Abendausgabe Nr. 403 41.Jahrgang Ausgabe B Nr. 202 5 Goldpfennig 50 Milliarden = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenprette Find in der Morgenausgabe angegeben Redallion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 27. August 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Kommunistischer Ueberfall im Reichstag. Der Demokrat Brodauf von einem Kommunisten verletzt. Dieser Reichstag muß fort. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, die sch machvollen Szenenvon heute morgen haben ihn geliefert. Durch Feilschen und Schachern im Augenblick geschichtlicher Entscheidung hat dieser Reichstag selbst Ansehen und Würde untergraben, die eine Bolksvertretung besitzen muß, wenn sie als Trägerin der Souveränität des Volkes, als höchste politische Instanz vor aller Augen gelten soll. Die fommunistische Frat tion, die den ungeist und das Rowdytum bewußt ins Parlament hineinträgt, hat dem Ansehen und der Würde des Reichstages den legten Stoß gegeben. Die Kommunisten haben den Reichstag zum Schauplaß einer wüsten Schlägerei gemacht. Dieser Reichstag ist eine Schande für das deutsche Volt. Aber die kommunistische Frattion ist eine noch größere Schande. Das war der Vorgang: Der Reichstag lehnte die kommunistischen Anträge ab, die ausgeschlossenen und inhaftierten Abgeordneten zur Abstimmung hinzuzuziehen. Die sozialdemo fratische Fraktion stimmte für diese Anträge. Der Nationalsozialist Frid beantragte, den Amnestieantrag noch einmal formell auf die Tagesordnung zu setzen, um die Ueberweisung an den Ausschuß zu ermöglichen. Bizepräsident Dittmann erklärte, gegen diesen Antrag fönne niemand etwas einzumenden haben, wenn sich daran keine Debatte im Plenum knüpfe. Trotzdem erhob Abg. Brodauf( Dem.) Widerspruch. Un geheurer Lärm bei den Nationalsozialisten und Kommunisten war die Folge. Kommunistische Abgeordnete dringen auf Brodauf ein, Genosse Peine stellt sich vor Brodauf. Der Kommunist Gr ube, Parteisekretär aus Zwidau, dringt auf ihn ein und erhebt den Arm zum Schlag gegen Brodauf. Beine schiebt ihn zurüd. Da schlägt der Kommunist Nedder meyer, Parteisekretär aus Bielefeld, wild auf Beine ein. Im Nu fängt ein großer Teil der kommunistischen Fraktion nach dem Vorbild von Neddermeyer eine wüste Schlägerei an. Die ganze Niedrigkeit der Gesinnung, der Kaschemmengeist in der Fraktion offenbart sich. Sie benugen die Gelegenheit, um, mit Fäuften und anderen Kampfmitteln, über die sozialdemokratischen Abgeordneten herzufallen. Eine wüste Schlägerei entsteht, wie sie Trunkene, innerlich rohe Elemente in Kaschemmen entfesseln, wenn der Alkohol alle Hemmungen des Anstandes zerbrochen hat. Eine Schmach und Schande ist diese Fraktion aus verrohten und verlotterten Elementen. Die Prügelhelden der Kaschemmen haben noch die Ausrede, daß sie unter der Wirkung des Alfo= hols handeln, aber diese Fraktion hat mit faltem Geiste aus innerer Roheit heraus, diese schmachvolle Szene entfesselt. Noch nach dieser Szene erklärte Herr Iwan Ka y zynisch, daß Brodauf Prügel hätte haben müssen. Sie haben also be= wußt eine Prügelfzene herbeiführen wollen. Kalter Lynch nennt man bei den Kommunisten diese Methode Abg. Brodauf liegt erheblich verlegt im Krantenzimmer des Reichstages. Er hat eine ernste Verlegung am rechten Auge davongetragen. Er steht in der Behandlung der sozialdemokratischen Aerztin Frau Stegmann. Als eine sozialdemokratische Abgeordnete ihrer Empörung über die schändliche Szene in Entrüftungsrufen Luft machte, rief ihr verrohtes fommunistisches Gesindel von Abgeordneten zu: Schade, daß Sie nicht auch eins in die Fresse bekommen haben! Ein schmachvolles Bild, dieser Zusammenstoß! Wild fchlugen die Kommunisten von oben auf Brodauf ein. Die an gefallenen fozialdemokratischen Abgeordneten setzten fich energisch zur Wehr und drängten die Kommunisten zurüd. Man sah in dem Knäuel von schlagenden und tobenden Abgeordneten, wie ein fozialdemokratischer Abgeordneter sich mit einem Zeitungshalter gegen ihn bedrängende Kommunisten zur Wehr sehte. Stürmische Pfuirufe aus dem Haus, von den Breffetribünen, aus dem Publikum. Der Präsident verließ feinen Blaz. Die Sizung war aufgehoben. Die fer Reichstag muß fort! Es muß abgerechnet werden mit dem Geist des Schachers und der Erpressung, der ein niedriges Ziel mit den Lebensintereffen des ganzen Volkes spielt. Es muß aberechnet werden mit der gewiffenlosen Fraktion der Deutsch nationalen und dem völkischen Anhang. Es muß abgerechnet werden mit der Fraktion berinneren Beriotterung und Verrohung, mit der Fraktion der Kommunisten. Diese Fraktion will die geistige Verwirrung der Inflationszeit verlängern, solange dieser Reichstag noch lebt. Dieser Reichstag muß fort! Er ist keine Boltsvertretung, er ist ein Tollhaus. Er ist eine Gefahr für die geistige Gesundung Deutschlands. Er darf keine 24 Stun ben mehr am Leben bleiben. Abrechnung mit der gewiffen losen nationalistischen Demagogie, Abrechnung mit tommu nistischem Raschemmengeist. Fort mit diesem Reichstag, fort mit dieser Schande Deutschlands! 20 Minuten. * Bräsident Wallraff eröffnet die heutige Gizung um 11 Uhr Auf der Tagesordnung steht zunächst der kommunistische Antrag, der zu der Abstimmung über das Londoner Abkommen alle ausgefchloffenen und inhaftierten Abgeordneten zulaffen will. Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichskanzler erstattete heute vormittag dem Reichspräsidenten Bericht über die politische Lage, in deren Beurteilung fich völlige ebereinstimmung zwischen dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten ergab. Der Reichspräsident erklärte sich mit der Unterzeichnung der Londoner Abmachungen am 30. August einverstanden und stimmte dem Reichskanzler darin zu, daß die Unterzeichnung auch die Verpflichtung zur Ausschöpfung aller parlamentarischen und verfassungsmäßigen Möglichkeiten für die Verabschiedung der zur Durchführung des Gutachtens erforderlichen Maßnahmen in sich schließt. Demgemäß erklärte der Reichspräsident dem Reichskanzler seinen Entschluß, den Reichstag aufzulösen, falls die zu beschließenden Gefehe nicht die erforderliche Mehrheit finden. Wie Abg. Hampe( Wirtsch. Vgg.) als Berichterstatter mitteilt, hat der Geschäftsordnungsausschuß diesen Antrag abgelehnt. Die Kommunisten beantragen nunmehr, wenigstens die aus gefchloffenen Abgeordneten Remmele und Dr. Schwarz zu der entscheidenden Sihung zuzulassen. Abg. Dr. Rosenfeld( Soz.) hält es für notwendig, daß angesichts der großen Bedeutung der bevorstehenden Abstimmung alle Abgeordnete daran teilnehmen müßten. Für den Abg. Remmele würden die zwanzig Sigungstage, für die er ausgeschlossen ist, ohnehin am Donnerstag ablaufen. Abg. Scholem( Komm.) wirft der Mehrheit vor, daß sie die Zulaffung der ausgeschlossenen und inhaftierten Abgeordneten nur verhindere, um auf diese Weise vielleicht noch eine Zweidrittelmehrheit für den Sklavenvertrag zusammenzubringen. Er wäre damit einverstanden, wenn man die Inhaftierten gefeffelt zur Wahlurne in den Gaal hineintragen würde. Das wäre ein Symbol für die Abftimmung, die das deutsche Bolt jetzt zu vollziehen habe. Der fommunistische Antrag auf Hinzuziehung der ausgeschioffe= nen und inhaftierten Abgeordneten wird gegen die Sozial be motraten, Rommunisten und Nationalsozia liften abgelehnt, ebenso der tommunistische Antrag, wenigftens die Abgg. Remmele und Dr. Schwarz zuzulassen. Der Ausschußantrag wird dann unter lebhaften Pfuirufen der Kommunisten angenommen. Kommunistische Prügelhelden. Abg. Frid( Nat.- Soz.) beantragt, einen Antrag seiner Fraktion auf Amnestierung der sogenannten politischen Verbrecher dem Rechtsausschuß zu überweisen, da durch das Londoner Abkommen die separatistisen Hochverräter im besetzten Gebiet begnadigt würden. Als Abg. Brodauf( Dem.) gegen die Behandlung dieses Anfrages Widerspruch erhebt, entsteht to bender Lärm bei den Kommunisten und Nationalsozialisien, die erregt aus ihren Bänten ftürzen und auf den Abg. Brotauf eindringen, um den sich seine Freunde schühend sammeln. Der Lärm hält minutenlang an, die Kommunisten dringen mit geballien Fäusten vorwärts. Nur mühsam schafft der Präsident Ruhe. Auf einmal stürzen die Kommuniffen mit geballten Jäufften auf den Abg. Brodauf los, der durch die demokratischen Abgeordneten Sorell, kopsch, Dietrich- Baden und andere gefüht wird. Brodauf verteidigt sich mit einem zufammengeballien Bündel Jelfungen. Die kommunistischen Abgeordneten Höllein und koenen schlagen mit den Fäusten auf die Demokraten ein. Sozialdemokraten und Zentrumsabgeordnete mischen sich dazwischen. Es entsteht ein ungeheurer Tumult. Es entwickelt sich eine regelrechte Prügelfzene, an der sich die meisten fommunistischen Abgeordneten beteiligen. Die Tribünenbefucher erheben sich spontan von den Plähen und stoßen Bfuirufe aus. Im Hause herrscht eine ungeheure Erregung. Der Präfident, der vergeblich versucht hat, Ruhe zu schaffen, und mit der Glocke nicht mehr durchgedrungen war, verläßt den Sigungsfaal. Die Sigung ist damit gefprengt. Die Abgeordneten fichen noch lange in erregten Gruppen zusammen. Der Abg. Brodauf wird von seinen Freunden aus dem Saal geführt. Nach etwa 10 Minuten erscheint Präsident Wallraf wieder auf seinem Blak und eröffnet die Sigung aufs neue. Er gibt unter lebhafter Zustimmung dem Gefühl der Empörung über die Vorgänge von vorhin Austru und fügt hinzu: Ich werde diejenigen leider sich als notwendig erwiesen haben; daß diese Maßnahmen nicht überflüssig sind, haben gerade die Vorgänge von vorhin bewiesen.