Nr.390 41.Jahrgangs Ausgabe Afr. 199 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. aeile 0.70 Goldmart, Reklamezcile 4- Goldmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), febes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen file zwei Worte. 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Mangels einer besonderen Konvention würden mit Rücksicht auf die Gegenseitigkeit die Präzedenzfälle in Betracht gezogen werden. Jm Jahre 1921 verweigerte die deutsche Regierung die Auslieferung des Mörders Tisza Chernyt mit Berufung darauf, daß der Mord auf politische Motive zurückzuführen sei. Desgleichen sei die deutsche Regierung auch gegen den fich vorübergehend in Deutschland aufhaltenden Bela hun nicht vorgegangen, obwohl er auch gemeiner Verbrechen, so u. a. der Ermordung zweier ukrainischer Offiziere, beschuldigt war. Ebenso hat die österreichische Regierung die Auslieferung Letai Leitners verweigert, obwohl dieser schon lange vor dem Revolutionsausbruch gegen Tisza ein Attentat verübt hatte, so daß die Tat teine objektiven politischen Motive hatte. Deutschland und Desterreich ständen demnach auf dem Standpunkt, daß das Asylrecht auch den sogenannten relativen politischen Verbrechern zulomme. In folchen Fragen fönne nur auf Grund der Gegenfeifigkeit vorgegangen werden. Anmerkung des WTB: Wie wir hören, ist der deutsche Gejandie in Budapest bereits beauftragt worden, für den Fall, daß der Verhaftete identifiziert wird, schon jetzt seine Auslieferung zu beantragen. Nach den aus Budapest vorliegenden Meldungen ist es jetzt ebenso sicher, daß die beiden Erzberger Mörder ver haftet sind, wie es feststeht, daß die Polizei sie wieder laufen läßt und ihnen kein Haar auf dem edlen Haupte gefrümmt wird. Die Haltung der ungarischen Behörden in dieser Angelegenheit ist von geradezu widerwärtiger Berlogenheit und Frechheit. Auf der einen Seite bemüht man sich krampfhaft, die Identität der beiden Berhafteten mit Schulz und Tillessen abzuleugnen, obwohl sie von zahlreichen Journalisten und Privatdetektivs einwandfrei festgestellt ist, andererseits erklärt man frant und frei, daß man die beiden als politifae. Berbrecher ansehe und deshalb nicht ausliefern werde. Diese Wendung der Dinge war für jeden Kenner der ungarischen Berhältnisse schon in dem Augenblic flar ersichtlich. als die erste Budapester Nachricht besagte, daß die Erzberger- Mörder auf dem Gute von Julius Gömbös entdeckt feien. Denn Gömbös ist ein Mann, ohne dessen Willen in Ungarn tein Minister vom Stuhl und feines Mörders Haupt vom Rumpfe fällt. Gömbös ist die rechte Hand Horthys und war lange Zeit Bertrauensmann und aus übendes Organ der Regierung Bethlen. Er gehört zwar jetzt der rechtsradikalen Oppofition an, bildet aber immer noch eine Macht im Staate, die schlechterdings unantastbar ist. Die zaghafte Haltung der Budapester Polizei wird daher verständlich. Es ist in Ungarn fürwahr ungefährlicher, mit einem Löwen Pferdefleisch zu effen, als mit Julius Gömbös Kirschen. Der deutsche Gesandte in Budapest wird hoffentlich der ungarischen Regierung gegenüber in diefer Angelegenheit die energische Sprache gebrauchen, die unbedingt angebracht ist. Denn es handelt sich um mehr als um die beiden verächtlichen Mordbuben Schulz und Tillessen. Es handelt sich darum, daß seit Jahren alles rechtsradikale Verschwörergesindel, das vor Besprechungen mit den Länderregierungen vom " Dorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bosticheckkonto: Berlin 375 36Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depojitenkaije Lindenstraße 3 Das Schlußprotokoll. Vertrag statt Diktat. Die Auswirkungen des Londoner Vertrages haben bereits eingesezt, noch ehe die deutsche Oeffentlichkeit sich über dem Arm der deutschen Justiz über die Reichsgrenze flüchtet, in richten fonnte. Obwohl sonst der amtliche Informationsapparat den Inhalt des Verhandlungsergebnisses eingehend unterUngarn ein gastfreundliches Asyl findet. Es handelt fich vor allem darum, daß diese Verschwörer von dort aus ungestört sich nicht gerade übereilt, obwohl man im Gegensatz dazu ihre Berbindungen mit ihren Gesinnungsfreunden in Deutschland diesmal mit außerordentlicher Schnelligkeit die Uebersetzung aufrechterhalten fönnen und daß von Budapest aus fyste. Abzug der Franzosen aus einem Teil des besetzten des Londoner Schlußprotokolls veröffentlicht hat, war der matisch gegen die Interessen der deutschen Re.Gebietes bereits vollzogen, ehe noch das Verhand= publik und des deutschen Boltes gearbeitet wird. Nach Ungarn flüchteten der Major Bischoff und andere ungsergebnis allgemein bekannt war. Diese TatKapp- Verbreder, die dann beim weftungarischen Aufstand in fache fennzeichnet, wie kaum irgend etwas anderes die Halden Reihen der ungarischen Insurgenten gegen Deutschtung derjenigen Leute, die dem deutschen Volke glauben österreich tämpften und unter ausdrücklicher Zustimmung machen wollen, in London sei nichts erreicht worden. Das Schlußprotokoll, das nunmehr vorliegt, ist nicht der deutschvölkischen Presse- die Angliederung des Bur= gerade ein Muster von Uebersichtlichkeit. Man darf sich übergenlandes an die österreichische Republik zu ver hindern suchten. Zwischen Budapest und München sind die haupt nicht vorstellen, daß die Arbeit der Unterhändler auf beiden Seiten eine leichte gewesen ist. Der Dawes- Plan hatte Fäden seit vier Jahren überhaupt nicht abgebrochen. Im Sommer 1923 wurde in Budapest der rechts radikale Abgeordnete fammengefaßt, nach denen die Lösung der Reparationsfrage in der kurzen Form eines Gutachtens die Richtlinien zuFranz Ulain verhaftet, bei dem man den Entwurf eines regel- sammengefaßt, nach denen die Lösung der Reparationsfrage zu erfolgen hatte. Die Uebertragung dieser Richtlinien in rechten Schutz- und Truzbündnisses zwischen bayerischen Nationalgesetzgeberische Formen aber mußte auf mancherlei sozialisten und Erwachenden Ungarn" vorfand. Als Vermittler Schwierigkeiten stoßen und schon die Formulierung hatte beim Abschluß dieses Vertrages ein gewisser Döhmel gewirkt, des Bertrages, der die Grundlinien der gesetzgeberischen Akle der später als Saboteur im Ruhrgebiet auftrat. Stets eraufzeichnen sollte, bringt ein für den Laien geradezu verfreuten sich die deutschen Sendlinge des Schußes einflußreichster unwirrendes Bild von grundfäßlichen Forderungen, Berwalgarischer Persönlichkeiten. fungs- und Kontrollmaßnahmen, Uebergangsbestimmungen und Ausführungsanweisungen. Wir beschränken uns daher auf die Wiedergabe eines Auszuges aus dem Protokoll. Betrachtet man das Londoner Protokoll unter seinen großen Gesichtspunkten, wobei wir den allgemeinen Inhalt Der Bestimmungen des Dawes Gutachtens als bekannt voraussegen fönnen, so sind es in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht insbesondere zwei Punkte, in denen das Abkommen sich von den bisherigen Verträgen" unterscheidet. Einmal find die Bindungen, die die allierten Staaten in bezug auf die Herstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands festlegen, fachlich genau und terminmäßig bestimmt. Zum andern aber ist der Verfrag, soweit er Deutschland Verpflich tungen auferlegt, mit einer Reihe Bestimmungen durchsetzt, die eine willkürliche Auslegung des Battes verhindern. Nicht nur im allgemeinen Schlußprotokoll, sondern auch in den meisten Einzelbestimmungen tritt immer wieder der Gedanke hervor, daß Meinungsverschiedenheiten durch einen Schiedsrichter oder durch ein Schiedsgericht zu beseitigen sind. Die starte Betonung dieser Forderung macht aus dem Abkommen im Gegenfaß zu allen bisherigen Reparationsregelungen einen Vertrag, an dessen Auslegung beide Partner gleichberech tigt mitwirken, während früher imperialistischer Willfür alle Tore offenstanden und die Regelungen selbst von vornherein einseitig zum Nachteil Deutschlands verfügt waren. Die Erzberger Mörder selbst find schon vor über Jahresfrist in Budapest festgestellt worden. Die damaligen Nachforschungen, zu denen auch deutsche Kriminalbeamte nach der ungarischen Hauptstadt reisten, verliefen ergebnislos. Das Bersagen der Budapester Polizei war so traß, daß man unbedingt etwas anderes als Mangel an Spürfinn dahinter erblicken mußte. Das Gut Nagy- Tétény, wo man jetzt Schulz und Tillessen nebst anderen Nationalsozialisten aufgestöbert hat, ist nicht etwa ein welt entlegenes Dorf, sondern liegt eine halbe Stunde von der Hauptstadt entfernt und ist mit der Straßenbahn zu erreichen. nicht die Polizei, sondern die Reporter eines Budapester Blattes sind es gewesen, die diesen Schlupfwinkel entdeckten. Während die Journalisten auf dem Gute bei ihrer Erkundungstätigkeit waren, wurden sie von den Gesuchten überfallen und mit Gummifnüppeln fürchterlich zugerichtet, ein im wahrsten Sinne des Wortes schlagender Beweis dafür, daß es sich um Hakenkreuzler handelt. Erst als die Budapester Blätter spaltenlange Berichte über das Borkommnis brachten, setzte sich zögernd und unwillig der Polizei apparat in Bewegung. Dem Kabinett Bethlen ist viel daran gelegen, im Aus lande die Meinung zu erweden, als ob in Ungarn die Zeit der Terrorherrschaft vorüber und die Aera der inneren Konfolidierung eingefehrt fei. Die Angelegenheit der Erzberger- Mörder ist nicht dazu angetan, diese Behauptungen zu erhärten. Des weiteren verfäumen die ungarischen Regierungsstellen feine Gelegenheit, ihre Sympathie für Deutschland in warmen Worten zu betonen. Ihre Taten zeugen aber nur von Sympathie für die Gegner der deutschen Republik. Diese Wahrheiten werden, wie wir hoffen, von den zuständigen deutschen Organen in Budapeſt den ungarischen Behörden eindringlich zu Gemüte geführt werden. Nach all den Tatsachen, die wir angeführt haben, ist es höchste Zeit, daß die deutsche Republit ihre 3u rüdhaltung und Duldsamkeit gegenüber einem 3 u stan de aufgibt, der aus Gründen der inner politischen Sicherheit wie der außenpolitischen Würde gleich unerträglich ist. offenbar eine zarte Rüdfightnahme auf einige polig unbedeutende Herren maßgebend. Da die Reichsratssigung schon morgen beginnt, müffen die Regierungen eben mit den unbedeutenden Ausnahmen sich völlig im Klaren sein. Die Besprechung der Länderchefs hat keinen Zweifel gelaffen, daß weit mehr als zwei Drittel der Reichsratsstimmen dem Londoner Protokoll zustimmen werden. Die partikularisti fchen Ueberbleibsel mit ihrer Geheimdiplomatie sind bei so schwerwiegenden Entscheidungen reichlich antiquiert. Für die Reichspolitik find Reichsregierung und Reichstag verantZweidrittelmehrheit im Reichsrat für Annahme. Ueber die Besprechungen mit den Länderregierungen wird fol gender amtlicher Bericht ausgegeben: Unter dem Vorsitz des Reichstanzters fand heute eine Aussprache zwischen den Delegationsführern zur Londoner Konferenz und den Staats- und Minister präsidenten der Länder statt. Nach Entgegennahme eingehender Berichte, bie Dont Reichsfanzler Marg, Reichsaußenminister Dr. Stresemann und Reichsfinanzminister Dr. Luther über den Berlauf und die Ergebnisse der Verhandlungen in London er= stattet wurden, traten die Länderchefs in eine offene Aussprache mit ft ein, des Herrn aus Streliß, und des Herrn eut ter Reichsregierung über die durch den Abschluß der Londoner Ron- heusser, der, obgleich ein Parteigenoffe Stresemanns, ferenz geschaffenen Lage ein. Die Beratungen waren getragen von dem Willen, die Ergebnisse der Londoner Konferenz, wenn sie auch hinter den gehegten Erwartungen, insbesondere hinsichlich der militärischen Räumung des widerrechtlich besetzten Ruhrgebiets, zurüdgeblieben felen, sicherzustellen. Ta bei der Kürze der Zeit und der Unmöglichkeit ausreichender Informationen die Länderregierungen zu dem Ergebnis der Londoner Abmachungen noch nicht Stellung nehmen konnten, behielten die Länder chefs fich die endgültige Stellungnahme ihrer Regierungen für die in fürzester Frist beginnenden Verhandlungen des Reichsrats über die zur Durchführung des Sachverständigen Gutachtens erforderlichen Gesetze vor. Bei der Stilisierung dieses staatsmännischen Berichts war aus der Angst vor Herrn Dinter nicht herauskommt, begründen seine staatsmännische Rücksichtnahme. Unter dem Gesichtspuntt: was wird Herr Graefe, was wird Herr Dinter dazu fagen, fällt die Entscheidung doch wahrhaftig nicht! Daweszahlungen und Kriegsfähulden. Paris, 19. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Demnächst werden die Finanzminifter ber alliierten Länder gemeinsam mit einem Vertreter der Amerifaner in Paris eine Stonferenz abhalten, um einen Verteilungsschlüffel für die von Deutschland nach halten, um einen Verteilungsschlüssel für die von Deutschland nach dem Tawesplan zu leistenden Zahlungen aufzustellen. Sturze Zeit später wird eine interalliierte Stonferenz erwartet, die sich mit ber fehr schwierigen, aber dringlichen Frage der interalliierten Gulden unter Zeilnahme Ameritas beschäftigen foll So tann es nach der gegenwärtigen Regelung als fast ausgeschlossen erscheinen, daß noch einmal wie vor dem Ruhrfampf eine Berfehlung Deutschlands in der Frage der Sachlieferungen ohne weiteres festgestellt wird und daraus polifische Konsequenzen gezogen werden. Man hat sich sowohl durch die Einrichtung des Organisationskomitees wie durch Schiedsgerichtsklauseln dagegen gesichert, daß wieder entgegen den deutschen Wirtschafts- und Währungsinteressen uns Lasten auferlegt werden, die auf die Dauer in Widerspruch zur Zahlungsfähigkeit Deutschlands stehen. Das lebertragungstomitee, das die Uebertragung der deutschen Reparationszahlungen zu vollziehen hat, hat die Möglichkeit des Ein= spruches gegen Sachlieferungen, die nur verfügt werden dürfen ,, unter Berücksichtigung der Produktionsmöglichkeiten Deutschlands, der Lage seiner Rohstoffversorgung und der notwendigen Bedürfnisse zur Aufrechterhaltung seines sozialen und wirtschaftlichen Lebens unter Berücksichtigung der im Sachver ständigenbericht festgesetzten Begrenzungen". Der Kreis derjenigen Sachlieferungen, für deren Durchführung die deutsche Regierung verantwortlich gemacht werden kann, wenn sie nicht durch freie Vereinbarung zustande kommt, ist auf einen kleinen Kreis von Waren begrenzt worden. handelt sich dabei um Kohle, Kots und Briketts, um schwefelund pharmazeutische Produkte, soweit diese nicht als Spezialitäten eines einzelnen Konzerns hergestellt werden und infolgedessen keinen Weltmarktpreis haben. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Kohlenbergbau bei der jezigen Lage feines Abfahes ein starkes Interesse an der Aufrechterhaltung bezahlter Kohlenlieferungen hat, daß andererseits auch das Stickstofffyndikat sich früher schon wiederholt um Absatz eines Teiles feiner Produktion nach dem Westen bemüht hat. Von den Reparationslieferungen ausgenommen wurden Rohle, Buder, Nebenprodukte der Kohlengewinnung und feuerfeste Erden. Die Lieferung von Farben soll bis zum 15. August 1928 erfolgen, also über die bisherigen Bestimmungen des Versailler Bertrages hinaus, auch die Kohlenlieferungen dürften länger anhalten, als im Dittat von Berjailles vorgeschrieben war, werden aber in der Es Hauptsache auf freier Vereinbarung beruhen und find im Gegensatz zu allen bisherigen Regelungen fortab vom llebertragungsfomitee zu bezahlen. Der Dawes- Plan betrachtet ja Sachlieferungen und Geldzahlungen als ein einheit= liches Ganzes, während früher Sachlieferungen auch ohne Rücksicht auf ihre Tragfähigkeit und auf den Stand der Devisenlage von Deutschland verlangt wurden. Aehnlich find die Sicherungen dagegen, daß etwa Deutsch land finanzielle Quertreibereien gegen die lebertragung der Reparationszahlungen vorgeworfen werden sollten. Hier entscheidet ein unparteiischer Sachverständiger, wenn nicht im lebertragungskomitee eine Einigung herbei geführt wurde, in welchem die Stimme des voraussichtlich amerikanischen Vorsitzenden den Ausschlag gibt. Auch die Anlegung von Geld, das sich beim Uebertragungsfomitee angesammelt hat, aber nicht in Devisen oder Sachlieferungen verwandelt werden kann, wird im Zweifelsfalle schiedsrichterlich geregelt. Derartige Gelder sollen bekanntlich der deutschen Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden und zwar nach den neueren Bestimmungen dann, wenn die zur llebertragung eingerichtete Ban? Gelder zur kurzfristigen Anlethe nicht mehr annehmen kann. In gleicher Weise werden die Uebergangsbestimmungen bei Zweifelsfällen schiedsrichterlicher Auslegung unterworfen. So atmet das neue Abkommen den Geist versöhnlicher Zusammenarbeit im Gegensatz zu früheren Bersuchen einer Reparationsregelung, die mehr oder minder ein einseitiges Diktat darstellten. Die Gefeßentwürfe zu seiner Durchführung sind von den. Organisationsfomitees vorbereitet und werden dem Reichstag in den nächsten Tagen vorliegen. Vorbedingung für die Durchführung des Dawes- Plan ist der Er so'g der Anleihe, die gleichzeitig für die deutsche Volkswirtschaft die Vorbedingung zur Erlangung langfristiger Auslandskredite ist. Einzelheiten aus dem Anleiheprojekt jetzt mitzuteilen wäre sicherlich verfrüht, da die Verhandlungen noch im Gange sind und vorzeitige Veröffentlichungen dem Blane nur schaden fönnen. Die Berhandlungen liegen in den Händen des Reichsbankpräsidenten Schacht, von dem man nach seinen bisherigen Erfolgen erwarten darf, daß er die Interessen der deutschen Boils und Finanzwirtschaft zu wahren wiffen wird. Jedenfalls rückt jetzt immer näher der Termin, an dem nicht nur der ganze Wirrwarr von imperialistischen Ronflitten sich zu lösen beginnt, die durch die verfehlte Reparationspolitit Frankreichs entstanden sind; auch die fachlichen Rusammenhänge, die sich aus der diftatorischen Behandlung der Reparationsfrage durch die Entente zwangsläufig ergaben, werden durch eine geschäftliche Behandlung des Reparationsproblems in neue Formen geleitet. Am 1. September verliert die Micum ihr Lebensrecht. Bom gleichen Termin an darf Frankreich das Vergnügen, seine Soldaten der Bevölkerung des besetzten Gebietes zu präsentieren, aus der Reparationstaffe, also leßten Endes aus dem eigenen Haushalt bezahlen. Immer näher fommen die Fristen, an denen das widerrechtlich bejezte Gebiet gänzlich befreit wird, nachdem schon jetzt Hunderttausende den Erfolg der Londoner Verhandlungen am eigenen Leibe erfahren haben. Der Reichstag und besonders die Deutschnotionalen tragen die Verantwortung dafür, wenn die Befreiung des besetzten Gebietes durch politische Geschaftlhuberei noch hinausgezögert werden sollte.ta P New Bort, 19. Auguft.