Nr.382 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 195 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich B- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Bitauen, Buremburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit ,, Gied. lung und Kleingarten", fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille geile 0.70 Goldmart, Reflamezeile 4.- Goldmart. ,, Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 0,20 Golde mart( auläffig amei fettgedruckte Borte), jedes weitere Mort 0,10 Goldmart. Stellengefuche bas erfte Wort 0,10 Goldmart, iebes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Von franzöfifcher Seite erfüllt. Es ist im Gegenteil Herriot gelungen, die Engländer wurde dabei betont, daß, da das Gutachten voraussichtlich erst am und die Amerikaner davon zu überzeugen, daß es aus Rüd- 15. Ottober in Kraft trete, die Räumungsfrist also dann im Höchftficht auf die innere Stituation Frankreichs bei seiner Formel falle nur 10 Monate betrage. Ais selbstverständlich wurde beder einjährigen Räumungsfrist bleiben müsse. zeichnet, daß alle sogenannten Flaschenhälse und sonstige Gebietsstreifen, die im Anschluß an die Ruhrbejehung von den Fran30sen zur Sicherung ihrer Eisenbahntransporte usw. befeht worden find, unverzüglich geräumt werden würden. Es handelt fich dabei um Mannheim, Karlsruhe, Offenbach usw. Endlich wurde zugefagt, daß die franzöfifchen und belgischen Eisenbahner refflos zurüdgezogen werden sollen. Es wurde lediglich der Borbehalt gemacht, daß Genietruppen eingreifen dürften, falls die Lebensmittelversorgung der Befagungstruppen gefährdet wäre. Ju bezug auf die Frage der etappenweisen Räumung des Ruhrgebietes wurde teine klärung erzielt. Dagegen scheint es gelungen zu fein, Sicherheit dafür zu erhalten, daß die zugleich mit dem Ruhrgebiet bejetten badischen Gebiete fofort geräumt werden würden. Außerdem haben die Franzosen und die Belgier auf die Belaffung eines Teils ihrer Eisenbahner im Ruhrgebiet verzichtet. Ferner spricht man hier von einer außer halb der Abkommen liegenden Handlung der französischen Regierung, die ihren Willen zur beschleunigten Liquidierung der Poincaréschen Politik beweisen werde und die erfolgen folle, sobald das Londoner Abkommen durch ein Vertrauensvotum der französischen Kammer gededt sei. Man kann demnach mit einer gewiffen Entspannung der Lage rechnen und braucht die Situation nicht als hoffnungslos zu betrachten. Der geplante Flug des Reichsfinanzministers Dr. Luther nach Berlin wird unter diefen Umständen unterbleiben. Eine Vereinbarung, die Herriots Formel unangetastet läßt, aber doch das Vertrauen Deutschlands in die Loaylität der franzöfifchen Vertreter zu flärfen geignet ist, wird sichtbar. Die bedeutungsvolle Meldung unseres Londoner Kor respondenten findet ihre Bestätigung und Ergänzung durch die folgende Meldung von Europa- Breß": " In der Versammlung der alliierten Delegationsführer von heute vormittag erklärte der amerikanische Botschafter& ellogg ua, daß die französische Politik Deutschland gegenüber feiner Ansicht nagh vernünftig sei. Darauf gaben der japanische und der italienische Delegierte Erklärungen ab, worin fie die von Herriot in Aussicht gestellte einjährige Frift der militärischen Räumung der Ruhr billigten. Es folgte eine Sonderbesprechung mit Macdonald, Kellogg, Marg und Stresemann im Garten von Downing Street. Die beiden ersteren drangen in die deutschen Delegierten, den franzöfifchen Vorschlag über die Räumung der Ruhr anzunehmen. Um 4.30 Uhr erschien Marg im Hydepart- Hotel, wo er sich während 45 minuten mit Herriot besprach, dem er mitteilte, daß die deutsche Delegation befchloffen habe, den Finanzminister Luther nach Berlin zu senden, um sich mit Präsident Ebert und den Parteiführern des Reichstags über den französischen Vorschlag zu besprechen. Herriot erklärte, daß er gegen diesen Vorschlag nichts einzuwenden habe; betonte aber gleichzeifig, daß die franzöfifche Delegation teine weiteren Ronzessionen mehr machen könne. Da diese Unterredung länger als bis 5 Uhr dauerte, wurde die Bersammlung der Bierzehn erst um 6 Uhr eröffnet. Marg teilte mit, daß die deutsche Delegation beschlossen habe, Dr. Luther nach Berlin zu senden, und schlug darauf vor, daß die Konferenz bis nächsten Montag verschoben werden solle. Herriot unterstützte diefen Vorjahlag. Macdonald erklärte, er verstehe nicht, warum die Konferenz fo lange vertagt werden müsse und drang in den Reichskanzler Marg, von dem Borhaben abzustehen, Dr. Luther nach Berlin zu entfenden. Schließlich entfchloß fich die deutsche Delegation, auf diese Reise zu verzichten. Sie richtete dafür ein langes Telegramm an den Reichspräsidenten. Um die Antwort der deutschen Delegation nach Beantwortung dieses ihres Telegramms entgegenzunehmen, wird eine neue Berjamm. lung auf Freitag vormittag 10 Uhr einberufen. Hierauf behandelte die Berjammlung der Bierzehn noch einige untergeordnete, auf den Dames- Plan bezügliche Fragen. Schließlich meldet WTB. in später Abendstunde: London, 14. Auguft. Der Sonderberichterstatter des WIB. erfährt über die Lage, daß die Verhandlungen des heutigen Tages fich im wesentlichen nur auf die Frage der Ruhrräumung bezogen. In der um 5 Uhr nachmittags abgehaltenen furzen Sitzung des Rates der Vierzehn wurden nur einige formelle Geschäfte erledigt. Um Vormittag fand eine Besprechung der Alliierten untereinander über die Frage der Ruhrräumung statt. Daran schloß fich eine Zusammenkunft Macdonalds und Kellogs mit den Führern der deutschen Delegation. Hierbei wurde den lehieren der franzöfifche Standpunkt dargelegt. Es wurde erklärt, man habe sich davon über. zeugt, daß der franzöfifche Ministerpräsident Herriot bei dem Stand der öffentlichen Meinung in Frankreich nicht weitergehen tönne, als er es getan habe, und daß er an der einjährigen Marimalfeift festhalten müffe. Macdonald und Kellog trafen dafür ein, daß der Erfolg der Konferenz nicht an der Frage des Datums der Räumung scheitern dürfte. Die gestern von deutscher Seite gestellte Anfrage wegen des Weder die Besprechung zwischen Reichskanzler Marg und Herriot am Vormittag, noch die Zusammenkunft zwischen Herriot- Macdonald und Marr- Stresemann am Nachmittag führte zu einer wesentlichen Alenderung der Lage. Die deutsche Delegation hat über die Lage nach Berlin Bericht erstattet. Ju den Kreisen der Konferenz, nicht nur in den deutschen, ist die Ueberraschung über den in den letzten 48 Stunden eingetretenen völligen Umschwung der französischen Auffaffung allgemein. In englischen Kreisen wird die Ansicht vertreten, die Deutschen beachteten nicht genügend die Vorteile des Anerbietens Herriot, der feierlich erklärte, daß die zwölf Monate ein magimum seien, so daß ein noch früheres Raumungsdatum sehr wahrscheinlich wäre, wenn erst durch einen glücklichen Abschluß der Londoner Konferenz eine Atmosphäre des Bertrauens geschaffen sei. Bon deutscher Seite wird demgegenüber betont, daß es nicht ficher fei, ob Herriot, an deisen persönlichem guten willen niemand zweifle, in einem Jahr noch am Ruder sein werde. Die Cage erscheint unverändert ernst Alle diese Meldungen find im Ton zwar voneinander verschieden, stimmen aber im wesentlichen miteinander über ein. Danach scheint es sicher, daß Herriot das Recht für sich beansprucht und nicht aufgeben will, die militärische Räumung des Ruhrgebiets erst nach Jahresfrist vorzunehmen, daß er aber feineswegs die Absicht hat, von diesem Recht unbedingt Gebrauch zu machen. Schließlich wäre es ja nur logisch, wenn die französische Regierung den Wunsch hätte, das Unvermeidliche ohne Berzögerung zu tun und, drastisch gesprochen, dem Hund den Schweif mit einem mal abzu haden. Eine sozusagen freiwillige Räumung vor dem Endtermin läge somit nur in der Konsequenz der Entwicklung, die die Londoner Verhandlungen genommen haben. Daß England und Amerika die Räumung wollen, steht außer Frage, daß auch Herriot sie will, ist ebenso gewiß. Daß die Belgier auf dem Standpunkt stehen ,, Wenn schon, dann gleich!" und sie haben an der Ruhrbesehung nie Freude gehabt ist gleichfalls fein Geheimnis. Auf der anderen Seite ist das Mißtrauen Deutsch lands verständlich, das in feiner Weise der ehrlichen Abficht Herriots gilt, mohl aber seiner Kraft, sie zu verwirklichen. Gelingt es, dieses Mißtrauen zu überwinden und dem deutschen Bolf die begründete Ueberzeugung beizubringen, daß der Rückzug der fremden Truppen aus dem Ruhrgebiet auf alle Fälle nur eine Frage von Monaten ist, dann verliert die Frage der Räumungsfrist ihren giftigen Stachel. Nach den bis Mitternacht in Berlin vorliegenden Nachrichten ist die Krise als noch nicht überwunden anzusehen, ebensowenig aber fann von einem endgültigen Scheitern der Berhandlungen die Rede sein. Der heutige Tag dürfte die Entscheidung bringen. Kein Ultimatum! Condon, 14. Auguft.( WTB.) von höchster britischer Stelle verlautet, daß es sich bei dem den deutschen Delegierten unterbreiteten alliierten Standpunkt um nichts handelt, was den Charakter eines Ultimatums trüge". Britische Erschwerung deutscher Einfuhr. London, 14. August.( Reuter.) Die britische Regierung hat beschlossen, die fünfprozentige Abgabe, mit der die deutsche Einfuhr in Großbritannien jezt belegt ist, wieder in eine 26prozentige umzuwandeln, wie sie ursprünglich in der Reparations Recovery Act festgelegt war. Ge verlautet, daß diese Maßnahme in dem Bericht des zweiten Ausschusses der Londoner Konferenz vorgesehen ist und daß diese Bollerhöhung eine dauernde sein soll. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankfonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstrake 3 Der Abbauskandal. Zum Gefeßentwurf der Reichsregierung. Bon Willy.Steintopf. Der Reichstag hatte auf Antrag der Sozialdemokraten gegen die Stimmen der Regierungsparteien den Beschluß ge faßt, die Durchführung der Personalabbauverordnung fofort und so lange auszusetzen, bis der angekündigte Gesezentmurf über eine Abänderung jener Verordnung vom Reichstag vera abschiedet ist. Außerdem liegen Anträge von einem halben Dugend Parteien vor, die die sofortige Aufhebung der eigent lichen Abbaubestimmungen in der Verordnung verlangen. Auf all dies hat das Kabinett Marr dadurch geantwortet, daß es den Abbau bei bestimmten Behörden und in verschiedenen Bezirken rücksichtsloser dann je betreibt und nunmehr dem Reichstag einen Gejegentwurf vorgelegt hat, der zu schärfstem Widerspruch herausfordern muß. Das wesentlichste der Vorlage ist, daß es nach wie vor beim Abbau bleibt. Nur soll er an gewisse Vorbedingungen geknüpft sein, die aber, wenn es der Regierung notwendig erscheint, stets gegeben sein werden. Ganz besonders dann, wenn es gilt, Republikaner oder sonstige mißliebige Beamte aus den Aemtern zu entfernen. Denn wer wollte daran zweifeln, daß es unseren reaktionären Interpretationskünstlern in den Ministerien nicht möglich wäre, zu jeder ge wünschten Jahres- und Tageszeit festzustellen, daß der Beamtenförper, gerade jener Berwaltung, in der der zu Ent fernende sigt ,,, wegen Einschränkung des Aufgabenfreises, Ab nahme des Geschäftsumfanges oder Veränderung der behörd lichen Einschränkungen" vermindert werden muß. Daß hierzu noch ein Beschluß des Kabinetts notwendig ist, mag nach außen ja ganz beruhigend sein, praktisch hat diese Einschrän fung nicht die geringste Bedeutung; denn wie foönnte sich das Reichskabinett im Zeichen der sparsamen Wirtschaftsführung einer Verkleinerung der Zahl der Beamten widersehen, wenn der Reffortminister dies beantragt? Auch daß der Beschluß dem Haushaltsausschuß des Reichstags mitzuteilen ist, hat nichts zu sagen, da dieser Aus schuß ja gar nicht in der Lage ist, an dem Beschluß des Ka binetts, hier und dort, wie's beliebt, meiter abzubauen, etwas zu ändern. Außerdem weiß man aus Erfahrung, was es mit diesen Mitteilungen auf sich hat. Wenn die Reichsregie rung Ausnahmen von der Einstellungssperre für neue Bes amte bewilligte, sollten auch solche Mitteilungen erfolgen. Gewiß, fie sind erfolgt; aber dies geschah vorsichtshalber erst nach einem Bierteljahr oder noch später, und inzwischen sind die hahnebüchensten Dinge paffiert. Im entscheidenden Buntte besagt also die Vorlage anf gut deutsch: Beim Abbau bleibt alles beim Alten!" Was noch drum und bran ist, hat nur geringere Bedeutung. Immerhin ist aber auch aus diesen Vorschlägen zu sehen, wie der Wind geht. So soll die 60- Jahr- Grenze möglichst gelodert werden, obgleich anerkannt ist, daß ihre Beibehaltung sowohl im Interesse des Reichs als auch der Beamten durchaus geboten ist. Auch wird vorgeschlagen, nicht mehr, wie es jetzt geschieht, das gesamte Privateinkommen ( aus Arbeit und Kapital), sondern nur das Arbeitseins fommen, sofern es eine bestimmte Grenze überschreitet, zum Teil auf die Pension anzurechnen. Eigenartig muß es berühren, daß große Beamtennerbände Hand in Hand mit den meisten bürgerlichen Barteien gegen die Penfionstürzungen Sturm laufen. Die breiten Maffen der Beamten bis hoch hinauf in die Gruppe XII wird von den Kürzungen gar und das soll so nicht berührt. Getroffen werden fein- nur die weniger zahlreichen Beamten in den höchsten Regionen und auch nur dann, wenn fie, mie gesagt, neben ihrer wahrlich nicht spärlichen Benfion anderweitige Einnahmen haben. Will wirklich jemand behaupten, daß dies so ungerecht ist? Ganz falsch aber ist es, diese Kürzung der Bena fionen jener wahrlich nicht Hungerleidenden mit der Frage der wohlerworbenen Rechte zu ver quiden. Dies hieße ein Prinzip zu Tode reiten, und aus Bernunft Unfinn machen. Es ist vielmehr geboten, bei der Diskussion jener Frage einmal gegenüberzustellen, was das Reich jenen bewußten Pensionären gibt, die da ein Lamento machen, als ob sie morgen Hungers sterben müßten, und jenen Opfern des Kriegs, die als Arbeitslose oder Kriegsfrüppel tatsächlich das bescheidenste Dasein führen, das denkbar ist. Eher follte man die 5 Millionen Goldmark, die dem Reich durch die Pensionskürzungen erspart werden, jenen Aermften noch besonders zuwenden, als sie den Pensionären der obersten Gehaltsklassen zu geben. Es muß denn auch anerkannt werden, daß der weit überwiegende Teil der politisch organisierten Beamten mit dieser Art der Pensionss fürzung durchaus einverstanden ist. Deshalb ist es ein Fehler, menn jetzt die Regierung das Privateinkommen von der Anrechnung vollständig freilassen will. Jm weiteren will man den abgebauten verheirateten Be amtinnen das erdiente Ruhegehalt anstatt nur bei Erwerbs. unfähigkeit auch dann gewähren, menn und solange die wirtschaftliche Versorgung" nicht gesichert erscheint. So begrüßenswert diese kleine Erleichterung ist, bleibt das große Unrecht und der große Widerspruch zur Weimarer Verfassung doch bestehen, daß eine Beamtin mit ihrer Verheiratung ent- lassen werden kann. Für die Angestellten bringt der Entwurf ledigllch die Er- leichterung, daß Kündigungen nur für den Schluß eines Ka- lendermonats unter Einhaltung einer sechswöchigen Kündi- gungsfrist zulässig sind und Dienstbeendigungsverträge wieder abgeschlossen werden dürfen. Von einer Inkraftsetzung der gesetzlichen oder tariflichen Kündigungsfristen oder Wiederher- stellung der Bestimmungen des Z 84 Nr. 4 des Betriebsrätegesetzes verlautet nichts. Die Beamten der Länder und Gemeinden sollen an den „Segnungen" des Gesetzes nur bedingt teilnehmen, denn die Länder werden nur„berechtigt", nicht aber„verpflichtet", die neuen Bestimmungen zu übernehmen. Eine Fürsorge, die wirklich rührend ist, die das Reich aber bester den Ländern selbst überließe. Schließlich beweist die Rcichsregierung ihr gutes Herz für die Beamten noch dadurch, daß sie die Abbaubestim- mungen, deren Ablauf zum 31. März 1927 vorgesehen war, „nur" bis zum 31. Juli 1925 befristen will. Um aber für alle Eventualitäten gerüstet zu fein, wird gleichzeitig bestimmt, daß diese Frist je nach Bedarf durch ein Gesetz, das im Reichs- tag nur der einfachen Mehrheit bedarf, beliebig verlängert werden kann. So wäre dann, nach Meinung der Reichs- regierung, dem Beschluß des Reichstags auf sofortige Ein- stellung des Abbaues gebührend Rechnung getragen. Inzwischen hat nun der vom Haushaltsausschuß einge- setzte Unterausschuß getagt, um im Einverständnis mit dem Haushaltsausschuß, der Reichsregierung und dem Reichsrat diese Vorlage angesichts der Dringlichkeit der Frage vorzu- beraten und ihre glatte Erledigung im Reichstag vorzubereiten. Die Verhandlungen waren vertraulich, deshalb kann über ihr Ergebnis nichts gesagt werden. Gesagt aber kann werden, daß sich der Reichsrat an die recht wichtigen Beschlüste des Unterausschusses gar nicht gekehrt hat. Die Folge wird fein, daß es über diese Frage noch zu erheblichen Auseinander- setzungen kommen wird. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß die Reichsregiervng nicht daran denkt, den Beschlüssen nachzukommen, die der Reichstagsausschuß zur Ueberwachung der Durchführung der Abbauverordnung bei der Beratung von Abbaubeschwerden gefaßt hat. Deshalb hat dieser Ausschuß schon vor Monaten von der Regierung die Vorlegung einer entsprechenden Ueber- ficht verlangt, die aber bis heute Ndch nicht eingegangen ist. Dafür hat das Reichsverkehrsministerium in einem Spezial- fall erklärt, daß es dem Votum des Ueber- w a chungsausschusses nicht nachkommen könne, weil sich noch ein anderer Ausschuß, nämlich der bei den einzelnen Ressorts von der Regierung eingesetzte und aus Erzbureaukraten bestehende Einspruchsausschuß, mit dem- selben Fall befaßt hat und zu einem gegenteiligen Ergebnis, d. h. zur Ablehnung der Beschwerde, gekommen ist. Doch nicht genug damit, kündigt das Ministerium in provokato- rischer Art dem Haushaltsausschuß an, daß es die ihm— wie . im Ueberwachungsausschuß verabredet— zur Beantwortung überwiesenen Beschwerden— 82 Stück— zu bearbeiten nicht mehr in der Lage sei. Schließlich empfiehlt dies Ministerium dem Reichstag, die aus Angst und Not geborenen Petitionen der abgebauten Beamten an die Volksvertretung dem be- sagten Einspruchsausschuß, also dem Ministerium selbst, zur Erledigung zu überweisen, oder sie einfach un- erledigt zu lassen und durch einen formellen Beschluß des Reichstags den abgebauten Beamten das Petitionsrecht zu oerweigern. Zur Ehre des demokratischen Reichsverkehrsministers O e f e r soll festgestellt werden, daß dieses ungeheuerliche Schreiben nicht seine Unterschrift trägt. Das ändert aber nichts an der Tatfache, daß hier eine Brüskierung der Volks- Vertretung durch ein Ministerium der Republik vorliegt, wie Der Dichter der Jobsiaöe. Zu üortums 100. Todestag. Das deutsche Schrifttum ist arm an Werken der komischen Muse. Die komischen Epen, die im 18. Jahrhundert blühten, hoben ihre Schlagkraft verloren, und wir empfinden heute bei Zacharias „Renommisten" wie bei Thümmels„Wilhelmme" oder Blumauers einst so beliebter Aeneis-Parodi« höchstens nur noch ein kulturgeschichtliches Interesse, fühlen«inen«twas staubigen Geruch von eigenem Reiz aufsteigen, der uns zu einem schwachen Lächeln zwin- gen kann. Rur eines dieser Werk« ist frisch-lebend ig und ewig jung geblieben: es sind die„Leben, Meinungen und Toten" des Kandi- daten Hieronymus Jobs, die uns in der derben Urwüchsigkeit ihrer Erzählung zu heller Fröhlichkeit stimmen. Jetzt, da der Dater dieses gesunden Taugenichtses, Dr. Karl Arnold Kortum, allgemein gefeiert wird, da sein Todestag zum hundertsten Male wiederkehrt, gedenken wir gern des Lebenswandels und der Schicksale seines Sprößlings, ides einzigen unter sehr vielen Gcisteskindern, dos sein Andenken noch lebendig erhält. Als der Kandidat das Licht der Welt erblickte und zuerst in der knappen Form des ersten Teils der Geschichte fein« Wanderung antrat, da wurde er wenig beachtet und die Kritiker zuckten geringschätzig die Achseln über die tollen Zknittelreime, die hier ihr Unwesen trieben. Die„Iobsiade" machte ihr Glück unter dem gewöhnlichen Volk, ähnlich wie der„Münchhausen", wurde viel übersetzt und auch später noch hie und da von geruhsamen Fein- fchmeckern der Dichtung ausgekostet. Di« Literaturgeschichte jedoch hat diese burleske Komik lange oerachtet oder zum mindesten nicht deachtet. Es war erst nötig, daß ein großer Nachfahr diese von Kortum angeschlagene Saite in vollen Akkorden weiterklingen ließ und in den Höhen des Humors zur vollen Entfaltung brachte. Es war Wilhelm Busch, in dem die niedersächsische Begabung des Bochumer Arztes eine fröhliche und reiche Auferstehung erlebt«. Von Büschs Kunst aus hoben wir zur Iobsiade«ine neue Stellung ge- wonnen und erst ihre ganze Bedeutung für unsere komische Literatur erkannt. Der Meister selbst hat dem Vorgänger in den„Bildern zur Iobstjadc" gehuldigt, die mit virtuoser Leichtigkeit dieselben Motive umschreiben. In dem Widmungsgedicht grüßt er herzlich den Ahnen: „Hier sitz' ich auf dem Meilenstein/ Und schaue froh verwundert,/ Wie du auf deinem Rößlein fein/ Hertrabst durch dos Jahrhundert." Dankbar empfängt er die Batzen poetischen Geldes, die ihm Kortum in seinen„alten Deckel"'wirst:„Es sitzt so stramm der Reiter,/ Wie lustig wackelt ihm der Zopf!