( Lebhafte Zustimmung der Mehrheit. Gebrüll der Kommunisten.) Abg. Kah( Komm.): Wie begründet der Hinweis Stöckers war, geht daraus hervor, daß der Spißel während der Rede Stöckers den Saal verlassen hat. Nachdem Abg. Brodauf Widerspruch erhoben hat gegen einen Antrag, mit dem jeder einverstanden sein mußte, der nur einen Funken Anstand und Menschlichkeit hat( stürmisce Entrüftungsrufe der Mehrheit, Geschrei der Kommunisten), beantrage ich, noch einmal festzustellen, ob jemand im Saal Widerspruch erh bt. Präsident Wallraf: Das ist geschäftsordnungsmäßig unzulässig. ( Heftige Rufe der Kommunisten gegen den Bräsidenten.) Der Präsident teilt einem inzwischen eingelaufenen Antrag mit, der den Antrag Bredt( Wirtschaftsp.) für verfassungs= widrig erflärt und Uebergang zur Tagesordnung über diesen Antrag vorschlägt. In der fortgesetzten Besprechung des Londoner Vertrags. spricht dann Abg. Seibert( D. Bp.) für das Eisenbahngeseh, das bg. Rahl( Natfoz.) befämpft. Abg. Lang( Bayr. Bp.) macht seine Bedenten gegen die Uebertragung der Reichsbahnen an eine Gesellschaft geltend. Reichsverdehrsminister Dejer gibt beruhigende Zusicherungen für die Zukunft der Reichsbahnbeamten ab. Wir wer den diese Erklärungen in der Morgenausgabe nachtragen. Das Eisenbahngefeß wird in zweiter Lesung bei schwach be= fettem Hause, da mehrere Fraftionen Sizungen abbalten, erledigt, die zweite Lesung der Gutachtengeseze beendet, worauf das Haus eine Anzahl fleiner Vorlagen ohne Besprechung in der ersten und zweiten Lesung annimmt. ( Schluß im Morgenblatt.) Landtag und Londoner Protokoll. Bei Ablehnung im Reichstag Zusammentritt am 3. September. Der Aeltestenrat des Landtages hát am Dienstag be schlossen, daß im Falle der Ablehnung des Londoner 3. September zusammentritt. Der Zusammentritt Abkommens durch den Reichstag der Landtag am des Landtages foll im Falle der Ablehnung vor allem durch die Eisenbahnfrage bedingt sein. Die deutschnationale Fraktion des Landtages hatte einen Antrag auf sofortige Einberufung des Landtages eingebracht. Rheinische Landwirtschaftskammer für Annahme. Bonn, 27. August.( WIB.) Der Borstand der Landwirt. [ chaftskammer für die Rheinprovinz hat folgende Entfchließung gefaßt: Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für die Rheinproving hat Renntnis genommen von der Stellungnahme, welche die Bertreter der Landwirtschaftstammer in den Verhandlun gen der Vorstände des Deutschen Industries und Handelstages, des Reichsverbandes der deutschen Industrie und des Wirtschaftsaus fchuffes für die besetzten Gebiete zu der durch die Londoner Abtommen geschaffenen Lage am 22. August eingenommen haben. Der Borstand der Landwirtschaftskammer billigt diese Stellung nahme und stimmt seinerseits der dort angenommenen Entfchießung zu, da durch eine Ablehnung die Landwirtschaft as belehten Gebiets aufs schwerste geschädigt und einer Jufunft engegengetrieben würde, die wirtschaftlich und politisch die schwersten Gefahren in sich birgt und die cheinische Landwirtschaft in ihrer Eristenzmöglichkeit erschüttern würde. Dabei spricht aber der Vorstand die zuversichtliche Erwartung aus, daß es gelingen möge, einen Weg zu finden, die Entscheidung über das Londoner Abkommen im Reichstag auf breitester Basis durch alle der Landwirtschaft nahestehenden Barteien herbeizuführen, damit auch die Durchführung der notwendigen Geseze gesichert ist, wobei weitere Belastungen für die Landwirtschaft angesichts ihrer Lage als untragbar abzulehnen sind. Die Konsolidierung der französischen Schuld Paris, 27. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Nach einer Meldung der„ Chikago Tribune" soll in maßgebenden amerikanischen Finanzkreisen ein Projekt der Konsolidierung der französischen Schuld diskutiert werden. Danach soll an dem Lage des Inkrafttretens des Dawes- Planes an die Berzinsung der französischen Schuld, die sich einschließlich der rückständigen Zinsen auf rund 3½ Milliarden Dollar beläuft, auf 5 Jahre unterbrochen werden. Nach Ablauf der Frist foll die Leistungsfähigkeit Deutschlands einer neuen Nachprüfung unterzogen werden, ob es in der Lage sei, über die im Dawes- Plan festgesetzte Jahreszahlung von 2½ Millarden hinaus eine weitere Laft zur Abdeckung der französischen Schuld an Amerika zu übernehmen. Die Berzinsung dieser Schuld soll zunächst mit 2 Broz. beginnen, die Tilgungsquote auf 1 Proz. festgesetzt werden. Die aufzubringenden Beträge würden fich danach auf etwa 100 Millionen Dollar im Jahre belaufen un die franzöfifche Schuld in ungefähr 70 Jahren getilgt werden. Maßnahmen gegen die Schuldigen treffen, die die Geschäftsordnung vorsieht. Der Weltestenrat wird um 2 Uhr zufammentreten. Ich bitte jegt in der Verhandlung fortzufahren. Das Wort hat der Abg. Stöcker, dem ich es schon vorhin erteilt habe, wenn er nicht darauf verzichtet. Abg. Stöder( Romm.): Zu der hier im Hause eben aufgeführten Komödie( Buruf links: die Ihr gemacht habt! Gefchrei der Kommunisten) paßt es durchaus, daß jezt auch schon hier auf den Plähen des Reichsrats ein berüchtigter Polizeispiel sich aufhält. Seit wann ist das hier erlaubt?( Rufe der Kommunisten nach der Reichsratseftrade: Rousi Raus!) Die Begleitung von Regierungsvertreter durch Boltzeispitzel entspricht nur der Würde dieses Hauses.( Leb- Polens gift für gefahrbrohend. Nach amtlichen Ermittelungen mu hafte Entrüftungsrufe gegen die Kommunisten.) Präsident Wallraf stellt fest, daß teinerlei andere Sicherheitsmaßnahmen Bor einem Aufstand in Off- Polen? Die Lage in den Ostgebieten mit der Möglichkeit eines Aufstandes gerechnet werden. Ein bc= sonderer Ministerrat hat sich mit dieser Frage beschäftigt und militärische Vorbereitungen angeordnet, über die nichts befanntgegeben im Reichstag getroffen find, als die schon seit langer Zeit wird. Ludendorff verleumdet. „ Der Reichspräsident entwaffnet.- Die Reichsregierung bolfchewifiert". Reichstagsabgeordneter Ludendorff hat in einer deutschvölkischen Versammlung in Königsberg eine Rede gehalten, in der er nach dem Bericht einer Berliner Mittagszeitung wörtlich sagte: ,, Solange wir eine Regierung haben, deren Reichspräsident das Heerentwaffnet, dessen Kanzler der Zentrumspartei angehört, einer Partei, deren flares Ziel es ist, das Reich zu zerschlagen, ein Malhan 5ols chewistische Ziele im Schoße der Regierung fördert, und solange ein Strefemann Reichsaußenminister ist, solange ist an deutsche Freiheit nicht zu denken." Obwohl bekannt ist, daß die politische Einsicht des Reichstagsabgeordneten Ludendorff den Gesichtskreis eines früheren preußischen Durchschnittsfeldwebels nicht übersteigt, muß man annehmen, daß er an die Wahrheit feiner blöden Behauptungen selbst nicht glaubt, sondern daß er den Reichspräsidenten| und die Reichsregierung bewußt verleumdet, um seine Meute gegen sie zu heben. Vor dem 4. Mai wurde diefes ehrenwerte Gewerbe von denen um Ludendorff mit dem Erfolg in Bayern ausgeübt, daß die Entfremdung zwischen Bayern und dem Reich an die Schwelle des Bürgerfrieges führte. Nach dem Auftakt in Weimar fann es nicht zweifelhaft sein, daß Reichstagsabgeordneter Ludendorff sein Gewerbe mit seinen Agenten in Norddeutschland fortzusetzen beabsichtigt. Der Reichstags: abgeordnete Ludendorff wird sich täuschen! Preußen ist nicht das Pflaster für sein Nachkriegsgewerbe und er wird, wenn er es darauf anlegt, noch einmal zur blauen Brille greifen müffen. " Zwei Urteile. Der beleidigte Reichspräsident und der beleidigte General Der frühere Hauptschriftleiter der inzwischen eingegangenen deutschvölkischen Großdeutschen Zeitung", Dr. Tafel, wurde von dem Münchener Schwurgericht am 26. Auguft wegen Beleidigung des Generals v. Seedt zu 1000 M. Geldstrafe oder 20 Lagen Gefängnis verurteilt. In der„ Großdeutschen Zeitung" war im November vorigen Jahres ein Dank Seedts an die Reichswehr mit den Worten apostrophiert worden:" Und da gibt sich = ein früherer Monarchist her und spricht diesem zusam mengeleimten Söldnerheer für die Erschießung echt deutscher Leute seinen Dant aus." Am 25. August standen vor dem Schöffengericht in Greifswald die Herren v. Malzahn, Graf hardenberg und Forsteleve Pätzold wegen Beleidigung des Reichspräsiden= ten. Sie hatten im Juli vorigen Jahres öffentlich das„ Lied" ge= gröhlt:„ Ein Taler ist mir zu wenig, wir wollen einen König, vor Ebert, diesem Scheißer, präsentieren wir nicht." Das Urs teil: 100 M. Geldstrafe für den Grafen Hardenberg, 75 M. Geldstrafe für Herrn v. Malzahn, Freispruch für den Forsteleven, der behauptete, gesungen zu haben für 25 Pfennige präsentieren wir nicht", obwohl die Zeugen, zwei Schupobeamte aus Berlin, das Gegenteil festgestellt hatten. " Die beiden Fälle sind lehrreich. Vor dem Novemberputsch mimmelte es in der deutschvölkischen Beleidigungen, Berle umbungen une Bayerns von Herabsehungen des Reichspräsidenten und der Reichsregierung, ohne daß den Verleumdern und Ehrabschneidern ein Haar gekrümmt wurde. Im Gegenteil, die Herrschaften, die sich in dieser Weise vergingen, erfreuten sich der besonderen Gunst hoher und höchster Stellen. Dr. Tafel ist heute ein erledigter Mann. Er war einer der wenigen Anständigen in der Hitler- Bewegung und hat inzwischen den Dank der Ludendorff- Partei dadurch