Hg.S$$ ♦«.�ahrysag �usgai» A Nr. 148 v«z«sSperiS: »ScheiULch 7»«»ldvsomig,«m»a»ch I,—«oldmark voraus zahlbar. Untre Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Siemeigebiet. Orü erreich, etteara, Luxemburg 150 SoUuoarh ftr da» übrige Ausland 5ch0 Soldmarl pro Monat. wer„Borwlri»� mit der Sonntag». teilag«»Loll und Zeit" mit„Sied- lang und Kleingarten', sowie der Unterhaltungsbeilage �eimwell' und ffraucnbeilage„Frauenstimme' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal. relegramm-Ud reffe: MI 7 t' m•--*»— m i t M z I tTTi P l I Qf Jüvtllö Morgenansgabe c i06oiiip!eiiiii� 100 Mlliiarden D r* Vevlinev Volksvlatt Auzeiarnpreisc: Di« einspaltig« Nonpareille- »eile 0.70 Eoldmarl. Neslamczcile t.— Eoldmarl.„Kleine Anzeigen' das setlgedruckte Wort 0,20 ifcld- mark l-ulässig zwei fettgedruckte Worte), sede» weitere Wort 0.10 Doldmark. Stellengesuche da» erste Wort v.lo Goldinarl. jede, weitere Wort 0,05 Doldmark. Wort« über IS Buchstaben zahlen für zwei Worte. Familicnanzeigen für Abonnenten geile 0L0 Doldmarl. tine Seldmarl--- ein Dollar geteilt durch<,20. Anzeigen für die nächste Rümmer «ilssen bise!üen. ' Der deutschnationale$falstaff. Die Deutschnationalen sind halbe Helden. Sie schrecken immer vor dem letzten Entschluß zurück. Jetzt ist es an ihnen, sich zu entscheiden. Jetzt gibt es keine„unverzichtbaren Vor- behalte" mehr, kein Ausweichen auf die Diskussion der Ver- Handlungsmethoden. Jetzt gilt nur noch das klare Ja oder Nein, annehmen oder ablehnen. Ein freies, aufrichtiges und ehrliches Manneswort. Man meint vielleicht, die Entscheidung der Deutschnatw- nalen sei selbstverständlich? Sie hätten doch eben erst laut ge- schrien: am Grabe der Hoffmingen— das zweite Londoner Ultimatum— ein zweites Versailles? Das stimmt, und gestern abend setzte ihre Presse dies Konzert fort: „Das Ergebnis von London ist aus all diesen Gründen d ar ch- aus unbefriedigend; es entspricht nicht den Zusagen der deut- scheu Reichsregierung: es legalisiert«inen der erbärmlichsten Raub- züge der Weltgeschichte und bildet dadurch einen Anreiz für später« neue Gewalttaten, und es bietet keinerlei ausreichende politisch« Gegenleistung für die Annahme der größten finanziellen Versklavung, die jemals durchgeführt wor- den ist. des Dawes-Plcmes."(Deutsche Tageszeitung.) „Wenn also von der Regierungspresse Erfolge in die Welt posaunt werden, so ist das weiter nichts als Stimmungsmach«. Erreicht wurden meist glatte Ablehnimgen; bestenfalls Versprechungen. Nicht IM oder auch nur 66% Proz. des vollen Erfolges find er- reicht, sondern die volle hundertprozentige Ver skia- vung Deutschlands durch die Weltfinanz." (Deutsche Zeitung.) Das sind doch klare Worte? Aber am Sonnabend hieß es „aus leitenden deutschnationalen Kreisen", es gäbe nur eine Haltung: ablehnen! Gestern, als die Führer der Deutsch- nationalen in der Parteiführerbesprechung nach ihrer Entscheidung gefragt wurden, machten sie A u s f l ü ch t e. Sie erklärten, man müsse erst abwarten, erst die Ge- setze kennen, sie könnten sich noch nicht endgültig entscheiden, noch keine endgültige Erklärung ab- geben. Versklavung Deutschlands— aber keine endgültige Erklärung; am Grabe der Hoffnungen Deutschlands— aber erst, wenn die Deutschnationalen die Gesetze kennen; ein zlö'eites Versailles— aber vielleicht wird man doch zustimmen! Sie können nichts ganz sein! Erst wollten sie die Rolle der Unentwegten spielen— aber da kamen ihnen die unangenehmen wirtschaftlichen Tatsachen in die Quere. Wendung zum Umsall, vielleicht sogar ein Geschäft damit zu machen— aber nicht einmal umfallen konnten sie ganz. Sie renkten und wackelten, aber dann kam die Konferenz. Zurück zur männlich heldenhaften Haltung der Unentwegten— die Welt glaubte schon, sie würden umfallen vom Umsall. Aber da hätten sie etwas ganz tun müssen, hätten den Mut haben muffen, im innerpolitischen Kampfe, sei es auch im Wahlkampfe, um ihre jeweilige Anschauung zu ringen. Sie möchten gerne ganze Helden sein und Nein sagen— aber nun fürchten sie die Auflösung des Reichstags und die Wahl. Vielleicht kann man noch einmal umfallen, vielleicht einen Dreh finden, um die Entscheidung im Kampfe zu ver- meiden? Die ganze innere Qual der halben Helden enthüllt sich in der„K r e u z z e i t u n g". Vielleicht finden sich in den Gesetzen die großen Erleichterungen über unvermutete Erfolge in London? Also behaupten wir zur Vorsicht: die Deutsch- nationalen, nicht die Delegation hat diese Erfolge gehabt: „Welches war der einzige Aktivposten, den die Herren Marx und Stvefemann nach London mitnahmen?— die deutschnationale Opposition. Was hat in London> e i n e b«- scheiden« Wirkung gehabt?— Die deutschnationale Opposition." Umsall gefällig unter der Parole: wir Deutschnationalen haben den Erfolg von London bewirkt? Aber es könnte ja auch anders kommen, man könnte ja Nein sagen müssen, wie vermeidet man Kamps und Auflösung? In der Furcht vor der Auseinandersetzung klammert sich das tapfere Organ an jeden Strohhalm. Vielleicht haben die Sozialdemokraten Angst vor den Kommunisten, vielleicht sind die Kommunisten die Retter in der Not: „Wenn auch ein Wahlaussall nie genau vorausgesagt werden kann, eins ist sicher: Erneutes Auwachsen der kommu- nistischen Fraktion aus Kosten der sozialdemo- k ratischen. Denn gegen die kommunistische Parole, die Arbeiter- schaft müsse die Hauptlast bei dem„kapitalistischen Geschäft" tragen, kann die Sozialdemokratie nicht aufkommen." Und wenn auch das nichts hilft— vielleicht kann man sich vergewaltigen lassen? Die„Kreuzzeitung" möchte nur zu gerne vergewaltigt werden: „Die Dawes-Gesetze aber wird man auf andere Weise unter Dach und Fach zu bringen suchen� wahrscheinlich durch Annahm« mit einfacher Mehrheit, die man vorher für statthast er- klärt. Das wäre verfassungswidrig? Du lieber Gott, was haben wir in der Republik nicht schon alles erlebt." Die Entscheidung steht, und niemand hilft den Deutsch- nationalen davor: umfallen oder kämpfen. In dieser Stunde wissen sie noch nicht was sie wollen. Das ist die Partei, die nach der Führung drängte, die Partei der Unbedingten, der Charaktere! Nicht einmal umfallen können sie mit Anstand! Und wenn sie Nein sagen, zum Kampfe gestellt: mit dem Fluche der Halbheit belastet werden sie in den Kampf ziehen, unsterblich lächerlich vor der Geschichte als die halben Helden, bei denen der Kampf im Grunde genommen, nur— ein Umsall wart..___ Vormarsch öes �Reichsbanners� Erfolge im ganzen Reich. Genosse Karl Höltermann, Redakteur unseres Magde- burger Partsiblattes und gleichzeitig Pressewark des„Reichs- banners Schwarz-Rot-Gold", gibt im neuesten Heft der „Glocke" einen Ueberblick über die Entwicklung des„Reichs- banners" in den wenigen Monaten seines Bestehens. Er er- innert daran, daß angesichts des Ludendorff-Rummels in Halle am 11. Mai die dortigen Genoffen sehr trübe in die Zu- kunft der Republik sahen. Aber: Es sind kaum drei Monate vergangen— und wir nähern uns der zweiten Million Mitglieder im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Genau drei Monat« nach dem großen„Deutschen Tag" von Halle, von dem Freunde und Gegner annahmen, er werde der Ausgangs- punkt einer schwarzweihroten Welle werden, die ganz Norddeutsch- land überflutet, erlebten wir den Verfassungstag 1921, der die schwarzrotgoldene Sturmflut brachte. Als der Bundesvorstand acht Tage nach dem 11. Mai in Magdeburg zusammentrat, um die Berichte über die Rundreise durch all« deutschen Gau« entgegenzunehmen, da war es uns gewiß, daß die Gründung des Reichsbanners kein Fehlschlag war; aber mancher zweifelte noch, ob es gelingen werde, die in Aussicht ge- nommene Reichsoersassungsseier in Weimar zu einem Erfolg zu gestalten. Nur diese eine Feier war als größere Veran- staltung geplant, von ihr versprachen wir uns ein« ähnliche Wirkung, wie sie der Reichsjugendtag 1920 für die Arbeiterjugend hatte. Nach vier Wochen wußten wir, daß neben der Feier in Weimar noch in ipindestenp zehn Städten Veranstaltungen stattsindeu würden, in einem Ausmaße, wie sie nie zuvor erlebt wurden. Als die w u n- den Punkte erschienen uns Berlin, Hall�, Nürnberg, München. Der Riesenstadt Berlin, wo die Kommunisten sich redliche Mühe gaben, die Arbeiterbewegung zu zerrütten, das Gepräge des Reichsbanners aufzudrücken, schien eine schier unlösbare Aufgabe- sie wurde gelöst; der Gau Berlin ist einer der besten von allen. Der Bezirk Halle, einst die kommunistische Hochburg, war zur Beute der Reaktion geworden; Stahlhelm und Werwolf waren zu Herrschern geworden. Es wurde geschafft. Halle wurde am 19. August für die Demokratie erobert, wobei das klein« Anhalt getreulich« Hilfe leistete. Der Gau Hall« und der Gau Ost- preußen— sie sind der Stolz des Reichsbanners. Auch Bayern bekam die Kraft der Reichsbannerbewegung zu spüren. Wohl waren Verfassungsfeiern unter freiem Himmel verboten— aber kein Raum in München und Nürnberg war groß genug, um die Republikaner zu fassen. Di« Polizei mußte es dulden, daß Zehntausende im Freien sich sammelten. Es ist eine ungeheuerliche Arbeit geleistet worden in den drei Monaten.... Ein neuer Ansturm von Mitgliedern hat eingesetzt, der Rahmen der Formationen ist wiederum gesprengt. Des alten Generals Deimling Ruf: Das Ganze sammeln unter dem Reichs- banner Schwarz-Rot-GoldI hat Tausende und aber Tausend« in Bewegung gebracht. Und nicht nur die Männer des demokratischen Deutschland scharen sich um die Fahne der Republik. Auch die Frauen fordern immer stürmischer ihre Einordnung in die Be- wegung: auch sie wollen mitraten und mittaten, wenn es um die Zukunft Deutschlands geht.... Das Reichsbanner ist dos Sammelbecken einer gewaltigen Kraft — am Verfassungstage 1924 ist sie sichtbar geworden. Wo und wie wird sie angesetzt werden? Die Gegner der Republik bestimmen den Punkt, auf den der Stoß gerichtet wird.... Die Münchener Polizei tat gut daran, daß sie auf die Durchführung des Kokardenverbots am 19. August verzichtet hat. Mit diesem Verbot sollt« ja auch nicht das Reichsbanner, sondern das Reich getroffen werden. Und jede Re- gierung, die sich gegen den Reichsgedanken vergeht, muß damit rechnen, daß die Riesenorganisation des Reichsbanners als Propa- gandaapparat gegen sie eingesetzt wird. In diesem Zusammenhang weist Hölkermann darauf hin, daß das Kokardenverbot gleichzeitig die Frage des Verhält- nisses der Länder zum Reich berühre. Der Sinn des„Reichs- banners" ist, die deutsche Republik zu schützen. Ver- suchen einzelne Länder, sich auf Kosten des Reichsge- d a n k e n s partikularistifche Sonderrechte zu verschaffen, so wird der im„Reichsbanner" verkörperte Gedanke seine Wirk- samkeit nicht verfehlen, das heißt, er wird bei geplanten Ver- fassungsändeningen sich dafür einsetzen, daß das Reich ge- stärkt werde, selbst wenn es einzelnen Landesregierungen wider den Strich gehen sollte. Schwarz-Not-Golü auch in Sopern. München, 18. August.(Eigener Drahtbericht.) Die ober- bayerische Arbeiterschaft veranstaltete am Sonntag auf dem Hohen Peißenberg und dem Taubenberg im bayerischen Ober« land zwei Sommerfcste, die durch ihren starken Pesuck bewiesen, daß trotz der Verbote und Schikanen durch die bahcrisSe Regie- rung die Republik und das Banner Sckwarz-Rot-Gold auch in Bayern marschieren. Auf der Heimfahrt wurde eine Jugendabteilung in Holzkirchen von Hakenkreuzlern überfallen und vier Jugendliche schwer mißhandelt. Ein Bauer aus Warngau wurde erstochen. Mehrere Lastkraftwagen, die Festteilnehmer uach München zurückbrachten, wurden daraufhin»on der Polizei angehalten und zur Polizeidireltion geleitet, dort wurden die Per- sonalien der Insassen festgestellt. Jus öem Tagebuch eines Jbgebauten. Von Erich Lang. „Zufolge der Preußischen Personalabbauvorordiurng fche ich nrich zu meinem größten Bedauern gezwungen, Ihnen Ihre Stellung in meinem Bureau zum 31. März 1924 zu kündigen." So fing's an. Dann gab's ein schmälzig sentimentales Zeugnis mit einer kleinen»persönlichen Rote". Zum Schluß kamen die stei- flu Verabschiedungen bei den Vorgesetzten� von denen man wärmst« Wünsche für eine gute Zukunft entgegennehmen durfte, und dann die Abschiedshändedrück« der schadenfrohen Kollegen, an denen der Kelch glücklich vorübergegangen war. Nochher gab's noch ei» kleines Zehrgeld mü-auf den Weg ins«ue Leben: Abfinduvgs- summ« genannt. Und mm lauft Zuerst fühlt man sich sehr wohl dobä. Da kannst da lange schlafen, schimpfft nicht, wenn dich morgens der verdammt« Wecker aus schönsten Träumen reißt, brauchst dich nicht mit furchtbar gleich- gültiger und überflüssiger Bureauarbeit abzugeben. Du gehst spazieren vormittags von 10—12 Uhr. hältst nachmittags oo» 2 vis 4 Uhr deinen wohlverdiente» Mittags schlaf und gehst nochmals von 5—7 Uhr aus. um auch nach dem Abendbrot noch die-fnsthe Abend» llust zu genießen. Aber wenn dann urplötzlich«in entsetzliches Ahnen durch deine heitere Stimmung geht, und die Rechte halb unbewußt in die link« Brusttasche greift, die Brieftasche hervorzieht und deinem Auge sich die Menge deiner Barschaft kundtut, dann tritt die Sorgenfalte aus die Stirn, an den Mundwinkeln zeigt sich ei» böser Zug. und am Hinterkopf verspürst du plötzlich einen stechenden Schmerz. Was nun? Kennt ihr das: Stellenjägerei?„Gar lustig ist die Jägerei oll- hier auf grüner Heid'." Stundenlanges Worten auf Korridoren, zages HerzLopfen, be- scheidenes Türan klopfen, schleuniges Geraderücken des Schlipses, heimliche« Zurechtstreichen des Scheitels, 3Smafiges Umfahren mit den Fingern an der Peripherie der Hutkrempe, furchtbares Bedürf- nis zum Austreten.,. endlich:„Herein".-. unzählige Berbeu- gungen, furchtsames Stottern, zitterndes Darreichen von Zeug- nissen, Empfehlungen, die nicht abgenommen werden— Angstschweiß tritt aus—, ei« Achselzucken, eine Handbewegung. Und wieder ist man draußen. All« Zettungenummern werde« eingesehen.„Rachtschrchbeamter, Feld- und Forsthüter gesucht, nationale Gesinnung, christliche An- schauung, muß nachts wachen, tags auf dem Hofe tätig fein. Schriftliche Angebote an Rittergutsbesitzer Graf von T., Kgl. Ge- nercckieutnant auf Hohenzollerntreue in Hinterpommern." Wir gehen zur Tagesordnung über. „Hoher Verdienst für Abgebaute als Reisende einer Versiche- rungsgesellschast. Offerten unter Sch. Windel 999. In Klemstädten bcstemgeführter Harr ztnn Absatz eines vielgefragten Artikels aus der LebensmittÄbvanche usw." Und dann war ich Reiseuder für eine Likörfirma. Kleine nette Probierfkäschchen in den ausgesuchtesten Formen mit den köstlichsten Feuerwässern hatte Ich im Koffer.„Aber, bitte, tosten Sie nur!" „Sehr vortrefflich ausgezeichnet." Doch bedauere, leider, die gegen- wältige Notlage, Geldmangel, hohe Vankspesen. Nach vier Wochen verschwand ich Mein« Firma hat nichts mehr von mir gesehen. In der Wahl zeit war wenigstens etwas zu machen. Da konnte man als Billettabreißer bei Wahlversammlungen, wenn man Glück hatte, auch als Kassierer tätig sein. Jetzt warte ich auf den nächsten Zirkus. Dan» will ich Plakate verteilen und mir st» einige Frei- billetts für die Abendvorstellung erwerben. Denn schwer« Arbeiten kann ich nicht machen, kann nicht Steineklopsen, kann nicht zur Erntezeit in Sonnenglut Roggen binden. Dazu bin ich zu schwäch- lich. Neulich wollte ich zum Tellerabspülen und Geschirrwaschen in ein Hotel gehen, konnte aber keine freie Stell« finden. Jetzt verkaufe ich Donnerstags früh die Illustrierte, gehe durch sämtliche Bureaus meiner alten Dienststelle, mache ein verteufelt verzweifeltes Gesicht und erhalte pro Stück 29 Pf. Sonnabends zieh« ich durch die Dörfer von Haus zu Haus. Mit Helligen-Mien« biete ich fromme Blätter an:„Der hinkende Bote",„Himmelan", „Dea gloria in excelsia*. Mittags sitze ich dann irgendwo in einer niedrigen Bauernstube in stickiger Luft— es riecht nach Flöhen, Stroh und Lehm— und schlinge irgendein schmählich erbetteltes Bauern geri cht. Wenn ich dann wieder zu Hause bm, habe ich Langeweile, Dann setze ich mich in die Anlagen und lese in einer alten Zeitung. „Biete reiche Damen suchen die Bekanntschaft von Herren(auch ohne Vermögen) zwecks späterer Heirat." Ob sie schon all« verschen find? Oder auch die Reichstagsbericht« aus jüngster Zeit lese ich gern. Das ist ja etwas zu lachen. Da muß ich auch einmal hin- gehen. Denn was soll ich anfangen in meiner vielen freien Zeit? Ob ich den Roman eines Abgebauten schreib«? Doch die Tinte ist schon so blaß, dazu wird sie nicht mehr reichen. Aber an dem nächsten großen Preisrätsel will ich mich be- teiligen und den 1. Preis gewinnen. Mein« Mutter sagte mir, ich sei an einem Sonntag geboren, und Sonntagskinder sollen Glück haben. Manchmal lese ich auch in den Gedichten von Joachim Ringel- natz, die ich neulich in den Anlagen gefunden habe. Da traf ich die verwandte Seele.„Sorge dividiert durch 2 hoch x",„Worte eines durchfalltranken Stellungslosen in einen Waschkübel ge- sprachen",„Von einem, dem alles daneben ging". Wenn mir doch jemand noch einen Band von ihm schenken oder wenigstens nur leihen wollte. Doch daran denkt keiner. So bin ich ganz allein. Da» vrematische Tbeaker eröffnet am Donnerstag, den 28. August sin, ffiriedricki-Wilhelmstädtischen Schauspielhaus) mit„GtlleS und Jeanne" von Georg Kaiser. Das russische Lallelt wird i» der Großen BolKoP« im Ansang vktoier gastiere». dm Zeiß-Planetarium. Von Rudolf Zwetz. Im Fahrstuhl 39 Meter hinauf zur Plattform des Fabrikneu- baues. Ein Kranz heller Berge schließt in anmutigen Linien das grün« Tal ein, darin Jena liegt—«inst bloß ein stilles Nest studentenfroher Biergemütiichkeit, jetzt eine Stadt der Kongresse,«in« Stätte rastloser Arbeit. Was Ernst Abbe und Karl Zeiß für gemein- wirtschaftliche Ornung des Arbeitsganges bedeuten, wissen die Leser dieser Zeitung. Und nun verschluckt uns die 8 Meter hohe Kuppel: Im Zentrum der grauen, halbfinsteren Halbkugel steht das größte Wunder optischer Feinmechanik, das die Welt kennt: das Projektions-Plone- tarium, eine 2% Meter hohe Apperatur mit vielen blinkenden Röhren und Objektiven und einem gesondert drehbaren Glas- Zylinder, der«in zweites System von Projektionsapparaten enthält. — 299 Menschen warten in vierfachem Kreise auf ihren Stühlen stumm des Wunders. Ein junger Helfer des Erfinders(des Dr. Bauersfeld) berichtet über das Werden des Wunders: Lang geplant, erfuhr es in fünf- jähriger Arbeit jetzt seine Vollendung. München erwarb es, ein zweites Stück ist in Arbeit.