Nr.ZH4� 41. Jahrgang Ausgabe A Nr. 201 Bezugspreis: WSchenIIich 70(Bolbpfenntg, monatlich 8,— Goldmark voraus zahlbar. Unter Äteujbonb für Deutschland. Dauzig, Saar- und Memelgediet. Oesterreich. Litauen. Luxemburg€50(Soldmarl, für das übrige Ausland 5,50 Doldmar! pro Monat. v«r..Dormärls' mit der Sonntags- beilage..Boll und K«it� mit..Sied» lung und Lieingarten� sowie der Unterhaltungsbeilage„Heimwell" und Frauenbeilage..Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montag» einmal. Telegramm-Adr-lse: »Sotialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Zevlinev VolKsblakt c lOGoldpfeitsilg 100 Hilliarden ) Anzclgenpreise: Di« einspaltige Nonpareille. »eile 0.70 Goldmark. Reklamezeile t— Goldmark,„itleinc Anzcigeu" das fettgedruckt« Wort 0.20 Sold- Marl szuläisig»wei fettgedrückte Wortc). iede» wcitere Wort 0..I0 Goldmark. Stellengesuche das erste Wort 0,l0 Golomart iede» weitere Wort 8.05 Goldmark. Worte über l» Buchstaben»ählen sür»wei Wort«. 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Denn die deutschnationale Reichstagsfraktion, bei der die Entscheidung steht, hat nach ihrer gestrigen Sitzung folgende parteioffizielle Erklärung herausgebracht: Di« deutschnational« Reichsiagsstaktion, verstärkt durch zahlreiche Mitglieder der preußischen Landtagsfraktion, nahm am Donnerstag einen eingehenden Bericht des Parteioorsitzenden entgegen. Sie sprach zu der bisherigen Haltung der Parteileitung, insbesondere zu der Veröffentlichung vom 15. August 1924 einmütig ihre Zustimmung aus.' Sie stellte ferner einmütig fest, daß sie nach wie vor auf dem in ihren sieben Punkten und in der Red« des Abgeordneten Hoetzsch vom 2g. Juli festgelegten Standpunkt beharrt. Sie ist sich dabei chrer Verantwortung voll bewußt und ist überzeugt, daß sie mit dieser Haltung den Interessen und der Stim- mung ihrer Parteifreund« in den besetzten Gebieten entspricht. Diese Erklärung ist im Kern ebenso klar, wie sie in der Form gewunden und gequält ist. Die Veröffentlichung vom 15. August hatte sich in schärfster Form für die Ableh- nung ausgesprochen. Wenn die Fraktion diese Veröffent- lichung billigt, so legt sie sich damit auf die Ablehnung fest. Diese Festlegung wird geradezu zu einer F e st n a g e- lung durch die Erwähnung der berühmten sieben Punkte, an deren restlose Erfüllung durch die Londoner Konferenz von vornherein kein vernünftiger Mensch glauben konnte. Die Deutschnationalen haben durch ihren Beschluß vom 21. August sich selber und damit auch dem Reichstag der Inflation das Urteil gesprochen. Der Reichstag hat jetzt, nach Kassierung der oberschlesischen Wahlen, 466 Mit» alieder, zur Zweidrittelmehrheit gehören 311. Für die Ge» setze dürften außer den 166 Sozialdemokraten stimmen: 62 Zentrumsleute, 44 Volksparteiler, 28 Demokraten, 16 Bane- rische Volksparteiler, 15 Wirtschaftsparteiler, zusammen 265, dagegen 165 Deutschnationale, 66 Kommunisten, 32 Völkische und 4 Deutschsoziale, zusammen 261. Mit diesem Reichstag läßt sich der Londoner Vertrag nicht durchführen! Zur gleichen Zeit mit der deutschnationalen Fraktion tagte der sozialdemokratische Fraktionsvor- stand. Er war einmütig der Meinung, daß dieser Reichs- tag, so oder so. der Auflösung verfallen müsse. Die Frage, ob man durch Neuwahlen oder durch Volksentscheid rascher und gründlicher zum Ziel komme, wurde als eine mehr tech- nifche betrachtet. Auf keinen Fall aber kann davon die Rede sein, daß der Volksentscheid als Ersatz für die notwendigen Neuwahlen zur Anwendung gebracht werden dürfte. Ein Volksentscheid läßt sich nur dann rasch herbeiführen, wenn der Reichstag für diesen besonderen Fall eine Abkürzung der vorgesehenen Fristen beschließt. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion dürfte unseres Erachtens zur Herbei- fllhrung eines solchen Beschlusses ihre Hand gar nicht bieten, wenn keine Gewähr dafür gegeben wäre, daß der Spezial- entscheidung über den Londoner Vertrag die General- abrechnuna mit den wirklichen Bollsverrätern unmittel- bar auf dem Fuße folgen wird. Mr möchten noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Selbst wenn die Deutschnationalen noch in allerletzter Stunde die Borsicht als der Weisheit besseren Teil erwählen und durch irgendein parlamentarisches Manöver das Zustandekommen der Zweidrittelmehrheit ermöglichen würden, auch dann wäre die Auflösung unbedingt notwendig. Denn das Fort- bestehen dieses Reichstags nach einer mit Ach und Krach zu- stände gebrachten positiven Entscheidung bliebe eine dauernde Gefahr. Es handelt sich nicht nur darum, den Londoner Ver- trag anzunehmen, fondern auch darum, eine Politik der V e r- tragstreue zu treiben. Kann man das mit einem Reichs- tag. dem die durch und durch unehrliche Schiebe- und Schaukel- Politik der Deutschnationalen das Gepräge aufdrückt? Der nächste Reichstag wird eine Zweidrittelmehrheit für die Dawes-Gefetze haben, wenn es gelingt, den Deutschnatio» nalen, Kommunisten und Völkischen zusammen etwa 46 Man- date abzunehmen. Das muß und wird gelingen. Die Parteien, die jetzt diese Gesetze ablehnen wollen. übernehmen damit vor dem Volk eine Verantwortung, die sie erdrücken wird. Sie stellen durch ihr frevelhaftes Treiben olle Ergebnisse von London in Frage: die Räumung der be- fetzten Gebiete, das Aufhören der Micum-Lasten. der Zoll- beschlagnahme, der Eisenbahnregie, die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftseinheit, die Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft. Was haben sie für diese Schäden, die sie ihm bewußt und absichtlich zufügen, dem Volk zu bieten? Nichts als einen Sack leeret Redensarten, mit dem das Volk sie heimschicken wird! Ja, es wird dann gellen, G e r i ch t zu halten über diese Verbrecher am deutschen Volk! Die Wähler werden Gelegen- hell erhallen, ihr Urteil zu revidieren über diese Hanswürste des Revanchekrieges und der bolschewistischen Weltrevolution! Das Wort wird sich bewahrheiten, daß adas allgemeine Wahl- recht wie die Lanze des Achill ist, daß es die Wunden heill, die es schlägt! Aus den Massen selbst heraus wird der Ruf kommen: „W ir dulden diesen Reichstag nicht mehr!" Die Ungezählten, bald zu zählenden, die sich am 4. Mai noch von völkisch-nationalen oder kommunistischen Redensarten betören ließen und denen jetzt die Augen aufgegangen sind, haben ein Recht zu verlangen, daß ihnen Gelegenheit gegeben wird, ihren Fehler wieder gutzumachen. Sie hatten, gequält vom Druck der Inflation, mchr einer augenblicklichen Ver- zweiflung als der Ueberlegung folgend, geglaubt, daß die Rcichstagswahlen nichts anderes seien als eine Gelegenheit zu Zlusbrüchen eines unklaren Gefühls. Jetzt aber bläst der rauhe Wind der Wirklichkeit alle Phrasennebel fort. Jetzt gilt es. eine Entscheidung in einer praktischen Frage von schicksalhafter Bedeutung zu fällen, und man sieht klar, wie sich die Parteien zu ihr stellen. Deutschnationale, Kommunisten und Völkische, einig in der Verneinung! ihre Kräfte gegenseitig aufhebend in ihrer positiven Zielsetzung, müssen im Reichstag zur Bedeutungs- losigkeit herabgedrückl werden, wenn praktische Arbeit sür das Volk, vor allem für seine arbeitenden Massen, möglich werden soll. herriot berichtet Paris. 21. August.(Eigener Drechtberich-t.) Die französische Kammer trat am Donnerstag nachmittag um 3 llhr zur Entgegen- nähme einer Erklärung Herriots über die Londoner Konferenz zu- scrmmen. Die Abgeordneten waren fast vollzählig erschienen. Die Tribünen waren stark besetzt. Herriot, der bei seinem Erscheinen von der Linken st ü r m i s ch begrüßt wurde(während der Kommunist Marty ein Riesenplakat mit der Inschrift:„Wieder ein Verbrechen!" entrollte), begann mit einem kurzen Rückblick auf die der Londoner Konferenz vorangegangenen Verhandlungen in Chequers und Paris. Die zwischen der englischen und französischen Regierung getroffenen Abmachungen hüllen zu der Hoffnung berechtigt, daß die Londoner Verhandlungen keinen allzu großen Schwierigkeiten begegneten. Es fei aber wesentlich anders gekommen. Bereits die Verhandlun- gen in der ersten Kommission, die das Verfahren im Fall deutscher Verfehlungen festzulegen hatte, seien aufunerwarteteSchwie- rig ketten gestoßen. Die französischen Delegierten hätten nichts unterlassen, um das Recht Frankreichs, gesondert zu handeln für den Fall, daß ein gemeinsamer Beschluß der Alliierten nicht zu- stände komme, zu vertreten, seien aber dabei den größten Hin- der nissen begegnet. Vor allem der Versuch, eine Auslegung des s 18(das umstrittene Recht zu Sanktionen) herbeizuführen, habe schwere Verwicklungen geschaffen. Die Mißoerstäodnisse und Vorurteile, zu denen die Haltung der französischen velegaklon in dieser Frage Anlaß gegeben habe, hätten mehr ots einmal die Konferenz ernstlich gefährdet. Als es in dieser Kommission endlich zu einer Einigung gekommen sei. habe das Eingreifen der internationalen Finanz alles wieder über den Haufen geworfen. Verschiedentlich sei behauptet worden, daß hinter diesem Schritt der Bankiers eine politische Opposition ver- oorgen gewesen sei. Die Achtung vor der politischen Unabhängig. keit der anderen Länder verbiete es, sich darüber auszusprechen. Immerhin dürfe man nicht vergessen, daß, nachdem man solange. mit der Regelung der Probleme, die sich aus dem Krieg ergeben haben, gewartet habe, man heute mit all den Verwicklungen rechnen müsse, mit denen die innere Politik der einzelnen Länder die diplomatischen Verhandlungen naturgemäß belaste. Der Krieg habe alle Energien zusammengesaßt. der Friede dagegen lasse die Interessen und Ausfassungen von neuem auseinanderlaufen. Wenn es in London nicht schließlich dock gelungen wäre, alle diese Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken, so wäre wahrscheinlich in kurzer Zeit die Kluft so groß geworden, daß alle Bemühungen zu einer neuen Annäherung aussichtslos geworden seien. Die in den letzten Tagen veröffentlichten Dokumenten lieferten dafür einen neuen Beweis. So feien die Verhandlungen der Konferenz auf einen toten Punkt geraten, und heute könne man es sagen, ihr Schei- tern habe in diesem Augenblick im Bereich der Wahrscheinlichkeit ge- legen. Frankreich könne das verdienst sür sich in Anspruch nehmen, die verhängnisvollen Schwierigkeiten, an denen die Konferenz sich lolzulaüfen schien, überwunden zu haben durch den Vorschlag der schledsrichlerlichen Lösung aller offengebliebenen Fragen. Herriot legte sddann die näheren Einzelheiten dar, unter denen auf Grund der in London zustande gekommenen Beschlüsse diese» Prinzip der schiedsrichterlichen Entscheidung nicht nur bei der Fest- Darum, schafft freie Bahn! Fort mit diesem In» flations-Reichstag! ♦ Eca gibt über die Sitzung der Deutschnationalen folgenden Bericht aus: In der Fraktionssitzung der Deutschnationalen Bolkiparter hat Abg. Hergt über die durch die Londoner Konferenz und ihr Er- gebnis geschaffene Lage berichtet. