Ur. 85. Erscheint täglich auler Montag?. Preis pränunierando: Bierlel- tährlich s.so Marl, inonallich t.io Mt., wöchentlich ss Pfg. frei tn'S Haus. Einzelne Nu>n»icr e Pfg. Sonntags- Nummer>ni» illuflr. Sonntags-Betlage„Neue Well"ioPfg. Post-Abonnement: Z.ZoMl. proQuartal. Unier kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mt.. für das übrige Ausland zMl.pr.Monai. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste lür 1895 unter Nr. 712». 12. Jahrg. slnserllons-Sebühr beträgt für die sünsgespaliene Petitzeile oder deren Namn 40 Pfg., für Vereins- und Versaimnlnngs- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedilio» ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Fesitagen biS 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. tselegramm- Adresse: «Kosinldematirat Kerlin." Verliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ztedtliition: 8V. lg. ZZeutb-Straße 2. Spedition: SW. 19, ZZeuth-Straße 3. Der Bankrott der bürgerlichen Parteien. Die Heit ist unendlich ernst, nicht so sehr, weil die Sozinldemokratie anfwärts, sondern weil es mit uns rnpide abwärts geht.(S. 38.) Ten Baulrott der nichtsozialdemokratischen Parteien loustatirt in einer eben erschienenen Schrift*) der GeHeini- rath C. v. Massow, dessen Buch„Reform oder Revolution" vor wenigen Monaten nicht ohne Recht Aufsehen gemacht hat. Es ist nicht erstaunlich, daß die Organe der Parteien. deren Bild in dem Spiegel der Massow'schen Schrift recht wenig vortheilhaft erscheint, für die Verbreitung der An- sichten des Verfassers wenig thun. Desto größer ist unser Vergnügen, mit dem, was Geheimrath Massow sagt, trotz des ingrimnligcn Hasses, mit dem er unserer Partei ent- gcgentritt, weitere Kreise zum thcil bekannt zu machen. Wir werden bemüht sein, die Auslassungen des Verfassers möglichst allein wirken zu lassen und uns ans möglichst wenige Worte beschränken. „Das politische Parlcileben in Deutschland ist erstorben oder e? schiäst einen Schlaf, aus dem es nur alle süuf Jahre bei den Wahlen auswacht. Die wenigen Distrikte, welche eine Ausnahme machen, bestätigen nur die Regel, welche, abgesehen von den Sozialdemokraten, für alle Parteien gilt. Eigentlich kann man kaum sagen, daß wir organistrle Parteien haben, und was wir Parteileitung nennen, ist vielfach Leitung ohne Partei, ein Geucrat stab ohne Truppe.(S. 13 s.) „Gelegentlich aufgebotene Milizen"(die bürgerlichen Parteien) „können einer regelmäßig geschulten Truppe"(der Sozialdemokratie) „gegenüber nichts ausrichten".(S. 22.) „Tie anderen"(nichtsozialdemokratischen)„Parteien haben als solche fast gar keine Bedeutung. Und warum, weil sie nicht organisirt sind, weil die Führer keine Armee hinter sich haben." (S. 35.) „Wir gleichen der Besatzung einer belagerten Festung, die dem Feinde gegenüber unthätig verharrt. Es fehlt uns die Aktion und mit der Aktion das belebende Element, welches in ihr liegt." „Warum rafft sich, wenn die Regierung es nicht thut, der Reichstag nicht zu einer solchen Aktion auf? Weil den meisten Abgeordneten die Kenntniß der sozialen Verhältnisse fehlt, weil die Führer im bureaukratischen Geschäftsbetriebe überlastet und überarbeitet sind, vor allem aber, weil sie das Programm ersi selbst entwerfen sollen, weil es nicht von den Parteien längst entworfen, durchgearbeitet, berathen und beschlossen ist. Und warum wieder ist das nicht geschehen? Weil keine Partei mangels einer wirklichen Organisation dazu im stände ist. Der Volks- Vertreter soll der Mandatar des Volkes zum min- desten der Partei sein, die ihn gewählt hat. Sache des Mandatars ist es, den Prozeß formell richtig zu *) Die Reform unseres politischen Parteilebeus. Mit einem Nachwort: Deutsches Parlament, deutsche Nation und Vismarel's 80. Geburtstag.(Fortsetzung von„Reform oder Revolution", Berlin I8S5. Verlag von Otto Lieb mann.(US. Großoktav. Preis 1 M.) JantUIeUn!. lNachdrua verbole». I 14 ZU Tode geheizt: Eine Erzählung nach dem Leben von Franz Held. Wie sie neben Annchen im rollenden Wagen saß, stützte sie den Kops in die Hände und schluchzte laut in ihren Cchooß. Annchen streichelte nur lcis ihre Backen, fand aber kein Wort des Trostes. Ihr selbst war ja so schrecklich zu Muth. Sie kamen am Hof von Karl Neumann's Eltern vorbei— fwo sie selbst einmal als Gntsherrin zu schalten gehofft hatte. Nil»— wo sie keine Mitgift bekam— was sollte nun aus ihrer Heiralh werden?! Aber das versprach sie sich: wenn die schlechte Welt auch zwischen sie trat— sie würde ihren Karl doch lieben— bis in den Tod! Und er dächte gewiß gerade so. Schlvartz kam ins Untersuchung?- Gefängniß nach Allenfeld. In den ersten Tagen war sein Kopf ganz wüst. Er konnte sich die Geschichte gar nicht zurecht legen. Weshalb saß er denn nur eigentlich in dieser kahlen Zelle? Weshalb schloß der Gesängnißdiener jedesmal beim Herausgehen sorglich seine Thür ab, nachdem er ihm die Suppe gebracht halte? War er denn ein wildes Thier, das ausbrechen wollte, um den Menschen Schaden zu thun? War nicht um- gekehrt ihm von den Menschen alles zerstört und entrissen worden? Er war gewiß friedliebend gewesen, hatte an nichts gedacht, als an seinen Beruf und seine Familie. Ihn hatten wilde Thiere in Menschengestalt heimtückisch an- gefallen und wie Schlangen in die Fersen gestochen, bis es nun so weit mit ihm war! führen, aber den Inhalt des Rechtes, welches er zu vertreten Hai, zu bestimmen, ist nicht seine Sache. Weiß das Volk nicht, was es will, so kann es auch von seinen Vertretern dieses Wissen nicht verlangen."(S. 40.) ..... Aber der freie Mann in Schlafrock und Pantoffeln, am Ofen und am Skattisch, der noch dazu bei jeder Gelegenheit angstmeierisch nach Roß und öieisigen schreit, wird niemals den Thron retten, und mit einer platonischen Liebe ist dem Vater- lande nicht gedient. Ein politisch freies Volk muß auch politisch aktiv sein. Thut jeder beute auf seinem Platze seine Schuldig- keit, so können wir der Zukunft ihre Bahnen vorschreiben; ein jeder aber, der die Mitarbeit versagt, der mache sich's klar, daß er dereinst die Mitschuld daran trägt, wenn die kurze Frist, die wir noch vor uns habe», verstrichen ist, und wenn dann ihm wie uns das grause Wort gilt:„Zu spät!""*♦)(S. 51 f.) „Es giebt Dinge, die weit schlimmer sind als alle Be- strebnngen des Umsturzes und alle Umsturzvorlagen zusammen. Gefährlicher als der tapferste Feind ist die Desorganisation in den eigenen Reihen. Sie lähmt den Mulh und mit dem Muth ist alles verloren."(S.(50.) Wir reihen hieran gleich das, was Massow in diesem Zusammenhange zur Benrthcilnng der Umsturzvorlage bei- bringt: „... Da schreit man nach Regierung und Polizei, nach Repressivmaßregeln. Als ob Paragraphen auf dem Papier etwas Helsen könnten, wenn das Leben im Volke versagt! Bei einer lebendigen Aktion von feiten der staats- erhaltenden Parteien können wir Repressivmaßregeln entbehren, ohne dieselbe schaden s i e u n s mehr, als sie uns nützen. Wenn man doch endlich einschen wollte, daß das Heil nicht in gesetzlichen Be- flimmungen liegt."(S. 32.) „Die ganze Welt ist sozial geworden, überall werden soziale Fragen behandelt— nur die leitenden Kreise.verhalten sich passiv, für sie existirt die soziale Frage anscheinend nicht. Wenn der R e i eh s t a g die Umsturzvorlage ein- stimmig annähme, wäre uns damit irgend etwas geholfen? Würden wir einen S o z i a l d e m o- krate» weniger haben? Und wenn ans gnrnd des Um- sturzgcsctzes, falls es zu stände kommt, ein paar Menschen gerichilich bestraft werden und in die Gefängnisse wandern, wird dadurch auch nur ein einziger unserer sozialen Schäden beseitigt?" „Die Berathung der Umsturzvorlage hat die üble Konsequenz, daß einerseits die Reden der sozialdemokratischen Parlamentarier ungehindert und ungestraft durch das Land verbreitet werden, und daß andererseits die Regierung glaubt, sie hätte etwas gegen die Sozialdemokratie gcthan. Das elftere schadet mehr als das Gesetz nützen kann, und das ziveite ist schlimmer, als der aller- größte Schade, denn es erweckt den Glauben, weitere Resormen seien nnnölhig."(S. 38 ff.) Wir haben gesehen, mit wie tiefem Schmerze der Ge- Heimrath das Bild von der Unfähigkeit der büroerlirbkn Parteien gezeichnet hat, noch schmerzlicher ninß es ihm ge- wesen sein, als er zeigen mußte, wie überlegen die Sozialdemokratie, die Partei der Proletarier, ihren Gegnern auch an innerem Gehalte ist. Wir heben aus den zahlreichen ") Alle Auszeichnungen, gesperrter wie fetter Druck, ent- sprechen dem Original. Und all diese schnöde Gcwaltthat wurde ausgeübt im Namen des königlich preußischen Staates! Ucberall hingen die Schilder mit dem preußischen Adler, die Soldaten und Gefängnißwärter trugen ihn ans ihren Helmen und Mützen und Gnrtschnallen. Wie oft hatte er früher seinen Rescrvehelm an Feier- tagen betrachtet und den Spruch um den Adler herum: „Mit Gott für König und Vaterland" ehrfürchtig gelesen. Dies Zeichen, das er früher so hoch gehalten, begann jetzt in seinen Augen einer bösen, gierigen, unerbittlichen Spinne zu ähneln. Weil er kein Geld hatte, sich selbst zu beköstigen, mußte er die widerwärtige Gesängnißkost hinunterschlingen. Der Mangel an Bewegung machte ihn ganz marode. Er lief oft stundenlang, wie ein gefangener Panther, in seiner Zelle auf und ab und war mehr wie einmal nahe daran, mit dem Kopf gegen die gekalkte Wand zu rennen. Aber dann hielt ihn der Gedanke an Weib und Kind zurück. Mit ihm selbst war es zu Ende, das fühlte er deutlich. Aber uni sie zu schützen, mußte er hinaus! Es konnte ja auch unmöglich noch lange dauern. Jeden Tag erwartete er die Vorladung zum Untersuchungs- richter. Er wartete Woche» lang vergeblich den ersten, den zweiten Monat vergeblich. Endlich kam wieder ein Brief von seiner Frau. Er hatte ihr geschrieben, daß er alle ihre Briese erbrochen er- hielte(der Staatsanwalt las sie nämlich, bevor sie ihm eingehändigt wurden, ebenso diejenigen, die er absandte) und das hatte ihr die Lust genommen, ihm oft zu schreiben. Mit doppelter Hast erbrach er daher den seltenen Brief. Sie schrieb ihm, Wagenfeld hätte ihr mitgetheilt, die Militärverwaltung nehme von dem Ankauf seines Grund- stücks Abstand. Natürlich! Man hielt ihn ja für einen Verbrecher! Also auch diese Hoffnung zerstört! �e hierher gehörigen Stellen der Massow'schen Schrift di folgenden hervor: „Welche unserer staatserhaltenden Parteien kann sich auch nur einigermaßen, was Organisation, Parteithäligkeit betrifft. nnt den Sozialdemokraten messen? Und da wundern wir uns darüber, daß die Sozialdemokratie immer weitere Forlschritte macht! Wären wir, jede Partei in sich, so fest organisirt, wie die sozialdemokratische es ist, die Chancen ständen ganz anders." (S. 22.) „Warum haben sie"(die Sozialdemokraten)„Führer, die eine wirkliche Rolle spielen, die auch von den Gegnern nicht ignorirt werden können? Weil sie im politischen Leben eniporgewachsen sind, weil hinter ihnen eine Partei steht, in der thatsächlich politisches Leben pulsirt. Ob sie sich untereinander streiten, ob sie mit ihren Parteitagen zu kämpfen haben, das ist viel weniger wichtig, als daß sie Fühlung mit ihren Wählern haben und daß diese Wähler zu einer altiven Gesammlpartei organisirt sind. Sie haben sich die Führerschaft erwerben und erkämpfen müssen, zum lheil in harter, schwerer Schule und in dieser Schule haben sie gelernt."(S. 22.) „Es ist verhältnißmäßig viel wichtiger, innerhalb der eigenen Partei über die schwebenden Fragen zur wirklichen Klarheit zu kommen, als andere Parteien und deren Zeitungen zu bekämpfen und die Verhältnisse in anderen Ländern ausführlich zu schildern. Vor alle in nehmen die eigenen Partei- Verhältnisse, Organisation und Agitation einen viel zu geringen Raum in der Presse e i n. Auch hier können wir von den Sozialdemokraten viel lernen."(S. 31.) „Warum ist kein Geld da? Weil der Durchschnitts-Deuffche absolut keine Verpflichtung suhlt, auch nur einen einzigen Psennig für seine politische Partei herzugeben. In der Wahlzeit thun es einige, aber verhältnißmäßig wenige, und von diesen die meisten sehr" ungern. ein paar opferwillige Patrioten, einzelne Partei- nabobs müssen das fehlende ergänzen. Aber außerhalb der Mahlzeit etwas zu geben, das wäre ja unerhört.„Wozu denn in aller Welt, fällt mir gar nicht ein." Und die Sozialdemo« kraten? Welche Beiträge geben sie, wie bezahlen sie ihre Partei- führer, Agenten, Redakteure, Beamten! Nnd da wundert man sich, wenn tie Sozialdemokratie ständig nnd ständig Fortschritte macht."(S. 32.) „Die Sozialdemolratie vermehrt sich nicht nur ständig an Zahl, was weit schlimmer ist, sie gewinnt immer mehr an geistigem Einfluß auch auf die gebildeten Klaffen. Sie ist zu einem Faktor geworden, mit dem wir alle wider Willen rechnen, ja rechnen muffen. Das giebt ihren Plänen und Zielen ein ganz anderes Gewicht."(S. 35.) „Neben der offiziellen Volksvertretung, neben den legalen Faktoren, steht die sozialdemokratische Partei als ein mit- bestimmendes Organ, weil sie organisirt ist."(S. 35.) „Unsere lange politische Unthätigkeit hat uns bereits schlaff gemacht, sonst wären die bisherigen Erfolge der Sozialdemokratit unmöglich gewesen. Wir haben viel Versäumtes nachzuholen, nnd das erfordert Zeit, viel Zeit. Orgauisiren wir uns, stellen wir unsere Organisation derjenigen der Sozialdemokratie gegen- über, so steht die Sache sofort ganz anders, so brauchen wir keine Repressivmaßregeln."(S. 51.) Sehen wir nun zn, wie sich der Verfasser die Reform des Parteiwesens der herrschenden Klassen denkt: „Zeigen wir sammt und sonders der Sozialdemokratie, daß wir auch ncch da sind, daß wir noch Leben haben, daß sie mit Er sank wie gelähmt ans seine Pritsche zurück, nachdem er die wenigen weiteren Zeilen überflogen hatte: Sein Hof gepfändet, weil seine Frau die fälligen Zinsen nicht hatte zahlen können. Wie hätte sie das Geld aufbringen sollen, Ivo in den abgebrannten Gebäuden an eine regelrechte Wirthschaft garnicht zu denken war? Die Fenerkasse verweigerte Brandentschädigung, weil auf Schlvartz der Verdacht der Brandstiftung lag. Und, was ihn am schrecklichsten traf: das Gut war unter die Zivangsverwaltung Kcndelmann's gestellt worden. Seine Frau und Tochter hatten ein Unterkommen bei seinem in einem benachbarten Städtchen wohnhaften Bruder gefunden. In dem Briefe, den er seiner Frau zurückschrieb, gab es scharfe Ausfälle auf die Justiz, die ihn so lange im Ge- fängniß sitzen lasse, ohne irgendivie stichhaltige Verdachts- gründe, ohne Untersuchung. Und das alles, wo doch seine Anwesenheit daheim für sein Vermögen und seine Familie so dringend nöthig gewesen wäre! Einige Tage darauf wurde er vor den Gefängniß- Direktor beschiedcn, der ihm eröffnete, daß ihm vom Staats- anmalt Einsicht in diesen Brief gegeben worden sei. Der Sträfling Schlvartz hätte das Versprechen zu geben, sich fortan in seinen Briefen nicht mehr über staatliche Ein- richtungen abfällig zu äußern— andernfalls müsse ihm das Briefschreibcn ganz verboten werden. „Ich kann nur schreiben, wie ichs meine, Herr Direktor!" antwortete Schlvartz. Es war ihm gar nicht danach zu Muth, ein Blatt vor den Mund zu nehmen.„Uebrigens bin ich kein Sträfling, sondern ein Untersuchungs- Ge- fangeiier." „Was? Sie wollen auch noch frech sein?" fuhr ihn der Beamte an.„Von jetzt an erhalten Sie keine Schreib- Materialien mehr.— Abtreten!" Er hatte durch seine offene Sprache sein Loos nur ver- j schliminert. ifirt« Plauen dt» allcrenischirdei sie» Wide»st>uid bei«Iis findet, so wird sie sich besinnen(! Ncd.), vor allem werden ihr nicht ungezählte Cchaaren ans der Jngend zustoßen."(S. 36.) „Aber ganz anders würde sein"(des Bundes der Landwirthe) „Einfluß sein, wenn überall politische Vereine für alle Stände organisirl waren und die Mitglieder des Bundes könnten in den Aereinsversammlungcn der verschiedensten Parteien ihre Cache vertreten."(S. 43.) Interessant ist es, wie der geheimreithliche Plan der Reform unseres ParteiivescnS auf eine Denwkcatisirnng nnsereS ganzen öffentlichen Lebens hinanslänft. Er schreibt S. 50: „Aber auch die beste Verwaltung kann nichts leisicn, in- sonderheit in unseren Tagen, wenn die Bevölkerung die Mit- arbeit versagt. Eine neue Zeit erfordert neue Wege; gehen wir nicht vorwärts, so gehen wir rückwärts. Ans dein absoluten Vcrfassungsstnat sind wir in den parlamentarisch-konstitutioncllen übergetreten, jetzt müssen wir den weiteren Schritt thun. Wir dürfen die Geschicke des Landes nicht der Regierung und dem Parlamente überlafien. wir müssen sie selbst in die Hand nehmen. Cs beißt alle Mann auf Deck. Das Parlament soll der Mandatar der Nation sein, aber nicht die Arbeit der Nation thun, es soll nicht seinen Willen, sondern denjenigen der Nation znr Geltung bringen. Dazu ist eS nothwendig. daß die Nation einen Willen hat, daß sie Entschlüsse saßt, in denen sie diesen Willen kund giebt, vor allem aber, daß sie, um einen Willen zu haben, den für das Schicksal des Vaterlandes wichtigen Fragen t h a t- kräftiges Interesse zuwendet." Massow giebt au einer Reihe von Stellen die von ihm empfohlenen Mittel der Wiedergeburt der Partcicrr der herrschenden Klassen au. Sie bestehen in einer Orga- uisatiou derselben in Parteileitung, Landcsverein, Wahlkreis- und Ortsvercin. Er hat auch(S. 53—57) eine Skizze für Parteistatute ausgearbeitet. Auf dasselbe hier näher einzugehen ist nicht erforderlich. Bios ein Punkt sei hervorgehoben. Während die von Herrn Massow so ge- haßte und doch gleichzeitig als Muster hingestellte Sozial- dcmokratie bei � ihrer Organisation alle Fallen unserer 26 �Laudes-Vercinsgesetze genau berücksichtigen muß und berücksichtigt hat, fordert dies der königliche geheime Rcgierungsrath von den bürgerlichen Parteien nicht. Er meint ivohl die Auslegungskünste eines Tessendorf, die Praxis sächsischer Behörden, die Strenge des Berliner Polizeipräsidenten, die mögen die Sozialdemokratie treffen, die bürgerlichen Parteien brauchen sich um dies alles nicht zu scheren, sie organifirm sich, als ob in allen 26 Vaterländern es politischen Vereinen nicht untersagt wäre, mit anderen in Verbindung zu treten(S. Z 8K des preußischen, § 22 des königl. sächsischen, H 17 des bayerischen,§ 4 Abs. 2 des braunschweigischen Vereins- und Versanunlungs- gesetzes u. s. w. u. s. w.). Aus den zahlreichen Stellen, in denen Massow zn ungesetzlichen Handlungen gegen die bestehende» Vereins- und Versammlungsgesetze auffordert, seien blos die folgenden angeführt: „Die Lokalvereine entsenden Delegirte in hen Wahlkreis- Derein, die Wahlkreis-Vercine einer Provinz oder eines kleinen Staates, desgleichen in den Landesvcrein, die Landesvereine schließlich in den Zentralverein. Lokal-, Kreis- nnd Landesvereine haben ihre Vorstände, dem Vorstand des Zentralvereins liegt die Leitung der Gesammtpartei ob."(S. 19.) „Hat er sich im Lokal- nnd Kreisverein die Sporen verdient, wird er dann als Delegirter in den Landesverein entsandt.. (S. 23.) „Es ist ein großer Unterschied, ob in irgend einem Verein irgend eine SHesolickion gefaßt wird, oder ob dieser Berein das Glied einer großen Parlei-Organisation ist, nnd diese Resolution gleichzeitig tausend anderen Vereinen im Lande zur Beschluß- fassung vorliegt..."(S. 50.) „Die Miigliedschast im Wahlkreis-Verein ist von derjenigen in einem Ortsverein unbedingt abhängig."