/ Zack, zack, so geht es weiter." Durch Busch und durch die vielen Verehrer seiner Kunst, die in Kortums Dichtung ähnliche Züge entdeckten, ist die Iobsiade zu einem klassischen Werk geworden, das viele Neuausgaben erlebte. Auch andere Dichter huldigten ihm nun, so Otto Julius Bierbaum in der schönen Ausgab« des„Insel-Verlages". die soeben in vierter Auflage erscheint� Kortums Dichtung gehört in die große Reihe von sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Es muß erwartet werden, daß der Berkehrsminister sich zu der Sache äußert. Daß gegen diese Art Verwaltungskunst auf das schärfste Front gemacht werden muß, ist selbstverständlich und wird geschehen. E i n Erfolg aber ist dem Vorgehen des RVM. sicher. Die Sozialdemokratie wird nach diesen Erfahrungen jene Vorlage auf Aenderung der Abbauverordnung mit noch größerer Schärfe als bisher prüfen, weil sie, wie die Beweise zeigen, mit Recht vermutet, daß die Regierung die Waffe des Abbaues auch weiterhin ungeschmälert behalten will, um durch ihren Gebrauch Ziele zu erreichen, die sich heute viel- leicht nur ahnen lassen. Deshalb gibt es für die Vorlage der Regierung von den Soialdemzokraten nur einen Antrag, und der lautet nach wie vor:„Die Personal-Abbau-Verordnung wird aufge- hoben!"_ Den Putschisten muß geholfen werüen. „Kronprinz" Rupprecht hinter den Kulissen? Auch die bürgerliche Presse weist zum Teil auf den recht- lich nicht haltbaren Unterschied zwischen dem Urteil im Leip- ziger Kommunistenprozeß und dem Spruch des Münchener Bolksgerichts im Hitler-Prozeß hin. So heißt es im„B e r- liner Tageblatt": Und doch wird der Urteilsspruch nicht nur in kommumstischen Kreisen, sondern in allen verfasiungstreuen Kreisen auch ein bitteres Gefühl auslösen. Di« Putschi st en desBür- geribräukellers, die den öswafsweten Umsturz nicht nur vorbereitet, sondern zur Ausführung gebracht, die von Reichswehr- angehörigen nicht bloß Waffen gekauft, sondern fast die gesamie Jnfanterieschul«, einen Teil der Reichswehr, zur aktiven Teil- nähme am Hochverrat bestimmt haben, sind vom Mün- chener Volksgericht zu ganz milden Festungsstrafen verurteilt worden, die ihnen in der Hauptsache wieder erlassen wurden. Die durch nichts zu entschuldigende Milde der Münchener Richter hat seinerzeit sogar in sonst sehr weit rechtsstehenden Kreisen Bestürzung und Empörung hervorgerufen. Heute gibt es kaum nock) einen Menschen, der nicht den Wahnwitz des Münchener Rovemberputsches einsähe. Selbst im deutsch- völkischen Lager weiß man heute, daß jede Po- litik außerhalb des einst so verdammten Parlamentarismus auf dem Boden des Putschismus vollendeter Wahnsinn ist. Trotzdem finden sich in Bayern noch immer Leute, die an der Taktik des Putschismus festhalten, und es ist bezeichnend, daß der rechte Flügel der Bayerischen Volkspartei ihnen nicht fernsteht. Aufklärung darüber gibt ein Brief des Organisators der ehemaligen Einwohnerwehren, Obergeo- meter Kanzler, den er am 25. Juli an einen seiner Freunde richtete. In dem Schreiben, das unser Parteiorgan, die „Münchener Post", veröffentlichte, wird u. a. gesagt: „Heute habe ich mit P ö h n e r eine längere Unter- redung gehabt. Derselbe ist, nockÄem der Landdag den Straf- Vollzug gegen ihn steigegeben hat, seitens des Gerichts aufgefordert worden, innerhalb weniger Tag« feine Festungsstrafe anzutreten. Er beabsichtigt nun. fein Mandat niederzulegen, sein« sechs Mona!« abzusitzen und dann außerhalb Bayerns, vielleicht sogar im Auslande, sich mit seinen dS Iahren eine neu« Existenz zu gründen, da er sonst mit seiner Familie Not leiden müßte. Bon seiner verkürzten Pension sowie den geringen Land- tagsdiäten kann er kaum leben(I) geschweig« denn die vielen Schulden(Gerichtskosten und Rechtsanwalt) abbezahlen, so daß er. wie er sagt, vor der Gefahr sieht, daß ihm auch seine Möbel ge- pfändet werden, Pöhner ist durch diese Entwicklung sehr er- bittert darüber, daß die Bayerische Volkspartei zugestimmt hat, daß der Strafvollzug gegen ihn ermöglicht wurde. Ich bedauere diesen Gang der Dinge außerordentlich. Einmal hat er sich in sehr kritischer Zeit ums Vaterland sehr verdient gemacht, außer- dem ist er einer der wenigen Dlännar. die wir in krikischer Zeit. die Ich kommen sehe, sehr vermissen werden, lvlr in Bayern müsien uns solche Leute mit allen Mitteln erhatten. Die Tendenz der Regierungspolitik müßte nicht Kampf gegen diese einmal m Schöpfungen, in denen sich n»„Jahrhundert der Vernunft" die rationalistischen Geister gegen die Ueberschwänglichkeiten der Empftndsamkeitsperiode wendeten. Neben den großen englischen Vorbildern ist hier Lichtenberg der Meister, dessen scharfer Witz auch aus den„Pfefferkuchen-Verstn" der Iobsiade dringt. Korwm nahm den Ton des Bänkelgesangs, der in der burlesken Bollade auflebt«, und verband ihn mit dem Inhalt des komischen Romans zu einer originalen niederdeutsch-derben Form, die ganz sein Eigenwm ist. Die glückliche Parodie der„Moritaten", die geschickt« Verwendung de» grotesken Reims, die Busch von ihm gelernt, die scharf« Be- obachtunq der Wirklichkeit und die Fülle der satirischen Züge, die pantastisch-übermütige Erfindung, die ebenso bei Busch auftaucht— all das trug dazu bei, ein Werk aus einem Guß entstehen zu lassen. Die groben und unfertigen Bilder, die Korwm hinzufügt«, passen m ihrer drastischen Persiflage gut dazu, wenngleich sie nichts mit jener Kunst der Zeichnung zu tun haben, m der Büschs eigentliche Größe liegt. So wird denn Freund Jobs im Zotteltrab weiter, er- freuend und erheiternd, durch unser« trübe Welt ziehen, so wie es Bierbaum in seiner köstlichen Vorrede zu seiner Ausgabe prophezeit: „Weil ihm nicht weniger als Hans Sachsen Ein eigner Schnabel zum Singen gewachsen, Weil er nicht sang, wie jedermann sung: Das brachte fein Lied so rasch in Schwung. Ich behaupte getrost: Der Jobst ist klassisch. Sei er bloß bochumsch oder parnassisch. Was sich unmariniert so lange frisch erhält, Sei, ob es auch Hein, neben Großes gestellt!" Dauer öer Träume. Zu den in Nr. 3S7 des„Vorwärts" veröffentlichten Be- obachtungen über erstaunlich schnelle Abwicklung der Traum- Vorgänge steuert uns Gen. Adolf Thiele- Halle folgendes eigenes Erlebnis bei: Ich war noch Lehrer an einer Landwirtschasts- schule. Die Osterprüfungen standen bevor. Am Vormittag« hatte sich Dr. P.. der Kolleg« für Naturwissenschaften, unwohl gefühlt und war nach Hause gegangen. Nach dem Mittagessen legt« ich mich ein wenig aufs Ohr. Die Zimmeruhr schlug eine Stunde nach, mittags 1 Uhr schlug sie also 12. Es war%1, als ich mich hinlegte und schnell einschlief. Das Zuschlagen eines Fensterflügels weckt« mich auf. Eben schlug die Wanduhr zwölf. Ich hörte deutlich drei oder vier Schläge, dann war ich wieder eingeschlafen und träumt« nun: Es war Prü- fungstag. Der Direktor unserer Anstatt kam erregt zu mir und er- suchte mich, an Stelle des erkrankten Dr. P. die Prüfung in Physik vorzunehmen, der Regierungsvertreter wünsche eine Examinierung über die elektrischen Läutewerk«. Ich lehnt« das Verlangen ob, da ich weder die Materie ausreichend beherrsch«, noch ein« Ahnung habe, wie Dr. P. die Frage behandelt habe. Es kam zu einer langen Aus- «inandersetzung. Schließlich erklärte ich mein« Bereitwilligkeit, lehnte aber jede Verantwortung ab. Da die zu prüfende Klasse bereits ver- die Irre gegangenen Elemente fein, sondern Versöhnung. Das wird und muß sich noch schwer rächen. Pöhner bezeichnete mir gegenüber sich als den Mann, der mit die Brücke von uns zu den Ihren hinüber hätte schlagen können. Nunmehr, da es sich für ihn um das nackte Leben handelt, muß er die oben angedeuteten Konsequenzen ziehen und dürft« für uns verloren fein. Sollte eine R e m e d u r in dieser Sache noch in allerletzter Minute möglich sein, so würde ich Dich bitten, Dich darum zu bemühen. Du würdest Dir dadurch ein außerordentliches Verdienst erwerben. Auf jeden Fall muß aber der Slrafan tritt hinausgeschoben oder ganz verhindert werden. Außerdem muh Pöhner in irgendeiner Form(Syndikus v. dgl.) geHolsen werden, sich Sine neue Existenz zu gründen. Es wird Dich vielleicht interessieren, daß Graf Soden. der Sabinettschcs des Kronprinzen Rupprecht, über Pöhner genau so denkt wie Dn und Ich. Es ist mir sehr interessant, dies indirekr von ihm bestätigt zu bekommen." In dem Schreiben wird also mit nackten Worten gesagt. daß der Hochverräter Pöhner vor seiner an und für sich lächerlichen Strafe bewahrt bleiben muß, um ihn für kommende kritische Zeiten bei der Stange zu halten. Man versteht den Sinn dieser Worte, wenn man aus dem Brief weiter erfährt, daß in den Kreisen des Briefschreibers darüber Klage geführt wird, daß der sogenannte R o t b a n n, wie dr jetzt unter Mithilfe des Eisner-Mörders A r c o von General E p p aufgestellt wird, im Eventualfall gegen den inne- ren Feind versagen werde und müsse. Man sieht, gewisse Kreise in Bayern bereiten sich auf den nach st en Putsch vor und bemühen sich, die November- bräuputschisten, die mit ihrer ehrlich erputschten Staatspension und den Landtagsdiäten nicht auskommen können, auf ihre Seite zu ziehen. Als Protektor des Ganzen erscheint, wie so oft,„Kronprinz" Rupprecht im Hintergrund, und die Reichsregierung wird so lange schweigen, bis die Schüsse krachen._ veutscknationale Verfassungskunöe. Die Cäsarenkaunen der„Kreuzzeitung". Die„K r e u z z e i t u n g" hält sich in ihrer gestrigen Abendausgabe darüber auf, daß die deutsche Delegation in London sich mit dem Reichspräsidenten in Verbin- dung gesetzt und seine Meinung über die gegnerischen Bar- schlüge eingeholt habe und spricht im Zusammenhang damit von Ueberschreitung der Befugnisse und„Cäsaren- Launen" des Reichspräsidenten. Die naive Unkenntnis der staats- und verfassungsrechtlichen Grundsätze in Deutschland bei der„Kreuzzeitung" ist erstaunlich. Wenn der ahnungs- lose Schreiber des auch sonst sehr törichten Artikels in der Reichsverfassung nachgesehen hätte, hätte er in Artikel 45 die Sätze gefunden: „Der Reichsprästdem oertritt das Reich Völkerrecht- lich. Er schließt im Namen des Reiches... Verträge mit aus- wärtigen Mächten... Verträge mit fremden Staaten, die sich auf Gegenstände der Reichsgesetzgebung beziehen, bedürfen der Zustim- mung des Reichstages." Diese Rechtssötze sind fast wörtlich aus der alten Reichsoerfassung übernommen, d. h. also: im wesent- lichen sind die Rechte, die früher der K a i s e r in bezug auf die auswärtige Politik hatte, auf den Reichspräsidenten übcrgc- gangen. Es war also ganz selbstverständlich, daß die Dele- gation, die ja ihre Rechte zum Verhandeln und zum etwaigen Abschluß vott Abmachungen nur aus einer Vollmacht des"" Reichspräsidenten herleitet, sich durch Rückfragen über die Auf- fasiung des Reichspräsidenten und darüber vergewissert, ob er gegebenenfalls einen solchen Vertrag unterzeichnen würde. Polittscher Anschlag in Dochvm. Im Garten eines Bochumer HauseS, in dem der französische General Franck wohnt. wurde eine Blechbüchse mit einer Dynamitpatrone mir Zündkapsel und 80 Zentimeter Zündschnur gefunden. Die Schnur war angezündet, aber gleich ausgegangen. Die deutsche und französische Kriminalpolizei haben Spuren aufgefunden, die wohl zur Ermittlung der Täter führen werden. sammelt wm. suchte ich rasch einig« andere Schüler zusammen, ging mit ihnen ins Zimmer für physikalische Apparate, suchte die erforderlichen Instrumente heraus, lud sie den Schülern auf, schärfte ihnen Vorsicht beim Transport ein und stieg schließ- lich die Treppe zum Prüfungssaal hinauf. Hier ließ ich die Appa- rate auf«inen Tisch setzen. Dabei entfiel einem der Schüler«ine Weckuhr, deren schadensrohes Gerassel das ganze Haus durchdröhntc. Ich wachte auf, der Spuk war weg. Gemächlich ließ die Wand- uhr noch vier Schläge hören. Der ganze Traum, dessen Vorgänge mindestens zwanzig Minuten in Anspruch genommen haben würden, wenn sie Wirklichkeit gewesen wären, hatte sich im Zeittaum von höchstens vier bis fünf Uhrschlägen abgespiell. Auch diese ohnehin kurze Dauer trifft nur für den Fall zu, daß ich beim ersten Aufwack-en den ersten der zwölf Uhrsläge gehört hatte. War ich dagegen erst beim zweiten oder dritten Schlag« aufgewacht, so hat der ganze Traum gm nur etwa drei Uhrschläge lang gewährt: das würden ungefähr zwei Sekunden sein.— Wie schnell unser Gehirn ganze Vorstellung?- reihen zu er, zeugen oder zu reproduzieren vermag, auch im wachen Zustande, kann man übrigens häufig beobachten, wenn man erregt ist. Im Bruchteil einer Sekunde saufen dann nicht selten ganze lange Berteidigungs- oder Angriffsreden durch unseren Kopf. Der Rettungsgürkel der Luft. Wer das Unglück hat, von einer hohen Bcrgfpitze oder einem mehrstöckigen Gebäude herunterzu- stürzen, der dünkt uns dem sicheren Tode versallen. Aber die Flieger, bei denen dos szerintterfallen aus riesigen Höhen sozusagen zum Berus gehört, haben uns bewiesen, daß der Mensch mit großer Geschwindigkeit durch die Luft in die Tiefe stürzen und doch sicher aus den: Erdboden landen kann. Di« Möglichkeit, auch beim Sturz die Kontrolle über seinen Körper zu behalten, verleiht der Fall- schirm, den man mit Recht den„Rettungsgürtel des Fliegers" ge- nannt hat, denn er wird für ihm immer unentbehrlicher. Wie vorzüglich sich diese„Rettungsgürtel der Lust" bewähren, zeigen einige Fälle der jüngsten Zeit, von denen der Flugberichterstatter eines Londoner Blattes erzählt. Bei einem Versuch oerzögerte ein erfahrener Fallschirmbenutzer obsichttich die Oeffnung des Apporotes, nachdem er aus einem sehr hoch fliegendem Flugzeug abgesprungen wm. Und er stürzt« 5 bis 6 Sekunden ohne jede Schutzmoßregcl in die Tiefe. Dann erst löste er die Oeffnungsvorrichtung beyut- sam aus und landet« vollkommen unversehrt auf dem Boden. Die kühnsten und aufregendsten Experimente werden mit dem Fallschirm angestellt, der außerordentlich vervollkommnet ist. Um einen neuen Apparat auszuprobieren, ließ sich«in Flieger aus großer Höhe wie einen Siein durch die Lust heruntersausen, bevor er den Apparat benutzt«, und er erklärt« nachher, bei dem rasend schnellen Sturz sei die Reibung in der Lust so stark gewesen, daß er das Gefühl hatte, als wenn fein Gesicht brenn«. Ein anderer aus- regender Vorfall ereignete sich, als ein Neuling, der das Herab- springen aus dem in voller Fahrt befindlichen Flugzeug mit dem Fallschirm lernen sollte, sich mit dem Apparat in die Maschine ver- wickelte. Der Fallschirm zerriß, während der Anfänger weiter- stürzte, ober obwohl er schneller siel, als eigentlich fein sollte, ge- Ving es ihm doch auch noch, mit dem geschädigten Fallschirm wohl- behalten aus der Erde anzulangen. Wa« ein guter Fallschirm für den Flieger bedeutet, das zeigte sich kürzlich, als eine Maschine, €m wertvolles Geftanöm's. Tas Proletariat und die Wiederherstellung Europas. Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen, daß die russische Politik unter dem Zwang furchtbarer Verhältnisse einen neuen Umschwung vorbereitet. Der Sieg der Linken, sowohl für die innerrussischen Verhältnisse wie für die Politik der Kommunistischen Internationale wird langsam durch die Rückkehr zu gemäßigterem Verhalten abgelöst. Der deutliche Beweis dieser Schwenkung ist der Versuch einer Annäherung der russischen Gewerkschaften an die Amsterdamer Internationale. Der tiefere Grund liegt in dem Kreditbedürfnis Sowjetrußlands. In kommu- nistischer Phraseologie müßte man dafür sagen:„Die Sowjet- regierung erleichtert dem siegreichen Weltkapital den Vormarsch nach Sowjetrußland". Zwischen allen Phrasen, mit denen in Deutschland die kleineren Geister der deutschen kom- munistischen Partei die Arbeiterschaft beglücken, klingt ge- legentlich aus der russischen Presse bereits eine ganz andere Sprache. So widmet Karl R a d e k in der„Prawda" dem Abschluß des englisch-russischen Vertrages einen Artikel, in dem wörtlich folgende Ketzereien stehen: „Wenn trotz aller Schwierigkeiten die Negierung Mac« denclds sich genötigt sah, die rücksichtslosesten Forderungen der englischen Kapitalisten zurückzunehmen und den Weg für den Ab- schluß einer Reihe äußerst wichtiger Verträge freizumachen, die zareifrilos die Verstärkung der wirtschaftlichen Beziehungen Eng- londs mit Sowjetrußland begünstigen werden, so ist das ein Be- weis dafür, wie stark der Druck der englischen Ar- beiterklasse ist. Das Proletariat erlaubt der Regierung Mae- donalds nicht, einfach nur die Fortsetzung derPolitik Lloyd Georges und Baldwins zu betreiben. Die englische Arbeiter- klas.se personifiziert gemeinsam mit Sowjet- rußland das Interesse des internationalen Proletariats an der Wiederherstellung des in Trümmern liegenden Europas. Für die englische Ar- beiterklasse und für Sowjetrußland ist— die Logik der Geschichte. Deshalb werden sie siegen." Man traut seinen Augen nicht. Also: in der englischen Arbeiterrcgierung kommt der„Druck der englischen Arbeiterklasse" zum Ausdruck? Wir glaubten bisher immer, daß die englische Arbeiterregierung die schmutzigste Verräterin an den Interessen des englischen Proletariats sei, daß sie eine„rein bürgerliche" Politik betreibe. Man erkläre uns diesen Widerspruch. Vielleicht wird es dem Talmudisten Thalheimer gelingen, unsere Geisteskräfte sind dafür zu schwach. Und weiter: die eng- lische Arbeiterklasse soll gemeinsam mit Sowjetrußland das „Interesse des internationalen Proletariats an der Wiederherstellung Europas" verkörpern? Wir hörten doch erst vor kurzem noch, daß Macdonald nur im Auf- trage der englischen und amerikanischen Bourgeoisie handelt, die mit den gemeinen Mitteln des pazifistischen Be- lruges Europa deswegen wiederherstellen will, um die ganze internationale Arbeiterklasse zu versklaven. Die Londoner Arbeit soll doch nach kommunistischer Auffassung nur der Herstellung eines S k la v e n v e rt r a g e s dienen, den jeder klassenbewußte Arbeiter mit revolutionärer Entschlossenheit abzulehnen hat. Jetzt sollen wir auf einmal an dieser Der- sklavung interessiert sein? Vielleicht ist der Widerspruch zwischen den Phrasen der kommunistischen Agitation in Deutschland und der realen Politik der Sowjetregierung doch verständlich, wenn man etwas marxistische Analyse treibt. Allen Phrasen zum Trotz ist nämlich auch die Sowjetregierung gezwungen, in Konsequenz ihrer R e p- P o l i t i t das auswärtige Ka- Htal zu Hilfe zu rufen. Auch Sowjetrußland und die russische Arbeiterklasse muß froh sein und ist froh, wenn es gelingt. Europa dem Frieden und neuer Arbeit zuzuführen. Auch in Moskau ist man gezwungen, schließlich die Arbeit der Männer zu u n t e r st ü tz e n, die„im Interesse des Pro- IHMJHBMII» I>»>!»»» die in einer stockdunklen Rocht hoch über einer Großstadt flog, ver- sagte. Dem Flieger gelang«z noch, das Flugzeug soweit zu steuern, daß es über freies Land kam, und dann vollbrachte er mit seinem Fallschirm einen sicheren Abstieg auf das dunle Gelände, während die Maschine in einiger Entfernung niederstürzte und in Flammen aufging. Der Vüsscl ist gerettet. Nachdem sich bei uns eine Gesellschaft zur Erhaltung des Wisent gebildet hat, wird es interessieren, daß der amerikanische Vetter dieses Großwildes, der Büffel, als gerettet betrachtet werden kann. Rücksichtsloses Abschießen durch Sportjäger und Pelzhändler hatte diesen Vorweltriesen Amerikas dem völligen Aussterben nahegebracht. Indessen die seit einiger Zeit geübt« Schonung hat Erfolg gehabt. Eine im vorigen Jahre in der Union vorgenommene Zählung und Schätzung des Wildbestandes gibt die Zahl der Büffel aus 240 000 an, so daß der Büssel trotz allem noch an zweite: Stelle steht:-?ur das Rotwild, dessen Zahl auf 440 000 g-sschatzt wird, ist zahlreicher. Die Rettung de» Büffels vor Ver- ni-btung scheidet also aus den Aufgaben des amerikanischen Waid- manns aus. Amerika oerfügt ja auch nirgends über so große Flächen unkultivierten Landes, daß man noch große Sporhagben abholten könnte. Außerdem hat sich gezeigt, daß der Büffel auch ln der Gefangenschaft sich leicht fortpflanzt. m. Ein Internationaler Sludentenkongreß findet im September in Genf statt. Seine Sitzungen sollen mit denen des Völkerbundes zusammen stattfinden, von dem auch die ganz« Veranstaltung aus- geht. Es werden ungefähr 200 bis 300 Studenten aus der ganzen Welt erscheinen, darunter auch Vertreter der deutschen Studenten. Die hervorragendsten Vertreter des Völkerbundes werden Kurse und Vorträge"abhalten. So wird Genosse Thomas über das Inter- nationale Arbeitsamt sprechen, Lord Cectl über die Kolonialpolitik des Völkerbundes. Außer diesen werden Staatsmänner der ver- schiedenen Länder sprechen. Unter anderen Problemen werden besonders„Die Monroedoktrin und der Völkerbund",„Deutschland und der Völkerbund",„Die Vereinigten Staaten und der Völker. bund" von großer Bedeutung sein. Für die beiden letzten Themen sind als Vortragende Staatssekretär M. I. H. Macdonald(Amerita) und Professor H Oetzsch sowie Genosse Breitscheid sDeutschland) ge- wonnen. Die Veranstaltung dauert vom 28. August bis Ende September.