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, stellte Hergt fest, daß die Deutschnationale Frak- tion trotz der Schwierigkeiten, die eine Ablehnung im Gefolge haben müßte, auf Grund ihrer bisherigen Haltung gezwungen sei, dem Londoner Abkommen ein„Rein" entgegen zu setzen. In der Aussprache, die sich, wie von deutschnationaler Seite versichert wird, ganz der Ansicht Hergts anpaßte, wurde ver. fchiedentlich betont, daß die Lage ganz anders wäre, wenn den Deutschnationalen der Eintritt in di« Regte- r u n g vor Wochen ermöglicht worden wäre. Heber die Gestaltung der Lage nach der Ablehnung hört man aus deutschnaticnalen Kreisen, übereinsllmmend mit den Dar- legungen verschiedener Abgeordneter in der Rechtspress«, daß schlimmstenfalls einige Monate neuer Härten herein- brechen würden, die eben im Interesse der Gesamtheit und des End- «rfolges ertragen werden müßten. Nach Ablauf dieser Zeit würde die Gegenseite jedenfalls infolge lytr großen eigenen Schwierigkeiten. besonders auf wirtschaftlichem Gebiet, gezwungen sein, von neuem mit Deutschland zu verhandeln. öem Parlament. stellung deutscher Verfehlungen, sondern auch bei den Naturalliefe- rungen und Barübenv eisungen zu wirken bestimmt ist. Der Kritik der Opposition, daß die Londoner Konferenzbeschlüsse eine Ver- Minderung der Zuständigkeit der Reparations- kommission darstellten, hielt Herriot entgegen, daß sehr viel Optimismus dazu gehöre, zu glauben, daß Frankreich in Zu- kunft nochmals aus einen Mehrheitsbeschluß wie jenen rechnen könne, der ihm erlaubt habe, in das Ruhrgebiet einzumarschieren. Eine Ration, die ossen erkläre, den Lösungen der Gewalt die Lösung des Rechts vorzuziehen, könne nur gewinnen, wenn sie ihr Recht im gegebenen Fall durch ein unparteiisches und unabhängiges schiedsrichterliches Verfahren entscheiden ließe. Das sei wenigstens die Aus- fassung der gcgelnvärtigen demokratischen Regierung Frankreichs. Durch die Annahme der französischen Vorschläge seien die im Dcrwes-Plan nur unvollkommen gelosten Probleme der Natural- lieferungen und der Ueberweisung wesentlich zugunsten Frank- reiche verbessert worden. Frankreich habe erreicht, daß Deutsch- wnd sich freiwillig zur Fortsetzung der Lieferung von Kohle. Koks und Farbstoffen über eine im Vertrag von Versailles festgesetzte Lieferungsfrist hinaus oerpflichtet habe. Diese Abmachung sowi.: die über die Abänderung des Ueberweisungsoersahrens stelle noch Ansicht der französischen Regierung das Meisterwerk der Kon- ferenz dar. Die Frage der mUlkärlschen Räumung besprechend, führte Herriot aus. er selbst habe vor seiner Reise nach London im Parlament erklärt, daß diese Frage in London nicht an- geschnitten werden dürfe; eine dahingehende Vereinbarung sei auch in London mit Macdonald getroffen worden. Aber es habe sich sehr bald gezeigt, daß die Durchführung des Dawes-Planes u n- möglich sei ohne eine befriedigende Lösung des Ruhrproblem?. Bereits am 24. Juli habe Macdonald in einem Brief. den er im Laufe der Debatte noch zur Kenntnis bringen werde, an die von der jranzöfffchen und belgischen Regierung eingegangenen Berpflichtungen erinnert, nach denen die Besetzung des Ruhr- gebiets ausschließlich dazu bestimmt gewesen sei, Deutschland zur Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen zu zwingen, daß sie infolgedessen nicht mit der Sicherheits frage verknüpft werden könne. Macdonald habe ihm in diesem Brief Kenntnis gc- geben von einer Note der deutschen Regierung, in der diese erklärt habe, daß die Verabschiedung der zur Durchführung des Dawes-Planes notwendigen Gesetze im Reichstag unmöglich fei ohne die Zusicherung der militärischen Räumung des Ruhrgebiets. Am 19. August, dem Tag, cm dem er, nach Paris gekommen sei, um den Ministerrat in Kenntnis zu setzen, habe Macdonald ihm einen zweiten, noch dringlicheren Brief überreicht. Die srait- Aöslslhe Delegation habe es abgelehnt, diese Frage auf das Pro- gramm der Konferenz setzen zu lassen. Aber sie habe sich einer Diskussion darüber um so weniger entziehen können, als sie sehr bald zu der Ueberzeugung habe kommen müssen, daß, wenn Frankreich sich«nffchloffen haben würde, auf unbestimmte Zeit im Ruhrgebiet zu bleiben, es dabei allein, und zwar völlig allein geblieben wäre. In Kenntnis dieser Sachlage habe der Ministerrat in Paris beschlossen, die Frist für die Aufrechterhaltung der Ruhrbesetzung auf ein Jahr zu begrenzen. Wenn die ftan- zöstsche Regierung darüber hinausgegangen wäre, so würde sie die Verantwortung für das Scheitern der Konferenz auf sich g«- nommen haben. Sie habe vor der Wahl gestanden zwischen der Wiederherstellung der interalliierten Einheitsfront und der Fort- setzung der Politik der isolierten Aktionen. Er, cherriot, habe für seinen Teil gewählt. Aber da noch nichts Endgültiges beschlossen sei, könne nunmehr auch das Parlament sich frei ent- scheiden. cherriot gab sodann einen Ueberblick über den Memungsaus- tausch zwischen den Alliierten über die Regelung der interalliierten Slyulden und das Sicherheitsproblem; bedauerlicher- weis« hätten beide Fragen im Rahmen der Londoner Konserenz nicht geregelt werden können, sie seien deshalb späteren Kon- ferenzen im Herbst vorbehalten worden. Herriot schloß: Mit der Annahme des Dawss-Planes seien noch keineswegs alle Schwierig- keiten überwunden. Die Widerstände, die die Beschlüsse der Lon- doner Konferenz in verschiedenen alliierten Ländern ausgelöst haben, bewiesen, daß noch sehr viel zu tun bleibe, um Europa völlig zu befrieden und auf die Dauer zu einigen. Die Lon- doner Konferenz stelle nach Auffasiung der französischen Regierung nur eine e r st e Etappe auf dem Weg zu einem wirklichen Frieden dar. Es wäre Übertrieben, glauben zu wollen, daß die Unterhändler von London in der Lage gewesen feien, dem durch den Krieg und die Nachkriegsjahre erschütterten Europa das end- gültige Gleichgewicht wiederzugeben. Aber es wäre ein Akt von verhängnisvoller Schwere, wenn man die in Loa- don zustande gekommene Verständigung zurückweisen und ihr eine Politik der isolierten Aktion vorziehen wolle. Das Werk von London sei nur ein Anfang, aber der An- fang zum wahren Frieden. Die Mehrheit der Kammer, die Herriot» Ausführungen mehrfach mit starkem Beifall unterbrochen hatte, bereitete ihm, als er die Tribüne verließ, erneut« stürmische Ovationen, die sich fortsetzen, bis Herriot den Sitzungssaal oerließ, um sich m den Senat zu begeben. Eine Interpellation über die Amnestie, die der kommu- nistische Abg. Marty im weiteren Verlauf der Sitzung begründet«, führte zu heftigen Zwischenfällen, die schließlich den Präsidenten oeranlaßten, die Sitzung zu unterbrechen- Gegen S Uhr abends kehrte Herriot aus dem Senat, wo er die gleiche Erklärung wie in der Kammer verlesen hatte, in die Kammer zurück. Die Kammer vertagte die Debatte auf heute, Freitag, vor- mittag 10 Uhr. Pari», 21. August.(EP.) Nach einer verworrenen Debatte, im Verlaufe welcher die Sozialisten von den Kommunisten weidlich be- schimpft wurden, wurde der Vorschlag Marthy mit 359 gegen 26 Stimmen abgelehnt. SenatsSebatte. Pari«. 