tue tosi mlado19 C Abendausgabe Nr. 373 41.Jahrgang Ausgabe B Nr. 187 5 Goldpfennig 50 Milliarden Sonnabend = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenpreifa Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Ubreffe: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 9. August 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszett 9-5 Uhr Cindenstraße 3 Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Verständigung unter Vorbehalt. Erklärung des Reichsfinanzministers. Paris, 9. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Nach den hier aus London vorliegenden Meldungen hat Reichsfinanzminister Luther am Freitag den Vorsitzenden der Reparationsfommiffion, Barthou, in Kenntnis gesetzt, daß die deutsche Delegation bereit sei, das von der Reparationsfommission aufgestellte Protokoll über die Durchführung des Dawes- Planes zu unterzeichnen. Es handelt sich dabei in erster Linie um die drei Gesetze über die Gründung der Emissionsbank, über die Industrieobligationen und über die Umwandlung der Eisenbahnen in eine Attiengesellschaft, ferner um verschiedene kontrollmaßnahmen. Die Unterschrift werde aber unter dem ausdrüdlichen Borbehalt gegeben, daß das Inkrafttreten der Bereinbarungen abhängig gemacht sein solle von dem Zustandekommen einer Bertändigung über die gesamten in London zu regelnden Fragen. In Konferenzfreifen, so melden dazu die Pariser Blätter, messe man diesem von der Reparationsfommiffion erzielten Resultat hohe Bedeutung bei, da es den Wunsch der deutschen Regierung erfennen laffe, zu einer möglichst raschen Liquidation der Reparationsfrage zu gelangen. Das Ergebnis der geftrigen Sitzungen. Condon, 9. Auguft.( Funtbericht unsers Sonderforrefpondenten.) Die„ Großen Bierzehn" beschäftigten sich am Freitag in ihrer Sitzung im wesentlichen mit der Erörterung und Auslegung der von der Reparationstommiffion feinerzeit aufgestellten Verantwortlichteit Deutschlands für das Zustandekommen der Anleihe. Es scheint eine Regelung zuffandegekommen zu fein, die die Verantwortlichkeit für das Zustandekommen der Anleihe nicht allein Deutschland auferlegt, sondern die übrigen an der Durchführung des Dawes- planes beteiligten Regierungen in die Verantwortlichkeit einbezieht. Auch die Frage der Ueberweisungen und der Bernandung der angejammelten, nicht ins Ausland übertragbaren deutschen Zahlungen wurde befprochen und über die Möglichkeiten ihrer Anlage in Deutschland felbft diskutiert. Die Arbeit der Bierzehn war dadurch erschwert, daß die Sachverständigen ihre Arbeiten noch nicht fertiggestellt hathn. Außerdem haben gewiffe Bemerkungen des Reichsfinanzministers Luther und eine Intervention Snowdens zu einer scharfen Erwiderung Herriots geführt, die in Konferenztreifen start besprochen wird. Außer den Vierzehn tagbn die beiden Sachverständigengruppen, die erste Gruppe zweimal, die zweite Gruppe einmal. Letztere tritt am Sonabend wieder zusammen. Hingegen werden die Großen Bierzehn" am Sonnabend voraussichtlich keine Sihung abhalfen. Macdonald wird das Wochenende in Eastbourne verbringen. Eine Zusammenfunft der Franzosen und Deutschen ist gestern abend in der Form erfolgt, daß der amerikanische Botschafter die Franzosen zu einem Diner eingeladen hat, bei dem die Deutschen auch anwesend waren. Die neue Bewegung in Amerika. ( Bon unserem amerikanischen Korrespondenten.) Der Ausgang der Clevelander Konferenz der fortschrittlichen politischen Aktion" hat manche amerikanische Parteigerechneten bestimmt damit, daß es schon auf dieser Konferenz Beteiligung der sozialistischen Partei an der neuen Bewegung zur Gründung einer Arbeiterpartei fommen würde. Diese Erwartung hat sich in Cleveland nicht erfüllt. gebietes. Die Ursache war, daß die Kommiffionen der affliierten Kon- noffen enttäuscht. Denn viele von den Anhängern einer regen ferenz fich nur mit speziellen Verwaltungsfragen beschäftigt hatten, infolgebeffen in ihren Beschlüffen die Wiederherstellung der allgemeinen Berwaltung, wie der Landratsämter und Regierungspräfidenten, unberücksichtigt ließen. Obwohl die Verhandlungen wiederholt auf einem foten Punkt angelangt fchienen, einigte man sich doch schließlich dahin, daß nach Annahme des Gutachtens innerhalb der genannten Frist von 35 Tagen das Rheinlandabkommen in Kraft trift, d. h. daß die wirtschaftliche und allgemeine Ber. waltung fowie die deutschen Reichsgefehe wieder Gültigkeit erhalten. wichtig ist an den Bereinbarungen vor allem, daß sie einen Unterfchied zwischen dem Sanktionsgebiet Düsseldorf- Duisburg und dem neubesetzten Gebiet, also dem Ruhrgebiet, ausschließen. Herriots Standpunkt. Paris, 9. Auguft.( WTB.) Die Morgenblätter beschäftigen sich eingehend mit dem im Zusammenhang mit der Rückkehr Herriots, Nollets, Clémentels nach Paris in Umlauf gesetzten Gerüchte über angebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Kriegsminister in der Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebietes. Um diesen Gerüchten ein Ende zu bereiten, hat nach dem„ Matin" der Quai d'Orsay gestern in später Abendstunde der Bresse mitgeteilt, Herriot, der über die verschiedenen Auslegungen seiner Reise unterrichtet worden sei, habe erflärt, es sei ganz natürlich, daß er nach 25tägiger Abwesenheit einen freien Tag ausnute, um dem Ministerrat über die bisherigen Verhandlungen zu berichten, anstatt Besuche in der Umgebung Londons zu machen. daß angesichts dessen, wie heute nach 25tägiger Abwesenheit die Dinge Der Sonderberichterstatter des„ Deuvre schreibt, es sei natürlich, stünden, Herriot im Ministerrat die Situation aus einandersetzen wolle. Abgesehen davon, was er durchgefekt habe, werde er auf eine ausgezeichnete Perspektive beantragt, fo hätte die Mehrheit der Konferenz sicherlich dafür Hätten die Sozialisten in Cleveland die Parteigründung gestimmt so start war die Konferenz von den Sympathien für die Sozialisten beherrscht. Da aber eine Anzahl von Tradeunions sich gegen eine sofortige Parteigründung ausge fprochen hatte, wollten die Sozialisten der Konferenz nicht ihren Willen aufzwingen. Diefe Tattit war politisch sehr flug. Sie wird auch von den Genossen gebilligt, die über den Ausgang der Konferenz einigermaßen enttäuscht sind. Man sieht eine daß es für die Gründung einer lebensfähigen proletarischen Massenpartet nützlicher ist, den geistigen Kontakt und das tiefe Vertrauen zueinander, die die Konferenz geschaffen hat, dauernd zu be wahren, als die bloße Proflamierung einer Partei durchzus sehen. Man muß auch berücksichtigen, daß der amerikanische Arbeiter in politischen Fragen noch bis in die letzten Jahre. mit beiden Füßen auf dem Boden des empirischen Praktizismus stand und in Wirklichkeit teine Klassenpolitit, sondern Gruppenpolitik trieb. Die Entwicklung zur Klassen. politif vollzieht sich im amerikanischen Proletariat nicht so schnell, wie wir es wünschen, und vielleicht sind uns in dieser Hinsicht noch manche Rückschläge beschert. Die alte Tradition laftet schwer auf der neuen Bewegung, und die ersten Schritte brochen. Obwohl in Cleveland nominell keine Partei zustandeauf dem neuen Wege find die schwersten. Nun sind die ersten Schritte getan und das Eis ist gegekommen ist, wurde dort in Wirklichkeit eine drei millionentöpfige politische Arbeiterorgani [ ation geschaffen. Losgelöst von den beiden kapitalistischen Parteien, den Republikanern und den Demokraten, treibt diese verweifen können: Macdonald habe sich damit einverstanden erflärt, Organisation, die hauptsächlich von einigen Tradeunions ge daß sofort nach der Londoner Konferenz eine neue Ronferenz tragen wird, eine selbständige Politik, und es ist merkwürdig, zusammentrete, um über die Regelung der interalliwie diese Tatsache den Charakter und die Traditionen der ierten Schulden zu beraten, die nach franzöfifcher Auffassung amerikanischen Gewerkschaften von Grund aus verändert hat. mit der der Reparation zu verknüpfen seien. Herriot werde dem Nehmen wir zum Beispiel die ,, International Machinist AssoMinisterrat erklären, daß er die Hoffnung hege, zu den im Friedens ciation", die zu den aristokratischsten" Tradeunions gerechnet vertrag vorgesehenen Daten die Verantwortlichkeit Deutschlands für wird. Noch vor kurzem herrschte in diesem Verband die Sachlieferungen sowie außerdem einen vorteilhaften wirt grundsätzliche Tradition: ,, no politics in Unions"( teine Bo-= schaftlichen modus vivendi zwifchen Frankreich und litik in den Gewerkschaften). Alles, was nicht direkt zum ökonomischen Kampf gehörte, wurde aus dem Bereiche der Deutschland zu erreichen, wenni Verbandstätigkeit unbarmherzig hinausgewiesen. Und jetzt? Jezt ist es ganz natürlich, daß das Gebäude dieses Verbandes zum Hauptquartier des Konvents für fortschrittliche politische Aktion" geworden ist. Sämtliche Besprechungen, die der Clevelander Konferenz vorausgingen, fanden hier statt. Seit Beginn der Bewegung marschiert dieser Verband an ihrer Spize. William Johnston, der Vorsitzende des Verbandes, wurde zum Borsigenden des Clevelander Konvents gewählt und ist jetzt Borsitzender des Nationalfomitees der neuen politischen Organisation. Artur Holder, der juristische Berater des Verbandes, wurde zum Sekretär des Nationalkomitees gewählt. Forrester, der ehemalige Chef des ,, Railway ellen Verbandsorgans, und eine Reihe anderer GewerkschaftsLabour Department", Cating, der Redakteur des offizi führer nehmen den aktivsten Anteil an der Bewegung. das Ruhrgebiet in beschleunigtem Tempo militärisch geräumt werde. Er werde andererseits sein Bedauern darüber aus fprechen, daß er, nachdem England den Unterstützungsvertragsentwurf des Völkerbundes abgelehnt habe, in London nichts für die Sicherheit Frankreichs habe durchsetzen können. Was die Rölner 3one an. Die wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebiets. lange, so sei französischerseits alles versucht worden, was versucht London, 9. Auguft.