(S. 55.) Würde ein Sozialdemokrat derartige Vorschläge machen, Die ohnedies kurz bemessenen Spaziergänge im Ge- fäugnißhof(unter Bewachung von Soldaten mit auf- gepflanztcm Bayonnet!) wurden ihm noch mehr ver- kürzt. Seine Gesundheit gerieth zusehends ins Schwanken. Seine Frau, über sein langes Schweigen aufs höchste beunruhigt, reiste vom Wohnsitz seines Bruders, wo sie sich mit Annchen noch immer aufhielt, nach Allenfeld, um ihn im Gefängniß zu besuchen. Das Mädchen brachte sie nicht mit; es sollte den traurigen Eindruck nicht haben. Sie durfte eintreten, aber der Oberanfseher kam mit. In Gegenwart des mürrisch drcinblickenden Beamten war ihr der Mund wie verriegelt. Ein schwerer Alp lag auch auf ihrem Manu. Sie sprachen mir ein paar ziemlich gleichgiltige Worte. „Ewig kann es ja so nicht weiter geh»!" seufzte Schwartz. „Soll ich Dir warme Unterjacken schicken?" fragte sie. „Ja. Und grüß' Annchen! Ich käme bald wieder." Tann drückten sie sich ergriffen die Hände und schieden mit einem langen, stummen Blick. In der Zelle hatte die Frau ihren Jammer bezwungen, um ihren Mann nicht damit anzustecken. Kaum war sie heraus, da mußte sie sich an die Wand deS Korridors lehnen, mit beiden Händen gegen die kalte, gekalkte Wand. Sie schluchzte so herzbrechend, daß es durch die dicke Thür zu ihrem Mann hineindrang. Und er warf sich gegen die Thür, klemmte die Finger in sinnloser Wuth zwischen ihre Fugen, als wollte er sie trotz der schweren Schlöffer aufreißen. Weshalb saß er denn eigentlich hier? Weshalb nur, in aller Welt, weshalb?! Warum wurde seine Sache nicht endlich einmal entschieden? Hatte der Staat so wenig richter- liche Beamte, daß man auf einen ganz vagen Verdacht hin einen unbescholtenen Mann Monate lang in Untersuchungs- hast halten mußte?! Und mit Schrecken dachte er an die damalige Aeuße- rung des Bczirksrichters in Allenfeld, unschuldige Unter- suchungSgefangene hätten keinen Anspruch ans Entschä- digung. Ach was? Er glaubte das einfach nicht. Ja, für ganz kurze Fristen mochte es allenfalls stimmen? Aber, wenn ein Mann für monatelange Zeiträume seinen, Beruf durch Schuld des Staates entzogen würde, so wäre der Staat ja ein Dieb, wenn er nicht dafür auf- käme. Er konnte nnd konnte das nicht glauben. Unsinn! Endlich, endlich bekam er die Nachricht— daß der Termin nahe wäre? Nein— daß er frei sei! Die Staatsanwaltschaft hatte nach genauer Prüfung der Angelegenheit überhaupt keine Anklage erhoben. Die. Acußerung des Schwartz, auf welche Kendelmann seine Denunziation gründete„es kann auch brennen, wenn man nicht z» Hause ist'— wurde als ein nicht genügendes Verdachtsmoment erachtet. Und das Alibi des Schwartz und seiner Familie zur Zeit des Brandansbruches war ja vollständig nachgewiesen. die Tessendorf nnd RichthosenMffe' Köller und Nieberding, die Stumm und Enncecerus würden ob der Unverschämt- heit die Hände über den Kopf zusammenschlagen; die„Post" und die„National-Zeitung" würden ob der revolutionären Frechheit die giftigsten Leitartikel? verbrechen. Der gute preußische Geheimrath aber darf sich das erlauben, seinem Uebercifcr für die Sache der Ordnung wird es zu gute ge- halten werden, daß er zu ungesetzlichen Handlungen auf- fordert. Ist er doch auch ungefährlich! Tie Indolenz der bürgerlichen Parteien wird nicht in Thatkraft übergehen, und wenn selbst die Propheten des alten und die Apostel des neuen Testaments mit feurigen Zungen predigen würden. Tie herrschenden Klaffen haben jede Hoffnung auf den Kampf mit geistigen Waffen verloren, sie rufen nach Polizei und Staatsanwalt, nach Verschärfung der Strafgesetze, nach Knebelung des freien Wortes, nach Vernichtung des Versammlungsrechtes. Tarin besteht ihre politische Thätigkeit, mehr wollen, mehr können sie nicht im Kampfe gegen das nach Befreiung ringende Proletariat. Würden aber auch Maffow's Vorschläge bei ihnen Anklang finden und Polizei nnd Staatsanwalt ganz nach ihren Willen auf uns gehetzt werden, so werden sie doch bald eines unrühmlichen Todes enden, während die Sozial- dcmokratie trotz der ungleichen Vcrtheilnng der Kampsmittel, trotz Umsturzgesetz, trotz Vereins- und Versannnlnngsgesetz, trotz Polizei und Staatsauwalt wachsen und gedeihen und, früher als die Gegner erwarten, auch siegen wird. Und dies kann nicht anders sein: Tie herrschenden Parteien ver- treten trotz aller ihrer Machtfülle die absteigenden Klassen, das Proletariat, nnd ihr wirthschaftlicher Ausdruck die Sozialdemokratie ist die aufsteigende Klasse. Das zu ändern vermögen nicht Roß nicht Reisige?— Stellenvermittehrngs-Sttttistik. Die Minister für Handel und Gewerbe lind des Innern habe» eine Statistik: I. aller gewerbsmäßigen Gesindevcrmielßer»nd CIellenvermittler. II. aller übrige» Arbeits- nnd Stellen-Nachiveis-Anstalten nach dem Stande vom 31. Dezember 1834 angeordnet.— Eine solche Statistik kann, wenn sie nicht tendenziös bearbeitet wird. auch von unserem Standpunkt ans nur begrüßt werden, da sie über eine der wichtigsten Fragen im modernen Erwerbsleben der Arbeiter, die Arbcitsvermiltelniig. Aufschluß zu geben berufen ist. Durck eine solche Enquete' können besser als durch jedes andere Mittel die nnzweifelhaft vorhandenen Mißstände dieses Gebietes aufgedeckt und Anregungen zu Verbesserungen gewonnen werden. Alles natürlich nur dann, wenn Aufnahme. Verarbeitung nnd Tarstellung der Slatchik in wissenschaftlicher Weise geschieht nnd durch keine parteiische Voreingenommenheit getrübt wird. Den in der„Berliner Korrespondenz" enthaltenen Mit- theilnngen über diese Enquete entnehmen wir die folgenden Angaben: Das königliche Statistische Bureau ist beauftragt, allen Landräthcn und alle» Bürgermeistern der Städte von mehr als 13 ovo Einwohnern direkt die nölhigen Tabellen und Zählkarten zu übersenden. Eine Zählkarte ist von der Ortspolizcibehvrde für jeden ge- werbsmäßigen Gesindevcrmiether nnd Stellenvermittler mit Aus- schlich derjenigen, welche nur für Schiffsmannschaften thätig sind, auf grund der Geschäftsbücher, welche die Gewerbetreibenden dieser Art nach der Polizeiverordnnng vom 16. März 1885 zn fähren haben, und welche zu dem Zwecke sorgfältig zu revidiren sind, ferner ans grund direkter Befragung der betreffenden Ge- werbetreibenden, sowie auf grund der bei der Polizei befindlichen Strafregister anszufülle». Tille diese Zählkarten sind bis zum 15. Mai d. I. von den Ortspolizeibehörden auf dem Lande und In der Angelegenheit des Todtschlags- Versuches ivar das Zeugniß des Knechtes Olitzki, als eines notorisch der Trunksucht ergebenen, vielfach vor- bestrasten Menschen für unglaubwürdig erachtet worden. Umsomehr als Kcndclniann, wie festgestellt wurde, bei dem Zusammenstoß mit einer scharf geladenen Doppel- flinke bcivaffnet war, während Schwartz ihm ohne jede Waffe gegenubertrak. Es wäre Wahnsinn gewesen, an- zunehmen, daß Schwartz einen ihm derartig überlegenen Gegner ohne Provokation angegriffen hätte. Und Schwartz wußte ja obendrein seine Arbeiter in nächster Rahe, die von seiner Mordthat sofort hätten Keuntniß nehmen müssen. Er war also jetzt frei. „Schön. Aber weshalb hat der Staatsanwalt fast ein halbes Jahr gebraucht, fragte er sich, um zur Erkenntniß meiner Unschuld zn kommen, die ja doch für jedes Kind auf der Hand liegt?!" „Sie sehen, mein Lieber, die Gerichte sind doch keine solchen Hyänen, wie Sie glaubten!" sagte der Gefängniß- direktor begütigend, als er ihm sein Unvcrdächtigkeils-Attest aushändigte.(Er bedauerte, den Mann damals grob an- gefahren zn haben und wollte es wieder gut machen.) „Ich danke sehr!" Schwartz steckte das Papier ein. „Ich darf wohl erwarten, daß man mich für die ver- lorenen 5l/e Monate einigermaßen entschädigen wird? Eine völlige Entschädigung ist nämlich ganz unmöglich. Denn ich bin dadurch, daß diese Haft in eine für mich ent- scheidungsvolle Zeit fiel, wahrscheinlich für zeitlebens zu gründe gerichtet. Aber irgend eine, verhältnißmäßig kaum nennenswerthe Abfindungssumme wird mir der Staat doch wohl zahlen?!" „Ich sehe aus Ihren Papieren,' erwiderte der Direktor, „Sie haben schon einmal unschuldig eine Untersuchungshaft durchgemacht. Erhielten Sie denn da etwas?' „Ja, das waren auch nur ein paar Wochen--.' „Sie sind doch ein sehr naiver Mensch, lieber Schwartz," sagte der Direktor mit überlegenem, wohlwollen- dem Lächeln. „Glauben Sie denn, daß das System unserer Gesetz- gebung ganz der Logik entbehrte? Und daß der Staat vom materiellen Gesichtspunkt ausginge, und nicht vielmehr vom Humanitären?! Wenn das Justizministerium für ein Jahr- Untersuchungshaft Entschädigung gewährte, so würde es das auch für einen Tag thun, ja für eine Stunde. Der preußische Staat ist immer konsequent, human und vor allen Dingen gerecht.' „Also keine— ich soll keine Entschädigung bekommen?' rief Schwartz außer sich.„Ich lasse mir das nicht gefallen! Ich gehe durch alle Instanzen!' „Machen Sie sich keine unnütze Mühe und Kosten. Unsere Gesetze können Sie doch nicht umstoßen.' „Und das nennen Sie human, wenn der Staat mich auf's allerschwerste schädigt, ohne mir den Schaden zu ver- guten?'(Fortsetzung folgt.) in den Städten bis zu 10 030 Einwohnern dein Landrath einzureichen. Getrennt von diesen Zäl?lkarten haben die Oris- pollzeibchörden dem Landralh gleichfalls bis zum 15. Mai d. I. anzugeben, wie viele der in ihren, Bezirk vorhandenen Gesinde- vernnelher und Stellenvermittler in schlechtem Leumund stehen. Die Gesammtzahl der in schlechtem Leumund Stehenden ist vom Landrath. in den Städten über 10 000 Einwohnern vom Bürgermeister bezw. Magistrat in einer besonderen Tabelle zu vermerken. Ein zweites Zählkarten- Formular ist von der Ortspolizei- behärde den von ihnen sorgfältig zu ermittelnden Vereinen und sonstigen Trägern der iiicht gewerbsmäßigen Arbeits- und Stellennachweis-Anstalten mit dem Ersuchen zn übersenden, dasselbe auszufüllen und spätestens bis zum l. Mai d. I. zurückzusenden. Auch diese Zählkarten sind nach Prüfung ihrer ordnungsmäßigen Ausfüllung mit den etwa beigefügten Drucksachen bis zum 15. Mai d. I. von den Ortspolizeibörden auf dem Laude und i» den Städten bis zu 10000 Einwohnern dem Land- rathe einzureichen. Gleichzeitig haben diese Ortspolizei-Behörden ein Verzeichnis) derjenigen nicht gewerbsmäßigen Arbeits- und Sicllennachweis-Anslalten, welche die ihm zugesandten Zählkarten nicht rechtzeitig ausgefüllt zurückgegeben haben, unter möglichst genauer Bezeichnung der Vereine, welche Träger dieser Anstalten sind, dem Landralhe mitzntheilen. Es folgen dann einige Aussi'ihrungsanweislMgen für die be- theiligten Behörden, und dann heißt es weiter: Mit der Stellenvermittlung für weibliche Dienstboten und Ammen befassen sich vielfach auch Frauen. Die Gesinde- vermiethung wird oft in ganz geringem Umfange, zuweilen nur als Nebengewerbe, dagegen hier und da auch in umfassenden Geschäften betrieben. Die kleinen Betriebe wissen sich häufig der Polizei- lichen Kenntniß und Beaufsichtigung zn entziehen. Mit der An- Werbung landwirthschastlicher Arbeiter, sowie von Arbeitern für größere Bauten beschäftigen sich oft große Unternehmer, welche Agenten entsenden. Eine gesonderte Stellung nehmen die Stellen- Vermittler für Kellner nnd Kellnerinnen nnd die Theateragenturen ein. Die Schlaf- und Heuerbaase in den Seestädten. welche die Arbeilsvermittclung für die Schiffsmannschaften be- sorgen, sind n i ch t in die Zählkarten und Tabellen auszunehmen, da für sie auf Veranlassung des Reichskanzlers besondere Erhebungen stattfinden werde». Gegen diejenigen Gesindevermiether nnd Stellenvermittler, welche Stellungsuchende beherberge» und beköstigen, wird viel- fach der Vorwurf erhoben, daß sie für Herberge und Kost übertriebene Preise nehmen, und daß insbesondere weibliche Dienstboten und Arbeiterinnen in solchen Herbergen nnd Kosthäuscrn zur Un s it t l i ch k e i t verleitet werden. Gegen manche Stellenvermittler richtet sich ferner der Vorwurf, daß sie die in Arbeit Befindlichen durch Vorspiegelung besserer Stellen zum Stellenwechsel unter Vertragsbruch gegenüber dem bisherigen Arbeitgeber oder der Dienstherrschast verleilen. Solche Klagen richten sich namentlich gegen Unter- nehmer und Agenten, welche landwirthschaftliche Arbeiter aus den östlichen Provinzen für den[Rübenbml oder für Beschäftigung in der Industrie, im Bergbau oder bei Bauten in den mittleren und westlichen Provinzen anwerben. Was die Erhebungen zn II betrifft, so sind Träger der nicht gewerbsmäßigen Arbeits- nnd Stellennachweis-Anstalten entweder Vereine der organisirten Arbeitgeber und Arbeiter oder religiöse, gemeinnützige und Wohlthätigkeits- Vereine oder Kommunalverbände und Behörden. Unter den Arbeitgeber- Vereinen haben insbesondere die Innungen sich der Arbeitsvermittlung angenommen und zwar hauptsächlich bei denjenigen Gewerbe», in denen Gehilsen und Lehrlinge meistens»och Kost und Wohnung im Hause des Meisters haben, wie bei den Bäcker», Metzgern, Wirthen, Küfern und Friseuren. Seltener sind die Arbeitsnachweise der Gewerbe« vereine und noch vereinzelter die der landwirthschaftliche» Vereine; umfassender und häufiger dagegen die von Arbeit- geber-Verbändeu der Industrie und des Handels errichteten Nach- weise. Zn den Arbeitervereinen, welche Arbeitsnachweise eingerichtet haben, gehören die H i r s ch- D u n k e r' s ch e n und die sozialdemokratischen Fach- und Ge wertvereine welche Arbeiter desselben Berufs oder verwandter Berufe um- Literarisches. Kcfiler, Gustav, Abschaffung des Submission?» weseu ssür die städtischen Bau anSführnnge» in Berlin. Denkschrift zu der Petition des Kartells der Bau- Arbeiter an die städtischen Behörden. Im Auftrage � des Kartells der Vau-Arbeiter ausgearbeitet von Gustav Keßler. Preis 25 Pf. Berlin 1895. Kommissionsverlag von H. Vaake. 04 S. 80. Die vorliegende Schrift sollte nicht blos von Berliner Bau- Arbeiter», fondern auch von anderen Arbeitern und auch anßer- halb Berlins gelesen werden, schildert sie doch den Verlans eine? interessanten Feldzuges einer Gewerkschaft gegen das Subnnsstons» wcsen der städtischen Behörden. Dem Leser wird es ermöglicht, aus dem vorgelegten Materials zu einem selbständigen UrlHeile zu gelangen, um Gründe und Gegengründe zu prüfen. Da der Raum es uns nicht gestattet, bier im Rahmen einer literarischen Be- sprechung auf den Inhalt des Schristchens näher einzugehen, muß sich der Referent begnügen, die Uebersckriften der Kapitel hier initziitheilen. Sie lauten: Die Petition der Maurer vom Jabre 1889, die Verhandlungen über die Petition in der Berliner Siedl- verordneten-Bersammlung, Kritik der Verhandlungen in der Stadt- verordneten- Versammlung, Auslohuung der Arbeit, die neue Petition. Wir können die Arbeit bestens empfehlen. � Mugdan Otto, Die freie Arztwahl in Berlin. (Ihre Entstehung, Entwickelung und Einrichtung.) Im Auf- trage des Vorstandes des Vereins der frei gewählten Kassen- ärzte dargestellt. Berlin 1395. Verlag von Emil S ch i l k e. 30 S. 8". Verhandlungen der Nerztekammer für die Provinz Vrandenbnrg und den Stadtkreis Berlin. Hl. Wahl- Periode. In,'Austrage des Borstandes herausgegeben von den Schriftführern Professor Dr. Pos n er und Dr. A. Lepp- mann, Berlin. Viertes Stück. Berlin 1835. Norddeutsche Buchdruckerei. SS. 93—117 4°. Die Frage der freien Arztwahl in durch das Eingreifen der Gewerbedepulation des Berliner Magistrats zu einer brennenden geworden, das Interesse weiter Kreise ist ihr sicher, und zwar nicht blos in Berlin, sondern im ganzen Reiche, ja über dessen Grenzen hinaus. Wo eben die obligatorische Kranken- Versicherung durchgeführt ist, wird die Organisation der ärzt- lichen Hilseleistung eine der wichtigsten Fragen sein. Selbst» verständlich spielr bei der Benrtheilnng der mannigfach vor- geschlagenen und zur Anwendung gekommenen Systeme der Standpunkt der verschiedenen Interessentenkreise, wie der Ver- sicherten, der Aerzte, Krankenkassen-Verwaltungen. AnfsichlS» behörden u. f. w. eine große[Rolle. Die Verschiedenheit des Standpunktes ist die Ursache der beftigen Befehdungen der ver- schiedenen Interessenten; die Theilnahmslosigkeit der Versicherten führte osr dazu, baß der Streit sich lediglich zwischen Aerzten und K ranke nkassen-Ver waltungen abspielte. Ten, Eingreifen der Gewerbedepulation ist es wider ihren Willen zu danken, daß nun auch weitere Kreise, vor allem dl« Versicherten der Organisation der ärztlichen Hilfeleistung ge- bührende Aufmerksamkeit schenken. In den beiden hier an« gezeigten Schriften wird der Standpunkt der Aerzte, die die frei« Arztwahl verlheidigen. in geschickter und wirkungsvoller Weise vertreten. Auch den Gegnern des Systems der freien Arztwahl sind die beiden Schriften schon wegen des reichhaltigen thal» sächlichen Materials zu empfehlen.— n, fnfffti und zum iheil auch Unterslutzungen bei Arbeiislesigkeit ge- wahre». In denjenigen Gewerben, welche, wie die Buchdrucker, Handschuhmacher, Bildhauer, eine über ganz Teutschland sich er- streckende Organisation ihrer Fachvererne haben, werden deren Arbeitsnachweise von den Arbeiter» stark, von den Arbeitgebern seltener benutzt. Die katholischen Gesellenvereine und die evangelischen Her- bergen zur Heimath sind mit ihren Arbeitsnachweisen nicht unter den Arbeitervereinen, sondern unter den religiösen Vereinen aufzuführen, da sie unter religiöser Leitung stehe». Die katholischen, evangelischen und christlichen Arbeitervereine sind dagegen, wenn sie nicht unter Leitung von Geistlichen oder Mitgliedern der inneren Mission stehen, den Arbeitervereinen zuzurechnen und nur im entgegengesetzten Falle unter den religiösen Vereinen aufzuführen. Sowohl die von Arbeiter- als von Arbeitgebcrvcreinen er- richteten Arbeitsnachweise unterliegen der Gefahr, daß sie ein- s e i t i g zu Parteizwecken in den wirthschaftlichen Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ausgenutzt werden und des- halb bej der gegnerischen Partei kein Vertrauen genießen. Viele gewerkschaftliche Arbeitsnachweise der Sozialdemokraten tverden von diesen zur ZI» Werbung von Partei- g e n o ss e n(!) benutzt. Die Arbeitsnachweise mancher Arbeit- geberverbände genießen bei den sozialdemokratischen Arbeitern keiir Vertrauen, weil sie durch Einführung schwarzer L i st e n für Agitatoren und Anhänger der Sozial- demokratie diese von der Beschäftig tlng aus- schließe».