Nr.396 41.Jahrgang autop Ausgabe Nr. 202 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und 8eit" mit Gied. Lung und Kleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Conntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 1 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart, Reklamezcile 4.- Goldmart. Aleine Anzeige bas fettgebrudte Wort 0,20 60 mart( auläffig zwei fettgedruckte Worte), lebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erite Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. 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Während die meisten Abgeordneten den Saal verlassen, verGestern nachmittag sollfe der Reichstag die Erklärungen| dies freilich ausgeschlossen zu sein. Die Deutschnationalen find| Dr. Schwarz verläßt jedoch auch auf wiederholte Aufforderungen des Reichskanzlers Marr und der Minister Stresemann heute Stlaven ihrer eigenen Demagogie, sie haben sich in eine und Luther über das Ergebnis der Londoner Konferenz entgegennehmen. Es kam nicht dazu, weil die Kommunisten Skandal machten und der deutschnationale Reichstagspräsident Wallraf feinen Rat wußte. Heute um 10 Uhr vormittags soll der Versuch gemacht werden, die Regierungserklärung herauszubringen. Der Erfolg steht dahin. Bor Eintritt in die Tagesordnung stellten die Kommunisten die üblichen Anträge zu ihrer Abänderung. Nach ihrer Ablehnung fam der übliche Klamaut. Die Kommunisten er= hoben ein wildes Geheul, der Reichskanzler fonnte nicht sprechen. Nachdem Abgeordnete, Tribünen und die voll besetzte Diplomatenloge das Konzert minutenlang über sich hatten ergehen laffen, verhängte Herr Wallraf über einen der Hauptschreier, den tommunistischen Studienrat Dr. Schwarz, den Ausschluß. Schwarz bleibt, es folgt zweite Sigung, Berlängerung des Ausschlusses auf zwanzig Tage, Schwarz bleibt. Wallraf schließt wieder und beruft den Weltestenrat. Zwei Stunden vergehen mit Warten. Endlich erscheint Wallraf wieder und erklärt, nichts tun zu können! Er beruft eine neue Sigung für den nächsten Tag, 10 Uhr vor mittags, ein. Man wird versuchen, Herrn Schwarz von dieser neuen Sigung fernzuhalten. Was geschieht, wenn heute der Klamauf weitergeht, meiß niemand. Nachträglich erfährt man, daß im Aeltestenrat über eine Erklärung verhandelt wurde, die Herr Schwarz abgeben foilte und wollte des Inhalts, er habe nicht gewußt, nicht verstanden usw. Aber über den Termin konnte man sich nicht einigen. Herr Wallraf mollte die Erklärung erst am Montag entgegennehmen und dann Herrn Schwarz pardonnieren, während die Kommunisten den Zwischenfall schon am selben Tage erledigen wollten. Herr. Wallraf blieb hartnäckig, daran scheiterte alles. Man muß schon sagen, ungeschickter kann man nicht operieren, als es Herr Wallraf gestern getan hat. Er hat die Würde des Reichstags preisgegeben, in fritischster Zeit einen halben Tag nuplos vertan, dem Reich und dem Bolt eine entsetzliche Blamage bereitet. Das ist der deutschnatio nale Reichstagspräsident, der Nachfolger Löbes, des besten Reichstagspräsidenten, den die Mittelparteien fallen ließen, um den Deutschnationalen einen Borschuß auf den Bürgerblod zu gewähren. Das ist der Bürgerblodpräsident, und feine Amtierung ist das. Vorspiel zum Bürgerblod felbft. Wozu hatten nun die Kommunisten den gestrigen Standal aufgeführt? Man hatte die Vermutung, sie wollten fich alle der Reihe nach ausschließen lassen, um auf diese Weise die 3 meidrittelmehrheit für die Dawes- Gesetze herbeizuführen und diesen Reichstag vor der Auflösung zu retten, beizuführen und diesen Reichstag vor der Auflösung zu retten, Die zu fürchten sie alle Ursache haben. Denn wo soll sich noch Klamauf- und Spettafelpartet seine Stimme abgibt? Ronnte ein vernünftiger Arbeiter finden, der für diese total verblödete man doch gestern deutlich bemerken, daß sich selbst ein Teil der fommunistischen Abgeordneten des Treibens ihrer skandalfüchtigen Kollegen schämten. Auf alle Fälle aber ist gerade der Verlauf des gestrigen Tages ein flarer Beweis dafür, daß dieser Reichstag reif zur Auflösung ist. Ein Parlament, das sich in einer Situation wie der gegenwärtigen unter den Augen der ganzen Welt auf solche Weise blamiert, ist reif zum Verschwinden. Was sich inzwischen hinter den Kulissen abspielte, war zum mindesten ein ebenso großen Skandal wie das erbärmliche Schauspiel, das sich vor ihnen abrollte. Bor ihnen der Rlamaut, hinter ihnen der Ruhhandel. Maßgebende Herren der Boltspartei traten an die Deutsch nationalen heran, um ihnen den Eintritt in die Regierung und die schleunige Verabschiedung der Schutz 30llvorlage zu versprechen, falls fie der Annahme der Dawes- Gefeßze weiter feinen Widerstand entgegensetzten. Mit knapper Mehrheit war zuvor, wie schon im gerigen Abendblatt gemeldet, im Kabinett beschlossen worden, die Bollvorlage noch zu dieser Tagung des Reichstages einzubringen, ein Beschluß, der bei den Demokraten und im Zentrum große Erregung hervorrief. Es ist infolgedessen zweifelhaft geworden, ob er überhaupt in Wirtung gesetzt werden mird. Lage gebracht, in der es für sie schimpflich ist, das Bernünftige zu tun. Sie tönnen nicht ablehnen, ohne das Vaterland zu verraten, dessen Namen sie unnüß im Munde führen, sie fönnen nicht annehmen, ohne als entlarvte Demagogen und Gesinnungslumpen vor ihren Anhängern dazustehen. Statt fie nun in ihrem Fett schmoren zu lassen, die Situation, in die sie sich durch eigene Schuld gebracht, auszunügen, statt den Siegerpreis im ehrlichen Kampf zu suchen, laufen gewisse volksparteiliche Politiker mit Bitten und Versprechungen hinter den Deutschnationalen hinterdrein und beschwören sie, für Zölle und Ministerportefeuilles ihre sogenannte Ueberzeugung zu verkaufen. Daß dem so ist, bestätigt niemand anders als das Organ des Reichslandbundes selbst, die deutschnationale Deutsche Tageszeitung", indem sie auch ihrerseits mitteilt, es habe nicht an Versuchen gesehit, auf die letzte Entscheidung der deutschnationalen Fraktion mit innerpolitischen Drohungen und Versprechungen einzuwirken". Warum äußert sich die Deutsche Tageszeitung" über das den Deutschnationalen angebotene Geschäft nicht noch deutlicher? stummen allmählich die Rufe der Kommunisten. Nach fünf Minuten eröffnet Präsident Wallraf die Sigung von neuem mit der Feststellung, daß Abg. Dr. Schwarz durch seine Weigerung, den Saal zu verlassen, und die dadurch notwendig gewordene Unterbrechung sich den Ausschluß auf acht Tage zugezogen hat. Da Abg. Dr. Schwarz sich weiter meigert, den Saal zu verlassen, stellt Präsident Wallraf ferner fest, daß Dr. Schwarz sich nunmehr cinen Ausschluß von den Sihungen auf 20 Tage zugezogen habe. Der Präsident beruft den Aeltestenrat ein und beraumt die nächste Plenarsizung auf 5 Uhr an. Abg. Dr. Schwarz( Romm.) bleibt auch während dieser Pause auf seinem Blaz. Erst um 6% Uhr eröffnet Präsident Wallraf die Sigung wieder und erklärt: Inzwischen hat sich mit dem von mir verfügten Ausschluß gegenüber dem Abg. Dr. Schwarz- Berlin der Aeltestenrat behäftigt. Er ist in feiner übergroßen Mehrheit zu dem Entschluß gekommen, die vom Präsidenten getroffenen Maßregeln zu billigen. Es geht um die Gestaltung der deutschen Außenpolitit fürs ist mir aber während der Sigung versichert worden, taß die fachlichen Borausseßungen, von denen meine Maßnahmen Jahre, vielleicht Jahrzehnte. Es geht um die Befreiung von Jahre, vielleicht Jahrzehnte. Es geht um die Befreiung von ausgegangen sind, verfchieden beurteilt werden fönnen und vielleicht Ruhr und Rhein, es geht um das Schicksal des ganzen deutschen nicht so schwer wiegen, wie ich annehme. Vor allem wurde mir Boltes. Das Bolf wartet auf die Entscheidung, und es hat das gesagt, daß Abg. Dr. Schwarz meine Weisungen nicht verstanRecht zu verlangen, daß diese Entscheidung mit ehrlichen den habe.( Lachen rechts. Sehr wahr! links.) Ueber diese Dinge Mitteln und in würdigen Formen herbeigeführt werden vielleicht infolge eines Antrags oder eines formellen wird. Und welches Schauspiel bietet ihm sein Reichstag in inspruchs des Herrn Dr. Schwarz das Haus oder sein Präsident dieser Zeit? Halb als Narrenhaus erscheint er und halb als ich zu entscheiden haben. Heute ist trok meiner Ausweisung der Trödlerbude. Während ein paar Gassenjungen, die sich Volks Abg. Dr. Schwarz noch zur Stelle.( Rufe bei den Komm.: Jawohl:) vertreter nennen, einen unsinnigen Spektakel vollführen, ein handlungen zu leiten, und beabsichtige daher, eine neue Sigung an bin nicht in der 2 age, unter diesen Umständen die Berdeutschnationaler Präsident hilflos auf der Tribüne zappelt, zuberaumen, da die Geschäftsordnung nach meiner Auslegung mir wird mit leberzeugungen wie mit alten Hosen gehandelt. nicht das Recht an die Hand gibt, den Abg. Dr. Schwarz Glorreiches Ergebnis des glorreichen 4. Mai. zwangsweise zu entfernen, und zwar für morgen vormittag 10 Uhr mit der gleichen Tagesordnung wie die heutige. Sollte aus dem Hause eine andere Meinung laut werden, so bitte ich, meine Erklärung entgegenzunehmen. daß ich, so lange Herr Dr. Schwarz entgegen den bestimmten Weisungen des Präsidenten und des eltestenrats im Hause bleibt, meinerseits die Geschäfte nicht führen fann.( Abg. Schöpflin( S03.:) Kapitulieren Sie doch nicht vor einem solchen Narren!) Es liegen Meldungen zur G Wir Sozialdemokraten wollen das parlamentarisch- demofratische System, wir wollen einen Reichstag, der seine Würde zu wahren weiß, wir wollen einen flaren, ehrlichen Kampf. Wir wollen die Befriedung Europas durch die Annahme des Londoner Vertrages, wir wollen die Befreiung des besetzten Gebietes, wir wollen den Schutz des arbeitenden Volkes vorführen fann.( Abg. Schöpflin( Soz:) Kapitulieren Sie doch lleberarbeit und Brotwucher und darum wollen wir diesen Reichstag nicht mehr, der sich in wenigen Monaten mehr abgenutzt und beschmuzt hat als irgendeiner vor ihm! Die Reichstagssigung am gestrigen Freitagnachmittag hatte eine große Menge angelodt. Etwa 500 Personen, die Eintrittsfarten nicht erlangt hatten, umfäumten die Straßen vor dem Gebäude, um die bekannten Politifer ankommen zu sehen. Die Tribü nen des großen Saales waren dicht befeht. Der Sigungsbeginn ver= war, um über die Geschäftslage zu beraten. Die Freilassung Bögerte sich, weil der Welteftenrat noch einmal zusammengetreten bes Sonnabends von einer Plenarsizung, die angefochten wor ichuß wird auch am Sonnabend noch über die Gesetze zur Aus den war, wurde im Aeltestenrat bestätigt. Der Auswärtige Aus. führung der Londoner Abmachungen beraten. Präsident Wallraf eröffnete die Sigung um 3% Uhr. Zunächst wurden als Beisiger im Staatsgerichtshof gewählt die Abgg. Graf von Merveldt( Dnatl.) und 2 be( Soz.), als Stellvertreter Dr. Schetter( 3tr.) und Kaz( Komm!.).( Heiterkeit. ( Ronum.), weil eine Erflärung über die Auslieferung des deutschen Bor Eintritt in die Tagesordnung beantragt" Abg. Ka Boltes an das internationale Rapital auf der Tagesordnung stehe, statt dessen auf die Tagesordnung zu sehen:„ Die Ueberleitung der tapitalistischen. Wirtschaft in die Hände der Arbeiter".( Schallende Seiterfeit.) Ferner beantragt er einen von den Kommunisten ein gebrachten Gesetzentwurf über Sozialisierung, ihren Antrag gegen die Richter des Staatsgerichtshofes, namentlich gegen Präsident Niedner, ihre Interpellationen über die Rechtsprechung des Staats. gerichtshofs, über die bayerische Polizei und über Noste zu behandeln. Er beantragt ferner, fofort nach der Regierungserklärung in die Debatte einzutreten und unmittelbar nach dieser Aussprache den Reichstag aufzulösen.( Ironische Bravo rufe bei der Mehrheit.) Wir befinden uns damit in Uebereinstimmung mit unseren Brüdern jenseits des Rheins. Mit ihnen bekämpfen wir diesen Berstlavungsvertrag. Mieber mit dem Kapitalismus! Es lebe die internationale Solidarität der Arbeiter gegen die Ausbeuter in Deutschland wie in Frankreich!( Händeflatschen bei den Komm.) gelehnt. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Antragsteller ab. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein. Als jedoch Reichs. Aber zunächst wurde der Spec hreif und did am Branden- fanzler marg an das Rednerpult tritt, erhebt sich der übliche burger Tor aufgehängt, so breit und so did, daß sich selbst die omandierte Kommunistenlärn. Sie rufen im Chor: Amnestie! und lassen auch den Präsidenten nicht zum Wort fommen. Deutschnationalen fo follte man glauben Präfident Wallraf schließt, nachdem er den Abg. Dr. Schwarz müßten, nach ihm zu schnappen. Berlin( Komm.) mehrmals aur Ordnung gerufen hat, diesen wegen gröblicher Berlegung der Ordnung des Hauses von der Sigung aus. schämen Nach den Erklärungen, die sie abgegeben haben, scheint schäftsordnung vor. Ich habe jedoch bereits erklärt, daß ich die Geschäfte nicht führen tann, so lange Herr Dr. Schwarz im Saale weit. Ich beraume daher die nächste Sigung auf Sonnabend 10 Uhr vormittags an.( Bravo! rechts.) Schluß 6 Uhr 38 Minuten. Der hartnäckige Präsident. Der Fall Schwarz im Aeltestenrat. Ueber die Verhandlungen des Aeltestenrats in der Frage der dem Hinweis darauf, daß Dr. Schwarz sich den Mahnungen zur Ausweisung des Kommunifter Dr. Schwarz hören wir: Präsidenten zu seinem Vorgehen unbestreitbar fei. Die Kommunisten Ordnung und der Ausweisung nicht gefügt habe. Von der Mehrheit der Parteien wurde anerkannt, daß die formelle Berechtigung des erflärten, Dr. Schwarz habe in dem allgemeinen Lärm die Erflärungen des Präsidenten nicht hören können, insbesondere nicht die erste Aufforderung zum Verlassen des Saales. Man habe den Präsidenten erst in dem Augenblicke verstehen fönnen, wo er erflärte, da sich Dr. Schwarz dem ersten Ausschluß nicht gefügt habe, nisten Rak und Koenen hätten sofort nach dieser Erklärung ver fei er nunmehr für acht Sigungstage ausgeschlossen. Die Kommufucht, mit dem Präsidenten zu verhandeln, damit der Aeltestenausschuß einberufen werde. Der Präsident habe dies schroff abgelehnt mit der Erklärung, diesmal werde er scharf durchgreifen. Die Ablehnung der Verhandlung wollten die Kommunisten darauf zurückführen, daß der Präsident als Deutschnationaler die Annahme des DawesGutachtens durchfehen und dennoch seinen Parteifreunden die Ablehnung dadurch ermöglichen wolle, daß er die kommunistische Opposition durch Ausschlüsse von der entscheidenden Abstimmung fernhält. Auf diese Weise könnten die Deutschnationalen mit Neien stimmen, und die notwendige Zweidrittelmehrheit wäre dennoch gesichert und die Reichstagsauflösung würde vermieden. Der Vertreter der Nationalsozialistischen Fraf. tion erklärte daraufhin, es müsse allerdings unbedingt dafür Sorge getragen werden, daß an der entscheidenden Abstimmung über die Gutachtengesete jeder Abgeordnete teilnehmen könne. Die Disziplinarbefugnis des Präsidenten dürfe in dieser hochpolitischen Frage nicht zu einer fünstlichen Schwächung der Oppo fition führen. Um die volle Bräsenz der Abgeordneten bei der entscheidenden Abstimmung zu sichern, sei es wünschenswert, daß der Fall Schwarz durch ein kompromiß erledigt werde. Bon den einzelnen Parteien wurden nun verschiedene EiniIgangsvorsgläge gemacht, Präsident Bafiraf lehnte jedoch zunächst jede« Kompromiß ab, bevor nicht Dr. Schwarz den Saal verlossen und durch«ine ausdriicküche Kundgebung des Reichstags festgestellt sei. daß der Präsident bei seinem Vorgehen im Rechte gewesen sei. Von deutschnationaler Seite wurde der Präsident aufgefordert, rücksichtslos durchzugreifen, den Saal und die Tribünen räumen zu lassen, damit dann der ollcinsijzende Abg. Dr. Schwarz durch Polizei aus dem Saale entfernt werden könne. Präsident Wallraf erklärte darauf wiederholt, er lehne es un- bedingt ab, mit Polizeigewalt einzuschreiten. Wenn Dr. Schwarz nicht dm Saal verlasse, müsse die Sitzung auf morgen vertagt werden. Ein demokratischer Redner wandbe sich entschieden gegen eine Vertagung. Die Demokraten würden den Präsidenten unterstützen, wenn er auf einen Einigungsvorschlag eingehe, sie würden ihn auch unterstützen, wenn er scharf durchgreife; ober in der jetzigen politischen Situation dürfe unter keinen Umständen die Sitzung auf morgen vertagt werden. Von mehreren Parteien wurde in Hebereinstimmung mit den Kommunisten folgender Einigungsoorschlog gemacht: Abg. Dr. Schwarz solle dem Präsidenten brieflich mitteilen, er habe sein» erste Ausfchlußocrfügung nicht gshört, werde aber nunmehr die heutige Sitzung verlassen. Der Präsident solle darauf erklären, er holte sein Vorgehen noch wie vor für berechtigt, wolle aber mit Rück- ficht auf die Erklärung des Abg. Dr. Schwarz