Nr.378 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 193 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich B- Goldmart voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Bitauen, Buremburg 450 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Sied. Jung und Aleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart, Reklamezeile 4. Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Bort 0,20 Goldmart( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Bori 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen fitr zwei Worte. 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Die Ruhr existiert nicht mehr für uns, aber unsere Ansprüche Belegenheit hatte, sich mit Herriot über eine Verständi- an Deutschland sind endgültig von den hunderten Milliarden, gungspolitik zwischen Frankreich und Deutschland aus- von denen man unter Poincaré noch retete, auf 18 bis 19 Milliarden zusprechen Auf persönlichen Wunsch Herriots reiste unser herabgesetzt. Dagegen behalten wir das herbe Bergnügen, gegen gelegentlicher Mitarbeiter am Sonnabend von London mit über England und Amerika 26 Milliarden Gold an Schulden nach Paris. Insofern verdient sein Artikel besondere Be- zu haben, ohne daß wir wüßten, ob man diese Forderung etwa achtung. ernsthaft aufrechtzuerhalten gedente.... Außerdem wiffen wir auch nicht, was die neue und legte Militärtontrolle, die Deutschland angenommen hat, ergeben wird.... Mas, glauben Sie, was Rammer und Senat dazu sagen würden...?" Paris, 12. August. Nach dieser Frage trat eine längere Pause ein. Einer der drei Hauptdelegierten hatte in der Tat damit die Schwierig keit der Lage kurz aber äußerst wirksam zusammengefaßt. Man tut gut, diese Schwierigkeiten auf deutscher Seite nicht zu übersehen, wenn man sich die Frage vorlegt, wie es fommt, daß Herriot in London zu gewissen Problemen eine Stellung einnimmt, die etwas überraschend wirken mag. In Wirklichkeit sind Herriot und seine Mitdelegierten von gutem Wirklichkeit sind Herriot und seine Mitdelegierten von gutem Willen beseelt, eine endgültige Verständigung mit Deutschland herbeizuführen. Leider aber legt ihnen die Leider aber legt ihnen die Poincarésche Verlassenschaft gewisse Ketten an. Um zu verstehen, welche Fortschritte der Wille zur Verständigung immerhin gemacht hat, ist es nüglich, fich der Situation zu entsinnen, in der sich Europa ungefähr vor einem Jahr befand, als der passive Widerstand an der Ruhr zusammenbrach und die französische Reaktion allmächtig erschien.. Als am Freitag in Paris bekannt wurde, daß Minister präsident Herriot aus London zurückkehren würde, um einen außerordentlichen Ministerrat abzuhalten, wollten die Gerüchte über eine bevorstehende schwere Krise, über Demissionen usm. nicht verstummen. Erinnerungen an die Konferenz von Cannes tauchten auf. Dieser Konferenz wurde das unvermittelte Ende bereitet, indem der damalige Ministerpräsident Briand von einer Reise nach Paris nicht mehr an den Berhandlungsort zurückkehrte. Aber die Eingeweihten wußten, baß diesmal feine der vermuteten Gefahren vorlag und der Ministerpräsident den Entschluß, nach Paris zu fahren, gefaßt hatte, weil er das Bedürfnis fühlte, nach 25tägiger Abwesenheit mit seinen Mitarbeitern wieder persönlich Verbindung zu nehmen und sich zu vergewissern, ob das gesamte Ministerium mit der Taftit Herriots einverstanden sei. Dieses Bedürfnis ist zu verstehen, da die Rechtspresse eine wahre Banifftimmung zu schaffen suchte, indem sie Herriot hinstellte, als ob er überhaupt nicht fähig wäre, die Rechte Frankreichs zu vertreten, und als schließlich die Konferenz in London einen Verlauf genommen hatte, der deren ursprünglichen Rahmen überschritt und dazu führte, daß auch zwei wesentliche Fragen, die offiziell nicht behandelt werden sollten, plötzlich in den Vordergrund traten: die militärische Räumung des Ruhrgebiets und die Regelung der interalliierten Schulden. Die lange Dauer der Konferenz war der französischen Opposition zweifellos zugute gekommen. Bis auf 2-3 Punkte alles erledigt. Innerhalb der Bevölkerung hatte sich inzwischen tatsächlich eine gewisse Nervosität bemerkbar gemacht. Aber schon London, 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Offizios wird bei der Ankunft des Schiffes, das Herriot von Folkestone nach abends 9 Uhr mitgeteilt: Am Dienstag abend haben die allierBoulogne brachte, konnte er sich von dem Grade der Symten Delegationen zusammen mit der amerikanischen Delepathien überzeugen, die ihn trok aller Heze weiter um- gation unter dem Vorsitz Macdonalds eine Konferenz abgehalten. wogen. Auch am Nordbahnhof in Paris wurden dem fran- Macdonald berichtete über den zufriedenstellenden zösischen Ministerpräsidenten gewaltige Rundgebungen dar- Fortschritt der Arbeit der verschiedenen Ausschüsse. Er sagte, gebracht, die in dem Rufe:„ Vive la paix!"( Es lebe der daß mit Ausnahme von zwei oder drei Punkten die Arbeit beendet Frieden!) ausflangen. Sie riefen in Herriot das Gefühl fei und daß die alliierten Delegationen nur noch einmal zusammentieffter Genugtuung hervor. zutreten brauchten, bevor die abschließende Bolligung mit der deutfchen Delegation stattfindet. Die Konferenz ging alle Berichte der Ausschüsse noch einmal durch und bestätigte alle Zusätze, die feit der Beteiligung der Deutschen an der Londoner Konferenz gemacht worden sind. Die meisten dieser Zufäße sind bereits bekannt. ,, So weiß ich, was ich von gewissen Hezkampagnen zu denten habe," meinte Herriot ironisch lächelnd, in Paris angelangt, zu einem der Freunde, die ihn begleiteten, indem er hinzufügte:„ Ich weiß aber auch, welche Verantwor fung auf mir lastet gegenüber allen denen, die Vertrauen zu mir und zu meiner Friedens politit haben." Dieser Saz enthält das Echo der Schwierigkeiten, die den raschen Fortschritt der Londoner Berhandlungen hemmten und die auch heute noch nicht völlig überwunden sind, obschon gerade die letzte Woche manches ins Geleife brachte, woran bisher fast niemand zu rühren wagte, so insbesondere die militärische Räumung des Ruhrgebiets. Die Aufrollung dieser Frage hat, obschon sie nicht im offiziellen Programm vorausgesehen war, weil sie im DawesBlan nicht enthalten ist, innerhalb der französischen Delegation teine Aufregung verursacht. Wenn die französische nationalistische Presse trotzdem so tut, als ob etwas unerhört Ueberraschendes eingetreten wäre, fo spielt sie eine ziemlich findliche Aufpeitschungskomödie. Die drei französischen Hauptdelegierten, Ministerpräsident Herriot, Kriegsminister Nollet und Finanzminister Clementel sind der Auffassung, daß in London möglichst ganze Arbeit gemacht werden muß. Einer von ihnen erklärte dieser Tage einen der Sachver ständigen: = „ Das Hin- und Hergezerre zwischen Frankreich und Deutschland muß endlich aufhören und durch eine wirklich friedliche Zusammenarbeit ersetzt werden. Damit das möglich wird, muß die öffentliche Meinung beruhigt werden. Heute ist sie es nicht, denn die Nachrichten über die Tätigkeit der deutschen reaktio. nären Geheimorganisationen, die Annahme, daß Deutschland unter den Folgen der Ruhrbefehung geheime Rüstungen ausführt, die Möglichkeit, daß morgen in Deutschland die monarchistischen Reaktionäre wieder an die Regierung zurückkehren, das alles verpflichtet uns, nicht zu vergessen, daß, wenn wir von der Londoner Konferenz zurückkehren, man das Recht hat, uns zu fragen:„ Was bringt ihr nun mit für unsere Reparationen und für unsere Sicherheit?" Ich bin dafür, daß wir so rasch wie möglich aus dem Ruhrgebiet herausgehen, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch. Aber stellen Sie fich vor, daß mir morgen vor das Barlament treten und sagen:„ So, jegt wird der Dames- Blan in Funktion treten, Einstweilen erhalten Jedenfalls aber liegt heute bereits genügend Anlaß vor zu der Annahme, daß Ende dieser Woche, Mitte August 1924, der Grundstein zu neuen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland gelegt wird. Alliiertenbesprechung in London. London, 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag vormittag hatten sich im Rat der vierzehn bei der Beratung des Berichtes der driften kommission einige Schwierigkeiten heraus. gestellt. Die deutschen Vertreter proteftierten gegen einzelne Transferbestimmungen. Da die französische Delegation ein Schiedsgericht zur Regelung der umstrittenen Frage ablehnte und eine Einigung nicht zu erzielen war, wurde die Sache der für den Nachmittag einberufenen Alliiertenkonferenz überwiesen. Heute offizielle deutsch- französische Besprechungen. Condon, 12. Auguft.( WEB.) Wie der SonderberichtWie der Sonderberichterstatter des WIB. in Konferenzfreifen hört, sind die Verhandlungen über die Frage der militärischen Räumung eingeleitet durch die beiden Unterredungen, die der Außenminister Dr. Stresemann mit dem französischen Ministerpräsidenten Herriot hatte, die eine vor dessen Pariser Reise und die andere gestern. Die Belgier haben sich bisher an diesen Verhandlungen nicht beteiligt. In den Borbesprechungen zwischen Dr. Stresemann und Herriot wurde in der Ruhr- und Eisenbahnerfrage eine gewiffe& tarung erzielt, insofern Auffassungen ausgetauscht wurden darüber, was beide Parteien glauben zugestehen zu können. Die offiziel len Verhandlungen zwischen den Delegierten Deutschlands und Frankreichs werden morgen vormittag beginnen. Was die Frage der Eisenbahner anlangt, jo wird in konferenzfreifen angenommen, daß die englischen Zeitungsmeldungen, wonach eine für beide Seiten befriedigende Lösung gefunden werden kann, sich mit den Tatsachen in Einklang befinden. London, 12. Auguft.( WTB.) Evening Standard" meldet, ein wichtiger Fortschritt sei in der Richtung einer Löfung der Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets gemacht worden. Alle parteien feien jetzt der Unsicht, daß die konferenz vor Ende der Woche schließen werde. Das Blatt will erfahren haben, daß, wenn alles gut gehe, die Ruhrräumung vor Ende des Jah res beginnen werde, sowohl die militärischen als auch die Eisenbahnbehörden würden allmählich zurüdgezogen werden. ( Weitere Meldungen auf der dritten Seite.) Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Fechenbach. Bon A. Freymuth. Ein neuer Aft in dem furchtbaren Drama Fechenbach! Gibt es eine öffentliche Meinung in Deutschland? Wird sich im Fechenbach- Falle in Deutschland die Gerechtigkeit durchsehen, wie sie sich schließlich in Frankreich im Dreyfus- Falle durchgesetzt hat? Bom Münchener Volksgericht wurde am 20. Oftober 1922 Fechenbach wegen eines Verbrechens des vollendeten Landesverrats und eines Verbrechens des versuchten Landesverrats zu insgesamt 11 Jahren Zuchthaus verurteilt. Seif fast zwei Jahren verbüßt er diese Strafe. Der vollendete Landesverrat ist darin gesehen worden, daß Fechenbach dem Schweizer Schriftsteller Payot eine Abschrift des RitterTelegramms übergab, in dem der bayerische Gesandte Baron Ritter von Rom aus der bayerischen Regierung in München furz vor Kriegsausbruch Ende Juli 1914 mitteilte, daß der Bapst ein scharfes Vorgehen Desterreichs gegen Serbien billige. Dieses Schriftstück hat Payot in der Pariser Zeitung ,, Le Journal", und zwar in der Nummer vom 29. April 1919, veröffentlicht. Dieferhalb hat das Gericht Fechenbach zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Dabei hat das Gericht in der Urteilsbegründung die Schwere der Strafe namentlich auch damit begründet, daß Fechenbach durch die Hingabe des Telegramms fein Baterland ehrlos verraten habe, in voller Kenntnis der schweren Folgen, die dieser Verrat nicht nur für die Bürgerlichen, sondern auch für die Sozialisten haben werde, vor allem auch für die bürgerliche und die sozialistische Jugend. Diese geheimnisvolle Andeutung, die bei allen anständigen Menschen die tiefste Entrüftung gegen den Schwerverbrecher Fechenbach hervorrufen soll, hat folgenden Hintergrund: Das Gericht hat, ohne sich mit Beweiserhebungen über die Tatsachen abzumühen, unterstellt, daß zu jener Zeit der Bapst bei dem mit der Feststellung des Friedensvertrages beschäftigten Gegenbunde die heißesten Anstrengungen zugunsten Deutschlands gemacht habe, daß durch die Veröffentlichung im Journal" der Papst von seinen Bemühungen abgeschreckt worden sei, daß Fechenbach sich dieser Wirkung bewußt gewesen sei und somit gewissermaßen die Berantwortung für die Schwere des Friedensvertrages trage. In gewisser Weise glaubte das Gericht sich hierbei auf das Gutachten des Dr. Thimme, des einzigen in dem Prozeß über diesen Bunft vernommenen Sachverständigen, stüßen zu dürfen. Ich habe in meiner im Mai 1923 veröffentlichten Broschüre„ Das Fechenbach- Urteil" darauf hingewiesen, daß die geschichtlichen Ereignisse mit der Auffassung des Gerichts sich nicht vereinigen lassen, weil der Tert des Friedensvertrages, den der Gegenbund in monatelanger Beratung aus gearbeitet hatte, bereits fertig vorlag, als die Beröffentlichung am 29. April 1919 im Journal" erfolgte so daß also irgendein Einfluß dieser Veröffentlichung auf den Friedensvertrag als ausgeschlossen erscheinen muß. Demnächst haben sowohl Thimme wie auch der vom Reichstag eingesezte Unterfuchungsausschuß wie auch Professor Mendelssohn- Bartholdy festgestellt, es sei als völlig ausgeschlossen zu betrachten, daß die Veröffentlichung des Ritter- Telegramms im Journal" vom 29. April 1919 auch nur den geringsten Einfluß auf die Geneigtheit der alliierten und assoziierten Mächte, diese Bedingungen zu mildern, hätte üben können"( MendelssohnBartholdy in seinem neuerlich der Verteidigung Fechenbachs erstatteten Gutachten). Wenn also die fürchterlichen Folgen, die das Urteil so ergreifend ausmalt, und die bei der Besprechung der Fechenbach- Sache im bayerischen Landtag der deutschnationale bayerische Justizminister Gürtner und der volksparteiliche Abgeordnete Graf Pestalozza noch unter Ueberbietung des Urteils in schauerlichster Weise darstellten, tatsächlich gar nicht eingetreten sind, so sollte man denken, daß damit das Urteil den schwersten Stoß erhalte, und daß es folgemeiseda es nach dem großartigen für die banerischen Boltsgerichte geltenden Prozeßgange weder durch Revision noch durch Wiederaufnahme angegriffen werden kann von der bayerischen Regierung sofort auf dem allein übrigbleibenden Wege der Begnadigung außer Vollzug gesetzt werden würde. Weit gefehlt! Bei der Besprechung der Fechenbach- Sache im Reichstag( 2. und 3. Juli 1923) hat der bayerische Ge sandte v. Breger erklärt, die bayerische Regierung beabsichtige, menn Fechenbach ein Gnadengefuch einreiche, ein Rechtsgutachten des bayerischen Obersten Landesgerichts über die gesamten Fragen einzuholen, und werde dieses Rechtsgutachten ihrer Entscheidung in der Rechtsfrage zugrunde legen. Leider hat damals der Reichstag sich bei dieser Erklärung beruhigt. In der öffentlichen Volksversammlung, die aus Anlaß der Reichstagsverhandlung am 5. Juli 1923 in Berlin stattfand, habe ich erklärt, daß ich gegen das banerische Oberste Landesgericht als gatachtende Behörde die größten Bedenken hätte. Ich habe darauf hingewiesen, daß zu den Mitgliedern des bayerischen Obersten Landesgerichts unter anderem der frühere Justizminister Dr. Müller Meiningen gehöre, der ini bayerischen Landtage das Urteil als hieb- und stichfeft er klärt habe, und ferner der frühere Polizeipräsident Pöhner. Meine Ausführungen veranlaßten damals den Präfidenten des bayerischen Obersten Landesgerichts gegen mich bei meiner vorgesetzten Dienstbehörde wegen Heze" gegen das bayerische Oberste Landesgericht ein Disziplinarverfahren zu beantragen ein Antrag, dem jedoch nicht stattgegeben wurde. Demnächst ist Herr Pöhner wegen Teilnahme an dem Novemberputsch von 1923 wegen Hochperrats verurteilt worden und ein anderes Mitglied des bayerischen Obersten Landesgerichts, von der Pfordten, hat an dem von Ludendorff und Hitler veranlaßten Umzuge durch die Stadt München teilgenommen und ist dabei erschossen worden. Inzwischen hatte Fechenbach sein Gnadengesuch eingereicht, und die bayerische Regierung hat das Oberste Landesgericht ersucht, ein Gutachten darüber zu erstatten, ob gegen die Verurteilung rechtliche Bedenken bestehen, die einen Gnadenakt angezeigt erscheinen lassen". Das Oberste Landesgericht hat das Gutachten, datiert vom 30. Oftober 1923, er stattet, und die Verteidigung hat das Gutachten bereits am gebracht hat, nichts als ein in den Gehirnen der Richter vor-| würfe Ludendorffs und feiner Freiheitspartei gegen Ehre handenes Bahngebilde gewesen ist. Wie soll es da erträglich sein, daß dieserhalb der Mann 10 Jahre Zuchthaus bekommt? Wie sollte es wohl erträglich sein, wenn jemand deswegen verurteilt wird, weil er einen anderen Menschen umgebracht hat, und wenn dann die Verteidigung nachweisen will, daß das Tun des Angeklagten in feiner Weise für den Tod des anderen ursächlich gewesen ist, daß dann gesagt werden dürfte: Ja, daß der Angeklagte durch sein Tun den Tod