( EP.) Die hauptsächlichsten Banten von New Bort geben öffentlich eine Erklärung ab, worin gesagt wird, daß die amerikanischen Bantiers über die Placierung der Anleine für Deutschland auf den amerikanischen Märkten sehr optimistisch seien. Man hofft auf rajche Ratifizierung der Condener Ablommen durch Paris und Berlin. Man glaubt, daß die Bant Morgan bei der Placierung der Anleihe eine führende Rolle fpielen werde. Schon jetzt seien ihre Agenten in Frankreich und England in diefer Angelegenheit tätig. Der Mars in Erdnähe. Am 23. August dieses Jahres gelangt unser Nachbarplanet Mars in Oppofition zur Sonne, d. h. die Erde steht zwischen Sonne und Mars. Tamit ist eine Annäherung an unsere Erde verbunden, die dieses Mal besonders groß ist, so daß der Planet unseren Astronomen cine äußerst günstige Beobachtungsgelegenheit bietet. Infelge der großen Exzentrizität der Marsbahn schwanken die Entfernungen Sonne- Mars innerhalb eines Marsjahres um einen ziemlich bedeutenden Betrag( 42 Millionen Kilometer). Daraus er gibt sich auch ein dauernder starker Wechsel des Abstandes zwischen dem rötlichen Planeten und unserer Erde, d. h. in bestimmten Zeitabständen wird eine besonders große Annäherung der beiden Nachbarn stattfinden. Eine solch günstige Stellung tritt nun eben in diesem Jahre ein; die nächste wird sich im Jahre 2003 ereignen. Aus diesem großen Zwischenraum von 79 Jahren geht schon herror, wie wichtig jede solche Opposition für die Erforschung des Mars ist, und es ist verständlich, daß schon seit langem Vorberei tungen für die diesjährigen Beobachtungen getroffen werden. Besondere Hoffnungen darf man wohl auf die Ergebnisse feßen, die aus den Beobachtungen auf dem Jungfraujoch in den Alpen ( 3400 Meter) gewonnen werden sollen. Mars ist schon immer einer der interessantesten Gegenstände cus der ganzen Himmelsforschung gewesen, da die auf seiner Oberfläche beobachteten Einzelheiten dauernd zu einem Bergleich mit irdischen Verhältnissen drängen. Man hat eine große Anzahl heller und dunkler Flecken gefunden, die ihre gegenseitige Lage im Laufe der Jahre nicht wesentlich geändert haben, also ficher der Planetenpberfläche angehören. Auf die verschiedenste Weise hat man versucht, die Mars- Ceheimnisse zu enthüllen, aber selbst in unseren Tagen der Riefenfernrohre, der Himmelsphotographie und der spektral- analytischen Untersuchungen ist es noch nicht gelungen, eine Theorie aufzustellen, die alle Erscheinungen auf unserem Nachbarplane.en einwandfrei erklärte. So halten die einen die verschieden farbigen Flede für Land und Woffer. andere für Meere, die sich teilweise im Zustand des Eintrocknens befirden, wieder andere bestreiten das Vorhandensein von größeren Wassermengen auf dem Mars überhaupt und glauben, es nur mit mehr oder weniger be= wachsenem Festland zu tun zu haben, und noch viele andere Deutungsversuche sind unternommen worden. Nur bei der beiden erchen Pelflecken, die übrigen auch schon in fleineren Fernrohren fitchbar sind, fann man mit einiger Sicherheit annehmen, daß es fich tort tatsächlich um Cismassen, Schnee oder Reif handelt; denn Diese Stellen zeigen regelmäßige Veränderungen, die mit dem Wel der Jahreszeiten auf dem Mars sehr gut übereinstimmen. Son allen Marsphänomenen sind wohl dem Laien die von Schiaparelli 1878 cntdeckten sogenannten„ Kanäle" am befann tefen, obwohl gerade in der Frage über ihre Existenz die größten Meinungsverschiedenheiten in der astronomischen Fachwelt herrschen. war haben ich rach Schiaparelli mehrere Astronomen diese ge= reen Striche auf der Marsoberfläche zu jehen gemeint und fie teils als Werte vernünftiger Mejen, tile als Eisipalien oder auch noch auf andere Weise zu deuten versucht, von anderen hingegen wird ihr Vorhandensein aufs bestimmteste bestritten; die Verschie Echt deutschnational. Die Partei der Ehrabschneider und Berleumder. Die Deutsche Tageszeitung", diz es nicht gewagt hat, die Kundgebung der preußischen Regierung ihren Lesern zur Kennt nis zu bringen, in der sie dem Reichslandbund den Borwurf macht, er verheye die Landbevölkerung, um die politischen Geschäfte der Deutschnationalen damit zu betreiben, unterstellt neuerdings der preußischen Regierung, daß sie gegen das Projekt der Agrarbant arbeite. In der diesbezüglichen Notiz der„ Deutschen Tageszeitung" heißt es, der Entwurf zur Schaffung einer Agrarbank sei längst fertiggestellt. Er läge dem Reichszat bereits vor, die preußische Regierung verfolge aber die Tattit, die Vorlage durch Abärderungsanträge unmöglicher Art im Reichsrat zu ver schleppen. Daß die Notiz der Deutschen Tageszeitung" mit ebenso unsinnigen wie schmutzigen Anwürfen gegen die preußische Regierung arbeitet, nimmt nicht weiter Wunder, da man diese Art von Stilübungen ſeit Bismards Zeiten bei der deutschnationalen Bresse gewohnt ist. Erstaunlich ist es aber, mit welcher Dreistigkeit das Agrarierblatt falsche Meldungen in die Welt setzt. Die Tatsachen liegen nämlich so, daß der Gesezentwurf zur Schaffung einer Agrarbant noch gar nicht dem Reichsrat vorliegt, womit sich die anderen Behauptungen der Deutschen Tageszeitung" von selbst als das entlarven, was sie sind, nämlich als freche Ervon selbst als das entlarven, was sie sind, nämlich als freche Er findungen. Den Herren von der Umfallpartei scheint angesichts ihrer üblen Lage der Blid für das Mögliche in der Kunst des Verleum dens abhanden gekommen zu sein. * 11 Zum Ostpreußentag" in Tilfit. Oeffentliche Umzüge nicht gestattet. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: " Für den in Tilsit am 23. und 24. August geplanten„ Ofta preußentag" hat der preußische Minister des Innern eine Ausnahme von dem allgemein bestehenden Berbot öffent licher Versammlungen unter freiem Himmel einschließlich aller Umzüge nicht zuzulassen vermocht. Die Ermittlungen und Verhandlungen haben feine Gewähr dafür gegeben, daß es sich um eine tatsächlich völlig unparteiliche Bere anstaltung handelt. Von dem allgemeinen Verbot der Vera sammlungen und Umzüge unter freiem Himmel fönnen aber nur Ausnahmen zugelassen werden, werin gänzlich unpolitische und im allgemeinen 3ntereffe liegende Beranstaltungen in Frage fommen. Die nichtgenehmigungspflichtigen Teile der Tilfiter Beranstaltung, wie z. B. die rein sportlichen Programme, werden von der Ents scheidung des Innenministers nicht berührt." Abgefchen davon, daß das Berbot des preußischen Innens ministers im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ortening und Sicherheit notwendig ist, entspricht es den Anordnungen der Reichsregierung, die feinerzeit von den Vertretern der Länder ausdrücklich gebilligt worden sind. Daß es zu ganz uns möglichen Zuständen kommt, wenn man den„ nationalen" Krafeelern im Gegensatz zu den Verordnungen der Reichsregierung die Sraße freigibt, haber die Vorfälle in Weimar von neuen erwiesen. Eine Reichsregierung, die es trotzdem verabsäumt, die verant wortlichen Landesminister zur Verantwortung zu ziehen, untergräbt damit nicht nur ihre eigene Autorität ,. fie verfündigt sich auch am Reich. Vor einiger Zeit stellte die Essener Wochenschrift„ Das freie Wort" die Behauptung auf, der frühere Polizeipräsident von München, 19. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die nationali Königsberg i. Pr. und jezige Polizeipräsident von Dortmund, der von den Deutschnationalen besonders gehaßte Genosse Lübbring verstische Nürnberger Alt- Reichsflagge" veranstaltete am nachlässige seine Sohnespflicht seiner alten Mutter gegenüber. Bor Sonntag in dem Arbeitervorort Zirndorf eine Fahnen weihe Gericht zur Berantwortung gezogen, mußte der verklagte Redakteur mit öffentlichem Umzug. Wie jetzt erst bekannt wird, vere Kirchner erklären, daß er die Beleidigungen nicht aufrecht übten die Hakenkreuzler dabei, offerkbar gereizt durch die ablehnende erhalten könne, daß er sich im Gegenteil davon überzeugt habe, Haltung der Bevölkerung, Ueberfälle auf mehrlose Zu daß Genosse Lübbring seinen Sohnespflichten jederzeit nachgekommen i dha u er. In ein Haus wurden Schüsse abgefeuert, an anderer sei. Er mußte seine Behauptungen mit dem Ausdruck des Bedauerns Stelle wurde ein Arbeiter durch Messerstiche in den Unterleib und unter Tragung sämtlicher Kosten zurücknehmen. Dieser Ausschwer verjeßt. Das war möglich, weil troß des bayerischen Regies gang war zu erwarten. Trogdem übernahmen die parteiamtlichen rungserlaffes gegen die Festseuche" der Hakenkreuzlerumzug von der " Nachrichten der Deutschnationalen Partei Ost Polizei nicht verhindert worden war. preußens", deren Redakteur Studienrat Prof. Rahn ist, die unflätige Anrempelung des Freien Worts". Bon den Gerichten belangt, erklärte sich der deutschnationale Profeffor bereit, die Behauptungen öffentlich zurüdzunehmen und Genossen Lübbring um Berzeihung zu bitten. Die Straffammer in Königsberg erkannte gegen den Leiter der Nachrichten der Deutsch nationalen Partei Ostpreußens" auf acht Tage Gefängnis. Bor furzem fand man nun auch in der rechtsradikalen Tilsiter 3eitung" unter der Ueberschrift:„ Wer ist Lübbring?" die Berleumdung. Genoffe Lübbring, der offenbar mehr Menschen liebe und Gefühl für Anstand besitzt als die deutschnationalen Ber leumder, begnügte fich in diesem Fall mit einer Berichtigung an die„ Tilsiter Zeitung" auf Grund des§ 11 des Pressegesetzes. " Sie fordern republikanische Beamte! Münchener Stadtrat gegen Polizeidirektion. München, 19. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Mün( Eigener Drahtbericht.) Der Münchener Stadtrat ist in einen Konflikt mit der Regierung ge raten, weil er es abgelehnt hat, die Kosten für die Münchener Bolige direttion zu tragen. Die Sozial demokratie erklärte, daß die bisherige Polizeipraris, insbesondere die Haltung des Innenministeriums und Polizeidirektion zur Berfaffungsfeier ihr fein Vertrauen einflößen fönne. Eine Ministerialeftischließung, die vom Finanzreferenten verlesen wurde, hat jetzt die Regierung von Oberbayern( an deren Spize immer noch Herr v. Kahr steht! D. Red.), angewiesen, daß weitere zu verfügen". Uebrigens stimmte der sozialdemokratische erste Bürgermeister Schmid gegen die Ablehnung, wie er sagte: nicht um dadurch der Polizeidirektion das Vertrauen auszusprechen, sondern, weil es sich um eine gesetzliche Berpflichtung der Stadt handle. denheit der Ansichten geht sogar fo weit, daß ein Astronom die Kanäle auf einer Photographie zu sehen glaubte, während andere auf demselben Bild nichts entdecen fonnten. Es scheint sich bei all diefen Gebilden um ziemlich fleine, an der Grenze der Wahrnehm barkeit liegende Objekte zu handeln, die von den verschiedenen Beobachtern eben megen ihrer schwierigen Eichtbarkeit ganz fubjektiv einem Gesamtbild kombiniert werden. Daß unter diesen Um ftänden von einer Antwort auf die Frage nach der Bewohnbarkeit des Mars natürlich nicht die Rede sein kann, braucht wohl faum erwähnt zu werden. Allerdings sei festgestellt, daß im Sonnenfystem außer der Erde nur noch diefer Planet einigermaßen günstige Lebensbedingungen zu besigen scheint. * Die jetzt bevorstehenden zehn Tage sind für die Beobachtung des Planeten Mars am günstigsten. Am Sonnabend, den 23. Auguft. tommt unser Nachbargestirn in Opposition zur Sonne und erreicht mit 55,7 millionen Kilometer zugleich seine größte Annäherung an die Erde. Wer Gelegenheit hat, den Planeten durch ein Fernrohr zu beobachten, warte damit aber nicht etwa bis zum Sonnabend, sondern benutze den ersten völlig klaren Nachthimmel, weil unter Umständen ungünstige Witterung für geraume Zeit die Beobachtung vereiteln fann, und weil die Annäherung des Planeten schon jetzt so groß ist, daß er auch am Tage feiner Opposition feine nennenswert günstigeren Beobachtungsmöglichkeiten tarbietet. Biel wich tiger als die relative Differenz in der Entfernung ist möglichste Reinheit der Aimosphäre. Am flarsten pflegt in dieser Jahreszeit der Himmel bei Nordwestwind am Ende einer Periode regnerischen Wetters zu sein, wenn der Luftdruck zunimmt und das Gewölt sich erteilt. Auch tut man qut daran, sofern man in der Lage ist, sich den Zeitpunkt der Beobachtung auszuwählen, Mars möglichst um Mitternacht in Augenschein zu nehmen, wenn er den höchsten Stand über dem Südhorizont erreicht hat. Diefe Höhe ist ohnehin in unseren Breiten leider recht gering. Aus diesem Grunde sind auch ron den Beobachtungen auf den mitteleuropäischen Sternwarten besondere Ergebnisse schwerlich zu erwarten. Denn die Hiefe, vom Fernrohr zu durchdringende Luftsch cht läßt die feinen Einzelheiten auf der Oberfläche des Planeten nicht hervortreten und macht tas teleskopische Bild verschwommen. Sofern es diesinal gelingt, die vielen Probleme, die uns der Mars noch aufgibt, zu enträtseln, werden es wohl die Sternwarten der südlichen Halbfugel und in der nördlichen fubtropischen Gebieten fein, von wo neue Aufschlüsse zu erwarten find. Im Fernrohr läßt sich zurzeit die den Nordpol des Planeten umgebende Eistalotte deutlich, und zwar in beträchtlicher Ausdehnung wahrnehmen; sie ist von einem dunklen Gebiet mit scharfem Rand begrenzt. Im übrigen erkennt man deutlich die eigenartig gestalteten, von geschwungenen Konturen umgrenzten dunklen Cebiele, die grau bis graubräunlich oder graugrünlich erscheinen und nach der herrschenden Anschauung als Meere angesprochen werden. Dabei braucht man sich unter ihnen feineswegs so tiefe und wafferreiche Meeres becken vorzustellen, wie sie die Erde hat; es sind mehrscheinlich nur ilache, möglicherweise fumpfine Fläden. wenegen die blleren, gelblich erscheinenten Stellen, die von den dunferen Flächen um schloffen sind, vermutlich trockene, wüstenartige Bandgebiete dat stellen, die ihre Färbung möglicherweise von dem stark eisenthaltigen | 17 In Cham im Bayerischen Wald hatten die Bölkischen für den 31. Auguft einen Deutschen Tag" vorbereitet. Auch dieser Beranstaltung standen die Ortsbehörden wohlwollend gegenüber, erst das Ministerium des Innern hat sich dazu aufgerafft, diesen„ Deuts fchen Tag" zu verbieten. Die Organe des Freistaates Bayern gewöhnen sich schwer daran, Regierungserlasse nicht nur gegen links, fondern auch gegen rechts anzuwenden. Aber immerhin, fie begins nen, durch Schaden flug gemacht, die nötige Energie aufzubringen, während die thüringische Regierung es offenbar als ihre vornehmste. Aufgabe ansieht, aus Thüringen ein Erjahbanern zu schaffen und die Reichsregierung dem gefährlichen Schaue spiel mit den Händen in den Hosentaschen zusieht. Ablehnung mit Dank. Was sich derTemps" aufschwagen läßt. In Nr. 23 014 des Pariser Temps find„ Eindrüde aus Deutschland" veröffentlicht, die aber nur den Eindrud machen, für hinaus schon jest" Argumente betbringen zu sollen Der von die Berlängerung der Militärfontrolle über die Generalinspektion Temps veröffentlichte Brief eines angeblichen Korrespondenter beginnt mit folgenden Worten " Arbeiter und pazifistische, Organisationen haben dent Gene ral Nollet von Anfang an wertvolle Mitarbeit geleistet." Für die sozialdemokratische Arbeiterschaft dürfen wir diese dankbare Anerkennung mit Dant ablehnen. Was deutsche Sozialdemokraten zum Schuß des Friedens und der Republit zu tun für notwendig finden, das tun fie lediglich auf deutschem Boden, geographisch wie rechtlich betrachtet; fie meisen es als Beleidigung zurüd, mit einer von fremder Gewalt in Deutschland eingesetzten Ueberwachungsstelle irgendwelche Gemeinschaft zu pflegen. Meteorstaub haben, der, wie auf die Erde, seit Jahrmillionen auch auf die Marsoberfläche fällt. Uebrigens zeigen sich diese Unterschiede der Färbung und Gestaltung im Fernrohr feineswegs jo flar, mie fie bildliche Darstellungen erfennen laffen. Das an astronomische Beobachtungen nicht gewöhnte Auge muß fich darauf erst einstellen und braucht eine gewisse Zeit, um die helleren und duntieren Kon turen zu unterscheiden. Diese sowie die fofort auffallende weißliche Färbung der Polartalotte sind das einzige, was der Laie im Fern rohr wahrzunehmen die Möglichkeit hat. Die Hoffnung, etwas von den vielumstrittenen Kanälen" zu sehen, muß er ebenso aufgeben wie die Erwartung, etwa der beiden winzigen Marsmonde Deimos imd Phobos anfichtig zu werden. Die Kriegsmappen der Dix und Krain. Von Friedrich Wendel Der Kriegserinnerungstag hat eine Flut von leidenschaftdurch bebter Literatur des pazifistischen Protestes gebracht. Was die Graphit angeht, so heischen das Radierwerf„ Der Krieg" von Dito Dig und die Mappe Nie wieder Krieg" von Willibald Krain besondere Beachtung. Dir gibt in Blättern, deren Technit Dienst am Stoff ist, Schildes rungen des Krieges, die der Wirklichkeit troh unerhörter Kraßheit der Darstellung Gewalt nicht antun. Es find Blätter darunter, die auf den Betrachter wirken, als stehe er dem Gemansche von Eingeweiben und Stacheldraht, von Blut und Dred unmittelbar gegenüber. Wo er am fachlichsten bleibt in diesem Referat über Scheußlichkeit, die Wirklichkeit war, ist er am stärksten; nötig hat Dir kaum, bestimmte Löne, die er vortragen will, durch symbolische Figuren zu unterstreichen. Da ist ein„ Sterbender Soldat, ein Menschengeficht mit flaffenden Bundlöchern, in feiner Entfeglichkeit uns heißestes Gefühl für den Gemarterten jo jäh in die Seele schlagend, daß faum ein Dornenhaupt des Golgathagerichteten gleich starte Wirkung zu erzielen vermag. Da find rund gedunsene Körper von Gastoten, die wie letztes, nicht mehr revidierbares Wort zum Ge. famtthema wirken. Da ist ein totes Pferd, falt, traß und einjam, feine steifen Beine zum Himmel stredend dem seltsamen Gustav Meyring ein Wort vor, das lautet: Wehe, menn einst in einem Gericht über die Menschen die Seele auch nur eines einzigen Tieres ſizen sollte! Ich sah mir die Dix- Mappe juſt am Erinnerungstag an. Eine Stunde später hörte ich einen nach Hause wandernden Demonstrantenzug mit Feuer in dem bekannten, musikalisch zweifellos höchst wirksamen Lied die Selle fingen: die blanken Gewehre laden wollen. es fommt einmal bei .!" Ladet die blanken Gewehre Lieber Otto Dix, das waren alo Leute, die gegen die Bourgeoisie Werden wir nicht müde, Otto Dig, denen in die Köpfe zu remsen, daß es ein unerhörter Schwindel ist, zu sagen, die blanten. Gewehre könnten 1. die Bourgeoisie aus der Welt schaffen, 2. ten Sozialismus perwirkliden und 3. fie, die Träger der blanken Gewehre, als anständige Menschen erscheinen lassen. Ist Dir' tiefe Wirkung erzie't durch jene Objektivität, die bestimmie Herrschaften dreimal verfluchen, so wirkt Willibald Krain dadurch, daß er mit Fingern auf die Berantwortlichen zeigt. Er Der Hakenkreuzlertag. Diktatur, Monarchie und Parlamentarismus. = wortführer, betrachtete es als eine revolutionäre Tat, auf die Republik zu schimpfen und der fommenden Monarchie" einen völfifchen Wunschzettel ergebenst vor die Füße zu legen. Der tommende Monarch, so sagte er, müsse aus der völkischen Aeußerlich hat der Parteitag der Nationalsozialisten in Weimar Bewegung hervorgegangen sein, die Errichtung