und um die chrdnungs- müßige Abstimmung über die Gutachtengesetze zu sichern, die nach dem ersten Ausschluß erfolgten Maßregeln zurücknehmen. Präsident Wallraf war zu einer solchen Erklärung bereit, wollte sie aber erst in der Montagsitzung abgeben. Die Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Parteim bestanden jedoch darauf, daß die Einigung in dieser Form schon in der Freitag- sitzung erfolgen müsse. Damit war Präs! denk Wallraf nicht einverstanden, und so scheiterte die Einigung. Er oerlangte, daß Dr. Schwarz heute die Sitzung verlasse, dann würde er nach Eingang des Schreibens von Dr. Schwarz am Montag beim Beginn der Sitzung die Maßregelung zurücknehmen. Daran scheitert« die Einigung, la die Kommunisten ihr Mitglied Dr. Schwarz nur dann zum Verlassen des Saales bewegen wollten, wenn der Fall crcch in der Freitagsitzung endgültig erledigt würde. Einspruch des Abg. Tr. Schwarz. Dem kommunistilchen Abg. Dr. Schwarz ist am Freitagabend die Ausschlußversügung für 20 Reichstaassitzungen schriftlich zugestellt worden. Er hat darauf an den Präsidenten folgenden schriftlichen Einspruch gerichtet: „Gegen meinen Ausschluß aus der heutigen Sitzung erhebe ich hiermit auf Grund des§ 92 der Geschäftsordnung Einspruch. Ich habe aus dem Munde des Präsidenten weder meinen Namen noch überhaupt einen Ordnungsruf gehört. Ich habe auch keine Ausforde- runq an mich gehört, den Sitzungssaal zu verlassen. Aus diesem Grund« konnte ich auch selbstverstäiftiüch der Aufforderung des Präfi- deuten keine Folge leisten. Ferner stelle ich fest, daß irgendein« Ve- rechtlgung zu einem Ausschluß von mir nicht vorgelegen hat, da ich nur mehrere Male gerufen Hab«:„Amnestie wann werden die 7000 politischen Gefangenen befreit werden?'" Diese Rufe rechtfertigen meiner Ueberzeugung nach einen Ausschluß nicht. Da diese Rufe ohne Zweifel weder eine„Verletzung der Ordnung"(§ 89 der Ge- schästsordnung) nach nach§ 91 der Geschäftsordnung„eine gröbliche Verletzung der Ordnung" bedeuten. Ich ersuche daher, meinen Aus- fchluß rückgängig zu machen." Die kommunistische R« i ch s t ag s f r a kti on nahm nach mir Freitagabend' in einer Sitzung zu dem Ausschluß ihres Mit- gliedcs Dr. Schwarz Stellung S>« beschloß, den schärfsten Protest gegen das Vorgehen des Präsidenten einzulegen, insbesondere sich das Recht, dernonstratio aufzutreten, in keiner Weife beschneiden zu lassen. Aenderung der Geschäftsordnung? Spät abends hielten noch Vertreter der drei Koalitionsparteien eine Sitzung ab, um Aenderungen der Reichstagsge- fchäftsordnung vorzubereiten, di« eine ruhige Abwick- lung der Geschäfte des Parlaments gewährleisten sollen. Die Redner der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratiscbe ReichStagSfraktion hat als Redner für die Beratung der Sachverstöndigengesetze im Reichstag folgende Genossen bestimmt: Hilferding. Keil, Schumann. Robert Schmidt, Toni Sender und Sollmann. öettenparaöeauföemparaöefelö Von Elvira R o sen be rg- S tur m. Tempi pessati— vergangene Zeiten. Alles ändert sich dabei, di« Dinge und ihre Bestimmung. Auf dem Tempelhoser Feld, wo elzemals der Stechschritt der Berliner Preußengard« dröhnt« vor .Ihm", die Sonne die Aufgabe hatte, dem Hohenzollernwetter Glanz zu verleihen, daß Goleflicksreien, Ordsersfterne, Epauletten, Bandcliers funkelten und glitzerten, um Proletenaugen zu blenden und etwa nachdenkende Gehirns zu dörren im Paraderumm?l, da machen heut Proletarierbetten Parade. Die Aufgabe der Sonn« hat gewechselt, sie muß Bazillen töten, die noch aus winterlichen Erkältungen herstammen. Neulich zählt« ich vorn herum zwölf Familien-Federsanatorien. Just an der einsamen Pappel sonnt ein steinalt Mütterlein mit einer Kmderschar. Da— wo der Allerdurch- lauchtigste. Allerhöchst« gnädige Herr, der Herr der Garden und aller übrigen Preußen, herabfchaut« nach seinem berühmten Aus- spruch:„Ich sah herab von meinem Tier auf das Gehudel unter mir." Entweiht, der heilige Ort— I Das Gehudel hat Besitz genommen von„Seinem Paradefeld". [ wo junge deutsche Menschen, in di« bunten Asfenjacken einer , Dynastie gezwängt, in glühendem Sonnenbrand Parade vormachten, ' Oualen schwitzten und verdursteten in der edlen Vorschul« des Dölkermordens. Lxrbei! Das Volt deutscher Großstädte läßt nie- mand mehr auf dem Tempelhoser Felde Stechschritt klopfen. Es wird keine Menschenmauern mehr erleben, die dort in uralter Menschensehnsucht des„Ueber-sich-hinaus" im Wahn ausharrten, es «ruf Fiirstertthronen im blauen Biut« zu finden. Freilich, manch einer stand damals schon, um das einzige Edle dabei, die Pferd«, zu bewundem, und manch«in«, um einen Blick zu werfen in die Prinzessinnenwagen, wo mtt Gala seelisches Frauenelend überglänzt wurds, das die pekuniäre, dynastische, politische Verkuppelung den Insassen aufgehalst hatte. Viele von denen haben sicher aufgeatmet. Hat die Umwälzung denen doch ein gut Stück wirklicher Menschen- sreih-tt gebracht. Der Gothaer Hof- und Adelstalender berichtet von geradezu vormals grotesk anmutenden Eheverschmelzungen. Der demokratische Bazillus plebesischer Gleichmacherei grassiert bereits als beginnend« Seuche unter ihnen. Aber auch di« Söhne derer, die vom Tempelhoser Feld in„Allerhöchst" glänzender Suite mit wallenden Federbüschvn die Fahnen zum Schloß ritten,«man- zipierten sich schnell. Wie sie sich aufhäuften im Gothaer die Ame- rican Girls! Nachgekommene Töchter doch von manchem notori- ichem Tagedieb, Vagabunden, Gauner(kann ein ehrlicher, braver Kerl überhaupt reich werden?), der in die Reu« Welt geflohen oder geschickt worden war. Schwamm drüber. Sie sonnen ihre Betten. Auf allen möglichen beradeten Behl- keln sind sie hinausgebracht. Wie das Bände spricht! Nicht«in bißchen Licht. Luft, Raum, um zu Hause Staub und Dunst der Die Haltung üer deutjchnatioualea. Eine Korrespondenz teilt mit: Die maßgebenden Führer der Deutschnationalen SieichSkagS- fraktion wenden sich gegen die Interpretation, die der gestrige deutschnalionale Fraktionsbefchlriß gefunden hat, als wäre damit immer noch die Möglickkeit zu einem„U m f a l l" offengeblieben. Sie betonen demgegenüber, daß die Deurfchnational« Fraktion das DaweS-Gutachten und die mit ihm zusammenhängenden Gesetze unbedingt und ohneRücksicht auf parteipolitische Jnter- essen aus außenpolitischen Gründen ablehnen werde. Anders könne auch der Fraktionsbeschluß gar nicht ausgelegt werden, denn er be« ziehe sich ausdrücklich auf die früheren Befchlüsie und Erklärungen der Fraktion, die die Ablehnung des Londoner VerhandlungS- ergebnisieS klar aussprächen. * Die Deutschnationolen haben für Sonnabend die Bsrireier ihrer Parteiorganisationen im besetzten Gebiet nach Berlin berufen. Der Vorsitzende der deuscbnationalen Partei- organisation im Kreise Her« seid hat dem sozial« demokratischen ReiSStagSabg. Schnabrich bei dessen Abreiie nach Berlin offiziell erklärt, er möge dem deutsch» nanonalen Vertreter des Wahlkreises Lind sagen, wenn er gegen die Annahme de« Londoner Abkommens stimme, brauche er sich im Kreise HerSfeld nicht mehr sehen zulassen. Genosse Schnabrich hat diese Mitteilung der deutschnationalen ReichStagSfraktion übermittelt. Lehnen sie eb! Der Eindruck in Paris. Paris, 22. August.(Eigener Drahtbericht.) Di« Nachricht, daß die Deutschnottvnalen die Ablehnung der zur Durchführung des Dowes-Planes nötigen Gesetze beschlossen haben, gibt den politischen Kreisen zu lebhaften Kommentaren Anlaß. Die Blätter allerdings geben zunächst die Meldungen ihrer Berliner Korrespondenten ohne eigene Meinungsäußerung wieder. Der ollgemeine Eindruck ist der, daß die Deutschnationalen ihr letztes Wort noch nicht ge- sprachen haben, daß es sich vielmehr um ein Manöver handle, um der Regierung neue Zugeständnisse abzupressen. In. linksstehenden Kreisen gibt man der Erwartung Ausdruck, daß das Kabinett Marx�Stresemann sich nicht einschüchtern lasse und vor der Auflösung des Reichstages nicht zurück- schrecken werde. Es zeigt sich auch bei dieser Gelegenheit wieder, daß seit der Begegnung zwischen Marx und Herriot in London das Derttauen m die Loyalität der deutschen Regierung und in di« Aufrichtigkeit ihres guten Willens, den Dawes-Plan durch- zuführen, beträchtliche Fortschritt« gemacht hat. Man wird daraus schließen dürfen, daß die Hinausschiebung der Ratifikation der Londoner Beschlüsse, di« deutsche Neuwahlen im Gefolge haben müßten, auf ftanzösischer Seit« nicht auf Schwierigkeiten stoßen würde. tteue SeiMer zum Staatsgenchtshof. Ei« Teutschnatioualer und Iwan Katz als Schützer der Republik. Der Reichstag wählte am Freitag als Beisitzer für den Staats« gerichtshof zum Schutze der Republik den deutschnationolen Grafen von Merveldt und den Genossen Löbe. Große Heiterkeit löste es au«, daß sich unter deren Stellverttetern neben dem Zentrumsabgeordneten Dr. Scheiter der K o m m u n i st Katz be« findet, einer der schärfsten Bekämpfer des StaatSgerichtShofeS und der von ihm gefällten Urteile._ Zentrum und Bayerische Dolk-parkei. In der bayerischen Presse mehren sich die Stimmen, die auf eine Annäherung der Bayerischen Volkspartei mit dem Zentrum hinweisen. In diesem Sinne äußerte stch zum Beispiels die deutschnationale .AugSburger Abendzeitung" und die sozialistische.Münchener Post". Der„Bayerische Kurier", da« Organ der Bayerischen BolkSpartei, weist dies« Stimmen nicht zurück, was man al» Voraussetzung einer Annäherung und Wiedervereinigung deuten kann. engen Wohngelegenheit herauszubringen! Betten haben wie kein anderes Jnoentar der Menschen des Menschen Geschichte: von der Wiege bis zum Grabe in Generationen hinein. Beim Proleten ist sie schnell erzählt. Das karge bißchen Glück, bis das erste Kind kam: dann wichen die jungen Frohnächte den vielen der Sorgen. Not, der Krankheit, müden Alterns über verwünscht« Geburten zum ersehnten Tode. Doch halt, hier vorn tanzt einer außer der Reih«. Neben einem tadellos aufgepinselten Handwagen steht er im weißen Seglerhemd, breitbeinig, die Pfeif« im Munde, so recht Protz neben .den funkelnagelneuen Betten, Mark»„Inflation oder so"... Den kennst du doch—? Ah, er kam, man weiß nicht woher... Kaust« stch die große Vorgartenkneipe, unser« Kneipe. Renoviert« auf Mord. Wir wußten gar nicht, wie uns geschah, so neu, so vorsorg- lich, fühlten un» sauwohl,— bis er uns eines Tages im traurigen Biedermeierton erklärt«,„es verkehre jetzt soviel Bürgertum bei ihm, und da wäre es wohl besser für„uns", wenn wir uns«in anderes Tagungslotal suchten.".. Auf meinen Blick steht er blöde um die Ecke. Der blieb der Tradition des Feldes treu, macht Parade mit den neuen... Die anderen Familienruhekissen dokumentieren ihren Besitzern nur ein Leben voller Mühe und Arbeit ohne di« immer notwendige Paus« zum Groß-Lüften. Grau in Grau breiten sie ihr« stummen Flächen in Anklageparade zum Himmel aus. Ich lenke di« Schritte zur Pappel S. W., zu dem alten Grohmütterlein. Stumpf hockl sie da... Immer dasselbe... Das letzte, wozu die Alten noch taugen: Kinderverwahren. Dos Kleinst« schläft in ihrem Arm. Dieses Mal ist es die wirkliche Groß- mutter; man steht es an den Enkeln. Und die Betten scheinen auch di« rechten der Familie. Man erkennt es an den sonderbaren grob gewürfelten Bezügen, so gar nicht von hier. Ich stelle die Frage. Die Alt« kichert leise... Nach einer Weil« murmelt der zahnlose Mund:„Io. so, bei't Brieg'sche...* Ich fühle den Bezug, selbstgesponnen und selbst gewebt, noch immer fest. Mißtrauisch kommt di« Fünfjährige:„Lassen Sie mal! Des. is Urgroßmutter. Die kann nich mehr so! Wird all ochzig." Wehmütig berührt mache ich kehrt. Denk«, unwillkürlich die Gesichtszüge der Mten verjugendlichend. wie st« vor einem halben Jahrhundert als jung« Frau,«he»s mit blanken Füßen auf die Grünmahd ging, di« Betten in schlesische Sonn« legt« und mit stolzen Blicken ihrer Hörde Fleiß überflog, sich weidet«, wie so lustig vom tiefen Indigoblau das knallige Weiß sich abhob. Tempi paesati... Nur Müh« und Arbeit blieb, unvergänglich. Und doch kann sie noch von Glück sagen, daß kein Gendarm mehr auf dem Tempelhoser Feld ihr das bißchen Sonnen und Sonne streitig macht, ihr und— den Urenkeln. Der dritte V erleg ertee. veranlteltet von der Landtberg Kunit- und Buchhandlung, ist dem Verlag„Der Sturm* gewidmet. Er findet Sonn- abend,»ach«. S'/, Uhr,« der„Rampe*, Kursürstendamm 82, statt. Das neue Reichswahlgefetz. Der Rcichsrat hat gestern die Novelle zum Reichswahlgesetz' nach den Beschlüssen der Reichsratsausschüsse angenommen. Dia Abgeordnetenzahl wird fest auf 399 festgesetzt. Auf je 72 000 Wäh- ler entfällt«in Abgeordneter. Wird die Zahl nicht erreicht, so findet Ergänzung aus dem Kreiswohlvorschlag statt, wird sie überschritten, Absttich von der Reichswahllist«. Ein Wahlkreis soll nicht mehr als 380 090 Einwohner haben, so daß d>e Wahlvorschläg« höchstens zwei Kandidaten umfassen. Darin liegt eine Abkehr vom Listenwahlsystem.___ Der Staatsanwalt unö üie völkischen. Ein merkwürdiger Bescheid. Dresden, 22. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Dresden« Nationalsozialisten veranstalteten vor vier Wochen eine Kundgebung gegen das Sachverstäichigengutachten. Dabei führt« der Redner, ein Rechtsanwalt Dr. B u ck e l e y aus München, in seinem Referat u a. aus: „Das Guiachten ist durch die Zentrale für Heimatdienst in einem Auszug verbreitet worden, in dem die schädigenden Stellen von der Regierung absichllich unterschlagen worden sind. Dieses Machwerk ist eine absichtliche Fälschung der deutschen Regie» rung, der Kaufmann würde sogen: ein geschmeicheltes Muster, Diese Regierung hat kein Schamgefühl für deutsche Jnter- essen. Ein Generalstreit der Eisenbahner als Protest gegen dieses Gutachten wäre eine nationale Tat." Bon privater Seite war gegen Dr. Buckeley wegen dieser Aus» fllhrungen Strafantrag gestellt worden. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat aber jetzt dem Antragsteller mitgeteill, daß das Ber« fahren wegen Beleidigung der deutschen Regierung eingestellt worden sei, da der zur Strafverfolgung erforderliche Strasantrag von dem Reichskanzler nicht gestellt worden sei. Gegenüber diesem mehr als merkwürdigen Bescheid der Dres- dener Staatsanwaltschaft bleibt vox allem di« eine Frage offen: hat es der zuständige Staatsanwalt überhaupt für notwendig gefunden, das Aitflagematerial den Berliner Stellen zu übermitteln, wie das doch unbedingt fein« Pflicht gewesen wäre und wie es jeder Staats- anwalt im kaiserlichen Deutschland schon mit Rücksicht auf seine Karriere getan hätte?