— Auskunst erteilt Mr. Robert Lang«, Sekretär der Federation Unioerfitair« Internationale(Paris, 88 rue de Varenne). Die kun'lausstcllung.Der Sturm- eröffnet am IS. August-ine Gesamt. schau. Die Ausstellung ist täglich von 10— 6, sonntags von 11— 2 geöffnet. Sine Großschiftbauhall« In Hamburg. Die Grohschiffbauhalle der Deutschen Werst in Hamburg, die jetzt vollendet ist. ist eine grohartige Anlage, über die in der.Bautechnik- nähere Mitteilunzen gemacht werden. Der Mittelbau hat-ine Breite von S Meter und ist zweigeschossig, für Mogozine. Lager, Meisterräume ulw.«ingerichtet. Hier finden sich auch zwei Hallen�von 24 Meter Breite und 101 Meter Länge, die mit Laufkranen rvn S— 15 Tonnen Tragkraft ausgerüstet find. Da» neue türkische Shegesefi. Ueber da« Ebegesetz. das der National. Versammlung vorgelegt werden soll, wird folgendes gemeldet: Di- Alters- grenze beträgt für Männer 18 Jahre und für Frauen 17 Jahre. Ausnahmen werden zugelasie». salls die körperliche Konstitulion der Eheschliefienden da« erlaubt. Die Zustimmung der Ellern oder deS Bormundes ist für die Schließung der Ehe notwendig. Verboten find die Eheschließungen unter Blutsverwandten und mit Geisteskranken. letariats an der Wiederherstellung des in Trümmern liegen- den Europas arbeiten". Es wird auch der Tag kommen, wo man in Moskau diese Arbeit anerkennt. Die Phrasen der Scholem-Iünglingc in Deutschland werden sich dann von selbst erledigen._ Kommumstische Spitzelei. Sie anerkennen die Uebcrlegenhcit der Sozialdemokratie. Di« Zentrale der KPD. verschickt gegenwärtig«inen Frage- bogen an ihre Organisationen, der die größte Beachtung verdient. In der Einleitung des achtzehn Fragen umfassenden Bozens wird gesagt, daß die Sozialdemokratische Partei trotz des Rückganges der letzten Jahre zahlenmäßig noch weit über der kom- munistischen Bewegung steht. Interessant ist ferner das E i n g e- st ä n d n i s, daß alles, was die kommunistischen Zeitungen und Redner bis jetzt über die Schwäche der sozialdemokratischen Bcwe- gung in die Welt setzten, zu einem großen Schaden der Kommunisten ausgeschlagen ist. Reben der zahlenmäßigen Stärke unserer Bewe- gung wird schließlich die geistige Ueberlegenheit anerkannt. Man gibt also gewissermaßen zu, daß die„Sozialdemokratische Par- tei" derjenige Faktor im politischen Leben ist, der trotz aller Ver- leumdungen und Beschmutzungen immer noch das Vertrauen der wei- testen Kreis« der Arbeiterschaft besitzt. Aber ungeachtet der kommu- nistischen Selbstkritik, die zugibt, daß die Zersetzungsbestre- bungen bisher erfolglos waren, soll weiterhin versucht werden, das Vertrauen der Massen zur SPD. zu untergroben. Zunächst sollen die kommunistischen Organisationen deshalb folgenden Frage- bogen beantworten, der zur Grundlag« einer neuen Taktik gegen die SPD. dienen soll: 1. An welchem Orte besteht eine Ortsgruppe der SPD.? 2. Wie hoch ist ihre Mitgliederstärk«?(In der Beantwortung unter- scheiden, ob genau oder geschätzt.! 3. Welche Zeitung hat die SPD. in Eurem Bereich: 4. Wie hoch ist die Abonnentenzahl der Zeitung? ö. Vertritt die Zeitung die Mehrheit der SPD. oder die O p p o s i t i o n? 6. Wo besteht Opposition? Richtung Diß- mann, Aufhäuser, Tom Sender? 7. Wer sind die Wortführer der Opposition? 8 Wie stark ist die Anhängerschaft? 9. Geht die Opposition geschlossen vor? 10. Wo hat die Opposition die Mehrheit? 11. Wie denkt die Mitgliedschaft über den zuletzt ob- gehaltenen Parteitag und sein« Beschlüsse? 12. Wie stellt sie sich zum Verhalten der Opposition auf dem Parteitag? 13. Me stelli sie sich zur Forderung des Austritts aus der IAH.? 14. Was sagt man über das neue Organisationsstatut, wonach Reuaufgenommene erst ein Probejahr bestehen müssen? Wie sind die Ansichten über die Möglichkeit eines sofortigen Ausschlusses aus der Partei? IS. Wie stark ist die Arbeiterjugend?(Das Stärkcver- hältiris der KI. ist anzugeben.) 18, Wie stellt sich die Mitglied- schast zur KPD.? Wo bestehen Neigungen, mit der KPD. zu- sammenzugehcn? Welche Kritik wird an der KPD. geübt? 17. Wo besteht«ine Ortsgruppe des Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold? Welch« Stärke? Wer ist Führer? Wer ist betei- ligt, SPD.. Demokraten, Zentrum? In welchem Verhältnis be- teiligt? 18. Wo hat die SPD, Beziehungen zu Behörden, Regie- rungspräsidenten, Polizei usw.? In einem Anhang des Fragebogens werden dann Fingerzeige für die Beantwortung gegeben. Es wird auf möglichst genaue Be- richterstattung Wert gelegt und darauf hingewiesen, daß dort, wo Verbindungen zur SPD. bestehen, diese benutzt werden müssen, um ganz genaue Angaben zu erhalten. Die Versammlungen der SPD. sollen fleißig besucht werden. Freunde und Bekannt«, die in der Sozialdemokratischen Partei organisiert sind, sollen unaus- fällig ausgefragt werden, im Betrieb, im Wirtshaus, in Verfamm- lungen, im Betriebsrat und in der Familie. Parteigenossen, seid auf der Hut, oerratet nicht durch Gespräche mit den Kommunisten Eure eigene Partei, gebt den k o m m u n i st i- schen Spitzeln, wenn sie an Euch herantreten, eine Antwort, daß sie ein zweites Mal nicht mehr zu Euch zu kommen wogen! Rote Frontkämpfer» Held Scholem als Generalissimus. halle. 14. August.(Eigener Drahtbericht.) Die.Föten hundert- schaften" der KPD. haben in Mitteldeutschland als„rote Front- k ä m p f« r"«in fröhliches Auferstehen gefeiert, mit deren Gründung und Aufmachung man so plump vorging, daß es der weiteren Un- Vorsichtigkeit der KPD. nicht bedurft hätte, um deren Identität mit dem früher verbotenen, jetzt aber gebrauchsfähig aufgefrischten Ge- bilde erkennen zu lassen. Es steht einwandfrei fest, daß der Helden- knabe Scholem mit seiner Freundin Ruth Fischer die alt« Hallesch« Bezirksleitung der KPD. hauptsächlich deswegen abgesägt haben, weil dies« die militärische Durchorganisierung Mitteldeutsch- londs in strafwürdiger Weise vernachlässigt haben. Die Zentrole hat daher zur Vermeidung solcher„Fehler" einen ihr zuverlässig ergebe- nen Vertrauensmann namens Rosenbaum durch Dekret über den Bezirk Halle-Merseburg zur ordnungsmäßigen militärischen Um- und Neusormrerung entsandt. Als Ergebnis seiner„Arbeit" meldet das Hallesche Bolschewistenorgan die Zahl von angeblich mehr als 1000 roten Frontkämpfern, Dies« Zahl trifft jedoch trotz äußersten Terror» bei der Rekrutierung nicht zu, denn bei einer stolz als „M afsenmeeting" für Halle-Merseburg-Weißcnsels der roten Frontkämpfer bezeichneten Tagung kamen nur 213 Mannen zusammen, und daß einschließlich der kommunistischen Jugend. Die KPD. schreckt daher selbst vor Zwongsrekrutierungen nicht zurück. Die Hallesche Zealrale hak die Ausstellung besonderer Rollkommandos angeordnet, dle mii Aamensverzeichnissen ehemali- ger Kommunisten, die jetzt beim Reichsbanner organisiert find, sowie den Namen sonstiger ausgetretener Parteimitglieder verschen sind. um diese durch Ueberredung oder selbst durch Drohungen mit Ge- woltkäkigkeiten zum Beitritt io ihre Hundertschaften zu pressen, min- best jedoch zum Austritt aus dem Reichsbanner zu zwingen. Dies« Wahnsinnstaktik hat zu weiteren Austritten aus der KPD. geführt, zumal bereits einer der Hauptschreier und Der- trauensmann der roten hMderlfchaften, ein als moralisch minder- wertig bekannter und von seinen eigenen kommunistischen Partei- freunden al? arbeitsscheu bezeichneter Mensch, der bereits einmal wigen an Organisationsgeldern begangener Unterschlagung ousge- schlössen war, aber später wegen der Zentrale geleisteter guter Dienste in Gnaden aufgenommen wurde, in Halle verhastet worden ist. Di« Haussuchung ergab bei ihm das Vorhandensein von Muni- tion und Maschinengewehrschlössern der roten Hundertschaft. Die weiteren Ermittlungen schweben noch. Die Durchführung üer Schutzhast. Staatsminister Seoering hat an die Oberpräside'.ten über die Handhabung der Schutzhaft ein« längere Verfügung heraus. gegeben, der nachfolgendes zu entnehmen ist: D'« dem Verhafteten zustehende Beschwerde ist von dem Zeitpunkt ab zulässig, in dem der Haftbefehl erlassen wird. Fällt der Deginn der Vollstreckung nicht mit dem Erlaß des Haftbefehls zu- stimmon, so besteht ein berechtigtes Interesse des Betroffenen, den Rechtsmittelweg sofort zu beschreiten, um im Fall« einer rasch folgenden, ihm günstige» Entscheidung der Beschwerdeinstanz von der Schutzhast selbst verschont zu bleiben. Auch während einer Unterbrechung der Schutzhaft kann die Beschwerde erhoben werden. Die in der genannten Verordnung als h ö ch st d a u e r der.Haft bestimmte Frist von drei Monaten beginnt erst mit dem Tage der eigentlichen Verhaftung. Es ist möglich und zulässig, dag gegen dl« gleiche Person gleichzeitig Schutzhaft und Unter- suchungshaft angeordnet wird, und zwar kann sowohl bei be- reits bestehender Schutzhaft Untersuchungshaft wie bei bereits bestehender Untersuchungshaft Schutzhaft angeordnet werden. hierbei ist zu entscheiden, welche Hastart in der Vollstreckung den Vorrang hat. Im Hinblick auf die besonderen Voraussetzungen und Zwecke der Untersuchungshaft mutz diese den Vorrang haben. Während ihrer Vollstreckung ruht die Vollstreckung der Schutzhaft: die Schutzhafthöchstsrist laust während dieser Zeit nicht: Beschwerde gegen den Schutzhaftbefehl kann jedoch eingelegt werden. Der Erlaß mehrerer S ch u tz h af tb es e hl e gegen die. selbe Person ist möglich. Gegen jeden einzelnen hastbesehl ist Beschwerde zulässig. Die Befehle dürfen jedoch nicht dazu führen. daß der Gefangene länger als drei Monate in Schutzhaft sitzt, ohne daß auf Grund erneuter Sachprüsung und erneuten Haftbefehls die Fortdauer der hast angeordnet und ohne daß eine Entscheidung des Staatsgerichtshofs zum Schutz der Republik hierüber herbei- geführt wird. Mit verteilten Rollen. Reichslandbund, Teutschnationale und Dawesplan. Der Bundesvorstand des Reichslandbundes veröffent- licht ein« Entschließung, die sich in heftiger Form noch einmal für die Ablehnung des Dawes-Gutachtens ausspricht. Di« Entschließung besagt u. Der Reichslandbund erklärt nochmals ausdrücklich, daß er in dem Sachverftändigen-Gutachten nur ein Instrument erblicken kann, das der internationalen Finanz die Möglichkeit geben soll, das deutsche Dolk seines wirtschaftlichen Eigentums in Deutsch- land selbst zu berauben. Die Versklavung des militärisch entwaffneten Deutschlands soll durch Beseitigung der noch vorhandenen wirtschaftlichen Selbständigkeit vervollständigt werden. Der Kampf um das Eigen gegen die Tyranneides internationalen Finanzkapitals ist der Kampf des deutschen Volkes um die letzten« Reste seiner Freiheit als Nation und Staat. Der Reichslandbund hält«s für feine vaier- ländische Pflicht, alle moralischen, geistigen und wirtschaftlichen Kräfte in Deutschland hierzu auf- zurufen. Das sind Phrasen, denen um so weniger Bedeutung beizu- messen ist, als der Landbund lediglich ein« wirtschaftliche Organisation ohne politische Initiative ist. Die politische Vertretung des Landbundes liegt bei der Deutschnationale« Partei. Dcr„Generalsekretär" der Deutschnationalen, Herr v. Lirrdeiner-Wildau, hat aber gestern noch in der „Kreuz-Zeitung" erklärt, daß die Deutschnationalen bereit sind, die „Tyrannei des internationalen Finanzkapitals" gegen das Linsen- gericht der landwirtschaftlichen Schutzzölle über sich ergehen zu lassen. Der Reichslandbund müßte also die„moralischen, geistigen und wirtschaftlichen Kräfte in Deutschland" wo anders suchen als bei seinen Freunden, wenn es ihm mit seiner Resolution überhaupt ernst gemeint wäre., Jaurös im Pantheon. Pari». 14. August.(Eigener Drahtbericht). Der Kavinettsrat hat am Donnerstag den Minister für. Kunst und WissenschaflP beauftragt, die feierliche Ueberführung der sterblichen Rest« Jean JauräS inS Pantheon für einen mit dem Ende der Schul» und Parlamentsferien zusammenfallenden Zeitpunkt bor» zubereiten. Die Uebersührung dürfte demnach Ende Oktober stattfinden._ Matteottis Rnzug gefunden. Bon zahllose« Dolchstichen durchbohrt. Rom. 14. August.(WTS.) Nach einer Meldung der .Tribuna" wurde tu der Nähe von Rom in einem Versteck ein herreuaozug gefunden, de« Fron Matteatti al» den Anzug ihre» Manne» wiedererkannte, ver Anzug ist von zahllosen v o l ch st l ch e a durchlöchert. Rom. 14. August.(WTB.) Der mutmaßliche Anzug Matteottis ist ungefähr zwanzig Kilometer von Rom entfernt in der Näh« des Tibers bei Scrofano gefunden worden. Die dortig« Gegend ist mit dichtem Gebüsch bewachsen und weist zahlreiche höhlen auf. Die Nachforschungen sind mit dem größten Nachdruck wieder aufge- nommen worden. Der Anzug wurde dem Untersuchungsrichter über» geben._ Moröerheim tzorthp-Ungarn» Budapest, 14. August.(Eigener Drohtbencht.) Das Blatt„Esti Kurir" berichtet, daß ihm der Aufenthalt der Erzberger-Mör. der Schulz und Till essen auf dem Gut des Führers der„Er- wachenden Ungarn", Abg. G ö m b ö s, unweit von Budapest, ge- meldet worden sei Ein Redakteur des Blattes stellt« an Ort und Stelle Nachforschungen an und konnte feststellen, daß die beiden Mörder sich wirklich dort aufhielten. Sie rochen aber Lunte und bevor ihre Festnahme versucht werden konnte, verschwanden sie. Schon im herbst 1921 hatte«in deutscher Kriminalbeamter die beiden hatenkreuzhelden in Budapest auf der Straße erkannt: ehe der deutsche Beamte sie durch ungarische Polizisten oerhastccn lassen tonnte, waren sie auf und davon. Der Oberstadthaupimann (Polizeipräsident) von Budapest hat damals den beiden Mördern ein« Aufenthalts bewilligung ausgestellt. der Rufstanö im Suüan. Britischer Alarm. London, 14. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Verschwörung gegen die englische Herrschast in Aegypten ist gleichzeitig aus den Sturz der gegenwärtigen ägyptischen Regierung gerichtet die man für lau und kompromißlerisch hält. Die Anhängerschaft der Extremisten ist viel größer, als man bisher geahnt hat. Sie haben gegenwärtig die unbestrittene Führung der ägyptischen Frei» Heilsbewegung. Ihre Emissäre sitzen ln der Armee und Poll- zci und haben maßgebenden Ein stutz im Sudan, wo die Er» innerungen an den langjährigen Ausstand des M a h d i gegen Eng. land wieder lebendig geworden sind. Die ägyptische Krise hat sich wesentlich oerschärst. Die britische Regierung hat Befehl erteilt, eine Zusatz» r e s e r v e von 2Z 900 Offizieren und Soldaten aufzustellen, um alle Truppengattungen aus volle MobiKsationsstärke bringen zu können. Der Generalgonverneur und der britische Oberbefehlshaber im Sudan haben erklärt, daß die Unruhen im Sudan sehr ernst genommen werden müßten. Gewerkschaftsbewegung Das Uebergewicht.. ben für das Uriell metter Kreise ber Deffentlichkeit bebeutungsvollen| beschäftigt ft, sier Jahre Striegstettnehmer war, befommt, da die Irrtum berichtigen, daß die 12 stündige Anwesenheit Kriegsdienstzeit auf Anweisung des Reichsfinanzminifteriums nicht im Betriebe oder vor der Arbeitsstelle gleich. mitgerechnet wird, 1% Monatsgehälter als Abfindung, während eine bedeutend wäre mit einer 12stündigen tatsäch weibliche Angestellte, die ebenfalls seit 1913 in der Reichsdruckerei lichen Arbeit Das wäre allerdings ein Irrtum, vor dem fich beschäftigt ist, 3 Monatsgehälter Abfindungssumme erhält. Die Preußische Personalabbauverordnung sieht bei Zahlung he hier wiederholt gekennzeichnete Schrift der Bereinigung der insbesondere die Unternehmer hüten müssen, wollte man annehmen, der Abfindungssumme ausdrücklich die Anrechnung der Deutschen Arbeitgebernerbände gegen den Achtstundentag, die Arbeiter feien Maschinen. Kriegsdienstzeit vor. Die Schlechterstellung der Reichs für das Zweifchichtensystem, enthält einen besonderen 20 Seiten um. Es ist eine der übelsten unverschämtheiten, an denen diese angestellten, die lediglich auf das Betreiben des Reichsfinanz ministeriums zurückzuführen ist, hat schon berechtigten Unmillen fassenden Abschnitt über die Haltung und Fehler der Gewert- Schrift so reich ist, die 12stündige Arbeitszeit in den schlimmsten und fchaften. Die Herren Berfaffer erklären, sich zuerst gegen die agi- gefährlichsten Knochenmühlen mit dem Einwand zu rechtfertigen, unter den Kriegsteilnehmern ausgelöst, die fomit ein praftisches Beispiel haben, wie sich das Reichsfinanzministerium die Abstattung tatorische Behandlung der Arbeitszeitfrage durch die So des Dantes des Baterlandes vorstellt. zialdemokratie und die freien Gemerfschaften wenden zu müssen. Im Interesse der brotlos gemachten Angestellten liegt es, daß entgegen tommt und die gleiche Regelung vornimmt wie im Preußischen Staat. Die Arbeitszeitfrage fei für die Arbeitgeber keine politische, sondern Achtung, Sp D.- Fraktionsvorstände! das Reichsfinanzministerium den Forderungen der Gewerkschaften Am Freitag, den 15. August, abends 7 Uhr, in den Mufiterfälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 31: eine rein wirtschaftliche Frage. Offenbar übersehen die Herren dabei, daß die Gemertschaften die wirtschaftliche Interessenvertretung der Arbeiterschaft bilden und daß nebenbei auch die Sozial. demokratie fich feit ihrem Bestehen für die Hebung der Lage der Arbeiterklasse in Wort und Echrift, im Parlament und der Bresse eingesetzt hat; daß ein gemisfer Karl Marg bereits vor einigen Jahrzehnten die Arbeitszeitfrage missenschaftlich untersucht und beleuchtet der SPD.- Fraffionsvorstände aller Gewerkschaffen, fowie hat und im Grunde genommen damals fchon, vor einem Menschen alter, die Argumente der Unternehmer gefannt und sie gründlich zerpflückt hat. Die Berfaffer fordern, auch von„ denjenigen Teilen des deutschen Balfes, die fachlich anderer Meinung glauben fein zu müffen( 1), die Erörterungen ohne Agitation und Berhehung und mit fachlichem Ernst zu führen, der bei dieser Schidfalsfrage angebracht ist", haben Wichtige konferenz der Vertreter der großen Betriebe aller Berufe. Dienst am Verfassungstage wie an Berttagen zu handhaben Da diese Konferenz fehr wichtige Entscheidungen zu treffen hat, ist das Erscheinen aller Genossen und Ges noffinnen dringend notwendig. Die Fraktionsvorstände haben unbedingt dafür Sorge zu tragen, daß alle Vertreter der maßgebenden Betriebe zur Stelle find. Ohne Parteiausweis tein Zutritt. jedoch selber versäumt, in ihrer Denkschrift der Forderung der Sach. Bezirksverband Berlin der SPD., Berlin SW. 68 Lindenftr. 