erfahren, daß man ihn nach Eingehen des Blattes brotlos auf die Straße fezte. Er wird nachträglich wegen Beleidigung des Reichswehrministers zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt. Bayerisches Recht"! In Greifswald stehen die hochvermögenden Herren v. Malzahn und Graf Hardenberg wegen unflätigster Beschimpfung des Reichs. Vom Volkslied zum Gaffenhauer. Von Hans Breyer. Hinaus in Feld und Wald zieht es den erholungsbedürftigen Großstädter, und in der schönen Natur erwacht auch die Lust zu fröhlichem Gefang. Die paar Lieder, die ihm aus der Schulzeit noch im Gedächtnis sind, werden mehr laut als schön, jedoch recht gefühlvoll gesungen. Doch schon bei dem zweiten oder dritten Bers ist Der Text des Liedes so ziemlich aus dem Gedächtnis entschwunden. Ist kein Liederbuch zur Hand, summt man die Melodie noch ein Weilchen, fängt ein anderes Lied an, um zu demselben Ergebnis zu tommen. Das wiederholt sich in jedem Jahre, und nur selten wird das Gedächtnis aufgefrischt. Das Volkslied verstummt mehr und mehr. Wie erklärt sich das? Aus jedem Volksliederbuch läßt sich die Ursache leicht feststellen. Der weitaus größte Teil unserer Lieder entstammt einer Zeitepoche, in der Deutschland noch reiner Agrarstaat war und die Bevölkerung mit der Natur noch in stänAgrarstaat war und die Bevölkerung mit der Natur noch in ständigem Zusammenhang lebte. Das Lied selbst verförperte ein vom Dichter empfundenes Erlebnis. Dieses Erlebnis war dem im Häusermeer der Großstadt lebenden Menschen fremd geworden, und erst in den kurzen Stunden der Rückkehr zur Natur werden des Dichters Gedanken wieder belebt, um ebenso schnell im Haften und Jagen des städtischen Lebens zu verfliegen. Ueberhaupt ist mit der fortschreitenden Industriealisierung Deutschlands die Zahl der gangbaren Volksliederdichter auf ein Minimum zusammengefchrumpft. Der harte Kampf ums Dasein nahm dem Volke die Poeste, entriß dem Dichter das Erlebnis. Wie eng aber das Erlebnis mit der Sangesfreude verbunden war, beweisen die Studenten-, Wander-, Turner usw. Lieder, die ein immer wieder neu empfundenes Erlebnis besingen. Wie poesielos unser Zeitalter ist, läßt sich auch aus der Kriegszeif nachweisen. Aus allen Kriegen, die die Menschheit zerfleisch ten, brachten die Soldaten ihre Lieder mit. Von den Landsknecht liedern des 30jährigen Krieges, von den Kampfgefängen der sogenannten Befreiungstriege bis zum„ Gedämpften Trommelflang" und Ich hat einen Kameraden der Bismarckschen Kriege. Alle diese Lieder ließen trotz aller Kriegsgreuel noch auf persönliche Erlebnisse schließen. Jedoch der Materialfrieg über und unter der Erde mit seinem graufigen Massenmorden, den wir miterleben mußten, ficß keine Erlebnisse aufkommen, die in Liedern verherrlicht werden fonnten. Doch, um bei der Wahrheit zu bleiben, ein Lied ist mir in Erinnerung, dessen Refrain lautete: Batete gibt's so viele Für die Offiziere, Aber feins für mich: Rohldampf fürchterlich! präsidenten vor Gericht. Gie werden mit einer Geldstrafe ab-| geht. Das mußte Graf Westarp nur zu genau, als er sich seinerMexiko und Deutschland. - getan, die die Kumpane überhaupt nicht an ihrem Geldbeutel spüren zeit als Landrat des Kreises Bomst hilfefuchend an die Juden dürften. Der dritte Schmutzfink wird freigesprochen, weil er auf die wandte. Ausrede verfällt, ausgerechnet einen anderen Tegt gesungen zu haben als die Verurteilten! Die Zeugenaussagen von zwei Schupobeamten gelten nichts! Wenn man sich daran erinnert, wie die Aussagen von Polizeibeamten in Breußen gegen Arbeiter bewertet werden, hat man auch hier ein Bild von unserer Rechtsprechung. Das Unrecht bleibt. Unerhörte Beschlüsse des Rechtsausschusses des Reichstags In der heutigen Sigung des Rechtsausschusses des Reichstages sollte endlich der Antrag der sozialdemokra= tischen Fraktion verabschiedet werden, durch den ein Wie deraufnahmeverfahren gegen die Urteile der bayerischen Boltsgerichte eingeführt werden solle. Der Abgeordnete Kempkes von der Deutschen Volkspartei beantragte aber Bertagung, weil der Reichstag diese Vorlage jetzt doch nicht mehr verabschieden könne. Vergeblich erhob Genosse Dr. Rosenfeld gegen den Bertagungsantrag Einspruch. Er wies darauf hin, daß die Vorlage bereits den Rechtsausschuß und auch einen Unterausschuß einmal beschäftigt habe, daß der Ausschuß sie taft einstimmig angenommen habe, daß auch im Plenum gegen die Annahme in zweiter Lesung kein Widerspruch erfolgt sei, und daß lediglich der Widerspruch des Abg. Dr. Bredt von der Wirtschaftspartei die sofortige Verabschiedung der Vorlage verhindert habe; die Sache sei längst spruchreif, mit dieser Borlage würde endlich denen Hilfe gebracht, die infolge der furchtbaren Urteile vieler bayerischer Volksgerichte in Gefängnissen und Zuchthäusern fäßen. Es half alles nichts. Gegen die Stimmen unserer Genossen, der Demokraten und Kommunisten wurde die Vertagung beschlossen. Ein Reichstag, der im Ausschuß fo versagt, daß er nicht einmal die einfachsten Gebote der Menschlichkeit beachtet, ist wirklich reif zum Sterben. Zahlen! Eine Unterredung mit Präsident Calles. " Der neugewählte Präsident von Merito, General Calles, empfing einen Vertreter der Telegraphen- Union zu einer Be sprechung. Ich glaube," so führte General Calles einleitend aus, ,, daß die Londoner Konferenz einen Erfolg hatte, wie er unter den gegenwärtigen Umständen nicht günstiger sein fonnte. Meiner Ansicht nach wird der Dawes- Plan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau beitragen." Befragt über seine Eindrücke von Deutschland und dem deutschen Bolte, antwortete der Präsident:„ Ich fönnte feinen befferen Eindruck von Deutschland haben. Meiner Ansicht nach befindet es fich in einer Periode des pollen Wiederaufbaues, und ich glaube, daß bei der Energie und dem Arbeitseifer des deutschen Bolkes die durch den Weltkrieg geschlagenen Wunden bald geheilt fein werden. Seit ich in Hamburg das Institut für tropische Wissen fhaften gesehen habe, das Deutschland zur hohen Ehre gereicht um der Vorteile willen, die es den tropischen Ländern gewährt, seit dem Augenblick beschäftige ich mich mit der Frage, einen Kulturaustausch zwischen den Aerzten Deutschlands und Meritos zu schaffen, und nicht nur für die medizinische Wissenschaft, sondern auch für die anderen Fakultäten beabsichtige ich einen Austausch zwischen den beiden Ländern einzurichten, indem ich in denten und Wissenschaftler einrichte und, wie man es mir schon ange den Hospitälern und Universitäten Meritos Stellen für deutsche Stus boten hat, andererseits für Merikaner ähnliche Pläge in Deutschland erhalte." Hinsichtlich der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und merito erklärte der Präsident, der merikanische Markt sowie die Produkte und die natürlichen Schäße des Landes ständen allen Kaufleuten und Kapitalisten zur Verfügung, die geneigt wären, nach Mexiko zu gehen, um wirtschaftliche Beziehungen anzufnüpfen, und sich dazu verständen, die Gesetze des Landes zu achten. Alsdann wandte sich das Gespräch der inneren Lage Merifos 31. Der Präsident erklärte, die Lage in Merito fei äußerst zrfrieden. stellend. Es besteht fein schwieriges politisches Problem, und die gegenwärtige Regierung sowie ich selbst rechne mit der absoluten Mehrheit des Kongresses. der am 12. September die Arbeiten be= Bei den Deutschnationalen hört der Patriotismus bekanntlich ginnen wird. Die Reaktion ist in Merifo fot, und die fortschriftlichen da auf, wo der Geldbeutel anfängt. Aber auch bei anderen Ge- und revolutionären Parteien beherrschen vollständig das Land. tegenheiten überlassen sie das Zahlen gern den anderen. So findet man in den Mitteilungen der Deutschnattonalen Bolkspartei" für die Kreise Züllichau- Schwiebus und Bomft folgenden herzzerreißenden Notschrei: Ein deutschnationaler Notschrei. Schluß? Dieses Blatt ist ins Leben gerufen worden, um unaufhörlich Sen werbenden Gedanken für nationale Mitarbeit über Land zu tragen, um immer wieder zu hämmern auf den weichen Erzblod deutscher Seelen; damit endlich stahlharte Masse daraus werde.(!) Gerade in der jetzigen Zeit zunehmenden Erwachens aus dem Irrwahn(?) ist es nötig, daß diese Hämmerarbeit nicht aufhört. Leider ist aber das baldige Ende dieser Mitteilungen zu erwarten, wenn die ausstenden Beiträge nun nicht endlich eingehen. 