Nr.392 41.Jabegong Ausgabe A r. 200 Bezugspreis: Böchentlich 70 Golbpfennig, monatlic 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar? pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Beit" mit„ Sied. lung und Kleingarten. fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblaft 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 1.- Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Morte), febes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Mort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen fir zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten 8eile 0,30 Goldmart. Cine Goldmark ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nacm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2307 Donnerstag, den 21. August 1924 Entscheidung bis zum 28. Auguft. Die Beschlüsse des Aeltestenausschusses. Der Aeltestenausschuß des Reichstages beschloß am| gegenüber, wie bekannt, die schärffte Kampfstellung einnehmen, daß Mittwoch, das Plenum auf Freitag 3 Uhr nach fie aber dennoch der Regierung eine Reihe von Fragen vorlegen mittags einzuberufen. Auf der Tagesordnung dieser Sigung steht nur die Entgegennahme einer Regierungsertlärung. Voraussichtlich werden neben dem Reichstanzler noch die Minister Dr. Stresemann und Dr. Luther sprechen. Ueber die weitere Behandlung der Vorlagen war eine Einigung nicht zu erzielen. Die Deutschnationalen und Kommuni ften wollen auch Sonnabend tagen. Die Mehrheitsparteien aber wollen folgende Regelung durchsetzen. Der Sonnabend bleibt fizungsfrei, am Montag wird die erste und zweite Beratung der Borlagen erledigt. Die dritte Beratung ist am Mittwoch, und am Donnerstag würde die entscheidende Schlußabstimmung werden.. vorgenommen Der auswärtige Ausschuß hat die Vorberatung der verschiedenen mit dem Dawes- Gutachten zusammenhän genden Vorlagen vorzunehmen. Die Vertraulich leit feiner Beratungen wird aufgehoben, eine Auswechslung der Mitglieder ist zulässig. Der auswärtige Ausschuß wird am Donnerstag, Freitag und Sonnabend dieser Woche, wenn es nötig sein sollte, auch am Sonntag tagen, um der Plenarfizung am Montag die umgestalteten Gejegentwürfe vorlegen zu können. Am Montag würde also erst die politische Aus prache beginnen. Als den äußersten Termin für die Endabstimmung nimmt man Donnerstag, den 28, August, in Aussicht. Die Deutsch nationalen waren in der Aeltesten ausschußsizung durch nicht einen einzigen ihrer Führer vertreten. Anwesend waren Bruhn, Budjuhn, Schmidt- Stettin, Thomsen, Lambach und Phillip. Es sind also alles fieinere Größen, deren Erklärungen gegebenenfalls von der Fraktion desavouiert werden können. Abg. Bruhn, als deutschnationaler Sprecher, gab sich noch recht fest. Er sagte, feine Fraktion wiffe, was sie wolle, und erklärte, die Wette, die er im Plenum dem Abg. Breitscheid angeboten habe, daß die Deutschnationalen die Gesetze ablehnen werden, erneut wiederholen zu wollen. Im Auswärtigen Ausschuß ist es gestern zu einer entscheidenden Debatte noch nicht gekommen. Reichskanzler Marg, Reichsaußenminister Dr. Stresemann und Reichsfinanzminifter Dr. Luther erstatteten ausführlichen Bericht über den Gang der Lon doner Verhandlungen und deren Ergebnis. Die Vertreter der Barteien beschränkten sich auf Fragen, die von der Regierung beantwortet wurden. Die eigentliche Aussprache wurde auf Donnerstag pertagt. Wie die Telegraphen- Union erfährt, wird der Reichskanzler dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes über die Londoner Konferenz vorlegen. Dieser Entwurf stellt das Mantelgejeh zum Condoner Schlußprotokoll dar. Das Mantelgefeh hat folgenden Wortlaut: § 1. Den in den Anlagen des Schlußprotokolls der Londoner Konferenz vom 16. August 1924 enthaltenen Vereinbarungen, soweit sie von Deutschland bereits unterzeichnet sind, oder nach Maßgabe des Schlußprotokolls am 30. August 1924 unterzeichnet werden sollen, wird zugeffimmt. Das Schinhprotokoli nebit feinen Anlagen wird nachstehend veröffentlicht. § 2. Der Reichsminister der Finanzen wird ermächtigt, 800 millionen Goldmark im Wege des kredits flüssig zu machen. § 3. Die Reichsregierung wird ermächtigt, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die in Anlage III Art. I Jiffer A 1'd des Schlußprotokolls erwähnten 3eriifitate für: a) Elf Milliarden Goldmari Schuldverschreibungen der deutschen Reichsbahngesellschaft, b) fünf Milliarden Goldmart Schuldverschreibungen nach Maßgabe des Gesetzes über die Industriebelaffung vom heutigen Tage übergeben werden fönnen. Bei der Ausstellung der Zertifikate wird die Reichsreglerung durch die Reichsschuldenverwaltung vertreten. § 4. Dieses Gefeh tritt mit dem Tage nach der Berkündung in Kraft. Diesem Mantelgefehentwurf iff das Schlußprofotoll mit seinen verschiedenen Anlagen in deutscher, französischer und englischer Sprache beigefügt. Die Kommunisten beim Reichskanzler. Bum Dienstagabend hatte die Reichskanzlei den Vorstand der Kommunistischen Reichstagsfraktion zu einer Besprechung aufge. fordert, in der die Regierung Mitteilungen über das Ergebnis der Londoner Konferenz machen wollte. Die Kommunistische Reichs tagsfraftion entfandte daraufhin Abgeordnete Frau Golte, Raß und Stoeder zu der Besprechung. Die tommunistischen Bertreter erklärten fofort, daß sie dem Sachverständigengutachten möchten. Der Reichskanzler gab daraufhin einen furzen allgemeinen Ueberblick über das Ergebnis der Londoner Verhandlungen. Die Kommunisten erklärten, daß sie die weitere Besprechung von den zwei folgenden Fragen abhängig machen: 1. ob die Regierung bereit sei, die von ihr in London zu gefagte Amnestie der Separatisten auszudehnen auf alle politischen Gefangenen, 2. ob die Regierung bereit sei, zur Erörterung des Ergebnisses der Londoner Konferenz die Preßfreiheit für die kommunistische Bresse wiederherzustellen. Da der Reichskanzler auf diese beiden Fragen hin Erklärungen abgab, die die Fragesteller nicht befriedigten, brachen die kommunistischen Vertreter die Unterredung ab und verließen die Besprechung unter Protest gegen die Regierung. Vorher waren auch die Führer der Nationalistischen Freiheitspartei vom Reichskanzler empfangen worden. Die Regierung hat also mit fämtlichen Fraktionen bes Reichstags Fühlung genommen. Generalabrechnung! Die Deutschnationalen in der Sackgaffe. Die Deutschnationalen erleiden ihre legten Erschütterungen. Heute wird ihre Reichstagsfraktion sich entscheiden. Noch einmal wirken die Kreise der Industrie und des besetzten Gebietes auf sie ein, um sie zur Annahme, zum Umfall, zur Kapitulation vor der unentrinnbaren Logit der Geschichte zu bewegen. Sie greifen zum letzten Mittel der Einschüchterung: Ablehnung heißt Kampf und Niederlage, heißt Ende des Bürgerblockgedankens, heißt Preisgabe der Schutzzollmehrheit, heißt Stärkung der Macht der Sozialdemofratie. Die Furcht vor der Sozialdemokratie soll die rein agitatorisch eingestellten Unentwegten in der deutschnationalen Reichstagsfraktion zur Duldung des Umfalls zwingen. Aber die gewiffenlose Agitation hat ihre Konsequenzen, und Führung und Fraktion der Deutschnationalen werden mitgerissen. Die Agitation des Reichslandbundes zeitigt ihre Früchte. Unter ihrem Drucke bleibt den Deutschnationalen schließlich nur die Ablehnung, die eine Resignation ist. Weil die demagogische Agitation den Deutschnationalen den Rückzug versperrt, weil der Reichslandbund durch die Ablehnung neue Inflation herbeiführen will, soll Deutschland aufs neue ins Ungewisse gestürzt werden! Mit dieser Polilik der Gewissenlosigkeit muß abgerechnet werden! Die Deutschnationalen sind groß geworden durch die Konjunktur der Gewaltpolitik in Europa. Beicht diese Konjunttur, so ist die künstliche Behauptung der Stellung, die sie am 4. Mai erlangt haben, durch Jahre hindurch eine stete Be drohung des herausziehenden Friedens in Europa. Der Kampf um das Ergebnis von London muß Darum zu einer grundsäglichen General abrechnung werden, zu einem Gewitter, das die Atmosphäre in Deutschland reinigt von den drohenden Wolken der Katastrophenpolitik, der inneren Unfreiheit, der Bedrohung der Republit durch die Mächte der Vergangenheit. Wenn die europäische Atmosphäre sich klärt, ist fein Raum und feine Zukunft mehr für eine deutschnationale Konjunkturpartei, fein Raum mehr für einen Reichstag, deffen Zusammensetzung die Befreiung und die Freiheit Deutschlands bedroht. Lehnen die Deutschnationalen ab, dann muß das Bolt entscheiben. Ueber das Ergebnis von London, aber auch über die Zusammensehung des Reichstages! Herriots Mehrheit gesichert. Paris, 20. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) 3m Senat hat am Mittwoch der republikanisch- fozialistische Senator Lemery eine Juferpellation eingebracht. Lemery beabsichtigt, den Nachweis 3n erbringen, daß die Beschlüffe der Londoner Konferenz die logische Folge der vorbehaltlosen Annahme des Dawes- Planes durch Voincaré feien. Die Rechte des Senats ist von ungewöhnlicher Zurüdhaltung. Sie hat bisher keine Interpellation eingebracht. Selbst in den kreifen der Oppofifion gibt man bereits zu, daß Herriot in beiden Häusern auf eine mehr als ausreichende Mehrheit rechnen tönne. In der hammer gilt eine majorität mit mindestens 320 Stimmen als gesichert. Im Senat dürfte sich die Opposition auf die dem Nationalen Blod nahestehende äußerste Flügelgruppe beschränken. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositentasje Lindenstraße 3 Genug! Bon Wilhelm Sollmann. Das Gesetz über die Londoner Konferenz" mit dem Schlußprotokoll und den Anlagen über die Abkommen liegt nunmehr dem Reichsrat und dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages vor. Es wäre leicht, Bände der Kritit gegen diese Dokumente zu schreiben, und es ist nüßlich, manche der Zusicherungen an Deutschland mit dem ar jahrelanger Erfahrung geschulten Mißtrauen zu lesen. Sicher haben die Deutschnationalen mit ihrer Behauptung recht, daß starke Beschränkungen der deutschen Hoheitsrechte auf den verschiedensten Gebieten erfolgen. Gewiß fönnen sich die Kriegstänze der Völkischen und der Kommunisten an der Tatsache zu Berzückungen steigern, daß die internationalen Finanzgewalten zu Kontrolleuren deutschen Verkehrs, deutscher Wirtschaft und deutscher Finanzen merden. Wer von uns hätte es je bestritten, wer es nicht mit tiefster Bitterkeit und quälender Sorge empfunden, ohne daß wir diese Gefühle darum täglich in Beschwörungsformeln von uns gegeben hätten? Das sind Selbstverständlichkeiten. Die Frage, wie wir aus den besetzten Gebieten an die mehr oder minder, Entschlossenheit" mimenden Gegner der Londoner Konferenz zu richten haben, ist die: Welchen anderen Weg habt ihr uns zur militärischen, wirtschaftlichen, politischen Räumung der besetzten Gebiete vorzuschlagen? Helfferich pflegte auf folche Frage zu antworten: Das weitere wird sich entwideln". Einmal, nach dem rechtswidrigen Einmarsch in das Ruhrgebiet, haben wir mit Entsegen beobachtet, was sich entwickelte": der Opfergeist und der Heldensinn einiger Hunderttansend, die lieber alles verließen, als ihr Land zu verraten, und hinter dieser großen nationalen Gefte eine stintende fapitalistische Korruption, die zahllosen Dolchstöße gegen die deutsche Währung und die Schieberräusche, während drüben an Rhein und Ruhr Menschenschicksale zerbrachen und die Standrechtskugeln gläubige Herzen zerrissen. Standrechtskugeln gläubige Herzen zerrissen. nahme der Londoner Geseze nicht aufbringt und mithin am Wenn der Reichstag die Zweidrittelmehrheit zur An 30. Auguſt die Unterzeichnung der Abkommen nicht erfolgen fann, find nach den unzweideutigen Erklärungen der deutschen Reichsregierung die bisherigen Londoner Abmachungen hinfällig. Wir fordern von den Gegnern der Gesetze Aufflärung, welchen Weg sie dann zu gehen beabsichtigen. Wollen Sie Konflikte? Wollen sie irgendwelchen neuen Widerstand der Nation? Wollen sie das ganze Gewirr der Verhandlunsei es die geringste Aussicht, daß nach weiteren monatelangen gen erneut aufzurollen beginnen? Haben sie irgendeine und Berzögerungen und Verwüstungen unserer Wirtschaft Günstigeres erzielt werden wird als jetzt die deutschen Unterhändler mitgebracht haben? Die besetzten Gebiete haben ein Recht auf diese Fragen, denn sie wollen und müssen sich davor schüßen, daß parteipolitische Jongleure mit ihnen spielen. Wir richten unfere Fragen nicht an die Narren um Ludendorff, denen, wie ihrem Gögen, Gewiffen und Berantwortlichkeit fehlen. Wir fragen nicht die Kommunisten, von denen niemand mehr als das Herleiern von Gebeten an die Weltrevolution erwartet. Das befehte Gebiet einschließlich der rheinischen Deutschnationalen fragt die diesmal entscheidende deutschnationale Fraktion: Was habt ihr uns zu bieten? Wir sehen hinter eurer Politit, wenn sie ernst gemeint sein sollte, nur neue Bedrückungen, neuen Terror, neuen Separatismus, verschärfte Wirtschaftskrisen, verstärkten fremden Militarismus für die befehten Gebiete. Deutschnationalen ernsthaft das Scheitern der Londoner AbAber es glaubf ja niemand an Rhein und Ruhr, daß die tommen wünschen. Wir sind seit Jahr und Tag überzeugt, daß diese ganze nationale Agitation auf einer ungeheuren Lüge beruht. Wir haben es satt, um dieser elenden Ünwahrhaftigkeit willen, die Willen und Kraft vorzutäuschen versucht, wo nur flägliche Schwäche vorhanden ist, neuen gefährlichen Berwidlungen auszusehen. Jeder nicht fanatisch verrannte Mensch aus dem Rheinlande wird dies bestätigen. Bringen die Deutschnationalen die Londoner Gesetze zum Scheitern, so verhindern sie: die sofortige Befreiung von 900 000 Deutschen von dem Drucke fremder Besatzung, die Aufhebung der Binnenzollinie, das Verschwinden der Eisenbahnregie, die Rückgabe aller jegt in Regie betriebenen Bergwerke, Kofereien, industriellen, landwirtschaftlichen, forst. wirtschaftlichen und Schiffahrts- Unternehmungen, die Aufhebung der Einreiseerschwernisse, die Amnestie der Gefangenen, die Rückkehr von 60 000 Ausgewiesenen, die Wiederherstellung der politischen Freiheiten, wie wir sie wenigstens unter der Geltung des Rheinland- Abkommens gehabt haben, die Beseitigung aller Beschränkungen des Personen-, Güter- und Genf, 20, Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die fünfte Ta- Wagenverkehrs, die allmähliche Verringerung der gesamten gung des Bölterbandes ist nunmehr endgültig auf den 1. Sep- Befagung, die endgültige Erledigung des Separatismus, die fember fefigefeht. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Wiederherstellung der deutschen Berwaltungs- und Justiz Prüfung des Rechenschaftsberichts des Bölterbundsrates, die hoheit im Rahmen des Rheinlandabkommens, die Ueberwinbrüftungsfrage und die Beratung der Inzwischen fertig- bung der allgemeinen Wirtschaftskrisis und damit die Beschäftigeftellten Kommiffionsberichte über Opium- und Mädchenhandel. gung von Millionen Menschen, die jest infolge von ArbeitsTagung des Völkerbundes. losigkeit und Kurzarbeif nicht nur hungern, sondern verfom-| zu brechen scheint, nicht wieder den Gedanken welchen wird, die bisher men und verhungern. Lebte in folcher Stunde nur die Partei in unserem Herzen, so müßten wir sagen: Nur zu! Lehnt die Gesetze ab! Dann aber einen Wahlkampf, fofort, mit allen Kräften auf diese Fragen gerichtet, und die seit Wochen nach dem Zufammenbruch ihrer nationalistischen Ideologie schlotternden Helden würden vom Westen her eine Woge in Bewegung sehen, die dußendweise die Sieger des 4. Mai überfluten würde. Diefer Wahlkampf würde vom befeßten Gebiete her, von neun Zehnteln seiner Bevölkerung, von seinen Provinz, Kreis- und Gemeindevertretungen seine Richtung bekommen. Es soll niemand glauben, daß wir in solchen Wochen dem unbesetzten Deutschland geduldig erlauben würden, auf Kosten unjeres Schicksals in Parteigewäsch zu schwelgen und sich und Unmündige an Phrasenmet zu berauschen. Das besetzte Gebiet, überparteilich, wird sprechen, knapp und klar. Seine Elendsheere, die Opfer Poincarés und seiner deutschen Gegenspieler, werden ausmarschieren und zehnmillionenfach den Schwägern und Lügnern der Deutschen Tage entgegenrufen: Schluß und genug! So würden wir, auch die Sozialdemokraten, begeistert, zornig und siegessicher in den Wahlkampf gehen. Aber Deutschland, seine Wirtschaft und seine Finanzen, würden durch die Berzögerung aufs schwerste geschädigt, und nicht zuletzt würden die Arbeiter, Angestellten und Beamten die Leidtragenden sein. Das besetzte Gebiet blickt auf den Reichstag. Wird er versagen, weil Ludendorff nicht zugeben will, daß Männer feiner Art für immer in Deutschland ausgespielt haben, weil Graefe unfähig ift, sein überreiztes Temperament zu zügeln, weil die wohlunterrichteten und längst zur Erfüllungspolitik befehrten Hergt und Hoeksch sich gegen einige Dußend Dickschädel ihrer Fraktion nicht durchsezen können, weil Ruth Fischer sich in der Rolle einer Soubrette der Revolution gefällt? Ist dies der Geist von mehr als einem Drittel des Reichstages, dann muß er mit Schande und mit Fluch ab treten. Sofort, und ohne daß man erst lange andere Auswege fucht! So will es das besetzte Gebiet, und der Wahltag würde zeigen: so wollte es auch das deutsche Volk, denn es weiß gut genug, daß ihm nur harte Jahre und nicht Verzweiflungsausbrüche den Weg zur Freiheit bahnen. Fragt das besetzte Gebiet! Annehmen!! Mannheim, 20. August.