des anderen verursacht hat, das steht in dem Urteil, daran ist nicht zu rütteln; der Nachweis, daß die Sache tatsächlich anders liege, wird nicht zugelassen. Wir wollen aber rechtlich nachprüfen, ob für den nun einmal als wahr anzunehmenden Fall, daß der Angeklagte wirklich den Tod des anderen herbeigeführt hat, in den rechtlichen Erwägungen des er fennenden Gerichts ein Fehler liegt. Gibt es eine öffentliche Meinung in Deutschland? Wird sich im Fechenbach- Falle in Deutschland die Gerechtigkeit durchsetzen wie sie sich schließlich in Frankreich im Dreyfus Falle durchgesetzt hat? 1. März 1924 erhalten. Ob an der Abfaſſung des Gut- Landbund und Arbeitszeit. achtens einer der obengenannten drei Herren mitgewirkt hat, ist aus dem der Verteidigung übergebenen Abzug des Gutachtens nicht ersichtlich. Das Gutachten ist so ausgefallen, wie ich und wohl auch die bayerische Regierung es erwartet hatten. Das Gutachten erörtert zwar ein gewisses, vielleicht vorliegen des Bedenken, kommt aber zu der Schlußfeststellung, daß hinsichtlich des Angeklagten Fechenbach durch dieses Bedenken die Einsatzstrafe von 10 Jahren Zuchthaus nicht betroffen werde, und daß, vorbehaltlich des erwähnten Bedenkens, ,, rechtliche Gründe für eine Begnadigung nicht gegeben sind". Die Verteidigung hat daraufhin von den Universitätsprofessoren Graf zu Dohna( Heidelberg), Kizinger( München), Liepmann( Hamburg), Mendelssohn- Bartholdy( Hamburg), Mittermaier( Gießen), Radbruch( Kiel), Wach( Leipzig) Gutachten erbeten und erhalten. Diese Gutachten sind zusammen mit dem Gutachten des Obersten Landesgerichts und zwei Abhandlungen des Verteidigers Dr. Hirschberg und des Dr. Thimme vor kurzem veröffentlicht worden( Der Fall Fechenbach, Berlag von J. C. B. Mohr in Tübingen, 1924). Die Gutachten der Universitätsprofessoren menden sich sämtlich gegen das Gutachten des Obersten Landesgerichts! Ich möchte folgendes besonders her vorheben: Das Gutachten des Obersten Landesgerichts geht davon aus, daß der tatsächliche Sachverhalt, den das Urteil des Volksgerichts feststellt, zutreffe, und knüpft daran feine rechtlichen Ausführungen. Es mag zu diesem Verfahren dadurch veranlaßt worden sein, daß die bayerische Regierung lediglich ein Gutachten darüber erfordert hat, ob recht= liche Bedenken bestehen. Die Verantwortung hierfür trägt dann die bayerische Regierung. Es ist überhaupt darauf hinzuweisen, da die Begnadigung ein Staatsaft ist, und daß die Verantwortung für diesen Staatsatt in staatsrechtlicher und moralischer Hinsicht auf jeden Fall die Re= gierung trifft, mag sie sich zuvor ein Gerichtsgutachten haben erstatten lassen oder nicht. Auch entsprach es kaum dem Wortlaut der im Reichstag gegebenen Erklärung des bayerischen Gesandten v. Preger, und sicherlich nicht der Meinung der Mehrheitsparteien des Reichstages und ebenso nicht der von Breger damals in Bezug genommenen Erklärung des derzeitigen banerischen Justiz ministers Dr. Müller- Meiningen über die Handhabung der Begnadigung in volksgerichtlichen Sachen( Sitzung des Bayerischen Landtages vom 5. Juli 1919), daß lediglich die Rechtsfragen und nicht auch die ebenso wichtigen Tatfragen zur Erörterung gezogen worden sind. Für ein unverbildetes Rechtsgefühl wäre es geradezu eine Ungeheuerlichkeit, wenn auf Grund des Gutachtens des Obersten Landesgerichts die Begnadigung versagt würde. Es steht fest, daß das fürchterliche Unglück, das nach der Feststellung des Volksgerichts Fechenbach über das deutsche Volt Zeitgemäße neue Berufe. Bon Dr. Steini. Der Pleitegeier zieht seine Kreise immer enger und enger, man hört nichts als Abbau, Geschäftsaufsicht, Riesenausverkauf, Stilllegung der Betriebe. Was soll in solchen Zeiten ein sorgenzernagter Hausvater mit feinen flügge gewordenen Sprößlingen anfangen? Früher hieß es: der Junge sieht nach was aus, zum Studieren hat er feine Lust; er soll Offizier werden. Oder man steckte den mehr praktisch veranlagten Jüngling in die Bant", wo er den Marschallstab des Generaldirektors in seinem Pult finden konnte. Kurz, es gab für alle irgendein Pläßchen, sogar für solche, die das längst( leider!) erfundene Schießpulver bestimmt nicht einmal hätten nacherfinden tönnen! " G Ein Programm der schwärzesten Reaktion. Aus den Kreisen des Pommerschen Landbundes wurde der Deutschen Zeitung" ein Artikel geschrieben, der sich gegen die Forderung des gesetzlichen Schuzes des Achtstundentages und gegen die Ratifizierung des Abkommens von Washington richtet. Was die Agrarier in der Arbeitszeitfrage wollen, wird in diesem Artikel programmatisch zusammengefaßt: " Faßt man alles das zusammen, dann ergibt sich: 1. Der Acht stundentag ist eine schablonenhafte Forderung, die dem Grundsay der ausgleichenden Gerechtigkeit in feiner Weiße Rechnung trägt. 2. Die Arbeitszeitfrage kam nicht international geregelt werden. 3. Sie fan auch in Deutsch land ohne Schaden für das Gesamtwohl nicht gefeßmäßig geregelt werden. Es ist Sache der Berufsvertretungen, diese Frage örtlich zu regeln. Der Staat hat die Aufgabe, für gesundheitsschädliche Berufe die Arbeitszeit festzulegen." Die Herren Agrarier wollen also zurück hinter die deutsche und internationale Regelung der Arbeitszeitfrage von Ende des vorigen Jahrhunderts. Sie wollen den nationalen und infernationalen Fortschritt der Sozialpolitik zurück schrauben, sie wollen schließlich überhaupt nichts von Sozialpolitit missen. Was sie wollen, ist flar: Ausgleichende Gerechtigkeit, die darin besteht, daß die Agrarier Brotwucher betreiben auf Kosten der Massen des Bolkes, die zehn Stunden arbeiten sollen, um die agrarischen Bucherpreise zahlen zu können; dürftig sind- Sozialpolitik für die Arbeiter ist überflüffig. Sozialpolitik für die Agrarier, die besonders schutzbeKurzum: Reaktion auf der ganzen Linie. Aber je annischer fie ihre Pläne zeigen, um so härter wird die Abwehr sein. Die völkische Krise. Minen und Gegenminen- Ludendorff gegen Ehrhardt Flucht ins deutschnationale Lager? München, 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der sogenannte Böltische Pressedienst", dessen Macher angeblich nieman dem bekannt sind, setzt die Verbreitung von halbwahren Nachrichten aus dem Krisen- Kuddelmuddel des Völkischen Blocks fort. Seine legte Meldung über den Ausschluß vier hervorragender Parteimit glieder wird, wie zu erwarten war, parteioffiziell dementiert und als schamlose Fälschung bezeichnet. Ein weiteres charatteristisches Berfallsymptom in der völkischen Familie ist die Geschichte mit der Aussöhnung zwischen Ludendorff und Ehrhardt. Auch das ist eine trübe Angelegenheit, wobei die eine Gruppe die andere hinters Licht zu führen sucht. Das sogenannte Schiedsgericht hat Das sogenannte Schiedsgericht hat auf Grund des ihm zur Verfügung gestellten Materials die Bor. hardt als vollständig unberechtigt erklären müffen. Eigent lich hätte man annehmen sollen, daß der Ehrenmann Ludendorff jetzt auch seine Behauptungen zurücknehmen werde. Aber das getraute man sich nicht von dem Quartiermeister auf der Ludwigshöhe zu verlangen, weil er es voraussichtlich prompt abgelehnt hätte, denn ein Luddendorff irrt bekanntlich niemals. Damit es aber doch und daran hatten die Draht" zieher an die Deffentlichkeit kam aus geschäftlichen Gründen naturgemäß ein Interesse hängte man dem bekannten Schiedsspruch einen Schwanz an, der mit einiger Nun hat aber Umschreibung Ludendorffs Niederlage festnagelte. Ludendorff diesen Umweg, der ihn hineinlegen sollte, bemerkt, und er bestürmt deswegen die Deffentlichkeit mit einer ellenlangen Erflärung, von der nur das eine interessant ist. daß sie die Ehra hardt- Clique beschuldigt, sie hätte wider Treu und Glauben gehandelt, wobei der ganze Sinn des Schiedsspruches zunichte gemacht sei. Die Feindschaft geht also weiter. Kein Wunder, wenn bei diesen Verhältnissen einzelne Mandatare der Völkischen auf den Gedanken tommen, der„ Sauwirtschaft in der eigenen Partei"( ein Ausspruch des Hitler- Offiziers Brückner) durch eine Verschmelzung mit den Deutschnationalen im Bayerischen Landiag ein unblutiges Ende zu machen. Der Führer dieser vorerst noch fleinen Gruppe ist der Landtagsabgeord nete und derzeitige Vizepräsident, Oberlandesgerichtsrat Dorfler. der zurzeit im Lande für ein Zusammengehen des Bölkischen Blod's Grundsägen das Gleiche anstreben". mit den Deutschnationalen agitiert, da„ beide Parteien in ihren * finnung, die im deutschvölkischen Lager großgezogen wird. Die völkische Krise zeigt von neuem die schmutzige Ges Dem Deutschvölkischen Pressedienst" wird vorgeworfen, daß er mit falschen Nachrichten und gefälschten Unterschriften arbeite. In dem von einem deutschvölkischen Rechtsanwalt und zwei ehemaligen höheren Offizieren gezeichneten Schiedsspruch zum Fall Ludendorff- Ehrhardt wird die Weiterverbreitung anderer als in dem Spruch enthaltener Nachrichten als illoyal und unvölkisch bezeichnet. Ludendorff behauptet, die Veröffentlichung des Schiedsspruchs sei ,, wider Treu und Glauben". Wer bei diesen deutschvölkischen Standalen der größte held ist, bleibt für die Deffentlichkeit uninteressant. Man fann sich mit der Feststellung begnügen, daß sich die deutschvölkischen Freunde alles zutrauen und daß Ludendorff, der bei feinem völfischen Butsch fehlt und der sich nachträglich regelmäßig das Gegenteil bescheinigen läßt, auch bei den internen Zwiftigkeiten der Bölkischen seine flägliche Rolle spielt. Er begnügt sich nicht damit, sich mit dem wegen Meineids verfolgten Ehrhardt an einen Tisch zu sehen, er beschwert sich auch noch nach erfolgter Aussöhnung öffentlich darüber, daß er übers Ohr gehauen wurde, und merkt nicht, daß er Todesurteil spricht. damit sich selbst und dem gesamten völkischen Unfug das Volksbegehren in Schaumburg- Lippe. Bückeburg, 12. Auguft.( TU.) Der Drdnungsblod in Schaumburg- Lippe, der in der Hauptsache bezweckt, die Selbstän digkeit Schaumburg- Lippes zu erhalten, hat das Volksbegehren auf den Boltsentscheid durchgesetzt, durch den die Auflöfung des Schaumburg- Lippeschen Landtags herbeigeführt werden soll. Die Regierung hat dem Verlangen stattgegeben und den Stichtag auf den 21. Auguſt feſtgeſent. Rofe Fahnen in Rom. Aus Anlaß des Jahrestages des Kriegsbeginns flebten junge römische Kommunisten Propagandazettel beginns flebten junge römische Kommunisten Propagandazettel an die Mauern und hißten u. a. auf elektrischen Leitungsmaster rote Fahnen. Zehn Kommunisten wurden verhaftet. Berfassungsfag in Mostau. Zur Feier des Verfassungstages fand in der deutschen Botschaft in Moskau ein Empfang statt. Den abwesenden Botschafter vertrat der Geschäftsträger von Radowitz. Unter den Gästen befanden sich Tschitscherin, mehrere Vers treter des Kommissariats des Auswärtigen und das diplomatische Korps.. erquickt, getröstet und bereit, neuen Rummer unschuldig zu erdulden,| nungsvoller heranwachsender Jünglinge zum eindrucksvollen Tragen zu den häuslichen Geschäften. Der entlastete Gatte aber, der mie mehr das unerträgliche Klöhnen" zu hören braucht, nimmt beglückt ein Abonnement bei der segenspenden Hörer- G. m. b. H." Der Löser". Gleichfalls von unermeßlicher Wichtigkeit ist der Beruf des Lösers". Nicht Ehefesseln oder andere weniger der Beruf des„ Lösers". legitime Bande zu lösen ist seine Aufgabe, sondern sein Geschäft ist die jetzt fo allseitig beliebte Lösung von Preisrätseln, Preisaufgaben und dergleichen. Wenn auch die Rätsel häufig auf der Höhe der uralt beliebten Scherzfrage an fünfjährige Kinder stehen: Es hat zwei rote Beine, fo wird flappert mit dem Schnabel und steht auf dem Dache, doch noch immer die große Zahl derer nicht alle", die an der Enträtselung solcher Probleme Perlen blutigen Schweißes umsonst ver. gießen. Sie haben schon die geforderten 1-2 Rentenmark hübsch eingepackt und die Anwartschaft auf ein Automobil, mindestens aber Doch jetzt, wo die Bankgeschäfte stiller sind als die Trappisten auf ein paar garantiert ff. Flohfallen, doch noch harrt die Rätselnuß klöfter und die Kasernen zu allen erbentlichen bürgerlichen Zwecken der Knackung. Hilfsbereit tritt der Löser" auf und erledigt mit umgewandelt sind, herrscht ein dringendes Bedürfnis nach der Erstaunenswerter Promptheit gleich bei einem Niedersizen zwei öffnung neuer Zweige der Erwerbstätigkeit. Da selbst der noch Dutzend verschiedener Preisrätsel( für 50 Pf. das Stück, im Dutzend vor kurzem bestbewährte Beruf des Schiebers" nicht mehr in billiger). voller Blüte steht, so dürften einige neuartige Vorschläge für die Daß er nebenbei von den ausschreibenden Firmen noch eine Berufswahl auf dankbaren Boden fallen. hübsche runde Provision für seine werbende Tätigkeit bezieht, stört feine Kunden nicht im mindesten. Vor dem Umfattein zu dem neuen Beruf war der Herr Lehrer an einer Idiotenschule. Der„ Hörer". Wer kennt nicht, mehr oder minder perfönlich mitbetroffen, die„ klagende Frau": die Mißgunst der Zeiten, die teuren Butterpreise, die viel hübscheren Kleider der Schwägerin, die Tapfigkeit des Gatten, alles und noch mehr als alles gibt ihrem Für die vielen, die in fich den unwiderstehlichen Drang zur Jammer immer neuen Stoff, aber, ach,„ Er", der vor Gott und der Bühne fühlen, aber in den selbst Freibilletts nur mit Mühe unterWelt zum Mittragen des Leides Verpflichtete, lehnt sich unwillig bringenden Theater teine Aufnahme mehr finden, bietet eine glängegen die unablässig strömende Flut des Stöhnens auf, und verzende Aussicht der Beruf des Fürsten- und Heldendoppe! läßt am Ende gar fluchtartig das Haus der Tränen". Nicht immer gängers". find freundliche Nachbarinnen bereit, die schnöde abgebrochene Suade anzuhören, meist haben sie an ihrem eigenen Klagepalet genug zu tragen. Es entstehen Familientragödien, Ehescheidungen, Nerven zerrüttungen, alles nur infolge der zurückgedrängten Ergüsse häuslichen Leides. Da tritt der Hörer", mild lächelnd wie ein wahrer Rettungsengel, auf den Blan und beschwichtigt mit seiner stillen, aber segensreichen Wirksamkeit die aufgeregten Bogen des stürmenden Ozeans. Seine Aufgabe ist flar und hinreichend bestimmt durch seinen Berufsnamen: er fut nichts als hören! Alles aufgespeicherte Leid, alle Vorwürfe, Seufzer, Schimpfund Weherufe läßt er frommgeduldig, mit andachtsvolle Aufmertsamkeit ausdrückenden Mienen über sich ergehen( für 3,50 M. die Stunde, in ganz schweren Fällen 20 Prozent Ergriffenheitszuschlag!) Und der Erfolg ist glänzend: die Seele der vielgeplagten Frau bat„ abreagiert", wie die Psychologen fagen; sie hat endlich den ganzen Berg des Behs von ihrem Bufen heruntergeredet und eilt Die unzähligen Dent- und Mahnmalenthüllungen, Regimentsfeiern usw., die namentlich in Bayerns gesegneten Gefilden täglich veranstaltet werden, fönnen längst nicht mehr von den verfügbaren Prinzen, Generalen usw. persönlich bewältigt werden. Das mimische Talent des Heldendoppelgängers", namentlich, wenn noch eine gewiffe natürliche Anlage in Gestalt eines auf das Höchstmaß gesteigerten Selbstbewußtseins vorhanden ist, gewähr. leistet für alle nur erdenkliche Gelegenheiten den von unseren„ nationalen Berbänden" so heiß begehrten Schmuck des Festes. Je nach Bedarf als„ Ludendorff", Kronprinz Rupprecht, Wilhelm, Auguft, Heinrich der 40. erscheint unser Mann mit der ehernen Bose völkischtruziger, treudeutscher Gesinnung und empfängt unter den begeisterten Heil" rufen die bereitgehaltenen Ehrengeschenke sowie naa Schluß der erhebenden Feier ein Honorar, das jede Künstlergage tief in den Schatten stellt. Noch viel dankbare zeitgemäße Berufszweige fönnten angeführt werden, z. B. die Monotoliften", melche die Abrichtung hoff der für Kredit und gesellschaftliche Schäßung unentbehrlichen Scherbe übernehmen; ferner der Beruf der Schimpfer", di mit unnachahmlicher Geschwindigkeit das ganze Leriton völkischer Fluch- und Drohworte hersagen fönnen und ihre Kunst ihren Zöglingen bei. bringen usw usw. Der dankbarste Beruf ist aber der in das so beliebte Gebiet des Oftultismus einschlagende: die Kunst, unbemerkt das Geld aus den Taschen der anderen in die eigenen herüberzuzaubern! Alles fchon dagewesen selbst die Staatshypothet der Rentenmart. mart. Ein vor zweihundert Jahren geborener Bommer Heinrich Kart Schimmelmann feit 1779 dänischer Graf hat für Dänemart das gleiche unternommen, was unfere Regierung zur Zeit der Finanznot durchzuführen gezwungen war, nämlich beliebige Vermehrung des Papiergeldes. Sein Sohn, Graf Ernst Heinrich Napoleonszeit diese Inflation fortgesetzt von 1800 bis 1814 ftieg Schimmelmann, hat dann in der für Dänemart so schweren die Zettelschuld von 10% auf 142 Millionen Laler-, aber auch 1813 durch die Gründung der Reichsbank einen Ausweg aus diesem Zusammenbruch zu finden gesucht. Zur Fundierung dieser Reichsbant wurde alles Grundeigentum mit einer Abgabe von 6 Proz. des Wertes belegt, während die Rentenmarthypothet eine 4prozentige Belastung darstellt. Ein Allheilmittel war es damals nicht, aber eine sparsame Verwaltung