_ prajlöent Calles in Serlin. Der mexikanische Staatspräsident Calles ist gestern, Freitage nachmittag in Begleitung der Gesandten Mexikos in Deutschland. Belgien und Noilvegen sowie seiner Töchter und einer Anzahl mexi- kamscher Konsuln. Parlamentarier usw. auf dem Lehrter Bahnhos eingetroffen und vom Reichspräsidenten, dem Reichskanzler, dem Außenminister, dem preußischen Ministerpräsidenten u. a. m. feierlich empfangen worden. Eine Reichswehrkvmpagnie erwies militärische Ehren. Präsident Calles, der schon beim Festmcchl des Hamburger Senats seine besten Wünsche für Deutschland aussprach, hatte, wie unser Hamburger Berichterstatter meldet, am Donnerstag«in« mehrstündige Aussprache mit den Bertretern des Ortsausschus« ses des ADGB. Hierbei erklärt« Calles, daß er den beson« deren Auftrag der mexikanischen Gewerkschaften habe, der deutschen Arbeiterschast brüderliche Grüße zu übermitteln. Er fühle stch aufs engst« mit den Gewerkschaften Mexikos verbunden und sehe in einer starten Arbeiterbewegung die stärk« sten Garantien für inneren Frieden, kulturellen Ausbau und gegen den Krieg. General Calles ließ sich dann von Vertretern des Dertehrsbundes, des Staatsarb eitervettbande» und des Masthi- nisten- und Heizerverbandes die sozialen Einrichtungen und die Ar- beitsverhältnisse besonders im Hamburger Hofen schildern. Beim Festmahl in Berlin hielt der Reichspräsident ein« Ansprache, in der es heißt: Es ist das erstemal, daß das Staatsoberhaupt von Mexiko Deutschland besucht. Di« Freundschaft unserer beiden Völker ist be- gründet auf der gegenseitigen Achtung und Wertschätzung für die alten und ehrwürdigen Kulturen beider Länder, bekräftigt durch die gemeinsamen demokratischen Prinzipien unserer Sarrabas. Ein« kurze Predigt von Paul Gutman«. „Und da sie versammelt warsn, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt chr, daß ich euch freigebe? Barrabas oder Jesus, von dem gesagt ivird, er sei Christus? Denn er wußte wohl, daß sie ihn aus Neid überantwortet hatten. Da schrien sie allesamt und sprachen: Nicht diesen, sondern Barrabas. Barrabas aber war«in Mörder." So wie es hier die Evangelien in schlichter Sprach« mitteilen, sehen wir, daß Christus immer wieder ausgeliefert wird und daß «in Mörder statt seiner loskommt. In Ungarn erfreut sich Barrabas der Freiheit, und di« Hyänen, die Matteotti, den wahren Christen, zerfleischt haben, frohlocken unter der Gunst einer verbrecherischen Horde. Wer ist Barrabas?.Das Tier, das über die Idee triumphiert. das in jedem Diener des Gemeinwohls seinen Feind erblickt und di« Zähne gegen ihn fletscht, der Anbeter des Mammons, der ewige Bluisauger. In tausend Masten schleicht er umher, nennt sich Anti- semit und ist Antichrist, rühmt sich national zu sein und ist Verräter an seinem Volk, begeht Meuchelmord und slucht auf den angeblichen Dolchstoß der zu Tode Gehetzten. Cr nimmt Geld vom Staat und unterwühlt seine Grundvesten, speit auf die Autorität und lobhudelt seinen Kumpanen, ist mutig bloß gegen Wehrlose. Ms Barrabas gesehen hatte, daß die verblendete Menge Iesum ans Kreuz haben wollt«, wuchs sein Selbstgefühl und er begann sein« Herrschaft durch all« Zeitalter zu begründen. Immer war er gegen die Geknechteten, di« ihn schonten, immer hielt«r es mit den Mächligen, den Schändern des Gottesgedankens. Wo das Volt in Fesseln lag, hetzte er es gegen seine Befreier und kniet« mit ihm vor seinen Peinigern. Seegras-�armen. Ein neuer Industriezweig ist an der kalifornischen Küste ge» gründet worden, dem man den Namen„Marikultur" gegeben hat. Dadurch tritt der„Anbau" des Meeres neben den Ackerbau. Es sind riesige Farmen von Seegras, die man in Kalifornien geschaffen hat. denn man hat hier den großen praktischen Wert des Seegrases erkannt. So ist in kaum fünf Iahren di« kalifornisch« Seegrasernt« zu einem der wichtigsten Erträg»iss« an der Küste des Süllen Ozeans geworden. Es werden jetzt jährlich mehr al» eln« halb- Million Tonnen von diesen Pflanzen geerntet, die man bis vor kurzem noch für fast nutzlos hielt. Durch neue Derbesserungen hofft man die Ernte bis auf 2 Millionen Tonnen tm Jahr zu steigern. Di« Wissenschaft hat' uns in den Stand gesetzt, eine Anzahl wichtiger Erzeugnisse aus dein Seegras zu gewinen, so z. B. Kali, Dünger, Viekifutter. Fasern, die zu Aeweben versponnen werden und al, Polstermaterial dienen, sowie schließlich„Lgar-agar, ein« aus See- gras gewonnene Haltkare Gallert, di« als Ersatz von Gelatine zu Arzneimitteln und auch als Nahrungsmittel verwendet wird. Agar» agar,«in färb-, geruch- und geschmackloser Stoff, gilt al» die beste Nahrung für Mikroben, die darauf gezüchtet werden können; aber auch sonst wird es für Medizinen verwendet und auch Suppen und Gelee» zugesetzt. Ein and««» Seegraserzeugnis ist«jj« art von Fischleim oder Hausenblase. Äi« für photographische Film« und Shn- liches benutzt wird. Di« wacht, gste Soegrasart für di« industrielle ftaatlichen Einrichtungen. Ihr Befuch fällt in eine Belt, in de bas deutsche Volt nach schwersten Prüfungen in harter Arbeit versucht, sein nationales Leben wieder aufzubauen. Sie finden hier ein Bolt, bas bestrebt ist, getreu seinen besten Traditionen, sein Leben einzurichten auf den hohen Prinzipien der Freiheit und ber[ ozialen Gerechtigkeit für alle Schichten, den Austausch geistiger und wirtschaftlicher Güter zu fördern und so dem kulturellen Fortschritt zu dienen. Die hilfsbereitschaft der weitesten Kreise des meritanischen Bolles für die Notteidenden in Deutschland ist ein weiteres unzerstörbares Glied in der Kette geworden, die die beiden Nationen verbindet. Wir bringen dem edien mexikanischen Bolte unsere besten Wünsche für eine gefegnete Butunft dar. Präsident Calles dankte in spanischer Sprache mit herzlichen Borten. Vorbereitung der wirtschaftlichen Räumung. Brüffel, 22. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Leiter der belgischen Ingenieurtommiffion hat sich am Freitag nach Düsseldorf begeben. Die Reise hat angeblich den 3wed, die Liquidierung der wirtschaftlichen Verwaltung der Ruhr einzuleiten. Man spricht in hiesigen Regierungsfreifen von einem fofortigen Abbau der Micum- Organisation, der Pfänderkasse und der Hypothekenverwaltungen. Dereitelter Abbau. Eingreifen der Regierung in Fürstenwalde. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer gestrigen Sitzung den Beschluß, den sozialistischen ersten Bürgermeister, Genoffen Stoll, abzubauen, rüdgängig gemacht. Gleichzeitig wurde der von früher beschlossene Abbau des sozialistischen Wohlfahrts stadtrats, Genoffen Martin, zurüdgenommen. Dafür hat der Magistrat feinen Widerstand gegen die Wiederbesetzung der Stelle des befoldeten Beigeordneten( 2. Bürgermeisters) aufgegeben; ein unbefoldeter Beigeordneter hätte ohnehin gewählt werden müssen. Die Stelle bes Beigeordneten wird von den Bürgerlichen besetzt werden. Diesen Beschlüssen sind mehrere Auseinandersetzungen in der bürgerlichen Mehrheitsfraktion voraufgegangen. Der demokratische Stadtverordnetenvorsteher, Schulrat Rühne, der sehr schnell eingefehen hatte, daß der Abbau wenigstens im Falle des ersten Bürgermeisters nicht gelingen werde, hat sich schließ lich durchgesetzt. Die Frankfurter Regierung, aufs höchste befremdet über die Zuspigung der kommunalen Verhältnisse in Fürsten walde, hatte am letzten Montag den Oberregierungsrat Dr. Her mann vom Kommunalbezernat dorthin entsandt, der erfolgreich zwischen dem Magiftrat und der Stadtverordnetenversammlung Dermittelte. Die völkische Einigung. Ein Griff in die Gebetmühle. Gebetmühle. Ein kommunistisches Bekenntnis. fangene Sozialiffen von der Wache erichoffen wurden. Die auf den Solowenfi- Inseln internierten 300 Sozialisten erbitten die fot. tige 3ntervention der sozialistischen Internationalt. Macdonald erläutert sich. Ein Geheimbrief an Herriot. Der Sprecher der fommunistischen Reichstagsfraktion, Herr Iwan Ka B, hat gestern unter zustimmendem Schmunzeln der Rechten gegen die Auslieferung des deutschen Boltes an das infernationale Kapital" gedonnert. Das hohle Pathos dieses Schmierentomödianten entsprach vollkommen der flaglichen Rolle, die die Kommunistische Partei übernommen hat an Herriot einen zweiten Brief über die militärische Räumung Condon, 22. Auguff.( Eigener Drahlbericht.) Macdonald hat: durch Schimpfen gegen den neuen Stiavenvertrag" und des Ruhrgebiets gefchidi, der als eine Ergänzung feines die verräterische Sozialdemokratie" den Rechtsparteien die Steigbügel zu halten. Duzende kommunistischer Wald- und Briefes vom legten Sonnabend betrachtet wird. Dieser Brief wird Wiesenredner drehen jetzt die neue Balze von der„ Koloni- nicht veröffentlicht werden. ber gemeinsamen Berschwörung des internationalen Kapitafierung" Deutschlands durch das amerikanische Kapital, von lismus“ gegen die deutsche Arbeiterklasse. Mit rührender Sorgfalt registriert die rechtsstehende Presse diese neuen fommunistischen Schlagwörter und setzt ihre letzten Hoffnungen auf die fommunistischen Bundesgenossen, wenn es infolge der Ablehnung der dem Reichstag vorgelegten Gefege au einem neuen Wahlkampf tommen sollte. Londondebatte der Kammer. Paris, 22. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer bat am Freitag vormittag die Interpellationsdebatte über die Ergebnisse der Londoner Konferenz fortgesetzt. Erster Redner war der Radikal. feziale margaine, der eine außerordentlich scharfe Kritit Meinung der ganzen Welt gegen Frankreich aufbrachte, habe u. a. an der Ruhrpolitit übte. Das Abenteuer, das die öffentliche zur Folge gehabt, daß in London die Rollen zwischen Deutsayland Wer die innere Berlogenheit der fommunistischen Agita und Frankreich zum Schaden Frankreichs vertauscht schienen und tion fennt, wird sich über ihre neue Schwindelpropaganda nicht man dort den Eindruck hatte, als wenn Deutschland durch England wundern. Es ist immer die alte Geschichte: Wenn es sich darum verteidigt würde. Bisher fei es unmöglich gewesen, über die finan handelt, im Kampfe gegen die Reaktion die gesammelte Kraft ziellen Ergebniffe des Ruthrabenteuers irgendwelche Aufder Arbeiterklasse in die Wagschale zu werfen und aus der flärungen zu erhalten. Die darüber von den früheren Ministerien jeweiligen innen- und außenpolitischen Situation die größt veröffentlichten Ziffern feien offenbar falsch. Eine der verhängnis. möglichen Erfolge für die gesamte Arbeiterbewegung heraus- pollten Folgen der Ruhrbesetzung fei die Stärfung der natio zuholen, tritt stets die Kommunistische Partei auf, um die Front demokratisch- republikanischen Parteien in Deutschland gewesen. An nalistisch monarchistischen Reattion zum Schaden der der Arbeiterklasse zu zerschlagen, neue Verwirrung in sie hin- dem Dawes- Plan fritifierte der Redner die Bedingungen über die einzutragen und einzelne ihrer Kreise auf die Bahn der Illu- Naturallieferungen und die Ueberweisungsbestimmungen, die Frantfions- und Katastrophenpolitit zu loden. Diese Erscheinung reich wenig günstig seien. Immerhin ließen diese eine prattisch- positive ciederholt sich auch jeßt. In einer Zeit, wo es tatsächlich um Regelung des Reparationsproblems erhoffen. Da die daraus zu er die nächste Zukunft Deutschlands und der deutschen Arbeiter- wartenden Einnahmen jedoch nicht ausreichen, das französische Budget flaffe geht und wo es sich darum handelt, die günstigen Ber- in Ordnung zu bringen, bedürfe es der Erschließung neuer Einschiebungen in der internationalen Politik im Interesse des nahmequellen, bie bei der Ueberlastung ber Steuerzahler nur auf Friedens und des Wiederaufbaues der zerstördem Wege der Schaffung von Staatsmonopolen geschaffen werden fönnten. ten europäischen Wirtschaft zu nuken, wissen die tommunistischen Demagogen nichts Besseres, als mit dem Fana tismus tibetanischer Mönche ihre Gebetsmühlen zu drehen und die Arbeiterschaft von dem Weg einer erfolgreichen realistischen Bolitik abzudrängen. Kein Wunder, daß die Zahl der ihrer Berantwortung bewußten fommunistischen Funktionäre, die diese tollhäuslerische Politik nicht mitmachen wollen, mit jedem Tage zunimmt. Wir hegen die feste Erwartung, daß der gesunde Sinn der deutschen Arbeiterklasse schließlich auch diese inneren Hemmnisse überwindet, und daß gerade die demagogische Haltung der Kommunistischen Partei in der jegt zur Entscheidung stehenden Frage die innere Hohlheit und Brüchigkeit ihrer ganzen BeWeimar, 22. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Mit der auf wegung erweisen wird. In den ernsteren fommunistischen dem Barteitag der Nationalsozialisten befchloffenen Einigung der Kreisen sieht man diese Gefahr sehr wohl ein. Dort ist man fich Bölkischen hat es feine eigene Bewandtnis. Die Meinungsver beffen bewußt, daß eine neue meltpolitische Situaschiedenheiten der einzelnen Gruppen über die Lattik der Pariettion eingetreten ist, die der kommunistischen Hochkonjunktur find so groß, daß sie faum überbrückt werden können. Die Mel ein Ende bereitet und einem neuen Aufstieg der Sozialdemodung, daß der Borsigende der Bölkischen Landtagsfraktion in fratie die Wege ebnet. So schreibt der wirtschaftliche Sachver Thüringen, Dr. Dinter, den Borsig niedergelegt habe, muß ständige der Kommunistischen Internationale, Profeffor immerhin dahin richtiggestellt werden, daß Dinter das Amt nicht E. Barga, in der Mostauer" Prawda" vom 15. Auguft: niedergelegt hat, sondern dazu gezwungen morden ist in einer „ Die Londoner Konferenz bedeutet, daß der Versuch der interSigung, an der auch Ludendorff teilgenommen hat. Es handelt nationalen Bourgeoisie, die Reparationsfrage in Form des Sachver. fich dabei um eine regelrechte Maßregelung. Bei Wieder ständigenplanes gemeinsam zu lösen, prattische Formen an zusammentritt des thüringischen Landtages wird die Nationalsozia genommen hat. In diesem Sinne bedeutet die Konferenz einen listische Frattion, an deren Spize jetzt sehr unbedeutende Größen endepunkt in der europäischen Politit stehen, eine Erklärung über ihre neue Führerschaft abgeben, Ueber die voraussichtlichen Folgen dieser neuen Phase der stehen, eine Erklärung über ihre neue Führerschaft abgegeben. Reparationspolitik heißt es in demselben Artikel: Ausgeschloffen erscheint es nicht, daß Dinter überhaupt zur Niederlegung feines Mandates als Abgeordneter des Thüringer Land„ Die Durchführung des Dawes- Planes wird die demokra seiner Kritik an der Politik Herriots fast wörtlich die Schlagworte Der nächste Redner ist der Kommunist Ca chin, der sich bei der nationalistischen Demagogie zu eigen macht. Er bestreitet, daß die Londoner Konferenz zur Wiederherstellung ber alliierten Einheitsfront geführt habe und zieht als Beweis dafür den Protest Macdonalds gegen die Aufrechterhaltung der Ruhrbesetzung Blätter zu eigen macht, daß dieser Brief nach der Konferenz gean, wobei er sich die bereits widerlegte Behauptung rechtsstehender schrieben sei. triot stellt dies in einer furzen Zwischenbemerfung richtig und erklärt, daß es das gute Recht der englischen Regierung fei, ihren Standpunkt in dieser Frage zum Ausdrud zu bringen, daß damit aber die zwischen Deutschland und Frankreich getroffenen Abkommen in feiner Weise berührt werden. der amerikanischen Finanz Europa bittiert worden und diene aus Un dem Dames- Plan läßt Cachin fein gutes Haar. Er fei von schließlich den fapitalistischen Interessen der englischen und ameritanischen Großfinanz. Interpellationsdebatte zu unterbrechen und auf die TagesEin Antrag des Borsigenden des Auswärtigen Ausschusses, die ordnung der Sonnabendsihung die Besprechung des reni. dierten Friedensvertrages von Lausanne zu fehen, wird ab= gelehnt und beschlossen, diese Diskussion bis nach Beendigung der Aussprache über die Londoner Konferenz zu vertagen. Als Abg. Dutreit dem Ministerpräsidenten vormarf, unterlassen zu haben, die Ruhrpfänder gegen Sicherheitsgaram. tien einzutauschen, erwiderte sofort Herriot, daß er nicht für die Politik feiner Amtsvorgänger verantwortlich zu machen sei; er fei bereit, sofort, falls es verlangt werde, Dokumente vorzulegen, die die Richtigkeit seiner Behauptungen beweisen würden. laut einer Note, die am Abend des Einmarschs in das RuhrAuf allgemeine Aufforderung verliest Herriot den Wortdes Einmarschs in das Ruhrfeinen unparlamentarischen Radikalismus die Sympathie selbst dern verstärken. Wir sehen den 3erfall des deutschen heißt, daß den Truppen die Aufgabe zufalle, die in das Ruhrgebiet tages veranlaßt wird, da er sich durch sein Draufgängertum und tisch pazifistischen Tendenzen in allen beteiligten Läns gebiet der deutschen Botschaft übergeben worden sei und in der es fchismus, ben die deutsche Bourgeoisie jetzt nicht eines völkischen Parteisekretärs herabgedrückt worden. Verwertung ist der große Blatt- Tang, der sich an fast allen Stüften findet und gewaltige Pflanzen hervorbringt. Bon einer solchen Anpflanzung fann man drei, manchmal sogar vier Ernten im Jahr erhalten. Die dichten Maffen werden mit fenfeartigen Meffern ge schnitten, die im Waffer arbeiten. Auf diese Weise tönnen in der Stunde von fünf erfahrenen Arbeitern 30 Tonnen Seegras geerntet werden. Die falifornische Regierung gestattet das Schneiden nur zu bestimmten Jahreszeiten. Die Anpflanzung von Seegras wird in Japan bereits feit uralten Zeiten getrieben, aber sie war niemals in so großem Umfange ausgebaut, wie es jetzt in Kalifornien der Fall ift. Das japanische Seegras ist viel fleiner als das kalifornische und wird von Taucherinnen gesammelt. Trotz diefer primitiven Methoden führt Japan jährlich große Mengen von Seegras und feinen Bro duften aus. Die in Kalifornien entstandene Maritultur" tritt jetzt als ein immer stärker werdender Konturrent auf. „ Der hat die Welt noch nicht gefehen. Ein Mann, ber noch nie einen Eisenbahnzug, ein Auto, eine elettrische Bahn gesehen hat, und dem selbst das Kino ein Buch mit sieben Siegeln war, ist fürz lich zu Fleedwood in Lancaster eingefehrt. Dieses lebende Weltwunder ist dabei seines Zeichens sogar Berkehrsbeamter, nämlich Briefträger auf der Boftstation von Saint- Riba, einer fleinen Infel im Westen der Hebriden. Er hat zum erstenmal in feinem Leben Urlaub genommen und die Infel feiner Bäter verlaffen, um aufs Festland zu gehen. Als er den ersten Straßenbahnwagen fah, mar er zunächst unschlüssig, ob es nicht beffer fei, zu fliehen. Aber ein Automobil, das aus der entgegengefegten Richtung fam, enthob ihn biefer Ueberlegung. Der Briefträger fiel vom Erstaunen ins Ent fegen und vom Vergnügen in maßlosen Schred. Nicht minder auf regend war für ihn die erfte Kinovorstellung; benn er fonnte sich erft nach längerer Zeit davon überzeugen, daß die Gewehre und Kanonen, die auf der Leinwand abgefeuert wurden, für ihn feine ernste Gefahr bedeuteten. llebrigens scheint dem Infelbewohner die Zivilisation nicht sehr imponiert zu haben; denn schon nach dem ersten Tag feines Festlandaufenthalts fehrte er gern wieder in die Einsamkeit feiner Heimatinsel zurüď. Giné italienische Dperntruppe mit Italienische Gaftfpiele in Berlin. Eine Solisten der Mailänder Scala wird im Dtober bei Stroll ben Barbier bon Sevilla", Rigoletto, rapiata",„ Zosca auf führen( gibt es gar teine anderen italienischen Opern?) Truppe wird unter Mascagni im Velodrom am Kaiserdamm Berbis " Aida" geben. Eine andere Was über Einfein geschrieben wurde. Der belgische Mathematiter Maviece Lemt, Profeffor an der Universität Löwen, gibt eine Bibliographie über die Ehriften heraus, die von Ginftein und seiner Relativitätstheorie handeln. Er verzeichnet nicht weniger als 3775 folcher Schriften. In Deutschland find babon 1485, in England 1150, in Frankreich 690, in Stalien 215 unb in Holland 126 erschienen. 