt werden müssen. In öer Abwehr getötet. Aufklärung des blutigen Vorfalls im Osten. Der Zusammenstoß auf dem Grundstück Frankfurter Allee 316, bei dem der Hausverwalter Kriminalassistent Ludwig Wolf die Pferdehändler Luszack und Zawistowsti durch je einen Pistolenschuß so schwer verletzte, daß si« bald darauf starben, ist jetzt aufgeklärt. Wolf stand abend» kurz vor 7 Uhr mit seiner Frau auf dem Hofe und sprach mit Ihr über die dort befindlichen Stallungen und Remisen. Er hatte festgestellt, daß der Pächter eines Räume» auch fremden Leuten erlaubte, ihr« Handelswagen unterzustellen. In diesem Augenblick kam nun dieser Pächter auf den Hos gefahren. Wolf machte ihn auf da» Uner'aubte seiner Handlungsiveise aufmerksam und untersagte ihm für die Zukunft, Fremde zuzulassen. Einer dieser Fremden,' Zawistowski, befand sich inzwischen gerade in dem Stall. Der Pächter teilte ihm mit, daß er aus Anweisung de» Verwalter» nicht» mehr unterstellen dürfe. Zawistowsti war dar» über aufgebracht, folgte Wolf und seiner Frau noch dem Hausflur und stellte ihn über fein verbot barsch zur Rede. Während de, Wortwechsel,, der hieraus entstand, kam Luszack von der Straße her dazu. Er war etwa» angetrunken und sprang sofort seinem Freunde Zawistowski bei. Hierbei fuchtelte er fortwährend mit den Fäusten dem Verwalter vor dem Gesicht herum Während sich immer mehr Menschen ansammelten, kam plötzlich Frau Wolf zu Fall. Auch Luszack stolperte und fiel über die Frau zu Boden. Wolf und ein Mieter des Haus«» sprangen jetzt auf Luszack zu und rissen ihn von der Frau weg. Nunmehr schickte Wolf seine grau zur gegenüber- liegenden Neoierwache, um polizeilichen Schutz zu holen. Luszack und Zawistowsti drangen jetzt mit geballten Fäusten und unter schweren Drohungen aus Wolf«in. M« si« ganz nah» gekommen waren, zog der Bedrohte sein« Pistole und gab erst einen Schreck- schuß tn die Luft ab und feuerte, als die beiden weiter auf ihn eindrangen, zweimal auf seine Angreifer. Der erste Schuß traf Zawistowski in die Lunge. Luszack erhielt einen zweiten Schuß in das Herz und sank sofort tot zu Boden. Jetzt kamen die von der Frau gerufenen Beamten der Schutzpolizei herbei. Sie nahmen Wolf in Gewahrsam. Ein großer Teil der angesammelten Menge nahm-gegen den Hausverwalter Stellung. Das Ueberfall- kommando verhindert« fedoch einen Angriff. Kriminalkemmissar Bufch vernimmt noch einige Zeugen. Die Leichen der beiden Er- fchosienen sollen obduziert werden. Wolf blieb vorläufig noch in Gewahrsam.__ Ruch eine Wirkung de? VeumtenabbaueS. Folgender Fall wird uns mit der Bitte um veröffenllichung zugesandt: Am Freitag, den 1. August 1924. in der Zeit zwischen 7— 7,30 Uhr vormittag», fiel«n bei der Firma Lorenz AG. Be- schästigter infolge Unwohlsein»(Schwindoianfall) von der vordere« Platfform eine» in Richtung nach Temvelhof fahrenden Straßen. bahnwagen». Er fiel so unglücklich aus die Bordschwelle, daß cr sich schwer« Verletzungen am Kopf« zuzog. Hilfreiche Passanten nahmen sich semer an und schafften ihn nach dem in der Näh« ki«- genden Militärlazarett Tempelhof. Hier war e» nicht Möglich, einen Arzt aufzutreiben. Nach langer Zeit wurde dann endlich den Passanten mitgeteilt, daß tm Lazarett kein« Hils« mehr geieistet werden könne, weil hierfür kein« Bezahlung erfolg«. Auf Grund dieser Mitteilung sahen sich die hilfreichen Polsanten gezwungen, den verunglückten zu einem Privatarzt zu bringen, der infolge glücklicher Umstände bald erschien- und die erste Hilfe leistete. Zwischen Unglück-fall und erste Hilf« liegt ein Zeit- räum von mehreren Stunden. In Tempelhof und Mariendorf liegen eine Anzahl von Betri«ben. E» herrfcht in den Morgen- und Nach- mittagstunden sehr starker Verkehr. E» macht sich daher notwendig. dief« skandalösen Zustände, die nicht vereinzelt dastehen, durch Wiedereröffnung der jetzt abgebauten Unfallstation zu beseitigen. Soweit die Zuschrift, au» der mg.i erfahren kann, wie di« Sparmaßnahmen