MenSausgabe JTt.395 ♦ 4I.Iahrgaag Ausgabe B Nr. 198 S«juB»be6tngungen und«nzelgenpr-tl, find in der Morgenausgab? angegeben »ednMoa: SV). 68, Cin&enffcagc 3 3etnfprad)(t: VSahofi 302— 293 Xal.'VtrcflcSojiolöenottal Berlin Vevlinev Volksblstt 5 Golöpfennig 50 Milliaröen Freitag 22. August �24 Verlag und«nzeigenobleilung »eschiflszeit 9—5 Uhr Verleger: Vorwarts-Uerlag Smdy> Berlin SW. 68. CInDenffcobe 3 Uernlprecher: vfinhoft 2806-2507 Zentralorgati der Sozialdcmokrattfchen parte» Deutfchlanda Freiheit und Hilfe für die befetzten Gebiete! Zur heutigen Reichstagssitzung. „Daneben ist es-völlig bedeutungglos, wenn das im Frühjahr 1921 vertragswidrig besetzt« Gebiet von Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg gleichzeitig mit dem Ruhrgeibet, wenn Dortmund und Hörde nach der Unter- Zeichnung des Londoner Abkommens geräumt werden sollen, wenn Dffenburg und Appenweier in diesen Tagen freigegeben wurden." Freiherr v. Freytag-Loringhoven, MdR., in der„Deutschen Zeitung" vom 21. August 1924. Don besonderer Seite wird uys geschrieben: Das deutsche Volk und im besonderen die Bewohner der besetzten Gebiete werden sich die Aeußerung des Herrn von Freytag-Loringhoven merken müssen. Wie sind die Tat- suchen? Was ist und was wird in den besetzten Gebieten ge- schehen? Die meisten der ausgesprochenen Ausweisungen sind bereits zurückgenommen. Grundsätzlich werden alle Aus- Weisungen zurückgenommen. Ein am 30. August er- folgender Notenwechsel bestimmt die Einzelheiten. Bereits jetzt sind Kriegsgerichtsprozesse im Hinblick auf die kommende Amnestie vertagt worden. Nach Anlage III des Schlußprotokolls werden alle Deutschen, die von alliierten Gerichten wegen politischer Handlungen verurteilt sind oder die sich gegen Befehle der Besatzungstruppen ver- gangen haben, befreit werden müssen und auch künftig nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Nur für einen Fall, über den diplomatisch verhandelt wird, ist eine Aus- nähme gemacht. Die deutsche Iustizhoheit in den besetzten Ge- bieten wird wiederhergestellt. Das bedeutet das End« der separatistischen Landesverräter. Die deutsche Verwaltung in den besetzten Ge- bieten wird durch Zulassung der Beamten wiederhergestellt. Die infolge des Ruhrkampfes erlassenen.Kampf- ordonnanzen" der Rheinlandkommission verschwinden. Das bedeutet: Wiederherstellung des Rheinland- abkommen s. Das Gebiet von Offenburg ist geräumt. Damit ist ein Eisenbahnknotenpunkt von internationaler Bedeutung wieder in deutscher Hand. Die„Flaschenhälse" und die Rheinhäfen Wesel, Em- merich. Leopoldshafen und Mannheim werden geräumt. Die Räumung des Mannheimer Hafens ist von !jrößter Bedeutung für die süddeutsche Wirtschaft. Der Hafen tand, gemessen an der Menge der umgeschlagenen Güter, an der zweiten Stelle der gesamten deutschen Rheinhäfen. Die Dort m u n d e r Zone wird geräumt. 18 Zechen mit einer Förderung von 5 652 009 Tonnen(1921) werden frei, desgleichen die großen Eisenwerke von internationaler Bedeutung(Union, Hoesch, Phönix). Wenn die zunächst vorgesehenen Räumungen durchge- führt sind, ist ein Gebiet, das an Größe die preußischen Teile des Saargsbietes übertrifft, befreit. 900 000 Deutsche brauchen nicht mehr unter der Fremdherrschaft zu leben! Die besetzten Gebiete werden wirtschaftlich geräumt. Das System der Pfänderpolitik ist beendet. Die Micum verschwindet und mit ihr die Micum-Verträge verschiedenster Art, auch die sogenannten„Holz-Micum-Ver- träge". Deutschland kann über die Steinkohlenförderung, die Koksproduktion und die Braunkohlenförderung(Kölner Bucht) der besetzten Gebiete wieder frei verfügen. Die Regie- zechen König Ludwig, Viktor und Ickern mit einer Jahres- förderung von rund 3 Millionen Tonnen werden ihren recht- mäßigen Besitzern wieder zurückgegeben, ebenso die beschlag- »ahmten Kokereien. Die beschlagnahmten Staatsforsten in Preußen, Hessen, in der Pfalz und in Birkenfeld werden freigegeben. Die„leitenden Forstausschüsie" verschwinden. Nach einer fran- zösischen Aufstellung waren mehr als 300 000 Hektar staat- sicher Forsten beschlagnahmt. Der unverantwortliche Raubbau hört nun auf: allein aus den preußischen Forsten sind rund 1 Million Festmeter Holz herausgeholt worden. Für 192 4/2 5 sind bereits von den Franzosen große Vor- b e r e i t u n g e ir getroffen worden, so daß in einem Bericht der preußischen Forstverwaltung die Lage wie folgt bezeichnet worden ist: I« welter die Verhandlungen sich hinaus- schieben, um so näher rückt die Gefahr eines gänzlichen Ruins�unserer f«s t a l i j che n ffialbbe stände." Die Regie verschwindet und mit ihr der letzte französische Eisenbahner. 150 000 deutsche Eisen- b a h n e r werden damit ihrer Arbeit unter deutscher Leitung, ihrer Heimat und Familie zurückgegeben. Zur Kennzeichnung der Bedeutung der Ruhrbahnen nur eine Zahl: fast die Hälfte (49 Proz.) der gesamten von der Reichsbahn beförderten Gütermengen stammen aus dem Ruhrgebiet oder laufen dorthin. 2iese Zahl charakterisiert aber auch zugleich die Bedeu- tuvg der Aufhebung der Binnenzoll-Linie. Handel und Verkehr haben unter der Abschnürung des be- setzten Gebietes ungeheuer gelitten. Allein der Verkehr des altbesetzten Gebiets mit dem rechtsrheinischen Deutschland war 1920 mehr als sechsmal so groß wie der Verkehr mit dem Frankreich jetzigen Umfanges. Und dazu kommt nun noch das Ruhrgebiet, ohne dessen Kohle und Eisen Deutschland nicht leben kann. Durch die Aufhebung der Binnenzoll-Linie wird auch die schwer bedrohte rheinische Schiffahrt erst wieder lebensfähig. Infolge der Pfänderpolitik ist der Schiffahrts- verkehr über die Seehäfen, besonders über Hamburg, vom Rhein abgelenkt worden. Das gleiche gilt für den internatio- nalen Transithandel. Neben dem Duisburg-Ruhrorter Hafen hat auch der Hafen von Köln schwer gelitten. Neben den Beschränkungen im Güterverkehr kommen auch die Beschränkungen im Personenverkehr in Fortfall. Nach Annahme der Gesetze und Unterzeichnung der Protokolle werden die hindernden Verordnungen über Stempel und Geleitscheine aufgehoben werden. Das ist poli- tisch, aber auch wirtschaftlich von ganz besonderer Bedeutung, besonders wenn man der altberühmten Kurorte im besetzten Gebiet gedenkt, die jetzt wegen der Paß- und Zollschwierig- keiten schwer um ihre Existenz ringen müssen. Das besetzte und das unbesetzte Gebiet sind wieder verbunden; so wird es auch den Brüdern an Rhein und Ruhr leichter, die Zeit der Besetzung zu ertragen. 11 Millionen Deutsche leben jetzt noch in den besetzten Gebieten unter der Fremdherrschast, aber sie und wir dürfen doch die begründete Hoffnung haben, daß— wenn jetzt die Gesetze angenommen werden— mehr als die Hälfte, rund 6,3 Millionen, spätestens am 15. August 1925 befreit sein werden. Wer wagt es im unbesetzten Gebiet, zu sagen, daß das alles„völlig bedeutungslos" ist? Die Oppositions- Parteien mögen wohl bedenken: Aus dem besetzten Ge- biet ist bisher nicht eine Stimme der Ab- lehnung laut geworden. Im besetzten Gebiet gibt es— trotz mancher schweren Bedenken— nur eine Meinung: annehmen! Ablehnen ist Wohnwitz. Urteil der Bayerischen Bolkspartei. München, 22. August.(WTB.) Die Korrespondenz der B a y t- rische» Dolkspartei schreibt zu den Londoner Ergebnissen u. a., unser« trostlose Lage erlaube es uns nicht, den Luxus all«»- falstger Wahrscheinlichkeiten von vornherein zu oerwerfen. So wie die Dinge jetzt für die Entscheidung des Reichstages lägen, müßte konstatiert werden, daß im Falle der Ablehnung jede Hoff- nung auf:R«ttung Wahnwitz wäre. LudwigsHasen. 