3( Betriebssekretariat). lichkeit gerecht zu werden. Die Rollen müssen schon gleichmäßig verteilt sein. Wenn die Herrschaften für sich selber das Recht in Anspruch nehmen, den fachlichen Ernst beiseite zu laffen, um in unglaublicher Weise die Stellung der Gewerkschaften und der Sozial. demokratie zu verdächtigen, weil sie den vom Unternehmertum so fehr angefindeten und vergewaltigten Achtstundentag verteidigen, müssen sie sich wohl oder übel gefallen lassen, daß mir ihre Argus mentation ins rechte Licht rücken, um zu zeigen, was dahinter steckt. Sie haben meiter die dogmatische und schematische Behandlung der Arbeitszeitfrage durch die Gewerkschaften zu beanstanden. Sie, die den Kampf um die Verlängerung der Arbeitszeit, um die Bes seitigung des Achtstundentages eingeleitet und der Arbeitnehmer. fdjaft aufgezwungen haben, sagen: 3. A.: A. Holz ,, Verfassungsfeier in der Reichsdruckerei." Zu der Notiz unter diefer Ueberschrift in Nr. 378 bes„ Bornärts" erhielten wir von der Direktion der Reichsdruckerei folgende Richtigstellung: Bon der Regierung war angeordnet morden, daß der fei, daß aber Beamten, Angestellten und Arbeitern zur Teilnahme an den staatlichen Feiern und an Gottesdiensten auf Antrag Dienstbefreiung gewährt werden sollte, soweit es die dienstlichen Verhältnisse gestatteten. Dem Wunsche Der Betriebsvertretung, lediglich eine Betriebsmache für dringliche Arbeiten zurückzubehalten und im übrigen allen Arbeitnehmern freizugeben, forinte hiernach nicht entsprochen werden, weil dies einer ließung des Betriebesge cum abe by Tur in auch Anträge auf Dienstbefreiung zum 8. August abends verschwindend geringer Zahl gestellt worden waren. Mit der Be schränkung der Befreiungen auf etwa 10 Prog. der Belegschaft, also auf etwa 380 Personen, befand sich die Direttion in Ueber. einstimmung mit der Leitung anderer Reichsbetriebe. Daß diese Zahl dem Bedürfnis der Belegschaft genügt hätte, beweist die Tat sache, daß noch nicht 100 Personen vor der Ermächtigung Ge brauch gemacht haben; und auch unter diesen haben sich nachweislich mehrere befunden, die die angebliche Teilnahme an einer staatlichen Feier als Bormand zu einem Spaziergange mißbrauchten. Unrichtig ist die Angabe, daß fich sogenannte Streitbrecher" der Direktion zur Teilnahme an der Berfaffungsfeier zur Verfügung gestellt hätten. Die Direktion hat weder zur Teilnahme an der Feier noch zur Nichtteilnahme irgendjemand beeinflußt. Unrichtig ist auch, daß es zur Beflaggung erst eines Hinweises der Betriebspertretung bedurft hätte; die Beflaggung war selbstverständlich von der Direktion rechts zeitig angeordnet worden. 12 daß es sich ja nicht um eine ununterbrochene Arbeitsleistung handle, sondern dazwischen auch gewisse Atempausen lägen, daß es sich ja mit um eine Arbeitsbereitschaft handle. Für die Großeisenindustrie gelte ja noch die Bundesratsverordnung vom Jahre 1908, wonach für alle Schichten, die länger als 8 Stunden dauern, eine Mindest pause non 2 Stunden festgelegt ist, wodurch die tatsächliche Arbeitszeit ohne weiteres fchon von 12 auf 10 Stunden beschränkt merde. Daß der Zwölfftundenarbeiter mit den Wegen von und zur Arbeit 13, 14 und mehr Stunden arbeitsbereit" sein muß, daß ihm außer der Schlafzeit faum noch zwei, drei Stunden für seine Familie und für sich selber übrig bleiben, fümmert doch die Arbeitgeberners bände nicht. Denn gegenüber allen anderen Momenten hat das Brofitinteresse das lebergewicht zu beanspruchen. Das ist fachlicher Ernst" der Unternehmer, dem die Arbeiter. Das Fiasko der Bauarbeiteraussperrung im Westen. Es wird nichts so heiß gegeffen, wie es gefocht wird. schaft den fachlichen Ernst ihrer Ansprüche an eine mußten auch die Scharfmacher im Baugewerbe Rheinland- West mensenwürdige giftenz entgegenstellen muß. Das„ llebergewicht" aber, das die Unternehmer augenblic- falens erfahren. Die Aussperrung ist noch nicht allgemein. Dieser Mißerfolg wird etwas zu verschleiern versucht durch den Hinweis, die Notstandsarbeiten müßten selbstverständlich verrichtet werden. Berschiedene Gemeinden, die Bauarbeiten in eigener Regie ge führt haben, haben sich dem Vorgehen der Arbeitgeberverbände nicht angeschlossen. Auch verschiedene Arbeitgeber, namentlich an der Beripherie des Vertragsgebietes, halten fich noch abseits. Der größte Teil der Arbeitgeber ist allerdings dem Be fchluß nicht nachgefommen. Auf beiden Seiten hält man zur Stunde eine Berständigung noch nicht für möglich. Es ist kaum zu verstehen, daß hier die im Zusammenbruch des zweiten Halbjahrs entstandene Einficht über den Zusammenhang der Reparations. und Arbeitszeitfrage wieder verlozen gegangen und der Kampf um den schematischen Achiffundentag erneut in den Vordergrund der Gewerkschaftspolitif getreten ist. Das deutsche Ball mar( in der Borfriegszeit) noch nicht durch Tarifvertrag und reine Organisationspolitik zum Schematts. mus in der Betrachtung der Arbeits- und Produktionsverhältniffe erzogen. Dieser Schematismus ist eine der folgerlich haben, wird sich um so mehr verschieben, je mehr die Arbeiter schwersten Begleiterscheinungen unserer So fchaft erkennt, daß es sich um eine Machtfrage dreht, in der zialpolitik der lezten Jahre. Wie in der Lohnnur ihre starte geschlossene Organisation eine wirksame politit, fo muß auch in der Frage der Arbeitszeit vor allem wieder Rolle spielen tánn. bie Einsicht gewonnen werden, daß nicht für alle deut. fchen Bürger und Arbeiter dieselben Eristenzund Arbeitsbedingungen bestehen können, daß es ein Irrwahn und eine Utopie ist, zu glauben, es könnte in einem sozialistischen oder fommunistischen Staate ohne Schaden für Staat, Bolt und Wirtschaft der Unterschied zwischen Mensch und Mensch, zwischen Leistung und Leistung verwischt und allen dasselbe beschauliche Leben gegeben werden." Ist das etwa der fachliche Ernst, mie hier die Arbeitgeber ihre Sache führen? Worauf es den Arbeitgeberverbänden anfommt, geht aus dem folgenden Abschnitt hervor: Einstellung zum 3 meischichten system. Besonders in dieser Frage mache sich die mangelnde wirtschaftliche Betrachtungsweise der Gewerkschaften bemerkbar. Die Frage einer über 10 Stunden liegenden Arbeitszett habe schon vor dem Krieg nur noch eine Rolle bei durchgehenden Betrieben gespielt. Hier habe man nur die Bahl gehabt zwischen zmei Schichten zu je 12 Stunden und drei Schichten zu le& Stunden. Der Kampf der Gewerkschaften um den Achtstundentag vor dem Kriege sei deshalb in besonderem Maße gleichzeitig ein Rampf um die Beseitigung des 3mcifchichtensystems gemefen. Bon entscheidender Bedeutung sei dabei imnier der Umstand gewefen, „ daß die durchgehende Arbeitsweise fich nach Art der Produktions. porgänge im wesentlichen auf Arbeiten beschränkte, bei denen die Arbeiter in besonderem Maße der Hige, giftigen Stoffen, Staub und Gesundheitsgefährdungen ausgefeßt waren". So stand hier die gesundheitliche Bedeutung der Arbeitszeitperfürzung im Bordergrund. Dazu fum, daß die Notwendigkeit, von Woche zu Woche einen Bechfel in Der Tag und Nachtschicht eintreten zu lassen, zu langen Wechselschichten führte, ohne daß es gelang, ein für alle Teile völlig be friedigendes System von Abwechslung und Bertretung der in Frage kommenden Arbeiter zu erreichen und damit die 3 ahl der Sonntagsschichten möglichst zu verhindern. Deshalb machte von jeher die hygienische und kulturell. Eindruck auf die Deffentlich feit und gab den Gewert ethische Bedeutung biefer Frage besonderen schaften durch den Appell an reine Gefühismomente im wirtschaft lichen Stampf gegen die Unternehmer immer eine Reihe tattischer Borteile. Heute fieht sich die Unternehmerseite gerade hier einem großen und entscheidenden Borstoß der Gewerkschaften gegenüber, und es mag deshalb im besonderen nachgewiesen sein, daß die wirtschaftliche Lage der in Frage tommenden Betriebe gegenüber allen anderen für die Be urteilung des Zweischichtensystems in Frage tommenden Momenten das Uebergewicht zu be. anspruchen hat." Das heißt mit dürren Borten, das Dreischichtensystem muß auf Der ganzen Linie abgebout, durch das Zweifchichtensystem mit 12ftündiger Arbeitszeit durchgeführt werden, ohne Rücksicht darauf, daß die Arbeiter in den durchgehenden Betrieben in ganz besonderem Maße ber hise ausgesetzt sind, giftigen Stoffen, Staub oder sonstigen Gesundheitsgefähr. dungen. Was hygienische, was fulturell ethische Rüdsichten! Fort mit den, Gefühlsmomenten, fort mit dem Achtstundentag im Dreischichtwechsel, her mit der 12 stündigen Arbeitszeit im Zweifchichtwechsel! Bo D Wo die Unternehmerinteressen auf dem Spiel stehen, müssen alle Flöten schweigen. Wirklichkeit sei die 12stündige Arbeitszeit der Schmelzer auf den Hochofenwerfen ja gar nicht so schlimm. Die Denfschrift müſſe Erpressungstaktik der Brotfabrikanten. Die deutschen Brotfabrikanten haben eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in welcher fie die Arbeitszeit für ihre Arbeiter von morgens 6 auf 5 Uhr verlegen wollen, ebenso die Borarbeit bereits morgens 3 Uhr beginnen foll. Weiter fallen bis abends 12 hr die Nacharbeiten ausgedehnt werden. Die Brotfabrikanten haben es aber nicht bei dieser Eingabe bemenden lassen, fonden haben ihren Arbeitern folgenden Sievers vorgelegt: Borstehende Eingabe ist uns von unsern Arbeitgebern zur Kenntnis gebracht. Wir halten das Vorgehen des Verbandes deut. scher Broifabrikanten für berechtigt und sind mit den Beschlüssen der Internationalen Arbeitsfonferenz in Genf betreffend Nahibadverboi in den Bädereien einverstanden. Die Bädergesellen der Firma." Dieser Repers enthält eine unwahrheit, weil sich die Eingabe der Brotfabrikanten nicht mit den Beschlüssen der Internatio nalen Arbeitstonferenz deckt, sondern weit darüber hinausgeht und so auf Umwegen die Nachtarbeit mit Hilfe führen will. Die Brotfabrikanten laffen es aber bei dieser mittel der Arbeiter und unter Täuschung der Arbeiter wieder ein. alterlichen patriarchalischen Art der Beeinflussung der Arbeiter zur Täuschung der Behörde nicht bewenden, sondern drohen bei nicht unterzeichnung des Reverses mit Aussperrung und Entlassung. Der Berband der Brotfabrikanten hat unter dem 4. August 1924 ein von seinem Synditus Schulte unterzeichnetes Rundfchreiben herausgegeben, in dem es heißt: Schnell han. deln, ehe hamburger Verband tommt. Drud auf Betriebsräte ausüben; bei Weigerung Aus. perrung Konsumvereine schließen sich an!" Die letzte Be hauptung bezweifeln wir, wenn es auch eigenartig berührt hat, daß die Konsumvereine den Vorsitzenden des Brotfabrikantenvereins mit ihrer Interessenvertretung in Genf beauftragt hatten. In Berlin hat bereits eine Reihe von Brotfabrikanten den Hähnge ist Entlassung erfolgt. Der Arbeitgeber behauptet Arbeitern den Revers vorgelegt. In einem Falle der Brotfabrik zwar, daß die Entlassung aus anderen Gründen erfolgt sei. Der Ar beiter jedoch ist der Auffassung, daß seine Verweigerung der unterfchrift zur Entlassung den Anlaß gab. Wir ersuchen alle unfere Rollegen, die Unterzeichnung des Reveries auf das entfchiedenste zurückzumeisen Wir werden mit aller Mitteln gegen diefe Art des Unterschriften- ,, Sammelns" vorgehen. Unsere Organisation erwartet als selbstverständlich, daß die Behörden sich durch erpreßte Unterschriften nicht beeinflussen lassen werden. Alle Bersuche, die Unterschrift unter dem Revers zu erzwingen durch Androhung von Entlassung oder anderen Nachteilen sind dem Verbandsbureau fofort zu melden. Weitere Maßnahmen erfahren unsere Stollegen in den nächsten Tagen. Zentralverband der Bäcker und Konditorem. Kriegsteilnehmer und Personalabbauverordnung. Durch die Berfonalabbauverordnung des Reiches vom 27, Ottober 1923 werden befanntlich Tausende von Angestellten, die jahrelang bei Reichsbehörden beschäftigt waren, broflos gemacht. Diese Angestellten erhalten die Hälfte der Abfindungsbeträge, wie fie die abgebauten Beamten erhalten. Die Höhe der Abfindung richtet sich nach der Dauer der Dienstzeit. Durch die Nichtanrech nung der Kriegsdienst jahre entstehen außerordentliche Härten. So hat z. B. jeßt die Reichsdruckerei männliche und weibliche Angestellte entlassen.. Ein männlicher Angestellter, der seit 1913 in der Reichsdruckerei 3 Das Wenn die Unternehmer dem Schiedsspruch zustimmen, ist die Berständigung fofort da. Das Fiasko der Aussperrung scheint aber den Scharfmachern noch nicht groß genug, als daß sie es an der Zeit hielten, einzulenten. Der große Abbau. Dortmund, 14. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Gelsenkirchener Bergwerfs- A.- G. wird am 15. Auguſt auch die 3eche„ Franziska in Bitten stillegen. Von den gekündigten Belegfchaften findet nur ein fleiner Teil neue Beschäftigungsmöglichkeit auf anderen Zechen, so daß sich die Gesamtzahl der Ruhrbergarbeiter in zwei Monaten um rund 100 000 mann ver. ringert hat. In der Eisenindustrie des Westens find in der letzten Zeit An geichen einer leichten Besserung in der Geschäftslage bemerkbar. Das Baroper Walzwerf bei Dortmund hat zwei neue erhebliche Aufträge hereinbekommen und fonnte infolgedessen die bereits entlassenen Kriegsbeschädigten wieder einstellen. Der volle Betrieb foll hier wieder aufgenommen werden, sobald es gelingt, die benötigten Kohlenmengen auf dem Kreditwege zu erhalten. Es berührt recht eigenartig, daß angesichts der Abschschwierigkeiten der Zechen große Industriemerf, die nicht selbst über Rohlenzechen vera fügen, nicht die nötigen Kohlen zur Verfügung haben und schwierige Kreditverhandlungen zur Beschaffung von Kohlen notwendig sind. Beilegung des Konflikts in Oft- Oberschlesien. Im Arbeitsfonflitt in Oft- Oberschlesien ist am Mittwoch in später Nachtſtunde nach langen Berhandlungen ein Schieds. spruch gefällt worden. Er bestimmt für die Hüttenbetriebe, daß die Löhne unverändert bleiben, mas tatsächlich eine Her 8 ft ündige Arbeitszeit. Das Kohlendeputat wird um begung bedeutet, da für die 10 stündige Arbeitszeit die Löhne die gleichen bleiben wie für die bisherige 10 bis 20 Broz. gefürzt. Für Gruben werden die Löhne um 10 Broz. herabgefeht. Die Arbeitszeit unter Tage bleibt unverändert, über Lage beträgt sie 9% Stunden. Das Kohiendeputat bleibt hier unverändert. Für Hütten und Gruben wird der Schieds spruch bereits am 30. September in Kraft treten. Die Gewert gungslos dem Schiedsspruch unterworfen. Der fchaftsvertreter haben sich von vornherein bedin Aufruf zur Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt jedoch nicht sofort, da vor der Bersammlung der Freien Gemertschaften zunächst noch ein Betriebsrätetongreß Stellung nehmen soll. Die Arbeitgeber haben die Annahme des Schiedsspruches erklärt, der im wesentlichen ihre Forderungen erfüllt. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eztorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Sierzu 1 Beilage. Hevitan HEVITAN VitaminNährpräparatnach Prof. Dr. Reyher Bewährt bei nervösen Störungen. Appetit und Körpergewicht nehmen zu Wachstumfördernd bei Kindern und Säuglingen, bewährt bei Ernährungsstörungen derselben In Apotheken und Drogerien, sonst direkt von der Sarotti- Akt.- Ges, Berlin- Tempelhof. MAGGI³ Würze die ausgiebigste deshalb die billigste! K?.ZS2« 41. Jahrgang I. Beilage öes VorWärts 5reitag, 15. August 1H24 Der Kall von Hannover. Die sozial- und kriminalpsychologische Seite der Massenmordassäre Haarmann. Die Wogen der ersten Empörung und Bestürzung wegem der fast kannibalisch anmutenden Taten des Massenmörders Harmann be- ginnen sich zu legen. Di« Untersuchung und die polizeilichen Mchfor» schungen nehmen ihren Fortgangs die Gerichtsverhandlung wird in einigen Monaten völlige Klarheit über Tat und Täter bringen. Es scheint jetzt angebracht, die Ansicht eines Menschen zu hören, der auf Grund praktischer Erfahrung und wissenschaftlicher Eignung zu dem Fall Stellung zu nehmen imstande wäre. Es lag nah«, Dr. Mag- nus Hirschfeld auszusuchen. Man torm wohl sagen, daß er vielleicht mehr als mancher andere Sexualforscher geeignet erscheint, über diesen außergewöhnlichen sexuellen Kriminalsall Aufklärung zu g-ben.(Sein grundlegendes Wert über die Homosexualität steht einzig in der Sexualliteratur da. Sein Versuch, in einem dreibän- digen Werk«„Die Sexualpathologie"' die wissenschaftliche Zusammen- fassuiny seiner praktischen Erfahrungen zu geben, bietet die Gewähr fiir sein« Sachkunde und Obscktivität.) Dr. Magnus Hirschfeld hat sich nun über die sozial- und kriminal-psychologisch« Seite des Falles Haarmann ungefähr folgendermaßen geäußert. Die männliche Prostitution. Dar Fall Haarmann rührt an einer großen Zahl van.Pro- Äemen. Es liegt aber kein Grund vor, weil«s ein Teil de? Presse getan hat, die Frag« de? Homosexualität in den Vordergrund zu schieben. Jeder Kriminalist weiß, daß relativ selten Morde von Homosexuellen begangen werden-, viel öfters kommt es zu Morden an Homosexuellen. Es wäre ebenso töricht, die homosexuellen für Haarmanns Morde verantwortlich zu machen, wie etwa die Hetro- sexuellen für die Untaten der Frauenmörder Jack, th« ripp«. Lau- dru. Großmann u. a. Der Mechanismus des Lustmordes— vorausgesetzt, daß Haarmanns Toten Lustverbrechen waren— bleibt der ß'eichc, einerlei, ob der Trieb auf das eine oder auf das andere Geschlecht gerichtet ist. Die Fälle der Lustmord« durch Homosexuelle find überhaupt sehr gering, verhältnismäßig geringer, als die Zahl der Lustmorde an. Frauen.