Nr.404+ 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 206 Bezngspreis: 285chentlich 70 Golbpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Golbmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat Der Borwärts" mit ber Gonntags beilage Bolt und geit mit Sieb. lung und Kleingarten", fowie ber Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und Frauenbeilage ,, Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Abreffe: Sozialbemotrat Berlin Morgenansgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmart, Reclamezeile L- Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Wort 0,20 Gld. mart( zulässig awei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Wort 0,10 Goldmart, fedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen file Abonnenten 8eile 0,30 Goldmart. Sine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Angelgen für bie nächste Summer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Donnerstag, den 28. August 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Boftscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Klar zum Gefecht! Fort mit dem Tollhaus vom 4. Mai!- Schafft eine wirkliche Volksvertretung! nationalen zu holen. Der Reichstag vom 4. Mai wälzt sich in Todesträmpfen.| gehen müßten. Diese Stimmen wären mur bei den DeutschKommunisten und Bölkische haben ihn gestern zur Kaschemme erniedrigt. Deutschnationale, Bölkische und Kommunisten haben gestern bei der namentlichen Abstimmung über das Eisenbahngesetz in zweiter Lesung mehr als ein Drittel der Stimmen auf sich vereinigt wenn das Ergebnis heute bei der dritten Lesung dasselbe bleibt, kommt die Auflösung: die Erlösung! Gestern hat die Polizei drei tommunistische Radauhelden aus dem Sigungssaal geholt! Eine Schilderung des widerwärtigen Vorgangs finden unsere Leser an anderer Stelle. Hier sei nur so viel gesagt: der Eintritt der Polizei in den Reichstag ist von den Kommunisten durch ihr schamloses Berhalten erzwungen worden. Der Reichstagspräsident hatte im Einverständnis mit dem Hause die drei schlimmsten Brügelhelden, die den Abgeordneten Brod auf überfallen und verlegt hatten, ausgeschlossen. Sie weigerten sich, den Saal zu verlassen. Als jedoch Polizei in 3ivil erschien, gingen fie fofort. Einer von ihnen fchlug fich fogar schon zuvor in die Büsche. Die Ausweisung der Ausgeschlossenen durch die Polizei vollzog sich in vollkommener Ruhe, ohne Anwendung von Gemalt. Die Kommunisten, die sich gegenüber ihren Reichstagsfollegen wie wilde Bestien geberdeten, perhielten sich der Polizei gegenüber wie zahme Lämmer. Warum gingen sie nicht aus dem Saal, als der Reichs tag es verlangte? Warum verschwanden fie schleunigst, als die Polizei sie dazu aufforderte? Weil fie eben zu jener Sorte gehören, die frech ist, solange man sie gewähren läßt, und feig wird, wenn man ihnen Ernst zeigt. Brennende Scham überfommt einen, wenn man daran denkt, daß diese unwürdigen Gesellen von Arbeitern in den Reichstag geschickt worden sind. Das muß anders werden! Benn die Arbeiter nicht begreifen, daß Brüllaffen und Raufbolde feine Revolutionäre sind, wenn sie jetzt nicht mit den Kommunisten Schluß machen, so geben sie ihre eigene Sache verloren. Was wir da erlebt haben, war ein Niedergang ohnegleichen, ein Verzicht auf jegliche Würde, ein völliges Preisgeben und Inschmußtreten aller Ideale der Arbeiterbewegung. Etwa ein Drittel der deutschnationalen Fraktion, eher mehr als weniger, müßte heute in dritter Lesung für das Eisenbahngefeß stimmen, wenn dieses mit der verfassungsmäßig vorgeschriebenen Mehrheit angenommen und die Auflösung vermieden werden sollte. Dreißig bis vierzig Deutschnationale, die gestern noch mit Nein stimmten, müßten heute mit Ia stimmen. Werden sie das tun? Die Wahrscheinlichkeit ist gering. 3wed des Umfalls würde sein, die Auflösung zu vermeiden und das Wahlergebnis des 4. Mai in einer Bürgerblodregierung zu realisieren. Dazu scheint es aber jetzt zu spät. Lebens- und arbeitsfähig ist dieser Reichstag doch nicht mehr; seine Auflösung ließe sich besten- schlimmstenfalls etwas hinaus schieben, nicht vermeiden. Die Deutschnationalen würden aber dann mit gebrochener Front in den Wahltampf gehen. Fallen die Deutschnationalen noch um, so fallen fie fo tief in den Dred, daß sie nie wieder hochkommen können. Noch wird ein letzter Versuch gemacht, ein Rotbrücklein zu bauen. Die Volfspartei hat gefälligerweise zu dem Mantelgefeß, das alle Geseze zum Londoner Bertrag zusammenfaßt, einen Aenderungsantrag eingebracht, der angenommen worden ist. Der Antrag fordert die Regierung auf, sie solle auf die Räumung des Ruhrgebiets, der Kölner Zone und die Einhaltung des Rheinlandsabkommens hinwirken. Dieser Antrag ist totaler Blödsinn, den sich die Regierung eigentlich verbitten müßte, denn eine Regierung, die sich erst durch einen Reichstagsbeschluß auffordern läßt, das Selbstverständliche zu tun, stellt sich damit ein Armutszeugnis aus. Trotzdem hat sich die Regierung gegen die Annahme dieses lächerlichen Antrags nicht gewehrt. Zu diesem Antrag hat nun Herr Schulz- Bromberg für die dritte Lesung deutschnationale Abände rungsanträge angekündigt. Diese Anträge wird man sich sehr genau ansehen müssen: sollten sie eine Abänderung des Londoner Vertrags in sich schließen, so würde jeder Abgeordnete, der für sie stimmt, sich die gröbste Gewissen losigkeit zuschulden kommen lassen. Der Londoner Vertrag Ganzesangenommen oder verworfen werden. Die Regierung muß, wenn sie vertragstreu bleiben will, jeden derartigen Abänderungsantrag auf das entschiedenste bekämpfen. Dann aber ist auch die letzte Brücke, auf der die deutschnationale Fraktion den Rückzug aus ihrer verzweifelten age fucht, gesperrt. Das Maß ist voll! Provokateure und Zuschläger- Völkische und Kommunisten Kommunisten und Völkische sind eins. Kommunisten und Bölkische haben gemeinsame Interessen: die Herbeiführung des politischen Chaos. Sie handeln gemeinsam. Die Völkischen decken und verteidigen die Gemeinheiten der Kommunisten und umgekehrt. Das ist die Lehre der schmachvollen Szenen, die sich gestern morgen im Reichstag abspielten. Aber ein Unterschied besteht. Die Bölkischen hetzten und die Kommunisten schlugen. Herr v. Graefe war der Provokateur, und die Kommunisten führten aus, was er wollte - so wie die erregte Masse die Provokationen eines Lockfpigels ausführt. Das ist die wahre Stellung der Kommu niften zu denen um Graefe und Ludendorff. Sie sind die Werkzeuge der Provokateure. Schmachvoll genug, diese Schlägerei, von dem Junker Graefe provoziert, von den rohen, ihm willfährigen Gesellen der kommunistischen Fraktion in Szene gesezt! Noch schmachpoller aber die folgenden Szenen! Die fommunistische Fraktion besaß die Stirn, in Zwischenrufen sich der rohen Tat noch zu rühmen und ihre Opfer zu beschimpfen. Die Rufe, die bei der Geschäftsordnungsdebatte aus ihren Reihen famen, waren jeder einzelne ein Beweis innerer Berrohung. Die niederen Instinkte dieser Fraktion waren entfesselt. Run gab es fein Halten mehr. Der Junker Graefe aber rühmte fich von der Tribüne des Reichstages herab laut seiner Provokation, seiner Beschimpfungen! Bon der Tribüne des Reichstages herab wiederholte er die widerlich gemeinen Anwürfe, die fein ehrlicher und anständiger Arbeiter jemals in den Mund nehmen würde. Nur eine Erklärung ist dafür, daß ihn nicht ein Sturm der Entrüstung aller anständigen Menschen im Reichstage von der Tribüne herunterfegie: daß alle anständigen Menschen im Reichstage fühlten, daß in diesen Szenen sich das Ende dieses Inflationsreichstages im Sumpfe der Gemeinheit vollzog, und daß man diesem Prozeß seinen Lauf lassen muß. In diesen Stunden fiel der dünne Firnis parlamentarischer Anständigkeit von Bölkischen und Kommunisten ab, und es erschien die Gemeinheit und Roheit. Wer den hört er zu den gerichteten Menschen. Junter Graefe in diesen Szenen gesehen hat, für den gehört er zu den gerichteten Menschen. begehen, die in den Augen jedes rechtlich denkenden Menschen tann nicht mehr abgeändert, er fann vom Reichstag nur als find die Elemente, auf die sich die Deutschnationalen stügen. Die Kommunisten schreien nach Amnestie. Wenn sie ernst lich die Amnestie wollen, dann sollen sie aufhören, Taten zu Straftaten find. Sie sollen nicht mehr arme, betörte, verzweifelte Menschen zu leberfällen auf Polizeimachstuben verleiten, sie sollen nicht Reichswehrsoldaten zum Waffendiebstahl verführen, sie sollen aufhören, die Rechtsordnung, ohne die fein Gemeinwesen leben fann, immer wieder gewalttätig anzugreifen. Wenn heute viele Hunderte oder gar Tausende im Gefängnis liegen, so ist das ihre Schuld. Die Befreiung dieser Opfer wird sehr bald erfolgen, wenn nur die Kommunisten aufhören, mit einer Revolution" zu spielen, die sie nicht machen tönnen. Die Amnestierung der Opfer der kommunistischen Heze ist aber noch viel leichter zu erreichen. Im Auswärtigen Ausschuß bat der Reichsminister Dr. Strejemann angekündigt, daß eine Amnestie auch im unbeseßten Gebiet zu erwarten fei, wenn durch Annahme des Londoner Vertrags eine allseitige Amnestie im besetzten Gebiet eintritt. Die Kommu nisten brauchten also nur zu tun, was das Arbeiterinteresse ohnehin von ihnen verlangt, fie brauchten nur für die Gesetze zum Londoner Berirag zu stimmen, um den unglücklichen Opfern, die sie mit frevelhafter Gewiffenlosigkeit in die Gefängniffe gebracht haben, den Weg in die Freiheit zu öffnen. Die Kommunisten lügen, wenn sie sagen, daß sie die Befreiung ihrer Opfer wollen. Sie tun alles, um diese Befreiung zu hindern. Die Amnestie ist ihnen weiter nichts als der Vorwand für den Skandal, der ihnen von Moskau anbefohlen ist, weil die ruffifche Regierung eine Erholung Deutsch lands und eine Berständigung der europäischen Völker untereinander mit allen Mitteln zu hintertreiben bemüht ist. Die Abstimmung über das Eisenbahngesek, zu deffen Zustandekommen eine Zweidrittelmehrheit notwendig ift, gestaltete fich in zweiter Lesung wie folgt: Abgegebene Stimmen: 423 Ja: 248 Nein: 174 Enthalten: 1 Soll bei 423 Anwesenden eine Zweidrittelmehrheit erzielt merben, so müssen 282 Abgeordnet mit Ja und nur 141 dürfen mit ein stimmen. Es fehlten also zur Zweidrittelmehrheit 34 Stimmen, die von der einen auf die andere Seite hinüber Alle Wahrscheinlichkeit spricht also dafür, daß es heute zum Klappen kommt, daß der Reichstag aufgelöst wird, daß das Narrenhaus in die Luft fliegt. Dann aber heißtes heran, um dem arbeitenden deutschen Bolt eine wirkliche Voltsvertretung ich affen! zu Wenn das deutsche Bolt leben will, muß es bei den kommenden Wahlen dem Sput ber nationalistischen Demagogie ein Ende bereiten. Wenn die deutsche Arbeiterbewegung ihre Würde, ihren Ernst, ihre Aussicht auf den endgültigen Sieg wieder gewinnen will, muß fie fich vom Sch muß des Kommunismus befreien! Gegen die Feinde der Völkerverständigung, gegen die Gegner des Achtstundentages, gegen die Brotwucherer und ihre blinden Helfer, gegen die kommunistischen Entwürdiger und Berderber der Arbeiterbewegung geht der Kampf! Sozialdemokraten, Arbeiter Berlins, zeigt, daß es euch mit diesem Kampf ernst ist. Eine erste Gelegenheit dazu ist euch gegeben: Diese Nummer des Vorwärts" geht in Hunderttausenden von Eremplaren in die Massen als Auftakt zu dem fommenden großen Kampf. An die Arbeit! Beigt heute schon, daß ihr morgen siegen werdet! Schlußabstimmung erst am Freitag? = Der Aeltestenrat des Reichstages beschäftigte sich mit der Geschäftslage des Hauses. Es wurde betont, daß es taum möglich sein werde, die entscheidende Schluß abstimmung über die Gutachtengesehe noch am Donnerstag vorzunehmen, da die dritte Lesung voraussichtlich längere Zeit beanspruchen werde. Es ist also mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Schlußabstimmung erst am Freitag erfolgt, Rommunisten und Bölkische sind einander wert. Das Mit ihnen gemeinsam stehen die Deutschnationalen in einer Front gegen Lebensinteressen und Zukunft des Volkes. Es ist auch ein Stück Bundesgenossenschaft, daß die ,, Kreuzzeifung" die Gemeinheiten des Junkers Graefe verschweigt und deckt, und diesen Vorfall zu einem Angriff gegen die Sozialdemokratie benutzt. Und ein Stück geistiger Berwandtschaft ist es, daß die Scherl- Presse über die schmachvollen Szenen in einer widerlichen Weise berichtet, die für Deutschland vielleicht noch beschämender ist als die Szenen felbft. Die Herren von dieser Presse stehen mit den Graefe und Grube auf einer Stufe. Dieser Reichstag geht unter im Sumpfe der Gemeinheit. Gestern abend schrieb die Zeit": „ Besonders kennzeichnend war es, daß die Nationalsozia listen unter der Führung des Herrn von Graefe die Bartet der Kommunisten ergriffen. Die Szene war wiederum fo schmachvoll, daß die allgemeine Auffaffung dahin ging: Das Maß dieses Reichstags ist voll!" Das ist die Auffassung aller anständigen Menschen. Deutschland kann diesen Reichstag nicht mehr ertragen. Es braucht ein reinigendes Gewitter. mitgeteilt: Erklärung der Demokraten. Brandmarkung Graefes als Provokateur. Von der Deutschen Demokratischen Fraktion wird Wir nehmen Veranlassung, zu der Mißhandlung unseres Ab geordneten Brodaus durch einen kommunistischen Abgeordneten fol gendes zu bemerken: 1. In sachlicher Beziehung. Die Deutsche Demofratische Partei hat sich stets dagegen gewehrt, daß die Verbrecher, bie von links und rechts mit Gewalt gegen die Regierung anstürmen, amnestiert werden. Der Schutz der Verfassung und damit der Ordung und der Sicherheit in Deutschland ist eine der vornehmsten Aufgaben der Deutschen Demokratischen Partei, Wenn jetzt anläßlich des Umstandes, daß wir die von den Franzosen im Ruhrgebiet wegen ihres Eintretens für das Deutschtum gefangen gesetzten Deutschen befreit wissen wollen, unsere Unterhändler in London auch die Freilassung der separatistischen Verbrecher haben zugestehen müssen, von Kommuniste urb Deutschwölffchen eine Freilassung aller politischen Verbrecher gefordert wird, so fehen wir feinen Zusammenhang, der uns veranlassen fönnte, unsere bisherige Haltung aufzugeben. Aber auch, wenn man diese Ansicht nicht teilt, lag nicht der geringste Grund vor, daß heute dieser Gegenstand beraten wurde. Mit Recht hat unser Freund Brodauf sich auf den Standpunkt gestellt, daß man erst einmal abwarten solle, ob in der Tat das Londoner Abkommen vom Reichstag genehmigt wird und damit die Folge eintritt, daß auch die Separatisten begnadigt werden müssen. Findet, wie gerade die Deutschvöldischen und die Kommunisten das wollen, das Londoner Abkommen eine Ablehnung, so fällt auch der letzte Grund für eine Begnadigung der politischen Gefangenen weg. Unser Freund Brodauf hat affo völlig richtig ge handelt, wenn er der Aufsetzung dieses Punttes auf die Tagesordnung und seiner Verweisung an den Ausschuß widersprochen hat. Es wäre für den Fall, daß das Londoner Abkommen im Reichstag angenommen wird, jederzeit möglich gewesen, Freitag diesen Punkt auf die Tagesordnung zu bringen. Für den Fall, daß das Abkommen abgelehnt wird, liegt aber überhaupt feine Veranlassung vor, den bereits vor Wochen vom Reichstag abgelehnten Antrag wieder zu behandeln. 2. In formeller Beziehung aber muß auf das fieffte bebauert werden, daß die geschäftsordnungsmäßige Ausübung der Pflichten eines Abgeordneten zu dem beklagenswerten Borgang feiner Mißhandlung geführt hat. Die Nationalsozialistische Partei hat sich heute auf Anfrage des Abgeordneten Koch von der Tribüne des Hauses dazu bekannt, daß sie anläßlich des Widerspruchs Brodauf raus" gerufen habe; sie hat zugegeben, daß der Abgeordnete von Graefe mit geballter Faust vor die Site der Demokraten getreten ist und den Abgeordneten Brodauf als Jude Brutauf" und als einen elenden Schuft" be zeichnet hat und den Abgeordneten Korell einen„ Separatisten sch üzer" genannt hat. Alle diefe Beschimpfungen haben dem Bräsidenten nicht Anlaß gegeben, auch nur einen Ordnungsruf zu erteilen. Die furchtbare Erregung, in die das Haus durch dieses Borgehen gekommen ist, hat dann zu den schweren Angriffen eines rüstung. finden. Sie wird in den Arbeitermassen ein millionenfaches Echo Die Schande der Kommunisten. Die Ausweisung der drei ausgeschlossenen Rommunisten spielte sich folgendermaßen ab: Nachdem der Präsident Wallraf die Tribünen hatte räumen laffen, betraten etwa 20 Polizeibeamte in 3ivil den Saal. Sie gingen, geführt vom Hausinspektor, durch die Reihen der kommunistischen Abgeordneten und ließen sich die ausgeschlossenen Ab. geordneten bezeichnen. Die kommunistische Fraktion begrüßte die Bolizeibeamten mit lebhaftem Händeklaischen und Hochrufen auf die Demokratie und die Republik. Die Kriminalbeamten forderten die fommunistischen Abgeordneten auf, den Saal zu verlassen, und fiehe da: was sie dem Präsidenten versagt hatten, taben fie gegen über ben Bolizeibeamten gehorsamst. Die Abgeordneten gingen sofort und sittsam aus dem Saale. Die übrigen tommu nistischen Abgeordneten flatschten frenetisch Beifall. Iwan Kaz saß auf einer der vordersten Bänke und lachte über das ganze Gesicht Während die drei kommunistischen Abgeordneten dem Befehl der Polizeibeamten Folge leisteten, stimmten die Kommunisten die Internationale" an. Niemals ist das Rampfited der internationalen Arbeiterklasse so geschändet worden wie durch diese Gesellschaft, die bei einem solchen Schmierenschauspiel diesen Gesang anstimmte! Die Hinausbeförderten waren Grube und Cppftein Nedermeyer war schon zuvor verschwunden. Arbeit für Sinowjew. Die Deutschnationalen fördern den Kommunismus. In der Wiener Neuen Freien Presse" vom 22. August schreibt der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Professor Ho eß ich: Die Regierungsunterschrift genügt. Frankreich macht keine Schwierigkeiten. der Kammerdebatte am Samstag auf eine Anfrage gegebene AntParis, 27. Aug.