21. August. sEigener Drabtbericht.) Im Senat wurde, nachdem Herriot die Regierungserklärung abgegeben hatte, ein Antrag der Linken, der darauf hinauslief, eine Debatte über die Regierungserklärung zu unterbinden, zunächst einem Ausschuß über- wiesen. Die Sitzung des Plenums wurde unterbrochen, um dem Ausschuß Gelegenheit zu sofortiger Beratung zu geben. Der Aus- schuß sprach sich für eine öffentliche Debatte aus. Ein von dem Vorsitzenden der demokratischen Linken, Senator MillieS- Lacroix, eingebrachter Antrag, nicht zu debattieren, wurde abgelehnt und die Aussprache über die von dem Senator Lemery eingebrachte Interpellation eröffnet. Mexiko und Deutschland. Präsident Calles an den ADGB. Der vor wenigen Tagen in Cuxhaven eingetroffene neu- gewählte mexikanische Staatspräsident Calles hat an den Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbund folgendes Telegramm gerichtet: Beim Betreten europäischen Bodens begrüße ich, durch Ihre Ber- mittlung, die deutschen Arbeiterverbände aufs herzlichste und wünsche unsere\ Brüdern, den Arbeitern dieses Landes, herzlichst Wohlergehen und Erfolg in ihren sozialen Arbeiten. General Plutano Elias Calles. Der ADGB. hat darauf folgende telegraphische Antwort gegeben: Wemblep. (Bon unserem Sonderkorrespondenten.) London, Mitte August. Die britische ReichsauZstellinig in Wembley bei London hat nicht nur ihre wirtschofttiche. sondern auch ihre sehr starte politische Seite, wie für England überhaupt Wirtschaft und Politik siamesische Zwil- linge sind. Wembley in den Einzelheiten bedeutet Wirtschaft, als Gesamtes jedoch Politik. Blendend wird die Mochtstellung Englands illustriert in einer im Britischen Regierungspavillon aufgelegten reliefartigen Karte der Erde. Alles� was Britisch heißt, ist auf der Karte transparent rot erleuchttt. Dies« Darstellungen der britischen Weltmacht sind ohne Zweifel recht eindrucksvoll, es ist so ein« Art Säbelrasseln in der Weltwirtschaft. Diese beiden größten Häuser der Ausstellung� der Palast der In. dustrie und der Polast der Technik, sind dagegen der industriellen Arbeit des engeren Jnsetreichs gewidmet. Hier sind die Produkte der führenden Industrien Englands untergebracht. Im Palast der Industrie ist alles zu finden, was man unter die Begriffe chemisch« Industrie, Baumwolle, Wolle, Seide, Uhren, Baugewerbe, Musikinstrument«, Feinmechanik, Papier. Lebensmittel. Tabak. Gummi. Glas- und Töpferwaren, Leder, Hausgeräte, Spitzen, Re- klame und vieles andere mehr fasten kann. Ulster hat im großen Rahmen seine eigene Ausstellung nordirffcher Industrie. Es zeigt Produkts seiner Lemenindustrie. Reben Erzeugnissen der Garn- und Sellindustrie sieht man Tabakfabrikate und nicht zuletzt auch ein« leibhastige irische Whistydestilleri«. Im Palast der Technik werden dem Beschauer die Leistungen Englands im Schiffbau, in der Elektrizität, im Motorenbau und in der Transporttechnik(zu Wasser und zu Lande) vorgesetzt. Groß- artige Schiffsmodelle, ja ganze Ozeandampferkommandobrücken sind ausgestellt. Die Elettrizität feiert Triumphe, ohne besonderes Neues zu bieten. Im Motorenbau haben etwa 200 Firmen ausgestellt, trotz- dem macht die iherde von Kraftwagen, die einen recht beträchtlichen Raum einnimmt, auch bei näherer Betrachtung keinen erschütternden Eindruck. Die Mast« dessen, was Alt-Englands Industrie in den genannten beiden Palästen gibt, ist in ihrem Umfange erdrückend und illustriert kraß die Uederindustrialisierung des Landes. Das hier Gebotene kann uns jedoch kaum mit Sorge erfüllen. Mün vergißt zuweilen als Deutscher di« fremde Staatsangehörigkeit der ousge- stellten Industrieerzeugnisse und wird hieran nur erinnert, wenn man besseres zu sehen erwartet hätte. De? Vorsprung Englands liegt allein in der guten Möglichkeit, seine industriell« Arbeit abzusetzen. Enzland konsumiert z. B. von seiner Kohlenproduktion selbst nur 14 Prvz., exportiert aber direkt 36,5 Prvz. und indirekt 49,5 Prvz. Von seiner Eisen- und Stahl- Produktion bleiben nur 25 Proz. im Lande, 50 Proz. werden direkt und 25 Proz. indirekt exportiert. Am Verbrauch seiner Baumwoll- zeugproduktion ist Alt-England nur mit 30 Proz. beteiligt, der Rest Im Namen der freien Gewerkschaften Deutschlands danken wir herzlichst für den den deutschen Arbeitern gewidmeten Gruß. Wir er- widern ihn aufs wärmste, weil wir darin einen besonderen Ausdruck der internationalen Arbeitersolidarität erblicken. Wir würden uns freuen, Herr Präsident, wenn uns während Ihres Auf- «nchaltes in Berlin Gelegenheit gegeben würde, Sie persönlich begrüßen zu können. Vorstand des ADGB.— gez. G r a ß m a n n. Es ist wohl der erste Fall, daß ein ausländisches Staats- oberhaupt beim Betreten unseres Landes die Leitung der freien Gewerkschaften offiziell begrüßt— frellich ist es der Präsident einer ziemlich jungen Republik, die nicht mit allzu- viel Tradition belastet ist und nicht in ihrem Auftreten verflossenen Monarchien zu ähneln sucht. Präsident Calles hat durch diese Geste ausgesprochen, daß er Deutschland als ein Land der Arbeit, die deutschen Arbeiter als die Stützen der Republik und als die Bürgen chres friedlichen Ausstiegs er- kennt._ Annehmen!! Die Stimmen der besetzte« Gebiete- Köln. 21. August.(WTB.) Wie die„Kölnische Volkszeitung" meldet, hat die rheinisch« Zentrumspartei dem Reichstag auf telegraphischem Wege folgende Kundgebung zugehen lassen: Das Londoner Abkommen legt dem Vaterland« ungeheure, kaum tragbare Lasten auf. Trotzdem bittet die rheinische Zentrumspartei den Reichstag, dem Abkommen zuzustimmen, damit ms- besondere die Staatshoheit wiederhergestellt, die Besatzungslasten er- leichtert werden und ein Wiederaufbau der Wirtschaft möglich wird. Eine Ablehnung des Abkommens würde für das besetzte Ge- biet, für das ganze Vaterland und für Europa ganz unabseh- bare Folgen haben. Dortmund. 21. August.(WTB.) Der Gewerkschafts. ring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenoerbände(HD.) in Dortmund nahm in einer erweiterten Funktionärkonferenz Stellung zu den Londoner Abmachungen. Die Konferenz war' sich darüber klar, daß di« Auswirkung der Londoner Abmachungen das deutsche Volk bis zum äußersten belaste. Die unerträglich lange Maximal- räumungssrist von einem Jahr erschwere die durch die Annahme bedingte Erfüllungspflicht in besonders hohem Maß. Trotz dieser Schwierigkeit sieht die Konferenz einmütig auf dem Standpunkt, daß die Ablehnung dieser Abmachungen eine weitere Er- schwerung und unabsehbar« Verlängerung der wirtschaftlichen Notlage und so die dauernde Verelendung weiter Volksschichten zur Folg« haben muß. In fester Erwartung, daß eine gerechte Verteilung der durch die Annahme bedingten Lasten nach Tragfähigkeit der einzelnen Volksschichten erfolgt, er- sucht die Konferenz die Regierung, mit allen Kräften dahin zu wirke», daß die Annahme der Abmachungen durch den Reichstag erfolgt und dadurch auch der Wille des deutschen Volks zur Völker. Verständigung erneut zum Ausdruck komint. Sollten nnverantworl. tiche Kläffe im Reichstag in verblendetem Partejfanatismus oder aus sonstigen Gründen die Annahme unmöglich machen wollen, er- sucht die Konferenz den Reichspräsidenten dringend, vor der Auf- lösung des Reichstags nicht zurückzuschrecken und das Volk zur Ent- fcheidung aufznrufen. Die Arbeitnehmerschaft besonders auch im besetzten Gebiet habe mit großer Geduld di« durch den bisherigen Zustand bedingte Not und Entbehrungen ertragen. Ei« verlang« jetzt, auch ihrem Willen Rechnung zu tragen und durch die Annahme der Londoner Abmachungen die Möglichkeiten zur Linderung dieser Nöte zu schaffen.'> Elberfeld, 21. August(Eigener Drahtbericht.) Die freien Gewerkschaften des linken Niederrheins haben sich in einer Konstrenz mit dem Ergebnis der Londoner Konferenz b«. schäftigt und einstimmig folgende Entschließung angenommen: Die freien Gewerkschaften des besetzten linken Niederrheins er- klären noch Kenntnisnahme des Ergebnisses der Londoner Konferenz, daß ein« ganze Reihe von berechtigten Wünschen Deutschlands in London nicht erfüllt worden sind. Dennoch bedeutet das Resultat sst Export. Man sieht an diesen paar Zahle» die absolute Ein- stellung auf den Export. Wenn nun auch ein guter Toll des englischen Exports in Europa bleibt, so bilden doch die weiten Gebiet« des britischen Imperiums, die Dominions und Kolonien, di« immer sicheren Aufnahmemärkte englischer Erzeugnisse. Englische Schiffe sind das Bindeglied englischen Handels mit der Welt. So waren z. B. nach einer graphischen Darstellung de,„Economist" von allen Schiffen, die in den Iahren 1919 bis 1923 den Suezkanal passierten, über 60 Prvz. englssche. Und nebenbei bemerkt beträgt nach der gleichen Quelle der englisch« Anteil am gesamten Schiffbau des Jahres 1923 insgesamt 57 Proz, d. i. etwa ebensoviel wie 1913 mit 56,7 Proz. Bon den englischen Dominions, Kolonien und Schutzstaaten haben in Wembley 25, zum Teil in exotischen Häusern. Tempeln und Polästen, ihre heimischen Erzeugnisse ausgestellt. Nur Aegypten hat verzichtet. Hier in diesen Dominions und Aolomen liegt das Paradies der englischen Wirtschaft, liegen die unversiegbaren Rohstoffquellen Alt-Englands. Hier ist die Fülle des Getreides, Erzes, Gummi, Kaffees, Tees, Reis, der Baumwolle, Seid«, Wolle, des Mangans, Kupfers, Nickels, Silbers, Goldes, der Diamanten lrtö oll der Dinge, die ein industrielles Land zur Erhaltung feiner Existenz als Roh- stoffe braucht. Schritt für Schritt zeigen sich auch hier in der Aus- stellung der überseeischen Reichsgebiete die großen Absatzgelegen. heilen für die englischen Industneprodukte: Kattune, Msschmen, Eisenbahnen. Schiff« und vieles mehr. Wohl haben auch Kanada und Australien ihre eigene moderne Industrie, doch was bedeuten sie — noch heute— mit ihren 6.9 Millionen bzw. 6,9 Millionen Ein- wohnern gegenüber Ast-England. Ein« besonder« Attraktion, vor der sich der Strom der Schau. lustigen staut, hat übrigens Kanada in seinem Ausstellungsgebäude geschaffen. Einer byzantinischen Regung folgend, hat es dem Krön- prinzen oes Mullerlandes ein lebensgroßes Denkmalinkanadi- scher Butter gesetzt. In einem riesigen Glaskasten steht eis- gekühlt der Prmce of Wales, seinen treuen Mustang am Zügel haltend, während im Hintergrunde ein typisch kanadisches Haus zart auf die Herkunft der riesigen Buttermengen hindeutet. Dieses kanadisch« Denkmal deucht«inen überhaupt ein Sinnbild de? Bedeutung all dieser Dominions und Kolonren für dos