1175 Gelehrte haben sich darin mit ber Relativitätstheorie auseinandergefeht, barunter 350 beutsche, 185 englische und 150 französische. Cine deutsche Universität in Reichenberg? Bei der Eröffnung der beutschen Hochschulwoche in Reichenberg erklärte der Rettor ber beutschen Univerfitat Brag, Dr. Satsch, baß die Hochschulprofefforen und die Hochchüler darin einig leien, pas bie beutsche Universität von Brag verlegt bag merben und noch Reichenberg lommen muß braucht." Allerdings macht Prof. Barga Borbehalte und warnt vor der Illusion, daß durch die jezt ergriffenen Maßnahmen die Weltwirtschaftskrise abgewendet fei: ehemalige Poincaré- Minister Reibel ruft, daß diese Note längst ron Poincaré felbst veröffentlicht jei. Herriot erwidert, daß er sie nur zitiert habe, um zu beweisen, daß die Anwesenheit von Truppen im Ruhrgebiet teine Stute in den Erklärungen der Regierung Poincaré fände. „ Das Wachstum der Arbeiterpartei( in England), sowie des franzöfifchen Linksblocks und der deutschen Sozialdemokratie wird fich weiter fortjehen, aber diese Illusion wird nicht lange aufrecht erhalten werden können. Die auf der Londoner Konferenz angenommene Lösung der Reparationsfrage entscheidet feineswegs das Problem der Weltwirtschaftskrise, insbesondere der speziellen Krise der ofteuropäischen Industrie. Die Freude der Sozialdemokratie und der bürgerlichen Pazifisten wird von kurzer Dauer sein. Die Berwirt- Persönlichkeit bewohnt war als zur Zeit der Konferenz von Canlichung des Dawes- Planes wird die deutsche Industrie vor einer neuen Krife schützen, die periode der Stabilisierung der deutschen Mart verlängern und deshalb die Wiederholung der atuten revolutionären Situation vom Jahre 1923 hinauszögern. Aber die Besserung der Lage der deutschen Industrie wird erkauft sein auf Kosten der verfchlechterten Lage der Industrie in England, Franfreich, Bolen, Tschechoslowakei und anderen westeuropäischen Ländern." Es ist sehr nett von Prof. Barga, daß er sich über die Zu funft der englischen, französischen, polnischen Industrie usw. den Ropf zerbricht. Aber die deutschen fommunistischen Arbeiter wird es vor allem interessieren, daß der wirtschaftliche Sachverständige der Kommunistischen Internationale unumwunden zugeben muß, daß die Durchführung des Dames- Gutachtens die Ueberwindung der deutschen Wirtschaftskrise und die Stabilisierung der deutschen Finanzen mit sich bringt. Angesichts dieser Feststellung braucht die vorhergehende Behaup tung Prof. Vargas, daß die Durchführung des Dames- Gut achtens den Beginn der Kolonisierung Deutschlands" durch das amerikanische Kapital bedeute, nicht besonders ernst genommen zu werden. Denn wenn die Beteiligung des ausländifchen Kapitals an der Industrie eines Landes tatsächlich gleichbedeutend ist mit der Rolonisierung" und" Bersklavung" des betreffenden Landes, so wäre fein Wort scharf genug, um Die Haltung der fommunistischen Sowjetregie rung in Mostau zu brandmarten, die, ohne durch die Last der Reparationen dazu gezwungen zu fein, feit Jahr und Tag fein anderes Ziel fennt, als das amerikanische, englische, französische Kapital nach Rußland zu loden und ihm dort goldene Berge zu versprechen. Hilferuf ruffischer Sozialisten. Blum führt aus, daß die Ruhrpolitik die deutschen Nationa lift en wieder aufgerichtet habe. Diese Politit habe den Banfiers auf der Londoner Ronferenz zu einer vorherrschenden Stellung verholfen. Un einer Stelle feiner Ausführungen fagte Blum, indem er sich der Mehrheit zuwandte: Haben Sie nicht ein Gefühl der Beruhigung verspürt bei dem Gedanken, daß im Augenblick der Londoner Konferenz das Elysée von einer anderen nes? Dem folgen Entrüstungsrufe im Zentrum und auf der Rechten. Berschiebene Abgeordnete der Opposition nehmen eine drohende Haltung ein. Le Troquer versuchi, Blum ins Wort zu fallen. Blum läßt fich jedoch nicht aus der Faffung bringen und seht seine Rede fort. Er stellt fest, daß die Londoner Konferenz einen großen Anfang zur Wiedergutmachung der Berirrungen des Poincarismus bedeute. Die weiteren Ausführungen des Genossen Blum lagen Eei Redaktionsschluß noch nicht vor; um so weniger bie der folgenden Rebner, Dänische Abrüstung. Gesicherte Folkethings- Mehrheit. Kopenhagen, 22. August.( Eigener Drahtbericht.) Der Hauptvorstand der radikalen Partei Dänemarks hat dem Abrüftungsvorschlag der sozialdemokratischen Arbeiterregierung seine prinzipielle Zustim mung ausgesprochen, wodurch dem Regierungsvorschlag eine Mehr. heit im Foltething gesichert ist. Die Interparlamentarische Union in Beru. Bern, 22. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Im Saale des Bundesrates wurde am Freitag die 22. Interparlamentarische Konferenz durch eine Ansprache des Bundespräsidenten Motta eröffnet. Anwefend find 260 Parlamentarier aus 24 Staaten. Deutschland wirb durch die Reichstagsabgg. Löbe, Wirth, Schüding, Dernburg, die gewefenen Abgg. Hetle, Quidde, Bolz und Bayersdörfer tungsfragen, der sich zunächst eine Debatte über Abrüstung und vertreten. Am Freitag erfolgte die Beratung technischer Berwal Kontrolle der internationalen Politit anschließen wird. Genf, 22. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am 29. August mirb ber Bölterbundrat unter bem Borfiz von Hymans- Belgien in Genf feine 30. Sigung abhalten. Auf der Tagesordnung stehen u. a. die Angelegenheiten ber Rüstungstontrolle in DeutschöfterVon der Auslandsvertretung der Sozialdemokratischen Arbeiter- reich, Ungarn und Bulgarien. Außerdem wird die Jr af frage partei Rußlands wird uns mitgetellf: Laut einem foeben eingelaufepartei Rußlands wird uns mitgeteilt: Caut einem foeben eingelaufe- zur Entscheibung vorgelegt. Ferner sollen die Wirtschaftsverhältniffe nen Telegramm aus Rußland, hat sich die Cage in dem Konzentra- in Deutschösterreich und Ungarn im Zusammenhang mit den Anleihen fionslager auf den Solowehti- Infeln im Weißen meer außer- nadygeprüft werden. Besonderes Interesse beanspruchen die Saar frage und Danzig. ordentlich zugefpiht. Die Gefangenen sehen fein anderes Mittel als den Hungerstreit, um ihre Forderung durchzusetzen, nach dem Festlande zurüdtransportiert zu werden. Zusammenstöße mit der Administration find unausbleiblich. Man befürchtet die Wiederholung der vorjährigen Dezemberereignisje, bei denen jedhs gerüstung, Militär, Defonomie, Mandate, Sllaperei, Opium, geistige Außerdem werden folgende Kommiffionsberichte vorliegen: AbBusammenarbeit. Endlich wird noch ein Bericht über das Flücht lings wefen( Armenier, Griechen, Inder usw.) zum Vortrag tommen rb A Achtstundentag, trotz alledem! Kulturelle, gesundheitliche und wirtschaftliche Wirkung. Der Achstundentag hat in Deutschland in der denkbar ungünstigsten Beriode eingesetzt. Wiederholt haben wir das unehrliche Spiel gefennzeichnet, den aus den verschie= densten Gründen unvermeidlichen Produktionsaus= fall infolge des Krieges, des Kriegszusammenbruchs, mit all den üblen Nachwirkungen aufs Ronto des Acht#tundentags zu sehen. Inzwischen haben sich die Verhältnisse wesentlich gebessert. Doch anstatt aus dieser Tatsache die Schlußfolgerungen zu ziehen, daß fort ab der Achtstundentag weit leichter durchführbar ist als vordem, sucht man die Besserung der Produktionsverhältnisse lediglich auf die Verlängerung der Arbeitszeit zurückzuführen, um dar aus die falsche Schlußfolgerung abzuleiten, die Arbeitszeit müsse noch mehr ausgedehnt werden, die Durchführung des Achtstundentages, die Anerkennung des Washingtoner Abkommens sei für Deutschland unmöglich. Der aus dem Heißhunger nach Mehrwert abgeleitefen Beweisführung des Unternehmertums stellen wir hier das Ergebnis einer wissenschaftlichen unter fuchung entgegen. In seiner vor kurzem erschienenen Schrift über„ Das Ar beitszeitproblem" hat Dr. Otto Lipmann, der Leiter des Instituts für angewandte Psychologie in Berlin, das darüber vorliegende Material nach wiffenschaftlichen Grundsägen zusammen gestellt. Mis Maß für den gesundheitlichen Arbeits. tag gibt er darin an:„ Der Arbeiter muß mindestens so viel Zeit auf Ruhe und Schlaf verwenden, daß die im Laufe eines Arbeitstags verbrauchten Kräfte bis zum Beginn des nächsten Arbeitstages wieder hergestellt sind, so daß der Arbeiter an jedem Morgen seinen Arbeitsplaß mit der gleichen Frische wieder betritt und daß die Arbeitsleistung an allen Arbeitstagen die gleiche bleibt. Diefer Marimalarbeitstag wird nach Auswels fämtlicher vorliegender Untersuchungen immer überschrit fen; stets hat sich ergeben, daß die Arbeitsleistungen in der ersten Wochenhäfte besser sind als in der zweiten." Für die Wirkung der täglichen Arbeitszeit und die Menge der arbeitsstündlichen Produktion sind eine ganze Reihe Fattoren maßgebend. Lipmann nennt von ihnen die geographische Lage der Fabrit, die assezugehörigkeit, dann die Berufseignung der Arbeiter. fchaft, Wagengestellung, Belieferung mit Roh- und Betriebsstoffen, der Zustand der maschinellen Einrichtungen, die Zahl der mit unproduktiven Herstellungsarbeiten beschäftigten Arbeiter; die politische und wirtschaftliche Lage, die Ernährungsverhältnisse, das Lohnsystem, die Einteilung der Arbeitszeit, der Arbeitswille des Arbeiters. Die durch die Berkürzung der Arbeitszeit bewirkte erhöhte Leistungs fähigkeit führt ohne vermehrten Arbeits willen im allgemeinen nicht ohne weiteres schon zu erhöhten Leistungen. Der Arbeitswille ist teils von psychologischen, teils von physiologischen Faktoren abhängig." Die durch eine Verlängerung der Arbeitszeit veränderte Leistungsfähigkeit tritt nicht unmittelbar nach der Arbeitszeit verkürzung in Erscheinung, sondern es muß erft eine gewiffe Zeit verstreichen, bis der Zustand verminderter Ermüdung sich in gesteigertem Arbeitstempo auswirken fann; umgefehrt wird eine Arbeitszeitverlängerung( Ueberffunden) fich gewöhnlich fofort teils durch Wirkung auf die Leistungsfähigteit, feils durch Wirkung auf den Arbeitswillen in einer Derringerung der arbeitsstündlichen Produktion bemerkbar madjen. Lipmann faßt seinen Gesamteindruck aus dem vor liegenden Material folgendermaßen zufammen: „ Der wesentliche Faktor für die Menge der Tagesproduktion ist neben der Leistungsfähigkeit des Arbeiters und der zwed mäßigen Organisation des Betriebes der Arbeitswille des Arbeiters, und dieser Faktor ist von solcher Bedeutung, daß für eine Erhöhung der Produktion alles daran gesetzt werden muß, den Arbeitswillen zu steigern und nicht zu schädigen. Eine dem Arbeiter aufoftronierte Berlängerung der täglichen Arbeitszeit würde wahrscheinlich den Arbeitswillen so sehr schädigen, daß die Berlängerung fehr häufig und überall da, wo die Arbeitsintensität des Arbeiters ausschlaggebend ist, zu einer Vermehrung der Tages. produffion feineswegs führen würde... Daneben dürfen natür lich für eine Erhöhung der Produktion auch die anderen Faktoren nicht vernachlässigt werden: geeignete und nicht übertrieben ermüdende Beschäftigung des Arbeiters in der Freizeit, ausreichende Ernährung des Arbeiters und dementsprechende Löh nung, Verwendung rationeller Löhnungsmethoden, rationeller Streik im Sägewerk Hobrechtsfelde. 3 Das Berfonal des Sägewerks Hobrechtsfelde( Stadtgüter G. m. b. 5.) ist gestern in den Streit getreten, weil die Verhandlungen mit dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter auf Abschluß tariflicher Regelungen von der Leitung des Unternehmens sabofiert worden sind. Bis zum L. April regelten fich die Löhne nach dem Lohntarif für die Gemeindearbeiter. Von diesem Zeitpunkt ab Ichnte die Betriebsleitung diefe Lohnregelung ab. Alle Versuche, die Löhne wie früher zu regeln, blieben erfolglos. Der angerufene Schlichtungsausschuß empfahl den Parteien, erneut zu verhandeln, die Versuche scheiterten am Widerstand der Be= triebsleitung. Alle Versuche, neue Verhandlungen aufzunehmen, waren erfolglor. Am 19. Auguft stellte die Belegschaft die Arbeit ein mit dem Er folg, daß die Leitung sich zu Verhandlungen bereit erflärte. Die Berhandlungen fanden am 21. August statt und verliefen ergebnislos, da die Betriebsleitung erneut es ablehnte, ent fprechend den früheren Vereinbarungen die Löhne zu regeln. Nach ihrer Auffassung sollen die Löhne in Hobrechtsfelde oft el bifchen Berhältnissen entsprechen. Der Betriebsleiter läßt sich allerdings nach Gruppe A des Besoldungsplanes entlohnen. Der Betrieb felbft liegt an der Grenze Berlins, so daß die Forderung der Arbeiter, Berliner Löhne zu erhalten, durchaus gerechtfertigt ist, um so mehr, als bis zum 1. April diese Regelung bestand. Die Arbeiter sind einmütig in den Streit getreten und gewillt, im Streit zu verharren, bis die Verwaltung ihren reaktionären Standpunkt aufgibt. Der Betrieb Hobrechtsfelde untersteht der Stadtgüter G. m. b. 5. und es ist Pflicht des Magistrats, wie vor allen Dingen auch des Aufsichtsrats der G. m. b. H., hier nach dem Rechten zu sehen. Durch die Eigenwilligkeit und den Starrsinn der Betriebsleitung ist städtisches Eigentum aufs schwerste gefährdet. Die Arbeiterschaft ersuchen wir, 3 uzug fernzuhalten. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Ortsverwaltung Berlin. Sirbeitszeit und Unfälle bei der Reichsbahn. Eine Meldung ber BS.- Korrespondenz über Berhandlungen zwischen Reichsverfehrsministerium und Eisenbahngewerkschaften zu der egelung der Arbeitszeit des Eisenbahnpersonals erweďte noh ter TU. den Anschein, als ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Dienstdauer und Unfallhäufigkeit bestehe" Einen solchen Anschein" darf natürlich die TU. nicht aufZuordnungsverfahren zwischen Arbeit und Arbeiter, einer rationel len Arbeitszeiteinteilung( Pausenordnung) und sonstiger rationeller Betriebseinrichtungen. Die Verwen dung aller dieser Mittel würde die Produktion auch ohne Berlängerung der Arbeitszeit in ausreichendem Maße steigern; ohne diese Mittel würde die Produktion auch durch Berlängerung der Arbeitszeit meist nicht erhöht werden fönnen." Die Arbeitgeberverbände schlagen mit ihren Methoden diesem Ergebnis wissenschaftlicher Forschung geradezu ins Gesicht. Sie glauben durch eine schematische Verlängerung der Arbeitszeit die Menge der Produktion ebenso schematisch vermehren zu können, nachdem sie in der Nachkriegszeit wenig oder gar nichts getan hatten, um die Wirkung des Achtstundentages durch Verbesserung der maschi nellen Einrichtungen, durch Rationalisierung der Betriebe, durch Modernisierung der Arbeitsmethoden zu verstärken; ganz abgesehen davon, daß die Folge des Krieges, die jahrelang andauernde Unterernährung und Unterbezahlung der Arbeiter und all die anderen bekannten Ursachen feineswegs geeignet waren, den Arbeitswillen zu heben. Aus der Fülle des Materials, das Lipmann in seiner Schrift verarbeitet hat, fönnen wir nur wenige Stichproben geben. So weit beispielsweise die Gewerbebehörden nach Erklärungen für den Leistungsrüdgang in der Nachkriegszeit fuchen, fommen sie zu folgenden Ergebniffen: B ,, Dagegen wurde über Minderleistungen ziemlich allgemein geflagt. Gründe dafür waren: Mangelhafte Stoffe und Störungen in ihrer zuführung mangelhafte Ernährung."