(!) Genieinsame Arbeitsnachweise von Vereinen von Arbeitgebern und Arbeitern desselben Berufs, welche sich über deren Errichtung und Unterhaltung verständigt haben, werden nur vereinzelt vor- kommen. Dazu gehört, beispielstveise der nach. Beendigung des Bier-Voykolts in Berlin neuerdings errichtete Arbeitsnachweis für Brauerei-Arbeiter. Zu den von religiösen Vereinen eingerichteten Arbeitsnach- weisen gehören auf evangelischer Seile die von der inneren Mission gegründeten Herbergen zur Heimath für Handwerks- gesellen und Arbeiter aller Art, sowie die Mägdcherbcrgen; auf katholischer Seite die Arbeitsnachweise der katholischen Gesellen- vereine, die Anstalten für Dienstboten und neuerdings auch einzelne Volksbureaus. Zu den von gemeinnützigen und Wohlthütigkeitsvereincn er- richteten Arbeitsnachweisen gehören auch diejenigen der Armen- .vereine und der Natural-Verpsiegmigsstationen für wandernde Arbeiter. Viele der letzteren unterhalten eigene Arbeitsstätten, in welche» die Arbeitsuchenden mit Zerkleinern von Holz oder anderen Arbeiten beschäftigt werden, oder überweisen sie den landwirth- schaftlichcn Arbeiterkolonien. Die gemeinnützigen und wohlthätigcn � Arbeitsnachweise besorgen die Arbeilsvermiltelung meist für»n- gelernte Arbeiter und Dienstboten, nehmen keine oder geringe Ge- bnhren und beziehen ihre Mittel aus Vereinsbeiträgen, freiwilligen Gaben und öfters auch ans Unterstützungen, die von Gemeinden und Armenverwallungen gewahrt werden". Die direkt von Gemeinden oder Kreisen von Armen- Verwaltungen oder Polizeibehörden der Gemeinden eingerichteten Arbcitsimchwcise sind erst vereinzelt in den letzten Jahren entstanden. Eine Lücke in den bestehenden Einrichtungen, die schon jetzt deutlich erkennbar ist und den Anlaß gab. i» dem Erlasse vom 31. Juli v. I. zunächst die Einrichtung städtischer Arbeitsämter zu empfehlen, ist der Mangel einer organischen Ver- b i n d u n g zwischen den verschiedenen Arten des Arbeits- Nachweises. Ohne eine Unterdrückung der gewerbsmäßigen Stellenvermiltelung oder eiue Bevorzugung oder Monopolisirüng städtischer Arbeitsnachweise in Aussicht zu nehmen, wird doch eine Verbindung zwischen dem städtischen Arbeits- nachweise und den in derselben Stadt bestehenden gewerbs- mäßigen und übrigen Arbeitsnachweisen angestrebt werden können. Eine solche Verbindung ist aus ähnlichen Gründen erwünscht, wie eine Fühlung zwischen der öffentlichen und frei- willigen Armenpflege, auf daß jede von der Thäligkeit der anderen Kenntniß erhält. Eine weitere Ausgabe würde sodann die Herstellung einer Verbindung zwischen den verschiedenen städtischen und sonstigen größeren Arbeitsnachweisen eines Bezirks oder einer Provinz sein. Ob zu diesem Zweck eine der örtlichen Arbeitsnachweis-Anstalteu für die Provinz oder einen kleineren Bezirk die regelmäßige Vermittelung mit den übrigen zu übernehmen haben würde, oder ob etwa mit Unterstützung der Provinz eine besondere zentrale Vermittelungsstelle innerhalb der Provinz oder des Bezirks zu errichten wäre, wird zwar schon jetzt erörtert werden können, aber wohl erst dann zur Entscheidung spruchreif sein, wenn die Errichtung städtischer Zentral-Arbeits- nachweise größere Fortschritte gemacht hat. Z?olikisÄie XtclrcfKifjf. Berlin, 9. April. Tie Verworretcheit der politischen Lage kann von niemand geleugnet werden. Ergötzlich ist nur, daß die sogenannt nationalen Parteien als Urgrund des Reichs- Chaos die Abwesenheit des Fürsten Bismarck, seine Entfernung vom Amt bezeichnen. Tic Leutchen sind in'einer gar komischen Täuschung befangen. Gerade Bismarck mit seiner Vergewaltignngs- und Verhetzungspolilik ist— so weit eine Person überhaupt für Zustände verantwortlich sein kann— schuld an dem gegenwärtigen Tohn Wabohn. Die allerdings geradezu monströse Thatsache, daß in dem zu zwei Dritteln protestantischen Teutschland das katholische Zentrum herrschen und die Jnquisilionsgerichte des Mittet- alters wieder einführen kann, ist die naturnothwendige Folge des Lkulturkampfs, und Fürst Bismarck's höchst eigenhändiges Werk. Ter ganze Kulturkampf war eine riesige Dummheit— ebenso wie das Sozialistengesetz, und gleich diesem an sich allein schon ein vollgiltiger Beweis, daß Bismarck die Menschennatnr und die geschichtlichen Entwickelnngsgesetze nicht kennt und folglich kein Staatsmann war. Aber wenn er denn durchaus die Macht des Katholizismus in Deutsch- land hätte brechen wollen, dann wäre es doch das ein- fachste Gebot der Klugheit gewesen, den bürgerlichen Liberalismus zu stärken. Allein diesen an die Wand zu drücken, zu zerreiben und zü kvrrumpiren, war die fixe Idee dieses Junkers vom ersten bis zum letzten Tag, wo er noch„etwas zu sagen hatte.' Wer hat die Fortschrittspartei mit fast kindischem Haß verfolgt und die Niationalliberalen zu dem Bilde des Jammers gemacht, daS sie jetzt darbieten— wer anders als Fürst Bismarck, vor dem die Manncsseelen schweifwedelnd nnd speichellcckend ans dem Bauch liegen? Und hat Fürst Bismarck nicht auch sein möglichstes gethan, die konservative Partei aufzulösen und zu demoralisiren? Hat er sie nicht zu einer Regierungspartei herabgewürdigt? Und ist er es nicht, der den A n t i- se mitismus und das Agrarierthum groß ge- zogen hat?— Die Nachfolger des Fürsten Bismarck ernten blos, was er gesät hat.— BnndeSrath. In der am 3. d. MtS, abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesralhs wurden die Vorlage, betreffend die nach- tragliche Einziehung von Zollbeträgen für das aus dem so- genannten zollfreien Mahlverkehr Oesterreich-Ungarns eingeführte Mehl, sowie die Beschlüsse des Reichstags zu dem Bericht der Reichsschuldenkonimission den zuständigen Aiissckiüsien überwiesen. Außerdem wurde über mehrere Eingaben Beschluß gesaßl.— Stichwahl im Kreise Cisenäch. Die Stickstvahl zwischen dem Freisinnigen Casselmann nnd Dr. N ö- s i ck e, dem Vertreter des Bundes der Landivirthe, findet am 19. April statt. Ueber den muthmaßlichen Ausfall der Wahl läßt sich bestinimtes nicht voraussagen. Es hängt dies davoil ab, wie sich die Parteien, deren Kandidaten bei der Stichwahl nicht betheiligt sind, auf die beiden in der Stich- wähl stehenden Kandidaten vertheilcn, resp. wie weit sie sich überhaupt bei der Stichwahl bethciligen werden.— Mit de»» Freiherr» von Hammerstein, dem parla- mcntarischen und journalistischen Vertreter des preußischen Junkerthums, scheint es nun wirklich zu Ende zu gehen. Die „Kleine Presse" in Frankfurt a. M. hatte gegen ihn die schwersten Anklagen erhoben, hatte behauptet, daß er das gesummte Vermögen der„Kreuz- Zeitung" in Höhe von 400000 M. verpulvert habe, daß der Pensionssonds der Zeitung zu anderen als statutenmäßigen Zwecken verbraucht worden sei, daß Hammerstein dem Papierlieferanten der„Krenz-Zeitung", dessen persönlicher Schuldner er war, jahrelang einen fast ums doppelte zu hohen Papierpreis gezahlt habe, daß er in- folge dieser seiner für die„Kreuz-Zeitnng" ruinösen Wirth- schaft zum 1. Juli bestimmt das Blatt verlassen solle, aber nicht wolle—: Und auf alle diese Beschuldigungen geht nun cineni Blatt, das davon Notiz genommen hatte, seitens eines Herrn aus dem„Kreuz-Zeitnngs"- Konsortium die folgende nichtssagende„Berichtigung" zu: „Die in dem von Ihne» wiedergegebcncn Artikel der „Kleinen Presse' geschilderte Geschäslslage der„Kreuz-Zeitnng" entspricht den Thatsachen nicht. Ebenso wenig hat die daselbst zwischen den Zeilen gemachte Andeutung, als ob Herr Freiherr v. Hammerstein Mittel der„Kreuz-Zeitung" in seinem Interesse verwandt habe, irgend welche Berechtigung." Daß die konservativen Herren den Skandal nicht auf- kommen lassen oder möglichst vertuschen wollen, daß ihr bekanntester Mann, ihr lautester Rufer im Streit sich in der oden erwähnten Weise vergangen habe, ist erklärlich. Daß aber Herr v. Hammcrstcin selbst so unglaublich bc- scheiden ist, sich mit dieser Erklärung zufrieden zu geben und ihr hinzuzufügen,„es genüge wohl, in diesem Zusammenhange noch die Thatsache zu kon- statiren, daß die Rechnungen und Beläge der „Kreuz-Zeitnng" jährlich vom Konntee geprüft und dcchargirt worden seien," das läßt bei der sonst an ihm gewohnten Schneidigkeit„tief blicken". Wie steht es denn z. B. mit den zu. hohen Papierpreisen, mit dem Abgang pan ordrs du moul'ti von der„Kreuz-Ztg."«. ec. Solche boshaften Verleumdungen hätte man in einer„Berichtigung" doch nicht zu erwähnen vergessen sollen.— Der„Antrag KauiP" im Staatsrath. Die Kon- servativen bemühen sich nun, die Verhandlungen des Staatsraths über den Antrag Kanitz als tendenziös zu diskreditircn. Die anerkanntermaßen unter dem direkten Einfluß der Parteileitung stehende„Konservative Kor- respondenz" schreibt auf die Erläuterungen, welche Frei- Herr von Huene ini Abgcordnetenhause zu der Denkschrift des Staatsraths über den Antrag Kanitz gegeben hatte, folgendes: Nach den Zeitungsberichten hat die Diskussion über den Antrag Kanitz 1�» Sitzungstage in Anspruch genommen, eine für die Bedeutung der Frage doch ziemlich kurz bemessene Zeit. Darauf wurde die weitere Behandlung an eine Subkommission von vier Mitgliedern verwiesen, aneschließlich ans Gegnern des Antrages bestehend. Daß Herr Freiherr von Huene die Führung in dieser Komn.ijflon übernehmen würde, darüber bestand von vornherein kein Zweifel. Ihm ist daher der scharf ablehnende Bericht wohl in erster Reihe zu danken. Dem Antragsteller Grafen von Kanitz wurde der Eintritt in die Subkommission verweigert. Als der Kommissionsbericht in den Staatsrath zurückgelangte, wurde keinerlei sachliche Erörlerrnig der Kommissionsbeschtüsse mebr gestattet, vielmehr nur eine Dis- kussion im Rahinen der geschäftlichen Behandlung. Allerdings waren die Beschlüsse des agrarischen Staats- raths„bestellte A r b e i t". Aber die K o n s erva tiven, die doch sonst in einer persönlichen Regierung, wo- möglich in einer absoluten Monarchie ihr Ideal erblicken, sollten doch nicht so böse sein, wenn auch die Mit- glieder dieses Staatsrathes sich für verpflichtet hielten, sich dem vorher ausgesprochenen Willen des Kaisers und der übrigen siiegierungsmitgliedcr anzupassen. Das sind nun. einmal die Konsequenzen des in Deutschland herrschenden politischen Systems.— Ter„Antrag Kanih". Nach der„Deutschen Tages- Zeitung" soll der Präsident des Reichstages auf die Tages- ordnung für die Abtheilungen des Reichstages, unmittelbar nach Schluß de� 1. Plenarsitzung nach den Ferien die Wahl einer Kommission zur Berathung des Antrages Kanitz mit der ausdrücklichen Bemerkung gesetzt haben:„Sofort nach der Wahl findet die Konstituirung der Kommission statt.— Zu dem Krach im Bunde der Landwirth« nimmt jetzt das Bundesorgan das Wort, NM natürlich die ganze Sache als absolut harmlos hinzustellen. Die„Deutsche Tages-Ztg." schreibt: „Wie das in allen größeren Venvallnngen vorkommt, scheiden einige Herren aus den vorerwähnten Abtheilnugen zum theil auf' ihren eigenen Wunsch- aus.- Wenn aus diesen oder jenen Gründen ein weiteres Zusanimenarbeiten nicht thunlich erschien, so ist es doch keineswegs ausgeschlossen, daß man mit vollkommener gegenseitiger Hochachtung sich trennt. Schließlich sei noch hervorgehoben, daß die Arisstreming, als beruhe der Personenwechsel auf einer veränderten Stellungnahme des Bundes bezüglich der Politik und der politischen Parteien, gleichfalls eine ans dreister Erfindung beruhende. Fabel ist." Sehr von oben herab, aber nicht sehr plausibel! Beamten- Wechsel kommen allerdings überall vor. Aber wenn im Bunde der Landivirthe fast sänimtliche Preßmenschen und das ganze statistische Bureau aus einmal den Dienst quittiren, so scheint die oben gerühmte„gegenseitige Hochachtung" doch einen ganz de- deuklichen Höhegrad erreicht zu haben.— Militaristische Gesetzesunkenninist nnd Angst- meierei. Aus allen Theilen Deutschlands erhqlten wir Mit- lheilnngen, daß auf den Kontrollversammlungen in mehr oder weniger ungeschickten Reden daS rvthe Gespenst an die Wand genialt nnd die mit solchen Geistes- ergüsscn bedachten Staatsbürger aufgefordert werden, im Zivilleben sich von sozialdemokratischen Versammlungen fern zu halten. Tie Herren Militärs, die auf solche Weise ihr Licht leuchten lassen, sollten doch zweierlei bedenken: erstens, daß es sie gar nichts angeht, was Zivilpersonen denken nnd thun. Und daß sie durch derartige Rede- U ebungen nicht blos den guten Geschmack, sondern auch das Gesetz verletzen; nnd zweitens, daß es einem Militär doch gar schlecht ansteht, das Zitterfieber zu haben; und daß er, falls es ihn gepackt hal, dieS doch nicht aller Welt auf die Nase binden soll.— Tonn- und FefttagSrnhe. Nachdem die Bestimmungen über die Sonn- und FesnagSruh« in Jnduftrie und Handwerk Geltung erlangt haben, gewinnt die Frage, welche Tage als Festtage anzusehen sind, eine erhöhte Bedeutung. Inder Gewerbe-Ordnung befindet sich die Anordnung, daß die Landes- regiernngen unter Berücksichtigung der örtlichen nnd konfessionellen Verhältnisse bestimmen, welche Tage als Festtage gelten. Dieselbe war auch vor der Aendernng durch die Novelle vom l.Juni 1831 in der Gewerbe-Ordnung zu finden, nur die Worte „unler Berücksichtigung der örtlichen und konfessionellen Verhältnisse" sind durch die Novelle eingefügt. Von den Landesregierungen haben, nach einer Jnsormalion der„Berliner Polit. Nachrichten", von dieser Ermächtigung 17 Gebrauch gemacht, und zwar in Sachsen, Württemberg, Baden, Oldenburg, Sachsen- Meiningen, Sachse»- Altenbnrg, Sachsen- Koburg und Gotha, die beiden Schwarzburg, Reüß ä. L.. Schaumburg- Lippe, Lippe, Lübeck, Bremen und Elsaß- Lothringen. In den übrigen Bundesstaaten bleibt es bis auf weiteres bei dem bisher gellenden Rechte. Uebcrall im Reiche gelten als Festtage das Weihnachts-, Oster- und Pfingstfest, und zwar je �zivei Tage, nur in Renß ä. L. drei Tage, außerdem der Neujahrs- und der Himmel- sahrtetag. In Preußen gilt als Festtag allgemein außerdem noch der Bußtag und in den vorwiegend evangelischen Landestheilen der Charfreitag. In Bayern wird die Frage örtlich geregelt. In Sachsen sind außer Büß- tagen und Charfreitag, Reformationssest und Fest der Er- scheinnna Christi(6. Januar) m den Ortschaften mit überwiegend katholischer Bevölkerung, in der Kreishanptmannschaft Bautzen des Fest Manä Verkündigung(25. März), das Fronleichnams- fest, das Fest Peler' und Paul(29. Juni) das Fest Maria Himmelfahrt(15. August), das Fest Maria Geburt(13. Septbr.), das Fest Allerheiligen(l. November) und das Fest Mariä Empfängniß(3. Dezember) als Festtage bestimmt, in Würltem- berg das Erscheinungsfest und der Charfreitag, bei den Katholiken außerdem Fronleichnam und Maria Himmel- fahrt. Wenn für die verschiedenen Konfessionen in ein- zelnen Staaten verschiedene Festtage angesetzt sind, so ist damit nicht gesagt, daß für die evangelischen Arbeiter an diesen nnd für die katholischen an jenen die Bestimmungen über die Ruhe iw der Gewerbe-Ordnung plahzugreiscn haben, sondern innerhalb der Bezirke, für welche die betreffenden Bestimmungen der Landesregiernngen ergangen sind, gelten die Festtage, sei es, daß sie als solche mit Rücksicht auf die evangelische oder aus die katholische Konfession ergangen sind für sänimtliche Arbeiter. Die Festtage gelten ohne'Rücklicht aus die Konfessionen der Ar- beiter für die'Bezule, für welche sie angeordnet sind.— Wahlen tu Italien. Einer Meldung der„Opinione" zu. folge wird am Ostermontag der königliche Erlaß erscheinen, der die Auflösung der i t a l i e n i s ch e n Kammer ausspricht und die Neuwahlen auf den 19. Mai festsetzt. Gleichzeitig dürfte ein Bericht Crispi's an de» König veröffentlicht werden, der in großen Zügen das Negiernngsprogram»» darlegt. Die lange Hinauszögenmg der Kammerwahlen erklärt sich hauptsächlich daraus, daß die Wählerlisten revidirt worden sind, resp. die ahl der zur Wahl Berechtigten bedeutend herabgesetzt wurde. n welchem Maße die Wählerzahl im ganzen Lande herab- gemindert wurde, ist noch nicht bekannt, doch läßt die von der „Riforma" verzeichnete Thatsache, daß in Rom allein die Zahl der Wähler von 26 895 im Jahre 1894 auf 21 172 ermäßigt wurde, vermuthen, daß in den Wahllisten in den Provinzen noch ausgiebigere Abstriche gemacht worden sind.— Nach welchen Gesichtspunkten Crispi diese Arbeit ausführen läßt, scheint noch nicht ganz klar zu sein. Vermiithlich aber arbeitet die Revision in d e r Richtung, die Regierungskandidaten durch die Wahlen zu bringen.—- Generalstreik in Belgien. Ueber den zur Erkämpfung des allgemeinen Wahlrechts bei den Gemeinderaths-Wahlen erst geplanten, dann aber als unpraktisch erkannten Generalstreik wird heute aus Lüttich gemeldet, daß der Ausstand der Kohlenarbeiter vollständig beendet ist. Im Lntticher Revier sind am Dienstag früh überall die Schichten vollzählig angefahren.— Branntwein- Verbot in England. In der MontagS- Sitzung des Unterhauses brachte der Schatzkanzler Harcourt eine Bill ein, durch welche«ine lokale Kontrolle über den Handel mit berauschenden Getränken eingeführt wird. Harcourt erklärte, die vorliegende Bill gehe über die vom Jahre 1893 insofern hinaus, als-sie sowohl das Prinzip der B t- schränknng, wie dasjenige des Verbots einführe. Die Abstimmung würde auf Antrag von nicht weniger als ein Zehntel der Ge- meindewädlcr diircb die Lokalbehörden vorgenommen werden. Ein Beschluß wegen Verbots könnte von zwei Dritteln der stimmen- den Wähler gefaßt werden und der Beschluß würde aus der ersten,»ach Ablauf von 3 Jahren nach dem Anfange der Akte stattfindenden allgenieinen jährlichen Licenz-Versammlung in kraft treten. Nach einer Abstimmung könne drei Jahre lang keine weitere Abstimmung vorgenommen werden; dann aber könne der Beschluß durch einfache Stimmenmehrheit gefaßt werden. Auch der Schluß an Eoniitagen bleibe der Entscheidung durch eine Abstimmung überlassen. In einein Distrikt, in welchem die Licenz nicht erneuert werde, werde keine Kompensation gegeben. Die Bill finde auf Irland kein« Anwendung, weil die Regierung de. Ansicht sei, Irland' solle sich selbst mit der Frag« be- schäfiigen. Die Bill bezwecke, ein großes soziales Uebel zu bekämpfen. Die Bill wurde lebhaft bekämpft, aber schließlich in erster Lesung angenommen.— Ein englischer Leist. Brutale Niederträchtig« keilen werden Beamten der Noyal-Niger-Company in afrika- nische» Zeitungen vorgetvorse», und diese Ausschreitungen sollen die Ursache der bekannten Witren in Akassa gewesen sein, bei denen Akassa erobert wurde. Ein Beamter namens Bradsord schoß danach von einer Hulk aus anf die Insassen aller vorüber- fahrenden Kanoes, sowie dieselben nicht sofort, auf einmaligen Anruf, längsseits anlegten. Mr. Bradsord, ein sehr geübter Schütze, betrieb dies sporimäßig; selbst auf vorüberfahreude Braßlente, die infolge zu großer Entfernung seinen Anruf gar nicht hören konnten, schoß er mit seiner weittragende» Büchse und verwundete auf diese Weise eine große Anzahl der Ein- geborenen, darnnter nicht wenige so schwer, daß dieselben ihren Wunden erlagen. Ter Tropenkoller scheint danach keine ausschließlich deutsche Einrichtung zu sein.— Sozialismus in Serbien. Ueberall wüthet die Reaktion, auch in den ökononiisch rückständigsten Ländern. Aus Serbien wird gemeldet, daß die sozialistlsch-revolntionären Einflüsse auf die Hörer des aufgehobenen Lehret- s e m i n a r s in Nisch so stark befunden worden sein sollen. daß der Kultusminisier anordnete, es dürfe keiner der törer dieser Anstalt an einer höheren Schule Serbiens zum lndium zugelassen werden. Ein schlimmes Zeichen für das politische Verfländniß des serbischen Kultusministers; denn überall hat es sich gezeigt, daß die Studenten, die sich mit sozialen Problemen befassen, auch sonst die fieißigsten sind. Aber immerhin ein gutes Zeichen für das Fortschreiten des Sozialismus in den Balkanstaaten.— „Tie Armeiiischeu Greuel" werden von den Agenten Rußlands ilnverdroßen dem europäischen Piiblikum auf- getischt. Wahr an der Sache sind blos die seit Mensche»- gedenken sich periodisch wiederholenden Streitigkeiten zwischen Armeniern und Kurden, und die Unterdrückung eines von Ruß- lniid geschürten Ausstandversuchs der Armenier. Der Rest ist Lüge, um die öffentliche Meinung in Europa den Türken un- giliistig zu stimnicii, die zwar keine Engel der Unschuld sind, aber doch nicht annähernd so brutal und grausam, wie die russische Regierung.— Vom oflasintischen KriegSschatchlatz. Nach japanischen Blattern werden die Fricdensunterhandlungen wahrscheinlich diese Woche zum Abschluß kommen. Ueber sieben von den acht durch Japan gestellten Bedingungen ist bereits ein Einvernehmen erzielt. Die Chinesen auf Formosa sind gegen die Regierung auf- gebracht; sie deuten den Ausschluß Formosas vom Waffenstillstand dahin, daß sie von den Behörde» in Peking verlassen sind. Nach Ansicht der Ausländer würden die Japaner nach kurzem Wider stände wohl aufgenommen werden.