21.• August.(WTB.) Dix Sozialdemo- k r a t i s ch e Partei der Pfalz hat folgende Kundgebung an den Reichstag gerichtet:.Der unterzeichnete Bezirksvorstand der SPD. der Rheinpfalz in Vertretung des werktätigen Volkes hat mit Be- friedigung davon Kenntnis genommen, daß die Londoner Konferenz mit positiven Ergebnissen geendet hat. Er bedauert, daß eine ganze Reihe berechtigter Wünsche Deutschlands unberücksichtigt geblieben sind, ganz besonders aber, daß die sofortige Räumung des Ruhr- gebiet? nicht erreicht wurde. Die Abmachungen von London«nt- halten aber gegenüber den bestehenden Zuständen so groß« Er. leichterungen de? politischen und wirtschaftlichen Druckes, daß die Bevölkerung des besetzten Gebietes von der Durchführung des Dawes-Plancs eine wesentliche Besserung ihrer Lage erwarten darf. Aus diesem Grunde fordert der Unterzeichnete von der Reichsregie- rung und dem Reichstag unverzüglich die Schaffung der zur Durchführung des Tawes-Planes notwendigen Gesetze. Er verlangt aber auch init der gleichen Entschiedenheit, daß die durch die Gesetze entstehenden Lasten soverteilt werden, daß die minder- bemittelt.'n Schichten des deutschen Volkes verschont und rragfähig« Schultern belastet werden. � Der Vorstand." Von der Gewerkschaftsorganisation der Pfalz wurde ein« ähnlich lautende Entschließung gesaßt: Köln. 21. August.(WTB.) Laut„Kölnischer Zeitung" haben die christlichen Gewerkschaften des Kölner Bezirks eine Entschließung angenommen, in der sie erklären, daß sie trotz schwer- wiegender Bedenken vom Reichstag die Verabschiedung der nach dem Sachverständigengutachten erforderlichen Gesetze verlangen, da ein« Verzögerung die schlimmsten Folgen haben müßte. Köln, 22. August,(eca.) Zu dem Zusammentritt des Reichsver- bandes der deutschen Industrie und des Wirtschaftsausschusses für die besetzten Gebiete am 22. August erfährt die„Kölnische Volkszeitung" folgendes: Im allgemeinen ist ine S ch w e r i n d u st r i e des Westens der Auffassung, daß mit dem Abkommen wenigstens der bisherige Zustand dau rnder Ungewißheit beseitigt worden ist. Die Aussührungsbestimmungen zu den einzelnen Gesetzen werden freilich ncch Gegenstand eingehender Verhandlungen zwischen der Regierung und der Industrie sein müssen. Wenn somit auch die Klärung der Lag« al» allgemein« Erleichterung empfunden wird, so verhehlt man sich nicht, daß die neuen Gesetze für die Industrie ein« neu« schwer« Belastung bilden werden, die um so stärker wirken muß, als diese neu« Belastung die Industrie zu einer für sie als denk- bar ungünstig zu bezeichnenden Zeit trifft. Sezahlung für Zreunöeshilfe! Der Schutzzoll vor dem Dawes-Gesetz. Die gestrige Sitzung des Reichskabinetls hat be. schloffen, die Zollvorlage sofort dem Reichstage zugehen zv lassen. Man nimmt an. daß sie noch in dieser Tagung des Reichstages erledigt werden kann. Zerstört üen öürged i nicht! Klagerufe ans dem Lager Stresemanns. In der„Nationalliberalen Korrespondenz", dem Presse- dienst der Stresemann-Partei, beschwört Dr. Otto Arendt. der frühere Freikvnservative, händeringend die Deutschnatio- nalen, doch ja nicht die Dawes-Gesetze abzulehnen, denn dadurch würde der Bürgerblockgedanke vernichtet! Wird«ine Zweidrittelmehrheit nicht erzielt, so müssen Neu- wählen stattfinden, die ein« ungeheure Mehrheit für die Dowes-Bericht« bringen würden. Ihre Durchführung ist unter allen Umständen gesichert. Aber der Sahlkamps— das ist das Entscheidende und Verhängnisvolle— bringt einen nicht wieder überbrückbare« Riß innerhalb der bürgerlichen Parteien. Für die innere Uederwindung der Sozialdemokratie ist die Durch- führung der Dawes-Bericht« ahne Reichstagsaufläsung die un- bedingte Voraussetzung. Bieten die Deutschnationalsn hierzu di« Hand, so ist das Zustandekommen der„großen bürgerlichen Koalition" in allernächster Zukunft gesichert... Ans den Sieg hei de« vlaiwahleu würde für die Deulschnattonaleu die Niederlage bei de« Oktoberwahleu folgen, aus den Ruck nach rechts der Ruck nach link»..... Was Wunder, daß die Stresemann-Partei diesen Ab- marsch nach links fürchtet wie ein gebranntes Kind das Feuer! Sie möchte gern mit den Deutschnationalen zusammen die Dawes-Gesetze machen und dann hinterher mit Schutzzoll, Zmölfftundentag und Lastenverteilung auf die Schultern der Besitzlosen die unumschränkte Herrschaft des Industrie» und Agrarkapitals aufrichten. Um so mehr gilt unsere Forderung: Fort mit diesem Inflationsreichstag? Schleunigste Neuwahlen, damit endlich die Befriedung Europas auch in Deutschland eine Stätte finde! Das erste flbstlmmungsmanöver. Die Teutschnationale» haben Angst. Nachdem die Deutschnationalen durch ihr« in 5 Iahren betrie- bene verlogene Agitationspolitik gegen di« Erfüllung und durch die Resoluionen ihrer Organisationen in Pommern, in Brandenburg, in Ostpreußen, in Sachsen und in anderen ostdeutschen Gebieten weit vom Schuß festgelegt sind, können sie natürlich nur schwer von ihrer bisherigen politischen Linie loskommen. Die einsichtigen Führer be- greifen sehr wohl, daß all« politische Vernunft für di« Annahme der Gesetze spricht. Aber sie finden nicht den Rückweg aus der Sackgasse. In dieser verworrenen Situation oerfallen sie auf allerhand Abstimmungsmanöver. Das erste, das bekannt wird, ist die Freigabe der Abstimmung für die deutsch- nationalen Abgeordneten aus dem befetzten Gebiet. Diese Abgeordneten, die sich in ihren Wahlkreisen nicht mehr sehen lassen dürfen, wenn sie gegen di« Gesetze und damit für die Verlängerung der militärischen Räumung, für die Hinaus- fchiebung der Amnestie und der Rückkehr der Ausgewiesenen, für die Fortdauer der riesigen Arbeitslosigkeit in den besetzten Gebieten, für die Fortdauer der Eisenbahnregie, für die Beibehaltung der Binnen- zollinie und anderer furchtbarer Bedrückungen der Westmarl ge- stimmt haben, verlangten in der gestrigen deutschnationalen Frok- tionssitzung Freigab« der Abstimmung für die Abgeord- neten aus dem Westen. Es scheint, daß man geneigt ist, diesem Wunsche der deutschnationalen Abgeordneten aus den besetzten Ge- bieten zu entsprechen. Dies« Freigabe ist dos Zugeständnis, daß die Deutschnationalen das besetzt« Gebiet ihrem Agitattonsbedürsnis auk- opfern wollen. Vielleicht sit bei diesem Manöver der Hintergedanke mit- bestimmend, daß man auf diesem Wege der Auflösung und der Abrechnung ausweichen könnte. Es kcmmen etwa 12 Abgeordnete der Deutschnationalen in Betracht. Es bedürfte schon der Hilf» der Hälfte der kommunistischen Fraktion, um die Auflösung zu ver- hindern. Wenn die veutschnationalen sich um di« Abrechnung drücken wollen, so müssen si« schon noch«�eitere Abstimmungsmanöver er- finden. Vielleicht wollen ss« im Reichstag mit der vorbik>kich«n Geschlossen- heit auftreten, die sie im Reichsrat bewiesen haben. Dort ergab sich da« Bild, daß von den deutschnationalen preußischen Provinzial- Vertretern einer überhaupt fehlt«,«in anderer sich durch seine» sozialdemokratischen Kollegen vertreten ließ, zwei mit ja und zwei mit nein stimmten. Das nennt man: lung der nationalen Opposition. Debatte im Auswärtigen Ausschuß. Die Agrarier drohen mit Lieferstreik. Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages besprach man heute vormittag zunächst die Frage der Sachlieferungen. Reicherl(Dnat.) spricht sich nicht unbedingt gegen Sochlieferun, gen aus, äußert aber Bedenken gegen die Bestimmung über Chemi» kalten und gegen den Wegfall der zeitlichen Grenze des Jahres 1S3l). Durch die Londoner Konferenz fei ein« erhebliche Derschlechterimg der Lag« Deutschlands eingetreten. Vorsitzender Hermann Müller teilt mit, daß über die Reden der Regierungsoertreter nur noch amtlich berichtet werden soll, da ein Teil ihrer Ausführungen als oertraulich zu betrachten fei. Auf«in« Anfrage des deutschoolksparteilichen Abgeordneten Dr. Schneider erwiderte der Reichsbankpräsident Dr. Schacht, daß er im Falle der Ablehnung der Gesetze für die K r e d i t v e r h ä l t- nisse schwärzer als schwarz sehe. Die Reichsbank werde auf jeden Fall durch Fortsetzung ihrer bisherigen Kreditpolitik die Währung halten. Auch die landwirtschaftliche Kredittrise werde sich noch verschärfen. Darauf drohte der deutschvölkische Abg. v. Graefe, wenn man der Landwirtschaft die nötigen Kredite verweigere, habe auch sie noch Kampfmittel in Reserve. Er drohte also kaum verhüllt mit Liefer st reik und Hungerblockade der Agrarier. In seiner Erwiderung erklärt« Reichsbankprästdent Dr. Schacht, er habe keine Drohungen ausgesprochen, sondern nur Tatsachen festgestellt. Mö'rüeraspl Ungarn. Die Identität der Erzbergermörder kaum noch zweifelhast. Budapest, 22. August.(XU.) Die Untersuchungen in der Au- gelegenheit der augeblichen Mörder Erzbergers dauern fort. Der deutsche Gesandte w o l h e k hatte mit dem Minister de» Zoueru Varuvary eine längere Unterredung und überreichte die deutsche Rote, in der die Auslieferung der Der- d ä ch t i g t e n für den Fall, daß eine Identität festgestellt wird, ver- langt wird. Gegenwärtig wird an der Fertigstellung der Antwort- note gearbeitet, welche den juristischen Standpunkt Ungarns in der Auslieferungssrage darlegt. Die ungarische Regierung hat die Zu- lassung deutscher Kriminalbeamter gestattet, um das Zdentitäts- verfahren zu erleichtern. Zwei Srimnalbeamle sind aus Berlin«in- getroffen, um den ungarischen Behörden bei dem Idenlitätso erfahren behilflich zu sein. Räch einzelnen Zeitung- Meldungen ist die I d e n l i- tat der drei Leute taum noch zweifelhaft. Die Luda- pester Polizei weigert sich noch immer, eine offizielle Erklärung ab- zugeben, doch Ist die deutsche Gesandtschaft vollkommen überzeugt, daß der verhaftete Förster mit dem Mörder Schulz identisch ist. ebenso wenig zweifelt man, daß Schneider der zweite Mörder, Tilessen, ist. Der dritte Mann, namens konrad Meyer, der ebenfalls bei dem Abgeordneten Gömbös gewohnt hat, wird für einen Deutschen namens König gehalten, der bei der Ermordung Erzbergers eine, wenn auch'> ilergeordnete, Rolle gespielt hat. Die Gesandtschast hat gestern veranlaßt, daß die beiden Detektive, welche im Zu.,ce 1922 die Mörder Erzbergers im Hotel Astoria überrascht haben, nach Budapest kommen. „Kreuzzeitung" und Erzberg ermörder. Di« Sympathien der deutschnationalen Presse für gewisse Mord- buben sind bekannt. Sie kommen oft ganz offen zum Ausdruck und werden nur dann abgeleugnet, wenn die gefühlsmäßigen Zusammen- hänge mit den Mördern den Deutschnationalen gefährlich werden. Die Haltung der„Deutschen Tageszeitung* bei dem • Attentat auf Scheideman n ist noch in aller Erinnerung. Sie oersuchte die deutschvölkischen Mordgesellen zu decken, indem sie wegwerfend von einem Klystierspritzenattentat sprach und so den Mordanschlag als eine harmlose Angelegenheit hinzustellen versuchte. Aehnlich verhält sich die„K re u z z e i t u n g* jetzt in der An- gelegenheit der in Budapest aufgefundenen Erzberger- Mö r- der. Sie veröffentlicht einen längeren, offenbar von der ungarischen Regierung beemslußten Bericht ihres Budapester Korrespondenten, Der unbekannte deutsche. „Paris Soir* berichtet, daß man bei Erdarbeiten in der«he- maligen Feuerzone das gut erhaltene Skelett eines deutschen Sol- daten fand, aufrecht stehend, in den Händen noch die Granate, die er nicht mehr zur Explosion bringen konnte, weil ihn wahrfchein- lich eine explodierende schwere Granate lebendig verschüttete. An dies« Tatsache knüpft„Sirius� im„Paris Soir* folgende Betrachtungen: „Unvermittelt heftig werden wir rückwärts in die Zeit ent- führt, als in den Dämmerstunden Menschen, in den Löchern zu- sommengepfercht wie Schlachtvieh, sich einer auf den anderen stürzte, schwarzen Dämonen gleich, die, auf beiden Seiten, sich töteten und starben für das Recht und die Zivilisation! Ich muß an diesen armen Toten denken, da» Gesicht der Erde zugekehrt, ehe er noch das Spielzeug gebrauchen tonnt«, dessen Handhabung man ihn gelehrt. Einige Zentimeter Schmutz über dem Derstorbenen— kein Holztreuz, keine noch so kurze Grab- nschrift, kein Orden— nichts, was zu seiner Identifizierung ver- helfen könnte. ... Jener ist entschlafen, und niemand kam, an seiner Gruft zu weinen. Seine Familie kennt nicht sein wirkliches Schicksal. Er kann noch glücklich fein, der arm« Teufel, wenn man Ihn nicht als Deserteur engetragen, verdammt und geächtet hat! Und es b«. durfte erst eines Zufalles, um seine sterblichen Reste an» Tageslicht zu bringen.... Mir wird dieser unverletzt« Leichnam zum Symbol: Wir stehen hier vor dem Kämpfer, wie er leibt und lebt, wild, entschlossen, die Finger noch um die Waffe gekrampft, und diese Gest« drückt zu- gleich äußerst« Untergebenheit und übermenschlichen Willen aus*. Das ist der wirkliche„unbekannte Soldat", der namenlose, dessen Beispiel den patriotischen Scharen vor Augen gehalten wer- den sollt«. Dieses Skelett bedeutet noch eher den„unbekannten Soldaten* als jener, der unter dem Triumphbogen ruht und für den eine ewige Ampel angezündet wurde. Denn bei diesem dort weiß man nicht, wie er starb, ob er im letzten Augenblick nicht doch vielleicht ein« Schwächeonwandlung hatte.— Ueber diesen Mann aber mit der Handgranate kann kein Zweifel möglich sein. Das ist em wahrer Kämpfer. Ein Kämpfer, der im Kampf fiel. Nur— er hat einen Makel! Der Leichnam wurde bei Sainte-Morie-les-Mine», in der Ge- gend von Mülhausen, gefunden. Dieser unerschrockene Soldat ist— ein Deutscher. Und seinc Handgranate wurde nicht in Frankreich verfertigt. L- kam vom jenseitigen Rhemufer.„Made m Gerinany.* Das ändert natürlich das Problem gewaltig! dessen Zweck es nur sein kann, die Spuren zu verwischen und die Reichsregiorung von weiteren Maßimhmen a b Z u- schrecken. Es heißt in dem Bericht, gegen die in Betracht kommen- den drei Deutschen hätten sich nicht die geringsten Verdachtsmomente ergeben. Zwei von ihnen befänden sich auf freiem Fuß, sie fühlten sich als Gäste des Abg. Gömbös sehr wohl und dächten im Traum« an keine Flucht, und der dritte Verhaftete dürfte sehr bald wieder entlassen werden. Der Bericht fährt dann mit offenem Hohn fort: „Aber auch für die deutschen Kriminalbeamten wird ihr Ausflug nach Budapest vollkommen ergebnis. l o s verlaufen, auch für den Fall, daß es ihnen durch irgendwelche Mittel gelingen sollte, die genannten drei Reichsdeutschen wirklich eines politischen Verbrechen»— und ein anderes käme ja bei ihnen gar nicht in Frage zu überführen. Die u n g a- rische Regierung würde sich nämlich, wie ich von durchaus zuverlässiger Seite erfahre, solchenfalls einem Auslieferungs- begehren Deutschlands gegenüber entschieden ablehnend verhalten.* Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der von gewissen extremen Mitgliedern der ungarischen Regierung inspirierte Artikel den Zweck hat. die Reichsregierung unter Druck zu setzen. Di« «Kreuzzeitun�* spielt also in diesem Fall da» Spiel derer, die sich — zum Schaden Deutschland?