( Eigener Drahtbericht.) Eine von Herriot in wort hatte zu der irrtümlichen Auslegung Anlaß gegeben, als ob die französische Regierung, falls im Reichstag die Zweidrittelmehr heit für das Eisenbahngefeh nicht zustandekommen sollte, die auf Grund des Art. 45 der Reichsverfassung gegebene Unterschrift der erkennen werde und sich am 1. September nicht mehr an die deutschen Regierung unter das Londoner Protokoll nicht anerkennen werde und sich am 1. September nicht mehr an die Beschlüsse der Londoner Konferenz gebunden halten werde. Diese Auslegung ist, wie unser Korrespondent des Soz. Parlaments falfch. Die französische Regierung steht vielmehr auf dem Standpunkt, daß die Frage, wie die deutsche Unterschrift zustandekommen puntt, daß die Frage, wie die deutsche Unterschrift zustandekommen wird, eine rein innerdeutsche staatsrechtliche Angelegenheit ist, die die anderen Regierungen nicht berührt. Im Quotidien" vertritt Genosse Grumbach diesen Standpuntt in eingehenden Darlegungen. Er führt aus, daß man in Berlin begreifen müsse, wenn Frankreich, dessen Parlament die Londoner Abmachungen durch ein ausdrückliches Vertrauens. votum gutgeheißen habe, votum gutgeheißen habe, eine ähnliche Ratifikation durch den Reichstag verlange. Das wolle aber teineswegs bes fagen, daß die französische Regierung nicht in vollem Maß der besonderen Lage, in der sich die deutsche Regierung befinde, Rechnung zu tragen bereit sei, oder gar die auf Grund der Reichsverfassung zugelassene vorläufige Unterschrift der deutschen Regierung nicht anzuerkennen beabsichtige. Es sei völlig unbe rechtigt, glauben zu wollen, daß Frankreich dem deutschen Volte irgendwelche Schwierigkeiten in den Weg legen würde, wenn es den politischen Irrtum, den es bei den letzten Wahlen begangen habe, jetzt forrigieren wolle. Die Unterschriften von Marg und Stresemann unter die Vereinbarungen von London könnten durch die Auflösung des Reichstages nur an Autorität gewinnen. Herriot habe so ausreichende Beweise für seine gegeben, daß man dienstes" von bestunterrichteter Seite erfährt, absolut Kommunisten, dessen Name noch nicht feststeht, auf den Abg. Brodauf zu errichten. Er sieht weiter, daß die Londoner Konferenz doch nicht Deutschland nicht zu befürchten brauche, daß die französische Regie und zu der fich daran anschließenden Schlägerei geführt. Der Abg. von Graefe hat heute im Reichstag ausdrücklich erklärt, daß er die Erregung der Kommunisten über das Vorgehen des Abg. Brodauf verstehen könne und hat sich also erneut wieder zu seiner Rolle als Propofateur bekannt. Die Deutsche Demokratische Partei hat auf parlamentarische Sauber feit und Ordnung von jeher das größte Gewicht gelegt. Dieser Grundsatz wird die DDP. auch in ihrer Stellungnahme gegen das Borgehen der berufsmäßigen Revolutionäre im Reichstag leiten. Der Fall Brodauf. Die Kommunisten verlachen den Berletzten. Der demokratische Abgeordnete Brodauf verbrachte den größten Teil des gestrigen Sitzungstages im Krankenzimmer des Reichstages, wo ein herbeigerufener Spezialist am rechten Auge eine Berlegung der Hornhaut feststellte, Erst zu den nament lichen Abstimmungen erschien er mit verbundenem Kopf im Saal, un seine Stimme abzugeben. Ein Teil der Kommunisten begrüßte ihn mit Hohngelächter, während der andere ziemlich betreten dafaß. Scholem hatte die Frechheit zu rufen: Gott ist gerecht! Brod auf geht es noch besser als den Buchthäuslern. Das gänzlich abgeftumpfte aus ertrug auch diese schamlose Herausforderung. in # Der Moskauer Bolschewismus hat im letzten Jahre gesehen, daß der deutsche Kommunismus troz wirtschaftlich günstiger Vorausfegungen nicht fähig gewesen ist, die Räteherrschaft in Deutschland scheitert, vielmehr Reparationsfrage einmal Ruhe und Ordnung bringt. einmal Ruhe und Ordnung bringt. Hier waren die Gefühle zwierung eine Auflösung des Reichstags als Vorwand für eine Nichtig spältig. Man mußte das Gelingen der Konferenz wünschen, weil feitserklärung der Londoner Konferenzergebnisse benutzen werde. man vom Rapitalismus Anleihen erhofft, einen wirtschaftlichen Aus der vorstehenden Meldung, insbesondere aus den Modus vivendi, die Atempause, die man braucht, da man selber mit Ausführungen Grumbachs, die sicher nicht ohne Einverständnis dem wirtschaftspolitischen Latein zu Ende ist und im Bankrott mit maßgebenden französischen Kabinetismitgliedern erfolgen, der eigenen Wirtschaftspolitik steht. Zugleich aber weiß glauben wir entnehmen zu können, daß mit der Unterschrift des Londoner Protokolls, die voraussichtlich durch den deutman, daß der Boden für den Kommunismus in Mitteleuropa nur zu bereiten wäre, wenn das Reparationsproblem ungelöst bliebe, wenn schen Botschafter in London erfolgen wird, auch die Räu= wieder eine Wirtschaft einreißt, wie im vorigen Jahre in Deutschland mungsfristen zu laufen beginnen. Brattisch würde als Folge des französischen Ruhreinbruchs mit Inflation, Wirtschafts- das bedeuten, daß 24 Stunden nach Unterzeichnung die Räutrop der not, politischer Unruhe... Es wird gelten, daß man eine kommu- mung von Dortmund und Umgebung erfolgt nistische Revolution nicht allein durch Agitation in ein Land hinein deutschnationalen Katastrophenpoliliter. Auch in Frankreich tragen kann, sondern daß diese Agitation nur auf Erfolg hoffen ist man anscheinend davon überzeugt, daß der bei einer endfann, wenn sie an vorhandene Not stände, Unordnung und gültigen Ablehnung des Eisenbahngefehes an das deutsche Gärung anknüpfen kann." Bolt zu richtende Appell die nachträgliche Zustimmung des Reichstags zur Unterschrift der Reichsregierung gewähr leistet. Wenn die Deutschnationalen das einsehen und trotzdem das Chaos wollen, das aus dem Scheitern des Londoner Bertrags unweigerlich hervorgehen müßte, arbeiten fie bewußt an der Bolschewisierung Deutschlands vielleicht in der Hoffnung, später auf den Trümmern ihre eigene Herrschaft errichten zu fönnen. Sie sind Katastrophenpolitiker nach innen wie nach außen. " The fozialbemokratische Fraktion war für die Verweisung ber Amnestieanträge in den Ausschuß. Sie hat den Einspruch, den Schulter an Schulter mit den Separatisten. Herr Brodauf im Auftrage feiner Fraktion abgab, nicht verstanden. Ludwigshafen, 27. Auguft.( WTB.) Die Deutschnationalen An dem Urteil über die kommunistischen Prügelhelden wird dadurch Schulter an Schulter mit den rheinischen Separatisten", schreibt die aber nicht das geringste geändert. Wenn ein Abgeordneter nicht mehr Pfälzische Rundschau", die die Tatsache verkündet, daß separatistische von seinen geschäftsordnungsmäßigen Rechten Gebrauch machen Kreise schon heute in Geheimerlassen auf die Notwendigkeit einer fanm, ohne in Gefahr zu geraten, daß ihm dabei ein Auge Propaganda für die rheinische Idee nach der voraussichtlichen Abausläuft, dann wandelt sich das Parlament zur Stafchemme und lehnung der Dawes- Gesetze im Reichstag hinweisen, mit dem deutein Eingreifen zur Wiederherstellung der Ordnung wird unverlichen Wint, daß jetzt die Zeit gekommen sei, un vom Breußenjoch meidlich. loszukommen. Wollen die Deutschnationalen, so fragt das Blatt, durch ihre Haltung die Entwicklung begünstigen, dann Glück auf zu dieser traurigen Fahrt. In der sozialdemokratischen Frattton gab es über die fommunistischen Ausschreitungen nur eine Stimme des Etels und der EntDas Industriegut. Sur Jahrhundertfeier des Architekten- Vereins zu Berlin gibt die Seitfgrift Der Neubau"( Berlag Wilhelm Ernst u. Cohn, Berlin W. 66) ein Sonderheft heraus, das der Industriestadt Berlin und ihren Bauten gewidmet ist. Das reichillustrierte Heft enthält u. a. auch einen Auffaz des Serausgebers Dr.- Ing. Water Curt Behrendt über das Industriegut, dem wir folgendes entnehmen: Allgemein hat man in den letzten Jahren in den Ländern mit industrieller Entwicklung die Beobachtung gemacht, daß die gewerb lichen Betriebe in zunehmendem Maße dazu neigen, aus den Großstädten abzuwandern und sich auf dem Lande anzusiedeln. Die Ursachen dieser Erscheinung sind bekannt. Nicht nur die Steigerung der Grundrente, die verleuernd auf die Produktion wirkt und die Industrie mit Ausgaben belastet, die ihre Konkurrenzfähigkeit vermindern, gibt Anlaß zu einer Aenderung des Standorts und zur Abwanderung nach kleineren Arbeitsmärkten; es wirkt ebenso auch die Erfahrung mit, daß sich im allgemeinen auf dem Lande be quemere Arbeitsverhältnisse für die Industrie bteten. Neben den großen Erleichterungen, die den Großstädten durch eine verstärkte Abwanderung der Industrie aufs Land erwachsen, neben den Vorteilen, die sich daraus für die Lösung der städtischen Wohnungsfrage ergeben würden, bringt diese neue Entwidlung aber noch eine weitere Möglichteit mit sich. Sie eröffnet nämlich die Aussicht auf eine planmäßige Durchbringung von 3n dustrie und Landwirtschaft und damit auf eine gleich mäßigere Entwicklung der beiden wichtigsten Produktionszweige der modernen Volkswirtschaft, und zwar durch die Einrichtung fogenannter Industriegüter. Das Industriegut ist ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, der einem industriellen Unternehmen auf dem Lande unmittelbar angeschlossen ist und mit ihm sowohl räumlich wie hinsichtlich setner Organisation, seiner ökonomischen Zweckfehungen organisch verbunden ist. Die erste und bisher einzige Gründung dieser Art ist das Industriegut der Hirsch, Kupfer und Messingwerte A.-G. in Eberswalde, das während des Krieges geschaffen wurde, um den Schwerarbeitern eines dem Rüstungsbedarf dienenden großgewerb lichen Betriebes die fehlenden Nahrungsmittel auf dem Wege der Selbsterzeugung zu schaffen und damit thre bedrohte Leistungsfähigkeit zu erhalten. Das charakteristische Merkmal des Industriz gutes besteht in der engen örtlichen Berbindung von Werk und Landwirtschaft. Die Fäkalien des Werks fönnen also voll ausgenußt und für Düngerzwede nuhbar gemacht werden. Bon vielen Seiten wird heute die rationelle Ausnutzung der in den menschlichen Abgängen enthaltenen wertvollen Dungftoffe zur Steigerung der Bodener träge auch für die städtische und vorstädtische Siedlung gefordert. Beim Industriegut ist dies eine Selbstverständlichkeit. Denn die uamittelbare Berwertung der Fätalien trägt nicht nur zur Berbeffe rung des Bodens bei, fie entlastet zugleich auch das Werk von den Ausgaben für Latrinenabfuhr und Kanalisationsanlagen, die, je nach der Belegschaft des Wertes, recht beträchtliche Höhen ertfimmen fönnen. Was die Arbeiterfrage betrifft, so hat das Industriegut aller dings für die dauernd beschäftigten Arbeiter mit hohen Löhnen zu rechnen, da die Nähe der Industrie in diesem Sinne einen ungünstigen Einfluß ausübt. Dabei ist dem Industriegut anderseits die Beschaffung der Saisonarbeiter, ohne die tein landwirtschaftlicher Großbetrieb bei dem naturbedingten Saisoncharakter der Landwirtfchaft auszukommen vermag, wesentlich erleichtert, da das Industries wert für diese Zeiten vermehrten Arbeitsbedarfs aus seiner Beleg fchaft ohne Schaden eine Anzahl von geeigneten Hilfskräften zur Berfügung stellen kann. Der Umstand, daß diefen Kräften die höheren Industrielöhne gezahlt werden müssen, fällt infofern weniger ins Gewicht, als sie nur für tatsächliche Arbeitsstunden entlohnt werden, dagegen nicht wie die Saisonarbeiter auch für die Zeiten, wo die Arbeit infolge schlechter Witterung oder anderer Umstände ausfallen muß und was für die menschliche Arbeitskraft gilt, gilt auch für die tierische. Auch die Gespanne des Industriewerts fönnen unbeschadet in Perioden des Anbaues und der Ernte Aushilfsdienste im landwirtschaftlichen Betrieb leisten( ebenso tönnen umgefehrt die Gutsgespanne in gegebenen Fällen der Industrie dienstbar gemacht werden). Auch für die Instandhaltung der Geräte und Maschinen stehen dem Gutsbetrieb infolge der engen Verknüpfung mit der Industrie technisch geschutte Kräfte aus den Werkstätten zu Gebote, während umgelehrt das Wert für die Beaufsichtigung seines Fuhr. wesens sich mit Vorteil des Leiters der Landwirtschaft bedienen wird. Und wo dem landwirtschaftlichen Betrieb die Hilfsmittel eines industriellen Wertes, wo ihm ständig ein Stab von Ingenieuren und Technifer, von Wertmeistern und Facharbeitern zur Verfügung stehen, wird es an Möglichkeiten, Anregungen und Ratschlägen zur Intensivierung des Betriebes nicht fehlen, so daß das Industriegut geradezu als das gegebene Verfuchsfeld für neue Erfindungen auf dem Gebiete der Industrialisierung gelten tann. Die Radau- Internationale. Belgrader Kommunisten stören einen Vortrag Vanderveldes. Belgrad, 27. Auguft.( TI.) Gestern hielt der belgische Sozialistenführer Vanderbelde einen Vortrag im hiesigen fozialistischen Arbeiterheim. Einige Kommunisten versuchten Vanderbelde zu stören. Es fam zu einer Schlägerei. Die Sozialisten, die in der Mehrzahl waren, drängten die Kommunisten hinaus. Ein Arbeiter wurde schwer berlegt. Erst dann konnte Bandervelde seinen Vortrag beenden. Bandervelde wird sich in ben nächsten Tagen nach Sofia begeben. General Dames' Bruder, Rufus Dates, schiffte sich auf der Aquitania" nach Frankreich ein, wo er sich an den Arbeiten im Bu fammenhang mit der Regelung der Reparationsfrage beteiligen wird. und blühenden Gärten auch der Fabrit einen natürlichen Rahmen, der das Wert als Ganzes umfaßt und in die umgebende Natur als organisch gewachsenes Gebilde eingliedert. Daß eine solche Umgebung belebend auf die Arbeitskraft und Lebensfreude der Werkangehörigen wirft, steht fest, auch wenn es bisher nicht möglich gewesen ist, diese Wirkungen statistisch zu messen. Das Wesen des Industrieguts liegt in dem engen Bei-, Inund Füreinander von Industrie und Landwirtschaft. In dieser volltommen und innigen Berbindung landwirtschaftlicher und gewerblicher Siedlung stellt es im fleinen die Lösung der großen bevölkerungspolitischen Aufgaben dar, welche den Ausgleich zwischen Stadt und Land bezweden". beobachtungen in den Tagen seiner größten Erdnähe fiegen begreifMars- Beobachtungen. Die abschließende Bewertung der Marslicherweise noch nicht vor. Außerdem bleibt unser Nachbarplanet auch noch auf längere Zeit in guter Reichweite, fo daß no weitere Ergebniffe abgewartet werden fönnen. Soviel aber läßt sich jest schon sagen, daß feine der sensationellen Erwartungen erfüllt wurde, von denen oberflächliche, besonders amerikanische Reporter faselten. Rätfelhafte Radiomeldungen, die aus Kanada gemeldet wurden, aber vor uns absichtlich nicht weitergegeben wurden, dürften auf öfter angebliche neue Entdeckungen der Hamburger Sternwarte, wie fie vorkommende atmosphärische Störungen zurückzuführen sein. Auch wenigstens Wolff meldete, waren„ olle Ramellen" Es dürfte zutreffen, was zusammenfassend der Observator der Münchener Sternwarte, Dr. E. Eilbernagel, in den„ M. N. N." feststellt: Bis jetzt find noch feine„ lleterraschungen" bekannt geworden, vorausgefeßt, daß man etwa der Entdeckung eines neuen, bisher Bedeutung beimißt. Daß bie Marstopographie im allgemeinen eine nicht gefehenen Flecks auf der Marsoberfläche feine allzu große gewisse Förderung erfahren wird, steht wohl außer Zweifel. Aber das wird auch jedem, der weiß, was er von dem Ereignis zu er warten hatte, vollauf genügen. Bon einem gewissen Interesse werden Es ergibt sich aus dieser Betrachtung, daß durch die innige vielleicht auch die photographischen Aufnahmen der Marsoberfläche Berbindung zweier an sich heterogener Produktionszweige die Pro. werden. Solche sind schon bei einer früheren Gelegenheit auf dem buftion und Rentabilität beider gesteigert wird. Auch indem das Details, wie man sie nur in einem sehr guten Fernrohr sehen kann. Perfes- Observatorium bei Chicago hergestellt worden und zeigen Industriegut die Erweiterungsgründe des Werkes, die andernfalls -Daß gemiffe Träume dagegen fich nicht verwirtlichen werden, als Brachland unausgeruht bleiben und lediglich Zinsverlufte verbas läßt sich allerdings, auch ohne nähere Nachrichten abzuwarten, ursachen, in Kultur nimmt, hebt es nicht nur die Werferträge, jetzt schon sagen. So vor allem die Berständigung mit den Marsfondern schafft zugleich durch Erweiterung des Nahrungsspielraums bewohnern mit Hilfe optischer Lichtfignale, von der man überall in einen nicht zu unterschäßenben Gewinn für die Allgemeinheit. den letzten Tagen reden hörte. Dazu ist nämlich gerade die Zeit, In sozialer Hinsicht endlich hat das Industriegut eine bedeutungünstigste. Denn dann sieht man vom Mars aus die Erde überwo der Mars in Opposition, also der Erde am nächsten steht, die some Mission zu erfüllen. Nicht nur, daß es int allgemeinen die haupt nicht, weil sie für die Marsbewohner ja am Tag am Beschaffung von Nahrungsmitteln für die Werkangehörigen er Himmel steht! leichtert und ihnen eine wesentlich bessere Lebenshaltung ermöglicht, es bietet auch der Mütter und Altersfürsorge besonders günstige Bedingungen und trägt dazu bei, daß der Kindersterblichkeit durch Gewährung ausreichender Milchtoft entgegengewirkt werben fann. und schließlich schafft das Industriegut mit feinen wogenden Feldern Wenn ich häßlich wäre, nicht bloß Wenn ich häßlich wäre menig hübsch, sondern geradezu furchtbar häßlich, schreibt die englische Schauspielerin Gladys Cooper, die für die fch5nste Frau Englands gilt, bann würde ich mich genau so glücklich fühlen mie jeßt. Ja wahrscheinlich glüdlicher! Ich meine damit nicht, daß Die KPD. maßregelt weiter. Sprechverbot für Reinhold Schönlant. Die Erfüllungskrise beginnt auch in der KPD. ihre WirLung. Der wüste Terror der Linten hat die vielen warnenden Stimmen im eigenen Lager der KPD. nicht völlig unter drücken können. Die Scholem- Ruth Fischer lassen daher durch die örtlichen ihr ergebenen Organe der mit militärischen Druckmitteln arbeitenden Tscheta jeben abfägen, der den Mund zu öffnen wagt. Das neueste Opfer der KPD. Feme ist der bekannte kommunistische Politiker Reinhold Schönlant, den die Hallesche Bezirksleitung abgeurteilt hat. In dem Bolschemistischen Kurs" wird berichtet: Der Verteidiger erinnerte an die Aufhebung des Verbots der KPD. durch den Reichstag und an die Schonung, die man der gleichfalls verbotenen Nationalsozia. listischen Partei in Bayern angedeihen lasse. Es sei sinnlos, eine Partei zu verbieten und ihr gleichzeitig eine Vertretung im Landtage zu gewähren. richt. Sie waren beschuldigt, durch Teilnahme an einem| Rechtsanordnung mit Androhung von Zuchthausstrafe erlaffen könne. Bezirksparteitag die verbotene KPD. gefördert zu haben. Es handelt sich um ein Nachverfahren zu einem Massenprozeß gegen mehr als 60 Kommunisten, von denen vor einiger Zeit eine große Anzahl von Angeklagten, darunter Göz und Büchs und der kommunistische Schriftsteller Dr. Frant aus Berlin zu Gefängnisstrafen bis zu 7 Monaten verurteilt worden waren. Die damals gleichfalls angeklagten brei Reichstagsabgeordneten Buchmann, Schlecht und Florin hatte im Gegensatz zu ben bayerischen Landtagsmitgliedern ihre Immunität geschützt, während Schlaffer damals in Mostau war. In der Mittwoch- Berhandlung bestritt er ebenso wie die beiden anderen Angeklagten feine attive Teilnahme an dem Bezirkspartei tag, der als Vorbereitungsversammlung für die Gemeindewahlen aufgezogen war. Er fei auf den Parteitag ebenso azufällig geraten wie Ludendorff beim Rapp- Butsch an das Branden burger Tor oder beim Hitler- Butsch in den Bürgerbräufeller. Jenem habe das Gericht damals geglaubt. Der Verteidiger Rechtsanwalt Löwenfeld bezweifelte, daß das Verbot der KPD. durch Kahr zu Recht bestehe, u. a. deshalb, weil es nach. Artitel 48 der Reichsverfaffung nicht möglich sei, daß ein Exekutivorgan wie der ehemalige Generalstaatsfommiffar eine nur der Landesregierung selbst vorbehaltene Der Staatsanwalt beantragte gegen Schlaffer, der bereits wegen Sprengstoffpergebens während des mitteldeutschen Aufstandes 1921 drei Jahre Gefängnis verbüßt hat, 6 Monate, gegen die beiden anderen Angeklagten Lorenz und Hartel 5 Tage Gefängnis. Das Urteil lautete für Schlaffer auf 3 Monate Gefängnis abzüglich 5 Tage Untersuchungshaft und für Lorenz auf 5 Tage Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Hartel wurde freige. sprochen. In der Begründung des Urteils wird gesagt, das Verbot der KPD. in Bayern set rechtsgültig u. a. auch deshalb, weil eine Landesregierung nach Artikel 48 der Reichsverfassung jede Art von Motstandsmaßnahmen erlassen fönne. Der Reichstags. beschluß auf Aufhebung des Bayerischen Ausnahmezustandes tomme nicht in Betracht, denn tatsächlich sei der Ausnahmezustand in Bayern nicht aufgehoben. Kommunistische Arbeiterführer". Ein ,, Lakai der Bourgeoisie" und ein„ Lumpenproletarier". „ Wegen sehr starker Abweichungen hat die Bezirksleitung beschlossen, den Genossen Reinhold Schönlant zu Referaten nicht mehr zu verwenden. Anlaß zu diesem Beschluß gab eine Debatte in der Bezirksleitung, in der sich zeigte, daß der Genosse Schönlant sich bedentlich weit von der Linie der Kommunistischen Partei entfernt hat. Der Genosse Schönlant ist der Auffassung, daß durch das Sachverständigen Gutachten die tapitaistische Wirtschaft auf Jahre hinaus stabilisiert würde. Dementsprechend müsse die Partei sich umstellen. Der Kampf gegen das Sachverständigen- Gutachten müsse geführt werden, indem der Rampf um die Berteilung der Lasten erfolgen müsse. Das bedeutet, daß die Partei die Aufgabe haben soll, an die Stelle bes Kampfes zur Beseitigung des Sachverständigen- Gutachtens einen Rampf um die Verbesserung des Sachverständigen- Gutachtens zu führen, daß also die Politit der SP D. getrieben werden ell. Die vom Genossen Schöniant verlangte Politit bedeute daher eine Annäherung an die SPD., was die Kommunistische Partei ablehnen muß. Im Gegenteil, je länger eine revolutionäre Flaute" anhält, desto flerer muß sich die Partei von der SPD. abgrenzen. Den abweichenden Auffassungen in bezug auf die poliischen Linien der Partei entspricht Schönlants Auffassung über die Rolle der Partei. Der Genosse hat verschiedentlich in Referaten bereits während der Wahlkampagne eine scharfe Abgren. ¡ ung der Partei gegen die SPD. vermissen lassen. Beschwerden siefer Art find bereits an die alte Bezirksleitung erfolgt. Da ber Senoffe Schönlant sich selbst seiner Abweichungen nicht bewußt ist, besteht die große Gefahr, daß seine Referate neue Untlarheiten in die Bartei und überhaupt in die Arbeiterschaft hineintragen würden. Es mußte daher das Berbot ausgesprochen werden. Die Zentrale Der Kommunistischen Partei ist mit diesem Beschluß einverstanden." Schönlant ist bekanntlich blind, aber glänzender Berjammlungsredner. Man will ihn offenbar durch das Sprechsam gemacht. und das kam so: verbot so treffen, daß der Austritt aus der KPD. bie einzig mögliche logische Folge ift. Der ganze Theater bonner der KPD. vermag die Tatsache nicht zu verdecken, daß auch in der kommunistisch beeinflußten Arbeiterschaft die Vernunft wieder einzukehren beginnt. Das ist es aber, wie auch dieser Beschluß der kommunistischen Zentrale schlagend beweist, was die Soldlinge Mosfaus am meisten fürchten. Schönlant, einer der Veteranen ber RBD., wird mundtot gemacht, weil er die Intereffen der Arbeiterschaft höher stellt als die Befehle Moskaus. Er wird in demselben Augenblick abgewürgt, in dem er durch seine Annäherung an die Sozialdemokratische Partei die Ein heitsfront des Proletariats wieder in größere Nähe rückt. Er wird beseitigt, weil die kommunistische Zentrale nur zu gut weiß, daß der Weg zur Einheitsfront zur Sozialdemokratischen Partei zurückführt. Aber auch diese Tattit wird der KPD. nichts nüßen. Eine Partei, die zum Mittel des Sprechverbots greifen muß, beweist lediglich, daß sie am Ende ihres Lateins angelangt ist. Bayerischer Kommunistenprozeß. München, 27. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Wegen Bergehens gegen eine Berordnung des ehemaligen Generalstaatsfom. missars von Kahr, burch die die KPD. in Bayern verboten worden war, standen am Mittwoch der kommunistische Landtags. abgeordnete Schlaffer und zwei andere Kommunisten vor Ge man sich gerade Häßlichkeit wünschen muß oder seine Erscheinung vernachlässigen soll. Aber leider haben die meisten, die Schönheit bes Aeußeren von der Natur mitbekommen haben, nicht die Schönheit bes Charakters und des Wesens, die so sehr viel wichtiger ift. Schönheit verdirbt den Charakter der meisten Frauen, weil fie glauben, fie hätten alles, wenn sie schön find. Sie vergessen, daß selbst die schönsten Züge die echte Schönheit nur durch die Ausbildung des Tharafters erhalten tönnen. Ich nehme an, daß eines Tages die Beit herangekommen sein wird, in der ich auf äußere Schönheit feinen Anspruch mehr machen fann. Ich sehne mich nicht gerade nach dieser Zeit, aber ich fürchte mich auch nicht vor dem Alter, das bas Ebenmaß meiner Erscheinung vernichtet. Ich hoffe, daß ich dann genug andere Werte der Persönlichkeit aufzuweisen haben werde, um auch ohne Schönheit zu gefallen. Körperschönheit, die nicht durch Schönheit des Geistes und Gemütes beseelt wird, ist leer, tot, vermag auf die Dauer nicht zu wirken und ist ein Danaergefchent. Sebenfalls tommt Schönheit stets in zweiter Linie, wenn es sich darum handelt, bei einem Mitmenschen Glück zu haben. Dabei fage ich aber nicht, daß man nicht alles tun foll, um so gut wie möglich auszusehen. Die einzige Häßlichkeit, die ein wirkliches Unglüd bei Frauen ist, ist die Häßlichkeit, die aus einem stumpfen Wesen, aus Mangel an Anmut und Geift herrührt. Solche Stumpf. heit macht die Frau wirklich häßlich, während Anmut und Reiz, bie erworben werden können. auch die häßlichste Frau schön machen." Eine Ernft- Toller- Mafinee veranstaltet bie Boltsbühne in ihrem heater am eine noch unbekannte bramatische Szene Tollers( Bordelle Bullomplag am Sonntag, den 7. September, vormittags. Darin bes Strieges") und das in Berlin ebenfalls noch nicht bekannte Puppenspiel „ Die Rache des verhöhnten Liebhabers" unter der Regie von Karl Hendels aufgeführt. Die Große Boltsoper gedenkt in der Winterspielzeit Mozarts Don Giovanni", Figaros Hochzeit und Bauberflöte", v. e bers, Guryanthe", Wagners Tannhäuser", Meifterfinger" bon Nürnberg und Bötter dämmerung", lotoms Martha" neu einzustudieren. Von neueren. Werfen werden die Ersten Menschen von Nudi Stephan und die drei Einafter von Baul indenith gegeben. Gounods Margarethe nnd Massenets Nanon", Bucas Ariane und Blaubart, Ravels L'Heure Espagnole", oujaergitys Chowankichina, Tai fomitys Bique Dame, Straminitys Betrufchla". noch Bela Bartols Holzgeschnister Brinz und die Burg des Herzogs Blaubart" sowie die Katja Kabanoch Leon Jana cels vorgesehen. Ueber den Mars wird auf Grund neuester Forschungen der Aftronom §. 5. Strikinger am 7. September einen populär- wissenschaftlichen Bortrag im Blüthner- Saal halten. Bleiben Der 4. internationale Kongreß für die Welthilfssprache 3do fand vom 8. bis 12. Auguft in 2uremburg statt. Es waren etwa 200 Bertreter ans 16 verschiedenen Ländern erschienen. Alle Berhandlungen wurden in bo geführt. Der Stongres beschloß, allen Radiofachleuten die Einführung und den Gebrauch bes 3bo als internationale Stadtofprache öffentlich zu empfehlen. Berfluchter Segen. Im Deutschen Reichstag wird demnächst s 218 des Strafgesetzbuches verhandelt werden, ber die inftliche Beschränkung der Fruchtbarkeit mit Buchthaus bebroht. Die Tragit dieses Problems it noch niemals erschütternder dargestellt worden als in Bruno Saönlants Drama Berfluchter Segen", das foeben in dritter Auflage im Verlag für Sozialwissenschaft in Berlin SW 68 erscheint.( Preis 70 31) Jwan Katz. Neben Ruth Fischer und Werner Scholem ist Iwan Raz heute der Führer der pöbelnden kommunistischen Reichs tagsfraktion. Außer dieser parlamentarischen Tätigkeit ist er Redakteur des fommunistischen Parteiblattes von Hannover. Seine Prinzipienfestigkeit" wird durch dauernde Schimpfreden täglich aufs neue erwiesen. Und doch ist es nur einem Zufall zu danken, daß dieser Borkämpfer des Proletariats" nicht als Redakteur in einem Blatte der Bourgeoisie verfumpft oder gar Syndifus eines Unternehmerverbandes geworden ist. Anstrengungen, um zu diesem Ziel zu gelangen, hat er genug. Herr Iwan Kah hatte nach Beendigung seiner Stubien als eine Art Bohème- Natur sich jeder Arbeit möglichst respett voll ferngehalten, daneben aber für den hannoverschen Boltswillen" gelegentlich Theaterkritiken und dergleichen geschrieben. Als nun im Oktober 1910 bas Partei- und Gewerkschaftshaus Solidarität" in Hannover errichtet und gleichzeitig eine Arbeiterbibliothek mit hauptamtlich bestelltem Bibliothekar und eine Parteibuchhandlung eingerichtet wurde, hielt Kat es angezeigt, fich für diese beiden Neueinrichtungen in empfehlende Erinnerung zu bringen. Die hannoverschen Genossen, die über die Besetzung der Stellen zu entscheiden hatten, befanden aber Raß als zu leicht, so daß seine Hoffnung, ein Bonze" werben zu fönnen, ins affer fiel. Aus Merger über diese Tatsache schrieb er den folgenden Brief an einen von Hannover verzogenen Betannten: Mein lieber Hannover, ben 10. Dezember 1910. Edenstr. 37. D. J Sunächst einige Ueberraschungen: Iwan Katz ist weber Biblio thefar noch Buchhändler geworden, er hat desgleichen zum 1. Januar feinen Mitarbeiterposten am Boltswille" gekündigt, ist aus dem Jugendausschuß auf eine erbärmliche Weife hinausbugsiert worden, wird heute nachmittag seinen Austritt aus der Gewerkschaft und nächster Tage dito aus der Sozialdemokratischen Partei vollziehen. In dieser Woche with befogter Iwan Raz dagegen aus dreien ein Amt zu wählen haben: 1. der„ Hannoversche Anzeiger" bietet ihm mit 3000 Mart einen Redakteurposten für Sozialpolitik und Arbeiterbewegung"; 2. das Hannoversche Tageblatt", durch seinen Onkel davon verständigt, bietet ihm den gleichen Bosten und hat ihn zu einer Borbesprechung mit Redakteurensemble und Verleger zum Dienstag eingeladen; 3. der Redakteurensemble und Verleger zum Dienstag eingeladen; 3. der Verband der Brauereien" bietet ihm mit 3600 M. Anfangsfigum den Bosten als Synditatsjettetär nebst reichlichen Spesen, in Summa 3irka 4500 netto, welch Letzteres dieser Ueberläufer allerhöchst wahrscheinlich annehmen wird.... ( Folgt eine lange Schimpferei über den Jesuitismuts, die Ditta tur und die Prätorianergarde Leinerts, über Brey und andere Genossen.) Thr ( gez.): Iwan Raf Der Größenwahn diefes Mannes spricht aus jeder Zeile dieses an einen Freund geschriebenen Briefes. Er rebet von sich nur in dritter Person: Iwan Kaß der Große!" Warum alle seine Pläne, zum„ Lakaien der Bourgeoisie" zu werden, nicht zum Erfolge führten, entzieht sich unserer Kennt nis. Zweifellos hätte der große Jwan als Synditus des Brauereiverbandes eine ebenso glorreiche Rolle gespielt wie als„ Bertreter der proletarischen Interessen" auf der Landtags- und Reichstagstribüne. Freilich, die Brauerei gewaltigen hätten ihn sicher wegen seiner Anmaßung bald an die Luft gefegt, wie er ja auch von den hannoverschen Sozialdemokraten rechtzeitig faltgestellt worden ist. Aber bei den Kommunisten tann„ besagter Iwan Raz" eine Heldenfigur darstellen, was für die geistige Höhe der Kommunistischen Partei ein beschämendes Zeugnis ist. Max Schütz. Einer der tommunistischen Prügelhetben, die gestern den Reichstag zur Kashemme erniedrigten, war der Abgeordnete Mar Schütz aus Gelsenkirchen, der als Spigentandidat auf der kommunistischen Liste im westlichen Westfalen gewählt worden ist. Wer ist dieser Mar Schütz? In unserem Gelsenkirchener Parteiblatt, dem„ Bolks. willen", wird durch eine Gruppe von Kommunisten, für die vorläufig der Kommunist Baul verantwortlich zeichnet, von ihm ein Bild entworfen, das wert ist, auch weiteren Kreisen gezeigt zu werden. In dem offenen Brief an die Kommunisten von Gelsenkirchen wird gesagt: „ Er ist ein Mensch, der durch seine Charaktereigenschaften und feine geistige und politische Einstellung zu einer dauernden Gefahr für die KPD. und die gesamte moderne Arbeiterbewegung geworden ist. Er ist ein Eckpfeiler der Herrschaft Ruth Fischers in der KPD. und RJ., die durch ihn treffend illustriert wird." Dieser Mar Schüß wird angeflagt des Berrats innerer Parteiangelegenheiten, der Auslieferung von Parteigenossen an bürgerliche Behörden, der unwahrhaftigkeit, der Demagogie, der Intrigenspielerei, der Verzettelung der Partei zu terroristisch syndikalistisch= nihilistischer Geheimbündelei, unforretter Buchführung, der persönlichen und politischen Feigheit, der Verlegung proletarischer Moral und schließlich lumpen proletarischer Anwandlungen! Diesen Anklagen lassen jene Rommunisten gleichzeitig Einzelheiten folgen, die sie begründen. Da sie eine vortreffliche Beleuchtung eines modernen Kommunistenführers darstellen, geben wir diese Mitteilungen im Wortlaut wieder: 1. Berrat innerer Parteiangelegenheiten. Schüz verriet in ciner Berichtigung an den„ Volkswillen", daß die KPD. geschäftliche Beziehungen zu dem Valutajpetulanten und Zementfabrikanten hatte, der der KPD. ein Haus getauft habe. Er verriet seine Partei, um sich felbst zu decken! 2. Auslieferung von Parteigenoffen an bürgerliche Behörden! Er dittierte einer unwiffenden Frau einen Brief an die Gefängnisinspektion Bielefeld, durch den dem Genossen Rübhausen der Urlaub aus der Festungshaft gesperrt werden sollte, da Rübhausen ( der frühere Sekretär der KPD. in Gelsenkirchen. D. Red.) ein Gelsenkirchen gegen die Lumpereien von Schüß verteidigen fönnen. Wir verstehen nicht, warum R. nicht gesprochen hat. Oder will man ihn auch durch nichtssagende Erklärungen zum Schweigen bringen. gefährlicher Mensch" fei. Tatsächlich aber follte fich R. nicht in 3. Unwahrhaftigkeit. Schüß bestreitet alle Behauptungen gegen sich, obwohl er weiß, daß alle bewiesen werden können. Einzelheit wollen wir uns sparen. 4. Demagogie. Er peitscht mit den unehrlichsten Mitteln die Arbeiter auf und überläßt sie dann dem eigenen Schicksal. 4. Jntrigenspielerei. a) In seinen unterirdischen Kämpfen gegen eigene Parteigenossen ist ihm jedes Mittel recht. b) Er ligt. c) Er verleumdet. d) Er beschimpft. e) Er mendet die niederBriefe flehlen, g) Er verwendet gestohlene Briefe. h) Er unterträchtigste, gemeinste und schuftigfte Kampfesmethode an. f) Er läßt fchlägt Briefe. Ernst Graul fagte von ihm: Der Bursche arbeitet mit den gemeinsten Mitteln!" 6. Verzettelung der Partei zu terroristisch- syndikalistisch- nihiliffischer Geheimbündelei. a) Er stellt Dentschriften zur Debatte, durch die die Partei in anarchistische Methoden hineingezogen werden soll. b) Er bildet sich eigene Ticheta- Organisationen. c) Er läßt irregeführte Proleten auf den Revolver schwören zum Schutz der eigenen Person, auch zum Rampfe gegen rechte" Parteigenossen, die feine Schandtaten fritisieren. Barteilontrolleurs Schloer, daß Schüß schon allein wegen seiner 7. Unforrette Buchführung. a) Wir stellen die Aeußerung des affenführung aus der Partei ausgefchloffen werden müsse, unter Beweis. b) Schütz lügt, wenn er behauptet, er habe nie Parteigelder im Besiz gehabt. 8. Persönliche und politische Feigbeit. a) 1921 verschwand er von Moers, ohne die Verantwortung für seine Laten zu übernehmen. b) Während der Rathenau- Demonstration vertroch er sich im Lokale Lanferfick in Dortmund. c) Als Schüß nach der Pigstaftion 1923 in Haft war, erklärte er zu Protokoll des Unter fuchungsrichters, er habe die Aktion nicht gewollt und abgewürgt. 9. Verlegung der proletarischen Moral, a) Schütz besuchte in einer Beit( 1923), als die Arbeiter nicht wußten, movon sie die färg liche Nahrung für sich und ihre Familien faufen follten, Weinlotale ( Basilio Rosa) und Lebewelffaffees( Rosenhof). Ob über die Polizeifunde hinaus, ist von untergeordneter Bebeutung; man fann auch vor Schluß der Weinlokale die profetarische Moral verlegen. b) Er ließ fich von dem Zementfapitalisten£. trattieren. c) Er verbrachte ganze Nächte in Wein- und Bierlokalen( Lanferfid). d) Er besuchte ohne Auftrag der Partei und obwohl ihn ein Genosse vor dem Be fuch gewarnt hatte, das bürgerliche Schüßenfeft in Hamm. Er tat es auf Einladung eines Kellners hin, um frei effen, trinten und fich amüsieren zu können. Er aß an einem Abend einen prächtigen Baumfuchen, Braten und trant mohrere Flaschen Wein. Starke Reste schleppte er mit nach Dortmund. das, was unter 9 gefagt ist. Das Lumpenproletariat ist seiner 10. Cumpenproletarische Anwandlungen. Wir beziehen uns auf ganzen Natur- und Klaffenlage nach leicht fäuflich. Es trinkt, ist und amüsiert sich gern auf anderer Ceute Koften. Das hatten die Cafaren des alten Rom sehr gut erkannt. Ihr Grundfah war das: Panem et Circenses! Brot und Epiele gaben sie dem hungernden und rebellierenden Bolte und hatten Ruhe, Mag Schütz besucht die Orgien, die die fatte Bourgeoisie ben betrogenen Proleten bietet, Brot und Spiele. Hinter freiem Fraß, Suff und Spielen vergißt der irregeleitete Arbeiter sehr gern seine Klaffenmiffion, Das Leben des Herrn Mar Schüß zum Grundsatz erhoben, zer. bricht der sozialen Revolution das Genid, Die Kommunistengruppe, die diese Anklagen erhebt, stellt alle ihre Behauptungen unter Beweis und fordert die KBD. auf, diese Beweise einzusehen und eine Kommission zu wählen, der sie übergeben werden sollen. Wenn aber eine folche Kommission nicht gewählt mürbe, so sollte die Partei den Mag Schüß auffordern, den„ Boltswillen" bei einem bürgerlichen Gericht zu verklagen, damit dieses die Tatfachen erhärten lassen fönne. Die KPD. wird weder das eine noch das andere tun. Sie braucht solche Ehrenmänner, die mit den gemeinsten Mitteln" die Arbeiter aufheben, um sie dann ihrem Schicksal zu überlaffen. Die Ehrenmänner selbst finden in Wein- und Nachtlofalen ja hinreichende Abspannung" von ihrem aufregenden Berufe! Gewerkschaftsbewegung Kleinarbeit! Man spricht nicht viel über die Kleinarbeit solange sie besorgt wird. Denen, die sie verrichten, gilt sie als selbst. verständlich und damit auch all die mit ihr verbundenen Mühen. Doch die Zahl derer, die sich der Kleinarbeit unter ziehen, ist noch nicht groß genug, weil sie nie groß genug sein kann. Die Lust und Liebe zur Kleinarbeit war manchem Genossen unter den kommunistischen Quertreibereien vergangen. Doch der Mißmut schwindet wieder, Einsicht und Bertrauen zur Organisation machen sie wieder geltend. Die Kleinarbeit muß einsehen, um die alte Geschlossenheit wiederherzustellen! Jedes Gewerkschaftsmitglied muß sich auf seine Weise, nach seinen Kräften an der Kleinarbeit beteiligen! Reiner braucht darauf zu warten, bis er einen besonderen Auftrag dazu bekommt oder zu irgendeinem Aemtchen gewählt wird. Als Verbandsmit glied hat jeder und jede die Pflicht, für die Ausbreitung, Stärkung und Geschlossenheit seiner Organisation zu wirken. Heute mehr denn je! Bir haben ab zurechnen mit der Reaktion auf sozialem Gebiete, abzurechnen mit der systematischen Lohndrückerei und Arbeitszeitverlängerung, wie auch mit der gelben und der puterroten Quertreiberei. Zunächst aber sind wir noch in der Abwehr gegen die Unterdrückungsaktionen der deutschen Arbeitgeberverbände. Von all den Unorganisierten, die nach dem November 1918 den Gewerkschaften zuströmten, wieder der alten Gleichgültigkeit verfallen, weil sie nicht aufum zu ernten, wo sie nicht gefät hatten, find viele längst getlärt werden konnten, da in dem ersten Wirrwarr alles drunter und drüber ging. Es ist höchste Zeit, diese Gleichgültigen wieder aufzumuntern, auch die ,, Beitragsfparer" näher anzusehen, wie all den Außenseitern flar zu machen, was sie zu tun haben, ihnen zu sagen, wie die Dinge frehen. Jeder Gewerkschaftsgenoffe, der weiß, warum er organifiert ist, fann einem Unorganisierten oder Nichtmehrorganifierten begreiflich machen, daß auch er sich in Reih und Glied stellen muß. Wird so von allen überzeugten Gewertschaftsgenossen die Tätigkeit der Funktionäre durch münd liche Agitation, Heranziehung neuer Mitglieder, regelmäßige und pünktliche Beitragszahlung unterstüßt, befommen auch die Funktionäre wieder mehr Freude an ihrer Tätigkeit, und diese Wirkung pflanzt sich weiter über die Ortsverwaltungen bis in die Verbandszentralen. Mit Recht waren wir früher stolz darauf, daß uns die Kleinarbeit niemand nachmacht. Von dem fanatischen Sekteneifer der Kommunisten haben wir uns vielfach darin übertreffen lassen. Der Sput ist verflogen, der Bann ist ge brochen! Alles hängt von unserer Kleinarbeit ab, auf die Kleinarbeit tommt es an, um unsere Gewertschaften wieder größer und stärker zu machen. Metallarbeiter vor die Front! Bor dem Kriege waren die Metallarbeiter der Kerntrupp der organisierten Arbeiterschaft. In der Kriegszeit felbft haben die Metellarbeiter bewiesen, daß sie sich auch dem damals in der Metallindustrie herrschenden Militarismus nicht beugten. Im Jahre 1919 fam es in Berlin zu der großen Bewegung zum Abschluß eines Tarifvertrages. Wochenlang standen die Berliner Metallarbeiter im Kampfe. Das Ziel, das sie sich gesteckt hatten, tonnte nicht ganz er= reicht werden. Bergeblich suchten die Unternehmer ihnen die errungene Tarifpofifion streitig zu machen. Allein in der Inflationsperiode wurde die Kampfbafis zugunsten der Metallindustriellen verschoben. Bis zum Juli 1923 war es noch möglich, alle Differenzen zu überbrücken. Die Metallarbeiter mußten wieder in die vorderste Kampfreihe treten um die Zahlung wertbeständiger Löhne. Der Verband Berliner Metallindustrieller stemmte sich mit aller Macht dagegen, dennoch sah er sich nach kurzer Zeit gezwungen, von seinem Standpunkt abzugehen. Die einheitliche Lohnwoche wurde eingeführt, der Lohn wurde früher aus gezahlt und eine sogenannte Inderberechnung geschaffen. Doch taum hatten die Arbeitgeber bemerkt, daß die Einigteit der Arbeiter in den Betrieben gelo dert war, als sie neue Schwierigkeiten machten, was sich zuerst beim Uebergange vom Papier zum Goldlohn zeigte. Die Unternehmer nützten die organisatorische Zerrissenheit der Arbeiterschaft nach besten Kräften aus. Die Berliner Metallindu. striellen traten als Preisfechter für die gesamte Industrie in den Bordergrund. Die Parole war: Zerreißung des Tarifvertrags, Zurüdschraubung der sozialen Gesetzgebung, Abschaffung des Achtflundentages, Herabsetzung des Reallohnes und die„ Reinigung“ der Betriebe von unproduktiven Elementen". Die Scharfmacher im BBM3. gingen weiter dazu über, den Berliner Metallarbeitern ab = 1. Januar 1924 einen 2ohnabzug zu diffieren. Es gelang der| der Herren Arbeitgeber und ihrer Syndizi geht, wenn die Ange Organisation, auch diesen Anschlag zurüdzuweisen. Anstatt nun aus all diesen Vorgängen die Lehre zu ziehen, die Einheit der Belegschaften wiederherzustellen, gingen die Quertreiber von rechts und von links dazu über, Son berorganisationen zu gründen, um so die Front der Arbeiter vollends zu schwächen. Die Gelben tauchten wieder auf, und die ihnen verwandten, Baterländischen", die„ Revolutionäre aber gründeten die" BD.", die„ ll nion" der Hand- und Kopfarbeiter und obendrein die sogenannte„ Industrie- Organisation, Gruppe metall". Der Kampf der Arbeiter untereinander begann erst recht, und die Unternehmer waren in diefem Streit der stelltenschaft eingedent ihrer Klassentage statt der lieben Werks gemeinschaftler" allüberall solche Kollegen zu ihren Vertretern wählt, die neben der nötigen Entschiedenheit auch die Kenntnisse aufbringen, die erforderlich sind auch heute noch den Nachweis zu erbringen, daß es nicht allein nach dem Wohlwollen der Herren Arbeit geber geht. Die freien Gewertschaften und thre Funktionäre find auch unter den schwierigen Verhältnissen der Jehtzeit das einzige Bollwert gegen Willfür und lebergriffe der Arbeitgeber. Wenn alle Kollegen in den Betrieben diese Erkenntnis sich zu eigen machen würden, sähe es in vielen Betrieben anders aus. Hoffentlich lernen das die Angestellten erkennen, solange es noch Zeit ist. SPD.- Frattion der Gemeinde- n. Staatsarbeiter! Anzeiger", daß vier Fünftel der Arbeiter im Streif ſtehen und der Montag, den 1. September, abends 7 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25: Fraktionsversammlung. Tagesordnung: Bortrag des Genoffen Reichstagsabgeordneten Paul Lobe: Das Sachverständigengutachten und die Arbeiter. Fraktionsangelegenheiten. zu dieser Bersammlung müffen alle SPD.