10 Großbefizer( nicht die tleinften), 18 Ortsgruppen( nicht die ärmsten) haben sich froh vielfacher Bitten nicht ermannen fönnen, der nationalen Arbeit ihre Geldunterstügung zu geben. Den allgemeinen Nuhen unserer Werbetätigkeit ftreiden fie aber gern fostenlos ein. Nicht der Hinweis auf die Wahlunkosten, nichts hat geholfen. Namen wollen wir nicht veröffentlichen, denn es fann ja niemand gezwungen werden; wen es angeht, der wird es ja selbst wiffen. Wenn die für unseren Haushalt bedeutende Summe ausstehender Beiträge nicht schleunigst eingeht, müssen die Mitteilungen" eingestellt werden. Es ist diese Veröffentlichung das legte Mittel. Kreditnot und Forleule können als Entschuldigungen nicht mehr angenommen werden. Entweder man will oder man will eben- nicht! Der Vorfizzende. Der deutschnationale Kreisvorsitzende hat die edle Seele seiner Parteigenossen richtig durchschaut. Den allgemeinen Nutzen aus der Arbeit anderer haben die Deutschnationalen noch immer gern fostenlos eingesteckt. Wenn es sich um die Futterfrippe handelt, will man, handelt es sich dagegen darum, Opfer zu bringen, dann mill man nicht, selbst wenn die eigene Partei darüber in die Brüche Also der Hunger war die einzige Triebfraft, die als ständiges| Erlebnis zum Liederdichten anreizte. Auch die Nachkriegszeit mit ihren Wirren und Röten zeigt den feelischen Zusammenbruch ge= rade im Liede. Anstatt unter Kampfesliedern aus der Zeit des Sozialistengesetzes zogen die Demonstrationen der Arbeiterschaft ohne Gesang dahin, ihren Ansichten in Hoch- und Niederrufen Ausdruc gebend. Bergessen waren durch die lange Kriegszeit alle die schönen Profetarierleben verförperten. Bäre es da nicht angebracht, diefe Arbeiterlieder, die uns einst begeisterten und Erlebnisse aus dem noch heute so aftuellen Lieder bei jeder Parteizufammenfunft, auch den Zahlabenden, ins Gedächtnis zurüdzurufen? " 1 Sind die Volkslieder im Wandel der Zeiten zurückgebrängt, so ist doch ein Ersag entstanden; aber wie die meisten Erfahmittel ist auch dieser recht übler Art. Es sind die sogenannten Gaffenhauer. Als man noch so gemütlich auf der Pferdebahn fuhr, als man noch den Pankower Flieder" und" Die Kirschen aus Nachbars Garten" mit den Klängen des Leierkastens sang. war es ein harmloses Vergnügen. Jedoch die Operettendichter wußten sich dem veränderten Geschmack Neureich's anzupassen, und der Gaffenhauer wurde erotisch bis zur Perversität. Wo aber frohe Menschen beisammen find, wo ein Musikinstrument erklingt, wird dieses banale Zeug gefungen, trokdem der Inhalt für die meisten Großstädter kein Erlebnis ist. Gedankenlos singt es auch die Arbeiterschaft mit. Abhilfe ist dringend notwendig und nur zu erreichen, wenn Bolkslieder entstehen, die auch Erlebnisse behandeln, die dem Großstädter aus der Seele sprechen. Dann werden auch die Bolksgenossen gern vom Gaffenhauer zum Volkslied zurückkehren. Ein ekstatisches Drama ohne Dramatik. Die gestrige Uraufführung des Dramas Ianja" von Ernst Weiß im Renaissance Theater ist ein rätfelhaftes Ereignis. Im Beginn des Stücks läßt lange qualvolle Minuten hindurch eine gelanglich unausgebildete Sängerin hinter der Szene ein schwermütiges Lied ertönen, während Tanja wortlos in einer Truhe herumframt. Sodann ergibt sich, daß diese Tanja die Frucht Kräften haßt und ihn maßlos quält. Warum sie zu einer Rabeneiner Liebesnacht, den achtjährigen Ilja, mit übermenschlichen mutter geworden ist, ergibt sich leider nicht. Ihren damaligen Geliebten Wladimir, der im ersten Att einen General tötet, um Millionen Menschen zu befreien, verrät sie gegen gutes Geld der Polizei, wird aber dann mit ihm zusammen selbst gefangengenommen. Die sem Wladimir, einen revolutionären Idealisten, raubt sie im Gefängnis alle Ideale, indem sie ihm mit Wolluft ihre schwarze Seele enthüllt, und er stirbt freiwillig, alles Selbstvertrauens bar, an Gift, das fie ihm freundlichst überreicht hat. Im nächsten Akt stürzt fich Tanja zum Erstaunen der übrigen Insassen aus dem Fenster eines Irrenhaufes, in das man sie endlich gebracht hat. Das dramatische Moment des Stückes scheint an dem Versäumnis der Um welt zu liegen, fie nicht schon vor dem ersten Aft in die Anstalt Im weiteren Verlauf der Unterhaltung ftreifte der Präsident alsdann die merikanisch russischen Beziehungen. Befragt, ob in Merito befondere russische Einwanderer erwünscht wären, erklärte Präsident Calles: Augenblicklich ist für Merifo am wünschenswertesten die Einwanderung solcher Leute, die genügend Geld befizen, um in Meriko Land zu erwerben, sich landwirtschaftliche Maschinen zu faufen und sich bis zur Einbringung der ersten Ernte selbst unterhalten fönnen. Wegen der besonderen Bedingungen der meritanischen Landarbeiter ist eine Einwanderung europäischer Landbevölkerung, die bei uns als Landarbeiter tätig sein will, nicht wünschenswert. Ich beabsichtige, ein Einwanderungs- und Kolonisationsamt einzurichten, das den deutschen und russischen Kolonisatoren jede mögliche Erleichterung gewähren soll. Deutschvölkische Zinsbrecher. In Theorie und Praxis. " Deutsch Denkenden und deutsch Fühlenden arischen Stammes" empfiehlt sich im Deutschen Tageblatt" eine deutschvöitische Bant, um durch deutsches Geld den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands zu betreiben. Sie scheint aber von dem Idealismus der Völkischen nicht viel zu halten, denn sie bietet wie die Juden" banken auch für tägliches Geld 12 Broz., bei einmonatlicher Kün digung fogar 15-20 Proz. und mehr Verzinsung. Wo bleibt da der Kampf um die Brechung der Zinsknechtschaft", der von den völkischen Theoretikern in Wort und Schrift so eifrig ge, fordert wird? Theorie und Praris scheinen bei den Deutschvöllischen zweierlei zu sein. " Abschaffung der Todesstrafe in Australien. Wie die Agentur Fournier aus Viktoria meldet, hat die australische Regierung die Todesstrafe abgeschafft. gebracht zu haben. Als Nefrolog entlockt dann eine Irrfinnige einer Mundharmonika wehmütige Töne. Tanja ist aber noch nicht tot, sondern wird auf ihrer Schmerzensbahre noch von einem Geistlichen eindringlich und vergeblich zur Buße aufgefordert. Endlich stirbt sie. Darauf standen die Zuschauer nachdenklich auf, um nach Hause zu gehen. Indessen hob sich der Vorhang noch einmal und die Bühne zeigte eine Vision der toten Tanja, der quälende Gesichter erschienen. Dann ist es dem Autor, deffen Name einen guten literarifdjen Klang besitzt, aber nicht gelungen, das Wesen dieser Kunst von morgen aufzuzeigen. Vorläufig fieht sie aus wie die Kunst von porgestern. Tanja ist eine efstatische Tragödie mit unzulänglichen dramatischen Mitteln. Eigentlich ist sie überhaupt kein Drama, sondern ein durch wenige Zwiegespräche unterbrochener Monolog der Tanja, in dem Dramatik durch die schreihaften Aeußerungen der Heldin vorgetäuscht wird. Vielleicht stellt ,, Tanja" die kommende Kunst des Dramas dar. Das Bestreben des Direktors Tagger, literarische Roft zu bieten, ist dankenswert. Wir wollen ihm bei der Auswahl seiner Stüde mehr Glüd wünschen. Der fünstlerische Wert darf nicht so tief verborgen bleiben, daß er nur ihm offenbar wird. Die Tanja ipielte eine in Berlin noch nicht bekannte Schauspielerin Rahel Sanzara. Für einen Theaterabend, den sie fast allein auszu füllen hat, ift fie nicht die geeignete Künstlerin. Dagegen mar Lat jana Sandt als der fleine ja erschütternd in ihrer Schlichtheit und Einfachheit. Eindringlich und menschennah auch Rudolf Essek Dgr. als Wladimir. Wie's gemacht wird. Die Agentur Arthur Hirsch versendet folgende Reklamenotiz an die Zeitungen: Mar Reinhardts. Wunsch zur Eröffnung seines neuen Theaters am Kurfürstendamm ist: Michael Bohnen als" Falstaff" für die Premiere und einige Gastspiele zu gewinnen. Mar Reinhardt, der Gelegenheit hatte, Michael Bohnen in Amerifa in seiner Bielseitigkeit zu bewundern, abgesehen von seiner unübertrefflichen Stimme, glaubt dem amerikanischen Presseurteil beiſtimmen zu können, daß Michael Bohnen zurzeit einer der größten Darsteller ist. Direktor Rosen von der Reinhardt- Bühnen hat bereits mit dem Manager des Künstlers Arthur Hirsch, Fühlung genommen. Da die Honorarfrage absolut feine Rolle spielt und Reinhardt unbedingt mit Bohnen zusammen arbeiten möchte, so sind es andere Schwierigkeiten, die zuerst zu beseitigen sind, usw. Nun folgt eine Aufzählung all der Gastspiele, die Bohnen vor hat. Man sollte annehmen, daß ein Künstler wie Bohnen solche Anreißerei nicht nötig hat. Immerhin erfahren die Zeitungsleser einmal, wie's gemacht wird. Neugierig sind wir, wieviele Zeitungen diesen Unfug unterstützen werden. Spielplan änderung. Infolge technischer Schwierigkeiten findet in der " Tribüne die Premiere" Der Gatte des Fräuleins", erst am Freitag statt. Ein Prinz, der fich nüglich macht. Dem Theater in Gera wurde eine dramaturgische Abteilung angegliedert, der der Prinz Heinrich von Reuß vorsteht. Seit vielen Jahren beschäftigt fich der Erbpring fast ausschließlich mit theatergeschichtlichen und dramaturgischen Dingen. Keine deutschen Kohlenlieferungen! Forderung der englischen Bergarbeiter- Verbände. London, 27. Auguff.