— die Beherbergung politischer H ochstapler und Mordgesellen zur Auf- gäbe gemacht haben. Reichswehr unü tzakenkreuz-Tag. Zu den Pressenachrichten über Beteiligung der Reichs- wehr am Deutschen Tag in Weimar wird von zuständiger Stelle mitgeteilt: Die Angaben über Beurlaubung zahlreicher Reichswehrangehöriger zum Deutschen Tag in Weimar und ihre Be- teiligung an den Kundgebungen sind falsch. Damit werden die aus diesem Anlaß gegen Reichswehr und das Reichswehrministerium er- hobenen Angriffe hinfällig._ k>erriots Erfolg. Die Quertreibereien Poincarös gescheitert. Pari», 22. August.(Eigener Drahtbericht.) In Kammer und Senat sind am Donnerstag die von der Oppo- sition oersuchten Quertreibereien kläglich gescheitert. Im Senat, wo ein von den Anhängern Herriots eingebrachtes Ver- trauensootum an die Kommission verwiesen worden ist, gingen die Bemühungen der Minderheit unter Führung von Poincar« dahin, Herriot zu einer Aussprach« w der Kommisston zu zwingen und so die öffentlich« Debatte zu verhindern. Herriot durchkreuzte dieses Manöver durch die Erklärung, daß er nichts zu verbergen habe und daß er Fragen, die die Minderheit an ihn zu stellen beabsichtige, in öffentlicher Sitzung beantworten werde, sobald die Interpellationsdebatt« in der Kammer beendet sei. In der Kammer, wo der Abg. Klotz nach einer Aussprache, die er am Dormittag mit Herriot gehabt hat, auf die ursprünglich beabsichtigte Bertrewng des Standpunktes, daß die Londoner Beschlüsse ein« Abänderung de? Dersailler Vertrages bedeuteten und daher eines Ratifikation»- gesetzes bedürften, verzichtet hatte, versucht« die Minderheit, ähnlich w!« im Senat, die Debatte in die Kommission für Auswärtige Angelegenheiten zu verlegen. Ein vom Abgeordneten B o k a n o w- s t i gestellter Antrag, die Londoner Beschlüsse einer eingehenden Prüfung durch die Kommisston zu unterwerfen, wurde von Herriot zurückgewiesen und von der Kammer mit 820 gegen 209 Stimme» abgelehnt. Am Freitag, vormittags 10 Uhr, beginnt die«igent- liche Interpellationsdebatt«.» Die Linkepresse gibt ihrer Genugtuung über den verlauf der Donnerstagssitzung Ausdruck.„Herriot hatte gestern einen großen Erfolg zu oerzeichnen,* schreibt„Er« Rouoelle*.„Das ist nicht allein unser« Auffassung, sondern wird selbst von der Opposition zugegeben, deren Mitglieder zum Teil das schwächliche Auftreten der Minderheit offen bedauert haben. Di« Rede de» Ministerpräsidenten war für die Anhänger des Nationalen Blocks und der Gewaltpolitik Poincare« von geradezu niederschmetternder Wirkung. Man konnte befürchten, daß Herriot in seiner übertriebenen Vornehmheit sich eine» Vergleichs der von ihm in London erzielten Erfolg« mit der Situation, wie er sie bei Antritt seiner Regierung übernommen hatte, enthalten würde. Glücklicherweise war dem nicht so. Ohne Ueber» Dennoch: ich verlang«, daß man dies« sterblichen Reste bei- setze unter den, Trimphbogen, gegenüber unserem Unbekannten. Haben nicht alle Religionen neben das Paradies die Hölle, neben die Verdammung die Glorie, neben das Gut« da» Bös« gesetzt? Wenn nun ein Fremder unter unseren Triumphbogen kommt und ehrfurchtsvoll nachgedacht hat über unseren„unbekannten Poilu*. wird ex sich zu dem teutonischen Barbaren wenden, und dessen ganze Hinterlist ermessen.... Dielleicht wird aber auch jener Fremde einwenden, der ein« wie der ander«, der Deutsche wie der Franzose, sind den gleichen Tod gestorben, st« haben das gleiche getan und beide für ihr Vaterland gekämpft. Doch es wird einem selbstverständlich nicht schwer fallen, ihm zu beweisen, daß das ganz etwas anderes, daß das durchaus nicht dasselbe sei, nicht wahr?*_ das Mars-Geheimnis. In diesen Tagen steht der Mars in größter Erdnähe, und das viel umstrittene Marsproblem wird überall lebhaft erörtert. Die weitverbreitete Ansicht, daß auf dem Mars tierisches oder pflanz. liches Leben gedeiht, läßt sich nach den neueren Untersuchungen nicht mehr aufrechterhalten, weil die tiefe Marstemperatur jede, Leben töten muß. Die Temperatur der Oberstäche eines Planeten läßt sich leicht, wie der schwedische Forscher Svante Arrhenius in seinem Wert„Der Lebenslauf der Planeten*(Akademische Derlagsgesell- Ichast, Leipzig) ansführt. berechnen, wenn in der Lufthülle kein« Wärme zurückhaltenden Gase enthalten sind. Pie hauptsächlichsten derartigen Gase sind der Wasserdampf, dessen Meng« in der Marsatmosphäre äußerst geringsügig ist, und die Kohlensäure, die wahrscheinlich ebenfalls nur ganz schwach vertreten sein kann. Solche Berechnungen hat zuerst Ehrlstiansen in Kopenhagen ausgeführt. Er hat die Sonnenkonstante, das ist der Energie- inhalt einer Sonnenbestrahlung, die«ine Minute lang auf ein« senk, recht gegen sie gerichtete Fläche von einem Ouadratzentimeter in der mittleren Entfernung der Erd« von der Sonne fällt, gleich 2,5 Ka- lorien angenommen. Auf dem Mars beträgt unter den entsprechen. den Verhältnissen die Energie der Sonnenbestrahlung nur 1.1 Ka- lorien. Di« Rechnung ergibt ein« mittler« Temperatur von—8? Grad für dt« ganze Morsoberfläche. Neuer« genau« Bestimmungen der Stärk« der Sonnenstrahlung von Abbat zeigen, daß die obige Schätzung der Sonnenwärme etwa 20 Proz. zu hoch ist. Rechnet man die Sonnenkonstante zu rund 2 Kalorien, was etwas zu hoch ist, so kommt man zu 50 Grad unter Null für die mittler« Temveratur aus dem Mars. Die äquatorialen Gebiete können eine mittlere Temperatur von— 8 Grad erreichen und zur Mittagszeit auf einige Grad über Null kommen. An den Polen hingegen, wo die Sonn« im Hochsommer monatelang über dem Horizont steht, könnt« die Temperatur höher, bi»+8 Grad, steigen, Hebung, aber in vollem Lichte der für sich selbst zeugenden Tatsachen hat er diese Parallele gezvAm und angesichts der Nichtigkeit ihres eigenen Werkes war die Mehrheit von gestern er- schlagen.*_ Im Interesse ües§rieüens. Die französische Demokratie für Relchstagsauslösuug. pari». 22. August.(Eigener Drahlberichl.) Die französische Oeffenklichkeit verfolgt den von den Deutschualioualen ge- führten Kamps gegen die Beschlüsse der Londoner Konferenz mit gespanntester Aufmerksamkeil. In den Blättern der Linken wird die Erwartung ausgesprochen, daß die deutsche Regierung für oen Fall, daß die Opposition der Rechten die zur Durchführung des Dawes-Planes nötigen Gesetze zu Fall bringen könnte, vor einer Anslösung de» Reichstage» nicht zurückschrecken werde. Es wird dabei verschiedentlich hervorgehoben, daß, so be- bäuerlich die dadurch verursachte Verzögerung in der Durchführung des Dawes-Planes auch sei. eine Entwicklung dieser Art als eine Festigung des Friede»» in Europa zu begrüßen wäre. Die nationalistische pariser Presse vermag dagegen ihre Genugtuung über die Opposition der Rechten in Deutschland kaum zu verbergen. Die Freude, ml« der sie dir Rlög- lichkeil einer Ablehnung der Gesetze im Reichstag verzeichnet, zeigt wieder einmal, wie die Extreme hüben und drüben sich in die Hände arbelten._ Der Kampf um üie Handelsverträge. Macdonald zum Plan eineS deutsch-franzöfischen Handelsvertrages. London, 22. August.(MTB.) Ramsay Macdonald, der gegen- wärtig außerhalb Londons weilt, hat der„Daily Expreß folgendes Telegramm gesandt: „Was den Handelsvertrag angeht, so sind unsere beteiligten Departements angewiesen worden, Bericht« vorzubereiten, und Herriot hat sich oerpflichtet, mir die Vorschläge, die er Deutschlkmd machen wird, zu unterbreiten, damit ich mein« Bemerkungen dazu machen kann.