- Geneffen des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter erscheinen. Sympathiserende tönnen durch Genoffen eingeführt werden und find willkommen. Sorge jeder für guten Besuch! Der Frattionsvorstand. lachende Dritte. Die Folgen zeigten sich bald. Längere Arfich gesteckt haben und konsequent verfolgen. beitszeit und niedrigere Reallöhne sind das Ziel, das die Unternehmer fich gesteckt haben und konsequent verfolgen. Für all die Kämpfe, die uns bevorstehen, gilt es daher mehr denn je die Gleichgültigen und Berzagten aufzurüffeln, ihr Selbstbewußtsein zu stärken, fie wieder den Reihen der Organt fation einzugliedern. Die„ radikalen" Redensarten, der Verband fei feine Kampforganisation mehr, werden durch die Tatsache Lügen gestraft, daß die Hauptkaffe in der Zeit vom 1. April bis 4. Juni 1924 1142 000 Geldmart, die Verwaltungsstelle Berlin außerdem 117 000 Goldmark für Streits aufgewandt hat. Die Er werbslosen und die Krantenunterstügung werden in allernächster 3eit wieder emgeführt werden. Kurzum: Es gibt für die Metallarbeiter Berlins nur eins: in die Organisation, hinein in den Deutschen Metallarbeiterverband! .Sozialpolitik“ bei Osram. Seit Monaten baut auch die Industrie ab. Ein willkommener Anlaß für die Werkleitungen ,,, mißbeliebige Elemente", vornehmlich Bertrauensleute der freien Gewerkschaften, abzubauen. Seit Einführung des Betriebsrätegesetzes sind die Betriebs. räte, besonders wo es sich um geschulte und klaffenbewußte Leute aus den freien Gewerkschaften handelt, den Herren der Industrie ein Dorn im Auge. Endlich, endlich gibt es eine legale Art, diese Störenfriede los zu werden. Die ganze Schar der großen und fleinen Syndizi ist jetzt eifrig an der Arbeit, Mittel und Wege zu suchen, um auf Abbau" die Bustimmung der Arbeitsgerichte zur Entlassung der Vertrauensleute von Arbeitern und Angestellten durchzusehen. Daß man neben dem Abbau auch alle anderen Minen springen läßt, dafür ein Beispiel: Der langjährige Betriebs- und Angestelltenratspor. fißende des Wertes Osram, Charlottenburg, Rumm, hatte den Unwillen seiner Direktion erregt, so daß man ihm, toste es was es wolle, aus dem Betriebe entfernen wollte. Kumm ist alter Funktionär des 3dA., Mitglied der Tariffommission u. a. m., und ist feiner Direktion genau so unangenehm, wie er sich der Achtung feiner Kollegen im Betriebe wie in der Gewerkschaft erfreut. " Da er auch dem Werksgemeinschaftsgebanten beim Osram- Konzern im Wege ist, sollte er verschwinden. Beweis: Der jezige Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Firma, Herr Jungheim, platte in der Erregung heraus: Wir verzichten lieber heute wie morgen auf Ihre Dienste. Wir zahlen Ihnen noch Geld zu, wenn Sie gehen," u. a. m. Bei dieser Einstellung ist es verständlich, daß Kumm schifaniert wurde wo nur möglich. Eine Verwarnung nach der anderen vorbereitete Werk endlich frönen sollte. Kumm hatte sich vor dem traf ihn, bis eine Klage vor dem Arbeitsgericht das gut Kaufmannsgericht wegen wiederholter grober Pflicht= perlegung zu verantworten. Der Berlauf der Berhandlung entsprach allerdings nicht ganz den Wünschen der Klagenden. Die Klage wurde einstimmig abgelehnt. Es blieb übrig: ein Mangel an Renntnissen des Arbeistrechts, eine Fülle leichtfertiger Anwürfe und der Nachweis fortgesetter Schitanen, auf Solltonto der Klagenden, die einem Unternehmen, wie der Osram- Konzern es sein sollte, nicht zur Ehre gereichen. Für den Beklagten und seine Organisation, den 3dA., bedeutet diese Verhandlung einen Erfolg und eine Genugtuung, die im Interesse der Arbeitnehmerbewegung nicht hoch genug einzuschäzen find. Unseren Kollegen in den Betrieben sollte dieser Borfall ein erneuter Beweis dafür sein, daß es noch nicht ganz nach dem Belieben Der Streit im Sägewerk Hobrechtsfelde. Die Streifleitung schreibt uns: Am 26. August schrieb der Lokal Rest weiter arbeite. In Wirklichkeit sind zwei Kriegsbeschädigte und der Heizer im Werk geblieben. Wenn die Betriebsleitung glaubt, mit diesen drei Arbeitern ohne geschultes Personal in tommender Woche den Betrieb aufnehmen zu können, so zeugt dies entweder von Untenntnis des Betriebes oder aber einer ebenso starten Täuschung der Berliner Bevölkerung. Die Behauptung, der Aufsichtsrat beitern des Sägewerts abgeschlossen, steht auf demselben Blatt. Trotz der Güter- 3. m. b. 5. habe eine tarifliche Neuregelung mit den ArSchiedsspruch des Schlichtungsausschusses Groß- Berlin vom 25. Juni, in dem der Sägewerksdirektion aufgegeben wurde, durch Sonderab tommen die von der Stadtgüter- G. m. b. 5. in den übrigen Betrieben durchgeführten Tarifbestimmungen über Urlaub, Krantenlohn sowie Kündigungsschuh, ruhelohnberechtigter Arbeitnehmer abzuschließen, lehnte die Betriebsleitung alle Verhandlungen ab. Auch die Löhne der Kämmereiarbeiter waren festgelegt. Trog dem nun die Löhne der Berliner Arbeiter 47 Pf. betragen, zahlt die Betriebsleitung immer noch einen Stundenlohn von 40 Pf. Es wird sich ja in nächster Zeit herausstellen, ob der Aufsichtsrat das Verfahren der Direktion billigt. Bis dahin: Keine Streitarbeit für Hobrechtsfelde Parafiten! Mit der zunehmenden Arbeitslosigkeit im Bädergewerbe haben fich auch die Hyänen des Schlachtfeldes, die Gelegenheits- Stellenvermittler, in der legten Zeit wieder recht unliebfam bemerkbar gemacht. Sie beuten die Arbeitslosen in gewissenloser und unverschämter Weise aus. Einen dieser Herren hat jetzt das Verhängnis ereilt. Ein gewiffer Otto Behrendt hatte in der Gottschedstr. 1 einen Arbeitsnachweis aufgemacht und nahm von den armen Arbeitslofen außer der Einschreibegebühr von 1 M. eine Bermittlungsgebühr von 3 bis 10 m., selbst für Stel lungen, die richt einmal frei waren. Die Organisation griff als bat ein, und zwar mit Erfolg. Das Polizeiamt Wedding schreibt der Organisation unterm 25. August 1924 folgendes: An den Zentralverband der Bäcker und Konditoren, Berlin, Engelufer 24 III. Auf das gef. Echreiben vom 30. Juli d. 3. teile ich Ihnen ergebenft mit, daß der Stellenvermittler Otto Behrendt, Gottsched straße 1. feinen Gewerbebetrieb eingestellt hat. Ausweislich seiner Steueranmeldung hatte er am 1. Juni 1924 das Gewerbe angemeldet ud, wie er glaubhaft versichert, in Untenntnis der gesetzlichen Bestimmungen ohne Erlaubins der Landeszentralbehörde ausgeübt. Unter gleichzeitiger Bermarnung ist ihm hiermit am 14. Auguft die weitere Ausübung des Gewerbebetriebes von mir untersagt worden. Der Polizeipräsident Berlin, Polizeiamt Webbing. gez. Koch. Der Verband bemerkt hierzu: Uns ist zur Kenntnis gefommen, Ind daß noch mehrere folcher parafitären Existenzen ihr Unwesen treiben. Wir bitten unsere Kollegen, uns vor dem Treiben folcher Aus. plünderer der Arbeitslojen stets sofort Mitteilung zu machen. Zentralverband der Bäcker und Konditoren. Wahlerfolg des ZdA. Jn Rüstringen hat bei den Wahlen zum Kaufmanns. gericht die Ortsgruppe Wilhelmshaben Rüstringen des Bentralverbandes der Angestellten einen Erfolg dabongetragen. Auf die ZdA.- Lifte entfielen 85 Stimmen. Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband erhielt nur 31 Stimmen. Infolgedessen stellt der gb. die zwei zu wählenden Beistger. Achtung, SPD.- Betriebsfunktionäre! Jeder Genoffe muß heute und folgende Tage seine volle Pflicht tun. Werbt für die Partei und den ,, Vorwärts". SPD.- Betriebssekretariat. Osram A, Sidingenstraße! Freitag, den 29. August, nachm. 3 Uhr, Fraktionsfigung im Lotal Sportede". Der Fraktionsvorstand. Ahtung, Kupferschmiede! Se ute, Donnerstag, abends 7½ Uhr, im Gaal I des Gewerkschaftshauses mitige Mitgliederversammlung! Das Er scheinen eines jeden Kollegen ist unbedingt erforderlich! Die Ortsverwaltung. Achtung, Zimmerer! Gestern, Mittwoch, war Stichtag zur Ausfüllung des Fragebogens unserer statistischen Erhebung. Alle Funktionäre haben da. für zu forgen, daß, wo es noch nicht geschehen ist, die Ausfüllung unbedingt noch heute nachgeholt wird. Außerdem fei mitgeteilt, daß am Gonnabend, den 30. Auguft, in allen Bezitten Bersammlungen stattfinden, in welchen die Fragebogen abzugeben sind. Der Vorstand. Verantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Egkorn: Feuilleton: K. B. Döſcher: Lokales und Sonstiges: Fri Razstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwäris- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin GB. 68, Lindenstraße B. Hierzu 4 Beilagen und Unterhaltungsblatt Scimwelt". An alle Arbeiterinnen und Arbeiter der Metall- Industrie. | Rücksichtslos und brutal kämpft eine geschlossene Enternehmerfront unter Führung des Verbandes Berliner Metallindustrieller gegen alle Rechte der Arbeiterschaft an. Alle Mittel, auch die schäbigsten, werden in Anwendung gebracht, um die Metallarbeiter auf die Knie zu zwingen. Maßregelungen der Funktionäre der Organisation, Aussperrung ganzer Belegschaften, willkürliche Verlängerung der Arbeitszeit, Abbau der schon vorhandenen Hungerlöhne sind die Mittel, die die Arbeitgeber anwenden und von deren Anwendung fie erhoffen, ihren Herrn- im- Hanse- Standpunkt noch mehr zu befestigen. Viele tausend Arbeitslose sind dem ungeheuren Elend mit ihrer Familie preisgegeben. Das ist der Erfolg dieser brutalen Unternehmerwilltür. Diese Unternehmerwillkür wird in gewisser Beziehung noch gestüßt durch die Organe der jeweiligen Regierung. Der unzählig jahrelange Bruderstreit in der Arbeiterschaft und die schreckliche Zeit der Inflation haben die gewerkschaftliche Organisation der Metallarbeiter zeitweise geschwächt. Dieser 3uftand wurde für das Unternehmertum das I Signal zum Angriff. Aber nicht kampflos sind ihnen einige Erfolge beschieden gewesen. Seldenmütig haben hunderttausende Metallarbeiter unter Führung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes den Kampf um Freiheit, Lohn und Brot geführt. Wochen- und monatelang mit farger Streifunterstügung dem Unternehmertum Troß geboten. Wenn noch nicht alles wieder erreicht werden konnte, so liegt es daran, daß viele tausende Arbeiter noch unorganisiert und indifferent herumlaufen und dadurch dem Unternehmertum auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert sind. Metallarbeiter, das darf nicht so weiter gehen, folgt dem Beispiel vieler Betriebe und organisiert die Arbeiter wieder restlos, rüttelt die Flauen auf. Es gilt den Kampf aufzunehmen um den Achtstundentag und um die Sebung des Reallohnes. Nur eine starke Organisation wird von den Unternehmern respektiert und ist in der Lage, die Interessen der Arbeiter zu verteidigen. Auf, organisiert alle Abseitsstehenden im Deutschen Metallarbeiter- Verband! Nr. 404 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Berliner Elendsnächte. Sofaecke fist ein junges Pärchen. Es ist bald Zeit, daß sie in die Charité geht," fagt meine Nachbarin. Es ist die alltägliche Geschichte. Als sie sich Mutter fühlte, verließ sie heimlich das Elternhaus und kam Da ist einer, ein junger Arbeiter, der kommt neu nach Berlin. I so erfahre ich die Geschichte aller anwesenden Gäste. Drüben in der In der Heimat schon lange Zeit arbeitslos, wollte er trotz allen Abratens sein Glück in der Weltstadt versuchen. Faffungslos und verängstigt steht er auf dem Bahnhof, der ihn auf die nachtverhängte Stadt entläßt. Fremd wie er ist, geht er auf die Suche nach einem Nachtquartier. Und sofort breitet sich vor ihm aus das furchtbare foziale Elend der Heimatlosen in der Weltstadt. Was er sieht und wie er das Gefehene empfindet, schildert er in folgendem: Fremdenlogis mit elektr. Licht". Ich laufe die ganzen Straßen um den Bahnhof herum ab und frage in jedem Haus nach, das als Hotel oder Fremdenlogis kenntlich ist. Ein Teil scheidet für mich gleich von vornherein aus, da die Zimmerpreise viel zu hoch sind. Andere wieder sind be. feht, oder richtiger gefagt, find für mich besetzt. Es sind die Absteige. quartiere. So fuche ich straßauf, straßab, bis ich endlich vor einem Kellerlogis stehe." Fremdenlogis mit elektrischem Licht. Mäßige Ein Massen- Elendsquartier. Breffe vertünbet ein großes Schild über der Tür. Endlich gefunden, bente ich, im Keller und in der Nebenstraße gelegen, wird der Zimmer. preis hier zu erschwingen sein.„ Drei Mart." Es ist viel für mich, aber ich bin von der langen Reise und dem Umberlaufen so ermüdet, daß ich doch dableiben will. Es ist zudem schon reichlich spät. Bezahle also den Taler, bestelle mir ein Glas Bier und sehe mich an einen leeren Tisch, um dazu die Stullen zu verzehren, die Mutter mir noch mitgegeben hat. Um den Schenktisch brängen sich Gäste, wohl Leute aus der Nachbarschaft, die hier ihren allabendlichen Schoppen nehmen. Am Nebentisch brechen einige Mädchen auf, die sich bis jetzt über das schlechte Geschäft" unterhalten haben, um nächtlichem Erwerb nachzugehen. ,, Sie bleiben zur Nacht hier? Belt, i hab doch recht?" spricht mich jetzt im schönsten Wienerisch eine etwas forpulente Dame an und deutet dabei auf meinen neben mir stehenden Koffer. Unermüdlich sprechend, nimmt fie neben mir Blah. Sie wohnen auf Nummer vier? Da sind wir ja Nachbarn. Ich wohne schon lange hier. Es ist langweilig für einen jungen Mann allein in Berlin. Sie müssen sich ein kleines Mädchen anschaffen. So eine wie ich. Die Wirtin darf aber nichts merken." In diesem Tempo geht es fort. Als ich das Anerbieten dankend ablehne, ist sie gar nicht beleidigt. ,, Nun, nichts für ungut, ich will auch leben. Erzählen Sie aber nichts der Wirtin. Eine Zigarette fönnen Sie mir wenigstens stiften." Und 183 Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. Er wußte nämlich, daß Verstorbene teine Schmerzen fannten, weil sie feinen Leib hatten, sondern nur aus Seelen. stoff bestanden. Ueber derlei Fragen grübelte er lange, ein fame Stunden, er suchte eine Erklärung für die sichtliche ungerechtigkeit Gottes und seine Irrtümer, er dachte über die Möglichkeit einer Wiedergeburt und begann, verschiedene Wünsche zu äußern, als stünde er vor dem Ewigen und der Wahl, in welcher Gestalt er wieder ins Leben zurückkehren wolle. Er entschied sich für die Eristenz eines Revolutionärs, der fühne Reden führt und mit Mord und Brand das Land überzieht, um die verletzte Gerechtigkeit zu fühnen. Von derlei Dingen las er in den Zeitungen, die er vom Café betam. Sie waren meist schon zwei Tage alt und er erfuhr alle Neuigkeiten, die nicht mehr wahr sein konnten, ehe er die Zeitungen in Rechtede zerschnitt und sie in gleichmäßigen Bäckchen an die Nägel hing. Denn Willi hatte ihm eingeschärft, das teure Klosettpapier zu sparen. Spät in der Nacht fehrte er heim. Jetzt bewohnte er allein bas alte Zimmer Billis, aber er blieb nicht gerne ohne Gesellschaft zu Hause. So bat er um die Erlaubnis, feinen Papagei aus dem Café mitnehmen zu dürfen. Er trug den Bogel im Käfig, über den er warme Decken stülpte, wenn es regnete und die Nächte fühl waren. Der Papagei schlief unterwegs und erwachte erst im Zimmer, wenn er Licht durch die dicken Hüllen verspürte. Dann sprach er ein paar Worte, wie ein Mensch im Schlaf oder im Halbschlummer zu sprechen pflegt und Andreas besänftigte ihn mit guter, liebevoller Rede. Einmal sah Andreas Einbrecher in der Nacht, aber er fagte nichts dem Polizisten, den er an der nächsten Ede traf. Die Einbrecher arbeiteten an der Tür eines Ladens. Andreas freute sich im Stillen. Es schien ihm, daß die Einbrecher den geheimen Zweck haben, die Gerechtigkeit in der Welt auf eine gewaltsame Weise wiederherzustellen. Las er in der Zeitung von Mord und Einbruch und Diebstahl, so freute er sich. Die Verbrecher, die„ Heiden", waren seine stillen Freunde geworden. Sie wußten es nicht. Er aber war ihr Freund, thr Gönner. Manchmal träumte er, ein verfolgter Verbrecher flüchte sich zu ihm, in die Toilette. Dann half er ihm freudig durchs Fenster in den Hof und in die Freiheit. Indessen wurden die Apriltage warm, regenschwanger und wie süße Versprechungen. In den Nächten fühlte wert! nach Berlin. Er suchte so weit wie möglich seine Pflicht zu erfüllen, folgte ihr und wohnt seit einigen Monaten mit ihr zusammen. Was er hier verdient, reicht gerade zu Wohnung und Essen, das Fähnchen, das sie trägt, ist das einzige Kleidungsstück, das sie befigt. Und wenn erst das Kind da ist, ist die große Liebe aus. Er macht ihr jetzt schon täglich Szenen und schlägt sie. Zum Schluß läßt er fie fizen und sie muß auf die Straße," schließt die Wienerin melancholisch. Sie verabschiedet sich und geht zu einem anderen Tisch, an dem eben ein Herr erkenntlich ist. Bei ihm hat sie mehr Glüd, denn bald werden die Plaz genommen hat, der durch sein Gepäck auch als Zimmermieter Biergläser durch Liförgläser erfekt. Prost! Ich lasse mir mein Simmer zeigen, um zur Ruhe zu kommen. Wahrlich, es ist drei Mart Ein tahler Raum. Bett, Tisch, eiserner Waschständer, ein Stuhl und zwei kleiderhaken bilden das Mobiliar, Spinnweben in den Ecken und ein ziemlich eindeutiges Bild über dem Bett den einzigen Schmud. Handtuch und Bettwäsche scheinen sauber, wenn auch ziemlich abgerissen zu sein. An der Tür zwei Blafate; eins enthält den polizeilich abgestempelten Zimmerpreis, der leider noch für die erste Inflationszeit berechnet ist, denn 15,- M., wie dort angegeben, dürfte für den„ Salon" zuviel sein. Darunter ein anderes Schild, kurz und bündig:„ Niemand darf mein Cotal verlassen, bevor nicht das Zimmer revidiert ist." Aha, Herr Wirt, Sie bauen auf alles andere als auf die Ehrlichkeit Ihrer Gäste; davon zeugt auch eine andere Maßnahme. Als ich das Fenster öffnen will, um nicht in der feuchten Kellerluft schlafen zu müssen, finde ich unverhofften Widerstand: quer über die Fenster ist eine Eisenstange gelegt, die mit einem Vorhänge schloß gesperrt ist. Nun, so bin ich auch selbst vor Besuch von außen gesichert. Jetzt noch eine Revision des Bettes, ob sich nicht ungebetene Bielfüßler an meiner Ruhestätte beteiligen wollen. Es scheint in Ordnung zu sein und befriedigt fuche ich mich auf der große Aehnlich teit mit einer Alpenlandschaft aufweisenden Matrage so auszuftreden, baß mein Körper am Morgen nicht zuviel blaue Flecke aufweist. Bald bin ich eingeschlafen. Am Morgen verlasse ich mit einem elenden Geföff, genannt Bohnentaffee, und zwei vertrockneten Butterschrips pen im Magen( Preis fünfzig Pfennige) die gaftliche Stätte. Jm Maffenquartier. Der nächste Tag bringt mir noch nicht die erfehnte Arbeit. Ich muß also länger hier bleiben. Ein älterer Mann, mit welchem ich beim Mittagstisch zusammenfaß, gab mir auf meine Bitte eine Adresse an, wo man für fünfzig Pfennige schlafen kann, denn noch einmal drei Mart darf ich meiner Kasse nicht zumuten. Das ist aber nichts für Sie!" warnte er mich. Mit denselben Worten begrüßt mich auch der Hausvater" im Logis. Er gibt mir dann in einem Raum, in dem 12 Betten stehen, einen Plaz, der etwas abgesondert von den anderen steht, und versieht mich mit sauberer Wäsche. Halten Sie sich jeden drei Schritt vom Leibe von wegen Bienchen und so... Ein schöner Gutenachtgruß. Bald füllt sich der Raum. Hier wird früh zu Bett gegangen. Da draußen Regenwetter eingelegt hat, ist heute besonderer Andrang. Mancher, der sonst bei Mutter Grün übernachtet, sucht heute diefes trocene Pläbchen auf. Die vorhan denen Schlafstellen reichen nicht aus, so daß fast alle Bettstellen mit zwei Mann besetzt find. Nur furze Zeit halten wir uns in dem niedrigen, dumpfen Raum auf und schon herrscht eine undurchdringliche, widerliche Luft. Mancher der Burschen hat schon seit Wochen fein Wasser für sein Gesicht gebraucht, an Körper und Füße schon gar nicht zu denken. Dazu verpestet ein durchdringender Tabatsqualm die Luft. Da sehe ich schon die Lösung: zwei alte zerlumpte Männer framen ihre Taschen aus und bringen Unmengen von Zigarettenstummeln zum Vorschein, die sie jetzt fein fäuberlich zerpflücken. Es ist nichts mehr. Im vergangenen Jahr sammelte ich vor der Börſe, da wurde mit den besten und großen Stummeln nur so geworfen, aber jetzt ist's aus damit." Ja," bestätigt der andere traurig ,,, nur noch in den Anlagen vor den Bänken und am Kino findet man welche; morgen ist wieder gar nichts, weil es heute regnet, da sind alle aufgeweicht." Nebenan die beiden Gestalten sind zufriedener: zwei Bettler. Wieviel hast du heute, ich habe nur sieben." Der andere schüttelt den Beutel aus und läßt die Münzen wie ein geübter Bankkassierer Andreas einen fernen Duft mit dem Winde daherkommen,| seine Glieder wurden mehr müde als sonst. Er verlor das Interesse für viele Dinge. Sogar die Wiederaufnahme seines Berfahrens befümmerte ihn nicht mehr. Er war alt, er war älter, als er selbst wußte. Schon ragte er hinüber ins andere Leben, während er noch die Pflastersteine dieser Erde trat. Seine Seele träumte fich ins Jenseits, wo sie heimisch war. Fremd kehrte sie in den Tag zurüd. Seine Schmerzen verstärkten sich, sein Husten wurde noch trockener, die Anfälle dauerten länger. Er vergaß heute, was gestern geschehen war. Er sprach mit sich selbst. Er vergaß manchmal den Papagei und schraf auf, wenn dessen Stimme unvermutet frächzte. Der Tod warf einen großen blauen Schatten über Andreas. Da tam eines Tages eine gerichtliche Vorladung. Sie war genau wie die erste mit einem würdigen Amtssiegel versehen, ein weißer Adler erhob seine Schwingen auf blutrotem Grunde und obwohl die Adresse von flüchtiger Hand geschrieben war und der Gerichte vielbeschäftigte Eile bewies, strömte das Schriftstück doch jene Würde aus, welche den portofreien und amtlichen Briefen innewohnt. Andreas las. Er wurde noch einmal für zehn Uhr vormittags bestellt. Er erinnerte sich wieder an seine Leiden, er arbeitete an seiner Rede, er bereitete sich zu einer großen Anflage vor. hoher Gerichtshof" wollte er sagen. Ich bin ein Opfer dieser Verhältnisse, die Sie selbst geschaffen haben. Verurfeilen Sie mich. Ich geftehe, daß ich ein Rebell bin. Ich bin alt, ich habe nicht lange mehr zu leben. Ich aber würde mich auch nicht fürchten, selbst wenn ich jung wäre." Noch viele tausend schöne und mutige Worte fielen Andreas ein. Er faß auf seinem Stuhl, neben der blauen Personenwage und flüsterte vor sich hin. Ein Herr verlangte Seife und er hörte es nicht. Ignaz flatterte auf seine Schulter und bat um Zucker. Andreas fühlte ihn nicht. 