( Funtbericht unseres Sonderbericht werden konnte. Wenn zwischen Frankreich und England feine Bererstatters.) Die Arbeiten der zweiten Kommiffion find am Freitag ständigung erzielt werden könnte, würde ein Schiedsgerichtsbeendet worden. Sie umfaffen hauptsächlich die Fragen der wirt- verfahren Platz greifen. Strefemann andererseits beabschaftlichen Räumung des Ruhrgebietes. Die Fassung sichtige, des Kommiffionsberichtes, der den Chefdelegierten jeht vorgelegt wird und der auf Grund der im Ausschuß erzielten Uebereinstimmung ohne Aenderung endgültig verabschiedet werden dürfte, sieht statt der in den Beschlüssen der alliierten konferenz vorgesehenen Frist von 45 Tagen für die wirtschaftliche Räumung einen Termin von 35 Tagen nach Annahme des Gutachtens durch die Parlamente vor. In 35 Tagen werden alfo alle wichtigen wirtschaftlichen Maßnahmen der Befahung aufgehoben. In den ersten acht Tagen fällt u. a. die Binnenzollgrenze fort, ferner werden die Ein- und Ausfuhrabgabe den deutschen Gesetzen angepaßt und außerdem unterliegt der Personenverkehr und damit gleichzeitig die Einreise ins Sanffionsgebiet feiner kontrolle mehr. Die gleichzeitig von der Kommiffion behandelte Frage der 3 a hlung von einem zwölftel der Jahreszahlung mit Beginn der Durchführung des Gutachtens wurde in der Form gelöst, daß die restlichen Beträge aus den bisherigen belgisch- französischen Einnahmen im Ruhrgebiet Berwendung finden, während der Rest des ersten Zwölftels der ersten Jahreszahlung fofort nach Annahme des Gutachtens von Deutschland aufgebracht werden foll. Bekanntlich find die franzöfifch- belgischen Einnahmen aus dem Ruhrgebiet in eine besondere Kaffe geflossen. Diese Bereinbarungen, denen die deutschen Vertreter erst nach langem 3ögern ihre Zustimmung gaben, flehen an fich in feinem Zusammenhang mit den deutschen Verpflichtungen aus dem Gutachten. Sie liegen trotzdem in Deutschlands Intereffe, da Deutschland durch ihre Berwirklichung zu feinen Gunsten auch die Jolleinnahmen rettet, indem der zur Verfügung gestellte Betrag des ersten Zwölftels der Jahreszahlung für Deutschland verrechnet wird, sobald die Anleihe untergebracht ist. Praktisch erfolgt also die Finanzierung der Uebergangszeit ge. meinsam durch Deutschland und die Alliierten. Als Kontrollinstanz zur Durchführung der Bereinbarungen find Ausschüsse mit Sitz in Koblenz und Trier vorgesehen, von denen es bisher in den alliierten Beschlüffen hieß, daß sie nur bestimmte Fragen prüfen sollten. Diese unverbindliche Formel wurde auf Antrag der deutschen Unterhändler dahin geändert, daß im Falle, wo teine Einigung zustande kommt, ein Schiedsgericht eingefeht wird. Besonders schwierig waren die Beratungen über die Wiederherftellung der deutschen Berwaltung des Santtions den rheinischen Garantiepakt zu erneuern, den die deutsche Regierung seinerzeit vorgeschlagen habe, um ihn in den Rahmen des Böllerbundes einzuordnen. Im Augenblid aber tönnte man weder mit England noch überhaupt mit irgend wem über die Sicherheitsfrage zweckentsprechend verhandeln, was erfordere, daß, wie General Nollet vorschlage, die Verhandlungen über die militärische Räumung des Ruhrgebietes unter Einbeziehung der Sicherheitsfrage abgewidelt würden. Rechtlich sei das aber ein unding, da man das Ruhrgebiet auf die Feststellung einer Berfehlung in der Reparationsfrage und nicht wegen militärischer oder politischer Absichten besetzt habe. Verhandlungen erforderten aber einen tonkreten Gegenstand, und man werde doch wohl nicht anzunehmen brauchen, daß ein General fich den Reparationen und interalliierten Schulden gegenüber desinteressiere. Deshalb müßte über die Sicherheit später verhandelf werden, wenn Frankreich den Plan fertiggestellt habe, den es in Genf unterbreiten fönnte. Für den Augenblick werde sich der Ministerrat aber auf den Standpunkt stellen, daß Herriot wirklich schon Schwierigkeiten genug auf den Hals habe. Reine Unstimmigkeit zwischen Herriot und Nollet. Paris, 9. Auguft.( Eigener Drahtbericht. Die am Freitag in hiesigen politischen Streisen verbreiteten Gerüchte über Unstimmig feien zwischen Herriot und dem Kriegsminister Nollet werden sowohl von den zuständigen Stellen in Paris wie auch von Herriot selbst in einem an den Ministerrat gerichteten Telegramm dementiert, in dem alle Informationen diefer Art als falsch und erfunden beBeichnet werden. Die Schuldenfrage./ Amerika noch immer ablehnend. London, 9. August.( WTB.)„ Daily Telegraph" zufolge befaßten fich die„ Großen Sieben" gestern u. a. mit der Frage der inter alliierten Schulden. Es sei vorgeschlagen worden, daß eine Konferenz über die Schuldenfrage nach vorheriger Prüfung derselben durch die alliierten Finanzfachverständigen bald abgehalten werden folle. Der amerikanische Botschafter Re 11 og habe jeboch auf Anweisung von Washington hin flargemacht, daß Amerika an teiner derartigen Konferenz teilnehmen werde, „ Nur Wenn vor kurzem noch die Parole bei den Gewerkschaften lautete:" Nur teine Politik!", so ist jetzt fast das Gegenteil Bolitit! Es gilt, alles rechtzeitig zu den Novemberwahlen der Fall. Jekt heißt es: vor allem Politit, mehr vorzubereiten, und die organisatorische und agitatorische Arbeit muß schon in der allernächsten Zeit beginnen. nur dieses Interesse für die Politik charakteristisch, sondern Für die lebendige Kraft der neuen Bewegung ist nicht auch die Rolle, die die Sozialisten in der Bewegung in der Sozialisten nicht vertreten sind. Neben M. Hill quit, spielen. Es gibt keine attive Institution in der Bewegung, Aleganerkahan, Algernoon Lee, Bertha Hale White( Generalsekretärin der sozialistischen Partei) find zahlreiche Parteigenossen in den zentralen und lokalen Ausschüssen tätig. Und nie waren die Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und der sozialistischen Partei so start wie jetzt von fameradschaftlichem Geift erfüllt. In den Reihen der Arbeiterbevölkerung findet die neue Bewegung starten Antlang. In dem Augenblick, wo diese Reilen geschrieben werden, hat die American Federation of Labor"( Amerikanischer Arbeiterbund) ihre Stellungnahme zu dieser Bewegung noch nicht bekanntgegeben. Es ist aber nicht zu zweifeln, daß auch diese Arbeiterorganisation, die zirka 3 Millionen Mitglieder zählt, sich der neuen Bewegung anschließen wird.( Inzwischen hat der Arbeiterbund" auf seiner Jahresversammlung in Atlantic City fich für die Unterstützung der neuen Bewegung ausgesprochen. D. Red.) Das Verhalten der bürgerlichen Bresse veranschaulicht_am besten die Fortschritte, die die neue Bewegung macht. Noch Anfang Juli schenkten die tapitalistischen Zeitungen der fo genannten La- Follette- Bewegung" nicht die geringste Beachtung. Ende Juli hat sich das Bild radikal geändert. Die bürgerliche Presse ist von der„ La- Follette- Bewegung" voll; zwei, dreimal täglich findet man dort ausführliche Berichte über die Fortschritte und die Aussichten der Bewegung. Im Gebäude der International Machinist- Association" ist der Rorridor im fiebenten Stod von Korrespondenten der größten tapitalistischen Zeitungen überfüllt. Diese Herren, die noch Dor einem Monat von der Arbeiterbewegung nichts wissen wollten, stehen jetzt stundenlang im Korridor, um Neuig feiten" über Ronferenzen oder Beratungen des Nationalfomitees aufzuschnappen. = Ende Juli wurden auch die Führer der republikanischen Partei nervös. Sie hielten eine Konferenz ab, um ihrem Ran didaten dem jeßigen Präsidenten Coolidge flarzu mochen, wie gefährlich die fortschrittliche Lifte" mit La Follette als Präsidenten und Wheeler als Bizepräsidenten für ihn sei. Auch die Führer der demokratischen Partei schenken dem neuen Rivalen ihre liebenswürdige Aufmerkjamfeit. se Charakteristisch ist die Stellungnahme der Kommunisten. Nachdem sie sich erfolglos bemüht hatten, den Senator La- Follette für ihre Kandidatenliste zu gewinnen, beschimpfen sie jetzt die sozialdemokratische Partei megen ihrer Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und beschuldigen sie des„ Berrats an der Arbeiterklasse", weil sie sich selbst ihrer Selbständigkeit beraubt" habe. Der Stahlhelm fliegt auf. Der wankende Schutz des Besites. Eine der wertvollsten Wirkungen der Gründung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold ist es auch, daß unter seiner Werbekraft der nach außen hin neutrale, in Wirklichkeit rein monarchistischreaktionäre Stahlhelm überall ins Banten gerät. In der Angst um das Schicksal ihrer Organisation verplappern fich die Führer dieser reaktionären Gesellschaft. Der bekannte günstige Wind wehte ber Redaktion der Nordhäuser Boltszeitung" einen Bettelbrief des Herrn n. d. Hardt, Oberst und Gauleiter", auf den Tisch. In diefes Schreiben von Mitte Juli heißt es: Wenn der Stahlhelm- Gau Nordhausen nicht in ganz anderer Weise wie bisher von der Industrie und Landwirtschaft unterstützt wird und somit mit ganz ficheren monatlichen Einnahmen rechnen fann, so muß er fein in petuntärer Hinsicht geradezu bettel. haft fümmerliges Dasein aufgeben... Wenn die befizenden Kreise sich nicht entschließen, ebenso opferwillig zu werden wie die Juden, die Kommunisten und neuerbings der republikanische Holzheim( Schwarz Rot Gold), dem ungezählte Mittel zur Verfügung stehen, dann werden sie die Folgen zu tragen haben, „ Stahlhelm" und feine Leute Opfer bringen und ohne Bettelbriefe an die industriellen und befizenden Kreife auskommen. Die Republik fann sich auf die Massen des Bolles stützen und da ist sie fest verantert Der völkische Riß. München, 9. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Krise im nöllischen Lager Bayerns hat nun eine endgültige Wendung genommen. Die Landtagsfraktion des völkischen Blocks hatte vor einigen Tagen die beiden radikalen Abgeordneten Streicher und Wiesenbacher aufgefordert, sich wieder an ihren Arbeiten zu beteiligen, andernfalls sie sich selbst aus der Fraktion ausschlössen. Auf dieses Schreiben gaben aber beide feine Antwort, so daß die Barlamentsfraktion der Völkischen endgültig gespalten ist. Die am Freitag abgehaltene Landesversammlung des völkischen Blods nahm von dieser Sachlage mit Zustimmung Kenntnis. Die abgetrennten radikalen Gruppen hielten gleichzeitig am Freitag abend im Bürgerbräufeller eine Versammlung der Großdeutsch.n Wolfsgemeinschaft" ab, in der Effer mitteilte, daß er am Freitag Volksgemeinschaft" ab, in der Effer mitteilte, daß er am Freitag Dormittag Besuche bei Hitler in Landsberg und bei Ludendorff auf der Ludwigshöhe gemacht habe. Beide billigten die Haltung der völkischen Parlamentsführer feineswegs. Wie es scheint, haben sie sich aber auch nicht für die Gruppe Streicher- Esser entschieden, da sie lediglich schen Boltsgemeinschaft" verfolgen. " nism Die Retter Europas.1130 si fällt hier in Nordhausen keinem einzigen Herrn ein, das forgen, erklären ließen, daß sie mit Anteilnahme die Arbeit der„ Großdeut Ein Portrait Primo de Riveras. Die spanischen Blätter veröffentlichen jezt eine Brief, ben der berühmte spanische Gelehrte Miguel de Unamuno, der von Brimo de Rivera eine Zeitlang gefangen gehalten wurde, furz vor seiner Befreiung geschrieben hat. Der Brief, der ein schonungsloses Bild des spanischen Diktators und feiner Clique entwirft, lautet in seiner Hauptsache: Puerto Cabras de Fuerteventura! od gro Sie haben mich in diese fenne, wasserlose Insel deportiert, ohne mir die Ursache dieser Maßregel mitzuteilen, ohne Untersuchung, noch Möglichkeit eines Schiedsspruchs, weil ich der unversöhnlichste Gegner dieser Diftatur bin, deren Herrschaft Spanien auf den Hund bringt. Ich wünschte, daß die Verantwortung für diese Berbannung dem Direktorium überlassen merde, und besonders seinem Präfiden. ten, der sie aus einem niedrigen persönlichen Rache bedürfnis in einem feiner Anfälle von Delirium tremens ange s pronet hat. Da ich mein Kinder arbeiten gelehrt habe, werden drei von ihnen ohne meine Hilfe für die Bedürfnisse der ganzen Familie auf fommen. Das hatte diefer Primo de Rivera nicht vorausgesehen, der, nachdem er das Vermögen seines Kindes und die Mitgift feiner Frau im Spiel verloren hatte, um sich wieder flottzumachen, die Macht erfletterte, wobei ihm die Feigheit des Königs und der Armee zugute fam. Wie könnte man fich mit einem Manne verständigen, dessen Erziehung sich in Kneipen, in Spielhöllen und Bordellen vollzogen hat, der vor kurzem Jeinen Einfluß geltend machte, damit eine öffentliche Dirne, die Gift perfauft hatte, nicht verfolgt werde! Ich werde ohne Zweifel nicht von hier fortkommen, bevor unser ermes Spanien selbst befreit ist von dieser Clique von Spielern, Büftlingen, Trunten bolden und Raubgefinder, die es entahren. Welche Entweihung, wenn diese von Patriotismus Sprechen! Aber was schlimmer ist als fein Egoismus und seine Bernerfität, das ist seine Dummheit. Diefer arme Diftator ist 1 a ste r'Baft und unmoralisch wie ein Bieh, das er ist. Seine geistige Armut erlaubt ihm nicht, zu unterscheiden, mas würdig und was unwürdig ist. Doch das wird bald ein Ende haben, und es wird dazu gebient haben, viele Menschen in ihrer Nadtheit fennenzulernen. Das hier gezeichnete Bild des spanischen Dittators ift charakteristisch für die Wefensart jener starten Männer", die fich anmaßen, die Herrschaft über die Völker Europas ausüben zu fönnen. Sie sind sich im großen und ganzen alle gleich mögen sie in Madrid oder Rom, in München oder Budapest mit großem Maul und starker Faust die Reaktion verewigen wollen. Barbusse in Deutschland. dann kann der Gau Nordhausen seinen Laden zumachen und damit fliegt der ganze Gau in die Luft! Denn es arbeits- und verantwortungsvolle Ami zu übernehmen. Wir wissen fehr wohl, daß es der Industrie und Landwirtschaft nicht gebracht. knapp geht, aber Opfer, d. h. Abgaben, die nur dadurch zu erschwingen Thüringer Zickzackkurs. find, daß man sich etwas abfnapft und versagt, haben beide noch Wenn die immer noch besser fituierten Kreise weiter so gleichgültig bleiben wie bisher, und zwar gegen ihr ureigenstes Intereffe, so dürfen sie sich nicht wundern, menn eines Tages die Bogen des Kommunismus über ihnen zusammenschlagen und dann ist es aus mit allem, was sie haben Sollte unsere Bitte feinen Erfolg haben, so müßten wir zu unserem größten Bedauern unser Amt niederlegen und dann fliegt der Stahlhelm auf!" Man muß es dem Herrn„ Oberst und Gauleiter" laffen: er ist fehr offenherzig. Er weiß, wozu fein Stahlhelm da ist, zum Schuhe von Industrie und auchs( sERNDIGADER Schutze von 3ndustrie und Landwirtschaft. Die große Maffe der Stahlhelmleute denkt natürlich gar nicht daran, diese ihnen zugedachte Funktion zu erfüllen. Daraus erklärt sich auch die Tatfache, daß dem republikanischen Reichsbanner in zahllofen Drien ganze Gruppen des Stahlhelms zuftrömen. Die große Maffe des Boltes ift republikanisch gesinnt und will von diesen schwerindustriellen großagrarischen Machenschaften nichts wiffen. Das Reichsbanner in Oldenburg- Oftfriesland. Wie tiefe Wurzeln der republifanische Gebante in der Bevölke rung gefaßt hat, geht aus einer Zuschrift hervor, die wir aus Diben burg- Ostfriesland erhalten. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß unsere Angaben über das Anwachsen des Reichsbanners weit hinter der Wirklichkeit zurückbleiben. Richtig ist vielmehr, daß neben Di denburg mit 400 Mit gliedern Wilhelmshaven- Rüstringen über 1000 Mitglieder mustern fann, zu denen noch die kleineren Bororte mit rund 600 Mitgliedern fommen. Daneben sind zu nennen Brate mit 400, Nordenham mit 250, Delmenhorst mit 400, Emden mit 400, Norden mit 200 Nordernen mit 200 Mitgliedern. Aber auch auf dem platten Lande schreitet die Bewegung in der prachtvollsten Weise fort. Selbft fleine Orte wie Berne, Els fleth, Jever und Dornum, die als Hochburgen der Deutsch völkischen und des Stahlhelms gelten, mustern nach nur wenigen Bochen Berbearbeit Kameradschaften von je 100 Mitgliedern. Dabei ift als besonders charakteristisch zu beachten, daß 40-50 Pro3. der Aufgenommenen Leute sind, die sich auf den Aufnahmefcheinen als polifish feiner Partei angehörig bezeichnen. Das beweist, wie werbefähig der republitanische Gedante an fich auf weite Teile der Bolfsgenoffen wirft." Auch diese Angaben zeigen wieber, daß es die höchste Beit gewesen ist, daß die republikanischen Kreife barangingen, fich zu eigenem Schutze zusammenzuschließen. Sie werden anbers als ber Dieses große Manifest von Barbusse ist eher ein dichterisches als ein nationalökonomisches und für Parteizwede zu mißbrauchendes Dofu oment. Es ſpricht eher das große Herz als der fühle Kopf. Wenn in Von Haus Bauer, sch diesem Manifest davon gesprochen wird, daß die arme unterdrüdte 190 Ginmal, vor acht Jahren etwa, da lagen deutsche Bürger: aus Menschentlaffe fich wehren müsse gegen die Elemente, die sein Glück Berlin, München, Leipzig, Köln und auch aus Greifswald in ver. einschnüren und beschädigen wollen, so ist dort gewiß nicht gemeint, Tauften Schüßengräben und waren schon gar nicht mehr Bürger, man müsse zum Gummifnüppel wie zur Hitlerpistole oder zur Hand fondern verbredte Gelegenheitsarbeiter der internationalen Mord granate feine Zuflucht nehmen. Die Gedanken, die Barbusse denkt, industrie. Mit Dörrgemüse im Leib mußten fie fchießen, um erbleiben dann vom Blute unbefleckt, wenn er den Kampf predigt. schoffen werden zu können. Sie wurden schifaniert und verwundet, und immer hing der Tod um fie. Damals gab es einen, ber das Leid dieser deutschen Bürger mitfühlie und der das fagte. Er saß aber zufällig nicht im Hinterland. Dort faßen in der Mehrzahl nur jene, die Gedichte auf und Geschäfte mit dem Sterben ihrer Lands. feute machten. Er faß geradeaus, über die Schüßengräben weg, im Feindesland und hieß Borbusse. Dieser Barbusse hatte ein großes Herz, in dem die Not aller schwang, ein Herz, das nicht von Grenzpfähle eingeschnürt war, ein Herz, bas fogar für die unbekannten Einwohner von Greifs malb litt. Das haben diese dem französischen Dichter vor einigen Tagen daburch gedankt, daß sie ein Versammlungslotal stürmten, in dem er sprechen follte, und daß sie veranlaßten, daß er umgehend abgeschoben wurde. Denn er sei ein Franzose. So etwas hat mit Nationalismus nichts mehr zu tun. Da find mir schon mitten im Stumpffinn. Jm vorigen Jahre tam unter stürmischem Beifall in einer Münchener Hafenfreuzferversammlung ein Engländer zu Worte, der sich chener Hakenkreuzterversammlung ein Engländer zu Worte, der sich zum faschistischen Gedanken bekannte und, von Heil- Rufen bombardiert, fich für den Faschismus in England einzusetzen beschwor. Es ist demnach so, daß die Nationalisten fo international benken, im ausländischen Nationalisten den Gesinnungsbruder zu achten, aber im Internationalen, der für ihr eigenes Land fühlt, den Gegner zu verabscheuen. Nationalismus ist nicht nur ein brediges Geschäft, er ist auch ein tonfuses. Aber das ist ja wohl in Rauf zu nehmen, folange er überhaupt eines ift. Zu dem Auftreten Barbusses in Berlin, das der nationalen Hehpresse Anlaß zu entstellten Berichten gegeben hat, schreibt uns Mar Hochdorf, der mehrere Bücher von Barbusse verdeutscht hat: Gewiß, er war in den Saal am Friedrichshain gezogen, um zu seinen Parteifreunden, den Kommunisten, zu reden. Aber das, was er rebete, wurde geadelt durch die