„Für 159 999 Mark kann auch Berlin «ins kaufen," schlug mir der Redner nachher im Privctgespräch vor. Was soll der Apparat? Er veranschaulicht den Tages- und Jahreslauf der Gestirn«, von Sonn«, Mond und Planeten— mit Aus- nahm« der beiden letzten— und von 4599 Fixsternen durch Lichtbild- Projekten an eine Kuppel. Durch stärkere oder geringer« Neigung kann jede beliebig« geographische Breite eingestellt werden, bloß das Südpolargebiet des Himmelsfeldes hat man fortgelassen. Ein dunkler Streifen rings an der Kuppelwand wird jetzt erkennbar als die genaue Wiedergabe des Jenaer Horizonts. An ihm geht die Sonne auf, dann der abnehmende Mond und die 5 Planeten von Merkur bis Saturn. Im Lichtspiel vollzieben sie ihre Bewegung, Nacht und Tag lösen sich ab, Winter- und Sommerstellung wechseln. Und nun klappt die 8-Meter-Kuppel plötzlich weg. Tausende von Lichtern glänzen aus der Unendlichkeit herein und ziehen in klarer Pracht ihren Weg. Dazwischen wandeln die Planeten ihre eigen« Bahn, und nun kommt die Sonne, umkreist von Merkur und Venus, gefolgt vom roten Mars. Als das Licht erlischt und die Arbeits- lampe den nüchternen Kuppelhorizont erhellt, wacht man auf wie aus einem Märchen. Man könnte davon sprechen, daß dies Schauen in den grenzen- losen Raum Gottesdienst sei; man möchte dies« Leistung Wissenschaft- licher Arbeit mit Ausdrücken höchsten Lobes erheben. Besser ist es, ganz nüchtern zu sagen, daß hier ein Bildimgsmittel geschaffen ist, das der Menschheit gehört. Was Tierkreis und Ekliptik, rückläufige Planetenbewegung und die fukutare Verschiebung der Erdachse be- deuten, wird hier deutlich; und durch 59 999 Jahre, 25 999 vor- und 85 999 rückwärts, läßt sich jede Konstellation herstellen und an einem Zählwerk mechanisch ablesen usw. Berlin mag versuchen, kauf- oder leihweis« das Werk zu be- kommen. Dann werden auch die Leser dieser Zeilen erfahren, wie mit dem Blick in die Unendlichkeit die Ehrfurcht wächst vor den Ge- Heimnissen des Raumes und doch zugleich der Drang, über die Menschheitsgrenzen weg hinauszurcichen zu anderen Welten. weh üem, öer— ehrlich ist. Nationalverband deutscher Offiziere gegen Deimling. Der Deutsche Offizbersburid, der Nationalverband deutscher Offi- ?iere und der Reichsosfiziersdund erlassen folgende gemeinsame (rrklärung: General Deimling tritt neuerdings in der Oeffentlichkeit für die schwarzrotgoldene Fahne, für den Pazifismus, die Repu- blik und den Eintritt in den Völkerbund in aufsehenerregender Weise hervor. Ueber seine politisch« Ueberzeugung wollen wir nicht mit ihm rechten. Daß er aber als früherer Kommandieren- der General in dieser Weise sein« antimonarchische Ge- sinn un g öffentlich zur Schau trägt und gegen die schwarz- weißrote Fahne, unter der er eine lange, ehrenvolle Dienst- laufbahn zurückgelegt hat, ankämpft, daß er es unternimmt, zum Eintritt in das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold auf- - zufordern, welches er als in Wahrheit allein national und patrio- tisch anerkennt, zwingt uns festzustellen, daß er selbst die Schei- dung von seinen Kameraden von der alten Armee voll- i zogen hat. Die Erklärung der drei Offiziersbünde ist echt deutschnational und echt völkisch. Alle diese ehrhaften Herren, die so empört tun, wenn ein ehemals aktiver Offizier sein« Kraft der Republik zur Verfügung stellt, beziehen selbst fette Pensionen von diesem so verabscheuten Staat, und wenn es gilt, um höhere Bezüge zu kämpfen oder— wie Ludendorff, Westarp und Konsor- ten— ihre dem heutigen Staat so überaus„wertvolle" Person in Sicherheit zu bringen, laufen sie sich bei den republikanischen Be- Hörden die Hacken krumm. Hinterdrein aber wird auf„November- Verbrecher", Schwarz-Rot-Gold und Republik reichlich geschimpft. Und wehe dem, der sich verpflichtet glaubt, seinem Volk auch weiter zu dienen, nachdem ER nach Holland ausgekniffen ist. Der gesell- schaftliche Boykott ist ihm sicher. Wirklich ehrenhast, höchst ehren- . hast! Im übrigen verurteilt sich die Erklärung selbst, indem sie von den vortrefflichen Bünden behauptet, daß sie eine politisch« Ueber- zeugung zu achten verständen, auf der anderen Seite aber General Deimling wegen seiner politischen Haltung terrorisiert. Es ist das- selbe wie im Fall Trützschler: Wehe dem, der die Wahrheit sagt! Cr wird geächtet. Der Hinweis auf die Stellung des Generals Deimling zum Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold verrät, wie groß die Angst vor dieser Organisation auch im Lager der Offiziersbünde ist. Deswegen muß die Parole heißen: Hinein ins Reichs- banner Schwarz-Rot-Gold l>..... � __""'• »Kronprinz'" oder pkivosMann? Ein offenes Wort— Folgt eine offene Antwort? Kreisschulrat Dr. Wilhelm Appens-Dortmund richtet in der „Welt am Montag" an den ehemaligen Kronprinzen und sein« Be- rater«in„offenes Wort". Der ehemalige Kronprinz war seinerzeit an Dr. Appens mit der Bitte herangetreten, bei der Vorbereitung fetner Rückkehr behilflich zu sein und hatte dabei zu wiederholten Malen die Versicherung gegeben, daß er sich nach seiner Rück- kehr lediglich als Privatmann bettachten und sich der Politik fernhalten werde. So kleidete er bei einem nächt- lichen Gespräche in Wieringen seine Bitte in die Form, Dr. Appens möchte„das Terrain bei den Linksparteien für feine Rückkehr als einfacher Schloßherr von Oels be- ackern. Am 7. Juni 1921 erhielt Dr. Appens von dem Verttauten des ehemaligen Kronprinzen, Herrn v. Wüldner, einen Brief, in dem er die Haltung des ehemaligen Kronprinzen der Hauptsache nach wie folgt formuliert«: 1. Ich halte die innere Geschlossenheit in unserem Vaterlande irnd die Förderung des nationalen Gedankens für ein Haupterfor- dernis der heutigen Zeit, einmal, um die übernommenen unendlich schweren Fricdensbedingungen überhaupt möglich zu machen und, im Falle die Grenze unserer Leistungsfähigkeit noch weiter über- schritten werden sollte, ein« Ablehnung zu erteilen, hinter der das ganz« deutsche Volk bis zu den Unabhängigen steht. Das farbenfrohe Oberbayern. Wie in zahlreichen Tiroler Städt- chen, so war die Hausbemalung auch in den oberbayerischen Gebirgs- orten von alters he? heimisch, davon zeugen heut« noch die färben» frohen Marktpläße von Tölz und Murnau. In anderen Städtchen ober sind diese khauserfresken längst Oppfer des sehr feuchten, schnee- und regenreichen Voralpenklimas geworden. Nur ganz schwache Spuren erinnern in den Städtchen an der Isar und am Inn noch an die Farbenfröhlichkeit der Mtvorderen. In letzter Zeit sind nun mit Hilfe der fast vergessenen Wachsentauflik in Erdina Renooierun- gen alter Hausftesien vorgenommen worden, die glänzende Resultate geliefert haben. In Evding allein hat man daraufhin nicht iveniger als dreißig Häuser, darunter auch ein« Reihe städtischer Ballten und Türm« im alten Farbenschmuck wiedcrhergestellt. Aus Grund dieser Erfolge wollen nun auch zahlreiche andere ober- bayerische Kleinstädte wie Wasserburg, Mühldorf, Freising, Moosburg ihre einstige Farbenpracht wieder erneuern. Wie man mit der Sonne einweckt. Di« Sonne, die Allbeleberin imd Befruchterin unseres Erdballes, offenbart dem erfinderischen Geist immer neue Kraft«, die der Mensch für sich verwenden kann. So ist es jetzt einem amerikanischen Chemiker Hazeldine in Los Angeles gelungen, die Lichtwirkung der Sonnenstrahlen zur Konservierung von Lebensmitteln und für ander« Zweck« zu oerwenden. Wie man auf diese Weis« mit dem Sonnenlicht„einwecken" kann, berichtet Dr. Alfred Gradenwitz in„Reclams Universum". Ohne Anwendung irgendeiner anderen Sterilisierungsmethode kann man Obst und Ge- müse unbegrenzt lang« in natürlichem Zustande erhallen, und im Gegensatz zu allen anderen Konservierungsverfahren bleibt der Fruchtzucker vollkommen erhalten, indem er von selbst in Kristallform übergeht. Di« Lebensmittel behalten ihren vollkommenen Wohl- geschmack. Ein anderer großer Vorzug des neuen Verfahrens ist es, daß an die auf diese Weis« konservierten Lebensmittel, auch an Fleisch und Fisch, keinerlei Fliegen oder sonstige Insekten herangehen. Zur Ausführung dieses sogenannten„Vitalisi«r"-Verfahr«ns dient ein treibhausartiger Behälter mit Glaswänden und einem Glasdach, unter dem sehr viel« Glaslinsen angebracht sind. Dies« Linsen, deren Einstellwinkel für die Konservierung von größter Wichtigkeit ist, kon- zentrieren die Sonnenstrahlen auf die Lebensmittel, und es wird dadurch in ihnen eine Ausdehnung der einzelnen Teilchen sowie die Vernichtung aller Bakterien hervorgerufen. Während das nach dem gewöhnlichen Verfahren eingekochte Obst oft verdirbt, weil Bakterien eindringen und die Zuckerteilchm aufzehren, ist diese Gefahr beim Vitalisierverfahren ausgeschlossen, da der tristallisierte Zucker von keiner Bakterie heimgesucht werden kann. Die Orangen- und Zstronenpflan.zer Kaliforniens könne auf dies« Weise ihre Frucht? und Fruchtsäfte, die sie nicht sofort verkaufen können, solange aufbe- wahren, wi« sie wollen. Auch die Milch kann mit dieser Methode ehn« Verminderung ihres Nährwertes und ohne die geringste Beein- ftustung ihres Geschmacks tonserviert werden, was- für die Volks- ernährung von höchster Bedeutung ist. Wird Saatkorn vor der Aus- ftrnt„vitalistert". so sprießt das'Getreide viel schneller hervor, ent- wickelt sich rascher und gelangt viel schneller zur Reife als sonst. Es werden dadurch in Kalifornien wie in anderen subtropischen Gegen- den zwei Weizenernten im Jahr« möglich. 2. Die Frage, ob Monarchie oder Republik, ist heute eine Frage zweiter Ordnung. Ueber sie muß das deutsche Volk später selbst entscheiden. Dabei wird auch die Stimme der Arbeiterschaft von großem Gew.cht sein. 3. Ich habe den Wunsch nach Deutschland zurückzukehren, wenn ich die Ueberzeugung habe, daß mein« Anwesenheit keine Beunruhigung zur Fo'g« haben kann. Ich leb« seit vielen Jahren von den Meinen und meinem Vaterland getrennt und sehne mich danach, als P r i v a t m a n n auf meinem Besitz zu leben, mit einen Pflichtenkreis zu schaffen und zu o r b e i- ten. Der Gedanke, mich an irgendwelchen Puffchen zu beteiligen, liegt mir gänzlich fern, denn ich bin der Ansicht, daß jede Ver- fassungsänderung nur auf'« � g �« m Wege vor sich gehen muß, wenn sie Aussicht auf Bestand haben soll, und durch den Willen des Volkes. Ich selbst gehöre keiner Partei an. Dr. Appens spricht in dem vffenen Wort sein Entsetzen über die Haltung des ehemaligen Kronprinzen bei der P o t s- damer Parade aus. Das veranlasse ihn zu dem offenen Wort. Cr erklärt als ein Kenner der besetzten Gebiet«, das Auftreren des ehemaligen Kronprinzen habe das französische Mißtrauen gestärkt. Die Militärkontrolle werde man nicht los, wenn das pattiotische Getue nicht aufhör«. Im Ruhrgebiet sei der ehemalige Kronprinz„erledigt" und man müsse sich überlegen, ob der Schloß- Herr von Oels nicht solang« des Landes verwiesen wird, bis die Besatzung hier abgezogen ist. Dieser Vorschlag ist um so beachtlicher, als er von einem Freunde des ehemaligen Kronprinzen stammt. In der Tat ist der Fall Potsdam mit dem Versprechen des ehemaligen Kronprinzen nicht zu vereinbaren, und es ist für ihn keine Enffchuldigung, wenn Dr. Appens ihn als einen naiven Menschen hinstellt, der seiner Umgebung die Entscheidungen überlasse. Um so euer- gischer wttd man darauf bestehen müssen, daß sich Herr von Oels nicht in den Porzellanladen der Politik begibt und sich etwaige Ge- danken an den Kaiserthron aus dem Kopf schlägt. Deutschland hat an dem letzten Närrling auf dem Kaiserthron genug!_ Beratungen im �ufwertnngsausschuß. Der Aufwerl'.'nzsausschuß des Reichstages trat am Montag nach der längeren Pause zu einer neuen Sitzung zusammen. Nach längerer Keschästsordnungsdebatte, in der wiederum von den Deutsch- nationalen die Einsetzung eines vertraulich tagenden Ausschusses vor- geschlagen wurde, wurde beschlossen, zunächst die Stellung der Regierung zu den inzwischen eigegangcnen Anträgen der ein- zelnen Parteien entgegenzunehmen. Em Vertteter des Finanz- Ministeriums erklärte dann, daß eine allgemeine Aus- Wertung, wegen der damit verbundenen finanziellen Belastung des Reiches, der Rückwirkung aus die Ansprüche der Liquidations- geschädigten nicht möglich sei. Ebensowenig sei ein Ersatz für die Mietsteuer zu beschaffen. Auch die individuelle Auf- Wertung sei wegen der damit verbundenen Unsicherheit überaus be- denklich. Es könne deshalb nur in Frage kommen, daß ohne Zu- sammenhang mit der Auswertung das durch die Geldenrwertung ge- fchaffene soziale Problem zu lösen versucht werde. Zln diese Erklärung des Vertreters des Finanzministeriums schloß sich eine an Einzel- Helten anknüpfende Fragestellung der Mitglieder des Ausschusses. Der Vertteter des Ernährungsministeriums, der dann zu Worte kam, sah seine Ausgabe in einer tendenziös zuge- spitzten Darstellung der Lage der Landwirtschaft. Er behauptete, daß die Landwirtschaft gegenwärtig trotz der Entwertung ihrer früheren Hypotheken schlechter dastehe als in der Vorkriegszeit und daß deshalb ein« Aufwertung für die Landwirt- schaft über die dritte Steuernotverordnung hin- aus unmöglich sei. Auch an dies« Darlegungen schloß sich eine Fragestellung durch die Abgeordneten, die das interessante Ergebnis zeitigte, daßselbstdieDeutschnationalen dies« Schilderung der Lage der Landwirtschast nichtfür zutreffend hielten. herriots günstige Aufnahme. Annahme der Londoner Beschlüsse wahrscheinlich. Eine internationale Gtschichlsl-anog veranstaltet der Bund entschiedener Schnlresorm« im Schöneberger Rathause vom 2. bis 4. Oktober. 1 Paris. 18. August.(Eigener Drahtbericht.) Hervicst. der am Montagabend um 6 Uhr von London zurückgekehrt und aulf semer Reise von Dieppe nach Paris wie m der vergangenen Woche von der Bevölkerung mit demonstrativen Kundgebungen begrüßt worden ist, hat im großen und ganzen m Frankreich eine sehr guke Presse. Di« Organe der Linken erkennen auch m ihrer Sonntagabend- ausgab« die in London zustandegekommenen Beschlüsse ohne Vor- behalt an und bezeichnen sie als den Beweis einer neuen Aera des Friedens und der wirtschcrftlichen Wiederaufrichtung Europas. Aber auch ein großer Teil der keineswegs im Lager der Mehrheit stehenden Blätter und Politiker sehen darin die einzig möglich« und deshalb vernünfttg« Lösung derjenigen Problem� die seit fünf Jahren die Beziehungen zu den Völkern vergiftet haben. Es liegt in der Natur aller Konferenzen, ohne die eine utter- nationale Verständigung nun einmal nicht möglich ist, daß sie der Opposition billig« Argumente für ixe Kritik liefern. Das ist selbstverständlich auch bei dem Ergebnis der Londoner Konserenz der Fall. Auch die politischen Gegner des Kabinetts Herriot machen hiervon ausgiebigen Gebrauch, von den Hetzorganen vom Schlage des„Echo de Paris", des„Eclair" und der„Liberte" abgesehen, mit Maß und Ziel und ungewöhnlicher Sachlichkeit. Ablehnung finden die Konferenzergebnisse nur bei den Ultranationalisten, die jede Veistänndigung zwischen Deutschland und Frankreich bekämpfen und die sich darin mit der äußersten Rechten in Deutsch- land begegnen. Insbesondere ist es die von Herriot konzedierte Räumung dt>.r Ruhr innerhalb eines üahres, die von ihnen auf das heftigste angegriffen wird in der Hoffnung, dem Ministerium in der bevorstehenden parlamentarischen Diskussion einen Sttick drehen zu können. Irgendwelche Aussichten auf Erfüllung dürste den Spekulationen dieser Art jedoch kaum be- schieden sein, denn, soweit di« Aufnahm«, die Herriots Politik in London in der öffentlichen Meinung und' in den politischen Kreisen gefunden hat, em Urteil zuläßt, kann bereits mit ziemlicher Sicher- heit damit gerechnet werden, daß Herriot sowohl in der Kammer als auch im Senat eine ausreichende Mehrheit finden wird. Nach den bisher getroffenen, aber noch nicht endgültigen Dlspo- sttionen der Kammer wttd Herriot in beiden Häusern ein schriftlich skizziertes Expose über den Veclauf und di« Ergebnisse der Konferetz verlesen, und der Senat wird sich sodann bis zur Beendigung der Diskussion in der Kammer vertagen. Dort sind bereits nicht weniger als acht Interpellationen eingebracht, doch glaubt man, daß die De- batte nicht mehr als drei Tag« in Anspruch nehmen werde. Im Senat wird, wie di« Blätter ankündigen, . Poincare als Wortführer der Oppoflkioa auftreten. In unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß Poincare, ähnlich wi« er in seiner Rede vor der Abreise Herriots nach London getan hat, sich auch diesmal in feiner Kritik starte Zurückhaltung auferlegen' und es nicht wagen wird, di« Re- gierung offen anzugreifen. Herriot hat nicht nur dos Argummt sur sich, daß er auf die Lösung, die in London schließlich zustande gekommen ist, durch die amtliche Erklärung seiner Vorgänger festgelegt war, sondern er hat darüber hinaus gerade gegen Poincare einenTrumpfinder 5) and, den er vor der Konferenz aus diplo- mattschen und taktischen Gründen nicht ausspielen konnte, von dem er diesmal aber, wie verlautet, Gebrauch zu machen entschlossen sein soll, falls Poincare ihn dazu zwingen sollte: den ziffernmäßigen Nachweis nämlich, daß die Ruhrpolilik unmittelbar vor dem völligen Zusammenbruch gestanden hm und daß ihre Fortsetzung umveigerstch auch ein wirt- schastlichcs und' finanzielles Debacle für Frankreich hätte werden müssen. Bezeichnend für die Einstellung selbst der Regierungsmehrheit fernstehender Kreise ist es, wenn ein so weil rechtsstehendes Blatt wie das„Journal des Debats" ausdrücklich vorunverantwort- lichen Politikern warnt, die die prakttfchen Ergebnisse, die Frankreich gegen die Aufgabe von Illusionen eingetauscht habe, nach- träglich gefährden können, und wenn der„Temps" mit starkem Nachdruck darauf verweist, daß die an den Londoner Konferenz- ergebnissen geübte Kritik sich nicht gegen Herriot, sondern gegen Poincare richten müsse. Wenn man, so führt das Blatt aus, in gewissen Kreisen bedauere, daß. Frankreich die Ruhr als J'rsttument der ökonomischen Ausbeutung aufgebe, so müsse deren Kritik in erster Linie sich am die Beschlüsse halten, in denen die stanzösische Regierung sich den Dawes-Plan ohne Vorbehalt zu Äg)i» gemacht habe. was di« militärisch« Räumung der Ruhr anbelange aber an die Defmitton, die die Regierung von Frankreich und Belgien ihr in ihrer Rote vom 10. Januar 1923, dem Tage des Einmarsches der Truppen, gegeben hätten. Wie die Dinge gelegen hätten, habe Herriot sich weder einer Diskussion über die Räunumgsftoge noch der Verpflichtung, die Truppen innerhalb einer gewissen Frist zurückzu- nehmen, entziehen können. „Ein Werk des guten Glaubens." Paris, 18. August.(Eigener- Drahtbericht.) Herriot machte der Presse nach seiner Rückkehr aus London Mitteilungen über seine Eindrücke von der Londoner Konserenz. Er sagte: Vor der An» nähme des Sachverständigenberichts wurde das Reparattonsproblem von Debatte zu Debatte geschleppt, ohne zu einer Lösung zu kommen. Di« Bedeutung des Dawes-Planes liegt darin, daß er die bisher nur politisch behandelte Reparationsfrage als praktisches ökonomisches Problem dargestellt hat. Deutschland ist ihm ohne Zwang beigetreten und kann von nun an nicht mehr sagen, daß es nur dem Druck der Gewalt nachgegeben hat. Es ist jetzt Verpflichtungen vor der ganzen Welt, vor den Vereinigten Staaten wie vor Frankreich eingegangen. Wenn es diese Ver- pflichtungen verleugnen wollte, die jetzt Chrenpfiichten geworden sind, würde sich die ganze Welt gegen Deutschland wenden müssen. Er bezeichnete die Londoner- Vereinbarungen als ein Wert des guten Glaubens und des Friedens und«inen Markstein einer neuen Aera. Herriot schloß: Unser gemeinsames Ziel ist ge- wesen, die Reparationen, auf die Frankreich ein Anrecht hat, auf dem Wege des Rechts und im Frieden zu erhalten. Kundgebungen für Herriot. Paris, 18. August.(MTB.) Ministerpräsident Herriot ist in Begleitung des Zdrisgsministers Rollet, des Finanministers Elemente! und des Ministers für öffentliche Arbeit Peytttal nach 6 Uhr in Paris eingetroffen. Er wurde am Bahnhof von sämtlichen Ministern und dem englischen Geschäftsträger empfangen. Beim Einlaufen des Zuges in den Bahnhof wurde er von den Eisenbahnern begrüßt. In der Halle des Bahnhofes hatte sich«ine beträchtliche Menschenmenge ein- gefunden. Der Platz vor dem Bahnhof war mit Menschen gefüllt, die unmifhörlich riefen: Es lebe der Friedenl Es lebe Herriot! MacSonalö unö öle Ruhrräumung. London. IS. August.(WTB.) Amilich wird der Pries be- kannlgcgeben, den Macdonald anschließend an den Prieswechsel zwischen den Ministerprüsidcnken von Frankreich und Pelgien einer- sciks und dem deutschen Reichskanzler andererseits bezüglich der Ruhrbefehung an Herriot und Theunis gerichlet hat. Der Pries laukel: „Mein lieber Premierminister! Im Hinblick aus das neue Ab- kommen, welches bezüglich der Pcsetznng der Ruhr erreicht worden ist. und aus den Notenwechsel zwischen den drei hauplsächlichst be- leiligten Regierungen ist es notwendig, daß ich schrisliich die Sic l- lung der britischen Regierung erneut darlege, wie ich fle so häufig während der zwei oder drei letzten Tage erläutert habe. Die britische Regierung hat die Rechtmäßigkeit der Ruhrbefehung oder die Auslegung der Klauseln im versailler vertrage, aus Grund deren ihre Alliierken handelten, niemals anerkannt. Sie hofft, daß die Vefetzung. da fle lediglich für wirkschafkliche Zwecke unternommen worden war. alsbald nach In- krafttteten des Dawes-Perichles zurückgezogen werden würde. Der Sachverständigenausschuß hatte, da seine Inständigkeit zu beschränkt n>ar. davon Abstand zn nehmen, Anempfehlungen bezügsich dieser militärischen Pcsetznng zu machen hat. aber denklich zu verstehen gegeben, daß die wirffchastlichz Wirkung der Perufung nicht zu übersehen sei, wenn und sobald seine Verichle in die Tal umgesetzt würden. Die besehenden Mächte und die deutsche Regierung sind übereingekommen, eine Vereinbarung anzunehmen, wonach die De- sehung nicht über 12 Monate hinaus, von heule ab gerechnet, fort- dauern soll, aber stüher beendet werden kann. Die brikische Regie- rung, die ohne die von ihr und ihren Porgängerinnen bezüglich der Auslegung des Perlrages eingenommene Haltung zu präjudizieren. den dringenden Wunsch hegt, daß der Dawes-Vericht in Kraft geseht wird, nimmt lediglich Kenntnis von dem Abkommen und dringt aufs nachdrücklichste darauf(urx- most strangly), daß dl« beteiligten Regierungen jeden möglichen Schritt unternehmen mögen, um die Räumung zu beschleunigen, da nach Ansicht der britischen Regierung die Forfführung der Besetzung die Wirkung des Dawes-Planes schädlich beeinflussen und die auf der Londoner Konferenz vereinbarten Uebereinkommen gefährden kann." Bei dem hier wiedergegebenen Brief handelt es sich um emen Schritt, den Macdonald kurz vor dem Abschluß der Lon- doner Konferenz unternahm, um die Stellung Englands zu der Frage der Ruhrräumung klar und unzweideutig fest- zustellen. Macdonald hat auch bei dieser Gelegenheit keinen Zweifel darüber gelassen, daß die englische Arbeiterregierung nicht nur die Rechtmäßigkeit der Ruhrbesetzung bestreitet, son- dern auch im Interesse der Durchführung der Londoner Be- schlüffe und des Dawes-Planes die beschleunigte Räumung der Ruhr wünscht. GewsrWhojwbewegung Der Vinö aus Noröwest. Bei der Nordwestlichen Gruppe der Herren von Eisen und Stahl weht« von jeher ein scha-fer Wmd. Die Herren versprechen sich offenbar nichts von der Wirkung der Arbeitszeitdentschrift der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und hielten es daher für zweckmäßig, der Vereinigung zu zeigen, wie mit weit geringerem Aufwand ein größerer Effekt zu erzielen ist. Sie bedienen sich nicht einmal der T U., die ihnen zur Verbreitung ihrer Kundgebungen zur Verfügung steht, übertrugen vielmehr die Verlautbarung ihrer Ab- sichten dem„WTB.', das dadurch Gelegenheit bekam zu zeigen, daß es der TU. in dem Entgegenkommen für die Industrie nicht nachsteht und das, was diese kann, ebenfalls ka,m. Also: der Arbeitgeberverband für den Bezirk der Nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller hat aus Düsseldorf unterm IS. August über .die Wirkung des Achtslundenlageg in der rheinisch-westfälischen Eisenindustrie" ein Manifest erlasien. Die vor der gesamten deutschen Arbeiterschaft als Angeklagtem Sachen des Achtstundentages stehenden Unter- nehmer drehen den Spieß um und klagen die Gewerk- s ch a f t e n an: „Die deutschen Gewerkschaften leben im luftleeren Raum. Sie fordern höhere Löhne, ganz gleich, ob sie bezahlt wer- den können? sie oerlangen die Achtstundenarbeitszeit, obgleich sie sich beim Abschluß des Friedensvertrages, bei der Erörterung des Dawes-Planes zur Erfüllung drängten. Vor allem gilt ihr Kampf dcr rheinifä)- westfälischen Eisenindustrie, die seit dem November 1923 die Arbeitszeit der Vorkriegszeit wieder eingeführt hat. In den Schwerbetrieben an Rhein und Ruhr gilt feit dem November vorigen Jahres wieder das Zwei- fchichtensystem. Die Arbeiterschaft ist in zwei Gruppen ein- geteilt, deren eine von S Uhr morgens bis 6 Uhr abends, deren andere von 6 Uhr abends bis S Uhr morgens ihren Dienst versieht. Jede Schicht zu 12 Stunden teilt sich in 10 Stunden effek- tiver Arbeitszeit und zwei Stunden Pause, in denen der Arbeiter ausruhen und die verschiedenen Mahlzeiten zu sich nehmen kann." Es werden dann die Vorzüge des Zweischichten- systems gegenüber dem Dreischichtensystem für die Unternehmer geschildert und dabei behauptet:.Durchschnittlich blieb die Leiswng 1922 unter 60 Proz. der Leistung von 1913!" Dieser Rückgang der Leistung decke sich jedoch keineswegs mit der Verkürzung der Arbeits- zeit von zwei Stunden oder 20 Proz. der Arbeitszeit, der R ü ck- gang dr Leistungen geh viebnehr mit 10 Proz. weit über den Rückgang der Arbeitszeit hinaus. Es führt« natürlich zu weit, den Beweis für diese Behauptung zu erbringen und«ine sachliche Erklärung dafür. Man macht sich die Sache leichter und behauptet: Das sind„Tatsachen!": „Das sind Tatsachen, an denen die deutschen Gewerkschaften nicht vorübergehen können. Tatsachen, die die Argumente zum Lobe der Achtstundenarbeit, die Einzelleistung stiege gegenüber der Zehnstundenleistung, praktisch widerlegen." Di« Gewerkschaften werden an der Tatsache des Zweischichten- systems allerdings nicht dauernd vorübergehen können. Der Gegen- beweis gegen den Achtstundentag, den die Unternehmer hier führen wollen, läuft auf den Scherz hinaus, eis, Kind zu ftagen, ob es Kirschen essen könne und ihm dann zu sagen, es falle dies auch zeigen, soll« Kirschen esien, die es nicht hat. Daß unter gleich- bleibenden Berhältnissen der Profit des Unternehmers bei zwölf- stündigcr Arbeitszeit größer ist als bei achtstündiger Arbeitszeit, ist freilich eine Tatsache, die die Gewerkschaften noch nie bestritten haben. Sie bestreiten jedoch dem Unternehmertum da» Recht, den Arbeitern zwölfstündig« Arbeitsfchichten aufzuerlegen, zumal m den Schwerbetrieben, an den Hochöfen, selbst dami, wenn die Unternehmer die Macht dazu haben. Ergötzlicher ist die folgende Argumentation der Unternehmer, die bei zwölfstündiger Arbeitszeit ebenso niedrige Löhne zahlen als vordem bei achtstündiger Schicht und nun argumentieren: „Wenn der heute gellend« Stundenlohn beibehalten wird, müßte die Eisenindustrie bei Einführung der Acht- st u n d e n s ch i ch t für ein« Tag- und Nachtleistung nicht mehr für 20 Stunden Lohn bezahlen wie heute, fondern für 2 4 Stunden, ohne dadurch mehr verkaufsfähige Waren zu erzeugen. Dadurch würden also die Lohnunkosten um 20 Proz. steigen. Es ist aber sicher zu erwarten, daß sich die G e w« r k> s ch a f t e n mit dem gleichen Stundenlohn bei Einführung der Achtstundenarbeitszeit nicht zufrieden geben, sondern alles daran setzen, daß der einzeln« Arbeiter für seinen Achtstunden. dienst dasselbe erhält, wie vordem für seinen Zehn- st u n d e n d i e n st.'