* „Daily Expreß* sagt dazu, es sei jetzt offenbar, daß Macdon a l d die Auffassung Snowdens teile, wonach der Plan eines deutsch-sranzösischen Handelsvertrag» ein« ernst« Bedrohung der bri- tischen Hondelsinteressen bedeute. Der politisch« Korrespondent des Blattes bemerkt, Macdonald« Telegramm werf« Licht auf eine ver- schleierte Andeutung, die er in seiner Schlußrede auf der Londoner Konserenz gemacht habe. Er habe gesagt:„Es wird seitens gewisser internationaler Kombinationen ein Versuch gemacht werden, unter Anwendung der Waffe politischen Drucks allgemeine Interessen ihren eigenen unterzuordnen. Die Verteidigung nationaler Interessen und nationaler Wohlfahrt gegen solch« Schritte muß von den demotrau- sehen Regierungen sehr sorgfältig erwogen und mit Energie durch- geführt werden.* Dies« Erklärung Macdonalds, so sagt der Korre- spondent, stehe in engem Zusammenhang mit Snowdens später er- folgter Erklärung über den möglichen Schaden, der der englischen Textil- und Eisenindustrie durch einen ftanzösisch-deutschen Vertrag entstehen könnt«. Anschließend an das Telegramm Macdonalds schreibt„Daily Expreß* in einem Leitartikel: E» ist seit langem bekannt, daß eine mächtige Gruppe von fr-anzösischen Industriellen den Plan schmiedet, in Deutschland wichtige kommerzielle Vorteile zum Nachtell anderer Länder, vor allem Großbritannien», zu er- langen. Zu diesem Zweck hat sie beschlossen, das Versprechen einer früheren Räumung des Ruhrgebiets zu benutzen, um Handels- konzessionen von Deutschland herauszuholen. Die Ziel« der Gruppe sind nationali st isch und s e l b st s ü ch t i g. Sie hatte gewollt. daß die Bedingungen diese» Vertrage» Großbritannien gegenüber geheim gehalten werden sollten. Hierin liegt ein ausreichendes Anzeichen für die Bedrohung der britischen Interessen. Herriot hat, indem er sich«inverstanden erklärt«, Macdonald die Bedingungen vor Unterzeichnung des Vertrages mitzuteilen, schön, richtig, aber auch mutig gehandelt. Hierdurch sind di« Berechnungen der In- dustriemagnaten über den Haufen geworfen und bewiesen, daß Herriot ein fester Freund der Entente ist. wenn keine Wärme durch Luftströmungen weggeführt würde. Selbst- verständlich geschieht da», und di« Temperatur wird ziemlich in der Nähe des Gesnerpunktes bleiben. Man kann sich daher vielleicht vorstellen, daß an den Marspolen irgendwelche niedrigen Gewächs« (Schneealgen und dergl.) während de, kurzen Hochsommer» sich«nt- wickeln könnten. Bis jetzt nahmen Lowell, Very und andere'-s-10 Grad als die mittlere Temperatur auf dem Mars an. weil groß« Mengen wärme. schützender Gase w der Marsatmosphär« vorausgesetzt werden. Diese Voraussetzung ist nicht mehr zulässig, sie ist es ebenso wenig wie der Glaube an«ine hohe Temperatur aus dem Mars. Wahr- lcheinlich ist die mittler« Temperatur des Mars ebenso wie dieicnig« der Erde etwa 10 Grad höher, als die eben erwähnten Rechnungen ergeben. Li« wird etwa—40 Grad betragen, da die sehr klare Mars- luft alle Sonnenstrahlen durchläßt und sich jedenfalls weder Wasser- dampf noch vielleicht auch Kohlensäure oder andere wärmeent- haltende Gase darin befinden. Di« mittler« Sommertemveratur am Diarsäquator dürfte ungefähr 13 Grad höher sein alz di« mittlere Temveratur des ganzen Planeten. Wir müssen also unser« Ansicht vom Mars gänzlich umändern. Der Glaube, daß Lebewesen aus dem Mars existieren können, ist in das Reich der Träume zu verweisen. Demzufolge fällt auch die Theorie von den Marskanälen, die vernunfibegabl« Wesen gebaut haben sollen, in sich zusammen. Theaterskandal in Dresden. Bei der ersten Wiederholung der „Anarchie in S i l l t a n* von Arnold Bronnen kam es im Dresdner Schauspielhaus, ähnlich wie bei der Aufführung von Toller»„5>inkemann*. zu Störungen durch Trampeln. Pfeifen und Schlußruf«. Di« Krakeel« konnten den Abbruch der Darstellung nicht erzwingen. Die Darstell« hielten taps« stand, wofür ihnen am Schlüsse demonstrativer Beifall dankte. We wir erfahren, beab- flchtigt di« Theaterleilung diesmal nicht, das Stück vom Spielplan abzusetzen in der richtigen Erkenntnis, daß sie mit solcher Kapitulmion sich völlig der Diktatur des Banausentums aussetzen würde. Ver Prang« im englischen Strafvollzug. Mit welcher hart« nackigen Zähigkeit sich im englischen Strafwesen barbarisch« Ge- bräuche erhalten, die auf«in« anderwärts längst überwundene Rechts- anschauung zurückgehen, zeigt ein« Urteilsvollstreckung, die kürzlich in Exeter stattgefunden hat. Ein« junge Frau namens Daisy Gut- Harb wurde nach Verkündigung des Urteil» in«nen eisernen Käsig gebracht, in dem sie in einer Ecke des Genchtssaal» der Neugierde der Zuschauer, di« der Verhandlung beiwohnten, preisgegeben wurde. Di« Frau ward zu einer Geldstrafe von zwei Pfund Sterling und vier Wochen Gefängnis wegen falsch« Beurkundung bei der An- Meldung der Geburt ihres Kindes o«urteilt worden. Als sie nach d« Verkündigung de» Urteils in den Käfig gesperrt und den Blicken der Leute ausgesetzt wurde. o«fi«l sie in hysterische Krämpfe, die ihre Ueberführung nach dem Krankenhaus notwendig machten. DI« ameritovifch« Polizei gegen Stiergefcchl«. Die amerikanifch« Polizei bat alle Toreadorcs wegen Tierquälerei und Grausamkeit verhaltet, die am vergangenen Sonntag an den Sliergefechten in Nelvark und New Aerseg teilgenommen haben, obwohl bei diesen Gefechten kein einziger Stier ge- tötet worden ist. Das Ende des Alten. Der 75 Jahre alte Droschkentutscher August Schmidt, der in seinem Beruf nicht mehr genug verdiente und nur noch bet seinem Pferde im Stalle schlief, hat sich mit einem Stein um den Hals in die Spree gestürzt. Seine Leiche konnte geborgen werden. Nein, es ist nichts Besonderes, und es fommt alle Tage vor. Benn man einige fünfzig Jahre die lieben Mitmenschen spazieren gefahren hat und sie sich plöglich von einem nicht mehr ipazieren fahren lassen wollen, weil vielleicht das Gefährt und der Gaul flapprig find, geht man wohl oder übel, um nicht hungern zu müssen, mit einem Stein um den Hals ins Wasser. Mancher schiebt das mit dem Stein um den Hals immer weiter hinaus, bis ihn der ganz natürliche Hungertod schließlich wirklich ereit. August Schmidt hate es lange genug hinausgeschoben.... Bielleicht saß er schon in den ersten zwanziger Jahren seines Bebens auf dem Bod, zylinderbewehrt, wohlgemut und machte mit feinem munteren Pferd unternehmende Fuhren. Fuhr freundliche, lustige, traurige und griesgrämige Leute vom Bahnhof Friedrich straße, wo er seit Jahren seinen Stand hatte, in die Stadt, die sich langsam zu dehnen begann. Wieviel Pferde überlebte er und wieviel mal mußte er die durchgesessenen Sigpolster seiner Droschte er. neuern? Wieviel mögen in seinem Gefährt auf furzer Fahrt Gast gewesen sein? Vielleicht drei am Tage. Das sind um tausend herum Tragödie eines jungen Liebespaares. Heute früh gegen 6 Uhr wurden in dem Wäldchen nördlich der Tribergstraße in Waidmannslust der 17 jährige Arbeitsbursche Karlowski, der in der Cyflopstr. 