Mutter- land. England in Butter! Alles tn allem kann man sagen, daß der industrielle Teil der britischen Ausstellung unsere Hoffnung auf«in« gute Zukunft der deutschen Arbeit neu bestärkt- Konkurrenz in gewissen Grenzen ist Leben. Wir waren nicht nur Konturrenten, sondern wir waren auch starke Abnehmer englischer Erzeugnisse. Englands Anteil am Well- «xporthandel betrug 1922 rund 17,3 Proz., und trotzdem sst die Well immer noch groß genug und bietet weite Möglichkeiten, die Arbeitserzeugnisse der übrigen industriellen Länder unterzubringen. Di« wirsschaftlichen Austlänge des langen Krieges lasten schwer auf den meisten exportierenden Nationen. Langsam dämmert bei den Böllern die Erkenntnis der unbedingten, gegenseitigen, wirtschaftlichen Not- wendigketten, aus denen auch uns leichtere Weg« zu den Rohstoff- quellen und fremden Absatzmärkten erstehen weiden. der Konferenz die Befreiung der rh«inisch-w«stsSli- schcn Bevölkerung von dem schweren unerträglich gewordenen Druck und die Abwendung der Gefahren des völligen Zusammen- bruchs der rheiriisch- westfälischen Wirtschaft. Die freien gewerk- schaftlichen Arbeiter am linken Niederrhein verlangen daher mit allem Nachdruck, daß die zur Durchführung des Sach- oerständigengutachtens notwendigen Gesetze vom Reichstag ohne Zeitverlust angenommen werden, und zwar mit der Maß- gäbe, daß die aus dem Gutachten enssi>:henden Lasten so gerecht zur Verteilung gelangen, daß in erster Linie die Kreise belastet wer- den, di« auch nach..dem klaren Wortlaut des Sachverständigengutachtens bisher nur wenig oder gar nicht zu Reparattonslasten beigetragen haben. Eine ähnliche Ensschließung faßten die dem Allgemeinen Deut- scheu Gewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften im besetzten rheinisch-we st sälischen G«bi«t. Essen. 21. August(Eigener Drahtbericht.) Hier sprach vor den Funktionären und Betriebsräten der freien Gewerkschaf- ten Genosse Sollmann für die Annahme der Londoner Be- schlüss-, deren schwere Lasten er nicht verheimlichte. Ein kommu- nistifcher Gegenredner konnte sich nur schwer gegen den Unwillen der Versammlung durchsetzen. Der Wille der übergroßen Mehrheit war klar für Annahme, im anderen Falle für die Auflösung des Reichstages. Gffenburgs vank. Im Namen der Bürger der besteiten Stadt O f f e n b u r g hat Oberbürgermeister Holler folgendes Telegramm an den Reichs- lanzler gerichtet: .Die anläßlich der Feier der Räumung OffenburgS und der Ortenau in Anwesenheit des badischen Staatspräsidenten zahlreich versammelte Einwohnerschaft der Stadt Offenburg entbietet Ihnen ergebenste Grüße, verbindet damit den w ä r m st e n D a n I jiir die so zahlreichen Bemühungen der Reichsregierung und den Wunsch auf weiteres gedeihliche« Fortschreiten der Verhand- lungen zugleich mit dem Gelöbnis, in den kommenden Tagen wichtiger Entscheidungen treu hinter derReichSregierung zu stehen.'_ Reichswehr und Maskenverleih. Herr Geftler verbietet, aber erklärt fich solidarisch. Stralsund, 21. August.(Eigener Drahtbericht.) Anfang Juni hatte das hiesige Standortkommando der Reichswehr eine Anzahl Gewehre an den„Stahlhelm' oerliehen, die bei einer Schlageter-Feier„zur Ausschmückung des Altars und des Redner- pultes' Verwendung fanden. In der richtigen Erlenntnis, daß Reichswehrwaffen nicht in die Hönde des republikfeindlichen„Stahl- Helm' und überhaupt privater Vereinigungen gehören, b e s ch l a g- nahmt« die Polizei die Gewehre. Unser Stralsunder Parteibtatt, der„V o r p o m m e r', trttisierte die unverständliche Handlungsweise des Reichswehrtommandeurs scharf, ober sachlich. Die Folge davon war, daß der Kommandeur das Auslegen eines Freiexemplars des„Dorpommer' in der Soldatenkantine v e r b o r. Auf eine Beschwerde beim Reichswehrministerium erhiell nun unser Parteiblatt ein Antwortschreiben, das vom Reichswehrminister selbst unterzeichnet worden ist Herr Dr. Gehler erklärt darin, daß er keinen Anlaß seh«, die Maßnahmen des Stondortältesten zu miß- billigen. Die Beschlagnahme der Gewehr« durch die Polizei sei eine ungerechtfertigte Mahnahm«. Ueber das Verbot der Auslegung des „Vorpommer' heißt es:„Mit dem Verbot hat der Standortälteste im dienstlichen Interesse richtig gehandelt. Der Kommandeur hat das Verbot in dem Gefühl erlassen, daß es nicht angängig ist, daß in seinem Dienstbereich Zeitungen ausliegen, di« die Gefahr herbeiführen, durch falsche Nachrichten seine Autorität zu untergraben.' Wird die Autorität des Reichswehrmmisters mehr untergraben, wenn nationalistisch« Vereinigungen mit Reichswehrwafsen sich mas- kieren oder wenn ein sozialdemokratisches Blatt auf die inner- politische Gefahr solcher Wasfenverleihungen hinweist? Die versickernde öeweguag. Bon Hans Bauer. Es mag schon einer Zell seine» Lebens«in rechter Taugenichts gewesen sein: wenn es mit ihm ans Ende geht, dann sind wir mild gestimmt und geneigt, vieles zu übersehen. Mit den Völkischen geht? zu Ende. Ihre Dlättchen werden immer dünner, ihre Hilferufe um Geld immer drängender... Der Windjackenoerkaus hat schon lange nachgelassen und es bleibt zu er- wägen, ob man die Restbestände nicht billig an das Reichsbanner abgebe. Auch das Ehrhardt-Lied, gestern noch lebhaft bevorzugt von einem Dielenpublitum, dem die ausgerechneten Bananen zum Halse heraushingen, gilt heut nicht mehr als recht kommentmäßig und hat sich vom Better Rick, vier Meter lang, zwei Meter dick, ausstechen lassen müssen. Uebrigens muß auch einmal gesagt werden, daß die Handelslehr- linge an der Bewegung nicht das fanden, was sie gesucht hatten. Ein Glaschen Bier vom Hern: Leutnant, wie's im Rohbach-Lied heißt, das ist wicht hin und wieder herausgesprungen. aber bis zur Ge- haltszulag« und zum verlängerten Sommerurlaub hat di« Durch- schlagskrost des Hakenkreuzes eben doch nicht gereicht. Da legt man die Bewegung mit resigniertem Mißmut aus der Hand, zumal di« besseren Posten ja doch schon anderwett vergeben sind. Di« emsige Uneinigkeit der Führer erinnert schließlich auch nur an di« Zeit, da solche Betriebsamkeit noch nicht nötig war, um die Existenz der Bewegung glaubhast zu machen. Ja, damals, als der Httler im Zirkus Krone in München sprach: Das flutschte, das haute. Hingegen heut.... Der Streicher sagt, di« Landtagsfraktion sei eine Bagasch und die wieder schimpft auf den Streicher, und unsereins war zuerst ganz schadenfroh, aber das hat sich auch schon gelegt und man bekomml das Gähnen. Und wie man das bekommt, da denkt man doch noch einmal daran, daß dies« Bierkellerbamsen immerhin vor einem Jahre noch fast ein deutsches Erlebnis waren. Nicht, daß sie nicht auch heute noch gefährlich werden könnten: aber das löge dann an unserer Dummheit, während es damals an ihrer lag, daß sie es nicht wurden. Der Höhepunkt ist lange überschritten. In diesem S'adium möchte man den Teutonenbäuchen fast«inen wohlgemeinten Patsch geben: das soll nun bald vorbei sein, daß wir euch in all eurer Lächerlichkeit hinmalen dürfen.... Das soll nun bald vorbei fein, daß wir in euren Blättern die Stilwidrigkeiten ankreuztenl Und dos alles bloß, well ihr unaktuell geworden seid! Da wird uns manchmal eine leise Sehnsucht ankommen, und wir werden erst recht wissen, was wir an dem Klofeitpavier� hatten, das eine schwarzweißrot« Kante hatte und an den beujfchoölfsschen Zigaretten und an dem Adolf Bartels, der Goethe für«inen Ge- sinnungsfreund und Fichte für den ersten Nationalsozialisten und sich für einen Historiker hielt. Di« Bewegung versickert.... Wo nehmen wir da nur rasch unser neues Kaspertheater her? Roch einmal: Dauer der Träume. Zu diesem Thema erhalten' wir aus unserem Leserkress« noch folgenden interessanten Fall mit- geteill: E« war an einem Sonntagmorgen im Sommer 1913. Ich war damals Seminarist m Bromberg. Mit fünfzehn anderen Seminaristen schlief Ich zusammen in einem Saal. Am Sonnabend- abend hatten wir verabredet, am nächsten Morgen schon vor 5 Uhr Zustimmung der Volkspartei. Die Reichstagsfrattion der Deutschen Volks. partei faßte in ihrer gestrigen über vier Stunden währenden Fraktionsfizung eine Entschließung, in der eine Ablehnung bes Londoner Protokolls als unmöglich bezeichnet wird. Die Reichs. regierung," so heißt es in der Entschließung, ist verpflichtet, mit allen Mitteln die gegebene diplomatische Lage zur Abfür. zung der Räumungsfristen auszunuzen.' " • Diese Haltung wird in der Entschließung wie folgt begründet: ,, Eine Möglichkeit zu alsbaldigen neuen Verhandlungen mit den Alliierten ist nicht zu erkennen. Die ganze außenpolitische Lage, die sich zu Deutschlands Gunsten zu wenden schien, wird von neuem zu unserem Schaden verwirrt. Dazu kommt eine Gefährdung aller der Bestrebungen, die auf eine Festigung der innerpolitischen Verhältnisse gerichtet und von der Deutschen Volkspartei zielbewußt verfolgt sind. Angesichts diefer Nöte und Gefahren hat sich die Reichstagsfraktion einstimmig entschlossen, die Ergebnisse der Londoner Ronferenz anzu nehmen." Der Reichsrat für Annahme. Borbehalt Bayerns und Württembergs. Der Reichsrat beriet gestern über die mit dem Sachver ständigengutachten zusammenhängenden Geseze. Legationsrat v. Stutterheim erklärte im Verlauf der Sitzung: Die Regierung von Medienburg- Strelih ist nicht in der Lage, den Londoner Vereinbarungen ihre Zustimmung zu erteilen. Ich bin beauftragt, gegen das ganze damit zusammenhängende Gejeggebungswert zu stimmen. Minister Münzel- Weimar gab die Erklärung ab: Ich bin für Thüringen beauftragt, mich der