( WTB.) Ueber das Ergebnis der Londoner Konferenz spricht sich die Presse der Pfalz und des Randgebiets, soweit sie dazu Etellung nimmt, ganz überwiegend in zustimmendem Sinne aus. Eine ablehnende Haltung nimmt nur die kommunistische Arbeiterzeitung in Mannheim bzw. Ludwigshafen ein, die den bekannten Standpunkt ihrer Partei vertritt. Die Pfälzische Post" in Ludwigshafen, das Hauptorgan der Sozialdemokratie der Pfalz, begrüßt das Abfommen mit der Begründung, daß der Sperling in der Hand beffer sei als die Taube auf dem Dache. 11 Die demokratische Pfälzische Volkszeitung" in Raiserslautern schreibt: Wer es verantworten zu fönnen glaubt, daß die deutsche Wirtschaft noch länger an Krediten ausgehungert wird abgesehen von der Arbeitslosigkeit unübersehbarer Arbeitermassen, daß Tausende von Eristenzen zugrunde gehen, mag sein ,, Nein" sagen. Wer es verantworten kann, daß große Gebiete und wichtige industrielle Zechen noch länger dem Außenzwange ausgeliefert bleiben, mag es tun und dabei auch bedenken, welche Antwort auf eine Voltsbefragung insbesondere das Rheinland, Westfalen und Baben geben werden. Pfälzische Aehnlich schreibt die bayerisch- volksparteiliche 3eitung" in Speyer: Die Konferenz hat uns im befehten Gebiet von vielem erlöst, und wir haben auch das stärkste Interesse daran, daß der Geist friedlicher Verständigung, der sich nun endlich Bahn Christentum und Menschheitsglaube. Im Anschluß an Armin L. Wegners Artifel Woran sollen wir denn glauben?" entspann sich zwischen ihm und Genossen Pfarrer H. Frande ein Briefwechsel, den wir zur Kenntnis unferer Leser bringen. Genosse H. Frande schrieb: dem Frieden entgegenarbeiteten. Von den Mannheimer Blättern sieht die demokratische Neue Badische Landeszeitung" in dem Ergebnis der Londoner Konferenz einen Fortschritt, den ersten wirklichen Erfolg, der von Deutschland befolgten Erfüllungspolitik. Auch der der Deutschen Volkspartei nahestehende Mannheimer General- Anzeiger" ist der Auffassung, daß die deutsche Delegation einen sichtbaren Erfolg in fachlichen und feineswegs zu unterschäßenden Zugeständnissen in politischen Fragen errungen hat. Das Mannheimer Boltsblatt"( 3entrum) schreibt: Das Ergebnis der Londoner Konferenz ist selbstverständlich nicht danach angetan, daß wir uns in lautem Frohloden ergehen, und doch haben wir allen Anlaß, mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Wir an der Grenze des befehten Gebietes freuen uns aufrichtig mit unseren Brüdern in der Pfalz, am Rhein und an der Ruhr, daß eine Befriedung der Berhältnisse mit begründeten Ausfichten geboten ist und wir haben kein Verlangen nach neuen Santfionen, nach neuen Beschlaguahmungen und Ausweisungen, Berhaflungen, wirtschaftsstörungen mit Arbeitslosigkeit und anderen zahllofen Berelendungen im Gefolge. Köln, 20. Auguft.( WTB.) Die freien Gemertschaften des Kölner Industriegebiets haben am Mittwoch früh an die Regierung und an den Präsidenten des Reichstags folgende Entschließung gerichtet: " Die freien Gewerkschaften des Wirtschaftsgebietes Groß, Köln und umgegend haben von dem Ergebnis der Londoner Ronferenz Kenntnis genommen. Ausdrücklich stellen fie fest, daß eine ganze Reihe von berechtigten deutschen Wünschen nicht erfallt worden sind. Nach reiflicher Erwägung sind sie jedoch der Ansicht, daß das Resultat der Konferenz dennoch die endliche Befreiung von einem zur Unerträglichkeit gesteigerten Drud im rheinisch- westfälischen Wirtschaftsgebiet erhoffen läßt. Wir fordern daher von der deutschen Regierung und vom Reichstag, daß sie mit allem Nachdruck dahin wirken, daß die zur Durchführung des Sachverständigen- Gutachtens erforderlichen Geseze ohne Beit verlust angenommen und die aus der Annahme erwachsen. den Belastungen in gerechter Weise, d. h. nach der Tragfähigkeit der einzelnen Bevölkerungsfreise verteilt werden." Das Bezirkssefretariat des Allgemeinen Deutschen Gewer? schaftsbundes für das gesamte rheinisch- westfälische Gebiet in Düsseldorf hat eine ähnliche Entschließung am Dienstag an die Reichsregierung und an den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund in Berlin gerichtet. Essen, 20. Auguft.( WTB.) Der Vorstand der Effener 3entrumspartei hat zum Londoner Abkommen folgendes Telegramm an den Reichskanzler Marg abgesandt: Ihnen und der Reichsregierung gebührt Dank und Zustimmung, daß in London noch in letzter Stunde eine friedliche Lösung erzielt worden ist. Möge daraus endlich Friede für Baterland und Menschheit er. wachsen." Keinen Kuhhandel mit Rechts! In seiner letzten Sigung vom 18. Auguft hat das Deutsche Friedenskartell, die Spitzenorganisation der Deutschen Friedensbewegung, folgende Entschließung gefaßt, die dem Reichskanzler Dr. Marr übermittelt worden ist: überwältigende Mehrheit für den Paft von Lonbon ergeben wird." Gleichzeitig hat das Deutsche Friedenstartell an den Reichss außenminister ein Schreiben gerichtet, das sich mit der Neubesetzung des Washingtoner Botschafterpostens befaßt. Es wird darin auf die Notwendigkeit hingewiesen, die deutsche Republik im Auslande endlich durch Männer einer neuen Gesinnung vers treten zu lassen. Aus Anlaß der immer wieder auftauchenden Gerüchte, daß der ehemalige Reichskanzler Dr. Cuno wieder im Reichsdienst verwendet werden soll, weist das Schreiben darauf hin, daß irgendeine Randidatur des Mannes, der für die Führung, der deutschen Politik während des Ruhrkampfes und für den Zusam menbruch Deutschlands verantwortlich ist, ein für allemal ausge schlossen sein müsse. Herr Scholem berichtigt. Und eine Antwort darauf. Wir erhielten von Herrn W. Scholem folgende Berichtigung: Auf Grund des§ 11 des Preßgesezes ersuche ich Sie, nachfolgende Berichtigung in der nächsten Nummer des„ Borwärts" zu veröffentlichen, da das Verbot der„ Roten Fahne" mir die Möglichkeit nimmt, im Organ der KPD. auf die Behauptungen zu antworten. Zu den in der Abend- Ausgabe des„ Borwärts" vom 14. August 1914 veröffentlichten Behauptungen über mein Verhalten während des Rapp Putsches in Halle habe ich folgendes zu erklären: 1. Es ist unwahr, daß ich mich bei irgendeiner kleinen Abwehrabteilung, die unter Führung eines militärkundigen Genoffen stand, herumdrückte und verschwand, als eine etwa 10 Mann starte Reichswehrpatrouille ihre Köpfe über den dortigen Bahndamm hervorstedte". Wahr ist vielmehr, daß ich im Einverständnis mit der den Abwehrkampf in Halle gegen die Weißgardisten führenden Streitleitung die im Norden Halles aufmarschierenden proletarischen Freischaren sammelte und in 24stündigem Kampfe gegen die Schupo und die Reichswehr. welche sich in der Infanteriefaserne in Halle verschanzt hatte, führte. Es fämpften auf proletarischer Seite etwa 5-600 Mann, auf gegnerischer Seite mehr als 1000. 2. Es ist unwahr, daß Botwißfi und ich uns irgendwie verkrochen" hätten. Wahr ist vielmehr, daß der seines persönlichen Mutes wegen der gesamten Halleschen Arbeiterschaft bekannte Botwigti an einem anderen Frontabschnitt kämpfte und daß ich ohne Unterbrechung bis zum Ende des Kampfes die Freischaren an der Trothaer Landstraße und am Klaus- und Galgenberg zu Halle führte. 3. Es ist unwahr, daß ich in irgendeiner Berkleidung wieder ans Tageslicht fam. Wahr ist vielmehr, daß ich nach Beendigung des Kampfes ohne jebe Bertleidung mich nach Halle begab. " " W. Scholem. Dazu schreibt uns unser Gewährsmann aus Halle: Ich teile Ihnen mit, daß Sie nicht die geringste Veranlassung heben, von den Mitteilungen über Scholems Rolle als Heerführer in Halle irgend etwas zurückzunehmen. Unsere Darstellung be ruht auf eigenen Angaben Scholems, die er mir am Tage nach der Schlacht bei Trotha" im Beisein zweier Zeugen in der Redaktion gemacht hat. Auf diese Zeugen können wir uns jezt allerdings nicht mehr stüßen, da sie seitdem stramme Kommu nisten" find: Koenen und Kilian. In Puntt 3 hat der tteine Werner wenigstens ein bißchen recht: die Bertleidung er. folgte nicht unmittelbar nach der Retirade vor den 10 Reichswehrsoldaten, sondern erst anderen Tages, als die Kämpfe zu Ende waren und für Scholem Gefahr bestand, ergriffen zu werden. In der Redaktion hat er sich tagelang danach nicht bliden lassen. Was die von Scholem in Punkt 1 angegebenen Zahlen betreffen, so ist dazu zu bemerken, daß das Ver ,, Es gilt die Konsequenzen des Battes von London zu ziehen. Die nächste Konsequenz ist die Annahme der Gesetze zur Ausführung des Dawes- Gutachtens im Reichstag. Diese An nahme darf auf teinen Fall durch inner politische Ronzessionen an die Rechtsparteien verkauft werden, zumal folche Konzeffionen, z. B. auf dem Gebiete der Regierungsumbildung im Reich und in Preußen, innen wie außenpolitisch die verhängnisvollsten Wirkungen hätte. Sollte eins der notwendigen Ausführungsgefeße im Reichstage scheitern, so ersuchen wir die Reichsregierung, durch Aufhältnis mehr als umgekehrt war. 3u Bunft 2 haben alle die lösung des Reichstages das deutsche Volk selbst zur Genossen, die bei den Kämpfen dabei waren, übereinstimmend Entscheidung aufzurufen. Wir fennen die Stimmung in den ausgerufen: Scholem wie er leibt und lebt; feig und Massen genugsam, um zu wissen, daß ein solcher Appell eine frech. S. Kasparet. durch soziale Ungerechtigkeit und Niedertracht verschärft sehen mag, deswegen bin ich Sozialdemokrat. Weil ich aber, um den Emanzipationskampf des Proletariats zu teilen, dem Leben einen Sinn geben muß( an fich ist das Leben mit seinem Widerspruch zwischen Beranlagung und Bestimmung des Menschen vollendete Sinnlofig bemokratie nicht als Gegnerin der Religion, auch nicht als Gegnerin feit!), deswegen bin ich religiös- gläubig. Ich bitte Sie, die Sozialdes chriftlichen Jenseitsglaubens auszuspielen. zu allen Enterbten, Schwachen, Unterdrückten verbindet trotz Um der Gesinnung willen, die mich mit Ihnen in der Liebe des Unterschiedes in den Lebensauffassungen, in denen uns eine des Unterschiedes in den Lebensauffassungen, in denen uns eine Welt trennt, grüße ich Sie in herzlicher Geistesgemeinschaft als 3hr ergebener 5. Frande." Gestatten Sie, bitte, daß ich als chriftgläubiger Sozialdemokrat dem" Glaubensbekenntnis, das Sie im Borwärts" entworfen haben, widerspreche. Darin haben Sie gewiß recht, daß wir an eine Möglichkeit glauben müssen, das, verstlavte Menschengeschlecht aus der Qual und Troftlosigkeit der sozialen Verhältnisse herauszuführen, in das die bisherige„ Entwicklung" es gezwungen hat. Aber Sie versprechen zuviel, wenn Sie die Zeit der Emanzipation als eine vollendete Zeit verheißen. Wir glauben an die irdische Boll- Armin L. Wegner entgegnete darauf: endung", sagen Sie, und Sie nennen es unsere Bestimmung, die? Mein Heiner Aufruf: Boran sollen wir denn glauben?" war Erde zum Hause der Schönheit und Freude zu machen". Wecken nicht der Ausdruck einer parteipolitischen Polemit, sondern im eige Sie damit nicht eine gefährliche Illusion an Stelle der vermeint- nen Namen und im Namen anderer ein persönliches Bekenntnis. lichen Illusion, die Sie im Christentum befämpfen? Als Natur- Sch bekämpfe nicht die Illusion" des Christentums, wohl aber den wissenschaftler muß Ihnen bewußt sein, daß es nicht nur die heuchlertschen Geist seiner Kirche, die mit der Berteidigung des fozialen, sondern daß es auch die physikalischen Bedingungen auf unserem Planeten sind, die unser Dasein in zermalmend enge Grenzen bannen. Wir werden am Leben leiden auch im vollkommenften Zukunftsstaat. Von der Zerrissenheit, daß wir geboren werden ( unter Schmerzen!) mit Sehnsucht nach Unendlichkeit und wahrem Leben, und angewiesen bleiben auf eine Wurmegistenz von allenfalls 80 Jahren mit ihrer Herrlichteit" jogenannter Gemüſſe" und noch mehr sogenannter Leistungen" auf fulturellem oder gar fittlichem Gebiet, befreit uns Leine Revolution, fein Umsturz und kein Aufstieg, so notwendig und so begrüßenswert diese an Angesichts dessen stabilisieren Sie den Diesfeitsglauben, ent thronen Gott und Ewigkeit und beruhigen sich bei der Aussicht, Mersch zu sein und-( ich ergänze Sie wohl recht!) Mensch zu bleiben. Wir anderen tönnen uns dabei nicht beruhigen. Wir hören aus Ihrem Bekenntnis das Geständnis einer Refignation, sich auch find. " " deren wir nicht fähig sind. Wir tönnen uns über die Grauenhaftigkeit des Loses Mensch zu fein" beiner Täuschung mehr hingeben. Dann schon lieber Lier! Das Rütteln an den Gittern, die uns von der Ewigkeit absperren, vulgär heißt man das„ Religion" ist immer noch unendlich seliger als das dumpfe Sichabfinden mit der Wirklichkeit, als das Sichbescheiden mit Zielen, die der Bergänglichkeit unseres Sonnensystems unterliegen. Und wenn Sie mich je überzeugen fönnten, daß jenes Rütteln an den Torgittern der Ewigkeit hoffnungslos fet, so wollte ich doch die Erde lieber den untermenschlichen Kreaturen einräumen, die fein Bewußtsein ihres Lofes fennen, als meinem eigenen Geschlecht eine Fortepistenz wünschen, die weiter nichts wäre als eine Folge von temperierten Lüftlein in trautem Wechsel mit qualvollen Abstürzen und Erstickungsanfällen. Es muß ja nicht gelebt werden!, gelebt auch um den Preis, daß dieses Leben" ein immer wiederholtes vergebliches Sichaufbäumen gegen eine fühllose dämonische Natur bleibt, mit dem Endeffekt, den Mund voll Erde gestopft zu betommen! Weil ich die Härte des natürlichen Menschendaseins nicht noch Bölkermordens in diesem Kriege bei der Mehrzahl aller wahrhaftigen Menschen ihre lehte Achtung verfor. Verwundert freilich bin ich, daß der Verfasser des oben abgedruckten Briefes meine Worte so sehr mißdeuten konnte, daß er mein Bekenntnis für eine Resignation hält, während er gegenüber der firchlich- religiösen Gewissen losigkeit doch gerade das Gegenteil fordert, nämlich das wahrhaft tatkräftige Streben nach einem ewigen Ziel. Nicht darum handelt es sich hier, Mensch zu sein" oder zu bleiben", sondern Mensch zu werden". Gott sowohl wie der vollendete Mensch sind beides unerreichbare Vorbilder, die der Mensch sich zu seiner Vervollkommnung feht. Ob er sich hierfür das Tier, den Gözen, viele Götter, einen Gott oder das Idealbild des Menschen wählt, find nach meinem Dafürhalten nur verschiedene fortgeschrittene Stadien ein und derselben Entwicklung, und es bleibt letzten Endes dem Urteil jedes einzelnen überlassen, welche Stufe dieser Entwicklung, von bem jebe höhere eine höhere persönliche Verantwortung fördert, er für die reifere und fortgeschrittenere hält." Der Berliner Theaterwucher. Zu den vielen Uebeln, alten und neuen, von denen das Berliner Theaterwesen in den letzten Jahren heimgesucht wurde, hat sich eines als besonders verderblich erwiesen: ber parafitäre 3wischen handel. Das Publikum hat am eigenen Leibe die Folgen davon oft genug zu spüren bekommen. In den unverschämten Preisen, die nicht nur für den Eintritt, sondern vielfach und ganz besonders auch für den Theaterzettel und die Garderobe entrichtet werden müssen, steuerte es seine Tribute bei an diese Parafiten, die die Theater in ihre Hände brachten und sich durch Weiterverpachten müh- und schamlos bereicherten. Durch das Eingreifen