19. Von einer Turmuhr schlug die zehnte Vormittagsstunde Eine zweite Uhr wiederholte die zehn Schläge. Mit lang gezogenen, wehklagenden Tönen fiel eine dritte ein. Viele Türme, alle Türme der großen Stadt warfen Glockenschläge hinunter auf die fupfernen Dächer. Andreas stand vor dem Richter. Die Vorladung hatte er soeben dem Gerichtsdiener übergeben. Der trug fie mit weihevoller Gebärde zum Schreiber, er schritt auf den 3ehen spigen, um die andächtige Stille des Gerichtssaals nicht durch den schweren Tritt seiner offenbar genagelten Stiefel zu unter Donnerstag, 28. Rugust 1924 durch die Finger gleiten. Dann stellt er befriedigt feft:„ Es find brei Mart, wäre der Regen nicht gekommen, hätte ich es auf fünf gebracht. Der Tiergarten ist eine gute Ecke." Drüben haben sich in umsonst. Die paar Stellen, die im Arbeitsmarkt stehen, find schon einem Bett schon zwei junge Burschen in die Decken gerollt. ,, Wieder befeht, ehe wir zu Fuß hinkommen. Die anderen, die Fahrrad oder noch Geld zur Straßenbahn haben, schnappen alles weg." Ganz in der Ecke haben es sich drei Polen bequem gemacht und halten ihre Mahlzeit. Ein älterer Mann marschiert ruhelos im Zimmer auf und ab, manchmal bleibt er vor dem angewiesenen Plaz stehen, er scheut sich wohl auch, den Kampf mit dem Ungeziefer aufzunehmen. Das Licht soll ausgedreht werden, alles sucht seine Koje auf. Aber auch im mit ihren Liebesabenteuern, bis ein fräftiger Fluch ihres Nachbarn Dunkeln tritt nicht so bald Ruhe ein. Zwei Burschen brüften sich fie zur Ruhe weist. Ich finde wenig Ruhe in dieser Nacht, es geht mir wie vor Jahren in den ersten Nächten in der Kaserne. Hier wirft fich jemand unruhig hin und her, ein anderer bemeist seine Anwesenheit durch ein alles durchdringendes Schnarchen, in der Ecke spricht einer der Polen laut in seiner Muttersprache im Traum. Dazu die Stickluft, die immer drückender wird. Ab und zu klingt ein Fluch aus den Betten herüber, man hört, wie einzelne sich trahen: der Kampf mit dem Ungeziefer ist in vollem Gange. Gottseidant, ich bleibe verschont, einige Wanzenstiche, die ich am nächsten Morgen entdecke, find die einzigen Erinnerungen an diese Nacht. Spät finde ich einen turzen Schlummer. Als mit dem ersten Morgengrauen sich die ersten Gestalten erheben, stehe ich auch auf. Einmal gründlich unter der Leitung abgespült und hinaus in die erwachende Stadt, auf die Arbeitssuche. Eine Musterherberge. Erst später erfuhr ich, daß ich mir sowohl die Ausgabe von drei Mart für die erste Nacht wie auch die Unruhe der zweiten Nacht hätte ersparen können. Am Engelufer besteht doch die Herberge im GeHerberge im Gewerkschaftshaus. brechen, und dennoch war in seinem Gang etwas Gewichtiges, wie in dem Parademarsch eines lautlosen Gespenstes. Der Schreiber war uralt und hatte eine schiefe Schulter. Auch furzsichtig schien er zu sein. Denn seine Nase berührte fast den Tisch, auf dem er schrieb und die Spitze seines Feder halters ragte dünn und drohend, wie ein geschliffener Speer, über den Rand seines Kopfes. Noch hatte die Verhandlung nicht begonnen und dennoch lief die Feder mit schnellen raschelnden Lauten über das Papier, als gälte es, die Aussagen der Jahrhunderte abzuschreiben. Der Richter saß in der Mitte zwischen zwei. blonden wohlgenährten Männern mit blanken Glazen. Andreas hätte gerne gewußt, was die beiden Männer dachten. Sie sahen aus wie Zwillinge und unterschieden sich lediglich dadurch, daß der eine die Enden seines Schnurrbartes emporgezwirbelt, der andere sie nach beiden Seiten, links und rechts, magrecht ausgezogen hatte. Der Richter war bartlos. Er hatte ein unbewegliches Antlig voll steinerner Majestät, wie ein toter Kaiser. Seine Gefichtsfarbe war grau, wie verwitterter Sandstein. Seine großen grauen Augen waren alt, wie die Welt und schienen durch die Wände in ferne Jahrtausende zu blicken. Nicht bogenförmig gekrümmt, wie bei anderen Menschen, sondern wagrecht, wie zwei lange, schwarze Rohlenstriche standen die Brauen am unteren Rande der scharfen, kantigen Stirn. Die dünnen Lippen waren fest geschlossen, breit und blutig rot. So hätte dieses Angesicht wohl den Eindruck einer herzlosen Unerbittlichkeit hervorgerufen, wenn in der Mitte des männlichen starten Kinns nicht eine versöhnende, fast kindliche Mulde gewesen wäre. Der Richter trug einen schwarzen Talar mit einem kleinen, noch schwärzeren Samtfragen. Auf dem erhöhten Tisch, zwischen zwei weißen und dicken, aber nicht gleich großen Kerzen stand ein Kreuz, gelb und wuchtig, wie aus Würfeln aufgebaut. Es schien Andreas, daß dieses Kreuz aus den Seifenwürfeln bestand, die ihm Willi zum Verkauf übergeben hatte. Aber das war nur der Irrtum eines Augenblids. Andreas sah ein, daß ein Kreuz niemals aus Seife sein könne und daß es fündhaft wäre, so etwas zu denken. Er war gespannt auf den Gang der Verhandlung. Manchmal ging die Tür auf. Dann sah Andreas auf einer Bank im Korridor seine Frau Katharina, die kleine Anni, den Herrn von der Plattform der Straßenbahn und selsamerweise auch den rotbackigen Händler, der den Esel gekauft hatte. Das waren die Zeugen. Wo aber blieben der Polizist und der Schaffner? ( Schluß folgt.) wertschaftshaus. Hier wird man in großen luffigen Zimmern unter gebracht. Die höchste Belegung eines Zimmers ist elf Betten. In diesem Falle werden für eine Nacht 75 Pf. erhoben. Am Lage steht den Benutzern der Schlafräume das Lese- und Schreibzimmer zur Verfügung. Der erzieherische Wert der Herberge liegt aber darin, daß jeder Neuankommende ein Bad nehmen muß. Personen, die mit Ungeziefer behaftet sind, werden an Körper und Kleidung von diesem Uebel befreit. Bemerkenswert ist, daß die Aufnahme in die Herberge nicht nur auf Organisierte beschränkt ist, diese haben nur bei großem Andrang den Bornang. Wäre mir die Existenz dieser Herberge früher befannt newesen, hätte ich Fremdenlogis und Maffenlogis vermeiden können. Es ging mir aber nicht nur in dieser Beziehung so: man muß als Fremder überall Lehrgeld bezahlen... Makel der Arbeitslosigkeit. Unmittelbar neben dem schmucken Rathaus steht ein altes graues Gebäude. Ehemals mochte es Wohnzwecken gedient haben. Ein langer halbdunkler Flur führt hindurch; der Zementfußboden ist ausgetreten; die ursprünglich braunrote Farbe des Zements wird nach den Wänden zu dunkler, fast schwarz; bei den Vertiefungen in der Mitte des Flurs kommt der dunkelgraue Untergrund stellendes§ 51 zubilligte und von einem Fall von Fetischismus fprach, tam das Berufungsgericht zu einer Freisprechung, da es der Meinung war, daß der Angeklagte eine frankhafte Neigung befizze und infolgedessen nicht verantwortlich gemacht werden könne. Ein unfähiger Hypnotiseur. Erfolgreiche Berufung vor der Ferienstraffammer. schaftung und Instandhaltung des Grundstücks dem Gärtner übera läßt, der ein idyllisches Leben führt, das wir ihm im übrigen durchaus gönnen. Das Wohnungsamt Wilmersdorf aber möchten wir geziemend anfragen, warum es hier nicht eingreift und den unglaublichen Zuständen ein Ende bereitet. Der Umstand, daß die Eigentümerin des Hauses eine Holländerin ist, hindert doch das Wohnungsamt nicht daran, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die vielen Zimmer einem notwendigen und nugbringenden Zweck zuzuführen. In der vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter dem Titel„ Die Boltsernäh rung" herausgegebenen Schriftensammlung ist Anfang 1923 ein von dem bekannten Sachverständigen für Lebensmittelfragen, Geheimrat Prof. Dr. A. Judenack in Berlin verfaßter Leitfaden:„ Was haben wir bei unserer Ernährung im Haushalt zu beachten?" erschienen. Das Büchlein, das heute( Verlag Julius Springer, Berlin) bereits in dritter Auflage vorliegt, will in erster Linie weite Kreise, insbesondere die Hausfrauen, dazu anregen, bei der Auswahl und der Zuras bei der Ernährung eine Rolle spielt und was im Haus allgemeine Beachtung verdient. weife start zum Borschein. Obwohl Besen und Eimer ihr Reini mittags vor fich gehen sollte. Als nun der zunächst mißtrauisch bereitung von Lebensmitteln mehr als bisher darüber nachzudenken, gungswert faum beendet haben, sieht diese farblose Farbenzusammen stellung unbehaglich aus Man wittert Armut Elend. Ein kleiner Hof. Die Fassaden der Häuser, die ihn einschließen, find eintönig altersgrau. Die vom Erdboden erreichbaren Fenster find alle start vergittert. Dazu grauer Zementfußboden. Durch einen kunstvollen Eisenzaun mit vielen Schnörkeln sieht man links die Rückfront des Rathauses in ruhig- stolzem Rot. In fattem Grün leuchten gepflegte Rafenflächen mit Strauchwert hindurch. Die Tür des Torweges zum Hinterhause ist aus den Angeln gehoben, fehlt. Derselbe armfelige halbdunkle Gang wie vorne. Rechts feitwärts führt eine schmale Treppe hinauf, die, wie alles hier, mit den Spuren des Afters und der starten Benutzung behaftet ist. An den ehemals weißgetünchten Wänden des Flurs tleben Platate. Die üblichen behördlichen Bekanntmachungen. Fast ausnahmsios drohen sie mit Strafen, wenn man unterläßt wenn man begeht. Links wieder der leere Rahmen einer Tür. Ginige Steinstufen abwärts. Ein breiter Gang. Zementfußboden, ausgetreten, grau, schmutzigrot, schwarz. An beiden Enden Fenster. Von der einen Seite fommt das Licht aus dem durchschrittenen altersgrauen Hof, das andere Fenster ist auch vergittert. Platate tleben an den schmutzigweißen vortriegsgetünchten Wänden. Ein fleines Schalterfenster, daneben der leere Rahmen einer Tür. Zwei Stufen aufwärts. 3wei große dunkle Räume, beide verbunden durch den leeren Rahmen einer Tür. Hüfthohe Holzbarrieren teilen beide Zimmer jeweilig in Vorraum und Bureau ein. An den Wänden Aftenständer aus rohen, unbearbeiteten Latten und Brettern. Die Wandflächen der Vorräume zieren Plakate mit Verhaltungsmaßregeln, Borschriften Borschriften, Berhaltungsmaßregeln- strafdrohend. Der dunkle, faft schwarze Holzfußboden, der starke Erhöhungen und Bertiefungen aufweist, sieht immer feucht aus. Hochachtbare Stadtväter haben in der Erkenntnis ihrer Infehl barkeit in diese Räume des Elends die Fürsorge für die Elenden untergebracht. Das Schild„ Erwerbslosen- Fürsorge" erübrigt sich vollkommen. Die Ausgaben dafür konnten auch noch erspart werden. Nebenan das Rathaus. Längst nicht mehr neu, aber welch ein Kontrast! Die schöne breite Freitreppe, die große Säulenhalle, spiegelblantes Linoleum, schöne Bilder an den getäfelten Wänden, große Bogenfenster mit buntem Glas umb Bleieinfaffung, schwere Eichentüren, alles hoch, hell, luftig. Das äfthetische Empfinden des fatten Bürgers fönnte starten Erschütterungen ausgesetzt fein, menn hier in den Räumen der ftolzen, wohlhabenden Behaglichyleit hun gernde Erwerbslose umherschlichen. Also taken die„ fürsorg" lichen Stadtväter doch Recht. Jedem das Seine" war doch der Wahl spruch aus der schönen vergangenen Zeit. Beider trifft das in ähnlichen Ausmaßen fast ausnahmslos für das ganze Reichsgebiet zu. Können die weichherzigen Stadtväter fich in die Stimmung der Hungernden, Elenden versehen, die, aus der häuslichen Armut fommend, fast täglich, und dann oft stundenlang, in den elendgrauen, armseligen Räumen der/ Erwerbslosenfürsorge warten müssen? Kein Vertrag " Der Fall des Tierarztes Dr. Baumgart, der eine gewisse Aehn Volksernährung und Familie. lichkeit mit der kürzlich verhandelten Affäre des Pastors Barth be. fit, da auch in ihm hypnose eine große Rolle spielt, beschäftigte Was hat man bei der Ernährung im Haushalt zu beachten? aufs neue die Ferienftrafkammer des Landgerichts II. Wie seinerzeit ausführlich bereits mitgeteilt, wurde Dr. Baumgart, der lange Zeit in Afrika war und sich später viel mit Hypnose beschäftigte, wegen Anstiftung zum Raub zu 1% Jahr Gefängnis, sowie 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Da er hiergegen Berufung eingelegt hatte, mußte die mysteriöse Angelegenheit vor dem Landgeridyt erneut aufgerollt werden. Eines Tages war zu Kriminalfommissar Berneburg ein junger Bantbeamter namens Kortenfemper mit der Mitteilung gekommen, daß er von einem in Geldverlegenheit befindlichen Arzt zu einem gewordene Kommissar die Sache weiter verfolgte, fonnte er am Nachmittag an der Ede der Joachimsthaler Straße und Kurfürstendamm den Bantbeamten und in seiner Begleitung Dr. Baumgart feftnehmen, als fie in ein Haus hineingingen. Das Opfer follte, wie sich herausstellte, der Kaufmann Isaadjohn sein, von dem sich nach späteren Feststellungen Dr. Baumgart geschädigt fühlte. Während Dr. B. zunächst bei der Vernehmung angab, daß er mit dem Kaufmann Isaacjohn etwas auszumachen" gehabt hätte, stellte er om nächsten Tag die Behauptung auf, daß es sich nur um ein hypnotisches Experiment gehandelt habe. Der Bankbeamte sei nach Versuchen, auch von anderer Seite her, ein sehr gutes Medium und er habe nur die Frage lösen wollen, ob es möglich sei, in der Hypnose ein Verbrechen zu begehen, um fpäter den Bantbeamten als Medium in Vorträgen vorzuführen und damit Geld zu verdienen. Auch in der erneuten Verhandlung blieb Dr. Baumgart bei diesen Angaben und erklärte immer wieder auf Ehre und Gewissen, er habe dem Kaufmann Isaacsohm nichts Böses antun wollen. Demgegenüber befundete jedoch der Bantbeamte als Zeuge, daß er feineswegs hypnotifiert war und ihm gegenüber Dr. Baumgart auch gar nicht dazu fähig gewesen wäre. Als er den Gedanken geäußert hate, sei ihm von Dr. Baumgart gesagt worden:" Dann fann ich Ihnen ja auch eine Suggestion geben," er habe jedoch abgelehnt und erklärt, er werde die Sache fchon bei Bewußtsein ausführen. Der Sachverständige, stellvertretender Gefängnisarzt Dr. Goldschmidt gab fein Gutachten dahin ab, daß der Angeklagte nicht mehr infolge widriger Verhältmisse die volle Urteilskraft befize. Geh. Rat Dr. Moll tam zu dem Ergebnis, nechdem er die Frage geftreift hatte, wie weit es möglich sei, jemanden durch Hypnose zur Begehung eines Berbrechens anzuftiften, daß der Angeflagte vollständig unfähig zu derartigen wissenschaftlichen Experimenten sei und auf dem Gebiete der Psychologie ebensowenig Erfahrung befize. Dadaurch, daß, wie erwiefen fei, ein bekannter Mediziner ihm erflärte, er glaube ihm Patienten zur selbständigen Behandlung überlassen zu können, habe der Angeklagte ficherlich die richtige Strilif über sich verloren. Das Landgericht fah die Sache diesmal wesentlich milder an, indem es nur auf acht Monate Gefängnis erkannte, außerdem dem Angeflagten eine Be: währungsfrist zubilligte und den Haftbefeht sofort aufhob. Die Ehrenftrafe tam gänzlich in Fortfall. Die Schußwaffe gegen Felddiebe! Leben wir noch im Mittelalter? Man möchte es glauben, wenn man sieht, mit welchen Mitteln der Bächter des im Nordosten Berlins gelegenen Rittergutes Birtholz gegen Felddiebftähle einschreiten will. Bewohner der Kolonie Birtholzaue, die feinem Rittergut und dem Dorf Birtholz benachbart ist, werden von ihm be schuldigt, ihm Feldfrüchte gestohlen zu haben. Sein Grimm über die Beraubung feiner Aecker äußert sich in der folgenden Drohung, die ein öffentlicher Aushang bekanntgibt: Birkholz, den 21. Auguft 1924. Bekanntmachung! In den letzten Tagen habe ich Einwohner aus der Kolonie beobachten lassen, wie sie mir Kartoffeln aus den an den Wald grenzenden Schlägen entwendeten. Gleichfalls habe ich selbst vor einigen Tagen mehrere Burschen beim Stehlen von Geradella auf dem Schreiberschen Grundstück ertappt. Falls diese Felddiebstähle nicht aufhören sollten, mögen sich die Täter die Schuld felbst zu schreiben, wenn ich in den nächsten Tagen auf sie scharf schießen lassen werde. Ich erwarte von der Selbstdisziplin der Bewohner Don Birkholzaue, daß sie mich im Kampf gegen berartige lichtscheue Elemente unterstüßen. Wer bedürftig ist, mag es offen zugestehen, ihm wird man helfen; aber Diebstahl am Eigentum anderer ist eine Gemeinheit. Ballem, Rittergut Birkholz. Daß dieser Herr Wallem über den Kartoffeldiebstahl nicht erfreut ift, läßt sich begreifen. Aber die Drohung, auf die Diebe fünftig schießen zu lassen, ist ein unerhörter lebergriff. Die zuständige Behörde wird den mutentbrannten Rittergutspächter nachdrücklich über die Grenzen feines Rechtes zu belehren haben. aber ein„, patriarchalisches Arbeitsverhältnis". Ueber ein höchst eigentümliches Arbeitsverhältnis machte der Inhaber einer fleinen Schokoladenfabrik interessante Angaben vor dem Kaufmannsgericht. Eines Tages im Frühjahr traf er auf der Straße den jehigen Kläger M., den er von einer früheren gemeinschaftlichen Beschäftigung bei einer anderen Firma her tannte. M. tlagte ihm feine Not: feine Stellung, abgerissen, Hunger im Leib. Der Beflagte nahm ihn mit, ließ ihm im Geschäft, in der Fabrit, auf dem Hof helfen und gewährte ihm dafür Essen und Trinken und gelegentliche Taschengelder, bezahlte Rafieren und Haarschneiden für ihn, beherbergte ihn auch mal des Nachts, ja nahm ihn fogar bei Familien spaziergängen mit und hielt ihn frei. Von einem An ftellungs- fehr verhältnis war nie die Rede. Bei der allgemeinen Ges schäftsflaute ging es auch dem Beflagten schlecht; er war halbe und ganze Tage auf der Jagd nach Kundschaft und Kredit, und diese mangelnde Aufsicht benutzte der 23jährige M. dazu, sich allerhand Funt tionen im Geschäft anzueigenen, die anderen Angestellten zutamen. Bor Gericht bezeichnete er sich als„ Stadtvertreter, Raffierer und Borsteher der kaufmännischen Abteilung" und verlangte für diese angebliche Tätigkeit ein recht ansehnliches Reft gehalt. Der Beklagte hatte nämlich den Kläger auf die Straße gefeßt, nachdem er sich im Geschäft so aufgeführt hatte, daß alle Voraussetzungen für eine Fort führung des Freundschaftsverhältnisses fortfielen. M. hat daraufhin in Briefen an seinen Gönner daniit gedroht, ihm den häuslichen Frieden zu stören" und bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Derheimlichten Bankerotts zu machen. Dem Gericht tischte der Kläger ailerlei Märchen über sein Berhältnis zu dem Beklagten auf. Ein Anstellungsvertrag für ihn mit 260 M. Monatsgehalt hätte bei den Personalaften gelegen, der allerdings erst in Kraft treten follte, wenn das Geschäft verkauft wird. Es fam schließlich darauf hinaus, daß der ehemalige Kollege ihm Dank für die musterhafte Führung des Geschäfts schuldig wäre. Trotz aller Widerwärtigkeiten verstand sich der Beklagte doch noch dazu, vergleichsweise an den Kläger 80 M. zu zahlen, obwohl selbst das Gericht anerkannte, daß feinerlei Verpflichtung dazu vorliegt. Der Beklagte verließ um eine Erfahrung reicher den Gerichtssaal. Ein Freund feiner Damenwäsche. Cine eigenartige Liebhaberei hat den Portier Otto K. aus Pantom als Dieb vor das Gericht gebracht. In der Wohnung des Angetlagten hatte ein Restaurateur einen Koffer untergestellt. Eines Tages erbrach K. diesen Koffer und nahm aus ihm verschiedene Stücke Damenwäsche, jedoch nicht die einfachen, sondern nur solche Wäsche, die schön mit Spigen verziert war. Weiter verschaffte er fich ein Bettlaken, das zuvor von einem jungen Mädchen benutzt wor den war. Dann zog er sich die Damenwäsche an, legte fich damit ins Bett und wickelte sich in das erwähnte Bettlaken ein. Nach seinen untlaren Angaben hat ihm das wohlgefallen. Der rechtmäßige Befiger der Wäsche fah jedoch diese eigenartige Liebhaberei als Diebſtahl an, machte gegen K. eine Anzeige und auch das Schöffengericht Bantom verurteilte ihn wegen dieses Bergehens zu 6 Monaten Ge fängnis. Hiergegen wurde Berufung eingelegt, so daß sich jeht die Straffammer des Landgericht III mit dem Fall zu beschäftigen hatte. Dbgleich der Kreisarzt von Pantom bem Angeklagten nicht den Schuß Wir haben ja in Deutschland nach dem Kriege bei der ständig herrschenden Knappheit der Lebensmittel umiernen müssen, Hunderttausende von Familien, und namentlich die Hausfrauen in Arbetter. familien find gezwungen, viel weniger Fette und bedeutend weniger Fleisch auf den Tisch zu bringen. Gewissenlose Zeitungen haben während des Krieges wiederholt gepredigt, daß alle möglichen und unmöglichen Ersagnahrungsmittel nicht nur ebenso gut wie Fleisch, sondern sogar besser seien. Heute noch besteht in manchen Streifen der Irrwahn, daß es möglich wäre, durch allerhand Surrogate und Mischungen die wirklich fräftigen Nahrungsmittel zu ersetzen. Nichts ist falscher und gefährlicher als dieser Irrtum, worauf Prof. Judenad in seinem Büchlein gebührend hinweist. Zu dem Kapitel:„ Gibt es Fleischersah?" 