( Eca.) Die Bergarbeitergewerkschaften Großbritanniens ergreifen ihrerseits Stellung gegen die deutschen Reparationslieferungen in Kohle und koks, die Deutschland nach dem Condoner Abkommen während 35 Jahren leisten muß. Das Eretutiv- komitee der Gewertschaften hat seine Bemerkungen zu den Londoner Beschlüssen dem englischen Premierminister mitgeteilt, der sich damit einverstanden erklärte, die Delegierten der Gewerkschaften zu empfangen, und zwar noch vor seiner Abreise nach Genf. Der Generalsekretär der Bergarbeitergewerkschaften Coot hat in einem Interviw, das die hiesige englische Morgenpreffe veröff mtlicht, erklärt: Das internationale Bergarbeiterfomitee hat einstimmig beschloffen, daß die zusammengeschlossenen Verbände bei ihren Regierungen Schritte unternehmen follen, damit Deutschland keine weiteren Reparationsliefe. rungen in fohle ausführt. Das Erefufio- Komitee der englischen Gewerkschaften ist überzeugt, daß die Anwendung des DawesPlanes für die englische Kohlenindustrie verhängnisvoll fein wird und direkt in das Schicksal der Arbeiter eingreift. Wir sind feft entschlossen, zu verhindern, dah politiche Zusammenhänge oder polifische Forderungen die wirtschaftliche Lage der Bergarbeiter verschlechtern. Wir haben den englischen Premierminister gebeten, uns anzuhören, bevor wir irgendeine Aktion unternehmen. Wir wissen, was er uns über diesen Punkt zu sagen hat, aber wir weigern uns, weiterhin die Zukunft der englischen Kohlenindustrie durch die Intrafffehung des Dawes- Planes verschlechtern zu lassen. Ausnahmezustand in Petersburg. Besuch in Schönholz. Wo Wald und Wiese einst nur Ruhe atmeten, wo die leidende Menschheit nach einem genau geregelten Stundenplan Liegefuren ohne viel Bewegung durchführte und neue Widerstandskraft des Körpers erstrebte, da ist heute lachende, fröhliche Jugend eingezogen. Die ehemalige Walderholungsstätte ist jetzt in eine Kinders erholungsstätte umgewandelt worden, die dem Jugendamt des Berwaltungsbezirts Pantow untersteht. Auf dem 1,75 Heftar großen Waldgelände erheben sich zwei offene Liegehallen, ein Tagesaufenthaltsraum, drei Baracken, die dazu gehörige Küche und Spielgeräte, eine Wippe, eirt Laufbalfen, Sprungständer ufw. Im Jahre 1920 erfolgte zum erstenmal die Beschickung der Erholungsstätte mit Kindern, und zwar bis zum Jahre 1922 durch die Bezirke Pankow und Reinickendorf gemeinsam. Im Jahre 1923 erwarb der Bezirk Bankow die gesamte bauliche Anlage vom Vaterländischen Frauenverein und übernahm gleichzeitig allein die Beschichung und Bewirtfchaftung der Erholungsstätte. Das Waldgelände befindet sich im Eigentum der Forstverwaltung der Stadt Berlin. Inzwischen sind wir an den hohen Drahtzauri, der das ganze Gelände umzieht, gelangt. Ein freundliches Holzhäuschen mit offenem Baiton, von frischen Blumen farbenfreudig belebt, grüßt den Besucher unmittelbar am Gingang. Bereitwilligft wird uns Einlaß geboten und im Nu find wir von einer munteren Kinderschar umringt. Vorbei geht es an der Küche, in der drei dampfende Goulaschtanonen und ein großer Restaurationsherd den kommenden Festschmaus ahnen lassen. Beinliche Sauberkeit fällt überall auf. Ein Pfiff schrillt über das Gelände:„ Effen holen!" und sofort beginnt ein regelrechtes Wettrennen:„ Wer ist der Erste an der Kelle." In das Gedränge kommt trotzdem bald Ordnung, und in zwei langen Reihen nehmen die Kinder aneinandergereiht Aufstellung, um ihre Mittagsmahlzeit in Empfang zu nehmen. Lautes Hallo" ertönt, als befarant wird, daß der ersten Beschickung, die nach einem sechswöchigen Aufenthalt am nächsten Tage den Platz räumen muß, als AbSchiedseffen für jedes Kind eine Portion Schmorfohl, eine Boulette, reichlich Kartoffeln und zum Nachtisch geschmorte Pflaumen verabfolgt werden. Das Tagesmenü fah dann für den Nachmittagstaffee für jedes Kind eine Stolle und für den Abend zwei Brötchen und ein Baar Bürstchen vor. Weiter verriet der Speisezettel, daß jedes Sind bereits früh mit einem halben Liter Kakao und einem Brötchen föstigt worden war. Die Zahl der Jungen, die nochmals zum und um 11 Uhr vormittags mit einem viertel Liter Frischmilch beEin Bild aus dem Sowjetparadies. Petersburg( Leningrad), 27. August.( WIB.) Der Kommandant des Handelshafens Leningrad hat über den Hafen wegen des fchon einige Tage andauernden Generalstreits der Hafenarbeiter den Ausnahmezustand verhängt. Der Grund des Streifes find Cohnstreitigkeiten und Entlassungen von Arbeitern. Der Ausnahmezustand wird streng durchge. führt, die Hafenwachen haben Verstärkung erhalten. Unter Androhung des Waffengebrauchs ist jedes Betreten des Hafens ohne besondere Genehmigung verboten worden, ebenjo jegliches Sprechen mit den Wachen, die Abhaltung von Versammlungen und alle 2n- 3weiten Zug holen" antraten, war nicht gering, und dann trat bei jammlungen. Interparlamentarische Konferenz. Reparationsfrage und Sozialpolitik. 4 = Bern, 27. August.( WTB.) Nachdem in der gestrigen Reparationsdebatte der Interparlamentarischen Konferenz Baron Szerenni Ungarn vom Standpunkt der Schuldenstaaten aus referiert hatte, erstattete unter dem Gesichtspunkte der GläubigerStaaten Lord Rathoreeban England Bericht, wobei er u. a. die Revision des Zoll-, Baß- und Verkehrswesens für den wirtschaftlichen Wiederaufbau als notwendig bezeichnete. Den Höhepunkt der meiteren Debatte, in der Bertseter Bulgariens, Hollands und Italiens das Wort ergriffen, bildete eine Rede des früheren Staatsfefretärs Dernburg, der darlegte, daß bis zum Dames- Bericht die Reparationsfrage völlig mißrerstanden worden war. Er be zeichnete es als größtes Verdienst des Dawes- Berichtes, daß er endlich die Wahrheit sagte, und rühmte dabei die bedeutende Rolle des englischen Ministerpräsidenten. Wenn Deutschland trotz der Schmierigkeiten, die bestehen blieben, das Londoner Abkommen annehme, geschehe das, weil es das Schiedsverfahren einführe, weil der Zweifei daran, daß Deutschland seine Unterschrift einlöse, endlich aufhören müsse und weil das Abkommen die Interessen aller Länder mit der deutschen Zahlungsfähigkeit verknüpfe. Die Erfahrungen, die man mit dem Dames- Plan mache, würden auch den anderen Schuldnerstaaten wie Frankreich und Italien zugute fommen. der allgemeinen Fütterung auch alsbald Ruhe für den Leiter ein. Mit einem letzten Bid auf das schöne Bild der angrenzenden Siedlung schieden wir von der fleinen Scher mit der Erkenntnis: Hier wird zwischen Leiter und Kindern, zwischen Kind und Kind hoffentlich für recht lange Dauer ein treu- kameradschaftliches Band geknüpft. Folgen einer Mondscheinfahrt. Eine ausgeraubte Wohnung. In einem Haufe am Steinplatz waren die Wohnungsinhaber auf Reisen und hatten die Hausangestellte und den Hund zurüdgelaffen. Das Mädchen hatte Anweisung, den Hund zu bestimmten Zeiten spazieren zu führen. Auf einem solchen Wege wurde sie von einem elegant gekleideten Herrn angesprochen. Sie schloß rasch Be= tanntschaft mit dem Kavalier, und man verabredete eine Zusammenfunft am Sonntag abend um 8 Uhr, um gemeinsam eine Mondscheinfahrt zu unternehmen. Damit die Freundin des Mädchens ebenfalls passende Begleitung habe, versprach der neue Freund, einen Bekannten mitzubringen. Man traf fich, wie verabredet, und besuchte nach beendeter Mondscheinfahrt noch den Lunapart und einige Lokale. Hierbei zeigten sich die Kavaliere als Leute, bei denen Geld feine Rolle spielt. Schließlich landete die heitere Gesellschaft morgens 6 Uhr im Bartefaal des Bahnhofs 300. Die Herren ließen es fich nicht nehmen, ihren Damen noch eine Tasse In längeren Darlegungen begrüßte hierauf der Präsident der französischen Gruppe, Senator Merlin, das Vertrauensvotum der französischen Kammer für Herriot und stellte auch die Zuftim: mung des Senates zur Londoner Politit in Aussicht. Er verwies dann ausführlich auf die ungeheuren Opfer, die der Krieg Frank reich auferlegte, die Berwüstungen und die großen finanziellen Reparationsleistungen Frankreichs, betonte die Pflicht Deutschlands, burch Reparationserfüllung die Versöhnung zwischen den ehemali. gen Feinden zu verwirklichen und dankte Dernburg und der deutfchen Delegation für ihre Haltung. Nach Abschluß der Debatte nahm die Konferenz eine Resolution, an, die ihre Genugtuung über das Londoner Abfommen ausspricht, das die Probleme von dem politischen auf das wirtschaftliche Gebiet übertrug, die Hoffnung äußert, daß die Durchführung vom gleichen Geiste guten Willens getragen werde, und an ähnliche Anregungen der vorjährigen Interparlamentarischen Ronferenz erinnert. Nach der Berichterstattung von Merlin Frankreich fetzte die Ronferenz eine ständige Kommission für sozialpoli tische Fragen ein, der verschiedene Vorschläge über Ein- und Auswanderungsfragen überwiesen wurden. Dabei lenkte der deutsche Abgeordnete Medinger aus der Tschechoslowakei die Aufmerf famkeit der Konferenz auf das Schicksal der sogenannten Staatenlofen in den Nachfolgeftaaten der österreich- ungarischen Monarchie. Die deutsche Reichstagsabgeordnete Frau Schröder( Soz.) sprach unter starfem Beifall über die deutsche Not, die zahllose Deutsche zwingt, ihr Vaterland zu verlassen, und entwarf ein erschütterndes Bild vom Glend des jungen Nachwuchses und der deutschen Mütter. Nachdem sie der Schweiz, Dänemart, Osterreich und den anderen Staaten Dank für die liebevolle Aufnahme deutscher Kinder onts= gesprochen hatte, bat sie die anwesenden Parlamentarier, dafür Sorge zu tragen, daß das Londoner Abkommen in aufbauendem Sinne durchgeführt werde und nicht die Sozialpolitik und den Achtstundentag in Deutschland gefährde. Die Sigung schloß mit einer Rede des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas, der die Interparlamentarische Konferenz zu ihren Arbeiten auf fozialpolitischem Gebiete beglückwünschte und für gleiche und gerechte Arbeitsbedingungen in allen Ländern eintrat. Mandatswechsel im Landtag. Der Landtagsabgeordnete Dr. Bendiner, der seinerzeit auf der sozialdemokratischen Liste gemählt war, dann aber aus der Partei und ihrer Fraktion ausge schlossen werden mußte, ist gestorben. An feine Stelle trat Genosse August Heitmann, Angestellter des Bekleidungsarbeiterverbandes. und Stadtverordneter in Berlin, in den Landfag ein. Kundgebungen des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold". Wie wir erfahren, findet am 6. und 7. September in Lübbenau eine große Kundgebung des Reichsbanners Shwarz- Rot- Gold" statt, bei der Polizeioberst Schübinger sprechen soll. An der Beranstaltung nehmen Abordnungen der märkischen Ortsgruppen teil. Am 14. September wird in Schneidemühl eine ähnliche Beranstaltung abgehalten werden, auf der General Deimling Sprechen soll. Pöhner hat den Borsik im Landesverband des Völkischen Blocks