der Polizei wurde wenigstens der Garderobenwucher zu einem Teil gemildert, zum Teil besteht er unentwegt weiter. Die Theaterpächter selber aber blieben unbehelligt. Natürlich, im tapitalistischen Staat tann ja jeder mit feinem Pfunde so gut wuchern, wie er es versteht. Warum nicht auch mit dem Theater? Jetzt endlich scheint man diesem Treiben entgegentreten zu wollen. Die„ Große Boltsoper", die neuer dings mit einem starten Defizit zu kämpfen hatte, und jetzt erst durch das Eingreifen des Berliner Magistrats in den Stand gesetzt werden mußte, ihre Miete bezahlen zu können, hat ihr Haus, das„ Theater Rotter's. Auf diese Weise muß sie ungefähr das Doppelte zu dem des Westens", in Unterpacht von den rühmlichst bekannten bezahlen, was die Rotter selber als Pacht entrichten. Ganz abgemeinde Berlin muß also schließlich, damit die verdienstvolle Bolksoper sehen von dem Rebbach, den sie aus der Garderobe ziehen. Die Geweiter bestehen kann, den Rotterschen Zwischengewinn bezahlen. Auch das ist ganz in der Ordnung in einem freien kapitalistischen Staate, der um Gottes willen nicht in die Produktionsverhältnisse eingreifen darf. Erfreulicherweise hat die Wucherpolizei an diesen Dingen Anstoß genommen und gegen die Gebrüder Rotter ein Verfahren wegen Leistungswuchers eröffnet. Möge es Erfolg haben auch gegenüber anderen Theaterwucherern, möge es aber vor allem der Deffentlichkeit die Augen schrankenlosen kapitalistischen Willkür überlassen dürfen, daß wir öffnen dafür, daß wir Kulturgüter wie das Theater nicht der schrankenlosen kapitalistischen Willkür überlassen dürfen, daß wir bewirtschaftung regelt und die Interessen der Kunst wie des ganzen eines Theatergesetes bedürfen, das grundsäßlich die TheaterBoltes sichert. Sonst fönnen wir es eines Tages erleben, daß Berlin ohne Theater ist, weil die Theaterbefizer und Bächter ihre Betriebe vielleicht nußbringender verwerten fönnen. Der Tod mit der Handgranate. Die Technische Hochschule in Denkmal der Geistesverfassung unserer Universitäten zu sein. Wie Berlin läßt sich ein Kriegerdenkmal bauen, das berufen scheint, ein die Zeitungen melden, stellt das Denkmal die Gestalt eines Handgranatenwerfers dar, und wie die Zeitungen ebenfalls bereits wissen, wird diese Figur zugleich lebensvoll und plastisch wirksam sein" und sich außerdem glücklich den Raumverhältnissen und den übrigen Bildwerken der großen Halle einfügen". Goethe hat einmal die Bemerkung gemacht, daß das Menschenleben durch ein einziges heilfames Bort gefördert werden kann. Leider gibt es auch Völker, deren feelischer Zustand durch einen einzigen Sah entlarvt werden fann, und zu diesen Sägen gehört der, den ich eben zitiert habe. Wie mag es in Menschen aussehen, die die Toten zu feiern gedenten, indem sie das Werkzeug, mit dem sie ermordet wurden, verherrlichen! Erregt in jedem feineren Menschen diese grauenhafte Bose des Handgranatenwerfers schon ein Uebelbefinden, so muß in den Angehörigen der Gefallenen der Anblick dieser Figur aufwühlend wirken. Also so sah es aus, als unser Sohn getötet wurde! Ach nein, so sah es nicht einmal aus, denn das Furchtbare an diesem Denkmal ist ja nicht, daß es den Tod mit der Handgranate graufig darstellt wie ihn das Mittelalter einft mit der Hippe zeigte, sondern vielmehr als eine lebensvolle und plastisch wirksame Figur, die den schönen Tod auf dem Schlachtfeld jucht, aber auch mit Hilfe der Waffen verbreitet, die ihm die Professoren der Technischen Hoch schule mit auf den Weg gegeben haben. D, unser Auge ist ästhetisch geworden, wir sehen nur noch die Dinge als Formen und haben ihre eigentlichen Inhaltswerte zu empfinden längst vergessen. Diese Figur wird sich mehr als glücklich im Rahmen der Chargierten des macher 150, Boigh mäßig Die Umgestaltung der Reichsbank. der Deutschland eine neue Zentralnotenbank gegründet werden soll, ober Das Organisationskomitee hat bekanntlich die Frage, ob für die Reichsbank unter entsprechender Umgestaltung ihrer Berjaffung cufrechterhalten bleiben soll, dahin entschieden, daß die Reichsbanf als deutsches Zentralnoteninstitut zuerhaften aufrechtzuerhalten und nach dem Plan des Sachverständigenkomitees umzugestalten sei. Der vorliegende Entwurf geht infolgedessen davon aus, daß die durch das Bankgesetz Dom 14. März 1875 errichtete Reichsbank bestehen bleibt, wobei jedoch gleichzeitig diejenigen gesetzlichen Bestimmungen, die die Rechtsverhältnisse der Reichsbank regein, mit den Vorschlägen wurf baut im allgemeinen auf den Grundlagen des Bankgesetzes von des Sachverständigenberichtes in Einklang gebracht werden. Der Ent1875 auf. Gewisse Abweichungen im System zielen auf eine vollstänbige Absonderung des Zentralnoteninstituts Finanzgebarung des Reiches und der Länder und von politischen Einflüssen ab. Eine Mitwirkung des Auslandes bei der Bank ist gemäß dem Sachverständigengutachten durch den Generatrat und durch den Kommissar vorgesehen, Amerikaner, Holländer und Schweizer sein müssen. Der Präsident des Reichsbankdirektoriums ist Mitglied und Vorsitzender des GeneDie neue Währung nach dem Dates- Plan. ralrats. Die deutschen Mitglieder, mit Ausnahme des Präsidenten, Der Entwurf des Bankgesezes, das für die Gestaltung werden von den die deutsche Reichsangehörigkeit befizenden Anteilsährung nach dem Dawes- Plan von größter Bedeutung ist, hat nach eignern der Bank gewählt. Die ausländischen Mitglieder werden Der Telegraphen- Union folgenden Inhalt: erstmalig vom Organisationsfomitee ernannt und ergänzen sich weiterhin durch Kooptation. Die Amtsdauer des Generalrats beträgt drei Jahre. Geine Aufgabe besteht im allgemeinen darin, die Berichte zu prüfen, die ihm vom Bräsidenten und dem Kommissar vorgelegt werden. Der Kommissar wird nach§ 19 vom Generalrat gewählt und muß Ausländer sein. Er ist eines der Mitglieder des Generalrats. Der Kommissar kontrolliert die Notenausgabe; er hat die ausschließliche Verfügung über den Kontrollstempel. im§ 20 wird fämilichen bei der Bank als Leiter, Beamte oder Angestellte tätigen Bersenen sowie den Mitgliedern des Generalrats, des Zentralausschusses, der Bezirksausschüsse die Schweige. pflicht auferlegt. Die Regelung des Geschäftskreises der Bank schließt sich im wesentlichen an die Vorschriften des alten Bankgesetzes an.§ 25 regelt die Beizehungen der Reichsbank zur allgemeinen Reichsverwaltung sowie zur Reichspost und Reichsbahn. Besentlich ist, daß Kredite an die allgemeine Reichsverwaltung fünftig nur auf drei Monate und bis zu einem gesetzlich festgelegten Höchst betrag gewährt werden dürfen, sowie daß am Ende eines Geschäftsjahres keinerlei Verschuldung des Reiches gegenüber der Bank vorhanden sein darf. Die Reichsbank wird ermächtigt, an Reichspoft und Reichsbahn begrenzte Betriebsfrebite zu geben. Abgesehen von diesen Krediten dürfen weder dem Reiche noch den Ländern oder Gemeinden oder ausländischen öffentlichen Stellen Kredite eingeräumt den Vorschlägen des Sachverständigen die Währungs-, Disfont- und Kreditpolitit bestimmt das Reichsbankdirektorium, der in dessen Hand nach wie vor die Berwaltung der Bank liegt. Im die Liquidierung des Umlaufs an Rentenbankscheinen gutachtens die Errichtung eines und die Neuordnung des Münzwesens; hierauf bezügliche Gesetzentwürfe werden gleichfalls dem Reichstag vorgelegt werden. § 1 spricht den Grundsatz der Unabhängigkeit der Reichsbant 15.§ 2 regelt das Notenausgaberecht der Reichsbank. Im Anschluß an den Sachverständigenbericht wird das Notenausgaberecht, das bei der alten Reichsbant nur für eine zehnjährige Dauer por= gesehen war, auf 50 Jahre erhöht. Das Notenausgaberecht der deutschen Golddiskontbant erlischt. Die Rentenbank darf den Betrag ausgegebenen Rentenbankscheine nicht erhöhen. Ihre Abwicklung wird durch Gesez besonders geregelt.§ 3 fieht vor, daß die der Banknoten auf Reichsmark lauten. Sonderfontos für Reparationszahlungen Jmmer rückwärts. Aus dem Lande der Ordnung. Die vom Thüringer Ordnungsblock vorgenommenen Ausgemeindungen sind ein Musterbeispiel für die Beschränktheit dieser bürgerlichen Interessentenpolitit. Die Auseinanderreißung der Gemeinde Bad Liebenstein ist ein Schulbeispiel für die Ordnungsblodarbeit. Sie war entstanden durch Verschmelzung der früher felbständigen Gemeinden Schweina, Bad Liebenstein, Steinbach, Bairoda und einiger Gemarfungen. Der thüringische Miniſter Dr. Sattler erklärte zu dieser Eingemeindung: „ Die Verschmelzung ist gut, die Voraussetzungen des Kreiseinteilungsgesetzes treffen auf diese Verschmelzung in jeder Hinsicht zu." Gärung in Bulgarien. Diese Erklärung des Ministers hindert aber den Ordnungsbloc nicht im geringsten, die ganze geleistete Arbeit wieder zu zerschlagen und dabei in einer grotest- parteiischen Weise vorzugehen. Bei dieser Berschlagung erhalten die braven Gemeinden, deren Einwohner hübsch ordnungsbundmäßig gewählt haben, die steuerstarken Gemarkungen, während Industriegemeinden mit roten Wählern die steuerschwachen Gemarkungen erhalten, damit sie fommunalpolitisch nicht leistungsfähig werden. So erhielt z. B. Bad Lieben= stein die Gemarkung Marienthal zugeteilt, die wegen zweier industrieller Betriebe steuerstart ist, trotzdem sie nur ein paar Minuten von Schweina entfernt ist. Bei Wahlen gehört Marienthal zu Schweina, der Friedhof liegt in Schweina, die Wasserleitung ist von Schweina nach Marienthal gebaut. Jetzt sollen die Kinder von Marienthal, die bisher einen furzen, bequemen Weg zur vor, dessen Betrag die Summe von zwei Milliarden Reichsmart ohne Schule nach Schweina hatten, in Zukunft den mehr als halbBustimmung der Bank nicht übersteigen darf.§ 27 regelt die Noten- stündigen Weg durch einen Wald machen, der sich zwischen Marienausgabe. Es ist vorgesehen, daß die An- und Ausfertigungen, Aus- thal und Liebenstein schiebt. Das alles wird vom Ordnungsblock gabe, Einziehung und Bernichtung der Banknoten sich unter der Kon- und namentlich von den Drahtziehern des Landbundes aus rein trolle des Kommiffars vollziehen. Bezüglich der Deckungsvorschriften, politischen Gründen inszeniert. Die Landbündler wollen die in den§§ 28 bis 30 enthalten sind, ist wichtig, daß fünftig auch keine sozial und fulturell leistungsfähigen Gemeinden, und sie Devisen als Golddeckung zugelassen sind. Die Deckung befürchten vor allen Dingen den Einfluß der Arbeiterschaft dank der trägt 40 Proz. in Gold oder Devisen. Außerdem ist eine bantmäßige starken aktiven kommunalpolitischen Betätigung der ArbeiterverDeckung in Höhe von 40 Proz: für die täglich fälligen Verbindlichfeiten vorgesehen. Entsprechend den Vorschlägen des Sachverstän- treter. So wird in Thüringen die Losung des Ordnungsbundes zur digengutachtens wird in§ 37 ein Reservefonds gebildet, in Wirklichkeit: Vernunft ist Unsinn." lung der Noten ist der Bank überlassen. Absatz drei dieses Para- als er weniger als 12 Broz. des Notenumlaufes der Bank beträgt. Die Reichsbanknoten bleiben gesetzliche Zahlungsmittel. Die Stüde den 20 Proz. des jährlichen Reingewinnes so lange abgeführt werden, graphen sieht den Aufruf der alten auf Mark lautenden Noten der Nach Ablauf der 50jährigen Dauer des Notenprivilegs soll das Reich Reichsbank und ihren Umtausch in neue auf Reichsmart lautende berechtigt sein, die Reichsbant aufzuheben. Dem Entwurf ist noch Noten vor. Bis zu dem Ablauf der Aufrufsfrist werden auch die alten Noten gefeßliche Zahlungsmittel bleiben. Der Umtausch gleich eine Reichsmart zu erfolgen. Im übrigen wird die Neuordnung der deutschen Währung durch ein besonderes Gesez, das Münzgesetz, geregelt. Jm§ 5 erhält die Reichsbant das Recht, ihr bahngesez ein besonderes Reichsbahnpersonalgeseg erReichsbantanteile ſollen über 100 Reichsmart lauten.§ 6 befaßt sich Reichsbahngesellschaft regelt und dem Reichsrat bereits zugegangen ist. mit der Verwaltung der Bant. Sie liegt, wie bisher, in den Deutschen Staatsangehörigen besteht. Präsident und Mitglieder des Direktoriums find nicht mehr, wie bisher, Beamte, die von der Reichsregierung ernannt werden. Der Präsident wird von dem Generalrat auf vier Jahre gewählt, die Mitglieder wölf Jahre ernannt. Für die Mitwirkung des Generalrats bei den Ernennungen ist vorgesehen, daß eine Mehrheit von neun Stimmen nehanden sein muß, innerhalb derer mindestens sechs deutsche Stimmen für den Kandidaten abgegeben sein müssen. Bei der Erhennung des Präsidenten ist vorgesehen, daß seine Ernennungsdauer des Präsidenten beträgt vier Jahre.§§ 9 und 10 regeln die Berfonalverhältnisse der übrigen Beamten. Das Beamtenverhältnis wird beibehalten. Die Rechte und Pflich- schaftsdienstes verpflichtet werden. Reichsbeamten durch ein besonderes Beamtenstatut geregelt des Reichs kommt auch für sie in Anwendung. Bei der Berechnung merden. Auch für die nicht im Beamtenverhältnis stehenden An- der Bezüge ist die nach Reichsrecht erworbene Dienstzeit zuständig. gestelten und Arbeiter der Bank bleibt der bisherige Rechtszustand erhalten. Die Besoldung wird nach reichsrechtlichen Vorschriften geDer Generalrat der Reichsbank Bradt Et ftrage Bil ürdig Wein nrah en be ändle Reifter Täude hlam th 1 bill gbe Rä On en a Blan Ano Dinge 78 regelt. eine besondere Sagung der Reichsbant beigegeben. Ein Reichsbahnpersonalgeseh. Wie TU. meldet, wird die Reichsregierung neben dem ReichsDas Gesetz soll nach den Londoner Abmachungen gleichzeitig mit den übrigen Reparationsgesehen in Kraft treten. Danach wird der Charakter der Beamten als solcher erhalten, sie werben fünftig als Reichsbahnbeamte bezeichnet werden. Gin Reichsbahnbeamter muß die deutsche Staatszugehörigkeit haben. Er gilt, wenn anderes nicht vorgesehen ist, als auf Lebenszeit angestellt, jedoch bleibt es den höheren Dienststellen vorbehalten, Reichsbahnbeamte auf Dienstposten von geringerer Bewertung oder sie unter Bewilligung von Wartegeld in den einstweiligen Ruhestand zu versezen. Der Reichsbahnbeamte hat bei seinen Dienstobliegenheiten die Reichsverfassung zu wahren. Bereits in den einstweiligen Ruhestand versetzte Beamte können bei Verlust des Wartegeldes zur Annahme eines ihnen übertragenen Reichsamts oder GesellDie Reichsbahnbeamten unterDie soziale Gefeßgebung Deutschland und der Achtstundentag. Eine Erwiderung Albert Thomas'. besteht nach§ 14 aus 14 Mitgliedern, von denen sieben Deutsche und je einer Engländer, Franzose, Italiener, Belgier, ministers, hatte fürzlich einen sehr heftig polemisch gehaltenen ArDas„ Reichsarbeitsblatt", das amtliche Organ des Reichsarbeitstifel gegen den Direktor des Internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, gebracht, in dem Thomas' Eintreten für die RatifiHochschulrings deutscher Art ausnehmen und sicherlich ihren Mitzierung des Washingtoner Abkommens zurückgewiesen wurde. Jetzt gliedern geradezu aus dem Gesicht geschnitten sein, sofern die gibt das„ Reichsarbeitsblatt" Thomas Gelegenheit zu einer ErwideSchmisse dafür noch Platz gelassen haben. Der Bildhauer, dem wir dieses Schandmal verdanken, heißt Hosaeus und er wird gewiß an Eidesstatt persichern fönnen, mit jenem Hosea weder verwandt noch bekannt noch verschwägert zu sein, der da schrieb:„ Und Bogen, Schwert und Krieg zerbreche ich aus dem Lande, und lasse sie ruhig wohnen."