3. B. fagt er: Alles, was bisher unter der Angabe Fleischerfah" in den Verkehr gelangt ist, ist nicht geeignet, Fleisch in seinen wesentlichsten Eigenschaften zu ersehen. Es handelt sich bei allen diesen Dingen in der Regel um ein Gemisch aus Hülsenfrüchten und Getreide, die mehr oder weniger gewürzt sind und bei bestimmungsgemäßer Zubereitung unter Zusatz von Fett dem Hackbraten ähnliche Speisen liefern foll. diefe oft gestellte Frage, ob Pilze Fleisch erfegen tönnen, beantwortet dieser Sachverständige mit einem fategorischen ein. Er sagt, daß die stickstoffhaltigen Stoffe der Pilze nicht den Fleischeiweißstoffen entsprechen und diese bei weitem nicht ersetzen, ganz abgesehen davon, daß die Pilze nicht leicht verdaulich sind und daher hinreichend zerkleinert werden sollten, z. B. mit der Fleischhackmaschine. Auch In dankenswerter Weise räumt Prof. Judenad aber auch mit anderen Vorurteilen in der Ernährung auf. Häufig genug hört man sehr ungünstige Meinungen äußern über Pferdefleisch, Pferdefett, Siegenfleisch und 3iegenfett. Zu diesem Thema äußert sich Prof. Judenac dahin, daß er die Vorurteile gegen diese Nahrung in das Gebiet der Fabel verweist. Die genannien Fleisch- und Fettforten, so sagt Brof. Judenad, stehen in ihrem Nährwert dem Rindfleisch mit entsprechendem Fettgehalt sowie dem Rinderfett nicht nach. Dagegen wendet er sich gegen das Braten des Fleisches, das nicht öfonomisch ist. Beim Braten des Fleisches nämlich, beim Entstehen der Krufte, werden Eiweißstoffe und Fette zerstört. Birtschaftlicher ist daher das Kochen und Dünsten. Ein sehr wichtiges und ausführliches Rapitel behandelt in der Broschüre die Ernährung des Säuglings", die Prof. Dr. Langstein, der Direttor des Kaiferin- Auguste- Biftoria Hauses, bearbeitet hat. Gerade hier finden die Hausfrauen eine große Anzahl von Anregungen, Hinweisen und Belehrungen für eine gesunde Ernährung des Säuglings. Prof. Langfbein betont, um nur einiges hervorzuheben, daß für den Säugling, fein Wachstum und fein Gedeihen am awedmäßigsten die Muttermilch ist. Cr gibt für die Fälle, in denen die Brust nicht gereicht wird, detaillierie Anweisungen, auf welche Weise die Kindermilch gefocht und gekühlt werden muß. Bor allem betont er, daß vor jeder Mahlzeit der Flaschenverschluß abgenommen und ein mit einer glühenden Nadel durchlochter Gummisauger aufgesetzt werden muß. Das Bres bieren aus dem Sauger eine Erscheinung, die man immer wieder sieht- ist auf das strengste verboten. Gereicht wird -ift die Flasche dem Kinde in Halbseitenlage, und während der ganzen Trinfzeit wird die Flasche gehalten. Diese furze Probe aus dem Inhalt läßt bereits erkennen, welch großen Wert die Broschüre Was haben wir bei unserer Ernährung im Haushalt zu beachten?" befigt. Sie ist nicht nur geeignet, öffent liche und private Speiseanstalten, Krantenhäuser usw. zu beraten, sondern vor allem auch jebem Haushalt Belehrungen und beachtens merte Ratschläge zu bieten. Die Schrift ist für 1,50 M. im Buch handel zu haben. Schulentlassung und Lehrlingseinstellung. Ein unbewohntes Hans von 57 Zimmern. Die Manieren und Methoden mancher Wohnungsämter find ja bekanntlich so eigenartige, eigenwillige und für Baien vollständig unverständliche, daß es wahrlich gar keinen Zweck hat, zu den unendber Jahre veröffentlicht worden find, neue hinzuzufügen. Und doch lich vielen Pracht- und Probestücken, die über dieses Thema im Laufe gibt es immer wieder Fälle, die so froß und so furios sogleich find, daß man unmöglich stillschweigend an ihnen vorübergehen kann. Uns wird folgendes aus der Bragis eines Wohnungsamtes mitgeteilt, das gewiß verdient, niedriger gehängt zu werden: In der Rolonie Grunewald, in der übrigens eine große Anzahl eleganter Billen steht, die von einer Familie ganz allein bewohnt werden, ohne daß das Wohnungsamt Wilmersdorf eine Hand rührt und obdachlose Familien als Zwangsmieter hineinfekt, gibt es in der turzen und stillen Brahmsstraße eine fürstliche Billa, die die Kleinigkeit von 57 Simmern aufweist. Diese Billa, vollständig möbliert, und wie man hört, auf das eleganteste ausgestattet, steht feit longem schon leer und wird überhaupt von niemandem bewohnt. Die Eigentümerin ist eine Holländerin, die das prunt. volle Haus, wie es heißt, während der Inflationszeit für ein Butter- Anlernstellen können schriftlich oder telephonisch erfolgen bei den brot gekauft hat, sich fett ständig in Holland aufhält und die BewirtDas Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 28. August. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 9 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 7.30 Uhr abends: Sprachunterricht( Englisch). 8.10 Uhr abends: Vortrag des Herrn Turnrats Dr. Schütz von der preuß. Hochschule für Leibesübungen, Spandau; Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft". 9-10 Uhr abends: Zu Goethes 175. Geburtstag: Musik zu Goethes Egmont"( mit verbindendem Gedicht von Grillparzer). Dirigent: Dr. Felix Günther; Rezitation: Alfred Braun lotte Kuhn- Brunner vom Nationaltheater, München: Ein Orchester, ( vom Schiller- Theater. Berlin); Klärchen: Kammersängerin Charbestehend aus Mitgliedern des Berliner Philharmon. Orchesters. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 10.25-11.30 Uhr abends: Tanzmusik. In wenigen Wochen verlassen wieder Tausende von Berliner Knaben und Mädchen die Schule, um ins Berufsleben einzutreten. Leider ist gerade jetzt die Wirtschaftslage so unsicher, daß die Mehr3 ahl der Lehrherren fich zurzeit noch nicht über Ein. tellung oder Nichteinstellung von Lehrlingen ichlüffig geworden ist. Auf den Berufsämtern liegen her Lehrstellen vor, und es droht wieder das Gespenst der Mer diefe Jahreszeit verhältnismäßig noch sehr wenige Meldungen freier beitslosigkeit der Schulentiaffenen mit allen ihren traurigen Folgeerscheinungen. Das befte Mittel gegen die angedeutete Gefahr ist aber die rechtzeitig Bereitstellung von Lehr- und Anlernstellen für die Jugendlichen. Und hierbei mögen fich die Arbeitgeber vergegenwärtigen, daß das Opfer, das sie durch Lehrlingseinstellung und Ausbildung im bisherigen Umfange felbft bei wenig günftiger Geschäftslage bringen, nicht umsonst gebracht ist, da es der Jugend und der Zukunft der deutschen Arbeit zugute fommt. Es ergeht darum hier der Appell an alle Lehrherren im Handwerk, in der Industrie, in Verkehr und handel, ihren Bedarf an Lehrlingen und Lehrmädchen für den Oktobertermin schon jetzt bei den Be. rufsämtern anzumelden, und, wenn irgend möglich, ihre bisherige Lehrlingshaltung nicht einzuschränken. Meldungen freier Lehr- und nachstehend verzeichneten Berufsämtern: Für Berlin- Mitte, Prenzlauer Berg und Weißenfee im Berufsamt Mitte, C. 25, Landsberger Str. 48-47, Fernsprecher: Alexander 5085-88; für Frie brichshain, Lichtenberg, Treptow, Copenid und Friedrichshagen im Berufsamt Oft, D. 17, Stralauer Blag 30/31, Fernsprecher: Alexander 87, 2230, 2445; für Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof im Berufsamt Süd, Neukölln, Thomasstraße( Holzhaus), Fernsprecher: Neukölln 1520-22, 1540; für Schöneberg, Wilmersdorf, Steglih und Zehlen dorf im Berufsamt Südwest, Schöneberg, Feurigftr. 7, Fernsprecher: Stephan 2680-85; für Tiergarten, Charlottenburg und Spandau im Berufsamt West, Charlottenburg, Spreestr. 31, Fernsprecher: Wil helm 7300/03; für Wedding, Bankom und Reinickendorf Berufsami Nord, N. 20, Panfstr. 47, Fernsprecher: Hanfa 2580. Absturz von einer Brücke. Beim Bau einer 6-8 Meter hohen Brüde auf dem alt, Koglerstr. 83 wohnhaft, mit dem Kopf auf das Steinpflaster Schlachthof stürzte der Zimmermann Emil Solbau, 281, Jahre und zog sich schwere Kopfberlegungen zu. Betwußtlos wurde er mittelt Strantenwagens vom Rettungsamt nach dem Krantenhaus Friedrichshain gebracht. Der erste Flug des Z. R. 3. Das in Friedrichshafen lang erwartete Ereignis ift gestern Tatfache geworden. Nach fast zweijähriger Arbeit- wenn man die tonstruttiven Vorarbeiten mitrechnet ist der 3. R. 3, der auf Grund fast zwanzigjähriger Erfahrungen erbaute Luftkreuzer aus der großen Halle der Werft herausgebracht worden und hat seine erste Probefahrt angetreten. Kurz nach 4 Uhr nachmittags war alles flar, und unter den Hochrufen der auf dem Flugplatz Anwesenden hob 3. R. 3 sich langsam mit einer gewaltigen Schleife über den Flugplay. In 200 Meter Höhe entfalteten die Motore ihre Kraft und mit einer ungeheuren Schnelligkeit obwohl der Führer noch nicht volle Kraft geschaltet hatte zog das Luftschiff über der Stadt dahin. Die Einwohner der Stadt hatten sich zum allergrößten Teil auf den freien Blägen und vor der Stadt oder am See versammelt, um das felten gewordene Schauspiel eines Zeppelinfluges zu ge= nießen. In mittleren Höhen von 200 bis 300 Meter zog der Zeppelin seine Kreise und Schleifen. Dabei fonnte man feststellen, daß das Schiff, wohl infolge der neuartigen Ronstruktion seiner Motoren, die fich während der Fahrt umsteuern laffen, eine überraschende Wendigfeit zeigte. Auch die Veränderung in der Höhenlage ging mit hervor ragender Präzision vor sich. Nach zweistündiger wohlgelungener Fahrt landete 3. R. 3 dann wieder vor der Halle, wo die Führer und die Besagung lebhaft beglückwünscht wurden. Gasvergiftung eines Liebespaares. Rüstet zu neuen Kämpfen! Deutschnationaler Schachergeist und kommunistische Radautaktik verbünden sich, um die Reaktion zu stärken und das Chaos in Deutschland zu steigern. Harte Kämpfe um die Lastenverteilung, Kämpfe gegen Brotwucherer und Steuerdrückeberger stehen bevor. Wer diesen Kampf fördern will, muß neue Leser für den Vorwärts" und neue Mitglieder für die Sozialdemokratische Partei zu gewinnen suchen. An die Arbeit! Beitrittserklärung. Hiermit erkläre ich meinen Eintritt in die Sozial. demokratische Bartei( Bezirk Berlin, Abteilung An Beiträgen entrichte ich: Eintritte geld 50 Pfennig, Wochenbeiträge männl. 20, weibl. 10 Bf., Sa. M. ben. Bor- und Zuname: geb. am สน. Staatsangehörigkeit: Stand: Wohnung: 1924. ( Bei der Aufnahme ist sehr erwünscht, daß außer dem Eintrittsgeld mindestens bie Beiträge für einen Monat[ 4 Wochen! gezahlt werden) Ich abonniere den Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit". der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Frauenstimme" in Groß Berlin täglich zweimal irei ins Haus. " ( Monatlich 3. Goldmart, wöchentlich 70 Goldpfennig.) Name Wohnung: Straße Nr. vorn Hof Quergeb.- Seitenfl. Tr. lints rechts bei In einem Absteigequartier in der Friedrichstraße mietete fich abends ein Liebespärchen ein Zimmer. Gegen 2 Uhr nachts wurde die Inhaberin des Quartiers infolge starten Gasgeruchs aufmertsam, und da sie aus dem betreffenden Zimmer auch Stöhnen bernahm, ließ fie die verschlossene Tür öffnen. Man fand das Baar im befinnungslosen Zustande, durch Gas bergiftet, auf und sorgte für die fofortige Ueberführung desfelben nach der Charité. Es scheint sich lediglich um Unachtsamkeit( Ausgefüllt zu senden an: Sozialdem. Bezirksverband, SW. 68,( Ausgefüllt zu senden an: Expedition„ Vorwärts". SW. 68, zu handeln. Eine der Personen muß den Hahn des in dem Lindenstr. 3.) Bimmer befindlichen Gastochers gestreift und dadurch geöffnet haben. Ueber die Persönlichkeiten der beiden noch immer Bewußtlofen konnte bisher nichts ermittelt werden, da sie feinerlei Papiere bei fich habent. Eine geftörte italienische Nacht. Eine Gesellschaft von vier Personen feierte vorgestern abend in einer Wohnküche in Neukölln, Bergstr. 14, ein italienische Nacht. Um dem Zusammensein einen festlicheren Anstrich zu geben, hatten fie die Küche mit bunten 2ampen und Girlanden ausgeschmidt. Leider wurde die heitere Veranstaltung von der Kriminalpolizei empfindlich gestört. Die vierköpfige Gesellschaft wurde der Polizei zugeführt, da man in den Teilnehmern Mitglieder einer getverbsmäßigen Laubeneinbrecherbande festgestellt hatte. Borläufig bestreiten die Festgenommenen, die ihnen zur Last gelegten Diebstähle begangen zu haben. Ausbau der Messe- Gesellschaft. Die Gemeinnügige Berliner Messe Aufbau Gesellschaft, die schon vom Tage ihrer Begründung an einen starken städtischen Einschlag hatte, hat in den letzten Wochen ihr Grundfapital auf 100 000 Goldmark erhöht, wobei die Beteiligung der Stadt Berlin auf 99 300 Goldmart festgesetzt worden ist. Diesem finanziellen Uebergewicht der Stadt entsprechend stellt, fie die Majorität des Aufsichtsrates, darunter auch den Borjizenden. Gleichzeitig ist der Name der Gesellschaft in Gemeinnüßige Berliner Messe- und Ausstellungs G. m. b.$." geändert worden. Der Tod auf der Straßenbahn. Der trop aller Warnungen nicht auszurottende Unfug, einen in Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen zu besteigen oder zu ber laffen, hat wiederum ein Opfer gefordert. Der Schüler Heinz Schramm aus der Berliner Straße 34 in Reukölln, berfuchte auf einen in voller Fahrt befindlichen Wagen der Linie 47 E aufaufpringen. Er glitt ab und geriet unter die Räder des Anhängewagens. Mit schweren Verlegungen wurde der Knabe nach dem Krankenhause geschafft, er starb jedoch bald nach der EinLieferung. Ein gemeingefährlicher Unhold wurde gestern früh festgenommen. Es ist der 18 Jahre alte Kutscher Schulz, der in der Emfer Straße ein auf dem Bürgersteig spielendes vierjähriges Mädchen mit sich in den Hausflur Iodte, um es zu mißbrauchen. Glüdlicherweise wurde er durch Bajianten, die auf das Echreien der Kleinen herbeieilten, an seinem Vorhaben gehindert. Schulz wurde der Kriminalpolizei zugeführt. Bannerweihe in Cantwig. Die 84. Abteilung in Lantwik veranftaltet am Sonntag, den 31. d. M.( beginnend 3 Uhr) im Restaurant ,, Deutsches Haus", Bittoriaftraße 41/43( am Bahnhof LantwigStraßenbahn 96), die Weihe ihres Banners im Rahmen eines Fa milienfeftes. Die Groß- Berliner Parteigenoffen werden hierdurch zum Besuch der Veranstaltung eingeladen. = Somteffe Guderl, das alte Lustspiel von Franz v. Schönthan und Franz Koppel- Ellfeld, wird zurzeit auf der Saalbühne des Rose Theaters gespielt. Es führt in die Zeit ruhiger Beschaulichkeit, in die Zeit, da man mit der Postkutsche fuhr und Karlsbad eine Straßenbeleuchtung bekam. All der militärische Klimbim und die Ueberheblichkeit der höchsten Beamten erscheinen auf der Bildfläche, aber sie find für uns erträglich, meil es sich um das Jahr 1818 handelt. Sie friegen sich schließlich, was nach vergnüglichsten Berwechselungen und von der Liebe diftierten Listen, den ach so guten, programmäßigen Lustspielabschluß bildet. Erna Heinrich als Komtesse Gudert verstand es in so reizender Weise die Wahrheit zu fagen, daß sie auf offener Szene Beifall erntete. Ebenso gefieien Willi Rose, der als Horst v. Neuhoff so recht der Teufelsferl war, Gerda Schröder und Baul Rose als schüchternes Liebespaar, Hans Edert als Hofrat, der nicht weiß, wie er sich drehen und sich wenden soll, Lotte v. Syrom in ihrer steten Bettelei um Proteftion, und Wolfgang Müller als ruffischer General. winter 1924/25 bier proletarische Feierstunden im Großen Bezirksbildungsausschuß. Der Bezirksbildungsausschuß veranstaltet im Schauspielhaus, und zwar am Sonntag, den 21. September: Die Inter nationale"; Sonntag, den 5. Oftober: Feierstunde zu Ehren Tollers"; Sonntag, den 9. November: Die Revolution"; Freitag, den 26. Dezember: Weihnachtsfeier"; außerdem vier große Festtonzerte in der Philharmonie, Bernburger Straße: Sonntag, den 12. Oftober: Drchefter fonzert, Werfe von Beethoven und Brudner; Sonntag, den 23. November: Rieder- und Chorgefänge; Sonntag, den 15. März 1925: Elatische Mufit, Französische Kammermusit; Sonntag, den 25. Januar 1925: Internationale Werke von Tschaikowsky und Dvorat. Vier Feierstunden und vier Feft fonzerte im Abonnement je 3,60 Goldmart Einzeichnungsliste t für beide Beranstaltungen liegen aus bei allen Abteilungsvorsitzenden und den Mitgliedern der Kreisbildungsausschüsse. Elternbeiräte von Steglig, Lichterfelde, Lantwig. Heute, Donnerstag, den 28. Auguft, abends 6 Uhr, wichtige Sigung bei Thiel, Ringstr., Ede Albrechtstr. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Domaunes. 2. Arbeitsplan. 3. Schulratgemeinschaft. 4. Berschiedenes. Donnerstag, den 28. Auguſt, abends 8 Uhr, gemeinfame Sigung der Schulratgemeinschaft im gleichen Lofal. Alle Elfernbeirate, namentlich die Obleute der Schulen, müssen erscheinen. Ein Autobus mit Insassen verbrannt. Ein schweres Autounglüd ereignete sich nachts um 1% Uhr auf der Chaussee zwischen Heinos und Raalte in der niederländischen Provinz Oberyssel. Ein vollbesetter Autobus, der von einer Kirmes in Heinos zurückkehrte, geriet auf unaufgeklärte Weise in Brand und war nach wenigen Minuten vollkommen ausgebrannt. Es entstand im Wagen eine unbeschreibliche Panif, da die beiden Wagenführer abgeschlossen waren und die Schlüffel in der Verwirrung nicht gefunden werden konnten. Vor beifahrenden Radfahrern gelang es, einige Personen durch die Fenster aus dem Wagen herauszuziehen. Die übrigen Pafia= giere verbrannten vollständig, so daß die genaue Anzahl der Opfer noch nicht festgestellt werden konnte. Sechs Leichez find jedoch schon identifiziert. Ein Insasse saß noch aufrecht, aber Döllig verkohlt im Wagen. Der Chauffeur und die wenigen Geretteten mußten infolge ihrer schweren Brandwunden in ein Kranten. Hautjucken, Flechten, offene Füße ausgeschafft werben. ( Arampfadern), auch veraltete Wunden, heilt die milde und wohltuende, feit Jahrzehnten bewährte San.- Rat Dr. Strahls Hausfalbe. Falschmeldung über ein Grubenunglüd. Wie BTB. aus Sohenlohe Ernstthal telegraphisch meldet, ist die auswärtige Blättermeldung von einem Grubenunglud auf dem In Driginaldosen zu haben: Elefanten- Apotheke, Berlin SW. 19, Raifergruben Kohlenschacht in Gersdorf, wobei 18 Vergleute Leipziger Straße 74( Dönhoffplatz). verschüttet sein sollen, erfunden. E TACK SCHUH Vergüte Conrad Sein" Geburtsort in Burg b. M. Er wird von ca. 2000 Facharbeitern in täglich ca. 5000 Paaren hergestellt und wandert direkt in seine eigenen 113 Verkaufsstellen. Lindenstr. 3.) Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Railer- Wilhelm- Straße 46 III. Rameradschaft Kreuzberg. Freitag, den 29. Auguft, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Raabe, Fichteftr. 29. Vorstand und Komitee um 7 Uhr wichtige Desprechungen. Republikaner als Gäste will tommen. Kamerabschaft Friedrichshain, Freitag, den 29. Auguft, abends 7½ Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a, legte Anmeldung und Entgegennahme des Fahrgeldes für die nächste Fahrt. Fahrgeld einschließlich Effen und Spreewaldfahrt 4. M. Anschließend Gruppen, Bezirksführerund Vorstandsfizung. Kameradschaft Prenzlauer Berg. Freitag, abends 7 Uhr, bei Schneider, Prenzlauer Allee 43. Abteilungsführer, Stellvertreter und Gruppenführer wichtige Besprechung. Kameradschaft Tempelhof. Sonnabend, den 30. August, abends 6 Uhr, Antreten Bahnhof Tempelhof. Jugendkamerabschaft Oberspree. Am Donnerstag. Den 28. Auguft. Faltenberg, Adlershof. im Jugendheim am Faltenberg. Nr. 117. Gruppe Treptow. Kiefholzitr. 48b, Borwärtsspedition, Mitgliederversammlung. Pflicht aller, zu erscheinen. Ortsgruppe Eichwalbe. Sonnabend, den 30. Auguft, abends 8 Uhr, Bollversammlung der Rameradschaft bei Streuz, am Bahnhof. Wichtige Beschlußfassung. Alle Rameraden milfsen erscheinen. Schugverein der Sunde- und Tierfreunde E. B. Sübweft. Monatsver fammlung heute, Donnerstag, abends 8% Uhr, Gneisenauftr. 109/110, im Schultheiß. Protestmaßnahmen. Berband Bolksgesundheit, Ortsverein Berlin. Donnerstag, den 28. Auguft, abends 8 Uhr, im Margareten- Enzeum, 3fflandstr. 