der Monarchie Die offizielle Verschmelzung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei müffe ohne Mitwirtung des Judentums erfolgen. Bayerns mit der Deutschvölkischen Freiheitspartet Norddeutschlands Ja, die Juden das ist der einzige Punkt ihres Programms, gebracht. Eine Bedeutung kommt dem Beschluß aber nicht zu, da in dem sich die Nationalsozialisten ihren alten Feuereifer bewahrt die Einigung bereits vorher vollzogen war und die innere Zerrissen haben, und Herr Ludendorff, der zu glauben scheint, daß der Natioheit und Zerfahrenheit der Partei dadurch nicht berührt wird. Bor nalismus um so besser gedeiht, je mehr die Boitsteile durch allem tonnte die Kluft zwischen den unentwegten Antiparla einandergehegt werden, sorgt dafür, daß der Stoff nicht mentariern und denen, die die Partei allmählich in das Faly- ausgeht. Neben den Juden, Sozialisten, Marristen und Republikanern wasser des Parlamentarismus leiten wollen, nicht über läßt er die Jesuiten, Ultramontanen und die bayerischen Bolkspar brückt werden. Man ging vorsichtig an dieser Frage vorbei und verteiler als Reichsfeinde und Volksschädlinge aufmarschieren. Herr mied es, bei der antiparlamentarischen Opposition anzustoßen. Nach Dinter bezeichnet die Reichsregierung und die Parteien, die das dem Verlauf der Tagung tann man annehmen, daß sich das Gros Londoner Abkommen vom 15. Auguft unterzeichnen, als Hochverräter, der Partei bei vorsichtiger Führung einer Entwicklung zu einer die vor den Staatsgerichtshof gehören. Da nun aber auch die rein parlamentarischen Partei nicht widersetzen wird. Deutsch nationalen drauf und dran sind, den Pakt zu unterDas offizielle Programm der Partei zerfällt in drei Teite. Der zeichnen, müßte nach nationalsozialistischem Rezept das gesamte erste enthält ein Bekenntnis zu einem verschwommenen und deutsche Bolt mit Ausnahme der Nationalsozialisten und Derwässerten Sozialismus. Er wurde auf dem Parteis Kommunisten an die Laterne geknüpft werden. Was dann? tag fo gut wie gar nicht berücksichtigt. Mag es einzelnen Mit- Das zeigt die Entschließung, die nach der Rede Reventgliedern der Partei mit ihrem sozialen Ethos ernst gemeint sein lows cinstimmig angenommen wurde und in der zwar man fagt u. a. Herrn v. Graefe nach, daß er sich einer Lebens. Dawes Plan und die ausländischen Kommissionen als für Nationalführung befeißige, die ar religiös fommunistische sozialisten nicht existierend bezeichnet werden, in der aber zu gleicher Ideale erinnere die ausschlaggebende Führung mißbraucht die Zeit gefagt wird, daß die Nationalsozialisten bereit fcz: aliſtiſchen Programmpunkte lediglich als Attraktionen für die find, eine klar und fest begrenzte KriegsentschäArbeiter wid in der prattifchen Politit haben die National- bigung zu zahlen. Und das wollen Nationalsozialisten sein? sozialisten bisher immer wieder der Großindustrie und dem Es sind dieselben Helden, die am 9. November im Bürgerbräu Großgrundbesih handlangerdienste geleistet. schwuren, siegreich den Bürgerkrieg zu bestehen oder unterzugehen, die schwuren, die schwarzweißrote Fahne siegreich über den Rhein zu tragen und die zwölf Stunden später vor ein paar Flintenfugein platt auf dem Bauch lagen. 1 Der zweite. Teil des nationalsozialistischen Programms bekämpft tie Demokratic, und den Parlamentarismus und bezeichnet die nationale Dittatur auf volfischer Grundlage ais die von der Partei mit allen Mitteln erstrebte Politik. Bon diesem Puntt find auf dem Parteitag verschiedene Abstriche Pünkt gemacht worden. Von dem revolutionären Elan, der die Partei in der Zeit vor dem Hitler- Lude worff- Putsch befeelte, ist nichts mehr übrig geblieben. Die befürchtete Emwirtung der Barlamente auf die Partei und ihre Umwandlung in einen rein parteibureaukratischen Apparat fommit immer mehr zur Geltung. Schlimmer als in aller anderen Parteien macht sich bei den Nationalsozialisten ein Heer mittlerer Bonzen und ehrgeiziger Funktionäre breit, denen ihr Böstchen alles und the Partei nichts ist, und es nimmt sich überaus poffierlich aus, wenn der Oberbonze Luden= der Oder verfolgt man im nationalsozialistischen Lager das deutschnationale Rezept, die anderen Barteien die Rastanien aus dem Feuer holen zu lassen, um sich dann ins warme Nest zu sehen? Beabsichtigt men etwa, nach dem Umfall und dem Eintritt der Deutschnationalen in den Bürgerblod mit den„ Boltsverrätern und Hochverrätern" gemeinsame Sache zu machen? Die Industriebelastung im Dawes- plan. Die Durchführung der Industrieobligationen. dorff, der Möchte- gern- Oberste- Heeresleiter, gegen dieses Geschmeiß Dawes- Gutachten liegt jezt der Plan zum Gesezentwurf nach den Ueber die Verteilung der Belastung der Industrie nach dem der Futterkrippe jäger loswetterte. Ludendorff, der einsame und chnungslose Spaziergänger am Brandenburger Tor zur Zeit des Beschlüssen des zuständigen Organisationsfomitees vor. Die InduKopp- Butsches, jener sonderbare Herr, der zur Zeit des November strie hat bekanntlich eine Schuld von 5 Milliarden einzugehen, brcuputſches die schwarzweißrobe Fahne durch seine Komitathayis 3u verzinsen und zu filgen. Diese wird auf die Unternehmer induüber den Rhein spazierentragen lassen wollte und der dann durchstrieller Betriebe nach Maßgabe des zur Vermögenssteuer veranlag ein Hergisches„ Wunder" den Kugeln nicht etwa Poincarés, fon- darüber hinaus, noch andere Kreise, besonders Banten, Handel, Berten Betriebsvermögens umgelegt. Die Reichsregierung beabsichtigt dern der Reichswehr und einem daran, anschließenden, alles andere als hochnotpeinlichen Verfahren entging, dieser Herr Luden- ficherungen und Unternehmungen, das Hotelgewerbe und die sonst dorff, heute MdR., setzte sich im übrigen mit einem Eifer für die nicht belasteten Verkehrsunternehmungen heranzuziehen. Mindest grenze des Betriebsvermögens, das herangezogen werden soll, ist Nüglichkeit der parlamentarischen Tätigkeit ein, die darauf schließen der Betrag von 50 000 Goldmart; jedoch kann diese Grenze läßt, daß Herr Buberndorff, und mit ihm die andere Bureaukratie, unterschritten werden, wenn sie zu hoch sein sollte, um die Bersich unter Umständen damit abfinden wird, feinen Lebensabend pflichtungen zu decken. Zugrund gelegt wird die Veranlagung zur friedlich als MdR. zu beschließen. 4 3 Und der Rampf gegen Parlament, Demokratie und Republit Der Kempf für die nationale Diftatur? Riemanb fögt gern ben Aft ab, auf den er fich nach manchem mißlungenen Turner funftstüd glüdlich gefchwungen hat. Einem ganz fich unbekannten Reftor Blume blieb es vorbehalten, neben der fulminanten Forderung, daß, Moses und die Propheten aus der deutschen Schule verschwinden müssen, die Fahne der Hakenkreuzrepclution mit den Wortet hochzuhalten, daß dieser Staat so bald wie möglich beseitigt und gestürzt werden müsse. Ludendorff begnügte sich damit, das Altenteil seiner Laufbahn, das Parlament, 34 verteidigen, und sich mit Goethe und Schiller ver gleichen zu lassen. Herr Reventlow, der andere politische Haupt zeigt u. a.„ Die Internationale der Generale": In einem von düfteren Felfen eingeengten Tal des Todes zieht ein Zug proletarischer Menschen dahin, oben dirigieren fäbelschwingende Generale Schiafal. Man hätte gern in Krains Bert den tontret- politischen Ton, wenn er fchon, durchaus erlaubt, einmal angeschlagen wurde, in die naheliegende Konsequenz verfolgt gesehen: man vermißt gerade in dieser vorzüglichen Mappe die Darlegung, daß der Wahnfinn von 1914 auf's Ronto der weltlentenden Bourgeoisie zu sehen ist. Immerhin gibt Krain einen Antlang, wenn er das„ Gebet um Sieg" aufsteigen läßt zu einer Mammonsfraze. Ein sehr startes Blatt der Serie stellen Die Frauen" dar: an Kreuzen über ödem Land hängen notgemarterte Dulderinnen, eine Alte mit einem Kopf, deffen Züge sich einprägen, eine junge Schwangere, die erschüttert. Krains Kriegsinvalide" wäre ein äußerst geeigneter Korridor- und Zimmerschmud für unsere Schulen. " Beide Mappen reihen fich würdig den bedeutenden Erscheinungen der Antikriegsgraphit an, unter denen die Holzschnitte Masereels und der Frauen- 3yllus der Rollwig an erster Stelle stehen. Die deutschen Künstler, die mit leidenschaftlichem Ethos das Thema des Krieges, und zumal der letzten Schlächterei, behandelt haben, sind in diesem ihrem ethischen Kampf durch ihre ausländischen Rollegen bisher weber erreicht noch übertroffen worden. Man bari Die provozierende Frage stellen, wann im Westen gleiche Bemühung einsetzen wird. Bermögenssteuer für das Jahr 1924. Dein einzelnen großen Industriegruppen wird eine Mindest grenze der Belastung auferlegt, die für die Schwerindustrie 20, für die Maschinen- und elektrotechnische Industrie 17, für die chemische Industrie 8 und für die Tertilindustrie 7 Brozent der Gefamtlast beträgt. Die Einzelobligatione, die daraufhin ausgestellt werden, bleiben zum allergrößten Teil in den Händen der Bant, nur ein Betrag von 500 Milliarden Goldmart fann veräußert werden. Dafür tommen insbesondere Obligationen großer Unternehmungen in Betracht. die übrigen Obligationen dienen als Unterlage für die Ausgabe von Industriebons durch eine eigens für diesen 3wed von der Industrie zu gründende deutsche Industrieobligationenbont. Die Forderurigen aus Einzelobligationen werden in der Hauptfache durch erststellige Hypotheken auf den Grundbesiz, also nach der Art der Renten marthypotheken gesichert. Die einzelnen Unternehmungen haben bie Möglichkeit, ihre Schuld durch Auflauf der Obligationen und vom die Möglichkeit, ihre Schuld durch Auftauf der Obligationen und vom Jahre 1937 durch Rindigung feitens der Bank zu tilgen. Wenn bei der Aufbringung der Jahresleistungen Ausfälle eintreten, so muß das Reich mit den verpfändeten Einnahmen dafür einspringen, es hat aber das Recht des Zugriffes gegenüber dem fäumigen Unternehmer. Ein von der Reparationskommission er tionen, den Zinsendienst, und beaufsichtigt die Durchführung des nannter Treuhänder regelt die Verwahrung der EingelobligaDames- Blans. Streitigkeiten zwischen Reichsregierung und Bank ober Reparationsfommiffion und Treuhänder werden schiedsgerichtlich geregelt. Vor dem Zusammentritt des Reichstags. Die Plenarsizung des Reichstags ist für Freitag nachmittag vorgesehen; die endgültige Entscheidung wird am Mittwoch der Aeltestenrat fällen. Die Tagesordnung wird nur den einen Punkt aufweisen:„ Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung". Eine Debatte wird sich an die Regierungserklärung nicht sofort anschließen, die Fraktionen werden vielmehr erft dazu Stellimg nehmen. Die Regierungsparteien dürften sich auch in diesem Falle auf die Abgabe einer gemeinsamen Ertlärung beschränken. Es ist nicht anzunehmen, daß die drei Gutachtengefeße zur Ausschußberatung fommen, weil dadurch eine Gutachtengefeße zur Ausschußberatung tommen, weil dadurch eine Berzögerung eintreten würde, die die Regierung nicht für erträge lich hält. Die nötigen Erläuterungen werden in der vertraulichen Beratung des Auswärtigen Ausschusses am Mittwoch vormittag von der Regierung gegeben werden. Die deutsche Sprache in Amerika, Vor dem Krieg widmeten sich burdichni.tlich 25 000 amerikanische Studenten dem Studium der deutschen Sprache. 1916/17 jant diese Ziffer auf 23 900, 1917/18 fogar auf 12 900. Die deutsche Sprache war in dieser Zeit in Achtlich und Bann getan, und im Jahre 1920 lernten nur noch 532 Studenten die Sprache Schillers und Goethes. Seit 1921 ift der Berruf des Deutschtums in Amerifa wieder der Bernunft gewichen, und die deutsche Sprache beginnt allmählich wieder ein begehrteres Unterrichtsfach zu werden. Im Oftober 1921 waren es 1586, 1922 2836, 1923 5147 und im Frühjahr 1924 5285 amerikanische Studenten, die en den Hochschulen Deutsch lernten. Das Porträt der ältesten Frau. Der Nationalen Porträtgalerie in London ist ein Bildnis der Gräfin von Desmond über: wiesen worden, das weniger durch seinen Kunstwert als dadurch bedeutsam ist, daß die Gräfin die älteste Frau war, von der mir Kunde besigen. Ihr Tobesjahr 1604 steht fest, und ebenso weiß man, daß sie 1505 die zweite Gattin von Thomas Fiz- Thomas, dem Da sie damals bereits 41 Jahre. 12. Karl von Desmond, wurde. gensen sein foll, fo fäme man auf ein Alter von 140 Jahren. Nur von zwei Personen ist uns seit der christlichen Zeitrechnung überliefert, daß sie länger lebten als die Gräfin, nämlich von Henry Jenkins, der 1670 mit 179 Jahren starb, und von Thomas Baar, ber 1635 mit 152 Jahren das Zeitliche fegnete. Die große Berliner Bollsoper, die dauernd in Schwierigkeiten war, soll. durch eine Subvention des Berliner Magiftrats in die vage versetzt werden, auf Monate binans ihre Miete in zahlen. Dafür will der Magiftrat drei feiner Mitglieder in den Aussichtsrat entienden. mil ist darüber nichts belanutgegeben. Co melden die Blätter. Der Sänger Schaljapin, der die lezten 2 Jahre im Auslande verlebt bat, gebenft jest nach Rußland zurüdzukehren. Bei seiner Durchreise durch Berlin gedenft er hier mehrere Rongerte- ga geben. Die sozialdemoßratische Reichstagsfraktion wird wahrscheinlich am Freitag vormittag zusammentreten, die Deutschnationalen werden am Donnerstag tagen. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Boltspartei trat am Dienstag gegen 6 Uhr zu einer Fraftionsfißung zusammen, in der Dienstag gegen 6 Uhr zu einer Fraftionsfizung zusammen, in der Reichsaußenminister Dr. Stresemann über die Londoner Berhandlungen berichtete. Mit Beschlüssen ist nicht zu rechnen, da bisher nur ein Teil der Fraktionsmitglieder in Berlin anwesend ist. Generaldebatte über die Aufwertung. Die Beratungen im Ausschuß. Abg. Dr. Scheffer( 3.) betonte, eine Nachprüfung der dritten Steuernotverordnung sei notwendig schon mit Rücksicht auf die seit ihrem Erlaß veränderten Berhältnisse. Maßgebend sei der Rechtsstandpunft, wie er in der Rechtsprechung des Reichsgerichts aufgestellt worden ist. Er findet aber seine Schranke an der Notwendigfeit, Staat und Wirtschaft lebensfähig zu erhalten. Daher Aufangemeffen berücksichtigt. Hinsichtlich der öffentlichen Anleihen wird wertung zu einem Saze, der die wirtschaftliche Lage der Schuldner es möglich sein, den Zinsendienst in geringer Höhe aufzunehmen, wenn es möglich ist, die Kosten aus besonderen Mitteln nicht aus dem Staatshaushalt aufzubringen. Abg. Dr. Bredt( Wirtsch. Bg.) verlangt die Aufhebung der dritten Steuernotverordnung und eine neue allgemeine Regelung auf der Grundlage des Ertrages. entwertung enteigneten fleinen Sparern, Kleinrentnern, ursprüng Abg. Koenen( Komm.) trat dafür ein, daß den durch die Geld= lichen Hypotheken- und Obligationsgläubigern sowie allen sonstigen ursprünglichen Befizern von Schuldforderungen, die frank oder arbeitsunfähig sind oder das 66. Lebensjahr überschritten haben oder noch in Berufsausbildung begriffen sind( Mündel), soweit sie nicht über ausreichende Unterhaltsmittel verfügen, bis zu ihrem Lebensende bzw. bis zur Beendigung ihrer Berufsausbildung ein dem Existenzminimum entsprechender laufender Unterhalt gewährt wird. Zur Aufbringung dieser Mittel soll der Befiz herangezogen werden. Bon der Regierung wurde betont, daß mit der Aufhebung der dritten Steuernotverordnung auch die Vorteile, die diese Verordnung der Privat- und Staatswirtschaft inzwischen gebracht hat, wieder beseitigt werden und die gesamten wirtschaftlichen Verhältniffe in eine derartige Unsicherheit gestürzt werden, daß feinerlei gefchäftliche Dispofitionen getroffen werden könnten, daß jede Karlegung der Vermögensverhältnisse und jede Erlangung von Kredit ausgeschlossen wären, daß die Aufstellung der Goldbilanzen unmöglich wäre und daß den Geldentwertungssteuern jede Ertragsfähigkeit genommen und damit dem Finanzausgleich die Grundlage entzogen würde. Maßnahmen mit derartigen Folgen für die Wirtschaft und die Staatsfinanzen würden in jeder Hinsicht dem Standpunkte widerstreifen, den sämtliche Refforts bisher eingenommen haben. Abg. Emminger( Baŋr. Vp.) legte in ausführlichen juristischen Ausführungen dar, daß eine Aufwertung ohne Steuernotverordnung juristisch gar nicht zu begründen sei. Dagegen wäre der Redner aus allerdings mit der Einschränkung, daß die Aufwertung wirtschaftlich rechtspolitischen Gründen immer für eine Aufwertung eingetreten, tragbar sein müsse. Es handle sich eben in erster Linie um ein Wirtschaftsproblem. Die Anregung der Schaffung eines sozialen Fonds zur Unterstützung derjenigen Personen, die unter der Inflation so gelitten haben, daß ihr Eristenzminimum gefährdet würde, sei durchaus begrüßenswert. Die Maßnahme stelle zwar nicht dasselbe vor wie eine Armenunterstügung, sondern sie sei ein Rechtsanspruch des teiligten hätten doch fast durchweg eine individuelle Regelung ihrer Geschädigten auf Grund seines früheren Vermögens, aber die BeAufwertungsansprüche vorgezogen. Man müsse aber bedenken, daß der Fonds, aus dem die Unterstüßungsmittel fließen sollen, derart groß fein müßte, daß der Redner jetzt noch nicht wife, woher so erhebliche neue Steuern genommen werden sollen. In weitem Umfange werde eine Erhöhung der fünfzehn Prozent der Berzinsung möglich sein. und eine Umwandlung von Hypothefen in Tilgungshypotheken Abg. Dr. Fleischer( 3.) erläuterte einen Antrag des Zentrums, der eine Abänderung der dritten Steuernotverordnung zum Ziele hat. Abg. Dr. Steiniger( Dnatl.) bezeichnete die dritte Steuernotverordnung als ein ungeheures Unrecht. Die Verordnung habe zu einer geradezu ungeheuerlichen Verwirrung aller Begriffe von Recht und Anftand auf feiten der Schuldner geführt und der Reichstag könne fich hieran unmöglich mitschuldig machen. Wenn die Reichsregiearbeiten wolle, tönne der Reichstag äußerstenfalls nur beschließen, rung an der Aenderung der dritten Steuernotverordnung nicht mit die notverordnung zu einem bestimmten Termin aufzu beben und der Regierung die weiteren Schritte zu überlassen. Gleichzeitig müffe aber auch ein Sperrgefeß für die noch laus fenden Berpflichtungen, Kündigungen und Prozesse erlassen werden. Hierauf vertagte sich der Ausschuß auf Mittwoch. Frankreich ratifiziert schnell. Paris, 19. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der französische Ministerrat hat am Dienstag die Grundlinien der ministeriellen Erklärung festgelegt, die Herriot am Donnerstag nachmittag in beiden Häusern des Parlaments über das Ergebnis der Londoner Konferenz abgeben wird. In der Kammer find bisher zehn Interpellationen eingebracht, davon drei von den Sozialisten und zwei von den Radital- Sozialen. Trotzdem hofft man, die Debatte Freitag nachts beenden zu können. Im Senat, wo bisher keine Interpellation vorliegt, wo Poincaré reden dürfte, wird die Diskussion fürzer sein. So wird wahrscheinlich noch am Sonnabend nachmittag in beiden Häusern das Schlußdekret verlesen und die Session bis Mitte Oktober vertagt werden können. Die Leichenschänder lügen noch). Faschisten in der Falle. Mailand, 19. Auguft.