2 in Wittenau wohnt, und bie 16% jährige Schneiderin Else Dropalsti aus Hermsdorf mit schweren Schnittwunden am rechten und linken Handgelen? aufgefunden. Nach einem vorgefundenen Brief Karlowffis liegt bei ihm ein Selbstmordversuch vor, während das Mädchen, das auf einige Augenblide zur Besinnung fam, angab, sich die Verlegungen versehentlich, als sie ihrem Liebhaber das Rasiermesser entreißen wollte, zugezogen zu haben. Da jedoch die Schnittstellen die gleichen find, muß man annehmen, daß bei dem Mädchen ebenfalls ein Selbstmordversuch vorliegt. Die beiden jungen Leute wurden nach Anlegen von Notverbänden nach dem Dominikusstift in Hermsdorf gebracht. Raubmord in Mecklenburg. Ein Schnitter Hermann Müller aus Bangerin wurde auf der Feldmart Beebelig bei Gneuen in Mecklenburg werden konnte, mit zwei anderen Männern, die erst vor burzem ermordet und beraubt aufgefunden. Müller war, wie festgestellt dort Arbeit aufgenommen hatten, in ein Nachbardorf zu einem Tanzvergnügen gegangen. Die beiden haben ihn dann, da Müller ein ordentlicher Mann war und stets einen großen Teil feines Lohnes in einem Jahr und 50 000 in 50 Jahren. Er wird sie nicht gezählt Eine neue Reichstagswahl haben. Wind und Wetter des halben Jahrhunderts, das er auf den Berliner Straßen zubrachte, hatten ihn müde gemacht. Tag für Tag, Abend für Abend oder nächtelang, wie es die Einteilung feiner Touren mit sich brachte, auf dem Bock zu fizen und zu warten, Laß ihm einer das Wort der erlösenden Bewegung zurief oder ihn, Der eingenict war, am Aermel zupfbe Gott, das fann müde machen. Dann tam die Zeit der Autos, und er mußte noch länger warten, bis er fahren und sein Gaul laufen durfte. Bom ewigen Marten, dem stundenlangen Brüten auf dem Bod wurde er nicht munterer und sein Pferd nicht lebendiger. Es schien mohl kein Bergnügen mehr, sich von ihm fahren zu laffen, dem die Jahre, die endlosen Jahre drückten, und man ging lieber zu dem Kollegen, der erst auf dem Wege war zu überwinden, mas der alte August Schmidt fchon lange hinter sich hatte. Der Alte hatte schon das Heim aufgegeben, um mit noch weniger auskommen zu können, wohnte mit dem Pferde im Stall, schlief oberhalb seiner Krippe zwei Alte, die zusammengehörten. Dann mögen wohl Tage gefommen sein, wo niemand mehr die beiden Müden beachtete. Lage, die ihm faum das fnappe Brot, bem Tiere das Bündel Heu brachten. Dann eine letzte Nacht, wo Regen vom Himmel sant und die Stadt in die heffnungslose Trauer der nächtlichen Steinmüfte hüllte. Stein Mensch, der seiner bedurfte, fein Mensch, der ihm gestattete, noch einen Tag länger sein Dasein zu fristen. Bielleicht, wenn jetzt einer gekommen wäre:" Hallo, Kutscher, Potsdamer Straße, Ede.... Reiner fam. Kroch langsam mit den alten, müden Gliedern vom Bod, ging zum Pferd, deckte es sorglich, reichte ihm die letzte handvoll Heu unter dem Bock hervor, das letzte Stüd Brot. Bing mit dem Halfter: strick des Pferdes zum Spreeufer, halfterte sich selbst an einen der schweren Pflastersteine, die dort lagen. Ein Sprung und Klatschen und schwermüdes Wasserzusammenschlagen. Nun nahm die Spree ten Alten, der so oft ihre Brüden überquert hatte, und fuhr mit ihm davon wird in den nächsten Wochen schon erfolgen, weil die deutschnationalen Volksverräter durch Ablehnung des Londoner Vertrages gleichzeitig auch die Auslandskredite für die Industrie ablehnen In ihrer gewissenlosen Unverschämtheit wollen jene Drahtzieher der Volksauspowerung zur weiteren Gewerkschaftsbewegung Eine Dienstordnung für Angestellte. Bor uns liegt eine Dienstverordnung für die Angestellten der Spinnstoffabrit 3ehlendorf, G m. b. 5., die neben 2500 Arbeitern etwa 200 Angestellte beschäftigt. Nach§ 2 find die Angestellten verpflichtet, falls eine Pensions, Witwen- und Baisen tasse von der Spinnstoffabrit Behlenborf, G. m. b. 5., und ben ihr angefchloffenen Firmen eingerichtet wird, diefer beizutreten". Nach§ 4 find die Angestellten verpflichtet, all thr Wissen und können der Firma zu widmen, deren Interessen nach besten Kräften so zu dienen, als wenn sie ihre eigenen wären, mit Fletz, Aufmerksamkeit und Treue die ihnen von ihren Borgesetzten zugewiesenen Obliegenheiten zu erfüllen und in ihrem Beiragen im Dienst, wie auch außerhalb des Dienstes alles zu vermeiden, was berechtigten Anstoß erregen fönnte". Der§ 5 verpflichtet die Angestellten, die im Dienste der geheimnisse der Firma streng vertraulich zu halten und sie weder Firma zu ihrer Kenntnis gelangenden Betriebs- und Geschäftsfür sich noch für Dritte, fei es gegen Entgelt oder unentgeltlia), nubar zu machen. Diese Verpflichtung zur Beobachtung volltommener Berfchwiegenheit in allen geschäftlichen Angelegenheiten gilt insbesondere auch anderen Beamten der Firma gegenüber, foweit die Mitteilung nicht durch dienstliche Obliegenheiten bedingt ift. Ueber die Einzelheiten der vertraglichen Abmachungen( u. u. über die Höhe der Bezüge) ist strengstes Stillfchweigen gegenüber jebermann, auch gegenüber jedem anderen Angestellten der Firma zu bewahren. Bei vorsätzlichem oder leichtfertigem Zuwiderhandeln ist die fofortige Entlassung zulässig." Bezüglich der Urlaubsregelung, die sich nach dem Tarif der Chemischen Industrie richtet, besagt§ 6: Bei Bemessung des Urlaubs werden Dienstversäumniffe und Krantheiten in Rechnung gezogen." Nach§ 7 folgt der Berpflichtung, einen Wohnungswechsel zu melden, die Vorschrift: Erhöhung der Arbeitslosigkeit beitragen ensarst auf Das muß durch schärfsten Kampf verhindert werden. Freiwillige Beiträge für den Berliner Kampffonds zahle deshalb jeder, der es irgend kann, schnell und reichlich auf Posts checkfonto Berlin, Nr. 48743 an Aler Pagels, Berlin, SW. 68, Lindenstraße 3. 10 bei sich trug, auf dem Nachhausewege erschlagen und beraubt. Die Ermittlungen haben ergeben, daß es sich um einen vierundzwanzig Jahre alten aus Stallupönen gebürtigen Stall schweizer Gustav Schnitter und einen neunzehn Jahre alten ne cht Julius Scharnita handelt. Beide sind ungefähr 1,70 Meter groß und fräftig. Schnitter trug einen dunklen Rod und eine graue Hose, Scharnita einen hellen Anzug. Beide haben fich, bevor sie dort Arbeit annahmen, in Berlin aufgehalten. Wahr fcheinlich werden fie nun nach der Tat wieder hierhergeflüchtet sein, um in der Großstadt unterzutauchen. Nachrichten nimmt die Kriminalpolizei, Streife B. I. im Polizeipräsidium entgegen. „ Die Angestellten find verpflichtet, auf Berlangen der Firma sich durch einen von derselben auszuwählenden Ber trauensargt auf Arbeitsfähigkeit untersuchen zu loffen und biefen zu ermächtigen, das Attest der Firma auszuhändigen. Ein Verstoß gegen diese Verpflichtung berechtigt bie Firma zur fristlosen Kündigung. Dem§ 8, der private Telephongespräche verbietet, folche aus dringenden Gründen von der vorherigen Genehmigung des Abteilungsleiters abhängig macht, folgt§ 9: Bum Betriebe eines Geschäftes sowie zur Uebernahme eines Bffentlichen Amies, zu dessen Annahnie die Angeftellten nicht gefeßlich verpflichtet sind, oder einer dauernden, mit Entgelt verbundenen Tätigkeit bedürfen die Angestellten der vor= herigen Zustimmung der Direttion. Diese Zustim mung schließt nicht die Berpflichtung der Firma ein, den Angestellten bei einer notwendig werdenden Berfegung nach einer anderen Fabrit die Einnahmeausfälle, die ihren durch die Aufgabe der Nebenbeschäftigung entstehen, zu ersehen. Laut§ 10 hat die Firma das Recht, die Angestellten jederzeit nach einer anderen Fabrit der Firma zu versehen oder ihnen eine andere Beschäftigung zuzuweisen. Im Falle der Berfegung werden ihnen Auslagen der Ueberfiedelung ersetzt. Wie es mit der Bezahlung der Unkosten für die Rückübersiedlung steht, falls der von Berlin nad Posemudel versetzte Angestellte wieder zurückkehren will, ober aber falls nach der Versehung entlassen wird, barüber besagt diese Dienstordnung