unter Schimmelmanns Nachfolger als Finanzminister brachte dann doch allmählich den Staatskarren wieder ins richtige Gleis. Die Geschichte der beiden Schimmelmann lieft fish wie ein Kapitel aus einem modernen Finanzroman. Der von Haus aus unbemittelte Demminer Kaufmannssohn verdiente in Gemeinschaft mit dem anhalt- dessauischen Oberstallmeister Schönberg von Brentenhof( der nachher für den Alten Friß in den verwüsteten Oft provinzen für Aufbau sorgte) große Summen durch Armeelieferun gen für das preußische Heer im Siebenjährigen Kriege; namentlich wurde für Schimmelmann der Verkauf des von Friedrich II. tonfiszierten Meißener Porzellans ein einträgliches Geschäft. Schimmel. mann hatte sich hierzu in Hamburg niedergelassen, pachtete die Münze zu Plön und ließ dort minderwertiges Geld mit anhaltzerbstischem Stempel prägen. Als Millionär fuchte er Verbindung mit Dänemart; er wurde dänischer Gesandter in Hamburg und könig, licher Schatzmeister, Geheimer Rat, erst Freiherr, dann Graf. In seiner Doppelstellung als Hamburger Kaufmann und dänischer Staatsmann wußte er vor allem für feinen Geldbeutel zu sorgen; er erwarb große Befizungen in Dänemart, die föniglichen Plantagen auf den dänisch- westindischen Inseln. Er starb 1782; sein ältester Sohn midmete fich ganz dem dänischen Staatsdienste, wurde 1788 Mitglied des Geheimen Staatsrats, später( bis 1814) Finanzminister und von 1824 bis 1831( dem Jahre feines Todes) Minister des Ausmurde aber geschäftliche Üneigennügigkeit zugestanden. Er war es wärtigen. Seine Finanzgebarung war sehr umstritten; ihm selbst übrigens, der gemeinsam mit Herzog Friedrich Christian von Schles wig- Holstein- Sonberburg- Augustenburg unserem Schiller auf drei Jahre jährlich 1000 Taler zuwendete. Reichspräsident und Verfassungstag. Dank an die Republikaner. Der Reichspräsident hat WTB. folgende Zuschrift zur Veröffentlichung übergeben: cus ,, Mir sind aus Anlaß des diesjährigen Verfassungstages allen Gauen Deutschlands in überaus großer Anzahl Rundgebungen von Ortsgruppen des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, von anderen republikanischen Vereinigungen, von zu Verfassungsfeiern versammelten deutschen Frauen und Männern und von Einzelpersonen zugegangen; fie alle einzeln zu erwidern, ist mir leider nicht möglich, und ich muß mich damit begnügen, denen, die an diesem Tage des Repräsentanten der Deutschen Republik gedacht haben, auf diesem Wege herzlichst zu danken. Alle Telegramme und Zuschriften gipfeln in dem Treuegelöbnis zur Verfassung von Weimar und zu dem in der Republik geeinten deutschen Volfe; sie geben mir in ihrem Gesamtbilde die Gewißheit, daß die große Mehrheit der Deutschen, namentlich die werftätigen Volksgenossen, fest entschlossen find, auf dem Boden der verfassungsmäßigen Staatsordnung den Weg weiter zu gehen, der zur Freiheit und zur besseren Zukunft Deutschlands führen wird. Reichspräsident Ebert." Genf, 12. Auguft.( WTB.) Der Verfassungstag murde von zahlreichen Mitgliedern der deutschen Rolonie unter Beteiligung her studierender deutscher Studenten feierlich begangen. In den Festreden, die den Verfassungstag als Tag der deutschen Reichseinheit feierten, kam die Sehnsucht der Auslandsdeutschen nach Beendigung des innerpolitischen Haders immer wieder zum Ausdruck. Den Saal schmückte eine große schwarz- ro: goldene Fahne. Der Dank der Ausgewiesenen. Der Reichsverband der Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr, Sitz Kassel, hat an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm gesandt: Ihnen, Herr Reichspräsident, sendet der Reichsverband der Ausgewiesenen und Verdrängten ehrerbietigsten, aufrichtigsten Dank für die Worte zu Münster. Wir bitten, daß wir mehr denn je in Ihrer Person den starken Befürworter zur Linderung der Not ie in Ihrer Person den starken Befürworter zur Linderung der Not Der Gefangenen, Ausgewiesenen und Verbrägten sehen dürfen. Zugleich entnehmen wir Ihren Worten die Mahnung, daß kein Opfer groß genug ist, die deutsche Einheit zu wahren." Ruth Fischer's Aengste. Die Funktionäre opportunistisch. Immer wieder haben wir betont, daß das Anwachsen der tommunistischen Welle des vergangenen Jahres eine fast automatische Folge des deutschen Währungsverfalls gewesen ist und daß die Stabilisierung der Währung ebenso wie die Stabilisierung der europäischen Verhältnisse diese kommunistische Welle zunächst zum Stillstand und dann zum Abflauen bringen muß. Die Kom munisten haben gelegentlich so getan, als ob sie sich über diese unsere Auffassung lustig machen könnten. Da bei ihnen alles auf Bluff eingestellt ist, so glauben, fie manchmal offenbar selbst, sich und anbere dadurch über die wirkliche Entwicklung hinwegtäuschen zu tönnen, wenn sie Haltung markieren. Ihre flügeren Bertreter wissen aber natürlich ganz genau, was los ist. Ruth Fischer z. B. hat fets auf dem Standpunkt gestanden, daß die Partei zu einer flei nen und geschlossenen Sette werden müsse, wenn die pazifistische Welle" anhalte. Jetzt hat sie auf der Berliner Funktionärversammlung der KPD. unzweideutig zugegeben, daß unsere Auffassung der kommunistischen Parteientwicklung von den Tatsachen bestätigt wird. Im Bericht der Roten Fahne" heißt es: Benoffin Fischer zeigten an den beiden im ,, Funken" veröffentlichten Briefen der bisherigen Genossen Katlewski aus dem 2. Bezirk und Krause aus dem 14. Bezirk, daß es auch in der Berliner Organisation noch viele Elemente gibt, die den Charakter und die Aufgabe einer bolschewistischen Partei noch nicht begriffen haben. Aus dem Brief Katlewski spricht das mangelnde Bertrauen zur eigenen Kraft, der mangeinde Glaube und das BerDeutsche Professoren verleugnen die Farben der Republik. Zur 700- Jahr- Feier der Universität ne a pel war eine deutsche Delegation unter der Leitung von Profeffor Pend- Berlin abgeordnet. Diese Delegation berichtet jeht in den Mitteilungen des Verbandes Deutscher Hochschulen folgendes: ,, Die deutsche Delegation tam überein, anläßlich der Feier einen Kranz am Grabe Konradins von Hohenstaufen niederzulegen. Für die Schleife wurden die alten historischen Reichsfarben Rot und Weiß ( fo!) gewählt. Dieser Ausmeg mußte gewählt werden, da die offi3.ellen Reichsfarben Schwarz- Rot- Gold im Auslande unbekannt find diefes sieht auf den Schiffen immer nur Schwarz- Weiß- Rot zu ſehr peinlichen Verwechfelungen mit den belgischen Farben Schwarz- Gelb- Rot Veranlassung geben" und Zu Deutsch: Die offiziellen Reichsfarben" wollte man nicht zeigen, fand aber auch nicht den Mut zu einer schwarzweißroten Schleife. Wozu auch? Die alten historischen Reichsfarben Rot und Weiß" fennt in Italien doch jedes Kind! Was sagt das Kultusministerium, was das Auswärtige Amt zu dieser Art, die Würde des Deutschen Reiches im Auslande zu wahren? Die Riefenkraft des Vogelmagens. Während bei den Säugetieren das Gebiß die Zerkleinerung der Nahrung übernimmt, hat bei den Bögeln der Magen dafür zu sorgen. Der Schnabel des Bogels hat an der Zerkleinerung der Bissen nur geringen Anteil. Wie Karl W. Neumann in Reclams Universum" ausführt, ist der Vogelmagen zu diesem Zweck mit wahren Riefenträften ausgerüstet. Besonders bei Pflanzen- und Körnerfressern wird er zu einem Reiborgan von höchster Leistungstrait, zu einer förmlichen Mühle, die alle Zellulose. hüllen nach Art zweier Mahlsteine zersprengen fann. Die Wirkung der Magenwände, die durch besondere Muskeln gegeneinander gerieben werden, wird noch durch Steinchen erhöht, die zeitweilig aufgenommen werden. Diese Steine find nach längerem Verweilen im Magen ringsum abgeschlifffen und ganz glatt. Man hat nun Bersuche angestellt, um die Muskelkraft, die die Magenwände mit starkem Drud aneander preßt und die dazwischen befindliche Nahrung auf das Gründlichste zerreibt, zu berechnen. Dabei hat sich ergeben, daß 3. B. beim Truthahn die Kraft des Mustelmagens genügte, um eiferne Röhren flach zu drücken, die einer Belastung von 427 Pfund standhielten. Das Potsdamer Schauspielhaus wird in der neuen Spielzeit vom Berliner Dramatischen Theater" gepatet, aber von dem bisherigen Intendanten weiter verwaltet werden. Die Bühne hat ihren Rückhalt in den Potsdamer Theatergemeinden. Pocci im Bayerischen Staatstheater. Poccis bisher nur durch die Puppen theater bekannt gewordenen Stomödien beabsichtigt das bayerische Staatstheater in der Bearbeitung und Bühnenformung des neuen Schauspiel direktors Eugen Keller im Residenztheater zu geben. Der erife Sibirien- Film. In Nowo- Nikolajewst ist der Film„ Das rote Bas" fertiggestellt worden, zu dem die Aufnahmen teilweise im Altaigebirge gemacht worden sind. Das Filmdrama hat den Kampf der Sowjetheere gegen den Admiral Koltschat und die allmähliche Sowjettifierung Sibiriens zum Gegenstand. In polnischer Erde. Die sterbliche Hülle des bekannten bolnischen Dichters Heinrich Sienkiewicz, der am 11. November 1916 im Alter von 70 Jahren geftorben ist, soll im tommenden Herbst nach Polen übergeführt werden. Die Reiche ruht bis jetzt in Bebeh. zweifeln an der Revolution. Aus diesem Grunde ist er genau wie| bankfrach, die Tschechoslowakei ihren Benzinprozeß, Amerika sein Friesland, Levy und viele andere zum Reformismus abge Petroleumpanama, hat Norwegen seinen„ Nickelskandal". Eine schwenkt. Nicht um die Person Katlewskis handelt es sich hier über einen großen Teil des norwegischen Nidelvorkommens verallein, sondern das Schreiben ist für uns eine ernste war fügende Aktiengesellschaft, an der bürgerliche Minister, höhere Offinung, daß, wenn es noch eine längere Zeit dauert bis zur näch- ziere und Räte führend beteiligt waren, schloß sich während des ften revolutionären Welle, wir in der Partei alles einsehen müssen, um die Mitglieder über den wahren Charakter der revolutionären Kämpfe auch in einer verhältnismäßig ruhigeren Zeit aufzuklären und zu schulen." In gutes Deutsch übertragen bedeuten diese Bemerkungen nichts anderes, als daß die Massen und vor allen Dingen auch die Funktionäre in den Betrieben auf die wirtschaftliche Entwicklung und auf den Linkskurs der KPD. mit einem Abmarsch aus dem tommunistischen Lager reagieren. War es doch bezeichnend für die kommunistische Parteileitung, daß sie in Moskau den Versuch einer Annäherung an die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale mit dem Argument bekämpfte, die Massen und die Funktionäre feien opportunistisch verseucht. Bekannt ist, daß nicht nur in Berlin, daß an allen Orten Ausschlüsse und Uebertritte gehobener kommunistischer Funktionäre in den Betrieben, Gemertschaften und den Gemeindevertretungen an der Tagesordnung find. Ruth Fischer wird noch manche Schwierigkeit bei ihren Gläubigen erleben, wenn die pazifistische Welle anhält". Der Kommunistenprozeß in Leipzig. Leipzig, 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag vor mittag nahm der Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik die Berhandlungen im Hochperratsprozeß gegen die Pots damer kommunisten mit der weiteren Bernehmung der An geflagten wieder auf. Der Angeklagte S cha h, 21 Jahre alt, dem die Anklage vorwirft, verheimlichte Waffenlager mit Sprengstoffen besessen zu haben, leugnet alles und behauptet, weder den Angeklagten Fiedler noch den angeklagten Unteroffizier Burkhardt überhaupt zu kennen. Burkhardt und seine Frau sowie der angeklagte Gefreite Krause bestreiten diese Angabe. Schatz will seine Angaben vor der Kriminalpolizei der Wahrheit zuwider gemacht haben, um Frau Burkhardt gefällig zu sein, damit sie sich nicht von haben, um Frau Burkhardt gefällig zu sein, damit sie sich nicht von ihrem Kinde während einer Untersuchungshaft zu trennen brauchte. Den Munitionstransport zu Fiedlers Grundstück will er als Arbeitsloser auf Vorschlag von zwei Unbekannten übernommen haben, ohne entschädigt worden zu sein und ohne gewußt zu haben, was in den Säcken enthalten ist. Als die Handgranaten und die Munition im Keller aufgestapelt worden seien, habe er einen Schred bekommen und vorgeschlagen, nach einigen Tagen die Munition und die Waffen im nahen Walde zu versteden. Auch bei dem dritten Munitionsdiebstahl will Schatz den Auftrag von den gleichen Unbekannten erhalten haben. Er habe sich gegen den Auftrag gemehrt, sei aber beruhigt worden durch die Versicherung dieser Unbekannten, daß es sich nicht um Munition handele. Im Laufe der weiteren Vernehmung versichert er, bestimmt nicht gewußt zu haben, daß die Waffen für die KPD. bestimmt waren; es fei ihm ausdrücklich erklärt worden, fie feien für einen Gutsbesitzer, der des Selbstschutzes bedürfe. Der Angeklagte Franz Fredmann, 33 Jahre alt, Gärtner in Potsdam, bestreitet sämtliche Behauptungen der Anklage, die ihm u. a. schweren Diebstahl von Munition zur Baft legt. Das gleiche tut fein bereits schwer vorbestrafier Bruder Gerhard. Bon beiden nimmt die Antlage an, daß sie zusammen mit Reichsmehrangehörigen die in Frage stehende Munition entwendet und außerdem Sprengstoff besessen und anderen zu unerlaubten Zweden, Um 2 Uhr die ihnen befannt gewesen seien, überlassen haben. nachmittags wurde die Verhandlung auf 1% Stunden unterbrochen. * Krieges plöglich einer kanadischen Nickelindustriegesellschaft an. Mit riesiger Reflame wurde zur Zeichnung von Kleinaftien für diese englisch- kanadisch- norwegische Gründung geworben. Willig und vertrauend gab der norwegische Mittel- und auch Arbeiterstand, der damals sehr gut verdiente, seine Sparpfennige in die Gesellschaft, denn die Minister und andere Honoratioren versicherten ja, daß die englische Regierung selbst Nickel zur Kriegführung brauche und hinter der Neugründung stehe. 1917 brach die verheißungsvolle Gesellschaft ebenso schnell zusammen, wie sie aufgepustet worden war- rund 200 Millionen Kronen der norwegischen Aktionäre waren verloren. Wohlverstanden: der Kleinaktionäre. Von den Aufsichtsräten der Gesellschaft erfuhr man, daß sie außer Riesenprämien auch noch den größten Teil ihrer Attien rechtzeitig verkauft hatten. Immer noch beschäftigt sich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß mit dieser Blüte des Kriegsschwindels; auf Antrag unserer Genossen ist die Angelegenheit erneut dem Obersten Gericht zur Verfolgung übergeben worden. Der norwegischen Sozialdemokratie wird ihre Arbeit ungeheuer durch die Politisierung und Ueberspannung der Alkoholfrage erschwert. Den bürgerlichen Parteien ist es eine angenehme Verschleierung der sozialen und ökonomischen Fehler ihrer Männer, daß die Alkoholfrage alles überschattet. Dadurch wird die große Masse der Indifferenten daran gehindert, über den Kriegsschwindel und die Gründe der immer noch andauernden Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit nachzudenken. Gefördert wird diese Verschleierungspolitik der Bürgerlichen noch durch den wahnwißigen Kampf, den Moskau gegen die norwegische Arbeiterbewegung führt. Nur die Zersplitterung der Arbeiterschaft ermöglichte es, daß diefelben Kreise noch heute am Ruder stehen, die die Kriegseinkünfte in phantasievollen Spekulationen verpufften und feine Reserven für den seit Schaffung der eigenen Handelsflotte in Amerika flar vorauszusehenden Rückschlag zurücklegten. Die Konferenz vor dem Ende. Condon, 12. Auguft.( WBT.) Außerhalb der Konferenz hat dem Vernehmen nach die Erörterung der Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets während des ganzen Tags fortgedauert, ohne daß bisher über deren Ergebnis etwas Endgültiges befannt ist. Inzwifchen werden seitens Frankreichs auch die handelspolitischen Fragen aufgerollt. Das Schriftstüd, das gestern der französische Finanzminister Clémentel und Seydour dem Außenminister Dr. Stresemann überreichten, enfhält die Wünsche Frankreichs bezüglich der Regelung des handelspolitischen Verhältnisses mit Deutschland. Die französische Auffaffung scheint dahin zu gehen, daß, wenn in der Reparationsfrage in London eine Regelung getroffen wird, der Friede nicht durch einen eventuellen Zollfrieg gestört werden dürfe nach Ablauf der Frist, innerhalb deren Deutschland die zollfreie Einfuhr von Waren aus Elsaß- Cothringen zu genehmigen hat. Die deutsche Delegation überreichte einen Gegenvorschlag, der fich von der franzöfifchen Auffaffung in wesentlichen Punkten unterfcheidet. Hierüber wurde zwischen dem französischen Finanzminister Clémentel und Seydour fowie dem Reichsfinanzminister Dr. Luther und dem Staatssekretär Dr. Trendelenburg verhandelt. wird. Wie in Ententefreifen verlaufet, wurde bei dem gestern zwischen den deutschen und belgischen Delegationsführern ausgetauschten Besuch belgischerseits der Wunsch ausgesprochen, den deutsch- belIn der heute abend nach 8 Uhr beendeten Zeugenvernehmung gihen Handelsvertrag abzuschließen. Es tann angenommen werden, daß die ganze Frage der wirtschaftlichen Handelsbe. bekundeten die mit der Voruntersuchung beauftragten Berliner und Potsdamer Kriminalbeamten, sie hätten im Verlauf der Borunterziehungen Deutschlands in nächster Zeit eine Neuregelung erfahren juchung festgestellt: Am 7. Juni 1923 wurde gegen Abend in Potsdam der Friseur Rasch aus seiner Wohnung herausgelockt. Als er faum die Straße betreten hatte, erhielt er zwei Schüsse, einen schweren Bauchschuß und einen zweiten in den Oberschenkel. Gleich nach dem ersten Schuh rief ihm der Täter zu:„ Du Aas, das ist für Botsdam". Rasch lebte noch bis in den März hinein und machte diese Aussage den untersuchenden Kriminalbeamten am Tage nach seiner schweren Verletzung und gab ferner als Grund an, er habe aus dem Fieblerschen Grundstück auf einem Laftkraftwagen vor kurzem Gemehre abgefahren, aber später reute ihn dieser Waffentransport umd er meldete ihn der Polizei. Durch diesen Spizeldienst war Rasch der tödlichen Rache verfallen. Die Frage, an welchem Tage die einzelnen Diebstähle auf dem MG.