( Eca.) Zur Auffindung der Leiche Mattes ottis schreibt das faschistische Popolo d'Italia", damit werde der VerNicht das Berschwinden der Leiche, sondern die Aufklärung des leumdungsfeldzug der Opposition gegen die Regierung en digen. Geheimnisses sei Intereffe der Regierung gewesen und die Auffindung fchließlich durch die Tätigkeit der Behörden gelungen.( So viel Worte, fo viel Lügen! Red.) " Behauptung der Angeklagten entträfte, daß Matteotti bei ihren Tribuna" erinnert daran, daß die blutbesudelte Jacke die Bersuchen, ihn am Schreien zu verhindern, erst i dt fei. Rom, 19. Auguft.( EP.) Die Ueberführung der Leiche Matteottis vom Friedhof von Briano nach dem Bahnhof von Monte Rotondo ist am Dienstag in aller Stille erfolgt. Die Polizei hatte umfassende Vorsichtsmaßnahmen getroffen und selbst den Bauern der Umgebung verboten, dem Leichenwagen zu folgen. Nachmittags 3 Uhr haben sich auf dem Friedhof von Briano außer zahlreichen Polizeibeamten und Ortsbehörden einige sozialiftische Abgeordnete und viele Journalisten versammelt, die der fterblichen Hülle Matteottis das Geleit zum Bahnhof gaben. Jede politische Rundgebung war untersagt. Um 3wischenfälle zu vermeiden, begleiteten über 100 Carabinieri den Sarg. Der Friedhof und die Straßen nach dem Bahnhof waren abgesperrt. Der Sarg wurde auf einem Eisenbahnwagen verladen, und dieser dem Zuge nach Bologna angehängt, mit dem auch die Berwandten, eine Delegation der Oppositionsparteien und der Kammerpräsident zu der offiziellen Bestattungsfeier reiften. Der italienische Buchdruckerverband hatte auf dem Sarg einen Kranz niedergelegt mit der Inschrift: Dem Märtyrer der Freiheit und der Idee." Im Reichtagsausfuß für die Aufwertungs. frage begann am Dienstag die Generaldebatte. Ein Antrag auf vertrauliche Beratung scheiterte an dem Widerstand der Sozialdemo- italienische Bolt eine Aufforderung zu Eintracht und Frieden Rom, 19. Auguft.( WTB.) Die Witwe Matteottis hat an das gerichtet. fraten. Abg. Dr. Düringer( DBp.): Die dritte Steuernotverordnung müsse aufgehoben werden, denn sie sei weder juristisch noch staatswirtschaftlich noch politisch irgendwie tragbar. Dann müsse man zu einer Erhöhung des Auswertungssages tommen, nur frage es sich, ob man hierbei zwischen den Obligationen der Industrie und der Gemeinden einerseits und den Hypotheken andererseits nicht unter fcheiden folle. Rechtsanwalt Dr. Klee freigelassen. Wie WTB. aus Bauzen meldet, ist Rechtsanwalt Dr. Klee am Dienstag najmittag nach der entscheidenden Sigung des Landgerichts Bauzen wieder freigelassen worden und hat die Heimreise nach Berlin an getreten, produktionsfteigerung im Unternehmerlicht. Undenkbare Denkschriften. Die Arbeitszeitverlängerungs-Denkschrift der Arbeitgeberoer- �ände leitet den Abschnitt über die Voraussetzungen der Produktions st«igerungen mit der Wiedergab« der folgen- den im Nooetrtber 1923 im Reichstag getroffenen Vereinbarung ein: »Unter Anerkennung des ernsten Produktionsrückganges der letzten Jahre, unter Anerkennung des Satzes„es feien der freien und kraftvollen Betätigung des Arbeitswillens bislang in Deutschland wesentliche �Hemmungen bereitet gewesen*, stellten sich die inter- fraktionelle Vereinbarung und die Arbeitszeitverordnung auf den Standpunkt, die dringend notwendige Produktionssteigerung fei her- beizuführen 1. durch die restlos« Ausnutzung der technischen Fortschritte, 2. durch organisatorische Verbesserung unserer Wirtschaft, 3. durch emsig« Arbeit jedes einzelnen, d. h. durch intensiver« und durch längere Arbeitszeit, wo dies mit dem Erfolg der Produklionssteigerung möglich ist.* Uebor die beiden ersten Voraussetzungen für eine Produktionssteigerung bestehe zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber grundsätzlich keine Meinungsverschiedenheit. Theoretisch gewiß nicht, um so mehr aber bezüglich der Praxis. Bon jeher habe das deutsche Unternehmertum die Pflicht in sich gefühlt, an dem technischen Fort- schritt und der vollendetsten Betriebsorganisation zu arbeiten. Das Unternehmertum erkläre erneut, daß es diese seine Aufgaibe aner- kenne und mit ollen Kräften an ihrer Lösung arbeite. Allein eben deshalb habe es an die Spitze seiner Forderung zur Frage der Produktionssteigerung den Satz zu stellen, „daß mit aller Entschiedenheit abgelehnt werden muß, die durch A r b e i t s z e i t v« r l ä n g e r u n g und intensivere Arbeit offensichtlich mögliche Produktions steigern na von der Vorerfüllung der beiden anderen Voraussetzungen abhängig zu machen.*. Deshalb beschränke sich die Aufgab« der Denk- schrift auch darauf, die Frage der Produktionssteigerung vom Standpunkt der Arbeitszeitfrage aus zu betrachten. Der Vorwurf der Gewerlschasten. die deutsch« Industrie sei infolge der Bequemlichkeit des an leicht« Inflationsgewinn« gewöhnten Unternehmertums technisch schlechthin in den Rückstand gekommen. müsse zurückgewiesen werden. Ueberdies sei die Frage der Technik im Betriebe in der Hauptsache«in« Kapitalfrage. Im Munde der Gewerkschaften büße die Forderung nach technischem Forlschritt an Schlagkraft ein, da auch heute noch die Arbeiterschaft sich vielfach gc�en technisch« Verbesserungen sträube, von denen sie Rückwirkungen auf eigene Bequemlichkeit und Beschäftigungsmöglichkeit befürchte. Heut« müsse die Lösung dieser Frage in weitem Umfang an der Kapital- und Kreditnot scheitern. 10 Stunden Arbeit— 2 Stunde» Pause. Alles deute darauf hin,„daß sich Einsicht und BereitwiHigteit von Gewerkschaften und Arbeitnehmern, auch durch zeitlich« Mehr. leistung zur Produktionssteigerung zu kommen, erheblich ver« mindert haben und daß der dogmatische Achtstundentag wieder in den Vordergrund gestellt wird. Für die Arbeit- geberschast sei die Forderung nach Produktionssteigerung nicht mit der Forderung nach einer schematifchen Arbeitszeitoerlängerung und einem schematischen Zehnstundentag identisch. Keineswegs, denn die Schwerindustrie will nicht einen schematischen Z e h n st u n- dentag, sondern das schematisch« Zweischichtsystem mit zwölf Stunden: nur 10 Stunden Arbeil und zwei Stunden Paus«. Statistisches Material der Gewerkschaften zum Beweise dafür, daß der Achtstundentag die Vorkriegszeitproduktion oder gar� eine mehr oder weniger wesenlliche Steigerung der persön-� liehen Leistungen des einzelnen wie der Gesamtleistung und Gesamt- Produktion erbracht iiabe. müsse jede Beweiskraft ver- lieren. Denn es handle sich hier um Betriebe, bei denen schon in der Vorkriegszeit die unoerkennbare Tendenz zu organischer Produktionsverbesserung zu beachten war, oder um Betriebe, die in der Loge waren, bei gleicher Arbeiterzahl durch technische und organisatorische Verbesserungen den zeitlichen Ausfall an Pro- duktionsstunden in einer verkürzten Arbeitszeit wieder auszugleichen. So weit dies aber durch gewerkschaftliche Statistiken nachgewiesen werde, sei damit nichts bewiesen, was Nicht auch von der Unter- Nehmerschaft anerkannt sei. „Auf der anderen Seit« aber ist der erheblich« Rückgang der deutschen Produktion auf 20 Proz. des Friedensstandes anertannt und von der Arbeitgeberschaft behauptet, daß dieser Rückgang zu einem Teil(!) auf den unorganischen und plötzlichen Uebergang zum schematischen Achtstundentag zurückgeführt werden muß.* Wir können uns nicht mit einer Behauptung„der deutschen Arbeitgeberschaft* in dieser Angelegenheit abspeisen lasten, zumal sie derart unbestimmt und nichtssagend ist. Wie groß ist dieser wesentliche Teil, der lediglich auf Konto der Einführung des Acht- stundentages gesetzt werden kann; wie groß dagegen der Teil, der auf Konto des Widerwillens gegen den Achtstundentag und der Unterlastungssünden der Unternehmer bei der Anpassung an den Achtstundentag zu setzen ist? Im Anschluß an die Methode, die ganzen Rückwirkungen der Kriegs- und Nachkriegszeit auf die Produktion zu einem„wesent- lichen" Teil dem Achtstundentag zuzuschreiben, wird folgende„Be- weisführung" beliebt: „Wäre die von den Gewerkschaften statistisch belegte Behaup- tung richtig, daß der Achtstundentag einen Produtrionsrückgang nicht gebracht habe, so wäre der tatsächlich erwiesen« Rückgang schlechter. dings überhaupt nicht zu erklären. Zwar fehlt in'Deutschland eine absolut umfassende amtliche Produktionsstatistik und es mag füglich bezweifelt werden, ob ein« solche sich überhaupt all- gemein ermöglichen läßt. Für die Schlü stelindvstrien liegt jedoch wesentliches amtliches Material vor.* Der Schwindel über die Ruhrarbeiter. Die Gewerkschaften haben nicht behauptet, daß der Achtstundentag in der Uebergangszeit nicht«inen gewissen Ausfall mit sich bringe. Was sie behaupten, ist, daß der Achtstundentag«inen starken Anreiz bietet, den Ausfall in einen Vorteil zu verwandeln durch Verbesserung der Betriebseinrichtungen und der Betriebs führung. Der Ruhrbergbau, der als Musterbeispiel für den Praduttionsrückgang angezogen wird, bildet gerode ein Musterbeispiel dafür, wie Produktionsrückgang ent» stehen muß. Wenn die Betriebe derart verwahrlost sind wie die Bergwerk« noch dem Kriege, wenn der Arbeiterschaft derart di« Lebensmittel verteuert werden und teilweise gänzlich fehlen, wie es im Ruhrgebiet der Fall war, dann komme man doch nicht mit der salschen Behauptung, dl« kürzere Arbeitszeit habe den Ausfall ver- schuldet. Di« Bergarbester haben am wenigsten gestreikt, abgesehen von dem letzten'hnen aufgezwungenen Kampf, und die meisten Ueberschichten verfahren. Wir können es den Bergarbeiterorgan i- satkmen überlassen, den Herren die richtige Antwort zu geben. Sind etwa für die Arbeiterschaft „Bessern igen zu erwarten, wenn endlich die deutsche Arbeiterschaft und vor allem ihre Gewerkschaften m freiwilliger Preisgabe des schematischen Achtstundentags mst den Arbeitgebern ein« Verständigung über ein« notwendige Arbeitszeitoerlängerung finden*? Die Arbeiterschaft weiß sehr wohl, daß ein« Verständigung, so- weit sie ohne Preisgab« ihr-r Eristenznorwendigkesten möglich ist, unter Umständen vorteilhafter ist als ein Kamps. Denn einmal kann sie ihr Menschtum nicht freiwillig preisgeben, sich nicht von 8 auf 12 Stunden„verstäirdtgen*, dann aber tft über eine.notwendige* Arbeitszestverlängerung fem Verständigung möglich, wenn der«m« Teil dies« Notwendigkeit einsach behauptet und der Arbeiterschaft den Abwehrkamps auszwingt, wam sie sich der von ihr bezweifelten Notwendigkeit nicht bedingungslos unterwirft. Wir werden dann belehrt, daß die maschinellen Einrichtungen fehlten, um trotz kürzerer Arbeitszeit den Produktionsstand j)u halten. Nach der Revolution seien keine Kapitalien für«in« Losung der Mafchinenfmge flüssig gewesen, außerdem seien die Betrieb« durch Monate lange Reooluiionskämpf« gestört und gefährdet gewesen. Während der Inflation sei die Kapitalkroft völlig zerstört und den Unternehmern die Möglichkeit genommen worden, nochiräglich die fehlenden Maschinen zu beschasten. Ein« allgemeine Verbesserung des Maschinenparks für die nächst« Zeit ganz allgemein sei au» Kapital- mangel unmöglich. „Im allgemeinen wird deshalb festzustellen sein, daß mst kürzerer Arbeitszeit diejenigen Industrien, deren Produktion im wesentlichen vom Mafchinengang bedingt ist. auch bei weiterer Verbesserung des Maschinenparks bestenfalls ein Gleichbleiben der Produktion, nicht aber die infolge des Kriegsverluftes infolg« der wesentlich eingeschränkten Wirtschaftsbasis sowie zum Zweck der Reparation wie der Stabilisierung unserer Verhältnist« unbedingt nötig« Produktions- Vermehrung erwarten können.* Ueberdies bescheinigt Herr Adam Stegerwold der Vereini- gung Deutscher Lrbeitgeberverbänd« in ihrem„Arbei'neber", daß mit einer Verbesserung der deutschen Wirtschafts- und Betnebsorgani- satton wenig getan fei. »Für so naiv darf man die Wirtschaftsführer in Amerika, Eng- land, Belgien. Frankreich usw. nicht halten, daß sie in der Rot ersonnen« deutsche Berbesterungen in der Wirtschaft und Betrieb»- organisation sowie auf dem Gebiete der Technik nicht in kurzer Zeit nachahmen würden.* Man hält sie aber für so naiv, daß sie den Achtstundentag hoch- halten, während die deutschen Unternehmer das Zweischichtsystem durchführen: man tut wenigstens so. Die Schwenkung seit 1918. Di« Unternehmer, die im Jahr« 1918 den Gowerkschastm den Achtstundentag gewissermaßen auf dem Präsentierteller brachten, be- haupten jetzt, daß im November 1918 in den Zeiten höchster poli- tischer und wirtschaftlicher Not des deutschen Volkes der Uebergang sich zu schematisch und unvermittelt vollzogen Hab«, die Arbeitszeit- frag« nicht zum Gegenstand ruhiger Wirtschaftspolitik, sondern zum Mittelpunkt der gesamten Innen- und Außenpolitik der revolutio- nären Machthaber, ja sogar ebenso wie der Lohn zum Brennpunkt der Revolution und der Massenbeeinflussung überhaupt gemacht wird. „Da« Ziel der Arbeitszeitpolitik muß sein, in allen deutschen Unternehmungen den hoch st«n Nutzeffekt für die Produktion zu erreichen. Wo dies nachgewiesenermaßen nur durch Berlänge- rung der Arbeitszeit erfolgen kann, oder wo nach der gegen- wärtigen Beschaffenheit der Betrieb« der technisch« und organisatorisch« Ausgleich für die ausfallenden Produktionsstunden noch nicht gewährleistet ist(!), muh unser« Forderung zu- nächst auf«in« Arbeitszeitoerlängerung gerichtet sein. Ziehen wir ... die Bilanz, so ergibt sich, daß bei dem derzeitigen Beschäftigung«. stand, bei der durch einen Achtstundentag gesetzlich beschränk- ten Beschäftigungsmöglichkeit... das deutsche Volk niemal» den Mückgang seiner Produktion ausgleichen, niemals zu einer befriedigenden Lösung der Reparationsfrage, niemal« der auf Generationen lastenden Schuldknechtschaft entgehen kann, wenn es sich nicht dazu entschließt, m der Arbeit, zeitfrage zum Wirtschaft- lichen Frieden mit dem Ziel höchster persönlicher und zeitlicher Aus- Nutzung seiner Arbestskräste zu kommen.* Unser Ziel der Arbeitszeitpolttik ist den Herrschaften b« kannt: E» ist m...... orbeitstag. und bleibt der achtstündig« Normal. Die Konkursstatiftik im Juli. Auf Grund privater Veröffentlichungen meldeten wir seinerzeit, daß im Monat Juli ein starkes Anwachsen der Konkurs« zu ver» zeichnen war. Heute liegen die authentischen Zahlen de« statistischen Reichsamtes vor, die ein ziemlich klares Bild geben, in welchem Maße die Produktion und der Handel von zwangsmäßigen Zahlungseinstellungen betroffen werden. Bezeichnend ist es, daß sich im Juli die Konkurse v e r d o p- pelt haben. Di« rapide Steigerung ist dadurch zu erklären, daß ilvsrall. erhäHiich! Cavalrn an Sommertagen schafft unendliches Behagen. Der Streupuder gegen Schweiß und dessen Wirkungen.— Für Sport und Wanderung. Herstelleria W, Spindler A-O, Berlin C, 19 «ine große Anzahl von Firmen, die vorher unter Geschäft». a u f s i ch t standen, infolge weiteren Anhalten» der Wirstchaftikrise dem Konkur- nicht«ntgehen konnten. Außerdem kommen noch die verschärften Bestimmungen über die Geschäftvaufsicht hinzu, die den wirtschaftlich kranken Unternehmungen noch schneller den Todesstoß versetzten. Di« höchste Konkurszahl hat der Warenhandel auszu- weisen, und zwar stieg sie hier von 278 im Juni aus S«1 Kon- kurse im Juli. Daneben steht an zweiter Stelle die Industrie mit 330 Kon- kurse im Juli gegenüber 1S9 im Juni. Bemerkenswert ist auch die gewaltige Steigerung der Bant- t o n k u r s e, die sich vom Monat Juni bis Iul, verzehnfacht haben. und zwar von 2 auf 23. Ein Beweis dasür. wie durch die stabilen Währungsvcrholtnist«— abgesehen von der herrschenden Wirt- schaftskris«— sich endlich«ine Bereinigung des Bankgewerbes vollzieht, das damals auf dem Sumpfe der Inflation die übelsten Blüten getrieben hatte. Di« Konkurse in der Landwirtschaft stiegen von 9 im Juni auf 12 im Juli. Diese Zahlen geben jedoch kein genaues Bild über die tatsächlichen Verhältnisse in der Landwirtschaft, da in den ge- nannten Ziffern auch die Forstwirtschaft, Tierwillschaft und Gärt- nerei einbegriffen ist. Interesiant sind auch die ZaHkn. die angeben, welch« Handel«. rechtliche Unternehmungsformen von den Konkursen am stärksten betroffen worden sind. Es ist zu berücksichtigen, daß in den folgenden Ziffern samt- lich« Wirtschaftsgruppen«inbegriffen sind, fei es Industrie, Handel, '»Tz i■>»■ 1» n h.» •Öuitt DOCr löCEXTOt, An erster Stelle stehen die Firmen mit Einzelinhabern. Betrug die Konkurszahl im Juni 360, so erhöhte sie sich im Juli aus 741. Dann folgen die G« s« l l s ch a s c e n mit 220 bzw. 332. Davon entfallen auf die Kommanditgesellschaften 11 im Juni 25 im Juli Slktiengesell?chaften.. 54»» 10«.» Gesellschaften m.b.H.. 102., 147„ Leider sind auch wieder einig« Genossenschaften Opfer der un- glücklichen Zeitverhältnisse geworden: die Konkurs« der Genossen- schaften sind an Zahl von 5 im Juni auf 24 im Juli gestiegen. Immerhin ist das amtlich« Ergebnis über die Konkurse nicht genau, da diejenigen Firmen nicht statistisch ersaßt sind, die infolge der schlechten Wirtschaftslage ohne gerichtlich« A u s- «inandersetzung verschwinden, sei es, daß sie einsach ihren Betrieb eingestellt haben oder«inen gütlichen Vergleich mit ihren Gläubigern I-Hlossen, sei es. daß sie von Unternehmungen, die sie stützten, aufgekauft wurden. Infolge der scharfen gesetzlichen Bestimmungen über die Ge- schäftsaufficht ist, wie oben schon erwähnt, die Zahl der G e- schäftsaufsichten stark zurückgegangen. Während deren im Juni noch 1230 gezählt wmden, sind im Juli nur 973 neu verhängt wordenl_ Tarife für Ofensetzer. Die Verhandlung«» über einen neuen Lohn- und Akkord. tarif im Ofensetzgewerbe haben sich seit dem 1. Oktober 1923, an welchem Tage der alte Tarif abgelaufen war, bis jetzt hingezogen und nun endlich ihren Abschluß gefunden. D-'r neu« Tarif soll auch für die Provinz Brandenburg und die Ostmark Geltung haben. Die Akkordlöhne sind auf«inen Stundenlohn von 100 Pf. aufgebaut. Die Stundenlöhne können jederzeit durch Reuoereinbarungen ge- regelt werden und ist dann stets als Prozentsatz für die Akkordpreije zu zahlen, was der Stundenlohn in Pfennigen beträgt.(Z. B.: bei 100 Pfennigen— 100 Proz., bei 85 Pfennigen— 85 Proz., oder bei 125 Pfennigen— 125 Proz.) Di« Aktordpieis« für die halben Kacheln sind von 22 Pf. aus 25 Pf., bei ausgeschliffenen Fugen von 27 auf 30 Pf. erhöht worden. Die Kochherde werden ebenfalls nach halben Kacheln berechnet. Es wind unterschieden zwischen �en halben Kacheln des eigentlichen Kochherdes und denen der Wandbekleidung. Der Preis beträgt 15 bzw. 11 Pf. Dazu kommen die Zuschläge für Bratöfen, Gruden, Gaskocher. Warmspinden usw. Die Arbeitszeit beträgt im Sommer 8, im Winter 7 Stunden. Ueberstunden sind verboten. Am 15. August war die Vereinbarung über den Stunden- lohn von 98 Pf. abgelaufen. Eine neue Vereinbarung kam nicht zustande. Der angerufen« Schlichtungsausschuß fällt« einen Schiedsspruch, der einen Stundenlohn von 1 M. für die Zeit vom 15. August bis 30. September festsetzt. Die Löhne der übrigen Arbeitnehmer(Hilfsarbeiter) sollen nach der alten Staffel (25. 