— Volvketusdmihkcu. Die Reichstags Nachwahlen, bei denen unsere Partei be� lbciligi ist, sowie andere für die Partei- Entwickelung wichtige Vorgänge, nehmen die agitatorischen Kräfte der Partei zur Zeit stark in Anspruch. Bei den Nachwahlen in Eschwege und Eisenach griffen die Reichstags-Abgeordneten v. Elm, Bueb, Bock, R e i ß h a n s und Seifert in die Agitation ein und außerdem waren, in» Austrage der Parteileitung, die Gen. Pfannkuch, Paul(Hannover) und M a t t u t a t(Berlin) mehrere Wochen in den Kreise», um die Lokalkräsle zu unterstützen. Im Eschwegener Wahlkreise wurde besonders auch von den Kasseler Genossen recht thatkrästig in die Agitation eingegriffen. Das gleiche geschieht von den Kasseler Genossen jetzt im Kreise Rinteln-Hofgeismar, wo außerdem der Kandidat unserer Partei, Theodor v. Wächter, die Agitation sür seine Wahl mit Nach druck betreibt. Im Wahlkreise Lennep- Mettniann, wo der Genosse M e i st durch einen Unfall— Verletzung am Knie— leider behindert ist, persönlich in die Agitation einzugreifen, wird diese lebhaft betrieben durch das rheinische Agitations- komitee in Elberfeld, dem wieder zur Seite stehen die Abgeordneten Schu macher und Harm, zu denen sich von den Ostertagen ab die Abgeordneten M o l k e n b u h r und Fürster geseüen werden. Genosse Singer sprach am Montag in Mainz und gestern in Osscnbach, und Bebel wird am Ostcr-Sonutag dem badischen Parteitag in Lahr beiwohne». Wie Figura zeigt, sind unsere„Wühler" sehr munter bei der Arbeit und hat die Aussicht ans das Umsturzgesetz den Arbeits geist unserer Genossen nick)! im geringsten gelähmt. Nu» zur Maifeier einen sreien Platz als Sammelpunkt für die Theilnehmer am Ausflug zur Verfügung zu haben, hatten die Leipziger Parteigenossen ein Gesuch an den Rath der Stadt gerichtet. Sie hatten in demselben darauf hingewiesen, daß der Rath schon bei anderen Gelegenheiten, wie z. B. bei der Seda» seiet, bei Umzügen von Militär-, Turn» und Mission� vereinen ein viel weitgehenderes Entgegenkommen gezeigt haben. tieranf ging vom Rath folgende Antwort ein: In Beantwortung hrcs Schreibens vom l. dieses Monats, die Ueberlaffnng eines stadtischen Platzes zum Sammeln der Theilnehmer an der Mai- seier betreffend, theilen wir Ihnen hierdurch niit, daß Ihnen zu Jhrcni Vorhaben, zu welchem Sie übrigens zunächst der Ge- nehmigung des hiesigen Polizeiamts bedürfen, ei» städtischer Platz nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Wie die„Leipziger Volksztg." hört, gedenkt sich das Mai- komitee mit diesem ablehnende» Bescheid nicht zufrieden zu geben, sondern vielmehr noch das Sladtverordneten-Kollegium zur Eim Wirkung auf den Rath in dem gewünschten Sinne anzurufen. Zur LandeSversaminlnug der württembergischen Sozial demokratie, welche am 14. und lö. April in Stuttgart ab- gehalten wird, ist folgende Tagesordnung aufgestellt worden: 1. Thätigkeits- und Kassenbericht des Landesvorstandes, Bericht über das Partei-Organ und Bericht der Revisoren. 2. Paria mentarischer Bericht der Landtags-Abgeordneten. Berichterstalter: Landtags- Abgeordneter M. Glaser. 3. Beschwerden. 4. Die gegenwärtige politische Lage. Berichterstalter: Reichstags Abgeordneter W. Bios. 5. Organisations- und Agitationsanträge. 0. Neuwahl des Landesvorstandes. 7. Verschiedenes. Aus de»» Wahlkreise Passau geht der„Münchener Post ein längeres Eingesandt zu, in welchem ein Genosse den Verlauf der Wahlbewegung schildert. Am Schlüsse heißt es in bezug auf die geleistete Arbeit und die Erfolge der Genossen des Kreises: Die Agitatioustouren, welche wir in den bayerischen Wald zum großen Aerger unserer Schwarzen unternommen, sind von bestem Erfolg begleitet gewesen. Die Strapazen, welche die Genossen in den Schneegefilden des Waldes ans- gestanden, sind reichlich gelohnt worden. Im Jahre 1KS0 erhielten wir in 37 ländlichen Bezirken Stimmen, diesmal in 67 Bezirken, und dies trotz der Cchimpferei der„Donau- zeilurig" und des ungünstige» Umstandes, daß die Pfarrer die Flugblätter und Stimmzettel zuni theil wieder abholten. Ließen diese politischen„Christen" die Wähler ungeschoren, so käme die Volksmeinung zum Ausdruck und die„Donauzeitung" hätte mit ihrer Behauptung, die Wähler habe» gesprochen, recht, so aber heißt es in Wirtlichkeit: die Geistlichen haben in stärkster Wahl- beeinflussung gemacht. Erheblich haben wir in einzelnen Land- bezirken an Stimmen zugenommen. Am schwersten liegt unseren Ultramontanen das so schön an der Donau gelegene Oberzeöi im Magen; sind wir doch hier von 22 aus J42 Stimmen gekommen. Nun ist es wieder das Pichler-Organ, das in gemeinster Weise über die Ortschaft herfällt und wieder zu ihren, Auskunstsmittel des Denunzirens zurückkommt. Aber das Gegeniheil, was sie er- reichen will, wird, damit erreicht. An uns liegt es jetzt, den er- rungenen Erfolg auszunützen, daß wir hier nicht stehen bleiben, sondern muthig vordringen. »* Boykott. Die Gastwirthe- Innung von Augsburg hatte in einer Versammlung beschlossen, in den Lokalen ihrer Mitglieder die Kolportage der„Volks-Zeitung" zu verbieten, die- selbe in ihren Lokalen nicht mehr auszulegen. Die einzig mög> liche Antwort unserer Parteigenossen war die, über säinmtliche Lokale von Jnuungsmilgliederu die Sperre zu verhängen. ** Die Maifeier in der Schweiz. Die Arbeiter- union Winterthur hatte an 40 dortige größere Geschäfte das Gesuch gerichtet, den Arbeitern am 1. Mai den ganzen Tag eventuell de» Nachmittag freizugeben, wogegen die Arbeiterfchast ans den freien Nachmittag am Maimarkt verzichten wolle. Nun haben 19 Geschäfte geantwortet und nur 7 davon sind bereit, den 1. Mai ganz oder auch blos am Nachmittag freizugeben, darunter 3 Brauereien. 2 Baugeschäste, 1 Spenglerei und 1 Gelatinefabrik. Die 12 ablehnenden Antworten entHallen als Gründe prinzipielle Gegnerschaft der Unternehmer gegen den I. Mai. dringende Geschäfte, die nicht aus einen Arbeitstag ver- zichten lassen und die Nichtäußerung bezüglicher Wünsche seitens der betreffenden Arbeiterschaft u. s. w. Außer den Arbeitern der 7 Geschäfte werden»och feiern die Mitglieder der Schneider-, Schuhmacher-, Glaser- und Holzarbeiter-Gewerkschaften. Der Hauptalt findet aber am Abend auf freiem Platze statt und wird Psarrer Pslüger von Dußnang dw Festrede halten. Polizeiliches, Gerichtliches ec. — Die Breslauer Arbeiter gehen bereits längere Zeit mit der Absicht um, einen Arbeiter-Tnrnverein zu gründen. Sie wurden, wie wir s. Z. berichteten dadurch verhindert, daß die zu diesem Zweck«inbernsenen Versammlunge» von der Polizei aufgelöst wurden, weil sie nicht angemeldet waren. Die Be- schwerde des Einberusers über das Vorgeben des Polizeibeamten ist voin Polizeipräsidenten abschlägig deschieden worden. Der letztere hat außerdem das Strafverfahren gegen den Veranstalter der Versammlung eingeleitet, so daß«ine richterliche Entscheidung staltfinden wird. — Verboten wurde in Hilbersdorf bei Chemnitz eine Wahlvereins-Versammlung auf grund der amtshauptmannschast lichen Bestimmungen über die Raumverhältniffe in Versammlungs lokalen. — W e g e» U e b e r t r e t u n g des s 24 des Vereins- und Versammluugsgesetzes wurden die beiden Färber Schuh und Hüttenrauch in Lichtenstein-Callnberg(Sachsen) zu je 15 M. Geld strafe verurtheilt. — Eine Haussuchung wurde in Kassel in der Druckerei und Expedition des„Volksblattes für Hessen" wegen eines Flugblattes vorgenommen. In der Druckerei wurden noch 1000 Exemplare beschlagnahmt. — Der Redakteur der„Münchener Post", Genosse Müller, wurde ivegen eines Artikels„Trucksystem in der städtische» Verwaltung" zu 50 M. Geldstrafe verurtheilt. — Genosse Manfred Wittich in Leipzig, der vom Landgericht F ü r t h aus grund einer Rede über Erziehrnigswesen, die er in Zirndorf gehalten hat, wegen angeblicher Religions schmähung in Untersuchung gezogen war, ist unter Uebernahme der Koste» auf die Staatskasse, d. h. die Steuerzahler, außer Verfolgung gesetzt worden. Sozinlo LlekrevlMzk: Heimarbeiter und Krankenversichernitg. Der ganze sozialpolitische Gesetzgebungsapparat— Unfall-, Kranken-, Alters- und Jnvaliditäts-Versicherung, die Gewerbe-Ordnung, das Gesetz betreffend die Gewerbcgerichte— krankt u. a. besonders an dem Fehler, daß die rechtliche Stellung der Heimarbeiter in keinem dieser Gesetze so klar formulirt ist. daß sie jede Mißdeutung aus schließt. Tie widerspruchvolliien Entscheidungen über die Stellung dieser Arbeiter sind denn auch erfolgt. Wir verweisen nur aus das an dieser Steve verschiedentlich kritisirte Land gerichlsurtheil, welches im Widerspruch mit der Gewerbe Ordnung, wie wir dargeihan, alle Heimarbeiter schlcchthin zu den selbständigen Gewerbetreibenden rechnet,„da der Arbeiter außer dem Hause der Disziplin des Arbeitgebers nicht völlig Unterworfen und an eine bestimmte Arbeits zeit, sowie an die Beobachtung einer Arbeitsordnung nicht gc bundcn ist". Eine ganz entgcgengcsctzte Entscheidung im Krankcnversicherungswesen ist kürzlich von dem Ober-Verwallungs- gericht gefällt. Nach§ 2, Abs. 1, Ziffer 4 des Krankenversichcrnngs-Gesetzes vom 15. Juni 1883 sind Personen, welche von Eewerbeireibenden außerhalb ihrer Betriebsstätten beschäftigt werden, nur statutarisch versicherungspflichtig. Durch die Novelle zum Krankenversichcrungs Gesetz vom 10. April 1892 hat die Ziffer 4 eine veränderte Fassung erhalteil. Durch statutarische Bestimmung einer Eenicinde sür ihren Bezirk oder eines weiteren Konununnlverbandcs sür seinen Bezirk oder Theile desselben kann die Anwendung der Vorschriften des s I(Versicherungszwang) erstreckt, verde»:„auf selbständige Gewerbetreibende, welche i» eigene» Betriebsstätten im Austrage und für Rechnung anderer Gewerbetreibender mit der Herstellung oder Bearbeitung gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt werden (Hausindustrie), und zwar auch für den Fall, daß sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst beschaffen, und auch für die Zeit, während welcher sie vorübergehend sür eigene Rechnung arbeilen."(§ 2, Ziffer 4, in der Fassung der Novelle vom 10. April 1892.) In den Motiven zum Entwurf der Novelle, Seite 36, wird die veränderte Fassung begründet:„weil die Ziffer 4— in ihrer bisherigen Fassung— eine Ausnahme von der allgemeinen Ver- sicherungspflicht enthalte, welche nach den gemachten Erfahrungen durch ein praktisches Bedürsniß nicht gefordert werde, vielmehr bei voller Anwendung zahlreiche, der Krankenversicherung dringend bedürftige Personen dieser Versicherung beraube, und sich die Streichung dieser Ziffer 4 taher um so mehr empfehle. als eine ähnliche Ausnahme auch das Jnvaliditäts- versicherungs- Gesetz nicht zulasse," Dieser Auffassung ist das Ober- Verwaltungsgericht in einem Streitfälle der Armendirektion mit der hiesigen Orts- Krankenkasse der Schneider und Schneiderinnen beigetreten. Nach der Ent- scheidung sind alle Arbeiter und Arbeiterinnen, welche von Ee- werdetreibende» außerhalb ihrer Betriebsstätten beschäftigt werden, fortab ebenfalls versicherungspflichtig, sobald dieselben nur sür einen Arbeilgeber arbeiten, auch die sogenannten Platzarbciter. In der Praxis wird die Entscheidung des Obcr-Vcrwaltungs- aerichts von einschneidender Wirkung sein. Sie wird den Erfolg haben, daß, gleichviel ob jemand hausindustriell nur für ein Geschäft oder sür mehrere thälig ist, er einer Krankenkaffe anzugehören hat. Einmal fällt es aus gewichtigen Gründen keinem Arbeiter ein, seinem Arbeitgeber mitzutheilcn, daß er noch für andere Geschäfte arbeitet, um sich vielleicht der Krankcnver- sicherungspflicht zu entziehen, dann aber wird es dein Geschäfts- inhaber schwer fallen, die nöthige Kontrolle zu üben, ob einer seiner Arbeiter auch wirtlich für zwei und niehr Geschäfte thätig ist. Heute kann es zutreffe», morgen nicht mehr. Es liegt also ebenso sehr im Interesse des Arbeiters, als auch des Arbeitgebers, diese Scherereien durch den Beitritt zu einer Kasse zu beseitigen. Die freien Hilfskasscn haben bei dieser Gelegenheit die günstigste Position. Der Arbeitgeber sucht seine Verantwortung. die ihm durch die An- und Abmeldung n. s. w. zur Orts- Krankenkasse entsteht, dadurch zu beseitigen, daß er von seinen Arbeitern verlangen wird, daß sie einer freien Hilsskasse an- gehören.' Andererseits werden die alten und kranken Arbeiter, welche in den freien Hilfskassen nicht aufgenommen werden, den Orts- Krankenkassen zugeschoben. Es ist nicht zu vcr- kennen, daß diese finanziell dadurch bedeutend mehr in Anspruch genomnien ist. Auch auf das Arbeitsverhältniß vcr- schiedener Arbeiter, welche den Hilsskassen aus diesen Gründe» nicht angehören können, wird die Aenderung nicht ohne Wirkung sein. Im allgemeinen ist die Entscheidung des Ober-Verwallungs- gerichls nur gut zu heißen. Sie wird vielleicht den Anstoß geben, daß die rechtliche Stellung der Heimarbeiter zu den verschiedenen sozialpolitischen Gesetzen präziser zum Ausdruck kommt. Drohende Skrbeitseinschränkiingen. Das westfälische Koks-Syndikat gedenkt seine Produktion von 10 auf 18 Prozent einzuschränken. Das Siegerländer Eisenstein-Syndikat hat eben- falls beschlossen, die Förderung im Mai und Juni um 20 pCt herabzusetzen.— Das bedeutet wieder Arbeitslosigkeit für viele hunderte Arbeiter. Kapitalistische Moral. Ter Mannheimer„Vollsstimme" liegt folgender Originalbries vor: „Herrn H. A.... Müllerbursche, Schauernheim. Sie haben in Verbindung mit A. B... meinen Verwalter )errn Lonis Zinser wegen Verfälschung von Kleie wegen jetrugs der Staatsbehörde zur Anzeige gebracht, wie mir soeben bekannt wird. Wegen dieser Untreue entlasse ich Sie hiermit osort. Sie haben binnen einer halben Stunde nach Empfang dieses die Mühle zu verlassen, widrigenfalls ich Ihr Verhalten als Hausfriedensbruch behandeln müßte. Ihren Lohn abzüglich Kost erhalten Sie bis heute. Ich behalte mir jedoch alle Schadenersatzansprüche vor. Dr. Alt, llicchtsanwalt. Der Verfasser dieses Schriftstückes ist Herr Dr. Alt, Rechts- anwalt, Sladtverordneter und Theaterdichter in Mannheim und nebenbei Kunstmühlenbesitzer in Schauernheim. Der Verwalter batie der Kleie, die den Bauern als gut verkauft wurde, den Putzabfall des Getreides beigemischt. Die beiden Gesellen hatten sich geweigert, diese Manipulation vorzunehmen und als der eine deshalb entlasse» wurde, denunzirten die beiden den Verwalter der Polizei. Herr Dr. Alt aber entläßt nun nicht den manschen- den Verwalter, sondern den Gesellen. Was liegt auch an ein wenig Lebensmittelverfälschung. GetverkfchÄfkliches.' An die Gewerkschaften Berlins! Von jetzt ab sind sämmtlicbe noch ausstehende Listen der Brauereiarbeiter nur noch Grenadierstr. 10, I, im Gewerkschaftsbureau, an Genossen Millarg abzuliefern. Die Veröffentlichung der Abrechnung findet am ersten Tage in der nächste» Woche im„Vorwärts" statt. Der geschäftsführe»de Ausschuß der Berliner Eewerkschafts-Kom Mission. Achtung, Holzarbeiter l Der Streik in der Kistenfabrik von Martin, Kiefholzstraße, dauert unverändert fort. Leider haben sich einige Zimmerleute und ein Kistenmacher herbei- gelassen, dort in Arbeit zu treten. Die Kollegen werden gebeten, dafür zu sorgen, daß der Zuzug nach dieser Werkstatt fern gehalten wird. Die Kommission der Kistenmacher. Achtung, Metallarbeiter! Die Firma Eckel u. Glinicke, Wasserthorstr. 50, ist für Metalldrücker bis auf weiteres gesperrt. Der Streik bei der Firma O. Lundershausen, Prinzenstr. 99, dauert unverändert fort. Um Fernhaltung des Zuzuges ersucht Ter Vorstand des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäs- tiglcn Arbeiter Berlins und Umgegend. Wegen Lohndiffcrenzen wird ersucht, den Zuzug der Schleifer, Schlosser u. s. w. von der Firma Bever u. Klophaus in Schwelm fernzuhalten. Ottenburg in Baden. In der Schumacher'schen Bürsten- fabrik Hierselbst ist wegen Lohndifferenzen Streik ausgebrochen. Ferner ist Zuzug fernzuhalten: Von Tischlern nach Varel (Tieljen's Werkstatt), nach R o h r b a ch bei St. Ingbert(Wagner's Werkstatt) und nach B unzlau i. Schl.(Kählich's Werkstatt); von Bildhauern und Kehlern nach Lauterberg(Hillegeist); von Drechslern nach Lübbe»(P. Lindemann); von Steinnnß- und Hornknopf- Drechslern nach Schmölln in S.-A.; von Bürstenmochern nach Hamburg(Steidtmann u. Nagel). Sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Riegersdorfer Sreinnußknopf-Fabrik stehen im Streik, weil man ihnen eine LOprozentige Lohnreduzirung zu- muthete. Der Uhrinacherstreik in Grenchen fährt fort, das Interesse weitester Kreise in der Schweiz auf sich zu lenken. Das Zentralkomitee des Gehilfenverbandes hat Stellung zum Streik genommen und bestimmt, daß jedes in Arbeit stehende Verbands- Mitglied sür die ganze Dauer des Ausstandcs einen wöchentlichen Extrabeitrag von 1 Fr. zur Unterstützung der Ausständigen zu entrichten habe. Nach den neuesten Meldungen haben die Aus- ständigen in Grenchen die Vermittelung der Regierung in Solo- thurn zur Anbahnung einer Verständigung nnl den Fabrikanten nachgesucht und fand bereits am Sonnabend eine bezügliche Kon- ferenz in Grenchen statt. Iu eine Lohnbewegung eingetreten sind die Zimmer- leutennddie Brauer von Bern(Schweiz). Die ersteren verlangen die zehnstündige Arbeitszeit im Sommer und die acht- stündige ini Winter als Minimal-Arbeitszeit, ferner Stundenlohn von 48 Cents im Minimuni, Festhalten am Verbot der Akkord- arbeit, Verpflichtung der Meister, nur Fachvereinsmitglieder ein- zustellen, Freigabe des I. Mai, Verbot des Blau machen?, Rauchens und Trinkens während der Arbeits- zeit hei 1 Fr. Buße ini Falle der Ueber- tretung. Gilligkeitsdauer der Uebereinkunft 3 Jahre bei vierteljährlicher Kündigung. Zugleich wandte sich der Fachverein au den Sladtrath mit dem Gesuche, Mittel und Wege zu suchen, un> der Schnmtzkonkurrenz auswärtiger Meister entgegenzutreten. — Die Brauer verlangen den Zehnstuudentag, Minimallohn von 75 Fr. für 12 Arbeitstage, 25—50 pCt. Lohnzuschläge für Ueberzeit-, Stacht- und Sonntagsarbeit, Abschaffung des Kost- und Logiszwanges in den Brauereien, Einräumung eines hellen und heizbaren Zimmers zum Verkehr der Arbeiter in den freien Stunden, Abschaffung der„ Du"- Anrede, Anerkennung des Fachvereins, Freigabe des 1. Mai. Ter BcrbandStag der sächsischen Maler, Lackirer uud Berufsgenossen fand am 7. April in Meer an e statt; er war von 12 Städten durch 16 Delegirte beschickt; außerdem wohnte der Vorsitzende des deutscheu Verbandes den Ver- Handlungen bei. Von allen Rednern wurden die lebhaftesten Klagen laut über die Bedrückungen und Verfolgungen, denen die Gewerkschaften ausgesetzt sind, trotzdem gehe es überall vor- wärts. Konstatirt wurde, daß von 80 000 Malergehilfen in Deutschland kaum 6000 organisirt seien. Ter Punkt: Aktions- Programm des Hauptvorstaudes, schloß die Diskussion der Mög- lichkeit eines Generalstreiks sür das Jahr 1896 ein. Tie Redner waren allgemein dahin einverstanden, daß von einem Generalstreik, gegenüber der großen Masse unorganisirter 5dollegeu, keine Rede sein könnte, vielmehr müßte es den Kollegen der einzelnen Orte überlassen bleiben, über Streik- angelegenheiten zn entscheiden. Schließlich wurde auch ein dahin- gehender Beschluß gefaßt. Warnung vor Zuzug von Klempnern, Zinngießern und Malerinnen nach Kopenhagen. Das Annouzenbureau von I. Aug. Wolf in Kopenhagen sucht in verschiedenen in- iändifcheu Zeitungen für das Ausland Klempner uud junge Malerinunen bei gutem Lohn und freier Reise und liegt die Verniuthung nahe, daß diese Arbeitergefuckie mit den Differenzen der Metallwaareufabrik für imitirte Wiener Nippsachen von Emil Loreutzen in Kopenhagen in Zusammenhaug stehen und warnen wir hiermit alle oben bezeichneten Berufsgenosse» der- artigen Offerten Folge zu geben. Stuttgart, im April 1395. Der Vorstand des deutschen Metallarbeiler-Verbandes. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. De�elrsxen. Privat-Telegramm des„Vorwärts". Kopenhagen, 9. März.