- Zug stattgefunden haben, fonnte einwandfrei nicht festgestellt werden. Die einzelnen Daten konnten nur an der Hand der Meldungen der Wachtbücher, die der Rittmeister Möller, Führer des MG.- 3uges des Reiterregiments 4 in Potsdam vorlegte, refonftruiert werden. Mittwoch früh 9 Uhr beginnt die Anklagerede des Reichsanwalts. Daran schließen sich die Berteidigungsreden der drei Rechtsanwälte. Vor den Neuwahlen in Norwegen. Aus Christiania wird uns gefchrieben: Die neue norwegische Regierung hat sich dem Parlament vorgestellt. Sensationslos, wie zu erwarten war, mit einer faum 20 Minuten dauernden Regierungserklärung, die in ihren allgemeinen Redewendungen eigentlich nur das eine sagte: Wir sind ein Geschäftsministerium, das bis zu den Wahlen des Landes laufende Angelegenheiten so gut wie möglich ordnen will. Das Parlament nahm auch diese Erklärung ohne den Wunsch zu einer Aussprache über sie zur Kenntnis und vertagte sich bis auf weiteres, um der Regierung Zeit zu lassen, das von ihrer Vorgängerin begonnene Budget zu vollenden, das noch von diesem Thing angenommen werden muß. Fehlbetrag Das Budget muß zeigen, wes Geistes Kind die Regierung ist. Denn der vorliegende Entwurf balanciert bis auf 30 Millionen - durch riesige Verbrauchssteuern und Einfuhrzölle auf Güter des allgemeinen Konsums. Die fehlenden 30 Millionen sollte das ftaatliche Alkohol monopol, über das die Rechtsregierung fiel, einbringen. Unsere Genossen und die Arbeiterpartei" -die in ihrer Ideologie mehr den früheren deutschen Unabhängigen entspricht, als den Kommunisten haben bereits eine Reihe von Anträgen zur Entlastung des Konsums der breiten Massen von den übermäßigen Verbrauchssteuern und Zöllen bzw. Ersetzung des Fehibetrags durch Vermögens- und Luxussteuern vorbereitet. Bei der Beratung dieser Anträge wird die Regierung der Liberalen Farbe bekennen müssen. Was die mutmaßliche Dauer der Konferenz betrifft, so heißt es, daß, auch wenn eine schnelle Verständigung über die Räumungsfrage erzielt würde, die Herstellung des Protokolls, das die Ergebniffe der Konferenz zusammenfaßt, eine gewisse Zeit beanspruchen wird. Auch umfaßt der Rat der Bierzehn nur einen Teil der alliierten Staaten; den übrigen wurden heute nachmittag die bisherigen Beschlüsse unterbreitet. In englischen Kreisen glaubt man, daß die Konferenz bis Ende der Woche dauern wird. Günstige Aussichten. Condon, 12. August, abends.( Eigene Funtdepesche.) Die allgemeine Beurteilung der Lage ist abends günftig. Die Regelung der schwierigen Eisenbahnfrage soll morgen erfolgen. Man erwartet den Schluß der Konferenz feineswegs vor Sonnabend, da die Ferfigftellung des Schlußprotokolls zwei Tage in Anspruch nehmen dürfte. Die Rechte des Transferkomitees. London, 12. August.( WTB.) Wie hier verlautet, find die Arbeiten der Konferenz soweit vorgeschritten, daß nach dem Stande von heute nachmittag von denjenigen Dingen, die die drei Kommisfionen betreffen, nur noch die Frage der Sachlieferungen aussteht, die auf der Vollkonferenz erörtert werden sell. In der heutigen Konferenzfizung scheint eine sehr entschiedene sachliche Auseinandersetzung über die Frage stattgefunden zu haben, wieweit das Sachverständigengutachten dem Transferkomitee das Recht gibt, langfristige Anlagen in Deutschland zu machen. Die vier in London anwesenden Mitglieder des Dawes- Komitees sollten der Ronferenz mitteilen, wie sie selbst diesen Punkt des Berichtes des Sachverständigenkomitees interpretieren. Die zweite Frage war, ob darüber unbedingt zwischen der deutschen Regierung und dem Transferkomitee eine Verständigung erzielt werden muß oder ob an ein Schiedsgericht gedacht war. Der Bericht der vier Mitglieder des Dames- Romitees scheint der Auffassung der deutschen Delegation nicht entsprochen zu haben, die darum ersuchte, daß bezüglich der Auslegung dieser Bestimmungen die Konferenz felber der deutschen Delegation eine Erklärung abgibt. Heute vormittag wurde darüber in mehr als zweieinhalbstündiger Debatte gesprochen. Reichsfinanzminister Dr. Luther vertrat nachdrücklich den deutschen Standpunkt. Es wurde erreicht, daß heute nachmittag eine Spezialkommission von zwei Delegierten jeder der beteiligten Nationen zusammentrat, um festzustellen, wie weit die Rechte des Transfertkomitees nach dem Wortlaut des Gutachtens gehen. Wie verlautet, sind die deutschen Sachverständigen in der Lage gewesen, den Beschlüssen dieser Unterfommission beizutreten. Die deutsche Delegation hat sich vorbehalten, einen bestimmten Prozentsatz der deutschen Industrie von jeder fremden Anlage auszunehmen. Steuer, Zoll und die Zuchthausvorlage" wie unsere normegische Parteipreffe den auch der neuen Regierung unerledigt vorIn der Frage der Sachlieferungen erflärte fich die deutsche liegenden Entwurf einer richterlichen Entscheidung von Arbeitsstreitigkeiten nennt, mit Strafbestimmungen, Gelderstattung, Gefäng. Delegation dem Vernehmen nach bereit, Rohle und Kots nis, ja Zuchthaus für den, der sich dem richterlichen Entscheid nicht über 1930 hinaus zu liefern, ferner Brauntohle und Stid. fügt, das sind die Punkte, auf die die norwegische Sozialstoff, weigerte sich aber, in ihren Zugeständnissen weiterzugehen. demokratie als Wahlthemen hinweisen wird. Dazu kommt die Die Entscheidung darüber wird wahrscheinlich in der letzten KonAbwidlung der Kriegstorruption. Wie Dänemarf feinen Landmanns- ferensphase jallen. Gewerkschaftsbewegung Die Meinungsverschiedenheit. In der Arbeitszeitdenkschrift der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände ist auf Seite 11 folgendes zu lesen: ,, Die freien Gewerkschaften in Deutschland verlangen einen Wolfsentscheid über diese Ratifikation( des Washingtoner 21bkommens) und damit über den 2 chi stundentag. Maßgebende Sozialdemokraten, mie Breitscheid und Hilfer. bing, haben bereits öffentlich erflärt, daß auch sie den Achtstundentag als Voraussetzung für den Sachverständigenbericht und dessen Durchführung betrachten. So besteht die Gefahr, die Meinungsverschiedenheit der deutschen Arbeit geber und Arbeitnehmer über die Arbeitszeitfrage erheblich vergrößert zu sehen, und bereits hat der Vorwärts" angekündigt, daß die kämpfe um die Arbeits" zeit jetzt mit weit größerer Heftigkeit als bisher in Deutschland geführt werden würden." " " Die Denkschrift will daher das gesamte deutsche Volt" über die fozialpolitischen Auswirkungen des Sachverständigengutachtens unterrichten. Die Meinungsverschiedenheit von den Arbeitgebern in Dieser Frage auf unserer Seite dürfte durch diese Unterrichtung wohl faum behoben werden. Wenn der Vorwärts" Kämpfe um die Arbeitszeit angekündigt hat, so hat er damit lediglich die von dem Unternehmertum heraufbeschworenen Kämpfe im Auge gehabt. Trotz der dicken Unterstreichung der Vorwärts"-Anfündigung ist diese Ankündigung an sich belanglos. Denn auch ohne. dem ist es einfach selbstverständlich, daß die Arbeiterschaft fich gegen jedwede Berlängerung ihrer Arbeitszeit und damit gegen jeg liche Schmälerung ihres Menschtums wehrt. Es mag den Unternehmern vorübergehend gelingen, durch Aushungerung des einen oder anderen Teils der Arbeiterschaft diese so zu schwächen, daß sie sich unter Aus nügung ihrer Notlage vorübergehend eine längere Arbeitszeit aufnötigen läßt. Allein das Unternehmertum dürfte sich feiren Augenblid darüber im Zweifel befinden, daß es ihm auf die Dauer nicht möglich sein wird, an Stelle des früheren Dreischichtwechsels auf die Dauer das 3 weischichtsystem einzuführen, das heißt an Stelle der achtstündigen die zwölfft ün dige Arbeitsschicht einzuführen. Die Arbeiterschaft muß und wird sich dagegen wehren, so gut fie irgend fann. Kalkula tionen, die fich auf eine 10, 11- und 12stündige Arbeitszeit als Dauerzustand, als Normalrbeitszeit stützen, sind von vornherein perfehlt. Die fundamentale Meinungsverschiedenheit in diesem Punkte bestand so lange nicht, solange das Unternehmertum den Acht Stundentag unangetastet ließ, solange es nicht die Arbeiter in Kämpfe zur Verteidigung des Achtstundentages gezwungen hat, und nicht eher wird diese Meinungsverschiedenheit" be= hoben sein, bis der„ grundsägliche" Achtstundentag grundsäglich miedereingeführt und unumstritten ist. Die Klagetöne über den schematischen" Achtstundentag find falsch, weil die Arbeit nehmerschaft sich bereiterflärt hat, in all den Fällen, in denen eine porübergehende Längerarbeit notwendig erscheint, mit sich reden zu lassen. Doch dem Unternehmertum in seiner Gesamtheit ist es nicht um die Bewältigung gelegentlicher dringlicher Aufträge zu tun, jonDern wie auch die ,, Dentschrift" zeigt- um die Beseitigung des Achtstundentages, um die„ Anpassung" der Arbeitszeit an jede, auch die rückständigste Betriebsführung, anstatt um die An passung der Betriebe an die achtstündige Arbeitszeit, Auf Grund der Angaben des Statistischen Jahrbuchs wird der Arbeitszeitausfall durch Streifs und Aus= fperrungen angeführt. Die Zahl der Streifenden und Ausgesperrten in den Jahren von 1919 bis 1922 betrug über 18 Millio. ren und die Gesamtzahl der so ausgefallenen Produktionsstunden rund eine Milliarde, wovon mindestens 90 Prog. auf Rechnung der Etreits fommen". " ,, Dazu kommen die Ausfälle infolge der außerordentlich heftigen Streifs in der ersten Hälfte des Jahres 1924, die allein für 450 000 feiernde Ruhrbergarbeiter einen Lohnausfall von 60 Millionen Goldmark und einen Förderungsausfall von 7 Millionen Tonnen im Wert von rund 150 Millionen Goldmart brachten." Eine derartige Argumentation zur Begründung der Forderungen auf Arbeitszeitverlängerung ist einfach unehrlich. Denn den Herrschaften dürfte befannt sein, welche Verhältnisse obwalteten in den ersten Nachkriegsjahren. Sie werden nicht einmal angedeutet. Diese Zahlen beweisen nichts für einen halbwegs normalen Berlauf der Dinge. Wenn aber, wie beim letzten Bergarbeiterstreit, die Unternehmer einen Kampf heraufbeschwören, ohne sich vorher die Folgen zu überlegen, ohne vor diesen Folgen zurückzuschreden, dann fönnen sie nicht hinterher den Bergarbeitern die Schuld zuschieben. Wir wünschten sehr, daß die Meinugsverschiedenheit auf Unternehmerseite über den Achtstundentag nicht erst entstanden wäre. Es blieben ohnehin genug Meinungsverschieden C Spittelmarkt Hühneraug' auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring. Ecke Wallstraße Alexanderplatz nahe Aschinger gegenüber Rathaus Königstr. 55 W Friedrich- Str. 193 a Ecke Leipziger Str. Leipziger Str. 113 Ecke Mauer- Str. Linkstr.1 Ecke Potsd. St. N Schönhauser Allee 81 am Bhi. Nordring Friedrich- Str. 106 Ecke Ziegel- Str. Invaliden- Str. 164 Ecke Brunnen- Str. Invaliden- Str. 117 am Stettiner Bahnhof Chaussee- Str. 72 nahe Müllerstr. Frankfurter Allee 14 nahe Tietz heiten übrig. Da fie mun aber einmal bei den Unternehmern vor. handen ist, muß fie ausgefämpft werden. Die Kämpfe um den Achtstundentag; die das Unternehmertum heraufbeschwört, merden ihm an Hand der weiteren Zählungen zeigen, daß es ein ver. gebliches Beginnen ist, die Arbeitszeit willkürlich zu verlängern. Der Ausfall an Arbeitszeit durch Streits und Aussperrungen schafft einen Ausgleich gegen die Verlängerung der Arbeitszeit. Wir drohen damit feineswegs. Im Gegenteil, wir möchten Kämpfe um die Arbeitszeit durch die Anerkennung des Achtstundentags ver mieden wissen. Das Unternehmertum aber weiß ebenso gut wie wir, daß, wenn es feine Meinungsverschiedenheit nicht gründlich nachprüft, feinen Standpunkt in dieser Frage nicht ändert, die Wirtfchaft unmöglich zur Ruhe kommen fann. Der Kampf um die Arbeitszeit wird nicht eher zum Stillstand tom. men, bis das Unternehmertum, das ihn herauf beschworen hat, ihn aufgibt, den Achtstundentag anerbeschworen hat, ihn aufgibt, den Achtstundentag anermuß ihn führen so lange, bis er endlich zu ihren Gunsten entschieden fennt. Die Arbeiterschaft, der dieser Kampf aufgezwungen ward, ist. Die Arbeiterschaft führt den Kampf um den Achtstundentag in der Ueberzeugung, daß der Achtstundentag nicht nur nicht zum„ Ruin der Wirtschaft" führt, wie die Unternehmer behaupten, sondern im Gegenteil, zur Hebung der Pro buftion. Verfassungsfeier in der Reichsdruckerei. Durch eine Verfügung des Reichspostministers vom 25. Juli follte den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Reichsdruckerei, soweit die dienstlichen Verhältnisse es gestatten, die Teilnahme an der Reichsdruckerei stellte darauf in seiner Mehrzahl den Antrag den staatlichen Verfassungsfeiern ermöglicht werden. Das Personal auf Dienstbefreiung zum Zwecke der Teilnahme. Trotzdem in vielen Abteilungen der Reichsdruckerei bis zu drei Tagen ver= fürzt gearbeitet wird, wollte die Direktion nur fünf bis zehn Prozent der Beschäftigten in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags die Teilnahme gestatten. Die freigemerf schaftlich organisierten Arbeiter der Reichsdruckerei lehnten es daraufhin ab, sich an der staatlichen Feier zu beteiligen, da sie in den Maßnahmen der Direktion eine bewußte Beeinträchtider Reichsdruckerei hatten offenbar die Befürchtung, daß die repu gung der republikanischen Feiern vermutete. Die Regierungsräte blikanische Gesinnung ihrer Arbeiterschaft allzu sehr an die Deffentlichkeit tritt. Nach 10 Uhr vormittags am Verfassungstage wurde dann der Betriebsvertretung mitgeteilt, daß nunmehr bis zu 20 Prozent der Beschäftigten zur Verfassungsfeier gehen fönnten. Die Arbeiterschaft war über die Haltung der Direktion so empört, daß auch von der neuen Anordnung sehr geringer Gebrauch gemacht wurde. Bezeichnend ist, daß, nachdem die frei. gewerkschaftlich organisierten Arbeiter eine Befeiligung ablehnten, Gruppen von den während des Novemberstreits in der Reichsdruckerei eingestellten Streit. brechern sich bereitwilligst für die Verfassungsfeier zur Verfügung stellten. Wie groß das Interesse der Reichsdruckereidirektion für die Feiertage der Republik ist, beweist der Umstand, daß es erst eines besonderen Hinweises der Betriebsvertretung be durfte, um den republitanischen Flaggenschmud auf den Gebäuden der Reichsdruckerei erscheinen zu lassen. - Streit bei der Schuhfabrik Gebr. Erlach. Uns wird berichtet: Das geistige Niveau, auf dem die Inhaber mancher in der Nachkriegszeit entstandener Betriebe stehen, wird durch folgende Vorgänge beleuchtet, melche sich im Betriebe der Schuhfabrit Gebr. Erlach, Berlin, Fehrbelliner Str. 45, abgespielt haben. Erlach follen die Beleidigungen zurüdnehmen. 20s die Berfamma lungsteilnehmer um 14 Uhr weiterarbeiten wollten, murden sie friſt los entlassen. Der Vertrauensmann der Gewerkschaft wurde schon im Laufe des Vormittags entlassen, weil er auf die Ankündigung des Herrn Erlach, daß alle Versandungsteilnehmer fristlos entlassen übrigen nicht gemaßregelten Arbeiter der Firma beſchloſſen am werden, äußerte: Das können Sie halten wie ein Dachdecker." Die 11. August nach Arbeitsschluß den Streit. Der Betrieb der Firma Gebr. Erlach ist von der Gewerkschaft für organisierte Arbeitnehmer gesperrt. Kollegen und Kolleginnen! übt Solidarität und werdet nicht zum Streifbrecher! Die Bauarbeiter im Westen ausgesperrt. Die Bauunternehmer in Rheinland- Westfalen haben ihr Drohung wahrgemacht. Sämtlichen Arbeitern des Hoch-, Betonund Tiefbaues wurde gestern gekündigt, so daß von heute ab die gesamte Bautätigkeit durch das brutale Machtgebot des Unterfpruch abgelehnt, weil dieser ihnen eine Lohnerhöhung nehmertums eingestellt ist. Die Herren haben einen Schieds um fünf bis zehn Prozent auferlegte. Weil die Arbeiter einzelner Bauten und Orte zur Erringung dieser ihnen vorenthaltenen Lohnzulage in den Streit traten, deshalb die Aussperrung, die darüber hinaus den Zwed verfolgt, der gesamten deutschen Bauarbeiterschaft bei niedrigen Löhnen eine verlängerte Arbeitzeit aufzuzwingen. Durch die Aussperrung sollen die Bauarbeiter ausgehungert, mürbe gemacht, die Mittel der Organisation erschöpft werden, um den Abschluß eines Reichstarifs zu erpressen, wie ihn das Unternehmertum haben möchte, um bei Belebung der Baukonjunktur im Profitmachen nicht behindert zu sein. Die Spekulation der Baugewaltigen dürfte sich bald als verfehlt erweisen. Westfalen 18 000 Bauarbeiter beschäftigt wurden, schäht WLB. die Während T. angibt, daß in normalen Zeiten in RheinlandZahl der von der Aussperrung betroffenen Arbeiter auf 60 000 bts 70 000. Zur Kündigung der Lohnordnung im Bergbau. Bochum, 12. August.