— Sehr viel besprochen wird das Pro« blem der männlichen Prostitution. Sie ist in nicht geringerem Maße«ine sozial« Erscheinung wie die weiblich«. Allerdings sind die psychologischen Voraussetzungen im ersten Fall« teils doch anderer Natur. Bei den jungen Menschen sind es nicht selten ihre HSus- tichcn Verhältnisse, die Genußsucht und in der letzten Zeit auch b«. sonders oft die Arbeitslosigkeit, die sie veranlasien, durch Verkehr mir homosexuell veranlagten Mens6>en sich einen Verdienst zu ver- schassen. Daß die männliche Prostitution für die Jugend«ine Ge- fahr bedeutet, darüber besteht kein Zweifel. Sie ist es aber für fi? in gleichem Maße wie die weibliche Prostitution für junge Mädchen. Man kann aber die Homosexuellen für dies« Erscheinung nicht in höherem Grade verantwortlich machen als die Hetro- sexuellen für die weibliche Prostitution. Das beste Mittel gegen dies« Gefahr ist einerseits die Hebung der allgemeinen Wirtschaft- lichen Verhältnisse und andererseits eine genügend« sexuell« Auf- värung und eine weit ausgebaute soziale Jugendfürsorge. Haar- manns Ops«r sind nur zu einem Teil« männliche Prostituierte gewesen, zum anderen Teile waren das zugereiste junge Men« schen. die vielleicht aus dem einen oder anderen Grunde mit ihm gingen. Daß sie aber mit ihm gehen konnten, spricht einerseits für den ungenügenden moralischen Halt dieser jungen Leutg und anderer. seit» für die vollständig unzureichende soziale Hilfe an den Orten, wo sie am notwendigsten ist. Wieviel junge-Mädchen fi«len Männern zum Opfer, wenn die Vahnhofsmissivn nicht auf ihrer Hut wäre. Kirafrechlllcher Verfolgung unterliegen nur bestimmt« Aeuhe rangen des homosexuellen Verkehrs— letzteren nachzuweisen ist-fast nie möglich. So wurde de? ß 175 zur Quelle von Erpressungen und zur Fall« für die Homosexuell«». Nachdem in den siebziger Jahren di« Kriminalpolizei unter Führung von Meerscheidt-Hüll«. fem sich einer humaneren Praxis tn bezug auf die Homosexuellen zu bedienen begann, hörten die kleinsichen Verfolgungen aus. und sie durften sich freier bewegen. Wenn Haarmann al» Kuppler und Zuhälter ausgetreten ist, so ist zu bedenken, daß es viel weniger Menschen dieser Gattung- unter homosexuellen als hetrosexuellen Männern gibt. Es liegt also im Falle Haarmarm gerade wegen seiner Ungeheuerlichkeit eine gewiss« Gefahr in der Derallgemeine- rung. Es handelt sich hier um einen unglaublichen Sonderfall, der allein aus Haarmanns Persönlichkeit zu verstehen ist. Das Motiv öer Morde. Aus welchen Motiven hat mm Haarmann seine Derbrechen be- gangen? Wenn man in dieser Hinsicht sich nicht auf Aussagen junger Menschen, seiner Bekanntschaft wird stützen können, so wird man aus Haarmanns Behauptungen ollein angewiesen fein. Er wist di« Morde im Zustande völliger Bewußtlosigkeit begangen haben. Eine Simulation seinerseits ist in dieser Beziehung naturlich nicht ausgeschlossen. In seinen anfänglichen Aussagen wollte er ja seinen Opfern die Kehl« durchbissen höben. Sollte das der Wahrheit ent- sprechen, so würde«« sich um einen Lustmord handeln. Man muß sich dos so denken, daß Haarmann während des geschlechtlichen Ber- kehr? durch Grausamkeiten eine Lusterhöhunq erzielen wollt« und schließlich im Höhepmikt seinem Partner an die Gurgel gsng. Hier würde«n« Untersuchung von Haarmanns Gebiß die Entscheidung bringen, ob er überhaupt auf diesem� Wege di« Tötung zu begehen imstande war. Aehnlich liegt es mit de? Vermutung, er habe feine Opfer mit den Händen erwürgt. Auch dazu ist große physische Kraft erforderlich. Nicht unmöglich erscheint die Hypothese, daß er, wi« Dr. Kopp das voraussetzt, die unglücklichen jungen Menschen wäh- rend des Schlafes erdrosselt hat. Auch in diesem Falle könnte es sich um einen Lustmord handeln. Die andere in der Presie ausgestellte Vermutung geht dahin, daß Haarmann die jirngen Menschen umgebracht habe, um sich van lästigen Zeugen zu befreien. Das leuchtet jedoch wenig ein. Einmol hätte die Gesahr, der er sich durch die Mord« ausgesetzt hätte, in keinem Verhältnis zum Zwecke gestanden: zweitens war haarmann ein viel zu routinierter Mensch, um nicht imstande gewesen zu sein, sich die jungen Leute aus andere weise vom Halse zu halten. Ja, was hätte er denn von ihnen zu befürchten gehabt: ein« Erpressung— dazu war er zu sehr ge- mitzigt: eine Denunziation— dazu stand er in zu guten Beziehungen zur Kriminalpolizei. Höchstens, daß er sich ihrer hötte entledigen müssen, weil er als Sadist an ihnen sich so gewalttötig grausam vergangen hatte, daß sie ihm als Zeugen und Objekte dieser Grau- samkeit gefährlich werden tonnten. Dann hätte er, sozusagen, statt hakbe Arbeit ganze machen wollen. So lagen die Dinge im Falle der Ermordung des Knaben Heid«? in Berlin. Die Zerstückelung der Leichen durch Haarmann kann entweder als sadistisch« Hand- lung bewertet werden oder Äs Mittel, auf einfachstem Weg« sich der Leichen zu entledigen. Ist Haarmann pspchisch krank! Jedenfalls tappt man hier völlig'm Dunkeln. Nur eine ein» S>end« psycho- physische und fexualpsycholoaische Untersuchung des örd«rs wird vielleicht über die wahren Motive seiner Tat Auf- schluß geben. Nicht allein Haarmanns Seelenleben, sondern auch das seiner Eltern muß durchforscht, fein Leben und seine Entwick- lungsverhältnlsse müssen einer genauen Analyse unterzogen werden. Dann erst wird man sich aus der Gesamtpersönlichkeit dieses Men- schen heraus Sckstüsse über die Motiv« fein«? Tat erlauben können. Erst dann wird man auch ein Urteil darüber abgeben können, ob Haarmann seine ungeheuerlichen Handlungen im Zustande von Geisteskrankheit begangen hat und ob ihm der Z 51 zugesprochen werden kann. Es ist nicht leicht, zu glauben, daß ein geistesgesunder Mensch solche Taten begehen tonnt«. Zum Trost für die Menschheit erweisen sich derartig« Kapitalverbrecher fast immer, als geisteskrank« Menschen. Pie modern« Sexualforschunq verlangt größere Freiheit für sexuelle Partner, sosern sie freiwillig in Beziehung zueimmder treten. Um so schärfer verwirst sie aber jede Gewaltanwendung im sexuellen Verkehr. Man kann auch bei der Detrachtuna dieses Falles den verdächtigen Umstand nicht unerwähnt lassen, daß der Beginn von Haarmann» Mordtaten gerade in das Jahr 1S19 fällt, also in «ine Zeit, als die Folgen, des blutigen Krieges sich auszuwirken begannen. Man kam, sich nicht des Eindrucks erwehren, daß im Falle Haarmann. wie in vielen gleichen Fällen, nicht doch dos Kriegsmorden die schlimmsten Instinkte im Menschen zum Hern- unrngslosen Sichausleben verholten hat. Moralisch reinigend, wie es viel« erhofften, hat der Krieg jedenfalls nicht gewirkt. -i- Soweit Dr. Magnus Hirschfeld. Eine genaue psychiatrische Durchforschung von Haarmanns Persönlichkeit erscheint unbedingt angezeigt. Man kann begierig sein, was sie zutage fördern wird. Der potsöamer Experimentierplatz. Von einem Mitglied der Verkehrsdeputation wird uns geschrieben: Allen Ernstes: wir schlagen vor, daß die Reichsregierung sich demnächst auf dem Potsdamer Platz verfammell, um sich das Phänomen einmal anzuschauen. Es ist wirklich nicht uninteressant! Ein Regierungsrat P. macht ein«„Studienreis«'" nach London und Amerika, versteht sich, und entdeckt, daß wir Klein-Kleckersdorfer von Groß- Berlin eigentlich nur die reinsten Botokuden sind im Verhältnis zu den fortgeschrittenen Bewohnern von New Port Eity. Selbstverständlich wollen wir nicht Klein-Kleckersdorfer bleiben und darum muß bei uns schnell nachgemocht werden, was sich im Aus- lande bewährt hat. Di« Folge ist: Jeden Tag wird auf dem Pois- domer Platz eine neu« Insel gebaut, jeden Tag wird Größe und Format des Aussichtsturms mit dem obligat tutenden Schupomoun geändert. Das kann eigentlich ncl rnfiniturn fv weitergehen. Im Ernst: all dies« Experiment« an dem Potsdamer Platz gehen genau so wie die wohlgemeinten Ratschläge zahlreicher Ber- kehrskenner vollständig an der Tatsache vorbei,. daß der Berliner Verkehr ganz anders geartet ist als der Berkehr in London und New Norf. Ein« illustriert« Zeitung bracht« vor einiger Zeit sehr interessant« Bilder, auf denen der Berkehr auf Brennpunkten in New Port und London auf der einen Seite und in Berlin auf der anderen Seite gegenübergestellt wurden. In den englischen Hauptstädten ein hochkonzentrierter Cityoerkehr, bei dem dos Auto das Strahenbild beherrscht, in Berlin ein ungewöhnlich verteilter Verkehr, Die Berllner Vertehrszentren liegen keineswegs in der City, sonderen peripherisch verteilt. Trotzdem ist natürlich am Potsdamer Platz ein Verkehrsproblem zu lösen. Die Hauptschwierig- keit entsteht durch die ungeheuvo Häufung der Straßenbahnlinien. Die einfache Feststellung, daß die Straßenbahn ein veraltetes, vor- stntflutliches Verkehrsmftitut Ist. genügt nicht als Abhilfevorschlag. Selbst we-.:ti die Omnibuslinien in weitestem Maße ausgebaut wür- den, so kömrten sie aus absehbare Zeit den Strahenbahnverkehr doch nicht ersetzen. Das läßt sich nur durch Ausbau des Unter- grundbahnnetzes bewerkstelligen. Es ist bekannt, daß die Stadt mit bedeutenden Mitteln daran arbeitet, aber bis wir die Pläne des Zweckverbandes für den Untergrundbahnverkehr durch- geführt haben werden, wird einige Zeit vergehen, wenn nicht ein Krösus uns eine halbe Milliarde Goldmark für den Ausbau zur Verfügung stellt. Jeder weiß doch, daß daran nicht zu denken ist, und daß wir nicht reich genug sind, um innerhalb 24 Stunden dieses Ziel zu erreichen. Deswegen müssen wir zunächst neben der euer- zischen Förderung des Untergrundbahnboues leider alle Energie auswenden, um die nun einmal vorhandene Straßenbahn zur höchsten Leistungsfähigkeit auszubauen. Auf der Leipziger und Potsdamer �Straße geht es aber so nicht mehr weiter. Deswegen muß so bald wie möglich zur Entlastung des Verkehrs auf der, Leipziger Straße und damit auch auf dem Potsdamer Platz die Französisch« Straße alp zweite Verkehrsader ausgebaut und durch die sogenannten Ministergärten durch- geführt werden. Dann wird es möglich sein, einen großen Teil des Verkehrsstroms, der jetzt di« Leipziger Straße und den Potsdamer Platz überflutet,«wf kürzerem Wege abzulenken und ein« schnellers Verbindung nach dem Westen herzustellen. Technisch ist das Pro- jekt einfach zu lösen. Di« Vorarbeiten sind bei der Stadt längst geleistet.. Es kommt nur darauf an, daß die Oeffentlichteit und die städtischen Körperschaften endlich einsehen, wohin' wir in Berlin kommen, wenn man immer nur zu Quacksalbereien greift. 'Inseln, Grünflächen und Schupotürme und ähnliche Scherz« auf dem Potsdamer Platz mögen sehr gut gemeint fein, sie lösen aber das Problem in temer Weise. Der Durchbrach de,r Frau- zöfischen Straße durch die Ministergärten würde um mindestens den vierten Teil den Strahenbahnverkehr und zu einem grohen Teil auch den Fußgängerverkehr ablenken. Ebenso wichtig würde es selbstverständlich auch sein, wenn es gelänge, die nn Prosekt des Zweckverbandes vorgesehene Unter- 17] Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. 10. Am nächsten Morgen kam eine gerichtliche Vorladung vn den.Lizenzinhaber Andreas Pum". Das Schriftstück trug itin Amtssiegel, einen weißen lithographierten Wappenadler duf einem roten runden Papier, und' obwohl die Adresse von einer flüchtigen Hand geschrieben war und der Gerichte viel- beschäftigte Eile bewies, verbreitete das Schreiben dennoch eine Ahnung von jener langsamen Feierlichkeit, die unsere Aemter auszeichnet. Es enthielt die Vorladung vor die zweite Kammer, welche die eiligen und unbedeutenden Strafsachen zu behandeln hatte. Zum ersten Male wurde hier Andreas Pum als ein„Beschuldigter"" bezeichnet, ein Wort, das, wenn es von einem Gericht geschrieben war, schon sast wie„Be- strafter"" klang. Im übrigen enthielt das Schreiben nur noch die nähere Terminbestimmung, einen runden, roten Stempel, der etwas blaß und undeutlich ausgefallen war und die un- leserliche Unterschrift eines Richters, die anzudeuten schien, daß der Mann der Gerechtigkeit vorläufig nicht gekannt sein wollte. Mehrere Male las Andreas das Schreiben des Gerichts. in einer törichten und aussichtslosev Hoffnung, daß er zwischen den gedruckten Zeilen des Formulars etwas herauslesen könnte. Nützliches oder Schädliches, etipas von der Stimmung. die den Richter beherrschte. Als das nicht gelang, versuchte er. sich das Gericht vorzustellen, das Kreuz, die Lichter, die Barriere, die Angeklagtenbanf. den Lx-okkiew-Verteidlger. den Richter, den Schreiber, den Gcrichtsdiener. die Aktenbundel, und das große Bild des Gekreuzigten, zu dem er innerlich schon betete. Er ging in die Kirche aus gelben Ziegelsteinen hinüber, in der er seit seiner �rauung nicht gewesen war. Die Kirche war leer, ein Fensterflügel stand'n der Hohe eines Stockwerks offen und kalte Luft bl.es der Wmter in das Gotteshaus, das dennoch muffig roch, nach Menschen, ausge- löschten Talgkerzen und Tünche. Andreas faltete die Hände. kniete nieder und sagte mit der dünnen Stiinme, mit der er als Schulknabe vor dem Unterricht gebetet hatte, drei, vier, fünf Vaterunser auf. Hieraus fühlte er sich beruhigt, gesichert vor böser Ucber- raschung, vor dem gerichtlichen Urteil, dos im Schöße des Morgen lag. Er kehrte heim rmd kraf einen fremden Mann im Zimmer. Der stand auf und verneigte sich leicht und. setzte sich wieder und sagte sitzend zu Andreas:„Ich warte auf Ihre Frau Gemahlin. Sie entschuldigen schon! Ihre Frau Gemahlin muß in einer Biertelswnde da sein. Ihre Frau Gemahlin war heute früh bei mir im Geschäft. Sie können selbst sehen, wie pünktlich ich bin. Den ganzen Tag unterwegs und immer pünktlich. Das ist meine Devise."" Andreas betrachtete den Mann feindselig, obwohl er ihn weder kannte, noch verstanden hatte. Gewiß war er zu irgendeinem bösen Zweck hier— Andreas ahnte es. Cr gab sich einige Mühe, den Beruf und die Absichten des Fremden zu erraten. Aber es gelang ihm nicht. Solange der Fremde saß, machte er den Eindruck eines großgewachsenen Mannes. wenn er aufstand, war er. sehr klein. Denn er hatte kurze Beine. Sein vorgewölbtes Bäuchlein hätte auf eins gewisse Gutmütigkeit schließen lassen, ebenso wie die rötlichen Mädchen- wangen unii. der harmlose kleine schwarze Schnurrbart und das glatte, gepuderte und säuberlich rasierte Kinn, das in der Mitte eine lächelnde Mulde hatte. Auch das Naschen war zierlich, sorgfältig und wie aus Gips geformt. Aber in den kleinen schwarzen Augen brannte ein böser Glanz. Der Fu-mde sah aus, wie ein pausbäckiger Knabe mit dem Wuchs und dem Gebaren, der Stimme und dem Bartwuchs eines Mannes. Von ihm ging eine heitere Bosheit aus, eine nieder- trächtige Gutmütigkeit. Er faß da und hatte gar nicht das Angesicht eines Wartenden. Es schien, daß er sich nicht einen Augenblick langweilte. Seine brennenden Augen sprühten Funken über die Gegenstände des Zimmers, den Teppich, den Tifchläufer, die Vase aus blauem Stein, das Kissen mit der Stickerei, als wollte er alles in Brand setzen, So saß er da, lebbaft beschäftigt, und ließ merken, daß ein reger Geist auch an den gleichgültigsten Dingen der Welt Interesse zu finden imstande war. Immer noch duftend, van einer Wolke parfümierten Frohsinns umgeben, trat Frau Katharina ein und. als hätte ihn plötzlich etwas auf seinem Sitz gestochen, sprang der Mann in die Höhe.„Ich begrüße Sic ergebenst!"" sagte er.„Wir wollen gleich ans Geschäft gehen. Nur nichts aufgeschoben!—- ist meine Devise." Katharina klirrte mit den Schlüsseln. Andreas beob- achtete sie und den Mann schweigsam aus der Ecke. Er folgte ihnen, als sie hinausgingen. Auf seiner Stirn stand kalter Schweiß und sein Herz klopfte in wuchtigen, die JBrust fast sprengenden, von Zeit zu Zeit ausfetzenden Schlägen. An die Tür gelehnt, die den Hof vom Flur trennte, stand«r und sah. wie feine Frau den Stall Mulis aufsperrts und den Esel hinauszog. Es war sonnig und trocken, und das kleine Tier warf einen unwahrscheinlich riesigen Schatten auf den glitzern-- den Schnee. Vor Andreas Augen verfinsterte sich die Welt. Der strahlende Himmel wurde dunkelblau und schien sich her-- absenken zu wollen wie ein Vorhang. Alle Gegenstände wur- den dunkelgrün, wie durch ein Vierflaschenglas gesehen. Alles spielte sich in dieser zauberhaften Traumbeleuchtung ab. Der Fremde tätschelte den Esel. Er kniff ihn, als wollte er sich überzeugen, ob das Fell dick genug ist. Er kitzelte das Tier an den Ohrenspitzen, daß es unwillig den Kopf wandte und schüttelte. „Sehen Sie," sagte der Fremde,„was fang ich mit so einem Tier an? Ich will ja damit nicht gesagt haben, daß ich es überhaupt nicht brauche, aber was fang ich mit einem Tier an? Wenn es wenigstens ein Pferd wäre, ein kleines Pferd- chen," sagte er mit"zärtlicher Stimme, als spräche er schon zu einem kleinen Füllen. „Ich sagte Ihnen ja: ein Esel," erwiderte mit resoluter und schriller Stimme, die nichts Gutes verhieß, Frau Katharina. „Gewiß, gewiß," sagte der Mann mit niedergeschlagenen Augen,„ein Esel, gewiß. Aber so ein kleines Eselchen!" „Ein Esel ist doch kein Kameel!" schrie Frau Katharina. „Belieben zu scherzen, ha, ha, ein Esel ist gewiß ein Esel. Aber es gibt große und es gibt kleine Esel, auch ganz winzige Tierchen. Ich habe schon viel kleinere Tierchen gesehen!" „Na,.sehen Sie!" triumphierte Katharina,„Sie sagen's doch selbst!" Zögernd griff der Mann nach der Brieftasche. Er zog drei Scheine, sie waren sehr neu und knisterten und er zählte sie zweimal und hielt sie in die Lust und knatterte noch mit ihnen eine Weile. Dann schlang er sein kleines fettes Aermchen um Muli und daK Tier trottete hinaus, an Andreas vorbei. Katharina blickte über ihn hinweg, als wäre er ein Bestandteil des Tür- pfostens. Andreas sah seinem Esel bis zur Tür nach. Der Mann wandte sich noch einmal um und grüßte:„Ergebenster Diener!" sagte er. Andreas humpelte ihm nach. Er sah bis an das Ende der Straße. Da ging der Mann und Muli trottete am Rande des Bürgerfteigs, hart neben der Bordschwelle, das liebe Tier, das warme/kleine Wesen. Es hatte goldbraune Augen und fein grauer Leib barg eine menschliche Seele. (Fortsetzung folgt.) = Die Kamel- Inschrift.plist Ein ,, Architektenwit" des verstorbenen Baurats Schwechten. = Der Im Jahre 1905, am Tage der Einweihung der Kaiser| Stadtverwaltung auf seine befarmte Weise nahegelegt, für Wilhelm Gedächtniskirche, brachte der Vorwärts" eine die Raiser- Wilhelm- Gedächtniskirche 300000 M. Bautosten zu in den weitesten Kreisen Aufsehen erregende Mitteilung. daß in dieser schuß zu gewähren. Die Stadtverordnetenversamm vom Baurat Schwechten erbauten Kirche eine sehr sonderbare In lung hatte das abgelehnt. Die Antwort darauf war der Archischrift angebracht sei, die mit den religiösen Zweden der Kirche teftenwiz des Baurats Schwechten. Infolge der Veröffentlichung durch in gar feinem Zusammenhang stünde, wohl aber geeignet fei, die den Vorwärts" wurde die Inschrift später weggemeißelt. Daß Stadt Berlin aufs gröblichste zu beleidigen. Auf einem Relief, auf zum Lohn für den Vorwärts" auch die Gerichte gegen dem eine Szene aus der alttestamentlichen Geschichte dargestellt war, ihn mobil gemacht wurden, verstand sich von selber. zu deren Seiten fnisende Kamele fich lagerten, war folgende Inschrift zu lesen: Was für Cameele einst gewesen die Väter unfrer größten Stadt." Auf einer Kumeldede war ferner zu lefen: Reine III mal hundert tausend! Ruppig!" Die Presse hatte zunächst bis auf wenige Ausnahmen die skandalöse Affäre totzufchweigen versucht. Als das aber nicht mehr möglich war, erließ Baurat Schwechten eine Erklärung folgenden Inhalts, die bestimmt war, die Affäre zu vertuschen: " Mit der vom Vorwärts" mit so viel unwahren und tendenziös aufgebauschten Zusäßen versehenen Nachricht über die auf die Stadtverordneten sich beziehende Inschrift verhält es sich folgendermaßen: Das betreffende Relief ist als Entwurf nach den Bildern aus der Bibel von Schnorr von Carolsfeld nur begonnen an einer durchaus dunklen Stelle, so daß es den Augen hes Kirchenbesuchers ganz entzogen mar und noch heute ist. Daß das Relief Porträts enthalte, ist unwahr; die Inschrift ist eine Nachahmung eines bei altromanischen und gotischen Bauten fast überall zu findenden Architektenscherzes. Daß der Scherz sich auch auf den Oberhofmeister Freiherrn von Mirbach bezöge, ist selbstverständlich unwahr!" WAS FVR DIE VA GROESTEN CAMEELE EINST CEWESEN TERJUNSEKER STADT IV. 1895 KE NEDIMAL RUPPIC!! HUNDERTAU SEND HARK Das Relief mit der Inschrift( aus dem ,, Vorwärts" vom 1. September 1895). Der Architektenwiz hatte durchaus realpolitischen Hintergrund. Wilhelm, der Baumütige, tonnte für seine vielen Bauprojekte nicht immer die Mittet auftreiben( um die gleiche Zeit entstand auch das Projekt der Hohenzollern- Puppenallee) und hatte es der Berliner grundbahnverbindung Potsdamer Potsdamer Bahnhof- Stettiner Bahnhof| Durchzuführen. Dadurch würde der Stoßverkehr beider Vorortbahnhöfe gelockert und auf verschiedene Teile der Innenstadt verteilt. Bevor aber dieses Projekt in Angriff genommen werden kann, werden wir finanziell und wirtschaftlich erst bedeutend weiter fein müffen. Aus diesem Grunde mwird zunächst nichts anderes übrig bleiben, als durch raditale Maßnahmen eine gründliche Auflod es rung des Verkehrs und eine Entlastung des Potsdamer Blazes zu erzielen. Es bestehen Aussichten, daß sowohl die Stadtverwaltung wie die Straßenbahndirettion im Herbst dieses Jahres an die Lösung dieser Aufgabe herangeht. Dann werden wir zwar noch nicht am Ziel unserer Wünsche, aber immerhin ein gutes Stud weiter fein. Die neue Verkehrseinteilung. Das Straßenbauamt des Magistrats hatte vor einigen Wochen unter Leitung des Stadtbaurats Hahn und unter Mitwirkung der beteiligten Bezirksämter Tiergarten, Mitte und Kreuzberg einen Blan ausgearbeitet, der durch Einbau dreier großer Inseln eine Aufteilung des freien großen Plages in Bertehrsbänder vorsah. Die schwierigen Verkehrsverhältnisse auf dem Potsdamer Blaz, die nur mit einem großen Schußmannsaufgebot gemeistert werden konnten, waren hauptsächlich auf die zu große Fahr= dammfläche zurückzuführen. Fuhrwerte und Fußgänger wurden dadurch verleitet, möglichst nur fürzeste Wege über den Platz zu nehmen, ohne sich um den sonstigen Verkehr zu fümmern. Die Folge war ein ungeregeltes Durcheinanderfahren, wodurch eine schwere Gefährdung, der Fuhrwerke und der Fußgänger entstand. Durch die jetzt beabsichtigte Anordnung werden die Fuhrwerte 3mangsweise für jede Fahrtrichtung zusammengefaßt, wodurch die Uebersichtlichkeit wesentlich gewinnt. Im Einverständnis mit dem Polizeipräsidium wurden zunächst die wichtigsten Teile der mittleren großen Insel eingebaut, um Erfahrungen über die so gewonnenen Durchfahrtsbreiten und die sich ergebende neue Verkehrsregelung zu gewinnen. Die Erfolge sind derartig ermutigend, daß der Magistrat nach einer Besichtigung auf seinen Borschlag den endgültigen Ausbau nach den Plänen des Straßenbauamtes beschloß. Da der Polizeipräsident gleichzeitig eine Regelung des Fußgängerverkehrs durchführen will, werden auf den beiden großen äußeren Inseln breite Uebergänge in Fahrdammhöhe für Fußgänger vorgesehen. Die übrigen Flächen der Inseln sollen zum Zeichen dafür, daß sie von den Fußgängern nicht betreten werden dürfen, mit Rasen belegt werden. Spielklubs und Buchmacher. Frauen die leidenschaftlichsten Spieler. " | Borwärts" hatte am 1. September 1895, an dem die Wilhelm- Kirche eingeweiht wurde, auch eine Nachbildung des Reliefs und der Inschrift gebracht( wir wiederholen sie in unserer heutigen Nummer) und dazu spettend mitgeteilt, daß Graf Mir bach, der Oberhof meister Ihrer Majestät der Kaiserin, es nicht verschmäht hatte, bei dem sozialdemokratischen Juden" Ginger und dem sozialdemokras tischen Hutmachergesellen Borgmann persönlich vorzusprechen und um Gewährung der 300 000 Mars bitten". Das forderte Rache. hinstellte und vor der Berufungsstraffammer des Landgerichts I gestern seine Freisprechung verlangte. Eines Tages stand der sechzig Jahre alte Arbeiter Adler mit einem jungen Käzchen auf dem Arm im Toreingang eines Hauses in der Prinzenstraße, als der Angeflagte, der des Guten zu viel getan hatte, vorbeikam und das Rächen streicheln wollte. Adler mies den Betrunkenen zurück. Dieser entfernte sich zunächst auf einige Schritte, dann muß ihm wohl der Werger über die Abfuhr aufgestiegen sein, er fehrte um und wollte nun gerade das Käbchen liebfofen. Adler machte eine abwehrende Bewegung nach der Brust des Angeklagten, worauf dieser, ein fräftiger, junger Mann, dem Greise einen so muchtigen Faustschlag verfeßte, daß er rüdlings die Rellertreppe fest, bunten tot liegen blieb. Medizinalrat daß der Tod fofort infolge eines Genidbruches eingetreten war. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Jafobi hielt die Tat des Angeklagten für eine so schwere, daß er Aufhebung des Schöffengerichtsurteils und leberweisung des Angeklagten an das Schwurgericht verlangte, da anscheinend vorsätzliche Körperverlegung mit Todeserfolg vorliege. Die Berufungsstraffammer trug aber der Angetrunkenheit des Angeklagten Rechnung und fam nur unter Bestätigung des milden erſtinſtanzlichen Urtens eine often. werfung der Berufung des Angeklagten auf dessen Kosten. hinunterftell und Dr. Störmer Gewitter über Berlin. Zahlreiche Blihschläge und Teilüberschwemmungen. Abermals ist Groß- Berlin gestern nachmittag von einem schweren Gewitter, verbunden mit starten Regengüffen und zahlreichen Blitzschlägen, betroffen worden. Diesmal haben Charlottenburg, Moabit, der Wedding, Reinidendorf und der Kreis Niederbarnim am meisten gelitten. Das Unwetter zog von mehrenen Seiten herauf und enilub sich in der vierten Stunde unter Sturm, Bligen, Donner und Regen. Die Feuerwehr mußte wegen der zahlreichen Alarmierungen, die unaufhörlich hintereinan der erfolgten, in den Ausnahme zustand treben. Nach der Grolmanstraße 36 wurde mehrere Züge entfandt. Dort stand der ausgedehnte Dachstuhl in ganzer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten vermutlich durch Blißschlag gleich an mehreren Stellen reiche Nahrung gefunden und den Inhalt der Bodenverschläge erfaßt. Mit vier Schlauchleitungen von Motor prizen wurde von der Charlottenburger Feuerwehr unverzüglich angegriffen. Troßbem fonnte nicht verhindert werden, daß der Dachstuhl niederbrannte und die oberen Geschosse durch Wasser vom Löschen und Regen beschädigt wurden. Weit größer war ein Brand, der gleichzeitig aus Mühlen bed an der Heidekrauts bahn gemeldet wurde. Hier war der Blig in eine große massive Scheune gefahren, die mit Erntevorräten gefüllt war. Im Nu brannte die große Scheune. Der Flammenschein war weithin fichtbar. Obwohl in furzer Zeit mehr als zehn Spriten zur Stelle die Scheune zu retten. waren und von allen Seiten gelöscht wurde, gelang es nicht mehr Ferner schlug der Blih in die Häuser Bernauer Straße 26 und 76, wo er Schaden an den Dächern und Wohnungen verursachte und zündete, so daß die Behr löschen mußte. In der Eichendorfstraße 2 traf der Biiz das Dach und den Schornstein und an zahlreichen Stellen Straßenmaßen u. a. in der Burgstraße 27, Ader- und Invaliden -O Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 15. August. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. ftraße. Teile der Rosenthaler und Brunnenstraße waren zeitweilig nicht zu paffieren, so groß waren die Waffera mengen, die von der Invalidenstraße und vom Weinbergsweg sich nach Westen nach der Chausseestraße ergoffen. Die Veteranenstraße glich wie die Bernauer, Feld- und andere Straßen einem Wildbach. Das Walhalla Theater stand teilweise unter Wasser. Die Badstraße war vollständig über schwemmt. Kellerüberschwemmungen wurden u. a. in furzer Beit gemeldet vom Rosenthaler Hof, wo auch die Küche unter Wasser stand, von den Musikersälen in der Kaiser- Wilhelm- Straße, mo auch ein Wasserrohr geplakt war, von der Zehdenicker Straße 14, Brunnenstraße 183, mo alles in den Kellern schwamm, Joachimſtraße 34, Mulachstraße 8, Grenadierstraße 13, Invalidenstraße 3, Brunnenstraße 15 und 16, Aderstraße 6, Potsdamer Straße 22, Fehrbelliner Straße 81 und vielen anderen Stellen im Zentrum, Norden usw. Auch im Westen, z. B. in der Bandlerstraße 17 hat das Wasser arg gewütet. Die Beobachtung der Mondfinsternis vereitelt. Der Wetterumschlag brachte es auch mit sich, daß die Mond finsternis, die gestern abend von Berfin aus zu beobachten gewesen wäre, gewissermaßen vor verschlossenem Himmel vor sich ging. Der Wolfenschleier, der den ganzen Himmel überzog, war in den Abendstunden so undurchdringlich, daß der interessante Vorbeimarsch des Erdschattens Dor der Mondscheibe nir gends sichtbar wurde. Zur Enttäuschung der zahlreichen Mondgucker, die sich auf freien Plägen postiert hatten. Aufgeklärter Selbstmord. Gestern nachmittag fand in der Halle des Friedhofes zu No wawes die nochmalige Obduktion der Leiche des 20jährigen Walter Stone aus Gröbzig bei Cöthen statt. Wie noch erinner lich sein dürfte, wurde am 26. Juli ein noch zunächst unbekannter junger Mann an der Tempelruine im Schloßpart zu Babelsberg gefunden. Die Ermittelungen ließen mit aller Sicherheit auf einen Selbstmord schließen. Stoŋe war schwermütig, hatte vor einem Jahre schon einmal einen Selbstmordversuch gemacht, don diesem her hatte er noch eine Bleifugel im Kopfe zurückbehalten, die, wie er mußte, später zu Gehirnkomplikationen führen mußte. Er hatte an seine Braut Abschiedsbriefe geschrieben und seiner Mutter vor der Abfahrt gesagt, daß er sich nächstens, diesmal aber richtig erschießen werde. Dem stand gegenüber die Annahme der Potsdamer Aerzte, die einen Schuß von anderer Hand annahmen. Die Leiche wurde gestern erhumiert und der Gerichtsarzt Profeffor Dr. Strauch nahm eine genaue Besichtigung der Ein- und Auss fchußöffnungen vor. Er kam zu dem Ergebnis, daß unbedingt die Stirnmunde der Einschuß sein muß. Auch die anderen Herren stimmten den Darlegungen und Ausführungen von Profeffor Dr. Strauch zu. Somit ist das letzte Glied in der Beweiskette, daß es sich um einen Selbstmord handelt, geschlossen. Wie aus den Aufzeichnungen Stones, die er an seine Braut geschickt hat, hervorgeht, hatte er die Absicht, alles zu vernichten und nach seinem Tode unerkannt zu bleiben. Seine Attentasche aus neuem braunen Leder, die er bei seiner Abfahrt aus Magdeburg noch bet sich hatte, ist noch nicht gefunden worden. Er muß zuletzt in einem Potsdamer Gartenlofal gesessen haben. Vielleicht hat er sie hier gegen Zigaretten oder anderes in Pfand gegeben. Mitteilungen über den Verbleib dieser Tasche nimmt Kriminalkommissar Dr. Ric mann im Polizeipräsidium entgegen. ,, Eine merkwürdige Verwechselung." Zu diesen Ausführungen in Nr. 376 schickt uns die Pressestelle des Polizeipräsidiums folgende Entgegnung: Die Morgenausgabe des„ Borwärts" vom 12. Auguft d. 3. enthält unter der Ueberschrift:„ Eine merkwürdige Bera wechselung" einen Bericht über die Auflösung eines Demon ftrationszuges am 11. August 1924. Der Sachverhalt ist folgender: Die Polizeiinspettion Kreuzberg erhielt am 11. August gegen 9 Uhr nachmittags durch Radfahrerstreifen die Meldung, daß von der um diese Zeit für Demonstrationszüge gesperrten Linden= straße her aus Richtung Jerufalemer Kirche ein Demonstrationszug im Anmarsch sei. Nach dieser Meldung führte der Zug rote Fahnen mit sich und fang die Internationale, brachte ein hoch auf Rosa Luxemburg aus und begrüßte die russische Handelsgesellschaft in der Lindenstraße mit Hochrufen. Die Meldung über das Berhalten des Zuges wurde durch eine zweite Erkundungsstreife bestätigt. Aus dem Gebaren des Zuges mußte geschlossen werden, daß es sich um Rommunisten handeln müßte, besonders auch, weil die Demon stranten nicht in der Lage waren, auf Berlangen einen Ausweis der Parteileitung vorzuzeigen und weiter in diesem Zuge teine schwarzrotgoldene, sondern nur rote Fahnen gesehen wurden. Der Demonstrationszug wurde daher aufgelöst und zwei rote Fahnen sichergestellt." Soweit die Zuschrift des Polizeipräsidiums. Wie uns die Beteiligten insbesondere Stadtrat Schuldt versichern, war eine Verwechselung ihrer Gruppe in dem Augenblick nicht mehr möglich, in dem sie angehalten und ben drängt wurden. Dem Zuge wurde eine schwarz rotgoldene Fahne voraufgetragen. Die mitgeführten roten Parteifahnen trugen die Inschriften SPD. und US PD., 8. Abteilung. Das war im Lichte des großen Kandelabers deutlich zu sehen. Einen Ausweis der Parteileitung hatten unsere Genossen allerdings nicht, da solche zur Verfassungsfeier nicht ausgegeben wurden. Daß unsere Genossen die russische Handelsstelle im Vil toria- Gebäude begrüßt hätten, ist ausgefchloffen; auch haben fie tein hoch auf Rosa Luxemburg ausgebracht. Das mögen die ihren Zug verfolgenden Kommunisten getan haben, mit denen unsere Genossen verwechselt wurden. Dank! Anläßlich des Fadelzuges am 11. Auguft sprach der Reichs. präsident Ebert dem Gauleiter von Berlin- Brandenburg seinen herzlichsten Dank für die Veranstaltung des Reichsbanners Schwarz Rot- Gold aus mit der Bitte, diesen Dant sämtlichen Stameraden zu übermitteln. Wir nehmen dabei gleichzeitig Anlaß, allen denjenigen, die bazu beigetragen haben, unsere Verfassungsfeier zu einem wirklich würdigen Boltsfefte zu gestalten und uns moralisch und materie hierin unterstüßten, unseren herzlichsten Dant auszusprechen. Die Gauleitung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, Berlin- Brandenburg. Opfer der Arbeit. Gestern stürzte auf dem Werkhofe der Firma Siemens Bau Union in Spandau ein 2 Meter hoher und 2 Meter breiter Stapel von Eisenträgern aus bisher unbekannter Ursache um. Der Kolonnenführer Fritz Schulz aus der Waldstraße 50 wurde unter den herabfallenden Trägern be graben. Der Verunglückte fonnte von den sofort zur Hilfe herbeigeeilten Arbeitern nur noch als eine hervorgezogen werden. Die Kriminalpolizei hat die Leiche beschlagnahmt. Eine ausgedehnte Kontrolle der verschiedensten Spielklubs im Westen der Stadt nahm das Spielerdezernat der Abteilung W. vor. Es wurden im Laufe des Abends und der Nacht ungefähr 25 Spielerstätten, besucht. Der Besuch der einzelnen Klubs hat, gemessen an dem der Inflationszeit, zurzeit sehr nachgelassen. Doch ist zu berücksichtigen, daß sich jetzt die meisten leidenschaftlichen Spieler in Seebädern und andere Kurorten befinden. Das trifft besonders auf die Frauen zu. Diese machen, wie die Erfahrung der letzten Zeit gezeigt hat, den größten Teil der leiden: fchaftlichsten Spieler aus. Festgenommen wurde niemand. Gegen die verschiedensten Inhaber und Leiter wurde Strafanzeige erhoben. Ferner wurden diejenigen festgestellt, die ohne Schantfonzeffion zu haben oder über das Maß des Kleinhandels hinaus Getränke verabfolgt hatten. So mäßig der Betrieb jetzt in den Spiellokalen ist, so rege ist das wilde Buchmachergewerbe auf den Rennbahnen. Trotzdem viele Geschäftslotale in Berlin die Konzession als Buchmacher erhalten haben, so ist damit noch nicht das Treiben von vielen wilden Buchmachern unterbunden worden. Diese treiben ihre Geschäfte heimlich weiter fort und 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkhaben immer noch großen Zulauf. In dieser Saison wurden im kapelle). 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Schontek: Bei ganzen über 250 Wilde wegen unerlaubter Wettannahme feft. Tut anch Ammon zu Hause". 8.10 Uhr abends: Vortragsreihe: gestellt. Diese werden sehr selten auf der Rennbahn bei ihrem Gebaudirektor Ludwig Lesser, Präsident der Deutschen GartenbauVon schönen und nützlichen Gärten".- 5. Vortrag: Herr Gartenmerbe ertappt. Sie sind hier mit einem großen heer von Spannern gesellschaft:„ Der Hausgarten". 9-10 Uhr abends: Konzert. umgeben, die mit scharfen Gläsern nicht die Pferde, sondern das Bu- I. a) Lied des Joszi, aus der Operette; Zigeunerliebe", Lehár, blitum auf etwaige Kriminalbeamten absuchen. Mit der feinen Nafe b) Ich habe kein Geld", Lied des Symon aus der Operette:„ Der eines Spürhundes erkennen sie diesen und marnen ihren Brotherrn. Bettelstudent", Millöcker, Artur Kistenmacher. 2. a) Siziliano und Die meisten wurden durch lange Beobachtung der heimlichen Wett. Rigaudon, Franzsenz- Kreisler, b) Tambourin chinois, Kreisler. Stefan Frenkel( Violine). 3. a) Frühlingsmorgen, b) Hans und Totale festgestellt. Grete. Gustav Mahler, Else Jörn, von der Staatsoper, Berlin. 4. Heitere Rezitationen. Emil Kühne. 5. a) Nachtigall auf dem Hollundertrieb, Fischhoff, c) Ich möcht' a Weiberl, Manasse, Artur Kistenmacher. 6 a) Kamonetta, d'Ambrosio, b) Mazurka, b) Wiegenlied, d'Albert. Else Jörn, von der Staatsoper, Berlin. Zanyck, Stefan Frenkel( Violine). 7. a) Mein Haus, H. v. Eyken, Englisch und Spanisch für Erwachsene. In der Sprachenschule für 8. Lieder zur Laute, Emil Kühne. Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Proletarier beginnen nunmehr außer im 3entrum Berlins auch in Neukölln neue Surse für Anfänger und Vorgerüdte. Anmel Günther, Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tages- bungen: am ersten Unterrichtsabend, und zwar am Freitag, den nachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 15. Auguft, abends 8 Uhr, in der Gemeindeschule Gipsstr. 23a( Nähe Ein gefährlicher Tierfreund. Ein harmloses Kätzchen bildete die Ursache des Todes eines sechzigjährigen Mannes. Der Urheber dieses traurigen Ausganges war der Metallschleifer Alfred Kunge, der wegen fahrlässiger Tötung vom Schöffengericht Mitte zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war, sich selbst aber als Opfer der Notwehr Die Bureauräume des Generalfonfulats der Polnischen Republik in Berlin, Kurfürstenstr. 187, find wegen Feiertages am Freitag geschlossen. Englisher Unschanungsunterricht für Kinder. In den nächsten Tagen beginnen die neuen Anfängerkurse( Nachmittagsunterricht) im Englischen für Stinder ohne Borkenntnisse im Alter von 10-14 Sabren. Anmeldungen bis zum 16. August täglich von 3-5 Uhr nachmittags bei H. Fus, W. 57, Bietenstr. 6a( nahe Bülowoftraße und Rollendorfplatz). Der Unters richt wird vorzugsweise nach Anschauungstafeln erteilt. Sprachschule für Proletarier. $ Bahnhof Börse) und für Neukölln am Dienstag, den 19. Auguft, abends 8 Uhr, im 2hzeum Richardplay 14( Nähe Ringbahnhof Neukölln). Der Sängerchor Wedding veranstaltet in den kommenden Tagen drei öffentliche Freitonzerte: Sonnabend, 16. August, im Schillerpart, Dienstag, den 19. August, Brunnenplay, Sonnabend, den 23. August, Sparrplak. Da abwechslungsreiches Programm, werden die Konzerte der Arbeiterschaft bestens empfohlen. Filmfest im Lunapart. Der Klub der Filmindustrie veranstaltet am Mittwoch, den 20. August, im Lunapart ein Sommerfest, deffen Attrattionen zum großen Teil von Filmtünstlerinnen und Filmtünstlern bestritten werden. Berliner Varietés. Die Scala zeigt ein Eröffnungsprogramm, das sich sehen lassen kann. Aus der Reihe der Artisten sind zuerst zu nennen die neun Allison 3, in ifarischen Spielen von erlesener Schönheit, dann die Lehghtons, Equilibristen auf der rollenden Kugel, und Humsti Bum sti, der Un berwüstliche, Unzerschlagbare, der sich schon fast ein Heimatsrecht auf deut ichen Bühnen erworben hat. Der chinesische Jllusionist Dtito bietet noch immer Frappantes; er versteift sich jetzt darauf aus allen möglichen Taschen und Gewänderfalten lebende Enten hervorzuzaubern, die schließlich in einer ganzen Herde die Bühne bevölkern. Neben dem ausgezeichneten Schim panjen Tarzan, der uns beweist, wie leicht es ist, fich als ein tultur begabter Menich aufzuspielen, verdient in seiner munteren und harmlos vergnügten Aufmachung die englische Tanz- und Gesangsrebuette Haleys 13 Jubeniles" jene Anerkennung, die man auch zierlichen Unterhaltungsmitteln gerne zout. Die spanische Tänzerin de la Riva zeigt, wie jemand tanzt, dem diese Kunst nach Temparament und Art Rebenselement geworden ist. Der plastische Film, der zum Schluß vorgeführt wird, mag immerhin schon einen Fortschritt auf diesem Gebiet bedeuten, Vollendung ist er noch nicht. Im Wintergarten bringt der August- Spielplan ein Programm, das man ohne Einschränkung beste Varietéfunst nennen darf. Vielleicht findet mancher, daß die beiden spanischen Springer Withaly und Duwe ein wenig zu sehr auf den krassen Effekt hinarbeiten. Man wird aber sofort versöhnt durch das Tänzerpaar Aspada und Miemillo, die als zierliche und fofette Damen auftreten und sich zum Schluß als Männer entpuppen. Auch die Koloratorsängerin Frida Weber- Fleßburg, die man bedauert, daß sie mit dem famosen Stimmaterial in einem Rauchtheater auftreten muß, und der Harmonita- Birtuose Sowso to bieten erstklassige Leistungen. Die vier Adlonas und die fesche Baptista Schreiber auf ihrem dressierten Shimmel ernten mit Recht den lauten Beifall des Bublifums. Am meisten bewundert und beflatscht aber wird Kapitän Winston mit seinen dressierten Seelöwen und den beiden raffigen jungen Damen, die mit den Tieren um die Wette tauchen, schwimmen und sonst allerlei Kunststüde machen. Dieser Aft ist ganz neu und hat in London und Paris Aufsehen erregt. Daneben sind die merikanischen Drahtseiltünstler Mija. res Bros, die unter Einflechtung einer grotesten Note die hals. brecherischsten Kunststüde ohne Balancierstange ausführen, der gymnastische Aft von State und Wiley, sowie der fomische Nollschuhläufer Nathano Bros mit befonderem Rob zu nennen. 50 000 Tote bei den chinesischen Ueberschwemmungen. Infolge bedeutender Ueberschwemmungen in China sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen, biele Städte, Tausende von Dörfern und ausgedehnte Streden Land stehen unter Wasser. Tientsien, das ebenfalls bedroht war, konnte durch in Eile aufgeworfene Deiche gerettet werden. Eine genaue Feststellung der Gesamtzahl der Ertrunkenen war bisher nicht möglich, doch läßt sich auf grund einiger Angaben bereits sagen, daß sie nicht hinter fünfzigtausend zurüdbleibt. Die Bahl der Geschädigten soll mehrere Millionen übersteigen. Eine brennende Braunkohlenhalde. Auf dem der Stadtgemeinde Leipzig gehörenden Braunfohlenwert Leipzig Dölig ist am Dienstag vergangener Woche eine riesige Halde, auf der rund 30 000 Zentner Braunkohle lagern, in Brand geraten. Infolge der Absazstodung war das Werf gezwungen, die geförderte Kohle auf die Halde zu werfen, die nun durch Selbstentzündung in Brand geriet. Die Rauchentwidlung ist so start, daß die Grubenarbeiter am letzten Sonnabend nicht unter Tage beschäftigt werden fonnten. Der Feuerwehr ist es bisher nicht gelungen, des Brandes Herr zu wer den. Zurzeit wird am Abtragen des Haldenbestände gearbeitet, um an den Brandherd zu gelangen. Die Drahtseilbahnen auf die Zugspite. Wie aus Reutte( Tirol) gemeldet wird, schreitet der von öfter. reichischer Seite von Ehrwaldt aus in Angriff genommene Bau einer Drahtseilbahn auf die Zugspige rüstig vorwärts. An dem oberen Teil der Strede arbeiten augenblidlich 100 Arbeiter, jo daß damit gerechnet werden kann, daß die obere Station der Bahn, die etwa 20 Minuten unterhalb des Münchener Hauses auf dem Bugspitzgipfel errichtet werden soll, bereits am 15. September voll. ständig fertig sein wird. Bis zu diesem Termin hofft man auch die Fundamente für die Tragpfeiler der Drahtseilbahn fertigzustellen. Schon in der tommenden Woche wird eine hilfsfeilbahn zum Hins cuffchaffen von Baumaterial in Betrieb genommen werden. Außerdem ist in Aussicht genommen, leichtere Teile des Materials mit. tels Flugzeugen zur oberen Station auf der Zugspige zu be. fördern. Es haben bereits dahingehende Verhandlungen mit einer Münchener Flugzeugfirma stattgefunden. Nach einer in der Münchener Staatszeitung" veröffentlichten Buschrift soll ein Konsortium die Absicht haben, vom Eibsee aus eine zweite Schwebebahn auf die Zugspitze zu bauen, deren Finanzierung bereits gefichert fei. Neben der österreichischen Zugspige- Schwebebahn würde dann also auch eine bayerische Schwebebahn vorhanden sein. Der weiße Tod. Seit Dienstagabend wird eine Führerpartie. aus St. Morit, die eine Gletscherbesteigung vorhatte, bermißt. Unter den Teilnehmern an der Partie befanden sich ein Herr Dr. Said aus Wien und ein Herr Garrels aus Bremen, die St. Moritz zur Kur weilten. Die Partie wurde vermutlich bom Schneesturm überrascht. Eine der entsandten Rettungstolonnen will fie jedoch am Mittwoch gesehen haben Leider besteht wenig Hoffnung, die Partie lebend zu finden, da bis weit herunter Neuschnee gefallen ist. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind, Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 13, Streis Tempelhof, Marienborf, Marienfelbe, Lichtenrabe! Freitag, den 15. Auguft, 7% Uhr, Areisvertreterversammlung in der Schulbarade, Bahnhof Mariendorf, Ringstraße, beim Lyzeum. 9. Kreis Wilmersdorf. Heute, Freitag, den 15. Auguft, 8 Uhr, Gigung des engeren Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern bei Schramm, Hohen zollerndamm 2. Sonnabend, den 16. Auguft, ermeiberte Kreisvor 2. Kreis Tiergarten. standsfigung mit den Delegierten zum Bezirksparteitag, abends 8 Uhr, bei Krüger, Butligstr. 10. 3. Areis Webbing. Sonnabend, ben 16. Auguft, 7 Uhr, Sommerfest Bazenhofer Ausschank, Chausseestr. 64. Heute, Freitag, den 15. August: 116. Abt. Lichtenberg. 7½ Uhr Funktionärsizung mit den Betriebsverfrauensleuten bei Maehle, Borhagener Str. 54. 8 Uhr im Lokal zum Körnersee( Inh. Diek), 124a. Abt. Mahlsdorf- Süd. Uhlandstraße, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Ges noffen Ernst Ruben: Das Sachverständigengutachten und die Londoner Verhandlungen." Vorwärtslefer als Gäfte willtommen. Morgen, Sonnabend, den 16. Auguft: 33. Abt. Die Billetts zum Sommerfest müffen im Laufe des Gonnabends mit dem Rassierer Genossen Ben, Benmestt. 25, v. 1 St., bestimmt ab. gerechnet werden. An unsere Postbezieher D ie einlaufenden Befchwerden von Poftbeziehern veranlaffen uns zu der Bitte, beim Ausbleiben der Zeitung zuerft eine fchriftliche Befchwerde beim Vorfteher des Beftellamtes einzureichen. Sollte diefer Weg erfolglos fein, ift fofort dem Verlag Nachricht zu geben. Wir bitten, den vorgefchriebenen Weg einzuhalten. Vorwärts- Verlag G. m. b. H. 112. Abt. Rahnsdorf- Wilhelmshagen. 8% Uhr Bahlabend in Stahnsdorf bei Lebizki, Vortrag. 131. Abt. Riederschönhausen. 7 Uhr bei Rubasch Funktionärkonferens. * 10. bt. Sonntag, den 17. Auguft, 8 Uhr, Treffpunkt neben Raffee Gärtner zum Ausflug nach Bichelsberge. Für Nachzügler Treffpunkt om Stößenfee. 44., 46. und 47. Abt. Die Genoffen bebeiligen fich mit ihren Familien am Waldfest des Gefangvereins Solidarität" in der Königsheide, Treffpunkt zum Abmarsch mit Mufit 8% Uhr Görliger Bahnhof( Rettungsmache Biener Straße), 10 Uhr Bahnhof Baumschulenweg. Geschirr zum Raffeekochen mitbringen. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter. Morgen, Sonnabend, abends 7 The pinttich, im Jugendheim Borsigendenkonferenz. Alle Abteilungstaffierer müffen heute, fomett das noch nicht geschehen ift, die Beitragsmarken abrechnen. Internationale" und Führer" find er schienen. . Heute, Freitag, den 15. Auguft, abends 7½ Uhr: Friedenau: Jugendheim, Offenbacher Str. 5a, Bortvag: Die deutsche Reichsverfassung." Salenfee: Joachim Friedrich Str. 35, Bertrag: Die Erziehung zum Gemeinschaftsgeift. Moabit I: Waldenserstr. 20, Bortrag: ,, Die Entstehung der Erde." Rentölln II: Nogatstr. 53, Bortvag: Lebens reform." Rieberschönhausen: Bortrag: Die deutsche Reichsverfaffung." Nordost I: Georgenkirchstr. 2: Sermann- Löns- Abend." Rorboft II: Danziger Str. 23, Bortrag: Anfänge der Naturbeherrschung. Quisenstadt: Badeanstalt Baerwaldstr. 56: Bebel- Feier." Brig: Rathaus, Chauffeeftr. 48, Bortvag: Utopischer Sozialismus." Süboft A. a. G.- B.: Mariannen. ufer la: Literatur- Abend. Berbebezirk Neukölln. 18 Uhr Jugendheim Canner Stt., Werbebezirksvorstandssigung. Jedes Mitglied muß erscheinen. Arbeitersport. Alaffe werden die Aufmerksamkeit aller Sportsfreunde erregen. Hervorgehoben feien nochmals der Jiu- Jitsu- Nebanchelampf über 10 Runden zu fünf Minuten zwischen dem Mittelgewichtsmeister Steinte( N.-D., 150 Pfund) und dem Kölner Jiu- Jitsu- Riesen Gillert( 190 Pfund) sowie der Herausforderungsborkampf über fünf Runden zwischen dem Halbschwergewichtsmeister Habermann ( 152 Pfd.) und dem starten Lewandowski( Zurich, 175 Pfd.). Ringer- und Heberwettstreit. Alle Groß Berliner Vereine des Arbeiter Athleten Bundes Deutschlands werden, foweit fie die Meldungen aum Wettstreit der Sportvereinigung LichtenbergFriedrichsfelde 04 nicht abgegeben oder das Startgeld nicht entrichtet haben, darauf aufmerksam gemacht, daß der Meldeschluß bis zumt Sonntag, den 17. August, vormittags 10 Uhr, verlängert worden ist. Alle Meldungen fowie Startgelder sind direkt an den Kollegen Rumte Berlin D. 112, Niederbarnim str. 4, 2. Hof 4 Tr., abzugeben. Auch find die Vereine, welche teine Rampfrichter gemeldet haben, verpflichtet, dieses fofort nachzuholen. Meldungen ohne Startgeld nach dem 17. August sehen Startverlust entgegen. An auswärtigen Bereinen find bis jetzt gemeldet: Luckenwalde, Rathenow, Brandenburg, Rauscha D.-L., Stralsund, Frankfurt, Nauen, Weißenfels, Schwedt a. d. D., Stargard i. P., Altlandsberg, Senftenberg N.- 2. u. a. m. Freie Turnerschaft Neukölln- Brih. Am Sonntag, den 17. Auguft, be= geht die Freie Turnerschaft Neukölln Brig ihr diesjähriges Gommerfest auf dem Turnplag Köllnische Heide am Dammweg in Gestalt eines orientalischen Turnfestes in Kairo. Beluftigungen für jung und alt. Ferner gymnastische Massenübungen von Beduinen, altägyptische Flaschenspiele von jungen Aegypterinnen, arabische Gewandtheitsübungen, Ausdrucksübungen von Orientalinnen, Ramelreiten für Rinder, Wettlaufen mit Krokodileiern Ronzert einer Araber- Kapelle. Anfang 3 Uhr. Sämtliche Teilnehmer müssen um 2 Uhr auf dem Turnplag sein. Eintritt 50 Pf., Rinder 15 Pf. Erwachsene erhalten ein Freilos, Rinder eine Stoclaterne gratis. Sportvereinigung Sparta 1911, Fußballabteilung. Freitag, den 15. Auguft, 8 Uhr, Vollversammlung bei Lauter, Simon- Dach- Straße. Paßbilder und Mitgliedsbücher mitbringen. 2. a. m. Bittoria- Stettin gegen AGB. 24. Am Sonntag, den 17. August, treffen auf dem Teutonia Sportplag in der Christiania. ftraße obige Gegner in einem Freundschaftsspiel zusammen. BittoriaStettin ist eine äußerst gute Mannschaft. Dem dortigen Kreismeister gelang es mur knapp, Bittoria zu schlagen. Es ist also ein guter Sport zu erwarten; wir rechnen auf Unterstügung der Arbeiterschaft. Erwerbslose Genoffen der politischen Parteien, der Gewerkschaften und Mitglieder des A.-T. u. Sp.-B. haben freien Eintritt. Anfang 25 Uhr. 4. Bezirk, Nordgruppe des Arbeiter- Turn- und Sportbundes. Laut Beschluß der Gruppenführung om 28. Juli hat jeder Berein für jedes Mitgfied über 14 Jahre 1 Bf. Gruppenbeitrag pro Monat ab 1. August zu zahlen und bis zum 15. b. M. mit Mitgliederstatistik an den Gruppenleiter Artur Troemel, 8offen i. d. M., Stubenrauchstr. 4 III, einzusenden. Arbeiter- Sport- und Kulturkartell für den 5. Bezirk( Friedrichshain). Sämtliche zum 5. Bezirk gehörenden Sport- und Kultur- Vereine und Abbeilungen, bie auf ihre Augehörigkeit zum Kartellverband noch Wert legen, müssen am Montag, den 18. Auguft, unbedingt einen Bertreter zu einer michtigen Rartellsigung entfenden! Lokal Mechyler, Borhagener Str. 114, abends 7 Uhr. Auffbellung über Mitgliederbestand, Berkehrs- und UebungsTotal sowie Adreffe des Vorfizenden zur Cigung mitbringen! Freie Turnerschaft, Berlin- Lichtenrade, 4. Beziet, Handballserienspiele. Im Oktober beginnen die Sandballserienspiele. Die Spiele werden an den Gonntagen ausgetragen. Alle Mannschaften müssen namentlich( Jugendliche mit Geburtsdatum) unter gleichzeitiger Einsendung der Meldegebühr, für Männer 2 M., für Frauen und Jugendmannschaften 1 M., mit Angabe der Kleidung, des Blazes und des Umkleidelokals an Friedrich Neumann, Gruppensportwart, Dichtenrade, Raiserstr. 15, gemeldet werden. Fragebogen hierfür werden nicht verfandt. Meldeschluß spätestens ant 10. September. Turn- und Sportgenoffen und-genoffinnen zeigt, daß wir Arbeitersportler auf dem Plan find. Meldet recht zahlreich zu den Handballferienspielen! Gruppenverfammlung a m Sonnabend, den 30. August, in Steglit, Albrecht-, Ede Ringstraße, bei Thiel, 8 Uhr. Erscheinen aller Delegierten Pflicht, da wichtige Tagesordnung. Freie Schwimmer Stegliz- Sichterfelde E. B., Abt. Lichterfelbe. Am Sonnbag, den 17. August, nachym. 3% Uhr, findet im Aegir Bad"( ehe. malige Radetten- Badeanstalt) in Lichterfelde unfer internes Bereins- Schwin feft ftatt. Der Eintritt beträgt 0.30 M., für Rinder 0,15 M. Nach Beendigung der Wettkämpfe findet in Serbels Festfälen, Zehlendorfer Str. 5, eine Nachfeier verbunden mit Sanz statt. Eintritt hierzu 0,50 M. Um recht regen Besuch der Veranstaltung wird gebeten. Athletik- Sport- Club c. B. Leichtathletik Socken Handball Rudern. Männer, Frauen- und Jugend- Abteilung: Training jeden Dienstag und Donnerstag auf dem Fichte- Plak. Baumschulenweg. Eichbusch- Allee. Geschäftsstelle: Alfred Behrends, Berlin NW. 87, Binzendorfftr. 7. Am Sonnabend. den 16. Auguft, findet in den Gesamträumen des Bittoria- Gartens, Anr Treptower Part 25/26, ein Gommerfest statt, zu dem hiermit alle Bruder vereine herglichst eingeladen find. Beginn 8 Uhr. Bundesmeisterschaft der Leichtathleten in Frankfurt am Main. AIIe Teilnehmer( auch die von den Provinzvereinen) für Frankfurt a. M., auch diejenigen, die noch daran teilnehmen wollen, sowie diejenigen, die als Ruschauer ader Rampfrichter mitfahren, müssen am Sonnabend, den 16. Auguft, abends 7 Uhr, Information auf dem Turnplak Fichte", Treptow- Baumschulenweg, Eichbusch- Allee, anwesend sein. Treffpunkt zur Abfahrt am Donnerstag, den 21. Auguft, abends 9 Uhr, Anhalter Bahnhof, Kopfbahnsteig. Ankunft wieder in Berlin am Montag, den 25. August, 12 Uhr nachts. Das Fahrgeld bea trägt hin und zurüd 16,10 M. und ist am Sonnebend bei der Besprechung mitzubringen oder spätestens Montag, abends 8 Uhr, an Erich Leben. Berlin GO. 33, Schlesische Str. 37, v. 4 Sr., abzuliefern. Wer nicht am Frankfurt a. M. verzichten. Vereins-, Abteilungsvorsitzende sowie SportDer heutige Großkampftag der Sportl. Vgg. Nord- Oft". Heute abend püntlich 8 Uhr gelangt im Kampfring des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Tor, das ichon angekündigte borzügliche Kampfprogramm der Sportlichen Vereinigung Nord- Ost" zur Abwicklung. Fünf Jiu- Jitsu-, vier Bor- und sechs Ringkämpfe zwischen nur allererster Berliner für Sonntag, den 17. August. 1. Abt.: Frith 5 Uhr Gofener " Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels Je Zentner frei Haus Berlin. . Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose... Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1. Weizengrieß Hartgrieß Weizen- Auszugmehi Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine 70% Weizenmehl Kartoffelmehl Sonnabend erscheint oder teine Bertretung hinschickt und bis zum feftgefekten Reitpunkt nicht bezahlt, muß auf die Fahrtvergünstigung fowie auf Quartier in warte, forgt für glatte Abwicklung. Leichtathleten des 1. Rreises, ibt Solidarität! Arbeiter- Rabfahrer- Bund Solidarität", Ortsgruppe Berlin. Touren Berge, Start Bülowstr. 53. 2. Abt.: Frith 5 Uhr Eierbuder See, 1 Uhr Bernau, Einkehrstelle, Start Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Schnitzeljagd Friedrichshagen, Wiesengrund, Start 6% Uhr Baufiger Blah. 4. Abt.: Werffee, Start 6 Uhr Weberwiese. 5. Abt.: 7 und 10 Uhr Schön- Mulpe, Start Landsberger Blag. 6. Abt.: 6 und 12 Uhr Gorinfee, Start Ropenhagener Str. 26. 7. Abt.: 1 Uhr Streifzüge durch den Norden, Start Roloniestr. 146. 8. A b t.: 16. und 17, abends 6 Uhr Werbellinfee, Start Arminiusplah. 9. Abt.: 16. abends 6 Uhr Joachimsthal, 17. 1 Uhr Schöna walde, Klöpfer, Start Schulstr. 114. 11. A b t.: 16. nachmittags 4 Uhr Mu rose, 17. 12 Uhr mittags Hennigsdorf. 12. Abt., Motorfahrer: Kallinchen, Start 7 Uhr, Laufizer Blaz. Jugend- Abt.: Seddiner See, Start 5 Uhr, Hochbahn Bülowstraße. Ortsgruppe Renkölln: Früh 6 Uhr Müggelhort, Start: Ab t.: Bahnhof Hermannstraße. Ortsgruppe Spandau: 16. 7 Uhr nachm. Gators, 17. 1 Uhr mittags Hennigsdorf, Start Neuendorfer Str. 74. Ortsgruppe Treptow- Baumschulenweg: Frith 6. Uhr Summt, Start Baumschulenweg. Ortsgruppe Lichtenberg: Früh 5 Uhr Sophienstädt, Start Jungstr. 10. Ortsgruppe Schöneberg: 6 Uhr Riel am Gtart, 1 Uhr Bärterhaus an der Teufelschauffee( Schlachtensee), Start Martin- Luther- Str. 69. Ortsgruppe Charlottenburg: Avampnißfee, Starf 6 Uhr Galvaniftr. 13. Ortsgruppe Bankow: Früh 5 Uhr Seddinsee, Ghart Mühlenstr. 12. Ortsgruppe Tegel: Tuensportfeft, Start 12 Uhr mittags Schlieperftr. 64. Ortsgruppe Reinidendorf: Früh 6 Uhr Summber See. B. F.-C. Adler 1912. Mitgliederversammlung jeden Donnerstag, 8 Uhr, bei Schulz, N., Schwedenstr. 15B. Sämtliche Anschriften jest Herbert Pietsch, N. 39, Gerichtstr. 16. 16,25-20,00 Röstgetreide, lose.... 15.50-18,00 15,00- 16,00 Kakao, fettarm 65,00-75,00 16,00-17,25 Kakao, leicht entölt... 86,00-100,00 18,00-19,00 Tee, Souchon, gepackt 350,00-430,00 13,00 14,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00. b t.: Serkbergplak, 2. 18,25-19,75 Inlandszucker basis mel. 41,00- 43,00 22,50-24,25 Inlandszucker Raffinade 41,00- 46,00 16,00-17,25 Zucker Würfel....... 46,00-49,50 18,25-23,00 Kunsthonig 30,00-32,00 15,00 17,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 8,75-11,75 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00-31,00 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-95,00 27,00- 30,50 Marmelade Vierfrucht 35,00 40,00 20,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 33,00- 38,00 31,00 37,50 Steinsalz, lose. 3,10- 3,70 39,00-46,00 Siedesalz. lose 4.00- 4,70 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 81,00- 81,50 36,00-42,00 Bratenschmalz in Kübeln 82,00- 83,00 79,00-79,50 33,00-35,00 Purelard in Tierces 15,00 17,75 Purelard in Kisten 79,00-80,00 15,00 16,00 Speisetalg in Packung 49,00-52,00 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln 48,00-50,00 23,25-31,00 Margarine, Handelsm. I 63,00 30,00-36,00 desgl. Il 57,00-60,00 Ringäpfel, amerik...: 85,00 90,00 Margarine, Spezialm. I.. 79,00 Getr. Pflaumen 90/100.. 40,00-43,00 desgl. II... 66,00-68,00 49,00-53.00 .. 50,00-55,00| Margarine III Pflaumen, entsteint 60,00 Cal. Pflaumen 40/50 Molkereibutter i. Fässern 205,00-212,00 Rosinen in Kisten, Candia 65,00 70,00 Molkereibutter in Pack. 213,00-220,00 Sultaninen Caraburnu.. 80,00-90,00| Landbutter Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Linsen, mittel Linsen, große Makkaroni. Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. F 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 210,00-220,00 175,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,50-37,00 155,00-160,00 Ausl Speck, geräuchert 75,00-85.00 106,00-115,00 Quadratkäse. 30,00-45,00 Kümmel, holländischer. 65,00-75,00 Tilsiter Käse, vollfett.. Schwarzer Pfeffer Singap. 108,00-115,00 Bayr. Emmenthaler Weißer Pfeffer 150,00-155,00 Echter Emmenthaler 180,00-215,00 Ausl. ungezuck.Condensmilch 48/16 Rohkaffee Brasil 100,00-115,00 165,00-175,00 180,00-185,00 Arbeiter- Sporttartell für den 12. Bezirk. Das diesjährige Bezirks- Sport feft findet in Verbindung mit dem zwanzigsten Stiftungsfest der Freien Turnerschaft Steglig" am Sonntag, den 17. Auguft, ftatt. Ab 9 Uhr vormittags Borkämpfe auf dem Gemeinde Sport plak in Steglis, Ringstraße, Ede Bergstraße, Nachmittags Entscheidungstämpfe. Abends ab 7 Uhr Tanz im Albrechtshof. Die Mitwirkung von 16, Bereinen garantiert guten Sport. Um 1 Uhr mittags versammeln fich alle Sportler und Freunde der Arbeitersportbewegung zum gemeinsamen Feftzug auf dem Marktplay in Steglig, Dippelstraße. Abmarsái mit Mufit nach dem Sportplag pünktlich 1.15 Uhr. Eintritt 30 Pf. Nordgruppe, 4. Bezirk. Am Sonntag, den 7. August, Gruppens fportfest in Steglig, Ringstraße( Gemeindefportpla). Durch Abgabe von über 160 Meldungen ist es unbedingte Pflicht der melden den Bereine, mehr als bisher gemeldete Rampfrichter mitzubringen un glatten Erledigung der Wettkämpfe. Rampfrichterfigung morgens 8 Uhr bei Thiel, Ring, Ece Albrechtstraße. Stoppuhren und Bandmaße nicht vergeffen. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Mäßig warm. Zunächst aufbeiternd, dann wieder neue Trübung. Leichte Regenfälle. Mäßige westliche Für Deutschland. Bom Osten her vorübergehende Besserung des Betters. Später wieder neue Regenfälle. 21,00-23,25 Rohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 Winde. 