(10 Uhr 25 Min.) Acht Sozial- dcmokraten gewählt: Holm, H o r d u m, Jensen, Olsen. Wiinblad, Meyer, Clausen, Jenten. Große Majoritäten. Wolff'S Telegraphen-Burean. Hamburg, 9. April. Der wegen Diebstahls und Einbruchs 5 Jahren Zuchthaus vernrtheilte Strafgefangene Palme wurde !>ei einem Fluchtversuche von einem Soldaten erschossen. Wien, 9. April. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Sofia: Auf Ersuchen der türkischen Regierung wird gegen die hiesigen makedonischen Blätter seitens des Staatsanwalts Strasanlrag wegen Beleidigung des Sultans gestellt. Roggio di Calabria, 9. April. Gestern Abend, heute früh und heule Nackmittag wurden hier insgesammt 4 Erdstöße ver« chiirt, deren letzter 4 Sekunden dauerte und wellenförmig verlief. Unter der Bevölkerung herrscht große Aufregung. tTepeschen-Bnreau Hirold.) Wien, 9. April. In der Vorstadt Nudolfheim hat gestern Abend ein Zusammenstoß st reitender Knopsdrechsler mit der Polizei stattgefunden. Dreihundert Ausständige solle» die arbeitenden Genossen angegriffen haben, um dieselben zu zwingen, die Arbeit ebenfalls niederzulegen. Tie Polizei zog blank. Mehrere Verletzungen kamen vor, zahlreiche Verhaftungen haben staltgefunden. Verantwortlicher Redakteur: I. Dicrl(Emil Roland) in Berlin. Truck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuihstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. MZMMWMWW 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 83. Mittwoch, de» 10. Axril 1893. IS. Jahrg. Lokales. lleber die Maifeier leitartikelte in ihrer gestrigen Morgen- numuier die Tante„Voß" und zwar gaben ihr die Beschlüsse der lehren Brauerei-Arbeiterversammlung den Stoff zu ihren Be- trachtungen. Den Berliner Brauherren liegt der vorjährige Bierboykott noch schwer in den Gliedern und zwar ist dies um so mehr der Fall. als. wie die Tante ausdrücklich konstatirt, die beim Boykott verloren gegangene Kundschaft noch nicht wieder zurückgekehrt ist. Daß unter solchen Umständen die Aussicht auf die Möglichkeit einer Erneuerung des Bierkrieges die Brau- Herren und die ihnen dienstboren Organe mit banger Sorge er- füllt, finden wir begreiflich. Weniger begreiflich ist es uns da- gegen, wie gerade angesichts dieser Sachlage die Tante auch jetzt wieder die Berliner Arbeiterschaft mit der Auffrischung der alten Lüge zu reizen sucht, der vor- jährige Boykott wäre erklärt ivorden, weil die Brauereien sich geweigert haben, den ersten Mai ihren Arbeitern freizugeben. Geht es denn ohne Lüge und Verdrehung den Arbeitern gegenüber gar nicht? Eine notorische Lüge aber ist es, den Boykott als eine Folge dcr Verweigerung der Arbeitsruhe hinzustellen. Der Boykott wäre ohne die schamlose Maßregelung der zwanzig Prozent an der Maifeier vollständig unbetheiligter Arbeiter nie erfolgt; das weiß alle Welt. Die Tante Boß würde deshalb im Interesse ibrer Klienten aus dem Brauerring selbst besser thun, durch das Zluftlschen hundertmal widerlegter Lügen, nicht alte Wunden wieder auszureißen und so das Wiedergewinnen der verlorenen Kundschaft— wenn auch wider Willen— zu hintertreiben. Vou den Genossen der Rosenthaler Borstadt und Ge- sundbrunnen wird am 2. Osterfeierlag, mittags 12 Uhr, eine Matinee in Weimann's Volksgarten, Badstrahe 56, bestehend in Konzert, Gesangs- und komischen Vorträgen veranstaltet. Auch ist den Besuchern der Matinee gestattet, den weiteren Tages- Vorstellungen unentgeltlich beizuwohnen. Um rege Betheiligung ersucht Die Vertrau ensperson. Die Firma Hein, Lehman»«. Ko., die in ihrer Bis- marckbegcisterung den Arbeitern den Lohn sür den halben Tag abzog, den sie gezwungen zu Ehren des Kapitalgötzen seiern muhten, verdient einige kritische Beleuchtung. Die von ihren Unternehmern arg geschädigten Arbeiter waren aufs höchste über- rascht, als am 1. April kurz vor Mittag ein Ukas am schwarzen Brett dcr Fabrik erschien, durch den der Arbeitsschluß zu 12 Uhr angeordnet wurde. Die Arbeiterfrauen, welche gekommen waren, ihren Männern das Mittagbrot zu bringen, hatten unnütz Zeit und Fahrgeld geopfert, und den außerhalb Berlins wohnenden Leuten erwuchs insofern eine Mehrausgabe, als die Wochenkarten der Ringbahn zur Mittagszeit ungiltig waren. Man hielt es aber sür selbstverständlich, daß die Firma, die im verflossenen Geschäftsjahre 76 000 M. Reingewinn erzielt hat, anstandslos den halben Feiertag bezahlen würde, den sie den wahrlich nicht bismarckbegeinerten Arbeitern aufgezwungen hatte. Aber das Gegentheil trat ein; den Arbeitern, die. wie es sich gebührte, den halben Tag mit a»f Rechnung geletzt hatten, wurde der Lohn hierfür glatt abgezogen. Alles zu Ehren des National- götzen. Dieser Vorgang steht wohl ziemlich vereinzelt da. Aller- dings ist in den Kreisen der Kühnemänner der Gedanke lebhaft ventilirt ivorden, am Allerwelts-Narrentag zu Ehren des Groß- kophtas aller Arbeiterfeinde durch Schließung der Fabriken eine gewallige Volksbegeisterung ins Werk zu setzen, aber da eine solche Demonstration Geld kostet, ist man wohlweislich von der ingeniösen Idee zurückgekommen. Nur einige wenige Firmen habe» sich zu dem Opfer verstanden, und den Arbeitern den Lohn für den anbefohlenen halben Feiertag wohl oder übel voll ausbezahlt. Die Noblesse, die aber die Firma Hein, Lehmann und Ko. an den Tag legte, ist um so bezeichnender, als gerade diese'Gesellschaft den Ruf genießt, bei niedrigsten Löhnen größere Anforderungen an ihre Arbeiter zu stellen. Ter Stundenlohn für Schlosser beträgt z. B. dort nicht mehr wie 30 bis 35 Pf. Es versteht sich, daß die Berliner Metallarbeiter die gebührende Antwort auf die un« gesetzliche Maßregel der Firma nicht schuldig bleiben. Zu Donnerstag Abend ist eine öffentliche Versammlung der bei Hein, Lehmann u. Ko. beschäftigten Arbeiter anberaumt worden, in der die verständnißinnige Art, wie die Fabrikleitung im Sinne des Millionärzüchters Bismarck gehandelt hat, gebührend beleuchtet werden soll. Eine Nebision der Fabrik vou Hei», Lehmann u. Ko. wäre übrigens dem Gewerbe-Jnspektor recht dringend zu empfehlen. Tie Arbeiter klagen sowohl über mangelbaste Treppenbeleuchtung, wie auch darüber, daß die Schutzvorrichtungen an den Maschinen höchst ungenügend und verbesserungsbedürftig sind. Namenilich leiden die Arbeiter aber unter den gesundheirs- schädlichen Dämpfen der Säuren, die bei der Berzinkung von unten nach den oberen Etagen des Fabrikgebäudes hinaufsteigen. Durch eine genügende Ventilationseinrichtung würde diesen Uebel- ständen mit Leichtigkeit abgeholfen werden können. Hoffentlich ordnet der Gewerbe-Jnspektor baldigst das nölhige im Betriebe der bismarckbegeisterten Gesellschaft an. Frciffuuiger Heldenmnth. Die mandatslüsterne freisinnige Vollspartei gedenkt bei der bevorstehenden Ersatzwahl zur Stadl- verordneten-Versammlung einen Fischfang im Trüben zu machen und bereitet zu diesem Zwecke ein echt freisinniges Wahlmanöver vor. Der bisherige Stadtverordnete Dr. Heutig hat bekanntlich in überwallendem deutschen Zorne über die Schlechtigkeit der Verlrelung der Berliner Bürgerschaft im rothen Hause seinen Sessel, den er solange im weisen Rathe der Väter der Stadl gedrückt hatte, zur Disposition gestellt und vorgezogen, aus dem hellen Lichte der Oeffentlichkeit sich in ein weniger lichtvolles Privatleben zurückzuziehen. Das sreigewordcne Stadtverordneten- Mandat ist daher zu vergeben und unter den Beiverbern um dasselbe fehlt natürlich auch die freisinnige Volkspartei nicht. Um dasselbe mit Sicherheit sür sich kapern zu können, ist der deutsche Freisinn nun auf ein probates Mittelchen verfallen. Wie nämlich ein hiesiges Blatt nach privaten Mittheilungen zu melden weiß, sind von dem freisinnigen Zeniral-Wahlkomitee für dieses Mandat„vorläufig"— wie vir- lautet, soll die Ersatzwahl am 29. d. M. stattfinden— die Herren Behrendt, Vorsitzender der Armenkommission, und Tobrinowicz als Kandidaten nominirt worden. Von der Ausstellung Munckel's, des wegen des Bismarck-Rummels freiwillig abgedankten Vorstehers der Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung, habe man aus„taktischen" Gründen Abstand genommen, wie den» überhaupt von mehreren Persönlichkeiten Abstand genommen worden sei, deren ablehnende Stellungnahme zur Bismarck- Ehrung allgemein bekannt sei, da viele Wähler, selbst aus der freisinnigen Volkspartei, die der Bismarckfeier sympathisch gegen- über standen, nicht abgestoßen werden sollen, umsomehr, als unter den 34 Stadtverordneten, die in der Stadtverordneten- sitzung für die Bismarck-Ehrung waren. 14 aus dcr freisinnigen Volksparlei gewesen seien, ein Mitglied des Vorstandes dieser Partei einbegriffen. Der freisinnige Mannesmuth dieser Partei, die sich erkühnt, sich eine„Volkspartei" zu nennen, erscheint hier wieder einmal in vollster Glorie. Nicht genug, daß 14 freisinnige Helden den traurigen Muth besaßen, sür die Bismarck-Ehrung zu stimmen, hat man andererseits wiederum nicht den Mannes- muth, offen Farbe zu bekennen, wo es sich darum handelt, ein Mandat zu ergattern. Man scheut sich,„kompromittirte" Leute als Kandidaten aufzustellen aus Furcht, bei den Wählern Anstoß zu erregen, deshalb nominirt man Leute, welche„unverdächtig" sind, nur um die Stimmen der Wähler zu fangen. Ein echt freisinniges Stücklein! Der freisinnige Heldenmuth offenbart sich wohl hinter verschlossenen Thüren, wo keine Gefahr vorhanden ist, verschwindet aber sofort, wenn es gilt, denselben öffentlich durch Thaten zu beweisen. O Freisinn, wie tief bist du gesunken! Eine Sitzung der Stadtverordneten- Ver- s a m m l u n g findet in dieser Woche nicht statt. Die Stadtverordueten-Ersatzwahle» für den im 3. Wahl- bezirke III. Abtheilung bis Ende 1897 gewählten Stadtverordneten Dr. Heutig, der sein Mandat niedergelegt hat. und für den ver- storbenen Stadtverordneten Fürst, gewählt im 10. Wahlbezirk II. Abtheilung bis Ende 1895, sollen Dienstag, 30. April, und zwar im 3. Wahlbezirk III. Abtheilung von vormittags 9 bis nachmittags 7 Uhr und im 10. Wahlbezirk H. Abtheilnng von vormittags 10 bis nachmittags 5 Uhr vorgenommen werden. Ter Rathhausthnrm ist vorgestern von etwa 600 Personen bestiegen worden. Der Ucberblick über Verlin, den man vom lliathhausthurme genießt, ist bekanntlich ein viel reicherer, als der vom Siegespetschaft und vom Kreuzbergdenkmal. Ein Fern- rohr, das ans dem Nachlaß Zllexaiider v. Humboldt's um 200 Thaler in den Besitz der Stadt kam, steht oben den Besuchern zur Verfügung. Das von Tag zu Tag lvachsende Hochwasser bildet namentlich für die Bauarbeiten an der Spree eine Gefahr. Der Wasserspiegel der Spree reicht z. B. bei dem Tombau-Platz bis nahezu an die Spitze der Rammmaucr heran, und wenn das Wasser noch drei Zoll steigen sollte, was ja sehr wahrscheinlich ist, so wird dcr Bauplatz Lberfluthet werden. Die neuerbauten massiven Brücken geben nicht genügend Lichtung, um Kähne mit Hochgang passiven zu lassen; freilich ist die Schiffsahrt bereits zum großen Theil eingestellt, weil bei der reißenden Ströniung ein sehr erschwertes Fahren ist. Der Grnndwasserstand Berlins ist infolge des Hochwassers auch erheblich gestiegen und in vielen an der Spree belegene» älteren Gebäuden sind Keller und Keller- Wohnungen überschwemmt worden. Wie ans Spandan berichtet wird, ist dort der Wasserstand von Spree und Havel so hoch, wie seit Menschengedenken nicht. Die Umgegend der Stadt gleicht einem See; nicht allein die Wiesen sind überschwemmt, sondern auch viele höher belegene Ackergrundstücke. In der Stadt selbst ist das Wasser an ver- schiedenen Stellen über die Ufer getreten, viele Keller sind über- schwemmt und haben geräumt werden müssen. Dabei steigt das Wasser noch fortgesetzt. Wegen des Nolhwassers wird der Be- ginn der Personendampfschifffahrt hinausgeschoben werden müssen, da sämmtliche Landungsplätze tief unier Wasser stehe». Nnch aus Wittenberge kommen sehr traurige Berichte über die dorligen Ueberschwemmungen. Meilenweit sind die Felder und Wiesen überschwemmt, die Saaten vernichtet, Dünger fortgewaschen, die Becker aus lange verwüstet. Am traurigsten aber steht es um die Ortschaften an dcr Havel. Die Ortschaften Saldernhorst, Vehlgast, Danierow, Todlcnkopf, Voigtsbrügge, Babe und verschiedene andere sind überfluthet; auch in Havel- berg ist das Wasser in die Häuser der Unterstadt gedrungen. In Damerow und Vehlgast sollen ebenfalls die Dämme an mehreren Stellen gebrochen sein, und soll das Wasser noch Vs Meter über den Deichen stehen. Berlin wird demnächst für den Beschluß seines Stadt- verordnetcn-Kollegiums in Sachen des B i s m a r ck r u m in e I s auf geradezu schauerliche Weise bestraft. Einen an die„Köln. Ztg." ergangenen Bericht zufolge soll das Millionen-Denkntal für Bismarck ans keinen Fall in der Hauptstadt dcr deutschen Sozial- demokratie, sondern„auf einer geeigneten Bergeshöhe" errichtet werden. Wie wäre es mit den Rehberge»? Der Lehrkursiis der Berliner Arbeiter mid Arbeiterinnen znr ersten Hilfe bei Unglücksfällen, der fortan den Namen„Samariterknrsus für Arbeiter und Arbeiterinnen" führen wird, richtet einen Soninierkursus ein, der am 22. April, abends R/s Uhr, im oberen Saale der Armin- hallen, Kommandantenstr. 20. beginnt. Das Eintrittsgeld zum Samariterkursus beträgt 40 Pf., der nionatliche Beitrag 25 Pf. Alle 14 Tage finden Lehr- und Uebungsstunden statt. Mit dem Sommerkursus werden gleichzeitig Turn- und Jugendspiclc ein- gerichtet, die jeden zweiten Sonntag unter Leitung von Aerzten und Ordnern aus freien Plätzen in der Umgegend Berlins ab- gehalten werden. Um den Kindern der Mitglieder des Samariter- kursus Gelegenheit zur Theilnahme an diesen Spielen zu geben, wird auch eine Jugend-Spielabtheilung eingerichtet. Ter Besuch der ersten Versammlung, sowie einer anderen Sitzung des Kursus steht jedermann als Gast frei. Auf die herrschende Arbeitslosigkeit wirst folgende Mit- theilung der„Volks- Zeitung" ein bezeichnendes Licht:„Auf dem Gelände des Trnppen-Uebungsplatzes der Döberitz finden sich seit dem l. April täglich aus Berlin und den Vororten dichte Schnaren von beschäftigungslosen Leuten ein, die Arbeit suchen; an einem Tage waren über 500«Ilann mit der Bahn angekommen, vielfach mit Spaten und anderem Hand- werkszeug ausgerüstet; leider bemühen sich alle diese Personen vorläufig noch umsonst, es sind noch keine Arbeiten angefangen. Soeben erläßt die Kommandantur des Töberitzer Uebungsplatzes eine Bekanntmachung, worin sie mittheilt, daß der Bau des Baracken- lagers in dcr Nähe von Dallgow demnächst beginnen wird; der Zeitpunkt wird bekannt gemacht werden. Die Konimandantur warnt gleichzeitig, das Dorf Töberitz zu betreten." Ei» abgefertigter Znuftscherz. Dcr Verband deutscher Loh»-Fuhrunternehmer halte am 31. Dezember v.J. dem Reichsamte des Innern eine Denkschrift, betreffend die Ein- führung des Befähigungsnachweises im Lohnfuhr- gewerbe, überreicht. In dem auf diese Eingabe nunnlehr er- folgten rcichsamtliche» Bescheide erwidert der Reichskanzler, j. V. v. Böttichcr, daß er bei aller Anerkennung der auf die Hebung des Lohnfuhrwesens gerichteten Bestrebungen des Ver- bandes deutscher Lohnsuhrunternehmer Bedenken trage, der von dem Vorstande angeregten Frage der Einführung des Befähiguugs- Nachweises für das gesamnite Lohnfuhrgcwerbe näher zu treten und macht darauf aufmerksam, daß nach§ 37 der Geiverbe- Ordnung die Unterhaltung des öffentlichen Verkehrs innerhalb der Orte durch Wagen aller Art der Regelung durch die Orts- Polizeibehörde unterliegt und nach Maßgabe dieser Bestimmung die Behörden schon jetzt in der Lage sind, soweit es das öffent- liche Interesse erfordert, die Zulassung zum Betriebe des Lohn- fnhrgcwerbes von dem Nachweis der technischen Befähigung ab- hängig zu machen. Gegen die Ramschgeschäfte kämpft mit wahrer Berserker- wuth die„Deutsche Tages-Zeilung"— sosern sie in jüdischen Händen sind. Anders liegt die Sache, wenn das eigene oder auch das„nationale" Interesse in Frage kommt. Vor einiger Zeit wurden im Briefkasten des Organs des Bundes der Landwirthe gute Kocherbsen in dringlichem Tone angeboten, jetzt macht das Blatt den Versuch, seinen Lesern einen Posten Bismarckportraits aufzuhängen. Wer den Schutzpatron aller Kornvertheurer lebens- groß zu haben wünscht, muß 20 M. anlegen; der Vorrath davon ist aber nur sehr klein. Also, immer Heran, meine Herrschaften! Mit Geldstrafe bis zu sechzig Mark kann, wenn er nicht nach anderen Vorschriften höhere Strafen verwirkt hat, derjenige bedacht werden, der eine neuerdings erlassene Polizeiverordnung nicht beachtet, wonach das Aufhissen von solchen Flaggen ver- boten ist, welche als besonderes Abzeichen des Staates oder der Krone gelten. Da der landläufige Patriotismus sich in Geld- angelegenheilen fehr reservirt verhält, so ist es möglich, daß man an sog. nationalen Festlagen fortan weniger als bislang vom Ueberquellen der Volksfeele unserer Hoflieferanten und ähnlicher Geschäslspolitiker merkt. Neue Eisenbahn- Haltestelle» sollen in der Nähe der Spandauer Bergbrauerei wie bei der Kolonie Karlshorst angelegt werden. Ei» Stück menschlichen Elends offenbart sich in folgender aus polizeilichen Kreisen stammenden Mitthcilung: Eine ganze Familie, die nicht weniger als sechs Köpfe zählt, wird behördlich verfolgt und ist der hiesigen Kriminalpolizei signalisirt worden. Es handelt sich um den Eisenbahnarbeiter Michael Kopersky, der mit seiner Frau und vier Söhnen im Alter von acht bis zu neunzehn Jahren bei Stargard i. P. in einer einsam belegenen Erdhöhle Wohnung genommen und sich von Wilddieberei und Kartoffeldiebstählen ernährt hat. Zu ihnen hatte sich noch der 35 Jahrb alte Eisenbahnarbeiter Katzengieß gesellt, der mit dem ältesten Sohn Franz Kopersky dem Waidwerk oblag, während die übrigen Personen die zum Unterhalt nöthigen Kartoffeln aus der Umgegend zusammenstahlen. Als sich der Verdacht auf sie lenkte, waren die Höhlenbewohner bereits verschwunden. Ob die Verfolgten rein zu ihrem Vergnügen in Erdhöhle» gewohnt und Kartoffeln gestohlen haben, oder ob die bittere Roth sie zu dieser eigcnthümlichen Caprice geführt hat? Letzteres wird wohl das wahrscheinlichere sein. Die Denuttziatio» gegeu Exzellenz Coh» soll einer an die Blätter gerichteten Mi'ttheilnng zufolge grundlos sein. Aus welchm Grunde? Von der Regierung ist den Land« rathsämtern die Anweisung zugegangen, den ihnen unterstellten Gendarmen die Bestimmung in die Erinnerung zurückzurufen, wonach die Annahme von Geld oder Geschenken für dienstliche Handlungen untersagt und strafbar ist. Dabei kommen auch solche Handlungen in betracht, die an sich nicht strafbar sind. Wiederum hat ein Schlächterwage» den Tod eines Kindes herbeigeführt. Der vierjährige Sohn Hans des Britzer- straße 44 wohnenden Handelsmannes Diesterhaupt spielte am Montag Vormittag um 11 Uhr auf der Straße unweit der elter- lichen Wohnung. Ein einspänniger Schlächterwagen überfuhr das Kind, das zwar noch lebend den Eltern gebracht wurde, aber alsbald an den erlittenen Verletzungen starb. Ein scltsanter Selbstmordversuch, der eines„Nacht- wandlers im Schlaf", wird aus dem Osten der Stadt gemeldet. Ter bei seinen Eltern in der Tilsiterstraße wohnende 22jährige Kaufmann Max D. war schon von Jugend an mondsüchtig und. die Seinigen hatten alles anfgeboten, um ihren Sohn von den� krankhasten Zustand zu befreien. In der Nacht zum Montag hörte die im Nebenzimmer schlafende Frau D. ein lautes Röcheln, das aus dem Zimmer ihres Kindes drang, und als sie sich in das Nebengemach begab, gewahrte sie ihren Sohn an der Thür- klinke hängend und fast leblos. Sofort wurde der junge Mann losgeschnitten und von einem alsbald hinzugerufenen Arzt wieder zum Bewußtsein gebracht. Jetzt stellte es sich heraus, daß der Selbstmord-Kandivat absolut nichts von seinem Vorhaben gewußt habe, vielmehr der Selbstmord-Versuch im traumhaften, nacht- wandlerischen Zustande begangen worden sein muß. D. kau» sich an den Vorfall in jener Nacht nicht erinnern. Ein räthselhafteS Dunkel schwebt noch über einem Leichen»- sund, den eine Militärpatrouille am Dienstag Morgen um 6 Mir hinter dem alten Schießstand 23 in dem bewaldeten Theil der Hasenhaide machte. Die Soldaten sahen hinter der alten Pionier- ivache einen etwa dreißigjährigen Man» in einer Blutlache liegen. Bei näherer Besichtigung ergab sich, daß zwei Schußwunden in dcr rechten Schläfe des Todten vorhanden waren. Ein Revolver, aus dem die beiden Schüsse abgegeben waren, und der noch mit drei Patronen geladen war, lag neben dcr Leiche, sodaß ein Selbstmord zweifellos erscheint, lieber die Persönlichkeit des Mannes ist nichts festzustellen gewesen. Bezüglich dcr Lasterhöhle i» der Friedrichstraste wird mitgetheilr, daß die Inhaberin bereits verhaftet ist. Dieselbe wohnte im Hause Friedrichstraße 72; es ist eine Frau Becker, welche bereiis früher mit den Strafbehörden in Berührung ge- kommen ist und neben deren Namen sich im Adreßbuche die An- gäbe„Wittwe, Pension" befindet. Die Kriminalpolizei verhaftete mit ihr zugleich mehrere Kolleginnen, die das gleiche Gewerbe betreiben. Graste Aufregung herrschte am Dienstag Nachmittag im oberen Theile der Wrangelstraße. Die vierjährige Tochter Ella des im Hause Nr. 50 wohnenden Bäckermeisters G u i e r spielte um 43/4 Uhr i» Gemeinschaft mit anderen Kindern auf der Straße, als ein Mann mit dunklem Vollbart auf die Gruppe zutrat und die Kleine ohne weiteres niit sich nahm. Die Spielgenosscn sahen dem Vorfalle zunächst verblüfft zu, rannten dann aber mit der Nachricht zu den Eltern des entführten Kindes. Nach- dem man etwa eine halbe Stunde vergeblich nachgeforscht hatte, kehrte Ella Geier allein zurück. Das weinende Kind theilte mit, daß es von dem Manne zu Boden geworfen sei, konnte aber weitere Angaben nicht machen. Eine genaue Beschreibung des Kinderfreundes fehlt leider; doch ist der Polizei zur Anstellung von Nachforschungen Anzeige erstattet worden. Ob dem kleinen Mädchen Schaden zugefügt worden ist, hat sich nicht gleich fest« stellen lassen. Polizcibericht. Am 8. d. Mts. morgens sprang ein Mmin bei der Kaiser Wilhelmbrücke in die Spree, wurde aber alsbald wieder herausgezogen.