Stimme zu enthalten, weil es nicht möglich gewesen ist, eine Entschließung der thüringischen Regierung herbeizuführen. Das gilt für alle mit den Londoner Bereinbarungen zusammenhängenden Gesetze. Ministerpräsident Braun gab namens der preußischen Regierung folgende Erklärung ab: „ Das Resultat der Londoner Konferenz, wie es in den dort getroffenen Vereinbarungen uns vorliegt, fann uns wenig befrie digen. Es belastet das deutsche Volt und seine Wirtschaft auf das schwerste. Es zwingt uns weiter eine Rontrolle unferes Etats und Finanzwesens auf, die für ein souveränes Bolt und ein selbständiges Staatswesen schwer erträglich ist. Es soll auch die militärische Besehung des Ruhrgebietes, deren Vertragswidrigkeit ernstlich nicht mehr bestritten werden kann, noch ein Jahr lang andauern. Hierdurch wird Preußen, dessen wichtigstes Wirtschaftsgebiet dabei in Frage tommt, besonders start berührt. Wir haben heute hier darüber zu entscheiden, ob wir als die im Reichsrat vereinigten Vertreter der Länder diesem von der Reichs regierung mit allen alliierten Mächten getroffenen Abkommen zu stimmen wollen. Es ist wohl die für unser Land und Volk schicksalsa schwerste Entscheidung, vor die der Reichsrat feit seinem Bestehen jemals gestellt worden ist. Da das Abkommen und die aus ihm sich ergebenden Gefeße das Ergebnis der Beratungen mit den ausländischen Mächten find, ist eine Aenderung des materiellen Inhalts der uns zur Beschlußfassung unterbreiteten Borlagen ausgeschlossen. Wir fönnen nur ablehnen oder annehmen. Sofortige Befreiung etwa 900000 Deutscher| gesperrt. In feiner Lonart: er hat sie in die Fresse geschlagen von der fremden Besagung. Die Freilassung Hunderter aus den Gefäng nisien. Die Rüdtehr vieler Tausend Ausgewiesener nach ihrer Heimat. Die Beseitigung der unser Wirtschaftsleben schwer hem. menden inneren 8ollgrenzen und der Paßichitanen im Westen. Auslandstrebite für Industrie und Landwirtschaft zur Behebung der Arbeitslosigkeit und zur langsamen Aufwärtsentwidlung unseres Wirtschaftslebens. Die Ablehnung bedeutet demgegenüber: Aufrechterhaltung des militärischen Druds auf die befehten Gebiete und ihre Bevölkerung, vielleicht gar verstärkte Drangfalierungen. Sie bedeutet ferner, daß Hunderte von Deutschen, die ihrem Baterlande Treue bewiesen haben, auf Jahre hinaus weiter in den Gefängnissen schmachten müssen und Tausende von Aus. gewiesenen nicht wieder in ihre Heimat zurüctehren tönnen. Sie bedeutet weiter: Reine Kredite für Industrie und Landwirtschaft und somit erschredende Zunahme der Arbeitslosigkeit mit ihren Folgen; bitterste Not und Elend für weite Boltstreife. Berfall der Währung und der sich daraus für unsere Wirtschaft ergebenden fatastrophalen Folgen. Die Verantwortung für diese zweite Alternative glaubt die Preußische Staatsregierung nicht auf sich nehmen zu können und stimmt daher dem Abkommen und den sich aus diesem etgebenden Gefehen zu. Sie tut das in der bestimmten Erwartung, daß die Reichsregierung alles daran sehen wird, daß das Los der Bevölkerung, die noch weiterhin gezwungen ist, unter dem Druck der Besatzung zu leben, möglichst gemilbert und daß vor allem in den bejezten Ge. bieten die volle beutsche Berwaltungs- und Justiz hoheit wieder hergestellt wird und die Rheinlandkom. mission und die Besagungstruppen sich auf die Maßnahmen be schränken, die in loyaler und vernünftiger Auslegung des Rhein landabkommens zur Gewährleistung der Sicherheit der Befagungs. truppen unerläßlich sind." Der bayerische Gesandte v. Preger gab folgende Erklärung ab: Namens der bayerischen Regierung schließe ich mich der Erklärung Preußens fast in allen Punkten an. Auch die bayerische Regierung fieht sich, wenn auch schweren Herzens, genötigt, den Gejezzen ihre Zustimmung zu erteilen, nachdem sie in den Gesehen das fleinere Uebel sieht gegenüber dem, was tommen würde, wenn die Gesetze abgelehnt mürben. Nur beim Eisenbahn gesez habe ich eine andere Erklärung abzugeben. Der Vertreter von Württemberg schloß sich den Erklärungen Bayerns an. nunmehr tam es zur Abstimmung. Das Bankgesetz wurde gegen die Stimmen der beiden Mecklenburg angenommen, ebenso das Gefeh über die Privatnotenbanken und das Gesetz über die Industriebelastung. der bayerischen Regierung folgende Erflärung ab: Die bayerische Beim Eisenbahngefez gab Gesandter v. Preger namens Regierung sieht sich zu ihrem Bedauern nicht in der Lage, dem Gesezentwurf die nach§ 8 des Staatsvertrages zwischen dem Reich und den Ländern über den Uebergang der Eisenbahnen an bas Reich erforderliche Zustimmung zu erteilen, da die von ihr für diese Zustimmung aufgestellten Forderungen, besonders die Forderung einer Errichtung einer eigenen Betriebsgesellschaft für die Hinblick auf den außenpolitischen Notstand des Reiches der Durch führung der neuen Verhältnisse teine Schwierigkeiten bereiten und enthält fich daher der Abstimmung, fie behält sich aber vor, alle ihre Rechte später geltend zu machen, wenn der Stand der Reparationsfrage dies gestatte oder Umstände eintreten, die es ihr als unumgänglich nötig erscheinen laffen. Bei dieser Entscheidung müssen wir uns noch einmal vor Augen früheren bayerischen Bahnen nicht erfüllt wurde. Sie will jedoch im halten, vor welche furchtbare Alternative wir gestellt sind. Die Annahme bedeutet: Schwere wirtschaftliche Lasten für unser ohnehin perarmbes Volk auf Jahrzehnte hinaus. Berzicht auf erhebliche Steuereinnahmen bes Reiches zugunsten der Reparationstaffe. Eine weitgehende Rontrolle unferes Finanz- und Etatswesens durch die auswärtigen Mächte. Aufgabe des entscheidenden Einflusses des Reichs auf das für unfer Wirtschaftsleben wichtigste Bertehrsmittel, die Eisenbahn, und Verzicht auf ihre Erträge zugunsten der Reparationskasse. Duldung ausländischer Einflüsse auf unser 23 ah. rungs- und Bantwesen. Erhebliche Sonderbelastung unserer Industrie. Die Annahme bedeutet andererfeits aber auch: oufzustehen, um einen zweistündigen Spaziergang zu unternehmen. In der Nacht hatte ich folgenden Traum: Ich stand mit mehreren Kameraden in den Anlagen vor dem Seminar. Wir beobachteten einen Eindeder. Zuerst sahen wir ihn von Süden her fommen, ganz flein, bis er über uns mat. Dann verschwand er wieder langsam am Horizont, um nach furzer Beit wiederzukehren. Jetzt zog er in großen und ruhigen Kreisen fiber der Stadt. Wir hatten uns inzwischen auf eine Bant gesetzt. beobachteten den Flieger und unterhielten uns über den Luftver fehr. Als das Flugzeug wieder einmal in unserer Nähe war, be gann es zu schwanken. Immer mehr, immer mehr. Ich wurde unruhig und sprang auf, denn ich glaubte, daß ein Unglüd geschehen würde. Da überschlug sich auch schon das Flugzeug. Und mit einem gewaltigen Rrach sah ich es in Flammen aufgehen und herunterſtürzen. Von dem starken Knall und dem Schred war ich wach gewor den und fuhr in die Höhe. Ich konnte gerade noch sehen, wie einer meiner Klaffengenoffen eine Bistole in der erhobenen Hand hielt. Walter Wagner, ein Frühaufsteher, hatte uns burch den Schuß, ben er aus einer Schreckschußpistole gegen die Zimmerbede abgegeben hatte, weden wollen. In ber furzen Zeit, den der Knall bis zu meinem Dhr gebrauchte, in dem Bruchteil einer Gebunde, hatte ich den Traum gehabt, dessen Borgänge etapa ½ Stunde beansprucht A. G. hätten. Wallner- Theater. Eine Bühne für Kunst und Unterhaltung hat fich gegenwärtig im alten Wallner- Theater als ein Unternehmen etabliert, das den minderbemittelten Boltstreifen zu ganz billigen Breisen Borstellungen liefern will, im Sommer unterhaltenden, im Winter literarischen Charakters". Am Mittwoch brachte sie einen ausgelassenen Schwant Der ungetreue Edehart" von Hans Sturm heraus, und zwar in einer so guten Besetzung, daß die Zuschauer ihr vollgerüttelt Maß an quter Baune nach Haufe tragen fonnten. Die unmöglichsten Berwicklungen und nicht immer neuer, aber wirksamer Humor ficherten dem Schwant fröhliche Aufnahme und den Darstellern begeisterten Beifall. Thomas Mann ist von ber Breslauer Boltsbühne für einen Bortragsabend im Januar gewonnen worden, in welchem der Dichter aus feinem neuen noch unveröffentlichten Roman Der Bauberberg" vorlesen wird, einem Wert, das nach des Dichters eigenem Angaben starken Bezug auf die Gegenwart hat. Der 1. Kongreß der deutschen Schrifffachverständigen findet am 6. September in Leipzig ftatt. Er erstrebt eine einheitliche Ausbildung des Grapbologen und Schriftfachverständigennachwuchses unter Bugrundelegung der modernsten Forschungsergebnisse, Jowie Maßnahmen zur Bekämpfung des brattizierenden grapbologischen Dilettantentums. Ein Treptow in St. Morig. Die Gemeindeverwaltung von St. Morik hat dem Leiter der Treptower Sternwarte Dr. Archenhold auf dem Biz Nair zum Bau eines Observatoriums Toftenlos ein Gelände zur Verfügung gestellt. Er will dort ein höhenobſervatorium errichten, wenn sich Interessenten finden, die die Mittel dazu bereitstellen. Der Mars man fich melden. Die Rumbfuntstationen der Vereinigten Staaten, ebenso fämtliche Fundstationen haben mit dem amerikanischen Physiker Prof. Todb eine Abmachung getroffen, nach der fie von Donners tag Mitternacht an 80 Stunden lang in feder Stunde fünf Minuten lang ihren Betrieb vollkommen ausjegen, um ben Empfang eventueller Signale bom Mars zu erleichtern. Die gleiche Erklärung gab der Vertreter von Württemberg ab. Die Eisenbahnvorlage wurde in besonderer Abstimmung mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. Die Bertreter der Provinzen Ost preußen und Pommern stimmten mit Rein. Der Stimmabgabe enthielten sich Bayern, Bürttemberg, Thüringen, Mecklenburg- Schwerin und Mecklenburg- Strelig. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit für das verfaffungsändernde Gesetz war vorhanden. Angenommen wurden weiterhin mit Mehrheit der Gesezentwurf über die Personalverhältnisse bei der Reichsbahn, die Borlage über Liquidierung der Rentenbant und das Münzgeseh. Ueber das Mantelgese fand noch eine besondere Ab. stimmung ftatt. Es wurde mit allen gegen vier Stimmen angenommen. Dagegen ftimmten die Vertreter von Ostpreußen und Bommern sowie die beiden Medlenburg. Thüringen enthielt sich der Stimmabgabe. Die Nationalisten von rechts und links. Die Sigung des Auswärtigen Ausschusses. In der Sitzung des Auswärtigen Ausschuffes vom Donnerstag, über die wir bereits im geftrigen Abendblatt berichteten, sprach nach dem Genoffen Hilferbing der Finanzminister Dr. Luther über die Stellung des Reparationsagenten, deutschnationale und völkische Abgeordnete polemisierten gegen die Regierung, und schließlich gab Ministerialrat Rasti vom Reichsfinanzminifterium eine Erklärung über die finanzielle Bedeutung des Cuno- Angebots vom 7. Juni 1923 ab. In dieser Sigung des Auswärtigen Ausschusses zeigte sich die plumpe und verlogene Demagogie der kommunistischen und deutsch nationalen Nationalisten. Die beiden Barlamentariertypen, die die nationalen Nationalisten. Die beiden Barlamentariertypen, bie bie unwahrhaftigkeit dieser Demagogie in Reinfultur zeigten, find der Kommunist Koenen und der Deutschnationale Got. Der erste hielt eine nationalistische Rede gegen den Diktat frieden von Versailles und die Verftlavung des deutschen Voltes. Auf die Tatsache hingewiesen, daß er in der Nationalversammlung in Weimar für die Unterzeichnung des Versailler Vertrages gestimmt habe, wollte er sich auf Barteidisziplin herausreden. Herr Roenen gehörte zum linken Flügel der Unabhängigen, der damals den Frieden, nichts als den Frieden wollte, und die ableh nende Haltung der Kommunisten als Wahnsinn empfand, ja, der bereit war, für die Unterzeichnung zu den schärfsten inneren Kampfmitteln zu greifen. Sein jetzt zur Schau getragener Natio. nalismus ist geborgt, Requifit ber anbefohlenen Gesinnung. Im übrigen, nichts widerlich verlogener als daß sich die Herren Roenen und Iwan Ka Seite an Seite mit Graefe und Reventlow als die Bekämpfer der nationalen Intereffen anpreisen. Der deutschnationale Herr Got aber bewies seine echt nationale Gesinnung mit folgenden Worten: Die infame Erfüllungspolitit hat bas beutfde Bolt mürbe gemacht. Unfer Bolt hat fein Gefühl mehr dafür, ob es in die Fresse geschlagen oder in das Gesicht gespuckt wird. Die deutschnationale Politik hat zur Ruhrbesetzung geführt, und das Angebot, das der Vertrauensmann der Deutschnationalen Herr Cuno, am 7. Juni 1923 den Alliierten machen mußte, bedifferte sich auf eine Leistung von 2,8 Milliarden Mart in einem Jahre gegen 2,5 Milliarden aus dem Dawes- Plan in vier Jahren. Mit den 2,8 milliarden waren die Deutschnationalen einverstanden, die 2,5 milliarden lehnen sie ab unter dem Feldgeschrei: gegen die infame Erfüllungspolitik. Diefer Herr Gof ist der Direktor von Bloem und Boß in so wie seine Tonart Hamburg. Er hat in der brutalfien Weise im Auswärtigen Ausschuß war die Werftarbeiter aus. und ins Gesicht gefpudt". Er arbeitet an der Berstladung und mürbemachung der Deutschen mit brutalen Scharfmachermethoden und rebet von deutscher Freiheit. Der Nationalismus der Koenen und Iwan Raß und ber Nationalismus des Herr Go! find einander würdig, der eine so verlogen wie der andere. Die gewiffenlofen bezahlten Agenten von Moskau und der brutale Scharfmacher das ist die Einheitsfront, die baran arbeitet, den Abmarsch der Franzosen aus dem belegten Gebiet zu verhindern. Erläuterungen zum Londoner Protokoll. Eine Denkschrift der Reichsregierung. Dem Reichsrat ist zu dem Entwurf eines Gefeges über die Die Denkschrift betont zunächst, daß es sich bei dem Londoner Londoner Konferenz eine erläuternde Dentschrift zugegangen. Schlußprotokoll um ein einheitliches Ganzes han Shlußproto toll um ein einheitliches Ganzes hanbelt und feines der darin enthaltenen Abkommen ohne die anderen in Kraft treten und durchgeführt werden kann, und ferner, daß die deutschen, der französischen und der belgischen Delegation über die Konferenz in ihrer Schlußsigung von dem Notenwechsel zwischen der militärische Räumung Att genommen hat. Im einzelnen bemerkt die Denkschrift zu den vier inhaltlich bereits bekannten Abkommen u. a. noch, daß zur Bermeidung jeden Zweifels in dem Schlußprotofoll die Schuldsummen für die verpfändeten Zölle und Steuern für die nächsten fünf Jahre genau festgelegt sind und das Kontrollrecht des Kommiffars für die verpfändeten Einnahmequellen in der Normalstufe lediglich auf das Recht auf Ausfunftserteilung beschränkt bleibt. Der Eintritt einer schärferen Kontrolle ist an ganz bestimmte Borausseßungen geknüpft, so daß eine willkürliche Steigerung der Kontrolle ausgeschlossen ist. Die Dentfchrift hebt ferner hervor, daß für die Durchführung des Sachverständigenplanes eine gewisse Elastizität dadurch erzielt worden ist, daß ein besonderes Verfahren zur Aenderung des Blanes bestimmt wurde. Durch die Bestimmungen über die wirtschaftliche Räu mung wird für alle Zweige der deutschen Berwaltung fünftig ausschließlich das Rheinlandabtommen maßgebend sein. Die unbe hinderte Ausübung der deutschen Gerichtsbarkeit im Rheinland ist fichergestellt. Die mit der Amnestie im Zusammenhang stehende Frage der aus den besetzten Gebieten ausgewiesenen Deut schen foll bei der Unterzeichnung des Schlußprotokolls durch einen befonderen Notenwechsel geregelt merben, über den bereits Einver ständnis erzielt ist und durch den alle Ausweisungen grundsäglich rüdgängig gemacht werden. Ferner foll gelegentlich der Unterzeichnung am 30. Auguft von der deutschen Regierung an die Konferenz eine im Wortlaut bereits mit der Gegenseite festgelegte Note abgesandt werben, in der die deutsche Regierung betont, daß sie die in dem Abkommen zwischen den alliierten Regierungen vorgesehene Anwendung des§ 22 ber Anlage II zu Teil 8 des Friedensvertrages nicht als gerechtfertigt ansehe und daß, wenn sie im Dorliegenden Falle teine Folgerungen daraus ziehe, dürfe. dies für die Zutunft nicht als Präjudiz angesehen werden Der Dentschrift ist der Notenwechsel zwischen der franzöfifchen und belgischen Delegation einerseits und der deutschen Delegation andererseits über die militärische Räumung des Ruhrgebietes innerhalb einer Höchstfrist von einem Jahr fomie hinfichtlich der militärischen Räumung der Zone Dortmund- Hörde beigefügt. Ferner enthält sie ein zwischen der deutschen, der franzöfifchen und der belgischen Delegation vereinbartes Memoranbum über die Erflärung von Herriot und Theunis, daß fie sich nicht widersehen werden, daß die im Frühjahr 1921 be= legen rechtsrheinischen Santtionsgebiete gleichzeitig mit dem Ruhrgebiet geräumt werden. Abänderung des Reichswahlgesetzes. Der Reichsrat beschäftigte sich am Donnerstag mit der Novelle zum Reichsmahlgefeg. Die wesentlichsten Bestimmungen der Regierungsvorlage find folgende: Die Abgeordnetenziffer wird auf 399 festgesetzt. Auf je 75 000 Stimmen( bisher 60 000) foll ein Abgeordneter entfallen. Auf alle Fälle wird sichergestellt, daß 399 2bgeordnete gewählt werden. Wird die Zahl nicht erreicht, so findet eine Ergänzung aus den Kreiswahlvorschlägen statt; wird die Ziffer 399 bisherigen Wahlkreisverbände sind beibehalten, werden aber in eine überschritten, so findet ein Abstrich von der Reichswahlliste statt. Die größere Zahl von Wahlkreisen zerlegt. Ein Kreis umfaßt im allge meinen nur 380 000 Einwohner, und die Wahlvorschläge für diese fleinen Streife enthalten nur einen oder höchstens zwei Bewerber, wodurch der Grundsah der Persönlichkeitswahl im Gegensatz zur Listenwahl wieder zur Anerkennung fommt. Die Verbindungen von Kreiswahlvorschlägen einer Partei innerhalb eines Wahlkreisver bandes sind nach wie vor zulässig und werden nach der Vorlage noch erleichtert. In Uebereinstimmung mit der Reichsregierung haben die Ausschüsse des Reichsrats mehrere Aenderungen vorgenommen. Die Einrichtung des bisherigen Kreiswahlleiters ist be. feitigt. Neben der automatisch eintrebenden Verbindung von Wahlporschlägen mit einem gleichen Kennwort der Partei sollen auch anbere Berbindungen fraft besonderer Erklärung möglich sein. In gewissen Fällen sind auch zur Wahrung landsmannschaftlicher Ge meinschaft Berbindungen fogenannter Bänder, gruppen zugelaffen. Hinsichtlich der Kostenfrage war keine Einigung mit der Reichsregierung zu erzielen. Während die Reichsregierung die bisherige Kostenerstattungspflicht, die den Ländern und Gemeinden zugute fam, beseitigen wollte, hat die Mehrheit der Ausschüffe an dem bisherigen Berfahren festgehalten, insbesondere auch aus dem Grunde, weil gewiffe finanziell notleidende Gemeinden leicht nicht die genügende Sorgfalt anwenden würden, woraus sich unliebbei Vorbereitung der Wahlen unangebrachte Sparsamkeit üben und fame Störungen ergeben fönnten. Das Reichswahlgefeh wurde schließlich nach längeren Beratungen entsprechend den Ausschußbeschlüssen vom Reichsrat angenommen. Die Umgestaltung der Rentenbank. Nach dem Gesetzentwurf zur Liquibierung der Rentenbant wird das Kapital der Bant vou 3,2 auf 2 Milliarden ermäßigt. Die bisherige Belastung der Industrie