( 2,18.) Gerne Rean Teftry esteb Eage Frie es fst. Erlebnisse in Schwaben. In der langen Halle des Hauptbahn" hofes steht der D- Bug. Richtung Berlin. Die Reisenden schlendern den Fenstern der Abteile. Reiseftimmung. auf dem Bahnsteig. Erzählende und abschiednehmende Gruppen an – Dazwischen geht ge= schäftig und gravitätisch der Zugführer ehemals föniglich württembergisch". Die Abfahrzeit ist bereits eine Minute überschritten, als der biebere Beamte in meine Nähe tommt. Bon dem Wunsche ge= trieben, mein Schwäbisch anzubringen, frage ich ihn: Herr Zugfiehrer, wann fährt denn das Bügle?" Reine Antwort. Der Mann bleibt vor mir stehen, betrachtet mich vom Scheitel bis zur Sohle, und ein Paar empörte Beamtenaugen schießen Blize auf mich armes als mir die schwäbische Lektion zuteil ward:„ Sie, des oine will i Ehne sage, des ischt fei toi Zügle, des ischt a 3ug."" Abfahra." Darr Die To ändig antien 164 bamm aufla virkse dem lig Luder. Ich bin gerade im Begriff, vor Zerknirschung zu vergehen, o. b. Steinzeitliche Funde in China. Der schwedische Geologe 3. Anversion, der fat: einigen Jahren Ausgrabungen im nordöstlichen und westlichen China, und zwar in den Provinzen Fonatien, Henan, Shenft und Kansu durchgeführt hat, machte wichtige steinzeitrung, in der er u. a. schreibt: ,, Das Reichsarbeitsblatt" hat den Eindruck gehabt ,,, ich betrachte es nicht als selbstverständlich, daß Deutschland einen ständigen Sig im Berwaltungsrat der internationalen Arbeitsorganisation hat, und daß seine Delegierten dort vollständig dieselben Rechte wie die Vertreter der anderen großen Industriestaaten haben". Ich sehe wirklich nicht, worauf man sich stügen fann, um eine derartige Schlußfolgerung zu ziehen. Mein Zweck, wie ich ihn glaube aufgezeigt zu haben, war im Gegenteil, Deutschland aus seiner Zurückhaltung herauszubringen und ihm, Gelegenheit zu geben, das Feld seiner Tätigkeit zu erweitern. Wenn ich auf die große soziale Tätigkeit Deutschlands vor dem Kriege verwiesen habe, so geschah dies, weil ich sie um so besser kenne, als ich mich in dieser Hinsicht an der Berliner Universität gebildet habe. Ich habe, nachdem ich Deutschland als Beispiel genannt habe, einfach dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß das große Land der Sozialpolitik sich heute nicht an unserer Seite befindet, um die Entwicklungsbewegung zu be schleunigen, und ich habe mir erlaubt, darauf hinzuweisen, daß die übermäßige Verlängerung der Arbeitszeit und die Nicht ratifizierung des Washingtoner Abkommens eines Tages schwer in Uebereinstimmung zu bringen sein werde mit den Grundsägen des Arbeiterschutes, die auf der anderen Seite so oft hervorgehoben worden sind." Thomas betont, daß er zur Entfräftung der von der deutschen Regierung, night von der beutschen Arbeiterschaft vorgebrachten Bedenken, die darin gipfeln, daß für die Leistung der Reparations: pläge aufgedeckt, die aus der Periode des Ueberganges vom Stein= Zeitalter in die Bronzezeit stemmen. Unter den steinzeitlichen Gefäßen aller Art, die ans Licht traten, fanden sich auch Tongefäße, zahlungen eine erhöhte Produktion notwendig sei, internationale deren geometrische Muster sich mit denen der keramischen Funde von Anau in Westturtestan und Susa vergleichen lassen. In Kansu, der am meisten nach Westen vorgeschobenen Provinz, wurden neben Kupfergeräten Tonscherben mit reihenweise angeordneten Vogelornamenten gefunden, zu denen die Parallelen ebenfalls in Westasien sich finden. Die Aehnlichkeit der feramischen Muster läßt sich bis in die Butowina verfolgen und bildet einen Beweis für die Beziehungen, die zwischen der chinesischen Steinzeit und der des Westens bestehen. Bühnenchronit. Die Operette„ Die Frau ohne Kuß siedelt vom Schiller- Theater vom 1. September an in das Theater am Kurfürstendamm und wird dort weitergegeben. Die Gondel, das amüsante Theater am Potsdamer Plat, eröffnet seine Binterspielzeit am Sonnabend, den 23. Auguft. Kieler Gewerkschaftshauses ein Konzert. Die Zuhörer dankten mit stürDer Danziger Männergesangverein gab im großen Konzertsaal des zu Ehren der Gäste ein Feſtiommers statt, der sich zu einer gewaltigen Stundgebung für das Deutschtum in der Ostmart gestaltete. lein als mern beim slauf etw fite 25 ngen Ein neues Mittel gegen Gallenffeine. Der Wiener Nerztekammer wurde Abmachungen vorgeschlagen habe. ,, Das heißt also, daß Deutschland zur Teilnahme zuge= Tassen werden soll und daß es nur von Deutschland abhängt, sich mit den beteiligten Ländern zur Prüfung über die Art der Garantien zu verständigen. Ich hoffe, daß diese objektive Prüfung erlaubt hat, meine Abfichten näher zu erläutern. Ein loyaler Gedankenaustausch fann dem Ziel, welches ich mich bemühe zu erreichen, nur nüßlich sein, und dieses ist dasselbe feit 20 Jahren: Soziale Gerechtigkeit und Weltfrieden. Und da die internationale Lage heute in hohem Maße von der Entwicklung der deutsch- franzö= sischen Beziehungen abhängt, so wage ich zu sagen, daß mir nichts mehr am Herzen liegt als die Zukunft dieser Be= ziehungen und ihre friedfertige Entwicklung." So wie die Dinge in Deutschland liegen, erscheint es schon beinahe als ein Fortschritt, wenn nach dem brüsten und plumpen Auftreten des deutschen Regierungsvertreters in Genf man Thomas Gelegenheit gibt, zu Wort zu kommen. Deutschland hat alle Veranlassung, die Türen, die man in Genf mit so großem Eifer zugeschlagen hat, wieder zu öffnen und die furzsichtige Hal = Aus Sofia wird uns geschrieben: Das Regime Stambulistis in Bulgarien wurde im Juni v. J. überraschend schnell durch einen Butsch der Militärliga gestürzt, die der Mittelpartei, geführt von der Gruppe des Professors Alexander 3antow, zur Regierung verhalf. Es zeigte sich aber bald, daß die Opposition gegen das neue Kabinett ebenfalls rasch wuchs. Sehr bald schieden die Sozialdemokraten aus der Regierungsfoalition aus, weil sie sich mit der Politik des Ministeriums nicht einverstanden erklären konnten. Als dann im Herbst des vergangenen Jahres ein großer Kommunistenaufstand ausbrach, machte die Regierung diesem Treiben mit junterlicher Grausamkeit ein Ende. mit allen Mitteln versuchten sie in den folgenden Monaten, die fommunistische Bewegung zu unterdrüden und auszurotten. Das gelang ihr nicht. Die verbotene Partei und Fraktion tat sich unter neuem Namen auf und ließ sich sogar teilweise von der Absicht leiten, wirkliche parlamentarische Arbeit zu leisten. 4.3 Angesichts dieser Borgänge muß man sich zunächst die Frage vorlegen, aus welchen Gründen in Bulgarien die kommunistische Bewegung überhaupt so mächtig werden konnte. Denn an sich ist es immerhin erstaunlich, daß in sinem Lande, das zu 80 Proz. agrarisch ist, dabei aber feinen Großgrundbesiß, also auch feine ausgebeuteten Landarbeiter fennt und verschwindend wenig Industrie hat, die kommunistische Partei so große Massen an sich zu ziehen vermochte. Die skrupellose kommunistische Propaganda wirfte aber tatsächlich gerade auf die ungelernten Arbeiter der Tabatindustrie, einen großen Teil der Eisenbahner und die radikal eingestellte Arbeiterschaft der Metallindustrie. Daneben stehen viele, recht einflußreiche Dorfschullehrer im Bann der Moskauer Lehren. Dazu kommen die zahlreichen Elemente, die ohne Beruf und be= stimmte Tätigkeit vagabundierend das Land durchziehen und für deren Landsknechttum die bolschewistische Lehre eine willkommene Bemäntelung ist. Vor allem hat aber natürlich die kritische Wirtschaftslage des Landes den Kommunisten das Wasser auf die Mühlen geleitet. Seit einiger Zeit wird die Bevölkerung allerorten beunruhigt durch Banden, die als„ Bellen" der tommunistischen Bewegung auf dem Balkan überall Unruhe zu verbreiten suchen, aber auch vor Ueberfällen, Erpressungen und Beraubungen nicht zurückschrecken. Darüber hinaus gibt es freilich sowohl innerhalb des Landes, wie vor allem bei den Nachbarstaaten genug Leute, die aus bestimmten inner- oder außenpolitischen Gründen die allgemeine politische Spannung noch zu verschlimmern und die kommunistische Gefahr noch über ihre wirkliche Bedeutung hinaus zu übertreiben suchen. Die Folge find milde Gerüchte und zahlreiche aufgebauschte Nachrichten, die in die Welt hinausposaunt werden. Unruhe in Italien. PP Die Opposition zum Kampfe entschloffen. Rom, 20. August.( Eigener Drahtbericht.) Die Auffindung der Leiche Matteottis hat die Kampfftimmung der Opposition gegen die Regierung verschärft. Nach dem Monde" erklärte Genosse Turati, daß die Mitglieder der Opposition, durch die schrecklichen Berstümmelungen Matteottis in ihrem Millen gefestigt worden sind. jeden Widerstand zu leisten und im Kampfe gegen das System nicht nachzulassen, solange die Möglichkeit ähnlicher Verbrechen fortbestehe. Der Abgeordnete Baldesi, der der Feststellung der Identität der Leiche Matteottis beiwohnte, sagte, daß nicht die Mörder die Leiche vergraben haben, sondern faschistische Komplizen, die nach vollbrachter Tat den Körper beseitigten, um die Täter zu decken. Matteottis Heimkehr. Rom, 20. Auguft.( EP.) Die Bevölkerung von Fraita Bolesino, dem Heimatort Mattecttis. hatte in aller Gile. den Empfang der Leiche des Ermordeten vorbereitet. Heute sind aus ganz Italien zahlreiche Sozialisten und Freunde eingetroffen. Die alte Mutter Matteottis hat ihr Heim für die Aufbewahrung der Leiche vorbereitet. Die Oppositionsblätter sind der Ansicht, die Regierung habe die nächtliche Ueberführung der Leiche absichtlich angeordnet, um politische Kundgebungen zu vermeiden. Aufruf der Opposition. Rom, 20. August.( WTB.) Das Komitee der Oppositionsparteien hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, in dem es u. a. heißt, daß die Seele des Volkes der Leiche Matteottis auf ihrer Trauerfahrt in die Heimat folge, und in dem beklagt wird, daß dem Loten die letzten Ehren der Hauptstadt nicht erwiesen merden fönnten. Die Freunde des Berstorbenen seien in ihrem Kampfe um ein neues Ideal bereichert worden. Sie feien son ein Präparat zur Begutachtung übergeben, das angeblich die Auflösung und Heilung von Gallensteinen in der Zeit von 24-48 Stunden herbeiführt. tung, die mit Recht mit Deutschlands Verhalten auf dem Haager dem Wunsche beseelt, die legten Gedanken des Ermordeten zu per= Die Aerztekammer wird ihr Gutachten darüber abgeben. Kongreß verglichen worden ist, wieder gutzumachen. wirklichen. Gewerkschaftsbewegung Verwandlung der Ueberstunden. In jedem Betriebe, dem größten wie dem Kleinsten, kommt es mehr oder minder häufig vor, daß besonders eilige Arbeiten zu verrichten sind, die im Rahmen der geltenden Arbeitszeit nicht rechtzeitig fertig würden. Man hilft sich in solchen aus nahmsweisen Fällen mit Ueberstunden, mit Längerarbeit. Die Bereitwilligkeit der Arbeitnehmer, in solchen Fällen länger zu arbeiten, Ueberstunden zu machen, ist vielfach in grober Weise mißbraucht worden. Es fann sehr wohl vorkommen, daß troß furz zuvor erfolgten Arbeiterentlassungen sich einmal lleberstunden notwendig machen. Ein Unfug aber ist es, troß genügender Aufträge einen Teil der Arbeiter zu entlassen, unbefekte Arbeitspläge leer zu lassen und von den im Betriebe verbliebenen Arbeitern immer wieder Ueberstunden zu fordern. Die Arbeiter wissen seh: mohl zu unterscheiden zwischen notwendigen und vermeidlichen Ueberstunden. Und wenn sie in diesem oder jenem Falle die Leistung von Ueberstunden verweigern, so n deshalb, meil es ihnen das Solidaritätsgefühl mit den auf die Straße gesezten, arbeitslosen Arbeitsgenossen ge= bietet. Die Gewerkschaften müssen im allgemeinen die Leistung von Ueberstunden zulassen. Wenn sie als Vertreter der Arbeiter durchsetzten, daß diese Ueberstunden etwas höher ent Iohnt werden müssen als die regulären Arbeitsstunden, so geschieht es einmal aus dem Grunde, weil den zu leberstunden herangezogenen Arbeitern dadurch besondere Ausgaben für Deutsche Ingenieure für den Achtstundentag. Der gegenwärtig in Berlin tagende Bundesausschuß des Bundes der Technischen Angestellten und Beamten nahm in eingehender Beratung zum gegenwärtigen Stand der gefeßlichen Arbeitszeit folgende Entschließung an: " Der Bundesausschuß des Butab stimmt mit Befriedigung den vom Afa- Bund gemeinsam mit den anderen Gewerkschaften eingeleiteten Maßnahmen aur herbeiführung eines BoIts entscheides über die Natifizierung des Washingtoner Abkommens durch Deutschland zu. Er erwartet von den Spigen gewerkschaften, daß sie ihre Vorbereitungearbeiten auf einen Fall durch VerschleppungsPostabonnenten Damit die regelmäßige Zustellung des„ Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Postabonnenten, das Abonnement bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Borwärts Berlag G. m.b.5. CONAD GRAND GRANDONING. ONANDONNOGNONDONING daran festhalten, daß Sinn und Wortlaut des Essen und Trinken entstehen, zumal in unvorhergesehenen Fällen, versuche durchkreuzen lassen. Die Gewerkschaften müssen weil ausnahmsweise Arbeiten auch eine ausnahmsweise Bezahlung erfordern, und schließlich deshalb, um die Ueberstunden zu begrenzen. Muß der einzelne UnterSachverständigen Gutachtens feinerlei Handnehmer die Ueberstunden nicht besser bezahlen als die gewöhnlichen Interpretationen des Washingtoner Abkommens für die deutsche habe bieten, um durch Ausnahmebestimmungen oder besondere Arbeitsstunden, dann kann er, je nach Laune, Ueberstunden fordern, Arbeitnehmerschaft eine gegenüber den anderen am Abkommen beohne daß solche unbedingt notwendig sind. Es gäbe für ihn feine teiligten Ländern längere Arbeitszeit zu rechtfertigen. andere Hemmung als der Widerstand der Arbeiter, der sich jedoch Sollte die bevorstehende Erklärung der Reichsregierung im Reichsteiligten Ländern längere Arbeitszeit zu rechtfertigen. nicht immer geltend machen fann oder aber zu unnüßen Differen- age durch einen feratligen Borbehalt die Aussicht auf eine gezen führt. Der Lohnaufschlag für leberstunden veranlaßt den Unternehmer, solche nur dann anzuordnen, wenn fie tat sächlich notwendig sind. Ein Verlust erwächst dem Unter nehmer aus der gelegentlichen Ueberstundenbezahlung nicht, weil er besonders eilige Arbeiten von vornherein entsprechend berechnet. Eine ungünstige Nebenwirkung hat der Ueberstundenausschlag infofern, als er für undisziplinierte, selbstsüchtige Elemente unter den Arbeitern einen gewissen Anreiz bietet, allzu bereitwillig Ueberstunden zu machen. Die meisten Tarifverträge zeigten, daß auch Die Unternehmer die besondere Bezahlung von Ueberstunden anerkannten. Auch darin ist ein Wandel eingetreten. Die Bereinigung der Arbeitgeberverbände erklärt in der von ihr aufgeworfenen Arbeitszeitfrage, es beständen weitgehende Meinungsverschiedenheiten auch darüber. „ ob für die über acht Stunden täglich geleistete Arbeitszeit Ueberstundenzuschläge zu zahlen sind, wie dies bei der während des schematischen Achtstundentages üblich gewesenen Tarifpolitik der Fall war." # Der hier aufgeworfenen Frage folgt unmittelbar eine Erklärung, die aller in dieser Schrift so reichlich gebotenen Unverschämtheit der Arbeitgeberverbände die Krone aufsetzt. Man kann sich taum eine zynischere Berhöhnung der um ihren Achtstundentag geprellten Arbeiter vorstellen, als fie im folgenden Eag zum Ausdrud kommt: „ Die Arbeitszeitverlängerung bedeutet bei der von den Arbeitgebern bewilligten Bezahlung der Mehrarbeitsffunden nach dem einfachen Stundenlohn an fich schon eine Er. höhung des Reallohns der Arbeiterschaft. Diese Erhöhung ist für den Betrieb erträglich, weil ihr produktive Arbeit gegenübersteht(!)