(Zwölfstundendienst! Kein« Unterschlagung von zwei Stunden! Red. d.„V.".) Das würde auf eine Erhöhung des Stundenlohnes um mindestens 2S Proz. hinauslaufen und der Industrie für 24 Stunden 50 Proz. mehr Lohn kosten ohne Gegenwert. Schon zu normalen Zeiten ist«ine solche Erhöhung der Lohn- Unkosten unerträglich, wie sie erst bei einer so allgemein schlechten Wirtschaftslage, bei allseitig gedrückten Preisen auch nur mit einem Gedanken gestreift werden kann, ist unerklärllch." Obschon wir zugestehen, daß dieser Rechtfertigungsversuch des Raubzuges der Unternehmer gegen die Arbeiterschaft kürzer und tünidger ist als der in den Schriften der Arbeitgeberverbände unternommene Versuch, können wir doch nicht finden, daß er Mck- sicher und überzeugender fei. Weshalb so viele Umschweife für die Bekundung der Absicht, die„günstige Konjunktur" zu nützen, um das zwölfftündige Zweischichtensystem von den Arbeitern der Schwerindustrie zu erpressen, die schon vor Jahrzehnten im Drei- schichtenwechsel arbeiteten. Die Arbeiter stehen vor der Frag«: Sollen wir uns in «in schwereres Joch zwingen lassen als in der Bor- kriegszeit, oder sollen wir uns wieder auf uns selber, auf unsereGewerkschaften besinnen? Diese Frage erheischt«ine schleunige, entschlossene Antwort. Es ist die Schicksalsfrage der deutschen Arbeiterschaft. Diskussion überflüssig! 5ernWirkung öer �chtstunüentagbekämpfung. Aus Prag wird uns gemeldet: Der tschechoslowakisch« Minister für soziale Fürsorge hat den englischen Arbeitsminister Tom Shaw auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die der achtstündigen Arbeitszeit in Deutschland droht, und ihn mn seine Mitwirkung bei der Aufrechterhaltung diesersozialen Er- rungenschaft ersucht. Minister Shaw hat in einem vom 2. August datierten Schreiben dem(inzwischen zurückgetretenen) Mi- nister H a b r m a n die Mitteilung gemacht, daß er dem Unterhause Vilamin- I Jafcrpräparal nach Prot. Dr. Reyher HEV8TAN Bewährt bei nervösen Störungen. Appetit und Körpergewicht nehmen zu-- Waclisiumfordernd bei Kindern und Säuglingen, bewährt bei Ernährungsstörungen derselben In Apotheken und Drogerien, sonst direkt von der Saroiti'AktxGes, Berlin•Tempelhof. «wen Sesetzeutwlus zur Ratifizierung der Washingtoner Konvention und der achtstündigen Arbeitszeit vorgelegt hat. Wäre die Ratifizierung in England, Frankreich, Belgien, Italien usw. ebenso bald erfolgt wie in Bulgarien, Griechenland, Indien, Rumänien und der Tschechoslowakei, dann war es dem deutschen Unternehmertum weniger leicht, den Achtstundentag in der Groß- Industrie wieder zu beseitigen. Das Kesseltreiben der deutschen Unternehmer gegen den „s ch« m a t i s ch« n' Achtstundentag und sein« Verdrängung durch das zwölfstündig« Z wei f ch i ch t« n s y sie m schädigt nicht nur die deutsch« Arbeiterschaft, sondern die Arbeiter- schaft aller Kulturländer. Di« Großindustriellen der anderen Länder lassen sich van ihren deutschen Konkurrenten nicht lange mit dem Zwölfftundentag auf der Nase tanzen. Sie führen den Zwölfftundentag ebenfalls ein und holen so den„Vorsprung", post-�lbonnenten AHamit Sie regelmäßige Zustellung öes •�»-%Vortvärts' im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleiüet, bitten wir unsere post-�lbonnenten, üas Bbonne» ment für öen kommenüen Monat bei üem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. vorwärts- Verlag G. m. b. h. den das deuffche Unternehmertum zurückgemacht hat, wieder ein. Die deutsche„Wirtschaft" gewinnt dabei nichts, die deutschen Unternehmer nicht allzuviel und die deutsche Arbeiterschaft soll dann noch mehr bedrückt werden, um durch Hungerlöhne bei langer Arbeitszeit dem Unternehmertum zu erneuter„Konkurrenz- fähigkeit" zu verhelfen, zu einem weiteren„Vorsprung". Diesem munteren Spiel ein End« zu machen ist in erster Linie Sache der deutschen Arbeiterschaft. Koustrnktio« eines unbegreiflichen Widerspruchs. Das W. P. der„D. A. Z." bezeichnet es als einen unbe- g re i f li che-n W id e r s pr u cy, daß der fvanzöstsche Arbeitsmim- ster G idard auf der Internationalen Arbeitskonferenz erklärt hat, Frankreich habe gute Ersahrungen mit dem Acht- stundentag gemacht, jedoch bemerkt, daß. wenn in Deutsch- land der Zehnstundentag wieder zur Regel werde, sich auch Frankreich gezwungen sehen würde, die längere Arbeitszeit ebenfalls einzutühren, um der Konkurrenz auf der internationalen Märkten gewachsen zu sein. Di« Schlußfolgerung, die hier der französische Arbeitsmmster zieht und die die Arbeits- minister jedes Konturrenzlandes aus dem Vorgehen der deutschen Unterrehmer z.ehen niüffen, ist so logisch, daß sie auch dem Arbeits- zwang-W.-P. der„D. A. Z. einleuchten müßt«. Allem W. P. hat sich nicht nur feines„Dr." entledigt, um einen unl-egreifiichen Wlverfpruch'in Godards Haltung zu finden, er mußte sich zu diesem Zweck auch seines Verstandes entäußern, den letzten Rest auf dem Altar des Nationalismus opfern. Für die Zumutung, die er mit femem„unbegreiflichen Widerspruch" an die Leser der „D. A. Z." stellt, erwartet er offenbar Verzeihung um„des guten Zwecks' willen. Lediglich um zu zeigen, wie derlei gemacht wird, fei„der un- begreifliche Widerspruch" gezeigt: „Herr Godard gibt also zu, daß die ftanzösische Industrie mit ihrer angeblich(!) verkürzten Arbeitszeit den höchsten Nutz- effekt erzielt; um so unversteilchlicher ist«s uns, daß er Besorgnisse vor einer Verlängerung der Arbeitszeit m Deutschlanid, das ja dank der Reparationspolitik im internationalen Wettbewerb schon schwer genug gehemmt ist. hat. Die ftanzäsi ch- Industrie muß erleichtert aufatmen, wenn der dumme deutsche Konkurrent sein« eigenen Produktionsbodingungen durch Derlängerung der Arbeits- zeit verschlechtert. Vn dieser Annahme vergessen wir freilich, daß Frankreich und sein Arbeitsminister doch nur für das Wohl des deutschen Arbeiters kämpfen." W. P. hat Heft 8 der Schriften der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberoerbande:„Die Arbeitszeitfrage in Deutschland" in Hän. den gehabt. Darin ist die Rede von Godard(S. 69/70) auszugs» weife wiedergegeben, in der es u. a. heißt: „Wir haben(in Frankreich) genaue Untersuchungen, die aus Be- rechnungen beruhen und die uns beweisen, daß überall, wo der Unternehmersich dem Grundsatz des Acht stunden. t a g e s angepaßt hat, jede Ausbeutung verschwunden ist und d i e Ergebnisse durchaus zufriedenstellend sind. Frank- reich hat somit durch eine feste. Sozialpolitik, welche in der stetigen demokratischen Regierung energische Unterstützung findet, versucht, die Arbeit voll anzuerkennen... Zu keiner Zeil hat Frankreich, welches sich doch wieder aus seinen Ruinen erheben und die unzähligen Zerstörungen seiner verwüsteten Gebiete beseitigen will, daran ge- dacht, diese ernsten Notwendigkeiten der Reform des Achfftundsn- tagcs entgegenzustellen..... Di« französische Regierung ist bereit, das Uebereinko mmen von Washington über den Achtstundentag zu ratifizieren.... Auf diese Weise wollen wir allen Völkern Unterstützung angedeihen lassen, die kämpfen müssen für den Erwerb und die Aufrechterhalluna sozialer Rechte/ Darauf folgt« die deutsche Regierungserklärung. Daß es auch in Deutschland Betriebe gibt, die sich dem Achb- stundentaq angepaßt und bämir günstige Erfahrungen gemacht haben, daß diese Erfahrungen um so besser sein würden, je mehr die Anpassmig erfolgt wäre, könnte höchstens noch in der „D. A. Z." bestritten werden: dafür ist sie eben Stinnes-Blatt. Der unbegreifliche Widerspruch, der hier wirklich vorliegt, besteht darin, daß das deutsche Unternehmertum sich für die Verlängerung der Arbeitszeit auf die Notwendigkeit beruft, d i e Konkurrenz auf dem Weltmarkt auszunehmen, trotzdem ihm bekannt ist, daß es die Konkurrenz damit zwingt, ebenfalls zur Arbeitszeitverlängerung überzugehen falls«s nicht gezwungen wer- den kann, zum'Achtstundentag zurückzugehen. Für die Schwer- induftcie spielt dieser Widerspruch kein« Rolle, sie schützt die Welt- marktkonkurrenz nur vor. um ohne Rücksicht auf die Folgen ihres Treibens auf dem Weltmarkt ihren guten Magen mit Mehrwert zu füllen._ Nachklang zum Verbandstag der Berufsfeuerwehrmänner In unserem Bericht in Nr. 375 des„Vorwärts" vom 7. August war u. a. gesagt: „Die Berliner Organisation schickte einen Kommunisten vor, der in einer längeren Rede di« bekannten kommunistischen Parolen zum besten gab." Die Ortsgruppe Berlin des Verbandes deutscher Berufsfeuer- wshrmänner sandte uns unterm 18. August hierzu folgende Er- klärung: „Hierdurch kann der Eindruck erweckt werden, als ob die Der- liner Delegierten nach politischen Grundsätzen gewählt und die Orts- gruppe Verltn des Berbandes deutscher Berujsseuerwehmnäimer überhaupt vollständtg»»t«r tommuelstlfch«« EHefluß stände. Dies ist nicht der Fall. Weder m Berlin noch ftn Reich werden Delegiert« nach politischen Grundsätzen gewähtt. Zu Frak- tronsbfldungen wie auf den Tagungen anderer Verbände ist es im Verband deutscher Berufsfeuerioehrmänner niemals gekommen. Alle Berliner Delegierten wurden lediglich als Gewerkschaftstol- legen gewählt und sind als solch« auf dem Verbandstag aufge- treten. Von einem politischen Einfluß, besonders aber von k o m- m u n i st i f ch e m, in der Berliner Ortsverwaltung kann keine Rede fein. Dies muß im Intereffe unserer Organisation festge- stellt werden."_ „Das Eldorado bei Zwietusch, Berlin."! Zu dieser so überschrieben«! Notiz in Nr. 374 des„Vorwärts" erhalten wir von dem Betriebsrat und dem Angestelltenrat der Firma folgende Berichtigung: „In der Zuschrift wurden die schiechten Verdienste und die Un. glückssälle in der Stanzerei auf das Konto des Meisters Groß gesetzt. Dies trifft nicht zu. Da der Meister Groß freigewerkfchastliches Mitglied des Betriebsrates und Angestelltenrates ist(Mitglied des Deutschen Werkmeisterverbandes), nahm der Betriebs- und Ange- stclltenrat zu dem Bericht Stellimg und stellte e i n st i m m i g fest,, oaß an diesen schweren Beschuldigungen kein wahres Wort ist. Es wird nicht bestritten, daß Verdienste von 12 M. vorkommen, jedoch werden die Preise nicht vom Meister, sondern durch die Kalkulation festgesetzt. Betreffs der angeführten Unfälle hätten wir zu bemerken, daß in der benannten Woche zwei Unfälle vorgekommen sind. Die in dem Bericht genannte Zahl von 12 Unfällen in einer Woche ist völlig aus der Lust gegriffen. Ferner ist festgestellt worden, auch durch die i-i der Abteilung Beschäftigten, daß dem Meister Groß an diesen Unfällen kerne Schuld trifft."_ Die rheinisch-westfälische Bauarbeiteraussperrnng. Der große Reinfall der Scharfmacher im Baugewerbe kommt in folgender von der TU. verbreiteten Mitteilung zum Ausdruck: Nach Angabe de« BaugewerkSbunde« waren am 16. August, drei Tage nach Beginn der Aussperrung, von den 63 000 Mitgliedern der rheinisch-westjälischen Arbeitnehmervcrbände nur 6192 aus- gesperrt. An den Teilstreiks sind 3195 Mitglieder be- teiligt, so daß insgesamt jetzt 9387 Mitglieder von der Bauarbeiter- bewegung betroffen sind. Würde der Schiedsspruch für verbindlich erklärt, wäre auch der grobe Un'ug der Aussperrung beendet, die wegen der Teilstreiks erfolgte, die von den Unternehmern provoziert wurden. Auch diese Säule geborsten! Paris, 18. August.(Eigener Drahtbericht). Die kommunistische Gewerffchast der Metallarbeiter von Marseille hat den ehemaligen Matrosen B a e d i n a, der seinerzeit zusammen mit dem kommunistischen Abgeordneten Marty wegen Gehorsams- venveigerung und Meuterei dei der Bekämpsung der Bolschewisten durch die französische Schwarze-Meer-Flotte zu längerer Zuchthaus- strafe verurtellt und dank der kommuniftischen Propaganda amne- stiert worden war, aus der Gewerkschaft ausgestoßen. Als Grund für dies« Maßregel wird angegeben, daß Baedina, der Werkmeister in einer Fabrik geworden war, sich in den Dien st kapitalistischer Interessen gestellt und die ihm unter- gebenen Arbeiter geschunden habe. Lchkag, LPD.-Kolzarbciter! Heut«. Dienstag, abend» 7 Utr. bei Artiger, Sngclufer 23, Sitiung des erweiterten Werbenusschusse». Alle Branchen und Bezirke müsse» vertreten sein. Der graltionsvorftand. Achtung, Uiuirr-Bremse. Lichtenberg! Mittwoch den 20. Annust, nachmittag»< Uhr, bei Bocknieister, Lichtenberg. Bese», Ecke flron- vrinzenstrahe, wichtige Versammlung aller SPD�Senosscn. Mitglied». buch legitimiert. Der Kraitioaovo'ftand. Achtung. Bwikwcrl S. u.#.! Mittwoch den LS, August, nechmiitegs 4«str, wichtig- Besprechung alle: EPD.-Gencssen(Arbeiter lind An- gestellte) im Lvbal von Sundheim, Siemenestadt, Nonnendammailce. Der Fraktionsvorstand. Ucber da» Sachverständigengutachten, da» nach dem Abschlug der Londoner S-nferen, ein« erhöhte Bedeutung erlangt hat. spricht in einer Versammlung der Funktionär« aller Berliner AkA-lbewertschasten und aller AfA-Betriebs» rät« Staatssekretär Prof. Dr. Julius Hirsch heut« abend im Musiker- verrinsheuis. Kaiscr-Wilhelm-Str. 81. AI gemeiner freier A-grstclitr-bunb, vrtakartell Berlin. Verantwortlich fllr Politik: Ernst Reuter, Wirtschaft: Art» Saternu-: Gewerkschaftsbewegung: ffriedr. Etzkorn; ffeuillcton: st. S. Döfcher; Lokales und Sonstiges:(srih starstäbt; Anzeigen: Dh.»locke; sämtlich in Berlin. Verlag: Porwärts-Verlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Go.. Berlin SB. 8», Lindenftrast« 8. Hierzu 2 Beilagen. �er sn üttliiierangeii leidet hüte»ich, mit dem Messer zu schneiden. Ebenso verwende man keine Mittel, welche nur aus einem Stöckchen gestrichenen Pflaster bestehen. Denn diese kleben meistens am Strumpfe fest, verschieben sich hSufig und entstehen dann bei empfindlicher Zehenhaut leicht Entzündungen. Gegen Hühneraugen auf den Zehen gibt e» nichts Besseres als die seit 20 Jahren bewahrten Zehenbinden HChneraugen-Lebcwohl FiUrind***m%%$0r�fif/asterkera Bei denkbar bequemster Anwendung lindem diese durch den drudcmlldemden Filzring den Schmerz sofort. Durch den erweichenden Pflasierkem wird das Hühnerauge in wenigen Tagen radikal beseitigt. Gegen schmerzhafte Hornhaut auf der Fußsohle sind Lebewohl- Ballen- Scheiben in ihrer Art einzig dastehend. Die Deckscheiben verhindern Jedes Vermischen sowie das lastige Festkleben am Strumpfe. Der Schmerz ver- schwindet bald nach dem Auflegen. Die Homhaul stirbt ab und Usi sich von selbst los. Beschleunigt wird die Wirkung durch vorheriges Baden der Fülle mit Lebewohl- Fu�badc- Pulver nebenbei ein geradezu ideales Mittel zum Abharten empfindlicher Fülle, gegen Wundlaufen und Schweillgerudi. Erhfiiflid, In Drogerien und Apotheken. Man verlange ausdrücklich„Lebewohl". tfJÜÜB Nr. ZSS ♦ 41. Jahrgang 1. Seilage ües vorwärts Dienstag, 14. Mgost 1424 fiuf Spielplätzen im Osten und Westen. Im Friedrichs hoin ist hin und wieder Heuernte. Würziger Dust frischgemähten Grases steigt in die Nase. Ein Teil des Berliner Ostens hat seine Kinder auf den Spielplatz gespeit. Mehr Kinder als Sand. Weiße, grüne, rosa, gelb« Flecke, Fleck« in undefinier- baren Farben sind in steter Bewegung. Büblein und Mädelchen, alle sehr beschäftigt. Hier wird gearbeitet, hier sind große Sand- bäckereien. Kuchen verkaufen. Zunächst wird ein Plätzchen gesucht, der Laden eingerichtet.„Zu" steht mit Kreide vor einigen Böcke- reien, da wird noch gebacken,„auf" vor anderen, hier gibt es große und kleine Kuchen in den verschieden- sten Formen, Kuchen, dick mit Zucker(Kreide) be- streut, mit rosa Zucker, mit Rosen, Jasmin besteckt, mit Blättern bekränzt; welche Phantasie im kleinen Kinderherzen!„Kuchen kaufen— nicht vorbeilaufen", auch hier Reklameverse.„Was kostet der Kuchen?"„20 Pfennig."—„Und dieser mit der Rose?"„St> Pfennig."—„Den nehm ick, heb ihn mir auf, ick hol rasch meine Steine." Dein mit ganz kleinen Steinchen wird bezahlt. Steinchen, die erst mühsam im Sand zusammengelesen werden müssen. Und gibt es gar vor einer Bäckerei ein arg Gedräng«, lchon ist«in kleiner Organisator da.„Hier anstehen!" Do steht meine kleine Dreijährige hübsch Polonäse, die Steinchen fest im kleinen Händchen haltend und wartet gehorsam, bis es„dran" ist.„Zeig her, wieviel Stein- chen hefft du?" Ein Mädchen nimmt die Steinchen ob, das andere verabfolgt die Kuchen— alles geht in preußischer Ordnung. Früh übt sich, was ein Meister werden will.„Hier zwei Kuchen für IV Pfenge, den«enen schenk ick dazu."— Was tun der Lunapark, Ulap? Sie veranstalten Lotterien.„Hier kooft ja keener. Mensch, mach Lose." Ein Kästchen ist da, Papier, Bleistift.„Ianz wenig Zahlen mußte schreiben, immer nur Nullen, lauter Nullen."„So, jetzt geht's los. Hier nochmal die schönen Kuchen. 10 Pfenge das Los. Hier können Sie die scheensten Kuchen jewinnen für IV Pfenge."— Es wird auch viel geweint auf dem Spielplatz. Einer nimmt des anderen Eimer weg, schon wird geweint. Zwei kriegen das Prügeln, entweder der eine heult, oder es weinen alle beide. Da steht ein kleines Mädchen und weint jämmerlich «ach seiner Mutter.„Die Mutter ist weg, vielleicht ist sie mal rasch »wch Hause gelaufen, nach dem Esten sehen," sagt die Frau nebenan. „Bleib ruhig hier, die Mama kommt wieder." Aber das Kind weint weiter.— Weinend ziehen zwei Kinderchen die Straße, auch hier ist die Mutter weg.— Und schließlich weint eine ganze Anzahl von Kindern, weil ihre Mütter das Bedürfnis haben, ihr« Kinder auf dem Spielplatz handgreiflich zu erziehen. Ja— ja. Die Ceziehung auf öem Spielplatz. Denn zu Haus« fällt es der Mutter gar nicht auf, daß ihr Kind etwa sich schmuddelig macht, oder daß es nicht gehorcht, Oder, daß da dieser oder jener kleine Fehler ist. Aber auf dem Spiel. platz? Da beleuchtet das Tageslicht alle Mängel. Und da sitzen doch noch soundso viele andere Mütter, die alles sehen. Was denken sie von mir! Man muß sich ja schämen! Also wird das Kind„er- zogen".„Komm mal her, wie siehst du nur wieder aus!" Schon hat das Kind seinen Klaps weg, schon meint es.„Willst du wohl ruhig sein!" Noch ein Klaps.— Großes Geheul.—„Gleich bist du still! Wir gehen nach Hause, du unjezogene Jähre." Aber die erboste Mutter bedenkt nicht, daß das Kind sich unbedingt schmutzig machen mußte beim Spiel in einer Sandart, dle bis nahezu in den Sommer hinein mehr aus Schmutz als aus Sand bestand. Man war geneigt, dagegen aus hygienischen Gründen zu protestieren, wenn nicht plötzlich der Gedanke aufge- taucht wäre, womöglich ist das Absicht. Vielleicht würde gelber Sand — ähnlich wie neuerdings bei Reklameschildem— zu sehr das Stadt- und Straßenbild stören.