Nr.384 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 196 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit" mit Gied lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille. Beile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 4.- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( aulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes meitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes meitere Mort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Es liegt auch im eigenen Interesse des neuen Regimes in Frankreich, seinen Ruf nicht länger durch die Willfürlichkeiten fleiner Militärdespoten tompromittieren zu laffen. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, so ist ein rascher und positiver Abschluß der Londoner Konferenz vorauszufehen. Die deutsche Delegation wird dann Anfang nächster Woche wieder in Berlin sein, und demnächst wird der Reichstag zusammentréten, um über die Ausführungsgesetze zum Dames- Plan zu beschließen. Pariser Indiskretionen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bostscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstraße 3 Knüppel mit Olivenzweig. Nackt ans faschistische Ziel! Rom, Mitte August 1924. So merkwürdig es scheinen mag, hat der Faschismus einen ungeheuren Glauben an Worte. Er produziert deren nicht nur quantitativ mehr, als irgendein anderes Regime. Mussolini leidet an chronischem Wortfluß und er sieht es nicht als lleberlastung des Faschismus an, dreimal in einer Woche eine politische Rede zu halten; wenn diese Reden unfrisiert auf die Nachwelt tommen sollten, würde der Widerspruch und das Durcheinander ihrer Ideen ein recht flägliches Zeugnis für einen politischen Kurs ablegen, der die Mitwelt glauben machen wollte, er sei eine Herrschaft des Geistes und der Tat. Merkwürdig ist es auch, daß ein Mensch, der das Bedürfnis empfindet, sich durch einen fast ununterbrochenen Redefluß zu erleichtern, noch diesen Kinderglauben an die Macht der Worte bewahrt. London, 15. August.( WTB.) Der amtliche englische Funtdienst meldet, daß Reichskanzler Marg und Reichsaußenminister Dr. Stresemann, als sie heute in Downingstreet vorsprachen, dem britischen Premierminister ein Schriftftüd mit der deutschen Antwort auf die franzöfifch- belgischen Vorschläge hinsichtlich der Frage der Räumung des Ruhrgebiets übergaben. Der Inhalt des deutschen Antwort find die alliierten Ministerpräsidenten in London Geschichte den Prozeß machen," oder:" Zurüd tehren wir Schreibens ist nicht bekannt. Es verlautet, daß die antwort von beträchtlicher Länge ist. Paris, 15. Auguft.( TU) Kanzler Marg, Stresemann und Luther haben sich heute abend um 6 Uhr zu Ramsay Macdonald degeben. Nach einer Meldung der Havas- Agentur nahmen die deutschen Minister unter gewissen Bedingungen den von Herriot festgesetzten Räumungstermin an, schlagen aber das nachstehende Verfahren vor: „ Das Schlußprotokoll der konferenz wird ausdrücklich das Versprechen der franzöfifchen und belgischen Regierung feststellen, ihre Truppen innerhalb eines Jahres aus der Ruhr zurückzuziehen. Andererseits werden die deutschen Delegierten bei dieser Gelegenheit einen formellen Vorbehalt hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des Ruhrunternehmens äußern." Die Besprechungen der deutschen Minister mit Ramsay Macdonald haben ungefähr eine Stunde gedauert. Sie haben Macdonaid den Inhalt der aus Berlin eingetroffenen Antwort mitgeteilt. 26 6,40 Uhr nahmen der amerikanische Botschafter Kellogg und Oberst Logan an der Unterredung teil. Die Deutschen brachen um 7 Uhr auf, während die Amerikaner noch ungefähr eine Biertelffunde die Unterredung mit Macdonald fortfehten. Die deutschen Minister tehrten nach ihrem Hotel zurück und hielten dort eine erneute Be. ratung ab. Um% 8 Uhr haben sie Herriot die Grundzüge der deutschen Antwort mitgeteilt. In unserer gestrigen Morgenausgabe meldeten wir aus London- im Gegensatz zur übrigen Presse, die alles schwarz in schwarz malte, daß eine Vereinbarung sichtbar werde, die Herriots Formel von der einjährigen Maximalfrist für die militärische Räumung unangetastet laffe, aber doch das Vertrauen Deutschlands zur Loyalität des französischen Räumungsversprechens zu stärken geeignet sei. Im Laufe der letzten vierundzwanzig Stunden ist nun die Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen einer solchen Bereinbarung außerordentlich gestiegen. Eine neue Lage hat sich herausgebildet. Die Versuche der Franzosen, zwischen der Räumungsfrage und der deutsch- französischen Handelspolitik eine Verbindung zu schaffen, sind fallen gelassen worden. Von einer Einschränkung der deutschen Handelsvertragsfreiheit über den 10. Januar 1925 hinaus, insbesondere von einer weiteren Zulassung der zollfreien elsaß- lothringischen Kontingente, ist nicht mehr die Rede. Die wirtschaftliche Räumung wird sofort beginnen und total sein, d. h. es wird von der französisch- belgischen Regie nichts übrig bleiben, auch nicht die 4000 Eisenbahner, deren Belassung zunächst vor gesehen war. Aber auch die militärische Räumung wird, von den süddeutschen Sanktionsgebieten ausgehend, sofort beginnen und spätestens bis zum 15. August 1925 beendet sein. Es ist vorauszusehen, daß diese Räumung nicht nur das Ruhrgebiet, sondern auch das Sanktionsgebiet von Düsseldorf- Duis burg und im Gegensatz zur These Poincarés, daß die Fristen noch nicht zu laufen begonnen hätten- auch die nördliche Rone des vertragsmäßig besetzten Gebiets betreffen wird. Wenn sich die Dinge so entwickeln, so wird in den weite ften Kreisen des deutschen Volkes begriffen werden, daß die Sicherheit der Räumung eines so ausgedehnten Gebiets innerhalb einer genau bestimmten Frist wichtiger ist als der Streit darüber, ob die Räumung des Ruhrgebiets ein paar Monate früher oder später vorgenommen wird. Nur muß das ist selbstverständlich- diese Sicherheit auch wirklich gegeben sein. Hoffentlich gelingt es der Londoner Konferenz, eine Formel zu finden, die das in Deutschland noch immer weit verbreitete Mißtrauen in die Ehrlichkeit und Unbedingtheit der französischen Räumungsabsichten zu beseitigen imstande ist. Die Anregung dazu ist durch den Vorschlag der deutschen Delegation, das Räumungsversprechen einem internationalen Protokoll einzuverleiben, gegeben. Die Frage der Räumungsfrister fann weiter auch dadurch Die Frage der Räumungsfrister kann weiter auch dadurch entgiftet werden, daß sich die Besatzungstruppen bemühen, bei der Bevölkerung fein allzu schlechtes Andenken zu hinterlassen. Hier darf auf das Beispiel der Engländer in Köln hinT Paris, 15. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) In Erwartung der Freitag vormittag, 10.30 Uhr, zu einer Sizung zusammengetreten. Dabei ist es zu einem scharfen englisch- französischen Zwischenfall gekommne. Nach der„ Liberté" soll es Macdonald, nach dem Temps" Snowden gewesen sein, der an Herriot die Frage gestellt habe, ob die franzöfifche Delegation nicht eine Berfürzung der von ihr für die Räumung des Ruhrgebiets verlangten Frist von einem Jahre eintreten laffen fönnte, in Anbetracht der Tatsache, daß die deutsche Delegation gegenüber ihrer Regierung in dieser Frage durch Prestige Engagements gebunden sei und andererseits ein Scheitern der Konferenz die verhängnisvollsten Folgen für ganz Europa haben müsse. Da man über das Prinzip der Räumung cinig fei, warum wolle die französische Regierung da nicht eine großzügige Geste machen, durch die alle Schwierigkeiten über. wunden würden? Herriot soll darauf in großer Erregung geantwortet haben, daß er nur ein Wort habe; er habe loyal seine Politik auseinandergesetzt und er müsse sich auf das Entschiedenste weigern, daran rütteln zu lassen. Er könne auch niemand das Recht zugestehen, Frankreich Großmut zu empfehlen. Wenn Frankreich die Stunde gekommen halte, eine Gefte der Großzügigkeit zu machen, so würde es das tun, ohne einen Anstoß von dritter Seite ab zuwarten. Er müsse es unter diesen Umständen auf das Entschiebenste ablehnen, den englischen Vorschlag erörtern zu lassen. Wie der„ Temps" mitteilt, soll die von Macdonald am Don. nerstag gegen die deutsche Delegation eingenommene Haltung in den politischen Kreisen scharfe Kritik gefunden haben. Mehrere englische Politiker hätten versucht, ihre guten Dienste für eine Ver= mittlung zwischen Frankreich und Deutschland anzubieten, seien aber bei den Franzosen auf die schärfste 2 blehnung gestoßen. Der„ Temps"-Korrespondent glaubt, daß die Antwort, die die deutsche Delegation von Berlin erwartet, fie aller Boraussicht nach ermächtigen werde, die französischen Räumungsbedingungen unter gewissen Vorbehalten anzunehmen. Es werde zu erwarten bleiben, ob die deutsche Delegation die französische Haltung in der Räumungsfrage zum Vorwand nehmen werde, um neuerdings zu behaupten, daß ihr die Unterschrift unter das Protokoll der Londoner Konferenz abgezwungen sei und ob sie eine Bergeltung für ihren Mißerfolg durch Unnachgiebigkeit in den weiteren noch ungelösten Fragen des Konferenzprogramms, der Lieferung von Farbstoffen, sowie der Frage der Verfehlungen zu nehmen versuchen werde. Der Paris Soir" tritt am Freitag Abend entschieden für die rasche Räumung des Ruhrgebiets ein, da die Aufrechterhaltung der Besatzung eine Fortsetzung der Politit Poincarés bedeuten würde. Der Temps", der für die Entwicklung der Dinge in London schon am Donnerstag der französischen Delegation die Schuld beigemessen hat, weil fie, statt die Debatte ausschließlich auf wirt fchaftlichem und finanziellem Gebiete zu führen, sich auf bas politische Gebiet der Sanktionen und der Ruhrräumung verlegt habe, zitiert am Freitagabend eine Reihe sozialdemokratischer und demokratischer Pressestimmen aus Deutschland als Beweis dafür, daß es sich bei der Forderung nach unverzüglicher Räumung des Ruhrgebiets teineswegs um das Wert einer nationalistischen Propaganda handle. Das Blatt glaubt jedoch, die Hal tung der französischen Delegation mit dem Hinweis darauf rechtfer tigen zu können, daß Frankreich ein Recht habe, diesmal skeptisch zu sein, bis es für die Durchführung des Dawes- Planes Garantien in der Hand habe, nachdem die Versprechungen, die es im Friedensvertrag und im Londoner Zahlungsplan erhalten habe, nicht erfüllt worden seien. Wozu nur zu sagen wäre, daß diese Bersprechungen" rüdsichtslos erpreßt waren, während jetzt frei vereinbart werden sollte. Aufstand in Afghanistan. Moskau, 15. Auguft.( WTB.) Nach einer Meldung der Russischen Telegraphen- Agentur aus Tashkent vom 11. Auguſt iſt in Afghanistan plöglich ein neuer ernster Aufstand gegen den Emir und seine Reform politit ausgebrochen. Nach der gleichen Meldung haben die Aufständischen einen neuen Thron prätendenten, Abdul Kerim, aufgestellt, der sein ganzes Leben in Indien verbracht habe. Die Verbindung zwischen Ra but und den Regieruagstruppen ist unterbrochen. Unter den Ausländern herrscht Banit. Wenn Mussolini gesagt hat:" Dem Regime tann nur die nicht," oder:„ Wir sind entschlossen, das" Baterland und den Faschismus mit jedem Mittel zu verteidigen," und wenn darauf die übliche" begeisterte Ovation" gefolgt ist, dann ist„ mit einem Schlag alles anders geworden". Der Faschismus ist dann einiger und gewaltiger geworden und die Opposition noch blasser und miserabler". Aber nicht nur den Trußworten, sondern auch den Worten des Friedens und der Versöhnung wird eine solche Wundermacht zugeschrieben.„ Es ist eine der Illusionen Mussolinis," meint der" Corriere della Sera", sich von Zeit zu Zeit einzubilden, daß er eine Art Olivenzweig in der Hand hat, oder vielmehr: daß er der Opposition einen Sn üppel entgegenstrecken kann, auf dem durch ein Wunder ein 3 weig des Friedensbaumes sprießt." In das Gebiet der Illusionen der aus dem Knüppel sprießenden Olivenzweige gehört auch ein Sazz, den Mussolini in der Schlußsigung des Nationalrates am 7. August ausgesprochen hat:" Wir müssen die Geschäfte ignorieren, wenn nicht gar verachten, müssen es ablehnen, von ihnen reden zu hören.( Lebhafter Beifall.) Wir müssen erklären, daß fie Noch unserer ganzen Geistesrichtung völlig fremd find.. etwas anderes ist zu sagen. Wir haben etwas durch Eitel= feit gesündigt. Zu viel Titel, zu viel Orden. Das alles mußten wir den anderen überlassen; wir mußten den Stolz haben, nackt ans Ziel zu kommen." ... Man greift sich an den Kopf; Olivenblätter auf dem Faschistentnüppel würden einen weniger verblüffen, als diese Worte. Noch nie hat eine Partei in Italien so ausgiebig und mit solcher Hingetung Geschäfte betrieben, große Geschäfte, mittelgroße und kleine, wie die faschistische. Man denke an die vergnügliche Veräußerung der Kriegsmaterialien, an die Vergebung der öffentlichen Arbeiten ohne öffentlichen Weitbewerb, an die einträglichen Vermittlungen Filippellis! Um nackt ans Ziel zu fommen, also etwa in derselben Verfassung, in der diese Biedermänner auszogen, den Staat zu erobern, müßte eine Art Götterdämmerung hereinbrechen. Wer entfleidet sie ihrer Automobile, ihrer Brillanten und Pelze, ihrer Villen und Kurtisanen, ihres parvenühaften Progentums? Wer zeigt ihnen ein Ziel, wenn man das des materiellen Reichtums nimmt? Mag sein, daß Mussolini die Geschäfte, die sich im Umfreis des faschistischen Journalismus machen, verachtet, ignorieren tut er sie nicht. Böse Zungen sagen, daß es Mussolinis bester Freund war, ein noch weit intimerer Freund als Cesare Roffi, der seinerzeit vorschlug, die Aktien des„ Corriere Jtaliano" auf den Namen Arnoldo Mussolinis zu schreiben, des Bruders des Diktators! Um nadt ans Biel zu kommen, muß man in anderem Geiste ausichen, vor allem muß man ein Ziel haben außer dem, sich ausgiebig, warm und elegant einzukleiden. Wir verstehen, daß solche Worte den tosenden Beifall der Faschisten entfesseln, weil ihnen eine weitere Wirkung nicht beschieden ist; daß die blaffe und miserable Opposition' über sie lacht, spielt feine Rolle. In der letzten Woche hat Mussolini dreimal geredet und niemand kann von uns verlangen, daß wir über diese drei Reden berichten. Außer dem Grundsatz des Nacht- ansBiel- kommens, dessen Durchführung bis nach der Seelenwanderung vertagt werden dürfte, haben wir erfahren, daß der Faschismus fich mit Gegenwartszielen begnügt, was fich ganz mit der Lebenskunst seiner Führer deckt, die auf das " Bereichert euch!" eingestellt ist; wir haben den Nationalrat in einem Atem dem Könige huldigen und die Umgestaltung der Verfassung im Sinne schnellerer und vollständigerer faschistischer Besizergreifung des Staates beschließen sehen und schließlich hat uns Mussolini belehrt, daß der Faschismus eine ländliche Erscheinung ist und seinen Entartungen in der Stadt die reine und echte Art des geraden und groben Faschismus der Provinz als Gegenpart und Vorbild entgegenzustellen ist. Aus dem ungeheuren Wust von Worten kann man das eine herausschälen: Mussolini glaubt, daß ihm heute Farinacci und die anderen Häuptlinge der Brovinz, die auf der Tagung 42 ganz unverfroren erklärten, wieviel Mann sie ausheben könn-| ten, mehr nügen werden, als die Einlösung des dem Senat gegebenen Versprechens der Rückkehr zur Gefeßlichkeit. Hört man das Loblied auf den Faschismus der Provinz, so denkt man unvillkürlich an die jungfräulichen Hände", in denen nach Farinaccis eigenen Worten das Testament der toten Faschisten ruht, man denkt an den Knüppel, den derselbe Farinacci dem Einheitssozialisten und Kriegsinvaliden Abg. 3aniboni hinhielt mit der Aufforderung, daran zu riechen, da an ihm das Blut vieler Freunde Banibonis klebe, man denkt an die Parole Viva Dumini", die bei einer offiziellen Kundgebung in Sala Baganza( Barma) in Gegenwart des Präfekten erscholl. Man denkt an die Forderung der Wiedereinführung der Todesstrafe, der administrativen Verschickung der politischen Verbrecher, der Aberkennung der italienischen Staatsbürgerschaft für die von den Faschisten Berbannten, die ins Ausland flüchten: es erschließt sich eine ganze Vendee des Geistes. Dieser Drang Mussolinis, sich wieder dem Lande zu wenden, auf dem der Faschismus seine erste blutige Aussaat gehalten hat, hat natürlich einen sehr praktischen und positiven Grund. Die Häuptlinge der Provinz wollen von der Rüdtehr zur Gefeßlichkeit nichts wissen; ein gesetzlicher Faschismus" ist für sie wie ein ausgeblasenes Ei. nötigen, ab zurüsten. Auch wenn er Heute die Kraft dazu hätte, würde Mussolini das nicht tun, weil er glaubt, ihres bewaffneten Aufgebots möglicherweise zu bedürfen. Hier liegt der Schlüssel des Sieges der Farinacci und der Rückkehr zu Wald und Wiese. Der Provinz zu Ehren hat man auch die Ernennung einer Kommission aus 5 Abgeordneten, 5 Senatoren und 5 Gelehrten beschlossen, die bis zum Oktober eine faschistische Verfassungsreform ausarbeiten soll, um sie dem Hohen Rat zur Bestätigung vorzulegen, nach dessen Billigung fie die Kammern anzunehmen haben. Bis Oktober ist es zwar nicht viel Zeit, um eine Verfassungsreform auszuarbeiten, aber bis dahin kann manches geschehen, was weder Farinacci noch Mussolini zu zügeln vermögen. Interessen des Reiches obliegt, diese Provokation stillschweigend hinnehmen? Weiteste Kreise. Deutschlands werden durch solche die Reichsverfassung verunglimpfenden Demonftrationen einer Landesregierung beleidigt und abgestoßen. Das Reich und seine Verfassung werden dadurch vor den Augen des Auslandes herabgesetzt. Als seinerzeit der bayerische Innenminister sich den" hannoverschen Separatisten gegenüber ähnlich verhielt wie das thüringische Ministerium zu den nationalsozialistischen Verfassungsfeinden, unternahm der preußische Ministerpräsident die notwendigen Schritte bei der bayerischen Regierung. Sie hatten vollen Erfolg. Allerdings: die preußische Regierung ist nicht die Reichsregierung. Wenn heute auf einmal die Provinz Trumpf ist, so liegt Ludendorffs Wunder.