Persönlichkeit, die fich offenbarte. Man weiß, daß Barbusse in seinem Roman von der„ Klarheit", den auch der Borwärts" brudte, ein verführendes Programm veröffentlicht hat, das jenes Glück zeichnete, das die Welt erlangen würde, wenn fie erst die polisischen und sozialen Zwiftigkeiten überwunden hätte. Die Zeitungen, die Entgegengesettes melden, sagen die Unwahr heit. Es ist eine willkürliche und lügnerische Auslegung der Gedanken von Barbusse, wenn man ihn eine andere als eine rein ideelle Haltung unterschiebt und wenn man behauptet, daß er in die Fußtapfen eines ordinären Aufwieglers getreten fei. Man tut einem der größten Idealisten der letzten Jahre und einem Schriftsteller von internationaler Bedeutung schweres Unrecht, wenn man seine Worte derartig zu Barteizweden mißbraucht, mag dieser Mißbrauch nun von Rom munisten oder von reaktionären Nationalisten geschehen. Ein klafficher Geograph. " | Bei der thüringischen Regierung- fcheint alles drunter und drüber zu gehen. Sie hat zwei Tage vor der Verfassungsfeier das Weden und ben Fadelzug verboten. Dieselbe Regierung hat aber noch vor kurzem auf die Einladung des Reichsbanners zur Berfassungsfeier geantwortet: es Für die geschätzte Einladung zur Reichsverfassungsfeier des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold am 10. August d. 3. spreche ich zugleich im Namen der Landesregierung meinen verbindlichen Dant aus. Da der unterzeichnete, Staatsminister wie auch die beiden anderen Heren Staatsminister in der Zeit, zu der die Feier stattfindet, beurlaubt und in Weimar nicht anwesend sind, vermag die Landesregierug zu ihrem Bedauern der Einladung nicht Folge zu leisten. Die Bandesregierung wird aber einen Bertreter entfenden. gez. Leutheußer, Staatsminister." Wieviel Drud hinter den Kulissen ist notwendig gewesen, um Herrn Leutheußer flarzumachen, daß er als Filiale der Deutschpöitifchen eine Verfassungsfeier in Weimar möglichst zu fchibanieren habe. Nationalunken an der Arbeit. Halle, 9. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Dicht vor der Bahn hofspolizeiwache sind in der vergangenen Nacht die dort zur Begrüßung der Teilnehmer an der Berfaffungsfeier des Reich 5banners Schwarz- Rot- Gold aufgerichteten Fahnen masten durch Bubenhand umgelegt und die Flaggen in den Farben der Republik zerrissen worden. Die Polizei hat diese vor ihrem Wachtlokal vorgekommene Untat gar nicht bemerkt.(!) iblz Ein Denkmal für Ludwig Frank. Mannheim, 9. Auguft.( WTB.) Die hiesige Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold veranstaltet am 26. und 27. Auguft einen großen republitanischen Tag für Südwest beutschland, verbunden mit der Enthüllung eines Denkmals für ben im Krieg gefallenen Ludwig Frant. Delegationen aus allen Teilen des Reiches einschließlich der abgetretenen Gebiete und Deutschösterreichs werden an der Veranstaltung teilnehmen. Ein Plah der Republir" in Cudwigshafen. In der geheimen Stadtratsfizung vom 29. Juli wurde mit Stimmenmehrheit be fchloffent, ben Raiferpla" nunmehr in den Blah der Republik" umzubenennen. In Berlin geht das bekanntlich nicht! " begründung der politischen Geographie, die er in feiner Anthros pogeographie" einleitete, in der ungeheuren Stoffülle feiner ölkerfunde" ausbaute und in seiner Politischen Geographie" frönte. Die Staaten wurden hier nach ihren Raumverhältnissent frönte. und ihrer Lage auf der Erdoberfläche betrachtet. Den ganzen Uni persalismus seines Schaffens hat Lamprecht schön bezeichnet, wenn er fagt: In einer Zeit, da die Geographie den Naturwissenschaften zu verfallen drohte, hat er mit Erfolg ihre geisteswissenschaftliche Seite betont. Sein Jdeal wäre es wohi gewesen, dem Gedanken. gehalt des Humboldtschen Kosmos" und der Herderschen„ Ideen" in einec höheren Einheit zusammenzufassen, wie diese durch ein System neuer Grundbegriffe von Raum, Zeit und Leben hergestellt werden mochte. Dieser starke Lebensgehalt aber, der weit über das bem einzelnen Menschenleben Mögliche hinauszuführen scheint, gab Rakel zugleich eine entscheidende Bedeutung für das Ganze der nationalen Kultur und sichert ihm diese Bedeutung auch für eine ge wiß nicht zu kurz bemessene Zukunft." „ Der Werwolf". Ais Rudolf Lothar fich vor Jahren aus einem Ungarnbärtigen in einen Spanier verwandelte um der Meute der Kritiker die Spur zu verlegen, hatte er mit seinem papricierten erotischen Drama Der Werwolf" beinahe Gnade vor ihren Augen gefunden. Ja, in Spanien...( die Spanier werden sich schönstens dafür bedanken). Nun läßt er die Masten( war er nicht auch in zwischen zum Rumänier avancieri?) fallen, und das„ Theater am Kurfürstendamm" bringt die Rontrebande unter seiner Flagge. Um die Eindeutigkeiten des Amüsierſtüdes gangbar zu machen, wird noch eine andere Markierung vorgenommen; ein Offul tist muß den Raften stürzen, die gewünschte erotische Atmosphäre herstellen. Ida ift ist die richtige Diva für diefes Rima, fie gibt diesen Grobsinnlichteiten menigftens einen gewiffen Chorme. Greff Scherf, die sich ihren Schah vor den Nachstellungen ihrer Tante rettet, ersetzt alles andere durch ihre Resolutheit. Das reizende Rammerfäßchen der Steffen Bernhard und der fede Staatsanwalt des Dh Tollen wären zu erwähnen. Am 9. August find zwei Jahrzehnte dahingegangen, feit der große Meister ber geographischen Darstellung, der Begründer der politischen Geographie, Friedrich Rahel, bahinfchied, und noch im August tönnten wir feinen 80. Geburtstag feiern, wenn er noch am Leben wäre. Anlaß genug, um an diefen bedeutenden Gelehrten zu erinnern, der den Geisteswissenschaften neue Wege wies und zugleich ein Meister der deutschen Prosa war. Nicht nur Rakels wissenschaftliche Werte sind fühne Grundlegungen neuer Erkenntnisse, auf denen die Geographie weiterbaut, sondern er hat uns auch in seinen Naturschilderungen und Lebenserinnerungen, von benen er viele in dem Bande Glüd sinseln und Träume" fammelte, flaffische Werke der Literatur gefchenft. In seinen Erin nerungen erzählt er von seinem frühen Leben im Rarlsruher Barf, von seiner angeborenen Freude an der Natur, die ihn schon ais Schüler zum Erforschen drängte. Zunächst glaubte er, als Apothefer hinter die Geheimnisse der Schöpfung zu fommen, widmete fch aber dann dem Studium der Naturwissenschaften und vertiefte sich in die dichterische Erfassung der Natur, non der er später in seinem fchönen Wert über Naturschilderung" so reiche Kunde gegeben. Es drängte ihn in die Welt hinaus, und als er auf seiner ersten Studienreise nach Südfrankreich mit dem Geld knapp wurde, da fchrieb er seine Reiseerlebnisse nieder und fandte sie an die Stölulrainischer Bauern und Arbeiter errichtet worden. nische Zeitung", die den genialen Berichterstatter dann auf große Reifen, befonders nach Amerifa, schickte. Unterbrochen wurden diese Weltfahren durch die Teilnahme am Kriege gegen Frankreich. Nach furzer Lehrtätigkeit in München wurde Razel 1886 Universitäts. profeffor in Leipzig und gehörte bis zu feiiem Lebensende zu den Zierden dieser Hochschule. Der auffallend' chöne Mann zeigte schon in seinem ganzen Wesen die Weite des Blid's und die Harmonie der Gestaltung, die seine Werke auszeichnet. Seine große Bedeutung lag in der Neu" 13 Uraniavorträge. Im Theater: vom 10.- 15. 8. tägl. 5, 7, 9 Uhr, am 16., 17. 8. 5 und 7 Uhr: Der Berg des Sidsals". Am 16. und 17. 8. 5, 7, 9 Uhr: Nagapate, der Menschenfreffer". 3m Hörsaal: vom 10.- 15. August täglich 6, Uhr: Das erben Uraufführung von Kind und Welt". des Menschen". Bom 10.- 15. tägl. 8 Uhr, 16. und 17. August 9 Uhr: Der utrainische Nationaldichter Taras. Schewischento hat jest in der Hauptstadt feines Heimatlandes, in Kiew, ein Denkmal erhalten, befferr feierliche Enthüllung vor kurzem stattfand. Das Denimal ist auf Kosten Eine internationale Malariatonferenz. Seit Monaten herrscht in der Ukraine eine ausgedehnte Malariaepidemie. Die Zahl der Stranken foll von 6000 im Januar auf 320 000 im Mai angewachsen sein. Wie die Deutsche Medizinische Wochenschrift mitteilt, hat nun zur Belämpjung der Seuche, die auch in anderen Gebieten Rußlands herrscht, eine inter natinnale Sonferenz in Mostau stattgefunden. Die Konferenz, die von dem ruffischen Gesundheitskommissariat einberufen wurde, tagte unter dem Borsit des Hamburger Epidemologen Prof. Nocht. Eine Kommission hat fich daraufhin nach der Ukraine, dem Dongebiet, Stautafus und Bolgagebiet begeben, um die Malariaherde an Dri und Stelle zu besichtigen. Der Untergang einer Streitschrift. Oswald Spengler und die Wahrheit. Bor furzem murde Oswald Spengler, der Verfasser des Untergangs des Abendlandes" des Gebrauchs unsauberer und unwahrhaftiger Waffen im politischen Kampfe überführt. Der Sach verhalt war einfach genug: Spengler hatte in seiner Streitschrift Neubau des Deutschen Reichs" gegen die Führer der republifani schen Parteien eine Anzahl angeblicher Tatsachen behauptet, die aus dem tiefften Schlamm der völlischen Hehpresse geschöpft scheinen. Genosse Erich Kuttner hatte nun eine Anzahl besonders fraffer, aber allgemein gehaltener Behauptungen herausgegriffen und Os wald Spengler brieflich aufgefordert, die näheren Daten für ſeine Angaben zweds wissenschaftlicher Nachprüfung mitzuteilen. Es handelte sich dabei u. a. um folgende Dinge, die Spengler in pofitiver Form behauptet, ja fogar als typisch für den heutigen Barla mentarismus bezeichnet hat: In Weimar hätten sich am Abend der Unterzeichnung von Versailles die Hauptführer der Koalition finn los betrunken. Mit großen Aemtern ausgestattete Führer der So zialdemokratie hätten sich in einer Schiebervilla betrunken und mit Nadttänzerinnen amüsiert, während draußen Arbeiterbeputationen vergeblich warten mußten. Sozialdemokratische Führer hätten Landsize