usw. wird aufgehoben, jedoch bleibt die Belastung der Eigentümer landwirtschaftlicher usw. Grund. ftüde. Entsprechend der Verminderung des Kapitals wird die Grundschuld von 4 auf 5 Prog. des Wehrbeitrags erhöht. Die Berzinsung ermäßigt jich von 6 auf 5 Proz. In 10 Jahren hat die Reichsbank den Gesamtbetrag der ausgegebenen Rentenbandscheine, der nicht mehr erhöht werden darf, aus dem Verkehr zu ziehen. Die Tilgung der Kredite an die Wirtschaft muß ab 1. Dezember 1924 in drei Jahren beendet sein. Die Tilgung der von der Rentenbant ausgegebenen übrigen Kredite er folgt in der Weise, daß bei der Reichsbant ein Tilgungsfonds errichtet wird, m der vorerst alle Einnahmen aus den Hypothekenzinfen abzuführen find. Das Retch übernimmt der Reichsbant gegenüber die Garantie, daß die Zahlungen jährlich mindestens 60 Millionen Rentenmart betragen. Dazu kommt der Anteil des Reichs am Reingewinn aus der Reichsbant. Sodann hat das Reich jährlich 60 Millionen Rentenmart abzuführen. Die Leistungen sind solange auszuführen, bis 200 Millionen Rentenmart erreicht sind. Die Rentenbant hat das Recht, der zu gründenden landwirtschaftlichen Kreditanstalt Kredite zu geben. Dafür tommt derjenige Betrag in Frage, der jährlich 60 Millionen Mart aus den Hypothekenzinsen übersteigt. Aus dieser Summe dürfen jährlich 25 Millionen Mart zur Berfügung gestellt merben, Gewerkschaftsbewegung Angestellten bis an ihr Lebensende. Es tommt aber nicht auf Mehrarbeit und Dawes- Plan. In der sogenannten Dentschrift der Arbeitgeberverbände über vie Arbeitszeit wird immer wieder behauptet, daß es eigentlich der Feindbund" sei, der Deutschland zur Mehrarbeit zwinge und die Unternehmer lediglich unter dem Zwange dieses Drudes handelten, Unternehmer lediglich unter dem 3wange dieses Druces handelten, wenn sie zur Steigerung der Produktion die Arbeitszeit verlängerten, das Zweifchichtensystem herbeiführen. Die Arbeitslöhne müßten in Deutschland wesentlich niedriger, die Arbeitszeit erheblich länger be meffen werden als im Auslande. Den Gewerkschaften wird in gut gespielter sittlicher Entrüstung vorgehalten, daß sie sich zwar für die Annahme des Dames- Blans eingelegt haben, jedoch die sich angeblich daraus ergebende Konsequenz der Berlängerung der Arbeitszeit betämpften. Es ist nun eine offene Frage, ob die Mehrbelastung des deutschen Bolles durch den Dawes- Plan nicht auf andere Weise als durch eine allgemeine große Arbeitszeitverlängerung mettgemacht werden fann. Nehmen wir nun einmal an, die Unternehmer hätten recht. Sie wollen bekanntlich einen Normalarbeitstag von zehn Stunden. Wie hech wäre aber die Belastung von Arbeitszeit, die im besten Falle durch den Dawes Blon entstehen könnte? In der Zeitschrift„ Die Beltbühne" stellt ein angefehener Finangfritifer, der sich bescheiden unter dem Pfeudonym " Morus" verbirgt, eine Berechnung auf, wie sich die Belastung durch das Dames- Abtommea in Arbeitszeit ausbrüden mürde. Dabei ist selbstverständlich Borauslegung, daß der Nutgrad der Arbeit infolge der technischen Produktionsbedingungen während der nächsten Jahre nicht gesteigert wird. Nach den neuesten Berichten gibt es im Deutschen Reich zurzeit 33 Millionen Erwerbstätige. Nimmt man für jeden von ihnen 300 Arbeitstage zu je acht Arbeitsstunden an und die Arbeitsstunde zu je 50 Goldpfennigen eine gleichartige Berechnung hat früher Rathenau gemacht, so würde das für ganz Deutschland eine Lohnfumme von 40 milliarden Goldmark ergeben, bei jährlich rund 80 Milliarden Arbeits. stunden. Im ersten Jahr nach dem Infrafttreten des DamesItersheims zur Versorgung der nicht mehr ermerbsfähigen etwaige gute Absichten an, sondern auf die Leistungsfähig. teit einer Betriebstrantentasse, die von vornher ein start bezweifelt werden muß. Die Firma hindert durch aus nichts, schon jetzt ein solches Altersheim einzurichten.. www Dem Zentralverband der Hotels, Restaurant und Caféange ftellten wird in dem Flugblatt vorgeworfen, indem er sich gegen diese Betriebskaffe wende bie die Ange stellten in ein größeres Abhängigkeitsverhält nis zu der Firma bringt, arbeite er gegen die Intereffen der Belegschaft und trete als Beschüber der Innungss tranfenfaffe auf. Es ist der Firma eben unangenehm, daß auch in diesem Falle der Verband die Interessen seiner Mitglieder vertritt. Die Firma scheint sich jedoch von ihrem Flugblatt allein nicht die rechte Wirkung zu versprechen. Sie hat daher ihre Diret toren und sämtliche Geschaftsführer mobilgemacht, da triebstrantenfasse erhaschen, da annähernd 1500 Untermit diese Unterschriften für die Gründung der Be: schriften gegen die beabsichtigte Gründung vorLegen. für drei Pfennige Sohngulage pro Stunde einen Baffus, der diese Zulage allen Metallarbeitern verweigert, Die am Achtstundentag festhalten. Nur mer den Neunstundentag schluckt, sollte die Zulage erhalten. Dazu gab der große Revolutionär" Gruson seinen Segen. Die Tariffommission aber, die in der Mehrheit aus„ Derräterischen Sozialdemokraten" be steht, lehnte diesen Schiedsspruch ab. 27 Diefen eines Gelben würdigen Streich hätten die Kommunisten ihrem Gesinnungsgenossen schließlich noch verzichen. Unverzeihlich aber erschien ihnen der Disziplinbruch", den Gruson bei folgender Gelegenheit verübte. Bor den Erfurter Betriebsräten und Gewerkschaftsfunktionären hielt Genoffe Knoll vom Vorstand des ADGB. einen Vortrag über das Sachverständigengutachten. Die Leitung der Kommunistischen Partei verlangte von Gruson, daß er in dieser Versammlung dem Referenten Knoll entgegentreten und den Standpunkt der Kommunisten gegen das Gutachten vertreten sollte. Das brachte Gruson nicht fertig. Einmal schien er blamieren. Weiter aber scheint bei Gruson die einfache Ueberlegung feine Lust zu haben, sich in so furzer Zeit zweimal hintereinander zu aus der wirtschaftlichen Praris, dem brachliegenden Geschäftsgang, sich gegen die rein agitatorisch- fommunistische Bekämpfung des Sach Die Spekulation barauf, daß ein Teil der Angestellten die verständigengutachtens durchgesezt zu haben, weshalb er die ZuUnterschrift aus Unterschrift aus Furcht vor Entlassung bei Weigerung mutung der KPD.- Leitung ablehnte. Damit aber war Mar Gruson leistet, verfehlt zunächst nicht ihren 3med. Die Angestelltenorganis für die Kommunistische Partei erledigt. Sie verzeiht alles, sation ist im Besiz einer ganzen Reihe eides stuttlicher Ber nur das eine nicht, daß ihre Anhänger vernünftig denken ficherungen, daß die Unterschrift lediglich deshalb und handeln, anstatt automatisch die Moskauer Befehle ausgeleistet wurde, um der Gefahr der Entlaffung vorzuzuführen. der Firma Aschinger ist deshalb verwerflich. beugen. Die Art dieser Unterschriften Sammlung" " Wenn die Firma fich ihrer Sache sicher ist, dann möge fie burch eine geheime Abstimmung unter der Arbeitnehmerschaft die Frage der Gründung einer Betriebstrantentasse entscheiden laffen. Die bisherigen freiwilligen" Unterschriften fönnen nicht als gültig anerkannt werden. Je größeren Eifer aber die Firma für die Gründung einer Betriebstrantentaffe an den Tag legt, um so schärfer muß der Widerstand ter Arbeitnehmer dagegen werden. Die Firma darf teine Betriebsfranfenfasse bekommen. Die Betriebsräte, deren Zustimmung sie bedarf, müssen auf jeden Fall ihre Zustimmung verweigern. Uebrigens ist es interessant, darauf hinzumeifen, daß auch diefer Fall einer fommunistischen Säule nur einer unter vielen ist. Genau so, wie der Austritt des fommunistischen Betriebsrates Ratlemiti von der Firma Boeme in Berlin von Ruth Fischer mit guten Gründen als fymptomatisch für die Berliner Ber hältnisse bezeichnet worden ist, kann man sagen, daß der Ausschluß Grusons bezeichnend für die Verhältnisse in der RBD. überhaupt ist. Es ist doch kein Zufall, daß diese Ausschlüsse ger be auf Grund der Meinungsverschiedenheiten über das Sachverständigen gutachten fich immer mehr häufen. Wir haben erst vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, daß z. B. in Vom nationalen" Arbeitsnachweis. Chemniß einer der maßgebendsten Führer der Kommunisten, der Blans muß Deutschland etwa 200 millionen Mart an Reparationen nachweis des Nationalen Gewerkschaftsfartells" in Nr. 391 des meigerte, in öffentlicher Versammlung gegen feine Ueberzeugung den In unserer Notiz über die Arbeitsvermittlung in dem Arbeits. Stadtverordnete ausding, ausgeschlossen wurde, weil er sich Borwärts", war an das Landesarbeitsamt der Broving fommunistischen Blödsinn der Ablehnung des Gutachtens zu ver diesen Betrag aufzubringen, nur um den 200..Teil oder um täglig Brandenburg die Frage gerichtet, wie es ein derartiges Spiel teidigen. Es würde sich lohnen, wenn die KPD.