de» Berliner Magistrat» sich puiftisch auswirken: Sanierung de» Stadtfäckels auf Kosten der Allgemeinheit. Menschenjagd am Schlesische« Bahnhof. Unter dieser Ueberschrfft haben wir in Nr. 814 de»„vorwärts' vom 6. Juli einen Artikel veröffentlicht, der da» unlautere Gebaren einer gewissen Sorte von Stellen»«?» mittler» geißelt« und sich namentlich mft den wilden Stellenvermittlern beschäftigt«. Der verband der deutschen Stellenvermittler läßt c» sich nun etwa» kosten, alarmiert«inen Rechtsanwalt und fordert un» auf Grund de» ß 11 des Relchspressegeietze» zu einer Berichtigung auf. Wir verstehen diese Erregung nicht. Wir haben niemand mit Namen genannt und nur die unlauteren Elemente unter den Stellenvermittlern gebrandmarkt. Der verband aber Hai doch hoffentlich kein« unsauberen Mitglieder in seinen Reihenl Di« so- genannt« Berichtigung ad«, di« un» der verband übersendet, ist gar keine Berichtigung, da si« von Dingen spricht, die wir gar nickt behauptet haben. Trotzdem diese„verichtigung" dem Presse-i gesetz nicht entspricht, wollen wir hoch au» freier Willensäußerung dazu bemerken, daß 1. stellenlose» Personal häusig genug in Kellern der Stellenvermittler übernachtet, daß 2. Stellenvermtttler— daß es konzessionierte sind, haben wir nicht behauptet— da» Menschen- Material durch Schlepper zusammensuchen. Wir wollen aber glauben und dieses hi'r ausdrücklich feststellen, daß konzessionierte Stellen- vermittler nicht höhere Gebühren nehmen, als das Gesetz es er- lanbt und auch sanft nicht gegen die Paragraphen verstoßen. Wenn der verband uns im übrigen mitteilt, daß er selbst bei den Straf- br Hörden und Aufsichtsämtern die vielen Auswüchse der Stellenver- mittlung bcrämpst, so nehmen wir da» zur Kenntnis und sind er- freut darüber. Auf der Spur eines Totschlägers. Ein fchweres verbrechen wurde in der Nackt vom 20. zum 21. November 1922, in der Dienstagnacht vor Bußtag, auf dem Gelände der Borsig-Werk« in Tegel oerübt. Hier stieß der bei den Werten angestellte Wächter Joseph E h l e r t an der Ecke der Schöne- berger Straße und Krupp-Alloe auf einen Dieb, der einen mit gestohlenem Metall gefüllten Sack über den Bauzaun geworfen hatte und dann selbst herübergestiegen kam. Als Ehlert ihn faßte. oerlegt« sich der Metalldieb zum Schein aus» Bitten und bot ihm Geld an, damit er ihn laufen lasse. Der Wächter lehnte da» entschieden ab. Ohne daß er e, merkte, hatte der Berbrecher unter- dessen«Ine Pistole gezogen, eine Selbsilodepistole, Kaliber 7,63 Milli- meter. Während er dann den Wächter immer um seine Freilassung bat, schoß er ihm plötzlich«ine Kugel in den Leib und ver- letzte ihn so schwer, daß er Im Krankenhause starb. Die Ermitte- luugen ergaben, daß nachmittags bereits drei Männer in der Nähe des Tatortes beobachtet worden waren. In der Nacht wurde dann von dem Bauplatz der neuen Kesselschmiede zwischen der Egelstraße und der Krupp-Allee ein dort aufgestellter Gleichstrommotor, Fabri- kat AEG.. 4 FS, 220 Volt, Nummer 1 145 120, wahrscheinlich von diesen drei Männern gestohlen, zu denen auch der gehörte, der den Wächter erschoß. Wie Ehlert noch angeben tonnte, war ihm dieser Mann wohl dem Ansehen, nicht aber dem Namen nach bekannt. Er muß mit der Oarttichkoit genau oertraut gewesen- sein. Neu aufge- tauchte Spuren in dieser Nichtunq werden setzt von der Kriminal- polizei oerfolgt. Für die Aufklärung des ueoerfalles und die Ergreifung des Täters Ist eine Belohnung von 2000 Gold- mark ausgefetzt. Zweckdienliche Mitteilungen, die auf Wunsch streng oertraulich behandelt werden, nimmt unter Hinweis auf diese Belohnung Kriminalkommissar G e i ß 4 l im Zimmer 56 de» Polizei. Präsidium», Housanruf 195. entgegen. Selbstmord einer verlastencn Braut. In der in einem Stiftshaus« in der Hoffmannstraße in Treptow belegenen Wohnung eines Stadtinspet. t o r s wurde stüh die Leiche eine jungen Mädchens, das sich durch Leuchtgas vergiftet hatte, gefunden. Die Leiche muß. da der Woh- nungsinhaber verreist war. hier schon mehrer« Tag« gelegen haben. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen ergaben, daß d i e T o t e d i« frühere Braut des Stadtinspe.ttors ist. Das verhältni« hatte fünf Jahre bestanden und war dann gelöst worden. Nach längerem Suchen fand man, einen Nochschlüssel, mit dem die verlassene Braut sich Zutritt zu der Wohnung des ehemaligen Bräutigams ver- schafft hatte. Auch eine ErrnneruugSfeier: Tee Nationalberband deutscher Offizier« fühlt da» Vedllrfm«, die zehnjährige Wiederkehr de» LlnbrucheZ der .großen Zeit' in feiner Weise zu feiern. In einem Rundschreiben der Ortsgruppe Wilmersdorf de» Oifiziersbunde« heißt«s:„Am 8. d.� M., 8 Uhr abend«, w-rd der Nationalverband deutscher Offiziere au» Anlaß der zehnjährieen Wiederlebr der Mobilmachung 1914 eine große Kundgebung im Berliner Konzerlbou». Mauerstr. 82, gemeinsam mit allen nationalen Offizier»- und Sol- datenverbänden veranstalten.' Wenn man statt de» Worte» national, in dem obigen Zusammenhang oebrauckt. die Worte monarchistisch-reaktionär setzt, bann ist man sofort im Bilde. Einheitsfront der deutsche» Mieterschaft. Di« Zersplitterung der deutschen Mieterorganisationen hatte der Mteterbewc-gung sehr geschadet. Di« unfruchtbaren Inneren Kämpfe zwischen den beiden größten Organisationen, dem Bund deutscher Mietervereine(Sitz Dresden) und dem Deutschen Mieterbund(Sitz Berlin) lenkten von den großen gemeinsamen Mieterfragen ab und lähmten die Schlagkraft. Erfreulicherweise ist nunmehr d-ie Einigung zustande gekommen. Di« Verschmelzung soll aus dem demnaächst einzuberufenden Bundestag durchgeführt werden, um mit der ge- schlosienen Front gegen den von der Münchener Hausbesitzerlagung aufgenommenen„konzentrischen' Angriff auf die Mieterschutzgesetz. gebung gesichert zu fem. � Arbeiter- Sänger-Bund, Gau Berlin. Zu der am 11. August stattfindenden Kundgebung im Lustgart«« treffen sich die Sanges» brüder zum Massenchor an der Musemnsfreitrepp« pünktlich 6H Uhr. D« Gauvorftand de» Arbeiter-Sänger-Bunde». I. A. Schneider. «In schauriger Fund beschäftigte, wie wir mitteilten, seit An- fang Juli die Kriminalpolizei. Am 4. Juli fand man an der Ecke der Dieffenbach. und Grimmstraß« M ein blutige» Laken eingewickelt ein vollständiges Bettzeug, das mit Blut ganz ' durchtränkt war und an dem auch einige Fleischteilchen Nebten. Di« Angelegen heit ist als verhältnismäßig harmlos auf- klärt worden. Da» Bettzeug stammt« au, dem Nachlaß einer jährigen verstorbenen Trinkerln, deren Tod erst entdeckt wurde, nachdem die Verstorben« 12 Tage in ihrer Wohnung gelegen hatte, Daher di« anhaftenden Fleischteilchen. Ein Kutscher war beauftragt worden, da» Bettzeug abzuholen,-und da e»«inen un ertrag- llchen Geruch verbreitete, hatte er sich seiner unterweg» entledigt. Der Verein der Freidenker für Feuerbestallung. 12. Bezirk, weift seine Mngllever auf diesem Wey« darauf hin. daß hie am 30. Juli hier veröffentlichte Aufforderung zur Anmeldung für die Freidenker-Iugendweih« nicht» mit dem 12. Bezirk de« verein» der Freidenker für Feuerbestattung zu tun hat. Die genauen Adressen werden nach erfolgter Berstunötgung mit den betoiligien Organi- sationen rechtzeitig in dem Bezirk bekanntgegeben. Partemachrichten für Hroß-Seriin Sinsei>dm>»--> f», diele Rubrik Pud« stet» an da»«qirk-l-kretarlat, eielia«».«, Lwdenftrab« 3, 2. Hos, 2 Trep- recht»,«n richten. I5 bm&«ugult. 