nichts. Schweres Zugunglüd in den Bereinigten Staaten. Einer Nach richt aus Cranford im Staat New Jersey zufolge ist auf der Strede Die Firma hat fich nach§ 11 ermächtigt, die Angestellten außer Einer weniger von den Alten, die die Stadt nicht leben läßt. Philadelphia- Nem Dorf der Zug der Jersey- Central- Line, der mit in den gefeßlich vorgeschriebenen oder in diefer Dienstordnung angeeiner Geschwindigkeit von 90 Kilometern in der Stunde von Trenton fam, auf einen auf dem Gleis allein stehenden führten Fällen insbesondere auch bei gröblicher Berlegung der in Wagen gestoßen. Der Stoß war so heftig, daß die Lokomotive mit$ 4 biefer Dienstordnung übernommenen Verpflichtungen ohne Einhalt einer Kündigungsfrist zu entlassen, vorbehaltlich weiterer zwei Wagen zur Seite geschoben wurden. Bisher find 15 Ber- Schadenerfazansprüche. In§ 14 ist ausnahmsweise von Rechten legte und 5 Lote geborgen worden. Schwere Auto- und Straßenbahnunfälle. In Biesenthal durch Autounfall zwei Tote. Die Verkehrsunfälle auf der Straßenbahn werden immer häufiger, immer seltsamer und immer unerträglicher. Es muß festgestellt werden, daß zurzeit nichts mit so großer Gefahr für Leben und Gesundheit verbunden ist als die Benugung der Straßenbahn. Würdig reihen sich diesen Fällen natürlich wieder ber Angestellten die Rede, indem es heißt: „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt tann, wenn eine Berständigung nicht gelungen, seine Beschwerde Wer sich in feinen Rechten beeinträchtigt oder gefränft fühlt, der heutigen Postauflage bei. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Etwas wärmer, zeitweise heiter und meist troden. Deutschland: Nur im Nordmeften noch leichte Regenschauer, sonst größten. cinige schwere Autounfälle an, barunter ein geradezu bataftro teils freden, bei etwas ansteigender Temperatur. phaler in dem fleinen märkischen Städtchen Biefenthal, dem nicht weniger als vier Personen zum Opfer fielen: Zwei sind tot, zwei schwer verletzt. In Biesenthal bei Bernau ereignete fich nachts um 2 uhr Parteinachrichten N Ginfendungen für diese Rubrik sind Berlin GB. 68, Lindenstraße 3, bei seinem nächsthöheren Borgesezten anbringen. Wird der Befchwerdeführer durch die von diesem getroffene Entscheidung nicht zufriedengestellt, so ist er berechtigt, feine Beschwerde bei der nächsthöheren Borgefeßten in angemessener Form weiter zu verfolgen." für Groß- Berlin wie der Betreffende in ben Diensten der Firma steht. Die Räume ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 6. Abt. Seute Abend, 1/8 Uhr, Funktionärsigung bei Dobrulam, Swinemünder Straße 11. Am Sonntag, 24. August, Ausflug nach Schulzendorf. Treffpuntt 8 Uhr früh Stettiner Borortbahnhof. Nachzügler Lokal Lindenhof am Bahnhof Schulzendorf. Sport. in der von dem alten Ort zum Bahnhof führenden Bahnhofstraße ein furchtbares Autounglüd, das anscheinend durch eine grobe Fahr. lässigkeit des Führers verursacht worden ist. Der Bürgermeister von Biesenthal, König, hatte nach einer Magistratssigung, der letzten des alten Magistrats, mit drei anderen Magistratsmitgliedern, Den Magistratsrat Rabow, ben Oberlehrer Antrid und den Magistratsrat Metternich, in dem Auto eines gemissen Ha. mann, der auch Führer des Autos war, Plaz genommen, um fich nach Hause zu begeben. Nach den bisherigen Feststellungen soll der Führer mit seinem Wagen in einem 70 Rilometer. V. Rhön- Segelflug- Wettbewerb. Tempo, also einem wahren D- 3ug Lempo davon. Fliegerlager Waffertuppe, 21. August. Ueber die betben ersten, gerast sein und dann die Gewalt über den Wagen verloren haben, bas an einer Sturve gegen einen Baum prallte. Magistratsrat Sa- gestern auf der Rhön aufgeftiegenen Segelflugzeuge mit Leicht. dow und Oberlehrer Antrid wurden aus dem Wagen geschleudert motoren interessieren folgende Angaben: Das Segelflugzeug Blume, und waren sofort tot, Bürgermeister König und Magistratsrat engen, Sabicht genannt, hat einen 2 3ylinder V- Motor, Sie Metternich wurden schwer verletzt. Der Führer des Wagens, Ha- mens u. Halste 2.-G. Berlin, eingebaut mit 750 Rubitzentimeter Der Führer des Wagens, Ha mann, fam mit leichteren Berlegungen davon. In Berlin Sub- Bolumen, luftgefühlt. Seine Leistung wird ca. 12 PS erreichen und eine Geschwindigkeit von 110 Kilometer in der Stunde erreichen wurde ber 48jährige Händler Paul Kiel aus der Belle- Alliance. tönnen. Durch einen einzigen Handgriff wird die Haube aufgeklappt firaße 67 beim Ueberschreiten der Köpenider Straße vor dem und damit liegen alle Teile des Motors tlar und offen. Der Motor Hause Nr. 118 durch einen Privatttaftwagen überarbeitet mit Motorenbenzol des Benzolverbandes Bochum.„ Habicht" fahren. Man schaffte ihn mit schweren inneren und äußeren ist der hochgezühtete Segelflugopparat der Rhönerfahrungen. Er Verlegungen in das Bethanientrantenhaus. An der Kreuzung Der Berliner und Karlshorster Straße in Rieber vereinigt die Erfahrungen der alten Jagdflieger Blume uns hengen mit den vorbildlichen Eigenschaften des alten Gegelfliegers. Die fchöne mei de stießen der Motorradfahrer Richard Mühle und Trageflächen sind seitlich vom Rumpf eingehängt, befonders vorteil der 17jährige Radfahrer Erwin Hennig aus der Manteuffelstraße 19 haft für Transport und Unterkunft. Die Spannweite beträgt 12 Meter mit solcher Gewalt zusammen, daß beide zu Boden stürzten und bei 11 Quadratmeter Flügelinhalt. Das zweite Segelflugzeug mit erhebliche Verlegungen erlitten. Beide Berletzte fanden im Kranten eingebautem Leichtmotor ist der Eindeder der Bäumer Aero hause in Oberschöneweide Aufnahme. G. m. b. H. Hamburg mit dem englischen Douglas- Motor von 350 Hub- Bolumen und 8 PS Leistungsfähigkeit. Der Apparat er reichte gestern 300 Meter über Starthöhe. Ihn fonstruierte bie Schüler der Technischen Hochschule Hannoper Günter- Mertens- Meyer Raffel. Beim Bau wurden die Erfahrungen des„. 6" und" Bom por berücksichtigt. Die Spannweite betrug 10 meter bei 13,6 Quadrat meter Flächeninhalt. Die Engländer brauchten im vergangenen Jahr für die gleiche Leistung von Bäumer gestern 750 bis 1000 Rubit. gentimeter. Dem Flugzeug tommt seine feine, ärodynamische Durch arbeitung zugute auf der Grundlage der langjährigen Rhönerfahrun gen. Bei Serienanfertigung wird dieser Motor- Segelflfieger auf 6000 m2, zu stehen tommen. Um 21. Auguft bis gegen Mittag lag bie Wasserkuppe in dichten Wolfen. Das Wetter flarte dann auf und es startete„ Breslau" und fam zu Bruch, der für den diesjährigen Wettbewerb nicht mehr wiederhergestellt werden könnte. Für den Weitflug der Motorlegelflugzeuge nach Kissingen am Sonntag, den 24. August, gelegentlich des Flugturniers werden drei bis vier Motorfegelflugzeuge voraussichtlich starten. Aus Würzburg find fieben Flugzeuge mit 33 Mann der Arbeitsgemeinschaft Unterfranten im Fliegerlager eingetroffen, deren Leiter der alte Flieger Regierungsbaumeister Haergstetter ift. Gegen Abend startete Margarethe". Führer: Otto mit Fluggaft von der Darmstädter Gruppe und blieb 10 Minuten 36 Gefunden in der Luft, landete bei Boppenhausen. 