- Zentrale einmal eine Funktionären vor mit den Arbeitslosen, zulassen tönne. legen würde, die sie in den letzten Wochen vollzogen hat, weil ihre Stopf stößt. Wahnsinnspolitik die eigenen Anhänger immer mehr vor den leisten, das heißt: die durchschnittliche Arbeitszeit müßte, um 2 Minuten und 24 Setunden nerlängert werden. In den folgenden Jahren stellt sich die jährliche Reparationslaft nach dem Sachverständigenplan auf etwa 1½ Milliarden Goldmart, d. h. auf den Wert von 2½ Milliarden Arbeitsstunden. Die tägliche Arbeitszeit müßte also um 14,5 Minuten, eine fnappe Biertelstunde verlängert werden. Vom ersten Normalrepa rationsjahr, voraussichtlich von 1928/29 an, foll dann Deutschland fährlich 2 Milliarden Goldmart zahlen oder den Wert von 5 Milliarden Arbeitsstunden. Und siehe da: Auch das würde täglich erst eine Mehrarbeit von einer halben Stunde bedeuten. Die Berechnung geht von der schematischen Voraussetzung aus, baß überall gleichmäßig acht Stunden gearbeitet würde. Das ist felbst nach Einführung des Achtstundentages niemals der Fall ges wesen, sondern die Notwendigkeit gewiffer zeitweiliger Mehrarbeit ist auf vielen einzelnen Gebieten anerkannt worden. In der letzten Zeit aber, in der Hunderttausende von Arbeitern aus den Betrieben gejagt wurden, weil die Arbeit durch die Unternehmer eingeschränkt wurde, hat man in vielen weiteren Berufszweigen wesentliche Ueberschreitung des Achtstundentages dittiert. Würde man diese berücksichtigen, so wäre der Anteil der Reparationen, der durch Arbeitszeitverlängerung aufgebracht werden fann, an der Gefamtarbeit noch wesentlich geringer. Aber die Arbeitszeitverlängerung ist ja eine Forderung, die nicht viel Denfarbeit in Anspruch nimmt und die den Unternehmer. profit mefentlich steigert. Daher auch die strupellose Agitation für die Berlängerung der Arbeitszeit und die Ausnüßung der Kon junktur" zu ihrer Durchführung. Aschinger will 10 000 m. ftiften. Das Landesarbeitsamt der Provinz Brandenburg teilte uns daraufhin mit, daß diese Frage an die verkehrte Abreise gerichtet morden sei, da es nicht zuständig ist. Das ist allerdings richtig, denn der nichtgewerbsmäßige Arbeitsnachweis des Nationalen Kartells untersteht der Aufsicht des Landesarbeitsamtes Berlin. Allein das Berliner Landesarbeitsamt hat feinen Einfluß auf die Stellenangebote der staatlichen Forsten in der Provinz Brandenburg, die dem„ Nationalen Arbeitsnachweis" zugehen. Das Landesarbeitsamt der Provinz Brandenburg müßte darauf hinwirken, daß die staatlichen Forsten ihre Stellengesuche den öffentlichen Arbeitsnachweisen übermitteln. Rompetenzfrage durch ein zusammenwirken beiber Es erscheint uns denn doch notwendig, in solchen Fällen die 2andesarbeitsämter zu lösen, was um so leichter möglich sein dürfte, als beide Aemter in Berlin ihren Siz haben. Wenn die Verwaltungen der staatlichen Forsten in der Provinz Bran denburg feine anderen Arbeitsnachweisadreffen haben als die des nationalen" Arbeitsnachweises in der Kleinbeerenstraße, dann müßten fie denn doch mit den nötigen Adressen versehen und bei diefer Gelegenheit darüber belehrt werden, daß sie nicht gegen den Sta at arbeiten dürfen durch systematische Unters bringung ftaatsfeindlicher nationaler" Stahlhelm, Roßbach und ähnlicher Elemente. Wieder eine kommunistische Säule gestürzt. Der Magdeburger Boltsftimme" entnehmen wir: Ergebnislose Verhandlungen im Bergbau. Bochum, 21. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag wurde in Effen zwischen Vertretern der Bergarbeitergewerkschaft und des Bechenverbandes über die Frage der füdlichen Randzechen verhandelt. Die Arbeitgeber legten einen neuen Vorschlag vor, der gegen die bisherigen Forderungen eine wesentliche Erweiterung bedeutet. Die Zahl der Zechen, die unter die südliche Randzechen. Prozentsaz, um den in der Lohnordnung festgesetzte Löhne unterlaufel fallen, fallte von 40 auf 50 erweitert und der vorzusehende schritten werden fönnen, von 10 auf 12% Broz, erhöht werden. In den Verhandlungen der Parteien fonnte eine Einigung nicht erzielt werden. Es wurde ein Schlichtungsausschuß unter Borsiz des Schlichters für. Rheinland- Westfalen gebildet. Auch die Schlichtungsverhandlungen führten zu feinem Ergebnis. Von den Arbeitnehmern murde ein Angebot gemacht. Dazu wurde von den Arbeitgebern er flärt, daß auf der Grundlage dieses Angebotes eine Verständigung nicht möglich sei. Die Arbeitnehmer stellten dann einen Vertagungs. antrag, um nochmals mit ihren Mandatgebern Fühlung zu nehmen. Die neuen Berhandlungen wurden auf den 2. September festgesetzt. Die Starboferm- Berwaltung der an Bolen abgetretenen ebemals deutschen staatlichen Gruben hat gestern 1500 rbeitern die Arbeit gekündigt. Die Schuhmacher in Warschau streifen in allen Fabriken und Berkstätten. Bor drei Jahren durchhalten die Versammlungen der Magde. burger Metallarbeiter und ganz besonders der ArbeitsIrfan die Trompetenstöße eines waschechten Moskauers: Mar Gr us on. Keiner fonnte fo mie er in fiftlicher Entrüstung über die Berband der Zimmerer. Alle Berbandsmitglieder werben hierdurch noch verräterischen Bonzen" machen, feiner auch so unverfroren tommu mals darauf hingewiefen, daß am Sonnabend, den 23. Auguft, in allen Be nistischen blauen Dunst blasen. Und während seiner wüsten Bonzen- airken die Listen für die stalistische Erhebung zur Ausgabe gelangen. Um bezen bewarb sich Gruson selbst mit Erfolg um einen solchen tege Beteiligung und Unterstützung der Bezirksleitungen wird er g Bongen" Boften in Eisenach. Er wurde dort erster Bevollmäch Die Firma Aschinger, deren Arbeitnehmer in der Imungs trantentaffe der Gastwirte versichert sind, will eine Betriebs: trantentaffe gründen. Weil die überwiegende Mehrzahl ihrer Angestellten sich nicht in eine Betriebstranfenfasse der Firma preffen lassen will, hat ihr Direttor 2ohnert ein Flugtigter im Metallarbeiterverband und die Zahlstelle unter seiner glor= blatt an die Arbeitnehmerschaft des Betriebes reichen Leitung bald auf knapp ein Drittel ihrer Mitglieder zurück herausgegeben, um für die geplante Gründung Propaganda zu„ revolutioniert". machen. Das Flugblatt enthält die Mitteilung, daß die Firma 10000 Marf stiften wolle, welcher Betrag als Grundstod der Kaffe ausschließlich den Angestellten zugute kommen soll. Die Firma habe die Absicht, den Angestellten und ihren Familienangehörigen im Krantheitsfalle mehr zu leisten als die Innungstrantenkasse. Der ganze Eifer macht den Angestellten die Sache höchst verdächtig. Sie sind zwar nicht von der Innungs trantentasse besonders entzüdt, wollen vielmehr nach dem Aus. scheiden der Firma Aschinger aus dieser Kaffe Mitglieder der A11. gemeinen Dristrantentaffe werden. In dem Flugblatt wird behauptet, daß die gegen eine Betriebsfrantentasse erhobenen Einwände unwahr feien. Dagegen wind den Arbeitnehmern das Blaue vom Himmel versprochen, damit fie dieser Gründung zustimmen sollen. Die Familienversicherung werde durchgeführt, die Betriebsfaffe fei Borläufer eines HERMANN schon lange haben, und bald war Grujon dort, wieder als erster BeSolchen Revolutionär wollten die Erfurter Kommunisten vollmächtigter. In Erfurt aber fand Grusons ultraraditale Laufbahn ein jähes Ende. Das fommunistische Thüringer Rote Echo" bringt unter Parteinachrichten folgende Mitteilung. " Die beiden Berbandsangestellten mag Grujon ( Erfurt, Metallarbeiterangestellter) und Otto Boigt( Erfurt, Bauarbeiterangestellter) wurden wegen untommunistischen Berhaltens und Disziplinbruchs aus der Partei aus. gefchloffen. Das untommunistische Verhalten" des Gruson dürfte in feinem Berrat am Achtstundentag zu suchen sein. Der Vorftand. Achtung, Siemens- Rongern! Seute nachmittag 4% Uhr in den Festfälen Siemensstadt, Schulstr. 4, große Mitgliederversammlung der SPD- Genoffen fänttlicher Berte. Sympathifierende haben u fritt. 1. Bortpag des Reichsministers a. D. R. Wiffe II über das Sachverständigengutachten. 2. Berschiedenes. Das Erscheinen sämtlicher Parteigenossen wird bestimmt erwartet. Der Konzernfraktionsvorstand. mann Berantwortlich für Rolitif: Craft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Cytorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen. Säle frei für Versammlungen, Sophien- Sale Sophienstr.17 Ein Schiedsgericht sollte einen Schiedsspruch für die Metallindustrie fällen. Gruson war Beisiger der Arbeitnehmer und schluckte Vereinsfestlichkeiten:: Norden 9296 Tiefz BILLIGE Lebensmittel Verkauf soweit Vorrat Wurstwaren Konserven 2- d Dosen Leberwurst... Pfand 58Pf. Spinat............... 65PL Rotwurst.... Pfund 58Pt. Sülzwurst.... Pfund 85Pt. Hausmacherw. Pfd. 95Pf. Fleischwurst Pfund 98P. Bauernmettw. Pfund 100 Mettwurst n. Braunschweiger Art 110 Jagdwurst... Ptand 125 Teewurst..... Pfund 140 Ausl.Speck und fetta.mager 85PI Schinkenspeck Pra. 155 Corned Beef Dose ca. 2 Pfund. Apfelwein 98Pf. Gemüse- Erbsen Erbsen mit geschnit tenen Karotten.. 68Pt. 72.PL. Leipziger Allerlei.. 83P. Junge Erbsen...... 75P. Gemischtes Gemüse 110 Brechspargel dann 220 Stangenspargel dann 250 Süsskirschen m. st. 98Pt. Heidelbeeren...... 98Pt. Sauerkirschen 105 185 mit Steinen Erdbeeren Fl. b.10Fl. bei 25 Fl. 144 Hammelfleisch Dicke Rippe). Hammelrücken.. Hammelkeulen Kalbskamm Kalbsrücken Weisskohl... Prand Rotkoh Pfund Frisches Fleisch Plana 70 Kalbskeulen. Pfand Prand 75Pt. .Pfand 85PL Schweineschulterblatt.100 gepakelt 30pf. 85P Schwelneköpfe Pfand Pf. and 75P. Odiser Suppenfleisch 45 Pfand 80PL Ochsen- Schmorfielsch 70PL 5. Kakao 8t Orig.- Bensdorp.... Pfund 80. Pt. gefror Pfand prima. gefr., o. Kn.Pid Mengenabgabe vorbehalten Kolonialwaren Käse Briekäse..... Pinnd 58Pt, Tilsiter Käse Pfand 65Pt Dän. Gouda.. Pfund 78Pt. Vikt.- Erbsen Pfund 16et. Camembertschachtel 28Pt. Weizenmehl Pfund 18P. Bandnudeln Pland 19P. Tafelreis Pfand 19Pt. Weizengriess Pfund 21Pt. Kartoffelmehl Pd. 21Pt. Räucherwaren Schmorgurken P. 12P. Bücklinge.... Pfund 40Pt. Seelachs Tomaten 10P ..... Pfund 45P. Rotbars... Pland 45Pt. Seeaal... Pfand 60P. Band 75Pt Bundaale Pfund *** ¿ 10.PL ...... Pfund Wirsingkohl Pround 8 Kaffee 240 Aepfel Birnen Muskateller Möhren Pfund 4P Apfel 55 52 50 Tarragona........ Vorzügl. weisser FL. 10 FL. 225 2000 FL. 10 FL. aus eigen Röst., Pfd. Sonder- Angebot! ....... 15pf. 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