niedergelegt. An feiner Stelle hat der Abg. Straffer den Borsiz übernommen. Pöhners Leiden soll sich in letzter Zeit wieder ver. schlimmert haben. Go melden die völkischen Blätter. Der Mut und der Ehrgeiz des Hochperräters Böhner scheint immer einer zu werden, je näher die Zeit seines Strafantritts rüdt. Kaffee vorzufezen. Als die beiden Mädchen dann gegen 8 Uhr in die ihrer Obhut anvertraute Wohnung zurückkehrten, fanden sie, daß der fostspielige Ausflug sich trotz alledem für die Kavaliere gelohnt hatte. Deren Spießgesellen waren inzwischen an der Arbeit gewesen und hatten in einem vorgefundenen Rohrplattenkoffer das Tafelsilber und eine gesamte Wäscheaussteuer zusammengepadt und mit ihrer reichen Beute das Weite gesucht. Die Wäschestücke find II. 2. gezeichnet, das Gilber trägt teilweise das Monogramm R. W. Auf die Wiederherbeischaffung der gestohlenen Wertgegenstände ist in beiden Fällen eine Belohnung gesetzt. Mitteilungen werden an Kriminalfommiffar Galzow erbeten. Die Hehe gegen die weltlichen Schulen. Die Bresse der rechtsstehenden Parteien läßt nichts unversucht, das Ansehen der weltlichen Schulen herabzusetzen. Jetzt bringt der deutschynationale Lotalanzeiget" eine Uebersicht über die Entwicklung der weltlichen Schulen in Groß- Berlin feit 1921", mit der er zeigen will, daß die Lehrerschaft der weltlichen Schulen wenig taugt. Er erzählt, in Groß- Berlin habe es gegeben am 1. November 1921: 20 meltliche Schulen mit 288 Klassen, 12 186 Schülern, 141 Lehrern, 80 Vertretern, 58 Lehrerinnen, 32 Bertreterinnen, aber am 1. November 1923: 35 meltliche Schulen mit 503 Klassen, 18 291 Schülern, 24 Lehrern, 171 Vertretern, 83 Lehrerinnen, 85 Vertrete rinnen. Dazu macht das Blatt folgende Bemerkungen: Auffallend an der Uebersicht ist vor allen Dingen die Tatsache, daß die Zahl der feftangestellten Lehrer und Lehrerinnen im Verhältnis zur Zahl der unerfahrenen Vertreter und Vertreterinnen start abgenommen hat. Der Herr Unterrichtsminifter, der seinerzeit bestimmt hatte, daß die Zahl der nicht feftangestellten Lehrkräfte höchstens ein Drittel aller Lehrkräfte an diesen Schulen betragen sollte, wird erstaunt sein, zu fehen, wie wenig feinen Bestimmungen entsprochen worden ist. Die Zahl der Vertreter an meltlichen Schulen ist z. B. von 80 auf 174 geftiegen, während die Zahl der festangestellten Lehrer von 141 auf 24 gefunten ist." Bon wo mag der Lokalanzeiger" dieses statistische Material" bezogen haben? Aufgefallen ist ihm der vermeintliche Rückgang der Zahl feftangestellter Lehrer von 141 auf 24, und in seinem blinden Eifer hat er dann hieran die oben wiedergegebenen Betrachtungen geknüpft. Hätte er die ihm vorgelegten Zahlen nicht unbesehen hingenommen, so hätte ihm sofort das auffallen müssen, daß nach diesen Angaben am 1. November 1921 in 288 Klassen 311 Lehrende, aber am 1. November 1923 in 503 Klassen nur 363 Behrende tätig gewesen sein sollen. Der„ Lokalanzeiger" ist das Opfer eines groben Irrtums geworden. Beinahe alle Zahlen, die er bringt, find falsch. Vor allem gibt er für 1923 die Zahlen der Lehrer und Lehrerinnen zu niedrig, die der Bertreter und Bertreterinnen zu hoch an. In Wirklichkeit hatte Berlin, wie man uns mitteilt, am 1. November 1921: 20 weltliche Schulen mit 281 Klaffen, 12 059 Schülern, 139 Lehrern, 66 Bertretern, 56 Lehrerinnen, 29 Vertreterinnen, am 1. November 1923: 36 meltliche Schulen mit 510 Klaffen, 18 464 Schülern, 244 Lehrer, 140 Vertretern, 109 Lehrerinnen, 83 Vertreterinnen. Bei den Lehrern, auf deren angebliche Verminderung das deutschnationale Blatt mit fo starter Betonung hinweist, ist der Fehler am ärgsten. Ihre Zahl ist nicht von 141 auf 24 aejunken", fondern von 139 auf 244 gestiegen. Das Blatt könnte den Unsinn, den es seinen Lesern vorgeseht hat, nicht aus einem Druck: fehler( 24 statt 244) erklären. Die falsche Angabe 24 Lehrer" findet sich zweimal und es wird dazu ausdrücklich hervorgehoben, die Lehrer zahl sei fo weit gefunten". Was wird der„ Lofalanzeiger" jetzt tun? Bird er seinen Lesern gestehen, daß in den weltlichen Schulen Groß- Berlins am 1. Norember 1923 die Zahl der feftangestellen Lehrer zehnmal so och war als die von ihm angegebene Zahl? Warten wir's ab! „ Wilhelma". Ein deutsches Sittenbild am 3oo. Donnerhallbraufen teils aus blut- und bierdurftigen Steyn teils aus schmetternden Militärerfaßtrompetenschlünden und Pauken umtost das Dhr. Dazwischen klingt lieblich der Widerhall des allzu pielen Alkohols. Die alten Germanen lagen auf dem Bauche uns tranfen immer noch eins. Die Entei find fultivierter geworden, fie fizen um große Tische herum und reiben ihre Salamander. Unenttönt durch die Säle, Klatschen und Beifallsstürme schallen im Taft wegtes Heilrufen zu Ehren ihrer Könige Ludenström und Gambrinus mit Händen und Füßen. Das ruiniert zwar einerseits den Fußboden, erhöht aber andererseits jeden Durst um ein Vielfaches. Uniform ist das halbe Leben. Und so ist alles uniformiert oder dekoriert. Seitdem Herr Geßler der Reichswehr verboten hat, in diesen Hallen ihre Kriegstrompeten schmettern zu lassen, ist eine neue Rapelle in schönster Fantasieuniform bemüht, die Herzen der Besucher teils durch Mufit, teils durch die glizernden Knöpfe Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, fingen Freiheitslieder, rachen in patriotische Wallung zu bringen. Und so fizen hier Männer, fich am Erbfeind und dokumentieren jeden Abend wieder Deutschlands Ehre. In langen Reihen sigen die Helden und zeigen wie der Patriotismus aussieht, wie ehedem, als sie noch in den Nepplokalen der Etappe und Heimat, meist aber auf den Schulbänken die eiserne Zeit durchlebten. Immer neue Reden werden gehalten, die Wände wanten unter den wuchtigen Schritten der Hitlerrevoluzzer, denen das Hakenkreuz vom Helme in das Hirn gerutscht ist. Man sollte stunden sind all die schönen Uniformen in einem jämmerlichen Zunur an Erwachsene Bier ausschenken, denn in den späteren Abendstand, und die Mütter haben viel zu tun, um zur nächsten Parade ben Hosen wieder ein männliches Aussehen zu geben Die Stimmung erreicht den Höhepunkt, wenn in einer Ede der Jude, der meist nur Republikaner ist, verbauen wird. Da kommt wieder einmal der prima edyte furor teutonicus zur Geltung, die deutsche Schlagkraft und der Gummitnüppel. Aus alkoholgeschwängerten Gehirnen löst die Polizeistunde noch einen letzten Fluch auf die Judenrepublik. Das Ganze heißt Wilhelma", vis à vis d Zoologischen Gartens, mit dem es gelegentlich verwechselt wird. Die große deutsche Funkausstellung. Die Presseabteilung des Berliner Messe- Amtes teilt mit: Nachdem eine Reihe von Arbeitsstörungen die Vollendung des Haus der Funt Industrie", das als Stätte für die erste Große Raiserdamm in Aufbau begriffen ist, verzögert haben, ist nunmehr Deutsche Funtausstellung zurzeit auf dem Ausstellungsgelände am der Termin der Funtausstellung endgültig auf die Tage vom 4. bis 14. Dezember 1924 festgesetzt worden. Für diesen Termin ist die völlige Fertigstellung der Halle gewährleistet und das zeitliche Zusammenfallen der Funfausstellung mit der ebenfalls auf Anfang Dezember verschobenen Automobilausstellung gesichert, das ja von vornherein vorgesehen war. Die endgültige Terminfestfehung ist im Einvernehmen mit der Radioindustrie geschehen, deren führende Firmen bereits ausnahmslos ihre Beteiligung an der Ausstellung zugesagt haben. Der Gauvorstand des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold macht darauf aufmerksam, daß von ihm teine Sammellisten ausgegeben werden und er auch in Zukunft nicht daran dente, durch der. artige Sammlungen Gelder zu verschaffen. Sollten, wie das schon geschehen ist, Sammlungen vorgenommen werden, so wird um Feststellung der betreffenden Person gebeten. Jugendweihen. Für den gesamten 18. Verwaltungsbezirk Weißensee findet die Jugendweihe am Sonntag, den 21. Sept., vorm. 10 Uhr, in der Gemeindefesthalle, Pistoriusstr. 23, statt. Der Vorbereitungsunterricht findet jeden Freitag nachm. von 4-6 Uhr in der weltlichen Echule, Wörthstraße, durch den Schulleiter Gen. Zwölfer statt. Ale weitere Auskunft erteilt Gen. Heinl, Gäblerstr. 7. Now awes. Herbstjugendweihe am 28. Seps tember 24, borm. 10 Uhr, Aula des Realgymnasiums. Anmeldungen zur Teilnahme am Vorbereitungsunterricht beim Gen. La Grange, Kleiststr. 11. Kaulsdorf. Die Jugendweihe findet am 28. September, mittags 11, Uhr, im Zeichensaal der Schule Adolfstr., statt. Anmeldungen nimmt noch entgegen Gen. Rezat, Frankfurterstr. 4/5. Die Juderfabrik Offleben durch Jeuer vernichtet. Ein Riefenfeuer hat die große Zuckerfabrik Ottleben, Kreis Oschersleben, voll. ständig vernichtet. Das Feuer brach in der Nacht zum Dienslag gegen 1 Uhr aus und breitete sich mit unglaublicher Schnelligkeit über die ganze Fabrik aus, die bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist Der Saft aus den großen Behältern steht in den Straßen des Dorfes. Bahlreiche Feuerwehren sind tätig. Das Feuer wütet noch weiter. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend: Ziemlich fühl, überwiegend bewölkt mit etwas Regen. Deutschland: Bunächst überall wolfig mit ungleichmäßig verteilten Regenfällen. Später im Besten etwas aufllarend. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin fiets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 127. Abt. Sohenschönhausen. Die Mitgliederversammlung findet nicht heute abend, sondern erst am Mittwoch, den 10. September, statt. Sport. V. Rhön- Segelflug- Wettbewerb. Fliegerlager Wasserkuppe, 26. Auguft. 