— Aber, es muß doch wohl keine Absicht gewesen sein, der Sand ist inzwischen etwas heller geworden. Die Mütter aber prügeln lustig weiter. Eine Mutter kommt mit ihrem Leinde zum Sandplatz, aber das Kind darf nicht zum Sandhaufen, wiewohl es brennend gern möchte, es muß artig bei der Mutter auf der Bank sitzen bleiben, und wenn es sich einmal vergißt, also doch zum Sandhaufen läuft, dann gibt's erregte Szenen, die mit Prügel enden. Wer, fragt man sich, ist hier der Unvernünftige? Noch �llerhanö. Es begibt sich allerhand auf einem Spielplatz im Osten Berlins. Sitzt da ein kleines Kindermädchen, soll einen kleinen Jungen behüten. Es faßt dies« Aufgabe so auf, daß es zwischen zwei Burschen sitzt, eine Zigarette raucht und sich von dem«inen Burschen Berhaltungsmaßregeln gegen Juden beibringen läßt.„Wat, Juden! Wenn ick bei'n Juden arbeete, dann beklau ick ihn so doli, bat ihm die Oogen ieberjehen." Arbeitslose! Da sitzen der Maxe und der Alex in verschiedenen Ausgaben. Mft Mütze, in langem Gumml- mantel. In einfacherer Ausführung, ohne Schlips und Kragen, mit Lcdergürtel und Arbeitsjacke. Bei ihnen find die Mädels. Bubi- köpf. Wickelrock, Pumps, Seidenstrümpfe oder ähnliches, Apachentuch schwungvoll über abgetragenes KlÄ geworfen, oder rothaarige Schöne, ein« Peizstola um Hals und Schultern schlingernd, alle be- haftet mit dem Geruch des Speifehaufes„Osten", der Kellerwohnungen des 12. oder 15. Hofes des Martushofes.— Die Sonn« belacht sie all«, und fo sitzen sie einträchtig beisammen zwischen den spielenden Kindern. Manchmal spielt einer Ziehharmonika, die anderen singen dazu und tanzen, Kinder stehen staunend, Mädchen schieben ihren Kinderwagen in die Nähe, Mütter begeistern sich.— Oder sie schäkern miteinander. Max« tätschelt an dem Mädchen herum, Alex küßt es rasch ab, die anderen sitzen dabei, stumm, teilnahmlos.— Plötzlich ist der Friede gestört, das Mädel will fort, Maxe und Alex rennen hinter ihr her, sie sträubt sich, will sich freimachen, die Burschen suchen sie zurückzubringen. Der Kampf wird lebhafter, die Haare sind wirr, die Kleidung verschoben — die anderen sitzen dabei, stumm, teiinahmlos.— Drei Burschen, ein Mädel. Liebelei. Um den Sandberg biegen zwei Schupos. Ein Warnung spftft von einer Bank her. Di« Burschen geben das Mädel frei, das Mädel nimmt Unschuldshaltung an, die Burschen stecken die Hände in die Hosentaschen. Die Bier gehen auseinander, schütteln sich immer wieder die Hände, dabei geht das Mädel von einem Arm zum anderen, wird rasch noch einmal geküßt.— Die anderen sitzen dabei, stumm, teilnahmlos. Grauest« Großstadt. Grauer unü gelber Sanö. Es muß doch irgendeine Bewandtnis haben mit der Farbe de« Sandes auf den Spielplätzen. Anfangs war der Sand im Osten bekanntlich schwarz, jetzt ist er grau. So grau wie die Häuser, die Straßen im Osten Berlins. Aber nach dem Westen zu werden die Häuser heller, die Straßen breiter, die Sonne dringt bester hinein, alles steht leichter aus, freier. Und siehe da, auch der Sand auf den Spielplätzen des Westens wird heller, wird lichter. Weiter draußen im neueren Westen, auf neuangelegten Plätzen, da ist er herrlich gelb. Es ist«ine Lust, dort zu spielen. Selbst die Luft. obschon Großstadtluft, ist reiner, klarer, denn ein gM Teil weniger Menschenlungen machen von ihr Gebrauch. Und ein gut Teil weniger Kinder benutzen den Spielplatz. Also bleibt auch auf dem Spielplatz jedem Kind ein größerer Spielraum. Trotzdem ver- tragen sich hier die Kinder weniger miteinander als im Osten. Jedes Kind stellt größere Ansprüche an den Raum und— beansprucht gleichzeitig die Spiel- sächelchen des anderen für sich. Während auf dem Spielplatz im Osten fast nie ein Förmchen, eine Schippe abhanden kommen, hier fehtt schließlich immer etwas. Der Eigentumsbegriff ist hier weniger be- tont, ausgeprägter aber ist das Persönlichkeitsgefühl. — Bei der Kleidung der Kinder ist viel mehr vom Geschmacklichen ausgegangen als vom Praktischen, wenn es auch nicht Regel ist, so doch vorwiegend. „Kuchen taufen— nicht vorbeilaufen!" Hier hört man diesen Ruf nicht. Gewiß, die Kinderchen backen auch Kuchen, aber es ist Spielerei, fast bewußte Spielerei. Dafür aber wird folgendes gespielt: Drei Mädelchen, ein eleganter Puppemvagen, eine Puppe. Du bist Fräulein, du bist die Schwester, ich bin die Mutter.„Also. Fräulein, machen Sic gleich die Kleine fertig und fahren Sie mit ihr aus. Morgen nachmittag haben Sie Ausgang, heute ntcht. Schwester. hören Sie, das 5ftnd muß frische Wäsche haben, auch das Bettchen muß frisch bezogen werden. Ich gehe heute gleich noch Tisch aus, ich fahr« zur Stadt., Also, Schwester, vergessen Sie nicht, das Kind muß frische Wäsche haben."--• * Osten und Westen Berlins— zwei Welten Zwei Welten, bereits w scheinbar geringfügigen Dingen— scheinbar. Cm Volksfest. Daß die Falkenberger ein besonderes Völkchen sind, hat man schon aus ihren Borankündigungen ersehen. Sie wollten ihre Eigen. art auch in ihrem Fast zum Ausdruck bringen, das sie am vergan- genen Sonntag feierten, und man muh ihnen zugestehen, daß ihre Absicht aufs beste gelungen ist. So ein echtes, rechtes Volksfest kennt man in Berlin überhaupt nicht mehr. Es gibt in dem heutigen Berlin Klamauk und Rummel genug, aber' kein« Feste durch und für das Bolk. Es gibt Sensationen mancherlei Art, aus die Nerven berechnet, aber keine Erlebnisse, die freiindlich erregend nachklingen. Dieses Kunststück haben die Falkenberger fertig bekommen. Schon der Festyug, der sich gegen 2 Uhr— so lange hatte es geregnet, ober um 2 Uhr kam die Sonne heraus— durch und um die Siedlung herum bewegte, bewies, daß die Falkenberger Ideen in Hülle und Füll« haben. Wie sie so«in Nestchen voll der allerkleinsten aller- liebsten Mädelchen aufbauen und herumfahren lassen, wie sie den Festzng mit den drolligsten phantastischsten Gestalten aus Mensch- wid Tierreich bevölkern und selbst dem alten Thema von, Mars- bewohner(ein Bravo den wackeren Jungen, die in der stickheißen Bermummung ausgehalten haben!)«ine neu« Rote verleihen, das ist sehenswert. Auf der wunderbaren Festwiese, wie sie so frisch und staubfrei ganz Berlin nicht wieder hat, mit amphitheatralisch ansteigenden Hängen, tummelte sich sodann die ganze Gesellschflst in 20] Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. „Ja/ sprach der Heisere,„das kann körperliche Bedrohung eines Beamten sein. Amtsehrenbeleidigung auf jeden Fall! Es kann tätlicher Widerstand gegen die Staatsgewalt sein. Wenn die Beamten aussagen, daß du sie geschlagen hast, so entscheidet das Gericht: Ein rabiater Kerl! Sechs Wochen! Wärst doch hingegangen?!" „Sie haben mich ja hierher geholt!" „Du kehrst einfach nicht zurück. Dann brauchst Du auch nicht zu sitzen. Sechs Wochen sind für mich eine Kleinigkeit. Aber für Dich nicht. Wovon lebst Du eigentlich?" „Ich habe eine Lizenz! Zum Spielen!" „Verkauf mir Deine Drehorgel!" „Da muß ich sie aber zu Hause holen!" Ich hol' sie Dir. Wo wohnst Du? Gib mir ein Zeichen für Deine Alte, daß sie mich erkennt" Reden wir morgen darüber, sagte Andreas. Du bist sehr dumm." sagte der Heisere.„Du hast alles ganz" falsch gemacht. Ich hätte den Herrn verklagt. Man muß sich nur auskennen. Ich hatte ihn verprugelt mrd ver- klagt. Wie hat er denn ausgesehen? Vielleicht trifft man mit ihm zusammen. Denn die Welt ist kle.n und rund. Aber Andreas wußte keme genaue Auskunft. Die anderen schliefen ein. Einer nach dem anderen be- �°""An"dreas wollte gern sechs Wochen und noch länger sitzen. Er will lebenslänglich eingesperrt sein.«n,««v Man ist auch so ein Gefangener. Andreas Pum! Wie Fangeisen liegen die Gesetze auf den Wegen, die.w.r Armen gehen. Und wenn wir auch eine Lizenz haben, so lauern doch die Polizisten in den Winkeln. W.r sind immer gefangen und in der Gewalt des Staates, der Zweibeinigen, der Polizei. »er Herren auf den Piatfformen der Straßenbahn, der Frauen und der Efe-skäufer. 13- �. Am nächsten Morgen erhielt Andreas Pum eine Schale Kaffee und ein Stück Brot. Er verabschiedete sich von den drei Männern.„Laß Dich nicht wieder ein!" mahnte ihn der Heisere. Als Andreas die Straße betrat, glaubte er, die Welt wäre neu angestrichen und renoviert, und er fühlte sich nicht mehr in ihr zu Haufe; wie man fremd ist m einem Zimmer, in das man wiederkehrt, nachdem feine Wände eine neue Farbe erhalten haben. Fremd und unverständlich waren die Bewegungen der Menschen, der Gefährte und der Hunde. Sehr merkwürdig nahmen sich in dem Gewimmel eines be- lebten Platzes die Radfahrer aus, wie helle Grasmücken zwischen den großen Autobussen und Bahnen, den Lastwagen und den schwarzen gedeckten Droschken. Ein knallgelbes Automobil schlenkerte, rasselte, wütete über den Platz. An seinen Wänden brannte lichterloh die rote Reklame:„Raucht nur Jota". Es war der Wagen des Wahnsinns. Der saß im Innern zwischen vier knallgelben und rotbemalten Wänden und sein Atem wehte verderblich aus dem kleinen Gitter- fenster. Wie merkwürdig, daß ich jetzt erst die Zusammen- hänge sehe, denkt Andreas. Aus diesem Wagen breitet sich die Verrücktheit über die Welt. Tausendmal ist der Wagen an mir vorbeigefahren. Wie dumm war ich! Das kann kein Postwagen sein! Was hätte die Post mit roten Iotazigaretten zu tun? Was geht das die Post an, was die Menschen rauchen? Tausend wunderbare Dinge entdeckt Andreas. An der Spitze einer Litfaßsäule befindet sich eine Windfahne. Sie vollführt Drehungen, als könnte sie sich nicht für eine be- stimmte Richtung entscheiden. Wenn man nahe vor ihr steht und sie ansieht, hört man auch ihr leises Knattern mitten durch den Lärm der Straße. Was macht eine Windfahne auf einer Litfaßsäule? Zeichen des allgemeinen Wahnsinns? Was ist es denn sonst? Ist es die Aufgabe einer Litfaßsäule, die Richtung des Windes anzuzeigen? Oder Vorträge, Theatervorstellungen und Konzerte? Andreas schickte sein Auge verzweifelt zum Himmel em- por, weil er dem Wahnsinn der Erde entrinnen wollte. Denn der Himmel ist von einer unsterblichen klaren Bläue, und seine Farbe ist rein wie Gottes Weisheit, und ewige Wolken ziehen über sie hin. Heute aber verbanden sich Wolkenfetzen zu verzerrten Gesichtern, Fratzen wehten über den Himmel und Gott schnitt Grimassen. Da die Welt sich also verändert hatte, beschloß Andreas. sich mehr um sie zu kümmern und nicht wieder ins Gefängnis zurückzukehren. Sein Blick fiel auf seine linke Brust. Er erinnerte sich, daß er kein Kreuz mehr trug. Und, als hätte er das Be- dürfnis, statt des Ordens, den er sich in seinem alten Leben erworben, einen neuen zu gewinnen, der seiner Wiedergeburt entsprochen hätte, wälzte er in semem Gehirn das Wort „Heide", ein trotziges Wort, das plötzlich eine neue Bedeutung erhielt und das er sich, als wäre es ein Orden, selbst verlieh. Andreas Pum erklärte sich als einen Heiden. Schon zählte er sich mit Uebermut der Gilde der Verbrecher zu. Und sein Schritt wurde scheu und sein Blick wurde lauernd, wenn ein Polizist vorbeiging. Als wäre er ein steckbrieflich ver- folgter Mörder, so schlich Andreas durch die Seitenstraßen der Stadt. So kam er, ohne es gewollt zu haben, vor seine alte Wohnung. Es war, als hätte er sie erst gestern verlasien. Er klopfte, wie er es immer getan hatte, und wie es wegen des schwer schlafenden Willi nötig war, mit dem Stock dreimal gegen die Tür. Er hörte Willis verschlafenes Gähnen und das Knacken seiner starken Knochen, das immer vernehmbar wurde, wenn Willi die Arme dehnte. „Da bist Du ja wieder!" sagte Willi.„Wo ist Dein Konzertflügel?" Andreas faßte sehr viel Mut, als er Willi sah. Er hatte das Vertrauen, das man für einen Bruder empfindet. In traulichem Halbdunkel lag das Zimmer. Ein heimischer, liebgewordener Dust saurer Muffigkeit kam von den Wänden und von dem schmutzigen Lager. Und derselbe Rausch, der manche empfindsame Menschen ergreift, wenn sie nach langer Weltreise die Grenze des Landes überschreiten, in dem sie ge- boren sind— derselbe Hcimatrausch erfüllte Andreas Pum' Willi deckte mit einem Pappendeckel den Tisch. Hierauf brachte er die Wurst, die er immer noch von seinem asten Lieferanten in der Seitenstraße bezog. Dann goß er Schnaps in das Teeglas. „Gestern haben wir Geburtstag gefeiert von der Klara!" erläuterte er. Und er saß mit breit aufgestemmten Ellen- bogen vor Andreas Pum und hörte diese seltsame, diese merk- würdige Geschichte, aus der er schloß, daß sie nur solchem Idioten wie diesem Krüppel zustoßen konnte. „Du bleibst hier!" entschied Willi mit der Sicherheit eines Mannes, der Macht besitzt und schnelle Entschlüsse zu fassen weiß.„Wollen sehen, ob sie Dich hier finden!" sagte Willi und war wirklich neugierig. Hierauf legte er sich wieder schlafen. Auch Klara hörte mit großer Verwunderung Andreas Pums Geschichte.„So hast Du Weib und Kind und alles auf einmal verloren!" sagte sie. Denn sie hatte ein weiches Herz. (Fortsetzung folgt.), über nötigster Laune. Unerhörtes sah man. Eins Pferdequadrille wurde geritten, und das Publikum wälzte sich vor Lachen. Der Höhe- punkt war die Sitzung der alten Fallenberger Pfahlbauern(sie er- schienen in würdigen Bratenrücken und hatten Badehosen darunter) und im Anschluß daran die Enthüllung des neuesteu Berliner Brunnens, eines richtigen gemütlichen Manneken-pis. Deu muß man sehen. Niemals aber sah man so große Menschenschareu geduldig anstehen wie vor dem kunstvoll erbauten mystischen Grabmal des Rah-Rih-Rah-Rullah, nebst dem Wigwam zweier vorzeitlicher Ger- manen. Ulk natürlich alles. Ernst nur war die Tribunalszene aus Büchners„Danton�, von Jugendlichen auf einer Freilichtbühne ver- sucht. Der Höhepunkt war die Ansprache, die der Schauspieker Carl Bogt mit Heinrich Horts:.Es kommt ein Tag..' vom hohen Holzstoß unter nächtlichem Sternenhimmel hielt, machwoll häm- mernde Wort«. Wunderbar auch der Fackelreigen um den Holzstoß, der nüt dem Entslanrmsn des Holzes packend endete. Zwischen Fest- wiese und lodernder Flamme aber lag ein Nachmittag, voll des löst- liehen Erlebens und Schouens. Die Jugend tankte, sprang, fiedelte und sang stundenlang, und die Alten schauten stundenlang zu. Aber auch eine Tanzdiele im Freien war da. Mitten m der' Siedlung standen Kaffeetafeln, und eine Feldküche spendete Wasier. Hohes Lob gebührt den Siedlern selbst, die ihre Häuser entzückend aus- geschmückt und am Abend überraschend wirkungsvoll illuminiert hatten. Und über alledem flatterte Schwarz-Rot-Gold aus vielen Häusern. Kein einziger Mißton trübte das Ganze. Die Vorarbeiten von übsc sechs Wochen, die Genosse Robert Tautz unermüdlich und mit voller Hingabe geleitet hatte, wurden belohnt. Der Grund- gedank«: daß die zum Sozialismus Strebenden ihren Wünschen und Idealen auch in Gemeinfchaftsfeiern, in wahren Volksfesten Aus- druck geben müßten, ist vollkommen richtig. Das Fest war kein Fest schlechthiu, sondern ein Stück sozialistischen Kulturwillens, voll und rein zum Ausdruck gekommen. Die meisten Falkenberg er Siedler sind Parteigenossen, und alle, auch die Nichtparteigeiwssen, stellten sich willig in den Dienst des Ganzen. So wird das Fest auf andere Veranstaltungen auqegend und befruchtend weitei wirken. Eüelfteimteppe?. j Geschliffenes Glas für Diomanken. Irrternationale Gestalten wurden dem Schöffengericht Schöne- berg in den Händlern Be-rcowicz und G o l l o p i u vorgeführt, um sich wegen Betruges zo verantworten. Räch ihre« Pässen handelt es sich um»ine weitgereiste Gesellschaft, die von Südamerika über Aegypten und London ihre Reiseroute noch Berlin genommen hatte, wo sie am 30. Juli d. I. anläßlich eines sehr zweiselhosteu Geschäftes in Steglitz oerhaftet wurde. Mit dem bei den Brillanteuneppern üblichen Geschäfts triik hatten die Angeklagten es verstanden, aus der Straß« die Auf- merffamkeit eines zufällig vorbeikommenden Hausverwalters mit einem wnkeiuden Brillanten zu erreg«. Sie zeigten ihm einen Brillanten van Z Karat Gewicht und ew Kästchen mit weiteren lü Brillanten. Nach ihren Erzählungen stammten diese Steine von russischem Helligen- vildern und wurden, infolge des allgemeinen Preisabbaues, zu einem außerordentlich niedrigen Preis verkauft. Der Verwalter war jedoch so omsichttg, erst zur Abschätzung mit den Verkäusern zu einem Juweliergeschäft zu gehen, dessen Inhaber den einen Brillanten als echt bezeichnete, die anderen 19 Steine hatten sie jedoch nicht vor- gezeigt. Dadurch in Sicherheit gewiegt, eilte der Verwalter sofort nach Hause und holte einen größeren Geldbetrag, da er sich schon durch den günstigen Wiederverkauf der Steine als reicher Mann wähnte. Als er zurückkam und den wartenden Russen das Geld aushändigen wollte, um das Kästchen mit Steinen zu erwerben, erregte die Gruppe die Aufmerksamkett einer gerade vorbeikommen- den Krimiualstretfe, die zur Verhaftung der Beteiligten schritt. Mit einem geschickten Schteuderwurf enlledigten stch die Brillantenhandler ihrer Schätze, denn mtt Ausnahme des einen Steines handelte es sich bei den anderen um geschliffenes Glas. Die Beamten nahmen zwar sofort eine körperliche Durch- suchnng oor, jedoch blieb diese ergebnislos. Merkwürdigerweise war auch der echte Brillant verschwunden. Da» Gericht geißelte scharf den gefährlichen Trick der Angeklagten, durch den schon viele Ahnungslose hineingefallen sind, erkannte aber mit Rücksicht aus die bisherige Unbeftraftheit mir auf ein« Strafe vo« sechs Monaten G esüngurs unter Aurechnung von zwei Monaten llntersuchungs- Haft-_ Ei« Angriff auf deu Gerichtsarzt» Em*? aufregende Szene spielte sich oor der Großen Fdrienstraf- Lämmer des Landgerichts III ab, infolge einer Ausschreitung eines Angeklagten. Der Schlosser Alfred Kegel ans Weißensee gehört zu jener Gruppe von Leuten, die vermeinen� infolge einer ge- wissen Minderwertigkeit den.Freijogdschein' des � 31 zur Seit« zu haben, der ihnen ermöglichte, straffrei alle möglichen Berbrechen ifli begehen.'Aber oft täuschen sie sich, und es kommt vor Gericht anders, als sie gehofft hatten. Das mußte auch Kegel erfahren. ,Er wm wegen Einbruchsdiebstahls zu einem Jahr Gefäng- nis verurteilt worden und hatte dagegen Berufung eingelegt, well er freigesprochen werden wollte. Die Beweisaufnohme ergab zweifelsfrei die Schuld des Angeklagten. Dieser verteidigte sich auch nur damit, daß er„geisteskrank' fei. Damit hatte er aber kein Glück, denn der Geföngnisarzt Dr. Ludwig Hirsch hielt ihn für einen Simulanten und für völlig zixrechnungsfäh'g. Aus Wut über das für chn ungünstige Gutachten begann der Ängetioqte zu toben und den Sachverständigen zu beschimpfen. Er griff müh einem Stuhle und wollte ihn auf Dr. Hirsch schleudern. Dann ent- schlüpfte der AngeNagte den Beamten, sprang mtt einem Satz über die Schrank« des Anklageramnes und stürzt« sich onf deu Gefängnisarzt» den er an der Brost packle. In demselben Augenblick waren die beiden Beamten schon neben dem Wüterich, er wurde zu Boden geworfen und geknebelt. Die Verhandlung mußte vertagt werden. Der Angeklagte wurde ins Gefängnis zu- rückgeführt. �_'7 Mehr Waldschutz! An der«. Forstwanderung der vbsksörsterei Köpenick nahmen leid«: nur 23 Personen teil. Das erklärte sich aus dem Gewitterregen. Derartige Wanderungen unter fachmänni- scher Führung sind geeignet,«in gutes Stück Noturerkenntnis zu vermitteln. Eine von der Forstverwaitung gewollte Nebenwirkung ist, daß dem Wald« immer mehr Freund« und Schützer aus dem Publikum erstehen möchten. Selbstoer- ständlich reichen die wenigen Forstbeamten nicht aus, den Wald vor Verschandelungen und Diebstählen zu schützen. Durch gutes Borblld und vernünfttqe Ermahnungen mitzuwirken, müßt« Aufgabe jedes wahren Naturfreundes fein. In einzelnen Beispielen zeigt« der Führer der Wanderungen, der Revierförster Eisholz, der für den verunglückten Oberförster Mudra«insprang, wie die Versuche der Forstverwaitung, den Wald zu verschönern, durch die Nnvernunft des Publikums zuschanden werden. So ist vor zirka 19 Iahren der An- bau der wohlriechenden Douglas-Tannen erfolgt, aber n«r einige elende Reste find noch übriggeblieben. Auch über nicht nur fahr- lässig, sondern mutwillig hervorgerufene Waldbrände bekam man manches zu hören. Der Gesamtemdruck bei den Teilnehmern war, daß diese Wanderungen unbedingt fortzusetzen sind. Run besteht jedoch die Gefahr, daß sie nicht mehr fortgesetzt werden wegen des bedauerlichen Unfalles des Herrn Oberförsters. aber auch wegen der zu geringen Beteiligung des Pi�lifun»» Die bestehenden Wanderorganisationen sollten hier mehr Propaganda treiben. Die Forstverwaitung bringt der Sache das richtige Verständnis entgegen. Beweis dafür ist, daß außer dem Herrn Elsholz»och vier weitere Forstbeamte an der Wanderung teilnahmen._ Das Totenkopfzekchen. Gefahrliches Experiment eines Eifersüchtigen. Ein ungewöhnlicher Kampf zweier Nebenbuhler um ein« Frau beschäftigt seit 14 Tagen die Kriminalpolizei. Zwei junge Männer, ein Elektrotechniker von 23 Jahren, der in der Vuchholzer Straße wohnt, und ein 24 Jahre alter Bäcker aus der Dieffenbachstraße, waren beide gleich stark in eine 47jährige geschieden gewesene und jetzt verwitwete Frau aus der Kastanienallee verliebt. Die Witwe bevorzugte keinen, nahm beide gleich freundlich bei sich auf, mitunter, wenn der Zufall es wollte, auch zu gleicher Zeit. Nicht ganz so„objektiv' waren die beiden Liebhaber. Sie gerieten, wenn der Zufall sie zusammenführte, aus Eifersucht wiederholt scharf aneinander. Vor 14 Tagen meldete der Elektrotechniker, daß bei ihm eingebrochen worden sei. Gestohlen war nach seiner Angabe nur ein Beil aus der Küche. Dagegen hatte der Einbrecher eine schwere Drohung hinterlassen. In den Briefkasten hatte er einen Zettel hineingesteckt, auf dem ein Totenkopf mit gekenzten Knochen gezeichnet stand. Darunter stand geschrieben:„Nur noch ein paar Stunden, dann bist du verschwun- den'. Der Elektrotechniker fand, als er nach dem Einbruch zur Nachtzeit heimkehrte und den Zettel dem Briefkasten entnommen hatte, zu seinem Schrecken unter der Bettdecke auch noch einen schweren Hammer, während, wie gesagt, das Küchenbeil verschwun- den war. Er dachte sofort an seinen Nebenbuhler und zeigte ihn unverzüglich auch bei der Pokizei an. Die Kriminalpolizei ging der Sache aus den Grund. Der Bäcker, den sie zur Verantwortung zog, bestritt ganz entschieden, mit der Sache ttgend etras zu tun zu haben. Er lenkte vielmehr den Verdacht auf den Elektrotechniker selbst, der den Einbruch erfunden habe, um ihn ins Gefängnis zu bringen und die Gellebt« allein zu besitzen. Kriminalkommissar Dr. Annuschat hiev, um Klarheit zu schaffen, bei den beiden Neben- buhlern sowohl wie bei der gemeinsamen Geliebten eine Haus- ftichung ab. Zunächst fand er nichts, was einige Gewißheit hätte bringen können. Der Zettel war, wie die Untersuchung ergab, mit einer Tinte geschrieben, die dem Bäcker gehörte, die Hand» schrift ober war die des Elektrotechnikers, der den Bäcker wieder- holt auch in seiner Wohnung besucht hotte. Dieser leugnete ebenso bestimmt wie der Bäcker. Eine Viederholte Nochforschung in der Wohnung der Geliebten aber fiel zu seinen Ungunsten aus. In dem Klosettraum war mit Reißnägeln ein Bild auf eine Bohle geheftet. Als mau dieses abnahm, fand man auf der Bohl« genau denselben Totenkopf gezeichnet wie auf dem Zettel. Jetzt erklärte die Ge- liebte, die sich bisher neutral verhalten hatte, daß diesen Totenkopf auf der Bohle der Elektrotechniker gezeichnet habe und daß dieser überhaupt ein Spezialist im Totenkopfzeichnen sei. Nach diesen Feststellungen wurde der Bäcker wieder auf freien Fuß gefetzt, der Elektrotechniker dagegen verhastet«nd dem Unter- silchlingsrichter vorgeführt,_ Der StapeNasf de?