7.8 Uhr wichtige Funktioniirsitzung bei Bertsch. Wiener Sir. 38. � 3 Sport. Houben schlägt paddock über 100 ZNeker. Aul d«m internationalen Sportsest, da» gestern abend aus dem Moabiter Sporiplatz in der Sehdlttzstrastc ftattsand. starteten gestern ,mn erstenmal nach dem Krieg« auch Amerilaner. Der deutsche Meister Hauben leierte einen Sieg tm 100 Meter Bau) tider die amerikanischen Sprinter-Könige B a d d o ck und M u r ch t s o n. Dagegen wurde Houden im 200 Meter Laus nur Dritter. Die gelt von Houden über 100 Meter war 10,8 Bekunden, die Zeit»on Paddock über 200 Meter 21.4 Sekunden. Da» ist die schnellste Zeitt die dlther aus einer Kurvenbadn sür diese Strecke zurückgelegt wurde. Ast zweite» Erelgni» bildete der 500 Meter Laus, tn welchem der Amerikaner Heinrich den Schweizer Martin nur um Bruslweile niederringen lonnte. Die beiden Staffeln gewannen die Amerikaner, indem sie die Bereinsstaffel über 4 mal 100 Meter dem deutschen Sportklub und über die Scheidelireck» eine kombinierte deutsche Mannschaft aus de» zweite» vlatz verwiesen, gn der Staffel verloren die Deutschen durch schlechten Start- Wechsel den fichere» Endkampf. Gewerkschaftsbewegung Internationale Einheitsfront- Parole. Zur Taktik der„ Eroberer". Die Einheitsfront der freigewerkschaftlichen Arbeiterbewegung in Deutschland war so lange selbstverständlich und unumstritten, als die Kommunistische Partei und ihre sogenannte Zentrale, die Filiale der Moskauer Bolschewistenzentrale in Deutschland, noch nicht existierten. Diese Einheitsfront fonnte von den Kommunisten nur deshalb zerrüttet werden, weil mit dem plötzlichen Zustrom der unorganisierten Maffen zu den Gewerkschaften nach dem Kriegsende eine große Berwirrung entstand, die sich einmal aus der Existenz unsicherheit und Erwerbslosigkeit ergab, weiter aber aus der vollständigen Unkenntnis der gewerkschaftlichen Grundfäße und der gewerkschaftlichen Taktik und dem Mangel an gewerkschaftlicher Schu lung und Disziplin. Die Gewerkschaftsführer, die sich den Gewerfschaftskampf zur Lebensaufgabe gemacht hatten, wurden der Masse als„ Sozialverräter" und" Bonzen" denunziert, die jedem Erfolg der Gewerkschaften im Wege ständen und deshalb beseitigt werden müßten. Damit begann die tommunistische Einheitsfrontattion. Die Gewerkschaftsmitglieder brauchten fich nur der Kommunistischen Partei anzuschließen und den Befehlen aus Moskau zu gehorchen, bann war die neue Einheitsfront" hergestellt. Das Ergebnis der kommunistischen Aktion zur Eroberung der Gemertschaften führte jedoch dazu, daß die Mehrzahl der neuen Mitglieder ebenso rasch wieder aus den Gewerkschaften verschwand als fie gekommen war. Die KPD. gab ihre Freude darüber unverholen Ausdruck. Allein ihre Spekulation, die Fahnenflüchtigen für besondere kommunistische Gewerkschaften zu gewinnen, erwies fich als verfehlt. Die früheren Unorganisierten und Gelben, denen die Kommunisten die kurze Mitgliedschaft in den Gewerkschaften nach allen Regeln ihrer Kunst gründlich verefelt haben, wollten von der Zahlung von Gewerkschaftsbeiträgen nichts mehr wissen. Die fommunisti schen Gewerkschafts ,, märtyrer", die eigene Läden der Ausgeschlosfenen aufmachten in der Erwartung, daß die Masse der Oppofitio nellen" ihnen zuströmen werde, blieben hübsch unter sich. Nach den verschiedenen kommunistischen Pferdekuren in der Gewertschaftsbewegung famen die KPD.- Instanzen schließlich wieder zum Ausgangspunkt ihrer Tattit, die Gewerkschaften auszuhöhlen", fie von innen zu erobern. Daß die Parole der„ Einheitsfront" der Gewerkschaften, die die Kommunisten zur Förderung ihrer Bläne ausgaben, durch und durch verlogen war, daß sie entgegen dieser Parole die Gewerkschaften schädigen, wo und wie sie nur fönnen, hat nachgerade auch der Einfältigste erkannt." Einheitsfront" wenn die Gewerkschaften sich der Moskauer Diktatur der Sinowjews und Losowskis unterordnen. Wo nicht 3er störung der Gewerkschaften. Die fommunistische Einheitsfrontlüge verfehlt ihre Wirkung. Die Moskauer Gewerkschaftsinternationale" will nun die in heit der internationalen Gewerffchaftsbewe gung". Auf ihrem Kongreß hat diese Rote Gewerkschaftsinter nationale" eine der üblichen Refolutionen ruffischen Formats und Inhalts gefaßt. „ Ohne auch nur für einen Augenblick feinen entschiedenen Rampf gegen jedwede Aeußerung des Reformis mus in der internationalen Arbeiterbewegung einzustellen, stets bestrebt, sein verräterisches Wesen schonungslos zu enthüllen. betrachtet es der