1. Kolibri" brauchte zur Fahrt nach Kissingen von der Rhön 21 Minuten 56 Sekunden, zum Rückflug 34 Minuten 23 Gefunden, verbrauchte 6,1 Liter Benzol des Benzolverbandes Bochum, legte Luftlinie zusammen 65 Kilometer zurück, was einem Betriebsstoffverbrauch von 1,80 m. entspricht. 2. Martens Zeit auf" Windhund" betrug 26 Minuten 14 Se funden, Blumes Beit auf Habicht" 22 Minuten 22 Sekunden. 3. Den neuen Dauerrekord mit Fluggast hält Otto auf ,, Margarethe" mit 18 Minuten 44 Gefunden, 48 Meter hoch über dem Startpunkt. Die bisherige Höchstleistung war von Foffer 1922 in 12 Minuten mit Fluggast. Gutes Flugwetter hielt den Nachmittag über an, so daß wirklich zum ersten Male seit Mitte August Flugbetrieb" herrschte. Aus Kiffingen trafen gegen 4 Uhr ein die Flugzeuge Udet( Motor 55 FS), Albatrosdoppeldecker( 75 PS) und ein Dietrich- Göbiet( 75 PS), Pirolo II machte heute früh noch einen zweiten, am Nachmittag einen dritten furzen Flug. G. Efpenlaub flog mit feinem Segelflieger V. zum Stredflug und erreichte in zirka 6 Minuten 4,5 Kilometer. Ais 6. stattete heute Knorte, der schneidige Führer vom Berliner Segelflugverein" Sperber", mit seinem Kleinmotorfegelflugeindecker und einem zirka 8 PS zweizilinder Prüffing- Stenersen Motor der Motorenfabrik Dürr u. Glienicke- Berlin von 19 Kilogramm Gewicht und 588 cem Hubvolumen. Er flog in wellenförmigen Linien, stürzte in zirka 10 Meter Höhe ab, brach sich das rechte Bein. Der Apparat scheint aber stabilisiert zu sein. Als 7. startete Helmuth Hirths jüngerer Bruder um 3 Uhr 30 min. auch auf„ Stockholm- Wien" der Segelflugzeugwerfe G. m. b. H. Baden- Baden, 12,6 Meter Spannweite und 20 Quadratmeter Flügelinhalt, und machte einen langen zirka 10 Minuten dauernden Flug. Gleich darauf startete Mort auf Moriz zu einem glänzenden, weitführenden Flug. Gewerkschaftsbewegung misstände im Berliner Wachwesen. cachdem die Berliner Wachangestellten den Weg zur Organion gefunden hatten, war es ihnen möglich, unter tariflichen Begungen zu arbeiten, die, gemessen an den Arbeitsbedingungen der orfriegszeit, eine erhebliche Besserstellung bedeuteten. Auch die ohnjähe wurden erhöht, reichen aber noch nicht aus, um eine Familie zu ernähren und alle notwendigen Anschaffungen zu machen. Nun macht sich auch bei den Unternehmern des Wachgewerbes der Drang bemerkbar, langsam aber sicher den Abbau der tariflichen Vereinbarungen vorzunehmen. Obwohl die Unternehmer stets flagen, daß sie nichts verdienten, wird fast jede Woche eine neue Wachgesell schaft gegründet. Besonders in der letzten Zeit haben sich Gesellschaften gebildet, deren Inhaber sich manchmal von 6 bis 9 Leuten ernähren lassen. Daß bei diesen Gesellschaften an Innehaltung von Tarifverträgen, obwohl allgemein verbindlich, nicht gedacht wird, nur nebenbei. Hier haben aber die Wächter selbst schuld, die sich weder um ihre Organi sation fümmern, noch das Recht des Tarifes in Anspruch nehmen. Eine ganz eigenartige Haltung aber nimmt ein Teil der Reichsbehörden ein, die Bewachungen zu vergeben haben. Das Reichs= wehrtommando II z. B. vergibt die Bewachungen im Submissionsverfahren. Also nicht die beste, sondern die billigste Gesellschaft, die sich nicht nach dem Tarif richtet, befommt die Bewachung. Während die Reichsarbeitsverwaltung als Reichsbehörde die Tarife für allgemein verbindlich erklärt, fümmert sich eine andere Reichsbehörde, das Wehrkreiskommando, nicht darum, trotzdem sie von der Arbeitnehmerorganisation darauf aufmerksam gemacht wurde. Daß alte Berliner Wachgesellschaften, die unter tariflichen Bedingungen fast ausnahmslos ausgesuchtes und ausgebildetes Personal beschäftigen, nicht so billige Preise haben fönnen, als mie neugegründete, tariflos arbeitende Unternehmen, liegt flar auf der Hand. Bedauerlich ist, daß es immer noch Leute gibt, die sich von einelnen Unternehmern wie Schafe scheren lassen. Solche Leute aufzu flären und sie ihrer Organisation, dem Deutschen Verkehrsbund, zuzuführen, ist zwar Aufgabe der organisierten Wächter, aber auch, soweit es möglich. der Betriebsräte, deren Betriebe von Winkelgesellschaften bemacht werden. Die Mißstände zu beseitigen, deren es noch ungeheuer viele im Berliner Machmesen gibt, ist Sache der Organisation, die aber nur Fann wirksam eingreifen kann, wenn die Bachangestellten geschlossen Sinter ihrem Verband stehen. Die Werkmeister zu dem Gutachten. Am Sonntag hatte der Bezirk X des Deutschen Werkmeisternerbandes( Groß- Berlin und Provinz Brandenburg) die Vorstände feiner 78 Ortsvereine mit insgesamt 16 000 Mitglieder zu einer tombinierten Borstandstagung eingeladen. Zunächst wurde Bericht erstattet über den Abgeordnetentag in Würzburg, der sich einstimmig ouf den Boden der freigewerffchaftlichen Angestelltenbewegung ge= stellt hat. Hierauf wurden die Auswirkungen des Dames- Gutachtens auf die Arbeitnehmer eingehend besprochen. Im Einverständnis mit den Ausführungen des Referenten, Kollegen Rothe, des Leiters der Geschäftsstelle Berlin, murde einstimmig eine EntschlieBung angenommen, wonach der Bezirk X des Deutschen Wertmeisterverbandes feinen anderen Weg fieht als den der Zustimmung zu ben Londoner Abmachungen, jedoch unter allen Umständen fordert, daß die Berteilung der Lasten in gerechter Weise erfolgt, Daß insbesondere der Besitz nach seinem Einkommen entsprechend herangezogen wir Die Berliner Buchdrucker zum Schiedssprua). gewerbe in Zukunft vor derartigen Resultaten der Lohnverhandlungen zu bewahren." Der von der letzten Generalversammlung wegen Lätlichkeiten gegen den Fraktionsvorsitzenden der SPD.- Buchdrucker, Fiedler, ausgeschlossene Kommunist Engelmeyer hat um feine Wiederaufnahme in den Berband ersucht. Da Engelmeyer seine Handlungsweise schriftlich als eine in nervöser Erregung begangene Dummheit bebauert hat, beschloß die Versammlung, die Wiederaufnahme zuzufen. Maßgebend war hierfür auch die Nücksichtnahme auf den " fundheitszustand Engelmeyers und auf seine 25jährige Organiionszugehörigkeit. Die Lohnverhandlungen der Ofenseher gescheitert. Die in Nr. 401 des Vorwärts" erwähnten Lohnverhandlungen find gescheitert. Die Arbeitgeber lehnten es nach längerer Debatte ab, über den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses mit 1. Stundenlohn hinauszugehen und erklärten, die Verbindlich= feitserklärung zu beantragen. Bei den Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß wurde festgestellt, daß eine große Anzahl von Akkordarbeitern ( neue Arbeiten auf Bauten) zurzeit im Lohn bei Reparaturen beschäftigt sind. Der Friedensverdienst des Affordarbeiters war bedeutend höher wie der des Reparaturarbeiters. In der Begründung des Schiedsspruches, den Stundenlohn auf 1 m. festzufetzen, erklärte der unparteiische Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Henkel, ausdrücklich, daß der Stundenlohn von 1 m. der Min= eft lohn sei und die Affordarbeiter, die zurzeit auf Stundenlohn beschäftigt find, berechtigt seien, einen höheren Stundenlohn zu fordern. Aber es sei Sache der betreffenden Arbeiter, einen höheren Stundenlohn mit ihrem Arbeitgeber zu vereinbaren. Die Fachgruppenleitung der Löpfer im Deutschen Baugemerfsbund fordert auf Grund dieser Begründung alle Dfenseher auf, mit ihren Arbeitgebern wegen höherer Löhne in Verhandlung zu treten, Resultat dieser Verhandlungen Bericht zu geben. und noch im Laufe dieser Woche der Fachgruppenleitung über das Faschismus und Gewerkschaften. In Italien hat sich wieder eine freigewertschaftliche Orga nisation der Metallarbeiter gebildet. Sie gibt ein Monatsblatt heraus, von dem die„ Metallarbeiterzeitung" fagt: " In einem eindrucksvollen Manifest wendet sich der neue Berbandsvorstand( Comitato Centrale) an die Kollegen, fie auffordernd, ihre Baghaftigkeit abzulegen und sich den Organisationen wieder anzuschließen. Auch sonst ist die neue Zeitung, die fo groß ist wie die M3.", reich an trefflichen Aufsägen. Die in früherer Zeit beliebte überschwengliche Sprache ist, gottlob, nicht zu finden, sondern die Verhältnisse und Aufgaben werden in fühler Sachlich feit und darum sehr wirksam auseinandergefekt." Besonders bemerkenswert ist in dem Blatte- ,, Il Metallurgico ein Bericht der Zuriner Gruppe des Verbandes, der befagt: „ Die Verhältnisse wenden sich zum bessern. Unsere Berwaltungsstelle ist mit der Masse in Fühlung gekommen. In den meisten Unternehmungen haben sich Gruppen gebildet. In allen wichtigen Betrieben entfallen bei den Wahlen für die Arbeiter. ausschüsse die meisten Stimmen auf unsere Rollegen, nämlich: Faschisten Stimmen Metallarb.- Berband Stimmen Fiat Metallindustrie. 840 130 Villaperosa Werkstätten.. Fiat, Mechanik. 418 91 3985 780 1476 271 460 128 468 66 101 99 34 164 Fiat, Wagenbau Fiat, Zentrale Ansaldo Bomilio Zylindergießerei Bedarida. Moncenisio. 9 Busammen 8060-81 b. 5. 