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 Röstkaffee Brasil Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00-26,50 Massary am Jch kann sie nach dem Mahle nicht entbehren und wenn ich wie ein Fürst gegessen hätte! Will lieber schlichte Hausmannskost verzehren: Nur laßt mir die Massary- Zigarette! Mittag * Real 53 Delft 64 Edel wie der Name. Wirtschaft Die Bekämpfung von Mißständen im Kartellwesen. Wie der amtliche Breußische Pressedienst einer Verfügung des Preußischen Ministers des Innern entnimmt, hat der Reichswirt schaftsminister fürzlich ein Rundschreiben an die Regierungen der Länder ergehen lassen, in dem er darauf hinweist, daß auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Verbands- und Vereinbarungswefens nicht unerhebliche Mißstände bestehen, zu deren Befeltigung alle geeigneten Mittel, insbesondere die Handhaben der Berordnung gegen den Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen vom 2. November v. 3., angewendet werden müssen. Die Landesregierungen werden in dem erwähnten Schreiben um wirksame Unterstüßung durch sachliche Mitarbeit, un Mitteilungen über Berbände, deren Geschäftsgebaren für nicht einmand. frei gehalten wird, und um lleberweisung beweisträftiger Unter lagen ersucht, damit tatsächliche Mißstände bekämpft und die unerläßliche wirtschaftliche Freiheit des Wettbewerbes möglichst ge. fichert, andererseits aber auch unberechtigten Berallgemeinerungen entgegengetreten werden fönne. Besondere Aufmerksamkeit soll ber Feststellung Don Ausschließlichteitsperträgen zu gewandt werden, da solche Vorträge und Bereinbarungen dem be. treffenden Kartell über seine eigene Wirtschaftsstufe hinaus einen starben Einfluß auf die nachfolgenden Wirtschaftsstufen zu sichern geeignet sind. Weiter legt der Reichswirtschaftsminister neben der Mitarbeit der Regierungen Wert auf die Mitarbeit der Wirtschaftsgruppen selbst, da das Reichswirtschaftsministerium schlechterdings nicht in der Lage ist, allen wichtigen Vorgängen auf dem vielver. zweigten Kartellgebiet zu folgen. Zum Schluß des genannten Rundschreibens wird darauf hingewiesen, daß Kartelle von rein örtlicher Bedeutung, wie sie in der Kriegs- und Nachkriegszeit im Handel, Mengewerbe und Handwert eine erhebliche Bedeutung für die Preisbildung erlangt hätten, nicht felten auch die Bewegungs. freiheit ihrer Mitglieder in ungesunder Weise einschnürten. Hier sei es Aufgabe der örtlichen und der Landesbehörden, im Wege örtlicher Verhandlungen Abhilfe zu schaffen. Indem der Breußische Minister des Innern den mittleren Preisprüfungsstellen von diesem Rundschreiben Renntnis gibt, knüpft er hieran das Ersuchen, die Tätigkeit des Reichswirt fchaftsministeriums durch fachliche Mitarbeit im Sinne dieser Richtlimien mirtsam zu unterstügen und etwaigen Mißständen im Einvernehmen mit den einzelnen in Betracht kommenden Wirtschaftsvertretungen nach Möglichkeit zu begegnen. Beweisträftige Unterlagen, die für das Reichswirtschaftsministerium von Bedeutung find, follen zwecks Weiterleitung dorthin durch das Ministerum des Innern gehen. Eine bedeutsame genossenschaftliche Verschmelzung. Die Konsumgenossenschaft Borwärts" in Barmen und die Konsum und Broduktingenossenschaft Befreiung" in GI berfeld haben ihre Bereinigung beschlossen. Damit ist eine Berschmelzung zustande gekommen, wie sie bisher in der Geschichte der deutschen Genossenschaftsbewegung noch nicht zu verzeichnen war. Beide Genossenschaften sind vor 25 Jahren gegründet worden. Das Ergebnis der Textilenquete zeigt abermals, wie dringend notwendig die Schaffung einer unabhängigen und objektiven En quetekommission ist, die die Tatsachen der Wirtschaft nicht unter dem Interessentengesichtspunkt prüft. Der Reichswirtschaftsrat mit seiner Interessentenvertretung ist tein Erfaß für eine unabhängige Enquetetommiffion. Strafantrag im Wöllersdorf- Standal lich, daß eine Vereinigung der beiden Genoffenschaften nicht so leicht Das Reichswirtschaftsministerium hal bereits während der Bera mar. Jetzt hat jedoch ein äußerer Anlaß den Anstoß gegeben. Die handlungen auf dem Kartellgebiet eingegriffen. Der Reichswirt zwischen Elberfeld und Effen liegende Konsumgenossenschaft ausschaftsminister hat bereits erklärt, daß er die optimistische Auffassung halt in Belbert war durch die verschiedensten Ursachen an den über die Kartelle nicht zu teilen vermöge, er wird die Methoden der Abgrund gekommen. Es handelt sich hier nicht um einen fleinen Erhebung ernstlich prüfen und sich darüber im Zusammenhang mit Konfumverein; der Haushalt" befigt 20 Berteilungsstellen, von denen fich drei in eigenen Häusern befinden. Wie auch sonst häufig, der Beurteilung des Gesamtergebnisses dieser Enquete äußern. ist auch hier eine Berschmelzung zu spät ermogen worden. Die Vorichläge fachverständiger Berater fanden jedoch damals verschlossene Ohren. Der jeden Tag steigende Berlufte bringende Betrieb wurde fortgefeßt. Die Verwaltungen von Barmen und Elberfeld haben endlich doch beschloffen, Belbert zu übernehmen. Für die Berwal tungen von Barmen und Elberfeld war bei dem Beschluß, Belbert mit seinen Lasten zu übernehmen, die Absicht ausschlaggebend, die Genossenschaftsidee vor sicherem Schaden zu bewahren. Zu den Ursachen des Unterganges von Belbert gehört die parteipolitische Bertlüftung, die so weit ging, daß Käufer, die nicht mit den Kommunisten sympathisierten, aus den Verteilungsstellen hinausgegrault wurden. Die nun zusammengelegten Wuppertaler Genossenschaften werden den Namen„ Borwärts. Befreiung" mit dem Siz in Barmen tragen. Diese Groß Genossenschaft erstreckt sich mit ihren 132 Berteilungsstellen von Hohenlimburg( Lenne) bis Kettwig( Ruhr) auf eine Entfernung von mehr als 60 Stilometer. Es ergibt sich, daß bei 60 000 Mitglies dern die der Genossenschaft angeschlossene Einwohnerzahl auf an. nähernd den dritten Teil der Gesamtbenölterung zu schäzen ist, wenn angenommen wird, daß eine Mitgliederfamiliedurchschnittlich vier Röpfe umfaßt. Die Konzentration der Konsum. genossenschaften im Industriegebiet hat einen großen Schritt vorwärts getan.. Das neue Ruhrkohlensyndikat. Dortmund, 14. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Auf einer Ron ferenz der Zechenbesitzer stimmten etwa 75 Prozent der anwesenden Bertreter der Zechen für Kündigung des jezigen Bertrages zum 1. Oftober, die damit beschlossen ist. Die Mehrheit sprach sich dann für den Abschluß eines neuen strafferen Syndifatsvertrages aus, der den Handel mit Ruhrtohle nach Holland dem neuen Syndikat übertragen foll Es besteht Aussicht, daß der Ruhrkohlenhandel auf der Grundlage eines neu begründeten Ruhrkohlensyndikats in feftere Bahnen gelenkt werden wird Das Ergebnis der 9. deutschen Ostmeffe. Die deutschen Fabrikanten und Großhändler waren mit sehr geringen Erwartungen nach Königsberg gekommen. Der Erfolg der 9. deutschen Ostmesse jedoch übertraf in fast allen Branchen die Erwartungen. Die Zahl der Orders war in den meisten Geschäftszwei gen beträchlich, wenn die einzelnen wegen des Geldmangels auch nicht sonderlich groß ausfielen. Der Besuch aus dem Auslande war erfreulich groß. Die ausländischen Interessenten fanden die Preise der deutschen Waren in vielen Fällen noch zu hoch und die deutfchen Zahlungsbedingungen nicht entgegenkommend genug. miegend wurden Gegenstände des dringendsten Bedarfs gekauft, während Luruswaren und Objekte, die größere Mittel festlegen, weniger interessierten. Insgesamt fann das Ergebnis der 9. deutschen Oft messe bei der augenblicklichen Konjunktur mehr als befriedigend genannt werden. Reichswirtschaftsministerium und Textilenquete. Ueberall in der Welt fingen die Städtenamen Elberfeld- Barmen geläufig nebeneinander. Es sind aber doch auch bisher alle Berfuche, die beiden Städte zu vereinigen, fehlgeschlagen, beide hatten bis in die letzte Zeit die fast genau gleich große Einwohnerzahl von je rund 168 000. Jeht hat Barmen durch die Eingemeindung des öftlich gelegenen westfälischen Umtes Langerfeld die westlich gelegene Nachbarstadt Elberfeld um rund 20 000 Einwohner überflügelt. Das Haupthindernis für eine Einigung der beiden Städte ist das Fehlenschaftsrat Haupthindernis für eine Einigung der beiden Städte ist das Fehlen eines gemeinsamen Mittelpunktes. Nachdem unter folchen Berhält. niffen beide Genossenschaften im Laufe eines Bierteljahrhunderts jebe für sich eigene Betriebsanlagen gefchaffen hatten, ist es erflär Bor Bie uns mitgeteilt wird, trifft die Auffaffung, daß das techs wirtschaftsministerium für die Textilenquete nerant wortlich sei, nicht zu. Die Enquete ist vom Reichswirt fchaftsrat geführt worden, der Reichswirtschaftsrat ist allein verantwortlich für die Methode der Erhebung und für den erstatteten Bericht. Wie der Wiener Abend" wissen will, hat die Wirtschaftspolizei auf Grund der Untersuchung in der Wöllersdorfer Affäre gegen sechs Personen, darunter Alder, Leon Stiarz und Direktor Neumann von der Metallum- A.- G., Strafantrag gestellt, Gegen fünf von ihnen sei von der Staatsanwaltschaft die Vors untersuchung eingeleitet worden. Herr Heinrich Stlarz, gegen den in Deutschland ein Hafte befehl wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankrott ergangen ist, hat sich nach Bien geflüchtet. Die schlechte dänische Handelsbilanz. Kopenhagener Blätter berichten von einer außerordentlich un günftigen Gestaltung der Handelsbilanz durch den Niedergang ber Ausfuhr in landwirtschaftlichen Artikeln. Die Veröffentlichung der Handelsbilanz über den Monat Juni 1924 meist einen Unterschußz allein von 52 Millionen Kronen auf. Es handelt sich hierbei um den größten Unterschuß, den ein Monat in dem laufenden Jahr ge. Millionen Kronen Unterschuß gebracht. Im vorigen Jahr hatte der bracht hat, denn insgesamt haben die Monate Januar bis Mai 149 Juni 1924 im Vergleich zum Vorjahr ein Mehrunterschuß von Monat Juni einen solchen von nur 7 Millionen Kronen, so daß im 45 Millionen Kronen zu verzeichnen ist. Nach dem Ausweis der Reichshaupttasse beträgt der Uebers fuß bei 106,6 Goldmillionen Einnahmen und 106,2 Goldmillionen Ausgaben in der Reit vom 1. bis 10. Auguſt rund 0,4 Millionen. Der Gesamtüberschuß seit dem 1. April 1924 steigert sich damit auf 47,2 Millionen. Der Erlös aus dem Vera tauf von Rentenmarkschazwechseln nahm um 10,8 auf 109,2 Millionen zu. Wie der Ost- Expreß erfährt, wird die Unterzeichnung des englischDie ersten Auswirkungen des englisch- russischen Abkommens. russischen Handelsvertrages auf die ruffisch- deutschen Handelsbeziehungen in der nächsten Zeit noch feinen Einfluß haben. In unterrichteten englischen Wirtschaftstreifen meint man, daß die Aus. wirkungen des in London unterzeichneten Abkommens nicht vor Jahresschluß sichtbar werden würden, wenn nämlich eine Uebersicht über die Beziehungen zwischen der Londoner Industrie und Moskau gewonnen feien und in der Frage der englischen Ansprüche an die Sowjetregierung fowie der Entschädigung der Engländer, die durch die Revolution in Rußland Einbuße erlittee haben, völlige Klarheit geschaffen sein wird. Da einstweilen noch mit der Registrierung dieser Einzelheiten fortgefahren wird, so ist eine Fortsetzung der Berhandlungen nicht vor Ottober zu erwarten. wenn es dabei zu einer Berständigung tommen follte, fo, ift anzu nehmen, daß ein Teil der Aufträge, die bisher nach Deutschland tamen, nach England hinübergehen wird. Andererseits würde eine größere Bereitwilligkeit des englischen Kapitals zur Beteiligung in Rußland auch eine Belebung der deutsch- russischen Wirtschaftsbeziehungen mit sich bringen. Nur eine Woche enorm billiger Verkauf in Wäsche Herren- Hemden prima Macco m. Einsatz 3,50, 2,90 Herren- Hemden Macco ohne Einsatz..: 3,60 2.50 160 Herren- Oberhemden 520 farbig mit 2 Kragen Herren- Oberhemden 580 farbig mit 1 Kragen. Herren- Hemden wollgemischt Herren- Hemden Barchend 9 3,20 3,10 2,90 190 Herren- Arbeitshemden 290 Oxford. · Damen- Hemden m. Stickerei u. Langette in guter Qual. 1 Posten Knaben- Sporthemden 310 180 500 Flanell, Gr. 60/80 2,45, Gr. 90/100 Prinzeß- Unterröcke Damen- Hemdhosen 580 in guten Qualit. m. Stickerei u. Einsatz Damen- Hemdhosen 375 mit Hohlsaum. Knaben- Sporthemden 290 weiß, Gr. 60,80 2,25, Gr. 90/100 Knaben- Sporfhemden 265 Zephyr, Gr. 60/80 2,10, Gr. 90/100 Knaben- Sporthemden 245 gestr.Lein., Gr.60/ 801,90, Gr.90/ 100 Hemdenfuch. 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Durch die Erfolge, die sie bisher stets auf Kosten der Allgemeinheit erzielt haben, sind sie immer anmaßender und anspruchsvoller geworden. Wir sind im Besize der Machtmittel und wollen nun davon Gebrauch machen!" erscholl es wiederholt und selbstbewußt in den letzten beiden Jahren. Es ist nicht ihr Verdienst, daß das„ Höherhängen des Brottorbes" und die dadurch verursachten Hungerrevolten nicht zum Bürgerfrieg und damit zu der ersehnten agrarischen Machtergreifung geführt haben. Die Regierung hatte durch Vorsorgemaßnahmen den Leutchen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Gegensah zu ihrer außenpolitischen Impotenz erweisen fich die Herren Großagrarier im Innern als vorzügliche Regiffeure. Um die öffentliche Meinung davon zu überzeugen, wie dringend die Landwirtschaft des Schuzzolles und anderer Liebesgaben bedarf, nimmt man das Volk unter Trommelfeuer. Auch der„ fleine Landwirt" muß als Kinderschreck herhalten. Offenbar verspricht man sich hiervon unter den heutigen Berhältnissen eine besonders durchschlagende Wirkung. Darüber besteht doch kein Zweifel, daß die Ereignisse der letzten zehn Jahre die Landwirtschaft im Vergleich zu allen anderen Berufen am wenigstenmitgenommen haben. Wenn die Masse der Großstadtbevölkerung auf halbverfaulte Kohlrüben als die einzige Rettung vor dem Verhungern angewiesen war und wenn es im Schüßengraben am Notwendig ften fehlte, tonnte der Landwirt einen gut besetzten Tisch führen. Wer Gelegenheit hatte, die Lebenshaltung in der Landwirtschaft während des Krieges und später zu sehen, der wußte nicht, ob er lachen oder fich ärgern sollte, wenn er von opferwilliger Einschränkung der eigenen Bedürfnisse durch die Landwirte" hörte. Man tann wohl ohne Uebertreibung sagen, daß die Landwirte durch die Verhältnisse in der Kriegs- und Nachkriegszeit im höchsten Grade verwöhnt worden sind. Wenn heute die Borräte ihrer Weinkeller und Zigarrenschränke hier oder dort auf die Neige gehen und die Ergänzung einige Schwierigfeiten verursacht, so sollten sie das nicht zum Anlaß nehmen, über den Untergang der Landwirtschaft zu zetern, sie sollten vielmehr bedenten, in welchem Maße ihre übrigen Wolfs= genossen ein Jahrzehnt lang förperlich und seelisch gelitten haben. Zum Beweise dafür, wie schlecht es der Landwirtschaft gehe, wird u. a. der geringe Absah der landwirtschaftlichen Maschinen angeführt. Man verschweigt aber die Tatsache, daß die Landwirtschaft sich im Laufe der letzten Jahre an Maschinen übersättigt" hat. Sie legte ihre damaligen Einnahmen nicht nur in Automobilen und landwirtschaftlichen Maschinen, sondern auch in Möbeln, Kleiderstoffen und anderen Gebrauchs- und Lurusgegenständen an. Die Herren von der agrarischen Preffe, die mit ihrer guten Kinderstube" renommieren, erbringen den Beweis hierfür meistens dadurch, daß sie den Mangel an sachlichen Gegengründen durch persönliche Ausfälle zu ersetzen suchen. Deshalb sei ihnen vorweg empfohlen, aufs Land zu gehen und festzustellen, a) welche Maschinen, Automobile ufm. bie Landwirte vor Ausbruch des Krieges besessen und welche sie danach angeschafft haben, b) welche Getreidemengen.für die Landwirte heute in den Speichern von Genossenschaften und Kaufleuten zur Aufbe. wahrung" lagern. Das Ergebnis wird sie vielleicht dazu bewegen, ihr Argument, die Landwirtschaft sei von allen Betriebsmitteln entblößt", zu revidieren. Die größte Rolle unter den Gründen für den Schuh der Landwirtschaft" spielt die Behauptung, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse ständen weit unter denen für Industrieprodukte. Daß die gewerblichen Erzeugnisse heute teurer find als vor dem Kriege, ist richtig. Das trifft aber andere Berufe, z. B. die Lohn-, Gehalts- und Rentenempfänger, un vergleichlich schwerer als die Landwirtschaft. Sie Ponnten sich feine Borräte hinlegen, haben weder Milch noch Butter, die im Preise gestiegen sind, zu verkaufen, müssen viel mehr zum Teil mit weit unter dem Borkriegsstande liegenden Bezügen auskommen. Mit allen Kräften und Mitteln arbeitet die Landwirtschaft auf die Wiedereinführung von Getreidezöllen hin. Deutschland ist jedoch kein Getreideüberschußland. Deshalb sind Einfuhrzölle hier natur- und finnwidrig. Nirgends wird so viel von der Ertüchtigung des deutschen Volkes gesprochen als gerade in der Landwirtschaft. Hier soll nun das Wort in die Tat umgesetzt werden. Der Versuch, die Schutzölle durch Drohung mit ertensiver Wirtschaft zu erzwingen, steht hiermit im Widerspruch; er ist auch unangebracht, denn der Grund und Boden ist kein unbedingtes Eigentum des einzelnen, wie es etwa die persönliche Arbeitsfraft des einzelnen darstellt. Der Landwirt sizt vielmehr lediglich als Sach walter( Treuhänder) auf dem Grund und Boden, von dem das Volk seinerzeit Besiz ergriffen hat. Daß ungeeignete oder gleichgültige Landwirte felbst durch 3011 und andere Liebesgaben nicht zur Tüchtigkeit und zum Pflichtbewußtsein erzogen werden, haben wir vor dem Kriege genugsam erfahren. Es gab eine erhebliche Anzahl von Großgrund befizern, die nicht einmal das Einfommen eines Unterbeamten versteuerten, obwohl sie für ihren Haushalt 9000 bis 10 000 m. jährlich auf wendeten. Dabei bestimmte das Einkommensteuergesek, daß die Aufwendungen für den eigenen Haushalt steuerpflichtig find. Sie lebten eben schon damals von der„ Substanz. Auch die scharfsinnigsten Deduktionen der treibenden Agrarinteressenten können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Einführung von Getreidezöllen eine erhebliche Berteu es rung der Lebenshaltung nach sich ziehen würde. Die Industrie müßte die Löhne und die Preise für ihre Er zeugnisse erhöhen. Dadurch wäre ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Auslande beeinträchtigt. Sie ist aber in 3u funft mehr denn je auf Auslandsgeschäfte ange wiesen. Der deutsche Landwirt fauft ihr doch nicht alle Unser Adler muß nur seine Krone wieder haben, dann wird er sich alsbald von neuem in die Lüfte schwingen 礁 9230 und in die andere das Zepter vier Wochen einen neuen Dampfpflug ober eine neue Dresch maschine ab! Läßt aber die Industrie trop der Berteuerung der Lebenshaltung keine Erhöhung der Arbeiterlöhne ein treten, dann ist eine Verelendung weitester Boltsfreise unausbleiblich; denn die Entlohnung in der Industrie bildet den Maßstab für die Besoldung der Arbeitnehmer in allen anderen Berufen. Dann steht unsere gesamte Arbeiterschaft auf dem Lebensniveau des Wanderarbeiters" aus vergangenen Tagen. Daß Beamte, Rentenempfänger, überhaupt alle, denen die Möglichkeit zur Einkalkulierung von Teuerungsaufschlägen" fehlt, von dem Elend nicht verschont blieben, bedarf feiner weiteren Ausführung; denn von Leuten, die heute eine Erhöhung der Gehälter und Renten beantragen, in demselben Atemzuge aber erklären, teine Steuern zahlen zu wollen, ist ein Allheilmittel nicht zu erwarten. Die agrarischen Zeitungen schreiben, der Wert des Grund und Bodens sei gegen die Borkriegszeit um die Hälfte gefunten. Man vergleiche hiermit folgende Notizen, die aus dem letzten Julidrittel stammen: I. Aus Davenstedt bei Hannover: In der dortigen Gegend wurden für den Morgen Aderland notorisch 250 3entner Roggen gezahlt". Es handelt sich um Inanspruchnahme von Land au Siedlungszweden. II. Aus Reet, Proving Brandenburg: Bei der am letzten Freitag erfolgten neuen Verpachtung des Gemeindefirchenaders wur den hoho Preise geboten, der Morgen Land kam 60 m. und darüber. offentlich steigen auch im nächsten Jahre die Getreidepreise, fonft eine Möglichkeit, daß bel Aderlohn und Arbeit die Pächter auf ihre Rechnung fommen. Es wäre interessant, festzustellen: Zu I. Wie hoch der Ader preis vor dem Kriege in Dapenstedt war( der jezige Bert wird auf 250 3entner Roggen gleich rund 1600 M. für den Morgen beziffert). Welcher Wert ist der Steuerveranlagung zugrunde gelegt? 3u II. Wieviel Pacht für den Morgen Ackerland in Reek vor dem Kriege gezahlt wurde. Ich falkuliere, höchstens zwei Drittel des Betrages, den man heute bei der Unrentabilität" der Landwirtschaft bietet. Die naive Hoffnung auf das Steigen der Getreidepreise läßt jeden Kommentar überflüssig erscheinen. + Freitag, 15. August 1924 .To und den Reichsapfel in die Klaue ., Bauß, da liegt er!" OKOESTER Rürzlich hatte ich Gelegenheit, die Besigverteilung in einem oftelbischen Kreise fennen zu lernen. Danach befinden fich je in einer Hand: a) 4 Rittergüter als Besiz, b) 3 Rittergüter als Befiz und 1 Rittergut als Bachtung, c) 1 Rittergut als Besitz und 3 Rittergüter als Bachtung, d) dreimal je 3 Rittergüter als Besitz, e) 3 Rittergüter als Bachtung, f) 17mal je 2 Rittergüter als Besitz. Diese Häufung großer Wirtschaften in einer Hand läßt sich ebenfalls mit der angeblichen Unrentabilität der Landwirtschaft schwer in Einklang bringen. Bersuch einer organisierten Produktionssabotage im Keime zu Bolt und Regierung müssen auf der Huf sein, um jeden ersticken. Eine allgemeine Notlage der Landwirts haft tann nicht anerkannt werden. Selbst für den, der die Berhältnisse nicht aus eigener Ueberzeugung tennt, bildet schon der Lurus, der nach wie vor in gewissen agrarischen Kreisen getrieben wird, eine untrügliche Urteilsgrundlage. Und was lehrt uns jahrtausendelange geschichtliche Erfahrung? Lugus ist nur auf den Schultern des Elends anderer möglich! So war es bei den Römern, fo war es bei den Griechen, so ist es auch in der heutigen Welt. Also meg mit Agrarzöllen und mit allem, was dazu führen könnte, daß ein Teil des Volkes im Lugus erstidt, während der andere an Entbeh rungen zugrunde geht! Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Geschäftsstelle: Berlin C. 2. Kaifer- Wilhelm- Straße 46 m. Kamerabschaft Rehlendorf. Sonnabend, den 16. Auguft, abends 8 Uhr, bei Schnorre, Potsdamer Straße, Versammlung. Bea ratung über Beteiligung an einer Gründungsfeier einer benad barten Kameradschaft. Besprechung der Berfaffungsfeier. Touristen Berein Die Naturfreunde", Abt. Wedding. Jeden Dienstag in der Schule Lütticher Str. 47/48, 8 uhr. Gonntag, den 17. Auguſt, Treffahrt der nörblidhen Abteilungen nach dem Dewinfec. 46 Uhr Gesund brunnen. Dienstag, den 19. 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