33ib, 45, 55 Proz.) errechnet werden. Di« Funktionäre der Töpfer werden entscheiden, ob der Schiedsspruch angenommen wer- den soll oder nicht. Die Verhandlungen mit den Ofensetzmefftern Deutschlonds haben zur Aufftellung eines Rahmenvertrages geführt, der mit Ausnahm« der Provinzen Ostpreußen und Schlesien für das Reich Geltung haben soll. Festgelegt ist in diesem Vertrag die acht- stündige Arbeitszeit. Im Falle schnell fertigzustellender Arbeit kann im Einvernehmen beider Organisationen die Arbeitszeit zeitweilig verlängert wenden, dock) werden die Stunden über die achtstündige Zeit als Ueberstunden berechnet und mit 25 Proz. Aufschlag bezahlt. Für Arbeiten an Sonn- oder Feiertagen erfolgt ein Aufschlag oen 50 Proz. Bei auswärtigen Ar- b« i t« n ist das Prinzip ausgestellt, dem Setzer den totsächlichen Mehraufwand für sein« Lebenshaltung zu vergüten. Di« Fest- sttzung geschieht bezirklich bzw. örtlich. Für Werkzeugent- schäoigung sollen 2 Proz. des verdienten Lohnes gezahlt werden. Die Ferien sollen auf der Grundlage des alten Vertrages wieder eingeführt werden. Zu einer Regelung der Lehrlingsent- s ch ä d i g u n g kam es nicht; der Widerstand der Unternehmer war zu groß. Jedoch sollen Richtlinien als Wünsche der beiderseitigen Organisationen herausgegeben werden, nach denen die Lehrlingsentfchädigung erfolgen soll. Nehmen beide Verbände den ausgestellten Rahmentarif an, dann wird Mitte September eine nochmalige Sitzung der Unterhändler stattfinden, in der über even- tuelle Zufatzanträge verhandelt und der Vertrag in die nötige Form gebracht wird. Die Arbeitsgelegenheit für die Ofensetzer hat sich ge- bessert: die Inangriffnahme der Reparaturarbcitrn hat bewirkt, daß zurzeit der Fachgruppenleiter die eingelaufenen Stellen, darunter zirka 30 nach auswärts, nicht besetzen konnte. Leider ist die Organisation der Ofensetzer durch die Zersplitterungsarbeit der S y n d i k a l i st« n, bei denen sich alle Mißvergnügten zusammen- gefunden haben, geschwächt. Scrift konnten von den Ofensetzmeistern größer« Zugestänoniss« erreicht werden. Hoffentlich sehen die Ofen- setzer Berlins bald«in, wohin die Zersplitterung führt und daß nur «ine einheitlich« Organisation die Töpserbewegung fördern kann. ... Si»mem.Ä«nj«rn! ffrtilag, den 22. August, nachm. Uhr. in din ffeftfäitn SienunoftnM. Schutftr. 4, große Mitglieder. Versammlung d«r SPD..Genossen sämtlicher Werl«. Sympaihisterevde Hoden girtritt. 1. Äortrag des Reich-nnnisters a. D. 9t. Wiss-ll Za-Hvcrständigengutachten. 2. Verschieden«-. Da- Erscheinen sämtlicher Parteigenossen wind destimmt ermartet. Der llonzrrnsraNtonevoeflaad. «erantmortlich für Politik: Ernst Rente.: Wirtschaft:«rtn.«nternn,: G-werkschastob-wegung:«riedr.«ßkotn; ffeuilleton: R.£. scher: L-tale- und Sonstige«: grl» Rarstadt; Anzeigen: Th.»lo»«! sämtlich In Berlin. „®oca,®�4'®etl3S®- m. d. H., Berlin. Druck: Borwärt-.Buchdruckerei und Berlogsanstalt Paul Singer u. Co..«erlin SW.»8, Lindenstraße S. Sier,» 1 Beilage. Warum Kauften Sie einen Um Ihre Ware schneller zu befördern, Zeit und Geld zu sparen. Dies können Sie aber nur, wenn der eigentliche Träger— die Bereifung— nicht versagt. Wahlen Sie Vollreifen der versagt niel l »r.Z»»»»I>7»hrg<>»S l�Ott9OPÜ0 MItwoch, z«. fioM 1»Z4 Museen, an öenen Das Reichs Dielleichi wrrd es imwahrstheiMch anmuten, daß ein Museum, welches so zentral an der Ecke der Leipziger und Mauer- st r a ß e gelegen ist, wenig beachtet und besucht sein soll. Und doch rst es der Fall. Wenn man allerdings in diesen Sommer, und Feriemvcchen das Reichspostmuseum besucht, konnte man, verführt durch die Zahl der Besucher, zu andreren Schlüssen kommen. Das wäre indes eine Selbsttäuschung. Die meisten Besucher des Museums nämliche die man in diesen Wochen antrifft, kommen aus dem Reiche und sind in der Hauptsache Post- und Telegraphen beamte aus Urlaub, die sich die Kenntnis des Reichspostmuseums nicht entgehen lassen wollen. Der Berliner aber in seiner überwiegenden Mehrzahl hat den Weg in dieses außerordentlich sehenswerte Museum noch nicht gesunden. Im Parterre und zwei Etagen, rund um den hohen und hellen Lichthof, in dem eine lebensgroße Statu« Stephans steht, gruppiert, bietet dieses Museum geradezu ein Muster der Uebersicht- lichkeit und idealen Anordnung. Die üeutjche Post im 1�. und 20. Jahrhundert. Einen großen Teil der Parterreräume nehmemn Ausstellungs- gegenstände ein, die die Entwicklung des deutschen Postwesens»er- anschaulichen. Das Reichspostmuseum spielt also eine ähnliche Rolle wie das Verkehrs- und Baumuseum in der JnvalDenstraße, das über die Entwicklung des Eisenbahnwesens unterrichtet. Im Reichspost- museum steht man zunächst in einer großen Anzahl von Schränken Postuniformen der verschiedensten Zeiten, Posthörner, silberne und vergoldete Embleme der Postbeamten der Thurn- und Taxis-Post, Brustschi.lder u. a. m. Daneben fallen auf eine Reihe von eisernen IV ertge lassen mit zum Teil 10, auch 12 der verzwicktesten Kunst- schlösser. Denn Dieb« und Posträuber hat es auch damals bereits gegeben und sie sind durchaus nicht eine Erfindung der Republik, wie so manche lieb« Mitmenschen glaubhaft machen wollen. Hier steht auch in Lebensgröße die erste Draisine, das ersteprimitive Fahrrad, das im Jahre 1817 der Freiherr von Drais erfunden hat. Neben einer Reihe der verschiedensten Biefkästen sieht man in diesem Räume sodann Modell« von Postwagen, von Post- Häusern, von Postkraftwagen und Posieisenbahmvagen. In einem Winkel ist die Feldpost und ihre Tätigkeit durch die verschiedensten Ausstellungsgegenstände veranschaulicht. Einen besonderen Raum nimmt die Sammlung der Postwerkzeichen ein. Hier ist das Dorado der Briesmarkenkenner und-sammler, denn hier befindet sich alles an Postwertzeichen von der simpelsten bis. zur seltensten Briefmarke. Ein anderer Raum enthält die überaus interessante historische Sammlung. Alte Postkutschen, Post- und Reise wagen hoher und höchster Herrschasten versinnbildlichen, wie man in früheren Jahrhunderten gereist ist. Interessant ist auch ein Bild von dem Posthaus in Potsdam aus dem Jahre 178 4. Diese historisch« Sannn- lung birgt aber noch viel mehr Schätze und geht mit ihren Ausstel- lungsgegenständen zurück nicht nur bis ins Mittelalter, sondern auch bis zu den alten Römern. Aegyptern, Assyrern und den nordifch�ermanischen Völkern. Hier sieht man auch dos Gestell eines altgermanischen Wagens und einen Einbaum aus Eichenholz, der seinerzeit im Moor bei Mohrungen m Ostpreußen gefunden winden ist. Die Telegraph!?. Steigt man hinaus in den ersten Stock, so fällt zunächst rechts und links von der breiten Freitreppe die sogenannte Stephan- Samm- lung auf. Sie enthält Adressen, Glückwünsche, Kundgebungen für den verstorbenen Generalpostmeister sowie seinen Adelsbries. Zwei große Gemäß)« erzählen von seiner Aufbahrung im Lrchthof des Reichs- postmuseums, umgeben von einer unnennbar großen Fülle von Kränzen und Blumen. A« Entwicklung der deutschen Teleyraphi« ist in diesem Raum durch eine Reihe von Modellen auf dos beste erläutert. Dazu sind ausgestellt Post schisse aller Länder, Post- lvagenmodelle des Auslarros, die großen englischen, belgischen und französischen Briefkästen in Säulenform sowie eh großer vergoldeter Hochzeitstragesessel aus China. Warum dieses Stück si-nen Platz im Reichspostmuseum gefunden hat, ist wicht recht ersicht- lich. jedenfalls aber ist es sehr interessant und zieht die Blicke aller Besucher auf sich. man vorübergeht. Die Telephonie. Im zweiten Stockwerk kann man sich informieren über den Gang der Entwicklung des deutschen Telephons. Wie schnell hier die Entwicklung vor sich geht, kann man am besten an der Tatsache er- kennen, daß Tischtelephonapparate, schwer, breit, vergoldet, die im Jahre 1889 Siemens u. Halske auf den Markt gebracht haben, uns Heutigen bereits uralt erscheinen. Daneben erblickt man Modelle der Selbslanschlußsernsprecher, wie sie ja demnächst m ganz Deutschland eingeführt werden sollen. Man sieht Anlagen von Telephonzentralen älteren und neuesten Datums, man hört die singende Bogen- lampe und' das lcmtversiärteird« Telephon. Hier steht auch das Modell einer Postflugzeugstation und daneben sieht man all« Apparate und Einrichtungen, für die Rohrpost. Ferner erfährt man, wie Kabel sowohl im Inland wie unterseeische zusammen- gesetzt sind, wie sie gelegt werden und wie die K a b e l d a m p f e r aussehen. Daneben sind Modell« mehrerer großer Kabelstationen ausgestellt. Ein« besonder« Sehenswürdigkeit in diesem Stockwerk bildet Zeilangabe, die drahtlos von der Großfunfftation in Nauen kurz vor 1 Uhr angegeben und vorher durch drei laute Huppentöne den Besuchern bekanntgegeben wird. Ein Archiv- räum schließt sich an, und im Lichthof sind neben den ältesten Modellen der Flugzeuge Modelle von Zeppelinen, Parseval- und Militärlustschisfen ausgestellt. Besonders zu begrüßen ist es und muß besonders betont werden, daß an jedem Tage zweimal durch die Diener des Museums Führungen statttinden. wobei die einzelnen ausgestellten Gegenstände nicht nur erläutert, sondern Telephon-, TelegraphenapparcUe, Eisenbahn, und Postwagen in Bewegung und Tätigkeit vorgeführt werden. Mit der Schilderung dieses Museums, das durch viel« gute Gemälde und zahlreiche Plastiken geschmückt ist, soll die Reih? der Museen, die zu wenig bekannt sind und zu wenig besucht werden, geschlossen sein. Erwähnt sei nur noch, daß das Reichspostmuseum mit Ausnahme von Mittwoch und Sonnabend täglich von 9-— 3 Uhr nachmittags geöffnet ist. Neue öeftimmungen zur Hunöesperre. Seit der Verhängung der sogenannten Hundesperre am 5. Mal 1923 sind bisher 3 2 T o l l w u t f ä l l e bei Tieren in allen Stadt- teilen Berlins amtsiierärztlich und durch Untersuchung des Gehirns der Tiere im Institut für Infektionskrankheiten„Robert Koch" festgestellt worden. Bon tollwutkranken Hunden sind 19 9 P o r-i sonen gebissen worden, von denen zwei Nichtgeimpfte an Tollwut gestorben sind. Der wutkranke Hund ist eben nicht mehr der„Gefährte, Helfer und Freund" des Menschen, sondern ein sehr gefährliches Tier. Das sollte sich jeder Hundebesitzer sagen und den Borbeugungsmaßregeln Verständnis entgegenbringen. Wegen einer Unbequemlichkeit für den Hund darf nicht der Mensch schutzlos einer der schrecklichsten Krankheiten ausgesetzt werden. Wir geben daher den folgenden von amtlicher Seite kommenden Aus- fllhrungen Raum: „Die Seuche herrscht überall in Deutschland und hat als Folge des Krieges große Verbreitung gefunden. Berlin ist aber infolge der Derkehrsverhältnisse und seiner überaus starken Hundehaltung besonders gefährdet. Namentlich bilden die zahlreichen herrenlosen Hunde eine große Gefahrenquelle, und ihre Beseitigung wird schon seit längerer Zeit bettieben durch das Ein- setzen von Fangstreifen. Dieser bei der Bekämpfung der Tollwut wichtig« Zweig des Fangdienstes wird jetzt noch weiter ausgebaut und verstärkt werden. Infolgedesien ist eine Abänderung des Ber- fahrens bei Uebertretungen der veterinärpolizeilichcn Maßnahmen erforderlich geworden. Die Erhebung einer Auslösege- b ü h r an Ort und Stelle durch die Fangbeamten kommt ganz- lich in Fortfall. Zuwiderhandlungen werden künstig durch Polizcistrafen oder bei Vorsatz durch gerichtliche Sttafen geahndet werden. Hunde, die ohne oder mit Maulkorb frei umherlaufen, werden ausnahmslos fortgefangen und im Hundezwinger in Berlin-Lankwitz, Dessauer Straße 21 (Fernsprecher Lichterfelde 8), abgeliefert, wo sie, soweit sie an den Besitzer zurückgegeben werden dürfen, gegen eine Gebühr von 19 Goldmark ausgelöst werden können. Hierbei sei nochmals be- merkt, daß diese Beträge nicht der Fangunter- nehmer Marschall erhält, der seit März dieses Jahres fixiert und an dem Ergebnis des Hundefanges pekuniär nicht mehr unmittelbar beteiligt ist. Die Frist, noch deren Ablauf nicht aus» gelöste Hunde getötet werden, ist auf 48 Stunden nach der Einlieferung verlängert worden. Hunde, die ohne Maulkorb an der Leine geführt oder auf dem Arm getragen werden, werden nicht mehr fortge- fangen, sondern die Fangbeamten haben nur die Abstellung der Ueberttetung und die Feststellung des Zuwiderhandelnden zwecks Bestrafung zu veranlassen. In letzter Zeit sind wiederholt in der Press« Zweifel an der Wirksamkeit des Maulkorb- und Leinenzwanges erhoben worden. Hierzu ist zu sagen, daß die Maßnahmen nach dem einstimmigen Urteil aller Sachverständigen des In- und Aus- landes zur Unterdrückung der Tollwut durchaus geeignet sind, wenn sie vom Publikum befolgt werden. Auch die von den Hundebesitzern so häusig und gern geübten kleinen Uebertretungen: Loslassen der Hunde von Leine und Maulkorb, wenn auch nur für kurze Zeit. köimen bei der jetzigen Seuchenlage ungeahnte böse Folgen für den Eigentümer des Tieres und feine Familie haben und sie an Leib und Leben gefährden. Rur wenn das Publikum an der Inne- Haltung der Maßnahmen mitarbeitet und aufhört, in diesen Be- stimmungen, die mir zu seinem und seiner Hunde Schutz getroffen sind, eine polizeiliche Schikane zu sehen, ist es möglich, schneller zum Ziele zu kommen und der Tollwut Herr zu werden." Kampf mit Einbrechern. Einen aufregenden Kampf mit einer Einbrechervande hatte in der vergangenen Nacht ein Geschäst-Zinhaber aus der Mchaellirch- ftraße zu führen. Der GesckiästSmonn bemerkte, daß sich Unbefugte in feinen Lagerräumen aufhielten, die offenbar einen Raubzug beabsichtigten. Er trat ihnen mit der Waffe m der Hand entgegen. Nach seinen Angaben hat es sich um eine 8— 12köpfige Bande gehandelt. ES entwickelte sich nun zwischen den Eindringlingen «i Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. „Wie gewonnen, so zeronnen," sagte Willi. Dann sang er die erste Strophe eines Gassenhauers. „Fang Dir nicht mit den dummen Gerichten an!" sagte die weichherzige, aber immerhin etwas furchtsame Klara. „Geh hin und sitz Deine sechs Wochen ab." Aber Willi, der von Nachgiebigkeit nichts hören wollte, stieß sie in den Rücken, so, daß sie über den Tisch fiel. In dieser Nacht schlief Andreas den lächelnden, tiefen, reinen Schlaf eines Kindes. Aber am Morgen kamen zwei Kriminalbeamte. Sie hatten ihn bei seiner Frau nicht angetroffen und von ihr die alte Wohnung erfahren. Sie holten Andreas ab. Sie fuhren mit ihm zur Vorortbahn und ein gut Stück weiter außerhalb der Stadt. Die Strafanstalt lag in der Nähe weiter Felder, ein breiter Bau, mit vielen zackigen Türmchen, aus braunroten Ziegelsteinen.. � �...... So lag das Gefängnis, das Land beherrschend, heilig wie eine Kirche und finster wie ein gemauertes Gesetz. Das Letzte, das Andreas von der Welt sah, war eine junge Katze.' Sie mochte einem Gefängniswärter gehören. Sie lief, ein helles Glöckcken an einem roten Band um den Hals, an dem Zaun entlang, der das Haus der Gerechtigkeit von einem Feldweg trennte. Sie erinnerte an ein kleines Mädchen. 14. An seine Zelle gewöhnte sich Andreas sehr schnell: an ihre saure Feuchtigkeit, ihre durchdringende Kalte und an das schraffierte Grau, das ihr Tageslicht war. Ja, er lernte die Phasen der Dunkelheit unterscheiden, welche den Morgen, den Abend, die Nacht und die nebelhasten Stunden der Damme- rung kennzeichnen. Er wuchs in die Finsternis der Nächte hinein, fein Auge durchbohrte ihre Undurchdringlichkeit, daß sie durchsichtig wurde wie dunkelgefärbtes Glas am Mittag. Er entlockte den wenigen Gegenständen, unter denen er lebte, ihr eigenes Licht, so daß er sie in der Nacht betrachten konnte und sie ihm selbst ihre Konturen darboten. Cr lernte die Stimme der Finsternis kennen und den Gesang der lautlosen Dinge, deren Stummheit zu klingen beginnt, wenn die pol- ternden Tage vergehen. Das Geräusch em«r kletternden Mauerassel konnte er vernehmen, sobald sie die glatte Wand- fläche verließ und eine Stelle erreichte, die den Mörtel ver- loren hatte und in ihrer rissigen Ziegelnacktheit lag. Die kümmerlichen Aeußerungen der großen Stadt, die bis zum Gefängnis drangen, erkannte er, jede in ihrer Art und einer jeden Herkunft und Abstammung. An den feinsten Unterschieden ihrer Laute erkannte er Wesen und Gestalt und Ausmaß der Dinge. Er wußte, ob ein vornehmer Privatwagen draußen vorbeisauste oder nur eine gutgebaute Droschke: ob ein Pferd die zarten Gelenke adeliger Zucht besaß oder die breiten Hufe des billigen Nützlichkeitsgeschlechts: er kannte den Unterschied zwischen dem flotten Trab des Rosses, das ein leichtes Wägelchen auf stummen Gummirädern führte, und jenem, das auf seinem Rücken den Herrenreiter trug. Er erkannte den schleppenden Schritt des alten Mannes und den schlendernden des jungen Naturliebhabers: das flotte Ge- ttippel des kurtigen Mädchens und den zielbewußten Tritt der geschäftigen Mutter. Er konnte mit dem Ohr einen Spaziergänger von einem Wanderer unterscheiden: den Zart- gebauten von dem Nierschrötigen: den Kräftigen von dem Schwachen. Er bekam die zauberhaften Gaben eines Blinden. Sein Ohr wurde.sehend. An den ersten Tagen seiner Haft versuchte er noch durch das hohe Gitter hinauszusehen. Er schob die Holzbank zum Fenster und ließ nicht nach, bis er mit seinen beiden Händen den unteren Rand der Mauerbuchtung gesaßt hatte, in der das Gitter saß. Ach— er war nur einbeinig, die stumpfe Krücke fand an der glatten Mauer nicht einmal den kümmerlichen Halt, den sein ge- sunder Fuß noch mühevoll ertastete, und er hing sekunden- lang mit seinem ganzen Gewicht an den krampfdurchzuckten letzten Gliedern seiner Finger. So schwebte sein Körper in der Luft und seine Seele zwischen dem Verlangen, einen kargen Ausschnitt der Welt zu sehen und der Furcht, hinunter- zufallen und den Tod zu finden. Nie hatte er größere Gefahr gekannt. Denn niemals— auch im Felde nicht— hatte er so die Kostbarkeit des Lebens empfunden, dieses kleinen Lebensrestes, den ihm die Zelle geewährte. Ihr entriß er mit List und mit tausend Mühen den kurzen Ausblick in die Welt durch das schmutzige Glas hinter den engen Quadraten: und kehrte dennoch erfrischt und bereichert in das ewige Dunkelgrau hinunter als hätte er alle Schönheiten der Erde genoffcii. Diese kleinen Ausflüge, die sein Auge unternahm, versöhnten ihn immer wieder mit der Unerbittlichkcit seines Kerkers: bewiesen sie im doch, daß nicht einmal die Zelle, die ihn abschloß, außerhalb der Welt war und, daß auch er noch dem Leben gehörte. Er war ein Krüppel und nicht un- beschränkter Herr über die Erde wie ein zweibeiniger Mensch. Er konnte nicht lautlos gehen, nicht hüpfen, nicht laufen. Aber er durfte wenigstens hinken und mit einer Sohle die Erde betreten— später, sechs Wochen später, kurze sechs Wochen später. Manchmal hoffte er, die kleine Katze wiederzusehen, die er beim Eintritt in die Anstalt getroffen. Aber sein Äuge erreichte gerade noch den Saum des dunklen Föhrenwaldes in der Ferne und einen schmalen Streifen des Himmels: manch- mal ein geflügeltes Tier: eine hurtige Wolke: einmal sogar die schmalen Tragflächen eines Aeroplans, dessen Geräusch er immer hörte:— denn ein Flugplatz befand sich in der Nähe. Er aber sehnte sich nach der jungen Katze. Sie hatte er in dein letzten Augenblick seiner Freiheit gesehen. In der Nacht hörte sein geschärftes Ohr ein liebliches kleines Läuten. Er bildete sich ein, es käme von der Schelle, die um den Hals des Tieres gehängt war. Bald aber vergaß er es. Er kroch nicht mehr die Wand hinauf. Traulich erschien ihm die Zelle. Tausend Bilder er- blühten aus seiner Einsamkeit. Tausend Stiinmen erfüllten sie. Er sah ein Schwein, das mit dem Rüssel in die Fuge zwischen Tür und Wand des Stalles geraten war und sich nicht wieder befreien konnte. Er kannte dieses Bild. Als Knabe, bei seinem Onkel, der ein Steuereinnehmer auf dem Lande war und einen Hof besaß, hatte er es gesehen. Er sah ein Schwalbennest im Klosett: einen Papagei an einer Kette, der nach seinem Finger schnappte: den Kompaß und den silbergefaßten Zahn an der Uhrkette des Vaters: die Ge- burt eines Schmetterlings aus der dünnen gebrechlichen Hülle der Puppe in einer grasgefütterten Streichholzschachtel: ge- trocknete Anemonen in einem Herbarium: ein goldgerändertes Gesangbuch und den ersten Schlips aus roier Seide. Andreas hatte viel zu tun. Er mußte die Bilder ein- ordnen. Wie ein Kind an den Sprossen einer Leiter, so kletterte der neugeborene Andreas an diesen kleinen Erinne- rungen zaghaft empor. Es schien ihm, als müßte er noch lange klettern, um zu sich selbst zu gelangen. Er entdeckte sich selber. Er schloß die Augen und freute sich. Wenn er sie öffnete, hatte er ein neues Stück entdeckt, eine Beziehung. einen Klang, einen Tag und ein Bild. Ihm war, als begänne er zu lernen und Geheimnisse täten sich vor ihm auf. So hatte er also fünfundvierzig Jahre in Blindheit gelebt, ohne sich selbst und die Welt zu kennen.