dritte Kongres als bringlichste Aufgabe..., eine großzügige Rampagne unter den Arbeitermaffen für die Einheit der internationalen Gemertschaftsbewegung zu entfalten." Nachdem die großzügigen Kampagnen" in ben einzelnen Ländern nicht den gewünschten Erfolg hatten, will man die Kampagne auf die Amsterdamer Internationale tonzentrieren. Es wird eine Lügentampagne gleich den Einzelkampagnen gegen die Gemertschaften. Borausfehung internationaler Berständigung und Vereinigung ist nationale Berständigung und Vereinigung. Es ist ein Unding, Gewerkschaftsgruppen international vereinigen zu wollen, die sich in den einzelnen Ländern feindlich gegenüberstehen, so feindlich wie die Moskauer Diktaturzen frale und ihre Filialen in den einzelnen Ländern sich gegen die Gewerkschaften der Amsterdamer Richtung eingestellt haben. Schaftsbewegung in den einzelnen Ländern und damit auch interWir fegneten den Tag, an dem die Einheitlichkeit der Gewerk national wiederhergestellt wäre. Wir hoffen troßz aller fommunisti schen Quertreibereien, daß diefer Tag einmal tommen wird, weil er tommen muß. Er fann so lange nicht kommen, so lange sich die Herrschenden in Rußland anmaßen, die Arbeiterorganisationen der ganzen Welt ihrem Kommando zu unterwerfen, die Gemertfchaftsbewegung lediglich als Wertzeug ihrer poTitischen Welteroberungspläne betrachten. Die Moskauer Bonzen denben noch nicht daran, von ihrem Standpunkt abzugehen. Sie ipekulieren darauf, daß in der Amsterdamer Internationale ein Mann, dem das Herz mit der Ueberlegung durchgeht, starten Einfluß hat. Sie spekulieren auf die Ehrlichkeit dieses Mannes, den fie famt seinen Anhängern durch ihre Lügenmethoden zu übertolpein hoffen. Mit Leuten, die die Lüge als vornehmstes Rampfmittel in ihrem größenwahnsinnigen Fanatismus betrachten, denen Manneswort und Unterschrift nichts gilt, denen die Intereffen der großen Maffe nicht gelten, denen nichts gilt als die Propaganda für ihre unreifen verstiegenen Pläne, mit solchen Leuten ist ein Zufammengehen Selbstmord. It die russische Arbeiterschaft in ihren Entschließungen frei, dann ist die Zeit der Verständigung gekommen und diese Berständigung wird leicht sein. Es bedarf dann feiner Parolen und Kampagnen. Einer ehrlichen Aussprache gelingt dann, was ber ganzen Moskauer Lügenfampagne trotz aller Zellen und Neke niemals gelingen wird die Einheit der freien Gewerkschaftsbewegung national und interna tional wiederherzustellen. Die Lage der Kurzarbeiter. Die Lage der Kurzarbeiter ist in den letzten Wochen vielerorts aunerträglich geworden. Es ist geradezu ein Standal, baß stellenweise Kurzarbeiter bei einem Verdienste, der niedri ger als die Erwerbslosen unterstübung ist, auch noch Jeder Herr erhält elegante Kleidung auf Teilzahlung zu streng festen billigsten Preisen CAltes es gelungen, den Wachtdienst auf 24 Stunden herabzusehen. Viel hängt von der Einsicht und der Zusammensehung der Gemeindebehörden ab. Aber die Feuerwehrleute müssen auf der Wacht sein, um das Errungene festzuhalten, damit die reaktionären Maßnahmen mancher Städte zuschanden werden. Der Redner erinnerte daran, daß z. B. in Königsberg seit dem 1. März der 48stündige Wachtdienst wieder eingeführt ist. Auch die Besoldungsfrage war oft heiß umstritten. Das Besoldungssperrgeseh erwies sich nur als ein Hindernis. Eine nicht unbedeutende Rolle spielte die Frage des Erjazes der Schutzkleidung. Beiträge zur Erwerbslofenunterstüßung abliefern sollen. Die Kurz.