„Bardur". „Bakdur', das zu AusflüglerfoHrten bestimmte Ueber- nachtuugsfchiff der Erholungs- und Heimstätten-Gesellfchaft „Grüne Heimo f, kannte am Sonntag endlich vom Stapel laufen. Ans der Naglo-Werft am Havelufer unterhalb Spandaus stand der kastenähnliche Schiffsrumpf, geschmückt mtt Wimpeln und Girlanden, umringt von geladenen und ungeladenen Gästen. 5>er Geselllchaftsvorfitzende Schadewald leitete die Feier mit einer ge- fchäftlich-nüchievnen Wevbered« ein, w der er das Schiff als ein dem Wohl der arbeitenden Bevölkerung dienendes Unternehmen bezeichnete. Im„Vorwärts' ist beretts vor längerer Zeit gezeigt worden, daß ein Ausflug mit diesem llebernachtungsschiff kein billiges Vergnügen fein wird. Die Weiherede des Ge- Heimen Regiernngsrats Pauli vom preußischen Wohlfohrtsminifte- rtum knüpft« an den Namen des Schiffes an, und er hatte dann die gewünschte Möglichkeit, feinen Worten ein«.nottonale' Färbung zu geben, indem er mit der Lichtgestalt des zu Fall gebrachten Gottes Boldur das niedergeworfen« Deutschland verglich. Den Taufakt vollzog Stadträttn Kirschn«: in üblicher Weise, eine Flasche „Champagner' an dem Schiff zerschmetternd. Dann wurden die faltenden Taue gekappt und der Cchiffsrumpf glitt auf geneigter Balm longsam und ohne Störung hinab in das Wasser, das unter ihm aufschäumte und in starken Wellen zurückwich. Die auf der Werst versammelten Gäste und die Insassen der vielen die Havel bedeckenden Boote begleiteten den gelungenen Stapellauf mtt Lei- fallrufen. Dem Schiff muß mm noch der innere Ausbau gegeben werden._ Sonntagsverkehr in Lichtenrade. Das Bezirksamt Berlin-Tempelhof teilt mit: Auf Veranlassung des Bezirksamts Tempelhof sind cm den letzten Sonntagen durch die Reichsbahndirektton Berlin die vielfachen Beschwerden nochgeprüft worden, die aus der Bürgerschaft über den starken, oft lebensgefähr- lichen Andrang Sonntags zu den Abendzügen auf Bahnhof Lichten- rade laut geworden sind. Die Nachprüfung hat die Noiwendigkett ergeben, die Zugfolge in der Zeit zu verstärken, m der die meisten Kleingärtner von Lichtenrade nach Berlin zurückfahren. Es soll daher zunächst an den nächsten beiden Sonntogen ein Zug«in- gelegt werden, der von Lichtenrade gegen QU Uhr abends abfährt. In der Folg« würde dann dieser Zug entsprechend dem früheren Sonnenuntergang früher obsahven.— Wenn auch diese Mahnahme keine vollkommene Behebung der Berkehrsschwierigkeiten bedeutet, so dürfte damit dock) der jetzige unerträgliche Zustand gemildert werden. Es wäre jedoch wünjchenswert, daß die Reichsbahndirektton die Zugfolge den Verkehrsfadürfiiissen noch elastischer anpaßt. Das könnte durch Einlegung von Pendelzügen zwischen Berlin Potsdamer Bahnhof und Lichtenrade geschehen, wenn in Lichtenrade die Gleisanlagen so geändert würden, daß ein« Aenderung der Fahrt- richtung möglich wird. Wie wir hören, sind derartige Anlagen zur- zeit in Mahlow im Bau begriffen. Es darf erwartet werden, daß diese neu entstehenden Anlagen möglichst schnell fertiggestellt und für einen solchen Pendelverkehr nutzbar gemocht werden, der auch dem zu gewissen Tageszeiten starken Arbeiterverkehr in Marienselde zu- gute kommen könnt«. Dss Rundfunkprogramm, Dienstag, den 19. AngnsL Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Saohrichtendieast. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der ZentralmarkthaUe. Nachm. 12.15 Uhr: Vorböree. Nachm. 12.55 Uhr: Uebennittelnng des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 530—7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik(Berliner Ptmk- kapelle). 7.30 Uhr abends: Vortrag:„Ich sammle Briefmarken*. 8.10 Uhr abends; Vortrag des Herrn Christian Kraus, Direktor des Mirbaoh-Telegraphen-Bureaus(ÜBT.):„Der Pressenaohriohten- dienst". 9— 10 Ühr abends: Konzert. 1. a) Arie aus„Deborah", b) Arie aus..Xerxes'*, Q-. F. Händel(Konzertaänger Kurt Becker). 2. Romanze für Oboe, B. Schumann(Gustav Kern, Solo-Oboist des Berliner Philharmonischen Orchesters). 3. Arie„Schlummert einst", J. S.Bach(Margarete Schlenzka-fCromm). 4. a)„Arabischer Tanz". Laturischkns, b) Musette, Lernen(Gustav Kern. Solo- Oboist des Berliner Philharmonischen Orchesters), ö. a) Bitte, b) Hat dich die Liebe gerührt, J. Mars(Margarete Sohlenzka-Kramm). 6. a) Vale oarissima, b) Daheim, Hugo Kaun(Konzertsängor Kurt Becker. Am Plugel: Dr. Felix Gunther. Tagesaachrichten, Wetterdienst, Sportnachrichten. Das gefährliche Mokkakännchsn. Ein Himmelfahrtsscherz und seine Folgen. Der Architekt Walter Sch. aus Berlin machte mit einem Per- liner Kegelklub am Himmelsahrtstag« ein« Herrenportie nach Pots- dam. Die Himmelfahrtsbrüder besuchten die Potsdamer Schlösser und u. a. auch die Orangerie. Als der Kunsthunger gestillt war, wurde dem Alkohol tüchtig zugesprochen. Am anderen Morgen fand der Archttekt in seiner Rocktasche ein braunes Mokkatännchen vor. Trotz allem Nachdenken konnte sich der Architekt nicht erklären, wie das Kännchen in ieine Rocktasche ge- kommen war. Cr zeigte diesen Fund seiner Braut, einem Fräu- lein D., und erzählte auch seinen Kegelbcüdern davon. Da ging eines Tages durch die Berliner Presse eine Nottz, daß am Himmel- fahrtstag« in der Orangerie ein wertvolles Malachitkännchen vermißt wurde. Inzwischen hat der Architekt sein Verlöbnis mit Fräulein D. gelöst und dies« hatte, als sie die Notiz von dem Dieb- stahl las, nichts Eiligeres zu tun, als ihren früheren Bräutigam des Diebstahls an dem Malachitkännchen anzuklagen. Wegen Dieb- stahls vor dem Potsdamer Amtsgericht angeklagt, stellte sich heute heraus, daß die Kegelbrüder aus Scherz dem Angeklagten ein Mokkatännchen aus einem Restaurant in die Tasche gesteckt hattcc. Der Zufall, daß gerade am Himmelfahrtstage das Malachitkännchen aus dem Potsdamer Schloß verschwunden war, kam der rachsüchtigen Braut sehr zu stallen. Der Angeklagt« wurde auf Staatskosten frei- gesprochen._ Auf der Rofen-ficeuz-fiolonic am Königsdamm(Charlotten- burg) fand gestern ein Sommerfest statt, das von Tausenden von Arbeitern besucht war. Leider entbehrte der Festplatz, wie man uns mitteilt, des republikanischen Flaggenschmucks; außer der Roten-Kreuz-Fahne sowie schwarz-weißen wehten noch allerhand Fahnen— nur keine schwarz-rot-qoldene. Nur ein paar Genossen hatten den Mut, die Farben der Republik zu zeigen. Die Besucher, meist Arbeiter, sollten lieber derartige Veranstaltungen meiden, wo man anscheinend der Republik und ihren Zeichen so feindlich gegen- übersteht. Eine über 50 Zahre alle Parteffahne besitzt der Orts- verein Finsterwalde..Am 21. September 1873 wurde auf dem 2. Stiftungsfest des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins Finsterwalde die Fahne geweiht. Sie trägt auf der einen Seite die Inschrift: Allgem. Deutscher Arbeiterverein Finsterwalde 21. September 1873, auf der anderen Seite: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Hoch die Idee LassalleS. Die.Elile-Sänger'(Theater am Kottbufer Tor) bringen in ihrem Auguit-Programm einige recht humorvolle Possen zur Auf- mhrung. Die Kegler-Posie, welche in drei Bildern gezeigt wurde, fand großen Beifall. Auch der beliebte sächsische Komiker verstand es in seiner urkomischen Vortragsweise ausgezeichnet, daS Publikum für sich zu fesseln. Auch das übrige Programm war gut zusammen- gestellt. Führungen km Museum für Meereskunde, Georgen straße 34: Dienstag, 19. 8., 1 Uhr. Prof. Stahlberg: Küsten- und Hafen- Wesen. Dienstag, 26. 8., 1 Uhr, Konteradmiral a. D. Lorey: Entwicklung des Linienschiffs. Rosenkhal, holzrefleklauten! Raummeter 9— IS SR. Meldung beim Genossen Link, Kursürstenstr. 7. Zugmdweihe A-ukölla. Alle Rinder, die am Freiing nicht erschienen waren, Holen sich die Karten am Mittwoch, den 20. August, abends von 5—7 Uhr, au« dem Sekretariat Reckarstr. Z ab. Neuanmcldungen werden dort noch entgegengenommen. «n groß«, Volks- und üwdersest zum Besten armer nnd erholungs- bedüastiger Schulkinder veranstaltet das Eharlottenburger Bc- z 1 r k Z a m t unter Mitwirkung von 25 Vereinen am Sonntag, den 24. August, in dem neuen VollSpark yungsernheide. Das Pro- gramm besteht aus Instrumental- und Vokalmusik, turnsportllchen Bor- sührungen, Fußballlpiclen, Schwimmen, Boxen, Kunst- und Volkstänzen, Rezitationen, Kasperletheater, Feuerwerk und Fackelzug. Eintritt für Er. wachscne 20 Pf. und für Kinder 5 Ps. Mit der Veranstaltung ist auch die EInweihungsfcier des neuerrichteten Gartentheaters, das 2500 Plätze bietet, verbunden. Zilmcmsaahmen im Ctraaport Bei dem vom Klub der Filmindustrie veranstalteten Klmfest am Mrttwoch, den 20., finden u. a. FUinausnahmeii der bekannten Filmregisseure bei SchekUverserbeleuchlung statt, an deiicu sich das Publikum beteiligen kann. Eiasealnmgea für diese Rubrik sind Berlin S®.«8, Liadenstraste Z, parteinachrichten für Sroß-Serlin skct»-n da»«ezlrkssekrctariat. 2. Hos, 2 Trep- recht», zu richte». tt,»rriS NrukiUl«. Kommunale Kommiwoni Mittwoch, deu SO. August. VA Uhr, im Rathaus. Sivunassaal 2. Vortrag des Gea. Gutsch:mot Uber: „Wobnungsverläufe Di« Vcztrlsv-rordnetriisraltjou imv die Vörie." aenössischen Stadträte sind eingeladen. iß Kreis rirtedrichshain. TienStag. den 19. August sheute), Sitznng des Ausschusses für«rbeiterwohlsahrt. Ninderschutz und Kommunale Kom- Mission.- 7% Uhr. bei Rosssn, Gubener Str. Ig. Neumahl. 7.»reis Cbarlottcndurg. Heule gemeinsamer Familtenausflug ugch der Iungsernbeide. Tresspunlt nachm. 2� Uhr am Eingang zum Vollsvarl. 17, Kreis Lichtenberg. Donnerstag, den 21. August. S Uhr. Sitzung des Bildungsausschusses in der Bibltothel. Weichlelftr. 28. Tagesordnung: „Dos Arbeitsvrogramm für das Winterhalbjahr''. heuke, Dienstag, deu lg. August: echautbelg.tzrledeuau. Die S»öncb-rger Kinder freunde tresscn sich Dlnstag n. Sreitag von-45 bis 7 Uhr aus dem Svielplatz Krone: Ecke Rubens- und verlängerte Vegas-Str.. bei ungünstigem Wetter im Städt. Jugendheim. Rubens-, Ecke Hauvtftr. Die Friedenauer EiruVVe schliefet stch Freitags der Schöneberger Gruvve an und trisst sich aufeerdem MontagS von 5— 7 im Jugendheim, Ossenbacher Str. 3. 125. Abt. Weis-enser. 7-4 Uhr Sitzung des Abtei lungSdorstmrdes im Rathau?, Zimmer Sl. 137. Sit«. Aeinickrndorf.Wefi. 8 Uhr Funttionärsttznsg Bollshaus, Schorn- wcberftrafee 114. z»»gs-zialistische«tnvpc Lichtenberg. 7-4 Ahr Eifemrg im Zugendheim, Partaue 10. Morgen, Mittwoch, den 20. August: 9, Abt. 7% Uhr bei Ohngeinach, Komma iidaMenstr. 88. Mitglied« rdcr- karmnluna. Alle müssen erscheinen.__._ «. Abt. 7L Uhr bei Horns, Zjoliastr. 37. Vortrag deS®«t. Waafe:.Zeit. gemäfee Fragen der Pädagogik und des SeruallebenS._ 21. Abt. 7-4 Uhr Funltionärversammlnna bei Kroll, Utrechter Stt. 21. Der n, Mch�7�»hr MiMiÄnx�o�lung�S»«»«»! Sonnmrbiwger Strafe« 20. M. Abt''? Uhr Sihiinz'der' CBcmbeträte der Lifte«sch-ck-ufknurt bei Mohn. lobt, Earmen�blva--Ztr. 123.„__ �... «. Abt. Schwer,-rtgengr«»»-. dülcktli» � �..�-g-ndhenn. Lindenftr. 3. 2. Hof 2 Tr. Bersaunnluag.(Der neue elektrische Biel- «eukön»" 92. Abt?°�Uhr Funktionärbersammlung bei Wolf,«aiser-Friedrio. Str. 173. Da wichtige Organilationsfragen. MÜNen alle Funliionäre und Gruvvenfübrer erscheinen.— Sä. Ab». 7�4 Uhr bei Gustmann. Stein- metzstrafec 78 Funlttonärsitzung. Abrechrning. 10». Abt. Köpenick. 7-4 Uhr«ahlabende. � Zngmrdheim Grünauer Str. S, Zimmer 5; Kietz und Altstadt: Britzk:, MüsüeUieimlr Straße 12; Dammvorstadt: Schills, Bah»Hofsir. 34. Tagesordnung: Bs- richtrrftattung vom Bezirk-tag._ öl. Abt. Bahn-d-rs. I Uhr Ritgltederoerfammlm-g der Henmrrn». Walters- 131. Adt�RirÄschönhanse». VA Uhr Mitgliederrersmtrmlung im Schlafe Eckiönhaulen. Lindenftr. 11. Tagesordnun»:„Sozial! snnc» und unsere 138.«bt�Reinickcn�rPOst. 7-4 Uhr Funktianärsttzung im Seebad, Rcstdeuz. strafe« 17. Stellimcnahme zur beantragten Neumahl des Borswndes. 137. Abt. R-i-ickendors-W-st. VA Uhr Mltgliederoeri-mmlung tm Bo.kshaus, Eckssirnweberstr. 114. Berichterswttung com»ejirkriog.- Bestund. aufnahm« der Bibliothek ist beendet und werden Bücher I-den Mittwoch abend 7—3 Uhr im Volkshaus« a» Pari« igen- sseu ausgegeben. Mitglieds. buch dient als Ausweis._.„_ 140.«bt.«-rfigwolde. VA Uhr bei Woitickach. Ernstste. II, Mitgsietcrversaurm. Irnig. Bortrag des Genossen Tauderi:„Das Dawes-GuMchten". Vahlverein Ortsgruppe Rov-aVe«. 7� Mr Mlwllederverfanrmlunq im Cifen> bab�-Sotel. Vortro« bre Genossin Wachenhcnn über„Aufgeben und Auf. bau der Arbcitcrivohlfahrtspflege f Sterbetafel üer Groß-Derliner Partei.-Grganifation 38. Abt. Genosse Paul»ieberman», siorndorfer Str. S. ist ver. »•> Eruakcheoune Mittwoch iwchiwttian 6% Uhr Kremawrium Derichtsirafer. -Svort Eine Hochschule für Arbeitersport. Der größte oller bestehendem A rbei lersp orwerbä nde, der deutsche „Arbeiter-Tum- und Sportbund", will«in neues großes Projekt verwirklichen: den Bau einer Zentralbildungsanstalt für Arbeitersport. Der Plan erscheint auf den ersten Blick fast unausführbar, denn die Kosten sind naturgemäß außerordentlich hoch. Und alles soll aus eigener Kraft aufgebracht werden, d. h. durch Extrabeiträge der Mitglieder. Aus eigener Kraft! Denn der Arbeiter-Turn- und Sportbund hat keine vermögenden Mitglieder, aber doch großen Idealismus und Opfersinn, um dieses Werk zu schaffen. Für den Bund ist das Gelingen des Planes ge- radezu eine Existenzfrage. Di« Mitgliederzahl ist gegenüber der Vorkriegszeit um das Zehnfache gewachsen, da aber zehn- tausende Vorturner und Turnwarte im Kriege gefallen sind, so ist der Mangel an guten Lehrkräften in allen Vereinen sehr groß. Der bürgerliche Sport hat sich in der„Hochschule für Leibes- Übungen schon vor Jahren infolge der ihm zur Verfügung stehen- den Unterstützung aus Unternehmerkreisen ein gutes Bildungsinstitut schaffen können. Nun geht der Arbeitersport ans Werk, und es wird ihm gelingen, da kein Mitglied über die unbedingte Notwendigkeit im Zweifel ist. Die neue Hochschule wird in Leipzig, dem Sitz des Bundes, auf eigenem Grundstück errichtet. Unsere Abbildung zeigt die Vorder- ansicht des Gebäudes. Es wird ein dreiteiliges Bauwerk entstehen: im Vorderhaus« zu ebener Erde eine ärztliche Beratungs- anstatt. Sitzungszimmer und Hausmeisterwochnung. Im 1. Ober- gefchoß Lehrfäle und Arbeitsräum« der technischen Beamten, weiter oben Schlafsäl«, Küche zur Verpflegung. Ausenthaltsräume. Biblio- thek, Ausstellung usw. Das Mittelgebäude ist die geräumlge Doppelturnhalle, durch«ine Wand getrennt in zwei Hallen in der Größe von je 14X2S Meter, aber auch als em großer Raum verwendbar. Bühne, Umkleideräume und Geräteräume sind selbst- verständliche Notwendigkeiten. Als Anbau sehen wir«in Schwimmbecken, 12 Meter lang und 8 Meter breit, das die Möglichkeit bietet, mit jedem stattfindenden Turn- und Sport kurfus auch Schwimmen zu verbinden und die Schwimmkurs« völlig im eigenen Hause durchzuführen. Brausen sorgen für Erftischung nach d?m Turnen und Sport sowohl als zur Durchführung des Badens. Auch als Ruderlehrstätt« ist dieses Becken verwendbar. Ein Turnplatz schließt das Ganze nach hinten ab. Etwa 30X40 Meter Fläche bleiben dafür noch frei. Auch eine 80-Meter-Laufbahn wird erstehen, sie führt am danebenliegenden, bereits vor dem Kriege erbauten Geschäftshaufe— zwischen Her 5 und Gärten vorbei— und am neuen Hause entlang. In dauernder Folge werden in diesen vielseitigen Räurnlichkeiim sodann Uebungskurse für Männer-, Frauen-, Jugend- und Kinderturnen einander folgen, da- neben Uebungskurse für Sportler und Schwimmer und für Ber- eiiisfunktionäre. Auch den anderen Arbeiterfportver- bänden wird das Haus offenstehen und damit zu nationaler und internationaler Bedeutung kommen. Die Baukosten sind nach den jetzt vorliegenden Projekten auf öSvoov Mk. veranschlagt, werden sich aber wohl nach den Erfahrungen bei anderen Bauten noch be- deuteiü» erhöhen. Jeder Bundesgenosie über 14 Jahr« ist verpflichtet. im Monat August einen Extrabeitrag von 1 Mk. zu leisten. Darüber hinaus soll eine eifrig« Werbetätigkeit bei den Eltern der Kinder, bei den Arbeitsgenossen in den Betrieben usw. entfaltet werden. Der Bund hat zu diesem Zivecke Marken a 50 Pf., auf dmen das neue Bundeshaus abgebildet ist, ausgegeben. Bei der großen Bedeutung, die diese Hwi) schul« für die systematisch« Körper- kultur und für die Bolksgesundheit im nächsten Jahrzehnt haben wird, ist der dringende Wunsch nach einem vollen Gelingen eine Selbstverständlichkeit. Die kleine Spende des einzelnen wird bei der Million Mitglieder— trotz der Arbeitslosen und Kurzarbeiter— zur alles überwindenden Macht werden, die auch das Schwerste er- reicht in dem Bewußtsein, ein großes Werk durch die Solidarität und Opferwilligkeit aller geschaffen zu haben. Die �rbeiterfportler in Sielefelö. lieber den weiteren Verlauf des 1. Nordwestdeutschen Arbeiter-Turn- und Sportfestes wird uns berichtet: Der zweite Tag und Haupttog wurde eingeleitet durch den Aufmarsch der Trommler und Pfeifer um 7 Uhr ftüh vor dem Rat- Haus Bielefeld. Den Vormittag, der mit Ausscheidungskämpfen im Stadion in Quell« ausgefüllt war, und zwar Stafetten und Meister- slbaften m den einzelnen Läufen sowie Dreizehnkampf der Turner und Zehnkampf der Turner und Turnerinnen, krönte der Fest- z u g durch die Hauptstraßen der Stadt. 