(Fortsetzung solgt.) und dem Geschäftsinhaber eine Schießerei, bei der einer aus der Bande, wie aus einer vom Lagerraum durch den Hausflur zur Parteigenossinnen und Genossen! Straße führenden Blutspur zu schließen ist, eine Verlegung davontrug. Mitteilungen, die zur Aufklärung dienen können, werden an das Polizeirevier 12 erbeten. Für Groß- Berlin. Wieder eine Eingabe an den Preußischen Landtag. Außer den von uns bereits besprochenen Eingaben der EinAuf dem Bezirtstag vom 17. Auguft wurde von allen Seiten die Losung ausgegeben: und Gesundheitspflege im Ber band der Arbeiter Gefunde heitsvereine, im Verband Boltsgesundheit" fuchen. Endlich wurde beschlossen, den Druck des Verbandsorgans, der Bolks gesundheit, mit dem Beiblatt Mutter und Kind" vom 1. Januar 1925 ab in der Druckerei der„ Dresdner Volkszeitung" herstellen zu lassen. Da Genosse Gruhl wegen Ueberbürdung eine Wiedermahl als Verbandsvorsitzender ablehnte, wurde an seiner Stelle Genosse Friedrich- Pieschen gewählt. Fehlurteil eines Schwurgerichts. wohner von Gatow, Kladow und Sch mödwig wird uns jetzt gewählte Bezirksvorstand zur Richtschnur seiner Arbeit machen. Die Der Magistratsbeamite Gellesczat in Berlin war vom Schwurs auch eine Eingabe der Bewohner von Bohnsdorf zugestellt, die den Preußischen Landtag ersuchen, unter feinen Umständen eine Ausgemeindung aus Groß- Berlin vorzunehmen. In dieser Eingabe heißt es u. a.: " H " Gefchloffener Kampf aller Sozialdemokraten gegen die Reaktion und die Unterdrüder des Proletariats. Diese Willensäußerung des Bezirtstages als der höchsten und maßgebenden Instanz der Berliner Sozialdemokratie wird der neuPartei ausbauen, sie lampffähig machen, darin sieht der Bezirksvorstand seine erste und dringendste Aufgabe. Hierbei braucht er aber die restlose Unterstützung aller Barteigenoffen und-genoffinnen. In einer politisch ernsten und bewegten Zeit nimmt der Bezirksvorstand seine Arbeiten auf. Der Reichstag soll in den nächsten Tagen das Dames- Gutachten verabschieden. Noch ist die Annahme ungewiß. Findet im Reichstag das Gutachten nicht die erforderliche Mehrheit, dann ist die Auflösung wahrscheinlich. In wenigen Monaten läuft die Legislaturperiode des Preußischen Landtages ab. Der Kampf um den Preußischen Landtag wird sich auswachsen zu einem Kampf gegen die Großagrarier und Junkerclique, die darauf ausgehen, die Herrschaft in dem größte Freistaat an sich zu reißen. Wir als Vorsitzende der einzelnen Vereine im hiesigen Drie haben die Frage Groß- Berlin" in unseren Mitgliederversamm fungen zur Diskussion gefiellt. In diesen Versammlungen haben sich die Mitglieder teils einstimmig, teils mit sehr großer Mehrheit für Groß Berlin ausgesprochen. Dabei waren folgende Punkte vorherrschend: Schon allein der Ohne Rücksicht auf die derzeitige Annahme oder Ablehnung der Umstand, daß der größte Teil der hiesigen Bevölkerung in Lendoner Abmachungen muß die Bartei den Kampf um die LastenGroß Berlin tätig ist, hat von vornherein das Zusammenverteilung und der energischen Abwehr aller Versuche der Wiedergehörigkeitsgefühi wachgerufen. Außerdem war die Tatsache ausfchlaggebend, daß feit Eintritt der stabilen Verhältnisse im hie- einführung der Wucherzölle auf Lebensmittel vorbereiten. figen Orte mehrere Neuerungen und Verbesserungen geschaffen worden sind, und daß das Wirken und Schaffen unseres Bürgermeisters uns dafür bürgt, daß auch fernerhin unseren Wünschen in weitestgehendem Maße Rechnung getragen wird. Allein die Erkenntnis, daß die bereits ausgeführten Leistungen und die noch geplanten bzw. schon in Angriff genommenen Neuerungen usw. niemals von einer selbständigen Gemeinde Bohnsdorf hätten vorgenommen merden können, ohne die Steuerbelastung bedeutend zu erhöhen, zwingt uns, für ein Verbleiben bei Groß- Berlin einzufreten. Wir nehmen davon Abstand, alle sonstigen Vorteile, wie Wohlfahrtspflege, Drie flaise A, Porto usw., die urs Groß- Berlin gebracht hat, aufzuführen, da sie ja genügend befannt sein dürften. Wir bitten vielmehr, den Wünschen der hiefigen Einwohner entsprechend, aus den angeführten Gründen auf feinen Fall einer Ausgemeindung Bohnsdorfs aus GroßBerlin zuzustimmen." Es ist auch in diesem Fall bezeichnend, daß diese Eingabe von bürgerlichen Organisationen ausgeht. Sie ist unterzeichnet von dem Vorsitzenden des Haus- und Grundbesizer- Vereins", des „ Grundbefizervereins", der„ Siedlungs- und Wirtschaftsgenossen schaft". des Bürger- und Verschönerungsvereins", des„ Kleintierzüchter- Bereins", umfaßt also alle Kreise der Bevölkerung. Ebenso bezeichnend ist aber, daß im Köpenicker Bezirk die bür= gerliche Lotalpresse bisher alle und zum Teil sehr bedeutenden Erneuerungen und fommunalen Fortschritte für die Bevöl kerung, d'e in diesem Jahre vollendet oder in Angriff genommen werden konnten, systematisch totschweigt. Daß z. B. der Magistrat Berlin in Uebereinstimmung mit dem Köpenicker Bezirks: amt beabsichtigt, in Friedrichshagen ein Lŋze um neu zu bauen, ist bis heute in der Lokalpresse, die sonst jeden kleinen Dred breit tritt, noch nicht mitgeteilt. Verschiedenen Herrschaften ist es eben fehr unangenehm, daß die Entwicklung Groß- Berlins ihre alberne Kirchturm politik so gründlich Lügen straft. Ueber das bür gerliche Geschrei der Los- von- Berlin- Bewegung". wird man in ein bis zwei Jahren überhaupt nur noch lachen. Der Geheimtresor in der Doppelsohle. Fatales Ende einer Italienreise. Der Buchhalter Josef Feldmesser aus Königshütte hatte dort eine Bolin kennen gelernt, in die er sich verliebte. Sie erhörte seine Werbung auch und verlobte sich mit ihm, erzählte ihm dann aber, daß es ihr in Königshütte zu wenig gefalle, daß sie nach London auszuwandern gedente. Sie wollte vorausfahren und ihr Bräutigam follte nachkommen. Leider verfügte er aber nicht über die erforder= lichen Geldmittel, um eine solche Reife anzutreten. Er wußte sich jedoch bald Rat. Nachdem er sich einen Auslandspaß beschafft hatte, fälschte er auf einem borgedruckten Briefbogen der Firma, bei der er beschäftigt war, die Unterschrift der Inhaber, begab sich mit diesem Schriftstück zur Bant und erhielt die geforderten 4000 polnischen Slotnie. Mit diesem Gelde fuhr F. nach Berlin und benachrichtigte feine Braut, die eben falls nach Berlin fam. Das Pärchen trat nun mit wohlgefüllten Taschen eine Italienreise an, kehrte dann nach Berlin zurück, um von hier aus nach London weiterzureisen. Auf dem Anhalter Bahnhof jedoch wurden sie von Kriminalbeamten festgehalten. Bei der Durchsuchung des Gepäcks jedoch fielen dent Beamten ein Baar tadellose neue Stiefel auf, an deren Sohlen er ein ganz besonderes Interesse nahm. Es stellte sich bald heraus, daß diese Schlen das Interesse auch verdienten. Sie waren nämlich doppelt und dienten zur Aufbewahrung von Schweizer Franken und englischen Pfundnoten. Der Schatz gehörte ohne Zweifel zu der entwendeten Summe und konnte der geschädigten Firma zur Verfügung gestellt werden. Bei der Bernehmung gab die Braut an, von nichts zu wissen. Ihrer Weiterreife nach London stand mithin nichts im Wege. Der Bräutigam dagegen wird wohl auf diese Reise bis auf weiteres verzichten müssen. Nie wieder darf Preußen eine Domäne der Reaktion werden. Wir Sozialdemokraten werden zu verhindern missen, daß der Dreiklassenstaat wieder aufersteht. gericht wegen Totschlags, begangen an seiner Ehefrau, schuldig befunden worden. Die Taf hatte sich als ein Eifersuchtsalt dargestellt. Gellesezat batte seine Frau mit dem Beil erschlagen und sich dann selbst der Polizei gestellt. Der Staatsanwalt hatte gegen ihn 6 Jahre Zuchthaus beantragt, das Gericht hatte ihm aber mildernde Umstände zugebilligt und nicht auf Buchthaus sondern auf Gefängnis in gleicher Höhe erkannt. Gegen dieses Urteil hatte die Verteidigung Revision beim Reichsgericht angemeldet und diese damit begründet, daß hinsichtlich des Strafmaßes ein Fehlurteil vorliege. Reichsgericht hat jezt diesen Einwand als berechtigt anerkannt und das Urteil, soweit es das Strafmaß betrifft, aufgehoben. Es lag ein Frrtum des Schwurgerichts vor, da die Höchftstrafe nur 5 Jahre Gefängnis beträgt. Das nächste Schwurgericht wird sich daher sweds Festlegung einer, anderweitigen Strafe nochmals mit dem Fall zu befassen haben. Mit falscher Fahrkarte. Das Der Bildhauer P. war auf der Stadtbahn bei einer Kontrolle in einem Abteil zweiter Klasse ohne Fahrkarte angetroffen worden. Als er sich ausweisen sollte, legte er hintereinander zuerst zwei ungültige Fahrkarten und dann eine Monatelarte vor, die sich als in plumpefter Weise gefälscht erwies. Wegen Betruges und Urfundenfälschung angeklagt, versuchte er, dem Gericht ein un Er behauptete nämlich, glaubliches Märchen aufzutischen. daß er eine Fahrkarte dritter Klasse gelöſt hätte und nur berfebentlich in die zweite Klasse eingestiegen fei, die Fahrkarte jet ihm beim Einsteigen verloren gegangen. Für die vorgefundenen Karten gab er die Erklärung, daß er einige Tage vorher auf dem Potsdamer Plaz ein Etui gefunden hätte, in dem die Monatstarte und die beiden Fahrkarten stedten. Aus Spielerei habe er die Monatsfarte auf seinen Namen und den betreffenden Monat umgeändert, ohne die Absicht gehabt zu haben, davon je flagten der schweren Urfundenfälschung und des Betruges schuldig und verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis. Da er aber noch nicht vorbestraft ist, erhielt er Bewährungsfrist gegen Zahlung einer Buße von 120 M. Aus gemeinsamem Haß gegen die Sozialdemokratie haben alle bürgerlichen Parteien der Berliner Stadtverordnetenversammlung eine Front gegen die Partei der Hand- und Kopfarbeiter aufgerichtet. Die bürgerlichen Parteien der Stadtverordnetenversammlung haben den Beweis erbracht, daß sie unfähig sind, eine vernünftige Kommunalpolitik zu treiben. Ihre Hauptaufgabe auf fommunalem Gebiet sehen sie darin, den Einfluß der Sozialdemokratie und da mit den Einfluß der arbeitenden Bevölkerung in der Kommunalverwaltung zu brechen. Die Bürgerlichen haben durch Sabotage- mals Gebrauch zu machen. Das Schöffengericht hielt den Angeafte die Berliner Stadtverordnetenversammlung arbeitsunfähig gemacht. Es ist nicht ausgeschloffen, daß die Berliner Wählerschaft in Bälde aufgerufen wird zur Neuwahl der Stadtverordnetenversammlung. Auf sozialem Gebiet wendet sich nach wie vor das Hauptintereffe des Proletariats dem Achistundentag zu. Bei Durchführung des von den Gewerkschaften geforderten Beltsentscheids über den Achtstundentag wird der Bezirksvorstand die gesamte Parteiorganisation in den Dienst dieser für die Zukunft des Proletariats so entscheidenden Aktion stellen. Um diese Ziele erreichen zu können, bedarf die Partei jener starten Kraft, die ihr neu erwächst aus der Stärke und Geschlossenheit ihrer Klassenorganisation, auf die sich dann der politische und gewerkschaftliche Kampf mit Erfolg zu stützen imftande sein wird. Der neugewählte Bezirksvorstand ruft alle Parteigenoffinnen und-genossen zur attiven Mitarbeit auf. Nach den schweren Zeiten, deren tiefsten Stand wir überschritten glauben, vertrauen wir auf die alte Werbekraft des sozialistischen Gebantens und rufen Euch zu: Vorwärts und aufwärts! Bezirksvorstand der SPD. Groß- Berlins. Der erfle europäische Drel- Manegen- 3irfus Krone lommt nach Berlin! Bereits seit Jahrzehnten nimmt der Zirkus Krone eine führende Stellung unter den europäischen Zirfussen ein. Zirtus Krone ist der erste europäische Drei- Manegen- Zirtus. Die Vorstellungen finden in einem riesigen BierMaften- Zuschauterzelt mit einem Fassungsvermögen bon ca. 10 000 personei ftatt. Die gesamten Zeltbauten fönnen 20000 Berfonen beherbergen. In drei Manegen zu gleicher Zeit wirbelt in jeder Borstellung ein Riefen programm von nicht weniger als 85 Nummern ab. Der Birfus hat einen Bestand von 400 erotischen Tieren, darunter 14 Elefanten, 25 Kamele, 15 Dromedare, 30 fizilianische Gjel. Kängurubs, Lamas ,. Nilpferde, Strange, Hats, Rebus, Zebras, 3ebroiden, Gnus, indische Hirsche und dann Trumpf 32 Tiger, 28 2öwen, 15 Eis und Braunbären, hänen, Leobarden, Schakale, Wölfe, usw. Sodann hat er nicht weniger als 132 edelste Raffepferde. Die Untersuchung gegen Haarmann. Krones ed Güterwagen außerhalb der Bahnhofshalle auf ein Nebengleis gesehen des Fleisches und des Fettes ist zu schließen, daß dasselbe schoben. Die Ausladung vollzog sich unter einigem Lärm der Käfiginfassen, aber ohne Unfall. Das tägliche Straßenbahnunglück. Infolge falscher Weichenstellung stießen heute nachmittag gegen 3,40 Uhr vor dem Hause Königsberger Str. 23 zwei in voller Fahrt befindliche Triebwagen der Linie 13 zusammen. Beide Wagen wurden durch den Busamenstoß so erheblich beschädigt, daß sie aus Eine ganze Anzahl der dem Verkehr gezogen werden mußten. Fahrgäste trugen leichte Verlegungen davon. Sieben Fahrgäste waren jedoch genötigt, ärztliche Hilfe in der Rettungsstelle 9 in Anspruch zu nehmen. Die Schuld an dem Zusammenstoß soll den Führer des Wagens treffen, der vom Küstriner Plaz tam und der die falsche Weichenstellung übersehen hatte. 26. Verbandstag des Verbandes Volksgesundheit". Anfang August 1924 hielt der Verband Boltsgesundheit" seinen 26. Berbandstag im Boltshaus Dresden ab. Aus dem Bericht des Geschäftsführers ging hervor, daß der Verband 54 Bereine mit 13500 Mitgliedern zählt. Nach dem Geschäftsbericht hielt Genoffe Dr. med. Bache m, Frankfurt a. M., einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema: Welche Stellung hat der Verband zur Schulmediin, Naturheilmethode, Homöopathie. Biochemie verwandte Heilmethoden einzunehmen?" Genosse Badem unterschied zwischen Natur- und Kunstheilungen und betonte, daß wir die Kunstheilung nicht entbehren könnten, daß wir uns nicht auf ein heilsystem festlegen, sondern das Gute nehmen sollten, wo wir es finden. Die Hauptsache sei, im Bolle und Die Bolizeiverwaltung in Fulda teilt folgendes mit: In der Untersuchungsfache gegen den Massenmörder Haarmann ist zweifelsfret festgestellt, daß H. auch hier in Fulda gewesen ist. Er ist hier Ende Mai oder Anfang Juni 1920 aufgetaucht und hat frisches Fleisch und Feft bei sich geführt und hier als Schweinefleisch oder Schweinelunge zum Kauf angeboten. Aus den Umständen und dem Ausoffenbar von einem getöteten Menschen herrührte. An jaarmann felbft wurden frische. Blutspuren beobachtet, so daß mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden muß, daß der Verbrecher hier in Fulda oder nächster Umgebung mindestens einen Menschen ermordet hat. Weiter wurde festgestellt, daß Haar. mann sich damals wiederholt am hiesigen Bahnhof aufgehalten und dabei einen jungen durchreisenden mittellofen Menschen angesprochen und demselben 2 M. und ein Hemd geschenkt hat. Um men es sich dabei handelt, ist bis jetzt nicht festgestellt. Wie der Hannoversche Landesdienst hierzu a zuständiger Stelle erfährt, bestreitet Haarmann nach wie vor, jemals in Fulda oder, wie vor furzem gemeldet wurde, in Celle gewesen zu sein. Er will sich nur einmal außerhalb Hannovers aufgehalten haben, und zwar ist er in Gemeinschaft mit Granz, Sem mutmaßlichen Mitwiffer seiner Schandtaten, in Hamburg gewesen.. Filmschau. Der Schatten von Paris" ist eine Apachenangelegenheit, die der Bara mont- Film( Uraufführung Alhambra) herausgebracht hat. Bola Negri spielt die Hauptrolle. Man ist erfreut und beruhigt zugleich, ihr Können ist selbst in Amerila nicht zum Filmkitsch geworden. Raffig als Apachin, eine blendende Erscheinung als Gattin des Polizeipräfeften, fübrt fie diese Doppelrolle zum guten Gebe. Bern sieht man ihr zu, wie ausbrudsreich ist ihr Minenspiel! Der Film ist auf Spannung gearbeitet, in technischer Hinsicht stedt viel Gujreuliches in ihm. Striche man die letzten Szenen, würde er noch gewinnen. Pola Negri ist in ihrer Mimit so verständlich, daß man mit ihrer legten Großaufnahme schließen fönnte, die deutlich beagt, daß fie nach ihren Enttäuschungen durch ihren ehemaligen Geliebten, den Apachen, den Weg zum Polizeipräjelten, ihren Gatten, gefunden bat. maligen Kreis gebrochen hat und ihr Mann sie gerührt zurückholt. Done Vor der Haftentlassung des Rechtsanwalts Klee. Wie uns aus Bauten gemeldet wird, steht die Haftentlassung des Berliner Rechtsanw. Dr. Klee unmittelbar bevor. Untersuchungs die Erkenntnis zu erwecken, daß die meisten Rrant. Es verdirbt den Eindrud, wenn sie sich noch einmal als Apachin ankleidet, richter Dr. Stard, der auf Veranlassung des sächsischen Justiz heiten in unseren sozialen Verhältnissen begründet in diesem Falle doch nur mastiert, weil sie innerlich bereits mit ihrem ehe ministeriums seine Tätigkeit in Berlin sofort abgebrochen hat, ist am Dienstag Vormittag in Baußen wieder eingetroffen und hat das Ergebnis seiner bisherigen Untersuchung der Straffammer des Landgerichts Bautzen, die am Dienstag Nachmittag zusammentrat, um über den Haftentlassungsantrag Dr. Klees zu entscheiden, vorgelegt. Gegen Dr. Stard sind von Dr. Klee und dessen Ver tretern febr schwere Vorwürfe erhoben worden, die darin gipfeln, daß dem Untersuchungsrichter Freiheitsberaubung und Mißbrauch der Amtsgewalt vorgeworfen worden. Der Untersuchungsrichter hat dem Vernehmen nach auch feinerseits um Einleitung eines Disziplinarberfahrens gebeten. Neue Tiere im Zoo. Der Berliner Zoologische Garten erhielt gestern wieder einen Ziertransport aus Abessinien, jetzt bereits den dritten. Dr. Vagler hatte in Abessinien den Fang der Tiere besorgt und begleitete sie nach Berlin. Mit ihm fuhr auch der Neger Abdullah. Der Transport war zur See bis nach Marseille zehn Tage unterwege, und die Bahnfahrt von dort bis Berlin erforderte noch drei Tage. In Süddeutschland wurde der Güterwagen mit den Käfigen in einen D- Bug eingestellt. Als am gestrigen Abend gegen 16 Uhr der Zug auf dem Anhalter Bahnhof eintraf, standen draußen zwei Wagen des Roo mit dem nötigen wärterpersonal bereit. 