( Eigener Drahtbericht.) Es verlautet, dag in nächster Zeit die Bergarbeiterverbände gemeinsam über die werden. Im Deutschen Bergarbeiterverband besteht, wie der BerKündigung der Lohnordnung durch den Bechenverband beraten werden. Im Deutschen Bergarbeiterverband besteht, wie der Berbandsvorsitzende Husemann auf dem Internationalen Bergarbeiterfongreß in Prag angekündigt hat, die Abficht, das Ueberschichtenablommen zu fündigen. Das müßte vertragsmäßig am 1. September geschehen. Der deutsche Vertreter in der Bergarbeiterinternationale. Bochum, 12. August.( Eigener Drahtbericht). Als Nachfolger des frankheitshalber ausgefchiedenen deutschen Vertreters im Grefutivausschuß der Bergarbeiterinternationale, Verbandssekretär Wißmann- Bochum, tritt der Volkswirtschafter des Deutschen Bergarbeiterverbandes, Dr. Berger Bochum, in gekutivausschuß ein. Entgegenkommen der Unternehmer. den Ueber den Gang der Verhandlung in Ost- Oberschlesien wird aus Kattowiz berichtet, daß die noch schwebenden Streitfragen in den Verhandlungen des Arbeitsministers Dworsti mit den Unterneh mern nur die Bergwerte berühren, da die Streitpunkte über die Arbeitsbedingungen in den Hütten zwischen der Regierung und den Arbeitgebern nicht mehr vorhanden seien, insbesondere da sich die für die Hüttenverwaltungen verpflichtet haben, zehnstündige bieselben zehnstündige Schichtzeit Schichtverdienste zu gewähren, wie früher für die achtstündige Schichtzeit. Das heißt also, die Herren begnügen fich mit„ nur“ zwei Stunden unbezahlter Mehrarbeit. Welche Bescheidenheit! A- Angestellte der chemischen Industrie Morgen, Donnerstag, abend 7½ Uhr, AfA- Funktionärversammlung im Roten Goal des Bureaus des Zentralverbandes der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin, Belle- Alliance Straße 7/10. Berichterstattung und Beschlußfaffung über die Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß Groß- Berlin vom 1. August 1924. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frih Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruderet Sierzu 1 Beilage. Die Firma erflärte ihren Arbeitern am 28. Juni, daß in der Woche vom 30. Juni bis 5. Juli nicht gearbeitet würde. Die Be triebsvertretung erhob dagegen Einspruch und verlangte, daß mindestens drei Tage gearbeitet wird. Eine Verständigung fonnte nicht erzielt werden. Die Firma ließ dann in der betreffenden Woche einen Tag arbeiten. Die gesamte Belegschaft, vertreten durch den Betriebsrat, erhob Klage beim Gewerbegericht auf Zahlung des ausfallenden Lohnes, gestützt auf die Stillegungsverordnung und $ 615 des Bürgerlichen Gesetzbuches. In dem Termin am 19. Juli äußerte Herr Hans Erlach vor den Schranken des Gerichts zu dem Borsigenben des Betriebsrats Brodella gewandt: Sie sind die längste Zeit in meinem Betriebe gewesen." In der folgenden Zeit und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße&. ließ es die Firma an Schifanen gegen die Betriebsvertretnug nicht fehlen. Sie suchte zu provozieren, um eine Handhabe zu Entlassun gen zu bekommen. Der Betriebsrat hielt sich aber im Rahmen der Gesetze. Nach einem meiteren Termin am 8. August, bei dem die Belegschaft von den Arbeitern Brodella und Haffner vertreten wurde, ging die Firma zur Offensive über. Am 11. August beriefen die Herren Erlach eine Betriebsversammlung ein und erklärten den versammelten Arbeitern: Die Klage am Gewerbegericht ist zuungunsten der Arbeiter entschieden. Auf Geld brauchen Sie nicht zu warten." Nachdem die Herren Erlach diese bewußte unwahrheit gesagt hatten, äußerten sie sich der gesamten Belegschaft gegenüber:" Seht euch eure Betriebsvertretung an. Die beiden Strolche haben den Betrieb aufgehegt." Gemeint waren damit der Borfigende des Betriebsrats, Brodella, und der Vertrauensmann der Gewertschaft, Haffner. Am Fabrikausgange von Haffner zur Rede gestellt, erklärte Herr Paul Erlach: Ich sage noch dreimal zu euch Strolche." Auf Veranlassung der Gewerkschaft murde während der Arbeids. zeit am gleichen Tage eine Betriebsversammlung einberufen, gegen die selbst vom Syndikus des Fabrikantenverbandes nichts einzuwenden war. Die Firma machte im Betrieb jedoch bekannt, daß alle, die an der Betriebsversammlung teilnehmen, fristlos entlassen werden. Die Bersammlung begann um 12% Uhr und endigte um 14 Uhr mit dem Beschluß, die Gebrüder M CAVALIN DAS STREUDULVER GEGEN ACHSEL- U.FUSSCHWEISS Überall erhältlich! Cavalin an Sommertagen schafft unendliches Behagen. 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Erstere hat Schnellzugverbindung, die allerdings die Hin- und Rückfahrt auf zirka IS Mark stellt(bei je drei Stunden Fahrt): die Reis« mit dem Personenzug(etwa 5 Stunden) stellt sich in der vierten Klosie natürlich billiger. Wer von den Berlinern kennt Königsberg i. d. N.--- wer die Neumark? Wohl sind im Herzen der Neumark gelegene Orte wie Nesselgrund, Modderpfuhl, Saugarten(sie führen oll« dort etwas sonderbare Namen) von Som- msrfrischlern aufgesucht, aber es sind dies meist Verwandte von den Ansösiigen oder wieder Bekannte der Verwandten—, dem eigent- lichen Reiseverkehr und der Touristenwanderung ist das Gebiet noch einigermaßen fremd. Ein Wort über Sie Neumark. Di« Neumark ist, wie schon der Name sagt, erst später der Mark zugefügt worden, als das„Land jenseit der Oder". Sie ging bis Pommern, Polen und Schlesien, war 1S3Z— 71 von der Mark los- gelöst und macht jetzt den größten Teil des Regierungsbezirks Frank- furt a. d.O. aus. Das Land ist nicht eben wie links von der Oder, son- dern«in welliges 5?ügelland, ein Teil des urolisch-boltischen Höhsn- ■ zuges. Schon von der Bahn aus sieht man die leicht geschwungenen Kuppen, auf deren gutem Boden das Getreide prächtig wächst. Dos zwischen der Warthe und Pommern sich hinziehend« mittlere Gebiet ist ein riesiges Waldquartier: der 400 000 Morgen große neumärkische Forst. Hier zu wandern ist herrlich. Am Westrand der Neumark liegt nun ein« Anzahl alter Städte, die ihrer Bauten wegen dos Interesse des Besuchers verdienen. Entstanden in der Zeit, da wehr- hast« Rüstung notwendig war, sind sie von Mauer und Wall um- geben, und«in gütiges Geschick hat es gefügt, daß die alten Um- wallungen sich vielfach in fast lückenloser Form erhalten haben. Hier- zu gehören auf der Strecke Küstrin— Stettin die Städte Bärwalde, Mohrin, Königsberg. Oie Staüt Ser schönen Tore. Wenden wir heute unsere Schritte dem letztgenannten Städtchen Königsberg in der Neumark zu, so führt eine schottige Allee von dem stattlichen Bahnhof in 15 Minuten zu dem Eintritt in die eigentliche Stadt durch das Vernikowcr Tor. Die Bahnhofsallee ist von netten Einfamilienhäusern begleitet, auch einige— meist landwirtschaftliche Maschinen herstellende— Fabriken, aber glücklicherweise ohne das übliche Fabrikgepräg«, finden sich vor. Ueberhoupt darf man es der Stadt nachrühmen, daß sie sich gänzlich freigehalten hat von den • scheußlichen Mietkasernen, mit denen der betriebsam« Geist der Neu- zest zahlreich« näher an Berlin liegende alte Landstädtchen„ver- schönt" hat. In Königsberg legt man mehr Pietät an den Tag; das Tor mit dem malerischen Königsberger Wappen an dem Patrizier- Haufe in der Holzgasic, sowie ander« treu bewahrte alte Hausbcstand- teile zeigen dies an. Kurz vor dem Bernikower Tore findet sich zur Linken der Kirchhos mit malerischer, cpheuumsponncner Kapelle, rechts das Schützenhaus, dann nach links das im bekannten Postbau- ten-Stil errichtete Landratsamt(unwillkürlich sucht man nach dem Briefkasten, um die fälligen Ansichtskarten einzustecken) und jetz: steht man vor dem Tore. Alle Achtung!.«iochaufragend, zunächst viereckig in drei Stockwerken, deren mittleres die doppelte 5)öhe der anderen zeigt, dann«in achteckiger Turmaussatz: Unterbau und Ober- bau mit Zinnen gekrönt und durch ein Kegelspitze abgeschlossen. Wir treten in die Bernikower Straße ein, die, wie auch die übrigen Straßen, einen sehr sauberen, freundlichen Eindruck macht. Bald gabelt sie sich und geht links als Königstrahc, rechts als Holzstraße weiter. Dazwischen zwei weitere Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt: die gotische Marienkirche und das Rathaus, beides Backstein- bauten von schönen Formen, reichem Schmuck und bester Erhaltuno. Die Kirche erinnert an dep charaktervollen Bau der Katharinenkirche in Brandenburg a.d.H.: ein gewaltiges Schiff und ein schlanker Turm. der mit seinen 100 Metern das höchste kirchliche Baumerk der Mark ist. Der Turm ist, wie auch sein helleres Aeußere zeigt, neueren Datums; er wurde 1857/68 von Soller und Stüler errichtet. Sehr beachtenswert sind die Portale, dos schlanke Hauptportal und das breite Seitenportal mit ihren malerischen Verzierungen. Glasiert« Ziegel und Friese erhöhen den Reichtum des Schmuckes des Bau- werks. Das Rathaus, 14.— 15. Jahrhundert, hat prächtige Giebel aufzuweisen und zeigt in dem Aufbau der gottschen Etagen eine so glückliche Harmonie der Form, daß es berechttgt ist, es in der Wert- fchätzung neben das berühmte Rathaus in Tangermünde zu stellen. Am Ende der Königstroße links biegend, gelangen wir in die nach Schwedt führende Straße und nach wenigen Schritten in ihr zu dem Schwedler Tor. Es übertrifft an malerischer Wirkung noch das be- reits geschilderte Bernikower. Aus viereckigem Unterbau erhebt sich ein achteckiger Aufbau, von vi«r kleineren Türmen flankiert, und Das Schwedter Tor In Königsberg. von einem Kegel bekrönt. Namentlich von der Seite über blühende Gärten hinweg gesehen, zeigt es sich in feiner vollen malerischen Gestalt. In den beiden Toren, dem Rathaus und der Marienkirche find die Glanzpunkte des Städtchens gegeben. Oestlich von der Kirche führt die Klostergasse auf das zum Teil verfallene ehemalige Augusti- nerkloster, dessen Mittelbau jetzt Wohnzwecken dienstbar gemacht ist. Die Stadtmauer. Wer Nürnberg und andere süddeutsche alte, noch ganz oder teil- weise von Mauern umgebene Städte kennt, wird sich stets mit Ver- gnügen der malerischen Veduten erinnern, die diese alten Zeugen einer städtischen Wehrhafttgkeit bieten. Zumeist tritt bei ihnen noch der Reiz dunkler Gewässer hinzu, die den romantischen Zauber ver- stärken. Nun, Königsberg hat auch eine an vielen Stellen malerische Stadtmauer, die die Stadt noch ganz umgibt, ober freilich, mit dem Wasserzauber sieht es weniger verlockend aus. Nicht daß es fehlte. aber wenn man aus den auf die Stadt.mauer mündenden Gehöften und Gärten das Schmutzwosser sich durch die Mauer in ein undeii- nierbares Massenbett ergießen sieht und— riecht, so ist die? gerade kein« Erhöhung des ästhetischen Genusses. Aber trotzdem bietet ein Gang zwischen der Mauer und den Bretterzäunen der GeHöste man- chen Reiz. Die Wachtürme sind freilich bis ans wenige verschwunden: man hat die Ziegel zu anderen Zwecken verwendet. Andererseits hat man die Mauer, wo sie hinfällig zu werden drohte, zu stützen gewußt. Neben den alten Ziegelsteinen findet man moderne, auf denen Iah- reszahlen wie 1903 und 1908 stehen. Interessant ist es, die Maße der Ziegel zu vergleichen: die alten sind bedeutend größer; sie wiegen 12 Pfund, die neuen 7 Pfund. Unternehmen wir die Wanderung längs der Mauer, so stoßen wir ab und zu auf kleine angeklebte Häuser, auch in die gegenüberliegende Zaunsront haben sich solche Liliputwohnungen geschoben, vor deren Türen alte Leute sitzen, die sich der prallen Sonne erfreuen. Der Weg ist meist gepflastert, aller- dings leider mit jenen Martersteinen, die den leichten Stöckelschuheir der Damen gefährlich werden. Er ist breit genug, um einen Wagen passieren zu lassen, und die überall noch hängenden, von dem Ernte- wagen abgestreiften Halme zeigen, daß er«rst kürzlich befahren ist. Daß die praktisch« Neuzeit sich an die Poesie der alten Zeit nicht. kehrt, lehrt der kurz vor dem Schwedter Tor errichtet« neu« Turrp. den Transformator für die Ueberlandleitung enthaltend—„Vorsicht — Lebensgefahr"— steht angeschrieben. Lieblicher sind die Blicke aus die uns begleitenden Obstgärken: di« rotbraun-bäckigen Birnen hängen in dichter Füll« an den Zweigen. Ein Weinstock scheint sich an dieser Stelle weniger wohl zu stählen— nur wenige Trauben waren zu sehen. An einer Biegung des Mauerweges überrascht uns ein freundlicher Anblick: ein Dutzend junger Mädchen hat sich auf Schemeln niedergelassen und ist unter Leitung des Lehrers beflissen, einen alten Turm mit drübsrhängenden Kastanienzweigen aus Pa- pier zu bringen/ Das ist doch etwas Vernünftigeres— der Natur auf den Leib zu rücken— als im Klassenzimmer nach Gips zu zeich- nen. Unter Scherzfragen und Antworten passieren wir die zum Eng- paß gewordene Stelle— die jungen Damen hatten augenscheinlich ihren guten Tag— kein blödes Gekicher, sondern schlagfertig Ant- wort gebend. Und gleich darauf noch eine Ueberraschung: auf hohem Turm ein Storchennest mit behaglich sich sonnendem Storchenpaar. Möge diese Nähe«in gutes Om«n für die glückliche Zukunft der ein- stigen jungen Frauen sein. Der Charakter der Staüt. Di« Nettigkeit und Sauberkeit der Straßen, die Reichhaltigkeit der Läden, die wohltuende Ruhe des ganzen Stvaßenlebens lassen darauf schließen, daß hier ein angenehmer Wohlstand zu Hause ist. Kreis kranken ha us, Hospiz, Stift usw. weisen aus geordnete Fürsorge- kätigkeit hin. Die Kirche ist ein Hauptsaktor: ihr gehört ein großer Teil des Ackerlandes, das die Ackerbürger von ihr in Pacht haben. Ein« landwirtschaftliche Bank, eine Einkauf- und Verkaufgenossen- schast und manches Andere lassen ebenso den agrarischen Charakter erkennen, wie die gebotenen materiellen Genüsse den Schluß auf die provinzielle Fähigkeit in der Wertschätzung eines guten Lebens ge- statten. Vorzüglich ist das Bier— Boresch-Bier aus Stettin und ein einheimisches Bier, beides leicht und bekömmlich. Warum kann Berlin solches Getränk nicht lzaben— wie es einst von dem Grün- thaker Bier repräsentiert wurde—, während jetzt ein paar Firmen der Weltstadt den Genuß eines Bieres vorschreiben, das sich im Ge- fchmack mit den genannten provinziellen Erzeugnissen nicht verglei- chen läßt. Daß in einer so gearteten Stadt die sogenannte„national«" Richtung zu Haus« ist, empfindet man instinktiv, auch wenn nicht die bei- den Kränze mit den schwarzweißroten Schleifen am Kriegerdenk- mal diese Tatsache untersttichen. Von 7000 Einwohnern Königsbergs haben 300 sozialdemokratisch gewählt. Aufgabe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold(o heiliges Farbensymbol des Freiheitsttaumes unserer Väter!) wäre es, durch Massenaufgebot seiner Mannschaften von Zeit zu Zeit etwas Hecht-im-Karpfenteich-Charakter in die Ein- förmigkeit des politischen Denkens solcher Landstädte zu bringen. Daß so etwas ohne Reibung geschehen kann, haben neuere Ereignisse deutlich genug gezeigt._ „Die Rätsel de» Menschenleben," ist da? Thema einer Vortragsreihe, die der Dozent der Volkshochschule Lichtenberg Dr. Näg ler sür das Winter- semester in Aussicht genommen hat. Nutzer diesem Vortragszyklus sind noch tlurse über Mathematik, Nadio-Telesonie, Biologie, Volkswirtschaft, Pädagogik, Kunst und Musik vorgesehen. 15) Die Rebellion. Roman von 3oseph Roth. „Das ist der Dank, daß ich Dich aufgenommen habe," schrie sie.