— In der Reichenbergerstraße fiel vor- mittags ein Knabe aus dem dritten Stock über das Geländer einer Wendeltreppe in den Hausflur herab und erlitt einen schweren Rnckenwirbelbruch.— In der Britzerstraße wurde ein einjähriger Knabe durch einen Schlüchterwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb.— Mittags gerieth in der Prinzen-Allee ein achtjähriger Knabe unter die Räder eines Geschäftswagens und erlitt eine Quetschung der Ziippen. In der Mittelstraße fuhr uachmittags ein Rollwagen derartig gegen einen Geschästswagen, daß dcr Führer des letzleren vom Bocke geschleudert wurde und eine erhebliche Verletzung am Knie erlitt.— In der Großen Fraukfurtcrstraße lief eine Frau aus Unvorsichtigkeit gegen einen vorüberfahrendcn Schlächterwagen, fiel zu Boden und zog sich er» dcbliche Verletzungen an der Stirn und im Gesicht zu.— In der Spree am Mühlenweg wurde die bereiis stark verweste Leiche eines seit längerer Zeit vermißten Arbeiters angeschwemmt.— Als abends ein Schutzmann in der Ackerstraße einen Arbeits- »«ciccu wegen mangelnder SSeleudiUmg anhalten wollte. web der Führer desselben die Pferde durch Peitschenhiebe au. so doch der sie am Kopse haltende Beamte bis zur Ecke der Brunnenstraße mitgeschleist und dort Übersahren wurde. Er erlitt außer einer Kopswunde anscheinend schwere innere Ver- letzungen.— Ein Dienstmann fiel in der Trunkenheit von der zu feiner Wohnung in der Wilhelmstraße sührenden Steintreppe und zog sich eine erheMiche Verletzung der Stirn zu.— In der Nacht zum 9. d. M. wurde in der Laudsbergerstraße ein Mann von zwei anderen überfallen und blutig geschlagen. Bei der Abwehr schlug er selbst einen der Gegner mit der Faust nieder und fügte ihm eine Gehirnerschütterung zu.— Infolge Trunkenheit fiel ein Kaufmann Unter den Linden mit dem Kopfe gegen die Ver- gitterung eines Lichtscfiachtes und erlitt dabei eine schwere Ver letzung.— Am 8. d. M. fanden drei Brände statt. WitteriingSiibersicht vom 9. April 1�95. Wetter- Prognose für Mittwoch, 10. April 1895. Ziemlich warmes, zeitweise heiteres, vielfach wolkiges Weiter Mit etwas Rege» und mäßigen bis frische» südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. ©etidtls-BelUmij. Zur Dienstboten-Sklaverei. Als Eideshclfer des Kanzlers Leist kann sich ein sauberer Dienstherr, der Restaurateur Friedrich B ü h l e r betrachten, denn gestern standen vor dem Schöffen- gericht zwei Anklagen zur Verhandlung gegen ihn an, weil er seine Köchinnen mißhandelt haben sollte. Es kam dabei zur Sprache, daß noch eine dritte ähnliche Anklage gegen ihn schwebe. Der erste Fall»ahm für den Angeschuldigten schon eine sehr böse Wendung. Gelegentlich eincS Tanzkränzchens, welches in dem Lokale des Angeklagte» stattfand, kam es zwischen ihm und seiner Köchin Nettig zn einem Streit, weil die letztere den Kaffee nicht rechtzeitig fertig gestellt hatte. Der Angeklagte soll die Reltig dabei derartig gestoben haben, daß sie rücklings gegen die Maschine stel und soll sie sich dabei Verletzungen zugezogen haben, die in anbctracht ihres damaligen Zustandes schwere Folgen nach sich zogen. Die Rettig ist fünf Tage später in der Charitee ver» slorben. Da der Sachverständige, Sanitälsrath Dr. Mittenzweig, sein Gutachten dahin abgab, daß es nicht ausgeschlossen sei, daß der Tod die Folge der erlitlenen Mißhandlung sei, so erklärte sich der Gerichtshof für unzuständig, weil vielleicht Körper- Verletzung mit tödtlichem Ausgange vorliege. Die Sache wurde an das Schwurgericht verwiesen.— In dem zweiten Falle sollte der Angeklagt« ein Kochmädchen, welches nach voran» gegangenem Streit den Dienst auf der Stelle verlassen sollte, die Trepp« hinabgeworfen haben. Auch dieser Fall muhte vertagt werden, weil eine wichtige Zeugin nicht erschienen war. Gehört ein Speditionsgeschäft zum Haudels- oder zum Verkehrsgewerbe? Die ILll. Äbtheiluug des Schöffengerichts am Amtsgericht I hat dahin entschieden, daß das Speditionsgeschäft als ein Handelsgewerbe anzusehen ist. Veranlassung zn diesem kkrtheile gab der Spediteur I a c o b s o h n, der wegen Ueber- tretung der Sonntagsruhe angeklagt war, weil er i» seinem Krmptoir nach 19 Uhr vormiltags verschiedene Arbeilen vor- nehmen ließ. Der Angellagte wurde mit einer milden Geldstrafe von 19 M. belegt, weil er sich nach Ansicht des Gerichlshofes sehr leicht in einem Jrrlhmn befinden konnte. Das Gericht«ut- schied nämlich dahin, daß die Komptoirarbeiten nur als eine Vorbereitung für das Transportwesen anzusehen seien, während das Gewerbe selbst nur zum Handelsbetriebe gehöre. Für die Grundsähe der Naturheilkunde im Gegensätze zur Allopathie wurde gestern vor einer Ablheilung des hiesigen Schöffengerichts sehr lebhaft gefochten. Wegen Betruges hatten sich der.Naturkundige" Z u p k e und dessen Assistent Q u a n d t zu verantworten. Zupke erläßt von Zeit zu Zeit Avnoncen, in denen er sich anheischig macht, mit seiner Natur- Heilmethode alle nur denkbaren Krankheiten, wenn sie sich noch nicht in zu weit vorgeschrittenem Stadium befinden, zu heilen. In der Behandlung der Kranken unterstützte ihn der zweite Angeklagte, der eine wissenschafllich-medizinische Vorbildung genossen hat. Er hält auch in Abwesenheit des Z. die Sprech- stunden ab. Ein Kranker in Lankwitz, der offenbar sehr schwer am Asthma leidet, las die Annonce, und da er bereits von einem allopathischen Arzte erfolglos behandelt worden war. fuhr er nach Berlin und suchte die Augeklagten auf. Er wurde von Quandt untersucht und ihm durch die vorzunehmende Kur, die zumeist aus Begießungen mit Wasser und einer vegetarische» Diät besteht, sichere Heilung versprochen und diese Heilmethode als die einzig wirksame angepriesen. Dem Kranken wurde gleich eröffnet, daß dieAussertigung der Verhaltungsmaßregeln 2ö M. kostet, und da er nur 19 M. anzuzahlen vermochte, wurden ihm die Kur- Anweisungen durch Poslnachnahme in Höhe von lö M. zugestellt. Der Patient hatte wohl die Meinung, daß er irgend welches „Zubehör" zur Kur für die 25 M. überwiesen erhalten würde und als er nun blas die schriftlichen Anweisungen und die Auf» forderung i» bestimmten Zeitabschnitten über den Fortgang der Kur zn berichte», vorfand, beklagte er sich bei dem Amlsdiencr seines Heimathsortes und dieser veranlaßte die Strafanzeige gegen beide Angeklagte. Der Betrug soll darin liegen, daß sie dem Patienten sichere Heilung durch Anwendung eines ganz ungeeigneten Mittels in Aussicht gestellt haben. Gegen diese» Vorwurf wehrten sich die Angeklagte» mit großer Lebhaftigkeit, sie ließen an der Allopathie kein gutes Haar und priesen ihre Heilmethode als die allein vernünftige. Die Staatsanwallschaft berief sich auf das Gutachten des Kreisphysikus Prof. Dr. S t r a ß ni a n n. Dieser erklärte die Anwendung des Wassers an sich als nicht irrationell, insoweit dadurch eine Abhärtung des Körpers gegen den Aus» gangspunkt des Asthma, d. h. gegen Erkältung erzielt werden kann. Ein spezielles Heilmittel könne darin ebenso wenig erblickt werden, als in der vegetarischen Kost. Die Angeklagten führten dagegen den 78jährigen Dr. Schulz ans der Steinmetzstraße als Gutachter ins Feld. Dieser er- klärte, daß er sich nach zehnjährigem Arbeiten mit Medikamenten aller Art dem Naturheilverfahren zugewendet habe und damit weit größere Erfolge erziele. Die von den An- geklagten betriebene Methode müsse er auch bei Asthma als durchaus zutreffend anerkennen. Da Prof. Dr. Straß mann vom Standpunkt der wissenschaftlichen Medizin ans diesen Aus- fnhrnngen widersprach, beschloß das Schöffengericht, den Arzt als Zeugen vorzuladcn, der den Asthmatiker behandelt hat, um zu hören, wie vorgeschritten dessen Krankheit tvar, als er zu den Angeklagten kam. Der Kranke selbst soll inzwischen vom Prof. Dr. Straßmann sowohl, als auch vom Dr. Schulz untersucht werden. Vom prügelnden Weißeuseer Gendarm und vom deunuzireudcn Weißeuseer Amtsblatt- Redaktcnr. Von dem Gendarm in Weißensee, der den Sohn der Frau Georgi in Weißensee mißhandelt hatte, sind unsere Leser seinerzeit unter- richtet worden. Frau Georgi war in ver Sache bekanntlich wegen Beleidigung des Gendarmen verklagt worden, jda sie diesem u. a. Trunkenheiß vorgeworfen hatte, vom Schöffengericht jedoch freigesprochen worden. Gleich nach dem Termin vor dem Schöffengericht ging Frau Georgi zu dem Redakteur des „Amtlichen Anzeigers für Weißensee" und ver- langte hier einen Bericht über ihre Freisprechung. Da aber der Redakteur, ein Herr Renne, nicht anwesend war, so fertigte die Frau Renne wie deren Tochter die Frau Georgi ab. Zu diesen beiden Personen äußerte sie dieselben Worte, die zu der Anklage wegen Beleidigung geführt hatten. Herr Renn« hatte nun nichts Eiligeres zu t h u n, als dies dem Gen- d a r m c n B r ö tz m i t z u t h e i l e n. Letzterer erstattete darauf wieder Anzeige, und hat in der gestrigen Verhandlung eine Be- strafung der Frau erreicht. Trotzdem der Verlheidiger, Rechts anmalt Dr. Halpert, nachwies, daß der Beamte in der That seine Amtspflicht durch die Mißhandlung des Knaben verletzt hatte, hielt der Gerichtshof in diesem Falle den bekannten ß 193 nicht für angebracht. Wenn auch die Mißhandlung seitens des Gendarmen erivicsen sei, so sei doch der Vorwurf der Trunken hcir, wenigstens in diesem Falle, eine Beleidigung, denn die An- geklagte hatte keine Befugniß, diese Aeußerung noch zu Personen die gar kein Interesse an der Sache hatten, zu äußern. Es sei aber der Angeklagten zu gute gerechnet worden, daß sie geglaubt habe, sie lönne die Aeußerung wegen der erfolgten Freisprechung ruhig zu anderen Leuten wiedersagen. Ter Gerichtshof habe deshalb auf die niedrigste zulässige Strafe, nämlich drei Mark Geldstrafe, erkannt. Wir wissen nicht, ob die Frau Georgi gegen das merkwürdige Erlenntniß Berufung ein legen wird. Vor der Strafkammer Stuttgart hatte sich am lktztcn Donnerstag der 49jährige Metallarbeiter A u g u st Junge ans Zedlitz(Schlesien), bisher unbestraft, wegen Diebstahls zweier Vergehen der U n t r e»i e und einem Vergehen der Unter- schlagnng zu verantworten. Es wurde ibin laut Anklage vorgeworfen, er habe als früherer erster Vorsitzender des deutschen Metallarbeiter-Verbandes von de» eingelaufenen Geldern voriges Jabr sich 149 M. angeeignet und verbraucht, ebenso weitere 34 M. aus dem von ihm verwalteten Fonds zur Unterstützung der Familie des verstorbenen Verbandskassirers Goldbach, ferner, er habe aus dem Pulte eines Bureauangestellten nach und nach Briefmarken im Werthe von 75 M. entwendet. Junge wurde am 1. Februar d. I., als die Unterschlagungen zu tage kamen, seines Amtes entsetzt und später'infolge Anzeige des Hauptkassirers in Hast genommen. Bei der Ver- Handlung stellte Junge den Diebstahl der Briefmarken entschieden in Abrede und entschuldigte die Unterschlagung damit, daß seine Frau in letzter Zeit mehrmals schwer krank war, sein monat- liches Gehair von 159 M. habe ihm und seinen 7 Kindern daher nicht gereicht. Er wollte die Kasse nicht schädigen, sondern später wieder alles ersetzen; für den Betrag von 199 M. habe er dem Hauplkassirer einen Wechsel gegeben und die von dem Goldbach. sonds genommenen Gelder habe er nur als Darlchnsschnld an- gesehe».— Die Strafkammer fand ihn der Untreue und Unter- schlagnng schuldig und verurlheilte ihn unter Annahme mildernder Umstände zu 2 Monaten 15 Tagen Gefängniß. Von der Anklage des Diebstahls wurde er mangels genügender Beweise freigesprochen. &enmstlzkes« Einen tvirktichcn groben Itnfng, der aber sicher nicht vor den Strafrichter gebracht wird, hat sich am Allerivells- narrentag, den I. April, zu Ehren Bismarck's ein Glauchauer Fabrikant geleistet.„Von feiner Fabrikeffe aus, so lesen wir in dem Zwickauer Arbeiterblatt, sollte Rolhfeuer weithin Kunde von seinem„patriotischen" Sinne geben. Er engagirte deshalb einen Essenkehrer, der in der langen Sleigeffe in die Höhe kriechen und oben das Feuer auflegen und entzünden nuißle. Die Flalnme, vom Wiude bewegt, schlug aber nach dem Innern der Esse, dort- selbst den Ruß zu eiiicm gewaltigen Brande entzündend, so daß sich das Rothfeuer inil dem brennenden Ruß vermischte. Der Essenkehrer stand noch oben, als der Brand begann und mußte sich, wollte er nicht eiiicn schrecklichen Absturz erfahren, über eine Stunde lang am Blitz- a b l e i t e r f e st h a l l e n, bis der Cssenbrand zu Ende war. Danach erst konnte der Geängstigte durch die noch heiße Fabrik- esse zurücksteigen, wobei er sich verschiedene Brandwunden zn- gezogen haben soll. Der Essenkchrer soll 19 M. für seine lebens- gesährliche Bemühung erhalten haben." Wenn ein sozialdeinokratischer Arbeiter eine rothe Rose oder Nelke liii Knopfloch trägt, so wird er in Sachsen wegen Be- kuiiduiig republikanischer Gesiniiung auf 8 oder 14 Tage ein- gesperrt. Wenn aber ein am Bismarckkoller leidender Fabrikant Meiischenleben in Gefahr bringt, dann schweigt die Ordnung?- presse den Fall todt und ob der Staatsanwalt sich der Sache an- nimmt— wissen wir nicht. Protest gegen Piemarck-Ovatiou. Eine Volksversamm- lung in Wandsbek nahm folgende Protestresolution an:„Die heuiige im Lokale der„Harmonie" tagende Volksversammlung protestirt energisch gegen den Beschluß der slädlischcn Kollegien, ca. 5999 Mark für die Bismarck-Stistung ans dem städlischen Reservefonds zu bewilligen. Tie Versammlung ist der Meinung, daß das Geld besser zur Inangriffnahme von slädliscken Arbeiten verwendet werden könne, um der herrschenden Arbeitslosigleit ain hiesigen Orte in etwas zu steuern." Zur Sittengeschichte. Erst am Sonnabend haben wir von der Aufhebung einer Lasterhöhle in der Friedrichstraße berichtet. Aus Wien wird uns nun mitgetheilt, daß es auch dort„vornehme Salons" in Menge giebt, die aber meistentheils wie die Veilchen im Verborgenen blühen und in denen wilde Orgien gefeiert werden. Vor ungefähr acht Tagen gelang es der dortigen Polizei, verschiedene„vornehme Saloninhabcrinncn" auszuforschen und zn ijerhaften. Schon damals war die Polizei der Ansicht, daß im Bezirke Ottakring sich noch mehrere ähnliche Etablissements befinden. Die mit aller Energie betriebenen Nachforschungen führten nun aber- mals zu der Entdeckung einer derartigen„Salonbcsitzerin". Tie Kupplerin ist als Gänsehändlerin etadlirt und betreibt nur so nebenbei das Geschäft, wüsten Lebemännern junge unschuldige Mädchen in die Arme zu führen. Nach den polizeilichen Er- Mittelungen hat sie sich ihrer eigenen Tochter als Helfers- Helferin bei der Zuführung von Mädchen bedient. Gegen diese beiden, die erkrankt sind, wird die llntersüchnng auf freiem Fuße gesührk, dagegen wurde eines der Mädchen wegen Fluchtverdachtes verhaftet. A«S Reykjavik auf JSlaud wird der„Berk. Tid." be- richtet, daß der Winter dort ungewöhnlich warm gewesen ist. Im Februar und März war beständig Frühjabrswetter, fast nie- mals Frost, und erst am 22. März begann Sckmee zn fallen; sonst war Schnee nur im Gebirge zu sehen. Die Fischerei an der Ost- und Westküste war gut. Für die Bauern war der Winter, im ganzen genommen, ausgezeichnet günstig, da das Vieh niemals im Stall zu bleiben brauchte; mehrere Bauern haben jedoch infolge einer ausgebrochcnen Schafpest bedeutende Verluste erlitten. VevraumrUmijen. Der SanitätS- Verein(E. H. Nr. 85) beschloß in seiner Sitzung am 31. März nach einer längeren, sehr eingehenden Debatte die Auflösung des Vereins. De» Mitgliedern wurde empfohlen, sich dem Mediziualverein für Berlin und Umgegend anzuschließen. Der Ueberiritt erfolgt ohne Einkchreibegc' i hr und treten die betreffenden sofort in die vollen Rechte der von dieser Vereinigung gewährten Unterstützung ein. Die Liquidation-?- kommission bilden die Mitglieder Sander, Hundt, Warneke, Karge, Lutz und Schäfer. Aufnahmen für den Medizinal- Verein erfolgen bei nachfolgenden Herren: Arnold Karge, Reichcnbergerstr. 159, Qnergeb. 2 Tr., abend? von 7l/2— 8V2 Uhr; Friedrich Lutz, Puttkainerstr. 7, v. i. Keller, täglich; L. S a n d e r, Granseerstr. 2, v. 4 Tr., abends von 71/2— 8V, Uhr; Ed. Peter, Magdeburgerftr. 22, nachmittags von 1— 3 Uhr; P. A r e n d, Pankstr. 12a, abends von 7—8 Uhr; Emil Karge, Annenstr. LI, r. Seitenflügel 3 Tr., abends von 7V-— L'/z Uhr; I. Oster, Paulstr. 21. täglich; P. Wetze l, Gr. Franksurtcrstr. 121, abends von 7>/s— Uhr. Für Ehar- loltenburg erfolgt die Aufnahme durch Herrn Hein icke, Wilmersdorfcrstr. 42, abends von 7V2— 8>/z Uhr. Eine Branchcnversammlnng der Parqnetbodcnlegee tagte am 1. April bei Schöning, Stallschreiberstr. 