6,45 Uhr startete der Motorfegelflieger Habicht unter Sengen zum zweiten Male auf der Rhön zu furzem Flug. Es ist noch teine Ausficht, daß das Wetter beständig wird. W Am Donnerstag nachmittag gegen 1% Uhr fuhr ein Stra. Benbahnwagen der Linie 76, von Henrietteplak tom mend, den Kurfürstendamm entlang in Richtung der Gedächtnis. firche. Auf der abschüssigen Straße geriet die Elettrije ins Rollen und fonnte, da die Bremse verfagte, nicht angehalten werden. An der Ede der Joachim Frieb. rich Straße faufte der Wagen über die für den Wagen falsch gestellte Weiche hinweg in die genannte Straße hinein und fprang bier aus den Schienen. Er rollte hier weiter und stieß gegen einen mit Rüstzeug beladenen Wagen der Attiengesellschaft für Bauausführungen, so daß das Bordergestell des Wagens abris unb bie Pierde verlegt wurden. Der Kutscher Karl Mieder aus Spandau stürzte vom Bod und trug schmere Berlegungen bapon. Dann raste die Elektrische gegen ein Möbelfuhrwert, dessen Pferde ebenfalls verlegt wurden. Der Kutscher Mieder fand in dem Krankenhaus in der Achenbachstraße Aufnahme, wo an feinem Auf tommen gezweifelt wird. Ein zweiter ernster Straßenbahnunfall ereignete fich gleichfall infolge Versagens der Bremse. Am Donnerstag nachmittag gegen 5 Uhr stießen an der Kreuzung der Brunnen und Invalidenstraße infolge Bersagens der Bremse des einen Wagens zwei Elektrische zusammen. Die auf dem Borberperron des einen Wagens stehenden Ballagiere fonnten fich durch Abspringen in Sicherheit bringen. Es ist glüdlicherweise nur Materialschaden entstanden. Beide Wagen mußten abgeschleppt werden. Ueber die Benugung einer Mertsmohnung oder einer von der Firma gemieteten Wohnung ist in§ 15 gesagt, daß die Berechtigung zur Benuhung der Wohnung nur folange gegeben wird, werben also ausdrüdlich nur mit Rücksicht auf das bestehende Dienst- oder Arbeitsverhältnis überlaffen. Die. Ueberlassung stellt einen Teil der für die Leistung der Dienste zu gewährenden Bergütung dar." Borsorglich besagt die Schlußbestimmung in§ 16 das Selbstverständliche, daß für alle aus dieser Dienstordnung entstehenden Rechtsstreitig feiten bie in Berlin zuständigen Gerichte entscheiben. Angestelltenkündigungen. Den Arbeiterentlaffungen folgen Jett Kündigungen ber in der Industrie tätigen Angestellten und Beamten. So wird aus Düsseldorf gemelbet, baß die Rheinmetall" 300 Angestellte und Beamte, die eine fechswöchentliche Kündigungsfrist haben, zum 1. Oftober gekündigt hat. Auch aus Solingen wird berichtet, daß mehrere große Werte sämtlichen Angestellten, mit denen sechsmöchentliche Ründigung vereinbart ist, ebenfalls zum 1. Oftober gefündigt wurde. Diese Kündigung sei jedoch nur als Borsichtsmaß regel anzusehen, für den Fall, daß in der Wirtschaftslage keine Besferung eingetreten fein follte. P Bei der Scharfmacherpolitit im Unternehmerlager muß man sich bei allen derartigen Maßnahmen fragen, ob sie wirklich notwendig find oder gewiffen Absichten dienen, in arbeitnehmerfeindlichem Sinne. Eines aber lassen diese Borgänge für die Angestelltenschaft recht deutlich erkennen: bei Ablehnung bes Dames Gutachtens werden viele von ihnen stellungs. Ios. Angestellte, die immer noch hinter Hafenkreuz und Stahlhelm herlaufen, jeben nationalistischen, republiffeindlichen Rummel mitmachen, hätten dann reichlich Zeit zur Ueberlegung. Besser aber, men fie fich noch rechtzeitig vorher darauf befinnen, daß die Treibereien der Tageblebe, die sich von der Republik Penfionen zahlen laffen und die Republit dafür tagtäglich in der unflätigsten Betse begeifern, wirtschaftsschädigend und arbeitnehmerfeindlich wirken. Herr, wir danken dir...! Das Zentralblatt der christlichen Gemertschaften nimmt in feiner Nummer 16 gegen die Bohnpolitit der deutschen Arbeitgeberverbände Stellung, wie fie in deren Schrift vertreten wird. Das Blatt bemerti babei: Auch werten wieber noch befunnten Mustern alle Gemertschaften burdhmeg in einen Zopf geworfen, selbst in solchen Fällen, wo scharfe Unterschiede zwischen den einzelnen Richtungen gemacht werden müssen. Zum wievielten Male follen wir gegen dieses unzuverlässige Berfahren proteftieren?" Die Spigenverbände der Arbeitgeber botten einmal eine 2rbeitsgemeinschaft mit den Spizenverbänden der Gewert fchaften. Daher mag es tommen, daß man nun auch heute noch in ben Kreifen der Arbeitgebervert ände die drei Richtungen der freien, chriftlichen und Hirsh Dunderschen Gewerkschaften in einen Topf wirft. Herr Adam Stegerwald hat in seiner Ermiderung auf Die Ausführungen des Herrn Don Borsig über die Vorausfegungen aur eventuellen Bildung einer neuen Arbeitsgemeinschaft sich schon vordem start geträutt barliber deigt, daß v. Borsig schlechthin von den Gewerkschaften sprach, ohne Die besonderen Eigenschaften der Christlichen zu erwähnen und zu loben., Nun, die Unterschiede zwischen den drei Gewerkschaftsrichtungen find schließlich auch der Vereinigung der deutschen Arbeitgeber so betannt, daß sie nicht übersehen werden, auch wenn sie nicht besonders betont werden. Den freien Gewerkschaften fommt es ohne besondere Veranlassung nicht darauf an, die Unterschiede be= jonders zu betonen. Daß aber gerade die Christlichen bei jeder Gelegenheit im Mantel des Pharifäers rufen: Herr, ich dante dir, daß ich nicht bin wie jene freien, fozialdemokratischen Gemertshaften, die den Klassenfampf führen!", ist eben bei den Stegerwald- Chriften nicht weiter verwunderlich. Bolnische Arbeiter als Lohudrücker für Danzig. Die Warschauer Schiffahrtsgesellschaften haben sich mit dem Borichlag an die polnische Regierung gewandt, für die Löschungsarbeiten in dem Danziger Hafen eine Gruppe polnischer Arbeiter zu organisieren unter der Bedingung, daß die Regierung ihre Sicherheit gewährleiste. Die polnischen Unternehmer begründen ihr Verlangen damit, daß sie infolge der andauernden Streits der Danziger Hafenarbeiter große VerLuste erlitten. Als ob die Danziger Hafenarbeiter aus Beitbertreib und leber| schlag der Streifführer abgelehnt haben. Der Streit tann unter mut streiften und nicht um Lohn- und Arbeitsbedingungen, die Umständen zu einem Sympathiestreit im Berkehrswesen sowohl im ihrer schweren Arbeit angemessen sind. Wenn die Unternehmer Hafen, wie auch auf den Eisenbahnen führen. folche Arbeitsbedingungen gewähren, dann haben sie über Streifs nicht zu flagen. Das wollen sie nicht, sondern polnische Arbeiter gegen die deutschen Arbeiter als Lohnbrüder ausspielen. Kapitalistenftreif" in Oftoberschlesien. Nach dem Abbruch des Streifs find bis jetzt in der Hüttenindustrie kaum 10 Proz., im Bergbau etwa 20 Proz der Betriebe wieder in Gang gelegt. Die Industriellen versichern, die Wiederaufnahme der Betriebe werde mit jedem Tage fortschreiten, doch seien erhebliche Einschränkungen unvermeidlich". Die Stimmung ist sehr unruhig.„ Polat", das Organ der nationalen Arbeiterpartei, spricht von einem, Kapitalisten streit". Der nationaldemokratische Goniec Slasti" verlangt von der polnischen Regierung die Einrichtung eines besonderen wirtschaftsministeriums für Schlesien, das über die Wirtschaftsund Finanspolitik der schlesischen Industrie zu wachen hätte. Der Streit auf dem Obft- und Gemüsemarkt in London hat sich weiter ausgedehnt, da die Arbeitgeber den vermittelnden VorLeineweber Berlin Köllnischer Fifchmarkt 4-6 Einsegnungs- Anzüge Besonders preiswerte Angebote Blauer Cheviot reine Wolle, I und II reihige Form........ Blauer Kammgarn- Cheviot I und II reihige Form Blauer Melton- Cheviot I und II reihige Form... Schwarzer Melton- Cheviot I und II relhige Form Marengo- Cheviot I und Ilreihige Form.. Blauer Kammgarn I und Il reihige Form Smoking- Anzüge prima Kammgarn Farbige Anzüge in neuesten Formen und Musterungen Jüngl.- Gummi- Mäntel vorzügl. Qual. prima Gummier. 50.- M. 4800 M. 5900 M. 6800 M. 6800 3. 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