." Und nun werden wir in bemerkenswerter Offenheit darüber Belehrt, was eigentlich der Zweck der Uebung ist: „ Der Zwed der Probuftionsverbilligung durch die Arbeitszeitverlängerung ist nur bei Verminderung der unproduktiven reich erschweren, so it unverzüglich das deutsche Volt zu meinschaftliche Ratifizierung durch Deutschland, England und Frankbefragen, ob es damit einverstanden ist, daß durch Verlängerung der Arbeitszeit in Deutschland die ganze Lait der Durch führung des Sachverständigen- Gutachtens auf die Schultern des werktätigen Volkes gelegt wird." werktätigen Bolles gelegt wird." Tariflündigung der Bauschlosser. frant Möbelſchloſſer nahm Stellung zum Lohntarif und beDie gestrige Branchenversammlung der Berliner Bau, Geld einstimmig, den bestehenden Tarif zu fündigen. Die Bauschlosser schloß nach einer furzen Diskussion in geheimer Abstimmung, fast wollen ihre Forderungen mit allen gewerkschaftlichen Mitteln durch setzen. Lohnforderung der Buzzer. ben Eine Mitgliederversammlung der Fachgruppe Puzzer des Bauaemertsbundes beschäftigte sich mit dem bisherigen Ergebnis der Tarifverhandlungen. Dem Bericht des Fachgruppenleiters Genossen Nemme ist zu entnehmen, daß der am 31. März abgelaufene Buzertarif bisher stillschweigend noch als Richtschnur diente. Die Tarifverhandlungen vom 12. Auguft führten zu feinem Endergebnis. Die von den Arbeitgebern geforderten Verschlechterungen, Stundenlohn von 25 Proz. auf 20 Broz. zu dem jeweiligen Maurer fohn berabzusehen, die efrien zu beseitigen, dafür aber die wöchentbie liche Arbeitszeit von auf 48 Stunden zu verlängern usw., waren für die Arbeitnehmervertretung unannehmbar. Zurzeit beträgt der Stundenlohn des Buyers 1,13 M. Nach den Forderungen der Buzzer soll er 1,17 m. betragen. Diese geringe Zulage lehnten die Arbeitgeber ab. In der Diskussion wurde betont, daß die Verhandlungsmöglich feiten nicht verlegt werden sollen. Unter allen Umständen sei an der 46½ stündigen Arbeitswoche festzuhalten. Heute neue Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau. ZU. berichtet: Der geen verband hat bekanntlich die gepflogenen Verhandlungen über die Löhne auf den füdlichen Randzechen gekündigt. Wie wir hören, finden heute Verhandlungen zwischen dem Zechenverband und den Bergarbeiterverbänden über die Frage der Lohnregelung auf den füdlichen Randzechen im Beisein des Reichs- und Staatskommisfare statt. | aus geleistet. Das find Opfer, die die Bergarbeiter im Intereffe der Volkswirtschaft bringen" fahreibt die Bergarbeiter- Zeitung und frägt:„ Welche Opfer bringen die Besitzenden im Interesse des deutschen Boltes?" das ist Im Bergbau wurde durch Mehrheitsabkommen für die Arbeiter unter Lage zwar nicht die Friedensarbeitszeit so doch immerhin die achtstündige Schicht eingeführt" die im voraus gegebene Antwort der Arbeitgeberverbände auf diese Frage. Die faschistischen Gewerkschaften haben den Streit für alle Arbeiter der Wollfabriken in Prato( Italien) erklärt. Internationaler Textilarbeiterkongreß. Wien, 18. Auguft. VerIm feftlich geschmückten Gartensaal des Favoritener Arbeiter heims traben am Montag die Vertreter von dreizehn Ländern zum elften internationalen Kongreß zusammen. Bertreten sind Eng land, Frankreich, Belgien, Stalien, Deutschland, die Schweiz, Defter reich, Urgarn, Holland, Dänemart, die Tschechoslowakei, diese in zwei Organisationen, dem Brünner und dem Reichenberger band, und Polen, durch insgesamt 91 Delegierte. Schweden hat sein Fernbleiben mit dringenden Arbeiten daheim entschuldigt. Ueber der italienischen Delegation hängt ein schwarzumflories Bild Matteottis. Ms Bertreter des Internationalen Gewerkschafts bundes in Amsterdam nehmen Leipart. als Verireter der öster reichischen Gewerkschaftskommission Straas, als Vertreter des Parteivorstandes der sozialdemokratischen Partei und des Klubs der fozialdemokratischen Notionalräte Dr. Deutsch und Reumann, und als Vertreter der Wiener Arbeiterkammer Nowotny an den Verhandlungen teil. für Arbeitsminister in Englard, schlägt als Vorsitzenden Der internationale Sekretär der Textilarbeiler, Shaw, ber den ersten Tag Frühwirth( Desterreich) vor. Der Vorsitz wird ab wechselnd von den Vertretern der verschiedenen Länder geführt. 1908, der kongreß tagte. Die österreichischen Arbeiter werden the Frühwirth gab zunächst seiner Freude darüber Ausdrud, les Vertrauens auch in der Zukunft gerecht werden. Dann gedacht daß der Kongreß in Wien stattfindet, wo schon einmal, im Jahre ( Wien) und Gee( England); ferner gedachte er Ogdens, er der verstorbenen Mitglieder, insbesondere der Genossen Hanus Mitgliedes der Exekutive( England), der infolge eines unglüdsfalls ihm einen Gruß und den Wunsch, daß er bald genesen möge. an den Verhandlungen nicht teilnehmen kann. Der Kongreß entbot Leipart begrüßte dann den Kongreß namens des Inter nationalen Gewerkschaftsbundes. Er feierte unter lebhaftem Beifall die internationale Solidarität. eines Abgeordneter Dr. Deutsch überbrachte die Grüße des Partei vorstandes und Abgeordnetentiubs. Er wies darauf hin, daß sich Wenertſchaften zu der politischen Partei wieder. Das Verhältnis wahrt hat. Die Einigkeit spiegelt sich auch in dem Verhältnis de die österreichische Arbeiterschaft in allen Stürmen die Einheit be ist das denkbar innigste. daß in Desterreich die freien Gewertschaften den Hort des Prole Straas sprach für die Gewerkschaftskommission; er betonte, tariats bilden. Desterreich ist aber auch stolz darauf, daß von hun bert organisierten Arbeitern und Angestellten einundneunzig in den freien Gewerkschaften sind. R le B en ni ip K Üb te ut I Gr b C Nowotny sprach für die Arbeiterfammer Begrüßungsworte Auch er gedachte nochmals des verstorbenen Abgeordneten Hanusch, der der Schöpfer der österreichischen Arbeiterkammern und der e Direttor der Wiener Arbeiterfammer war. Dann wurde in die Tagesordnung eingegangen. Als erster 23 Punkt wurde behandelt. die Ruffenfrage Kosten und bei Bermeidung an fidh entbehrlicher Lohntosten zu 2obnordnung zu Ende August unter Bezugnahme auf die feinerzeit Seit, wo das erstemal die Frage der Aufnahme in Beratung ge erreichen. Vor dem Krieg war ein leberstundenzuschlag für eine über acht Stunden täglich hinausgehende Arbeitsleistung nicht üblich und diese im allgemeinen selbst dann oder in geringerem Ausmaße, wenn etwa schon damals eine fürzere Arbeitszeit tariflich vereinbart war. Im Streben nach Berringerung ihrer Gestehungskosten müssen die Arbeitgeber die Forderung nach Ueberstundenzuschlägen ablehnen und glauben dies auch bei den geltenden Lohnfäken ohne Unbilligteit gegenüber der Arbeiterschaft tun zu können." Davon ausgehend, daß die Gewerkschaften im allgemeinen 25 Broz. Ueberstundenzuschlag fordern, wird behauptet, daß eine allgemeine Bewilligung dieser Forderung für 10 Millionen Arbeiter bei den geltenden Durchschnittslöhnen eine tägliche Mehrbelastung des Lohnfontos„ der deutschen Wirtschaft" um etwa 2.5 Millionen Goldmark erfordern werde. Das Ausland wolle der deutschen Industrie auch noch diese Mehrbelastung auferlegt fehen(!), mas aber für die deutsche Arbeitgeberschaft um so mehr ein Grund sei, von ihren Arbeitern in dieser Zuschlagsfrage ein Nachgeben zu verlangen. ,, Auch die Gewerkschaften follten sich damit um so eher abfinden, als die grundsätzliche Anerkennung des normalen Achttundentages(!) in den Tarifverträgen durch die Arbeitgeber ihrem dogmatischen Standpunkt in der Arbeitszeitfrage ja schon weit genug entgegenkommt und es deshalb einer besonderen Betonung des Ueberstundencharakters der darüber hinaus vereinbarten und geleisteten Mehrarbeitsstunden nicht bedarf." Das heißt, nachdem durch Verlängerung der Arbeitszeit( unter grundsätzlicher" Anerkennung des schematischen" und" dogmatischen" Achtstundentages) die Ueberstunden in Mehrarbeitsstunden verwandelt sind, fällt auch die Ueberstundenbezahlung fort. Sie ist für die Unternehmer entbehrlich, und bei deren weitem Entgegen kommen in der Lohnkürzung und der Arbeitszeitverlängerung müssen auch die Arbeiter darauf verzichten. Da mit nicht die ausländischen Konkurrenten"," gestützt auf das Washingtoner Abkommen",„ die deutsche Wirtschaft" auch noch mit ber Ueberstundenbezahlung belaften und so das Streben der deutschen Unternehmer durchkreuzen, ihre Gestehungskosten zu verringern, ihren Profit zu erhöhen. daß fie sich den Bestimmungen des internationale foll po the 1 30 a m C It Shaw gab Aufklärungen über die Beratung dieser Frage auf dem letzten Kongreß in Paris im Jahre 1921, wo ein fram zösischer Delegierter auf Wunsch der Russen die Frage der Auf nahme der Russen in die Internationale zur Diskussion stellte. C konnie dann aber fein Einvernehmen mit den Russen hergestellt werden, da die Russen bis zum letzten Jahre nichts von sich hören ließen; dann fam ein Schreiben mit dem Verlangen", daß die Frage nicht nach dem Wunsche des internationalen Eekretärs, son dern nach dem Wunsche der Internationale behandelt merde. Shaw hi bemerkte dazu, daß er sich nur an die Beschlüsse des inter nationalen komitees halten könne und sich auch danach gehalten habe. Sm übrigen haben sich aber die Verhältnisse seit der internationalen Komitees. Die Russen haben in einer Zuschrift u zogen wurde, wesentlich geändert.( Zustimmung.) Roscher( Reichenberg) berichtete nun über die Borschläge des die Aufnahme nachgesucht und dabei die Erklärung abgegeben, Statuts unterwerfen. Es soll hier nicht untersucht werden auch jetzt nicht untersucht werden. ob der Beitritt der Russen ein ob diese schriftliche Zusicherung in der Wirklichkeit zuträfe, es Vorteil oder ein Nachteil für die Internationale wäre. Es ist aber der einheitliche Wille des internationalen Komitees, daß die Ein boden stehen, hergestellt werden müsse. Unsere Interna Vertrauens und der Solidarität, der gegenseitigen Hilfsbereitschaft nale stellt sich die Einheitsfront als eine Front des gegenseitigen und der Aufrichtigkeit vor. Eine Einheitsfront, bei der diese Bor aussetzungen nicht zutreffen, müssen wir ablehnen. Heute bestehen zwischen dem Internationalen Gewerkschaftsbund in Amsterdam und der Roten Gewerkschaftsinternationale in Moskau noch tiefe Gegensäte. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß sich erst die beiden Internationalen der Bewertschaften einigen müssen. Dann wird der Aufnahme der Russen nichts mehr im Wege stehen. Der Internationale Gewerkschaftsfongres fchaftsinternationale ausgesprochen. Wir haben die Verpflichtung in Wien hat die Verhandlungsbereitschaft mit der Roten Gewert solche Verhandlungen nicht durch Sonderabmachungen zu stören. geeinigt: Das internationale Komitee hat sich daher auf folgenden Antras Keine Einigung im Baugewerbe Rheinland- Westfalens. Am Dienstag fand getrennte Besprechung statt zwischen dem Reichskommissar Mehlich und den Arbeitgeber- und Arbeits nehmerverbänden des Baugewerbes, um die Aussperrung zu beheitsfront der Leptilarbeiter, die auf gleichem Stampf enden. Die Verhandlungen führten zu feinem Ergebnis. die Sauunternehmer in Müniter zur Aussperrung übergeben. Scharfmacher haben den Erfolg zu buchen, daß nunmehr dem 22. August die Aussperrung auch in Westfalen allgemein". Damit so lassen sich die Scharfmacher vernehmen wird mit Das möchten die Herren! Sie wissen aber, daß es in Wirklich feit ganz anders aussiebt mit ihrer Aftion. Sie treiben ein Spiel, in dem sich zeigt, wie überflüssig sie beim Bauen sind. Die Arbeitszeit im Bergbau. bei seinen Bezirksleitungen den Stand der Arbeitszeit in der ersten Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands hat durch Umfrage Hälfte des Monats Juli ermittelt. Das in der„ Bergarbeiter rezige verlängerte Arbeitszeit. Die siebenstündige Schicht 3eitung" veröffentlichte Ergebnis zeigt die tarifliche und die holt. Einzig und allein im Saarrevier besteht noch die tarifunter Lage und die achtstündige Schicht über Lage ist über= liche Arbeitszeit von 7 bzw. 7% Stunden. Im rheinischen Braunfohlenrevier und in Fichtelgold( Erzbergbau) werden 7% bzw. 10 Stunden gearbeitet, in allen übrigen Bergwerksbetrieben dagegen 8, 8% und in zwei Fällen in Bayern 9 Stunden unter Tage. Von der Erhebung wurden 797231 Arbeiter( geschätzt nach den zuletzt bekannten Zahlen) erfaßt. Die tägliche Arbeitszeit ist dargestelt ohne Pausen, jedoch einschließlich Ein- und Ausfahrt der Untertagearbeiter. Nach dieser Schäzung werden von der um 1 bis 2 Stunden verlängerten Arbeitszeit 723 815 Mann betroffen. Rund 100000 Schichten werden demnach täg lich im Bergbau über die normale Arbeitszeit hinDie Aufnahme der russischen Tertilarbeiter fann erst durch geführt werden, wenn die Einigung zwischen der Amsterdamet Gewerkschaftsinternationale und der Roten Gewerkschaftsinter nationale hergestellt ist und wenn der Anschluß der Roten Ge wertschaftsinternationale an die Amsterdamer Internationale et folgt ist. Dieser Antrag wurde ohne Debatte einstimmig ange nommen. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Birtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friede. Entorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: rik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlas: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Raul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße Sierzu eine Beilage und Frauenstimme". S a P n F it 9 e 15 C 0 G 0 S S 6 8 Henko Henkel Wafch und Bleich Soda GE, Kader== spart Seife und Seifenpulver! Mitverwendung von Henko bei der Wäfche verbilligt das Wafchen. Vorzügliches Einweichmiffel 1 nr. 392« 41. Jahrgang_ do»»erswg, 21> B«eusi 1»2« --> Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. Das Leben mußte anders sein, als er es gesehen. Eine Frau, die ihn liebte, verriet ihn in der Not. fjütte er sie gekannt, niemals wäre es ihm zugestoßen. Was aber hatte er von ihr gekannt? Nur die Hüften, den Busen, ihr Fleisch, ihr breites Gesicht und den schwülen Hauch, den sie aus- strömte. Woran hatte er geglaubt? An Gott, an die Ge- rechkigkeit, an die Regierung. Im Kriege verlor er sein Bein. Er bekam eine Auszeichnung. Nicht einmal eine Prothese verschafften sie ihm. Jahrelang trug er das Kreuz mit Stolz. Seine Lizenz, die Kurbel eines Leierkastens in den Höfen zu drehen, schien ihm höchste Belohnung. Aber die Welt erwies sich eines Tages nicht so einfach, wie er sie in seiner frommen Einfalt gesehen hatte. Die Regierung war nicht gerecht. Sie verfolgte nicht nur die Raubmörder, die Taschendiebe, die Heiden. Offenbar geschah es, daß sie sogar einen Raubmörder auszeichnete, da sie doch Andreas, den Frommen, ins Gefängnis schloß, obwohl er sie verehrte. So ähnlich handelte Gott: er irrte sich. War Gott noch Gott, wenn er sich irrte?....,... Jeden Morgen gingen die Insassen dieses Hauses im Hof spazieren. Der"Hofwar dicht gepflastert, von kleinen Ziegel- steinchen war der Boden bedeckt und man sah kein Stückchen Staub, kein Stückchen Erde. Als ein großes Ereignis galt eine Henne, die oft im Hof erschien. Hundertvierundfünfzig Sträflinge wallten, einer hinter dem andern, mit gesenkten Köpfen immer in der Richtung von rechts nach links, immer an den vier Wänden entlang. In der Mitte gingen die weißbraun gesprenkelte Henne und der Aufseher, der ein Rohrstäbchen in der Hand schwang und einen Revolver an der Hüfte trug. Am linken A-rmel trugen die Gefangenen ihre schwarze Nummer. Der Zug begann mit eins und endete mit einhundertoicrundfechzig. Viermal gingen sie das Quadral des Hofes ab. Dann war die Stunde um. Sie sprachen n, cht miteinander. Sie sahen sehnsüchtig nach der Henne. Einer lächelte manchmal. Der dreiundsiebzigste war Andreas Pum. Einmal erblickte er-m Hof ein Stückchen Zeitungspapier. Der Aufseher sah gerade in die entgegengesetzte Richtung. Andreas hob es auf und barg es in der Hand Er war sehr neugierig.. Es war, als würde in ssiner �elle ein Mensch erscheinen, um mit ihm zu sprechen. Vielleicht, ja, wahr- scheinlich enthielt dieses Stückchen Papier eine lustige oder eine merkwürdige Geschichke. Er zerknüllte es in der Hand und hielt es zwischen zwei Fingern. So konnte er oorschrists- mäßig die Hände an der Hosennaht halten. Der Weg erschien ihm lang, die Stunde unendlich, der Hof grausam gewachsen. Endlich ertönte der Pfiff des Aufsehers. Andreas kam in die Zelle und wartete, bis sich seine Augen an die Dunkelheit ge- wöhnten. Dann entfaltete er das Papier, rückte die Bank zum Fenster und setzte sich. Er las: „Personalien." Als Verlobte empfehlen sich Fräulein Elsbeth Waldeck, die Tochter von Prof. Leopold Waldeck und Dr. med. Edwin Aronowsky. Fräulein Hildegard Goldschmidt und Dr. jur. Siegfried Türkei, Fräulein Erna Walter und Herr Willi Reizenbaum. Der Bankdirektor Willibald Rowolsky und Frau Martha Maria, geb. Zadik. zeigen hocherfreut die Ge- burt eines Sohnes an. Frau Hedwig Kalischer, geb. Golden- ring, betrauert das Hinscheiden ihres Gatten Leopold Kalischer, Mitinhaber der Firma König, Schrumm u. Kalischer, Vorsitzender des Auffichtsrates der Gemeinschast der Chemikalienhändler A.