„Gehst herum und lebst von meiner Hönde Arbeit, ja, von meiner Hände Arbeit und fängst dir Streit mit srem- den Herren an und verlierst deine Lizenz. Bist du ganz ver- rückt geworden? Zehn gesunde Männer an jedem Finger hätte ich haben können, statt deiner, statt eines elenden Mannes, der einem kein Schutz ist und keine Freude imd jetzt auch noch eine Schande. Man wird dich einsperren, bei Wasser und Brot wirst du sitzen und ich muß deinen Namen trigen. Pfui! Pfui! Pfui!" Und dreimal spuckte Frau Katharina aus. Einmal traf sie die Hose ihres Mannes. Andreas wischte den Speichel seiner Frau mit zitterndem Handrücken weg. Dann erst wandte sich Katharina den häuslichen Ange- leasnbeiten zu. Sie warf sich auf die Knie und begann mit einem quietschenden Fetzen den Boden aufzuwischem Da- zwischen schrie sie:„Äennchen, stell die Vase auf. und „tummel dich!" und:„schone Bescherung! und:„so ein wütete scheuernd gegen die längst getrockneten und gelblich glänzenden Dielenbretter. Sie fuhr mit den Nageln zwischen die einzelnen Bretter m die Fugen und wirbelte und spritzte kleine Erdklümpchen auf. Trotz ihrer ange streng- ten Tätigkeit konnte sie denken und sogar in Wehmut sthmel- aen. Aus dem Boden ausgestreckt und ihn«»e zur Strafe. bearbeitend, dachte sie traurig an ihr verpfuschtes Leben. Ach, sie dachte an den schmucken schlanken Unterinspektor der Polizei, Vinzenz Topp, den sie eines Krüppels wegen ausgeschlagen hatte. O, wo waren ihre Augen gewesen.. Schnell erhob sie sich. Schnell löste sie ihr geschürztes Kleid, warf sie den Schlüsselbund auf de« Tisch, ergnff sie einen Kamm, stellte sich vor den Spiegel und ordnete ihre �Donn schlug sie die Tür ins Schloß und rannte den Korridor entlang zu der Wohnung des Klempners Faßbend, bei dem der Unterinspektor ein möbliertes Kabinett inne hatte. Binzenz Topp hotte in der letzten Nacht Dlenst gehabt. Jetzt war er gerade im Begriff, sich zu rasieren. Mil einem halb eingeseiften Angesicht lief er zur Tür. „Entschuldigen Sie, entschuldigen Sie» ich bitte vielmals um Entschuldigung!" sagte Vinzenz Topp, während er die Frau Katharina in sein Zimmer führte. Die Familie Faß- vend war sür zwei Tage aufs Land gefahren zu der Kind- taufe eines tandwirtschaftlichen Onkels. Vinzenz Topp ließ Frau Katharina niedersitzen und bat, sich rasieren zu dürfen. Die Höflichkeit war eine zweite Natur, man hätte ihn mitten in der Nacht wecken können und er wäre höflich gewesen. Frau Katharina war gekommen, um seinen juristischen Rat zu erbitten. Sie hatte zu ihm Vertrauen, wie zu einem Rechtsanwalt. Sehr schnell und mit jener präzisen Sachlich- keit, die sie vor ihren Geschlechtsgenossinnen auszeichnete, er- zählte sie den ganzen Vorfall. Binzenz Topp kniff die Unterlippe ein, um sein wund- rasiertes Kinn mit dem Stein einzureiben. Dann streute er wohlriechenden Puder auf sein Angesicht. Hierauf nahm er den Unisormrock von der Stuhllehne und schlüpfte in ihn sorg- fältig, wobei seine Knochen knackten. Jetzt erst war er fähig, eine Auskunft zu erteilen. � Ach, es war nicht das erstemal, daß sich Leute,—„Laien wie er sie nannte— an ihn um Rat und Auskunft gewandt hatten. Er wußte manches aus seiner Praxis. Dieser Fall schien ihm sehr oerwickelt. „Das ist bewaffneter Widerstand gegen die StaatsgewaU und übrigens Amtsehrenbeleidigung. Ihr Herr Gemahl"— Vinzenz sagte immer: Herr Gemahl, denn er war ein besserer Mensch—„kann froh sein, wenn er mit einer Polizeistrafe davon kommt. Wahrscheinlich wird sich auch das Gericht mit der Sache beschäftigen." Katharina breitete ihre Arme aus, stützte sie auf den Tisch und ließ den Kopf aus die Platte sinken. Nach einer Weile wurde ihr Schluchzen hörbar. Ihre Arme lagen rosig, rund- lich und verlockend da. Binzenz Topp legte seine duftende Hand auf einen dieser Arme.„Trösten Swsich!" sagte er. Dann ging er zur Tür und schob für alle Fälle den Riegel vor. Katharina erhob ihr tränxnüberströmtes Antlitz. Sie wußte selbst nicht, ob sie um ihren Mann weinte. oder um Vinzenz Topp. Er war so schön mit seinem weißgevuderten Kinn und seinem noblen Toiletteseifengeruch. Seine Unifonn saß wie angegossen. O. wo waren ihre Augen gewesen? Sie verglich. Sie konnte nicht anders. „Retten Sie mich!" schluchzte sie plötzlich auf und breitete ihre Arme aus. Vinzenz ließ sich in sie fallen. So kam er endlich zu dem Genuß dieser Frau, die er lange und insgeheim ersehnt hatte. Es war eine freundliche Fügung des Schicksals. Er vergaß nicht, schwere Beschuldigungen gegen Andreas zu häufen, den er nicht mehr„Herr Gemahl" nannte. Auch der Frau Katharina machte er sanfte Vorwürfe. Aber alles sprach er in einem zärtlichen, überlegenen Schäkerton, wie ihn Katharina noch niemals vernommen hatte. Als sie seine Wohnung verließ, war es später Abend. Sie roch nach seiner Seife und sie trug freudig seine Atmosphäre mit sich herum. Man kann sagen, daß sie an diesem Abend vollkommen glücklich war. 9. Das Unglück Andreas Pums hatte noch einem anderen wohlgetan: dem Herrn Arnold nämlich. Sein Zorn war ver- raucht. Den unangenehmen Luigi Bernotat versuchte er zu vergessen. Morgen wollte er zum Rechtsanwalt gehen. Er küßte seine Frau und seine blühenden Kinder. Er sprach wieder freundlich mit dem Dienstmädchen. Und obwohl ein strenger Ernst über seinem Wesen und seinen Bewegungen und seinen Worten lag, atmete seine Umgebung dennoch auf. Er warf einen freundlichen Schatten auf seine Familie. Andreas Pum aber ging in den Stall. Da stand Muli und hauchte Wärme aus. Eine Fledermaus hing im Winter- schlaf zwischen zwei Pfosten, die im Winkel ein Dreieck bil- deten. Das feuchte Stroh stank und war in der Nähe der Tür gefroren. Der Wind blies durch ihre Fugen. Andreas sah ein paar Sterne des nächtlichen Winterhimmels durch eine Ritze. Er spielte mit einem Strohhalm. Er flocht einen Ring aus drei Halmen und schob ihn auf das Ohr Mulis. Das Tier war gut und ließ sich liebkosen. Es hob mit freundlicher Langsamkeit einen Hinterfuß und das sah aus, als hätte es den ungelenken Versuch gemacht, Andreas zu streicheln. Es war hell genug, daß man seine Augen sehen konnte. Sie waren feucht, als stünden sie voller Tränen und schämten sich doch zu weinen. Je weiter die Nacht fortschritt, desto kälter wurde es. Andreas hätte am liebsten gewimmert, wenn er sich nicht vor dem Tier geschämt hätte. Sein fehlendes Bein schmerzte wieder, nach langer Zeit. Er schnallte die Krücke ab und be- tastete seinen Stumpf. Er hatte die Form eines abgeflachten Kegels. Dünne Rillen und Vertiefungen zogen sich kreuz und quer über das Fleisch hin. Wenn Andreas seine Hand darauf legte, milderte sich der Schmerz. Aber der andere, der in seinein Innern wütete, hörte nicht ar; .Einsetzung- folgt.) Gartenkunst. beschädigten in Höhe von 10 und 15 Goldmart monatlich werden für die Monate Juli und August am 20. August, vom 1. September ab dann laufend monatlich ausgezahlt. Nicht Auf- und Abspringen. Die Unfallverhütungsmaßnahmen der Straßenbahn. Die beständige Steigerung des Groß- Berliner Verkehrs, an sich ein Zeichen aufblühenden wirtschaftlichen Lebens, bedingt als Kehr feite eine stärkere Gefährdung der Straßenbenutzer durch die verschiedenen Verkehrsmittel. Um so mehr muß die Aufmerksamkeit aller beteiligten Kreise auf die sachgemäße Anwendung und Durchführung aller zur Verhütung von Unfällen dienlichen Vorkehrungen gerichtet werden. Zwischen den Gärten und Parks, die fürstliche und private, mit Glücksgütern gesegnete Schloßherren schufen, und dem bescheidenen Blumengarten des Siedlers oder gar Laubenkolonisten besteht ein gewaltiger Unterschied, und doch kann man bei beiden von Gartenfunst sprechen. Nicht die Masse der aneinandergereihten Anlagen, nicht das dichte Gedränge seltener Bäume oder tostbarer Pflanzen gibt die Gewähr, daß die Schöpfung einen fünstlerisch reinen Genuß gewährt, sondern der Rhythmus, den die Verteilung des gepflanzten Materials auf die Fläche hervorruft, und die sorgfältige Abstim mung der Farbentöne rufen einen harmonischen Eindruck hervor. Nun wird der Gärtner, ber über ein großes Terrain verfügt, schon manchen von der Natur gebotenen Vorteil haben: welliges Land, Waffer, vorhandene alte Bäume sind gewissermaßen Fingerzeige für die weitere Ausgestaltung, aber auch der Kleingärtner kann die Schönheit mit der Nützlichkeit verbinden. Er braucht nicht in das Extrem des Japaners zu verfallen, der auf ein paar Quadratmetern eine Parklandschaft mit Seen hervorzaubert, indem er Zwergbäume kultiviert und anpflanzt und Bäume zu absonderlichen Gebilden vereinigt. Nein, je ungefünftelter die Pflanzung sich gibt, besto mehr gewinnt sie unsere Teilnahme. Die Architekten haben seit einer Reihe von Jahren versucht, auch die Gartengestaltung von Einzelhäusern in ihre Hand zu bekommen, aber uns dünkt, daß sie in der Ausführung ihrer Grundidee: der Garten ist die erweiterte Woh nung nicht sehr glücklich gewesen sind und es auch der Natur der Dinge nach nicht sein können. Denn einen Garten in ein Gehege umzuwandeln, wo weiß angestrichene Laubengänge vorherrschen, an denen man einigen Schlingpflanzen ein Emporflettern geftattet, die dann und wann einen Ausblick auf den Rafen mit etlichen fümmerlichen Blumen gestattet, ist alles andere, nur nicht die Erheitseinrichtungen, die Hilfeleistung bei Unfällen und die Verhütung füllung des Wunsches, im Garten unter freiem Himmel zu sein, und sich an Form, Farbe und Duft der Blumen zu erfreuen. Dieser Architekturgarten ist die moderne Uebertragung des einst für riesige Anlagen geschaffenen französischen Stils in das Bourgoishafte; aber wie der steife Charakter jener einst bewunderten Gärten dem frischen Wesen des natürlichen( auch englischen genannt) Stils Play machen mußte, so soll auch heute die Natur wieder die einzige Lehrmeisterin sein. In den vielen Stauden( mehrjährigen Gewächsen) haben auch Die Kleingartenbefizer ein Material, das ihnen die schöne Ausgeftaltung ihres bescheidenen Besitzes gestattet. Wer früh und spät blühende Stauden anpflanzt, wird stets blühende Pflanzen haben, und die abgeblühten verwelten nicht, sondern tragen durch das Grün der Zweige und Blätter zur Belebung bei. Das gleiche gilt von den Schlingrosen und von den blühenden Sträuchern. Wer etwas Farbenfinn befitt, kann auf kleinem Raum eine wirklich schöne Offenbarung der Gartent un st liefern. Rationalismus und Gartenkunft. Was gemisse Leute ais Förderung der Gartenfunft ansehen, zeigte der Besuch der 37. Hauptversammlung der Deutschen Gesellschaft für Garten kunst" in Potsdam. Auf der Tagesordnung stand begreiflicherweise Sanssouci, und es war dem Leiter des Partreviers Sanssouci, Herrn Polente, beschteden, in fachmännischer- untadliger Darstellung, unterstützt durch prächtige Lichtbilder, zu zeigen, welche Arbeit ihm in den letzten Jahren obgelegen hat, um die Verschandelungen des Parkes durch die Schöpfungen" Wilhelms II. wieder gutzumachen. Kein Wort der Kritit tam über seine Lippen, aber die Bilder sprachen sie um so deutlicher aus. Diesem anregenden Vortrage gingen eine mit Stentorstimme vorgetragene Rede des Studienrates Professor Dr. Ronia über Sanssouci und eine längere Ansprache des neuen Borstandsmitgliedes, Gartenbaudirektors Rube, voraus, die augenfcheinlich die Gelegenheit willkommen hießen, um gegen die Re publit Sturm zu laufen. Daß folche Angriffe in einem der Kunst, also doch sicher unparteiisch gedachten Verein möglich sind, zeigt, mie groß der Haß diefer Leute ist. In komischer Weise tam auch die Gegnerschaft der Fachleute gegen die Nichtfachleute, die in der Gegenwart zum Teil mit der Berwaltung der ehemaligen fürst lichen usw. Gärten betraut sind, zum Ausdrudum fo fomischer, als fie turz vorher den Grafen Bückler- Mustau gefeiert hatten, der auch kein gelernter Gärtner gewesen ist. Und Herr Konia hat sich auch wohl nur historisch mit den verschiedenen Landschaftsstilen befchäftigt. Wenn die Gesellschaftsmitglieder sich mit einer solchen parteipolitisch zugespitzten Leitung zufrieden geben, dürfen sie sich nicht mundern, wenn der Wert ihrer Kritik nicht hoch eingeschätzt wird. ,, Sprich Dein letztes Gebet! 3wei Jahre waren sie zusammen gegangen, fraßen fich fozufagen vor Liebe auf, der Vorsitzende des Potsdamer Mandolinenflubs, der 32jährige Monteur Wilhelm K. und die fesche Obstzüchterstochter Erna B. aus Werder. Nicht sehr erfreut war die Kleine, als ihr Freund sie am Himmelfahrtstage d. I. versetzte und sich einer Herrenpartie anschloß. Diese Partie verlief feuchtfröhlich, und fehr erstaunt war R., als ihm in einem Waldlokal bei Potsdam, wo die Herrenpartie endete, feine kleine Freundin wutentbrannt entgegenSprang und ihm Szenen machte, daß die Mandolinensaiten mur fo sprangen. Hinter einem Holzstapel stellte er sie zur Rede und mit den Worten„ Sprich Dein letztes Gebet", hielt er ihr die Kehle zu und schlug auf die Wehrlofe ein. Die Zähne flogen dem Mädchen aus dem Munde, der Kinnbacken sprang heraus und mit dick verschwollenem Gesicht landete es in Werder. Die Beiden sahen sich nach dem ereignisreichen Himmelfahrtstag zum ersten Male vor dem Potsdamer Amtsgericht wieder. Dieses Gericht verurteilte den temperamentvollen Liebhaber megen Körperverlegung aus§ 223a zu 4 Monaten Gefängnis. Der Angeklagte braucht die Strafe nicht absigen, wenn er binnen drei Monaten eine Geld buße von 120 Mart zahlt. Und wenn nicht alles täuschte, auf dem Gerichtskorridor versuchte er schon wieder mit ihr anzubändeln. Ein Vorspiel zu der Mahlsdorfer Mordtat. Der unter dem Verdacht des Mordes an dem 14jährigen Schüler Günther Beyer in Untersuchung genommene 19jäh= rige Kaufmann Hans Liebeck, wird sich am 1. September schon megen einer anderen Straftat vor Gericht zu verantworten haben. Wie erinnerlich, wurde Günther Beyer in der Nähe von Mahlsdorf mit verbundenen Augen erschossen aufgefunden. Die Motive der Tat find noch nicht aufgeflärt. Es besteht aber der dringende Verdacht, daß Hans Liebeck an der Tat beteiligt ist. Hans Liebed hat troß seiner Jugend ein bewegtes Leben hinter sich. Schon als Schüler ist er wiederholt von Hause ausgerückt und hat eine Wanderfahrt durch ganz Deutschland gemacht, ist auch über die Grenze gekommen und durch Teile der Schweiz, Italiens und Desterreichs gezogen. Im be= fezten Gebiet soll er mehrmals von den Franzosen gefangengenom men sein. Nach seiner Behauptung war er auch einige Belt bei den Hitler- Truppen. Schließlich hatte ihn sein Bater in dem Weltreisebureau Union untergebracht, wo er zusammen mit einem Hauptmann v. Stranz im Paßbureau tätig mar. Hier soll Liebed die ihm zur Besorgung von Baßvisums übergebenen Gelder unterschlagen haben. Deswegen wird er sich zunächst einmal vor dem Strofrichter zu verantworten haben. Drei Großfeuer im Reich. Die Arbeitertolonie Freistatt" im Kreise Su lingen hat durch einen Brand des Jungviehstalles, in dem das Vieh der ganzen Kolonie untergebracht war, einen großen Verlust erlitten. Das Gebäude war in furzer Zeit ein einziges Flammenmeer. Vernichtet wurden außer dem Stall mit Einrichtung 200 Stüd Vieh, 5000 3entner Heu und 1000 Zentner Stroh sowie mehrere Maschinen. In Goslar am Harz brach am Dienstag nachmittag in einem Häuferblod ein Großfeuer aus, dem 3 Häuser der Schielenstraße zum Opfer fielen. 5 Familien, deren Wohnungen vollständig ausgebrannt find, haben ihr hab und Gut vollständig Reihe von Schläuchen rissig waren und beim ersten verloren. Bei den Löscharbeiten stellte es sich heraus, daß eine Wassergeben plagten. In Babenhausen in Hessen kam in der Badegasse, wo fleine Fachwerkhäuschen dicht aneinander hängen, bald ein, und gegen 7 Uhr langte die große Motordampffprize aus Großfeuer aus. Die Feuerwehren der ganzen Umgebung trafen Feuers Herr zu werden. Ungefähr 7 bis 8 Scheunen und 4 WohnOffenbach an. Mit vereinten Kräften gelang es endlich, des häuser mit Hintergebäuden wurden ein Raub der Flammen. medienburgischen Grenze und in Vorpommern ausgebrochen. Bisher Ruhrepidemie in Vorpommern. Eine Ruhrepidemie ist an der zählt man vier Todesopfer. Besonders ist die Landbevölkerung von der Krankheit befallen. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, liner Straßenbahn- Betriebs- G. m. b. S. im Juni für Um einen Anreiz zur Unfallverhütung zu geben, hatte die Berveröffentlicht, durch das die Frage beanwortet werden sollte:" Durch alle Angehörige der Straßenbahn ein Preisausschreiben welche Mittel fann der Betrieb noch verbessert und das Berliner Publikum beeinflußt werden, damit die Unfälle und Zusammenstöße im Straßenbahnbetrieb noch weiter vermindert werden?" Es tonn ten Vorschläge für einen neuen ausführbaren Gedanken fowie für wirksame Bilder und Blatabe gemacht werden. Die zur Ausführung fommenden Vorschläge follten mit je 50 Goldmark gekrönt werden. Das Ergebnis des Preisausschreibens darf als durchaus erfreulich bezeichnet werden, da aus dem Betriebe heraus eine ganze Reihe Don praktisch brauchbaren Borschlägen gemacht und entsprechend honoriert wurden. Gleichzeitig widmete die Straßenbahn- Betriebs- Parteinachrichten G. m. b. H. zwei Sondernummern ihrer Betriebszeitschrift ausschließlich den mannigfaltigen Aufgaben für die Unfallverhütung. Sier find alle Fragen erörtert, die sich auf die Verkehrssicherheit im das Signalwesen, die Bremsvorrichtungen, die Schuh- und SicherStraßenbahnverkehr beziehen, die Auslese des Personals ebenso wie große Publikum über die Gefahren des Straßenver ron Zusammenstößen. Endlich wird auch Wert darauf gelegt, das Pehrs und über die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen aufzuflären. Vor allem ist darauf zu achten, daß ein Straßenbahnwagen nicht plötzlich zum Stillstand gebracht werden kann und daß deshalb das furz megige Kreuzen der fahrenden Straßenbinden ist. Ebenso muß dem Publikum der Sah eingeschärft bahnwagen unter allen Umständen mit Lebensgefahr verwerden, daß die meisten schweren Unfälle durch Aufund Abspringen während der Fahrt entstehen. Schon hieraus erfieht man, daß die Unfallverhütung bei der Straßenbahn nicht bloß eine Aufgabe der Verkehrsunternehmungen, sondern ebenso auch eine Frage der Erziehung des Publikums zur Vorsicht und zur Beachtung der in seinem eigensten Interesse erlassenen Betriebsvorschriften ist. Ein Schuß quer durch die Nase. Mit dem Revolver gegen den geschiedenen Ehemann. wußte, so sagte die 40 Jahre alte Frau Marie B., habe sie zur Weil sie sich vor ihrem Manne nicht mehr anders zu retten Waffe gegriffen und auf ihn geschossen. Der Mann wurde durch einen Schuß quer durch die Nase verlegt. Er wurde auf der nächsten Unfallstation verbunden und ins Krankenhaus transportiert. Schon seit zwei Jahren ist Frau B. von ihrem Manne, dem 45 Jahre alten Heizer Wladislaus B., geschieden. Das jetzt vier Jahre alte Kind wurde ihr zugesprochen und der Mann sollte für das Rind forgen. Nach Angaben der Frau tam er seinen Ver= pflichtungen aber nicht nach. Vielmehr verfolgte er fie und soll ihr mit Schlägen gedroht haben. Sie habe dann mit Waschen, Aufwarten und anderem sich und das Kind ernährt. Am Montagmittag habe ihr geschiedener Mann sie wieder vor ihrem Hause angesprochen, sie beschimpft und bedroht. In ihrer Wut und Angst sei fie mun in ihre Wohnung gelaufen, habe den Revolver geholt und vor der Tür des Haufes dann auf ihren Mann zwei Schüsse abgegeben. Einer davon traf ihn quer durch die Nase. Wie weit die Angaben und Aussagen der Frau stimmen, muß erst durch die Nachprüfungen der Kriminalpolizei festgestellt werden. Der Ehemann fonnte noch nicht vernommen werden. Die Frau wurde durch herbeieilende Baffanten festgenommen und der Polizei übergeben. für Groß- Berlin fiets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Achtung, Abteilungsleiter! Jm Sekretariat find Agitationsbroschüren vorrätig, die kostenlos Zimmer 4. abgegeben werden. Abholen in der Bureauzeit von 9-5 Uhr, * 4. Kreis Prenzlauer Berg. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde! Donnerstag, den 14. August, 7% Uhr, Jugendheim, Danziger Str. 23( Sof rechts. Zimmer 19), monatliche Zusammenkunft der Kinderfreundehelfer und der Delegierten. Tagesordnung: 1. Bericht der Reichskonferenz. 2. Fortsegung der Diskussion. 3. Verschiedenes. 5. Kreis Friedrichshain. Die Sigung des Kreisvorstandes mit den Bezirksdelegierten findet am Freitag, den 15. August, 7% Uhr, bei Rosin, Gubener Str. 19, ftatt." 13. reis. Die Kreisvertreterversammlung findet umständehalber Freitag pünktlich 7% Uhr bei Rathke, Ringstraße, am Bahnhof Mariendorf, statt. 15. Areis. Freitag, den 15. August, 7% Uhr, Sigung des Kreisvorstandes mit den Delegierten zum Bezirkstag bei Grahl. Berliner Str. 129. 20. Areis Reinidendorf. Die Billetts zum Sommerfest und zur Verfassungsfeier milffen bis heute, Mittwoch, abend beim Genossen Lehmann, Reinickendorf- Ost, Sceftr. 4, abgerechnet sein. Nicht abgerechnete Billetts müssen bezahlt werden. Heute, Mittwoch, den 13. August: 20. t. 7 Uhr Zahlabend in den befannien Lokalen. 26. t. 7% Uhr im Musikalischen Fuchs", Jostnstr. 7, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genoffen Adolf Hoffmann. 34. Abt. 7 Uhr Zahlabend bei Mücke, Warschauer Str. 17, und Roftu, Gubener Str. 19. 48. Abt. 7 Uhr bei Gliefing, Waffertorfte. 68, Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Eduard Bernstein über Parteigeschichte". 57. Abt. Charlottenburg. 1. Gruppe. 7½ Uhr Sahlabend bei Arndt, StantStraße 51. Vortrag des Genossen Dr. Bernstein über Guzzollpolitit". 70. Abt. Wilmersdorf. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Krois, Holfteinische Str. 60. Da wichtige Tagesordnung, darf fein Mitglied fehlen. 73. Abt. Schmargendorf. 7 Uhr Vorstandssigung, 8 Uhr Mitgliederversamm Lung im Lehrerzimmer der Gemeindeschule. Die Straßenführer laden ein. 82. Abt. Steglig. 3ahlabend in den bekannten Lokalen." 88. Abt. Lichtenrabe. 8 Uhr Mitgliederversammlung in der Schule Roonftraße. Eine halbe Stunde vorher Borstandssigung. 137. Abt. Reinidendorf- Beft. 7% Uhr Bahlabend im Volkshaus, Scharnmeberstraße 114, 139. Abt. Zegel. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Jugendheim, Bahnhofftraße 15 Tagesordnung: Ausbau der Organisation, 140a. Abt. Wittenau. Der Zahlabend fällt aus. Morgen, Donnerstag, den 14. August: 132. Abt. Blankenburg. 7% Uhr Zahlabend bei Klug, Dorfstr. 2. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Wir weisen darauf hin, daß heute unbedingt die September- Brogramme abgeliefert werden müssen. Spätere Einsendungen werden nicht mehr berücksichtigt. Achtung, Abteilungstaffierer! Die Marten für Auguft müssen abgeholt und die Juli- Marten abgerechnet werden. Wer ist der Tote? Aus dem Spandauer Schiffahrtskanal wurde Heute, Mittwoch, den 13. August, 7% Uhr: Mannes von etwa 18 bis 20 Jahren gelandet, die nur ganz furze Sozialismus." in der Nähe der Fennbrücke die Leiche eines unbekannten jungen Friebrichsfelbe: Berliner, Ede Schloßstraße. Bortrag: ,, Jugend und Falkenberg: Am Faltenberg 17: Braktische Geologie." Zeit im Waffer gelegen haben tann. Der Tote ift etwa 1,63 Meter Lichtenberg- Rorb: Barbaue 10, Vortrag: Die Verfassung von Weimar." Tempelhof: Lyzeum, Germaniastr. 4/6, Bortrag: Sozialismus." groß. hat dunkelblondes Haar, ein glatt rasiertes bolles Werbebezir? Oberspree: Heute abend 28 Uhr im Jugendheim Röpenic rötliches Gesicht und trug eine schwarz graugestreifte Kreismusitabend. Sämtliche Musiker haben zu erscheinen. Werbebezirk Wedding. Hofe, ein Mattohemd mit weißblau gestreiftem Einsatz, eine Mattounterhose und dunkelblaue Soden. Sein weißes Taschentuchliches Erscheinen der Abteilungsfunktionäre wird gebeten. Heute, Mittwoch, abends 7 Uhr, im Lehigenheim, V. Stod, allgemeine Funktionärtonferenz des Kreises. Um pinkt. ift H. G. gezeichnet. Ein schwerer Unfall ereignete fich heute abend in der Bade= anstalt am Halense e. Dort sprang der Kaufmann Robert Gabel aus der Liegenstr. 12 vom 8- Meter- Breit so unglücklich ab, daß er schwere Rüdenmartsquetschungen davontrug. Der Schwerverlegte wurde von dem Rettungsauto der Wilmersdorfer Feuerwehr in das Auguste- Vittoria- Krankenhaus zu Schöneberg überführt. straße im Zuge des Friedrich- Start- Ufers ist bis auf weiteres für Sperrung der Alsenbrücke. Die Alfenbrüde und die Alfenden öffentlichen Fuhrwerts- und Personenverkehr gesperrt worden. Das Philharmonische Orchester veranstaltet am Donnerstag, den 14. August, abends 8 Uhr im Bürgerfaal des Neuen Rathauses in Schöneberg, Rudolf- Wilde- Platz, ein Konzert. Jm Metropol- Barieté bemüht itch die Sommerdirektion o belt mit Geschid und beftem Erfolg, ein gutes Programm zusammenzustellen. Sie läßt gleich zwei rheinische Komiter antanzen, ein jeder in seiner Art jamos. red Janz ist ein ganz richtiger Rheinländer. Er läßt ein wahres Salauer- Maschinengewehrfeuer prasseln und jeder Schuß fitt. Auch verfucht er sich, vorsichtig zwar noch aber geschict, an ein bischen Zeitsatire. Auch Willy Bolesto hat seine Lacher. Er gibt höchst drolligen Ulf fich nicht nur als Meister der Kartenfünfte, sondern auch zum Gaudium des zum besten und steppt nicht übel. Der geheimnisvolle Seattie I betätigt Bublikums als Meisterdieb. Die bestens bekannten drei Appalona Equilebriften erfreuen wieder durch sichere und prachtvolle Arbeit und der Hagedorn Jllusionsaft durch märchenhafte Lichteffelte. Die sonst gute Kapelle hingegen sollte ihr Schlagzeug etwas zurückballen und sich bei Tänzen dem Temperament und dem Willen der Tänzerin anpassen. Man fann nicht gut verlangen, daß die Tänzerin sich nach der Kapelle richtet. # Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 13. August. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik. 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Eugen Jacobsohn: Kinderfeste". 8.10 Uhr abends: Vortrag des Herrn Chefredakteurs Hans Tischert: Autounfälle und ihre Verhütung". 9-11 Uhr abends: Blasorchester( letztes während der Sommerzeit). Dirigent: Kapellmeister Karl Woitschach. 1. Torgauer Marsch. 2. Ouverture zu Die diebische Elster", Rossini. 3. Der Rose Hochzeitszug, Charakterstück. Jessel. 4. Ich liebe dich, Walzer, Waldteufel. Die kürzlich beschlossene Erhöhung des Reichszukanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetter5. König- Karl- Marsch, Unrath. Während der Pause: Dritte Beschusses zu den Renten aus der Invaliden- und dienst, Sportnachrichten. 6. Vorspiel zu der Oper„ Lohengrin", Hinterbliebenenversicherung wird seit dem 1. August Wagner, 7. Das deutsche Lied, Kalliwoda. 8. Potpourri ans der monatlich zusammen mit der Rente ausgezahlt. Die gleichzeitig ein- Oper Carmen", Bizet. 9. Blumenlied, Lange. 10. In Reib und geführten Sonderzulagen in der Unfallversicherung für die Schwer. Glied, Militärmarsch, Woitschach. Auszahlung der Renten. F Arbeitersport. Freie Turnerschaft Wilmersdorf, Abt. Salenfee. Die Turnfunden finden Freitag in der oberen Turnhalle der 2. Bolfsschule, Joachim- Friedrid) wieder ab Freitag, den 15. August, abends 7 Uhr, jeden Dienstag und Straße, statt. Freie Turnerschaft Neukölln- Brig. Ab dieser Woche beginnen wieder die regelmäßigen Turnabende aller Abteilungen in den bekannten Turnhallen. Sonnabend, 16. August, abends pünktlich 7 Uhr, auf dem Turnplas außerordentliche Mitgliederversammlung. Tages- Ordnung: Bericht nom Bundestag in Raffel. Referent: Bg. Conrad Ludenmalbe. Pflicht aller Mitglieder ist pünktliches Erscheinen. Sonntag, 17. August: Großes Sommerfest auf dem Turnplay Röllnische Heide, am Dammweg. Orientalisches Turnfest in Rairo. Eintritt für Erwachsene 0,50 M., für Kinder 0,15 M. Die Sportgenoffen der Bruderorganisationen und die Arbeiterschaft sind dazu herzlichst eingeladen. Freie Turnerschaft Neukölln- Briz, 4. Männerabteilung. Am Donners tag, den 14. August, beginnt das Turnen wieder in der Herzberg- Halle. Er. fcheinen aller Turngenossen ist Pflicht. Sport. Rennen zu Ruhleben am Dienstag, den 13. Auguft. 3. Elichen( Herm. Schleusener). Toto: 77:10. 1. Rennen. 1. Cftermagda( Steger), 2. Hauptmann( E. Treuherz), Play: 32, 21, 26: 10. Ferner liefen: Federnelle, Adelei B., Zigeunerbaron, Idealist St., Jason jr., Jeffries jr., Bella, Diana VII, Cobra. 2. Rennen. 1. Flatterrose( Ch. Mins), 2. Benedict( E. Treuherz), 3. Wainsca( Snöpnadel jr.). Toto: 80: 10. Play: 29, 30, 25: 10. Ferner liefen: Dolina, Dompfaff I, Capua, Coriolanus, Salome, Leuchtturm, Citran, Alvater. 3. Rennen. 1. Fajner J.( F. Brandt), 2. Lumpi( M. Bauer), 3. Nathan IV.( C. Panie). Toto 250: 10. Plaz: 50, 31, 28: 10. Ferner liefen: Karneval, Hannover, Linsto, Tello, Schneewolfe, Maitönigin I, Fürst. 4. Nennen. 3. Mora( E. Ningins). liefen: Hersteller, Armenier, Baron Rushaga, Carl Alexander, Jarwelle, Marne, Broschüre, Quitte B., Tudora, Boisdam. 1. Kinostern( Ch. Mills), 2. Paula A.( E. Smizer), Toto: 18:10. Play: 15, 18, 22: 10. Ferner 5. Rennen. 1. Precious Watts( L. Weiß), 2. Lucullus( Ch. Mills), 3. Natter( R. Bartnid). Toto: 12:10. Blak: 11, 14, 15: 10. Ferner liefen: Peter Harvester, Peralta, Cadiac Arworthy, Brinzessin Berta. 6. Rennen. 1. Ninon I( E. Treuberz), 2. Long Nunchen( Nossow), 3. Else B. I( H. Dinse). Toto: 21: 10. Plat: 13, 17:10. Ferner liefen: Novelle I, Mig Pilot. 1. Bora( Großmann), 2. Cotta( Herm. Schleusener), 7. Renne It. 3. Primus( E. Ringius). Toto: 12:10. Blag: 10, 11, 10: 10. Ferner liefen: Belvedere, Dawson Watts, Dichtung, Stammersänger. 8. Rennen. 1. Aqua viva( E. Trenherz), 2. Silverius( F. Schulz), 3. Bilasta( E. Swiker). Toto: 21:10. Play: 19, 87: 10. Ferner lief: 9. Rennent. mill I( togomsti). Toto: 233 10. Blag: 56, 26, 71: 10. Ferner liesen: 1. Falter( Barinid), 2. Schlips( A. Rüdert), 3. LudBaula Dingen, Attorie, Duallensohn I, Pupille, Baron Batts jr., Willy I Miß Gregor, Mädel, Peter I, Heidemann, Pontresina, Matador I, Fistus Doritha. Internationaler Transportarbeiterkongreß. über die Bersönlichkeit im mens, der bisher ehrenamtlicher Hamburg, 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Nach zweitägiger Unterbrechung wurden am Dienstag die Plenarverhandlungen des Kongresses fortgefeßt. Zunächst wurde die Wahl des General. rats vorgenommmen. Für Deutschland wurden Döring und Joch a de gewählt. Die Polen und Tschechen konnten sich über thr gemeinsames Mandat noch nicht einigen. Darüber soll später entschieden werden. Im Namen seiner Landsleute kam dann der französische Delegierte le Guen nochmals auf die vom Kongreß angenommene Entschließung über die Weltlage zurück. Wenn sich die französische Delegation ihrer nationalen Solidarität auch durchaus bewußt sei, berge die Entschließung aber doch die Gefahr in sich, die gewerkschaftliche Einheit zu stören, weil sie gegen die Haltung ihrer Landesstelle und gegen nationale Gewerffchaftsbeschlüsse verstoße. Der Vorsitzende Williams England nimmt scharf gegen diese Auffassung Stellung und betont für die englische Delegation, daß sie die Entschließung durchaus ernst nehme. Da die Angelegenheit als erledigt an gesehen werden müsse, fönne man den französischen Standpunkt nur als Minoritätserklärung zu Protokoll nehmen. Le Guen bedauerte Darauf, daß für die Entschließung teine Formel gefunden wurde, die einstimmige Annahme hätte finden können. = Nunmehr berichtete der Sekretär Fimmen über die Son bertonferenz der Seeleute, die vor dem Internationalen Rongreß stattgefunden hat. Er weist u. a, auf die Ausarbeitung eines neuen Organisationsstatuts für die internationalen Seeleuteverbände hin und betont besonders, daß der Entwurf in voller Einmütigkeit zustande gekommen sei. Weiter geht er auf die Frage des Achtstundentages für die Seeleute ein, die für diesen Beruf von be= sonderer Bedeutung sei, da die Seeleute in allen Ländern gegenüber ber übrigen Arbeiterschaft eine ungünstige Ausnahmestellung einnehmen. Dem Kongreß wurde im Anschluß an die Ausführungen Fimmens eine Entschließung über den Achiffundentag der Seeleute porgelegt, die einstimmig angenommen wurde und folgenden Wortlaut hat: „ Die vom 4. bis 11. August in Hamburg unter Leitung der ITF. verfammelten Vertreter der Seeleuteorganisationen, die von der Er hebung ausgehen, daß Artikel 13 des Versailler Frie densvertrages den achtstürdigen Arbeitstag oder die 48stündige Arbeitswoche vorfieht, daß die Seeleute ohne Ansehen ihrer Berwendungsart das gleiche Recht auf Verbesserung ihrer Lebenslage haben wie die Arbeiterklasse zu Lande, daß die allgemeine Einführung bes Achtstundentages oder der 48- Stundenwoche an Bord der Schiffe der vertragschließenden Länder eine Beeinträchtigung des Echiffahrts gewerbes nicht zur Folge haben kann, beschließen und verpflichten fich von ihren Regierungen die gesetzliche Einführung des Achte Stundentages und der Achtundvierzigstundenwoche zu verlangen und fich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen, baß die Vorbedingungen zu einer alsbaldigen internationalen Berwirklichung geschaffen merden." Bei der Wahl des Vorstandes fam es zu einer Debatte Gefretär der ITF. und besoldeter Sekretär der internationalen Geeleuteorganisation war. Scheffel Deutschland erklärt, die deutsche Delegation müsse verlangen, daß Borgänge wie in Berlin ( gemeint find die Verhandlungen Fimmens mit den russischen Gewerkschaften. D. Red.) sich nicht wiederholen. Die gleiche Forderung vertritt der französische Redner. Fimmen rechtfertigt in längerer Rede seine Unterhaltung. Fimmen wurde dann als 1. und Nathans als 2. Sekretär einstimmig gewählt. Schließlich wurde die Exekutive in ihrer bisherigen Zusammenfegung wiedergewählt. Auf Vorschlag der Franzosen beschloß der Kongreß, die nächste internationale Tagung der JTF. im Jahre 1926 in Frankreich, voraussichtlich in Paris, ficttfinden zu lassen. Damit waren die Arbeiten des Kongresses erledigt. Williams dankte den Deutschen für die Borbereitung des Kongresses und für ihre Gastfreundschaft und erklärt, daß das Eretutivfomitee in allernächster Zeit zusammentreten werde, um über die Beschlüsse des Kongresses zu beraten. Mit dem gemeinsamen Gesang der Internationale fand der Kongreß sein Ende. Wirtschaft Aufsichtsratsvergütungen und Leistungswucher. Als übermäßig, wucherisch und strafbar wird die Auffichtsratsvergütung jedenfalls dann anzuerkennen sein, wenn für die Aufsichtsratsmitglieder der mehr oder weniger offensichtliche oder versteckte Löwenanteil am Gewinn ausgeschüttet wird, während die Abschreibungen und Rücklagen zu furz kommen und die Aktionäre mit einem unverhältnismäßig geringen Gewinn abgespeist werden oder überhaupt das Nachsehen haben. Das strafrechtliche Interesse an der Verfolgung dieses Leistungswuchers besteht entsprechend der allgemeinen Bedeutung der Wucherbekämpfung einmal insofern, als die kleine Gruppe der Aufsichtsratsmitglieder die Aktiengesellschaft übervorteilt, indem die Gruppe der Gesellschafter, die Aktionäre, übermäßig benachteiligt wird, dann auch insofern, als die Klasse der Angestellten und Arbeiter durch Vernachlässigung der sozialen und au deren Rücklagen für Wohnungsbauten, Altersversorgung und dergleichen außer Acht gelassen werden. Schließlich wird aber auch die Verbraucherschaft, auf deren Schuh in erster Linie die Preistreibereiverordnung abzielt, in unvermeidbarer Weise ge schädigt, da sie die Ware wohlfeiler erhalten könnte, wenn die Aktiengesellschaft, anstatt den größten Gewirmanteil an den Auffichtsrat zu zahlen, auf Preissenkung der von ihr erzeugten oder verteilten Güter nach den das allgemeine Interesse