- Spaltpilze.- Die Entweihung. das an der Unruhe, mit der die offiziellen Kreise des Faschismus den Enthüllungen des Prozesses der„ Nationalsozialistischen Freiheitspartei" wurde am Freitag vorWeimar, 15. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Parteitag gegen die Mörder Matteottis entgegensehen. Farinacci hat sich auf der Tagung des Nationalrates als mittag im Deutschen Nationaltheater zu Weimar eröffnet. Luden= Wortführer des Provinzialfaschismus gerühmt:„ Wir begehendorff und andere völkische Führer" waren bereits im Laufe des teine idiotischen Verbrechen", was eine Aufnahme der Tat in dorffs, der zu einer großen Demonstration werden sollte, war Donnerstags in Weimar eingetroffen. Der Empfang Ludendas Inventar des faschistischen Befißstandes bedeutet. Ein täglich, denn außer wenigen Gymnasiaften hatten sich nur großer Faschist des Zentrums, nicht der ländlichen und lauteren einige Stahlhelmleute am Bahnhof eingefunden. Die Tagung im Peripherie, besteht auch auf dieser Inventarisierung, nämlich Nationaltheater wurde von Gottfried Feder Berlin eröffnet, Carlo Bazzi, der Chefredakteur des„ Nuove Paeso", der aus der Herrn Ludendorff als Frontfoldaten, als Feldherrn und auf Solange Mussolini glauben fonnte, im Zentrum starf zu Paris eine nicht uninteressante Erpressungstampagne Brund seiner„ Taten" am 9. November 1923 als„ deutschen Mann" sein, fonnte er es riskieren, die Peripherie zur Ordnung zu führt. Er sagt: Entweder ist die Tat ein Verbrechen der feierte. Der Redner, der tags zuvor Hitler im Gefängnis befuat rufen; solange er sich politisch fest im Sattel fühlte, fonnte er faschistischen Partei, und dann dringen die Oppositio- hatte, überbrachte gleichzeitig die Grüße dieses Putschisten an den fich bei den Häuptlingen, troß ihres Aufgebots an Bewaffnen, die volle Klarheit fordern, unfehlbar auf den Bürger Parteitag. Weiter führte er aus, die Nationalsozialisten feien nicht neten, Respekt verschaffen. Heute steht es mit der krieg, da Mussolini es sich selbst, der Partei und der Ge- zusammengefommen, um parlamentarisch abzustimmen, sondern um politischen macht etwas kläglich. In den 22 Mo- schichte schuldig ist, die Herrschaft des Faschismus über das die Stimmung der Gefolgsleute aus dem Reiche zu hören, damit die naten faschistischer Herrschaft sind aus der Regierungs Land zu behaupten; oder es ist ein gemeines Verbrechen, Führer ihre Befehle ergehen lassen könnten. Er bezeichnete es mehrheit ausgeschieden: Die klerikale Volkspartei dann hat die Sache fein weiteres Intereffe." Sinn seines schließlich als ein unerhörtes Glüd, daß die völkische Bewegung wegen der Wahlreform, die D e motraten wegen der For Schreibens ist für die Opposition: hört mit eurem Drängen einen„ Führer" wie Ludendorff befize. derung der Regierungsliste als Individuen, nicht als Bertreter auf, sonst gibt es Bürgerkrieg, und für Mussolini: mache es ihrer Partei beizutreten, die Bauernpartei, im An- mir rentabel, manches zu verschweigen, sonst gibt schluß an die Enthüllungen über die Ermordung Matteottis, es Standal. und jetzt drohen die ministeriellen Liberalen, die schon seit der Aufhebung der Breßfreiheit ungnädig waren, ihre eigenen Wege zu gehen, und auch die Heimkehrer haben Mussolinis Unwillen erregt, weil sie die Rückkehr zur Tradition des Risorgimento gefordert haben. Daß alfo der Faschismus heute gerade eine Periode der politischen Hochkonjunktur erlebte, fann man nicht behaupten. Daher seine virgilianische Sehnsucht nach dem Landleben. In der friedfertigen Sprache, deren sich Mussolini befleißigt, klingt die Sache so: wenn der Faschismus im Parlament geschlagen würde, hielte er seine Stellungen in 75 Provinzen. Daß die Regierung sich heute dem Faschismus der Provinz nicht mehr gewachsen fühlt, geht aus verschiedenen„ Kleinigkeiten" hervor. In Pisa hat ein Faschist vor einigen Monaten eine Reihe gemeiner Verbrechen aufgedeckt, bei denen zwei Personen ums Leben kamen, deren eine durch Mitschuld der Behörden dann als Selbstmörder beerdigt wurde: die Schuldigen standen an der Spize der faschistischen Bewegung der Provinz. Der Anzeiger ist dieser Tage aus der faschistischen Partei ausgeschloffen worden, die sonst nicht so eilig ist mit dem Ausschließen, da sie doch die Rossi, Marinelli, Dumini und Filippelli weiter zu den ihren zählt. Wegen Ermordung eines Landarbei ters in Melinella ist gegen den Faschisten Regazzini ein Haftbefehl erlassen worden. Trotzdem ist Regazzini nicht etwa flüchtig, man hat ihm sogar nach der Tat und nach dem Haft befehl ein Bankett gegeben, an dem faschistische Autoritäten teilnahmen und an dessen Schluß dem von den Gerich ten Gesuchten eine goldene Medaille über reicht wurde. Unlängst wurde dann der Herr in das faschistische Direktorium der Provinz Bologna gewählt, Die ProDinz pfeift auf das, was vom politischen Standpunkte aus als guter Ton" erscheinen muß. Um die Provinz zur Legalität zu zwingen, müßte man sie Besuch bei Romain Rolland. Von Hans Wesemann( Genf). Man geht noch feine kleine Viertelstunde von Territet aus, immer am blauen Cenfer See entlang, mit dem Blick auf den Dent du Midi, bis man nach Villeneuve fommt, wo der große, weise Europäer wohnt. Durch einen stillen Garten steigt man zu der „ Villa Olga" empor. Bienen schwärmen um Bienenstöcke, ein schwerer, süßer Duft weht von den Fliedertrauben, die das Hans umranken, eine schöne, schwarze Kaze springt in dem hohen Grafe nach den Mücken, hinten im Garten schmettern ein paar Finken. Ich stehe im Empfangszimmer und warte auf ihn. An den Bänden hängen japanische Seidentapeten, Stiche von Calot und moderne Landschaften dazwischen. Hohe Bücherregale; ich unterscheide: Racine, Goethe, Briefwechsel Wagners mit Liszt und dort, halb aufgeschnitten, auf dem Tische die„ Sonette der Gefangenen" von Ernst Toller. Die Tür geht auf, wir begrüßen uns, dann fizen wir einander gegenüber und plaudern von deutscher Literatur und Musik. Er erzählt von Toller, den er fennt und liebt; zu seinen Sonetten hat er die Vorrede geschrieben. Auch Sternheim fennt er. Sein Napoleon ist„ delicicur"- und dann nennt er sie alle: Unruh, und dann nennt er sie alle: Unruh, Werfel, Zech... und plötzlich der Name Gerrit Engelke.„ Ja, ich habe ihn gelesen, er war ein Stück deutscher Seele, ein deutscher Arbeiter. Sehen Sie, mir schreiben so viele junge deutsche Freunde, sie haben so viel Mut und ehrlichen Willen, die Welt zu bessern, die wir Alten verdorben haben, es ist überall dasselbe, auch bei uns in Frankreich." Und er erzählt vom neuen Geiste des jungen Frankreich, das entschlossen, oft rücksichtslos, aber immer ehrlich, mit den alten Traditionen bricht und eine neue Erkenntnis des Wie man sieht, will fein Gott Mussolini vor seinen Freunden schüßen, weder vor den inneren, die in den Redaktionen oder im Gefängnis sizen, noch vor denen in Paris. Er muß zurüd aufs Land", wo man nicht lesen und schreiben tann. Darum hat auch die letzte römische Ovation" mit einem Sturm auf den Verband der italienischen Breffe geendet...= Gegen Verfassung und Republik. Demoustrationen der thüringischen Regierung. Als Weimar am 11. August der Mittelpunkt der von Reichsregierung und Reichstag beschlossenen Verfassungsfeier wurde, zog es das thüringische Kabinett vor, aus Weimar zu flüchten und sich während der Feier nicht vertreten zu lassen. Das war eine Ungezogenheit mit politischer Spize. Augenblicklich tagt die Nationalsozialistische Partei in Weimar, jene Partei, die den Kampf gegen Republik und Weimarer Verfassung und die Errichtung der Diktatur an die Spize ihres Programms gestellt hat. Die Partei, die sich des öfteren zum gewaltsamen Umsturz bekannt und den Münche ner Butsch auf dem Gewissen hat. Ludendorff, die ungeistige Größe dieser Partei, hielt es für angebracht, in seiner Eröffnungsrede die Tagung der verfassunggebenden Nationalversammlung im Weimarer Nationaltheater als eine Entweihung des Hauses zu bezeichnen. Und diesmal ist die thüringische Regierung nicht abwesend von Weimar. Sie ließ den Nationalsozialisten die besten Wünsche für das Gelingen des Parteitages übermitteln, sie gestattet, daß auf dem staatlichen Nationaltheater Hakenkreuz- und schwarz weißrote Fahnen gehißt werden. Damit wird aus der Ungezogenheit eine politische Demonstration gegen die Republik und die Weimarer Verfassung. Will die Reichsregierung, der die Wahrung der Da Er schweigt und gibt mir zum Abschied die Hand. Ich bitte ihn um ein Wort, das ich nach draußen mitnehmen kann. schreibt er auf die kleine Druckschrift des französischen Hilfskomitees ein paar Zeilen, die in deutscher Uebersetzung etwa folgendermaßen lauten:„ Für Hans Wesemann, damit er in Deutschland von diesem besseren Frankreich Zeugnis ablegen fann. Romain Rolland." " Ich kann mich dieser hohen Pflicht nicht beffer entledigen, als daß ich einem ehemaligen Feinde" selber das Wort gebe. Die nachfolgenden Worte sind eine wörtliche Uebersehung aus dem monatlichen Bulletin des französischen Kinderhilfskomitees: ,, Tourcoing, 26. Januar 1924. Meine Damen und Herren! As Abonnent der„ Ere Nouvelle" habe ich mit einer gewissen Rührung den menschenfreundlichen Appell von Romain Rolland zugunsten der Kinder unserer ehemaligen Gegner, der Deutschen, ge= lesen. Ich wurde am zweiten Tage der Mobilmachung eingezogen tam ich in die Gefangenschaft nach Deutschland, wo ich viel geund im September 1914 in Maubeuge gefangen genommen. Dann litten habe, besonders während der Zeit, die ich in Rußland verbringen mußte. Während dieser ganzen Zeit waren meine Frau und meine beiden kleinen Kinder im besetzten Gebiete, wo sie jahrelang Hunger leiden mußten, und ich fand bei meiner Rückkehr im Dezember 1918 fie alle drei unterernährt und elend vor. Und Kinder derjenigen bestimme, die meine Angehörigen und mich doch lege ich diesem Briefe hundert Franken bei, die ich für die lich zu sein. Ich glaube an eine bessere Zeit, und ich sehe in leiden ließen. Als Sozialist und Franzose bemühe ich mich, menscheiner hoffentlich nahen Zeit Franzosen und Deutsche sich lieben, anstatt sich zu haffen, und bei gemeinsamer Arbeit an dem großen Werke, die Völker zu versöhnen. Mit aufrichtigen Grüßen Ihr I. D." Bon Adam Schall. Was für sonderbare Blüten der Rotkoller manchmal treibt, wissen die Leser des„ Borwärts" ja aus manchem Beispiel. Andererseits sind auch die wilden Gedankensprünge der Nationalisten aller Länder bekannt. Was aber daraus wird, wenn französischer Nationalismus und Rotkoller sich vereinigen, dafür konnte man dieser Tage ein interessantes Beispiel lesen. Menschen und des Lebens will. Sie suchen Berbindung mit den Der alldeutsche Karl Marx und das Bleiweißverbot. jungen Deutschen und Verständigung ohne dabei pazifistische Ideologen zu sein aber sie sind pazifistisch.( Ich denke an Roethe, Franz von Wendrin, Hitlerknaben und schweige.) Wir wollten nicht von Politik sprechen, aber nun erzählt er doch von Lem franzöfifchen Hilfskomitee für Kinder" und von seiner Sammlung für deutsche Kinder.„ Ja, Frau Millerand hat allerdings deshalb den Ehrenvorsiz niedergelegt, aber dafür haben uns ehemalige Kriegsgefangene und Soldaten Geld für die deutschen Kinder geschickt und die französischen Mütter aus Douai, das am schwersten unter der deutschen Besetzung gelitten hat, gaben uns gleichfalls ihren Obolus für die hungernden Kinder Deutschlands". 11 Er spricht noch weiter. Ich betrachte sein bleiches, etwas müdes Gesicht, das mit den großen blauen Augen hinter den Brillengläsern an Verlaine erinnert, und ich verstehe plötzlich diesen Austruck leiser Traurigkeit, der über seinem Gesichte dämmert. Es ist zu viel, neben einem eigenen, großen und ganzen Leben noch die Last dieses franken Europa duldend und teilnehmend mit zu leben. Er ist wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt. Der Mann, an dem dieser komplizierte Krankheitsfall aufgetreten ist, ist nicht etwa ein in der Demagogie der gewöhnlichen bürgerlichen Tagesschreiberei untergehender Journalist, sondern ein würdiger, ernsthafter alter Gelehrter, nämlich der alte Yves Guyot, Chefredakteur der wissenschaftlichen Zeitschrift Journal des Economistes". Ein Mann von beiläufig 80 Jahren, alter republikanischer Kämpfe schon aus Napoleon 111. Zeiten, Verfasser eines interessanten Buches gegen die katholische Kirche und vieler volkswirtschaftlicher und politisch- historischer Werkte. als drei Seiten Raum zu einer Polemit gegen das vom internatioEr nimmt sich im letzten Heft seiner Zeitschrift nicht weniger nationalen Arbeitsamt des Bölterbundes geplante Bleiweißverbot. Er setzt auseinander, daß das Fabrikationsverfahren nach Thénard las mit dem Monofel in der Hand- seine Rede vom ManuAls nächster Redner, trat Ludendorff auf den Plan und stript. Er sagte u. a.:„ Der 9. November 1923 gibt mir das Recht, hier zu sprechen. Mein 3ug in den Straßen Münchens war geführt worden, um die völkische Bewegung zu retten. Wie durch ein Wunder bin ich und Hitler den Anschlägen meiner Gegner entkommen. Wir wollen ein freies Deutschland. Wir verlangen von der Bewegung, daß sie planvoll und systematisch arbeitet, denn wir wollen die Macht im Staate erringen. Die Lösung der Arbeiterfrage nimmt die erste Stelle im nationalsozialistischen Programm ein, dann folgt die Brechung der Macht des internationalen Kapitals. Aber auch die konfessionelle Frage bedarf der Erledigung. Wir sind uns besonders darüber im flaren, daß es der nationalsozialistischen Bewegung noch ganz erheblich an Bucht fehlt, weil die deutsche Weltanschauung bei den einzelnen in der Bewegung noch nicht fest verankert ist. Die Unentbehrlichkeit der Landtags und Reichstagsfraktionen wird jeder von uns trotz unserer Stellung zum Parlamentarismus einsehen. Sie haben die Aufgabe, für die Bewegung günstige Positionen in der Gesetzgebung zu schaffen." Nachdem Ludendorff die Führer der Nationalsozialisten in den Himmel gehoben hatte, sprach er von den Spaltpilzen in der Unterführerschaft und verlangte Zucht von der Jugend.„ Die Männer," so sagie er,„ die den Weltrieg mitgemacht haben, haben den Segen der Manneszucht an ihrem eigenen Leibe zu spüren befomen." Im letzten Teil seiner Rede sprach Ludendorff von der Entweihung" des Deutschen Natio naltheaters. Er mollte damit auf die Tagung der deutschen Natio= nalversammlung und die Verfassungsfeier anfpielen. # Dann begann die große Reihe der Vorträge, deren über 20 für den Parteitag vorgesehen sind. Außer diesen Vorträgen sind sechs öffentliche Versammlungen vorgesehen, in denen Ludendorff sprechen soll. A. Barthels sprach über die geistige Vertiefung der Bewegung und vertrat seinen alten völkischen Standpunkt in bezug auf die Reinigung der Literatur von dem jüdischen und internationalen Einfluß. Nach Vorträgen über die Presse und die Organisation trat man in eine Mittagspause ein. Am Nachmittag wurden nur organisatorische Fragen behandelt. Gautier gegenüber dem sogenannten holländischen Verfahren der Herstellung von Bleiweißpulver ohnehin schon die Vergiftungsgefahr auf ein Minimum herabgesetzt habe und im übrigen strenge Reinlichkeit genüge. Er zitiert den englischen Sachverständigen Sir die Sozialisten aller Spielarten, daß alle Philanthropen und NeuThomas Oliver als Kronzeugen und macht sich darüber lustig, daß rastenifer, unbelastet von Sachfenninis", sich auf dieses Problem des Arbeiterschutzes gestürzt hätten. Soweit der Rotkoller; und soweit fönnte man die Sache auf sich beruhen lassen, denn Yves- Guyot hat über das Bleiweißverbot nicht zu entscheiden. Aber zum Schluß faßt der Alte allen Haß feines langen Lebens zusammen in ein klassisches Zitat aus seinem neuesten Buch über Barlamentarische und atavistische Politik", in dem der verblüffende Cazz steht: " ,, Die Friedenstonferenz hat alle Anstrengungen der Sozialiften zusammengefaßt und dadurch Karl Marr Entwurf einer Internationale verwirklicht. Die Sieger über Deutschland haben fich verwandelt in Vorfämpfer dieser neuen Form des Alldeutschtums." Und das Bleiweißverbot, so meint er, sei auch nur ein Ausfluß diefer im Grunde alldeutschen international- sozialistischen Einstellung. Wenn also das internationale Arbeitsamt in Genf über ein Bleiweißverbot diskutiert, so ist das ein Beweis für nicht weniger als folgende Behauptungen: 1. Der Völkerbund ist eine sozialistische Einrichtung. 