-G., der nach schwerem Leiden im 62. Lebensjahre gestorben ist. Herr Johann Kotz zeigt das Ableben seiner Gattin Frau Helene Kotz an. Bergwerks- direktor Bergassessor Harald Kreuth gibt Nachricht vom Tod seines Vaters Sigismund Johann Kreuth. Im 77. Lebens- jähre verschied nach langem Leiden der Geheime Sanitätsrat Dr. med. Max Treitel. Andreas wendete das Papier und las auf der Rückseite: „Wenn das zutrifft, so versteht man jetzt, warum in den letzten Tagen die Poincarä-Presse den Sachverständigen- bericht so geflissentlich als pro-französisch gepriesen hat— um ihren Herrn zu decken. Daily Mail, aus Paris direkt unterrichtet, zählt in bestimmter Form--" Hier brach das Papier ab. Andreas Pum versuchte, sich die Menschen vorzustellen, von deren Leben er die wichtigsten Abschnitte erfahren hatte. Fräulein Elsbeth Waldeck war blond'und vornehm, die Tochter eines Professors, die Braut eines Arztes. Der Doktor Siegfried Türkei war vielleicht ein Rechtsanwalt und es wäre nicht von Schaden, seine Bekanntschaft zu machen. Vielleicht geriet man überhaupt nicht ins Gefängnis, wenn nian mit dem Rechtsanwalt Türkei bekannt war. Ja, es war so: alle, deren Namen auf diesem Stückchen Zeitungspapier standen, mußten miteinander befreundet sein. Der Doktor Aronowsky behandelte die Frau Martha Maria, geborene Zadik, und der Bergasiessor Harald Kreuth lieh sich Geld vom Bank- direktor Willibald Rowolsky. Diesen vertrat der Rechtsanwalt Türkei bei Gericht und der Rechtsanwalt Türkei macht dem Herrn Johann Kotz einen Kondolenzbesuch. Die Namen sprangen selbständig aus den Zeilen und verbanden sich wechselweise. Da hüpfte der Sanitätsrat zum Assessor und dieser zum Rechtsanwalt. Die Namen waren lebendig. Sie Oie�ppnosephantasienüesZVanzigjährigen Tchtvere Beschuldignngcn gegen den Rnhlsdorfer Pfarrer. Die mysteriöse Angelegenheit, in deren Mittelpunkt, wie bereits mitgeteilt, der Pfarrer Barth aus Ruhlsdorf bei Bernau stand, beschäftigte gestern die erste Ferienstrafkammer des Landgerichts l 1 1 unter Borsitz von Landgerichtsdirektor Dransfeld. Der A n g c- klagte ist der 2vjährige Schneider Ernst Kain aus Ruhlsdorf bei Bernau, der im Frühjahr wegen Unterschlagung, fortgesetzter Anstiftung zum Diebstahl, fortgesetzter Hehlerei und Berlcumdung zu cirrer Gesamtstrafe von 2 Jahren Gefängnis und 1000 M. Geldstrafe als Buße an den Nebenkläger Pfarrer Barth aus Ruhlsdorf vom Schöffengericht Pankow verurteilt worden war. Kain war Anfang des Jahres 1922 mit dem damals Itzjährigen Walter Heine bekannt geworden und hotte ihn veranlaßt, Geld an- geblich zu einem spiritistischen Der ein zu spenden. Spater erpreßte er von dem unerfahrenen jungen Mann fortgesetzt größere Summen. angeblich für den Berein. Dann mutzte Heine seinen Eltern Lebensmittel«rtwenden, die der Angeklagte natürlich zu Geld machte, ebenso mutzte er 4S0 M. in Silber stehlen. Schließlich wurde Kain verhaftet und nach Ruhlsdorf in die Polizei- gefängniszelle eingeliefert. Tags darauf fand man ihn im festen Schlaf auf seiner Pritsche liegen, aus dem er erst nach drei Tagen erwachte. In der gestrigen Berufungsverhandlpng blieb der Angeklagte bei seinen bisherigen Angaben und gab an, daß er von dem Pfarrer Barth zu all den Vergehen und Verbrechen angestiftet worden fei. Er schilderte, daß er dem Pfarrer Barth oft in der Nacht zwischen 12 und 2 Uhr die Pakete, die ihm Walter Heine gegeben, überbracht habe. Um diese Zeit hätte ihn der Pfarrer in Schlafrock und Pantoffeln an der Tür erwartet und ihn in das Studierzimmer geführt. Stets hätten auf einem Tische zwei Likörgläfer mit einer ihm unbekannten Flüssigkeit gestanden, von denen er eines habe austrinken müssen. Dann habe der Pfarrer einen blauen, zusammenklappbaren Deckel mit mystischen Schriftzeichen vor sich hingelegt, sei hinter seinen Stuhl getreten und habe ihm dann, unverständliche Worte mur- melnd, über Stirn und Arme gestrichen. Hierauf sei er in einen tiefen Schlaf gefallen. Nun gab der Angeklagte eine Erklänmg hierzu ab. Als er sich in der Polizeigefängiiiszelle befand, sei um 8 Uhr abends der Pfarrer Barth in feine Zelle ge- kommen,— ein Ding der Unmöglichkeit, da die Zelle verschlossen war. Er aber, Kain, habe den Pfarrer ganz deutlich gesehen und gehört, wie jener folgende Worte sprach:„Jetzt ist die Sache heraus, ich bin verraten. Jetzt mußt Du 70 Stunden schlafen, wenn Du daraus wieder erwachst, dann habe ich keine Kraft mehr, da ich zu viel Haare verloren habe." Der Pfarrer hätte gehofft, daß er, Kain, bei diesem langen Schlaf in das Jenseits hinüber schlummern werd". Der Angeklagte will auch mehrere Male ein inzwischen verstorbenes junges Machen, namens Pitfch, bei seinen nächtlichen Besuchen im Studierzimmer gesehen haben. Das Mädchen habe laut Wim- mernd gefesselt und unbekleidet auf dem Fußboden gelegen. Es kommt dann zur Sprache, daß der Angeklagte schon mehrmals derartig« Anfälle von totenähnlichen: Schlaf gehabt habe. Den Angaben des Angeklagten gegenüber erklärte dann der als Nebenkläger zu- gelassene Pfarrer Barth, ein S8jähriger. daß er nach der Ein- fegnung des Kain niemals Beziehungen zu dem A« g c- klagten oder zu dessen Familie unterhalten Hab«, die über das pfarrcmtliche Wirken hinausgingen. Was die einzelnen Bcfchuidi- gungen anbelange, so erklärte der 34 Jahre am Orte tätige Pfarrer, so habe er überhaupt keine Fähigkeit und keine Kenntnis zu in Hypnotisieren. Er habe weder innerhalb noch außerhalb seiner Gemeinde jemals hypnotische Experiment« vorgenonünen und jemanden hypnotisiert. Er sei im Gegenteil ein entschiedener Gegner der Hypnose. Was die Vorgänge mit dem Fräulein Pitfch anbelange, so sei er an dem fraglichen Tage, an dem Kain sie gesehen haben wolle, gar nicht zu Hause gewesen. Im Laufe der weiteren Zeugenvernehmung trat ledhaft in Erscheinung, daß in dem Dorfe Leute mehrmals gesagt hätten, sie seien überzeugt, daß dem Pfarrer derartiges znzutrauer» sei. Nachdem sodann Pcrst- Barth, der zunächst unbeeidigt geblieb'n war, seine Aussage d u r ch Eid bekräftigt hatte, kamen die medizinischen S a ch- o e r st ä n d i g e n zu Wort. Fast einstimmig kamen die Sachver- Grönung auf öew Im Polizeipräsidium berichtete vor einigen Tagen der Regienngsdirektor Mösle über die Verkehrsregelung in Groß- ftädten Nordamerikas und über die Anwendung amerikani- scher Maßnahmen auf Berlin.(Vgl.„Vorwärts" Nr. 384 und 386.) Wir geben jetzt eine bildliche Darstellung der zunächst für den Potsdamer Platz geplanten Verkehrsregelung und des auf ihm zu errichtenden Verkehrsturms Der Grundgedanke ist, Zwangs. wege für die Fuhrwerke und für die Fußgänger zu schaffen, was durch fünf in der Richtung Budapester Straße— König- Lrätzer Straß« angeordnete Inseln erreicht werden soll. Von dem Berkehrsturm aus, der auf der Mitt«linfel steht, regelt ein Polizei- beamter den Wagenverkehr, indem er abwechselnd die Richtung Buda- pester Straße— Könizgrätzer Straße oder die Richtung Leipziger Straße— Potsdamer Straß« durch dos Signal„grün" freigibt oder durch das Signal.rot" sperrt. ver Verkehrsturm. Der Turm hat nach den fünf auf den Platz einmündenden Straßen hin fünf Seiten, von denen das Mid drei zeigt. Man steht hinter dem Fenster den regelnden Polizeibeamten, über dem Fenster die durch Schaltung zu beleuchtenden Signale„grün",„weiß",.rot", unten ein« Uhr. Potsdamer Platz. ver potsüamer Platz. Der Verkehr auf dem Potsdamer Platz ist dargestellt zu einem Zeitpunkt, wo durch das Signal„grün für Leipziger Straße und Pots- damer Straße die Fahrt freigegeben und durch„rot" für Budapester Straße und Königgräßer Straße die Fahrt gesperrt ist. kFür Bellevue- straße ist künftig die Einfahrt zum Potsdamer Platz überhaupt ver- boten und nur noch die Ausfahrt von ihm gestattet.) In der Buda- pester und der Königgrötzer Straße müssen in diesem Augenblick die Fuhrwerke vor den weihen Strichen halten, zwischen denen die Fußgänger über die Dämme schreiten. Gleichzeitig darf aus der Leipziger und der Potsdam«? Straße der Wagen- verkehr über die diese Straßen durchquerenden weißen Striche hin- wegfiuten, und einsichtige Fußgänger warten auf den Bürgersteigen bis zur Umfchattung. nahmen menschliche Gestalten an. Andreas Pum blickte auf das bedruckte Papier, wie in ein Zimmer, in dem sich alle diese Menschen befanden und herumgingen und miteinander sprachen. Dieses Bild bewegte ihn. Er stellte sich die Gesellschaft sehr glänzend vor. Es schien ihm, daß er hinter das Ge- heimnis der Welt gekommen war. Er glaubte zu wissen, daß er in der Zelle saß, weil er keinen von diesen Verlobten, Ge- borenen und Verstorbenen kannte. Weshalb stand es nicht gedruckt, daß Herr Andreas Pum, Lizenzinhaber, nach unge- rechter Behandlung und ohne gehört zu werden, zu sechs Wochen verurteilt war? 1ö. Das kränkte Andreas Pum Andreas empfand die Be- schämung zurückgesetzter Menschen, die sich auf eine Karriere vorbereitet hatten. Daß man gerade ihn eingesperrt hatte, daß man gerade ihn zum Heidentum zwang, war eine Unge- rechtigkeit, grausam, unentschuldbar und verbrecherisch. Wie lange war es denn überhaupt her, daß er, fast mit der Würde eines Beamten, jedenfalls aber mit dem goktesfürchtigen Sinn eines Priesters, die Lizenz in der Tasche, an einer belebte?! Straßenecke die Nationalhymne spielte und die Leute zur Vaterlandsliebe fast ebenso sehr anspornte wie zur Wohltätig- keit? Daß ein Schutzmann auf ihn zuschritt und sich, respeit- voll grüßend, wieder entfernte, weil er die Berechtigung Andreas Pums, die Nationalhymne zu spielen, anerkennen mußte? Was war denn eigentlich geschehen? Wie konnte sich die Welt so schnell geändert haben? Ach! sie hatte sich gar nicht geändert! Immer war sie so gewesen! Nur, wenn wir ganz besonderes Glück haben, werden wir nicht eingesperrt. Aber unser Schicksal ist es, Anstoß zu erregen und im Gestrüpp der willkürlich wuchern- den Gesetze zu stolpern. Wie Spinnen sitzen die Behörden, lauernd in den feinmaschigen Geweben der Verordnungen. und es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir ihnen anheim- fallen. Und es ist nicht genug daran, daß wir einmal ein Bein verloren haben. Wir müssen unser Leben verlieren. Die Regierung, wie wir sie jetzt erkannt haben, ist nicht mehr etwas Fernes, hoch über uns Befindliches. Sie hat alle irdischen Schwächen und keinen'Kontakt mit Gott. Wir stoben vor allem gesehen, daß sie durchaus nicht eine einheitliche Macht-st. Sie gliedert sich in Polizei und Gericht und, wer weiß noch wie viele Ministerien. Der Kriegsminister mag jemandem eine Auszeichnung verleihen und die Polizei snerrt ihn dennoch ein. Das Gericht mag ihn vorladen und der Herr Kommissär tut es auch. So wurde mancher gottlos, ein Heide und ein Anarchist.(Fortsetzung folgt.) ständigen zu dem Ergebnis, daß die Schlafzustände des Angeklagten als durch seelische Einwirkungen hervorgerufene Dämmer zustände anzusehen seien und die Hypnose für ausge schlossen hielten. Insbesondere wies Med.- Rat Dr. Störmer darauf hin, daß hier ein klassischer Fall von einem derartigen Dämmerzustand vorliege und daß jegliche Hypnose fehle. Geh. San.- Rat Dr. Moll hielt seinerseits den Zustand für einen solchen der Lethargie und führte aus, daß er feinerlei Anlaß habe, anzunehmen, daß die Handlungen des Angeklagten durch Hypnose bedingt worden, oder auch durch eine abnorme Beeinflussung seitens des Pfarrers hervorgerufen worden seien. Andererseits habe er feinen Anicß, die Echtheit des 70ftündigen Schlafes anzuzweifein. Auch spreche nichts gegen eine verminderte zurechnungsfähigkeit des Angeklagten. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, daß von einer hypnotischen Beeinflussung des Angeklagten feine Rede sein kann. Es verurteilte den Angeklagten wegen verleumderischer Beleidigung zu einem Jahr Gefängnis und setzte die Gesamtstrafe auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft fest. Die Dame aus den„ besten Kreisen. Eine Hochstaplerin, die ihre Leute fennt. Wie leicht es heute in Deutschland noch ist, die glühende Sehnsucht gewisser Leute nach Umgang mit den sogenannten„ besten adligen Kreifen" in flingende Münze umzusehen, lehrt wieder einmal der Fall einer Hochstaplerin, die von der Berliner Kriminalpolizei gesucht wird. Die Schwindlerin lebte in Halle unter dem Namen einer geschiedenen Hauptmannfrau Annemarie v. Gudom in der Pension einer Frau v. G. Ein Student aus Essen besuchte sie täglich und leistete ihr Ritterdienste. Da fie in Gesellschaftskreisen ein- und ausging, schenkte ihr die Pensionswirtin völliges Vertrauen. Als Frau v. S. einige Tage verreisen mußte, räumte die Schwindlerin in deren Wohnung gründlich auf. Sie erbrach Komoden und Schränke und stahl im ganzen für 15000 Mart Schmudsachen. Mt diesen Wertobjekten flüchtete fie, wie einwandfrei festgestellt werden konnte, nach Berlin. Die Beute bestand hauptsächlich aus goldenen Armbändern, mit Brillanten verzierten Busennadeln und einem altertümlichen, mit Berlen, und Rubinen geschmückten Medaillon. Wie jetzt festgestellt wurde, hat diese Gaunerin schon viele derartige Streiche auf dem Gewissen. Besonders in Stettin hat sie vor ungefähr einem Jahre reiche Beute gemacht. Hier gab fie fich als eine Frau v. Liffelde aus, geb. v. Brodenhausen aus Königsberg. Sie näherte sich hier Herren, erzählte diesen von ihrem großen Gut in Ostpreußen, auf dem sie so alleine fäße und machte ihnen Hoffnung, einst Herren auf einem fürstlichen Besitze an Seiten einer schöner Frau zu fein. Auf diese Hoffnung hin liehen die Dummen der reichen Gutsbesigerin erhebliche Beträge, die dann gewöhnlich verschwand um einen andern in ihren Nehen zu fangen. Einem schickte sie einen Wertbrief über 2000 Goldmark zurüd. Als er ihn aufmachte, fand er nur einen leeren Briefumschlag und darin ihre Visitenkarte vor. Die Berliner Kriminalpolizei fonnte nun feststellen, daß diese Schwindlerin eine ehemalige Schnet: derin, Annemarie Lit geb. Heinrich ist. Sie ist eine hübsche, ungefähr 1,60 Meter große schlanke Person, von 28 Jahren, mit auffallendein hellblonden Haar. Wahrscheinlich ist sie iden= tisch mit der Heiratsschwindlerin und Hochstaplerin, die sich Lang Langheim geb. Gräfin v. d. Schulenburg nannte. Meldungen über das Auftreten der Gaunerin nimmt unter Hinweis auf die Belohnung von 500 M. Kriminalkommissar Dr. Riemann, Bimmer 83 a im Polizeipräsidium entgegen. = Zwei Personen durch Gas getötet. Die Steglizer Feuerwehr wurde am Mittwoch nachmittag nach der Sedan ft r. 20 alarmiert. Dort hatte sich intensiver Gasgeruch bemerkbar gemacht. Beim Eindringen in die Wohnung des Kaufmanns Emil Cohn fand man dessen Ehefrau und deren Sohn sowie eine ältere Frau Gilda bewußtlos in der Küche und Schlafzimmer vor. Sofort von der Feuerwehr mit mehreren Sauerstoffapparaten angestellte längere Wiederbelebungs. versuche waren nur bei der Frau Gilda von Erfolg. Hinzugezogene Aerzte konnten den Tod der Frau Cohn und ihres Sohnes fest stellen. Da sich die Ursache der Gasvergiftungen nicht ermitteln ließ, wurden die beiden Leichen beschlagnahmt. Falsche Rentenbankscheine. 0 Seit der Einziehung der meisten Notgeldscheine hat sich ein deutlicher Rückgang der Fälschungen von Papiergeld gezeigt. Die neuen von der Reichsbant ausgegebenen Notentypen machen ebenso wie die Rentenbanknoten wegen ihrer sorgfältigen Drudausführung den Fälschern offenbar erhebliche Schwie rigkeiten. Immerhin sind auch von den Rentenbanknoten in verschiedenen Gegenden des Reiches Fälschungen der Scheine zu 1, 5, 10 und vereinzelt auch zu 50 M. aufgetaucht. Diese Falschungen echter Scheine sind bei einiger Aufmerksamkeit schon daran zu erkennen, daß entweder das Kreuz- Ring Wasserzeichen der echten Scheine gar nicht oder nur durch Deckfarbe oder Fettdrud unvollkommen nachgeahmt aufweisen oder ein anderes Wasserzeichenmuster tragen als die echten Scheine. Hält man die echten Scheine gegen das Licht, so ist das Wasserzeichen( StreuzRing) tlar und gleichmäßig gut auf dem ganzen Schein fichtbar. Die bei den echten Rentenbankscheinen von 2 bis 1000 Renten- Mart in das Papier eingebetteten Pflanzenfasern sind bei den Falschscheinen gewöhnlich durch Striche mit Tinte oder Farbe oder durch aufgeklebte Fasern vorgetänscht, die bei Berührung mit einer Nadel von der Klebmasse glasartig abspringen, während die echten Fasern im Papierstoff haften. Wie die Reichsbank so zahlt auch die Deutsche Rentenbant Belohnungen im Betrage bis aut 1000 Goldmart im Einzelfall. Jede Polizeiftation nimmt solche Mitteilungen, die auf Wunsch streng vertraulich behandelt werden, entgegen. Zum Bezirksparteitag. für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten, 1. Kreis Mitte. Elternbeiräte: Freitag, den 22. Auguft, 8 Uhr, Sigung mit ben Vertretern bei Spiegel, Ackerstr. 1. 17. Kreis Lichtenberg. Beamtenwerbeausschuß: Freitag, den 22. August, pünktlich 7 Uhr, in der Bibliothek Weichselstr. 