1500= 15 b.. Man begreift daher die Anstrengungen des Faschismus, wie sie sich bei Unterstügung des Streits der Bergarbeiter zeigen, die Arbeiterschaft auf seine Seite zu bekommen. Es wird ihm nicht gelingen. Das Scheitern der örtlichen Verhandlungen hat mit dem Bezirksaffordtarif nichts zu tun. Der Bezirkstarif tritt mit dem 1. September in Kraft. Bertrauensleute größerer Firmen können vor Drucklegung des Tarifes Abzugseremplare im Bureau Berbandsbureau, Gebastianstraße 37/38. Das Bureau ist geöffnet vɔn 6½ Uhr ab. des Deutschen Baugewerksbundes erhalten. Die Bauarbeiteraussperrung in Rheinland- Westfalen. Die Einigungsverhandlungen am Dienstag sind wiederum an dem Verhalten der Unternehmer gescheitert. Insbesondere die umgelernten Arbeiter sollen im Lohn gedrückt werden. Wäre der Schiedsspruch für verbindlich erklärt worden, würde die Aktion der Unternehmer längst zu Ende sein. Es wird stillgelegt. Wie aus Köln gemeldet wird, hat die Bergbau A.-G. Lothringen in dem Bezirk Blankenburg große ArbeiterSo mancher veraltete Betrieb müßte entlassungen vorgenommen. stillgelegt werden, doch müßte zuvor dafür gesorgt werden, daß die Arbeiter dieser Betriebe andere Arbeit bekommen. Zur internationalen Einheitsfront. In der Lebensmittel- Internationale war die Einheitsfront hergestellt durch den im vorigen Jahre in Brüssel mit 22 gegen 20 Stimmen gefaßten Beschluß, den russischen Lebensmittelarbeiterverband aufzunehmen. Dieser Beschluß führte zum Austrit: der holländischen Bäckerorganisation. Die Aufnahme der russischen Organisation war von der Bedingung abhängig gemacht, feine Bereinigung von Verbänden innerhalb der Union zum Zwede der Zertrümmerung der Union und feine Nebenzentralen zu bilden. Das Internationale Mitteilungsblatt wurde als das offizielle Organ der Union bezeichnet. Der Borstand hatte als genauere Fassung vorgeschlagen, daß die Herausgabe einer eigenen Zeilung als Verlegung der Union statuten zu behandeln fei. Der nach dem Brüsseler internationalen Kongreß tagende Kongres des russischen Lebensder Moskauer mittelarbeiterverbandes beschloß denn auch, aus internationalen Propagandatommission auszutreten und das Erscheinen des Roten Lebensmittelarbeiters" einzustellen. le geftrige Generalversammlung der Berliner Buchdrucker bele fich zunächst mit dem Verlauf der legten Lohnverhandlungen. worüber der Gaulciter Braun referierte. Die Verhandlungen scheiter nbekanntlich an der Hartnäckigkeit der Unternehmer. Durch strikte iblehnung der berechtigten Gehilfenforderungen und durch den Antrag, das jetzige minimale Lohnabkommen bis zum 31. Januar nächsten Jahres zu verlängern, ließen die Unternehmer jedes Berständnis für die Lage der Arbeitnehmer vermissen. nehmer fetten sogar alles daran, die Sonderzulage für die besetzten Gebiete fchon jett völlig abzubauen. Bei den letzten Lohnverhandlungen im Mai sei schon in meifer Boraussicht der wirtschaftlichen hindert werden, wenn die Union sich entschließe, alle revolutionären Der„ Rote Lebensmittelarbeiter" wurde jedoch von der IPK unter einem anderen Titel weiter herausgegeben. Auf Borhalt der Die Unter- petutive der Lebensmittelarbeiterinternationale erklärte der Vorftond des allrussischen Lebensmittelarbeiterverbandes, da er der JPK. nicht mehr angehöre, fönne er gegen die Herausgabe des Berhältnisse eine allgemeine Zulage" gewährt worden. Es kam zu hem Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums, wonach das bisherige Lohnabkommen bis zum 3. Oktober aufrechterhalten bleibt. Die Sonderzulage für die befeßten Gebiete erfährt einen allmählichen 213bau, bis sie am 22. November gänzlich in Fortfall kommt. Nach Erwägung aller Möglichkeiten eines besseren Lohnabschlusses sei der Schiedsspruch von den Arbeitnehmervertreten unter Protest anerkannt worden. Die Versammlung nahm nach einmütiger Berurteilung des Schiedsspruches die nachfolgende Entschließung des Gauvorstandes gegen wenige Stimmen an: Blattes nichts unternehmen. Die Herausgabe fönne nur dann verLebensmittelarbeiterverbände aufzunehmen. Wie der IGB. erfährt, hat sich daraus folgende Situation für ben internationalen Sekretär ergeben: „ Der Kongreß in Brüssel stellte sich auf den Standpunkt, daß die Herausgabe einer internationalen Beitung einer Statutenverlegung gleichkomme. verband, der gleichzeitig Mitglied der RGI. ist, lehnt es ab, fich für die Unterbindung der Herausgabe zu verwenden, trotzdem das für ihn bei den bekannten Zusammenhängen der Instanzen ber russischen Bewegung leicht wäre. Das Verhalten des Borstandes des allruffischen Verbandes überbindet dem Borstand der Internationalen Union der Organisationen der Arbeiter und Arbeiterinnen der Lebens- und Genußmittelindustrie die Aufgabe, zu prüfen, ob der Verband weiter Mitglied der Union bleiben fann." Der allrussische Lebensmittelarbeiter„ Die Generalversammlung des Vereins Berliner Buchdruder und Schriftgießer protestiert entschieden gegen das Ergebnis der legten Lohnverhandlungen, das durch die Einsichtslosigkeit der Unternehmer den berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer nicht im mindesten entgegentommt. Die Versammelten verurteilen aufs fchärfste, daß durch den Schiedsspruch des Schlichters in keiner Weise die wirtschaftliche Lage der Arbeitnehmer berücksichtigt wurde und erwarten von der bevorstehenden Generalversammlung in Hamburg, daß sie Mittel und Wege findet, die Arbeitnehmerschaft im Buchdruck| mutigt taum zur Nachahmung. BAUHÜTTE BERLIN Soz. Baugesellschaft m. b. H. Gemeinwirtschaftliche Bauunternehmung Abtllg. für Hochbau Tiefbau Eisenbetonbau Zimmerei Dachdeckungen Ausführung von Bauarbeiten aller Art Umbauten u. Reparaturen Villen und Landhausbau Industriebau lebernahme ganzer Bauprojekte Schlüsselfertige Abtllg. für Entwurf Architektur Konstruktion Statik Bauberatung Herstellung ganzer Siedlungen Bureau: Berlin W., Genthiner Str. 34 Telephon: Kurfürst 9350-51, 8868 Die Probe auf das Exempel der internationalen Einheitsfront, die die Internationale der Lebensmittelarbeiter gemacht hat, er100000000 Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit.. Aroma- Essenzen state für Speise- ElsBereitung Offo FA. Mpl. 4751 Reichel Eisenbahnstr. 4 Auch in Drogerien bestellbar. Hosen Hosen jeder Art kaufen Sie am besten und billigsten in d. München- Gladbacher Hosen- Zentrale. Herren und T Knaben Anzuge, Hosenträger, Stutzen sehr preisw München- Gladbacher Nosen- Zentrale GlobusTransportgeräteFabrik Berlin S.14. Dresdenerstr.55 liefert Wagen, Karren CORäder Sternzwirne, gate Twist Sofenträger, Gummiband, Kämme, Gentel u. f. Kurzwaren, weit unter Tagespreis Säusler. Beuthstraße 15. Merkur 6389 Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit. Preis 1 Mart, Porto 5 Pfennig. 8u beziehen burch 2. Soffmann ,, Berlin O. 17, Soppenffe. 6, II. Boftichedfonto 130 461. Rügener Str. 25( nahe Gesundbr.) Besonders im sind die KLEINEN ANZEIGEN Fahrgeldvergütg. des Vorwärts" and trotzdem anßerordentlig billig! Blauer Laden SPD. Fraktion der Bekleidungsarbeiter. Betriebsobfeute, Vertrauensleute, Delegierte! Morgen, Donnerstag, Abholung von Werbematerial vom Der Fraktionsvorstand. Fenerwehr Groß- Berlin Donnerstag, 28. Auguft. Borwärtsagitation. Die ba für bestimmten Genossen müssen die Exemplare bis 8 Uhr früh aus den Speditionen abgeholt haben. Der Werbeansschuß. Wirtschaft Bantenwucher. Folgendes Beispiel kennzeichnet den Wucher, den die Banken in der Zeit der Kreditknappheit treiben: Ein armer Teufel im besetzten Gebiet verlor fein Hab und Gut während des passiven Widerstandes; bis dahin war er noch glüdlicher Kontoinhaber beim Schaffhaufenschen Bankverein A.-G. Ende Dezember 1923 entnahm er von dieser Bant einen Kredit von 107 M., Anfang Januar 100 M. Dafür muß er selbstver ständlich 8insen zahlen. Seine Rechnung sieht so aus: Soll 107,- Mt. 100, 8,90 62,- W Dezember 1928: Vortrag Januar 1924 Kreditprov. Dezember Januar Februar 9 . . Zusammen . 22, " 299,90 Mt Er erhält den Halbjahresabschluß und soll für 207 M. 92,90 M. Zinsen bezahlen, das sind 45 Proz Gibt es gegen einen derartigen Wucher feine gefeßlichen Handhaben? Warum wird nicht in solchen Fällen die Kartellverordnung angewandt. Wieber Genoffenschaftsfreiheit in Rußland. Das Land der von den Kommunisten so viel gepriesenen boljchemistischen Freiheit" verbot bisher den Zusammenschluß seiner Staatsbürger zu enossenschaften. Die Zwangsgenossenschaften galten als das einzig Wahre. Diese Auffassung ist von den Genossenschaften anderer Rußlands einzusehen, daß fie unhaltbar ist. Die Zentralvoll Länder entschieden bekämpft worden. Jetzt scheint man auch in zugsausschuß der Sowjetrepublik hat jetzt allen Bürgern, die in der find und das Wahlrecht befizen, das Recht erteilt, aus eigenem Antriebe Genossenschaftsverbände, Vereine, Artels, Kom munen usw. zu bilden. Nach der Oktoberrevolution waren feinerzeit alle privaten Genossenschaften, Vereine usw. aufgelöst und durch ein besonderes Defret ein staatliches der Sowjetregierung untergefchaffen worden. Die jetzt getroffene Maßnahme bedeutet dem stehendes Genossenschaftssystem, die sogenannte Sowjetkooperation nach eine Milderung dieses Systems zugunsten der Landwirtschaft. Polens Getreideausfuhr eingestellt. Eine polnische Ministers tonferenz hat beschlossen, jede Ausfuhr von Getreide aus Bolen borläufig zu verbieten. Der Grund für diese Maßnahme ist in der Mißernte zu sehen, die nach den Ausdruschergebnissen noch weit ernster erscheint, als befürchtet worden war. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: R. S. Defcher; Lotales und Gonftiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. SOEBEN ERSCHIENEN & UNENTBEHRLICH FÜR JEDEN FUNKTIONÄR PROTOKOLL DES PARTEITAGES BERLIN 1924 Broschiert 2.50 Mark Gebunden 3.50 Mark Zu beziehen durch: J. H. W. Dietz Nachf., Berlin SW., Lindenstraße 2, Laden