( Liegnig 1919.) Längere Unterernäh rung, schlechte Ernährungsverhältnisse, die vielen Kriegsentbehrungen werden von den bayerischen Beamten als Gründe für den Arbeitsrückgang genannt. Unterfranten fagt 1920: Verminderung der Leistungsfähigkeit der Arbeiter infolge nicht ausreichender Ernährung, außergewöhnliche Abnutzung der Maschinen während des Krieges, Stockung in der Belieferung mit Rohstoffen, Werkzeugen und sonstigen Hilfsmitteln u. a. m. haben gleichfalls einen nachteiligen Einfluß geübt." Sachsen 1919: Mangel und schlechte Beschaffenheit von Rohstoffen und Betriebsstoffen, unzureichende Ernährung, Rachwirtung früherer Anstrengungen und Zu fammendrängen der Arbeitszeit ohne ausreichende Ruhepausen." Hessen 1920:" Die Arbeitgeber geben, soweit es sich um ältere Leute handelt, eine erhöhte Leistung zum Teil zu, flagen aber über geringere Leistungen der jungen Leute, besonders der Kriegsteilnehmer; doch ist dies auch als Nachwirtung des Krieges und nicht als eine Folge der verkürzten Arbeitszeit zu bezeichnen. Bufolge der schlechten Ernährung, schlechten Materials und schlechter Werkzeuge mar eine Erhöhung der Leistungen in den ersten Jahren nach dem Kriege nicht zu erwarten." Aehnliche Erscheinungen sind auch in den anderen vom Krieg betroffenen Ländern beobachtet worden. So wird vom franzö fischen Rohlenbergbau berichtet:„ Die Bergwerte, die während des Krieges schlecht unterhalten wurden, brauchten nach dem Kriege eine größere Anzahl von Arbeitern für unproduktive Wiederherstellungsarbeiten." Von dem Pariser Fleischer gewerbe heißt es 1921:„ Die Produktion hat sich nach Einführung des Achtstundentages dant intensiverer Arbeit nicht ver mindert, trog anerkannter Mangelhaftigkeit der Werkzeuge," Internationaler Textilarbeiterkongreß. Wien, 20. Auguſt. In der Sizung am Mittwoch führten vormittag Vander putte( Frankreich) und nachmittag Roscher und Stursty ( Tschechoslowakei) den Vorsiz. Frühwirth( Desterreich) berich= tete zunächst über die neuerlichen Beratungen des internationalen Romitees über die Bestellung eines neuen Sekretärs und den Siz des neuen Sekretariats. Nach den Vorschlägen des Komitees be= chloß der Kongreß einstimmig die Anstellung eines von der internationalen Vereinigung festbesoldeten, hauptberuflich tätigen Sekretärs. Der Sekretär ist von der englischen Delegation vorzuschlagen. Der Sitz des Setretariats wurde in Manchester( England) ausersehen. Für diesen Siz stimmten fieben Länder; vier stimmten dagegen. Ein Antrag Deutschlands auf Ausbau des Sekretariats wird dem neuen Sekretariat Eine lebhafte Debatte entwickelte sich über einen Antrag auf fich übe zum Studium überwiesen werden. Auflösung des internationalen Streitfonds. An feine Stelle follen nach diesem Antrag im Bedarfsfall ausgiebige freiwillige Unterstützungen treten. Der Antrag wird aber mit zwölf gegen eine Länderstimme abgelehnt. Damit bleibt auch das gegenwärtige Beitragsverhältnis bestehen. Durburn( England) legte einen Antrag der englischen Delegation vor, nach dem an einer Konferenz niemand teilnehmen oder ein Amt bekleiden soll, der nicht von Lertilarbeiterverbänden als Angestellter befoldet ist oder in einer Tertil fabrit arbeitet. Dazu sprachen Shaw, Sobolomsty ( Polen), der verlangte, daß es statt der Stelle in einer Fabrit arbeitet", heißen soll in einer Fabrit gearbeitet hat", weiter Crinion( England), Christensen( Dänemark), und Eisenring ( England). Der Antrag wurde dann mit dem Abänderungsvors schlag Sokolowstys einstimmig angenommen. Den breitesten Raum in der Beratung des Kongresses nimmt die Beratung über die Mittel und Wege ein, die einzuschlagen find, um den Achtstundentag in der Textilindustrie aufrechtzuerhalten, in Ländern, in denen er verlorengegangen ist, wieder zu erkämpfen, und in Ländern, in denen der Achtstundentag bisher noch nicht besteht, zu erringen. Berichterstatter Lang( Deutschland) bemerkte, daß der Achtstundentag nicht eine Frage der Textilarbeiterschaft allein ist, son= dern eine Frage der gesamten internationalen Arbeiterschaft. Seit dem Jahre 1889 geht der Kampf um den Achtstundentag. Die Frage ist aber für die Textilarbeiterschaft von um so größerer Bedeutung, als in der Tertilindustrie sehr viele Frauen und Jugendliche beschäftigt sind. Daher sind auch die Textilarbeiter in dem Kampfe um den Achtstundentag stets mit an der Spike marschiert. Es ist die Pflicht jedes einzelnen Arbeiters und jeder Arbeiterin, in diesem Kampfe zur Organisation zu stehen. Wo der Achtstundentag schon erfämpft ist, muß mit allen zweckdienlichen Mitteln gearbeitet werden, ihn zu erhalten. Das ist um so notwendiger, als sich seit dem Pariser Kongreß die Verhältnisse in manchen Ländern verschlechtert haben und auch mancher Rückschritt leider in dieser Frage verzeichnet werden muß. Der Allgemeine Deutsche Gewertschaftsbund hat be schlossen, alles daranzusehen, in Deutschland überall den Achtstundentag wieder zu erkämpfen. Die deutsche Arbeiterschaft fühlt sich auch in dieser Frage mit der Arbeiterschaft aller übrigen Länder eng verbunden. Vereinte Kraft wird zum Siege verhelfen.( Stürmischer Beifall.) Schwarz( Ungarn) gab ein Bild über die Verhältnisse in Ungarn. Nach dem Umsturz gab es in der ungarischen Textilindustrie fast feine Arbeit. Das ist wieder beffer geworden. Ausländer, nämlich Deutsche, Desterreicher, Tschechoslowaten, richteten Betriebe ein. Sie hofften wohl auch, in der ungarischen Arbeiterschaft ein geeigneteres Ausbeutungsobjekt zu haben. Leider ist es tatsächlich so weit ge fommen, daß heute in den meisten Betrieben wieder länger als acht Stunden gearbeitet wird. Die Unternehmer dittieren heute die Arbeitszeit und den Arbeitslohn. Die Hauptauf gabe der ungarischen Arbeiterschaft wird es sein, den Achtstundentag wieder zurückzuerobern.( Lebhafte Zustimmung.) Aus alledem ist zu schließen: Der Rückgang der Produktion in der Nachkriegszeit ist nicht, wie die Arbeitgeberverbände behaupten, auf die Einführung des Achtstundentags zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, daß die förperliche Leistungsfähigkeit der Arbeiter in folge des Krieges und seiner Nachwirkungen zurückgegangen ist Galli( Italien) entwarf in einer leidenschaftlichen Rede und die Betriebseinrichtungen vernachlässigt wurden. Wo diese ein Bild von dem heutigen Italien. Kriegsfolgen verschwanden, wo vor allen Dingen die Unternehmer Nach dem Krieg wurde der Achtstundentag erobert. Be Schichtsich dazu aufrafften, die Betriebseinrichtungen wieder aufzubauen, arbeit wurde sieben Stunden gearbeitet. Die erste Tat der Faschister dort begannen sich bald die günstigen Wirkungen der Arbeitszeitver- mar, den Arbeitern alle Errungenschaften strittig zu machen. Das fürzung zu zeigen. Die Verlängerung der Arbeitszeit fiel Gesez über den Achtstunden: ag ist heute in Italien eine Legende mit den ersten Monaten der Stabilisierung der Wähgeworden. Wer heute im Kampfe um die Befreiung der Arbeiter rung zusammen, die eine Konjunkturbesserung brachten. Mit schaft steht, feßt nicht nur jein Leben und seine Eristenz aufs Spiel, fondern auch das Leben und die Existenz seiner Familie. Das große Absicht verwechseln die Arbeitgeberverbände hierbei Ursache und Wirtung. Gerade die Erfahrungen der jüngstvergangenen Zeit Opfer Matteottis hat aber der Willkür der Faschisten eine mit der wadysenden Produktionseinschränkung und der steigenden Grenze gefeßt, und man spürt bereits, daß es anders zu wer den beginnt. Mit besonderer Hoffnung und Freude erfüllt die Arbeitslosigkeit lehrt mit aller Eindringlichkeit, daß die Stabilisie italienischen Arbeiter der Sieg der Arbeiterpartei in England und rungsfrise nur überwunden werden kann, wenn der Arbeitswille der Rud nach links in Frankreich.( Stürmischer Beifall.) gehoben wird. Das kann aber nur durch Berkürzung der Arbeitszeit und durch Berbesserung der Arbeits methoden erreicht werden! fommen laffen. Sie wandte sich daher an eine ,, maßgebende Stelle", die ihr auch prompt bestätigte, daß ein Zusammenhang zwischen der Arbeitszeit und den Unfällen bei der Reichsbahn nicht besteht. Die Zahl der Eisenbahnunfälle sei zurüdgegangen auch in der 3eit, in der die Dienstzeiten verlängert waren. Bei feinem der Unfälle, die in der letzten Zeit die Deffentlichkeit besonders beschäftigt haben, sei zu lange Dienstdauer von Einfluß gewesen. Zu dem Hinweis der Korrespondenz auf den Eisenbahnunfall bei Marsberg, der durch Nervenzufammenbruch eines dortigen Weichenstellers eingetreten sei, der sieben Tage hintereinander eine Dienstschicht von 3 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags gehabt haben soll, teilt uns dieselbe Stelle mit, daß sich der Unfall abends um 10% Uhr ereignete, also zu einer Zeit, in der dieser Weichensteller gar nicht im Dienst war! Derartige unrichtige Angaben über einen Zusammenhang zwischen Dienstbauer und Ünfallhäufigkeit könnten deshalb nur als Irreführung der Deffentlichkeit bezeichnet werden. Es wäre eine Irreführung der Deffentlichkeit, wollte man den Anschein erweden, als ob die Länge der Arbeitszeit für Unfälle gänzlich bedeutungslos fei. Das Fahrpersonal, dessen Leben bei Unfällen zu allererst gefährdet ist, wird alles daranfeßen, um trog langer Arbeitszeit Unfälle zu vermeiden. Baffiert dennoch irgendein Unfall, dann wird selbst in den Fällen, in denen eine lange Arbeitszeit als Ursache naheliegt, die Ursache auf die Uebertretung irgend einer Vorschrift zurückgeführt, um ja nicht den umstrittenen 3ufammenhang auffommen zu laffen. 3 Die Tatsache, daß die Aufmerksamkeit und die Spanntraft des Eisenbahnpersonals bei normaler Ar beitszeit größer ist, als fie bei überlanger Arbeitszeit fein tann, fönnen sämtliche„ maßgebenden" Stellen nicht aus der Welt dementieren. Deshalb muß die Arbeitszeit so bemessen werden, daß fie als Unfallfaktor gänzlich ausscheidet. SPD.- Musikinstrumentenarbeiter. Montag, den 25. Auguft, nachmittags 5 Uhr, im Reichenberger Sof, Bersammlung der auf dem Boden der Amfterdamer Internationale ftehenden Kollegen und Partei. genoffen. Jeder Betrieb muß vertreten fein. Verbands- und Bartei mitgliedsbuch legitimiert. Der Werbeausschus. Deutscher Berkehrsbund. Agitationsbezirke Moabit und Sanfa: Sonntag, ben 24. Auguft, vormittags 10 Uhr, im Artushof. Berleberger Str. 29, Be Airksversammlung. Bei der wichtigen Tagesordnung wird vollzähliges Er. fcheinen erwartet. Mitglieder und Funktionäre haben für guten Besuch su egitieren. Unorganisterite find mitzubringen, Boogsherd( Holland) teilte mit, daß leider auch in Holland der Achtstundentag nur mehr dem Namen nach besteht. In einem acht Monate langen Kampfe ist der Achtstundentag in der Praxis infolge der Haltung der christlichen Gemertschaften ver loren gegangen. Aber die holländische Arbeiterschaft verzweifelt nicht, fie fämpft weiter.( Lebhafter Beifall.) Die Beratungen über diesen Punkt der Tagesordnung wurden am Donnerstag fortgesetzt. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Estorn; Feuilleton: R. H. Döscher; Lokales und Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. spart teuren Süßstoffer! Die Bekämpfung des Ungeziefers bei Mensch und Tier ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitspflege. Mit Cuprex gelingt die Ungezieferbeseitigung schnell, sicher, leicht und unauffällig, sowie ohne gesundheitliche Nachteile. Cuprex ist das wirksamste und beste Mittel gegen Kopfläuse und übertrifft alle bisherigen Mittel, weil es das Ungeziefer samt Eiern( Nisse) mit einem Male vernichtet. Apotheken und Drogerien halten Cuprex in kleineren und größeren Packungen vorrätig. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch Lebewohl" los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. „ Lebewohl wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. Seit 20 Jahren bewährt... In Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring! Nr. 396+ 41. Jahrgang Beilage des Vorwärts Sonntägliche Wanderziele. Die Ruppiner Schweiz. Und fragst du doch: ben vollsten Reiz Wo birgt ihn die Ruppiner Schweiz? An jeder Stelle gleichen Reiz Erschließt dir die Ruppiner Schweiz. So sagt Fontane und wir werden auf unserer Wanderung sehen, daß er recht hat. Wir beginnen die Wanderung in Neu ruppin, das wir vom Stettiner Fernbahnhof über Kremmen erreichen( Sonntagsfarte). Neuruppin ist der Geburtsort Theodor Fontanes, des Altmeisters der märkischen Wanderei, der hier am 30. Dezember 1819 das Licht der Welt erblickte. In den Anlagen am Königstor hat man Fontane ein Denkmal errichtet, das ihn als schlichten Heimatwanderer und schilderer darstellt, auf einer Steinbant sigend. Schreibstist und Buch in der Hand, Wanderstab, Mantel und Hut neben sich. Von den ehemaligen Befestigungsanlagen der Stadt sind noch die Reste des dreifachen Walls im Nordwesten er halten. Wir verlassen Neuruppin durch das Rheinsterger Tor. Eine fchattige Chauffee bringt uns gen Nordost zum Chauffeehaus, wo die Seepromenade nach Altruppin rechts abzweigt, der wir folgen. An der Nordspize des langgestreckten Ruppiner Sees liegt Altruppin. Wir wandern von der Stadt gen Nord durch Kiefernwald zur Niederung des Rhins. Ueber Neumühle erreichen wir Moltow am Ostufer des Molchowfees. Das Dorf ist ein ausgeprägter Rundling mit großem freien Dorfplatz, der in der Mitte etwas erhöht ist und von Eichen, Kastanien, Lindet und Akazien beschattet wird. Wir fiberschreiten das Verbindungsgewässer zwischen Molchow und Tegensee und wenden uns fogieich rechts ab, auf dem Westufer des Tegenfees gen Nord. Der Weg führt anfangs am Rand des Kiefernwaldes entlang, der von Laubgebüsch und Birken eingefaßt wird, dann durch schönen Mischwald mit vielen Eichen. Weiterhin entfernt sich der Weg vom See. An Kolonie Stende iz vorbei fommen wir zum 3ermüßelsee. Der reich gegliederte See wird von bewaldeten Höhen umrahmt. die prächtige Ausblicke auf die Buchten und Halbinseln bieten. Gleich hinter der Brücke über ein fleines Fließ auf dem Westufer des Gees folgen wir dem Fußsteig nach links zum Ufer der Kellen, zwei kleine Seen, von fieferne und buchenbestandenen Höhen ungeben. Auf dem stillverträumten Wasser schaukeln geheimnisvoll die Mummelblätter. Vom Nordende der Kellen gehen wir an den Hauptweg zurück und kommen westlich Dom Forsthaus Stendeniz vorbei zur Niederung, die den Tornowfee mit dem Zernügelsee verbindet und vom Rottstielfließ durchflossen wird. Bei Forsthaus Rottstiel überschreiten wir das Fließ. Bald hiegen wir von der Straße nach linfs as und wandern am Tornowsee hin. Der Wald, der tisher reine Kiefernbestände bildete cher ein Mischwald war, geht jetzt in reinen Buchenwald über. An der Ablage Buchhorst vorüber fommen wir auf halber Höhe der Buchenhänge zum Nordende des Tornowfees. Hier liegt die Boltenmühle, die uns so recht den stillen Zauber der Wassermühlen im Waldesgrunde in das Bewußtsein ruft. Wir überschreiten Sen Binenbach und wandern auf seinem Westufer gen Nord. In tiefem Einschritt schlängelt sich das Fließ zwischen den buchen bestandenen Höhen hin. Der Boden weist häufig quellige Stellen auf, umgestürzte Baumstämme liegen quer über Weg und Fließ, vom Waffer murmelnd umspült. Wir bleiben neben dem Binenbach bis zum Kalfsee, dessen Abfluß er bildet. Am Nordufer des Gees fiegt Binenwalde. Bon der Abflußstelle aus dem Kaffee wen: den wir uns auf der Fahrstraße gen Südsüdwest zurück zum Tornow: see, wo der Kunsterspringbach in diesen See mündet. Wir bleiben auf dem Nordufer dieses Baches und wandern gen West zur Kunsterspringmühle. Bon dieser Mühle folgen wir der Chaussee durch die schöne Forst Ruppin nach Neuruppin zurüd. Weglänge etwa 40 Kilometer. Steht uns nur der Sonntag zur Verfügung, dan fahren wir mit dem Dampfer von Neuruppin nach Molchow, wodurch die Fußwanderung um 8 Kilometer gekürzt wird. Kienbaum- Kagel. Abseits vom Verfehr liegen die beiden Dörfer, in die uns die heutige Wanderung führt. Wir fahren von der Stadtbahn über Erfner( umsteigen) bis Fangschleuse. Eine furze Wanderung von der Bahn gen Nord bringt uns an die Lödnih, eins der schönften märkischen Waldfließe. Wir halten uns diesseits des Fließes und wandern am Rand von Wald und Wiese nach rechts. Der Weg 24] Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. ,, Aber die Spazzen zu füttern, wird man Ihnen nicht erlauben! Es st so was einfach zu umständlich. Man fann Ihnen doch nicht eine Leiter in die Belle bringen!" Wozu hab ich dann ein Gesuch geschrieben?" " Das ist Borschrift. Wenn Sie einen Wunsch haben, müffen Sie ihn schriftlich äußern. Aber erfüllt wird er Ihnen nicht." Der Doktor lächelte. Er war ein alter, beleibter Herr mit grauen Stoppeln auf Wangen und Doppeltinn. Er trug eine unmoderne, goldgeränderte Brille. lleberlassen Sie doch dem lieben Gott die Sorge um seine Vögel!" Ach, Herr Doktor!" sagte Andreas traurig. ,, Manche fagen: Ueberlaffen wir Gott die Sorge um diesen Menschen! Dann sorgt Gott nicht!" Der Doktor lächelte wieder:„ Es ist nicht gesund, ein