| dienstes ist immer noch das Kampfobjett. Nur in wenigen Drten ist arbeiterfrage schreit geradezu nach einer Lösung. Der Reichstag hat bekanntlich die von den Sozialdemokraten zur Kurzarbeiterfrage gemachten Borschläge abgelehnt und einen Antrag der bürgerlichen Mittelparteien angenommen, der von der Reichsregierung fordert, im Zusammenwirten mit den Ländern die Gemeinden zu verpflichten, ben notleidenden Kurzarbeitern besondere Fürsorge zuzuwenden und besonders belasteten Gemeinden die erforderlichen Mittel durch Abzweigung aus dem Beitragsaufkommen der Erwerbslofenführsorge zuzuführen und die dazu notwendigen Maßnahmen mit größter Beschleunigung zu treffen. In Anschluß an diesen Antrag hat das Reichsarbeits. minifterium jetzt eine Berordnung fertiggestellt, damit durch Regelung der Finanzfrage den Kurzarbeitern wenigstens einiger maßen eine Erleichterung zuteil werden fann. Die Berordnung ist bereits mit den Ländern durchberaten. Der Reichsfinanzminister hat fich mit dem Grundgedanken der Verordnung schon seinerzeit bei den Beratungen im Reichstage einverstanden erklärt. Die Verordnung wird am kommenden Montag bekanntgegeben und tritt am 17. August in Kraft. Abgelehnter Schiedsspruch für die Textilarbeiter. Nachdem die Unternehmer den Schiedsspruch des Schlich tungsausschusses abgelehnt hatten, weil ihnen 8 Proz. Lohnerhöhung zu hoch dünften, fand die Verhandlung vor dem Schlichter statt. Die Unternehmer fonnten nicht ableugnen, daß mehrfach die jetzigen Preise für Textilwaren 100 und mehr Prozent höher sind, als in der Borkriegszeit; frohdem beharrten sie auf ihrem Standpunkt, nicht einen Pfennig Lohnzulage zu gewähren. Mögen die armen ausgebeuteten Tertilarbeiter betteln gehen, wenn sie hungrig sind. Der Schlichter gab sich die erdenklichste Mühe, eine Einigung zu fchaffen, aber auch sein Liebeswerben fand bei den Einigung zu fchaffen, aber auch sein Liebeswerben fand bei den hartgefottenen Unternehmern feine Gegenliebe. Er machte nach stehenden, für die Unternehmer fehr appetiterregenden Vergleichsvorschlag: Die 8 Proz. sollten um die Hälfte, das heißt auf 2 Bf. erniedrigt werden. Nachdem die Unternehmer auch dieses ablehnten, lehnte der Schlichter die Verbindlichkeitser flärung ab. In Anbetracht der so äußerst niedrigen Löhne ist dieses höchst bedauerlich und nach unserem Ermessen nicht zum Wohle der Allgemeinwirtschaft. Wenn einzelne Unternehmen nicht existenzfähig find, sollen sie verschwinden, das wäre für die Gemeinwirtschaft besser, als wenn tausende Arbeiter bei ihrer Arbeit wegen zu niedriger Gentlohnung nicht existenzfähig find. Die jetzigen Löhne in dieser Nordostdeutschen Tarifgemeinschaft betragen für männliche Arbeiter von 14 Jahren 14 Bf., steigend bis auf 35 Pfennige für Arbeiter über 20 Jahre. Die Löhne der Arbeiterinnen sind um 25 Broz niedriger. Die Kollegenschaft wird ersucht, sich in der Geschäftsstelle des Deutschen Textilarbeiter verbandes nähere Informationen und Berhaltungsmaßregeln zu holen, Gewerkschaften und Republik. Die foeten erschienene Af- Bundesze tung" vom 1. August 1924 bringt unter der Ueberschrift Angestellte, schützt die Republit" Den Gründungsaufruf des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold mit einer einleitenden Erklärung des AfA- Bundesvorstandes, aus ber hervorgeht, daß der Allgemeine freie Angestellterbund als die erste der Gewerkschafts spitzen offiziell die Förderung der Bewegung des Reichs banners Schwarz- Rot- Gold beschlossen hat. In dem Aufruf, der sich an die Kriegsteilnehmer und Republikaner wendet, wird enflärt: Aus den Kreisen unserer AfA- Bewegung ergehen an uns immer wieder Anfragen, ob denn gegenüber den politischen Gewalt tätigteiten und der zersehenden Tätigkeit antirepublikanischer Ban den feine Möglichkeit besteht, auch die den arbeitenden Boltsschichten angehörenden Republikaner zur organisierten Abwehr zu vereinigen, Wir haben selbst an dieser Stelle wiederholt darauf hingewiefen, daß der Kampf gegen die deutsche Republit nicht zufeht die Entrechtung und Unterdrückung der Angestellten, Arbeiter und Beamten zum Ziele hat. Unser AfA- Bund hat deshalb auch stets in vorderster Reihe die Wiederherstellung des Abfolutismus in Staat und Wirtschaft eingeftanden, wenn es galt, für die demokratische Republit und gegen zutreten. Die Organisierung der gegen die Faschisten notwendigen Abwehr geht an sich über den Rahmen unserer gewerkschaftlichen Bewegung