bekommen, bürgerlich- republikanische bürgerlich- republikanische Parlamentarier hätten für materielle Vorteile ihre Ueberzeugung verkauft. Ein Gewerkschaftsbeamter hätte eines der höchsten Verwaltungsämter in Breußen bekommen mit der Begründung, daß er der letzte feiner Alterstlaffe fei, der noch kein Amt erhalten habe usw. usw. noffe Rutiner bat in feinem Schreiben um nichts weiter als um Angabe der betreffenden Namen und Daten. GeAuf diese Anfrage hat Oswald Spengler gefuiffen. In seinem Antwortschreiben lehnt er die Beantwortung der gestellten Fragen ab. Er erklärte jetzt, daß er es in seinen Schriften nur auf Systeme abgesehen habe, nicht auf mehr oder weniger belang Lose Personen". Die Sorge um die Zuverlässigkeit seines Materials möge man ihm nur überlassen. Aus dieser nichtsfagenden Antwort hat Genosse Kuttner mit Recht den Schluß gezogen, daß Spengler nicht imftande ist, die von ihm behaupteten Dinge zu beweisen und daß es sich um hand. greifliche Lügen handelt. Nun ist Herrn Oswald Spengler in den Dresdener Neuesten Nachrichten" ein Ritter entstanden, der auf den Namen Theodor Schulze hört. Herr Schulze möchte die unangenehme Bloßstellung feines Helden Spengler dadurch verdeden, daß er die Sache ins schaftliche Bedeutung muß ihm als Decmantel für politische Schmuße Lächerliche zu ziehen sucht. Oder vielmehr: Herrn Spenglers wissen. reien dienen. Herr Schulze scheint der Ansicht zu sein, daß wiffenschaftlicher Ruhm im politischen Leben nicht zu doppelber und dreifacher Wahrhaftigkeit verpflichte, sondern umgekehrt. Wir find an derer Ansicht: Wenn ein Mann, der einen wissenschaftlichen Namen zu vertreten hat, in die politische Arena steigt, um nicht mit den Baffen politisch ernsthafter Männer, fondern politischer Gaffenjungen zu fechten, dann befleckt er nicht nur sich selber, sondern die von ihm vertretene Wissenschaft dazu. Mildernd wollen wir Herrn Spengler dabei zurechnen, daß Profefforen vom Schlage LenardsHeidelberg, Roethe- Berlin usw. ihm mit üblem Beispiel vorangegangen find. Bei der ganzen Angelegenheit handelt es sich nicht um die Frage, tuf die Herr Schulze den Fall Spengler hinausspielen möchte, nämlich ob der Verfaffer des Untergang des Abendlandes" zu den großen Wahrheitstündern oder zu den großen Irrenden zu zählen ist, sondern es dreht sich um den ganz eindeutigen und flaren Sach verhalt, ob der Verfasser des„ Neubau des Deutschen Reiches" die Wahrheit gefagt oder gelogen hat. Und in diesem entscheidenden Bunft muß trotz allen Wortschwalls auch die Berteidigung des Herrn Theador Schulze die Segel streichen, denn Herr Schulze bekennt Bleinlaut: grupmodel Für Groß- Berlin. ndadas Gegen Gegen bürgerliche Rückwärtserei und Kirchtumspolitik. Die Schaffung der Einheitsgemeinde Groß- Berlin ist von der Sozialdemokratie als ein großer tommunalpolitischer Fort schritt bereits lange vor dem Kriege erstrebt worden. Der 3wed. verband Groß- Berlin war ein erster Schritt zu dem Ziel, die Biermillionenstadt zu einer großen einheitlichen und wirklich leistungs. fähigen Kommunalverwaltung zusammenzuschließen. Der Zusammenschluß sollte durch die Steigerung der finanziellen Kräfte, durch die Ueberwindung der kommunalen Zersplitterung und die Bereinfachung des Instanzenzuges namentlich der arbeitenden Bevölke rung foziale und kulturelle Borteile bieten. Die Jahre der Inflation haben die offenfundigen Borteile in den Hintergrund treten lassen und es ist ein Beweis für die Richtigkeit des von der Sozialdemokratie stets verfochtenen kommunalpolitischen Programms der Einheitsgemeinde, daß sie sich trotz Inflation, troz aller Nöte der Zeit durchgesetzt hat und heute im wesentlichen unerschüttert ist. Das Bürgertum, das mit dem Kirchturmsgedanken der Rüdgängigmachung des Gesetzes jahrelang agitiert hat, muß jetzt fehen, wie in feinen eigenen Kreifen in ben Bororten Groß- Berlins man sich überall von diesem Programm der Rückwärtferei abwendet. So wird uns aus Köpenid geschrieben: don Als im Jahre 1921 der Ruf„ Los von Berlin" zuerst im westlichen Zehlendorf( Wannsee) ertönte, griff diese Bewegung auch auf Köpenid über. Die alten bürgerlichen Spießer einschließlich der sogenannten Demofraten und Wirtschaftsparteiler, die bisher ihre Gemeinden verwalteten( man frage nur nicht wie!) und sich in ihrer Macht fonnten, fonnten die Aufgabe ihrer Selbstherrlichkeit so leicht nicht vergessen. Und so fanden die demagogischen Rufe der Rechtsparteien gegen die Mi Bwirtschaft" des sozialistischen Magistrats ein geneigtes Ohr in der Bevölkerung. Auch hier im Bezirk schallte der Ruf: Los von Berlin". " Bei den Bezirksverordnetenwahlen am 16. Oftober 1921 ent. fielen von insgesamt 27 289 abgegebenen gültigen Stimmen 4737, 17,3 Bros., auf die Liste des Blods Los von Berlin". Die fünf gewählten deutschen Reden humpelten mit dem Schlachtruf in die Bezirksverfammlung: Nieder mit der fostspieligen Berwaltung von Groß- Berlin! Weg mit der widerlichen Steuerbelastung! Los von der eingerissenen Krippenwirtschaft! haltung von Straßen anbetrifft, eine geradezu fträfliche Bernachlässigung hat eintreten laffen, so daß die schlechtestan Straßen von Berlin im hiesigen Bezirk zu finden sind. Dat der Magistrat für den Neubau eines Cyzeums in Friedrichshagen die Summe von 850 000 m. bewilligt hat, darf ebenso wie der bes absichtigte Bau einer Brüde über die Spree in Friedrichshagen nicht ohne Bedeutung bleiben. In Vorbereitung iſt außerdem der Bau einer befestigten Straße auf der ander fangs merder in einer Länge von 3 Kilometer, die einen äußersten Spize gelegenen Halbinsel RauKostenaufwand von mehreren 100 000 m. erfordert. Wenn nun noch berücksichtigt wird, daß die Ortsteile Köpenid- Nord, Rahnsdorf, Heffenwinkel, Wilhelmshagen, Bohnsdorf und Rauchfangswerder durch die Legung von Erdlabeln mit elektrischem Licht versehen werden, daß überall für erhöhten Feuerschuh gesorgt wird usw., fo find es Aufwendungen, die nur von gewissenlosen Agitatoren als ein Garnichts hingestellt werden können. Diese umfangreichen und fost fpieligen Arbeiten werden daher von den Rufern„ Los- von- Berlin" mit fehr gemischten Gefühlen betrachtet; erschweren fie doch ihre Agitationstätigteit aufs äußerste. Es hat sich ja auch gezeigt, daß die Einsicht bei der Bürgerschaft beginnt. Davon zeugen die Eingaben, die in letzter Zeit von bürgerlicher Seite aus Schmödwig, Bohnsdorf an den 16. Ausschuß des Landtages er gangen find. An Stadtverordnetenversammlung und Magistrat ergeht jedoch die dringende Mahnung, den entfernt liegenden Außenbezirten erhöhte Aufmertfamteit zuzuwenden und die sehr oft kleinen Boden endgültig entzogen wird. Die Zukunft wird beweisen, daß Wünsche dieser Bezirke rasch zu erfüllen, damit der wüsten Heße der eine gefunde Zentralisation, verbunden mit einer gefunden Ber bringt, und dieser Erkenntnis werden sich auch die Einwohner des waltungs- Dezentralisation der Bevölkerung die größten Vorteile Röpenider Bezirts auf die Dauer nicht verschließen fönnen. Soweit die Köpenicker Zufchrift. Wir möchten diesen Bemerkun gen noch hinzufügen, daß nach unserer Kenntnis die Stadt Berlin im Begriff steht, die Schmod wiger Uferbahn für sich zu erwerben. Schon jetzt steht als sicher eine baldige bedeutende Ermäßigung des Tarifs dieser Bahn bevor. Ihr Erwerb durch die Stadt wird selbstverständlich bedeuten, daß ihre Gleise an das städtische Straßenbahnnеß angeschlossen merden und daß in absehbarer Zeit der Verkehr auch tarifmäßig in den Berliner Berkehr einbezogen wird. Heute festet die Fahrt für die Anwohner von Grünau nach Schmöckwitz 35 Pfennig. Diefe Bahl besagt genug. Es ift flar, welch ungeheure wirtschaftlichen Borteile das Eingreifen Berlins den Bewohnern dieser abgelegenen Vororte bringen muß. Daß die Tarife für Gas, Wasser und Elettrizität bedeutend billiger als in den Kreisorten sind, weiß schließlich auch in diesen Vororten allUnderfuchen wir aber einmal die Hetze in bezug auf die angeb. der Bildung der neuen Stadtgemeinde in den früheren Einzelliche Rostspieligteit der Verwaltung, so ergibt sich, daß vor gemeinden des Bezirts vorhanden waren: 8 befoldete Magistratsund Gemeindevorstandsmitglieder und 483 Beamte und Angestellte. Diese Zahlen haben sich durch den Zusammenschluß verringert auf zurzeit 6( fünftig 5) befoldete Bezirksamtsmitglieder und 379 Beamte und Angestellte. Daraus ergibt sich, daß eine gesunde Zentrali sation ganz bedeutende Borteile für die bisherigen felbftän digen Gemeinden hat, besonders wenn berücksichtigt wird, daß jetzt Aufgaben, namentlich auch sozialer Art, erledigt werden, an die die früher selbständigen Gemeinden nicht dachten. Berlin kämen mit geringeren Steuern aus, fo muß doch Wenn weiter behauptet wird, die felbständigen Gemeinden um darauf hingewiesen werben, daß in den Nachbartreifen die Steuern mählich jeder Einwohner. Wie sehr die wirtschaftliche Ber. nicht geringer, fondern bedeutend höher find. Es erheben 3. B. Grundvermögenssteuer: Berlin: für bebaute Grundstücke 100 Broz, für unbebaute 50 Proz; Eichwalde: für alle Grundfiüde 150 Proz nunft sich gegenüber allen engstirnigen Parteidoftri nen durchsetzt, beweist auch die Eingabe der Einwohner von Gatow und Cladam an den Breußischen Landtag, in der sie verlangen, bei Groß- Berlin belassen zu werden. In der Eingabe heißt es u. a.: Wenn auch besonders in der Inflationszeit die Stadt Berlin Rönigswusterhaufen: für alle Grundflüde 150 Broz.; verhindert war, den Randgemeinden erhöhte Fürsorge zuzuwenden, Beuthen: für alle Grundstüde 200 Broz.; Ertner: für alle Grundstücke 150 Proz. Außerdem geht den Kreisgemeinden die erhobene Grunderwerbssteuer mit 8 Proz. vollkommen verloren, da sie an die Kreise fällt. Hundesteuer: im Bezirt