2. Der Völkerbund ist aber auch eine alldeutsche Einrichtung. 3. Die Friedensfonferenz hat eine Internationale im Geiste von Karl Marr errichtet. 4. Diese Internationale ist eine alldeutsche Einrichtung. 5. Karl Marx ist der geistige Vater des Alldeutschtums. Frankreichs, vom Chefredakteur mit Namen gezeichnet. Man sieht: Das ist zu finden in einer ersten wissenschaftlichen Zeitschrift Rotkoller und französischer Nationalismus ist entschieden eine intereffantere Komplitation von Krankheiten als Rottoller mit deutschem Nationalismus. Institut für Buchkunde. Der Deutsche Verein für Buchwesen und Schrifttum hat sein Organ umgestaltet: von dem Direktor des Museums für Buchwefen und Schrifttum, Prof. Albert Schramm in Leipzig herausgegeben, beginnt jetzt eine Beitschrift für Buch kunde" zu erscheinen. Eine wissenschaftliche Darstellung der Buchfunde erklärt Schramm auf Grund einer Umfrage nur auf dem Wege einer Organisierung der Arbeit für möglich. Eine solche ist aber seiner Ansicht nach einzig und allein an den Universitäten zu bewerkstelligen, und zwar durch die Gründung von Institutten für Buchkunde. Das Verlangen, ein solches Institu: an jeder Univerſität zu erreichten, erscheint auch ihm zu weitgehend. Aber diejenigen Universitäten, in deren Stadt das Buchgewerbe besonders blüht, sollten es als Ehrenpflicht ansehen, hier zu helfen, vor allem Berlin, München, Leipzig und Frankfurt a. M. Dazu bedürfte es feiner besonders großen persönlichen Aufwendungen. Die Bibliotheken und Museen des Ortes müßten die als Honorarprofessoren anzustellenden Dozenten im Nebenfach hergeben. Dazu fämen Sammlungen und Handbüchereien, wie sie Leipzig in seinem Büchermuseum schan hat. Auch in Berlin wäre das Institut im Zusammenhang mit der Staatsbibliother unschwer zu verwirklichen: das seinerzeit von der Hände weg von den Agrarzöllen! Mahnung des Außenhandelsverbandes. Mit außerordentlicher Schärfe kennzeichnet der Außenhandelsverband die schweren Gefahren, die bei einer Durchführung der Agrarzölle der äußeren und der inneren Wirtschaftspolitik erwachsen. Der genannte Verband schreibt: In der denkwürdigen Sigung vom 8. August d. I. hat der Reichsra: die Regierungsvorlage vom 15. Juli betr. Wiedereinführung der Agrerzölle und Verlängerung des Ermächtigungsgesetzes unverändert angenommen. Er hat diese weittragenden Beschlüsse, ebenso wie der Reichswirtschaftsrat, nur mit geringer mehr heit gefaßt. Die Entscheidung stand auf des Messers Schneide. Das Grgebnis wäre anders gewesen, wenn nicht die preußischen Provinzen ein selbständiges Stimmrecht im Reichsrat hätten und in der Lage gewesen wären, das Botum der preußischen Staatsregierung durch gegenseitige Stellungnahme zu durchkreuzen. Passiert nun die Vorlage ungefährdet noch die dritte parlamentarische Instanz, so ist die Bahn frei für eine agrarische und industrielle Hochschu3301 I politit. Diese Gefahr ist dringend, wenn auch die Mehrheit in der Reichsregierung zurzeit noch für einen gemäßigten" Schutz eintreten mag, wie u. a. aus wiederholten Erklärungen des Reichswirtschaftsministers hervorgeht. Der Begriff„ mäßig" ist nur allzu elastischer Natur. Jedenfalls wird es durch die Borlage in das disfretionäre Ermessen der Regierung gestellt, Industriezölle in beliebiger Höhe und Agrarzölle in der unerhörten Höhe des autonomen Bülow- Tarifes einzuführen, d. h. 75 m. für den Doppeízentner Weizen, 70 M. für den Doppeizentner Roggen und Hafer, mit der Maßgabe, bei Bertragsverhandlungen nicht unter die früheren Vertragsfäße von 55 m. bzw. 50 m. herunterzugehen. Die crforderliche Zustimmung des Reichsrates und des Bolkswirtschaftlicher Ausschuss des Reichstages für die Erhöhung der Industries zölle ist ein recht schwacher Schutz. Gleichzeitig sollen auch die ant= deren Lebensmittelgölle in der früheren Höhe wieder einschließliche Spelen wieder aufheben muß, nachdem sie die| der Agrarbant befaßten, haben noch immer zu feinem Abschluß deutsche Volkswirtschaft aufs schwerste geschädigt haben. geführt. Kommunisten und Kriegsgedenktag. Die Feier im Stadion verboten. Das Polizeipräsidium teilt mit: Die Genehmigung zur Abhaltung der ant 17. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Kommu= nistischen Partei, Bezirk Berlin- Brandenburg und anderen kommunistischen Organisationen, geplanten Kundgebung im Stadion zu Lichtenberg ist zurückgezogen worden, weil nach dem Inhalt eines Artikels in Nr. 95 der„ Roten Fahne" vom 14. d. M. feine Gewähr gegeben ist, daß die den Veranstaltern auferlegte Bedingung der Vermeidung politischer Demonstrationen innegehalten wird, vielmehr die Versammlung zu parteipolitischer Propaganda und zu parteipolitischen Kundgebungen ausgenutzt werden soll. Die Kommunistenfundgebung in Stadion war ursprünglich für den 3. August, dem Gefallenengedenktag, geplant. Sie wurde seinerzeit verboten, aber für einen späteren Termin freigegeben. Wenn auch diese Genehmigung nunmehr zurückgezogen wurde, so ist der Grund dafür, wie aus der Meldung des Polizeipräsidiums herporgeht, in der Haltung der inzwischen verbotenen„ Roten Fahne" zu suchen. Man wird aber wohl in der Annahme kaum fehlgehen, daß auch das störende und gewaltsame Verhalten der fommunistischen Verbände bei der Verfassungsfeier die Haltung des Polizeipräsidiums beeinflußt hat. Eine Partei, die es auf Inszenierung von Straßentumulten absieht, beweist damit, daß sie bewußt Schindluder mit dem Recht auf die Freiheit der Straße eibt. Die Deffentlichkeit vor einem derartigen Mißbrauch zu schüßen, ist Aufgabe der Polizei. Kommunistische Terrorgruppen. Daß Agrarzölle, zumal unter den heutigen Verhältnissen, fein taugliches Mittel gegen die Agrarfrise bilden fönnen, ist in der hierauf bezüglichen Denkschrift des Außenhandelsverbandes eingehend dargetan worden. Dasselbe wird in furzen Worten auch durch das im Reichsrat abgegebene Votum der preußischen Staatsregierung und durch zahlreiche andere objektive Sachverständige bestätigt. Jeder Agrarzoll, gleichviel in welcher Höhe, ist heute um fo unzeitgemäßer, als bei den schlechten Ernten in Kanada, Süd- und Ost- Europa, sowie den ungünstigen Saatenstandberichten aus Argentinien, mit hohen Weltmarktpreisen auch im nächsten Jahr zurechnen ist. Fest steht, daß diese Bölle wie nichts anderes geeignet sind, dem im Interesse unserer Ausfuhr dringend notwendigen Preisabbau entgegenzuwirken und die wirtschaftliche wie innerpolitische Krise aufs äußerste zu verschärfen. obendrein werden sie nach allen früheren Erfahrungen, bei uns wie im Auslande, zu einer üblen ,, do- ut- des"-Politik führen, zu einem parlamentarischen Kuhhandel, einem gegenseitigen Zollversiche rungsgeschäft zwischen Landwirtschaft und gewissen Teilen der Jn dustrie. Die Industrie wird, vor allem auf den ersten Produk tionsstufen, als Stompensation" einen erhöhten Schutz verlangen und durchfezen, wobei die Fertigindustrie am schlechtesten abschneiden wird. Die Erfahrung wird zeigen, ob Deutschland in der Lage ist, gute Handelsverträge abzuschließen oder ob nicht vielmehr das deutsche Beispiel den Auftakt zu einem weiteren internationalen 3ollwettrüsten und weiterer internationaler Abschließung bildet. Die Zuschrift des Außenhandelsverbandes weist schließlich darauf hin, daß auch innerpolitisch die Teuerungspolitik verhängnisvolle Folgen haben müsse, da sie, wie der Kampf der sozialistischen und der kommunistischen Presse gegen die Zölle beweise, die sozialen Gegensäge verschärfe. Fraglos hat sich die Reichsregierung mit ihrer Zoll- Gelsenkirchen, 15. August.( Eigener Drahtbericht.) Der politigeführt werden, das Ausfuhrverbot für Getreide befeitigt und durch vorlage das Verdienst erworben, die soziale Krise außer- schen Polizei ist es gelungen, eine Organisation von kommuWiedereinführung der berüchtigten Getreideinfuhrscheine ordentlich zu steigern. Ihre den Großgrundbesigern freund- nistischen Terror- und Sabotagegruppen, die begar die Möglichkeit einer Getreide Exportprämie ge- liche Politik mußte bei der Arbeiterschaft den schärfst en reits im April d. J. in Gelsenkirchen festgestellt wurde, aufzudecken. schaffen werden. Gewissermaßen als eine Forderung der ausglei- Widerstand auslösen. Der Außenhandelsverband be chenden Gerechtigkeit" gegenüber der Industrie soll in schematischer ſtätigt ja selbst, daß die Agrarschußzölle nicht nur aus GrünWeise der frühere Zollschutz für die Landwirtschaft wieder hergestellt den der inneren, sondern auch aus denen der äußeren WirtWir sind gespannt, mit werden, obwohl sich doch seitdem die wirtschaftlichen Ber- schaftspolitik abzulehnen sind. hältnisse im In- und Auslande grundsätzlich geändert haben. welchen Ladenhütern Herr Kanik jezt aufwarten wird, um Besondere Beachtung verdient, daß zunächst die autonomen den Brotwucher und die Privilegierung der Großagrarier zu Agrarzölle in Kraft treten sollen, die selbst im Bülom- Tarif begründen. nur auf dem Papier gestanden haben, weil sie sofort vertragsmäßig herabgesezt wurden. Diesmal dürfte aber vorausfichtlich geraume Zeit verstreichen, bis es zum Abschluß von Zolltarifverträgen mit Agrarstaaten fommt, und es bleibt noch abzumgrten, ob wir dann wirklich mit diesen Verhandlungszöllen" den gewünschten Erfolg erzielen. Welche Agrarstaaten tommen denn überhaupt noch in Betracht? Rumänien wird nach der starken Einschränkung seines Brotgetreideanbaues infolge der Agrarreform nur wenig ausführen können. Desterreich- Ungarn fonnte schon vor dem Kriege fein Getreide mehr nach Deutschland ausführen; ebensowenig fönnen es die Nachfolgestaaten. Ob Rußland in absehbarer Zeit wieder Getreide oder sonstige Lebensmittel in größerer Menge zu liefern in der Lage ist, unterlegt begründetem Zweifel; die geringe Ausfuhr, die zurzeit nicht über das Schwarze Meer, sondern über die Baltischen Häfen geht, wird von Standinavien aufgenommen. Nicht ins Gewicht fällt auch die minimale Ausfuhr aus Polen und den Randstaaten. Es bleiben im wesentlichen die überfeeischen Agrarländer, insbesondere die Vereinigten Staaten von Ame rifa. Nun besteht aber nicht die geringste Aussicht, daß diese einen Tarifvertrag mit irgendeinem Lande abzuschließen beabsichtigen. Auch der neue, immer noch nicht ratifizierte Handelsvertrag mit Deutsch land ist bekanntlich ein reiner Meistbegünstigungsvertrag. Schließ lich hat Argentinien bisher überhaupt noch feinen Tarifvertrag abgeschloffen. Alles in allem besteht daher die dringende Gefahr, daß Deutschland auf seinen autonomen Agrar= zöllen fizen bleibt, jedenfalls auf geraume Zeit hinaus, und sie = " Göttinger an die Berliner Universität verlegte Ordinariat für bibliothetarische Hilfswiffenschaften, deffen Befehung schon mehrfach gemeldet wurde, ist im Augenblick immer noch nicht eingerichtet. Die aftronomische Uhr in St. Marien zu Lübed. Der Historiker Johannes Barnde in Lübeck hat eine sehr interessante Schrift über die dortige meltberühmte astronomische Uhr in St. Marien verfaßt. Das sehr komplizierte mechanische Wert ist im 16. Jahr hundert erbaut worden; eine ältere Uhr wird sogar auf das Jahr 1405 zurüdgeführt. Es existieren in den Kirchenaften des Staatsarchivs mehrere handschriftliche Schilderungen dieses Kunstwerkes, von denen aber feine so genau auf all die vielen bewunderns: würdigen Einzelheiten dieses Meisterwertes eingeht wie die Arbeit Warndes. Die Konstruktionszeichnungen und Beschreibungen des mechanischen Werkes und seiner Funktionen hat mit außerordent licher Sachkenntnis der Lübecker Uhrmacher Paul Behrens jr. geliefert. Die Wiedergabe aller auf den verschiedenen Scheiben enthaltenen Zeitangaben über Wert- und Festtage, Sonnen- und Mondfinfterniffe, die von dem Glockenspiel zu den verschiedenen Zeiten gespielten Chorale, das astronomische Sternwert mit Bezug auf die Kunst der Astrologie( Horoskope unter verschiedenen Sternbildern) sowie eine sehr interessante historische Abhandlung machen das Büch lein zu einem äußerst lefenswerten. Die Mittelscheibe der Uhr, welche die Berechnung der Sonnen- und Mondfinsternisse für jeweils 50 Jahre enthält, war bereits seit 1907 abgelaufen. Der Observator Profeffor Lehmann- Berlin hat nunmehr eine Neuberechnung dieser Naturerscheinungen für die Jahre 1925 bis 1975 angefertigt, welche demnächst an der hierfür bestimmten Stelle der astronomischen Uhr angebracht werden soll. Eine interessante Flaschenpoff. Im Oktober 1922 tamen die Mitglieder eines Stammtisches auf den Gedanken, ihrem heimat lichen Flüßchen in Thüringen eine Flaschenpost anzuvertrauen. Sie hatten damals nicht geahnt, daß ihre Flasche eine gewaltige Wanherung machen und all die zahlreichen Hindernisse, Wehre usw. glücklich überstehen würde, um schließlich in das cffene Meer hinaus zu gelangen! Jetzt wird bekannt, daß jene Flaschenpost von einem englischen Kapitän namens Smith im Auguſt vorigen Jahres zwischen den Bären- Inseln und dem Franz- Josef- Land aufgefischt worden ist. Die Flasche hat also einen gemaltigen Weg nach dem hohen Norden zurückgelegt. Durch günstige Zufälle ist sie in den Golfstrom geraten und von diesem an der norwegischen Küste entlang nach dem Nord= meer geführt worden, wo sie meist nördlich von der Treibeisgrenze por einem Jahr gefunden wurde. An dem Schicksal dieser Flaschenpost ist vor allem bemerkenswert, daß sie in einem kleinen Flügen ausgesetzt wurde und die lange Reise durch Flüsse und Ströme trog der vielen gefährlichen Hindernisse, wie fie Brückenpfeiler, Wehre, Hafenanlagen usw. bieten, glüdlich überstanden hat. Das Theater in der Kommandantenfiraße bleibt megen der Vor bereitung zur Operette„ Mister Globetrotter bis zum 29. August geschlossen. Im Residenz- Theater finden Sonnabend und Sonntag die beiden letzten Vorstellungen von Ernst Tollers, intemann statt. HinfemannAlfred Beierle. Die Große Boltsoper beginnt die Binterfpielzeit am 17. August mit dem Moussorgithichen Werte Boris Godunow". Die musikalische Zeitung hat der neuverpflichtete 1. Rapellmeister Issai Dobrowen. Nationalistische Sonderwünsche. Der Bürgerblock ist die Hauptsache! Die Nationalisten haben die Krise der Londoner Ronferenz benutzt, um ihre Agitation neu zu beleben. Sie wollten die Situation, die ohnehin schon schwierig genug war, noch weiter erschweren durch eine innerpolitische Krise. Die Presse der Rechten hat in dieser Situation den Gedanken des Bürgerblods erneut in die Debatte geworfen. ben die Führung. Sie schrieb gestern abend: Die Deutsche Allgemeine Zeitung" hat bei diesem Trei„ Wir glauben, daß die deutsche Regierung gezwungen sein wird, noch von London aus ihren Rücktritt zu erklären, wenn Frankreich nicht nachgibt. Insbesondere der Reichsaußenminister hat sich, zuletzt noch durch seine Zustimmung zur Rede des Abge ordneten Hoeksch, persönlich auf die sogenannten Ehrenpunkte und auf die schnelle militärische Räumung vollkommen festgelegt... Die Reuter- Meidung, wonach die Konferenz sich im Falle eines deutschen Wir können nicht!" auf zwei oder drei Wochen vertagen werde, um den verschiedenen Delegierten die Möglichkeit zu geben, nach Hause zurückzukehren und sich mit ihren Regierungen ins Benehmen zu setzen, zeigt den Weg, der gegangen werden muß. In dieser Zeit wird in Deutschland eine Umbildung der Regierung vorgenommen werden müssen, wie sie den Erforder. niffen der Situation und dem Ergebnis der lezten Reichs tagswahlen entspricht." " Es befinden sich nunmehr fünf Mitglieder der Gruppe in Haft. Nach dem bisherigen Untersuchungsergebnis hat der festgenommene Führer mit dem flüchtigen militärischen Leiter der hiesigen kommuniftischen Partei im März d. I. von der Parteileitung die Anweifung erhalten, Terror- und Sabotagegruppen zu bilden und neben der Beseitigung der Polizeibeamten bei den fommenden Wirtschaftskämpfen die Zechenanlagen im hiesigen Bezirk durch Sabotage zum Stillstand zu bringen. Nach der Gründung der Terror und Sabotagegruppen wurde versucht, auf den hiesigen Schachtanlagen Wilhelmine Vittoria und Bismard