1000 Radfahrer voran und hinterher, geführt von zwei Kapellen und wO Fohnen die Turner und Turnerinnen. Sportier. Sportlennnen. AM"en. Wandervögel usw. In der strahl« rien Sonn« leuchtete das Weiß der Turnanzüge und die Farben der Fahnen, fast eure Stunde dauerte der Vorbei- marsch. E, war eine außerordenttich eindrucksvolle Demonstration. Dem Zuge folgte eine gewaltige Menschenmenge nach dem Sta. dion Quelle, um den Entscheidungskampfen und den Massendarbietungen beizuwohnen. Das Groge Karree und die Tri- bünon des riesigen Sportplatzes waren von Zehntausenden um, drängt. In rascher Folge, wohlgeordnet, zogen die Scharen auf. Zuerst die Radfahrer, dann der M'pofante Zug der 300 Fahnen, gefolgt von der gesamten Mannschaft Daran schlössen sich F r e i ü b u n g e n der 2000 Turner, der 1000 Turnerinnen und der im Laufschntt heranruckenden Sportler und Achloten. Nach den Freiübungen folgten die verschiedenen Hand-, Schlag- und Fauitball-Entscheidungskampfe und die der Stafcitsn- läuser, der Ringkämpfer, Borkämpser usw. Als bei Embnich der vi. r"____ fFnho fmthen. blieben Svo rtler ,«>t die sportlichen Kämpfe ihr Ende fanden, blieben Sportler und Gäste, übersprüht von einem Riosenfeuerwerk, noch bis in die uveripruyi v xLdinenn beieinander. Die großen Ereignisie des dritten und letzten Tages waren wassersportliche Wettkämpfe im Freibad Schildesche. Wir finden das 100 Meter lang« Schwimmbasin bereits von einer dichten Menge umlagert. Die Wasserkämpfe. Männerlagenstasetten uird FraueiUagenstafetten und 4 X 100-Meter-Kinderschwimmen. Jugendschwimmen, folgen in buntem und doch exakt organisiertem Durck�rnander. Von den Leistungen sind besonders hervorzuheben toe KmiPtprüngr, das Legettauscheu. die RertungsvorfüHrungen, ausgeführt von den Osnabrückern. sowie die Wafserballspiele, w denen der Wettkampf um den Verbandsbesten ausgetragen wird. Das Gesamtbild zeigt eine beträchtliche Höhe des Könnens, der Aus- dauer und der Sporffveudigkeit. Durch die Stadt bewegt sich um Mittag«in Kinderfestzug. der auch nach dem Äadion in Quelle hinauszieht, wo die Massenfreiübungen für Knaben und Mädchen ein ähnliches Bild entwickeln, wie am Bortage die der Erwachsenen. Der Höhepunkt des Nachmittags ist das Fußball- spiel um die nordwesldeuffche Meisterschaft: Bremerhasen 96 gegen Hagen 96 5: 1. Mit der Siegerverkündung schließt der erste nord- westdeuffche Arbeiter-Turn- und Sporttag, der den Beweis geliefert hat, wie stark der Wille zur turnerischen und sportlichen Ertüchtigung im arbeitenden Boll und seiner Jugend ist. Am Abend ziehen noch einmal einzelne Trupps mit Musik durch die nun festlich mit schwarzrotgoldenen Fahnen geschmückte Stadt zum Bahnhof, wo sie wieder in Exttazügen nach Haus« ge- bracht werden. Di« ganze Veranstaltung, vom Himmel selbst durch das herrlichst« Wetter begünstigt und von der Festleittmg geradezu musterhaft organisiert nahm einen völlig reibungslosen Vertauf und hat bei allen Festteilnehmern den nachhalligsten Eindruck hinter- lassen._ Turn- onS Sportfest in Karlsbad. Der Verband der Arbeiterturner und-fportler in der Tschechoslowakei veranstaltete m Karlsbad ein Ar- beiiersportfest, wie es die Tschechoslowakei noch nicht gesehen hat. In einem Sonderzug langten die Gäste aus Deutschland an. Es waren meist Chemnitzer, Zwickauer, Leipziger und Dresdener Turn- genossen. Bei der Begrüßungsfeier gedacht« Genosse Geliert- Leipzig der Solidarität der reichsdeutschen Partei mit der tschecho- slowakischen Arbeiterbewegung. Er erzählte, welche Schwierigketten man den deuffchen Turngenossen bei der Einreise machte. Di« baye- rische Regierung hat 300 Turner an der Grenze zurückgehalten. Trotzdem ist es gelungen, 3000 reichsdeutsche Turner in Karlsbad zu versammeln. Das Bild, das Karlsbad bot, war überwältigend. Am Sonntag vormittag durchzog ein Festzug, an dem sich 30 000 Arbeiter- turner und-turnerinnen beteiligten, die Stadt. Hinter der Bundes- standarte fuhren Hunderte von Radfahrern und Radfahrerinnen, dann folgten die Jugendturner und die Turnerinnen. Die reichsdeutschen Turner im Zug« wurden von einem Blumen regen überschüttet. Die Straßen, die der Zug passierte, waren von einer vieltausendköpfigen Menge gefüllt. Auf dem Festplatz fanden u. a. auch Massenübungen der Turner statt. Di« exakten Turnvorführungen der Reichsdeutschen fanden lebhafte Anerkennung, bei den Fußballkämpfen siegten meistens die reichsdeutschen Mannschaften. Lewer versuchten die Kommuni st en«we Störung des Festes. Die komnnmistische Delegation entfaltet« plötzlich im Festzug ein bis dahin sorgfältig versteckt gehaltenes Plakat mit der Auffchrift: .Hier sollten Russen sein. Die demokratische Republik hat aber nur russischen Sozialisten, die es nickst gibt, die Einreise bewilligt." In heller Empörung über diese Lüge wurde den Kommunisten das Plakat zerrissen und in den Fluß geworfen, worauf die komm»- niftifche Delegation aus dem Festzug ausschied. »Dana lebt dieser Hund noch...* Am Sonntag, den 27. Juli wanderte ein« Gruppe des TV. von Rüdnitz bei Bernau aus am Rüdnitz-Fließ entlang zur Lcm- gerönner Mühl«. Ein« klein« Gruppe, bestehend aus einem mönn- lichen und zwei weiblichen Mitgliedern, ging der Gesamtgruppe, welche aus 19 Personen bestand, zirka 5 Minuten voraus, betrat, links von der Mühle abbiegend, einen Waldweg, den sie schon jahrelang als Touristenweg kannten. Als sie auf diesem Weg 200 Meter am Waldrand entlanggingen, wurden sie von einem Mann angehalten, der, mit einem Knüppel bewehrt, aus dem Htttterausganq des Anwesens heraussttirzde und sie sofort mit den unflätigsten Redensarten, wie Hunde, Landstreicher usw. belegte, und zu dessen Unterstützung zwei weitere Männer einige Sekunden später mit je zwei Hunden an der Leine herbeieilten und den-Wanderern auf diese Art bedeutet wurde, daß das Betreten des Weges ver- boten fei. Ohne ein« Erwiderung auf dies« Liebkosungen verliehen die Angepfiffenen, dauernd durch die Hunde und das gewalttätige Auftreten dieser Menschen bedroht, rückwärtsgehend das Gelände. Als sie aber auf der Laydsiraße. die von Ladeburg nach Biesenthal durch die Langerömter Mühle führt, weiter bedroht und mit den gemeinsten Redensarten vcrsolgr wurden, verbat sich der männliche Genosse dieses, indem er darauf hinwies, daß st« sich nicht mehr auf dem Gelände der Herrschaft befänden. Dieser Vorgang spielte sich in ganz kurzer Zeit ab, und der Genosse seinerseits ging den Weg allem zurück, um die Nachkommenden von dem Borsall zu verstän- digen. Als dies« Besitzhüter das Vorhaben bemerkten, drangen sie auf ihn mit Faustschlägen und losgelassenen Hunden ein, wobei er sich dann selbstverständlich zur Wehr setzte und einem der Angreifer einen Faustschlag wiedergab. In diesem Augenblick langten die übrigen Teilnehmer an und befreiten ihren Genossen. Gleichfalls erschien der Besitzer mit einem Jagdgewehr unter dem Arm und einem Revolver m der Tasche. Der Ueberfallene wurde von den Untergebenen des Herrn als Rädelsführer bezeichnet. Der Besitzer stürzte mit dem Ruf:„Dann lebt dieser Hund noch!" aus den Genossen zu, wurde ober durch die Masse der anderen zurückgehalten. Nach einer gelinden Prügelei, die, da unsere Wanderer völlig unbewaffnet waren, ziemlich einfettig war, und bei der nicht einmal die Mädchen geschont wurden, gelang es den Unserigen, sich zu entfernen. Das ist nicht der einzig« Vorfall, der sich bei dieser Besitzung gegenüber Mitgliedern unserer Organi- sation abgespielt hat Der Besitzer soll nach Auskünften ein Zahn- orzt aus der Tauentzienstraß« fein, dn vor zwei Jahren einen Rüdnitzer Einwohner beim Holzfammeln auf seinem Besitztum er- schössen hat und m der darauffolgenden Verhandlung wegen Rot- wehr freigesprochen wurde. Wir bemerken noch, daß wir jederzeit den Tatsachenbeweis durch Zeugenaussagen eintreten können und haben diesbezüglich mit unserer Organisationsleitung Fühlung genommen._ Luer durch Neukölln! Die.Freien Schwimmer Neukölln" hielten ihr all- jährliches Werbeschwimmen auf der Strecke Lohmühlen-Brück«— Kaiser-Friedrich-Brücke ab. Mehrere taufend Zuschauer umsäumten die Ufer der etwa 3000 Meter langen Strecke vom Start bis zum Ziel und bewiesen hiermit, daß auch in Neukölln für die Arbeiterfchwimmbewequng ein immer größer werdendes Interesse vorhanden ist 110 Schwimmer und Schwimmerinnen stellten sich kür die Gefamtsttecke dem Starter zur Verfügung und erreichten in teilweife sehr guter Zeit fast ausnahmslos das Ziel. Ueber die Hälft« der Sireck« schwammen 40 Teilnehmer. Während des Schwimmens fanden am Ziel Wasserballfpiele der B- und Schüler- mannschaften statt. Den Abschluß bildete das Spiel der.A-Mann. schaft gegen die Mannschaft der„Berliner Schwimm-Union". welches erster« mit 4:0 für sich entscheiden konnte. Die Resultate sind folgende: Männer, Kl. A: 1.(Sät fr. 40,52 Min.: 2. Dntl«, 41,28 Min.: S,®. Klein, 48,12 Min.— Männer, Kl. B: 1. R. Schulz. 47,10 Min.: 2. W. Ziminermonn, 48,13 Min.: 3 Stuhl, 49,08 Min.— Männer-Alte rsrieq«: 1. Ebcrlein, 49,38 Min.: 2 Hamenn, 50 35 Min.: 8. Rohd«. 1 Std. 10,82 Ml»,— Männlich« Zugendi 1,«. Krampe, 4740 Min.: 2. Hahn, 49,18 Min.— Kranen: 1. D. Rohwoick 1 Std. 5,18 Min.— Weibliche Jugend: t Scheper 47,23 Min.: 2. Adams, 47,38 Min.: 3. F. Boer, 47,62 Min.— ltnabrn: X. Sildedrand, 54,19 Min.: 2. Benz, 55,27 Min.— 5tri«g»beschSdigte: 1. Bluhm, X Std. 6.20 Min.__ Turn.»nt> Sportverein„Fichte-, lt. Männer» Familienpartie der Abteilung am 24. August nach Restaurant Hubertus. Tveffpuntt 3 Uhr Stettin«? Vorortbahnhp, Seiundbrunne», Singong Belle rmannstrag«. Fahrt bis Frohnau(26 Bf.) (Weitet« Sportnachrichten auf der nächsten Seite.) Schwielen und Zugcndabteiluvg. Schulzeudorf bei Tegel, oiortbahnhsf oder 8 Uhr Die Sntoiicklllni der Schwiele Das linle Bttd zeigt einen niilrolkopiichen Schnitt darch die normale Haut«der menschlichen Futzsohle. Der Streifen oben ist die Svidennis tOberhaut), die weiter« Schicht die Lederhaut. Di« Abbildung rechts stein die Snttoichtnng der Haut zur hochgradigen Schwiele dar. Bemerlenswcrt ist dl« zackige Wucherung der Oberhanr. sowie die Veränderung des elastischen Fasernehes de» Leder- haut, wie sie dnrch ständigen stbermähige» Drnck erzengt wird. normale Fuß hat keine Schwielen, weil er dort, � wo die Körperlast auf den Boden drückt, von Natur ans hinreichend gepolstert ist. Deshalb ist die Schwiele(Hornhaut) auf der Fußsohle � stets ein Zeichen dafür, daß der Fuß aus der Balance gekommen ist und daß infolgedessen das Körpergewicht auf Punkte wirkt, welche von Natur aus nicht zmn Ans- trete« bestimmt sind. (Achuld daran ist gewöhnlich eine Abflachung des Fuß- � bogens, welche man als Senkfuß bezeichnet Aber auch die als Hohlsnß bekannte Aufwölbung des Fußbogens (hoher Rist) erzeugt solche Veränderungen. �>ie Schwielen sind also nichts weniger als eine zufällige � Erscheinung, sie haben ihre tiefere Ursache in diesen anatomischen Veränderungen, und es nützt deshalb nichts, sie wie üblich abzulösen, da sie sich hartnäckig immer wieder von neuem bilden. �IsiAenn man einen dauernden Erfolg haben will, so muß man gegen dieUrsache vorgehen, indem man die falsche Belastung durch die pueumatische Fußstütze„Pneumettc" korrigiert. hebt und stutzt das empfindliche Fußgewölbe in neuartiger Weise durch ein weiches Luftkissen(4 D. R.-P.). §Uineumette stellt bei Senkfuß das abgeflachte Fußgewölbe "w schonend wieder her und korrigiert so die falsche Belastung. $*1ei Hohlfnß(hoher Rist) verteilt sie das Körpergewicht auf eine größere Sohleufläche, entlastet auf diese Weise die gepreßten Stellen von dem Ueberdruck und bringt so die Schwielen in kurzer Zeit zum Verschwinden. Schwielen«nd Hornhaut vollständig verschwunden. Bcstättge hiermit, daß noch Gebrauch Ihrer Pneumeite innerhalb 14 Tagen die Schwielen sowie Hornhaut vollständig der- schwunden find und ich ohne Schmerzen wieder gehen, daher jedem Leidensgcnosien dieselben empfehlen kam,. Ich habe schon verschieden« Einlagen probiert, aber immer ohne Ersolg. Ich bin überzeugt, daß Ihrer Pneumette doS gleiche Lob von allen, die fie benützen, gesichert ist. Friedrich Gr., Berlin. Das einzige Radikalmittel gegen Schwiele«. Ich hatte viel unter Ho rnhautbtld«ng an den Sohlen z« leiden. wußte aber nicht, dah die Ursache ein Scnlsutz ist, da an meinen Fützen keine besondere Veränderung zu bemerken ist. Ich behandelte diese Schwielen, wie es unzählige andere Leute auch machen, indem ich fie von Zeit zu Zeit In warmem Wasser aufweichte und abschabte. Pünktlich erschienen sie aber nach einiger Zell an-derselben Stelle immer wieder. Zufälligerweise bekam ich Ihr Buch.Fuß- und Beinschmerzew in die Hand, und kaufte daraufhin ein Paar Pneumette. Ich finde Ihre Theorie vollkommen bestätigt, denn die Schwielen sind ver- sch wunden und nicht wieder aufgetaucht. Ich kann die Pneumette deshalb als das einzige Radikatmittel gegen die unangenehm« und schmerzhafte SchwielenbUdung nicht genug empfehlen. Hans S., Oberbuchhalter, Berlin. ßj'e Pneumette bann in jedem Schub unsichtbar getragen werden, ist federleicht und unverwüstlich, auch beim stärbsfen Gebrauch. Wir geben Ihnen ein Paar Pneumette 8 Tage zur Probe, U eberzeugen Sie sich selbst! Beginnen Sie beute noch mit dem Versuch, bei dem Sie nichts risbieren, sondern nur gewinnen können.(Ist schmerzfreies Geben nicht diesen Versuch wert?) Schahhans größten Stils Kostenlose ärztliche Untersuchung in eigenen Röntgen- Stationen, Leipziger Straße 64 und Friedrichstraße 179 (9—2 und 4—7).— Fußprüfung und unentgeltliche fachmännische Beratung in allen Leiser-Verkaufsstellen: Leipziger Straße 64 Neukölln, Bergstr. 7/8 Tauentzienstr, 20 Friedenau, Rheinstr. 14 Friedrichstr. 179 Oranienstr. 34 Königstr. 34 Oranienstr. 47a Moabit, Turmstr. 50 MUllerstr. 3a Braunschweig: Hermann Kröker, Steinweg 6— Bremens Heymann& Neumann.— Breslau: Messow& Waldschmidt. — Dresden: Residenz- Kaufhaus.— Erfurt s Römischer Kaiser G.m.b.H.— Kölns Leonhard Tietz.— Leipzig: Ury Gebrüder, A.-0.— München: Sanitätshaus Metzeler und Schuhwarenhaus Julius Klein. Schriftliche Aufträge von außerhalb dieser Städte sind zu richten an; Kreuzversand Alfred Klotz, München, Lindwurmstr. 76 JUIeipiger Fabrikant und Patentinhaber(4 D.R.P.) Arbeitersport. (Schluß von der vorigen Seite.) Zweck unü Ziel öes Ireien keglerbünöes. Vom„Freien Keglerbund� wird uns geschrieben: Als vor zirka 2 Jahren der„Freie Keglerbund", Berlin, ge- gründet wurde, war diese Tat das erste Anzeichen, einen Strich zwischen den bürgerlichen Tendenzen des alten Keglerverbandes und der neugeschaffenen Organisation zu ziehen. In der Zwischenzeit hat sich der„Freie Keglerbund" verhältnismäßig gut entwickelt, welches die beste Gewähr für sein Bestehen ist. Als reine lokale Organisation war es den Mitgliedern bisher nicht vergönnt, ihre Kräfte im sports- mäßigen Kegeln mit auswärtigen gleichgesinnten Keglern zu messen. Das war en Mangel, welcher sich merklich fühlbar machte, weil auch in anderen Städten und Landesteilen Keglerorganifationen geschaffen waren, die gleich Berlin die bürgerlich« Vereinsmeierei bekämpfen und das Kegeln als Sport und Leibesübung pflegen. Am 1. Juni d. I. tagte eine Vorkonferenz, zu welcher Delegierte aus Sachsen, Braunschweig und Guben entsandt waren. Aus einem Vortrag des Vorsitzenden der Zentralkommission für Arbeitersport und Körper- pflege, des Genossen W i l d u n g, ging hervor, daß dem Anschluß der Kegler an die Zentralommission nichts im Wege stünde, wenn der zentrale Zusammenschluß über Deutschland vollzogen wird. Des- halb muß von allen lokalen Organisationen das Schwergewicht auf die Schaffung des neuen Bundes gelegt werden. Aber auch der Grund, die freien Kegler der modernen Sportbewegung zuzuführen, muß ausschlaggebend' sein. Daß dieses Verständnis vorhanden ist, ging aus den Ausführungen der Vertreter hervor. So konnte man aus der Rede des Braunschweiger Vertreters entnehmen, daß schon vor 10 und mehr Iahren die Mitglieder einzelner Klubs einer Partei und Gewerkschaft angehören mußten. Was jedoch nicht bedeutet, daß die Zugehörigkeit zum neuen Bund davon abhängig gemacht wird, sondern nur auf die lokalen Verhältnisse in Braunfchweig zuge- schnitten war. Die Konferenz konnte in voller Einmütigkeit chren Abschluß finden und auch ebenso einmütig wurde der Anschluß an die Rote Sportinternationale abgelehnt. Am 24. August findet nun in Halle a. d. S. die zweite Vorkonferenz statt, welcher wahrscheinlich im Oktober die endgültig« Gründung des Bundes folgen wird. In der Zwischenzeit ist eifrige Arbeit geleistet worden. Di« Berliner Generalversammlung des„Freien Kegler- bundes" hat mit 132 zu 84 Stimmen den Vorstand und die Kom- Mission aufgefordert, ihre Arbeiten im Interesse der Bewegung fort- zusetzen. Endlich soll ein Werk geschaffen werden, welches allen freiheitlich gerichteten Keglern ermöglichen soll, an der modernen proletarischen Sportbewegung regsten Anteil zu nehmen. Machen sich die Kegler frei von allen bürgerlichen Tendenzen, dann werden auch sie eingereiht in die große Masse der Arbsitersportbewegung zu Nutz und Frommen aller fveidenkenden Menschen. In diesem Zusammenhang sei auf die Notiz in Nr. 376 dieses Blaties hingewiesen. Der Schreiber dieser Zeilen scheint tätiges Mit- glied des„Freien Keglerbundes" zu fein. Soviel Verlogenheit und persönliche Angriffe dürsten einem Menschen schwerlich zugetraut werden. Gerade das Gegenteil der Notiz ist der Fall. Die Angst- macherei vor dem„Spaltpilz" dürfte nicht ziehen, schon aus dem Grunde, weil unter keinen Umständen der Anschluß an die Rote«portinternationale, sondern nur ein solcher an die Zentralkommission in Frage kommt. Gleichzeitig ist, wie vorstehend gesagt, auch der Ausspruch des Braun- schweiger Vertreters wider besseres Misten ausgelegt worden. Schwindel ist ferner, daß«in Klub falsche Angaben gemacht hat und auch die Verleihung von 700 Mark ist müstellt wiedergegeben. Warum sagt der Schreiber nicht, daß die Generaloersammlung dieses gutgeheißen l)at? Der gesunde Sinn unserer Kegler wird daraus die Lehre ziehen, daß noch viel Arbeit zu lefften ist und solche Leute richt in die Reihen unserer Sportfreunde gehören. Die Lügen der„Rolen Jahne", lieber das Arbeiwr-Spiel- nd Sportfest in M a h l s d o r f bringt die„Wahrheitsfahne" einen tericht, der ein Musterbeispiel von Wahrheit und— Dichtung bildet. Cßn M<• hekßt 6a:-Sit bat zum Schutze begleitenden„Schützer der Republik" vom„Reichsbanner Scharz-Rot-Gold" werden durch die nicht gerade sanften Zuruf« aus dem Zuge wohl gehört haben, daß Arbeitersportler mit dieser Sorte von Arbeitern nichts gemein haben wollen." Run die Wahrheit. Die Reichsbannerleute begrüßten in Mahlsdorf den Sportlerfestzug mit lautem„Frei Heil", was von den Sportlern freudig er- widert wurde. Auf dem Sportplatz selbst versuchte ein kommu- nistischer Sportler die Reichsbannerleute anzuekeln, um Stimmung gegen sie zu erzeugen, fand aber damit bei den anderen Sportlern keine Gegenliebe. Der Mahlsdorfer Turn- und Sportverein„Ein- tracht" besteht zu gut vier Fünftel aus SPD.-Leuten. Sie wollen bei paffender Gelegenheit den Moskauern ordentlich auf die Finger klopfen. grei« Tunlerschatt Berlin. Mittwoch. 7 Uhr. qrohe technische An»- schnhschung in der Sckinle Eipsskr. 23». alle Pcreins- und Abteilung»- turnwarie. Scgcsorimunfl: Unser Progrannn wl Winter 1gAI2S.— Dien»- tag, 26. August, 8 Uhr. findet in der Turnhalle Strastinanirstr. 6 der nöSiste Kiamt-Uebungsadend fitr Männer. Turnerinnen und Jugendlich« statt. Da am Bußtag diese neue ideale Gymnastik erstmalig der Oeffenllich- keit gezeigt werden soll, wird auf zahlreiche und pstnktliche Teilnahm« au» ollen Abteilungen gerechnet.— Die 5lnabe?>odteilungen wollen sofort einige Teilnehmer zur Bundesschul« sSnabenIlass«), Uebungsstunden Mittwochs von lis bis V,8 Uhr, Turnhalle Bouchestr. 75, entsenden, Evt. Fahrgelder find durch die Bezirke zu tragen. Sportfest des Bezirks Südosten der FTGB. am Sonntag, 3l, August, auf dem Sportplatz des Bezirks in Oberschöneweide(Nähe Bootshaus..Vorwärts"). Vormittags 9 Uhr beginnen die Mehrkämpfe. Nachmittaa» 2 Uhr Antreten zu den ffretsthungen, daran Einzelwettkämpse, Stafettenläufe, Pyramiden. Nachdem gefelliges Beisammensein. Die Btbetterschaft und die Jugend des Südostens wird hierzu besonders eingeladen. Die Freie» Schwimmer Neukölln, e. V,, veranstalten am Donnerstag, den Äl. August, abends 6 Uhr, im eigenen Sommerbad am Britzer Osthafen lSievcrsufcr) ein großes Wasserballturnier. Zur Austragieng y«. langen 6 Spiele der ersten Mannschaften von Knaben-, Jugend- und Männer- «bteilungen. Folgend« Bereine sind an den Kämpfen beteiligt: Freie Schwim» mer Charlottenburg, Schwimm-Union Berlin.„VorwSrts"-Ob«rschön«weide, ,.N«pttm"-Wcißensee, Freie Schwimmer Neukölln. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 25 Pf., Jugendliche 10 Pf. Da durchweg guter Sport geboten wird, ist ollen Freunden des Schwimmens der Besuch sehr zu empfehlen. Touriftenvcreia„Die Natrtrircnnde*. Ortsgruppe Berlin, e. V. Am Mitt- woch, den 20. August, abends 8 Uhr, findet in der Schul« Gipsstr. 23» ein« wichtige Bilduugsausschußsitzung statt. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. Sportuerein Moabit. Leichtathletik, Hockey. Handball,. Fußball. Turnen. Männer-, Frauen-. Jugend- und Schülcrabteilung. Training jeden Montag und Mittwoch ab 6 Uhr Sportplatz Tiergarten fBhf. Zoo). Jeden Dienstag und Freitag von 8— 10 Uhr Turnen in der Turnhalle Rostocker Str. 32. Von 6— 8 Uhr turnt die Schülerabteilung ebenda. Am Donnerstag, den 21. August, lib Uhr, Bersammlung der Jugendabteilung in der Schule Rostocker Straße 32. Zur Vervollständigung unserer 1. sowie 2. Fußballmannschaft wer- den noch jung« Leute ausgenommen. DnmeLnrn« in den Sitzungen an jedem Donnerstag lim 8 Uhr im Lokal von Pilz. Rostocker Str. 27 lMoabit 2478). Geschäftsstelle: Erich Richter, NW. 2tl. Wiclefstr. 20. Es wird nochmals auf den Meldeschluß zum Sportfest am 7. September verwiesen. Datum: 24. August. Nochmcldunaen werden ans keinen Fall berücksichtigt. Sportoereinigung Sparta 1911. Leichtathlet�, Handball, Fußball, Hockey. Training Dienstags jetzt im Stadion Friedrichshain und Donnerstags wie bisher im Lichtenberger Stadion.— 28. September: Straßenlauf Friedrichshain. Weideschluß 14 September.— Geschäftsstelle Erich Grs- s-nick, N. 54, Fehrbellrner Str. 40— 41.— Dollversammlung am Freitag, den 22. August, 8 Uhr. im Lokal von Lauter, Simon- Dach-, Eck« Krosseuer Straße. Wichtig« Tagesordnung. Arbeiter-Athleten-Bund/ t. Kreis, Sportvnb„Adler OS*. Anläßlich de« 19. Stiftungsfestes findet der Rewurkampf im Ringen in 4 Klassen: Bantam-, Feder-, Leicht, und Leichtmittelgewicht, hei doppelter Besetzung zwischen den Vereinen Leipzig lTeutonra 0 0) und Berlin lA d l« r 0 5) am Sonmchend, den 39. August, in den Andreas-Festsälen, Andrcasstr. 21, abends SM, Uhr, statt. Außerdem bietet..Adler 05" noch 6 artistische Nummern. Die Leipziger Mannschaft<8 Mann) zählt im 6. Kreis des Arbeiter-Athleten-Bundes Deutschland« mit zu den besten dortigen Mannschaften. Da die AdIer-05-Mannschaft jetzt voll ans der Hähe ist. so wird es spannende Kämpfe geben. Frei« Kanufahrcr Berlin, e. V. Di« regelmäßigen Sitzungen fmden jeden Freitag nach dem 1. und 15. jeden Monats im Vereinsloial Jdeal-Klaufe, Neukölln. Marefchstr. 