28, Bersammlung. Wahl des Bezirksobmanns sowie der Abteilungsobleute. Sierzu müssen alle Abteilungen vertreten sein, Heute, Donnerstag, den 21. Auguft: Die Gaspreise in deutschen Städten. Aus einer Rundfrage des Frankfurter Magistrats ergeben Parteinachrichten fich zurzeit in 35 deutschen Städten folgende Gaspreise: Königs Ginsendungen für diese Rubrik find berg 26, Krefeld 25, Friedberg, Saalfeld, Wehlar 24, Darmstadt, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, Duisburg, Würzburg 23, Aschaffenburg, Baden- Baden, Bauzen, Gießen, Halle, Hanau, Höchst a. M., Bad Nauheim, Stralsund, Wiesbaden 22, Frankfurt a. M., Kaffel, Köln, Stettin 21, Bielefeld, Chemnitz, Dortmund, Karlsruhe, Leipzig, München 20, Berlin 19, Dresden, Hamburg, Nürnberg, Offenbach a. M. 18, Düsseldorf, Manheim 17, Stuttgart 14 Pf. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß bei dem heutigen Stande der Technik die Preise danach in den deutschen Großstädten zurzeit noch fast ausnahmslos vier zu hoch sind. Als Durchschnittsfriedenspreis fann man für das Gas 12 bis 14 Pf. annehmen. Bei der verhältnismäßig bedeutenden Weiterentwicklurig der Techavit muß es möglich sein, den Friedenspreis wieder zu erreichen. Zum Teil befolgen die Städte aus übergroßer Aengstlichkeit eine noch viel zu weitgehende Thesaurierungspolitik. Es ist nicht notwendig, daß innerhalb weniger Monate alles an Erneuerungen geschafft wird, was früher in Jahrzehnten nicht geleistet werden konnte. Bei der ungeheuren Belastung der Bevölkerung, deren Einkommen im realen Wert weit hinter dem Frie denseinkommen zurücksteht, sind die Städte verpflichtet, mehr als bisher auf die Interessen der Bevölkerung Rücksicht zu nehmen. Immerhin liegen Anzeichen dafür vor, daß in einer Reihe von Städten in Bälde eine weitere Sentung des Gaspreises zu erwarten ist. Unfall einer Greifin. Einen Unfall beim Absteigen bon einem Straßenbahnwagen der Linie 79 erlitt am 4. Juli, vormittags 10%, Uhr, eine gebrechliche Greisin im 69. Lebensjahre am Köllnischen Fischmarkt. Zehn Wochen hat sie aus diesem Anlaß im Krantenhause zugebracht. Personen, die sich des Falles erinnern, werden gebeten, ihre Adresse an Witwe Künze, Alte Jakobstr. 75 IV, mitauteilen. Ein Kinderschänder wurde fürzlich dank der Aufmerksamkeit einiger Hausbewohner in der Justusstraße zu Reinickendorf verhaftet. Der Arbeiter Paul Satowsti aus der Wolliner Str. 14 batte hier einen Siebenjährigen überredet, mit in den Hausflur der Justusstr. 14 zu kommen. Dort versuchte der Unhold den kleinen zu mißbrauchen. Sein Geschrei loďte eine Hausbewohnerin herbei, die ihren Mann hinzurief. Darauf ergriff Sakowski die Flucht, wurde aber bald darauf in einem anderen Hause, wo er sich verstedt hatte, aufgegriffen und der Polizei übergeben. Schwimmeisterschaften der Schuhpolizei Berlin. Am Donnerstag, den 21. August d. Js., um 2 Uhr nachmittags, finden im Seebade Mariendorf, Burggrafenstraße 3, die diesjährigen Schwimmeisterschaften der Schutzpolizei Berlin statt. Oberwachtmeister Lang von der Inspektion Zehlendorf wird in vollkommener Ausrüstung vom 7 m Brett springen. Während der Wettkämpfe Konzert. Bezirksbildungsausschuß. Am Freitag, den 22. Auguft, 6%, Uhr, im Zentraljugendheim, Lindenstraße 3, 2. Hof III, Sigung des erweiterten Bildungsausschusses. Jeder Kreisbildungsausschuß wird gebeten, zwei Delegierte zn entsenden. Der Bezirksbildungsausschuß veranstaltet im Winter 1924/25 bier proletarische Feierstunden im Großen Schauspielhaus, und zwar am Sonntag, den 21. September: Die Inter nationale"; Sonntag, den 5. Dttober: Feierstunde zu Ehren Tollers"; Sonntag, den 9. November:„ Die Revolution"; Freitag, den 26. Dezember: Weihnachtsfeier"; außerdem vier große Festtonzerte in der Philharmonie, Bernburger Straße: Sonntag, den 12. Dftober: Drchesterfonzert, Werte von Beethoven und Brudner; Sonntag, den 23. November: Französische Kammermufit; Sonntag, den 25. Januar 1925: Internationale Lieder und Chorgefänge; Sonntag, den 15. März 1925: Slawische Mufit, Werke von Tschaikowsky und Dworat. Bier Feierstunden und vier Festfonzerte im Abonnement je 3,60 Goldmart. Einzeichnungslisten ' für beide Veranstaltungen liegen aus bei allen Abteilungsvorsitzenden und den Mitgliedern der Kreisbildungsausschüsse. " Freie Schulgemeinde Lichtenberg. Morgen, Freitag, 22. Auguft, abends 7 Uhr: Bortragsabend in der Aula der Mittelschule, Marktstraße. Referent: Herr Lehrer Winter. Hierzu find alle Eltern von Lichtenberg herzlich eingeladen. Nach dem Referat freie Aussprache. Eintritt frei. Der Bolts chor Südosten( Obers, Mederschöneweide und Johannisthal) gibt heute, Donnerstag, abends 7, Uhr in Johannisthal, Kaiser- WilhelmBlag ein öffentliches Konzert mit gemischtem und Männerchor. Nach dem Konzert Unterhaltung im Einsiedler in Johannisthal. Der neue Amerika- Zeppelin. 82. Abt. Steglig. 8 Uhr Gigung des Bildungsausschusses bei Thiel, Ringstraße 52. Festlegung des Winterprogramms. Jungsozialisten. Gruppe Nordost: 7½ Uhr Danziger Str. 23, Bunter Abend. Musikinstrumente und Liederbücher mitbringen. Gruppe Friedrichshain und ältere SAJ.: 7% Uhr im Jugendheim Tilsiter Str. 4 Bortragsabend: Das Londoner Abkommen". Referent Otto Bach. Morgen, Freitag, den 22. August: 3. Abt. 7% Uhr Sigung aller Funktionäre und Funktionärinnen bei Krüger, Engelufer 23. 8. Abt. 7 Uhr Bezirksführerfizung bei Ridert, Steinmekftr. 36a. wichtige Tagesordnung, muß jeder Bezirksführer anwesend sein, Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, 7½ Uhr: Gesundbrunnen I: Schule Gothenburger Str. 2, Bortvag: Guter Humor". Neukölln IV: Lobal Bärwintel", Steinbockstraße, äußerst wichtige Mita Norden: Schule Putbuser Str. 3, Bortrag: SAJ. und gliederversammlung. Schmargendorf: Rathaus, Berkaer Play, LiteSachverständigengutachten". Bom guten zum schlechten Film". vaturabend. Senefelber- Biertel: Badeanstalt Oderberger Str. 57, Bortrag: Weißenfee: Realgymnasium Woeldprome nade, Vortrag: ,, Die Entstehung der Welt". Zehlendorf: Südschule, Wilhelm ftraße, Bortvag:„ Ernst Toller". Werbebezirk Oberspree: Abends 7% hr im Jugendheim Niederschönemeide, Berliner Str. 31, Uebungsabend des Gefangdhors. Sämtliche Sänger müssen erscheinen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Bereinigung der Freunde von Religion und Völkerfrieden. Am Donnerstag, den 21. August, abends 7 Uhr, hält Genosse Pfarrer Bleier in der 31./32. Gemeindeschule, Charlottenburg, Doanienstraße, einen Vortrag über das Thema„ Die Tragödie des deutschen Boltes". Republikaner, Friedensfreunde, Mütter, erscheint zahlreich. Volksfürsorge. Sonntag, den 24. Auguft, Dampferfahrt nach Heffenwinkel. Abfahrt morgens 8 Uhr ab Oberbaumbrüde. Alle Versicherten sowie Gewerk schafts, Genossenschafts- und Parteifreunde find eingeladen. Fahrpreis inkl. Bergnügen 2,50. Bereinigte Uebungsstätten jüdischer Sportverbände( BJG.). Unter dieser Bezeichnung haben sich die folgenden jüd. Organisationen zu einem Swedverband aufammengeschlossen: Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Jüdischer Turnverein Bar- Kochba, Jübifcher Borklub Maccabi, Jüdischer Turne verein Berlin 1905, Deutsch- Jüdische Jugendgemeinschaft, Fecht- Club Bara Giora, Sport- BJSt.( im KJB.), K.-C. zu Berlin. 8med der Vereinigung ist die Beschaffung von eigenen Sportplägen und Uebungsstätten in Berlin. Die Geschäftsstelle der Vereinigung befindet sich in Berlin C. 2, Burgstr. 30, 8immer 76. Arbeitersport. Touristenverein Die Naturfreunde", Detsgruppe Berlin. Freitag, den 22. August, pünktlich 8 Uhr abends, Gipsstt. 23, 6prechhorprobe für Braunschweig. Arbeiter- Turnerbund, 4. Bezirk. Turnwarte und Borturner: Das erste Bezirksjugendtreffen findet am 21. Geptember in Stülpe bei Ludenwalde ftatt. Jeder Verein muß vertreten fein. Uebt für den Mannschaftswettkampf im Geräteturnen Ende Oktober in Luckenwalde. Jede Mannschaft besteht aus 3 Teilnehmern, 1 für Red, 1 fitr Barren, 1 für Pferd, mit je 2 Ritrübungen. Für Männer und Jugend Ober- und Mittelstufe, Turnerinnen und Alte Herren nur Mittelstufe. Freie Turnerschaft Schöneberg. Unsere Turnabende finden jegt wieber regelmäßig statt, und zwar: Männer: Mittwochs Dominicusplas, Freitags Mittelschule Rätherstraße; Turnerinnen: Mittwochs Dominicusplag, Freitags Rüdert- Schule, Rätherstraße; Jugend: Montags und Donners tags Belziger Straße, Turnhalle der Hohenzollern- Schule; Schüler ebenfalls Belziger Straße, 6-8 Uhr; Schülerinnen: Turnhalle 11. Schule, Feurig ftraße, Montags und Donnerstags 6-8 Uhr; Sportabteilung: Mitt wochs, Freitags, Sonntags vormittag Dominicusplag. Die Fußball. abteilung tagt jeden Freitag beim Genoffen Lehmann, Magstraße, Ede Frig- Reuter- Straße. Gäfte willkommen. Der Schwimmverein Freie Schwimmer Charlottenburg zeigt am Sonnabend, den 23. Auguft, abends 7 Uhr, im Liegenfee, am Bootshäuschen, zwei Wafferballspiele und bei eintretender Dunkelheit einen Sampionreigen. Die Zuschauer werden gebeten, die schönen Gartenanlagen des Liegensees bei den Vorführungen unter allen Umständen zu schonen. Freie Turnerschaft Charlottenburg. Die FTC. betreibt Turnen, Leichts athletik, Turnspiele usw. Abteilung fire Frauen, Männer und Jugendliche. Besonderes Interesse wird dem Kinderturnen entgegengebracht. In eigenen Abteilungen wird das Socken und Fußballspiel gepflegt. Ganges freudige Genoffen finden in der Gesangsriege herzlichfte Aufnahme. Die Turnstunden der Männerabteilung find Freitags von 8 bis 10 Uhr in der Halle der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule, Wilmersdorfer Straße: der Jugendabteilung Dienstags und Freitags von 8 bis 10 Uhr Schulturnhalle der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule, Wilmersdorfer Straße: der Jungmädchenabteilung Montags von 8 bis 10 Uhr Schulturnhalle Turnstunden der Männerabteilung. Kinderturnen Don bis 8 Uhr Montags und Donnerstags, für Knaben Schulturnhalle Nehring- und Raminerstraße, für Mädchen Schulturnhalle Wiebestraße, von 6 bis 8 Uhr Tegteve nur Dienstags, für Knaben Gueridestraße. Wiglebenstraße, Freitags Turnhalle Scharrenſtvaße. Auskunft während der Gestern fand in Friedrichshafen eine Besichtigung des für Amerika bestimmten Luftschiffes durch etwa 150 Vertreter der deutschen und auswärtigen Presse statt. Das neue Luftschiff hat einen Gasinhalt von 70 000 cbm, eine Länge von 200 m, feine größte Durchschnittsbreite beträgt 27,6 m und seine größte Höhe 31 m. Die Füllung des Luftschiffes, mit der am legten Montag begonnen wurde, wird 6 bis 7 age dauern. Mitte nächster Woche finden die ersten, etwa zweistündigen Probefahrten Dienstags und Freitags, für Mädchen Spree, Oranien und Schartenstraße, statt. Von dem Ergebnis dieser Fahrten wird der Termin für die weiter in Aussicht genommenen beiden türzeren Fahrten abhängen, nach deren Gelingen eine große Probefahrt vorgenommen werden soll, die nach Möglichkeit die großen Städte Deutschlands, gegebenenfalls auch Schweden berühren wird. Der Weg der Fahrt ist von der Wetterlage abhängig. Nach dieser großen Probefahrt wird das Luftschiff zur Ueberführung nach Amerita flargemacht, die bei günstigem Wetter voraussichtlich Mitte September stattfinden wird. Man rechnet je nach dem Wetter mit einer Ueberfahrtsdauer von 60 bis 100 Stunden. Einsturzfatastrophe bei einem Stierkampf. Im Verlaufe eines Stierkampfes ist in Blarta ein Teil der Tribüne aufammengebrochen. Fünf Buschauer wurden geötet, 15 schwer und eine größere Anzahl leicht verlegt. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 21. August. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. Nachrichtendienst, Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Genfoffe Schlegel, dessen Name in unserem Bericht über den Berliner Bezirksparteitag vom vergangenen Sonntag im 8usammenhang mit der Wahl des ersten Vorsitzenden genannt war, macht uns darauf aufmerksam, daß die Begründung für die Ablehnung seiner Kandidatur durch ihn im Bericht nicht richtig wiedergegeben ist. Er hat durch ein Schreiben an den Bezirksamtes. IV. Vortrag: Regierungsmedizinalrat Dr. Giulini:„ Die borstand erklärt, daß er wohl bereit wäre, unter gewissen Voraus fegungen die Wahl anzunehmen, daß er aber im Interesse der Bartei es für notwendig halte, wenn die Wahl des ersten Vorfizenden möglichst einstimmig oder mindestens mit einer möglichst großen Mehrheit erfolge. Da eine Wahl mit Inapper Majorität nur Unstimmigkeiten hervorrufen würde, habe er des halb gebeten, von seiner Person Abstand zu nehmen. 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 7.30 Uhr abends: Sprachunterricht( Englisch). 8.10 Uhr abends: Vortragsreihe, gehalten von Mitgliedern des ReichsgesundheitsBedeutung der Krankenversicherung für die Volksgesundheit". 9-10 Uhr abends: Froher Abend. Mitwirkende: Charlotte Freyer: Operettenschlager, Richard Stegmann, 1. Solotrompeter des Berl. Philharmonischen Orchesters: Trompetensoli, Kurt Gerron: Lustiges von Busch und Rideamus, Robert Koppel: Neue Chansons. Am Flügel: Dr. Felix Günther. Anschließend: Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetter dienst, Sportnachrichten. 10.25-11.30 Uhr abends: Tanzmusik. 3. Sport. Rennen zu Ruhleben am Mittwoch, den 20. Auguft. 1. Rennent. 1. Dlley B.( B. Hedert), 2. Jason jr.( 3. Kozal), Pedra( F. Schmidt). Zoto: 32: 10. Blak: 14, 16, 34: 10. Ferner liefen: Della, Hauptmann, Johannisfeuer, Diana VII, Germania B., Fürst, Hetmann, Elfchen, Willy I. 2. Rennen. 1. Hersteller( F. Schulz). Toto: 32: 10. Blak: 16. 1. Marne( Herm. Schleusener). Toto: 22:10. Platz: 21. 3. Broschüre ( Rogowski). Plat: 18: 10. Ferner liefen: Flamingo, Dentmünze, Armenier, Meister B., Carl Alexander, Diagonale, Terrarier, Kopie, Mora. 3. Rennen. 1. Karneval( E. Paul), 2. Barde( F. Brandt), 3. Mädel ( v. Sokol). Toto: 56:10. Platz: 23, 34, 23: 10. Ferner liefen: Zeitgeist, Pontresina, Walfisch, Arche, Baron Watts jr., Kronprinz L, Maitönigin I, Bring Kudud, Albatros, Schneewolfe, Tello, Jadi, Attorie. 4. Rennen 1. Interpellant( Ch. Mills), 2. Peter Harvester( Dinse), 3. Klud( D. Kleinau). Zoto: 13:10. Blaz: 11, 13, 12: 10. Ferner liefen: Schwarzwaldmädel, Margareth O'Donna, Zigeunerbaron, Beratha, Stegleicht. 5. Rennen. 1. Dftermagda( Weldmilller), 2. Agi( Herm. Schleusener), 3. Prinzeß Bertha( H. Mins). Toto: 147: 10. Plak: 28, 19: 10. Ferner lief: Gawein. 6. Rennen. 1. Mtg Pilot( E. Ningius), 2. Lady Bosworth( Hedert), 3. Bainsca( Knöpnadei). Toto: 71: 10. Plat: 20, 23, 19: 10. Ferner liefen: Citran, Irrtenfelchen, Zu, Else B. I, Nanette I, Goudster jr., Dolina. 7. Rennen. 1. Aqua viva( E. Trenherz), 2. Doritha( Th. Mills). Toto: 13: 10. 2 liefen. 8. Rennen. 1. Primus( E. Ringius), 2. Willy A.( Weidmüller), 3. Razzbach( Hans Schleusener). Zoto: 64: 10. Blaz: 11, 11, 14: 10. Ferner liefen: Etatshöferin, Delos, Stammersänger, Tudora. 1. Harry B.( Ch. Mills), 2. Sybill( Schröder), 3. Ludmill I( Rogowski). Toto: 20:10. Plat: 15, 21: 10. Ferner liefen: Berdun, Bechfadel, Simpler, Gatein. 9. Rennen. Wetter für Berlin und Amgegend. Biemlich fühl, zeitweise helter, aber noch einzelne leichte Regenfälle. Für Deutschland. Im Besten wieder holle, im Osten nur vereinzelte Regenfälle. 