Röpenid durchschnittlich 7,50 m. für 1 Hund; Eidwalbe 26 M. für 1 Hund; Ertner 20 m. Mit unleugbarem bemagogischen Geschick sucht sich Herr Redafteur Kuttner eine der schmacheren Stellen Spenglers aus, fein unlängst erschienenes Buch Neubau des Deutschen Reiches". In diesem Buche spricht Oswald Spengler in seiner bekannten indi viduellen Art und Weise über das Deutschland von heute, wobei 5 aß und Zorn über die elenden Berhältnisse dieser Nachkriegszeit sein Temperament mit fortreißen zu ungerechten Urteilen und schiefen Berallgemeine. rungen. Das Ergebnis ist eine Streitschrift, tein missenschaftliches Wert. Aber Spengler wollte eine Streitschrift schreiungssteuer, Gewerbesteuer und Luftbarkeits ben. Wollte fubjettio fein. Von mehreren bürgerlichen Kritikern fmd diese Schwächen des Buches auch offen geta belt morben.... Um Spenglers selbst willen fann man verfchiedene grobe Entgleisungen in seinem Buche bedauern und auf das schärffte zurückweisen. Der Größe des Mannes tun fie feinen Abbruch. Die Hundesteuer, ein beliebtes Agitationsmittel, ist auch in den anliegenden Kreisen erheblich höher, wenn man berüdsichtigt, daß faft im ganzen Bezirk gemäß den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung für den ersten Hund nur der Steuer erhoben wird, und zudem die Wachthunde gänzlich frei find. Nicht vergessen werden darf zu erwähnen, daß während der Inflationsjahre Berlin fast ausschließlich von der Beherber fte uer gelebt hat, die fast ausnahmslos von den Alt- Berliner Bezirten aufgebracht wurden, so daß in noch viel stärkerem Maße als heute Ropenid wie auch die anderen Außenbezirke ausge fprochene 3 uschußbeztrte waren. Also! Es fragt sich nur, ob der„ Subjektivismus" fo weit gehen darf, daß dieses Fremdwort schon nur noch durch das deutsche Wort Lügnerei" zu übersehen ist, es fragt sich, ob überschäumendes Tem perament einen Schriftsteller dazu hinreißen darf, durch Berleum bungen die Ehre seiner Mitmenschen zu befudeln. Solches Handeln tut doch am Ende der Größe dessen Abbruch, der sich dazu hergibt. Aber vielleicht gehören auch solche Erscheinungen in das Bild vom Untergang des Abendlandes". Wenn also vom Magistrat bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Tatsache hingewiefen wird, daß die Außenbezirke, namentlich auch Röpenid, sarfe Zuschüffe erfordern, fo entspricht das dem Sinne des Geleges, wonach bie minderbemittelten, namentlich nördlichen und öftlichen Bezirke, teilhaben follten an der in dem zentralen Berlin und den westlichen Bororten überwiegen. den Finanztärke. In der Agitation wird auch immer hervorge hoben, Berlin habe bisher nichts getan für den Bezirk. Es darf nicht vergessen werden, daß während der Inflationsperiode wohl feine Gemeinde in der Lage war, große Aufwendungen zu machen. Ein ganz anderes Bild gewinnt jedoch bas, mas Berlin für den Begirt leisiet, wenn man das Jahr 1924, in dem zum ersten Male mieder mit einem festen Goldmartetat gerechnet werden fann, betrachtet. Da find in Angriff genommen umfangreiche Straßenregulierungs- und Pflafferarbeiten und zum Teil bereits beendet in Röpenid, Grünau, Friedrichshagen, Wilhelmshagen, Heffenwinkel und Bohnsdorf, die einen Rostenauf. wand von Millionen erfordern wobei zu erwähnen ist, daß manche der früher selbständigen Gemeinden, was den Bau und die Erand Ueber 200„ Spaziergänger" aufgegriffen. Annahme des badischen Finanzgefehes. Scharfe Oppofition der Volkspartei und Dentschnationalen garlsruhe, 9. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der badische Landtag wurde heute nacht um 2 Uhr geschlossen, nachdem er 16 öffentliche Sigungen hintereinander abgehalten hatte. Es tam bei der Abstimmung zum Finanzgefeg noch zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen der vereinigten Opposition der Rechten( bestehend aus Deutscher Boltspartei, Deutschynationaler Boltspartei, dem Deutschen Landbund) und der badischen Regierung. Die Opposition hatte sich der Stimme enthalten, aber eine Erklärung Polizei im Tiergarten. abgegeben, in welcher sie von der verzweifelten Lage der babischen Finanzen und von der Schädigung der Wirt schaft durch die badische Regierung gesprochen hatte. Auch habe ma: bie Sparanträge der Opposition nicht berüdsichtigt. Im Namen der badischen Regierung gab sofort Finanzminister Staatspräsident Dr. Röhler eine Gegenertlärung ab und be. zeichnete diese Haltung ber Opposition, Badens Finanzlage sei verzweifelt, als unerhört, objettiv unrichtig und geeignet, den Kredit des Landes auf das aller schwerste zu schädigen. Die Regierung weise es mit aller Schärfe zurüd, daß ihre Maßnahmen den Untergang des Wirtschaftslebens in greifbare Nähe gerückt hätten. Die Oppofition habe nicht den Schein eines Beweises für die unerhörten Behauptungen erbracht. Auch der badische Innenminister, Genoffe Remmele, wies recht scharf die Vorwürfe und Anträge der Oppofition zurüd. Das Finanzgesetz wurde mit den Stimmen des Sentrums, der Sozialdemokratie und der Demokratie angenom men. Dann hat noch eine Entschließung Annahme gefunden, daß bie badische Regierung ersucht werden soll, im Reichsrat für Aufhebung des Befolbungssperrgesetes einzutreten. Der Artrag wurde mit 33 gegen 23 Stimmen angenommen. badische Landtag hat 44 öffentliche Sigungen abgehalten und 102 Sigungen in den Kommissionen. Er wird erst im Oktober wieder zufammentreten, Der Ueber das Treiben von lichtscheuen Elementen am Bots. damer Play und im Tiergarten gingen in der Tekten Zeit wieder Befchwerden bei der Kriminalpolizei ein. Gewiffe Mädchen und ihr Anhang, auch ältere und jigere Männer mit abnormen Neigungen machten sich dort immer mehr unangenehm bemerkbar. Diese Zustände veranlaßten die Streifbeamtenschaft der Kriminalpolizei in der vergangenen Nacht zu einer gründlichen Abfuchung des Blages, feiner Umgebung und des Tiergartens zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegesallee. Die Taftit war diesmal anders als bei früheren Streifen. Die Kriminal. beamten verteilten sich um 11 Uhr abends von einer Wache aus un auffällig zunächst auf dem Potsdamer Blah und in den angrenzen den Straßen. Nachdem sie sich so über die Persönlichkeiten unter richtet hatten, griffen fte zur verabredefen Beit ein und brachten die Angehaltenen, ohne daß es öffentlich auffiel, nach ber mache in der Boßftroße. Dieser Borgang wiederholte sich in Abständen von einer Stumbe noch zweimal. Zum Schluß waren auf der Mache 170 Muf. gegriffene versammelt. Alles ging in der größten Ruhe vor fich bis auf einen einzigen Zwischenfall. Bom Eingang des Potsdamer Bahnhofes aus versuchte ein Mann zu flüchten, um sich der Festnahme zu entziehen. Er ftieß die Beamten plö lich zur Seite, erreichte auch die Straße und wollte in der Menge unterlauchen. Der Dienst hund Tell fegte ihm aber jofort nach und stellte ihn, so daß er ebenfalls abgeführt werden tonnte. Gegen breieinhalb Uhr früh ging das ganze aufgebot der Beamten mit mehreren Diensthunden gegen ben bezeinchen Teil des so haben wir doch das feste Bertrauen, daß allein die Biermillionen stadt in der Lage ist, die bevorstehenden großen Aufgaben, die durch die landfchaftlich hervorragende Bage von Cladow und Gatom bedingt sind, auch in unserem Intereffe zu fördern und zu vollenden, Die über eine Strede von 12 Ailometer geplante große Uferpromenade von Spandau über Gatow und Cladow bis an die Grenze von Sacrow wird nicht bloß der Gesundheit der erholungsbedürftigen Groß städter zugute fommen, sondern auch den Einwohnern von Cladom und Gatow einen schönen Spaziermeg nach der Stadt und zudem neue Erwerbsmöglichkeiten erschließen. Die Schaffung ordnungsmäßiger Verkehrs-, Be- und Entwässerungsverhältnisse und die Erschließung der genügend vorhandenen Ländereien zu Wohn- und Siedlungszwecken vermag nur die Großstadt Berlin au Spandau- Berlin ist nicht nur das Abfahgebiet gewährleisten. für die in den beiden Orten gewonnenen Erzeugnisse, es gewährt auch sonst größere Vorteile für ihre Einwohner. In Krankheitsfällen ist das Krankenhaus in Spandau in fürzerer Zeit und unter geringeren Transportfoften erreichbar als das in Nauen; der Weg zum Finanzamt und zu anderen Behörden erfordert nach au en eine Tagereise mit hohen Kosten, nach Spandau einen halben Tag mit sehr viel weniger Unfosten. Pferde Bagensteuer werden in Berlin nicht mehr erhoben. Die undesteuer ist in Clabom und Gatom niedriger bemessen als im Kreise Osthavelland. Auch in den übrigen Steuerarten verhält es fich dank der Steuerpolitif des Magistrais Beriin im wesentlichen nicht anders. Das niedrige Ortsporto, die Ortstraffe A feien nebenbei erwähnt. Sturz, bie erbrüdende Mehr. heit der Bevölkerung, in deren Namen wir sprechen, hat nicht das geringste Interesse an einer Ausgemeindung aus Berlin." und Man fann wohl annehmen, daß der Landtag angesichts einer solchen eingehenden Begründung den bisherigen Beschlüssen des Ausschusses nicht beitreten wird und daß das Gebiet der GroßBerliner Einheitsgemeinde nicht verändert wird. Jezt erst beginnt die Beit, wo Groß- Berlin arbeiten und etwas leisten fann, und alle, die an feinem Aufblühen mitarbeiten, werden an feiner Entmidlung noch Freude erleben. Wir glauben, selbst die früheren Gegner Groß- Berlins werben bald zur Ver nunft gekommen sein. Tiergartens por, in dem von je her das unfaubere Treiben am ärgften gewesen ist. Der ganze Abschnitt des Barfes bis nach bem Reichstagsgebäude wurde forgfältig burchsucht. Mit Hilfe der Hunde gelang es, 50 Berfonen aufzu stöbern und zur Bache zu bringen. Hier begann gleich morgens die erste Sichtung. M60 Stundung der Hauszinssteuer. In legter Zeit geben den Steuerlaffen viele Gesuche von Hauseigentümern und Mietern mit der Bitte um Erlaß ber Hauszinssteuer