14, stakt. Nächste Sitzung 22. August. Anschließend 3. Vereinsgründungsfeier, geselliges Beisammensein. All« Mitglieder sind hierzu eingeladen. Di- Meisterschaftsriege» im Freien Kegler. Bund. Di« fünf Bezirke de» Fr. K.»B. entsandten am Sonntag ihre besten Sportiegier, w gehner- r i« g« n zusammengefaßt, zu einem 20,v-Kng«l-Kampf nach dem Trep. wwer Keglerhaus. Aus den spannenden Kiwü�en ergaben sich nachstehende Ergebnisse: Westen: 13 720 Holz, Norden 13 70« H., gentrum 13 687 H., Osten 13 572 H. und Süden 13 571 H. Di« besten EtnzeUeistnngen boten: Bolt 1427, Heut« 1420, Vettin 1420, Fichler 1413, Ptnkowski 1413, Tscharn tke 1412, Weidemann 143!1, W. Meier 1408 und Steiner 1404. Außer Konkurrenz überbot Zllatthes diese Fahlen mit 1428. Aus der Konkurrrnzbohn stand«« Findeisen uno Grass« mit je 35 Holz vorn. Im nächsten Monat beginnen die Klub» und Einzelmeisterfchaftskämpfe. Ein« dreifach« Gruppeneinteilung wird jeder Spielstärke zu ihrem Recht« verhelfen. Sport. Der V. Rhön-Segelflug-Vettbewerb. jliegerlager Wafserkuppe, Soimtag, den 17. August. Di« Laubftösche behielten recht. Was die Kunst der Meteor rologen vorausgesagt hatte, traf ein: Gegen Mittag klärte es auf und der Flugbetneb kannte aufgenommen werden. Die offizielle Startliste umfaßt 78 gemeldete Flugzeuge, von denen vielleicht ein halbes Hundert im Fliegerlager auf der Wafferkuppe eingetroffen ist. 31 der gemeldeten Segelflugzeug« sind mit Hilfsmotor bzw. für den Einbau eines solchen gemeldet. Die gemeldete LL. beginnt mit 1.7 über 314, 5, 7, 15, 16 bis 20. Im Lager eingetroffen ist noch kein Kleinmotor, die meisten der gemeldeten find englffchen Ursprunges: Blakburne,„Tonnt" und Douglas, von deutschen Fabrikaten sind Kleinmotor« der Bayerischen Motorenwerke und der Norddeutschen Maschinenfabrik Pinneberg gemeldet, außerdem für Blume-Hentzens „Habicht" ein 2-Zylind«rmotor Siemens. Daß die gelieferten eng- tischen Motore für die Zeit der Ausschreibung bis Monatsschluß noch eingebaut werden können, ist mehr als zweifelhaft. Jetzt schon ein abschließendes Urteil zu fällen, wo nur die deutsche Motoren- industrie den Kleinmotor für das Segelflugzeug mitgeliefert hat, wäre verfrüht. In der Inflationszeit kaum in der Lage, der Nach- ftage nur einigermaßen genügen zu tonnen, fehlte die sichere Vor- ausstcht, daß auch andere Zeiten kommen müssen, und sie kamen schneller als geahnt. Und nun zu den sportlichen Ergebnissen des heutigen Sonntages: Das„Rhön-Kind" Peter Riedel machte zwei Flüge, Martens out„Moritz" flog 10 Minuten 34 Sekunden glanzvoll. Ledermann auf „Espenlaub V" machte Bruch. Jugenüveranstaltungen. heule, Dsenslag. 7% Uhr: Eharlottcubnrg: Jugendheim Rvstnenstv. 4,..Echiller-Abend".— Gesund. hrnnuc» N: Jugendheim Schul« Wiesen-, Ecke Pankstroße, Vortrog:„Religion und Eoziolismus".— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5, Hof rechts, Vortrag:.Maturwissenschaft".— Mnriendors: Jugendheim Dorsstr. 7. Jim. 11, Dortrag:„Sexuelle Fragen",— Moabit II: Jugendheim Gemeindescksul« am Stephanplatz, Vortrg:„Unsere Organisation".— Neukölln IN: Jugendheim Nogatstr. 53, Vortroa:„Rußland oder England?"— Neukölln V: Jugendheim Schierkestr. 44, Distusstonsabend:„Eltern und Jugendbewegung".— Ren- kiilln VI: Jugendheim Schule Kaiser-Friedrich-Str. 4, Vortrag:„Für und gegen Arbeitsdienstpflicht".— Nordring: Jugendheim Lokal von Mohnkopf, Greifenhagener, Ecke Carmen. Sylva-Straß«, Vortrag:„Bube und Mädel".— Prenzlaner Vorstadt: Jugendheim Badeanstalt Oderberaer Str. 57, Vortrag: „Die englische und französische Politik".— Schönhauser Vorstadt: Jugendheim Jbsenstr. 67. Diskussionsabend:„Warum bin ich in der SAJ.?"— Steglitz I: Jugendheim Albrechtstr. 47, Portrag:„Worte und Winke zum guten Ton".— Wannsee: Jugendheim Schul« Eharlottenstraße. Dislusficn: „Letzte Nummer der A.-J."— Werbebezirk Reukölln: Abend» 7% Uhr im Jugendheim Rogatstr, 53 Festansschnßsttzunq. Vorträge, vereine und Versammlungen« W Reichsbanner„Schroarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E. 2, Kaiser-Wilhelm-Straße 46 III. Kameradschaft„Adlershvf": Dienstag, den 19. August, abends 7)4 Uhr, bei Bogel, Bismarckstr. 74, Mitgliederversammlung.— Kameradschaft„Wedding", Jugendkameradschaft: Mittwoch, den 29. August, abend» 7 Uhr, Appell in der Schute Gothenburger Str. 2. Am 23. und 24. August Ztachtspiel. Antreten am 23. August um 6 Uhr abend» am Brunnen- platz.— Kameratschast„Steglitz": Mittwoch, den 20. August. Beteiligung an der Gründungsfeier der Kameradschaft„Teltow" im Restaurant Rözgen.„Zum weißen Schwan". Treffpunkt für Steglitz 6% Uhr Dhf. Steglitz, für Lankwitz und Lichtrrseld« 7% Uhr Bhf. Lichteft-Id-.Ost. Teilnahm« ist Pflicht. Nord. _________......_________.....________________________________ in den Sophien-Sälen. Sophienstvaße. Portrog de» Herrn Sanitätsrats Dr. Gold- schmidtr„Rüstung zum Lebenskämpfe". Ortsgruppe Berlin de» Reichsbnndes jüdischer Frontsoldat«», Bezirk Am Donnerstag, den 21. August. 8 Uhr abend», Bezirksversammlung in Sriefkaften öe? Reüaktion. z. St. 33. Diese Frage kann nur ein Fachmann lMöbeltischlcr) beant- warten. Wir glauben, daß es kaum möglich ist. 1-.?. Ke süIStsp» .Deutsche* Tepplcli-Spezialiiaiis || gasr Nmii IjSfivr« Berlin S. Seit 1882 nur ©ra�ieRSis'. 158 aarch i�ssosante größte Ein Posten schwere ilps-HöMstoSSc in Partar- a. VerdSre-flBSiera 133 cm<5 GZ>, UreiS per Meter Ja- Po�JlwaB-gJsrMsloIie 13S cra öreäl, eilt- ssl-aK M zückende.Muster Mir.•■»«* tlnr eiaiiess:;«eier-ßiKiaöe. Ein großer Posten tcnwere aamvaiisse Srase MM-a. WaisMedcea 148X100 cm Ö.T5 M. Jetzt vleäer NacijeaöinsvetHind. ütiÄjnÄi 1 iö ern otff.'aTift f tri ßei Kurz. April-Oktbr. iirR! Hiimim Mm, USUil FmDl�sn�SÄ Eisest tnoorbad SÄMSÜNSM» BahnWittenbertz-Eilerburg. Herrliche Waldcecend Großes Kufhaus m Versammlungsräumen f. Kongresse usw. Prospekt 66 gegen Rückporto durch städtische Badeverwaltung. Der£|ifc Kapitän- Wavs'i rifv»>lf islin den meisten Zizantn- aluluiltzlir-lsa ,es»llten ertailidi C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Am 15. August, nachm 3 Uhr, entschlief nach kurzem, schwerem Leiden im Bethanicnkranienhaus mein Neber Sohn, mein tnniggeliebtrr Mann, mein herzensguter Vater, der Gastwirt Paul Steberamm» im Alter von nahezu 49 Jahre». Frau 10 nie. Auguste Tdpser, geb. Biebermann. Frau Linn Oiebenuaum. geb. Fossan, und Sohn OsnMitl. Die Einäscherung findet am Mitt- woch, den 20. August, um'/jS Uhr im Krematorium Gerichtstraße statt. ÜMMMMIll-Milll Donneesfag. den 21. August, abends 7 Ahr, im Aerbaudshaase(Sitzung» saal), Linieusir.»Z/SS: Branchenversammlnng der Werkzeugmacher, Scharfschleifer und Härter. mw\ DMerkmeiker WU Die Vertrauens inSuuerkonferruz der Watzwerkarbeiter fällt ans. vis Or'svermaikuug. Lenste Warnunx für deutsche Auswanderer! Kommt nicht nach Cuba ohne Geld und feste Anstellung. Aussichten auf An Stellung find in Cuba die denkbar schlechtesten. Deutsche können von Cuba nach den Vereinigten Staaten nur nach einem Aufenthalte von mindestens einem Jahre gelangen. Hunderte von schlecht beratenen Deutschen sind hier im Elend. Deutsche Kolonie kann nicht mehr helfen. Deutscher BlKsrcrein, Habana, OhraplaSS Keine Wanze mehr nach Gebrauch von Reichel'» Wanzen- fluid„Radikal", der Wanzen ärgster Feind. Eine Flüssigkeit, die eine für Wanzen absolut tödlich wirtende Gasart erzeugt und in die verborgensten Stellen, hinter Tapeten ufw eindringt, mit vernichtender Kraft auch die sonst nicht erreichbaren Brutnester restlos abtötend. Größe II«. 0,75, Gr. III«. 1,40, Gr. IV il. 2,50,»VStrfl. M. 6,50. Otto Relctael, Berlin 43, SO. Eifenbahn- straße 4. 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(Schluß aus der Abendausgabe.) Zu den Anträgen an die Reichstagsfraktion sprach zunächst Aufhäuse-r: Die Reichstagsfraktion hat diese Frage ins Rollen gebracht, und zwar sofort beim Zusammentritt dieses Reichs- tages. Die Reichstagsfraktion hat schon die zweite Interpellation über diese Frage eingebracht, die das Auftreten des deutschen Regie- rungsvertreters mißbilligt. Die Gewerkschaften haben den Volksent- scheid bereits«ingeleitet. Di« Arbeitgeber haben bereits Gegen- broschüren veröffentlicht. Auch ein Teil der Christlichen und die Kommuni st en schicken sich an, die Achtftundentagbewegung mit allen Mitteln zu bekämpfen.(Stürmisches Hört! hörtl) Arbeits- minister Brauns will ja die Interpellation sofort beantworten, um der Achtstundenbewegung zuvorzukommen. Das wird ihm nicht ge- lingen. Wir fordern Behandlung dsr gesamten politischen Verhält- nisse. Sollt« Brauns' Antwort nicht befriedigend fein, so bleibt un- sere Vereitschaft zum Volksentscheid bestehen. Dieser erste deutsche Volksentscheid wird die Müdigkeit der Arbeiter und Angestellten brechen. Er wird die Heerschau bringen, die uns die notwendige Einigkeit bringen wird.(Beifall.) Die Anträge 11 und 12 werden zurückgezogen, 13 wird ein- stimmig angenommen. Vor der Wahl der Beisißer verlangt Frau Schmitz namens der weiblichen Delegierten, daß die Genossinnen Todenhagen und Wachenheim gewählt werden, zumal nach dem neuen Reichsparteistatut die Frauen entsprechend vertreten sein müssen, Wolfs: Wir haben nur gleichberechtigte Mitglieder, hier wird aber ein Vorrecht für die Frauen verlangt. Das neu« Statut ist noch nicht in Kraft. Frau Barkel: Wir sind mst Mathilde Wurms Tätigkeit im Bezirksvorstand durchaus zufrieden und bitten, sie wiederzuwählen. Vorsitzender Liedtk« schlägt aus Wunsch verschiedener Dele- gierter vor, statt Thurau Maderholz zum Beisitzer zu wählen. Frau Schmitz betont gegenüber Frau B a r t« l, daß die Frauenkonserenz wohl mst Absicht Mathilde Wurm nicht vorgeschla- gen habe. Bei der Bei der Wahl der drei Beisitzer erhalten Stimmen Mathilde Wurm......... 181 Dr. Lohmann.......... 170 Emil Richter........... 149 Hedwig Wachenheim........ 132 Maderholz........... 128 Todenhagen........... 97 Schiemann........... 71 Thurau............ 9 Abgegeben sind 321 Stimmen, die absolut« Mehrheit beträgt 161. Vors. Künstler erklärt, da das Statut„nur einfache Mehr- heit" fordere, die drei Erstgenannten als gewählt. Es erhebt sich lebhafter Widerspruch, da Emil Richter ja nicht die Mehrheit erhalten hat. Lüdemann betont, daß der Ausdruck„einfache Mehrheit" nur besage, daß nicht eine qualifizierte, also z. B. Zweidrittel-Mehr- heit, erforderlich sei; aber gewählt sei natürlich nur, wer die Mehr- heit erhalten habe. Nach Umfrage im Vorstand bleibt Vors. Künstler bei seiner Auf- fassung, auch als später, da er das Wort zu dieser Frage schließlich nicht mehr erteilt, durch schriftlichen Protest ein« Stichwahl zwischen Emil Richter und Hedwig Wachenheim gefordert wird. Mictcrfragen. Zur Verhandlung kommt sodann folgender Antrag 16.„6. Kreis Kreuzberg. I. Die Landtagssraktion wird beauftragt, folgenden Antrag schnellstens im Landtag einzubringen: In der Verordnung zur Ausführung der Dritten Steuernotver- ordnung(Preußische Steuernowerordnung) vom 1. April 1924 wird hinter 8 4 eingefügt: § 4». Bon der Hauszinssteuer sind befreit: 1. Sozial- und Kleinrentner, 2. Armen r entner. 3. Erwerbslose— in der Zeit beginnend 4 Wochen nach Eintritt der Erwerbslosigkeit bis 4 Wochen nach Beendigung derselben, 4. kinderreiche Familien bis zu einer zu bestimmenden Ein- kommensgrenze sowie all« Personen mit einem Einkommen unter dem Existenzminimum. II. Die Landtagssraktion wird ersucht, dahin zu wirken, daß im Gesetz klargestellt wird, daß die Entscheidungen über die Schönlieits- reparaturen zur Zuständigkeit der Mistgerichts und nicht der Miet- einigungsämter gehört.(Verordnung über Mietzinsbildung vom 17. April 1924.)" Dr. Glaser- Schönebcvg: Unsere Partei ist die Mutter des Reichsmietengesetzes. Wir dürfen hoffen, daß sie ihr Kind nicht ohne Schutz lassen wird. Wissel! bittet, den Antrag 13 der Reichstagsfraktton in dem Sinne zu überweisen, daß sie sich mit dem ganzen Fragenkomplex noch einmal beschäftigen soll. Wenn in einem einzigen Berliner Amts- gerichtsbezirk 700 Räumungsklagen gegen Arbeitslos« eingebracht worden sind, so beweist das die Notwendigkeit der Fortdauer des Lüdemann verweist auf die Geldnot der Länder wie auf die einflußreiche Stellung der Hausbesitzer, woraus den Mietern schwere Gefahren erwachsen. Die Wohnsteuer muß den Wohnungsuchcndcn zugute kommen und zur Vermehrung der Wohnungen verwendet werden. Darum hat die Reichstagsstattton mit Recht die lOprozen- tig« Wohnbauabgabe beantragt. � �__ Antrag 14 wird der Reichstags-, Antrag 16 der Landtagssraktion "�"Einstimmig angenommen wird nach kurzer Befürwortung durch Ad. Hoffmann sen. folgender Anstaq des 1. Kreises Mitte: Der Be- zirkstog protestiert auf das energischste gegen die Verletzung der Im- munität von Reichs- und Landtagsabgeordneten und erwäget, daß für die Zukunft die Immunität der Abgeordneten aller Richtungen auf das entschiedenste gesichert wird. Es folgen die Antrage betreffenü Sie presse. 17. Die P r« s s e k o m m i s s i o n ersucht den Bezirkstag, die Gründung eines Groß-Verliner Parteiorgans zu beschließen und eine Kommission einzusetzen, welche mit der Pressekommission die not- wendigen Vorbereitungen unverzüglich zu treffen hat. 18. 1. K r e i s M i tte. Der Bezirkstag wolle beschließen, den Vorstand zu ersuchen, zur Schaffung eines Lokalblattes für Groß- Berlin umgehend alles in die Weg« zu leiten. 19. 11. Kreis Schöneberg. Der Abonnementspreis des „Vorwärts" ist baldigst zu ermäßigen, um dadurch einen größeren Leserkreis des„Vorwärts" zu schaffen. 20. 12. K r e i s S t« g l i tz. Di« Funtttonär« von Steglitz er- warten von der Redaktion des„Vorwärts", daß nur solche Ver- öfsentlichungen anderer Verein« kultureller Richung usw. aufge- nommen werden, die nicht mit Parteiveranstaltungen kollidieren. 21. 131. A b t« ilung N ieder s chö n haus en. Der Be- zirkstag wolle beschließen: Für den Bezirk der Stadt Berlin wird die Herausgabe eines sozialdemokratischen Lokalblottes für notwendig gehalten, das den Interessen und Bedürfnissen der Berliner Partei- genossenschaft mehr Rechnung trägt, als dies bisher in dem in Berlin erscheinenden Zentralorgan der Partei, dem„Vorwärts", geschehen ist. Zwecks Prüfung der technischen, finanziellen und sonstigen Fra- gen setzt der Bezirkstag eine Kommission«in, die einem baldigst ein- zuberufenden neuen Bezirkstag Bericht zu erstatten hat. Ad. Hosfmann: Hier handelt es sich nicht um Richtung?- streit. Berlin soll ebenso wie jede ander« Stadt sein Lokalblatt haben. Der Weg dazu ist mit einigem guten Willen zu finden, So wie bisher geht es nickst weiter. Wst brauchen ein« Press«, für die der Berliner Genosse mit Feuereifer eintreten kann als die feine. Hiege vermißt am„Vorwärts" jene ausführliche Bericht- erstattung über das örtliche Partelleben, die die Provinz presse über- all pflegt. Otto Meier befürwortet den Anstag der Preßkommission. Infolge des Umstandes, daß das Berliner Parteiblatt Zenttalorgan, also Organ des Parteivorstandes und der Reichstagsstaktton fei, bestehe hier noch Voreingenommenheit gegen eine gewisse Richtung. Der Wunsch, daß Verlin ebenso wie all« anderen Großstädte im Reich sein lokales Parteiblatt habe, fei jahrzehnealt. Das Bestehen der Druckerei und des Verwaltungs- und' Bertriebsapparats des „Vorwärts" gebe dem Berliner Lokalblatt schon das Fundament. Bei dem heutigen Zustand hat die Preßkommission nicht den ihr gebührenden Einfluß. Das Zentralorgan kann nicht unsere Berliner Agitationsbedürfnisse erfüllen. Di« Wahl der Revisoren ergibt: Sellin als mit 283, Wolf mit 282, Iänick« mi 277, Kunze mit 273, Fechner mit 271, Linde mit 277 und Bock mit 274 Stim- men gewählt. In der forlgesetzten Pressedebatte spricht Liedtk«: Schon im vorigen Jahr hat der Dezirkstag die Schaffung eines Berliner Parteiblatts beschlossen. Aus dem Partei- tag hatten wir ein« ziemlich zustiedenstsllende Aussprache mit Ad. Braun und Stampfer. Gewisse Vorbereitungen sind also schon gelrosfen. Deshalb empfiehlt der Bezirksvorstand, nicht erst eine neue Kommission einzusetzen, sondern folgenden Beschluß zu fassen: „Der Bezirkstag beauftragt den Bezirksvorstand und die Preßkommission mit dem Parleivorstand und der Redaktion des „Vorwärts" wegen der Abstellung der Beschwerden und der Durchführung der Wünsch« der Berliner Parteigenossen betreffs des„Vorwärts" zu verhandeln." Liedtk«. Crifpien(Parteivorstand) begrüßt die Ruhe und Sachlich- keit dieser Debatte, stellt fest, daß Ad. Braun bei jener Unterredung keineswegs die Schaffung eines zweiten Berliner Parteiblatts gut- hieß und fährt fort: Als der Parteitag zu Hall: 1891 das„Berliner Bolksblatt" als„Vorwärts" zum Zenlralorgan erhob, waren die Berlmer davon begeistert. Nach§ 27 unseres neuen Reichsparteistatuts lstlt die Preßkommission auch an der Verwaltung des„Vorwärts" mitzuarbeiten. Da ist es doch unmöglich, daß sie ilhm ein Konkurrenzorgan schafft. Alle Berliner Presse- fiagm sind der Pressekommission in Gemeinschaft mit dem Partei- vorstand und— bei Richteinigung— mit der Kontrollkommission überwiesen. Di« Anträge hier aber wollm die Berliner Organ tt satton auf einen Weg drängen, der dem Parteigesetz zuwiderläuft. Das kann nicht im Interesse einer Organisation von dieser Bedeu- tung liegen, und davor möchte ich sie bewahrt sehen. Können in Berlin zwei Parteiblätter bestehen? Die Versuch« mit Berliner Vorortblättern sprechen dag:gen. Das Berliner Lokalblatt müßte«ine groß« modern« Zeitung fein und dafür ist neben dem„Vorwätts" kein Platz. Zuerst muß die Berliner Organisation, aus die sich das Blatt sttitzen müßte, ausgebaut werden. Wir stehen vor großen politischen Akttonen. Seien wir stoh. daß wir endlich politisch durchaus einig smd Eure Zufriedenheit mit der Reichstags- wähl bei läge d-s„Vorwärts" zeigt dm Weg, auf dem eure berech- tigten Wünsche wohl erfüllt werden können. Künstler: Der„Vorwärts" mit feinen vielen Depeschen, die für der. Politiker nöttg sein mögen, spricht nicht recht der Masse zu. Wir brauchen ein mehr agitatorisches Blatt, das auch die Kommu- nalpolitik und das Gewertschastsleben besser berücksichtigt. Was so vielen Städten recht ist, mutz auch Berlin billig sein. Abter schließt sich Crsspien ar und sieht den Ausweg in einer Stadtblattbeilage. Adolf Braun(Parteivorstand): Die Alten wissen, wie unersteulich es war als wir einst„Berliner Bolksblatt" und „Volkstribüne" nebeneinander hatten. Unsere Gegner rechts und links würden mtt Argusaugen auf jeden Unterschied in der Taktik und Schreibweise der beiden Blätter achten, um bei solchen Telegen- heiten, die ganz nakurnotwcndig kommen würden, Meinungs- Verschiedenheiten und sogar innere Gegensätze in unserer Partei zu konstruieren, woraus wieder innere Porreidiskufsionen entstehen könnten. Der Parteivorstand ist immer bereit, die Wünsch« einer so bedeutenden Organisation wie der Berliner nicht nur anzuhören. sondern auch darüber zu verhandeln und, soweit sie berechtigt sind und ihre Erfüllung möglich ist, sie in Gemeinschaft mit der Preß- kommission und der Redaktion zu verwirklichen. Aber zwei Der- liner Parteizeiiungen nebeneinander halten wir für unmöglich. Jetzt gilt es vor allem, angesichts der geschlossenen Front unserer Gegner, die Berliner Parteiorganisatton wieder hochzubringen. Ad. Hoffmann sen. begründet die Notwendigkeit der Schaffung eines Berliner Lokalorgans vor allem auch damit, daß der Einfluß Berlins, das 88 Proz. der„Vorwärts"-Abonnenten stelle, auf die Parteipress« wiederhergestellt werden müsse. Der Parteitag zu Mainz hat die Rechte der Preßkommission erweitert— aber wo sind sie geblieben? Auf die Zahl der„Vorwärts"l«ser in Berlin läßt sich ein Blatt mtt guten Aussichten gründen. Damit schließt die Aussprache. Der oben erwähnte Antrag des Bezirksvorstandes wird widerspruchslos angenommen. Antrag 17 ist zurückgestellt, ebenso Antrag 18; Anträge 19, 20 und 21 werden der Pressekommission überwiesen, ebenso folgender Anttag: 23. 16. Abteilung Med ding. Die Mitglieder der 16. Abteilung beantragen, Mitgliedsbeiträge, sowie„Vorwärts"- Abonnment den Einkünften der Arbeiter anzupassen und aus ein erträgliches Maß herabzusetzen. Es folgt Anttgg 22. 7. Kreis Charlottenburg. Der Bezirkstag wolle beschließen, daß in den Kressen, in denen die „Freie Schulgemeinde" so organisiert ist, daß sie in der Lage ist, die Jugendweihen selbst zu veranstalten, diese ihnen zu übertragen unter Aussicht der Partei. K ü n st l e r: Der neue Bezirksvorstand kann nicht daraus ver- zichten, daß die Partei die Jugendweihen durchführt im Bunde mit den Jugendgenossen. Der Antrag wird dem Bezirksvorstand überwiesen. Die noch ausstehenden Wahlen haben folgendes Ergebnis: verttetunq der Frauen: Klara Bohm-Schuch, Elfiiede R y n e ck. Margarete W e n g e l s. Preßkommission: 1.(Kreis:) Adolf Hoffmann fen., 2. Otto Meier, 3. Franz Iahnke, 4. Rothe, 5. Otto Büchner, 6. Emil Ditt- mer, 7. Alexander Lundgren, 8. Dr. Hertz, 9. Dr. Korach, 10. Rich. Draemert, 11. Ernst Wilberg, 12. Max Schuldig, 13. Wille, 14. Hugo Albrecht, 13. Willi Birnbaum, 16. Richard Mittenzwei, 17. Oskar Witzt«, 18. Otto Engel, 19. Johannes Hiege, 20. Hans Lorenzen. Pildungsansfchuß: Richard Weimann, Fritz Schmolinski, Enny Stock, Otto Jakobs, Bruno Lache, Richard Seidel, Professor Leo Kestenberg, Dr. Kurt Löwenstein, Otto Günther. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Vors. Künstler schließt den Bezirkstag nach mehr als sechs- stündiger Dauer um%4 Uhr nachmittags mit kurzen anfeuernden Worten und dem begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf die Partei. Weltfrieöenskongreß in Serlin. Von Gerhart Seger. Vom 2. bis 7. Oktober findet in Berlin der 23. Weltfriedens- kongreß statt, den der Internationale Verband der Friedensgesell- schaften(Sitz Bern) einberuft. Das veranstaltende Komitee sst das Deutsche Friedenskartell. dem außer der Deusschen Friedensgesellschaft 20 pazifistische und kulturpolitische Verbände angehören. Die feierliche Eröffnungssitzung des Kongresses wird am Sonntag, den 5. Oktober, vormittags im Plcnarsitzu-ngssaale des Reichstags statt- finden, sie wird zugleich eine Gedenkfeier für die verstorbenen großen Vorkämpfer der Bölkerverständigung seui. Di« Plenarsitzungen des Kongresses werden voraussichtlich in den Räumen des Reichzwirt- schaftsrats, Bcllevuestr. 