Philosoph zu sein. Dazu reicht Ihre Kraft nicht. Man muß glauben, lieber Freund!" Der Doktor wußte bereits, daß er es mit einem Narren zu tun hatte; aber auch, daß dieser Narr ungefährlich war. Im übrigen hatte er noch im ganzen drei Wochen abzubüßen. Also beschloß er, Andreas sich selbst und feinen philosophischen Gedanken zu überlassen. Außerdem erwartete der Doktor heute seine Nichte. Er mußte zur Bahn und vorher noch einmal nach Hause. Und da er ein Menschenfreund war, reichte er Andreas die Hand. Spät am Tage, es mochte vor Anbruch der Dämmerung fein, fah Andreas, wie draußen der Himmel sich lichtete. Ein Stückchen strahlenden Blaus war fogar durch die schmutzige fleine Scheibe zu sehen. Und wieder lärmten die Spazen. Dann hörte er den leichten Trab eines Wägelchens, das regelmäßig jeden Tag hörbar wurde. Obwohl es erst Februar war, nahm er an, daß die Knospen an den Weiden und Kastanien schon ziemlich groß sein müßten. Er dachte an sie mit derselben Zärtlichkeit, die er für die Vögel übrig hatte. Er nahm fich vor, einen weiten Spaziergang zu unternehmen, wenn man ihn freiließe. In dieser Nacht schlief er spät ein. Er hatte Schmerzen im Knie. Der Wind wütete draußen und in den langen Gängen der Anstalt. Am nächsten Tage war wieder Inspektion. Der Direffor fagte, die Sache laufe gut. In zwei Wochen könnte sie erledigt sein. Andreas würde also eine Woche früher freifommen. Man würde ein neues Verfahren einleiten. Dann könne Andreas sich vor Gericht beschweren. Dann würde man ja bleibt in der Nähe der Löckniz, die sich durch saftige Waldwiesen da hinschlängelt. An Forsthaus Schmalenberg und an Klein- Wall vorüber führt die Wanderung; immer sind wir dem Fließ nahe. Der längste Teil des Lödnißlaufes liegt im Warschau- Berliner Urstromtal, in dessen Sandebere die Lödnig ihr flaches Bett gegraben hat. Mit meilenweiten Kiefernwäldern ist das große Tal bedeckt. Sie bilden mit der Löcknik und den übrigen zahlreichen Gewässern prächtige Wanderziele. Gut eine halbe Stunde von Klein- Wall entfernt fommen wir zum Großen Rabenwall, eine halbinselartige, ebenfalls bewaldete Nase des Ufers, die dicht an das Fließ heranragt. Nach einer halben Partie aus der Ruppiner Schweiz. Stunde, am Ende des Waldes, führt der Weg rechts ab zur Straße nach Kienbaum, der wir nach links in einiger Entfernung von der Lödnißniederung folgen. Bald haben wir Kienbaum erreicht, ein altes Dorf, das allerdings jeht in einem ziemlich neuen Ge wand erscheint. Es soll seiner Namen nach einer jahrhundertealten Kiefer, einer Stiene, haben, die einſt im Dorf stand. In früheren Jahrhunderten tamen in Kienbaum im August jeden Jahres die Beidler aus großen Teilen der Mark Brandenburg zu einer großen Bersammlung zusammen, in der alle die Imkerei betreffenden Angelegenheiten beraten und die Sigungen des Zeidelgerichts abgehalten wurden. Bon Kienbaum wandern wir gen Nord nach Liebenberg. Hier überschreiten wir die Löcknig, deren Quellbäche sich in der Wiesenniederung rechts vereinigen. Kurz vor der Liebenberger Mühle biegen wir links ab zum Liebenberger See, deffen User wir eine furze Strede, bis zum Ende des abgeholzten Waldstreifens, folgen. Dann wenden wir uns nach links zur Landstraße, die uns am Jagdschloß vorüber nach Kagel bringt. Hier war früher ein Feldkloster, dessen Mörche den Abbau des Rüdersdorfer Kalfsteins als erste betrieben. Auch Kurt Grottewiß, der Arbeiterwanderer und Naturfreund, besaß in Ragel ein Anwesen. Vom Nordende des Dorfes wenden wir uns westnordwestlich zum Garzauer Mühlenfließ, dem dritten Quellbach der das Unrecht einsehen und Andreas freisprechen. Er, der Er, der Direktor, wolle jedenfalls ein hervorragendes Zeugnis schreiben. So ein Zeugnis hätte er noch niemandem geschrieben. Und was die Fütterung der Spaßen anbelange, so sei dergleichen nicht üblich. Die Anstalt sei schließlich kein Tierfchutzverein. In diesem Augenblick entdeckte der Herr Direktor, daß der Kübel, in dem Andreas seine Bedürfnisse zu verrichten hatte, nicht neben dem Fenster, sondern in der Nähe der Bank stand, und weil der Herr Direktor die Ordnung fast genau so liebte wie die Menschlichkeit, sagte er streng: Ihre Pflichten aber dürfen Sie nicht vernachläffigen!" Und genau so, wie Willi, fügte er hinzu: Ordnung muß sein!" Er ging und hinter ihm flirrte der Säbel des Wärters. 16. Ein Tag war schöner als der andere. Man merkte es nicht nur im Hof, wenn man den vor: Schriftsmäßigen Spaziergang absolvierte. Man merkte es sogar im Hof weniger. Denn feine Luft war muffig und obwohl über seinen hohen Wänden der Himmel sich wölbte, schien es, als läge eine unsichtbare Decke über ihn gespannt. Nie fam die Sonne in diesen Hof. Deshalb war sein Pflaster immer feucht, als sonderte es Schweiß ab. Es war wie eine Krankheit der Pflastersteine. Uebrigens famen jeden Tag die Spazen in ganzen Massen vor das Zellenfenster, als wollten sie Andreas an sein Versprechen erinnern. Das tat ihm weh. Er fah hinauf und betrachtete schmerzlich die lärmenden kleinen Seelen. Er hielt stumme Ansprachen und sein Herz redete zu den Tieren, ohne daß sich seine Lippen bewegten. Meine fleinen, lieben Vögel, lange Jahrzehnte war ich euch fremd und ihr wart mir gleichgültig, wie der gelbe Pferdekot in der Straßenmitte, von dem ihr euch nährt Wohl hörte ich euch zwitschern, aber mir war es gleich, wie das Summen der Hummeln. Ich wußte nicht daß ihr Hunger haben könntet. Ich wußte kaum, daß Menschen, also meinesgleichen, Hunger haben fönnten. Ich wußte faum, was der Schmerz ist, obwohl ich im Krieg war und ein Bein verlor, aus dem Kniegelent fallen ließ. Ich war vielleicht fein Mensch. Oder ich war frant am schlafenden Herzen. Denn so etwas gibt es. Das Herz hält einen langen Schlaf, es tickt und tact, aber es ist sonst wie tot. Eigene Gedanken dachte mein armer Kopf nicht. Denn ich bin von der Natur nicht mit scharfer Einsicht gesegnet und mein fchwacher Verstand wurde betrogen von meinen Eltern, von der Schule, von meinen Lehrern, vom Herrn Feldwebel und vom Herrn Hauptmann und von den Zeitungen, die man mir | Sonnabend, 23. August 1924 Löcknih. Unmittelbar nach dem Ueberschreiten des Fließes folgen mir dem halbrechts abgehenden Fußsteig, der anfangs am Waldrand, dann durch den Wald auf den Biesenberg führt. Der Gipfel des Berges liegt 71,5 Meter über dem Meeresspiegel oder 25 Meter über feiner Umgebung; er wird von einem Bermessungsgerüst gekrönt. Ein prächtiger Rundblick auf das Industriegebiet von Rüdersdorf, Tasdorf, Hennickendorf und Herzfelde bietet sich von der Höhe des Berges, ebenso ouf das ausgedehnte Waldgebiet im Norden bis zum Marienberg südlich vor: Strausberg mit dem Aussichtsturm. Der Weg führt den Berg hinab zur Müncheberger Chaussee, der wir rach links zum Bahnhof Herzfelde folgen. Von hier Rückfahrt über Strausberg( umsteigen) nach Berlin.( Weglänge etwa 25 Kilometer.) Aus der Heilstätte Belzig. Unter den wirtschaftlichen Folgen des Krieges haben auch die Heil und Pflegeanstalten schwer zu leiden gehabt. Nicht wenige waren genötigt, wegen Mangel an Geld ihren Betrieb für längere Zeit einzustellen. Wo die Verhältnisse günstiger lagen, mußten mindestens die Leistungen sehr beträchtlich gekürzt werden. Wohl in feiner dieser Anstalten ist heute schon wieder der Zustand erreicht, der in der Zeit vor dem Kriege die Regel war und als Selbstverständlichfeit galt. Noch recht oft kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Bfleglingen, die sich über Anstaltsmängel beschweren, weil sie geradezu den Heilerfolg in Frage gestellt sehen. In der Lungenheilstätte Belzig haben die. Gegensätze zwischen der Verwaltung und den Pfleglingen zeitweise eine Schärfe angenommen, die man nur bedauern fann. Hier wird hauptsächlich geflagt, daß die Beköstigung sehr viel zu wünschen übrig läßt. Pfleglinge machen uns darüber recht unerfreuliche Mitteilungen. Die Kohl oder Bohnengerichte, die es zu Mittag bis zum Ueberdruß gibt, feien mit nur wenig Fleischbeilage gefocht und auch der Fettzusaz reiche nicht aus. Der Klecks Butter, der für die anderen Mahlzeiten zum Brot geliefert wird, sei zu gering, ebenso der Belag, wenn es welchen gibt. Milch gilt als wichtiges Nahrungsmittel für Lungenleidende, aber in Belzig erhalten die Pfleglinge, fagt man uns, täglich nur ½ Liter zu trinken. Im ganzen sei die Beföftigung nach Menge und Güte so unzulänglich, daß viele Insassen dieser Heilstätte gezwungen sind, sich aus eigenen Mitteln eine Zusatztost zu beschaffen. Nebenbei wollen wir übrigens erwähnen, daß ihnen gelegentlich die Morgen- oder Mittagssuppe, noch durch eine Beilage von Maden verefelt worden ist. Unterhandlungen einer Kommission der Pfleglinge mit der Verwaltung hatten einen Erfolg von nur furzer Dauer. Gegen eine außerhalb der Anstalt abgehaltene Bersammlung der Pfleglinge glaubte der Verwaltungsinspektor ein schreiten zu müssen. Als wegen dieser Versammlung ein Mitglied der Kommission entlassen werden sollte, griff faſt die Gesamtheit der Pfleglinge zu dem Ab mehrmittel des Hungerstreits. Die Entlaffung wurde dann nach wenigen Stunden zurückgenommen. Einen Pflegling, der seinen Verdruß über die Beköstigungsmängel in allzu träftiger Form geäußert hatte, wurde die Anstalt auf andere Weise los. Der Chefarzt untersuchte ihn und kam zu dem Ergebnis:„ Ihre Lunge ist gefund!" und hiermit hatte die Kur ihr Ende. hauptsächlich den Krankenkassen der AGG., der Osram- Gesellschaft, Die Heilstätte Belzig ist mit etwa 140 Pfleglingen belegt, die ( die früher ein Teil der Ortsfrankenkasse Niederbarnim nar) auge. des Siemens- Konzerns und der Ortskrankenkasse Berlin Norden III hören. Daß durch zweckmäßige Verpflegung der Kranken die Heilung gefördert wird, ist doch auch für die Kaffen wichtig. Was fagen die Verwaltungen der Kassen zu den Klagen über Belzig? Schämen sie sich der Reichsfarben? Bor dem Krieg wäre es gar nicht möglich gewesen, eine Aus. stellung oder einen Kongreß zu eröffnen und die Reichs- und Staatsbehörden dazu einzuladen, ohne im Festsaal und den Ausstellungsräumlichkeiten das Hoheitszeichen des Reiches zu zeigen. Die zur Vertretung der Behörden erschienenen Beamten wären vermutlich auch sofort mieder umgekehrt, wenn sie diese selbstverständliche Verbeugung vor Reich und Staat vermißt hätten. Auch in der gestern eröffneten Reklamemesse, deren Vertreter sich besonders eindringlich um das mohlwollende Entgegmentommen der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden bemühten, waren die Reichs. zu lesen gab. Kleine Vögel, seid nicht böse! Ich beugte mich den Gesezen meines Landes, weil ich glaubte, eine größere Vernunft, als die meinige, hätte sie ersonnen, und eine große Gerechtigkeit führte sie aus, im Namen des Herrn, der die Welt erschaffen. Ach! daß ich länger als vier Jahrzehnte leben mußte, um einzusehen, daß ich blind gewesen war im Lichte der Freiheit und daß ich erst sehen lernte in der Dunkelheit des Kerfers! Ich wollte euch füttern, aber man verbietet es mir. Weshalb? Weil noch niemals ein Häftling diesen Wunsch hatte. Ach! jene waren vielleicht jünger, beweglicher und flüger und sie dachten, wenn sie euch sahen, nicht an eure Nöte, sondern an ihre Freiheit, meine Vögel, und ich weiß schon, weshalb ich euch liebe. Ich weiß auch, weshalb ich euch nicht fannte, als ich selbst noch frei war. Denn damals war ich, obwohl einbeinig, dumm und ait, selbst wie ihr und ahnte nicht, daß tausend Gefängnisse auf mich warten, lauernd in den verschiedenen Teilen des Landes. Seht! ich möchte euch von meinem Brot geben, aber die Ordnung verbietet es. So nennen die Menschen den Kerker. Wißt ihr, was Ordnung ist, kleine Bögel? Die Nacht heftete sich an den Tag und zerrann wieder im fiegreichen Grau des Morgens. Andreas hörte auf, die Tage zu zählen. Jahre trennten ihn von seinm früheren Leben. Jahre trennien ihn von der kommenden Freiheit. Und, obwohl er sich nach ihr sehnte, tat es ihm doch wohl, zu glauben, daß er niemals feine Sehnsucht erfüllt sehen würde. tauchte in seinen Schmerz tief hinab und beweinte sich, wie einen teuren Toten. Er liebte seine Qualen wie treue Feinde. Er haßte seine verlebten Jahre wie verräteriſche Freunde. Eines Tages wurde er entlassen. Er Obwohl er dem Direktor der Anstalt bescheiden und demütig dankte und seine Hand in dessen dargebotene legte, fühlte er doch noch später stundenlang den Druck der mächtigen Direktorshand, wie eine feindliche Macht und wie den Willen des Staates und der Behörden, ihr Opfer nicht wieder freizulassen. Andreas faßte einen tiefen Argwohn gegen das Gefeß und seine Vertreter und schon begann er, sich vor dem neuen Verfahren zu fürchten. Hatte man ihn nicht zum ersten Mal ungerecht behandelt? Würde man ihn nicht noch einmal einsperren? Er wollte am liebsten fliehen. Die ganze Unermeßlichkeit der Welt war plöglich vor ihm aufgetan, er sah Amerika, Australien und die fremden Gestade der Erde, und als wäre seine neugewonnene Freiheit noch ein Kerter, so emp fand er das Land, in dem er lebte und in dem ihm Leid angetan war, als einen Gefängnishof, in dem er provisorisch frei spazieren durfte, um wieder in die Relle zurückzukehren. ( Fortfegung folgt.) farben Schwarz Rot Bolb nicht zu sehen. Wie wir erfahren, hat die Gauleitung des ReichsbundesSwarz Rot- Gold die Ausstellungsleitung noch vorher auf die Notwendigfeit, bei derartigen größeren Veranstaltungen die Reichsfarben zu zeigen, aufmertfam gemacht. Trotzdem ist es unterblieben. Es fcheint uns selbstverständlich, daß das neue Berliner Messeamt auch auf diesem Gebiet fünftig Wandel schafft. | find wahlberechtigt: Bezir! Mitte mit 1 Stimme, Bezir! Tier garten mit 1 Stimme, Bezirk Wedding mit 13 Stimmen, Bezirk Prenzlauer Berg mit 6 Stimmen, Bezirk Friedrichshain mit 4 Stimmen, Bezirk Kreuzberg mit 1 Stimme, Bezirk Wilmersdorf mit 1 Stimme, Bezirk Stegliz mit 1 Stimme, Bezirk Neukölln mit 6 Stimmen, Bezirk Treptow mit 1 Stimme, Bezirk Bankow mit 2 Stimmen, Bezirk Reinidendorf mit 2 Stimmen. Die Bezirfe Schöneberg, Lichtenberg, Charlottenburg haben ihre Kindertun. Zwecks eventueller Aenderung liegt die Wahlliste am Mittwoch, den 27. August, in der Zentralgeschäftsstelle, Lindenstraße 3, zur Einsicht aus. Schiedsspruch zwischen Krankenkassen und Aerzten. Bahl noch nicht angegeben und werden ersucht, dies umgehend zu Anerkennung der Ambulatorien. Nach dreitägigen Verhandlungen hat das amtliche Schiedsamt unter Borsiz des Oberpräsidenten Dr. Maier folgenden Spruch gefällt: Der Bertrag wird bis zum 31. Dezember 1925 abgeschlossen. Die Pauschalsumme wird auf 7,50 M. pro Kopf und Jahr festgesetzt. Die Ambulatorien werden anerkannt wegen ihrer großen Bebeutung für die Bolts gefund. heit, da hier den Familienangehörigen eine ausgiebige ärztliche Beratung sowie Behandlung zuteil wird. während des Kampfes den Kaffen zur Verfügung gestellt haben, Die Aerzte, die sich werden als Kaffenärzte anerkannt. Der Mantelver= trag wird mit der wirtschaftlichen Abteilung des Groß- Berliner Aerztebundes abgeschlossen, ohne daß der Kaffenpraris ausübende Arzt diefer Organisation angehören muß. Jeder Arzt fann Mitglied der Wirtschaftlichen Vereinigung oder des Berliner KassenärzteVereins sein. Ein Zwang, einer dieser beiden Organisationen. anzugehören, besteht jedoch nicht. Der Organisations: zmang bei der Wirtschaftlichen Abteilung( 2.) wird aufgehoben, denn der Antrag der WA., ihr die Behandlung der Kassenmitglieder aus= schließlich zu übertragen, wurde abgelehnt. „ Kaufleute". Wie Angestellte betrogen werden. In den Geschäftsbetrieb sogenannter Versandgeschäfte leuchtete eine Berhandlung vor dem Kaufmannsgericht. Zwei junge Leute, Geschäftsinhaber", hatten in ihrem Unternehmen den Bertrieb von allerlei Alfenide- und Bijouteriewaren durch sogenannte Stadtreisende bewerkstelligen lassen. Sie engagierten arbeitslose Angestellte mit einem Monatsfigum von 50 Mark und zahlten vom Umfaz 5 Proz. Provision. Den armen Schludern wurde die Tasche vollgepackt und dann durften sie für die Firmeninhaber" die Waren verkaufen. Einer von diesen Reisenden" erzählte auf dem Termin seine Leidensgeschichte. Bolle zwei Monate ist er von Haus zu Haus gelaufen, hat Werkstätten, Bureaus und Lokale mit seinem Krämchen besucht und während dieser Zeit einen Umsatz von ganzen 200 m. gehabt. Er hat während seiner Tätigkeit faum seinen Hunger stillen können; sein Gehalt", die be=" fagten 50 M., hat er sich vom Umfaz abgezogen. Den Herren Chefs war das nicht recht, hätte er es aber nicht getan, wäre seine Forde rung vor dem Kaufmannsgericht noch