hinaus. Wir bringen daher den Aufruf zum Abdrud, mit dem sich die in den letzten Monaten impulfio erwachsende besondere Organisation des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" an alle aufrechten und ehrlichen Republikaner wendet. Wir bemerte noch besonders, daß dieser republikanische Bund Angehörige aller politischen Parteien umfaßt, foweit sie nicht direkt im Lager der Butschiften auf der äußersten Rechten und Linfen stehen. Wir empfehlen den Aufruf der Beachtung unserer Ortskartelle und der AfA- Mitgliedschaften. AfA- Vorstand. Wenn auch die übrigen Gewerffchaftsrichtungen fich in ähnlicher Weise mit der Bewegung der deutschen Republikaner folidarisieren, moran nicht zu zweifeln ist, dann dürfte die Reichsbannerorganifa tion in fürzester Zeit eine unüberwindliche Macht darstellen, Verbandstag der Feuerwehrleute. Leipzig, 7. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Verband Deut scher Berufsfeuerwehrmänner hält in der Zeit vom 6. bis 8. August Beilmaier eröffnete die Tagung mit einer Begrüßung und im Leipziger Volkshaus seinen 10. Verbandstag ab. Der Vorsitzende sprach den Wunsch aus, daß der Verbandstag feine Aufgaben zum Nußen der Berufsfeuerwehr und der freien Gewerkschaftsbewegung erledigen möchte. Es folgten die Begrüßungsansprachen der Bertreter der in- und ausländischen Organisationen, u. a. von Müntner, Vorsitzender des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes, Blemisch von der österreichischen Organisation und Ibsen für die dänischen Feuerwehrleute. Magdeburg gewählt. Im Geschäftsbericht, der von Weilmaier ge Als Borsitzende wurden Hanebein Bremen und untel. geben wurde, fam zum Ausdrud, daß auch die Berufsfeuerwehr, genau so wie alle anderen Arbeiterorganisationen, unter dem Drud der Wirtschaftskrise schwer zu leiden hatte. Die Frage des Wacht00000000000 Spezialgeschäft Benossenschaft els na Gebrauch von Reichel's BanzenBerliner Elektriker- Keine Wanze in amelbaarSchlafReifeohne Aufschlag Deden im Tritotagen Strümpfen Meyer's Kaufhaus mpen am Barbarossaplatz Eisenacher Str. 90-91 Spezialhaus für elegante Herren Bekleidung Bester Maßersafz Feinste Schneiderarbeit Fries a billigft. Tagespr. Gebrüder Pflaume Berlin SW. Friedrichstr. 205 Ede Zimmerstr. · mehr nach Dem Verbandsausschuß sind feine Beschwerden zugegangen. In der äußerst sachlichen Aussprache wurde die Tätigkeit des Verbandsvorstandes fritisiert. Die Berliner Organisation schickte einen Rommunisten vor, der in einer längeren Rede die bekannten kommunistischen Barolen zum besten gab. Durch die Ausführungen eines Königsberger Delegierten wurde der Verbandsvorstand wesentlich entlastet. Auch die Genossen Neumann und Faltenberg ( vom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund) zeigten, daß der kommu nistische Redner wohl fritisieren könne, aber vergaß, einen beſſeren Weg zum Vorwärtskommen zu weisen. Damit schloß der erste Verhandlungstag. Wirtschaft Eine leere Drohung. der Seitdem die Agrarierschutzöllner merfen, daß ihre Propaganda feineswegs so überzeugend auf die Deffentlichkeit wirkt, wie sie es wünschen, werden sie nervös und ungeduldig. Sie fangen daher zu drohen an. So erklärt die Landwirtschaftskammer der Provinz Pommern, ohne Agrarzölle sei die Ertensivierung deutschen Landwirtschaft unvermeidlich. Die endgültige Klärung der Frage, ob die weitere Propagierung intensiver Wirts fchaft noch verantwortet werden fann", so erklärt die Landwirtschafts fammer, hängt ganz davon ab, wieweit auf dem Gebiete des Steuerund Kreditwesens eine Regelung stattfindet, die in nächster Zukunft cine wesentliche Erleichterung bedeutet." Die Agrarier drohen also mit dem Uebergang zur extensiven Wirtschaft. Wen wollen sie damit schrecken? Sie wissen doch selbst ganz gut, daß fich die Landwirtschaft mit dem llebergang zur erten fiven Wirtschaft nur ins eigene Fleisch schneidet. Es muß sich erst noch zeigen, ob auch die Betriebskosten zugleich mit Produktion