9-11, Nähe Jannowitbrilde, Vortrag des Genossen Hermann Hauptmann: Individualismus und Sozialismus." Gäste willkommen.( Jeden Donnerstag Bortvag mit Dis. tuffion.) Berliner Mieterbund, Ortsgruppe Neukölln. Freitag, den 29. Auguft, abends 7% Uhr, Mieterversammlung im Rarlsgarten, Rarlsgartenstr. 6-10. Der Reichsverband der Anzeigenvertreter F. B. Beipzig, Banerische Str. 131, hält am Freitag, den 29. August, nachm. 2 Uhr, in Dresden, Schilds Hotel, feinen Berbandstag 1924( Generalversammlung) ab.. Arbeiter Rabio- Klub. Freitag, den 29. August: Bastelabend" tu der Schule Rütlistraße. Material unb Apparat ist mitgubringen. Sommers Deutsche Landsmannschaft der Provinz Bofen, Groß- Berlin. ausflug am Sonntag, den 31. Auguft, nad Bud, Restaurant von Schulpich. Treffpunkt aweds gemeinsamer Abfahrt 8% Uhr am Stettiner Borortbahnhof. Geschäftliche Mitteilungen. B. B. B., das heißt Brimus- Palast Potsdamer Straße. Derfelbe wind von bem bekannten Filmhause Brudmann am 2. September er. in neuem, präch tigem Gewande eröffnet. In der Eröffnungswoche wird der Domorganist Prof. Fischer eine Reihe von Originaltompofitionen zum Bortong bringen. Zeitung bes Theaters und reiht sich damit der V. B. P. in die Reihe der Herr Dimes, ein erfahrener und bewährter Rinofachmann, übernimmt die ersten und besten Rinotheater Berlins ein. Die Bauleitung lag in den Händen der Architekten Jttelson und Neuftein. Eröffnet wird der P. P. P. mit der Uraufführung Glödner von Notredame". schwacher Quitbewegung; teine erheblichen Niederichläge. Wetter für Berlin und Amgegend. Ziemlich fühl, meist bewölkt bei Für Deutschland. 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In Deutschland hat ein kommunistischer Reichstagsabgeordneter dem Reichstag eine ganze Beilage der Roten Fahne" eingesandt. In dieser Beilage wettert der Kommunist gegen die Bantenherrschaft" und gegen die kapitalistische Fremdherrschaft", die durch das Dawes- Gutachten über Deutschland verhängt werden sollen. Bei der internationalen Berflechtung des Kapitals" sei jede Hoffnung auf eine endgültige Befferung der Lage des Gesamtproletariats ,, durch zerSplitterte Rämpfe finnlos", helfen könne nur die Diktatur des Weltproletariats". ます In Rußland wurde, wie der Borwärts" dieser Tage melden konnte, die Engländerin Frau Lawrence, Mitglied des Parlaments und der englischen Arbeiterpartei, bei ihrer Ankunft in Moskau von der Sowjetpreffe mit dantbaren Gefühlen begrüßt. Mehr noch. In der Sigung des Moskauer Sowjets vom 20. d. M. befonte der Berichterstatter Ratowski, daß die englische Ar. beiterpartei zum Gelingen des Abkommens piel bei getragen habe. Und in der Resolution des Sowjets heißt es ausdrücklich, daß ,, die aktive Teilnahme des organisierten englischen Proletariats, vertreten durch die Arbeiter. partet und die Gewerkschaften, bei dem Abschluß des Vertrages als eine der wichtigsten Aeußerungen der internationalen Klaffenfolidarität der Arbeiter betrachtet werden müsse". So ist die Tonart jetzt. Es ist aber nicht überflüssig, daran zu erinnern, daß die Bolschewiften vor gar nicht langer Beit den Führer der englischen Arbeiterregierung und Hauptförderer des englisch- ruffischen Abkommens, Macdonald, in dem amtlichen Bolschewiftenorgan Brawda" also be schimpften:„ Wir dürfen erwarten, daß er die Außenpolitik des englischen Imperialismus fortsetzen wird, eine Politit, die sich zusammensetzt aus Habgier, Heuchelei, Ge meinheit und Schlauheit, eine Politik, die auf der grausamsten Ausbeutung verschiedenster Länder beruht. Macdonald wird auch den heuchlerischsten tapitalistischen Polititer übertreffen. " In der Tat, Macdonald hat auch den heuchlerischsten tapitalistischen Politiker übertroffen". Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt hat er, im Gegensatz zur Politik BaldwinCurzon, die Sowjetregierung anerkennt. Dabei war er ge mein" genug, als Gegenleistung dafür keinerlei Ronzeffionen von der Sowjetregierung zu fordern. Man muß ferner wissen, daß Macdonald auch weiterhin fortgesett bemüht gewesen ist, Sowjetrußland das größte Maß an Entgegenkommen zu sichern und daß er die arbeitenden Massen Sowjetrußlands nach Möglichkeit vor neuen harten Belastungen schützen will. Das erkennen die Bolschemisten gegenwärtig auch dankbar an und sie stellen das Zustande. fommen des englisch- russischen Abkommens als einen großen Erfolg der bolfchemistischen Politit" hin. In England hat inzwischen ein heftiger Kampf der Kapitaliſten gegen die Ratifizierung des Abkommens eingefeßt. Wie führen die Kommunisten praktisch ihren Krieg gegen ,, die Bantenherrschaft" und gegen die tapitalistische Fremdherrschaft"? Wie fördern fie praktisch die Zusammenfaffung des Weltproletariats", damit es die Diktatur" über bas international verflochtene Kapital" erlange? Schauen wir uns einige Hauptbestimmungen des englisch russischen Abkommens an, dessen Zustandekommen die Kommunisten felbft als einen großen Er folg" ihrer Politik ansprechen: Die fommunistische Regierung Rußlands verpflichtet sich, die Ansprüche der englischen Besiger von Borfriegsschulden anzuertennen und die Besitzer billig zu entschädigen. Die ruffische Regierung ver pflichtet sich, alle Ansprüche der englischen Regierung gegen die Sowjetregierung, dazu gehören Kriegsdarlehen von England an die 3arenregierung, zu regeln. Die ruffische Regierung verpflichtet sich, eine runde Summe an England zu zahlen, zur Abfindung der besonderen Schadenersazansprüche Don Engländern megen politischer Ereignisse und Maßnahmen in Rußland seit dem 1. August 1914. Insbesondere sind auch die englischen Rapitalisten zu entschädigen, die von den russischen Nationalisierungsdetreten für gewerbliche Unternehmungen getroffen sind. Die Gesamtfumme der russischen Schulben wird mit 10 milliarden Goldrubel berechnet. Dabei sind die Kriegsanleihen durch russische Gegenforderungen schon als gelöscht berechnet. Es wird nicht zuletzt von dem guten Willen der englischen Kapitalisten und von der Konzessionsbereitschaft der russischen Kommunisten abhängen, ob und melche Ermäßigungen und Erleichterungen in der Schulden frage noch zu erreichen sind. Die alten Handelsverträge werden aufgehoben. Der neue Handelsvertrag sieht die meist begünstigung und die Ausdehnung des Systems der englischen staatlichen Handelstrebite auf die Handelsbeziehungen zwischen England und Rußland vor. Donnerstag, 28. August 1924 Deutschvölkische Theologie. O.KOESTER Mit nichten, Geliebte im Herrn, find Christentum und Militarismus unvereinbare Gegenfähe. Hat doch der liebe Heiland selbst denken wir an den Hauptmann von Kapernaum- gern in Offizierskreisen verkehrt." gegen Beschlagnahmungen ufw. Ohne harte Berpflichtungen| geben die Kapitalisten fein Geld her. Sowjetrußland braucht bringend auswärtige Anleihen, und es wird sich sicher mit ben Banttapitalisten über die Er richtung der tapitalistischen Frembherrschaft" in seinem Lande friedlich und schiedlich verständigen. Die ruffische kommunistische Regierung ist mit allen ihren Kräften und Fähigkeiten bemüht, zu wirtschaftlichen Beziehun mit den tapitalistischen Regierungen und großtapita. liftischen Konzernen in der ganzen Welt zu kommen. Die russische kommunistische Regierung übernimmt erneut in verschärftem Maße die Verpflichtung, teine Unter- gen nehmungen zu fördern oder zu dulden, die gegen den Bestand und die Wohlfahrt der englischen Monarchie gerichtet find. Wenn die ruffische Regierung alle ihre Verpflichtungen erfüllt, dann wird England sein Parlamenter fuchen, eine Anleihe für Rußland zu garantteren. Das heißt, die englische Regierung fann nicht aus eigenen Mitteln eine Anleihe bewilligen. Hier soll das Privat. tapital, sollen die Banken helfen. Sechs der größten Banken Englands haben schon zu Beginn der Berhandlungen mit Rußland ihre Bedingungn formuliert: Wiederherstellung des Privateigentums, Einführung einer 3ivil rechtsordnung, Schaffung unabhängiger Getigte, Sicherung privater Verträge, Garantien Das ist, wie der oben mitgeteilte Auszug aus dem englisch russischen Abkommen erneut bestätigt, nur unter schweren Opfern und immer neuen Belastungen der arbeitenden Massen in Rußland möglich: Abzahlung von Baren- Schulden, Entfchäbigungen von Rapitalisten, Gewährung von Ausbeutungstonzeffionen an nationale und internationale Kapitalisten, Deffnung Rußlands als Anlagegebiet für internationale Finanzfapitalisten durch die Methode der äußeren Anleihe. Obendrein müssen die russischen Kommunisten, weil sie die Regierungspartei find, auf das Brunfftüd ihrer Propaganda, die Förderung der proletarischen Weltrevolution ausdrücklich verzichten und Burgfrieden mit kapitalistischen Regierungen feierlich eingehen. Nach diesen Feststellungen tann man den groben Unfug ermeffen, den die Kommunisten in Deutschland, auf Befehl von Moskau mit ihrem Geschimpfe gegen die Haltung der Sozialdemokratie gewerbsmäßig verüben. Deutschland kann ohne äußere Anleihe, ohne Beseitigung militärischer Zwangsmaßnahmen und gewaltiger Eingriffe in seine Wirtschaft nicht zur stabilen Währung und Belebung seiner Produktion gelangen. Ohne stabile Währung und Be lebung der Produktion kann das Proletariat in Deutschland feine Kampferaft nicht wiederherstellen, kann es seine Lebenshaltung nicht heben, fann es nicht die Vorbedingungen für seinen Sieg über den Kapitalismus schaffen. An politischen Wirkungsmöglichkeiten fehlt es dem Proletariat in Deutsch land, im Gegensatz zu Sowjetrußland, nicht. Damit sich diese Wirkungsmöglichkeiten voll entfalten tönnen, ist eine andere Haltung zum Dames- Gutachten, als die der Sozialdemokratie, einfach unmöglich. Es sei denn, man wollte das Proletariat dem Rapitalismus wehrlos ausliefern. Das ist das Furchtbare in Sowjetrußland, daß die Ge werkschaften dort feine freigebildeten Organisationen sein können, daß sie den kommunistischen Parteiorganisationen und Regierungsbehörden unterstehen, daß sie nicht, wie in Deutschland, mit allen gewerkschaftlichen Mitteln gegen die kapitalifttsche Ausbeutung fämpfen fönnen. Das ist das Furchtbare in Sowjetrußland, daß das sozialistische Proletariat feine poli tschen Wirkungsmöglichkeiten hat, daß fetne Borfämpfer sadistischen Tschetabestien, wie Roshewnikow, ausgeliefert find und auf den Teufelsinseln im Weißen Meer gemartert werden. Darum trifft jede Ronzession der Kommunisten an die Kapitalisten das russische Proletariat unendlich härter als irgendeine Bantenherrschaft die Arbeiter in irgendeinem Land je treffen tönnte. Bisher haben die Kommunisten in Deutschland nicht genügend aufgeklärte Arbeiter mit Versprechungen auf einen unmittelbar bevorstehenden Sieg des Bolschewismus in Deutsch land genarrt. Dieses Trug- und Gaufelspiel ist zusammen gebrachen. Jezt bemühen fie fich, ihre politische Existenz durch nationalistische Berhezungen zu erhalten. Die Kommunisten merden von Arbeitern schon als Humoristen bezeichnet, die Kommunistische Partei als tomische Partei. Wer wollte die Berechtigung dieser Kennzeichnung der Kommunisten bestreiten? Die Kommunisten haben längst den Echritt vom Erhabenen, Durchführung der Weltrevolution, zum Lächerlichen, nationalistisch- antisemitische Radaupolitik, gemacht. Die Speisekarte des Sozialrentners. Der Rat von Dresden hat den Stadtarzt Dr. Diene mann aufgefordert, ein Gutachten darüber abzugeben, wieviel ein Mensch, der keiner Arbeit mehr nachgehen tann, wöchentlichen Lebensunterhalt bedarf. Dienemann stellt für die Berechnung der Unterſtüßungsfäße dem Fürsorgeamt folgende Zusammenstellung auf: „ Der Nahrungsbedarf eines Erwachsenen, der feiner Arbeit nachgeht, beträgt wöchentlich 14 000 Kalorien( Wärmeeinheiten). Es würden deshalb nötig sein: 6 Boltstüchenmahlzeiten 2000 g Brot W Gemüse Kartoffeln • Speisefett oder Margarine Marmelade oder Sirup 500 3000 250 150 SP SP 250 " Hering 125 Wurst oder Fleisch. 160 Zucker SP250 Haferflocken . 125, Kaffee- Ersaz • O Kalorien ( je 0,13 M.) 907. . 2000 0,78 4 500 0,46 125 0,30 2750( 1 fb. 0,04 m.) 0,24 2000( 1 0,74) 0,37 300( 1 0,48 0,15 275( 1 1,00) 0,25 600( 1 0,24) 0,12 0,36 0,16 0,22 0,11 0,35) 0,09 3,03 " " " " 640( 1 875( 1 ( 1 14065 " Hiernach würde der Ernährungsaufwand für einen Erwachsenen mit rund drei Mart wöchentlich anzunehmen und zum Ausgleich für wahrscheinliche Preissteigerungen 20 Pf. mehr anzusetzen sein. Insgesamt würde also der Rahrungsbedarf für einen Erwachsenen 3,20 M. betragen. Dazu triti noch ein Gaszuschlag für Familien von 60 Pf. und für Alleinstehende von 40 Bf. In den Sommermonaten, 100 ein Gasverbrauch nur zum Kochen notwendig ist, sind die Berbrauchsmengen als ausreichend anzusehen. o Der Vorsitzende der Ortsgruppe Chemniz des Zentral verbandes der Invaliden und Witwen bemerkt zu diesem Gutachten mit Recht: Dieser Küchenzettel, überall eingeführt, würde manche Bolts. frankheit radikal ausretten. Ben tönnte die Zuckertranfheit wohl noch plagen, wer über Herz- oder Lebernerfettung lagen, wem wäre ein Kartoffelbauch wohl noch lästig, wo blieben die Nervenerkrankungen( ohne Kaffee und Tee)? Der Jähzorn würde völlig verschwinden, da diese Krantheit nur eine Eigentümlichkeit der Fleischfresser ist. Auch der Verger mit all seinen Folgen kommt nach dem Dienemannschen Rezept nicht mehr in Frage, da die Milch nicht mehr jauer und die Butter nicht mehr ranzig werden kann. Der völlige Verzicht auf die ausländischen Gewürze ist auch nur zu begrüßen. Da ist beispielsweise der Senf, durch dessen Genuß die Leute verbummen und der außerdem Pidel im Gesicht hervor. die Leute verdummen und der außerdem Pickel im Gesicht hervor rufen soll, und dann der Pfeffer, der den ganzen Geschmad verdirbt. Aber auch der Essig, der mir faure Gesichter macht, wird fünftig nur noch zu Umschlägen verwandt. Durch die Einstellung auf eine vegetarische Lebensweise wird auch die besondere Ausgabe für Safz fortfallen, da in der Pflanzennahrung genügend Salz enthalten ist. -Im übrigen wird Herr Dr. Dienemann dem Sprichwort durch aus gerecht: Wer nicht arbeitet, der soll auch cricht essen." demokraten 17 Das tann man unterschreiben, aber man muß noch hinzusehen, daß die bürgerliche Mehrheit des gegen wärtigen Reichstags entgegen den Anträgen der SozialUnterſtügungssäge beschlossen hat, die diese 3 M. für das Menü der Nichtarbeitenden" faum übriglaffen. das ,, Menü Dr. Dienemann begutachtet wohl noch in Erinnerung an die Kriegszeiten, als Aerzte wissenschaftlich" nachwiesen, daß Kohlrüben nahrhafter sein sollten als Fleisch und Milch, und Fette überflüssig feien. Vielleicht gibt es noch anderorts solche Aerzte; das wäre zu bedauern, denn schließlich sollten sich die Herren für zu gut halten, eine Hungerlebenshaltung amtlich zu rechtfertigen. Ihre Aufgabe wäre es doch wohl, den Maßgebenden in Reich, Staat und Gemeinde klarzulegen, daß alles getan werden muß, deutsche Staatsbürger, die arbeiten wollen, aber nicht mehr können, über das jetzige Hungerniveau zu erheben. Konsumentenmacht! Der Wiederaufbau Deutschlands erfordert 3usammenfas sung der Kräfte. Das Unternehmertum hat dies auch längst erkannt und seit Jahren fyftematisch auf Konzentration hingearbeitet. Die Zusammenschweißung von Einzelunternehmungen zu großen Konzernen, Kartellen, Trusts ufw. find täglich Zeuge dafür, wie das Stapital versteht, sich rechtzeitig einzustellen, um in allen Situationen sich Vorteile zu sichern. Ohne Rücksicht auf politische oder religiöse Einstellung werden hier Wirtschaftsfragen in den Vordergrund gestellt und lediglich vom wirtschaftlichen Standpunkt aus behandelt. Aus diesen Borgängen sollte die Arbeiterschaft lernen. Nicht rur, daß sie sich in ihren politischen oder gewerkschaftlichen Organifationen nicht zersplittern sollte, fie müßte auch von ihrer wirtschaft lichen Macht als Konsument ganz anderen Gebrauch machen, als ste es bis jept getan hat. Der Angestellte, Arbeiter und Beamte muß, wenn er seine Macht als Verbraucher ausnuten will, sich in den Konsumvereinen organisieren, um sich durch gemeinsamen Warenbezug auf dem Gebiet des Verbrauchs jene Vorteile zu sichern, die das Unternehmertum auf dem Gebiete der Produktion fich sichert. In wievielen Fällen würde es heute schon der Arbeiterfchaft möglich sein, in ihrer eigenen Organisation nicht nur die Warenverteilung, sondern auch Warenproduktion zu ganz anderen, besseren Bedingungen durchzuführen, als es in der privattapitalistischen Industrie der Fall ist, wenn eben diese Arbeiter, Angestellten und Beamtenschaft ihre wirtschaftlichen Interessen genau fp planmäßig wahrnehmen und vertreten würden, wie dies das Unternehmertum täglidy tut. Der Kampf der Gemeindearbeiter. Für den sozialen Arbeitsvertrag. Beide Borstöße fonnte der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter für Berlin abwehren, mit Unterstützung der Sozial demokratie im Roten Hause. Den Kämmereiarbeitern blieb der Achtstundentag erhalten, trotz Reichystarifvertrag, dem Haus- und Betriebspersonal der Pflegeanstalten die neunstündige Arbeitszeit, trog Arbeitsministerium und Gesundheitsamt. Die Arbeitszeitverordnung vom 21. Dezember 1923 war das| Ruhelohn und Hinterbliebenenversorgung ft zurzeit im vollen Signal zur Beseitigung des Achtstundentags, auch für alle Herren, Gange. Für Reich und Staat hat schon im Jahre 1922 der Finanzdie im Reich, im Staat und Gemeinde sich zur Vertretung der Arbeit minister Hermes unfeligen Angedentens einen Antrag auf Gegeberinteressen berufen und verpflichtet fühlen. Das Reich verfügte währung von Ruhelohn an Staatsarbeiter nicht nur abgelehnt, sonfür Berlin die 8½stündige Arbeitszeit für die Beamten, während es dern gleichzeitig einen Angriff auf das bestehende Recht Preußen, dant dem sozialdemokratischen Einflusse, in den Gemeinden Deutschlands unternommen mit dem Erfolg, daß in Berlin beim Achtstundentag bewenden ließ. Die Gemeinde sich die Gemeinden, darunter auch Berlin, bemühen, das be= Berlin forderte als Mitglied des Reichsarbeitgeberverbandes stehende Recht zu schmälern und abzubauen. Für Berlin besteht seit deutscher Gemeinden die Einführung der neunstündigen Ar- dem 5. Mai 1901 ein Gemeinde beschluß über Bewährung von beitszeit für die Kämmereiarbeiter. Außerdem aber, gestüßt Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung für die ohne Pensionsauf die Verfügung des Arbeitsministeriums und sanktioniert von berechtigung im Dienste der Stadt stehenden Personen. Der dader Reichsregierung, die zehnstündige Arbeitszeit für malige Beschluß ist zurückzuführen auf Anträge des Verbandes der das Personal der Pflegeanstalten. Gemeinde- und Staatsarbeiter, die in der Stadtverordnetenversammlung die tatkräftigste Unterstüßung der sozialdemokra tischen Frattion fanden. Trotz verschiedener Beränderungen im Laufe der Jahre sind die Grundzüge im allgemeinen die gleichen geblieben, im wesentlichen in Anlehnung an die Pensionsverhältnisse der Beamten. Die Zeit nach der Revolution brachte den Rechtsanspruch der Arbeiter und Angestellten auf Ruhelohn und Hinters bliebenenversorgung, ohne Beitragspflicht der Arbeiter. RuheIohn wie die übrigen sozialen Einrichtungen wurden damals und müssen auch heute noch als Gegenleistung für die relativ Seit Jahr und Tag versucht der Berliner Magiftrat, die Arbeiter und niedrigen Löhne der Gemeindearbeiter bezeichnet werden. Angestellten zur Beitragsleistung heranzuziehen. Zu den umfangreichen Abzügen für die Sozialversicherung, Arbeitslosentasse und Lohnsteuer follen weitere Abzüge bis zu 1 M. pro Woche bei den Arbeitern( bei den Angestellten dürften die Säße noch höher sein) für eine neu zu gründende RuheLohntaffe gemacht werden. Das ist sowohl für Arbeiter wie für Angestellte untragbar; sie erheben mit dem gleichen Recht wie die Beamten Anspruch darauf, Ruhelohn und Hinterbliebenenverforgung in der bisherigen Form zu erhalten. Sie wenden sich an alle politisch einfichtigen Parteien um Unterstützung zur Aufrechterhaltung des bisherigen Zustandes. Beim Abschluß des Tarifvertrages für die Elektrizitätswerke gelang es, die achtstündige Arbeitszeit in vellem Umfang aufrechtzuerhalten. der Berhältnisse zu Anfang dieses Jahres die 8% stündige Ar. Die Arbeiter der Gas- und Wasserwerte haben unter dem Druck beitszeit geschluckt, sie sind dabei, beim nahen Ablauf der Vereinbarungen über die Arbeitszeit sich erneut und hoffentlich für dauernd die achtstündige Arbeitszeit zu erringen. Der Kampf gegen den sozialen Arbeitsvertrag, um Urlaub, Krantenlohn, Ueberzeit bezahlung und Feiertagsbezahlung, geführt auf der ganzen Front der Reichs, Staatsund Gemeindearbeitgeber, ist fast gänzlich abgeschlagen trotz stärksten Druds der Industrie auf Reich, Staat und Gemeinde. Die Front der Arbeitergegner steht aber noch unerfüttert. Deutschnationale und Deutsche