63 Säuge. tiere und etwa 750 Vögel waren in den Käfigen verwahrt, die den Güterwagen, nebeneinander und übereinander gestellt, ziemlich ausfüllten. Pfeifen, Quietschen, Wimmern, Grungen ertönte aus allen Ecken. Zu dem Transport gehören u. a. drei Leoparden, sieben hänen, drei junge Warzenschweine, drei Erdferkel, fünfzehn große Paviane, viele feltene Vögel, z. V. Königsglanzstare, die zu den schönsten Vögeln Afrikas gehören. Unterwegs sind von den Tieren trotz der argen Hige, die während der Seefahrt zeiveiie ertragen werden mußte, nur sehr wenige eingegangen. Nach der Ankunft in Berlin wurde, um die Tiere ausladen zu können, der feien und darum nur mit diesen beseitigt werden könnten. Einstimmig wurde der Vorstand beauftragt, den deutschen Reichstag Gewiffenstlausel, um Aufhebung des§ 218 des um Aufhebung des Impfzwanges und Einführung der Strafgesebbuches und um energischen Widerstand gegen die Beseitigung des Achtstundentages zu ersuchen. Weiter foll auf die Arbeiterparteien und Gewerkschaften eingewirkt werden, daß fie dafür sorgen, daß die Arbeiter aus den bürgerlichen Gert ihm erzählt, daß er den Anfang einer Rüdenmarschwinduct bat fundheitsvereinen ausscheiden und ihre gesundheitliche Aufklärung Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 20. August. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichten dienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Schontek: Heimatdichtung. 9-10 Uhr abends: Russischer Abend. 1. Trio für Violine, Cello, Klavier, I. und II. Satz. A. Arensky( Franz Veit, Violine. Walter Schulz, Cello, Dr Felix Günther, Klavier). 2. a) Nur wer die Sehnsucht kennt, b) Warum. c) Inmitten des Balles. Tschaikowsky ( Serafine Radinowa, Gesang). 3. a) Canzonetta aus dem Violinkonzert, b) Scherzo. Tschaikowsky( Franz Veit, 1. Kapellmeister des Berliner Philharmonischen Orchesters). 4. a) Die Träne, b) Der Asra, Rubinstein( Serafine Radinowa. Gesang). 5. Gesang des Minnesängers. für Cello, Glazounoff( Walter Schulz, Solocellist des Berliner Philharmonischen Orchesters). 6. a) Wiegenlied, Gretschaninoff. b) Die Nachtigall. Alabieff( Seraine Radinowa. Gesang). 7. Trio für Violine, Cello. Klavier, I. Satz, Rubinstein ( Franz Veit, Violine, Walter Schulz, Cello, Dr. Felix Günther, Klavier). Tagesnachrichten, Wetterdienst, Sportnachrichten. fauftdice Sentimentalität geht's aber beim Amerikaner mun mal eben nicht. Sit bier ein schon bis zum Ueberdrug wiedergeläutes Sujet behandelt, so gruppiert sich der Weltlauf mit dem Tode( im Tauentien- Palast) um ein tatsächlich unglaubliches Manuskript. Conan Doyles Roman„ Der Untergang der Korosto" ist derartig verfilmt, daß er zur Ratastrophe wurde. Ein Hauptmann der Kolonialtruppen hat mit einem Speer einen Schlag ins Benid bekommen; er kommt nach Europa, wo ein berühmter der Krante eine Reife nach Aegypten an, bekommt dort bei einer Haueret und infolgedeffen nur noch ein Jahr leben lann. Mit diesem Arzt tritt wieder einen Schlag ins Genid und ist gerettet. Als Schlußbild sieht man, wie der Herr Hauptmann einer Amerikanerin den Verlobungstug gibt. Die Hauptdarsteller Nigel Barrie und Banda Hawley verjagen restlos, es ist einfach eine Zumutung an das Publikum, fie in Grogaujnagmen zu bringen. Der Film fennt nur Geschäftsinteressen und zwar foll mit dem Lande der Pyramiden Reflame gemacht werden. Aber Tom Terris hatte feine Photographen, die Stimmung photographieren können. Niemals verspürt man die grenzenlose, die Menschen in ihrem Selbstbewußtfein niederingende Einsamkeit der Büste, nicht einen leifen Schimmier erblidt man von Kairos Pracht und Herzlichkeit. Und Tom Terris selbst wird als Regisseur nur interessant, wenn er Stamele verwendet. e. b. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilnngstaffierer! Die Beitragsmarken müffen heute unbe. Internationale" find ebenfalls abzuholen. bingt von allen Abteilungen abgeholt und abgerechnet werden. Führer" und Heute, Mittwoch, den 20. Auguft, abends 7% Uhr: Faltenberg: Am Faltenberg 117: Astronomische Betrachtungen. Friedrichsfelde: Berliner, Ede Schloßstraße, Diskussion: Gemeinschaft." der Anfänge Raulsborf: Adolfstr. 25. Bortrag: Arbeiterbewegung." gichtenberg- Rord: Varkaue 10, Diskussion: Bolkslied und Bollstang." Luisenstadt: Badeanstalt, Bärwaldstr. 34. Bortreg: Die Weimarer Berfaffung." Riederschöneweibe: Berliner Str. 31( Zeichen faal).. Bortrag: Naditultur." Suboft, Reichenberger Biertel: Vortrag: Die Schule, wie fic ist und wie fie fein soll." Tempelhof: Germaniaftr. 4/6, Distuffion: Bas will die SAJ.?" airador do mundo 2 dny Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. 7. Kreis Charlottenburg. Morgen, Donnerstag, den 21. Auguft, abends 7½ Uhr, in der Aula des Schiller- Realgymnasiums, Gaillerfic. 26, Generalversammlung der Freien Schulgemeinde. Bericht des Borstandes und Neuwahl desselben. Jeden Freitag oder Montag von 4-6 Uhr in der Gemeindeschule, Oranienstr. 15a, Borbereitungsunterricht und Anmeldung zur Jugendweihe in Klaffe II M. In Riaffe IVO dafelbft Unterricht in der Lebenstunde für Jugendliche vom 10. Lebensjahre an. Mittwoch von 3-6 Uhr auf dem Städtischen Sportplag, hinter dent Seben Krankenhause Westend, rhythmische Gymnastik, erteilt durch Genoffen Adolf Roch. 14. Arcis Reutöln. Donnerstag, den 21. Auguft, 7 Uhr, Gigung des engeren Kreisvorstandes im Parteibureau, Redarftr. 3. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde! Donnerstag, den 21. August, 7 Uhr, Recartz. 3, wichtige Sihung der erweiterten Arbeitsgemeinschaft mit den Bertretern der Elternbeiräte, foz.. Lehrer, Rinderschußkommission, Gewerkschaft und Jugendlichen. 20. Rzeis Reinidendorf. Rinderfreunde! Elternabend am Donnerstag, ben 21. Auguft, 8 Uhr, im Gymnasium, Berner Straße, Reinickendorf- Ok. Bortrag des Genoſſen Epstein über„ Entstehung und Entwicklung der Kinderfreundebewegung". Heute, Mittwoch, den 20. Auguft: 87. Abt. Marienfelde. 8 Uhr zahlabend bei Schuster, Kirchstr. 68. Wahl der Abteilungsleitung. 121. Abt. Rarlshorst. 7½½ Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant Aur Rennbahn". Tresdow- Allee, Ede Friedrich- Wilhelm- Promenade. Thema: ,, Unsere Parteipolitik." Referent: Genoffe Bollmershaus. 2. Mitfeilungen. Vorwärtslefer und Parieianhänger willkommen. 140a. Abt. Bittenan. 7½ Uhr gemeinsamer zahlabens bei Richard Schulze, cm Bahnhof. Bericht vom Beziristag. Morgen, Donnerstag, den 21. August: Elternbeiräte und Vertreter. 7 Uhr im Jugendheim, Grünauer Str., wichtige Bersammlung. Borirag des Genossen Schröter: ,, Rechte und Pflichten der Elternbeiräte." Unbedingtes Erscheinen dringend erforderlich. 27. bt. 7 Uhr bei Leher, Ropenhagener Str. 87, Ronferenz der Funktio näre und Betriebsvertrauensleute mit den geladenen Genossen. 29. Abt. 7 Uhr, Schulaula, Senefelderstr. 6, Mitgliederversammlung. Be richt vom Begiristag. 128./130. Abt. Paulow. Das Londoner Schlußprotokoll. Das Ergebnis der Londoner Konferenz liegt in einem Aftenstüd vor, das 93 Seiten umfaßt. Es enthält ein kurzes Schlußprotokoll, unterzeichnet von dem Vorsitzenden Macdonald, in dem er feststellt: besetzten Gebieten vor dem 11. Januar 1923 ausgeübt haben hinsicht lich der Verwaltung der Zölle und Abgaben, des Außenhandeis, der Forsten, der Eisenbahnen( unter den besonderen Bedingungen des Artikels 5) und ganz allgemein hinsichtlich aller anderen Zweige „ daß alle beteiligten Regierungen sowie die Reparations- der wirtschaftlichen und fistalischen Verwaltung. Die oben nicht tommission die Annahme dieses Planes bestätigt und seiner erwähnten übrigen Verwaltungen werden in jeder Beziehung a Jugangfehung zugestimmt haben, und daß im Verlauf der Die Formalitäten für die Zulassung oder Wiederzulassung der Uebereinstimmung mit dem Rheinlanda blommen arbeiten. Arbeiten der Ronferenz gewiffe für diese Ingangfehung not deutschen Be a mten werden so gehandhabt werden, daß die Wiederwendige Abkommen zwischen den beteiligten Parteien fest- einsetzung der deutschen Behörden, insbesondere der Zollverwaltung, gestellt oder schon gezeichnet worden sind. Es besteht Ein- in einer möglichst furzen Frist erfolgt. Alles dies ohne andere Beverständnis darüber, daß diese Abkommen, die hier als Anschränkungen, als im Verirag vgn Versailles, im Rheinlandabkomlage angeschloffen und bereits gezeichnet oder( mit Ausnahme der men und in dem Sachverständigenplan vorgesehen. Zeitpunkte, die in dem als Anlage Nr. III angeschloffenen Ablommen 2. Die Rüdgabe aller Bergwerte, Kotereien und anderen vorgesehen und um 17 Tage hinausgeschoben find), als unab- industriellen, landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und Schijfänderlich paraphiert worden sind, wechselseitig vonein jahrtsunternehmungen, die feit dem 11. Januar 1923 von den Be fagungsbehörden in Regie ausgebeutet oder vorläufig g pachiet wor= ander abhängen. Die Vertreter der beteiligten Parteien werden find, an ihre Eigentümer. den am 30. August d. I. in London zusammentreffen, um in einer einzigen Sigung die formelle Unterzeichnung derjenigen Schriftstücke vorzunehmen, die sie betreffen und die noch nicht gezeichnet worden sind. Bei dieser Gelegenheit wird eine beglaubigte Abschrift desjenigen Abtommens, das zwischen den alliierten Regierungen abgeschlossen worden ist, der deutschen Regierung mitgeteilt werden." Dem Schlußprotokoll find vier Anlagen beigefügt: 1. Abkommen zwischen der deutschen Regierung und der Reparationsfommiffion. J Es enthält zunächst die gegenseitige Verpflichtung, alle geeig neien Maßnahmen zu treffen, um den Plan der Sachverständigen in Wirksamkeit zu setzen und sein dauerndes Funktionieren zu Montaental Repernid. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant Besener. fichern sowie die Abmachung über die Einrichtung des Schieds7 Uhr Borftandsfigung im Jugendheim, Breite Straße. 1 8 Uhr Funktionärtonferenz ebenda. Bichtige Tagesordnung. Erscheinen, aller Mitglieder ist Pflicht. gerichts. Es folgen Bestimmungen über die Haushaltszahlungen und zusäßlicher Haushaltszahlungen, die den Anlagen zum Guttea, ben 22. Auguſt, 8 Uhr, 29. Filmvorführung in der Treptower Stern- achten entsprechen, ferner technische Bestimmungen über die Aufsicht über die verpfändeten Ausgaben. 101. mab 102. Abt. Treptow und Baumschulenweg. Bildungsausschuß! Freiwarte: Bolifufcita"( nach Tolstois gleichnamiger Rovelle). Eintritt int Borverkauf 50 Pf., an der Abendbasse 60 Pf. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin C. 2. Raifer- Wilhelm- Straße 46 TII. Rameradschaft Königswusterhausen". Mittwoch, den 20. August, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Restaurant zum Funterberg( Inhaber B. Behm), Berliner Str. 18. Kamerabschaft ,, Tempel. hof". Donnerstag, den 21. August, um 17 Uhr Baden im Geebab Marienbarf. Donnerstag, den 28. Auguft, Bersammlung in der Linde", Berber, Ede Friedrichstraße. Rameradschaft 17( Lichtenberg und Friedrichsfelbe). Donnerstag, den 21. Auguſt, Antreten abends 7½ Uhr Bahnhof Lichtenberg: Friedrichsfelde. Die gesamte attive Mannschaft hat anzutreten. Ramerad fchaft 17( Karlshort). Donnerstag, den 21. August, Antreten Uhe Bahn hof Friedrichsfelde Oft. Bollzähliges Erscheinen Pflicht. Jugendkamerabschaft Wilmersdorf". Freitag, den 22. Auguft, abends 7% Uhr, Turnabend in Ner Turnhalle der Oberrealschule, Wilmersdorf am Seepart( Ede Augustatrake). Rameradschaft Spandau". Donnerstag den 21. Augufi, abends 8 Uhr, Rameradschaftsversammlung im Bittoriasaal, Grunewaldstr. 9. Republikaner als Gäste willkommen. Reichsbund ber Kriegsbeschädigten, Ariegsteilnehmer und Kriegerhinter. bliebenen, Ortsgruppe Neukölln, Mittwoch, den 20. August, abends 7 Uhr, in der..Berliner Rindl- Brauerei", Sermannftr. 214-219, Mitgliederversamm Tung. Tagesordnung: Grundsägliche Fragen der Organisation." Am Montag. c. 25. Auguft, abends 7 Uhr, im Ideal- Rafino".( Inhaber Georg Moser) Weichselftr. 8eine Hinterbliebenenverfammlung. Gahr wichtige Tagesordnung. 2. Bereinbarung zwischen den alliierten Regierungen und der deutschen Regierung über das Abkommen zwischen der deutschen Regierung und der Reparationsfommission. In dieser Bereinbarung wird zunächst die Zusammen jegung des Schiedsgerichts geregelt. Danach sollen alle Meinungsverschiedenheiten mit der Reparationsfommission und Deutschland über die Auslegung des Abkommens des Dawes- Planes oder der deutschen Durchführungsgesetzgebung der Entscheidung von drei Schiedsrichtern unterliegen. Der eine der Schiedsrichter wird durch die Reparationsfommiffion, der andere durch die deutsche Regierung, der britte entweder durch Bereinbarung beider oder mangels einer Bereinbarung durch den Präsidenten des ständigen Internatiomalen Gerichtshofes ernannt. Diese Vereinbarung enthält ferner die Bestimmungen über das Uebertragungsfomitee( Transfer) fomie über die Sachlieferungen. 3. Abkommen zwischen den alliierten Regierungen und Deutschland. 4. Abkommen zwischen den alliierten Regierungen. In diesem Abkommen werden die Aenderungen des Bertrages von Versailles festgestellt, die durch den Eintritt eines Bürgers der Bereinigten Staaten von Amerita in die Reparationstommiffion notin Steglig. Der Vorbereitungsunterricht, jeben Donnerstag im Jugendheim, wendig wird. Dies Abkommen enthält ferner folgende Bestimmung über die Regelung von Ganttionen: Gemeinschaft proletarischer Freidenker, Steglih. Freibenter- Augenbweihe Anienhofstraße. uon 4% bis 5 Uhr. Beginn amt Donnerstag, den S. Auguft für alle Rinder vom 10. bis 14. Lebensjahre. Lehrerin und Weiherednecin Genoffin Dr. Arische. Anmeldungen bortfelbft. eellA Sport. V. Rhön- Segelflug- Wettbewerb 1924. In der Nacht vom Sonntag zum Montag fegte ein Sturm über die Wasserkuppe, der eine Windstärke bis 23 Meter in der Sefunde erreichte. Wirtlich kein Fliegerwetter! Ein Wunder, daß die Lager stadt und die Zelte standbielten. Um so eifriger ist man mit der Innenarbeit" beschäftigt. Ueberall wird gebastelt, gehämmert, gestrichen, gearbeitet. Wenn dieser Sturm, der auch noch tagsüber mütet, aufhört, gibts wohl Regen. Der Himmel er ist bei 950 Meter Höhe sehr nah- ist voll schwerer, fdywarger, dicer Regenwolken. Ein Gang durch die Zeltstadt im Vergleich mit den bisher erreichten Flugleistungen gibt zu denken Anlah. Segelflugzeuge, vor zwei Jahren erbaut, sind heute eigentlich noch vollkommen modern. Ein Zeichen, daß ein gewiffer Normaltyp un= bedingt erreicht ist und sich in den Jahren vorher bewährt hat. Die beiden zur Strede gebrachten Segelflugzeuge Belifan" und Efpenlaub V" mahnen, sich im weiteren Fortschreiten der Ronstruktion vor dem schweren Fehler der„ lleberzüchtung zu bewahren. Er würde sich sonst bitter rächen. Man denfe zurüd on den Freiballon, der durch Einführung der Reißbahn durch Groß in vollendeier Bollkommenheit dasteht. Beim Barsevaischen Drachen feffelballon ist es ebenso. Alle Neuerungen bewährten sich nicht, die erste alte Form war und blieb der Standardtyp. Die geringe Gewichtszunahme bei erhöhter Materialzuverlässigkeit steht in feinem Berhältnis zu den Borteilen der dadurch bedingten größeren Sicherheit des ganzen Apparates, zumal für das Leben des Führers. Es mag beachtet werden: jeder Flug, beansprucht das Flugzeug und fein Material. Es leidet aber noch mehr durch die Unterbringung in Zelten. Zelte sind Notbehelf. Die Segelflugzeuge hier oben aber haben bei solcher fast wider natürlichen Wetterlage unmenschlich gelitten. Recht bedauerlich, daß die große Halle zum 1. Auguſt nicht fertig wurde. Rennen zu Grunewald am Dienstag, den 19. Auguft. 1. ennen. 1. Quaria( Dalenburgs), 2. Theofrit( E. Krüger), 3. Dalberg( Hartmannshonn). Toto: 375: 10. Plat: 45, 18, 21: 10 Ferner liefen: Eichlaße, Wartburg, Dft- Expreß, Rojebant. 2. Rennen. 1. Baffe( D. Schmidt), 2. Schneeberg( Mber3), 3. Noderich( H. Braun). Toto: 39: 10. Blak 16, 27, 65: 10. Ferner liefen: Dalt. Gondatlan, Benelope, Champfleuri, Badea, Hochländer, Landdroft, La Mara, Faltenburg, Cebria, Patagon, Kadewitt. 3. Rennen. 1. Stromer( D. Schmidt), 2. Wythia( 3immermann), 3 Gralsritter( E. Lüneberg). Toto: 21:10. Blag: 13, 23, 22: 10. Ferner lieten: Rheinland, Fliegender Fuchs, Wetterstein, Augulimala, Moosrofe, Tornado, Kurfürst, Panter. 4. Rennen. 1. Verifies( F. Kasper), 2. Sampelmann( D. Schmidt) 3. Claudius( Korb). Zoto: 21: 10. Plak: 10, 10: 10. Ferner llefen: Rotung, Erzelfior. Artifel 2. Entsprechend den Bestimmungen des Planes der Sachverftändigen werden Ganttionen hinsichtlich Deutschlands auf Grund des§ 18 der Anlage II zu Teil VIII( Reparationen) des Bertrages von Bersailles nur dann ergriffen werden, wenn unter den Voraussetzungen jener Anlage in ihrer durch das gegenwärtige Abkommen abgeänderten Faffung eine Richterfüllung im Sinne des Abschnitt III des Teiles. I des Berichts des Sachverständigenausscuffes festgestellt worden ist. im Bewußtsein ihrer gemeinsamen Berantwortlichkeit für ihre In diesem Falle werden die Regierungen die Signatarstaaten eigenen Intereffen und für die Interessen der Privatpersonen, die zum Zwede der Ingangfeßung des Planes Geldmittel vorgefchoffen baben, unverzüglich miteinander ins Benehmen treten, um die Art der anzuwendenden Sanftionen zu bestimmen und um sie so durchzuführen, daß fie schnell und wirfiam find. 3. Die Zurückziehung der besonderen Stellen, die zur Ausbeutung der Pfänder geschaffen worden sind. und die Aufhebung der Requisitionen, die für den Dienst dieser Stellen erfolgten. 