den Betrieb dadurch zum Stillstand zu bringen, daß die Mitglieder der Gruppe geladene Förderwagen in den = dh a cht warfen. Nur einem glücklichen Zufall verdanken die arbeitenden Bergleute ihr Leben. Nach der verübten Tat fand der Haupttäter in der Geschäftsstelle des kommunistischen Ruhr- Echo" einen Unterschlupf. Bei der Festnahme wurden sämtliche Papiere gefunden. Zwei dieser Gruppe angehörende Terroristen, die im November 1923 zwei Polizeibeamte auf bestialische Weise ermordet hatten, entzogen sich im Mai ihrer Festnahme durch Selbstmord, nachdem sie bei dem Versuch, sie festzunehmen, einen kriminalassistenten getötet und einen Hilfspolizeibeamten schwer verletzt hatten. Mehrere führende Mitglieder der Gelsen= firchener KPD. wurden wegen Begünstigung verhaftet. Die Hilfe für die Rückkehrer. Sozialdemokratische Anträge angenommen. Im Reichstagsausschuß für die besegten Gebiete wurde ein Antrag der Abgg. Limbers( Soz.) und Hoffmann- Kaiserslautern( S03.) angenommen, wonach die zurückge= Behrten Privatpersonen, soweit und folange sie noch feine Beschäftigung gefunden haben, eine Uebergangsbetreuung auf fechs Monate erhalten sollen, und zwar die Bezüge der bis Die Deutsche Tageszeitung" sefundiert, indem sie gleich- ieht erhaltenen Betreuungsgruppen. Nach Ablauf der halbiährgleichlichen zeitig verlangt, daß die Regierung ihre Stellung bei den Ber- lichen Frift tritt allgemein an Stelle der Betreuung zur Schaffung einer neuen Eristenz eine Abfindung nach billigem Ermessen an handlungen in London von dem Willen der Deutschnationalen diejenigen, die einen Erwerb nicht gefunden haben oder denen der abhängig mache: amiliche Arbeitsnachweis eine den früheren Verhältnissen entsprechende Arbeit nicht nachweisen fonnte. Solange der Zurückgefehrte seine eigene Wohnung nicht beziehen kann, treten für ihn die Richtlinien, die für die Beamten in Wohnungsfragen festgesetzt sind, in Kraft. Die von der Reichsentschädigungsstelle gewährten Darlehen zur Beschaffung von Bekleidungsgegenständen sind als gelöscht zu betrachten. Der örtlichert Fürsorgestelle wird ein Ausgewiesener ehrenamtlich als Berater Wenn der Minister Dr. Jarres die Parteiführer entsprechend der Auffassung der Regierung über die Lage unterrichtete, so scheint das uns parlamentarischen Gepflogenheiten entsprechend recht dürftig zu sein, denn schließlich müßte die Regierung doch auch ein Interesse daran haben, zu erfahren, wie die Parteiführer die augenblickliche Lage beurteilen. Letzten Endes sollte die Reichsregierung auch nicht darüber im Zweifel sein, daß die Situation in London bereits so weit gediehen sein kann, daß sich die Reichs= regierung infolge der Nachgabe der Londoner Delegation be reits mitten in einer Krise befindet." Sie wollen also mitten in den Verhandlungen eine Regierungsfrise inszenieren! Sie muten der Regierung zu, daß sie ihre Verhandlungen in London führe so wie sie Briand in Cannes zu führen gezwungen war, gehemmt und unfrei im sicheren Bewußtsein, daß im Rüden ein innerer Feind steht, der nicht davor zurückschreckt, die Wechselfälle der Berhandlungen zum Schaden des Landes, aber zum eigenen parteipolitischen Vorteil auszunuzzen und eine innere Krise herbeizuführen. Bon einer Regierungskrise fonnte in feinem Augenblick der Konferenzkrise die Rede sein. Das Bureden der Deutschnationalen, daß die Regierung krisenhafte Gefühle haben solle, schafft allein noch keine Regierungskrise. Es zeigt nur, daß die gesteigerte Agitation der Nationalisten dem Zwede dient, den Gedanken des Bürgerblocks neu zu beleben. Der Plan wurde nur eben schüchtern angedeutet. Er zeigte sich trotzdem far genug, daß man erkennen fonnte nicht das endgültige Ergebnis von London ist den Deutschnationalen die Hauptsondern die eigene Macht. sache, sondern der Bürgerblock, nicht das Wohl des Landes, Die Agrarbankpläne. Beratungen, aber noch keine Entscheidung. Die an den Beratungen über die Agrarbanfpläne teilnehmenden landwirtschaftlichen Organisationen und die maßgeben ben Stellen in den zuständigen Ministerien sind noch nicht zu einer Einigung gefommen. Der Gesetzentwurf des Reichsernährungsministeriums über die neue Agrarbant soll trotzdem zugleich mit dem Gesezentwurf zur Liquidation der Rentenbank dem Reichsrat und dem Reichstage vorgelegt werden. Man ist zu diesem Entschluß gekommen, weil die beiden Gesezentwürfe schließlich eng miteinander verbunden seien und der Liquidationsgesetzentwurf vorgelegt werden müsse. Trehdem ist zur Stunde noch feineswegs flar zu erfennen, was aus den ganzen Agrarbankplänen werden wird. Auch die Beratungen des Verwaltungsrats der Rentenbant am Donnerstag, die sich in erster Linie mit den Satzungen bestellt. Die zurückkehrenden Arbeiter und Angestellten der Eisenbahn sollen nach dem alten Verfahren behandelt werden. Dasselbe soll auch bezüglich aller übrigen Angestellten und Arbeiter geschehen, soweit und so lange sie feine Arbeit haben. Weiter beschloß der Ausschuß, die Reichsregierung zu ersuchen, mit Rücksicht auf die perspätete Zulassung der Steuernotverordnungen im befetzten Gebiet und die dadurch verursachte Häufung der Steuerfälligkeiten die Finanzämter anzuweisen, auf begründeten Antrag den Steuerpflichtigen weitgehende Stundung zu gewähren. Der 26 prozentige Einfuhrzoll. Billigung in England. 26prozentige Einfuhrabgabe auf deutsche Baren vom 15. September on wieder einzuführen, hat in fonservativen Kreisen, die die Reduktion der Tage von 26 Broz. auf 5 Broz. seinerzeit bekämpft hatten, eine gute Aufnahme gefunden. Sie erklären, daß Schatzfanzler Snowden bei seinem Beschluß vom 25. Februar Zeugnis dafür abgelegt habe, daß die Reduktion der deutschen Konturrenz Vorschub leistete. Auch in gewerkschaftlichen Kreisen bekämpfte man vielfach diese Maßnahme, da in diesen Kreisen immer der Standpunkt vertreten worden war, daß die Reduktion der Tare eine Bermehrung der Arbeitslosigkeit zur Folge haber werde. London, 16. Auguft.( EP) Der Beschluß der Regierung, die Paris, 15. August.( Eca.) Der Londoner Korrespondent des Journal" berichtet, daß Macdonald bereits am Dienstag in einem Brief an Herriot feine Absicht, die 26prozentige Reparationsabgabe wiederherzustellen, mitgeteilt habe. Der Korrespondent ihreibt weiter, daß hinter diesen Maßnahmen die alte Auffaffung ftece, wonach die Verwirklichung des Sachverständi gengutachtens eine gefährliche deutsche Ronkurrenz für die englische Industrie bringen werde. Die Erzberger- Mörder in Ungarn. Budapester Blätter hatten ge. meltet, daß sich Schulz und Tillessen, die Mörder Erzbergers, in der Nähe von Budapest aufhielten. Auf Grund dieser Meldungen leitete die ungarische Polizeibehörde in Budapest und Umgebung eine Untersuchung ein. Im Laufe des Berfahrens wurde i Budafok bei Budapest ein Mann deutscher Nationalität verhaftet, der jich nicht genügend legitimieren tonnte. Der Betreffende wurde der Staatsanwaltschaft übergeben.. at Gewerkschaftsbewegung Was zu beweisen war. Die Fehier der Gewerkschaften, die die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände in der Haltung der Gewerkschaften zur Berlängerung der Arbeitszeit entdeckt und in ihrer Denkschrift niedergelegt hat, fonnten in unserem gestrigen Artikel nicht allesamt aufgezählt werden. Obwohl es eigentlich nur ein einziger gro ßer Fehler der Gemertschaften ist, nach der Darstellung in der Schrift der Arbeitgeberverbände, daß sie sich gegen die Beseitigung des schematischen" Achtstundentages menden, gegen die Verlängerung der Arbeitszeit auf 10, 11 und 12 Stunden, wenn sie schon einmal aus agitatorischen Gründen" nicht dafür eintreten und zu diesem Zweck eine neue Arbeitsgemeinschaft mit den Arbeit geberverbänder eingehen wollen, so kommt es doch den Verfassern dieser Denkschrift darauf an, diesen Fehler" im einzelnen gründlich nachzuweisen. ,, Auch die weitere Behauptung der Gewerkschaf. ten, daß das Zweischichtensystem die Krantheiten und Unfälle der betroffenen Arbeiter außerordentlich vermehre, fann objektiver Untersuchung nicht standhalten. Hierüber liegen schon aus der Borkriegszeit Erhebungen aus Kreisen der Gewerbeaufsicht wie der zuständigen Berufsgenossenschaften vor, die auch durch neuerliche Statistiken nicht zu entkräften sind." Die Methode der Beweisführung läuft auch hier auf einen glatten Roßtäuschertrick hinaus. In der Anlage wird auf eine im Jahre 1910 veröffentlichte Untersuchung von Gewerbeinspektor Dr. Syrup auf zwei Werken der Großeisenindustrie verwiesen, die zu dem Schluß fam: Eine Vermehrung der Unfälle am Ende jeder Schicht infolge Ermüdung der Arbeiter mar nicht festzustellen. Von 63,2 Ufällen traten 20,6 in den letzten vier Stunden der zwölfstündigen Arbeitszeit auf." Psychologisch ist diese Feststellung wie ähnliche ihrer Art interessant, doch bildet sie keinen Beweis dafür, daß die Unfallhäufigkeit in den Betrieben mit zwölfftündiger Arbeitszeit absolut nicht größer ist als in Betrieben mit achtstündiger Arbeitszeit. Ueberdies aber ist der Versuch dieser Beweisführung von vornherein in sofern verfehlt, als sie den Arbeiter vom Jahre 1910 dem Arbeiter der Nachkriegsjahre gleich stellt, oder stillschweigend„ voraussetzt", daß die ganzen physischen Kriegsnachwirkungen von der Arbeiterschaft überwunden seien. Die Schäden durch Unterernährung der in der Kriegszeit aufgewachsenen junger Generation sind jedoch noch feineswegs be= hoben, so wenig als die Schädigungen der Kriegsteil. nehmer, die sich insbesondere in rheumatischen Leiden bemerkbar zu machen beginnen. Während die vorkriegszeitlichen Statistiken in dieser Beziehung nicht einfach auf die nachkriegszeitlichen Verhältnisse übertragen werden dürfen, ist es mit der„ neuerlichen Statistiken" sehr dürftig bestellt. Soweit solche aber vorliegen, find sie den Herrschaften höchst unbequem. So eine Erhebung der Rheinischen Hütten. und Walz mertberufsgenossenschaft, die besagte, daß mit dem Uebergang von der zwölf zur achtstündigen Arbeitszeit die Zahl der gemeldeten Betriebs unfälle fofort erheblich zurüdgegangen jei, Die Bereinigung der Arbeitgeberverbände wandte sich deshalb„ um Aufklärung der Unfallstatistie" an der Vorstand der Berufsgenossenschaft. Diese Aufklärung lautete in der Hauptfache: „ Die öffentliche Heranziehung unserer Unfallstatistik durch die Gewerkschaften zugunsten des Achtstundentages ist auch uns bekannt geworden. Die in der Presse wiedergegebenen Zahlen stimmen mit unseren Be= richten überein. Im Jahre 1919 machte sich tatsäch= lich eine so erhebliche Senkung der gemeldeten Unfälle bemerkbar, daß wir glaubten, daran nicht stillschweigend vorübergehen zu können. Wir taten dies mit folgenden Ausführungen: " Da die Zahl der durchschnittlich beschäftigten Arbeiter 229 011( 277 453 im Vorjahre) betrug, so entfallen auf 1000 Arbeiter 95,2( 154,1) Verletzungen und 12,2( 13,5 bei Berücksichtigung der Kriegsgefangenen 12,4) entschädigungspflichtige Unfälle. Der Rückgang der Unfälle findet zweifellos in der Verkürzung der Arbeitszeit und dem Nachlaffen des Arbeitseifers(!) seine Erklärung. Em Vergleich mit dem Vorjahre ist aus dieser Gründen wohl ta um möglich.(!) Berücksichtigt man, daß die Arbeitszeit einschließlich der Pausen Theater, Lichtspiele usw. Th.i.Admiralspalast Staats- Theater U. Der Erfolg d. Jahres Opernhaus 81/ 12 Monate am Königsplatz anunterbr. auf dem Spielplan Täglich 72 Uhr: ist die große Revue Große Volksoperim Theater desWestens 8 Uhr: Mignon ( Sommerpreise) URANIA Taubenstr. 48/49 Im Theater am 16. Aug., um 5,7 u. 9 U. Marietta Drunter und drüber und ferner täglich 5, 7 und 9 Uhr: Volksbühne Vorletzte Vorstellg. Tägl. 8 Uhr: Geisha Deutsch. Theater Sommerspielzeit Direktion: Staab und Gerner Intimes Th. 8 U. Gastsp. Künstlersp. Alb/ Nachtlichter Befehl Tägl. 8 Uhr: Metropol- Theater MaxAdalbertu.Max Landa 8 U.:D.Weltschlager in Clubleute Kammerspiele Sommerspielzeit Direktion: Staab and Gerner Tägl. 8 Uhr: Das Zeichen an der Tür Mascotteken Uraufführung ,, Nagapate, der Menschenfresser" Erlebnisse des Kapitäns Johnsons unter den Kopfjägern der Südsee Film in 5 Akten Vortrag von Dr. v. Leszel, Direktor der Urania Vorverkauf: Wertheim und Uraniakasse von 10-1 und von 4 Uhr ab. Tribune 8 Uhr: 8 U. Trianon- Theat Casino- Theater Biederleute mit Jakob Tiedtke Kinder der Freude Lessing- Theater Täglich 8 Uhr: Die große Revue: SCALA Wien gib Wien gib acht! 8 Uhr: Internat.Varieté Ueb.150Mitwirkende Marietta Olly, Schindler Täglich 8 Uhr: Ferdinand Bonn Das erstkl. bunte Progr. Zum Schluss: Der Eröffn.- Schlag. Rosé, Schröder- Schrom Gutschein bis Sonnt., 17.August Muß Liebe schön sein! 1-4 Personen Komödie in 4 Aufz. 50% Ermäßigung Volkstüml. Preise Reichshallen- Theater Wieder täglich: Sonntag 3.30 zu Residenz- Th. Eine tolle Sache halben Preis. das volle Programm! u.Ltg: Alfr.Belerle Wallner- Theat. Tägl. 8 Uhr: Täglich 8 Uhr: Stettiner Sänger Anfang 8Uhr früher um die Hälfte länger war als jegt, so würde sich die relative Unfallszahl für das Berichtsjahr, auf die zwölfftündige Schichtdauer bezogen, auf 142,8 berechnen, welcher Wert sich dem vorjährigen von 154,1 mehr nähert. Die entschädigungspflichtigen Unfälle zeigen gegen das Vorjahr nicht die entsprechende Abnahme, sondern stehen auf derselben Höhe. Es findet dies vielleicht seine Erklärung darin, daß eine größere Anzahl von Fällen, die im vergangenen Jahre aus Mangel an Arbeitskräften in den Bureaus der Sektionen nicht erledigt werden konnten, im Berichtsjahre zum Abschluß gebracht wurden. Die häufung würde also einen mehr zufälligen Charakter tragen." “ Mit dieser Entschuldigung ihrer Veröffentlichung der den Arbeitszeitverlängerern so peinlichen Ziffern hat sich die betreffende Berufsgenossenschaft hoffentlich das Wohlwollen der Arbeit geberverbände erhalten. ,, Ausdrücklich betonen wir," so sagt der Vorstand dieser Berufsgenossenschaft, daß es uns fern gelegen hat, hierin eine wohltätige Wirkung des Achtstundentages zu erbliden und dessen Durchführung damit stüßen zu wollen." Und wenn schon höhere Unfallziffern bei zwölfstündiger Arbeitszeit! Wer ist denn an den Unfällen schuld? Die Denkschrift beantwortet diese Frage an Hand der Statistik einer rheinisch- westfälischen Berufsgenossenschaft dahin, daß im Durchschnitt der fünf Jahre von 1907 bis 1911 82,2 Proz. aller Unfälle durch die Schuld des Ar= beiters selbst sich ereigneten. Wem auf das erste Drittel der Nachtschicht 41,86 Broz. der Unfälle in denselben Jahren entfielen, so wird dafür folgende sich aus der Beobachtung des Charakters eines großen Teiles der... Arbeiterschaft" ergebende näherliegende Erklärung" angeführt, die auch durch die früher erwähnte Statistik über das Blaumachen usw. geführt wird: Tagsüber nimmt ein Teil der Arbeiter die große Gelegenheit zu übermäßigem Altoholgenuß und sonstigen Ausschweifungen wahr, so daß er vielfach entweder nicht genügend ausgeruht oder angeheitert oder überhaupt nicht richtig arbeitsfähig zur Nachtschicht erscheint. In einer derartigen Verfassung begegnet der Arbeiter natürlich einer eventuellen Gefahr nicht zeitig genug, sondern er läuft, wie man dies in der Praxis leider oft genug beobachten kann, direkt in sie hinein." Es sind Glashüttenarbeiter mit der langen Arbeitszeit der Borkriegszeit und der ganzen Unkultur, zu der die überlange Arbeitszeit den Arbeiter verdammte, die hier als Beweis da für angeführt werden, daß es hauptsächlich an den Arbeitern felber läge, wenn sich aus längerer Arbeitszeit eine größere Unfallhäufigkeit ergibt. Triumphierend verkün det die Denkschrift, gestützt auf ihr Material, mit fachlichem Ernst: " Damit dürfte doch offensichtlich erwiesen sein, daß eine über acht Stunden hinausgehende Anwesenheit und Arbeitszeit im Betriebe beim Zweischichtensystem( mit 12 Stunden, ohne Arbeitswege. D. Red.) nicht zwangs= läufig zu einer Bermehrung der Unfälle führt, wie dies mit besonderem Eindruck auf die Oeffentlichkeit von den Gewerkschaften immer wieder behauptet wird." Daß auch die Krankheitsfälle bei verlängerter Arbeits: zeit zunehmen, spielt nach der Beweisführung dieser Denkschrift" einmal feine Rolle, da„ ein Steigen der Krantenziffern im Vergleich zu der Vorfriegszeit in den letzten fünf Jahren allgemein zu bemerfen gewesen" ist. Selbstverständlich sind auch an den vermehrten Krankheitsfällen die Arbeiter schuld, die Krankheiten fimulieren. Die Skribenten der Vereinigung der Arbeitgeberverbände zelgen fich hier mit dem ganzen fachlichen Ernst, den sie in so hervorragendem Maße in dieser Arbeit befunden, auch von der menschlichverstehenden und verzeihenden Seite: Mag es auch menschlich erklärlich sein, daß die beträchtliche Höhe des Krankengeldes, deffen weitere er auf fegung auch heute noch von den