größer gewesen. Jetzt flagte wegen eines Restgehaltes von 126 M. Die Forderung wurde von dem Beklagten unter allerlei Ausflüchten bestritten, aber der Vorsigende stellte sich vollkommen auf die Seite des Klägers. Um schließ lich überhaupt Geld zum Leben zu erhalten, ermäßigte der Kläger feine Ansprüche auf Bureden des Vorsigenden auf 75 M.; der Herr Chef blieb aber bei seiner Weigerung, etwas zu zahlen und erPlärte schließlich seine Zahlungsunfähigkeit. Genau so erging es einem jungen Mädchen, das gegen Diefelben Geschäftsinhaber auf Zahlung ihres letzten Monatsgehaltes vom Juni flagte. Sie war als Kontoristin mit dem fürstlichen Einkommen von 60 M. angestellt gewesen. Die Klägerin erflärte unter Tränen, daß sie und ihre arbeitslose Mutter feinen Pfennig Geld im Haufe hätten, da es nicht möglich fei, auch nur die geringste Summe zu erhalten. Der Beklagte erkannte die Forderung voll an, fonnte aber von der Summe, zu deren Zahlung er verurteilt wurde, nicht einmal eine Abschlagszahlung von 20 M. leisten. Die Klägerin hat nun ihr sofort vollstrecbares Urteil in der Hand, sie wird aber bei einer etwaigen Pfändung wahrscheinlich noch die Kosten hinterher werfen fönnen. Wer die Inhaber dieser Firma" bei dem Termin betrachtete, tonnte sich in die seelische Verfassung der Arbeitslosen hineindenken, die folchen Elementen ihre Eristenz anvertrauen. Selber ohne Lust zur geregelten Tätigkeit, beuten fie die Arbeitstraft ihrer" Angestellten aus, um ihnen dann noch den färglichen Lohn vorzuenthalten. Der Zusammenstoß auf dem Potsdamer Bahnhof vor Gericht. Der folgenschwere Zusammenstoß, der sich, wie erinnerlich. zwischen einem Magdeburger Personenzug und einem Berliner Borortzug auf den Gleisen vor dem Potsdamer Bahnhof ereignete, mird nun am 6. September d. 3. seine gerichtliche Klarstellung finden. Wolf Krüger und den Lokomotivführer Sauer. Krüger ist der Leiter des Stellwerks P. D. D. und Eauer der Führer des von Magdeburg kommenden Zuges. Buständig für die Entscheidung ist das Schöffengericht Berlin- Schöneberg. Seitens des Gerichts sind 11 Zeugen und 3 Sachverständige geladen worden. Der Berteidiger hat noch für den Angetlagten Krüger einen Antrag gestellt, eine Reihe von Zeugen zu laben, die beweisen sollen, daß der Betrieb im Stellwert nicht von dem Leiter und dem Weichensteller allein geführt werden könnte, und ein geübter Telegraphist hätte mit tätig sein müssen, um einen geordneten Betrieb zu erhalten. Gegenüber den drei Sachver= ständigen der Staatsanwaltschaft, die Beamte der Eisenbahndirektion find, ist von der Berteidigung ein Eisenbahnfekretär in Borschlag gebracht worden. Die Verhandlung wird auch Gelegenheit geben, die in der Presse gegen den Beamtenabbau auf Sem Botsdamer Bahnhof gemachten Vorwürfe nachzuprüfen. Antlage ist erhoben worden gegen den Eisenbahnoberfekretär off Deutschnationale Niederlage in Nowawes. Septembermiete wie bisher 62 Prozent. Jugendveranstaltungen. Zum Ferienaufenthalt im Landheim am Quenzfee werben toch Anmeldu gen im Jugendheim Lindenstr. 3 entgegengenommen. Heute, Sonnabend, den 23. Auguft: Charlottenburg: Wanderung Rönigswusterhaufen- Genzig. Treffpunkt 7 Uhe Bhf. Charlottenburg. Friedenan: Fahrt Scharmügelfee- Ginsberg- BerberLindenberg. Treffpunkt 44 Uhr nachm. Ringbhf. Friedenau- Wilmersdorf. Steglig 1: Fahrt Quenzsce. Treffpunkt 27 Uhr Potsd. Bhf. Steglig II: Fahrt Hölzener See. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Steglig. Morgen, Sonntag, den 24. August: Friedenau: Fahrt durch die Heimat. Treffpunkt 10 Uhr vorm. Ringbhf. Friedenau- Wilmersdorf. Mariendorf: Fahrt Botsdam- Ferch. Treffpunkt 5 Uhr Kurfürsten, Ede Chauffeestraße. Tempelhof: Fahrt Grunewald Teufelsfee. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Tempelhof. Werbebezirk Moabit: Waldfest in der Jungfernheide. Festansprache, Rezis tationen, Reigentänze, Jugendspiel. Treffpunkt vorm. 9 Uhr und nachm 2 Uhr Bhf. Beusselstraße und Bhf. Putligstraße. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". " Das städtische Zentralamt für Wohnungswesen teilt mit: Der Minister für Boltswohlfahrt hat unter dem 16. August 1924 angeordnet, daß es für die Berechnung der gesetzlichen Miete für den Monat September bei seiner bisherigen Anordnung verbleibt. Die Vorträge, Vereine und Versammlungen. gesetzliche Miete beträgt daher wie im Vormonat ein Mieter auf Grund ausdrücklicher oder stillschweigender Ver62 vom Hundert der reinen Friedensmiete. Hat einbarung in seinen Mietsräumen die sogenannten Schönheitsreparaturen übernommen, so ist dieser Hundertsaz um 4 Proz. auf 58 Proz. zu kürzen. Neue Milchpreise. Im Bezirk der Stadt Berlin treten von Sonnabend, den 23. Auguft, ab neue Milchpreise in Kraft, und zwar tostet ein Liter Bollmilch ab Baden des Kleinhändlers 32 Pfennig, ab Berliner Ruhstall bei direkter Wbgabe an den Verbraucher 35 Pfennig und ein Liter Magermilch bei Abgabe an den Berbraucher 9 Pfennig. Berliner Wohnungsnotrecht, Der Minifter für Bollewohlfahrt hat mit Zustimmung des Reichsarbeitsministers den Magistrat ermächtigt, den ihm vorgelegten Entwurf zur Abänderung des bestehenden Groß- Berliner Wohnungsnotrechts bekanntzugeben. Die Veröffentlichung erfolgt in der am fommenden Sonntag erscheinenden Nummer des Gemeindeblattes. Sonderabbrude find in ber Geschäftsstelle des Gemeindeblattes, Rathaus, Zimmer 89b, erhältlich. Tempelhof ein eigenes Paßbureau. Das Polizeiamt 13 Tempelhof hat jezt die Ausfertigung von Bäffen für die in seinem Bereich wohnenden Berliner Bürger selbst eingerichtet. Für Ausländer bleibt die Paßstelle im Bolizeipräsidium Berlin am Alexanderplaz bestehen. Der franzöfifche Sichtvermert für Reichsdeutsche foftet in 3ufunft: 25 Goldfrant für ein Besuchsvifum, 31,25 Fr. für 3 Monate, 50 Fr. für 6 Monate, 75 Fr. für 1 Jahr. Deutschböhmens Cos. Wie die Narodni Politica" mitteilt' beabsichtigt die tschechische Regierung die Zahl der Gaue herabzufezen. Bei dieser Gelegenheit sollen die beiden beutiden Gaue von Karlsbad und Böhmisch- Reipa befeitigt und den tschechischen Verwaltungsgebieten angegliedert werden. Die Flottenhebung bei Scapa Flów. Nach einer Meldung aus London schreiten die Arbeiten zur hebung der deutschen Flotte bei Scapa Flow fort. 3wei Zerstörer fonnten an die Oberfläche gebracht werden. Die Firma, die mit den Hebungsarbeiten betraut ist, teilt mit, daß ein drittes Schiff im Berlaufe der kommenden Woche wieder flott" gemacht werden wird. Die Schlacht treuzerindenburg und„ Seyb lig" sollen während dieses Jahres vorläufig noch nicht gehoben werden. Opfer der Berge. Die feit einigen Tagen vermißten Touristen Garrwels aus Bremen und Dr. Schid aus Wien, die als Kurgäste in Pontresina meilten, sind in den Bergen er= froren aufgefunden worden. Der Führer Juon, der sie begleitete, wird vermißt. Die Weltflieger in Grönland. Reuter meldet aus Halifax: Die amerikanischen Beltflieger Smith und Nelson sind in Grönland eingetroffen. Die amerikanischen Flieger haben Grönland eingetroffen. Die amerikanischen Flieger haben die 800 Meilen lange Strecke Island- Grönland in einem Flug von 11 Stunden durchflogen. Die Flieger haben nunmehr noch die letzte Etappe Grönland- Bereinigte Staaten zurückzulegen. Deutsche in Venezuela ermordet. Nach einer Meldung aus Caracas wurden der deutsche Pflanzer Hammerstein, feine drei Kinder und die deutsche Lehrerin Retsdorf auf ihrer Siedlung bei Barcelona( Venezuela) am 26. Juli von Banditen überfallen und ermordet. Troz größter Schwierigkeiten ist es den lokalen Behörden gelungen, die drei Mörder festzunehmen. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Raifer- Wilhelm- Straße 46 IIL Kameradschaft Buchholz: Dienstag, den 25. Auguft, abends 8 Uhr, Bersammlung bei Roffact, Hauptstr. 72. Wirtschaft Wirtschaftliche Schäden der Ruhrbefehung. ist es gelungen, die wirtschaftliche Einheit mit dem Reiche wiederher. Durch den erfolgreichen Abschluß der Londoner Konferenz zustellen und die Aussicht zu schaffen, daß das Ruhrgebiet von dem schwersten Druck der französischen Besagung befreit wird. Was das für das Ruhrgebiet und das Reich be über der Bericht deutet, Die der Reichsregierung zeigt wirtschaftlichen Schäden, die durch die Regiever. waltung und durch die Pfänderpolitik des poincaristischen Frankreich den Ruhreisenbahnen und den beschlagnahmten Forsten zugefügt wurden. Als die Franzofen in die Ruhr einmarschierten, fanden sie ein weitverzweigtes, technisch hervorragend ausgebautes, templiziertes Eisenbahnnez vor, das mit Recht als das Herz der deutschen Reichsbahn bezeichnet wurde. Entfielen doch von den insgesamt 53 000 Kilometern Schienenlänge des Reichsbahnnetzes 12 Proz.( über 6000 Kilometer) auf die Bahren der besetzten Gebiele; das altbefeßte linksrheinische Gebiet umfaßte davon 5000 Rilometer oder 10 Proz. der Gesamtlänge. Die intensive Ausgestaltung der Betriebsanlagen und Berkehrsdichte des Rhein- Ruhrgebietes war eine ganz gewaltige Leistung: rund 16 Prog. aller zweigleisigen Strecken, rund 32 Proz. aller dreigleisigen und rund 22 Broz. aller viergleisigen Strecken gehörten zu den Rhein- Ruhrbahnen. Der Bes deutung der Anlagen entspricht der Bertehrsumfang des Gebietes; 30 Broz. der im gesamten Reichsbahngebiet benötigten Güter. wagen wurden im besetzten Gebiet gestellt. Fast die Hälfte, 49 Proz., der gesamten von der Reichsbahn beförderten Gütermengen stammten aus dem Gebiet oder liefen dorthin. 47 Proz. davon verblieben( im Verfand und Empfang) im Rhein- Ruhrgebiet, 53 Proz. waren Ein- oder Ausfuhr des Gebietes. Wenn man sich die Zahlen vor Augen hält, so bekommt man ein Bild davon, welche jahrelange, aufs feinste ausgearbeitete Organisation dazu gehörte, um ein derartiges Gemirr von Schienenfträngen und feinen starken Verkehr zu meistern. Man erhält auch einen Begriff davon, welche Verwirrungen von der französischen Regieverwaltung schon allein dadurch hervorgerufen wurden, daß sie das Uhrwerf mit plumper Hand zum Stillfstehen brachte. Genauere Aufschlüsse über die Wirkungen der Ruhrbeseßung können erst später die Untersuchungen der Reichseifenbahngesellschaft ergeben. Immerhin liegen doch schon heute zahlreiche Klagen über die Maßnahmen der Regie vor, die sich als Hemmungen der Produktion und des Verkehrs ausgewirkt haben und die zeigen, unter weldhem ungeheuren Drud und welchen organisatorischen Schikanen die Ruhrindustrie zu leiden hatte. hohe Eisenbahnfrachtsäge und den Handelsverkehr erHandelt es sich bei den Maßnahmen der Regie um ummäßig schwerende Tarife und Abgaben aller Art, also um eine starke Belastung der Industrie, die durch die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftshoheit von den drückenden Fesseln befreit wird, so find durch das Raubbausystem der Franzosen in den Forst en des Taunus und in den Wäldern der besetzten Teile der Pfalz wertvolle Baumbestände vernichtet worden, deren Berluste erst nach für Groß- Berlin Jahren sorgfamster Pflege wieder wettgemacht werden können. ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Heute, Sonnabend, den 23. Auguft: 25. Abt. Achtung, Bezirksführer! zum nächsten Mittwoch einladen zu den pier Zahlabendlokalen, da alle Räume zur üblichen Mitgliederversamm Tung befeht find. Morgen, Sonntag, den 24. August: 6. Abt. Ausflug nach Schulzendorf. Treffpunkt 8 Uhr früh Stettiner Borortbahn. Nachzügler Lobal Lindenhof am Bahnhof Schulzendorf. 7.25 Uhr Millionenbrüde. 27. Abt. Gemeinsamer Ausflug nach Buch, Waldrestaurant. Treffpunkt 39. und 48. Abt. Gemeinsamer Familienausflug nach Gadowa. Treffpunkt früh 8 Uhr Jannowigbrüde, 9 Uhr Bahnhof Sadowa. Für Nachzügler bis nachmittags 1 Uhr Restaurant Sanssouci, Raulsdorf- Sild. Große Ueberraschungen und Preisverteilung. Jungfozialisten. Alle Gruppen beteiligen fich an der gemeinsamen Treffahrt im Blumenthal. Treffpunkt von 1 Uhr an an der Nordfpige des Langen Gees bei Tiefenfee. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 10. Abt. Genoffe Albert Etätte, Steinbruder, Calvinstr. 4, ist verstorben. Einäscherung Sonnabend 5% Uhr Krematorium Gerichtstraße. 24. bt. Genosse Ernst Witte, Immanueltirchstr. 24, ist Montag verstorben und gestern bestattet worden. Nach franzöfifchen Angaben betrug im Jahre 1923 die Pro duktion in der belgischen Zone 170000 ubttmeter, davon 125 000 Kubikmeter Nuhholz; in der französischen Zone 900 000 Rubikmeter, davon 500 000 Rubifmeter Nuhholz. Jedoch sind diese Ziffern nach dem Urteil der preußischen Forstverwaltung viel zu niedrig gegriffen, denn sie erklärt, daß die französische Forstver waltung ungefähr dreimal soviel holz aus den Forften herausgeholt hat, als dies unter ihrer Leitung der Fall gewesen ist. Durch dieses Vorgehen der Besatzung ist die deutsche Holzindustrie schwer geschädigt worden, denn in den nächsten Jahren kann der Holzbedarf aus den Waldbeständen der besetzten Gebiete nicht mehr mitgedeckt werden. Eine ungefähre Schäzung der Schäden hat ergeben, daß rund eine Million Fest. meter Holz allein aus den preußischen Staatsforsten des Rheinund Ruhrgebietes genommen worden sind. Dies sind in furzen Zügen die schon jetzt einigermaßen zu überfehenden wirtschaftlichen Schäden, die die Ruhrbefeßung direkt nach fich gezogen haben, abgesehen von den Störungen und Krisen, die Deutschland durch den Ruhreinfall erschütterten und abgesehen von der Not und den Leiden, denen die Ruhrbevölkerung ausgesetzt war. In der letzten Gemeindevertretersizung in Nowawes hatte die Deutichnationale Voltspartei drei Anträge eingebracht und damit die Niederlage erlitten. Die Deutschnationalen sind seinerzeit Hepp- hepp Hurra! in den Gemeindewahlkampf gezogen, um die fommunalen Einrichtungen zu beseitigen, und von da ab haben sie nichts unversucht gelassen, um sich durchzufezen. In der letzten Gemeindevertretersizung stand nun ein Antrag der Deutic nationalen gegen die Stadtwerbung von Nowawe& zur Beratung. Der deutschnationale Redner, Studienrat Richter, hatte eine belangloſe, nichtssagende Be land. Im Norben noch vielfach leichte Regenschauer, im Süben größten tragen zu lassen und dabei festzustellen, ob auch nach deren Ansicht gründung für den Antrag der Deutschnationalen gegeben, und dem sozialdemokratischen Redner Gen. Fleischmann war es ein Leichtes, den Deutschnationalen abzufertigen. Selbst von dem demokratischen Gemeindeverordneten Ruß mußte sich der deutschnationale Rebner sagen lassen, daß er für die Stadt werdung Nowawes jei, auf die Gefahr hin, daß bei einer Neu wahl zur Stadtverordnetenversammlung eventuell die Arbeiterbertreter die Mehrheit bekommen sollten. Deshalb ftimme auch er gegen den Antrag der Deutschnationalen. So wurde der Antrag mit 16 gegen 26 Stimmen abgelehnt, und es bleibt bei dem früher gefaßten Beschluß. Hoffentlich wird nun die Regierung bald die Bestätigung erteilen. Einen weiterer Antrag der Deutschnationalen auf Aufhebung des tommunalen Schuhgeschäfte zogen die Herrschaften selber wieder zurüd. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Nach Beschlüssen der Reichstonferenz in Leipzig findet am 3 September eine Umbildung des Borstandes statt. Gewählt werden neben Bertretern einzelner sozialistischer Organisatio nen 8 Bertrter aus dem Helferkreis der Kinderfreunde. Auf je 30 Rinder bes Bezirks fällt eine wahlberechtigte Stimme. Demnach Wetter für Berlin und Umgegend. Zeitweise aufflarend, aber noch un beständig, in den Tagesstunden etwas wärmer bei mäßigen füdwestlichen Winden. Einzelne leichte Regenschaner nicht ausgeschlossen. Für Deutschteils troden. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 23. August. " Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm Naohm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Sanitätsrats Dr. Taendler, orthopädischer Schularzt für Charlottenburg: Was können wir gegen die Verkrüppelung unserer Kinder tun?" 8.10 Uhr abends: Vortrag des Herrn Oberingenieurs H. J. Gramatzky, Mitglied der Astronomischen Gesellschaft, ordentliches Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft:„ Der Mars in Opposition und Erdnähe". 