und Umsatz zurückgehen. Was der Landwirtschaft helfen fann, ist nach wie vor in erster Linie die herabjegung der Industriepreise. Das ist bei den Besprechungen und Beratungen über die Schutzollfrage in verschiedenen Körperschaften selbst von landwirtschaftlicher Seite hervorgehoben worden. Es gibt eben auch bei den Landwirten fühle Rechner, die ganz genau wissen, daß ein Plus, das durch den AgrarZoll hereinkommt, durch die mit dem Zoll verbundene allgemeine Verteuerung wieder aufgefreffen wird. Statt die Bestrebungen der Arbeitnehmer zur Brechung des Preisdiktats der Industrie zu unterstützen, verbünden sich die Agrarier mit den Industriellen, um durch hohe Zölle und Teuerung der deutschen Volkswirtschaft in der Exportfrage, in der Handels- und Zahlungsbilanz das Leben völlig uumöglich zu machen. Schmuggel an der Zollgrenze. Die Befaßungsbehörde hat zur Unterdrückung des Schmuggels an der Ostgrenze des Ruhrgebietes eine Zollgrenze auf der linken Seite geschaffen, die fich etwa 10 Kilometer von der ersten Grenze des befegten Gebietes aus gerechnet, erstreckt. Der Barentransport muß mit einem Baſſierschein verfehen sein, mit Ausnahme von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus den Betrieben des Zollgebietes und folcher Waren, die den Zollbestimmungen nicht unterliegen. Die deutsch- russischen Handelsbeziehungen. Laut Iswastija" hat die Staatshandelsgesellschaft für das Nordwestgebiet ihren HandelsAußenhandelsbevollmächtigte die Berliner Handelsvertretung ange Nach einer Meldung des gleichen Blattes hat der ukrainische apparat wieder auf Deutschland eingestellt. wiesen, alle während des Konflikts getroffenen Maßnahmen aufzuheben. Reorganisation der Preisprüfungsstellen. Eine in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung gelangende Berordnung sieht eine Neuorganisation und Umgestaltung der mittleren Preisprüfungsstellen vor. Die Preisprüfungsstellen in Botsdam, Frankfurt a. D., Erfurt, Halle, Stade, Aurich, Trier, Aachen und Koblenz werden eingezogen. In jeder Provinz foll grundsäglich nur eine mittlere Preisprüfungsſtelle bestehen bleiben, die die allgemeine Beobachtung des Wirtschaftslebens, soweit es durch die Preisentwicklung für Güter und Leistungen beeinflußt wird, zur Hauptaufgabe haben. Neu ist meiter, daß die mittlere Preisprüfungsstelle beim Polizeipräsidium Beriin als Vermittlungsstelle sämtlicher gleichartiger Instanzen in der Provinz dienen foll. Sie wird in räumlicher Gemeinschaft mit der Abteilung W des Polizeipräsidiums arbeiten. Zu ihrer Leitung soll, um das wirtschaftliche Element besonders start zu betonen, als Bers treter des Polizeipräsidenten ein wissenschaftlicher Volkswirt neben einem Juristen und außerdem je eine weitere faufmännisch und landwirtschaftlich durchgebildete Arbeitskraft bestellt werden. vorigen Jahr zwischen Deutschland und Litauen abgeschlossene HanRatifizierung der deutsch- litauischen Verträge. Der bereits im belsvertrag ist, wie der Oft- Expreß meldet, vorgestern vom fitauischen Parlament ratifiziert worden. Ferner ratifizierte das Parlament den Ausgleichsvertrag mit Deutschland, durch den beide Parteien auf einen Erfaz der aus der Kriegszeit stammenden Forderungen verzichten. Da der Deutsche Reichstag die Berträge schon Ende Juni dieses Jahres ratifiziert hat, so treten diese nach Austausch. der Ratifikationsurkunden in Kraft. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Cytorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Gabardine130 br., r. Wolle, 8.50 M., 9.75 M. angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe fluid, Rabital", der Banzen ärgfter Feind. Eine Flüssigkeit, die eine für Wanzen abfolut Kostüm-, Kleider-, Berlin N24, Elsässer Str.86-88 tödlich wirkende Gasart erzeugt und in die Futterstoffe beFernsprecher: Norden 1198 verborgensten Stellen, hinter Tapeten usw. deutend unt.Preis. Herstellung elektr. 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