1000 Za Was das Odol besonders auszeichnet vor allen anderen Mundreinigungsmitteln, ist seine merkwürdige Eigenart, die Mundhöhle nach dem Spülen gewissermaßen mit einer mikroskopisch dünnen, dabei aber dichten antiseptischen Schicht überziehen, die noch stundenlang nachwirkt. Diese Dauerwirkung, die kein anderes Präparat besitzt, ist es, die demjenigen, der Odol täglich gebraucht, die Gewißheit gibt, daß sein Mund sicher geschützt ist gegen die Wirkung der Fäulniserreger und Gärungsstoffe, die die Zähne zerstören. Odol ist wirklich gut. Odol Wirtschaft Agrarzölle und Export. In interessanter Weife setzt sich Professor Dr. Auhagen in der„ D. A. 3tg." mit der Zollfrage auseinander. Auhagen ist Anhänger der Getreidezölle und begründet sie nach der verschiedensten Richtung, ohne indes die nachteiligen Wirkungen der Schutzölle auf die einzelnen Wirtschaftsgebiete zu leugnen. Besonders eindringlich schildert der Verfasser die Gefahren der Agrarzölle für unseren Export: Das schwere Geschütz, das gegen die Agrarzölle aufgefahren wird, betrifft die allgemein- volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Nachteile. Wir sind heute in großer Sorge um unsere Ausfuhr. Ohne umfangreichen Export find Millionen von Industriearbeitern zur Arbeitslosigkeit oder zur Kurzarbeit verurteilt. Mit unseren heutigen Fabrikationsfoften haben wir die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt für große Gebiete eingebüßt. Das Hauptbestreben unserer Wirtschaftspolitik seit der Stabilisierung unserer Baluta war daher auf den Abbau der Produktionskosten gerichtet. Und mun in diametralem Gegensah hierzu der Plan von Agrarzöllen, der unsere Konkurrenzfähigkeit gegenüber zollfreien Ländern entsprechend mindern muß. An solcher Politit wird die innere Logit vermißt, indem als Hauptziel auch für die nächste Zukunft die Wiederbelebung des Exports hingestellt wird. Zweifellos wird unser Export durch Agrarzölle fehr empfindlich gehemmt werden, nicht nur wegen der Berteuerung unserer Produktionskosten, sondern auch wegen der zu erwartenden Rückwirkung auf die Handelspolitit agrarischer Exportländer zuungunsten unserer Industrie. Aber so schmerzlich uns eine der= artige Wirkung gerade unter heutigen Umständen trifft, so wäre es doch ganz einseitig, deswegen die Agrarzölle unbedingt zu verwerfen. Es dreht sich um die alte Streitfrage bezüglich der beiden Grundlagen unserer Volkswirtschaft: welche ist breiter und fester, die Exportindustrie oder die heimische Landwirtschaft und der sich auf ihr aufbauenden Binnenmarkt? mitteln befriedigen soll wie vor dem Kriege. Dabei ist noch fein| schäftigungsgrad der Industrie hat sich also ganz erheblich verPfennig für Reparationszahlungen vorgesehen! schlechtert. Bernachlässigt man also den Export, so heißt das, daß man den Londoner Patt nicht erfüllen tann. Damit würde Deutschland erneut zum Spielball der Politik der internationalen Mächte. Das ist die eine Seite eines solchen Schutzes der nationalen Arbeit": Also selbst wenn teine Reparationen gezahlt werden, bedarf es ungeheurer Anstrengungen, um nur den zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft notwendigen Export zu erzielen. Gelingt das nicht, dann gibt man Hunderttausende und Millionen von Induftriearbeitern dem Hunger oder der Auswanderung preis! Das ist die zweite Seite des Schutzes der nationalen Arbeit. Man muß Profeffor Auhagen für seine„ Begründung" des Agrarzolls dankbar sein! Agrarzolls dankbar sein! Die Beschäftigung der Industrie im Juli. Die tatastrophale Verschlechterung der industriellen Beschäftigung in ganz Deutschland tritt besonders traß in den Berichten des Reichsarbeitsblattes, das soeben erschienen ist, hervor: Obwohl im Juli eine etwas größere Geldflüssigkeit auf dem Geldmarkt eintrat, hat der schwere Drud, unter dem die deutsche Wirtschaft seit April- mai steht, feine wesentliche Erleichte= rung erfahren. Das Schwinden des Betriebskapitals von Handel und Industrie in der Zeit des Währungszerfalls, die Verarmung des Mittelstandes und der breiten Schichten, das Sinken der Sachwerte infolge der Inflation, der Staats- und Hypothekenschulden, durch welche die Kapitalfauftraft vernichtet wurde, haben die günstigen Wirkungen der Stabilisierung der Mart bald gehemmt und eine immer größere Zahl von Industriezweigen wurbe in eine ständig wachsende Absah- und Kreditkrise hineingeschoben. Auch für den Monat Juli war das Hauptkennzeichen der Lage das Fehlen der Inlandskauftraft und die Unmöglichkeit, den Auslandsabsah zu steigern, meil die Industrie infolge ihrer Borbelasturigen zu hohe Gestehungskosten hat. Die Arbeitszeitverfürzung nahm infolgedeffen weiter zu und es wurden vielfach Arbeitsträfte entlassen. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen im unbesetzten Reichsgebiet ist von 240 000 am 1. Juli auf rund 328 000 am 1. Auguſt gestiegen. Die Zunahme ist also sehr beträchtlich, fast 40 Prozent. Hier setzt die professorale Kurzfichtigkeit ein. Auhagen be hauptet schlankweg, daß sich der Binnenmarkt der Industriefabrikate auf der Landwirtschaft aufbaue. Tatsächlich ist aber auch der Industriearbeiter auf Industriefabrikate in sehr hohem Maße angewiesen. Es dürfte auch einem Mann wie Auhagen nicht unbekannt sein, daß die industrielle Bevölkerung fich leiden und wohnen muß, daß die industrielle Bevölkerung ferner diese Be dürfnisse um so vollkommener befriedigen kann, je größer ihre Kauffraft ist. Tut sie dies aber, so stellt sie den besten Rückschlechtem Geschäftsgang erhöhte sich von 43 Proz. im Bor. halt für die industrielle Produktion dar. Nun gibt es in Deutschland viel mehr Industriearbeiter und Angestellte als Landarbeiter und Grundbesitzer überhaupt. Daran läßt sich ohne weiteres ermessen, ob die in der Industrie oder die in der Landwirtschaft Beschäftigten die größere Stütze für den Binnenmarkt darstellen. Auffallenderweise dämmert dem Verfasser diese Konsequenz, wenn er die sozialen Wirkungen der Agrarzölle würdigt: Daß fozialpolitisch die Zölle heute noch viel be. dentlicher find als vor dem Kriege, ist gleichfalls nicht hinwegzuleugnen. Breite Schichten unseres Boltes stehen hart am Rande des Eriftenzminimums. Die geplante Ermäßigung der Umsatzsteuer um ½ Proz.( bei vierfachem Umschlag um über 2 Broz.) wird bei weitem nicht ausreichen, um die Wirkung der vom Zoll zu erwartenden Preiserhöhung zu neutralisieren. Lohn- und Gehaltssteigerungen zugunsten der in ihrer Lebenshaltung bedrohtesten Klassen werden nicht zu vermeiden fein, trop der ungünstigen wirtungen, die auch hieraus für unseren Export entspringen. Also: die Kauftraft der breiten Massen wird geschwächt, und zwar noch brutaler als das durch die Zölle vor dem Kriege der Fall war! Stellt aber diese Entziehung von Kauffraft nicht wieder eine Schwächung des Binnenmarties dar? Es ist demnach vollkommen abwegig, werm Auhagen schreibt: Schlimm ist es, wenn die Agrarzölle die Wiederentfaltung des Exports behindern, ein noch viel größeres Unglück aber wäre es, wenn unsere Landwirtschaft zusammenbräche. Falsch ist die Behauptung aus zwei Gründen: Einmal ist es unbewiesen und unbeweisbar, daß die Landmirtschaft ohne Schutzölle zusammenbricht. In England, Dänemark und Belgien, wo fein Schutzzoll auf Agrarprodukte bestand, hat der Freihandel im Gegenteil die Landwirtschaft be. fruchtet. Zum anderen ist der Export unentbehrlich, wenn man überhaupt an die Aufrechterhaltung Deutschlands glaubt. Nach neutrafem Urteil muß unser heutiger Export auf 16% Milliarden Mart, also auf das Dreifache des heutigen Standes gesteigert werben, wenn Deutschland seinen Bedarf an Rohstoffen und LebensNach den Berichten des Reichsarbeitsblattes, die von 2058 typi schen Industriebetrieben für 1,13 Mill. Beschäftigte erfolgten, ging die Gesamtbelegschaft dieser Unternehmungen vom 15. Juni bis 15. Juii um 1,4 Broz zurück. Der Anteil der Arbeiter in Betrieben mit monat auf 56 Proz. im Juli. Die Zahl der Arbeitnehmer, die noch in gut beschäftigten Betrieben arbeiten, betrug im Juli 13 Proz., in befriedigend teschäftigten Betrieben waren 31 Prog. der Arbeitnehmer tätig. Die entsprechenden Zahlen für Juli 1923 waren 24 Broz. bzw. 36 Proz, für Juni 1924 17 bzw. 40 Proz. Der BePreisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose.. 16,75 20,25| Röstgetreide, lose.... 15.50-18,00 Gerstengrütze, lose 15,50-16,50 Kakao, fettarm . 65,00-75,00 Haferflocken, lose.... 16,50-18,50 Kakao, leicht entölt 86,00-100,00 Hafergrütze, lose... 18,50-19,50 Tee, Souchon, gepackt. 350,00-430,00 Roggenmehl 0/1..... 13,00 14,00 Tee, indischer, gepackt. 425,00-500,00 18,50-20, 0 Inlandszucker basis mel. 37,50-38,50 Weizengrieß Hartgrieß 22,75 24,75 Inlandszucker Raffinade 39,00- 41,00 16,50 17,75 Zucker Würfel....... 44,00-47,50 18,75 24,00 Kunsthonig 30,00-32,00 16,00-19,00 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 9,25 13,00 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00- 31,00 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-95,00 35,00 40,00 27,0030,50 Marmelade Vierfrucht 20,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 30,00-36,00 31,00 37,50 Steinsalz, lose....... 39,00-46,00 Siedesalz, lose 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimeh! Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 3,103,70 4,00-4,70 82,00-82,50 83,00- 84,00 80,00-80,50 80,00-81,00 18,75-20,50 Bratenschmalz in Tierces 36,00-42,50 Bratenschmalz in Kübeln 33,50-36,00 Purelard in Tierces 16,00-18,75 Purelard in Kisten 15,50-16,50 Speisetalg in Packung 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln 23,25-31,00 Margarine, Handelsm. I 30,00-36,00 desgl. II 85,00-90,00 Margarine, Spezialm. I. 40,00-43,00 desgl. II. 50,00 55,00 Margarine III 60,00 Molkereibutter i. Fässern 203,00-210,00 = 63,00 57,00-60,00 79,00 66,00-68,00 Rosinen in Kisten, Candia 65,00 70,00 Molkereibutter in Pack. 209,00-212,00 Sultaninen Caraburnu.. 80,00-90,00| Landbutter Korinthen, choice.... 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 208,00-216,0) Mandeln, süße Bari 175,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,50-37,00 Mandeln, bittere Barl.. 155,00-160,00 Ausl Speck, geräuchert 75,00-85,00 Zimt( Cassia) 106.00-115,00 Quadratkäse. 30,00-45,00 Kümmel, holländischer. 55,00-65,00 Tilsiter Käse, vollfett..100,00-115,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 108,00-115,00 Bayr. Emmenthaler 165,00-175,00 Weißer Pfeffer 150,00-155,00 Echter Emmenthaler 180,00-185,00 Rohkaffee Brasil 180,00-215,00 Ausl. ungezuck. CondensRohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16 21,00-23,25 Röstkaffee Brasil 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00-26,50 Die Aussichten der deutschen Reparationsanleihe. = = Mehrere amerikanische Großbanten, die National City= Bank, der Equitable Trust, der Banker Trust, der Metropolitan Trust und das Banthaus Kuhn u. 2oeb haben eine Rundfrage abgehalten, aus der hervorgeht, daß die amerikanischen Banfiers in der Mehrzahl hinsichtlich der Unterbringung eines Teiles der 800- Millionen- Anleihe auf dem Sie hoffen amerikanischen Markt sehr hoffnungsvoll find. auf alsbaldige Ratifizierung der Londoner Beschlüsse durch die Barlamente in Paris und Berlin und lassen vernehmen, daß die hauptsächlichsten Faktoren, die zur Besserung der internationalen Wirtschaft beitragen, folgende seien: 1. der ausgezeichnete innere Wert der deutschen Anleihe, 2. die Wiederbelebung der deutschen Industrie, 3. die amerikanische Rapitaleinfuhr, 4. der Beginn einer neuen Aera in den auswär tigen Beziehungen durch die Unterbringung der amerikanischen Kapitalien. Andererseits trägt auch die Unterstützung des Präsidenten Coolidge dazu bei, daß die amerikanische Bevölkerung hinsichtlich der Anleihe viel Vertrauen zeigen wird. Man nimmt an, daß die Morgan- Bank bei der Unterbringung der Anleihe eine führende Rolle spielen werde. Großhandelsinder. Die auf den Stichtag des 19. August berechnete Großhandelsindegziffer des Statistischen Reich 3amts ist gegenüber des Standes vom 12. Auguſt( 120,2) um 0,8 Proz. auf 121,2 gestiegen. Von den Hauptgruppen haben sich die Lebensmittel von 110,4 auf 111.9 oder um 1,4 Proz., davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 97,8 auf 99,5 oder um 1,7 Proz. erhöht. Die Industriestoffe blieben mit 138,5( Vorwoche 138,6) nahezu unverändert, ebenso die Gruppe Kohle und Eisen mit 129,5 und die Hauptgruppe der Einfuhrwaren mit 158,1, während diejenige der Inlandswaren von 112,7 auf 113,8 oder um 1,0 Proz. anzog. Filmschau. Gösta Berling. Db Schwedens populärstes Dichterwert, das ihrer Berfasserin, der ehemaligen Lehrerin und späteren Nobelpreisträgerin, dem Mitgliede der schwedischen Akademie, Selma Lagerlöf, Beltruf eintrug, gefilmt werden muß oder tann, ist eine Frage für sich. Die zahlreichen Liebhaber dieses romantisch- legendenhaften Romans, der auf Ueberlieferungen zurüdgeht und aus dem Volte Sagen und Anekdoten sammelt um die Tafelrunde der zwölf entgleiften, verbummelten, originellen Kavaliere auf dem Gute Ekeby, müssen von jeder Verfilmung enttäuscht sein. Denn den ganzen Bauber dieser phantastischen Welt, die Wahrheit und Dichtung, naiv und fentimental, reich und tief in Volks- und Landschaftsschilderung wie in Charaktergestaltung ist, fann fein Film geben. Jedenfalls hat Schwedens erfter Filmregiffeur Maurits Stiller im Verein mit den hervorragendsten schwedischen Darstellern sein Bestes daran gesetzt, um diesen größten aller schwedischen Filme zu schaffen. Natürlich ist die ungeheuer episodenreiche Handlung start zusammengefaßt, gestrafft, die Fülle der Stavalierporträts tritt zurüd zugunsten des einen, der ihr aller Sinnbild wird, des genialischen, byzarrischen Gösta Berlings, des Frauenlieblings. Seine Abenteuer sind der Inhalt des Films, der natürlich einen guten Schluß bekommt.( Selma Lagerlöf foll all den Aenderungen zugestimmt haben.) Maurits Stiller hat wie bei„ Herrn Arnes Schatz" und der„ Herrenhofsage" auch diesmal wieder die Einheit von Natur und Mensch, das ZusammenHlingen von Landschafts- und Seelenstimmung meisterlich zustande gebracht. Schwedens schönste Landschaft, Wermland, mit seinen Wäldern und Seen, Wasserfällen und Herrenfigen wird bor uns in prächtigen Aus schnitten lebendig. Herrliche Winterlandschaften! Grandios ist die nächtliche Schlittenfahrt über den zugefrorenen See mit den verfolgenden Wölfen hinterdrein. In diesem Rahmen entfaltet sich das tolle Treiben Das Milieu der Kabaliere unter dem Zepter der starkgeistigen Majorin. der Zeit um 1830 ist mit viel Geschmack in Architektur, Möbeln und Softümen rekonstruiert. Es geht wirklich ein Zug von fortreißender Festlichkeit durch diese Szenen. Das Tempo ist anfangs, da Göstas Pfarrer gefchichte nachgeholt wird, etwas stockend, aber nachher ist immer frische Fahrt im Fortgang der Ereignisse. Im zweiten Teil steht als wirkungsbollites Schauobjekt der nächtliche Schloßbrand im Mittelpunkt. Und nun die Menschen! Unvergleichlich die fraftvolle Majorin, auf der Grenze des Alters, prachtvoll lebensbejahend und dann nach der Katastrophe leidberflärt, von Schwebens größter Künstlerin Gerda Lundequist. Dahlström verkörpert. Nicht so einstimmig wird Lars Hanson Beifall finden als Gösta Berling, weil Lieblingsfiguren des Publikums nie Und doch wieviel Adel, zu aller Zufriedenheit gestaltet werden können. Schwung und Schönheit ist in ihm und wieviel Weichheit und Zerrissenheit! Die Kavaliere fommen bis auf Kapitän Bergh zu kurz. Dafür ist die Galerie schöner Frauen um so interessanter. Vor allem Greta Garbo, die junge Gräfin Elisabeth Dohna, voll entzückenden Liebreizes. Die Tänzerin Jenny Hasselquist und Mona Martenson stehen ihr faum nach. Die älteren Frauen find vortrefflich charakterisiert( Ellen Cederström als intrigante Gräfin, Hilda Forslund ersten Ranges als Mutter der Majorin). In einer luftig grimmigen Teufelsepisode wirkt Sven Scholander mit. 9 Die dreieinhalbstündige Vorführung beider Teile, die im Mozarta saal in Gegenwart des Regisseurs und der Hauptdarsteller vor fich ging, Der Svensta- film hat in ließ feinen Augenblick das Interesse erlahmen. seinen Ruhmestranz einen vollen neuen Zweig geflochten. Einsegnungs- und Schülerkleidung Einsegnungs- Anzüge Größe 38-44, Blaue Cheviotanzüge, haltbare Qualität, ein• Mark 30.-, 25.und zweireihig.. 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Dies zeigen im tiefsten Schmerze an Reichenberger Str. 57 Die trauernden Kinder. Beerdig: Sonnab, 23. Aug., nachm. 31%, U., von d. Halle d. Emmaus- Kirchh., Neutölln, Hermannstr., aus Berein d. Berliner Buchdrucker und Schriftgießer Dienstag, 26. August, nachm. 5½ Uhr, im Gewerkschaftshaus, großer Saal Generalversammlung Tagesordnung: 1. Berichterstattung von den Lohnverhandlungen. 2. Protest des Kollegen Daniel Engelmeier gegen seinen Ausschluß. Zu dieser Generalversammlung haben außer den Delegierten die Bertreter gemäß § 4, Abs. 1 und die Vertreter der Betriebe nach§ 4, Abs. 3 Zutritt( großer Stempel 1924) Eintritt nur gegen Vorzeigung der Legitimationskarte. Der Gauvorstand. Zurück Dr. Glaser Kottbuser Damm 5. Buchhaltung, stundenw. langjähr Bilanzen, Steuern, Buchhalt. Kohn, Milastr. 6, Qugb., II. Hosen Hosen jeder Art kaufen Sie am besten und billigsten in d. München- Gladbacher Hosen- Zentrale. 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