besser berückfichtigenden Grundsägen bedacht wäre. Erfüllt ist das Vergehen des Leistungswuchers mit dem Empfang der übermäßigen Bergütung durch die Aufsichtsratsmitglieder, aber auch schon mit dem Fordern und Versprecheniassen, wie es schon bei der Vorlegung der Bilanz zur Beschlußfassung der Generalversammlung ge= schehen kann In der Tat ist dieser Hinweis der Deutschen Bergwertszeitung" Händler wegen Uebervorteilung seiner Kunden eingesperrt wird, nicht schlecht. Denn es ist wahrhaftig nicht einzusehen, daß der kleine währenddessen die Herren Aufsichtsräte eine noch viel größere Bewucherung der Aktionäre und indirekt auch der Allgemeinheit begehen, ohne mit dem Strafgefet in Konflikt zu kommen. Wohlan denn, hier liegt ein großes Betätigungsfeld für unsere Staatsanwalte vor, die hier zeigen könnten, daß man nicht nur den Kleinen hängt und den Großen laufen läßt. Reizvoll ist es, daß dieser Vorfchlag ausgerechnet in der Deutschen Bergwertszeitung" zu finden ist. Aber immerhin, man soll das Gute nehmen, woher es auch tommen mag. " 1 Riesenmaschinen. ―11. Mit ein ertragioses Jahr. Nur wenige Gesellschaften konnten sich dazu Die Aktionäre der deutschen Aktiengesellschaften erleben heuer aufschwingen, Dividenden zu verteilen. Meistens werden die errechneten Ueberschüsse auf neue Rechnung vorgetragen. Ein magerer Troft wird den Herren Attienbefizern in den Generalversammlungen gespendet, indem man sie auf die Eröffnung der Goldbilanzen ver tröstet. Allerdings sei auf eine hohe Umstellungsquote nicht zu rechnen, jedoch in späteren Jahren würden die Aktien wieder ertrag reich sein. Die Generalversammlungen der letzten Zeit glichen manchmal stürmischen Volksversammlungen, wo heftige Debatten ausgetragen werden. Im allgemeinen ist festzustellen, daß die Goldbilanzen sehr vorsichtig aufgestellt wurden, man hatte teilweise Mühe, die vorhandenen Reserven unsichtbar zu machen. Der Typ der früheren Aktionäre ist längst aus den Generalversammlungen verDie Entwicklung im Maschinenbau geht dahin, die Leistun schwunden, die beherrschenden Mehrheiten befinden sich in den Hängen der Einheiten immer mehr zu steigern. Der Grund hierfür den von Großaktionären: Banten, Finanziers, Syndikaten usw. ist leicht zu begreifen. Eine Maschine von doppelier Leistung foftet Da diese Besizer großer Aktienblods auch im Aufsichtsrat vertreten nicht den doppelten Preis, sondern weniger, eine solche, die die find, so find sie die Herren der Situation und schalten und walten zehnfache Arbeit hergibt, verhältnismäßig noch weniger, wie sie wollen. Selten sind soviel Anfechtungsflagen gegen die Be- anderen Worten, der Kapitalaufroand, die Ausgaben für Berzinsung, schlüsse von Generalversammlungen anhängig gemacht worden als Tilgung, und Abschreibung des Anlagefapitals nehmen pro LeistungsWilliams England erstattet anschließend den Bericht über in letzter Zeit. Das ist der letzte Berzweiflungsatt der entrechteten einheit( Pferdeftärfe) ab in dem Maße, wie die Größe der Maschine wächst. Ebenso verhält es sich mit dem Materialverbrauch im laudie Kommissionssihungen der Hafen und Transport. Kleinaftionäre. arbeiterfektion. In dieser Kommission wurde ein sehr wich- Mit der Ertragslosigkeit der Attienpapiere in feinem Verhäitetärten verbraucht für die einzelne Pferdetraftstunde weniger an fenden Betrieb. Eine Maschine für die zehnfache Zahl von Pferdetiger Beschluß gefaßt, der den Kongreß und das Erefutipfomitee er- nis steht in den meisten Fällen die Entschädigung der Auf- Brennstoff, an Del, an Schmier- und Bugmaterial usw. wie eine fucht, einen besonderen Beirat für Hafenarbeiter- Ansichtsräte. Hier waltet eine Noblesse, die nicht nur schlecht zu der Maschine der einfachen Leistung. Schließlich bedeutet die zehnfache gelegenheiten ins Leben rufen. Außerdem wurde folgende in drei Abschnitten vorgelegte Entschließung beschloffen: Pferdestärkenzahl im allgemeinen auch fein Mehr an Betriebspersonal. Es ist in der Regel immer nur ein Maschinist für die 1. Der gegenwärtige Kongreß ist für die Einführung eines Lebensstandardlohnes für die Hafenarbeiter, die allzu lange unter Bedienung einer Maschine erforderlich. Größere Einheiten„ renden Uebeln der Gelegenheitsarbeit tieren" um diesen Ausdruck der fapitalistischen Wirtschaftsweise also besser als fleinere. Ein Sozialist würde gelitten haben. Die Löhne müssen in allen Ländern hinreichend sein, um den Lebensunterhalt einer ganzen Familie unter Berücksichtigung jagen: Die Produktivität der menschlichen Arbeit der für den der Aufwendungen für die Erziehung der Kinder und für befrie Bau der Maschine wie der für ihren Betrieb aufgewandten Arbeit nimmt zu, wenn die Maschine größer wird. digende Wohnungsverhältnisse zu sichern. Um die Hafenarbeiter gegen ein leberangebot von Arbeitern aus anderen Berufskategorien zu schützen, ist ein Registrationsschema einzuführen. Den registrierten Hafenarbeitern ist bei Mangel an Beschäftigungsmöglichkeit ein austömmlicher Lohn zu garantieren, = 2. Der Kongreß ist ferner dafür, daß die verschiedenen Regierungen alle Maßnahmen gegen Unfälle und Berufskrankheiten tref fen, die mit der Behandlung gewisser Ladungen, wie Häute, Leim, Teer usw. verbimden sind. Wenn trotzdem Unfälle vorkommen sollten, so ist den davon betroffenen Arbeitern eine Vergütung in der Höhe ihrer Löhne zu gewähren, mobei die Hafenarbeiter vor Ausbeutung durch Privatversicherungsgesellschaften zu schüßen sind. Ebenso find Maßnahmen zu treffen, um den Hafenarbeitern befrie digende sanitäre und hygienische Arbeitsverhältnisse auf allen Docks, Werften und in allen Häfen und deren Umgebung, wo Hafenarbeiter beschäftigt werden, ärztliche Hilfe und ambulatorische Behandlung Bu gewähren. 3. Der Kongreß verlangt, daß Tragelaften, die von Hafenarbei bern und sonstigen Transportarbeitern zu behandeln find, das Ge wicht von 75 Kilogramm nicht überschreiten dürfen, und appelliert bringend an die im Akford und Tagelchn beschäftigten Hafenarbeiter. bie Behandlung schwerer Traglaften, die zu ernsten förperlichen Be schädigungen führen tönnen, abzulehnen Weiter wurde befchloffen: Ler Kongreß erklärt die Beschäftigung von Seeleuten mit Ladearbeiten in den Häfen für unzulässig. Er forbert die angeschlossenen Hafenarbeiterorganisationen auf, danach zu streben, daß in den Tarifverträgen Bestimmungen getroffen werden, Durch die sich die Unternehmer verpflichten, Seeleute zu Hafenarbeiten nicht zuzulassen. Von den Deutschen wurde beantragt, das Berbot der Verrichtung von Ladearbeiten im Hafen auch für die Binnenschiffer auszusprechen. Angenommen wurde ferner nach kurzer Aussprache eine Entschließung der Kraftfahrer, in der es u. a. heißt: Zur Durchführung der unbedingt notwendigen Internationalisierung der Gejete für den Automobilverkehr Dividendenlosigkeit der betreffenden Gesellschaften paßt, sondern in einer Zeit riesiger Arbeitslosigkeit und der allgemein gezahlten Hungerlöhne als ein Standal bezeichnet werden muß. Wir wollen es uns ersparen, besondere Fälle hier anzuführen. Einer der schlimmsten Fälle war die Tantiemefestsetzung bei der Maschinenfabrit Schubert u. Salzer in Chemnik, wo jedem AufsichtsratsmitAufsichtsratsmit- Bau glieb 3000 m. für das vergangene und 12 500 m. für das laufende Geschäftsjahr gewährt wurden. Die lehte Summe wurde im voraus gezahlt und die Steuern überdies noch von der Gesellschaft getragen. Eine Summe von 3000 bis 5000 Mt. war in der Regel der Normalsatz bei den größeren Gesellschaften. Man bedente, daß solche Entschädigungen für eine Tätigkeit gewährt werden, die sicher nicht anstrengend ist und in der Regel aus dem Besuch von einigen Sigungen im Jahr besteht. Selbst die bürgerliche Preffe hat teilweise gegen die Tantiemen der Aufsichtsräte Stellung genommen. Interessant ist ein Artifel in der Deutschen Bergwertszeitung" Nr. 184 mit der auch von uns gewählten Ueberschrift. Dort wird auseinandergesetzt, daß hohe Aufsichtsratstantiemen unter die Preistreibereiverordnung fallen, da nach dieser Berordnung nicht nur der Preiswucher, sondern auch der Leistungswucher bestraft werden könne. Doch lassen wir den Artikelschreiber der Bergwertszeitung" selbst sprechen: " Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Das Bestreben, die Leistungen der Maschinen zu steigern, hat in dem letzten Jahrzehnt zu bedeutenden Erfolgen geführt. Es sind Konstruktionen von geradezu mammutartigem Charakter entstanden. Solche Maschinen laufen in modernen Elettrizitätswerken. In dem Goldenbergwert des Rheinisch- Westfälischen Elettrizitätswerts( westlich von Köln gelegen) arbeiten seit 1918 zwei Dampfturbinen- Aggregate von je 50000 Rilowatt= 75000 ferdestärten Leistung. Das felbe Wert hat zwei meitere Maschinen der gleichen Art in Auftrag gegeben, so daß also demnächst vier Einheiten dieser Größe in der selben Zentrale vorhanden sein werden. Es sind das die größten bisher in Deutschland gebauten Maschinen. Sie ftammen aus den Konstruktionsbureaus und den Werkstätten der Turbinenfabrik ber Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin. Aehnliche Aggregate gibt es auch in Amerika, und zwar laufen in der Crawford- Zentrale in Chitago zwei Dampfturbineneinheiten von je 50 000 Kilowatt und eine von 60 000 Riloratt Leistung. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je erste Zentrale der Berliner Elektrizitätswerte im Jahre 1885 ihren Gerstengraupen, lose.. Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Speiseerbsen, Viktoria Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, kleine.. Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine. Linsen, fnittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudeln, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, java. Ringäpfel, amerik. 15.50-18,00 65,00-75,00 86,00-100,00 Zentner frei Haus Berlin. 16,25-20,00 Röstgetreide, lose 15,00 16,00 Kakao. fettarm 16,00-17,25 Kakao, leicht entölt 18.00-19.00 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 13,60-14,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 18,25-19,75 Inlandszucker basis mel. 41,00-43,00 22,50-24,25 inlandszucker Raffinade 41,00-46,00 16,00-17,25 Zucker Würfel....... 46,00-49,50 18,25-23,10 Kunsthonig 30,00-32,00 15,00-17,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 8,75-11,75 Speisesirup dunk. in Eim. 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 27,09-30,50 Marmelade Vierfrucht 20,00 29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00 37,50 Steinsalz, lose 39,00-46,00 Siedesalz. lose 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 36,00-42,00 Bratenschmalz in Kübeln 27,00- 31,09 90,00-95,00 35,00 40,00 33,00- 38,00 3,10 3,70 4.00- 4,70 81,00 81,50 82,00-83,60 79,00-80,00 79,00- 79,50 49,00- 52,00 48,00 50,00 63,60 57,00-60,00 79,00 33,00-35,00 Purelard in Tierces 15,00-17,75 Purelard in Kisten 15,00 16,00 Speisetalg in Packung 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln 23,25- 31,00| Margarine, Handelsm. I 30,00-36,00 desgl. II. 85,00-90,00 Margarine, Spezialm. I.. 40,00-43,00. desgl. 11. 66,00-68,00 50,00-55,00 Margarine III 49,00-53,00 Molkereibutter i. Fässern 200,00-208,00 60,00 Welche Fortschritte die Technik in der Bergrößerung der Maschinen gemacht hat, wird ersichtlich, wenn man erfährt, daß die Betrieb mit fechs Dampfmaschinen von je 150 Kilowatt eröffnete. Die oben erwähnten 50 000- Kilowatt- Maschinen der 200. laufen mit 1000 Umdrehungen in der Minute. Das Gewicht bes Danipfteifes, alfo der eigentlichen Turbine, beträgt 250 Tonnen, das des elettrischen Teiles, des Generators, 225 Tonnen. Zu dieser Machine gehören zwei Kondensatoren von je 3000 Quadratmeter Kühlfläche. Jeder Kondensator wiegt 100 Tonnen. Die beiden Abdampfftuhen der Turbine nach dem Kondensator haben je 2500 Millimeter Durchmesser. Für den Transpert der Maschinen von Berlin nach dem Aufstellungsort waren mehrere Spezialeisenbahnwagen erforderlich. So mußte für den Dynamiomotor, der 106 Tonnen wiegt, ein Sonderwagen mit zwei Drehgestellen von je 5 Achsen gebcut werden. Um eine Vorstellung von der Leistungsfähigkeit dieser Maschinen zu geben, jei bemerkt, daß drei derartige Aggregate ausreichen würden, um den ganzen Elektrizitätsbedarf von Groß- Berlin nach seinem heutigen Umfange zu deden. Mit drei solchen Maschinen wäre es also möglich, den gesamten Strom zu erzeugen, der für Beleuchtungszwede, für die Motoren der Industrie und des Handmertes, für die Straßenbahnen usw. in der Stadt benötigt wird. Der Gesamtpreis eines 50 000- Rilowatt- Dampfturbinen- Aggregates liegt in der Größenordnung von rund 2 Millionen Goldmart. Dr.- Ing. W. Majerczif. ift erforderlich, daß die ITF. einheitliche Richtlinien für bie ihr angeschlossenen Landesorganisationen aufstellt, die sich im wesentlichen auf folgende Punkte fonzentrieren müssen: 1. Staatliche oder fommunale Fachschulen. 2. Festsetzung des Mindestalters der Kraftfahrer auf 21 Jahre. 3. 3wangsversicherung der Berufstraft fahrer gegen Schadenersah durch den Automobilhalter. 4. Einheit liche Ruhezeiten für Berufskraftfahrer. 5. Sicherung des Arbeits. verhältnisses der Berufskraftfahrer wähend ihrer beruflichen TätigFeit im Auslande, 6. Durchführung der Vorschriften über Aufstellung Rosinen in Kisten, Candia 65,00 70,00 Molkereibutter in Pack. 210,00-217,00 internationaler Warnungszeichen an gefährlichen Wegestellen des Durchgangsverkehrs in allen Ländern, Verbesserung der Vorschriften über internationale Kennzeichen der Kraftfahrzeuge, sowie Signale, Beleuchtung usw. Darauf berichtete Jocha de Deutschland über die Eisen. Kümmel, holländischer. 65,00-75,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 100,00-115,00 legteren Zeit von fich reden machte und mit Hilfe des Kredits der bahnerfonferenz. Der Antrag des Schweizerischen Eisenbahnerverbandes, sich für Anwendung der passiven Resistenz als Rampfmittel der Eisenbahner auszusprechen, wurde dem Generalrat bzw. der Erefutive überwiesen. Rosentaler- Platz V 10 Brunnenstr. 10 BETTWÄSCHE BAHR ยู แบบ Schutzmarke 39 Gratestr. 39 an der Hasenheide Getr. Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Cal. 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Es heißt, daß die Firma Michael ein sehr umfangreiches Bafet von Anleihen der teichsbank zum Kaufe angeboten hat, doch hat die Neichsbank dieses Anerbieten abgelehnt. Bettwäsche, Hauswäsche, Tischwäsche, Froffferwäsche 4 billige Aussteuertage nur vom 13.- 16. August 145 35 Deckbettbezüge aus guten Stoffen 435 Kissen dazu passend.... Bettlaken kräftige Wäschestoffe. Bettgarnitur aus gutem Stoff.. Bettgarnitur mit Stickereikissen. 1225 Inlett federdichter Köper.. 850 Meine Qualitätswaren und billigen Preise sind stadtbekannt. Achten Sie bitte in Ihrem Interesse auf die Schutzmarke ,, Bettwäsche Bähr" 875 Heslo Spezial. Ueberlaken m. Hohleaumgarnier. 875 Hemdentuche f.Bett- n.Leibwäsche 65 PL Handtücher für Stabe und Küche 42 PL Ia Bettwäschefabrik Frottilerhandtücher Ta Ware.. 35 Geöffnet von 9-7 Uhr Badelaken. Gartendecken. 590 295 Spandau Strasse 20 20 Poistamer BETT WASCHE BAHR Rosenthaler Str. Nahe Bark Markt i Bahnhof Börse 49 Vorträge, Vereine und Versammlungen. 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Für Frau Schnatterich ist sie, trotz ihrer 100 Kilo, eine leichte Sache, denn sie hat vorher ein Kukirol- Fußbad genommen, und die heißen Lavablöcke können ihr zwar die Schuhsohlen versengen, aber von Schwitzen, Brennen oder Wundlaufen der Püße keine Spur. Gewichtig, aber elastisch, steigt sie bis nahe zum Gipfel, und auch diesen besteigt sie schließlich. Ihrem Führer, der über Hühneraugen jammert und dem deshalb vor dem Abstiege graut, gibt sie eine Schachtel Kukirol, mit dem Rate, es gleich aufzulegen, da es infolge der Erweichung des Hühnerauges die Schmerzen gleich lindert, das Hühnerauge aber in wenigen Tagen entfernt, ebenso Hornhaut, Schwielen und Warzen. Wenn, so sagt sie, Ihr Nationaldichter Gabriel d'Annunzio Kukirol und Kukirol- Fußbad benutzte, so wäre die Welt um einige Perlen italienischer Literatur reicher, denn er würde diese Präparate in glühenden Versen besingen, die berühmtesten Komponisten würden sich um die Ehre streiten, diese Verse in Musik setzen zu dürfen, und alle Drehorgen, die von Italien aus auf die verdorbene Welt losgelassen werden, würden die Kukirolhymne spielen. Verdient hätten es diese vorzüglichen, ärztlich empfohlenen und von Käufern in massenhaften begeisterten Zuschriften gepriesenen Präparate schon ¡ ängst. Sie sind in allen Apotheken und Fachdrogerien zu baben. Achten Sie aber schon beim Einkauf recht genau auf die Schutzmarke: Hahnenkopf mit Fuß, damit Sie an Stelle des echten Kukirol- Hühneraugen- Pflasters und Sanitätsrat Dr. med. Campe's Kukirol- Fußbades nicht aus Versehen eine der zahlreichen minderwertigen Nachahmungen erhalten, über die in Zuschriften an uns lebhafte Klage geführt wird. 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