9-10 Uhr abends: Aus Margarete". Oper von Gounod, II. Akt. Margarete: Marie Flocke- Hagemann. Marthe: Kammersängerin Frida Langendorff. Faust: Kammersänger Paul Kittel. Mephisto: Erik Schubert. Siebel: Charlotte Freyer. Am Flügel: Dr. Felix Günther. Anschließend: Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 10.15-11.30 Uhr abends: Tanzmusik, Sollten diese Tatsachen nicht schon allein genügen, um die Rechtsradikalen und Nationalisten davon zu überzeugen, daß der Londoner Baft wirklich eine Befreiungstat bedeutet? Sonst wäre ihnen zu raten, sich die Meinung der rechtsgerichteten Ruhrindustriellen vordas Sachverständigengutachten und die Beschlüsse der Londoner Ronferenz unannehmbar sind. Reichsinder für die Lebenshaltung. Die Reichsinderziffer für die Lebendshaltungsfosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des teichsamtes für Mittwoch, 20. August, auf das 1.14 billionenache der Vortriegszeit. Sie ist gegenüber der Vorwoche unberändert. Treibereien gegen die Rentenmart. Die Deutsche Renten. bant teilt mit: Es mehren sich die Anzeichen, daß Gerüchte über eine angeblich in Aussicht stehende Entwertung der Rentenmart verbreitet werden. Diefelben sind anscheinend aus unlauterem Grunde in Umlauf gesetzt zu dem 3wede, die Abstoßung bisher zurückgehaltener Waren zu ermöglichen. Die Bevölkerung foll veranlaßt werden, ihre Sparpfennige herauszu geben und fie in Waren anzulegen. Alle derartigen Ausstreuungen find völlig haltlos und entbehren jeglicher Grundlage. Die Unnahme des Sachverständigenautachtens hat für die Rentenmart feinerlei Wertminderung im Gefolge. Sie wird auch danach noch eine Reihe von Jahren als vollgültiges Zahlungsmittel im Umlauf Schacht über das Bankgeseh. Beratungen im Auswärtigen Ausschuß. Im Auswärtigen Ausschuß wurde die Ausfprache| sei. Infolgedessen seien in dem Rentenbankliquidationsgesetz die über das Londoner Protokoll fortgesetzt. Abg. Dr. Reichert( Dnat.) wies auf die Gefahr hin, die der Rüdimport der deutschen Sachlieferungen für die deutsche In dustrie bilde. Das Verbot des Rüdimports, das allerdings auf dem Papier stehe, biete feinerlei Schuh. So werde wahrscheinlich durch die deutschen Sachlieferungen eine Schleudertontur. renz für die eigenen deutschen Fabritate entstehen. Wir unterstüßen also selbst die Möglichkeit des Dumpings. Diese furchtbaren Gefahren gehen aber nicht nur auf Deutschland zurüd, sondern barunter werde auch die englische und amerikanische Induftrie zu leiden haben. Reichsfinanzminister Dr. Luther erwiderte, daß man die Bemilligung von Sachlieferungen nicht hätte vermeiden tönnen, wenn man auf Grund des Sachverständigengutachtens überhaupt ein Abtommen treffen wollte. Ein Dumping bei etwaigem Rüderport von Kohle täme aus allgemeinen wirtschaftlichen Gründen fast gar nicht, jedenfalls nur in geringem Maße in Betracht. Größer wäre die Gefahr des Rüderports bei Farbstoffen und Pharmazeutita. Deshalb habe sich auch die deutsche Delegation bis zum äußersten gesträubt, in die Liste der Sachlieferungen auch Farbstoffe und pharmazeutische Präparate aufzunehmen. Angesichts der ge schloffenen Front der Bertragsgegner und nachdem sich bereits der Abschluß der diesbezüglichen Verhandlungen in London durch den deutschen Widerstand erheblich verzögert habe, mußte die deutsche Delegation schließlich einwilligen, hat aber dabei erreicht, daß sie nur bis zum 15. August 1928 gefordert werden können. Abg. Dr. Rosenberg( Komm.) fragte, ob in London mit Rennt nis der Reichsregierung geheime Abmachungen zwischen deutschen und ausländischen Industriegruppen getroffen worden seien. Reichsfinanzminister Dr. Luther erklärte mit erhobener Stimme, ein für allemal, daß in teiner Weise geheime Ab machungen getroffen worden feien. Abg. Dr. Schneider( D. Vp.) wünschte Sicherheit darüber, daß England die 26 Broz Exportbelastung vertragsmäßig erst bei Infrafttreten des Gutachtens erhebt, also erst dann, wenn der deutsche Exporteur den Betrag von Reparationsfonto in Gold fo fort erstattet bekommt. Im Interesse der deutschen Ausfuhr nach England fei die Regelung durch Annahme der Londoner Beschlüsse notwendig. Es sei auch in dieser Hinsicht nicht zu verantworten, daß Abg. Dr. Reichert die Beschlüsse zu Fall bringen wolle, benn dann würde niemand dem Exporteur die 26 Proz. vergüten, und der Export nach England wäre erledigt Abg. Graf Cerchenfeld( Bayr. Bp.) betrachtet die Einrichtung der Schiedsgerichte, wie sie im Londoner Protokoll getroffen worden find, als einen Vorteil gegenüber dem bisherigen Zustande, der durch die einseitigen Entscheidungen der Reparationsfommission gekennzeichnet fei. Im weiteren Verlauf der Sigung machte Reichsbankpräsident Dr. Schacht Vorkehrungen getroffen worden, daß die notwendige Organisation für eine solche landwirtschaftliche Kreditgewährung geschaffen merden tann. Das Münzgefeß bedürfe feiner näheren Erläuterung. Es sieht die Ausprägung von Hartgeldmünzen wieder vor. Wahrscheinlich werde sich diese Ausprägung für absehbare Zeit auf die Scheidemünze beschränken; zu Goldprägungen in größerem Umfange merden wir jedenfalls im Laufe der nächsten Jahre nicht tommen. Alsdann beantwortete der Reichsbankpräsident Dr. Schacht fomie Reichswirtschaftsminister Ramm verschiedene Fragen von Abgeordneten, die sich auf spezielle Punkte der betreffenden Gefeße, beziehen. Gegenüber einer Anfrage des Abg. Dr. Quaah( Dnat.) erklärte Reichsbantpräsident Dr. Schacht: Ich möchte mich auf das Nachdrücklichste gegen die Darstellung verwahren, als ob es sich darum handelt, die Reichsbant aus deuticher Hand in ausländische Hand zu überführen. Das ist eine Darftellung, die den effektiven Tatsachen vollständig ins Gesicht schlägt. Es handelt sich darum, daß von den dreihundert Millionen Attien, die alles in allem ausgegeben werden, schlimm. ften falls fünfundfünfzig Millionen dem Ausland anzubieten find. Aber auch noch auf diesen Anteil im Auslande tann von Deutschen so viel gezeichnet werden, wie sie es im Inter esse des Deutschen Reiches für angebracht halten. Es befinden sich neunzig Millionen Aktien in deutscher Hand. Das ist das alte Rapital der Reichsbant. Die hundert Millionen Golddiskontbantanteile, die sich in deutscher Hand befinden, werden in Reichsbantanteile umgewandelt. Das sind zusammen einhundertundneunzig Millionen. Von den einhundertundzehn Millionen, die übrig bleiben, werden fünfundfünfzig Millionen in Deutschland untergebracht, so daß wir von den dreihundert Millionen zweihundertfünfundoierzig Millionen in deutscher Hand haben. Es ist also absolut unrichtig, zu behaupten, die Deutsche Reichsbank werde in ausländische Hände übergeführt. Im übrigen möchte ich noch folgendes hinzufügen: Darauf, welche Bewertung das alte Kapital der Reichsbant in Attien ausgedrückt nominal hat, tommt es zwar fehr viel an; es fommt aber auch darauf sehr viel an, zu welchem Kurs die fünfundfünfzig Millionen Aktien, die das Ausland zeichnen fell, angeboten werden. Wenn heute der innere Wert der alten Reichsbanfanteile in der Zusammenlegung von 2: 1 umgerechnet bereits auf etwa 84 Proz. bemessen wird, so scheint mir, daß die Börse, die doch für die Bewertungsgrundfäße eine sehr feine Nase hat, nicht der Ansicht ist, daß der innere Wert der Reichsbank sehr viel höher sei. Sonst würde nicht nur das Inland, sondern vielleicht auch das Ausland den Kurs dieser Anteile etwas höher hinauffezen. Abg. Dr. Schneider( D. Bpt.) fragte barauf den Reichsbant. präsidenten, wie die Kreditmöglichkeiten für die deutsche Wirtschaft im Falle eines Scheitern des Londoner Batts sein würden. Reichsbantpräsident Dr. Schacht: Die Reichsbant ist, ganz einerlei, was fommt, entschlossen, die Währung als solche zu halten. Sie wissen aus den Ereignissen der letzten Monate, daß dieses Halten der Währung nur möglich ist durch eine Ein. Der Vorderfuß- Schmerz Die häufigste Schmerzftelle, ge wöhnlich von einer Schwiele bedeckt. Bei ber Morton'schen Neuralgie geht der Schmerz Don den zwischen den Mittelfußtnochen liegenden Nerven aus. Die Preymetle Patented T Das anatomische Lufttiffen der Bneumette, Type Längs quer mit feiner Bormölbung, welches die Mittelfußtnochen stügt und so ein Quergewölbe erzeugt, wie auf der linken Abbildung ange deutet. ie qualvollste Form des Vorderfuß Schmerzes ift die sog. Mortonsche Neuralgie, schneidende, trampfartige Schmerzen, welche das Gehen zeitweilig überhaupt unmöglich machen. Häufiger sind die Beschwerden auf der am linken Bild bezeichneten Stelle, welche gewöhnlich mit einer Schwiele bedeckt ist und welche bei jedem Schritt empfindliche Schmerzen bereitet. Die Vorderfußz- Schmerzen sind eine Folge- Erscheinung des Sentfußzes, welcher eine Haltlosigkeit des Vorderfußes erzeugt, wodurch unnatürliche Druckbelastungen entstehen. Aber nicht nur die Abflachung, sondern auch die allzu hohe Aufwölbung des Fußes- insbesondere durch hochstödelige Schuhe erworben erzeugt die genannten Schmerzen infolge der Ueberlastung des Vorderfußes. ie Abhilfe dagegen besteht in der Stützung des Borderfußzes, wodurch die natürliche bogenförmige Anordnung der Mittelfußknochen wieder hergestellt und die schmerzende Stelle entlastet wird. lungen, die in den früheren Stadien der Verhandlungen im Aus- fchränkung des Zahlungsmittelumlaufs, der gleich Zu diesem Zwecke bedient man sich der folgende Ausführungen: Gegenüber den Erklärungen und Mittei wärtigen Ausschuß gegeben worden feien, wäre im wesentlichen nichts geändert worden. Im Bankgeset tönnte eine einzige Veränderung von Interesse sein, daß nämlich die Golddedung, die ursprünglich für die Depofiten, also für die Girokonten der Reichsbant vorgesehen war, weggefallen sei, und daß an Stelle dessen die Golddeckung für den Notenumlauf auf normal 40 Proz erhöht worden sei. Die alte Möglichkeit, unter diese Deckung herunterzugehen, fei aber auch in diesem Falle geblieben, lediglich verbunden mit einer Notensteuer, so daß wir auch auf die alte Deckung von 33% Proz. heruntergehen könnten. Im übrigen aber sei das Bankgesetz im wesentlichen so geblieben, wie es in den früheren Beratungen vorgelegen habe. Bezüglich des Rentenbankgefehes fägen die Dinge so, daß nach normalem Berlauf mit einer Liquidierung der Rentenbankscheine in etwa fieben Jahren gerechnet werden fönne. Hier seien Abmachungen zwischen der Rentenbant und der Reichsbant besprochen worden und zum Abschluß getom men, die darauf hinzielen, daß wir etwa in den ersten drei Jahren siebenhundert bis achthundert Millionen Rentenbant fcheine aus dem Verkehr ziehen fönnen, und daß der Rest in weiteren brei bis vier Jahren zurüdgeschraubt sein werde. Die Frage, was aus den bisher angesammelten Mitteln der Rentenbank und aus der fünftigen Beffeuerung des Grundbesitzes auf Grundlage der Rentenbontgefehgebung weiter wird, sei in dem vorliegenden Gesetz offengelaffen worden, so daß es dem Reichstag unbenommen bleibe, hier eine Regelung zu treffen, die den allgemeinen wirtschaftlichen Ansprüchen genügt. Der Reichsbantpräsident hob hierbei hervor, daß das Organisationsfomitee fich bei dieser Frage auf den Stand punkt gestellt habe, daß es sich in das Problem der landwirt fchaftlichen Kredigewährung, das ja für unsere ganze Wirtschaft von größter Bedeutung ist, nicht einzumischen habe, es habe aber anerkannt, daß eine solche Kreditgewährung an die Landwirtschaft wünschenswert und erforderlich bleiben und erst nach und nach durch die neue Währung der Goldnotenbank im vollen Werte abgelöst werden, wobei eine Rentenmart gleich einer neuen Reichsmart gift. Eine Milliarde Goldmart Spareinlagen. Der Einlagebestand der deutschen Sparkassen hat nach der Stabilisierung die erste Milliarde Gold wieder erreicht. Das ist im Verhältnis zum Vorfriegsstand, wo man die Einlagen bei den Sparkaffen auf rund 20 Milliarden bezifferte, noch wenig, aber bereits wesentlich mehr als am Ende der Inflation; damals war das Sparkapital gänzli zerstört. Cohn- und Gehaltsfürzungen aber Betriebsüberschüffe! Die Einnahmen der Schweizer Bundesbahnen bis Juli 1924 weisen gegenüber den Unkosten einen Ueberfuß Man glaubt, bis zum von 14 Millionen Frank auf. 31. Dezember 1924 mit einem Reingewinn von 20 Millionen Frant rechnen zu können. Dieser Erfolg nach den dauernden Defigits der legten Jahre erklärt sich aus der neuen Umstellung der Eisenbahnen auf rein taufmännische Grundlage, wie aus bem außerordentlich starken Verkehr der lepten Monate. Allerdings find gleichzeitig die Gehälter und Löhne der Schweizer Eisenbahner durch ein Dekret des Bundesrats erheblich gefürat Unsere Parteipreffe in der Schweiz hat deshalb eine worden. heftige Pressekampagne eröffnet. Sfinnes verkleinert seinen Konzern. Die Firma Stinnes hat ihre Beteiligung an der Alpinen Montangesellschaft in Deutsch öfterreich gelöst. Ihr Attienpatet ist in den Befiz des Wiener Industriellen Castiglioni übergegangen. Rüdgang der deutschen Auswanderung. Nach der starten Auswanderung im vergangenen Jahre ist in diesem Jahre ein wesentlicher Rüdgang zu verzeichnen. Im Juli 1924 wanderten über Hamburg nach Uebersee insgesamt 2229 Menschen aus, dabon 1887 Deutiche. Diese Bahl ist ganz erheblich niedrig gegenüber bem gleichen Monat des Vorjahres. Jm Juli 1923 gingen 10 131( 5005 Deutsche) Personen über Hamburg ins Aus ins Aus. land. Diefer starte Rüdgang der Auswanderung ist umso be merlenswerter, als am 1. Juli diefes Jahres die Jahresquote ber nach dem neuen Einwanderungsgesez von den Vereinigten Staaten von Amerika zuzulaffenden Einwanderer in Wirksamteit ge treten ist. bedeutend ist mit einer Einschränkung der Kreditgemäh rung. Es ist ganz selbstverständlich, daß, wenn die Londoner Dinge scheitern, die Reichsbank dann in verstärktem Maße zu diesen Mitteln zurüdfommen muß, wenn fie die Mart auf Parität halten will, wozu wir absolut entschlossen sind. Eine Inflation irgendwelcher Art wird von uns einstimmig mit größter Entschiedenheit abgelehnt. Die Situation beim Scheitern des Londoner Pafts wird sich zwar wahrscheinlich zunächst in der Richtung auswirken, daß eine ganze Reihe von Krediten, die in der letzten Zeit aus dem Ausland an die deutsche Wirtschaft gegangen find, zurückgezogen werden, und es wird dann Aufgabe der Reichsbant sein, zu sehen, wie sie an die Stelle dieser Kredite treten fann. Sie wird in noch höherem Grade als bisher aussondern müssen, und sie wird insbesondere felbstverständlich auch das laufende Wechselportefeuille hinsicht lich Prolongationen sehr viel nachdrüdlicher durchfehen müffen, als es vielleicht jetzt in der Hoffnung auf die Londoner Lösung geschehen ist. Wir werden darauf bestehen müssen, daß alle Wechsel, die fällig werden, auch bei Fälligkeit gezahlt und nicht prolongiert werden. Das wird in allererster Linie felbstverständlich auf das landwirtschaftliche Portefeuille der Reichsbant zutreffen. Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß mit dem Scheitern des Londoner Paftes und mit dem Scheitern des Bankgefeges felbstverständlich auch die Umwandlung der Rentenbank fcheitert. Die Rentenbank wird die ihr zugedachte Aufgabe der Kreditgewährung an die Landwirtschaft selbstverständlich nicht aufnehmen fönnen, wenn sie nicht auf der anderen Seite durch die Reichsbant entlastet wird. Das tann naturgemäß nicht der Fall sein, wenn der Londoner Patt scheitert. Ich muß Ihnen also offen gestehen, daß ich die Frage des Herrn Abg. Dr. Schneider nur bahin beantworten fann, daß, wenn der Londoner Batt nicht zustande tommt, ich für die Kreditbeschaffung und Rapitalbeschaffung der deutschen Wirtschaft schwarz fehe. Briefkasten der Redaktion. 28. R. 01. Die Schokoladenfabrik Andre Maurion( sprich mohfiong) befindet fich in Saalfelb in Thüringen; jedenfalls ist der Begründer ein Franzose oder Belschschweizer. Näheres können Sie nur beim Handelsregister des Amtsgerichts Gaalfeld erfahren. Weizen- Auszugmehl 44,00-47,50 30,00-32,00 40,00-45,00 Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Zentner frei Haus Berlin. 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Turn- und Sportverein Fichte". Mittwoch, den 3. Geptember, Vereinsverfammlung im Gewerkschaftshaus, Großer Gaal. Anfang 7 Uhr. Montag, den 8. Geptember, Sigung sämtlicher Turnwarte des Vereins im Saal 1. Finfeaming Knaben- Stiefel la Spiegelbox, kräftige Sohle, vorzüg liches Material ..... Gr. 36-39 Knaben- Stiefel prima Rindbox, rationelle Form, auf Rand weiss gedoppelf, solideste Verarbeitung..... .Gr. 36-39 Backfisch- Stiefel, la echt Boxcalf, halbhoher Absatz, feine Ausführung........ .Gr. 36-39 Rose- Theater 8 Uhr: Komtesse Guckerl Gartenbühne 71/2: Glücksschulze WINTO BRIEN Winstons tauch. Seelöwen und tauchende Nymphen größte 90 der 790 die Sensation des Varietés Dazu: einzig dastehende August- Spielplan! Sonntag, 24. Ang.: Anfang 7 Uhr. Rinderfeiter! Die nächste Summer Jung- Fichte erscheint am 15. September als Schulentlassungsnummer. Anschrift bis 5. Geptember an A. Surtig, 60. 33, Gtaliger Str. 59a. Jede Abteilung muß diesmal dabei fein. 2. 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