Gewerkschaften verlangt wird, immerhin einen gewissen Anreiz zu Krankmeldun= gen' bietet, zumal nach den derzeitigen Bestimmungen auch für ben Sonntag Krankengeld bezahlt wird und dadurch im Wochen verdienst oft nur ein völlig unzureichender Unterschied zwischen Arbeitsverdienst und Krantenentschädigung vorhanden ist." Wenn weiter die Gewerkschaften darauf hinweisen, ,, daß das Ableben und Abarbeiten der in der Eisen- und Metallindustrie, besonders in Groß eisenindustrie und in den 3inthütten tätigen Arbeiter erheblich schneller erfolge, als in anderen Gruppen und auch deshalb ein erhöhter Arbeiterschuh... durchgeführt werden müsse", so wird demgegenüber „ innerhalb des uns gesteckten Rahmens an der Hand zahlenmäßiger Beweise genügend dargelegt, daß die Notwendig= A no no ca feit des Achtstundentages auf Grund der herra schenden Arbeitsverhältniffe aus fanitären Gründen nicht nachgewiesen werden kann". Nachdem auch die kirchlichen und ethischen Bedenken mit gleich fachlichem Ernst abgetan sind, wird der Trumpf ausgespielt, die Produktionssteigerung mit der Arbeitszeitverlängerung und dem Uebergang zum Zweischichtensystem sei offen erwiesen und den vorgeblichen Notwendigkeiten gegenüber müssen alle anderen Erwägungen gegen das Zweifchichtensystem zurücktreten, wenn tatsächlich der Beweis einer Produktionssteigerung und Produktionsverbilligung erbracht ist...." ,, Daraus ergibt sich die weitere unabänderliche Folge, daß durch feinerlei neue gesetzliche Eingriffe diese Entwicklungsmöglichkeit gestörf werden darf." So beweisen und so befehlen sie! Nochmals: Verfassungsfeier in der Reichsdruckerei. Zu der Berichtigung unserer Darlegungen durch die Direktion der Reichsdruckerei erklärt unser Gewährsmann die Behauptung als unrichtig, daß es der Wunsch der Betriebsvertretung gewesen fei, nur eine Betriebswache für dringliche Arbeiten zurückzubehaiten. Die Betriebsvertretung war der Auffassung, daß in Abteilungen, herzige Beschränkung der Teilnehmerzahl nicht zu rechtfertigen iſt. in denen bis zu drei Tagen verfürzt gearbeitet wird, eine engDie Betriebsvertretung war durchaus bereit, über die Weiterführung der besonderen Arbeiten und die Zahl der dazu notwendigen Arbeiter eine Verständigung herbeizuführen. Das wurde unmöglich gemacht durch die tategorische Erklärung des Direktionsvertreters, nur 5 bis 10 Proz. der Beschäftigten von 9 bis 12 Uhr die Teilnahme zu gestatten. Die Direktion schließt aus der geringen Beteiligung von noch nicht 100 Personen, daß die genehmigte Zahl dem Bedürfnis der Belegschaft genügt hätte. Das trifft eben nicht zu. Die freige wertschaft= ich organisierten Arbeiter haben bei dem geringen Entgegenkommen der Direktion eine Beteiligung überhaupt abgelehnt. Wenn die Direktion anzweifelt ,, daß die 100 Teilnehmer an den Feiern sich größtenteils aus gewerkschaftlich unzuverlässigen Elementen zusammenfeßten, so empfehlen wir entsprechende Nachprüfung." Der republikanische Flaggenschmuck war am Morgen des 11. August auf den Gebäuden der Reichsdruckerei nicht zu bemerken, während alle anderen öffentlichen Gebäude schon am Sonntag Flaggenschmuck zeigten. Die Betriebsvertretung machte die Hausverwaltung auf die Unterlassung aufmerksam und wurde für diesen Hinweis mit der Bemerkung bedacht:„ Der Betriebsausschuß möge fich gefälligst um sich felbst fümmern." Eine halbe Stunde später wurden die schwarzrotgoldenen Fahnen gehißt. Hatte die Direktion die Beflaggung angeordnet, dann mußte sie auch darauf achten, daß ihre Anordnung rechtzeitig befolgt wurde. Wiederaufnahme der Arbeit in Polnisch Oberschlesien In Kattowig fand gestern im Südpark ein Betriebsräten tongreß der Gewerkschaften aller Richtungen statt, der sich mit dem Spruch des Schiedsgerichts vom 14. August befaßte. Von den etwa 1000 Delegierten stimmten nur 14 gegen die Annahme des Schiedsspruches. Demzufolge wurde beschlossen, daß die Arbeit auf der ganzen Linie am Montag wieder auf genommen wird. Ferner wurden zwei Resolutionen angenommen. In der ersten heißt es, daß die Arbeiterschaft den Streif nur unter der Bedingung abbricht, daß die Arbeitgeber feine neuen Forderungen wieder geschlossen in den Kampf treten. aufstellen. Sollte dieser Fall eintreten, würde die Arbeiterschaft tion verlangt die Arbeiterschaft die sofortige Amtsenthebung des wieder gefchloffen in den Kampf treten. In der zweiten RefoluPolizeikommissars Schwierz aus Chorzom, der, wie gemeldet, gestern den 3wischenfall in der Gräfin Laura- Grube verschuldet haben soll. Baugewerksbund, Fachgruppe Glajer. Montag, den 18. August, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Mitgliederversammlung. Die Wichtigkeit der Tagesordnung, unter anderem Verlegung des Ar beitsnachweises, erfordert vollzähliges Erscheinen. Mitgliedsbücher find vorzuzeigen. 20 000 belgische Bergarbeiter im Streit. Infolge der fünf- bis zehnprozentigen Lohntürzungen find 20 000 Bergarbeiter in Südbelgien in den Streit getreten. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Egkorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Gonftiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei Hierzu 1 Beilage. und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Heute, Sonnabend, 16. August: ste Aufführung des von alt und Jung bewunderten Films 50 TRINHTINTIN Der deutsche Schäferhund UFA- PALAST AM ZOO Wochentags und 9 Uhr. 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August, nachmittags 5 Uhr, im Sigungsfaal des Verbandshauses, Cinienftr.83/ 85 Bertrauensmännerfonferenz Tagesordnung: Stellungnahme zu unferem Lohntarif. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Ortsverwaltung. SCHUTZ MARKE Quittungs- Rabatt Reklamemarken fertigt seit 45 Jahren als Spezialität Conrad Müller Schkeuditz Leipzig 2 Mark wöchentl. Teilzahlung liefere Eleg. Herren- Garderobe fertig und nach Maß Garantie für tadellosen Sitz u. Verarbeitung Maßschmelderei J. Kurzberg Oranienstraße 160, I. Schokoladen- und 3uderwarenGroßhandlung Strecker, C2, Stralauer Str. 32, a. Molkenmarkt: Auswahl in Marken, billigen Tafeln, fowie Bonbons, Pfeffermingstangen, Saison artikeln für Wiederverkäufer, Schokoladen stände, Festlichkeiten usw. ttc. 3$4 ❖ 41. Jahrgang Heilage öes vorwärts Sonnabend, lö. Mguft 1424 Sonntägliche wanöerziele. Reich an Geschichte und landschaftlich schön ist das Gebiet, das wir aufsuchen wollen. Mit der Hamburger Bahn fahren wir über Glöwen(umsteigen) bis Ha Velber g. Der Bahnhof liegt dicht bei der Stadt, unmittelbar neben der Havel. Havelberg ist mit den Anfängen der Geschichte der Mark Brandenburg auf das Innigste verknüpft. Kaiser Otto I., der Gründer Magdeburgs, gründete 946 das Bistum Havelberg, ebenso Brandenburg. Anfangs war es dem Erzbischof von Mainz unterstellt, 968 kam es unter das neugegrün- det« Erzbistum Magdeburg. Weithin erstreckte sich das Gebiet des Bistums Havelberg, von der Elbe bis zur Peene. Außer der Prieg- nig gehörten Teile der Altmark, Mecklenburgs und Pommerns zu Havelberg. Der Bischofsitz erhielt schon in früher Zeit große Bedeu- tung, so daß in den Urkunden nach ihm die ganze Priegnitz häufig als das Land Havelberg erwähnt wird. Bei dem großen Wenden- aufstand von 983 wurde die Domkirche von Havelberg zerstört. Erst 4136, unter Albrecht dem Bären, kam Havelberg endgültig in beut- schen Besitz. Am 16. August 1179 wurde der neuerrichtete Dom ge- weiht. Dom havelberg. Wenn wir vom Bahnhof kommen, wandern wir zunächst nicht ui die eigentliche Stadt, sondern zum Dom. Kurz vor der über die Havel führenden Steintorbrücke wenden wir uns nach links, zur St. Annakapelle. Sie ist ein einfacher, achteckiger Backsteinbau aus dem IS. Jahrhundert, der Ueberrest des Hospitals St. Gertraud und St. Annen. An der Kapelle vorüber steigen wir durch den Hohlweg zum Dom hinauf. Er liegt hoch oben, am Rand der bis zu 18 Meter senkrecht aufsteigenden Uferhöhe der Havel. Aus dieser Höhe hatten # vermutlich schon die Wenden, vielleicht auch bereits die Germanen vor ihnen eine Befestigung. Als die Deutschen dann das Land wie- der eroberten, legten sie ein Kastell an, dessen, Ausdehnung etwa der des späteren Klosters gleichkam. Die Klosteranlage ist die bedeu- tendste in der Mark Brandenburg. An den Abhängen der Höhe und auf dem schmalen Borgelände zwischen der Höhe und der Havel liegen die sechs Berggcmeinden, ehemals eigene Gemeinwesen, im vorigen Jahrhundert jedoch mit der Stadt Havelberg vereinigt. Nur eine schmal« Straße zieht sich durch die jetzt zusammenhängende Siedlung hindurch. Bon der Domhöh« bietet sich ein prächtiger Blick über die alte Jnselstadt Havelberg, die von zwei Armen der Havel um- flössen wird. Wir schauen die roten Ziegeldächer der gekrümmten Straßenzeilen. � Ueberragt wird das Stadtbild von der Laurentius- kirche. In weiter Ferne liegt der jenseitige Uferrond des breiten Haveltals. Nach West sehen wir die Elbniederung, über der häufig die Rauchsahnen vorüberziehender Dampfschiffe stehen. Noch um- fassender ist der Rundblick vom Turm des Doms. Er reicht bis nach Werben und Spandau. Stehen wir vor dem gewaltigen Turmbau, der in seiner massigen Breite und Höhe ungeheuer wuchtig wirkt, so können wir uns wohl vorstellen, wie beherrschend er auf die Bewoh- ner des Landes vor 7S9 Jahren wirken mußte, die in ihren unschein- baren, winzig klein erscheinenden Häuschen lebten. Wir lernen be- greifen, daß von den Menschen, die solche Bauwerke errichten ließen, eine gebietende Macht ausgehen mußte. Bon der ältesten Zeit her sind noch beträchtliche Teile des Bauwerks erhalten. Tore und Fen- ster mit Rundbogen, dem romanischen Bauabschnitt angehörend, zeu- gen davon. Wahrscheinlich rühren die Fundamente mancher Teile sogar von dem ursprünglichen Bau aus der Mitte des 19. Jahrhun- derts her. Fast ein Jahrtausend alt, das wären die ältesten Mauer- werke in der Mark Brandenburg. Der Havelherger Dom war der erste bedeutende Steinbau, der im ostelbischen Lande errichtet wurde. Das Gcsteinsmaterial, das� in diesem Zeitabschnitt zum Bau ver- wandt wurde, stammt aus Steinbrüchen in der Magdeburger Gegend. Backsteine wurden nur vereinzelt als Hilfsmaterial gebraucht. Bon 1289 bis 1339 wurde die Domkirche umgebaut, der gotische Dom ent- stand. Eine neue Zeit in der Baukunst war angebrochenst, die Gotik war geboren. Jene hehren Bauten hochgewölbter, auf schlanken Säulen emporstrebender Dome, wie wir sie in alten märkischen Klö- stern und Kirchen bewundern, entstanden um diese Zeit. Das Kloster des Domstifts zu Havelberg ist das älteste in der Mark Brandenburg. Bereits 1144 wurde es mit Prämonstratensern vom Marienkloster zu Magdeburg besetzt? es ist älter als die Klöster von Brandenburg und Lehnin. Der älteste Teil der Klostergebäude ist der Konventbau, ein zweistöckiges Gebäude östlich vom Kreuz- gang. Er wurde etwa von 1159 bis 117�) errichtet als einer der ersten Backsteinbauten im Lande östlich der Elbe. Umschlossen von Kreuzgang und Dom liegt der Klostergarten. Hier weht der Hauch reicher märkischer Geschichte, ja Frühgeschichte. Die Inselftaöt. Etwa um die Zeit des Wiederaufbaus des Havelberger Doms entstand auf der von den beiden Armen der Havel umflossenen Insel die eigentliche Stadt Havelberg. Sie wird zum ersten Male in einer Urkunde um 1159 erwähnt. Die Pfarrkirche wurde dem heiligen Lorenz geweiht, nach dem sie heute noch St. Laurentius- kirche genannt wird. Ein lebhafter Handelsverkehr, der hauptsäch- lich den Wasserweg auf der Havel und Elbe nahm, ließ die Stadt 'aufblühen. Jedoch war der Handel nur in der Frühzeit des Mittel- alters von Bedeutung. Als Perleberg sich zum Haupthandelsplatz der Priegnitz aufschwang, ging der Handel Havelbergs zurück. Unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges hatte auch unsere Stadt schwer zu leiden. 1627 belagerten die Dänen Havelberg und zerstör- ten die Stadt völlig. Arge Verwirrung entstand durch die„vielselti- gen notorischen Plünderungen". Viele Einwohner wanderten aus, darunter auch die Vorfahren des Dichters Mörike. Als der Krieg beendet war, erholte sich die schwer daniederliegende Stadt allmäh- lich wieder. Der Durchgangshandel auf dem Wasserweg nach 5)am- bürg wurde wieder bedeutender; Schiffswerften entstanden, auf denen sogar Seeschisse gebaut wurden. In neuerer Zeit wurde Ha- velberg jedoch von Wittenberge überflügelt, da hier der Schienenweg von Berlin nach Hamburg vorüberführt. Das älteste Gebäude der Stadt ist wohl das Beg u in en h a u s, früher ein« Kapelle des Heiligen-Geist-5)ospitals, jetzt«in Heim für alt« Frauen. Es wurde 1399 errichtet. In einem stillen Winkel der Stadt, am Salzmarkt, liegt dieses Haus. Vom Markt führt die Domstraße zu der alten Holzbrücke über den Stadtgraben. Von hier haben wir einen schönen Ausblick zum Dom auf der Höhe des gegenüberliegenden Ufers und zu dem Ortsteil von Havelberg, der sich am Fuß der Höhe selbst hin- zieht. Zur havelmünöung. Wenige Kilometer unterhalb von Havelberg mündet die Havel in die Elbe. Auf der Sandauer Brücke überschreiten wir die Havel; die Straße nach Werben führt uns zur Stadt hinaus. Beim Rück- blick sehen wir sehr gut, wie der gewaltig« Bau des Domes das Stadtbild beherrscht. Der Weg bringt uns zum Mühlenholz, einem schönen Laubwald mit zahlreichen alten Eichen. Das Wäldchen ge- hört zum Auwald der Elbe. Eine kurze Strecke noch, und wir haben den Elbdeich erreicht. Auf der Deichkrone wandern wir gen Nord. Linker Hand ziehen sich einige tote Elbarme, sogenannte Alt- wasser, hin. An den Bäumen sind Wasserstandsmarken angebracht, die anzeigen, welche Höh« das Wasser in den einzelnen Jahren er- reicht hat. Auch das Jahr 1924 hatte einen ziemlich hohen Wasser- stand zu verzeichnen. Mit Grauen denken wir an das Unheil, das angerichtet wird, wenn der Strom sein Bett verläßt und über den Deich flutet in das dahinter liegende Land. Bei der Fährstelle er- reichen wir den eigentlichen Elbstrom. Auf dem jenseitigen Ufer liegt das Dorf Röbel, bereits in der Altmark(Provinz Sachsen); weiter entfernt taucht der Turm von Werben auf. Wir bleiben auf dem Deich. Immer näher kommt von rechts die Havel, bis sie am Werbener Fährhaus nur durch den schmalen Deich, den Zwischen- deich, von der Elbe getrennt ist. Auf dem anderen Elbufer sehen wir Werben. Wir folgen dem Deich bis zu seinem Ende. Von der Spitze sehen wir vor uns die Bereinigung der Havel mit der Elbe. Prächtig ist der Blick über die Stromniederung. Ein frischer Wind weht uns entgegen: er bringt uns einen würzigen Hauch vom weiten Weltmeer. Beim Werbener Fährhaus lassen wir uns über die 5>avel setzen. Nachdem wir den auf diesem Ufer verlaufenden Deich gekreuzt haben, kommen wir nach Ouitzöbel, einem alten Sitz der Quitzows. Di« Bauernhäuser weisen reich verzierte Giebelpfosten auf. Das Dorf wird bereits in einer Urkunde vom Jahre 1319 als„Ouitzhooel" er- wähnt. Von hier wandern wir durch schönen Wald in nordöstlicher Richtung zum Bahnhof Glöwen, dem Endziel unserer Wan- derung. Die Hamburger Bahn bringt uns nach Berlin zurück. Länge der Wanderung(ohne Rundgang durch Havelberg) 29 Kilo- meter. Wie die Häuser verfielen. Seit zwölf Jahren stehen sie. In den letzten acht Jahren wurde gerade das instandgesetzt, was einfach nicht zu umgehen war. Die Besitzer, ein verwandtschaftliches Konsortium, hatten andere geschäftliche Interessen, kümmerten sich wenig um den Hausbesitz, verstanden auch nicht viel von der durch Kriegsfoglen und Zwangswirtschaft erschwerten Art, Wohnhäuser vor dem Verfall zu be- ivahren. Die verschiedenen Verwalter sahen zu, daß sie nicht zu kurz kamen, knauserten an allen Ecken und Enden, führten all- monatlich Ueberschüssc ab, die aus den für Instandsetzungen be- stimmten. Geldern genommen wurden. Die Mieter nahmen ihre berechtigten Interessen und gesetzlichen Rechte nicht genügend wahr. Es bestand auch hier, wie in so vielen Häusern, eine starke Gleich- gültigkeit gegen Nachteile, ein stoisches Sichabfinden mit Zuständen, die nicht zu sein brauchten, und eine noch stärkere Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen und der Mieterrechte. Die Mieter- Vertretungen hatten sich aufgelöst, niemand mehr wollte das undank- bare Amt, dem so oft von den Mietern selbst die größten Schwierig- keiten bereitet werden, übernehmen. Einige kommunistische Groß- mäuler schwatzten Phrasen von Gemeinwirtschaft, redcten den Frauen Löcher in den Kopf und waren unfähig zu praktischer Arbeit. So ging jahrelang alles drunter und drüber. Noch ein paar Jahre so weiter, dann hätte der ausgekochteste Häuserspekulant diese Klamotten nicht als Geschenk angenommen. Da kam ein neuer, fach- und rechtskundiger Verwalter, der sofort die Sachlage überschaute und mit den Hauswirten Fraktur redete. Er wies den Besitzern nach, wie unkaufmännisch sie handelten, und zeigte ihnen das Beispiel vom Loch im Strumpf, das in wenigen Tagen drei- mal größer wird, wenn man es nicht rechtzeitig zustopft. Die 'Besitzer kannten bisher selbst nicht den wahren Grad der Ver- luderung, waren erfreulich einsichtig, den Argumenten des neuen Verwalters zu folgen, und verzichteten einstweilen auf Ueberschüsse, um nicht durch Fortsetzung des Spanens am verkehrten Ende viel größeren Schaden zu erleiden. In acht'Wochen wurde mehr in- standgesetzt, als in fünf Jahren geflickt worden ist. Dazu reichten bei weiser Einteilung die Einnahmen hin. Natürlich konnte mit einem Schlage noch nicht jeder Fehler gutgemacht werden, aber in das alte für Vermieter und Meter gleich gefährliche Prinzip ist kräftig Bresche gelegt. Di« Mieter sind glücklich über die Wendung, und die kommunistischen Gernegroße haben die Sprache verloren. 18] Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. II. Der Tag, an dem Andreas vor Gericht erscheinen sollte, brach an, wie ein ganz gewöhnlicher Tag, wie alle Tage, die ihm vorangegangen waren. In der Nacht, die Andreas auf dem Sofa, ohne Kiffen und in Kleidern zugebracht hatte, war ihm eine großartige Rede eingefallen, deren Wirkung keine andere fein konnte, als die, daß man ihn um Entfchuldi- gung bitten und den Herrn, den Polizisten und den Schaffner einsperren würde. Der Morgen beruhigte Andreas. Um zehn Uhr sollte der Termin stattfinden. Es ist fast sicher, daß bereits um zwölf Uhr Andreas Pum siegreich und im Besitz seiner Lizenz das Gerichtsgebäude verlassen wird. Die Sonne schien etwas wärMer und der Frost war ge- brachen. Der Schnee schmolz. Es tropfte von den Dächern mit einer süßen hoffnungsfreudigen Melodie. Ja, es begann sogar ein Sperling zu zwitschern. Die freundliche Milde der Natur war wie Gottes tröstende Vergebung. Andreas hätte sich nicht auf Anzeichen dieser Art ver- lassen, wenn er in den Gesetzen des Staates heimischer ge- wesen wäre. Er wußte nicht, daß die gutgeolten Räder dieser Maschine auch manchmal— und besonders in kleinen Fällen— sich unabhängig voneinander drehten und, jedes für sich, das Opfer zermahlten, das ihnen der Zufall ausgeliefert hatte. Denn nicht nur den Gerichten, auch der Polizeibehörde steht das Recht zu, Strafen zu verhängen, und, wer es mit ihr an- gefangen hat, muß zuerst von ihr erledigt-werden. Es schien der Polizei, daß Andreas sich einer gewöhnlichen„Uebertre- tung" schuldig gemacht hatte und, daß er der Lizenz nicht mehr würdig war, die er durch eine besondere Gnade des Staates bekommen. Andreas Pum mußte also vor allem verhört werden. So kam es, daß, während er zur Wanderung aufs Ge- richt rüstete, die Tür sich auftat und ein Kriminalagent ein- trat, um Andreas zur polizeilichen Vernehmung abzuholen. Andreas verwechselte in einer katastrophalen Unkenntnis der staatlichen Bestandteile diesen Mann der Poliezi mit einem der Gerichte und sagte, daß der Termin erst für zehn Uhr ange- setzt wäre. Der Beamte ließ sich die Vorladung zeigen, klärte Andreas mit der Sachkenntnis eines Menschen von Fach über den enormen Unterschied auf, zwirbelte dabei seinen blonden Schnurrbart und sagte endlich:„Pflicht ist Pflicht!" Das bedeutete, daß er nichts dafür könne, daß er aber seinen Auf- trag, Andreas zur Polizei zu bringen, ausführen müßte. Vor dem Kommissär, so riet er, möge Andreas seine Vorladung zeigen. Andreas Pum tröstete sich. Zwar ahnte er ein neues Unglück. Aber sein Verstand sagte ihm, daß der Staat für seine eigenen Irrtümer verantwortlich sein müsse und daß der Staatsbürger nicht das Recht habe, die Behörden auf ihre Widersprüche aufmerksam zu machen. Also ging er. Unter- wegs erzählte er dem freundlichen Kriminalbeamten den ganzen Vorfall. Der Mann lachte herzlich und stark, seine blauen Augen blitzten und seine breiten, weißen Zähne leuch- teten.„Ihnen geschieht nichts!" sagte er. Und Andreas faßte neuen Mut. In der Polizei mußte er warten. Entweder war der Beamte, der ihn verhören sollte, noch nicht anwesend, oder mit anderen Dingen beschäftigt. Die Normaluhr an der kahlen Wand des Amtszimmers zeigte halb zehn. Andreas näherte sich der Barriere, hinter der ein Mann in Uniform von gelben Karthothekzetteln Namen und Daten auf rote Zettel umschrieb und sagte:„Entschuldigen Sie!" Der uniformierte Mann schrieb weiter. Er behandelte den Buchstaben K. Darin wollte er nicht gestört sein. Erst als er den erstem Namen umblätterte, der mit L. anfing, wandte er den Kopf. Andreas zeigte ihm die Vorladung. Der Uniformierte fragte, was für eine Geschichte das nun schon wieder wäre, als hätte er bereits eine schwere Enttäuschung mit dieser Per- sönlichkeit erlebt. Andreas erzählte den ganzen Vorfall haar- klein. Im Zimmer warteten zwei Straßenmädchen. Sie lachten. Der Uniformierte faltete die Vorladung wieder zusam- men und sagte:„Warten Sie!" Dann schrieb er weiter. Endlich ging eine Tür auf und die Stimmen eines unsichtbaren Menschen rief:„Andreas Pum!" Andreas trat vor einen Herrn und machte eine Verbeu- gung, wobei seine Krücke ein wenig ausrutschte, so daß er mit der Hand gegen den Schreibtisch fiel, hinter dem der Kom- missär saß. „No, no!'� sagte dieser. „Erlauben bitte," stotterte Andreas,„ich habe hier eine Vorladung!" „Das weiß ich," sagte der Herr,„antworten Sie, wenn Sie gefragt sind." Hierauf begann er den Bericht jenes Polizisten vorzu- lesen, der Andreas aufgeschrieben hatte. Als er zu der Stelle kam, an der die Lizenz erwähnt wurde, schwang er sie ein wenig hoch, so, daß Andreas sie sehen konnte. „Ist das so?" fragte der Kommissär. Es war ein junger Mann mit einem sehr hohen Steh- kragen und einem sehr kleinen dünnen Gesicht. Sein spitzes Kinn machte Anstalten, im Kragen zu verschwinden. Er sprach mit einer heiseren Stimme. Dabei glättete er seine Frisur mit beiden Händen und prüfte mit sanften Fingerspitzen immer wieder die gerade Linie seines Scheitels. „Ja." sagte Andreas,„aber nicht ganz." „Wie denn sonst?" fragte der Kommissär. Andreas erzählte seine Geschichte zum dritteü Male. Dann holte er schnell seine Vorladung hervor und zeigte sie dem Kommissär. Der sah nach der Uhr und sagte:„Zu spät! Weshalb sagen Sie das nicht gleich?!" i „Was soll ich jetzt tun?" fragte Andreas. „Jetzt werden wir Sie erst erledigen." „Wie lange dauert es?" „Das geht Sie gar nichts an," schrie der Kommissär. „Gar nichts an"— wiederholte er— und sprang auf. Er begann, im Zimmer hin- und herzugehen. Er schlug mit der Faust auf den Tisch und schrie:„So eine Frechheit!" Andreas fühlte, daß ihm Blut ms Gesicht schnellte. Haß gegen den Beamten ergriff ihn, schüttelte ihn, so, daß er zitterte. Mit dem Stock schlug er auf den Boden. Speichel floß in seinem Mund zusammen. Er spuckte aus. Der Begmte ballte die Fäuste. Andreas sah ihn in weiter Ferne. Der Beamte schrie. Andreas hörte seinen Schrei ge- dämpft und matt. Rote Räder kreisten vor Andreas Augen. Er hob den Stock und traf einen Lampfenschirm. Es klirrte schrill. Zwei Männer stürzten sich auf Andreas. „Vierundzwanzig Stunden!" schrie der Beamte. Dann überreichte' er den Akt Andreas Pum einem Schreiber: „Lizenzentziehung!" seufzte er und sagte:„Der Nächste!" Und während man Andreas über den Hof des Gebäudes in den Arrest für leichte Fälle führte, entschwanden alle Ge- danken seinem Hirn. Es war, als ob sein Schädel auslausen würde. Eine schmerzliche Leere entstand in seinem Kopf. (Fortsetzung folgt.) Die Verkehrsregelung in Amerika. Mustergültige Straßendisziplin. Die Ergebnisse einer Studienreise von Beamten des Berliner Polizeipräsidiums durch Städte Nordamerikas sollen für die Regelung des Berliner Straßenverkehrs verwertet werden, und den crsten Versuch will man auf dem Potsdamer Platz machen. In Polizeipräsidium fand gestern unter dem Vorsitz des Polizeipräfidenten Richter eine Konferenz statt, an der neben Beamten der Verkehrspolizei auch ein Mitglied des Magistrats( Stadtrat Adler) und die Vertreter der Presse teilnahmen. " 1 hätte ,,, eine runtergehauen". Zwei Tage später wurde dem Balien| ten, der sich beschwert hatte, von dem ärztlichen Direktor in erregter Weise gesagt, er( der Patient) hätte sich darum nicht fümmern dürfen. Nun fehlt nur noch, daß gegen den republikanischen Patienten, der sich durch die schwarzweißrote hatenkreuz fahne der Antirepublikaner provoziert fühlte, die der Kurdauer versagt wird. Warten wir's ab. Festgestellt sei Anstalts disziplin" angewendet und ihm die Verlängerung übrigens, daß auf dem Tuberkulosefrankenhaus, einem öffentlichen Gebäude, am Verfassungstage feine schwarzrot goldene Fahne zu sehen war. Eine solche gab es in der Anstalt noch gar nicht, und der verantwortliche Leiter hatte wohl ge= glaubt, sich nicht darum fümmern zu dürfen", daß rechtzeitig eine beschafft wurde. Dank vom Hause Borsig! Unter Hinweis auf die jetzt erfolgte und auch im Vorwärts" gemeldete Auslegung einer Belohnung von 2000 Mart, durch die man die Suche nach dem Mordbuben zu fördern. hofft, der vor jetzt fast zwei Jahren, im November 1922, auf dem Borsig- Werk in Tegel den Wächter Ehlert niederschoß, wird uns mitgeteilt, was die Firma für die Witwe des in Verfolgung eines Diebes bei der Verteidigung Borsigschen Eigentums ums Leben getommenen Angestellten getan hat. Regierungsdirektor Mosle sprach über die von ihm in Amerika, hauptsächlich in New York und Detroit beobachtete Berkehrsregelung. Seine Mitteilungen deckten sich im wesentlichen mit denen des Polizeimajors Senffarth, über dessen Vortrag der Borwärts" ver einigen Monaten ausführ= lich berichtet hat. In Amerika hat das Auto eine ganz andere Bedeutung als bei uns und es beherrscht dort den Straßenverkehr der Großstädte. Die Innenbezirke New Yorks dürfen mit Pferdefuhrwerk überhaupt nicht mehr befahren werden und auch von den elektrischen Straßenbahnen ist hier nur noch sehr wenig zu finden. Gute Autostraßen und Billigkeit des Autos und des Benzins begünstigen die Beschaffung eines Autos und haben es aus einem Sport- und Lurusfahrzeug zu einem weitverbreiteten Boltsperfehrsmittel werden lassen, so daß schon viele Arbeiter im Damals wurde durch die Presse verkündet, die Firma Borsig eigenen fleinen Auto den Weg nach und von der Arbeitsstätte zurück habe der Witwe eine Rente zugesprochen, und tatsächlich ist Frau Jegen. Das hat denn auch dazu geführt daß Autofahrer und Ehlert seitdem vom Borsig- Wert mit einer regelmäßigen Geld bei Fußgänger aufeinander weitestgehende Rücksicht hilfe unterstützt worden. Wie hoch aber ist der Betrag, mit dem nehmen. Die anfänglich häufigen Unfälle und Verkehrsstockungen die in aller Welt berühmte Firma jene Wächtertreue vergilt? Bur verminderten sich sehr, als eine planvolle Verkehrszeit erhält die Witwe Ehlert, wie wir erfahren, monatlich fünf regelung durchgeführt wurde. In Hauptstraßen mit star- Rentenmart. Wie oft muß fie von Unfundigen die„ tröften fem Wagenverkehr wird auf den Straßenkreuzungen dem regelnden den" Worte hören:„ Na, aber Sie griegen ja Ihre Unterstützung von Polizeibeamten durch Verkehrstürme von 8 Meter Höhe die Borfig". Jawohl, eine Unterstützung von jetzt ganzen 5 Mart! llebersicht erleichtert. Durch farbige Signale gebietet er Halt Gewiß, Frau Ehlert bezieht außerdem aus der Unfallversicherung oder gibt den Weg frei. Die Uebergänge für Fußgänger und fast die ihr gesetzlich zustehende Witwenrente( in der üblichen Höhe"), immer auch die Rettungsinseln sind durch weiße Striche auf sie kann auch etwas dazuverdienen,( falls sie Beschäftigung findet), dem Damm angedeutet. Diese werden von den Wagenführern auch tann ein jekt herangewachsener Sohn ihr beistehen( solange er gewissenhaft beachtet, widrigenfalls droht Bestrafung, bei wieder- Arbeit hat). Das alles wissen wir und wir sagen es hier, damit nicht holter Uebertretung fogar Gefängnisstrafe bis zu mehreren Monaten. die Firma Borsig in einer etwaigen Erwiderung sich zu ihrer VerDie Geschwindigkeitsvorschriften sind sehr scharf und teidigung dahinter verfriechen fann. Aber 5 Mart den Monat Uebertretung wird streng gedhndet, nicht nur am Wagenführer, ist doch wohl zu schäbig für eine schwerreiche Firma sondern ebenso am Wagenbefizer, der sie duldet. Dazu kommen Er- wie Borfig, und bei einem Borkommnis, wie es die Ermor mahnungen durch Plakate, die sich an stürmische Wagenführer, aber dung eines das Eigentum der Firma gegen Ein auch an unaufmerksame Fußgänger wenden, und Be- brecher verteidigenden Wächters ist! Dabei werden lehrungen der Schulkinder, denen die Lehrer immer wieder die Gedie 5 Rentenmark pro Monat erst seit Februar 1924 gezahlt. Noch fahren des Straßenverkehrs vor Augen rücken. Nach Unfällen hat im Januar 1924 war die Beihilfe auf nur 1½ Renton man auch schon zu dem Mittel gegriffen, Mahnungen auf das Pflaster In den vorhergehenden Monaten, die uns die schreckenerregende mart bemessen, wofür die Witwe gerade drei Brote kaufen konnte. zu malen, etwa die:„ Hier ist einer überfahren worden!", oder ein zertrümmertes Auto an der Unfallstelle warnend aufzustellen. Im Geldentwertung brachten, hat auch sie eine schwere Zeit durchgemacht. allgemeinen sind aber in amerikanischen Großstädten trotz bedeutend- 3war wurde auch für sie die Papiermartmenge von Borsig immer weiter erhöht", aber was bedeutete das bei den hinaufstürmenden Der Redner hervorhob, eine Straßenbifziplin und ein 3 and Sprüngen der Lebensmittelpreise! Wird die Firma Borfig fich auf inhandarbeiten von Wagenführern und Fuß die gelegentlichen Extrabeihilfen in bar und auf die Sendungen von gängern, das vorbildlich ist. Sehr freundlich ist auch das Ver- sein. Nein, wir können wirklich nicht finden, daß der„ Dank" vom Lebensmittelpateten berufen? Die werden ihr nicht schwer geworden hältnis zwischen Polizei und Publikum. Der Polizist Hause Borsig sich in allzu großer Freigebigkeit" geäußert hätte! gilt als der Mann, der täglich sein Leben wagt, um anderen das Leben zu erhalten. Die Konferenz wird heute fortgesetzt mit einem Vortrag des Regierungsdirektors Mosle über die Anwendung der amerikanischen Verkehrsregelung auf Berlin, im besonderen über die Verkehrsregelung auf unserem Potsdamer Play. Potsdamer Platz und Bahnhof Dreibundstraße. traftwagen überfahren. Es wurde von der Feuerwehr nach hem St. Vinzenz- Krankenhause geschafft, wo ihm sofort der linke Unterschenkel bis zum Knie abgenommen werden mußte. Das Kind hatte ohne Aufsicht auf dem Fahrdamm gespielt und war daun blindlings gegen das Auto gelauren. Die Sächsische Hochwasserkatastrophe. die alte Sorborschutzfeste Osterberg, trat am Freitag früh um 7 Uhr In der Stadt Weida im Freistaat Sachsen, berühmt durch ein ungeheures Hochwasser auf, das sich zu einer Katastrophe zu= zuspitzen drohte. Bon Donnerstag abend 7 Uhr bis Freitag früh 7. Uhr sind im Einflußgebiet der Auma fünf Millionen Rubikmeter Wasser gefallen. Die Betriebe, die am Wasser liegen, mußten geschlossen werden. Da Weida vor dem Schüzenfest steht, sind besonders die Schausteller auf dem Schüzenplay schwer betroffen. Das Wasser fam mif einer solchen Geschwindigkeit, daß fie taum ihre Habseligkeiten retten konnten. Die Stadt Auma meldet um 1 Uhr weiteres Fast die ganze Stadt steht unter Wasser. Das Hochwasser an. Wasser kam mit einer derartigen Geschwindigkeit und Wucht an, daß sich die Bevölkerung unter Zurüdlaffung aller Habseligkeiten retten mußte. Es herrscht eine ungeheure Aufregung in der Stadt. In Triebes steht die Zutespinnerei unter Wasser. Zwei Häuser stürzten unter der Wucht der Wassermassen zusammen. Auch unterhalb Weida hat das Wasser besonders in Veitsberg, Wünschendorf, Meilig und Wolfsgefahr gewütet. Die auf Puppen stehende Ernte dieser Dörfer ist durch das Wasser weggeschwemmt worden, ebenso dic übrigen Feldfrüchte. Gewaltiger Wasserschaden entstand auch in Leipzig. In der Nacht zum Freitag fiel ein wolkenbruchartiger Regen. Die Feuerwehr mußte in über 100 Fällen eingreifen. In einem Vorort rutschte ein Eisenbahn damm, wodurch von einem Güterzug vier Bagen in die Tiefe stürzten. Der Materialschaden ist bedeutend. Biele Keller wurden überschwemmt und Schornsteine stürzten ein; auch Bäume wurden entwurzelt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. In zahlreichen Fällen wurden Lagerhäuser mit Lebensmitteln und anderen mertvollen Gegenständen durch eingedrungene Wassermassen schwer beschädigt. In der Burgstraße sowie in der Brüderstraße mußten Häuser abgefteift werden, da Einsturz drohte. Berschiedentlich wurden mächtige Bäume entwurzelt. Auch aus dem Vogtlande und dem Erzgebirge laufen ununterbrochen Meldungen über schwere Unmetter ein, wie sie im Erzgebirge seit Jahrzehnten nicht erlebt worden sind. Die Flüſſe treten über die Ufer und verwandeln die Flußtäler in riesige Seen. Da ununterbrochen meitere Regenfälle niedergehen, die steigen Wassermassen weiter. Der angerichtete Schaden ist unübersehbar. Bergmannstod. Durch schlagende Wetter sind in der Grube von Carabinier( Belgien) 15 Grubenarbeiter getötet worden. Eisenbahnunglüd in Portugal. Der Schnellzug Madrid- Liffaben ist in der Nähe des Bahnhofes& anarola mit einem aus Oporto kommenden Zug zusammengestoßen. Man zählt 18 Tote und Verletzte. Erdbeben in Japan. In Tofio wurden Freitag früh schwere Erdstöße verspürt, die am schwersten in den nördlichsten Distrikten Es soll jedoch nur wenig Schaden angerichtet worden sein, waren. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gegen Aehrensammler und Kartoffelstoppler. Bisher galt den meisten das Aehrensammeln und Kartoffeln stoppeln als erlaubt, wenn nicht der Befizer des Ackers es ausdrüdlich untersagte. Viele Landwirte haben es längst untersagt, aber es gab immer noch manche, die hier ein Auge zudrückten. Aehrensammeln und Kartoffelstoppeln war ja ein altes Recht der findende nicht antasten mochte. Jetzt hat Herr v. Achenbach, der hungrigen Armen, das der noch einigermaßen sozial EmpLandrat des Kreises Teltow, die Entdeckung gemacht, daß nach den Gefeßen ohne weiteres gegen Behrensammler und Kartoffel- 17. August, mittags 12% Uber ant Bahnhof Covepic zur Fahrt nach Rüdersstoppler eingeschritten werden kann, weil sie bei ihrem SamAuch die Städtische Tiefbaudeputation hat sich gestern mit den Borschlägen beschäftigt, die von der Verwaltung im Zusammenarbeiten mit dem Verkehrsdezernenten des Polizeipräsidiums ausgearbeitet worden sind. Die Deputation erklärte sich im Prinzip mit den gemachten Vorschlägen einverstanden, sie wünschte allerdings, Daß die Breite der festzulegenden Fahrstraße auf 8 Meter festgesetzt werden soll, und stimmte ferner der Aufhebung der Straßenbahn- meln und Stoppeln unbefugt fremde Grundstücke betreten und furvenverbindung vcn der Potsdamer Straße in die Königgräger Straße zu. Die Straßenbahngesellschaft hat sich mit dieser Regelung einverstanden erklärt; fie will durch umgehungsverkehr rom Westen direkt zum Anhalter Bahnhof den Be dürfnissen des Publikums entgegenkommen. Nach diesen Beschlüssen der Tiefbaud: putation ist anzunehmen, daß der provisorische Zustand auf dem Potsdamer Plaze bald in irgendeiner Form in einen endgültigen verwandelt werden wird und das ständige Experimentieren aufhört. " Ferner genehmigte die Tiefbaudeputation das Projekt der Fortführung der Nordsüdbahn von der Belle- AllianceStraße bis zum Rande des Tempelhofer Feldes. Die neue Strede, die voraussichtlich in den nächsten Wochen in Angriff genommen wird, mißt 950 Meter. Die vorläufige Endstation auf dieser Strecke wird Bahnhof Dreibundstraße" heißen. Die Nordsüdbahn will dieses Zweigstück deswegen besonders beschleunigt fertigstellen, weil auf diese Weise durch die Gabelung der Strecke erreicht werden kann, daß nicht alle Züge, die das Haupt- und Mittelstück der Nordfüdbahn vom Bahnhof Stettiner Bahnhof bis zur Belle- Alliance- Straße durchfahren, bis nach Neukölln durch geführt werden müssen. Die Zweigstelle vom Tempelhofer Feld ist beshalb auch aus betriebstechnischen und Rentabilitätsgründen unbedingt notwendig. Im übrigen schreiten die Arbeiten an dem Dom Neuköllner Südringbahnhof führenden Stück rüftig fort. Die Bauleitung hofft bestimmt, die ganze Strecke bis zum Südring Neukölln am 1. Juni 1925 dem Berkehr übergeben zu fönnen. Inzwischen wird der Bahnhof Kaiser Friedrich Blaz voraussichtlich bereits im Oktober d. J. in Betrieb ge= nommen worden. Tuberkulösenheim und Hakenkreuz. = = fremdes Eigentum fich aneignen. Er hat die Ortspolizeibehörden des fremdes Eigentum sich aneignen. Er hat die Ortspolizeibehörden des Kreises angewiesen, in der Erntezeit die Felder durch Polizeibeamte überwachen zu lassen, und die Landjäger sollen un nach sichtlich einschreiten. Herr v. Achenbach hat hiermit dem„ Ruhmestranz", den er sich durch seine bisherige Tätigkeit verdient hat, ein neues und sehr eigenartiges Blatt eingefügt. Daß Sozialisten sein Vorgehen unsozial schelten, wird ihn in seinem Tun nicht stören. Die ewig ,, notleidenden" Landwirte werden ihm Lobeshymnen singen, weil er zu ihrem Schuß die Landjäger mobil macht. Beneiden wird aber die Landjäger keiner um die Aufgabe, die ihnen der Kampf gegen arme und hungrige Aehrensammler und Kartoffelstoppler stellt. Wie mögen sie selber darüber denfen? Die Spendensammlung für den Selbsthilfebund der Körperbehinderten, auf die im Vorwärts" schon mehrfach hingewiejen wurde, findet in den Straßen Berlins bente und morgen statt. Der Bund braucht Geld, um Krüppeln die Selbst. hilfe zu erleichtern durch Besorgung von Kunstgliedern, Stügapparaten und Selbstfahrern, durch Beschaffung geeigneter Arbeit, durch Ankauf von Rohstoffen, durch Einrichtung eines Wohn- und Arbeitsheims. Bei seinem Wert aufrichtender Hilfe durch schaffende Arbeit ist dem Bund der beste Erfolg zu wünschen. Milchpreise ab 16. August 1924: 1 Liter Vollmilch ab Laden des Kleinhändlers 33 Pi.. 1 Liter Vollmilch ab Berliner Kubstall 36 Pf. Der Preis für Magermilch bleibt unverändert auf 9 Pf. pro Liter bestehen. Wegen eines Dachstuhlbrandes wurde die Feuerwache Neukölln in der Ercitraße, nach dem Nebenhauſe Erdstr. 10 alaimiert, wo der Seitenflügel bei Ankunft der Behr schon in solcher Ausdehnung in Flammen stand, daß der Löschzug füchtig Wasser geben mußte, um des Feuers Herr zu werden. Es soll Fahrlässigkeit vorliegen. Der siebente Zug wurde nach der 158. Gemeindeschule in der Müblenstr. 50 gerufen, wo der Lehrer R. beim Unterricht im Physilzimmer Brandwunden erlitten hatte, die ihm von Sanitätern der Wehr verbunden wurden. Die Kinder famen mit dem Schrecken davon. Unter den Rädern eines Lafffraftwagens. Vor dem elterlichen das dreijährige Kind des Arbeiters Friz Obst durch einen Last ausgerechnet am Verfassungstag wie zur Verhöhnung die Fahne Bohnhause Berliner Straße 121 in Stegliz wurde nachmittags In dem Tuberkulojekrankenhaus, Waldhaus Charlottenburg" in Sommerfeld( Osthavelland), das früher der Stadt Charlottenburg gehörte und dann in den Besitz der Einheitsgemeinde Berlin fam, wurde der Verfassungstag durch ein eigenartiges Vorfommnis gefeiert". Zur Abholung eines Patienten fuhr vor der Anstalt ein Privatauto vor, auf dem eine schwarzweiß rote Fahne mit Hatentre uz flatterte. Unter den anderen Patienten erregte es großes Aufsehen und Entrüstung, daß vor diesem mit etwa 250 Lungenkranken belegten öffentlichen Gebäude der Antirepublikaner erschien. Auf die Beschwerde eines Patienten ersuchte ein Wärter den Autobefizer um Beseitigung der Fahne, aber der lehnte das ab. Demselben Patienten sagte nachher eine Stationsschwester sehr ungnädig, die Sache gehe ihn gar nichts an. Auch die Aufforderung. des eingreifenden Patientenobmanns, die Fahne abzunehmen, hatte bei dem Autobefizer feinen Erfolg. Mehrere Patienten verspürten Neigung, jezt jelber zuzupacken, aber Diese Selbsthilfe unterblieb und der Autobefizer durfte stolz mit feiner schwarzweißroten Hafenfreuzfahne davonfahren. Nur ein Batient, ein Obersteuersekretär, befundete seine Sympathie für diesen Hakenkreuzler. Zum Abschied drückte er ihm die Hand, und hinter: her äußerte er zu Patienten, er hätte jedem, der die Fahne angefaßt Die Bekämpfung des Ungeziefers bei Mensch und Tier ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitspflege. Mit Cuprex gelingt die Ungezieferbeseitigung schnell, sicher, leicht und unauffällig, sowie ohne gesundheitliche Nachteile. Cuprex ist das wirksamste und beste Mittel gegen Kopfläuse und übertrifft alle bisherigen Mittel, weil es das Ungeziefer samt Eiern( Nisse) mit einem Male vernichtet. Apotheken und Drogerien halten Cuprex in kleineren und größeren Packungen Korrätig. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 16. August. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst, Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. Funk5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner kapelle). 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Sanitätsrats Dr. Frank:„ Die Krankenversicherung der Hausangestellten." 9-10 Uhr abends: Chor des Kaiserin- Augusta- Gymnasiums, Charlottenburg. Leitung: Musiklehrer Hans Mießner. 1. a) Täublein weiß, geistliches Volkslied vor 1600( bearbeitet von G. Schumann), b) Innsbruck. ich muß dich lassen, aus dem 15. Jahrhundert( Satz von H. Isaac). c) All mein Gedanken, aus dem Lochheimer Liederbuch, um 1450. 2. Sopransolo, Volkslieder, bearbeitet von H. Reimann. 3. a) Loreley, b) Lebewohl, Friedr. Silcher, c) Reiters Morgenlied. Volksweise( Satz von E. E. Taubert). 4. Sopransolo. Volkslieder, bearbeitet von J. Brahms. 5. a) Soldaten im Städtchen ( fünfstimmig), Volksweise( Satz von Th. Wolfrum), b) Jägerlied, c) Der Jäger aus Kurpfalz, alte Volksweisen, bearbeitet v. A. v. Othegraven. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 10.15 bis 11.30 Uhr abends: Tanzmusik, Geschäftsstelle: Berlin C. 2. Raiser- Wilhelm- Straße 46 III. Kameradschaft ,, Pankow". Am Sonnabend. den 16. August, Sigung des Festausschusses in Pankow, Türkisches Belt". Abrechnungen oder Belege mitbringen. Kameradschaft Brenzlaner Berg". Am Sonnabend, den 16. august, Sigung des Feſtausschusses in Bantow, Türkisches Relt". Abrechnungen oder Belege find mitzubringen. 16. Kreis Cöpenid". Die Rameraden treffen sich am Sonntag, Dent dorf. Ramerabschaft Karlshorst". Am Sonntag, den 17. August, gemeinfamer Spaziergang von Lokal Rennbahn, Karlshorit, um 10 Uhr vormittags. Kamerabschaft Mitte". Sonntag, den 17, August, mittags 2 Uhr, Ausmarsch nach Rüdersdorf. Treffpunkt Bahnhof Alexanderplag und JannowizKamerabschaft Kreuzberg", Montag, Jugendgruppe I. 18. Auguſt, abends 7 Uhr, Zusammenkunft bei Reichelt, Fidicinstr. 44. Rameradschaft Friedrichshain". Montag, den 18. Auguſt, abends 7½ Uhr, bannerzeitungen Nr. 2 und 3 find mitzubringen. Republikaner als Gäſte brüde. willkommen. traße 131. Rameradschaftsversammlung. Pflicht aller, zu erscheinen. den Mitgliederversammlung in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a. ReichsKamerabschaft Bankow". Montag, den 18. August, pünktlich 8 Uhr abends, in der Turnhalle der V. Gemeindeschule, Bankow, WollantRameradschaften Neukölln" und Brik". Montag, den 18. August, im Lokal Ideal- Kasino, Weichselstr. 8, allgemeine Mitgliederversammlung. 1. Wegen starker Mitgliederzunahme Einteilung der Rameradschaften in Ünterabteilungen. 2. Mitgliederaufnahme. Die Bostandsmitglieder. Zug- und Gruppenführer haben eine Stunde früher zu erscheinen. Zurildgabe der Eintrittstarten legter Tag. ,, Bollsreisebund E. B.", Gauverein Groß- Berlin. Am Dienstag, den 19. Auguft, abends 6 Uhr, findet im Berliner Klubhaus", Ohmstr. 2, Zimmer 3, eine Erweiterte Vorstandsfizung" statt, zu der sämtliche Berliner Bezirksvorsitzenden eingeladen sind. Die Anwesenheit aller Borstandsmitglieder ist dringend notwendig. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm, 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortrag des Serrn Dr. M. Brie:„ Leffings religiöse Rämpic. Dalle willkommen. Arbeitersport. Fußball: Samburg- Berlin. Städtespiele sind dazu da, um die Ber bindung der arbeitenden Klasse auf dem Gebiete des Eportes zu fördern. Am Sonntag, den 24. Auguft, nachm. 3 Uhr, treffen sich die Auserwählten von Samburg und Berlin auf dem Sportplag am Bahnhof Stralan- Rummelsberg, Annaftftraße. Borher spielen die Jugendmannschaften von Minerpa- Borsig. walde und Luftig.Fidel. Gee am 17. august fällt aus. Dafür Treffpunkt frih 17 Uhr am Turn- und Sportverein Fichte". II. Gruppe. Die Partie nach Budow Görlißer Bahnhof. Fahrt bis Schmödwig. Näheres auf der Halle. 4. Männer Abteilung. Der Festausschuß zur 30- Jahr- Feier tritt am Dienstag, den 19. August, nach dem Turnen in feiner ersten Sigung zusammen. Sport. Prenzel Sieger. Bei den gestrigen Borfämpfen im Sportpalast, die wieder vor gefülltem Hause vor sich gingen, wurde im Hauptkampf des Abends Prenzel Sieger. Der Kampf dauerte bis zur vierten Runde. Mile: 13 wurde nach 2 Minuten 26 Sefunden niedergeschlagen. Milenz zeigte sich zunächst überlegen, in der zweiten Runde wurde Prenzel zweimal niedergeschlagen. Darauf Runde einmal und wurde dann zu Anfang der vierten Runde beging Brenzel mehr aus sich heraus. Milenz siegte in der dritten fiegt. In den vorhergehenden Kämpfen kamen folgende Ergebnisse zustande: 1. Dickmanns gegen Rönisch 4 Runden unentschieden. 2. Noad gegen Ziemdorf 6 Runden unentschieden. 3. Naujoks gegen Czirson 6 Runden unentschieden. 4. Funke nen Stein 8 Runden, Sieger wurde Funke nach Punkten. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Etwas wärmer, langsam aufflarend, jedoch bald wieder trübe mit neuen Regeniällen. Für Deutschland. In Westdeutschland wieder zunehmende Bewölfung mit Regenfällen, in Mitteldeutschland Regenfälle schon nachlassend, im äußersten Often feine erheblichen Niederschläge. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch Lebewohl" los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. Lebewohl" wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. Seit 20 Jahren bewährt. In Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring Wirtschaft Der größte Schuhtrust der Welt. Den Hochkapitalismus bis zur höchsten Blüte repräsentiert der internationale Schuhtrust C. F. Bally, der in dem schweizerischen Städtchen Schönen werd seinen Siz hat. Da die Holdinggesellschaft dieses Konzerns vor kurzem ihre Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr bekannt gab, verlohnt es sich, diesen Mammuttrust, für den Landesgrenzen und Entfernungen über Land und Meer unbekannte Begriffe fint, mit ein paar Strichen zu zeichnen. unabhängig von den schwankenden Ronjunkturen einzelner Länder| fum spanischer Weine eine Abnahme des Verbrauchs an deutschen oder Erdteile, seine Rohstoffe vorteilhaft einzukaufen. Und in vielen Staaten haucht eine solche tapitalistische Riesenorganisation den selb= ständigen Schuhmachermeistern das Leben aus oder würdigt sie zu bloßen Flickschustern oder Lohnarbeitern herab. In gewerkschaftlicher Hinsicht bildet die Bally- Gesellschaft ein Schulbeispiel dafür, daß es nicht angeht, mit den gewerkschaftlichen Bestrebungen an den Landesgrenzen Halt zu machen, sondern daß es erforderlich ist, die Organisation ebenfalls international über den ganzen Erdball zu spannen. Möge die Arbeiterschaft aller Länder den Zug des Großfapitals begreifen und danach handeln lernen. Argus. " 1 Der Bally- Schuhtrust ist ein lebendiges Zeugnis für die von Karl Marg entwickelte Lehre, daß der Kapitalismus mit seinen Maschen Wohlfahrtsministerium beschäftigt man sich, wie Getreidezoll, Bolkswohlfahrt und Boltsgesundheit. Im preußiichinen und seiner foazeritierten Produktionsweise das Kleinhand der Soz. Barlamentsdienst" erfährt, schon seit längerer Zeit mit werk vernichtet, die Bevölkerungsschichten zwischen Bourgeoisie auf dem voraussichtlichen Einfluß der Agrarzölle, besonders der Zölle reibt und sie in reine Lohnarbeiter verwandelt. Denn wievielen auf die Einfuhr von Fleisch und Vieh auf die Volksgesundfelbftändigen Schuhmachermeistern und Schuhverkaufsgeschäften mag heit. Man will die Zollfrage nicht durch das Schlagwort„ Deutschder Bally- Konzern das Lebenslicht ausgeblasen haben, wenn die land habe vor dem Kriege zu viel Fleisch gegessen" abtun lassen. Tagesproduktion allein in der Bally- Schuhfabriken A.-G. in Schö- Natürlich müßte nach der Auffassung des preußischen Wohlfahrtsnenwerd 13 000 Baar Schuhe beträgt.( Im letzten Geschäftsjahr ministeriums nicht nur der preußische Landesgesundheitsrat, der in wurden dort 3 157 000 Paar Schuhe hergestellt.) Kürze zusammentritt, sondern auch das Reich zu der gleichen Frage Stellung nehmen. Das Reichsgesundheitsamt, das den Reichsgesundbeitsrat einberufen kann, untersteht dem Reich sinnenministe rium. Ueber feine Haltung gegenüber dem Problem„ Agrarzoll Vielleicht äußert sich Herr Jarres zu dieser Angelegenheit. Oder zieht und Boltsgesundheit" ist bis jetzt noch nichts bekannt geworden. er es vor, wie sein Kollege Kanik zu schweigen? Bally besitzt auf der einen Seite große Schuhfabriken in buche stäblich allen Erdteilen, mit Ausnahme von Asien, und auf der anderen eine unübersehbare Zahl von Verkaufsgeschäften. In der Schweiz gibt es fast keine Stadt, wo sich nicht ein Verkaufsgeschäft non Bally befindet. Dasselbe ist der Fall in Frankreich, wo Bally neben der Schweiz die größte Ausdehnung besitzt. Bor drei Jahren erfolgte eine Reorganisation in diesem Konzern, indem die bisherige Mutterfirma zur Holdinggesellschaft erflärt wurde. Diese ist nun die Zentrale dieses riesenhaften Gebildes. Bally ist wohl die internationalste Gesellschaft der Welt. In allen Erdteilen laufen Leute herum, die Ballys Schuhwerk tragen. Und noch immer plant man neue Gesellschaften. Zur Orientierung in diesem Labyrinth folgendes, soweit das beigefügte Schaubild nicht bereits eine Uebersicht bietet: The C. F. Bally Shoefactory Ltd., Kapstadt Ballys Aarau Shoe Ltd., London Soc. Commerciale des Chaussures Bally S. A. Brüssel Bally, Wiener Schuh- AktienGes., Wien M.W. Guthbert & Co. Ltd. Sidney Bally Limitada Sociedad Commercial Buenos Aires C. F. Bally, Aktiengesellsch. Schönenwerd ( Holdinggesellschaft) Bally- Schuhfabriken A.