zu. Ein Erlag der Hauszinssteuer fommt nicht in Frage. Ungünstige persönliche Verhältnisse des Steuerfschuldners oder Mieters fönnen deshalb nur die Stun bung begründen. Da der Hauseigentümer der Steuerbehörde gegenüber der allein Pflichtige bleibt, fann ein Stundungsantrag auch nur von ihm gestellt werden. Dahingehende Gesuche der Mieter müssen abgelehnt werden, Berliner Brennstoff- Kontrolle G. m. b. S. Auf gemeinsame Anregung der Rohlenproduktion und des Berliner Roblenhandels ift durch die Vertreter der in der Hauptfache nach Groß- Berlin liefernden Bergbauunternehmungen eine Berliner Brennstoffkontrolle G. m. b. 5., Geschäftsstelle N. 40, HindersinStraße 6, gegründet worden. Die Einrichtung soll dazu dienen, die Lieferungen des gesamten Kohlenhandels in Berlin auf ordnungsmäßige Ausführung hin, insbesondere durch Vornahme von Gewichtskontrollen zu überwachen. Eine große Anzahl von Kontrolleuren, die durch die Induftrie- und Handels tammer vort Berlin mit Ausweisen versehen sind, ist zu diesent 3wed in Dienst gestellt worden. Wagenführer und deren Begleiter der der Kontrolle unterliegenden Firmen sind verpflichtet, sich allen Weisungen der Kontrolleure zur Vornahme von Kontrollen und der Ueberwachung der richtigen Ablieferung zu unterwerfen. Der Bevölkerung Groß- Berlins ist in ihrem eigenen Interesse zu empfehlen, mur bei folchen Firmen zu kaufen, die sich den Bestimmungen der Berliner Brennstoffkontrolle G. m. b. H. unterworfen haben und dies in ihren Angeboten und offensichtlich durch Anbringung entsprechender Schilder an ihren Fuhrwerken zum Ausdrud bringen. Gleichzeitig fei darauf hingewiesen, daß es fich empfiehlt, mit der Anfuhr von Heizmaterial für den Winter so frühzeitig wie möglich zu beginnen. Der große Ferientransport des Kinderheims der deutschen Bolfserholungsheime auf Helgoland ist heute nach einer sechswöchigen Ferienzeit nach Berlin zurückgekehrt und mit Jubel empfangen worden. Den wettergebräunten, trotz der Nachtfahrt fröhlichen Kindern war der große Erfolg der Kur anzusehen, die in der kurzen Zeit Gewichtszunahmen von 10 bis 13 Pfund zu verzeichnen hatten. Eine neue Speifeausgabestelle. Am Freitag, den 15. August eröffnet der Ausschuß für Boltsspeisung in den Restaurationsräumen Große Frankfurter Str. 117 eine weitere Speiseausgabestelle. Der Kartenverkauf beginnt bom Mittwoch, den 13. August ab in der Beit 11-1, Uhr mittags. Ueber ein mutiges Reffungswert wird aus Butow in der Märkischen Schweiz berichtet. In der Seebadeanstalt befand sich ohne Aufsicht das fünfjährige Töchterchen Toni einer Familie Gottreich aus der Schwarzkopffstraße in Berlin. Pöhlich glitt es von dem oberen Ende des Laufsteiges bei den Damenzellen ab und stürzte in das hier schon recht tiefe Waffer. Durch Hilferuf von Nichtschwimmerinnen aufmerksam gemacht schwamm der Expedient Roeppler schnell hinzu und brachte das bereits bewußtlose Kind ans Ufer. Die Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg. Es Bon der Radrennbahn zum Rummel. Dem Nudeltopp", der fleinen Radrennbahn in Treptow, die im vorigen Jahre ihr 25jähriges Bestehen feierte, steht eine völlige Umwandlung bevor. schweben Verhandlungen, das ganze Unternehmen zu verpachten. Die Bächter wollen noch in diesem Jahre aus dem Rennbahnraum eine„ Oktoberwiese" machen. Man spricht auch von der Abficht, den Innenraum der Bahn zu überdachen und ihn so für sport fiche und andere Veranstaltungen, die nicht mehr von der Witterung abhängig sind, zu gewinnen. Die Umwandlung hängt mit den Differenzen zwischen Direktor Schwarz und den Berufsfahrern, die sich von der Treptower Rennbahn fernhalten, eng zusammen. Achtung! Weimarjahrer des Reichsbanners Schwarz- Rof- Gold. Treffpunkt heute abend 9 Uhr Mödernstraße( Anhalter Bahnhof). Verloren hat ein Benoffe auf dem Wege von der Landsberger Straße gur Lindenstraße seine Brieftasche mit Mitgliedsbuch der Partei, des Reichsbanner, der Kriegsbeschädigten und 40 Mt. Bargeld. Der ehrliche Finder wird gebeten, den Fund an Gen. Paul Krüger, Friedenau, Stubens rauchstraße 46, abzuliefern. Parteinachrichten Ginsendungen für diese Nubrit find Berlin G. 68, Lindenstraße 3, Gewerkschaftsbewegung Die Zusammenstöße der Straßenbahn. In letzter Zeit mehren sich beängstigend die Fälle von Zusammenstößen bei der Straßenbahn. Die Presse berichtet lang und breit darüber und erörtert die Schuldfrage. Leider finden sich immer Leute bereit, die bei dem geringsten Unfall, den die Straßenbahn aufzuweisen hat, sofort gegen den Fahrer oder Schaffner eine Voreingenommenheit zeigen, die nur beweist, daß sie vom Straßenbahn dienst keine blaffe Ahnung haben, aber mit dem Urteil gleich bei der Hand find. Untersuchen wir doch einmal die Ursachen dieser Unfälle, ganz gleich, ob schwer oder leicht. haben( wie in der Vorkriegszeit). In Wirklichkeit hat er eine Der Fahrer foll einen Durchschnittsdienst von neun Stunden Dienst anwesenheitszeit von mehr als 10, 12 Stun den und darüber. Für Arbeiten, die eigentlich ganz selbst verständlich in die Arbeitszeit gerechnet werden müssen, wie z. B. Rangieren, Ablösen, Borbereitungs-, Abschlußdienst, Dienstablesen, Halte- und Wartezeiten an den Endhaltestellen wird eine Pauschal zeit von 16% Prozent auf die Fahrzeit als eigentliche Arbeitszeit gerechnet. In der Vorfriegszeit wurden alle diese Arbeiten voll in den Dienst eingerechnet; Vorbereitungszeit: Fahrer 15, Schaffner 10, Abschluß: Fahrer 5, Schaffner 20 Minuten. Auf jede Stunde Fahrzeit 12 Minuten Haltezeit, Sogar fehlende Haltezeit wurde zum Dienst zugeschlagen. Durch die Maßnahmen, die die Verwaltung nach der Stift. legung getroffen hat, verlängert sich der Dienst automatisch um die angegebene Zeit. In Wirtlichkeit leistet der Fahrer jetzt mehr Dienst als in der Vortriegszeit. Die Berwaltung rechnet eben nur als Arbeitszeit die Zeit, in der der Wagen auf der Strede fich bewegt, dazu 16% Proz. für alle Nebenleistungen. Nun fommen aber außer Borbereitungs- und Abschlußdienst noch andere Leistungen sowie Haltezeiten an den Endstationen von 10, 12, 15, 24 und mehr Minuten in Frage, die zum übergroßen Teil feine Berechnung als Arbeitszeit finden. Obwohl Haltezeiten auf dem Papier vorhanden sind, kommen sie in Wirklichkeit durch perspätetes Eintreffen der Wagen an der Endstation für das Per sonal gar nicht in Frage, da sie schon durch die Verspätung und das Rangieren aufgebraucht sind. Es muß also eine Arbeit ge. leistet werden, die nicht berechnet und auch nicht bezahlt wird. Darin zeigt sich die ungerechtigteit. Der Dienst ver längert sich automatisch um die Zeit zwischen der berechneten Arbeitszeit und der, die der Fahrer und Schaffner in Wirklichkeit leisten muß und nicht bezahlt erhält. Daher beträgt die Arbeitszeit nicht neun Stunden im Durchschnitt, sondern bedeutend mehr. Die Fahrpläne find so unregelmäßig, daß bei dem Per fonal ohne weiteres der Gedanke besteht, es wird bemogelt. So lange dem perfonal nicht die Nachprüfung seiner Dienstleistung mit der der Fahrpläne bereitwilligft gewährleistet wird, solange wird der Gedante der Unsicherheit nicht verstummen. für Groß- Berlin freien Tag erhält, um feinen überangestrengten Körper einmal ausfets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 4. Kreis Mitte. Sämtliche Ordner haben sich Montag am Bülowplay( Bolls. bühne) um 6 Uhr pünktlich einzufinden. 2. Kreis( Tiergarten). Die Ordner der Abteilungen 9-13 treffen sich eine halbe Stunde früher auf dem Sammelplag. 7. Kreis Charlottenburg. 8ur Sonntag- Demonstration treffen fich die Genoffen pünktlich 1 Uhr 15 Min. am Wilhelm- Plaz. Gleichgesinnte Republikaner find einzuladen. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade. Die Karten zur Berfaffungsfeier( Sommerfeft) vom 2. August find noch nicht alle abgerechnet. Die Bezirisführer und Genoffen, die noch Außenstände haben, werden ge beten, diese nunmehr an den Gen. Walter Grapentin, Mariendorf, Rathausftraße 99 pt., abzuführen. berger Str. 20a. 40. Seute abend ½⁄49 Uhr Funktionärversammlung bei Keufner, Sagel 52. Abt. Charlottenburg. Die Genoffen treffen sich Sonntag mittag 12 Uhr 45 Min. bei Büttner, Kaiserin- Augufta- Allee 81. Jugendveranstaltungen. Konferenz der Werbebeziele Weften, Zeltow- Ranal und Unterbezirke Ludan, Jüterbog, Trebbin, sowie Werbebezirte Rönigswusterhausen und Storkom findet heute, Sonnabend, abends 7 Uhr, im Jugendheim Charlottenburg, Rosinenstr. 4, ftatt. Sport. Wie steht es nun aber mit den freien Tagen? Dem Arbeitnehmer im Fahr- und Betriebsdienst steht für je fechs geleistete Arbeitstage ein freier Tag zu! In Wirklichkeit aber muß der Fahrer und der Schaffner bis zu 18 Tagen Dienst leisten, ehe er einen zuruhen. Daß Fahrer mit mehr als acht freien Tagen im Rüd ftande sind, fann nicht bestritten werden. Und wie sieht es mit der Nachtruhe aus? Wird sie gegeben? Auf dem Papier ja! In der Praxis werden es aber auch bedeutend weniger als acht Stun= den. Es ist des öfteren geflagt worden, daß Leute um 1 Uhr nachts Dienstschluß hatten und um 5 Uhr ihren Dienst wieder antreten mußten. Schon die Wohnungsverhältnisse bebingen vielfach weite Bege von und zur Dienststelle, wodurch die Nachtruhe oft sehr gekürzt wird. Berücksichtigt wird dies nicht. Wenn so das Personal bis zur äußersten Erschöpfung ausgenugt wird, ohne daß die Berwaltung, obwohl fie fehr oft auf das Unerträgliche ihrer Methoden hingewiesen wurde, Abhilfe schafft, dann kann man nicht den Fahrer für solche Unfälle verantwortlich machen, sondern die Stellen, in deren Händen es liegt, hier Arbeitsmethoden zu schaffen, die auf das Maß des Er träglichen zurüdgeführt werden. Dann werden auch die Unfälle und Ga Busammenstöße nachlassen und die Sicherheit des fahrenden Publifums wird gewährleistet sein. Je früher, desto besser! Quer durch Berlin". Gewissermaßen als Auftakt zu den Deutschen Schwimm- Neisterschaften, die am Sonnabend und Sonntag im Deutschen Stadion im Grunewald stattfinden; wurde gestern das große Langstreden fhwimmen Quer durch Berlin" ausgetragen. Behntausende von Bu Ichauern hatten sich an den Usern und auf den Brüden der 4500 Meter langen Strede eingefunden, um Benge dieses traditionellen Werbefchwim mens zu fein. As erster tam der Juniorfchwimmer Heitmann Bielefeld durchs Ziel vor Bartl- Weitenfeld. Heitmann erzielte auch die beste Zeit für Die Strede. Bei den Damen erzielte gleichfalls die Juniorschwimmerin die beste Beit. Frl. 2ehmann Dresden wurde erste vor Frl. Eggert- Stendal. Bei den Senioren gewann Seöppe- Berbst hor Wohlgemuih- Berlin, und bei den Damen- Senioren Frl. Breißler Dresden, die neue deutsche Strommeisterin. Theater der Woche. B Vom 10. bis 18. August 1924. Bolksbühne: Die Geisha. Rroll- Oper: Marietta. Deutsches Theater: Rubleute. Kammerspiele: 10. und 11. Die Büchse der Bandora. 