4. Die Aufhebung der Beschränkungen des Per ionen, Güter- und Wagenverkehrs, vorbehaltlich der Bestimmungen des Rheinlandabkommens. 5. Die Alliierten werden, ganz allgemein, um in den besetzten Gebieten die fiskalische und wirtschaftliche Einheit Deutsch= lands zu sichern, die Hohe Interalliierte Rheinlandfommission veranlassen, vorbehaltlich der Bestimmungen des Rheinlandabfomumens, eine Berichtigung der von dieser Kommission seit dem 11. Jas muar 1923 erlassenen Verordnungen vorzunehmen. Artikel 3. Die französische und die belgische Regierung verpflichten sich, innerhalb 14 Tagen nach dem Zeitpunkt der zweiten Feststellung ( d. b. zum 5. Oftober 1924) tas in Artikel 1 für die Wiederherstellung der fiskalischen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands aufgestellte Programm durch zuführen. Sie werden die Revarationsfommission von dieser Durchführung in Kenntnis feßen. Die Feststellung, daß das Programm voll ausgeführt ist, wird von der Reparations tommission getroffen werden. Die französische nd die belgische Regierung werden am 23. August 1924 die Erhebung von Abgaben an der östlichen 3ollgrenze( d. h. land) einstellen. Am 3. September, und wenn möglich früher, weran der Zollgrenze zwischen dem besetzten und unbesehien Deutschden die alliierten Behörden, soweit wie möglich, die Hemmungen des Personen-, Güter- und Wagenverkehrs seit dem 11. Januar 1923 einschränken, besonders zwischen dem besetzten und unbesetzten Deutschland. Innerhalb desselben Zeitraums wird die östliche Zollgrenze beseitigt. Die Steuern und Abgaben im belegten Gebiet merden denen im unbefekten Gebiet gleichgestellt. Artikel 5. Das Ende der Regie. Auf die zweite Feststellung hin( 20. September 1924) wird das Eisenbahnnez des Reiches der im Eachverständigenplan vorgesehenen neuen Gesellschaft übertragen. Von diesem Zeitpunkt triebenen Strecken auf die genannte Gesellschaft übergehen. 14 Tage ab wird der Betrieb aller jet von der deutschen Reichsbahn be= nach der zweiten Feststellung( 5. Oktober 1924) werden die jetzt von der Regie betriebenen Streden für Rechnung der Gesellschaft unter dem Eisenbahnorganisationskomitee betrieben werden. Artikel 7. Die Amnestie. Um eine gegenseitige Befriedung berbeizuführen und um, soweit als möglich, tabula rasa mit der Bergangenheit zu machen, sind die alliierten Regierungen und die deutsche Regierung über die nachstehenden Bestimmungen übereingefommen. Dabei besteht Einverständnis darüber, daß hinsichtlich etwaiger fünftiger Gea fchehnisse die Gerichtsbarkeit und Gesetzgebung Deutschlands, namentlich in Ansehung der Staatssicherheit fowie die Gerichtsbarkeit der Bejagungsbehörden, namentlich in Ansehung ihrer Sicherheit, ihren normalen Lauf gemäß dem Friedensvertrag und dem Rheinlanbabkommen nehmen werden. Das Abkommen zwischen den alliierten Regierungen mit Beziehung auf die Ereignisse während des bezeichneten Zeitund Deutschland. Wir lassen im folgenden die wesentlichsten Bestimmungen des grundlegenden Abkommens folgen. Es gliedert sich in elf Artifel und enthält Bestimmungen über die deutschen gesetz geberischen Maßnahmen, die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands, die Regelung der deutschen Zahlungsverpflichtungen, die Aufhebung der Eisenbahnregie, die Wiederherstellung der Gerichtsbarkeit und Gesetzgebung Deutschlands im befeßten Gebiet sowie über die Amnestie. Artikel 1. Die deutsche Gejezgebung. A. Der Sachverständigenplan vom 9. April 1924 wird mit Ausnahme der von den alliierten Regierungen zu treffenden Maßnahmen als in Gang gefett betrachtet werden, wenn die Reparations: fommission erklärt hat, daß die von ihr in ihrer Entscheidung Nr. 2877 ( 4) vom 15. Juli 1924 festgesetzten Maßnahmen durchgeführt find, nämlich: 1. Daß Deutschland die folgenden Maßnahmen durchgeführt hat: a) Die Annahme der für tas Funktionieren des Planes erforderlichen Geseze in der von der Reparationsfommission gebilligten Form durch den Reichstag und ihre Berkündung. in b) Die für das ordnungsmäßige Funktionieren erfolgte fegung aller in dem Plane vorgesehenen Ausführungs. und leberwachungsorgane.. c) Die endgültige Errichtung der Bant und der deut schen Reichsbahngesellschaft gemäß den Bestimmungen der betreffenden Gefeße. d) Die llebergabe der Zertifikate für die Eisenbahnschuldverschreibungen und der entsprechenden Zertifikate für die Industrieschuldverschreibungen, wie sie sich aus dem Bericht des Organisationsfomitees ergeben, an die Treuhänder. 2. Daß Verträge abgeschloffen worden find, welche die Zeich nung der achthundert Millionen Goldmartanleihe Sachverständigenbericht enthaltenen Bedingungen erfüllt worden sind. Sohelicherstellen, sobald der Plan in Gang gesetzt ist und alle in tem 5. Rennent. 1. Perimede( D. Schmitt), 2. Allotria( Frangle), 8. Domglode( E. Lüneberg). Toto: 51: 10. Blat: 17, 44, 28:10. Ferner liefen: Troja, Brinzeß Friedel, Gludsstunde, Morgenpost ,. Hohe Sonne, Bertrau mal, Bermala, Livadia, Idol. 6. Sennent. 1. Döberitz( Teichmann), 2. Japs( Saager), 3. Bergleich( D. Schmidt). Toto: 29: 10. Blas: 12, 16, 11: 10. Gerner liefen: Mundschent, Belladone, Merovinger II, Habanera, Abwehr. 7. Rennen. 1. Barioli( H. Janto), 2. Ilberstedt( Jenisch), 3. Gripsholm( Raftenberger). Zofo: 61: 10. Play: 19, 48, 17: 10. Ferner Hefen: Mumpig, La Braise, Dioscur, Perficus, Thrain, Lamaoral, Bietnik. Wetter für Berfin und Umgegend. Fortbauer des unbeständigen und ziemlich fühlen Wetters mit Regenschauern. Für Deutschland. In ganz Deutschland weilerhin unbeständiges Better. B. Die fistalische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands wird gemäß dem Sachverständigenplan als wiederhergestellt angesehen werden, wenn die Alliierten folgende Maßnahmen getroffen haben: Wiederherstellung der Wirtschaftseinheit. 1. Die Beseitigung aller Beschränkungen der deutschen fistalischen und wirtschaftlichen Gesetzgebung seit dem Die Wiedereinsehung der deutschen 11. Januar 1923. Behörden mit den uneingeschränkten Befugnissen, die sie in den 1. Niemand dorf unter irgendeinem Bormand verfolgt, beunruhigt, belästigt oder einem materiellen oder moraliichen Nachteil unterworfen werden, sei es wegen einer Tat, die in der Zeit zwischen dem 11. Januar 1923 und dem Inkrafttreten des gegenwärtigen Abkommens in den besetzten Gebieten ausschließlich oder überwiegend aus politischen Gründen begangen worden ist, sei es megen feines politischen Berhalfens in jenen Gebieten während der angegebenen Zeit, sei es wegen feines Gehorsams oder seines Nichtgehorsams gegenüber den Befehlen, Ordonnanzen, Berordnungen oder Anordnungen, die von den Bejagungsbehörden oder den deutschen Behörden raums erlassen worden sind, sei es endlich wegen seiner Beziehungen zu jenen Behörden. 2. Die allierten Regierungen und die deutsche Regierung werden alle Berurteilungen und Strafen aufheben, die wegen der vorstehend bezeichneten Handlungen zwischen dem 11. Januar 1923 und dem Inkrafttreben des gegenwärtigen Abtommens von den Gerichten oder Verwaltungsbehörden ausges sprochen worden sind. Es besteht Einverständnis darüber, daß die von Gerichten oder Berwaltungsbehörden erkannten Geldbußen und Geibstrafen, die bereits gezahlt find, nicht zurückgezahlt zu werden brauchen. 3. Die Bestimmungen der§§ 1 und 2 finden keine Anwendung auf Verbrechen gegen das Leben, die den Tod herbeigeführt haben. der§§ 1 und 2 vorgesehene Amnestie fallen und die gegenwärtig 4. Die Straftaten, die nicht unter die in den Bestimmungen infolge der Einrichtung besonderer, nach diesem Abkommen zu beseitigender Dienstzweige der Gerichtsbarkeit der Besakungsbehörden unterworfen worden sind, sollen von der deutschen Gerichtsbarkeit übernommen werden. 5. Die beteiligten Regierungen werden, und zwar jede, soweit es sie angeht, die erforderlichen Maßnahmen treffen, um die Durchführung dieses Artikels sicherzustellen. Gegebenenfalls soll diese Lurchführung von den beteiligten Regierungen im Wege der Verständigung und, falls es angebracht erscheint, durch gemischte. im gegenseitigen Einverständnis zu bildende Kommissionen geregelt werden: Artikel 10. Schiedsgericht. Alle Meinungsverschiedenheiten, die sich zwischen den allierten Regierungen oder einer von ihnen auf der einen Seite und Deutschland auf der anderen Seite wegen des vorläufigen Abt om mens erheben tönnten, sollen, wenn sie nicht durch Verhandlungen beigelegt werden können, dem Ständigen Internationalen Gerichtshof vorgelegt werden. Neue Schuhpflege! Wenn Sie auf elegantes Aussehen Ihrer Schuhe Wert legen, so dürfen Sie nicht Unmassen farbiger, harziger, unangenehm riechender Schuhcreme auftragen. In wenigen Tagen ist das empfindliche Leder unansehnlich, wird brüchig und hart. Benutzen Sie deshalb die farblose überfettete wohlriechende Edelcreme Tuberan. 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Erwähnenswert ist hierbei, daß für die Konfektion als hervorragenden Faktor im Bekleidungsgewerbe die Soison in diesem Jahre fehr spät eingesetzt hat. Das ist ohne weiteres mit auf die bekannten wirtschaftlichen Schwierigkeiten zurückzuführen, die einerseits in der Hauptsache in der Kapitalnot und deren Begleitumständen und andererseits in der sehr vermin derten Kauftraft weiter Bevölkerungskreise zum Ausdrud tommi. Auch die Konfettion dürfte deshalb, mie alle anderen in Betracht kommenden Industrien, wenig geneigt sein, Lagerarbeit in größerem Umfange vorzunehmen. Das Baugewerbe, welches für einige Berufe immer noch einen guten Geschäftsgang aufweist, dürfte auch den anderen Berufen, insbesondere den Zimmerern, Stucateuren und Töpfern weit bessere Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, wenn auch nicht hier dieselben Hemmungen wirfen würden. Auch das Gastwirtsgewerbe zeichnet sich durch äußerst geringe Bermittlungstätigkeit aus, obwohl die Witterungsverhältnisse immerhin günstig waren. Es waren 99 552 Personen bei den Arbeitsnachweisen = eingetragen gegen 98 282 der Vorwoche. Darunter befanden sich 69 879( 68 998) männliche und 29 673( 29 284) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 30 921( 30 060) männliche und 5972( 5506) meibliche, insgesamt 36 893( 35 566) Personen. Die Zahl der zu gemeinnügigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 1464 gegen 1524 der Borwoche.. frage. Für die Landwirtschaft war eine gute Vermittlungstätigfeit vorherrschend. Nach Landschaftsgärtnern bestand eine rege NachDie Industrie der Steine und Erden zeigt nur ganz geringe Aufnahmefähigkeit. In der Metallindustrie ist ein weiteres a chlassen des Kräftebedarfs zu verzeichnen. Nach bereits erfolgter Enilaffung von Arbeitskräften versuchen jetzt die Firmen durch Einlegen von Feierschichten über die Krisis hinweg zukommen. Für Heizungsrohrleger besteht zurzeit eine günstige Konjunktur. Im Spinnstoffgemerbe besteht Nachfrage nach Sadnäherinnen und Stopferinnen für Maschinenstickerei und Strickerel, dagegen bieten fich für männliche Kräfte nur geringe Beschäftigungsmöglichkeiten. In der Zellstoff- und Papierher= Hühneraug auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl" mit Filzring. 99 stellung und verarbeitung ist die Lage nach wie vor äußerst ungünstig. Die Lederindustrie und Industrie lederartiger Stoffe verzeichnet eine geringe Befferung in allen Branchen. Die Meldung offener Steller für das Holz- und Schnitstoffgewerbe hat sich etwas erhöht. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit ist jedoch nicht zum Stillstand gekommen. Im Nahrungs- und Genußmittelgewerbe blieb der Beschäftigungsgrad gering. Nur Pacerinnen für die Zigarettenindustrie fonnten in größerer Zahl vermittelt werden. Im Bekleidungsgewerbe verstärkte sich die Nachfrage nach Arbeitsfräften für Ronfektionsarbeit. Das Baugewerbe bot Maurern, Dachdeckern und Malern gute Beschäftigungsmöglich feiten. Für die übrigen Gruppen blieb die Nachfrage gering. Im Vervielfältigungsgewerbe ist eine ungünstige Geschäftslage vorherrschend. Für die Gruppe Lohnarbeit wechselnder Art ist die Arbeitsmarktlage einschließlich für Jugendliche nach wie vor ungünstig. Für Handels- und Bureauangestellte ist die Unterbringung bei der ungünstigen Geschäftslage äußerst schwierig. Bei der großen Zahl Stellensuchender besteht nur vereinzelte Nach frage. Auch für die technischen Berufe bieten sich nur ganz geringe Unterbringungsmöglichkeiten. Die Arbeitslosigkeit ist in ständigem Steigen begriffen. pi Goldbilanzen und Börsenhandel. Die Zulassungsstelle der Berliner Börje beröffentlicht im Hinblick auf§ 6 der zweiten Verordnung zur Durch führung der Verordnung über Goldbilanzen Richtlinien, die fie bis auf weiteres innezuhalten beabsichtigt.bando Darin heißt es u. a.: Das für den Handel an der Ber liner Börse erforderliche Mindest grundtapital beträgt nach der Umstellung auf Goldmart bei Gesellschaften, deren Aktien bereits zugelassen waren, 200000 Goldmart, bei Gesellschaften, von denen Aktien bisher nicht zugelassen waren, 500 000 Goldmart. Ein unter die Aktiven eingestelltes Kapitalentwertungs. fonto bleibt hierbei außer Ansatz. Die Kapitalumstellung auf Goldmark gilt nicht als Konvertierung im Sinne des Börsengesetzes. Eine Neuzulassung zum Börsenhandel ist jedoch notwendig, wenn das zugelassene Gesellschaftsfapital in einem stärteren Verhältnis als 50 3 u 1 ermäßigt worden ist, wenn ferner eine 3uzahlung gefordert wird, es sei denn, daß die Zuzahlung nur zur Erzielung runder Aftiennennbeträge dient und nicht mehr als 5 Proz. beträgt, sowie wenn unter die Aktiven ein Kapitalentwertungstonto eingestellt ist. Wenn eine Neuzulassung zum Börsenhandel nicht notwendig ist, haben die Gesellschaften aus Anlaß der Umstellung im Reichsanzeiger und in einer in Berlin erscheinenden Börsenzeitung die wesentlichen Merkmale der Umstellung bekanntzumachen, worüber eingehende Borschriften erlassen sind. Die 26 prozentige Reparationsabgabe in England. Es hat berechtigtes Aufsehen erregt, daß England noch während der Londoner Konferenz den Beschluß faßie, die Abgabe von 26 Proz. auf die Einfuhr deutscher Waren wieder einzuführen. Diese Abgabe verdankte ihre Entstehung dem Londoner Ultimatum und sollte s. 3t. aus der deutschen Warenausfuhr einen Teil der Reparationszahlungen fidher stellen. Sie ist nun trotz der neuen Regelung durdy ben Dawes- Plant wieder in Kraft gefekt worden, nachdem die Regierung Macdonald fie feit längerer Zeit auf 5 Proz ermäßigt hatte. Man sah in dem Beschluß der britischen Regierung einen Schlag gegen die deutsche Ausfuhr, deren Förderung eine der hatte. Grundvoraussetzungen für die Erfüllung des neuen Londoner Battes ift. Tatsächlich scheinen für die Wiedereinführung des hohen Sonders rlles auf deutsche Waren politische Gründe vorgelegen zu haben. Jedenfalls erwachsen der deutschen Ausfuhr daraus feine unmittelbaren Nachteile. fährt, wird dafür Borsorge getroffen werden, daß die deutschen Engs Wie nämlich der Zentralverband des deutschen Großhandels er landerporteure auch in der Zwischenzeit, d. h. bis zu dem Zeitpunkt, wo der Ertrag der 800- Millionen- Mort- Anleihe auf Grund des Dawes- Blanes Deutschland zugute kommt, durch die Wiedereinführung Schäden infolge Einbehaltung eines Teiles des Raufpreises in der 26proz. englischen Reparationsabgabe eine finanziellen England erfahren, die evtl. dadurch entstehen könnten, daß eine Zeitlang der Reparationsfonds, aus welchem fünftig die obige Abgabe zu erfegen wäre, noch nicht über die hierzu nötigen Zahlungsmittel verfügt. Wenn auch finanzielle Schädigungen anläßlich des Rücks erstattungsverfahrens nicht zu erwarten sind, so bleibt immerhin noch die unerfreuliche, indirekte Schäden in sich schließende Tatsache bestehen, daß einmal aus technischen Gründen eine gewiffe Verzögerung in der Rückerstattung der hohen Abgabe entstehen wird, und daß sich weiterhin die englischen Abnehmer den umständlichen, beim Bezuge deutscher Waren notwendigen Reparationsgutscheinverfahren, dessen Beseitigung von allen deutschen und auch von vielen englischen Firmen erhofft wurde, nur ungern unterziehen. Deutsche Jaduftrie in Ungarn. Vor einiger Zeit hatte sich ein Stonfortium, bestehend aus der Kunstseidenfabrit Schwepingen G. m. 5. 5. und der Diskontogesellschaft auf deutscher Seite, sowie aus der Ungarisch- Allgemeinen Kreditbank und der Ungarischen Estompte und Wechsel- Bant auf ungarischer Seite gebildet, das die Gründung einer Kunstseidenfabrik in Magyarovar( Ungarisch Altenburg) betrieb. Wie der„ Konfektionär" erfährt, liegen bereits jezt vor der Fertigs stellung schon umfangreiche Aufträge für das Werk vor, so daß die Betriebsaufnahme beschleunigt werden muß und noch im Laufe dieses Jahres erfolgen wird. BIND Drei Türken New Zwei 3 GRAND ganz hervorragende PHANOMEN ZIGARETTEN Die kommende Sensation Berlins: Grösste Schaustellung des Kontinents Ein Musterbeispiel deutschen Wiederaufbaugeistes KRONE Theater Große Volksoperim Theater desWestens Lichtfpiele 8 Uhr: Mignon( Sommer-) GREW. Staats- Theater Opernhaus 7 U.: Die lustigen Weiber Opernhaus am Königsplatz Geschlossen Volksbühne Tägi. 8 Uhr: Geisha Deutsch. Theater Sommerspielzeit Direktion: Staab und Gernar Tagl. 8 Uhr: MaxAdalbert u.Max Landa in Clubleute Kammerspiele Sommerspielzeit Direktion: Staab and Garner Tägl. 8 Uhr; Das Zeichen an der Tür SCALA & Uhr: Internat. preise ULAP amLehrter Bahnhof Vergnügungspark Täglich ab 4 Uhr voller Betrieb Eintritt 60 Pfennig einschließl. Frei- Varieté mit Ausnahme der Sitzplätze 8 Uhr Das große 8 Uhr Schlager- Programm im Frei- Varieté Lessing- Theater Reichshallen-Theater Täglich 8 Uhr: Wieder täglich: Die große Bevue: Stettiner VARIETE Wien gin acht! Sänger Anfang 8Uhr Th.i.Admiralspalast Ueb.150Mitwirkende Dönhoff- Brettl Vo bereit. d. neuen Geschlossen wegen 8 U. Trianon- Theat Reichshallen- Saal und Garten) großen Revue Der Teufelsadvokat Gr. Spezial.- Progr 994 64 Noch und Noch Casino- Theater Intimes Th. 8 U. Täglich 8 Uhr: Gasts, Künstlersp. Das erstkl. bunte Progr. Alb/ Nachtlichter Befehl Zum Schluss: Der Eröffn.- Schlag. Metropol- Theater Muß Liebe schön sein! 8U.:D.Weltschlager Komödie in 4 Auiz. Mascottehen Volkstuimi. Preise Tribune& Uhr: Dr. Stieglitz Ebelsbacher/ Lobe Eine tolle Sache Wallner- Theat. Täglich 8 Uhr: Der ungetreue EckehartSchwank in 3 Akten von Hans Storm Rose- Theater 8 Uhr: Johannisfeuer Gartenbühne 71/2: Glücksschulze Theat.a.Kottbus.Tor Anf.7%, Sonnt.51/ 2U. 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