15, tagen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen werden folgend« Länder, zum Teil durch starke De!«' gationen. auf dein Kongreß vertreten fein: Amerika, Belgien. Bul- garien, Dänemark, Deutschland. Deu'.schösterreich� England. Frank- reich, Holland. Italien, Norwegen. Polen, Schweden. Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Die Tagesordnung des' Kongresses darf das größte Jnttresse beanspruchen. Ein Hauptthema ist die„Internationale Abrüstung", die schon seit längerer Zeit Gegenstand eines lebhaften Meinung«- austauschs zwischen den verschiedenen Ländern ist. Nach dem Washingtoner Versuch Amerikas enfstand der Plan Lord Robert Cecils, des englischen Vorkämpfers der Pölterbundide«, als Zwischenlösung vor der allgemeinen Abrüstung ettien Garantiepakt abzuschließen. Nachdem dieser Plan wiederholt den Völkerbund be- schesstigt und Abänderungen erfahren hat, sst er jetzt von der eng- lifchen Negierung abgelehnt worden. Auch die deutsch« Regierung hat dem Völkerbund eine Denkschrift überreicht, in der sie den Garantiepakt ablehnt; an der Bersassung der Denkschrift ist dar bekannte Pazifist und Völkerrechtslehrer Prof. Walser Schütting beteiligt, der cbeissalls zu den Teilehmern des Weltfriedens- kvngresses gehören wird. Auf dem Kongreß selbst soll das Thema der Abrüstung neben anderen von je einem amerikanischen, evgti- schon, sranzösischen u.>d deutschen höheren Ossizier dehandelt werden. so daß diese Eröttsrung neben der sachlichen auch ein« große außen- politisch: Bedeutung gewinnen wird. Der zweiie Tagesordnungspunkt des Kongresses, der besonder« Aufmerksamkeit erregen wird, ist der Plan des österreichischen Aristo- traten Graf Dr. Richard, N. Coudcnhooe- Kalerzi:„P a n- E u r o p a", der selbst ein Referat über„Pan-Enropa und Völker- buoid" übernommen hat. Er cvird dem Kongreß seinen Plan, den großen Weltmächten Amerika, England und Rußland statt in 33 Staaten zerrissenen Europa eine neue Weltmacht„Pan-Europa" entgegenzustellen, darlegen. Obwohl dieser Plan sich nicht gegen den Genfer Völkerbund und die Völkerbundarbeit richten soll, wird doch, um das Problem m allen Konsequenzen erschöpfend zu be- handeln,«in spezieller Vertreter der Völkerbundidee ein zweites Referat erstatten, das die Arbeit für den universellen Ausbau des Genfer Völkerbundes in den Vordergrund stellen wird. Da der Weltfriedenskongreß in unmittelbarem Anschluß an die International« Tagung der Schulreformer stattfinden wird, so wird am ersten Plenarsitzungstage Prof. Paul Oeftteich über das Ergebnis der Internationalen Gefchichtstogung der Schulreformer berichten. Auch dieser Punft der Kongreßtagesordnung wird von besonderer Bedeutung für die Verständigungsarbeit fein, denn die furchtbare Hahatmofphäre, die feit Jahrzehnten zwischen den Na- fionen steht, ist nicht zuletzt ein Produkt des Geschichtsunterrichts, der die Jugend der meisten Völker im Haß und in der Verachtung fSr mAtxt Mntxr erzogen hat. Der«tJffrt-fcmolongwß«nfet da. her mit diesem Punkie ein« der wichtigsten Probleme der Zithmfts. arbeit berühren, das übrigens später znm Gegenstanö eine» de- sonderen Kongresses Ferna cht werden soll. Vor der feierlichen Erossrnwigssitzung wird die Generaloersammlung des Verner Bureaus stattfinden, in der die organisatorische Seite der pazifistischen Vewegun« behandelt werden soll. Do sich die Zu- sammensetzung des ehemaligen.bürgerlichen Pazifismus" völlig ge- ändert hat— in Deutschland z. B. ist ein außerordentlich starker Zustrom organisierter Sozialisten in die Deutsche Friedensgesellschaft erfolgt—, werden euch diese organisatorischen Erörterungen größere politisch« Bedeutung gewinnen. Di« Bedeutung der organisierten Friedensbewegung wird um so größer werden, se mehr führende Persönlichkeiten des Pazifismus in politische Machtstellungen ge- langen:«S genügt, darauf hinzuweisen, daß z. B. in England die führenden Mitglieder der Regierung führend« Mitglieder der pazi- fistischen Organisationen sind, wie Macdonald, Lord Parmoor, Snow. den, Trevelyan; in Frankreich der Kammerpräsident Painleve und der Sekretär Herriot», Prof. Scelle; m Belgien ist der PrLswent des Berner Friedensbureaus, der Genosse Henri La Fontaine, Lige- präsident des Senats. Das vorbereitende Bureau des Kongresses, an das alle An- fragen zu richten sind, befindet sich in Berlin SW. 68, Zimmerstr. 87, Tel. Zentrum 5669. Es ist mit einer außerordentlich starken Be- teiligung zu rechnen, da der Weltfriedenskongreß nacl) dem Kriege mir all« zwei Jahr« stattgefunden hat— der letzte war 1922 in London— urtb dieses Mal in«ine für die Berftändigung zwischen den Ländern Europas entscheidende Situation fällt. Wietfdyaft Die Getreiöehausse hält an. Sekt der Aufhebung des Getreideausfuhrverbotes steigen die deutschen G e tr« i de p r e i s« fast unausgesetzt. In der letzten Woche hat sich die Auswärtsbewegung der Getreidepreis« oer- schärft. Folgende Preise wurden an der Berliner Börse notiert: Amtliche produklenprelse in Goldmark je Tonne. Weizen Roggen Hafer Sommergerste I.Juli... 139-144 127—134 124-134 138—147 16..... 170—180 142—143 143-150 160-170 31..... 185—190 137—143 147—153 162—171 11. August.. 189—194 140—146 157—167 180—190 18.,.. 204—210 148—157 161—171 205—216 Vergleicht man die letzten Notierungen mit den Durchschnitts. preisen von 1913, so ist festzustellen: Roggen, der vor dem Kriege in Berlin durchschnittlich 164,4 Mark notierte, bleibt trotz der letzten Steigerung nur noch wenig hinter dem Vorkriegsstand zurück. Die Differenz ist wesentlich ge- ringer als der Schutzzoll, der bei der Einfuhr aus Bertragsstaaten 50 M. je Tonne betrug. Weizen hingegen, der vor dem Kriege durchschnittlich 198,8 Mark je Tonne erzielt«, hat seinen Vorkriegsstand bereits um 8 M. überschritten, bowohl die Zölle in Wegfall gekommen sind. Hafer liegt um einige Mark über dem Vorkriegsprei», der 1913 mit 162 2 M. ermitielt wurde: in Gerste sind die Vortriegs» preise(192,3 Brau-, 157,8 Futtergerste) bereits ganz wesentlich über- IchrittZN. Was folgt aus diesen Vorgängen? Die Getreidepreise haben auch ohne Schutzzoll den Bortriegsprets erreicht nnd überschritten, abgesehen vom Roggen, bei dem noch«ine kleine Differenz besteht. Die Preissteigerung hält in Deutschland an, obwohl in der letzten Woche die Auslandspreise eher etwas zurück- gingen. Die Marktlag« ist also insofern noch nicht ganz ausgeglichen, als der deutsche Preis dem amerikanischen plus Fracht noch nicht ganz entspricht. Die Auswärtsbewegung ist demnach nicht zu Ends. Unter diesen Umständen entbehr�die Forderung nach Schutzzöllen jeder Begründung, besonders wenn es ge- lingt, die Preise für Jndustriefabritate noch zu senken. In letzter Zeit sind bercits neu« Auslands-, vornehmlich Expvrtkredite zustand« gekommen, die auf die Dauer dazu beitragen werden, die hohen Zins. fätz« zu senken, die heute«inen der wichtigsten Teuerungsfaktoren darstellen. Eine künstlich« Verteuerung des Getreides wäre geeignet, die Verbilligung der industriellen Produktion zu verzögern oder zu verhindern. Den breiten Massen droht durch die Steigerimg des Gctreidepreifes ohnehin eine schwere Belastung ihrer Lebenshaltung in demselben Maße, wie die Landwirtschaft von den gestiegenen Preisen profitiert. Es wäre demnach geradezu unsinnig, jetzt Ge- treidezölle zu beschließen, wo die Hausie am Getreidemarkt den Grund für die Zollforderungen hinfällig gemacht hat und die Zölle nur zu einer zusätzlichen weiteren Verteuerung der Lebenshaliung und damit auch der industriellen Produktion führen können. Sie internationale Yetroieum-Union. Nach dreijährigem Bestehen erfolgt jetzt die Liquidation der Internationalen Petroleum-Union in Zürich. Angesichts dieses Abschlusies lenkt sich der Blick auf das industrielle Gebilde, das ehemal» zu großen Hoffnungen berechtigt«. Zum ersten Male wurde im Sommer 1921, just als das Londoner Ultimatum ausgesprochen wurde, in der Jpu der praktisch« Versuch weitest- gehender Gemeinschaftsarbeit zwischen französi- schem nnd dentschem Kapital msternommen. Zroek groß« Gruppen der deutschen und stanzöstschen Erdöllndustri« verbanden sich, um gemeinsam, unter Hinzutritt von tschechischen Interesienten und Schweizer Finanzkapital, Erdölpolitit zu treiben. Die Jpu stellte einen Versuch dieser Gruppen dar, die von den gewaltigen internationalen Mächten der Petroleumindustrie, der Standard Oil und der Royal Dutch Shcll-Gruppe noch nicht aufgesogenen Betriebe unter eigener Firma zu sammeln. Ferner sollten durch den Krieg bzw. der Friedensverträge auseinandergensien« Teile eines damals blühenden Ganzen wieder aneinandergefügt werden. Man kann diese Versuche heute als gescheitert betrachten. Di« Jpu wurde am 1. März 1921 gegründet. Ms Gründer traten auf: Die Deutsche Erdöl Akt.-Ges., Berlin, die Soci£te des Pötroles de Dabrowa, Paris, die Cornpagnie Financiere Beige des Pötroles, Brüssel, und die tschechoslowakische Gruppe um Freiherrn o. Liebig. Später trat ihr noch die Societe anonyme d'Explpitations Minieres„Pechelbronn", die Nachfolgerin jener wertvollen Betriebe der Dea im Elsaß, bei. Zur Charakteristik der Gründergruppen folgendes: Der' deutsche Dea-Konzern dürfte allgemein bekannt sein. Er stützt sich auf die hannoverschen Petrvleumvorkommen in Wietze, die mittels Schachtbau gehoben werden: den werkollen Braunkohlcngruben in Mitteldeutschland, deren bituminöse Kohlen eine nutzbringende Endölung gestatten: den hochwertigen Steinkohlenbergwerken Graf Bismarck, den Oel- raffinerien und den Veitriebsgcscllschaften in Deutschland und Oesterreich. Die Dabrowa-Gruppe gebietet über folgende Gesellschaften: Soc. des Pätroles de Dabrowa, Paris, Galizisch« Karpathen Petroleum A.-G� Cllinilc Maryampolsld; Dziedaice Spolka Akcyjna Naftowa, Dziedzitz; Rafinerja Nafty„Jedlicze" A. S., Jedlicze; Schodnica Akt.-Ges. für Pekokeumindustrie, Wien und Drösing: Apollo Mineralöl Raffinerie A.-G., Bratislawa und Prag: Vaterländische Mineralölindustrie A.-G., Budapest:.Nova" A.-G., Wien: Apollo Min.-Raff. A.-G., Deggerndorf(Bayern)): Dabrowa G. m. b. H-, Danzig: Karpathiv G m. b. H., Prag-Bysocany: Karpaty spolka, Lwow, und der Soc. et de importation et de Transport de Petrole, Paris. Die Liebig-Gruppe befaß Oelinter» esien in Tschechien und Polen. Di« Jpu übernahm bei der Grün- dung mehr als 75 Proz. der Aktien des 100 Mill. M. betragenden Aktienkapitals der Dea. Dieser Besitzstand der Jpu an Dea-Attien steigert« sich später auf 93 Proz. Das Aktienkapital der Dabrowa wurde auf 150 Mill. franz. Frank erhöht, wovon die Jpu ebenfalls mehr als 75 Proz. in Besitz nahm. Das Schweizer Kapital stand unter der Führung der Schweizerischen Bankgesellschast in Zürich. Das Aktienkapital der Jpu wurde auf 210 Mill. Schweizer Franken festgesetzt, die aber nur zu 150 Mill. Franken einbezahlt wurden, neben 7,5 Mill. Franken Vorzugsaktien, deren Einzahlung zur Hälfte erfolgte. Was bei vielen Trustgesellschaften mit Internationalem Effektenbestand ruinös wirkte, trat auch bei der Jpu ein: das Herab- sinken der mitteleuropäischen Valuta entwertete die Effektenbestände. Durch die Entwertung der österreichischen, deutschen, polnischen und französischen Beteiligung erlitt die Jpu schon im ersten Geschäftsjahr einen rechnerischen V« r l u st von 83 Mill. Frank. Dieser führt« zu einer gründlichen Reorganisation, indem das Aktisnkapital von 150 auf 25 Mill. und das der Borzugsaktien auf 3,75 Mill. schweizer Franken ermäßigt wurde. Die Großaktionäre der Jpu erhielten die Effekten ihrer heimischen Unternehmungen zurück. Dadurch kam die Dea wieder vollständig in deutsch« Hände. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchsebnlttseinkaufspreise In Ooldmark des Lebensmittel-Einzelhandels)e Zentner frei Haus Berlin. Röstgetreide, lose Kakao, fettarm Hartgrieß 70% Weizenmehl.. Wefzen-Auszugmehl Gerstengraupen, lose.. 16,25— 20, CO Gerstengrütze, lose... 15,00— 14,00 Haferliocken, lose.... 16,00— 17,25 Hafergrütze, lose.... IS, 00— 10.00 Rocgenmehl 0/1...... 15,60— 14,00 Weizengrieß........ 18,25— 19.75 27,50— 24.25 16.00— 17,25 ugmehl... 18,25— 23,00 Speiseerbsen, Viktoria. 15,00— 18,00 Speiseerbsen, kleine... 8,75— 11,75 Bohnen,\geiße, 1 erl... 20,00— 24,00 Langbohnen, handverles. 27,00— 30,50 Linsen, kleine 20,00— 29,50 Linsen, mittel....... 31,00— 37,50 Linsen, große....... 3? 60— 46.00 Kartollelmehl 18,75— 20,50 Makkaroni......... 36,00— 42,00 Makkaronimehl...... 33,00— 35,00 Schnittnudeln, lose.... 15,00— 17,75 Bruchreis.......... 15,90— 16,0) Rangoon Reis....... 18,00— 18,50 Tafelreis, glasiert, Patna 23,25— 31,00 Tsfclreis, Java.....——— 30,00- 36,00 85,00— 90,00 40,00- 43,00 50,00- 55,00 60,00 Ringäplel, amerik. Getr. Pllaumen 90/100 Pflaumen, entsteint. Cal. Pflaumen 40/50. Rosinen in Kisten, Candia 65,00— 70,00 Sultaninen Carabumu.. 80,00— 90,00 Korinthen, choice..,. 70,00— 75,00 Mandeln, süße Bari... 175,00—180,0« Mandeln, bittere Barl.. 155,00—160,00 Zimt(Cassiaj....... 106.00—115,00 Kümmel, holländischer. 60,00— 703)0 Schwarzer Pfeffer Singap. 168,00-115,00 Weißer Pfeffer....... 150,00-155,00 Rohkaffee Brasil..... 180,00-215,00 RohkafieeZentralamerika22e,00— 285,00 Röstkaliee Brasil..... 230,00—280,00 Röstkaffee Zentralam... 390,00—375,00 . 15,50- 18,00 . 65,00- 75,00 Kakao. leicht entölt... 86.00—100,00 Tee, Souchon, gepackt. 3503)0— 430,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00—500,00 Inlandszucker basis mek 39,<10— 41. CO Inlandszucker Raffinade 40, Od— 44,00 Zucker Würfel....... 4'.0!>- 47.50 Kunsthonig........ 30,;H)— 32,00 Zuckersirup hell in Elm. 40,00— 45,00 Speisesirup dunk. in Elm. 27,00— 31,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00— 95,00 Marmelade Vierfrucht. 35,00— 40,00 Pflaumenmus in Eimern 33,00— 38,00 Steinsalz, lose....... 3,10— 3,70 Siedesalz, lose...... 4.00— 4,70 BraienschmalzinTicrces 82,00— 82,50 Brafenschmalz in Kübeln£3,00— 84,00 Purelard in Tierces... Sn.OO— 80,50 Purelard In Kisten.... 80,00— 81,00 Speisetalg in Packung. 49,00— 52,00 Speisetalg in Kübeln.. 48,00— 50,00 Margarine, Handelsm. I 53,00— desgl. II.......... 57,00— 603» Margarine, Spezialm. I.. 79,00— desgl. II.......... 66,00- 68,00 Margarine III........ 49,00- 53.00 Molkereibutterl. Fissern 205,00-212,00 Molkereibutter in Pack. 200,00—215,00 Landbutter.........—— Auslandbutter In Fässern 208,00—216,0) Corned beef 12/6 Ibs p. K. 34,50— 37,00 Au sl Speck, geräuchert 75,09— 853» Quadratkäse........ 30,00— 45,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 1003)0-115.00 Bayr. Emmenthaler... 155,00—175,00 Echter Emmenthaler... 180,00—185,00 Ausk ungezuck.Condens- milch 48/16........ 21,00— 23�5 Inländische desgl. 48/12 16�0— 17,50 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00— 26,50 DK Spn war mmmehr mar noch••«froffgefeftschaft ber Überseeischen Gesellschaften, davon zwei in Argentinien und«ine in Mexiko. Die Astragesellschoft in Buenos Aires, eine von den eist- genannten, entwickelt sich so hr gut. Auch die mexikanische Gruppe San Cristobal weist ein« gute Entwicklung auf. Außerdem oer- blieben der Jpu die Allgemein« Gesellschaft für chemische Industrie, eine ehemals deutsch« Gesellschaft, die im Besitze der Edeleanu-Patente ist. Die Unmöglichkeit, die 1921 gesteckten Ziel« zu erreichen, hat sich sehr bald erwiesen. Es war nur eine Frage der Zeit, daß die Reorganisation der Jpu über den Ende 1922 gesteckten Rahmen weiter getrieben wurde, denn lediglich als Rumpfgesellschast für überseeische Beteiligungen war ein« so groß angelegte Organisation nicht vonnöten. Nunmehr wird der letzt« Handschlag getan, um die Jpu vollständig aufzulösen. Die, Dea und die Dabrowa wollen die noch verbliebenen Effekten der Trustgesellschaft selbst übernehmen. Danach scheint ein weiteres Zusammenarbeiten der deutschen und französischen Gruppe geplant zu sein. Denn wenn beide überseeische Betriebe gemeinsam fort- zuführen beabsichtigen, müsien sie auch ferner verbunden bleiben. Da» gemeinsame Band, die Jpu, wird beseitigt, übrig bleiben wird der direkte Verkehr zwischen den beiden Großaktionären. Die Dca hat noch eine Holdinggesellschaft in Zürich, welche.Terra' Akt.- Ges. firmiert. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese in der zu- künftigen Entwicklung der Auslandsintcresien der Dea ein« hervor- ragende Roll« spielt. Bei der Liquidatic» der Jpu dürste sie zur Mitwirkung berufen sein. Bielleicht bildet sie die zukünftige Brücke zur Dabrowa. Der Zerfall der Jpu bildet einen weiteren Fehlschlag in den Dersachen, die deutsche Petroleumindustrie an das Netz der inter- nationalen Erdölinteresien anzuschließen. Bekanntlich wurden schon mehrere Versuche dieser Art unternommen. Während die Deut- sch« Petroleum Zl.-G., die Gruppe der Deutschen Bank, durch ihre Verbindung mit Rütgers zu einem inländisch orientierten Kon- zern wurde, hat die der Diskontogesellschaft nahestehend« Dea ihre Bemühungen nicht aufgegeben, den Anschluß an ausländisch« Petroleumgebiet«, sei es durch Verbindung mit andern Eesellschastsn oder durch Eigcnbesttz zu erreichen. In Mexiko ist ihr die Ei- Werbung von Rohstoffquellen gelungen, die im Dorsahre 210 000 Tonnen Rohöl lieferten. Di« weitere Entwicklung bleibt abzuwarten, namentlich in welcher Weife sich die beiden Großinteressenten in den Rest der Jpubesitzungen teilen. Ueber die Jpu entscheidet endgültig eine ausgangs dieses Monats stattfindende Generalversammlung. Der Segen der prlvaliniliciive. Um der Privaiinitiativs des freien Unternehmertums zu Recht und Erfolg zu oerhelfen, wurden seinerzeit die staatlichen Werk« Deutschösterreichs aus gemeinwirl- schaftlichen zu gemischten Betrieben verwalidelt. Bekannt ist aus dem SÜarz-Pochwald-Skandal, wie sehr das Privatkapital bei dieser Aufgab«.versagt hat. Jetzt wird auch ein anderer Fall bekannt, in dem die Privatinitiative des Unternehmertums stüher staatlichen Werken Deutschösterreichs zur Stillegung verhoisen hat. Im Rahmen der privatwirtschaftlichen Umgostaltung der stüher dem österreichischen Staate angehörenden Wöllersdorfer Werke A.-E. wurde u. a. als Tochtergesellschaft die O e st e rr e i ch i s ch e Tuch- industrie A.-G. mit 9 Milliarden Kronen Kapital gegrü/rdet. Hiervon besitzt der Dr.-Braun-Stanrms«st-Konzern Wien 77Ä Proz,, die Wöllersdorfer Werke A.-G. 22Ju Proz. Wie nun der.Konfek- tionär" erfährt, hat dieses schon vor langer Zeit gegründete Unter- nehmen bisher feine Tätigkeit überhaupt noch nicht aufgenommen. Es sind nicht allein durch die bekannte Möllers- dorfer Affäre Schwierigkeiten entstanden, sondern auch durch die Illiquidität im hauptbeteiliglcn Brauir-Stammfest-Konzern. Nach der derzeitigen Lage ist kaum damit zu rechnen, daß überhaupt«ine Betriebsaufnahme der österreichischen Tuchindustrie A.-G. erfolgen wird.— Wieder ein schöner Erfolg der.Entsozialisierung"! Die kommenden deulsch-belgischen Dirtschafisverhaudlungen. Der.Petit Parisien" meldet aus Brüssel: Stresemann hat in der Nacht zum Sonnlag der belgischen Delegation ein Schreiben über- reichen lassen, daß die deutsch-belgischen WirtschastS- Verhandlungen am 1. September beginnen könnten. In- folgedesien wird sich der Direktor der Wirtschaftsabteilung im belgischen Außenministerium, Van LangenShoote, zu diesem Zeit- punlt nach Berlin begeben. Berlin ist als Verhandlungsort gewählt worden, weil die Deutschen zu verstehen gegeben babcn, daß die Arbeiten zur Anwendung des Dawes-Planes es notwendig machletr, daß das gesamte technische Personal in Berlin verbleibe und daß eS also praktisch unmöglich sei, ein« genügend große Zahl von technischen Sachverständigen zu einer Delegation von Berlin aus zu entsenden. Die aordamerikanischen landwirlschasllichen Genosienschaflen erzielten nach einer Mitteilung des Ackcrbauministeriums der Ver« einigten Staaten im Jahr« ISA einen Umsatz von über 2 000 000 000 Dollar. Von den bestehenden mehr als 10 000 solcher Genosien- schaften berichteten 8313 mit einem Umsatz« von 1700 000 000 Dollar. Von den berichtenden Öienosieni'chaftcn treiben 26C0 Getreideabsatz, 1841 Mollereiwirtschaft, 1182 Lebendviehnbsotz, 953 Obst- und Eemüseabsatz. Allein die Getreideabsatzgenossenscvafleii brachten es aus rund 500 000 000 Dollar Umsatz, die Molkerei- und Obst« und Gemüseabsatzgenosienschaften ans rund 300000000 Dollar. Auch der Bezug lond- und hauswirtschaitlicher Bedarfsgegenstände ist in erheblichem Maße genossenschaftlich organisiert. Zu diesenr Zwecke bestehen etwa 1000 Genossenschaften mit 50 000 000 Dollar Jahresumsatz. 1 3cdes Wort»,») GoWtnark. Das fettgedruckte Wort 0,20(joldittark j |(zu Iäss.2 fette Worte). Stellengesuche das I.WorKfeitlO.IOGoldmark, I I jedes freitere Wor: 0,05 Goldmark. Worte mit meiirals 15 Buchstaben I | zählen für zwei Worte. Eine Goldmark--- ein Dollar geteilt durch 4,20 I Kleine Anzeigen Anzeigen, die für die nächste Kummer bestimmt sind, müssen bis j 4", Ohr nachmittags in der Haupt-Ezpedltlon des Vorwärts, j Berlin SW 68, Llndenstraße:t, abgegeben werden. Dieselbe j | ist wochentags ton 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags geöffnet. I ! Achtung!«uafchnelben! Pelzwaren> Wichtig! für jedermann. 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