12. Gefchloffen. 13. Das Reichen an der Site.- Schiller- Theater: Die Frau ohne Große Boltsoper im Theater des Westens: 10., 11., 14. unb 16. Mignon. 112. und 18. La Evaviata. 13. Die Fledermans. 15. Gamion und Dalia. 17. Boris Godunow. Renaissance- Theater: Samson und Dalila. Die Tribune: Dieberleute. Deutsches Künstlertheater: Onkel Bernhard. Trianon- Theater: Kinder ber Freude. Seibenz- Theater: Sintemann. Intimes Theater: Der Afb. Nachtidyter. Befeht. Suftspielhaus: Die Haus. Metropsi- Theater: Mascottchen. Theater am Kurfürstendamm: IL. bis 15. und 17. und 18. Der Werwolf. 16. Morphium. Rose- Theater: Johannisfeuer. Auf der Gartenbühne: Mäbi. Rafino- Theater: Muß Liebe hön fein. Theater im Abmiralspelaft: Drunter und Drilber. ame, Berliner ElektrikerGenossenschaft angescht. dem Verb, sozialer Danbetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. 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In der Betriebsversammlung war als Vertreter der Union der Hand. und Kopfarbeiter auch der bekannte Weyer anwesend. Mit dem ihm eigenen Bhatos erflärte er wörtlich:„ Wir revolutionären Arbeiter streben danach, den sofortigen Stura der kapitalistischen Klasse herbeizuführen." Doch mußte er in demselben Atemzug zugeben, daß die Position der Unternehmerschaft in einer Weise gefestigt ist, daß zu ihrem Sturz mindestens eine bessere Zusammenfassung der Kräfte der Arbeiter gehörte, Gewerkschaftszersplitterer wie Weyer also dem Unternehmer fum dienen. In früheren Versammlungen hat Weyer stets davon phantafiert, das Unternehmertum sei verfault und liege am Boden, und die Arbeiterschaft brauche nur zuzugreifen, um die Macht zu bekommen. Wener prahlte:„ Wir wollen feine Arbeitsgemeinschaften, wir führen feine Verhandlungen hinter den KuTiffen wie andere Berbände, sondern wir führen die Verhand lungen in voller Deffentlich feit mit den Leitungen der Firmen und den gesamten Belegschaften." Diese Ausführungen veranlaßten den Bevollmächtigten des Metallarbeiterverbandes, Genossen Urich, in der Diskussion an Damen- Konfektion- Gabardineerhalten Sie bei bequemster Teilzahlung VOR Mar chwöchentlich 2.jetzt auch direkt aus der Fabrik 0. Wollburg, Brunnenstr. 56-57 Kredit- Abteilung Aktentaschen: Rind- Strickjacketts, Strandjacken, Sportwesten, Sportjacken Hosen Hosen Coupékoffer jeder Art kaufen Sie am besten und billigsten in d. München- Gladbacher Hosen- Zentrale. Herren und Knaben Anzüge, Hosenträger, Stutzen sehr preisw München- Gladbacher Hosen- Zentrale Rügener Str. 25( nahe Gesundbr.) Blauer Laden Fahrgeldvergütg. von 4.90 an Auch Einzelverkauf! Lederwaren- Fabrik Metzel Prinzenstr. 89 law. Maritzplatz u. Rittersirade aus reiner Wolle in allen Farben, sowie Blusen kaufen Sie am besten und billigsten direkt vom Fabrikanten Wiederverkäufer u. Sportvereine erhalten besondere Preise, Kein Ladenverkauf Grüssner& Co., Neuk., Sanderstr. 27 130 br. r. Wolle, 8.50 M., 9.75 M. 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In der weileren Diskussion gab nämlich Koch I vom DMB. einen ausführlichen Bericht über die Entstehung eines Tarifvertrages im Arbeitsministerium mit den Gelben unter Beihilfe des Weyer. Koch I als Bersammlung der Gemeindearbeiter vor die Frage gestellt, ob es Vertreter des Lohnfartells der städtischen Betriebe wurde in einer wahr sei, daß Weyer als Vertreter der Arbeiterunion mit den Gelben gemeinsam im Arbeitsministerium für die nichtständigen Angestellten des Magistrats einen Tarifvertrag abschließen wollte. Beyer bestritt dies. Er hatte die Rechnung jedoch ohne den Teilnehmer an den Berhandlungen im Arbeitsministerium gemacht. Das war Friz Schmidt, damals noch beim Zentral verband der Angestellten. Schmidt stellte fest, daß damals die freien Gewerkschaften in mehreren Verhandlungen dem Arbeits ministerium erklärt hätten, daß sie auf feinen Fall gewillt find, mit den Gelben und Unionisten an einem Tische einen Tarifvertrag abzuschließen. Auf die Frage des Vorsitzenden an Weyer, ob er bereit fei, mit den betreffenden gelben Organisationen in Tarifverhandlungen einzutreten, antwortete Weyer mit ja. Schmidt bestätigte also die Angaben Kochs und beantwortete so die Fragen Urichs. Weŋer nahm daraufhin nochmals das Wort und er flärte, daß er es ablehnen müsse, Koch zu antworten, da er, W., auf einer geistig höheren Warte" stehe. Der revolutionäre Wener fniff also, in die Enge getrieben, ganz nach mostomitischer Methode. Der Leiter der Betriebsversammlung richtete darauf an Urich das Ersuchen, seine Antlagen gegen Weger zu wiederholen; dies tat Urich. Wener jedoch ging auch diesmal um die Sache herum. Urich brachte dann noch zur Sprache, daß Weyer von der Zentrale der KPD. ausgeschlossen wurde, weil er eine andere als die parteiamtlich vorgeschriebene gewertschaftliche Einstellung befundet habe. Wener konnte darauf mitteilen, daß er vor den Augen der Zentrale Gnade fand und in die KPD. wieder aufgenommen wurde. Als Weyer noch Mitglied der freien Gewerkschaften war, trat er ftets der Bildung neuer Organisationen entgegen und bekämpfte auch ganz besonders scharf die Union der Hand- und Kopfarbeiter. Jetzt, wo er deren Angestellter ist, muß er natürlich den Anweisungen der KPD.- Zentrale folgen. Nach allem konnte Genoffe Ur ich die Bersammlung davon über zeugen, daß die von der KPD. betriebene 3ersplitterung der Ge wertschaften einen gemeinen Frevel an den Interessen der Arbeiter. fchaft bedeutet, daß der Zusammenschluß in den freien Gewerk fchaften unerläßlich und alle radikalgelben Zwittergebilde wie die Union" nichts anderes darstellen als systematischen Arbeiterverrat Der Streik in Oberschlesien. 155 000, wovon 32 000 auf die Hütten, 118 000 auf die Gruben und Die Zahl der am Streit beteiligten Arbeiter beträgt rund richtet, daß in dem Becken von Dombrowa fich 90 Proz. der 5000 auf fleinere Werte entfallen. Aus Warschau wurde be Arbeiter gegen den von den Kommunisten proflamierten Streit ausgesprochen haben. In Kattowig hat ein Teil der Arbeiter die Arbeit unter den früheren Bedingungen wieder aufgenommen. Am Mittwochabend reisten die Bertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in Rattowiz nach Warschau, wo unter dem Bors fi des Ministerpräsidenten Grabfti verhandelt wurde. Die Regie rung erklärte, daß sie in der Lohnfrage nicht zuständig sei und daß noch einmal unter Anwesenheit von Regierungsvertretern neue Verhandlungen stattfinden sollen. Zweds Feitlegung derjenigen Arbeiter fategorien, welche in den Eisen-, Blei- und Zinthütten weiterhin nur ach: Stunden arbeiten wollen, wird eine paritätische Kommission gebildet. Die Aufhebung der Verordnung vom 18. Juli bezüglich der Berlängerung der Arbeitszeit in den genannten Hütten hänge von der Entwicklung der Verhältnisse in Deutsch- Oberschlesien ab. Ein Antrag auf Ausdehnung des polnischen Urlaubsgefehes auf Bolnisch- Oberschlesien liege bereits dem Warschauer Sejm vor. Im Bergbau fei es ausgeschlossen, daß die Regierung zulasse, daß dort der Achtstundentag aufgehoben werde. Arbeitgeber, welche fich Ungesetzlichkeiten in diesem Sinne schuldig maden, würden nunmehr dem Gericht übergeben werden. Diese Erklärungen wurden den Gwerkschaften auch schriftlich bestätigt. Schließlich erklärte die Regie rung noch, daß die Grenze für die Viehausfuhr sofort gesperrt würde. Dies sei das Aeußerste, was getan werden fönnte; ein weiterer Streit wäre sinnlos, weil dann noch mehr europäisches Absatzgebiet verloren ginge. Außerdem müßten weitere unrentable Grubenbetriebe geschlossen werden. Ein Betriebsrätefongreß aller Gewerkschaftsrichtungen nahm am Freitagvormittag zu diesem Bericht Stellung. In geheimer Abftimmung soll festgestellt werden, ob die Streifenden sich mit diesen Erklärungen der Regierung zufrieden geben. Die Kommunisten beabsichtigen eine Konferenz der Leitungen aller Berufsvereinigungen zusammenzurufen, um für einen allgemeinen Generalftreit Stimmung zu machen. 35 Kommunisten wurden wegen der Vorbereitung einer solchen Konferenz verhaftet, Der Streit in Oberschlesien geht weiter, da die Abstimmung die Fortsetzung des Streifs ergeben hat. Die Zugeſtändnisse der polnischen Regierung murden als ungenügend bezeichnet. Nach Mitteilung der Bolnischen Telegraphenagentur ist der Berga arbeiterstreit im Dombrowaer Beden beendet. Alle Arbeiter fehrten zur Arbeit zurüd. Ob das richtig ist, wird sich bald zeigen. Berantwortlich für Politik: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Egtorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Rarstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Volkskleidung! 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