-G. Schönenwerd Engros- u. DetailverkaufsBally- Hoskins, Inc., Newyork Soc. Commerciale des Chaussures Bally Camsat S. A., Paris Soiété Immobillére Régina Paris Etablissements Bally Camsat S. A. Lyon häuser in der bli std Schweiz.. Name der Gesellschaften des Schaubildes. Zum deutsch- spanischen Handelsvertrag.. Bekanntlich ist vor einigen Wochen der seit langem erstrebte deutsch spanische Handelsvertrag abgeschlossen worden, der noch der Ratifizierung bedarf, aber bereits Anfang August als Provisorium Geltung erhalten hat. Der VerWareneinfuhr aus Deutschland die niedrigen spanischen Vertragszölle trag bringt der deutschen Warenausfuhr Vorteile, indem er der zubilligt und darüber hinaus noch Zollermäßigungen bis zu 20 Proz vorfieht, während bisher der bedeutend höhere Generaltarif die Einfuhr aus Deutschland belastete und darüber hinaus noch ein Zuschlag von 80 Proz. auf diese Sätze erhoben wurde. Deutschland hat als Gegenleistung die Zölle für Wein herabsetzen müssen. Jetzt erheben faft alle am Weinbau interessierten Vereinigungen des Rheingaues und Rheinhessens scharfen Protest gegen die Herabjegung der Weinzölle im deutsch- spanischen Handelsvertrag. Man befürchtet offenbar einen wesentlichen Preisrückgang für deutsche Weine. Da dje Winzer ebenso wie alle anderen Berufstände unter der herrschenden Kredit- und Absazkrise leiden, sind diese Proteste verständlich. Aber es ist das Wesen eines jeden Handelsvertrags, daß er einen Abbau folcher Schußzzollschranken erforderlich macht, die dem fremden. Import störend im Wege stehen. Für Spanien ist Wein eine wichtige Ausfuhrware, auf deren Export das Land nicht verzichten kann. Die deutsche Volkswirtschaft aber, die als Ganzes aus dem Handelsvertrag Nuzen zieht, wird nicht in dem Maße auf die Interessen eines einzelnen Berufsstandes Rücksicht nehmen können, daß sie darum die Möglichkeit, vorteilhafte Handelsverträge abzuschließen, aufgibt. Ueberdies steht es noch nicht fest, ob der KonPreisnotierungen für Nahrungsmittel. Weinen nach sich ziehen muß. Aus allen diesen Gründen wird man den deutsch- spanischen Handelsvertrag nicht an den Schutzzollinteressen der Winzer scheitern lassen dürfen. Die Berliner Berhandlungen der deutschen kalifynditate mit den Vertretern der elsässischen Kaliindustrie über den Absatz nach Uebersee, besonders nach Amerika, sind zum Abschluß gekommen. Die Unterzeichnung des Vertrages erfolgt nach Beendigung der Londoner Konferenz. Verschärfung der Krise in Sachsen. Die Lage auf dem sächsischen Arbeitsmarkt hat sich bei fortschreitender Wirtschaftskrise, die sich immer schlimmer auswirkt, weiter verschärft. Die Zahl der unterstüßten Vollerwerbslosen erhöhte sich, wie von amtlicher Seite mitdieser Verschlechterung ist besonders die Metallindustrie beteiligt. geteilt wird, in der zweiten Julihälfte von 10 197 auf 56 867. An zahlreiche kleinere Betriebe sind stillgelegt, andere arbeiten nur verfürzt. In der Voigtländischen Maschinenindustrie in Plauen sekten 1500 Arbeiter poll aus. Von den früher 5000 Beschäftigten sind nur noch 1800 einschließlich 500 Lehrlingen voll beschäftigt. Die Lage in der Textilindustrie ist nicht einheitlich. Sie wird aber durch die Tatsache gekennzeichnet, daß jetzt auch die Ausrüstungsanstalten zur Kurzarbeit übergegangen find. Voll beschäftigt sind die Teppichfabriken in Delsnik und die damit zusammenhängenden Färbereien. Parteinachrichten Einsendungen für dieſe Rubrik sind Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 3. Kreis Wedding. Heute, Sonnabend, Gommerfest im Bazenhofer", Chausseeftr. 64. Ronzert, Gesangsvorträge usw. Eintritt 40 Pf. Kinder frei. Freunde der SPD. willkommen. 2 Heute, Sonnabend, den 16. August: 112. Abt. Rahnsdorf. 8 Uhr im Lokal Lebigki, Fürstenwalder Straße, Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Täubert. Bernau. Mitgliederversammlung 8 Uhr bei Modisch, Kaiserstraße. Wichtige Jungsozialisten, Werbebezirk Wedding. Sämtliche Abteilungen nehmen an Tagesordnung. Erscheinen aller Mitglieder notwendig. dem heute abend im Bazenhofer Ausschant Chauffeestraße, stattfindenden Sommerfest der Partei teil. Eintritt beträgt für Mitglieder 20 Bf. Karten an der Kasse. Um rege Beteiligung wird gebeten. Morgen, Sonntag, den 17. August: 20. Abt. Nachmittagsausflug nach Tegelort. Die Genofsinnen treffen sich 2 Uhr an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 28. 45. Abt. Ausflug nach Königswusterhausen, Krummensee. Treffpunkt 6 Uhr 15 Min. früh am Görlizer Bahnhof Ganitätswache. Für Nachzügler Treffpunkt. Krummensee, Badestelle. Tafen mitbringen. 77. Abt. Schöneberg. 3 Uhr im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffelstraße, Sommerfest. Boltsbelustigungen aller Art. 99. Abt. Brig. Der für Sonntag, den 20. Juli, geplante, polizeilich aber nicht genehmigte Ausflug der Brizer Genossen nach Butow findet nunmehr am Sonntag, den 17. August, statt. Für angenehmen Aufenthalt im Garten des Etablissements Rohrbed, Bukow, sowie für Unterhaltung ist gesorgt. Treffpunkt der Genossen mit Familie nachm. 1½ Uhr am Rathaus Briz, Chausseestraße, Ecke Hannemannstraße. Freunde unserer Bewegung willkommen. Jungsozialisten, Werbebezirk Wedding. Beteiligung des gesamten Kreises an dem Volksfest in Falkenberg. Treffpunkt aller Abteilungen 47 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen, Eingang Badstraße. Frühes Erscheinen notwendig, da pünktliche Abfahrt. Männerchor Friedrichshain. Die Gangesbrüder treffen sich vorm. 8½ Uhr im Hof des Gewerkschaftshauses( Bezirksparteitag). Sonntag nachm. 3 Uhr, Gaalbau Friedrichshain( Sommerfest des 4. und 5. Kreises). Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 23. Abt. Am 8. August verstarb unsere Genoffin Emilie Berger, E Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je ftraße 3. Die Einäscherung hat bereits stattgefunden. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose... Haferflocken, lose Hafergrütze, lose. Roggenmehl 0/1 Weizengrieẞ Hartgrieß s 70% Weizenmehl Weizen- Auszugment Speiseerbsen, Viktoriar. Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine, Linsen, mittel Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudeln, lose. Bruchreis. Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Die Holdinggesellschaft C. F. Bally Akt.- Ges., Schönenwerd, ist der Mittelpunkt des Ganzen, wo alle Fäden zusammenlaufen. Sie beabsichtigt demnächst nach Zürich überzusiedeln. Die größte Fabritationsgesellschaft ist die Bally- Schuhfabriken A.-G., Schönenwerd, die den Schweizer Markt beliefert und, was bei der riesigen Produktion von 13 000 Baar Schuhe pro Tag erklärlich ist, für den Export arbeitet. Die Société Commerciale des Chaussures Bally, Camfat, S. A. Paris, fungiert als Holdinggesellschaft für Frankreich. Die Société Immobi= liére Régina, Paris, fontrolliert die Verkaufsgesellschaften in Frankreich, die von einer großen Fabrik in Lyon, den Etablisse Cal. Pflaumen 40/50 ments Bally, versorgt werden. Der Markt für den Bereich Desterreich- Ungarns wird von Schönenwerd aus und von einer neugegründeten Fabrik in Wien, der Wiener Schuh- Att.- Gef. versorgt. Die Firmen für England und Belgien sind auf dem Schaubild ersichtlich. Die Brüffeler Gesellschaft hat überdies den Vertrieb für Holland, Dänemark und Schweden mit zu versorgen. Zentner frei Haus Berlin. 16,25-20,00| Röstgetreide, lose 15,00 16,00 Kakao, fettarm 16,00-17,25 Kakao, leicht entölt 15,50-18,00 65,00-75,00 86,00-100,00 18,00-19,00 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 13,00 14,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 18,25-19,75 Inlandszucker basis mel. 40,00- 42,00 22,50-24,25 Raffinade 40,00- 45,00 3138575 16,00-17,23 Zuckzucker Ra 45,00-48,50 30,00-32,00 40,00 45,00 27,00-31,00 90,00-95,00 35,00-40, CO 33,00- 38,00 3,10 3,70 4,00 4,70 81,00- 81,50 82,00-83,60 79,00-79,50 79,00-80,00 49,00-52,00 48,00-50,00 63,00 57,00-60,00 79,00 66,00-68,00 49,00-53,00 Molkereibutter i: Fässern 208,00-216,00 65,00- 70,00 Molkereibutter in Pack. 213,00-220,00 80,00-90,00| Landbutter 18,25 23,0 Kunsthonig 15,00 17,50 Zuckersirup hell in Eim, 8,75-11,75 Speisesirup dunk. in Eim. 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 27.00-30,50 Marmelade Vierfrucht 20,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00-37,50 Steinsalz, lose....... 39,00-46,00 Siedesalz, Iose 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 36,00-42,00 Bratenschmalz in Kübeln 33,00-35,00 Purelard in Tierces 15,00-17,75 Purelard in Kisten 15,00 16,00 Speisetalg in Packung 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln 23,25- 31,00 Margarine, Handelsm. 30,00-36,00 desgl. II.. 85,00 90,00 Margarine, Spezialm. I.. 40,00-43,00 desgl. II. 50,00-55,00 Margarine III. 60,00 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice. 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 220,00-222,0) Mandeln, süße Bari 175,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,50- 37,00 Mandeln, bittere Bari.. 155,00-169,00 Aus! Speck, geräuchert 75,00-83,00 Zimt( Cassia) 106,00-115,00 Quadratkäse. Kümmel, holländischer 65,00 75,00 Tilsiter Käse, vollfett Schwarzer Pfeffer Singap. 108,00-115,00 Bayr. Emmenthaler Weißer Pfeffer 150,00-155,00 Echter Emmenthaler Rohkaffee Brasil.....180,00-215,00 Ausl. ungezuck. CondensRohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16 Röstkaffee Brasil... 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00- 26,50 Danksagung. Danksagung Für die vielen Be Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meiner lieben weife herzlicher Teil Gattin sage ich allen Freunden und Be- nahme bei der Einkannten, insbesondere meinen Kollegen äfcherung meines lieim Bureau, sowie dem Vorstand der Orts- ben Mannes, unseres krankenkasse für das Maurergewerbe zu guten Baters, Groß Berlin, dem Gen. Napp v. d. 23 Abt. SPD. und Schwiegervaters u. dem Redner der Freidenker für die tief- Wilhelm Mahnkopf den und Bekannten, insbesondere den Genoffen der 30. Abtei lichsten Dant. 3m. Aug. Mahnkopi Bon großer Bedeutung und Ausdehnung ist das Geschäft von Ueberse e. Mit der Firma M. W. Guthbert in Australien wurde eine Interessengemeinschaft geschlossen, die u. a. in der gegenseitigen Befeßung des Aufsichtsrats zum Ausdruc tommt. Gemeinsam mit dieser wurde eine große Schuhfabrik in Kapstadt erworben, die den südafrikanischen Markt bearbeiten foll. Eine der wertvollsten Verbindungen des Bally- Konzerns ist die New Yorker Gesellschaft, die aus der Bally Company Inc., New York, hervorging und fürzlich den jetzigen auf dem Schaubild verzeichneten Namen annahm. Sie betreibt eine Schuh- emfpund.Worte meinen herzlichen Dank. fagenwir allen Freun fabrik in Amerika und besorgt den, Verkauf der Erzeugnisse von Schönenwerd. Ferner liegt ihr der Einkauf von Rohmaterial für alle Produktionsgesellschaften ob. Welche riesenhaften Mengen Le Metallbetten unseren herzder usw. von Bally allerorten gebraucht werden, famm sich jeder Leser selbst überschlagen. Im Krieg war diese Berbindung von besonderer Bedeutung. Auch die Generalvertretung für Nordamerika liegt in deren Händen. Für Südamerika fungiert die Bally Ltd. Soc. Commercial, Buenos Aires, als Generalver= tretung, die neben eigener Produktion auch den Verkauf der Produfte des Konzerns und den Einkauf von Rohmaterialien besorgt. Gewiß ein grandioses Bild kapitalistischer Entwicklung, dieser Bally- Schuhtrust. Ueber die unzähligen Verkaufsgesellschaften werden nähere Angaben nicht gemacht. Es würde sehr interessant fein, auch hierüber näheres zu erfahren. Bally arbeitet in fast allen Ba= Iuten. Vom Rohprodukt bis zu dem Augenblick, wo der Käufer den Schuh anprobiert, fontrolliert Bally das Geschäft. Bollendeter fann man sich die fapitalistische Konzentration nicht denken. Demgegenüber sind unsere Schuhfabriken Kleingeschäfte von geringer Bedeutung. Es steht noch nicht fest, ob Bally nicht auch seinen Einzug in Deutschland hält. Geplant war es bereits. Eigentümlich ist es, daß die fleine Schweiz solche internationale Finanzgrößen beherbergt. Die Expansion der Bally- Gesellschaft erfolgte hauptsächlich in der Nachkriegszeit. Die Entwidelung der Bally- Gesellschaft zeugt ferner von einer beispiellofen fapitalistischen Organisationskraft und von der Vaterlandslosigkeit des Großfapitals. Seßhaft in allen Erdteilen, kontrolliert ein solcher Trust den Werdegang des Schuhwerks von der Rohstoffbeschaffung über die Produktion bis zu dem Augenblid, wo der Käufer mit dem Schuhfarton in der Hand das BallyRaufhaus verläßt. Infolge seiner Internationalität vermag der Trust, Karl Berger, Togostr. 3. Stahlmatratz., Kinderbetten dir, an Priv. Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Mit DO ung nebst Kindern. geringster Anzahlung und äußerst leichter wöchentlich, oder monatl. Teilzahlung kaufen Sie Garderobe in guten Qualitäten zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen Herren- DamenAnzüge/ Paletots Mäntel/ Kleider Cutaways/ gestr. 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Senefelber Steglig II: Desgleichen. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Steglig. Viertel: Fahrt: Fangschleuse- Störizsee. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Greifenhagener Straße. Südosten, Reichenberger Biertel: Busammen mit der 45. Parteiabteilung Wanderung nach Königswusterhusen- Krummensee. Vorzügler: Sonnabend, pünktlich 17 Uhr abends, Görlizer Bahnhof, Unfall. station, und Sonntag, früh 6 Uhr, Görliger Bahnhof. Briefkasten der Redaktion. W. T. 31. Wenden Sie sich zunächst an das Wohnungsamt. Nötigenfalls muß der Klageweg beschritten werden.$. 3. 46. 1. Die gefeßlichen Vorschriften über die Aufwertung kommen nicht in Frage. Gleichwohl fönnen Sie aber Aufwertung fordern. 2. Falls der Schuldner fich zur Zahlung eines höheren Prozentsages nicht bereit erklären sollte, so müssen Sie den Klageweg gegen ihn beschreiten.. Im Auftrage einer Herrenkleiderfabrik verkaufe nur an Private Anzüge, Ulster, Paletots, Hosen sowie sämtliche Berufskleidung zu staunend D1S billigen Preisen Dresdener Straße 10 95 TagePfennig Musselin 11 Leitungschoner tuch zusammen Untertaillen Kindersweater gezeichnet..... 2 Stück mit dem S. Aussate 95 P. Marktkorbdeck 95 P. Jumperform. breit.Stick. Stück Küchenhandtch. Korsettschoner 95 Pt. gezeichnet..... Stück 95p Damen weiß gestrickt.... Stück. Kunstseid. Schals 95 Pf. Armblätter mit Gummiplatte... 3 Paar. 95 Bluse aus gemustertem 95 Pf. 1 Shisse, Wachs 95 P. 1Rolle Obergarn 95 Cheviotheo.95 P 1 Kokosmatte..95 Stahlstecknadeln halbwoll, dop P. Blusenstreifen 95 Untertaille aus gut 95 p. Popelinart.....Mtr. Pf. Wäschestoff ..... Stück u. 3 Knäuel Twist 1 Karton, 50 g, 6 Duizend Wäscheknöpfe zus. - Schürzen Pf. a. gestr. od. gemast. Stoff. Stück Damen- Westen 195 Zierschürzen a.Crepe Marocain in viel Farb. mit breiter Stickerel. umper aus gemustertem 195 Selbstbinder Pf. 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Eingetreten keiner, ausgetreten keiner. Das Geschäftsguthaben und die Haftsumme der Genossen beträgt e 270 M. Der Vorstand: 0. Laupichler. C. Reinecke. Nordosten Achtung! Nur weil Selbsthersteller! Nur 6 Mark franko Nachnahme oder Vorkasse diese 3 Aluminium- Töpfe 2-3 u. 4 Ltr. mit Deckel $ Wasserkessel 3 Ltr. 3,-, 4 Ltr. 3,25, 5 Ltr. 3,50 extra Rud. Seuthe, Holthausen, Kreis Altena i. W. 3000 qm Fabrikräume. Postscheckkonto 8233 Magdeburg 3 Millionen qualitativ hervorragender Lypstadt- Cigaretten bringen wir in Fortsetzung unserer beliebten Sonderangebote in den unten angegebenen Niederlagen 9 zu folgenden enorm billigen Preisen zum Verkauf: دو 100 St. Lyp statt 3.-M. 1.-M. 100 Remonte " " 9 100 Robber 3.4.1.1.50 99 9 99 " 99 100 Bonabelle 5.2.99 " " 99 100 Privat 6." 39 99 100 Brokat 8.2.50 3.99 " " 99 دو CIGARREN- HAUS ,, GROSS- BERLIN Filialen: Hackescher Markt 5 Möckernstr., Ecke Tempelhofer Ufer Blücherstr. 16, Ecke Mittenwalder Str. Neanderstr. 28, Ecke Schmidstr. 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