29. Bezüglich der Berichtigung des Herrn Bangemann, Vertreter der Berlin- Passauer Parqutfabrik,' wurde festgestellt, das im Betrieb der genannten Fabriken die Kollegen Schlettke und Schulze 15 und 29 Pf pro Mark weniger erhielten wie sich der Durchschnitts- preis für Legerarbeiten stellt. Wenn sich dann weiter Herr Bangewann hinter der Ausrede verschanze, er übergebe seine Legerarbeiten einem Unternehmer, so sei festzuhalten, daß er immer der Unternehmer sei, welcher den Gewerbebetrieb an- gemeldet hat und die Unsall-Berufsgenossenschaft bezahlt. Die Kontrollkommission thcilt mit. daß der Herr Ehriftoph Becker, nebst dem Herrn Julius Meyer, in der Schillerstraße, Charlotten- bürg. Legerarbeiten zu wahren Schnndpreisen anssühren und soll die Handlungsweise der beiden noch ausführlicher beleuchtet werden. Weiter wurde richtig gestellt, daß des Sonntags in der Gnadenkirche Bodenlegcr nichts gearbeitet haben. Allgemein wurde es vcrurtheilt, daß bei Wolf u. Sohn, Inhaber Herr Lesser. sich die Kollegen Morgenstern, Kmith, Bieske, Witte, Specher und Karge bergegebe» haben, des Sonntags zu arbeiten, während arbeitslose Kollegen genügend vorhanden waren. Die Beschwerde von Kollegen aus der Firma K a m p m ey e r- Berlin betreffs einer 12 prozentigen Lohnreduktion wurde der Kommission überwiesen und den Kollegen, welche zu dem reduzirten Tarif nicht anfangen, die Gemaßregelten-Untcrstützung von 13 Mark pro Woche zugesprochen. Ferner wurde auf den General- Vcrsaunnlungsbeschluß hingewiesen, wonach die Kollegen, welche am 1. Mai arbeiten, ei» Drittel des Arbeitsverdienstes an die Lokalkasse abzuführen haben. Nach Aufnahme neuer Mitglieder wurde die gutbesuchte Versammlung um 3 Uhr geschlossen. Charlottcnbnrg. Im polnischen Arbeiter- Bildnngsverein „Wahrheit" referirte am 31. März Genosse Thiel über„Polen vor hundert Jahren und hent". Die interessanten geschichtlichen Schilderungen wurden in der Diskussion ergänzt durch die Be- sprechung der Ereignisse aus den Jahren 1831, 1848 und 1893. Mit den anwesenden Gegnern entfaltete sich sodann eine lebhaste Debatte über den Punkt unseres Programms: Religion ist Privatsache, worauf die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen wurde. Steglitz. Hier tagte am 1. April eine öffentliche Versamm- lung, in der Genosse Wagner in einem beifällig aufgenommenen Vortrag über die gegenwärtige politische Lage referirte. Im Anschluß an das Referat gelangte eine von dem Genossen S u d r 0 w gestellte Resolution, die sich entschieden gegen die Unisturzvorlage ausspricht, zur Annahme. Mit dem Arrangement zur Maiieicr wurde eine Kommission von fünf Personen beauf- tragt. Hierauf erhielt Frau M e s ch das Wort zu einem Vortrag über die Frauenfrage. In anschaulicher Weise schilderte die Rednerin, wie durch die wirthschafllichen Verhältnisse die Stellung der Frau in der Gesellschaft eine ganz andere geworden und deshalb auch mit Recht von den Frauen die politische Gleich- berechtigung gefordert wird. Unter allseitiger Zustimmung wendet sich die Vortragende mit der Aufforderung an die An- wescnden, eifrig für die Ausklärung unter den Frauen Sorge zu tragen. So�ialdemokratifchrr zcoit»tlo»«I>l»>b für den GfU». Mittwoch, abends 8� Uhr, bei Jauer, Fruchlstr. 62. Lands,!,»,»Ischnst d«l Hchlesuug- jZolfteiiirr|« Kerli». Mittwoch, den>(>. April, abends 8% Uhr: Zusammenkunft der Schleswlg-Holstetner mit Damen im AereinSIvkal Kommandauten-iSarlen",»ommandanienstr. lo— lt. Sonntag, den I«. April(u Oilerfeieriag) abends 7 Uhr, Feier des dritten SiiftüngSfesies in de»„Orantenhallen", Oranienstr. 61.— Näheres in der Annonce in der Frettags-Nummer.___ Llcccin»hrnialigrr Kchiilrr der 18, tsenirinde-SchuIe. Mittwoch, abends � Uhr, Große Franlfurlerstraße so. Ehemalige Schüler und«äste willkommen..... r>rrgn>>g>»ng«-U»rrin„Italia". Restaurant Thiefen, Zionslirchplah I, Mittwochs 9 Uhr: Sitzung. Arbeiter- x:ild,.np»sch,llr. Mittwoch, abends 7!(-sZt Uhr: Lekiüre. io?; Uhr: Nordschule. Müllersir. 179a: Naturerkennlnib(Die Tarwin'sche Theorie.— Eniwickelungsgesetze). Südost schule, Waldcmar- strc.be 14: Eeschichre lallei. Aci allen Unterrichtsfächern werden neue Thetlnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit ausgenommen. � Lese-„,id Dialtutirltiudo. IlUttuioch. JohannJacobn, be, Fritz LIetzte, Schwedtersiraße zz.— Gesundbrunnen, Abends«Z Nhr, bei Haferland, Belle, mannstr. S7.— Gleichheit, Abends«it Ubr bei Strainnt, Ritterstraße m.- Heine. Rirdorf Abends bZiUhr, Prinz-Handjernstr. 60. Einiglei l, Abends 8); Uhr be 1 Z-ig-. Triststr. I.— Th-alir- stestaur. Diele, Lothringer- parterre....... nnd Lesellub Marge»roth, Abends 9 Uhr, im! straße 67. Arbeiter. Sä»orrb>»id Srrli»» und tlmgegrud. Porfitzender Adolf Neumaua, Pafewalleistr. s. Zille Aenderungen im vereinslalender stnd zu richten an Fried. Kortum, Mauteuffellir.«9, v. 2 Dr. Mittwoch. UebungS stunde Abends 9 Uhr. Anfnalnne von Mitgliedern.— Lt-deZfreiheit I. Andrrcsstr.-9. bei Wille.- Nor»de»Ische Schleife, Schönleinsir.« bei Ziartz.— Un ver,« gt Manleufselsiraße o bei Nowaik.— Frepa I, iEcmischter Dbor), Nosenthalcrstraße Nr. 67 bei Wernau.— Lorbeer- kränz I, Melnsiraße Nr.-8 bei Späth.— Deutsche Eiche I, Große Franlfurlerstraße Nr. iss bei Gold.— Echo i, Pankow, Wollank» straße IIS bei Ledmann.— Gelangverein Arioii III, Rirdorf, Herrmann- und Hertfnrlhüraßcn-Ecle, bei Weiß.— Freundesrreue tgemifch. Ehvr>, Gr. Frankfurterpr. i.ZZ bei Gold.— Einigkeit I(Hulmacher), Neue Friebrtchllr,-u bei Röllia.- Allegrv, Wrangelftr. m bei W. Schmidt. — Freiheit i, Biilowstraße-5 bei Richter.— Stetnnelle. Päse- walke rstraße s bei A. Neumaun.— Süd-O st. Falekensteinftr. 7 bei Drittel- witz.— L i e d e s l u st, Fürstenwalde an der Spree, Schloßkellerei.— Freier Männerchor N o r d- W e sl(früher Klempner) Moabit, Emdener- und StemenSsiraßcn-Ecke 14.— K ü p f e r s» m t e d e. Weinstraße Ii bei Feind— Rothe Nelle l, Cchöneberg, Golzstr. 4» bei Mauke.— A p? o l o n t a, Roseuthalersir. 67 bei Wernau.— Fretheitsgruß,«remmenerstr. I bei Malhics.— Schneeglöckchen 1, Rixdorf, Hermann- und«arlsgvrteu- siraben-Ecle bei Hilpert.— Schneeglöckchen 2. Potsdam. Brandenburger slommuiiilalion is bei Glaser.- Maiengruß s, Frtedrtchshagen Rund. theil. bei Lerche.— Unverdrossen, Lindowerstraße 2° bei Sachs.— Felsenburg, Krautstraße 6 bei Rudolph»— Wütli, Friedenau. nn Üurhaus, Ring- und Rheinstraßen-Ecke.— V orwärts 7, Rummels- bürg, Käthe- und Kantstraße- Ecke bei Greinert— Hoffnung», Brandenburg H.,„tiotikordta". WilhelmSdorserstraße.— Frerhetl». l l ä n g s I, Clallschreiberstr. 29,„Znin eichene» Stabe" bei«chomng.— Aibeiiergklangrerein von Britz in Britz, Biirgerstr.« bei Dorn.— S e e g e r' scher Männerchor, Landsberger Allee 166 bei«obel.— G l uh» lt ch tsakin. Lhori Perlcbcrgkrsiraße 28 bei Hermerschmidi,— Maiengruß 2, Eharloltcnburg, Pesialozzistr. 8» bei A. Sasse.— Dämmerlicht, Zorndvrfer- straße i? bei Hosstnnnn.— Edelweiß-, Potsdam. Brandenburger- Kom- muiiikalion l« bei Glaser.— Heimathllänge,«epenick, Rosenstr. IM bei Tropvens.— Männer-Gesangverein Geduld, Gesundbrunnen, Butt- mannsnaß«>7 bei Mohes.— Eesanav-retn Frei h« tlsl lä ng« II, Chorinerflr. 66 bei Hobeck,— Männer-Gefängverein Palme, Welten in d er Mark, bei Zemlin.— Männer- Gesangverein Georg inta, Wiener- slraße I» bei Liebsch.— Piyrlhe, Alle Jakobstr.«s bei Diefenbach.— Weiße 31 ose, Reinickendorf, R-sidenistr. 10t bei Malchin.— Männer- Gesangverein Liederlust, Admiralstraße ss bei Tutzauer.— Sanges- I ü i he ii, Slralauer Platz 10-11 de. Poppe.— Gleichheit. Schonhauf« Allee t 36 bei Ramlow,— Gesangverein Frohsinn II, FrtedrichSderg, Wartcnbergstr. 07, bei Lange.— Sängerchor der Maler, Annenstr.« bei Protz. Kund der Ardeitevverelne Serlins nnd Zlmsesend.(gn* s christen find zu richten an B. Gent, Adalberlitraße 96. Mittwoch: Humoristtscher Rauchtiub, Eörlitzerslraße 42 bei Pichl.-Se- s elliger Berein Brüderlichkeit SeorgenlirchNraße Nr«6 de, Spät.— Verein R h e t o r i I, Naunpnstt. 86 bei Zubcil Abends 8!c Uhr.-»»e,elliger Berein Hoffnung, Lebuserftiabe Nr. 6 bei Nemitz saUe vierzehn Tage).— Tbealerveretn Proletariat, Naunpnltr. M bei«oh».— Schakslopfklud Spar-Agnes,«rautstr.»6 bei Jnstnger.— Ges-lliger Verein A I p e n r o i«, Britzerstraße 22 bei Graf.— Prtvaltheater-Gescllschaft Rvmelta. Pucklerstr. 2 bei Müller. iAußerdem alle u Tage Sonntags.)— Wergnügungsverein Amor 2, Prinieu-Allee io bei Bergeinann. — Geselliger Bern,, Freundschaft, Aimmeiftr. 89 bei Engel.— Naiich- klud Rothe Fahne, E»vri)ftr. 48 bei Liehß.— Geselliger Verein D e Ulf che «tche, Fürbrlngersir. 7 bei Brothe. SZeiong», Kur»-„ud g-Irllig» Mreiur. Mittwoch. Arbeiter- Gesang- Verein Hoffnung, Frtedrtchsberg. UebungSstunde Abends " Äi Restaurant!| O. Schnitze. Friedrich starMrabe?A.- Privat Thealsr- «e, ellschaft H e t m a l h t u st. v Uhr Sitzung i. SBcreiiiälct. b. Lange, Sliemstr. re Privat-Thkaler-lSesellschast Philharmonie, Sitzung mit Tomen. Abends »Uhr, Zeughosstrabe s bei Beblendorf. Aufnahme neuer Mitglieder.— Theaterverein Unilum, jeden Millmoch abends g Uhr bei Wiersdorf, Alte Jatobstrabe os/s?: Sitzung mit Tamen.— Berliner Turn- geno sseuschaft. Tie Z. Männer-AbIH-Ilung turnt jeden Mittwoch und Sonnabend Abend von j-js-Zju Uhr, Chorinerstr. 74.- Tourrstinverein Frei heil Mittwoch, Abends 8� Uhr, Bersammlung bei Wuttle, BInmenslr. 61. — Geselliger Verein Unter uns, Sitzung 8 Uhr bei Fischer, veujselftr. es.— MufildileUantsn-Verein P r e c i o f g Abends Uhr bei «eisler, Fenn- und TcgelerstraKen-Ecke, Uebungsstunde, Aufnahmen.— Musik-Tilettanten-Verei» Nordische Klänge. Jeden Mittwoch bei Reuter, Cwincmünderstrab- 45, Uebunqsflunde von Lsj bis II Uhr.— Schwlmmverein Nord. Jeden Mittwoch Abend 7 Uhr Ädmiraloartenbad, Frtedrichstrahe. Uebungsstunde.— Geselliger Verein Anna-Marie, Abends s Uhr, im Restaurant Roll, Adalbertstrahe 21, Sitzung.— Slatklub Di e Lustige Zwölf, im Restaurant Ruhl-Andree, Chorinerstr. 55.— Skat- klub eo jeden Mittwoch sjl Uhr Sitzung bei Fechner, Wienerstr. 60.— Kraft- und Arlistenllub.Eiche". Mittwochs von o— u und Sonntags von Ii bis l Uhr, bei Augustin, Kastanien-Allee II.— Vergnügungsverein Fortuna Jeden Mittwoch, abends sjj Uhr, Sitzung im Lolale Schulz, Weberstr. lo.— Tbealervercin Unikum, jeden Mittwoch, abends 9 Uhr, bei Wiersdoff, Alte Jakcbstr. 9S/S7, Sitzung mit Tamen. Nachdem Probe.— Verein ehem. Schüler der Ii. Gemeindeschule 9% Uhr, Gr. Franlfurterstr. so. Ehemalige Schüler und Gäste willkommen. Rauchklub Grüne Quaste, Mittwoch Abends 9 Uhr, bei Gor», Kleine Markusstr. lo.— Rauchklub Granate, Forsterstr. 40 bei Tuguntke. — Rauchklub Arkona, Abends 8!� Uhr bei Herrn Brand, Reichen- bcrgerstr. irs.— Orientalischer Rau chklub, Abends 9 Uhr. Reichen- bergerstrahe 24 bei Tauschte.— Rauchklub Frisch gewagt, AbendS s Uhr bei F. Rockendorf, Pofenerslrahe 6.— Rauchklub Noochloch, Admiralslr. 93 im Restaurant AbendS sss llhr.— Rauchklub M e s s a- ltna, jeden Mittwoch bei H. Wuttie, Eraudonierstr. s.— Skat-Klub Treff- Franlsurter-Allee 90 bei O. Zabel.— Rauchklub Ohne Zwang.Wein- slrahe 28 bei Späth.— Rauchklub Die Dampfenden, Längestr. 24 bei Jeratsch.— Rauchklub Virginia. Jeden Mittwoch Alend vUhr bei Schnieder, Bdmiralsiraße 21.— Rauchklub Humoristische Pfeifen- brüder, Mittwoch Abends 9 Uhr bei Se.lzwedel, Klosteistr. sz.— Rauchklub Sumatra Süd-Oi! Abends lä. Uhr bei Müller, Liegnitzerstr. 48.— Rauchklub Gemüthlich leil II, Sitzung jeden Mittwoch Abend 9 Uhr im Lokal Schmidt, Köpnickerstr. l7i. FreieVereinigungderKausliute, jeden Mittwoch gemüthlich- Zusammenkunst im Restaurant Tettenborn, Wallstrabe,'Eck- Neue Grüniirabe. — Arbeiter-Stcnographenverein Eintracht, Unterricht und Uebungsstunden abends 8jl Uhr in den Restaurants Owczaret, Langeftr.«6 und Setdler, Ratiborstr. ig.— Roller'schcr Stenographenverein Pionir, Husfltenslr. 9, Restaurant iliausch, Abends s'4 Uhr. Unterricht und Fortbildung.— Verein ehem. Schüler der 18. G cm eind esch ule, jeden Mittwoch«Uhr Er. Franksurlerstr. so. i-erman» �Iverican Klub„Uncle Sam Club" Evcry Wedacsday 9 o'clock p. in. Fricbres Restaurant, Münzstr. 17. vee Nedakkton. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchstaben oder eine Zahl) aiizllgcben, unker der die Anrworl erlheilk werden soll. Vertranciismall» in Hiickeswageu. Ihr Schreiben ist dem Parteworstand übergeben. I. H., Heidelberg. Frage a, b und o siud mit Nein zu beantworten. Im Buch der Freiheit komplett, einzeln nicht mehr beziehbar. Gesaugverei»„Sängerfreiheit", Berlin. 11.70 M. für den Parteifonds erhalten. Betrag abgeführt. Nach Konstanz. Karlsruhe und andere badische nud reichsländische Orte. Daß Bebel am Ostersonntag nnd Montag auf der Heimkehr von der Schweiz in Lahr Halt machen und dem badischen Parteitag beiwohnen wird, ist richtig. Daß er aber außerdem»och in einem Dutzend Orte Versammlungen ab- halten soll, ist schon um deshalb ausgeschlossen, weil bereits am 23. d. M. der Reichstag wieder beginnt. I. A. Freie Volksbühne. Tie IX. Vorstellung der 1. Abtheilung findet nicht am Lomitag, den 15. April, sondern am M o n t a g, den 15. April, statt. Wnlig, Vmem-HWMelter! An, 2. lZsterkoiertag findet eine 92/6 AFitsiionstoun nach Werder a. d. H. statt. Treffpunkt vormittags L>/s Uhr am Villetschaltsr potodamer Kastutzof. Für Nachzügler bei i-ut-mann in Wercler, Kugelweg 58. Abfahrt 9,05 resp. 10,05 Uhr. Der Vorstand. Verein der Arbeiterinnen au Buch- und Steindruck-Schnellpressen. General-VepsammBamg am Mittwoch, de» 1«. April I8Sa, abends 8'/* Uhr, im Lokale des Herrn Schneider, Anucuftr. 1«. Tages-Ordnung: l. Namensänderung des Vereins. 2. Vierteljahres- und Jahres-Kaffen- iericht. 3. Wahl des gesamniten Vorstandes. 4. Verschiedenes. 545d Zu dieser Versammlung haben nur Mitglieder Zulritt.— Um zahl- reiches ErsÄjeinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. SSetaiiarbeäterS Donnerstag, 11. April, abends 6 Uhr, in Relilitz' Salon, Kergstr. 12; 67/13 Deffentliche Versammlung i>tt gtMllltti! Kollege!! hee Ul'lllll Hein, Lelunaim& Cie. Tages-Ordnung: Die Bismarckfeier und die Firma Hein, Lelimann& Cie. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Ter Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. 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April. kSpernhau«. Die Meistersinger von Nürnberg. Süianspielhau». Wallenstein's Tod. V rutsche» Thratrr. Nora. Krsstug-Thratrr. Niobe. Unter vier � Augen. Krrlinrr Tchratrr. Minna von Barn- Helm. ZIrsidenz-Theater. Fermmd's Ehekontrakt. Urne» Theater. Die Schlange. Die Unehrlichen. Ein Mustergatte. kchiller-Theater. Die Sarolüiger. Friedrich- Milhelm stiidt. Theater. Der Obersteiger. Theater Zlnter den Linde». Nund um Wien. Dorothea. Ccntral-Theater. Unsere Rentiers. Adolph Ernst- Theater. Madame Suzette. Kelleall ianee- Theater. Verliebte Mndclien. Alerander-Klah-Eheater. Unsere Rentiers. zlatianat- Theater. Die lebende Brücke. Nelchehalle»- Theater. Speziali täten-Vorstellung. America»-Theater. Spezialitäten Vorstellung. Knufnrairn'o Nat'iöte. Spezialitäten Vorstellung. Apollo- Thoater. Spezialitäten VorsteNu'ag. llsstsn's ksnoptitum. M nie Die Riesen de» dunkeln Erdtheils: Die Dinka, 40 Männer, grauen u. Kinder. vas sodeoltige«iickolikll Uarlotta. ..?s»8illeiit f-lure? Unserem Säulenwirth R. Lange, Elisabethstraße 65, zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch! daß der Trompeter von Säk- kingen umfällt. 547b Die Säule, sie glänzet, Und spendet viel Bier, Doch sag', lieber Rudolf, Wo bleiben wir??? Die Modelltischler. Schier-Theater. (Wallne'/>> Theater.) Uliitwoch, den 10. April, abends S Uhr: Die Karolinger. D-nne-stag, II. April, abends 8Uhr: Die zärtliche» Verwandten und Ei» Ktrafrapport. Freitag, den 12. April: Geschlossen. Konnabend. 13. April, abends S Uhr: Dir zärtlichen Derwandte« und Ein Strafrapport. National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. DW- Sensationelle Novität I"tpG Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft William Calden Die lebende Brücke. Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(11 Bildern), nach dem Eng- lische» von Sutton Baue, übersetzt von H. Schwab. Dirigent: Adolph Wiedecke. Elektr. Beleuchtungseffekte v. Lakowsky. Regie: Kax Samst. Zkassenöfsnung GVa Uhr.— Ans. 7>/e Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Gentral-Theater Alt- Jak-bstrast- Ur. 30 Emil Thomas a. k. Novität! Zum S4. Male: Novität! Unsere Uentiers. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Wilhelm Mamistädl und Julius Freund. Musik von Jusius Einödshofer. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schultz. Anfang V28 Uhr. Adolph Ernst-Theater Madame Suzette. Vaudeville-Posfe in 3Akten von Ordonnean. Musik von Edmond Audran.(Novität.) In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang Vji Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Kaufmann's Variete. Bomben-Kriolg des vorzüglichen April Programms. Grosoer Erfolg I' Die Kneipgenies. Excentrische Burleske von Emil Nancke und Arthur Fränkel. Man muss Nancke und Fränkel als Rixdorier Sand-Tyroler sehen! erner: Stephanie u. Behrens, Coradini, Trio Big oll, Goedecke, Miss Schottes, Mr. Bimbo, Ur. Aremeti. SßF" Freitag geschlossen. An den 3 Feiertagen k'est» VonsteU u n g. Ferr Gedr. II n s n i s Anstalt für Tolksthümliche Naturkunde. Am Landes Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im vissenschait- lichen Theater. Näheret die Anschlagzettel. \ Feen« Kurgstr. SA,»eben der Körs«. IMMegntues Programm mr iß~wm Bravour- Nummern! Grossart. Ueberraschnngen. Kommen! Sehen! Hören! Staunen! Vorder wird nichts verrathen. Verein der Lithograplien, Stein- drncker n. Berufsg. Dentsclilands (Filiale Berlin). Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß das Mitglied, Steindrucker 188/10 Louis Bennewitz am 7. April er. verstorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag. den II. April, nachmittags 5 Uhr, vom jüdischen Krankenhanse(Auguststraße) aus nach dem Zionskirchhof in Weißensee statt. Um zahlreiche Betheiligung er- sucht Die Verwaltung. I Anfang: Wochent. TVe Uhr. „ Sonntags: Konzert 6Ve, Vorstellung T'/j Uhr. Unter den Linden 21. Nur noch kurze Zeit. k I Täglich abends 8 Uhr Oriental. Preise: 3, 2 1 M. Sitzplatz. An jedem nachmittags Feiertage Uhr; Familien-Vorstellung zu halben Preisen. Bock- ff miiwi Tempelhofer Berg. 57. Bock-Saison. Militär-Konzert. Anfang 5 IlHv. Zlonntago 4 Uhr. Parodie-Theater Vranien-Strasse 52(am Moritzpl.). Zum 71. Male; Madame Sans-Gene. Die Weber. 21 n fang 8 Uhr. SonntagZ 7'/2 Uhr. Passage- Panopticum. 27 Gitanos (andalusische Sänger, Tänzer n. Tänzerinnen) Vorstellung um 4, 5, 6, 7, 8 u. 9 Ohr. Ich nehme die Beleidigung gegen die Herren Kruhlike, Winlerfelv. Renner und Voß zurück. 546b F. Salamou. Ehrenerklärung. Die Beleidigung, die ich den Trimter- scheu Eheleuten zugefügt, nehme ich hiermit zurück und erkläre dieselben für ehrenhafte Leute. 551b Frau Knoll. Die beiden bekannten Klavierarbeiter Paul Leitner und August Grossmann haben in Friedrichshagen, Restaurant„Wilhelmsbad", Seestraße 39, die Bade-Anstalte», Boote und Kegelbahnen gepachtet, und bitten alle Freunde und Bekannten, uns recht oft zu besuchen. ü43b „'Wilhelmsbad" ist nicht gesperrt. verk. schleunigst Kleiderschrank, Wäsche- schrank, Spiegel 19, Ausziehtisch, Sophatisch 9, Oelgemälde, prachtvolle Köpfe 4.50. Bettgestelle 12, Vlüschgarn. Schlagregul.. Teppiche, Gardinen spott- billig Landwehrstr. S/6, L(Nähe Alexanderplatz). Orts-Kraukenkasse der Steindrucker u. Lithographen Berlin. Ain 7. April er. verstarb unser Mit glied, der Sleindrucker 543b Herr I.eui8 Bennewitz. Die Beerdigung findet am Donners tag, den II. April er., nachmittags 5 Uhr, vom jüdischen Kraukenhause, Auguststr. 14/15 aus nach dem Zions- Kirchhofe in Weißensee statt. Um rege Betheiligung bittet Der Vorstand. Uaohruf. Allen Kollegen hiermit zur Kenntniß, daß unser langjähriger Mitarbeiter, der Steindrucker Herr Louis Beuueivitz nach schwerem Leiden am 7. April er. sanft entschlafen ist. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten! Die Kollegen der Knizner n. Berger'schen Anstatt. Lrts-KMkellkojsed.Slhlleiijer, Wckttillm uiiii mmMer bewerbe zu Verliu. Zu der am Donnerstag, 13. April er. abends 7'/» Uhr, in Specht's Nestau- rant, Markgrafenstr. 83, stattfindenden Wahlversammlung werden die Ar- beitgeber hierdurch eingeladen. Um f'/e Uhr für die Arbeitgeber Ergänzungswahl von 103 Vertretern zu den Generalversammlungen pro 1395. Wahlberechtigt sind alle Arbeitgeber, welche für die von ihnen beschäf- tigten Mitglieder Beiträge aus eigenen Mitteln zahlen. Legitimation: letzte Beitragsqlüttung oder Anmeldung. Um 8 Uhr findet die Wahlversamm- lung für die Kassenmitglieder statt. Ergänzungsivahl von 231 Vertretern zu den Generalversammlungen pro 1895. Wahlberechtigt sind alle großjährigen Kassenmitglieder, welche sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte besiuden. Legitimation: das Quittungsbuch. Um 8Ü2 Uhr findet die ordentliche Generalversammlung stall. Tagesordnung: I. Abnahme der Jnhresrechnung pro 1894 und Ertheilnng der Decharge. 2. Erhöhung des Gehaltes für den Rendanten. 3. Abänderung des Kassen- statutes. a) ß 41. Festsetzung einer Entschädigung für den Vorsitzenden. b) ß 13 und 16(auf Anordnung der Aufsichtsbehörde) Herabsetzung der Krankenunterstützlings-Dauer von 26 auf 13 Wochen. 4. Verschiedenes. Ter Vorstand: Ferd. Mathis, Vorsitzender, An der Jerusalemer-Kirche 3. 54 lb Ernst Schröder, Schriftführer, Belle- Allianeestraße 71a. IHalbe Preise!! stellt das unterzeichnete Institut der„Gold'neu Aundrrttehn" (Frtpztgrrftr. 110) in seinem Ausverkauf, da das überfüllte Lager absolut verringert werden muß; zum Beispiel:' 12 000 Frühsahr«- Paletots von 8. 10, 18. 15, 18, äO, 25 ZUark prima. 15000 schneid ige Iaqnet- n. Rock-Anzüge(auch in schwarz Tnch und ttamiu- gar») v 10.IÄ. 14, 16,18,20, £4, 27, 30 Mark prima. 6000 Hose» in dauerhaften Atoffrn von 3. 4, 5, 6, 8. 0. 10. 12 m. prima. Wf Havelocks für Herren bei uns nur von 0 Mark an. WSf Knaben- und Kurschrn- Anzüge jetzt von 3 Mark an. Ginsegnunga-Anzüge von 8, 10, 12, 15, 18, 20, 24 M. prima. Goldene 110, 110. Leipzigerftraß« HO. Charfreitag bis 2 Uhr geöfinet. WM- Achtung!-MG Sozialdemokratischer Wablvereinim vierten Berliner Reichstags- Wahlkreis. GenerawersammUmg findet Umstände halber heut Abend bei Fiefoig, Er. FeMfurtttstr. 28, ßatt. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, der Kassirer und der Revisoren. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Vereinsangelegenheilen. 281/4 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet_ Der Vorstanri. VuchhÄndliing des 2. Leuth-Straße. Berlin LW. Leuth-Straße 2. In unserem Verlage soeben erschienen: Karl Marie' Dir Klajseiikmjist m Fmkreich 1848 bis 1830. Mit einer Einleitung von Friedrich Engels. 112 Seiten Oktav. Preis Mk. 1,—. Porto 10 Pfennig. Mit dieser Schrift, die ursprünglich unter dein Titel„ISIS bis lS50" tu| I der„Neuen Rheinischen geilung"(Politisch- ökonomische Revue, Hamburg isoo) i erschienen ist, unterbreiten wir der Oesfentlichkeit eine meisterhafte Studie von Karl Marx, worin der Begriinder der materialistischen sZeschichlsauffassung zum ersten Male diese fruchtbare Methode anwendet zur Aufhellung des Charakters der isiser Revoluttonsbewegung und der sie bedingenden wirthschastltchen und sozialen Kräste. Die Einleitung von Friedrich Engels zeichnet knapp und ! klar mit scharfen Schlaglichtern auf die Gegenwart die geschichtliche Entwicklung 1 der revolutionären proletarischen Taktik vom Barrikadenkampf bis zum allgemeinen Stimmrecht und— zur ltinsturzvorlage, die dazu bestimmt ist, das Erscheinen| solcher Schristeu unmöglich zu machen. Buv-Mntfeier schienene neue Theatrrstiick: Der entlarvte Spitzel. 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Für Nachzügler bis mittags 12 Uhr bei Mahlitz, Restaurant Sanssouci in Schmargendorf. Rege Betheiligung erwartet Der Uorstand. �ehtnng! Herren Partie Achtung I ki föciuifcii des 5. ReiPtG-Wahlkreises am Charfreitag.— Treffpunkt früh 7l/j Uhr bei H. Bolze, Landsberger- slraße 41. Abmarsch 9 Uhr. 265/19 IT ii n c 11 7 ä 1> n n2 M- Vollst. schmorzl. Zahnziehen 1 K. Plomben 1,50 M. Rep. lvlHlMl.£jtüUllSOi r[Tjiejjz_ Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 22. Spr. 8-7ühr. Zu Itc/.iclirn tili« b nlle Barhliniiillunceii...' von der Geschichte des Sozialismus«rsewen soeben| der erste Theil des arsten Bandes: S 6 or" i, 6r6 � c .* Inhalt des ersten Theiis_ v",*'■ 1 Von Plato bis zu den Wiedertäufern.: t- i IfafL Wantsky:..~ Prjßis; brusebirt yt-tid.»u Lwd. M. 4.5Ü, IN Hibtrz. M. 5,50�" Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bnding in Berlin, S\Y., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Uv. 83. Mittwoch, den 10. April 1893. 12. Jahrg. *3>a|ialijtirrf|£ Vvesse DeukflhlLtnds. II. Quartal 1895. Zeutral-Grgane. ),Vov>v«vt»" Kerlinep Uolksblatt, Belithstr. 2. S.'VV. 19. täglich erscheinend. „Der Koziatdrmokrat", ZentralMochenblatt der Sozial- demokratischen Partei Deutschlands. Beuthstr. 2, SW, 19, Wiss-nj-chaftNch« W-ch-nfchrift. „Die Zleue Zeit." Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. Stuttgart, Furthbachstr. 12. Täglich erscheinende Zeitungen. Augsburg„Volkszeitung" Mittlerer Graben H 405. Kmnberg„Bamberger Volkszeitung" Brucknerstr. 6. Kant„Norddeutsches Volksblatt" Adolsstr. l. Kirlefeld„Volksmacht" Schulstr. 20. Krandenbnlg„ Volksblatt für Ost- und Westhavelland" (Brandenburger Zeitung), St. Annenstr. 33. Krannschweig„Braunschw. Volksfreund" Kannengieperstr. 13, Krrme»„Bremer Bürger-Zeitung" Hankenstr. 21/22. Kresln«„Volksmacht" Nene Graupenstr. 5/6.(Für die Land kreise erscheint noch möchentlich 2 mal eine Ausgabe.) Tassrl„Volksblatt für Hessen" Hohentorstr. 20. Dortmund„Rheinisch-Westsäl. Arbeiter-Zeitung" Lindenflr. 31 Dresden„Sächsische Arbeiter-Zeitung" Gerbergasse 1. Düsseldorf„Niedcrrheinische Volkstribüne" Karlsplatz 3. Elberfeld-Dörmen„Freie Presse" Kleine Klotzbahn 10. Erfurt„Thüringer Tribüne" Johannesstr. 144. Franlrfurt a. M.„Volksstimme" großer Hirschgraben 17. Fürth«Fürther Bürger-Zeitung" Königftr. 95. Geestemünde„Norddeutsche Volksstimme" Schulzstr. 16. Gern„Reußische Tribüne" Zschochern 54. Kalle a. S.„Volksblatt für Halle" Gr. Ulrichstr. 16. Knmbnrg„Hauiburger Echo" Gr. Theaterstr. 44. Harburg„VollAblatt" Deichstr. 4. Hannover„Volkswille" Marktstr. 45. Kof„Oberfränkische Bolkszcitung" Mühlstr. 9. Kiel„Schleswig-Holstein'sche Volks-Zeitung" Bergstr. 11. Köln„Rheinische Zeitung" Hämergasse 37.(Auch erscheint eine Wochen-Ausgabe.) kriptlg„Leipziger Volkszeitung", Mitlelstr. 6/7. Lüdeck„Lübecker Volksbote" Groß« Altesähre 35/37. Magdeburg„Volksstimme" Schmiedehofstr. 5/6. Mainz«Mainzer Volkszeitung"(Hessische Volksstimme) Deutsch- hausgSsichen 1. Mannheim„Volksstimme" D. 3, 4. b. München„Münchener Post" Senefelderstr. 4, I. Zlnrnberg„Fränkische Tagespost" Weizenstr. 12. Gffenbach„Offenbacher Abendblatt" Frankfurterstr. 36. Saalfrld„Saalfelder Volksblatt" Rosmaringasse 15. Stettin„Volks-Bote" Friedrich Karlstr. 23. Stuttgart„Schmäbische Tagmacht" Furthbachstr. 12. Murzbnrg„Unterfränkische Volkstribüne" Brücknerstr. 6. Gießen„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung" Wilhclmstr. I. Kalberstadt„Sonntags-Zeitung" Bakenstr. 37. Königsberg i. Kr.„Volks-Tribüne" Brodbäukenstr. 26. Zeitz„Glück auf!" Michaeliskirchhof 5. Witzblätter(Erscheinen alle 14 Tage.) München„Süddeutscher Postillon" Senefelderstr. 4. Stuttgart„Der wahre Jacob" Furthbachstr. 12. Zllnstrirtes Unterhaltnngsblatt. Hamburg„Die Neue Welt" Große Theaterstr. 44. Erscheint wöchentlich einmal. Gewerkschaftspresse in Deutschend. II. Quartal 1895. Dreimal wöchentlich erscheinend. Leipzig- Deudmtz„Correspondent für Deutschlands B>l ch d r u ck e r u. S ch r i f t g i e ß e r Konstantin- straße 3. Wöchentlich dreimal erscheinende Klätter. Apolda„Freie Presse" Sophienstr. 23. Lerlin„Volksblatt", Organ für die arbeitende Bevölkerung, Beuthstr. 2, SW. 19. Knrgstiidt„Die Volksstiimne" Augnstusstraße. Ghemnitz„Ter Beobachter" Gartenstr. 29. Erefeld„Niederrheinische Bolkstribüne" Am Ostmall. Dessau„Bolksblatt für Anhalt" Landstr. 33. DortUlnnd„Westfälische Volkstribüne" Hagen, Selbeck«- straße 3. Lüdenscheid, Grabenstr. 1. Unna, Kloster- mall 13. Dresdeu„Der Volks freund" Gerbergasse 1. Eisenach.„Eisenacher Volksblatt" Sophienstr. 2. Fallunstrl«„Vogtländische Volkszeitung", Anzeiger für Stadt und Land. Frankfurt a. G.„Märkische Volksstimme" Richtstr. 41. Gotha„Gothaisches Volksblatt" Kinsleberstr. 11. Greiz„Reußische Volks-Zeitung" Untere Silberstr. 1. Meißen„Meißner Volkssreund", Gerbergasse 21. Gffenbnrg i. K.„Volksfreund" Metzgerstr. 268. Rostoch„Mecklenburgische Volkszeitung" Hopsenmarkt 19. Solingen„Bergische Arbeiterstimme" Kaiserstr. 29. Würzen„Neue Würzen« Zeitung" Jakobsgasse 13. Zeitz„Volksbote" Michaeliskirchhof 5. Zwichau i. S.„Sächsisches Volksblatt" Richardstr. 15. Wöchentlich zweimal erscheinende Klätter. Aachen„Aachener Volksblatt" Büchel 46. Altenburg„Der Wähler" Hospitalplatz 3. Kresla«„Tie Wahrheit" Neue Graupenstr. 5/6. „Volksmacht" Neue Graupenstr. 5/6. Langenbielan„Ter Proletarier aus dem Enlengebirge". München-Gladbach„Arbeiterstimme", Solingen, Kaiser- straße 29. Zlordhausen„Nordhäuser Volksblatt" Altendorfstr. 16. Zaalfeld„Thüringer Volkssreund"(Thür. Waldpost) Rosmarin- gasse 15. „Thüringer Volksblatt"(Schmarzburg« Volkssreund) Rosmaringasse 15. Wöchentlich einmal erscheinende Klätter. Kant„Die Nord-Wacht" Adolsstr. 1. Kerlin„Gazeta Robotnicza" Andreasstr. 73a. Krannschweig„Der Landbote" Kannengießerstr. 13. Wöchentlich erscheinend. Kerli»„Die Ameise", Organ des Porzellan- a r b e i t e r- Verbandes, Charlottenburg, Englische Straße 27, II. „Der V a u h a nd w e rk e r" Rixdorf-Bcrlin, Ziethen- straße 31. „Bildhauer- Zeitung", Solmßstr. 33. „Allg. Fahr- Zeitung" Schützenstr. 53. �„Ter G a st m i r t h s g e h i l f e" Annenstr. 16. „Der Töpfer" Colbergerstr. 11, pari. l. Kremen Deutsche„B ö t t ch er- Zeitung", Langestr. 100 I. Knrgstädt„Der Textilarbeiter" Obere Marienstr. 285. Grlsrnkirchc»„Deutsche Berg- und Hüttenarbeiter- Zeitung" Friedrichstr. 47. Gotha„S ch u h m a ch e r- Fachblatt". Hamburg„Corrcspondcnzblatt der G e n e r a l k o m m i s s i o n der G em erks ch aft en Deutschlands" Zoll- vereins-Niederlage, Wilhelmstr. 13 I. „Glück auf!"(für Former) Hamburg- Eilbeck, Konventstr. 5. „Der Grundstein"(für Maurer) Zollvereins- Niederlage, Wilhelmstr. 13 I. „Holzarbeiter- Zeitung" Eimsbüttel, Bismarck- straße 10. „Bruder Schmie d" Altonaerstr. 45. „Fachzeitung für S ch n e i d e r" 2. Durchschnitt 10. „Der Z i in m e r e r" Barmbeck, Feßlerstr. 28 I. Leipzig„Der Gewerkschafter"(f. C i g a r r e n arbeiter) Mittel- straße 7. „Reform"(für Buchdrucker) Ulrichsgasse 27—29 I. Leipzig-Schkeuditz„Graphische Presse" Schkeuditz. Linden-Hannover.„Deutsche B r a u e r- Zeitung", Falken- straße 18. Löbtau-Dresden„Ter Fachgenosse"(für Glas-, Porzellan- und Thonwaaren-Arbeiter) Wilsdrufferstraße 50. Dürnberg„Deutsche Mctallarbeiter-Zeitung" Weizenstr. 12. Stnttgart„B u ch b i n d e r- Z e i t u n g", Hensteigstr. 30. „Ter H a n d s ch u h m a ch e r" Böblingerstr. 44. Wiesbaden„Der Glaser" Helenenstr. 26. Zwiüiau„Glück auf!"(für Bergarbeiter) Aeußere Schnee- bergerstraße 60. Monatlich dreimal erscheinend. Altenburg„Correspondent für H u t m a ch e r" Teichstr. 3. Hamburg„Der Kupferschmied" Hammerbrook, Heiden- kampsweg 62, IV. Alle 14 Tage erscheinend. Kerlin„Der H a n d e l s a n g e st e l l t e" v., Blnmenstr. 21. „Sattler- u. Tapezirer- Zeitung" N., Jnvaliden- straße 145. „Allg. S t e i n s e h e r- Zeitung" I?W.. Emdenerstr. 42. „Vereins-Anzeiger für Maler" O., Fruchlstr. 51. „Vercinsblatt der Lederarbeiter Teutschlands" II.. Soldinerstr. 21. Frankfurt a. M.„Der Barbier und Friseur"(für die selbständigen antizünstlerische» Meister) Korn- markt 8. Frankfnrt a. M.„Neue Deutsche D a ch d e cker-Zeitung" Buchgasse 10. Hamburg„Der Arbeiter"(für Bau- und Hilfsarbeiter) Eilbeck, Konventstr. 5. „Deutsche Bäcker- Zeitung" Jdastr. 15/17. „Der Gold arbeiter" Eilbeck. Konventstr. 5. „Der S ch i f f s z i m m e r e r" Eilbeck, Konventstr. 5. „Korrespondenzblatt" d. Zentralvereins d. Gärtner, Eilbeck, Konventstr. 5. „Tapezirer- Zeitung" St. Georg, Lange Reihe 75. Hamburg-Uhlenhorst„Die Biene".(Organ der K o n d i t o r- g e h i l f e n und verwandten Berufsgenossen), Schuhmannstr. 19. Hanau«Adamas"(sürDiamantschleifer). Erscheint drei- sprachig in Antwerpen. Deutsche Redaktionsadresse: „Brauerei Weismantel, Schnurgasse". Hannover„Der Proletarier"(für Fabrik- zc. Arbeiter und Arbeiterinnen) Schmicdeslr. 15. Heilbronn„M ü l l e r- Zeitung" Verlag A. Stapf. Stuttgart„Tie Gleichheit". Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen. Furthbachstr. 12. Monatlich einmal erscheinend. Kerliu„Correspondenzblatt"(für Geschäfts dien er, Packer) C., Neue Grllnstr. 10 I. „Correspondenz-Blatt des Verbandes der im Vergolde rge werbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands", Oppelnerstr. 43, v. IV. „Ter B u r e a u- A n g e st e I l t e" S., Urbanstr. 35. Hamburg„Der Holzarbeiter" Eilbeck, Konventstr. 5. „Der Kundschafter"(für B a r b i e r g e h i l f e n) Gr. Reichenstr. 62. Leipzig �Zeitschrift für Graveure und Ziseleure" E. Berger, Burgstr. 12. * Obige Zusammenstellung veröffentlichen wir je zu Beginn des Quartals. In der Zwischenzeit sich ergebende Adreß- oder onstige Veränderungen bitten wir uns behufs Vormerkung mit theilen zu wollen. Berlin LW„ Katzbachstraße 9, I, Der partelvorstand. Herr v. Busse. Wegen Beleidigung des AmtsvorsteherZ von Erkner, des Herrn v. Busse, hatte sich gestern der Polizei- Lieutenant a. D., jetzige Landwirth Gustav Raschle vor der dritten Strafkammer am Landgericht 11. zu verantworten. Das Schöffengericht zu Alt- Landsberg hat den Angeklagten wegen dieses Deliktes zu 150 M. Geldstrafe verurtheilt, wogegen der- selbe Berufung einlegte. Er hat unter dem 30. November v. I. einen Brief an den AmtSvorsteher gerichtet, in welchem er die Wendung gebrauchte, daß er dem Herrn v. Busse„eine solche gemeine Handlungsweise" nicht zugetraut hätte. Daraufhin war Anklage und Verurtheilung erfolgt. In der gestrigen VerHand- lung vor der Strafkammer deponirte nun die Wittwe des ver- storbenen Staatsanwaltes a. D. Herrn Dr. Eckardt unter ihrem Zeugeneide folgendes: Ihr Gatte habe wegen eines im- heilbaren Leidens den Abschied nehmen müssen und habe sich darauf mit seiner Pension nach Erkner zurückgezogen. Anfäng- lich sei alles gut gegangen und während dieser Zeit habe der Amtsvorsteher im nußeranitlichen Verkehr dem Herrn Dr. Eckardt ein Aktenstück gezeigt, welches die Vorstrafen des Herrn Raschle — versuchte Erpressung, Beleidigung und Hausfriedensbruch— enthielt. Ihr Gatte habe gleich zu ihr— der Zeugin— gesagt:„Das ist eine unbefugte Verletzung des Amtsgeheim- nifses, vor dem Amtsvorsteher müssen wir auf der Hut sein!" In der That hätten die Eigcnartigkeiten des Herrn v. Busse den gesellschaftlichen Verkehr bald unmöglich gemacht, sie hätten sich zurückgezogen und seien nun allerlei Belästigungen und Traiigsalirungen ausgesetzt gewesen, sodaß ihr der Gatte wiederholt gesagt habe:„Wenn ich einmal plötzlich sterben sollte, dann unterlasse es nicht, Herrn Ziaschke zu sagen, daß uns der Amtsvorsteher seine Personalakten gezeigt hat!" Ihr Gatte hale sich wegen seines Leidens schon lange mit Selbstmordgedanken getragen und habe sich im September auch wirklich erschossen. Darauf habe sie Herrn Raschke die entsprechende Mittbeilung ze- macht. Aus Veranlassung dieser Mittheilung hat der Angeklagte einen geharnischten Schreibebrief an Herrn v. Busse gerichtet, welcher den inkriminirten Passus enthielt. Auf grund des Zeugnisses der Frau Eckardt billigte die Strafkammer dem An- geklagten den Schutz des s 193 des Strafgesetzes zu. Es wurde angenommen, daß der Wahrheitsbeweis erbracht sei und der An- geklagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Da aber die Form des Schreibens eine beleidigende sei, so könne der Angeklagte nicht gänzlich straffrei ausgehen, die Strafe werde daher von 150 M. auf 50 Mark herabgesetzt. TaS Schnldciibezahlen hat dem Kutscher Wilhelm Seering drei Monate Gefängniß eingebracht. Seering war nämlich bei Klingelbolle als Kutscher angestellt, und die fromme Denkungsart, welche dort den Angestellten eingetrichtert wird, sollte auf sein verstocktes Gemüth keinen Eindruck gemacht haben, so daß er sich nach der Behauptung seiner illrbeitgeber nicht entblödet habe, einen frechen Diebstahl auszuführen. Seering soll nämlich außer einer Reihe von Unredlichkeiten auch den Diebstahl einer Geld- tasche begangen haben, und da er seine Schulden bezahlt hatte, wurde er verhaftet und von dem Amtsgericht zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Hiergegen legte er Berufung ein, und vor der fünften Strafkammer führte er aus, daß er vollkommen unschuldig sei. Schulden habe er allerdings bezahlt, das sei doch wohl aber nicht strafbar und könne auch als Beweis gegen ihn nicht ins Feld geführt werden, da er die Schulden bereits bezahlt habe, ehe der Diebstahl begangen wurde. Da er dies durch den Gläubiger bestätigen lassen konnte, wurde er von der fünften Strafkammer natürlich freigesprochen und sofort ans der Hast entlassen. Ter Gcwcrkvcrein deutscher Fabrik- und Saud- arbeiter hatte in Buckow bei Britz den Arbeiter Wilhelm Otto zum Kassirer der Mitglieder-Krankcn- und Sterbekasse erwählt und mit der Geschäftsführung desselben unangenehme Erfahrungen machen müssen. Bei einer auf Anordnung des Herrn Landraths Stubenrauch stattgehabten Kassenrevision stellte der beauftragte Revisor Hummel ein Kassenmanko im Betrage von 63 Mark fest, lieber den Verbleib des Geldes konnte Otto keinen genügenden Aufschluß geben. Er mußte sich am Sonn- abend vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II wegen Un- treue verantworten. Staatsanwalt Rhode beantragte drei Monate Gefängniß. Das Urlheil des Gerichtshofes lautete auf zwei Monate Gefängniß. Die ReralNon Neil! die A-Iwsuna dei Svrechsoais. soweit!!» Namn dal« abzugeben ist,»em Publikum zur Bespre-bung von Anqelegenheilen allgemeine» JnieressiS zur Nersügung: sie Ivahrl sich aber gteichzetlig dagegen, mit dem Jubalt desselben idcultfiztrl zu werden. Bezüglich eines vom Genossen v. Elm in Nr. 75 im„Vor- wärts" erschienenen Sprechsaalartikels erlaube ich mir, als Leiter der betreffenden Versammlung, folgende Richtigstellung zu machen: Richtig ist, daß sich über das Nichterscheinen des Genossen v. Elm eine Geschäftsordnungdebatte entspann; aber es ist nicht wahr, daß von irgend jemand in der Versammlung die Be- hauptung aufgestellt worden wäre, daß mit dem Genossen v. Elm persönlich Rücksprache über das zu haltende Referat genommen ist. Demgegenüber wurde von anderer Seite behauptet, daß eine Karte mit Rückantwort an v. Elm abgesandt, eine Ruckantwort aber nicht eingelaufen sei, infolge dessen man sich einen anderen Referenten besorgt habe. Wenn der Genosse v. Elm sich auf den Bericht des„Vorwärts" beruft, so möchte ich darauf hinweisen, daß das von ihm als direkte Unwahrheit bezeichnete nicht in dem Bericht steht. Daß die ganze Debatte über diesen Punkt eine überflüssige war beweist schon, daß ein anderer Referent zur Stelle war und bedauere ich daher sehr, daß die Debatte eine» derartigen Umfang angenommen hatte. H. Kub e. I Gleirhp K Grahnw M ThihBriktil mit IkmOelckbl Z � itt ewi�g bei Magbebnrg. den grössten PSatzen Deutschlands� an. 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