Volkspartei im Reichstag und im Landtag, Herr Paeth in der Berliner Stadt verordnetenversammlung und hinter ihm als Gefolgschaft die politischen Parteien, von den Demokraten bis zu den Deutsch nationalen laufen Sturm gegen jede Form des sozialen Arbeitsvertrages. Die Organisation wird in den nächsten Jahren all ihre Kraft anzuwenden haben, um die Angriffe der Bertreter des Kapitals auf unsere sozialen Einrichtungen abzuwehren. Gewaltig wirkte sich der Abbau bei den Beamten, Arbeitern und Angestellten des Staates und der Gemeinden aus. Berlin allein hat im Jahre 1923 mehr als 20 000 Personen abgebaut, vielfach über das Maß deffen hinausgehend, was eine geregelte Berwaltungstätigkeit erfordert. Der Abbau auf Grund der Personalabbauverordnung vom 27. Oftober 1923 hat die Rechtslage der ArMühsam tommen wir in der Lohnfrage vorwärts. Widerftand an allen Stellen, das Ziel der Arbeitgeber der Industrie und beiter und Angestellten bei Reich, Staat und Kommune ganz wesentihrer gelehrigen Schüler in Reich, Staat und Kommune ist die 3 a h- lich beschränkt. Die Zukunft wird den Beamten, Arbeitern und Anlung niedriger Löhne für die breite Masse, Befriedigung gestellten in Reich, Staat und Gemeinde schwere Kämpfe um einzelner qualifizierten Arbeiter und damit zersplitterung der die Erhaltung ihrer bisherigen Rechte und die Weiterführung ihrer Reihen der Arbeitnehmer. Unter dem Druck des Kapitals stehend, Position bringen. sind wir in Reich, Staat und Gemeinde schrittweise weiter gekommen, wobei wir anerkennen die Unter st üßung der Sozialdemotratischen Partei. Der Angriff auf das Grundrecht des sozialen Arbeitsvertrages, Wir haben hier in Berlin die Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend mit 175 Lebensmittel- Abgabestellen, 5 Warenhäuser, 6 Fleischverkaufsstellen. In Lichtenberg unterhält fie neben mehreren anderen Betrieben die größte Bäderei Berlins, hat eine Zweigbäckerei in Tempelhof, verfügt insgesamt über 75 Doppelauszugösen, stellt anerkanntermaßen das beste Brot her und könnte weit mehr Verbraucher mit Brot beliefern, wenn nur her und könnte weit mehr Verbraucher mit Brot beliefern, wenn nur die ihrer wirtschaftlichen Struktur nach für die Konsum- Genossenschaft unbedingt als Mitglieder in Betracht kommenden Verbraucher ihre Rauftraft so organisieren und konzentrieren wollten, daß sie ledig. lich in dieser für sie in Betracht kommenden Organisation ihren Bedarf an Brot und Backwaren de den würden. Dort steht der Betrieb, technisch und hygienisch vervollkommnet wie fein zweiter, und er wird wirtschaftlich nicht voll ausgenußt, weil die Verbraucherschaft es nicht versteht, ihre Intereffen richtig zu wahren. Die Großeintaufs- Gesellschaft Deutscher Ron sumvereine ist, wie schon der Name befagt, ein 3entral unternehmen der deutschen Genossenschafter, sie unterhält Seifen fabriken, Zündholzfabriten, Teigwarenfabrit usw. usw. und muß teilweise verkürzt arbeiten lassen auch nur deshalb, weil die Arbeiterschaft nicht versteht, ihren eigenen Betrieb in erster Linie zu unterstützen. Hier öffnet sich namentlich für unsere Frauen ein ungeheures Gebiet praktischer Tätigkeit. Die Frau muß sich viel mehr bewußt werden, welche Macht sie mit ihrem Wareneinfauf ausübt. heures Gebiet praktischer Tätigkeit. bewußt werden, welche Macht sie mit ihrem Wareneinkauf ausübt. Sie muß jeden Wareneinkauf so gewissermaßen als eine Voltsabftimmung betrachten. Deckt sie ihren Bedarf in einem Privatgeschäft, so stimmt sie damit ab für die gegenwärtige tapitalistische Wirtschaftsordnung; deckt sie dagegen ihren Bedarf im Konsumverein, so stimmt sie für die sozialistische Wirtschaftsordnung und trägt ihrerseits dazu bei, die Entwicklung von der dapitalistischen zur fozia liftischen Wirtschaft zu fördern. Je mehr dieser Gedanke von der arbeitenden Bevölkerung erfaßt und in die Tat umgesetzt wird, desto mehr trägt sie auch wiederum dazu bei, daß Angehörige ihrer Klasse von der fapitalistischen Fron losgelöst und im genossenschaftlichen Betrieb beschäftigt werden können. Einigkeit und Zusammenschluß in den freien Gewerkschaften ist Borbedingung zum Erfolg! Mitarbeit in der Sozialdemokratischen Partet ist Boraussetzung für den politischen Fortschritt. Mahnung an die Siemens- Belegschaft! Aus dem Siemens Konzern wird uns geschrieben: Bei den Betriebsrätewahlen im März 1924 erhielten in den meisten Weren die oppositionellen" Betriebsräte die Mehrheit. Die KPD.- Leute haben es verstanden, die Belegschaft mit ihrer Phraseologie einzufangen. In ihren Flugblättern wurde das Blaue vom Himmel versprochen. Was aber wurde von diesen revolutio nären Helden in den fünf Monaten ihrer Tätigkeit geleistet? Jede Lohnbewegung wurde abgebremst, der Achtstundentag bewußt oder unbewußt verraten. Die Revolutionäre haben eine Ahnung von gefeßlichen Bestimmungen. Ein Teil dieser edlen Spitzenfunttionäre hat sich sogar an Arbeitergrofchen bereichert und ist dann stillschweigend in der Bersenkung verschwunden. Wir bringen auf diesem Wege der Siemens- Belegschaft folgende Dinge zur Kenntnis: Der revolutionäre Arbeiterratsvorsitzende( Sch.) hat 500 m. unterschlagen, die er bei den Kollegen des Wertes für die Firma Beamtenschuh tassierte. Außerdem Sammelgelder der JAH. und Beiträge, die er für die Industrieorganisation einkassierte. Als er von seinen Freunden zur Verantwortung gezogen werden sollte, fchrieb er der KPD- Fraktion des Siemens- Konzerns, daß er die Gelder im Spiel verloren hat. In seinem uns vorliegenden Schreiben( vom 19. August) ersuchte er, ihm das Urteil mitzuteilen. Am Sonntag nahm er sich das Leben. Ein anderer KPD.- Fraktionsmann, der ehemalige Borsitzende des Betriebsrates eines Wertes, 2., hat sich in ähnlicher Weise vergangen, dem er aus dem Konsum feines Bertes einen Bosten 3igaretten ohne Bezahlung mitnahm. Der ganz eble Mostowiter F. aber, ehemals Borsigender des Betriebsrates der Bauleitung, wollte an die Direttionsmitglieder seines Werkes je 5 Pfund Schmalz verteilen, das eigentlich seinen Kollegen zustand. Die Direktion lehnte es aber danfend ab, von diesem weitherzigen revolutionären Angebot Gebrauch zu machen. die so gekennzeichneten Stimmzettel, 61 an der Zahl, für ungültig erklären. Darob ganz erstaunte Gesichter bei den Rapedisten. Man lief zum Bürgerlichen Gericht und beantragte, die Wahl für ungültig zu erffären. Die Klage wurde abgewiesen mit der Begründung, daß der Wahlvorstand forrett ver. fahren ist. Arbeitsrechtlich haben diese Leute überhaupt feinen Schimmer, Selbstverständlich muß auch da gearbeitet, mit aller Hingabe das beweist die Wahl zum Gesamtbetriebsrat. Auf Veranlassung des gearbeitet werden, aber jeder dort Tätige sei es nun ein Lehr- Oberrevolutionärs G. wurden bei der Gesamtbetriebsratswahl die mädchen in irgendeiner Abgabestelle, sei es irgend ein anderer Be Stimmzettel gekennzeichnet mit dem Wort„ Oppo amter bis hinauf zum Geschäftsführer selbst- arbeitet für die Ge- fition". Der Wahlvorstand mußte laut BRG., Wahlordnung§ 9, meinwirtschaft, sie alle wirken durch ihre Tätigkeit für die von uns erstrebte sozialistische Wirtschaftsordnung. Wenn so unsere Berliner Frauen und Männer den Genossenschaftsgedanten erfassen und betätigen, werden wir es sehr bald erleben, daß die jetzigen Einrich tungen der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend nicht mehr ausreichen, um den Bedarf ihrer Mitglieder zu decken. Wir wissen aber auch, daß die Leitung der Konsum- Genossenschaft weitausschauend Vorsorge getroffen hat, um viel weiteren Ansprüchen genügen zu fönnen, als gegenwärtig an fie gestellt werden. Sie befitzt Grundstücke genug, um auf diesen Produktionsstätten zu errichten, fie ist auch nicht etwa engherzig, um alle Dinge von einer Stelle aus zu regeln, sondern ist bestrebt, ihrem ganzen Betrieb die größte Wirt. fchaftlichkeit zu verleihen, und so wird sie in ihrer weiteren Entwidlung Bäckereien, Lagerhäuser und andere Betriebe nicht nur an einer Stelle in Lichtenberg, sondern in den verschiedensten Gegenden Berlins errichten, um strahlenförmig dieses große Wirtschaftsgebiet mit Waren jeglicher Art zu versorgen. Angestellte, Arbeiter und Beamte, Männer und Frauen, werdet Angestellte, Arbeiter und Beamte, Männer und Frauen, werdet euch bewußt, welche Macht ihr als Verbraucher verförpert; werdet euch bewußt, daß diese Macht nur benutzt werden kann, wenn fie organisiert ist, und schließt euch deshalb der KonsumGenossenschaft Berlin und Umgegend an! Internationaler Antikriegstag am 21. September. Der neue, jetzt noch amtierende Arbeiterratsvorsitzende des B.- Werts, ebenfalls ein Mostau- Jünger, erklärte auf die Frage des Vertreters des Oberpräsidenten im Beisein der Firmenleitung anläßlich einer Stillegungsverhandlung, wie die Betriebsvertretung dazu stehe, daß er mit den gesetzlichen Bestimmungen( der Stillegungsverordnung) nicht so vertraut sei. Er bitte um die nötige Aufklärung. Im Wernerwert wird von diesen revolutionären Helden der Neun- bzw. Zehnstundentag fanttioniert. Ist es nicht endlich an der Zeit, daß die Siemens Belegschaft diese Renegaten der Arbeiterbeme. gung zum Teufel jagt, daß man ihnen zeigt, wo sie hingehören? Man muß nur die Langmut der Beleg schaft bewundern. Genug des grausamen Spiels! Der Siemens- Belegschaft rufen wir zu: Besinnt Euch, hinweg mit diesen Schädlingen in der Arbeiterbewegung, erkennt nun endlich, daß nur die freien Gemertschaften die Träger und einzig richtigen Vertreter der Arbeiterschaft sein können. Rafft Euch auf, tretet wieder ein in die Reihen der freien Gewerkschaften! Verbandstag der Schuhmacher. Leipzig, 27. Auguft. Am Dienstag erfolgte die große Aussprache über die vorgelegten Berichte. Ludwig Pirmasens, dessen Ausführungen als Bertreter aus dem besetzten Gebiet besondere Bedeutung zukommen, wies in scharfer Polemit die Auffassung der Kommunisten zurüd. Eingehend verbreitet er sich über die Stellung zum Sachverständigengutachten, das die Kommunisten in erster Linie beftischen Borwürfe gegen bie freigewerffchaftliche Spitenorganisation zurüd. Das Schlußwort des Verbandsvorsitzenden Simon war eine fachliche, aber gründliche, Abrechnung mit den Kom= munisten. Der Verbandstag müsse zu völlig klaren Entscheidungen über die Lattik des Verbandes und die Disziplin feiner Mitglieder tommen; gelten fönne nur, was Verbandstagsbeschlüsse und Statut vorschreiben. tämpften, weil Rußland die deutsch- französische Verständigung fürchte. Parteinachrichten Auch die Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse sei den Kommuniften unangenehm. Das besette Gebiet verlange un. bedingte Annahme des Sachverständigengutachtens. Ablehnung durch die Kommunisten sei schmählicher Berrat an Millionen des deutschen Proletariats, vor allem an den Arbeitern im befezten Gebiet. Unter den 140 000 zurückkehrenden Ausgewiesenen feien auch viele Rommunisten. Vor allem den Klassengenossen im befehten Gebiet sei man es schuldig, den Weg des Sachverständigengutachtens zu gehen. = Schulz Berlin führte Beschwerde, daß die Ruffen nicht zum Verbandstag eingeladen wurden. Simon wies für den Verbandsvorstand diese Beschwerde zurüd und stellte feft, daß sämtliche Beiratsmitglieder für die Arbeitszeitabmachung im neuen Reichstarif gestimmt haben, die dem Vorstand von den Kommunisten zum Vorwurf gemacht wurde. Der Verband werde zu gegebener Zeit den Kampf für die 47- Stunden- Woche aufnehmen. In der weiteren Diskussion marschierte eine Reihe tom munistischer Redner auf, die sich vor allem gegen eine vom Verbandsvorstand eingebrachte Entschließung über das disziplinierte Zusammenwirten der Verbandsmitglieder wenden, da sie in dieser Entschließung ein Hindernis für ihre Agitation in der Organisation sehen. Brunner, als Vertreter des ADGB., weist die kommuniEinsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, 湯 für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Elternbeiräte! Freitag, den 29. Auguft, 7% Uhr, in der Aula Senefelderftr. 6. Vollversammlung der neugewählten Elternbeiräte. Alle sozialistischen Lehrer somie Stadt- und Bezirksverordneten und Bezirksamtsmitglieder find hierzu eingeladen. 3. Kreis Webbing. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde Groß- Berlin! Selfertigung Freitag, den 29. Auguft, 8 Uhr, Schule Butbufer Str. 3. 6. Kreis Kreuzberg. Gonnabend, den 30. Auguft, 7% Uhr ,,, Bunter Abend" im Deutschen Sof", Ludauer Straße. Sumor und Frohsinn". 8wiegefänge, Lieder aur Laute, heitere Dichtungen, Tanz. Mitwirkende: Frau Agnes Schulz- Lichterfeld, Fräulein Olly von Holten, Herr Walter Lichterfeld, Serr Theo Maret. Eintrittskarten zum Preise von 80 Pf. bei allen Bezirksführern und an der Raffe. Achtung, Elternbeiräte! Freitag, den 29. Auguft, 7 Uhr, Konferenz der Obleute bei Wolf Graefe straße 26. Jede Abteilung mus vertreten fein. Heute, Donnerstag, den 28. August: Jungfozialisten, Spielgemeinschaft, Muktgruppe! 7% Uhr zufammenkunft im Jugendheim, Tilsiter Str. 4/5. Gruppe Friedrichshain: Ebenda. Gruppe Nordoft: 7% Uhr Danziger Str. 23. Bortrag des Gen. Bergholz: ,, Nation und Klassentampf." Morgen, Freitag, den 29. August: 128./130. t. Bankow. 7½ Uhr Vorstandssigung mit der Zeitungsbeschwerdetommiffion und allen Beschwerdeführern über unpünktliche Zustellung im Jugendheim Pankow, Breite Gtr. 32. Borwärtsspedition und Hauptexpedition sind eingeladen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Sohennenendorf( Kreis Riederbarnim). Upfere after Parteifämpe Karl weiße I ist im Alter von 55 Jahren verstorben. Jugendveranstaltungen. Anmeldungen zum Ferienaufenthalt am Quenzfee( Sandheim) werden noch im Jugendsekretariat, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 Tr., angenommen. Heute, Donnerstag, den 28. August, abends 7% Uhr: Gesundbrunnen I: Rote Schule, Gotenburger Str. 2, Bortrag: Nikotin und Alkohol." Neukölln I: Münchener Str. 52, Bortrog: Die Entwicklung des Verfassungsrechts." Norden: Putbuser Str. 3: Ludwig- Frank- Abend." Schmargendorf: Rathaus, Bertaer Str., Vortrag: Die fozialistische Arbeiterjugend." Senefelder- Viertel: Oberberger Str. 57( Badeanstalt), Bortrag: Unsere Winterarbeit." Südwesten: Boltswirtschaftlicher Vortrag. Werbebezirk Oberspree. Kreismusikabend im Jugendheim, Niederschöneweide, Berliner Str. 31( Schule). Jn letter Beit haben Schwindler unter Borlegung gefälschter Raffenquittungen versucht, Steuerbeträge in der Wohnung von Steuerpflichtigen einzuziehen. In mehreren Fällen ist es ihnen auch gelungen, Geldbeträge zu erhalten. Es wind daher erneut darauf aufmerksam gemacht, daß Einzahlungen non Reichssteuern grundsäglich bei der zuständigen Finanzkaffe zu leisten find. Der Einzahlung bei der Finanztasse gleich zu achten ist die Ueberweisung im Bank oder Postichedwege, die Uebersendung mittels Postanweisung oder Bahl karte, fowie die Einsendung von Schecks. Die Einsendung von Barbeträgen in Ginschreibe. oder sogar in gewöhn lichen Briefen ist unter allen Umständen zu vermeiden, weil bei etwaigem Verlust von Geldbeträgen aus Briefen die Steuerzahlung als nicht geleistet anzusehen ist. Bur Einholung tid ständiger Steuern" find nur die Rollziehungs beamten der Finanzämter berechtigt, deren Bersonalausweis mit ihrem Licht bild und dem Abdruck des Dienstsiegels versehen ist. ,, Hoffnung" Berliner Schneidereigenossenschaft E. G. m. b. H. Am Rosenthaler Platz Brunnenstraße 185 Am Rosenthaler Platz -LUNGERS -HAUSEN Herren- und Knabenbekleidung in großer Auswahl zu billigsten Preisen/ fertig am Lager Wir empfehlen besonders: Sportanzüge in Loden und Manchester Gummimäntel, Bozener Mäntel u. 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Caputh: Meyer, Brisbamer Str. 5d. Charlottenburg 1: Gefenheimer Str. L Charlottenburg II, Eisfeld, Tauroogener Str. 11. allee 45. Friedenau: Rheinstr. 27, Ede Rönnebergstraße. Friedrichshagen: Mittenamei, Linden- Allee 14, Grünau: P fügner. Röpenider Str. 105. Salensee, Grunewald, Eichlamp: Frau Road, Riost Henriettenplag. Privatwohnung: Katharinenstr. 4. Seinersdorf: Frau Goldba. Nieberschönhausen, Schloß. Sonnigsdorf: Frau Rorbasinfft. Rathenauftr. 8. Hermsdorf: Erich Anuth. Frohnauer Str. 10. Sohenueuendorf: Behlig, Oranienburger Str. 2 Soppegarten: Rauf. Soppegarten- Birtenstein. Barzelle Johannisthal: 2ehmann, Raifer- Wilhelm- Str. 6. Karlshorst: Berndt. Riost, Bahnhofplak. Königswusterhausen: E. Meyer. Botsdamer Str. 9. Raulsdorf: Vogt. Brebered straße 19. Rovenid,$ irschgarten: E dy lag. Stieger Str. 6( Laden). Lichtenberg 1: Lichtenberg, Wartenbergstr. 1. Lichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: Lichtenberg, Bor. bagener Str. 62. Nr. 119. Lichtenberg IV: Dietrich, Roberstr. 58 Schöneberg: Belaiger Str. 27. Lichterfelde Oft, Lantwig: S. Benzel, Santwis. Bietben. Gengig, Rieberichme, Neue Mühle, Rernsdorf, Cablow ftraße 15. Lichterfelbe- West: Berndt, Stegliger Str. 19. Mahlsdorf: Wilhelm Ruta, Sönswer Str. 177. Mariendorf: Auguft Seip Chauffeefir. 29. Marienfelbe: Greulio, Berliner Str. 148. Reuenhagen: Benale, Biegelftr. 71. Neutöfin II: Siegfriedftr. 28/29. Rentolin I: Nedarite. 2. Reukölln III: Winiler, Sobrechtstr. 40, v. 1. Neukölln- Brig: Mittag. Brig, Chauffeeste. 82. Nieberschönemeibe: Schindler, fennftr. 23. Rowames: Rari Rrohnberg. Eisenbahnftr. 10. Oranienburg: Seint. Boenhardt, Stralsunder Str. Oberschöneweibe: Robert Baul. Mathildenftr.&. Bankow: Rikmann Mühlenfte. 70. Rahnsdorf: Teichert, Forststr. 7. Reinidenborf- Off Schönbola: Albert Bable. Brovina Atrake 56( Laben). haus. Friebewald, Senzig, Chauffeeſtr. 54. Siemensftabt: Stenzel, Brunnenstr. 6, D. L Spanbau: Brohm. Achenbachstr. 7. Staaten: 81tel. Cimenwintel 16. Steglig: F: o ft. Schabenrute 2. Sübende: 2 u bwig, Salsteftr. 36. Zegel, Tegelort: Spieß. Tegel, Schlieperftr. 52. Eeltow: Safe I, Ritterstr. 29. New Tempelhof: Sarsborf, Werderstr. 81 v. pt. tempelhof: Randler, Sohenzollerntorfo 5. Trebbin: 6oring, Bahnhofftr. 62. Treptow: Resler. Riefholaftr. 18b. 6. Betßensee: Reintnet, Röltefte 175, v. 1. Baibmannsluft: Rohde, Oraniendamm 10. Wildan- Hoherlehme: Rub. Bettow Wilhelmshagen, Seeuwintel: Schulae, Wilhelmshagen, Wilhelmstr. 81. Wilmersdorf II: Schubert. Bilhelmsaue 27. Sof 1. Bilmersdorf I: Buble, Budwig- Ritch- Blas 9, Gift. IV. Bittenau Ribell Sauptfte. 65. Wilmersdorf III: 8immer, Auguftaftr. 34, Hof part. Eichendamm 22. Boltersborf: Schurbaum Zehlendorf, Schlachtenfee, Ritolasjee: Behlendorf, Teltower Straße 3. Berthen, Miersborf: A. Behling, Bahnhofstr. 2. Reinidendorf- Weft: Bendt, Schoenwebert. 114, Bolts Rosenthal: Mar Dehmel, Schillerstr. 18. Rubow: Otto Railer, Baltersharfer Chauffee. Rüdersdorf, Ralfberge, Tasdorf: Adolf Goerte, Ralfberge, Rhebenstraße 15. Sabowa, Raulsborf- Sib, Mahlsbort- Süb: Senfte. Raulsdorf- Süd, Waldstr. 66. Schmargendorf I: Blista, Brette Str. 14 Roffen: itt, Bahnhofftr. 25. Sämtliche Siteratur sowie alle wiffenfchaftlichen Berke werben geliefert. Sonntags And die Geschäftsstellen neidfoken. Nr. 404 41. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Abstimmungen in zweiter Lesung. Polizei im Reichstag. Im weiteren Verlauf der gestrigen Reichstagsligung ging die Novelle zum Postgesen( Erhöhung der Ersagpflicht der Post für verlorene Batete und Einschreibbriefe) an den Berkehrsausschuß. Einige andere fleine Vorlagen werden verabschiedet, darunter der Freund fchaftsvertrag mit Nicaragua und die Verlängerung des vorläufigen Handelsübereinkommens mit Spanien. Außerhalb der Tagesordnung fragt Frau Abg. Golfe[ Ruth Fischer]( Komm.), ob Artikel 7 des Londoner Abkommens über die Amnestie nicht nur den Separatisten, sondern auch den Kommunisten zugute tommen foll. Sie verlangt Ausdehnung der Amnestie auch auf das unbelegte Gebiet Abg. Sollmann( Soz.) unterstützt das Verlangen, die Amnestie im befehlen Gebiet möglichst weitgehend auszulegen. Er nimmt die Sozialdemokraten gegen den Borwurf in Schutz, daß fie in irgendeiner Weise den Separatismus gefördert hätten.( Lärm bei den Kommunisten.) Der sogenannte Sechziger- Ausschuß war im Einvernehmen mit der Reichsregierung eingerichtet. Ihm gehörten auch Kommunisten an.( Widerspruch bei den Kommunisten.) Abg. Koch- Weser( Dem.): Die beutschdemokratische Partei hat stets das größte Gewicht darauf gelegt, alle diejenigen mit aller Schärfe zu bekämpfen, die mit Gewalt gegen die Verfassung vorgehen. Gleichgültig, ob diese Bestrebungen von rechts oder von lints tommen. Die deutschdemokratische Partei ist aus diesem Grunde grundsäglich eine Gegnerin der Amnestie für poli. fische Verbrechen.( Großer Lärm und Hört- Hört- Rufe bei den Rommunisten und Nationalsozialisten.) Nun hat man uns die Bebingung aufgezwungen, die Separatisten mit einer Amnestie zu be denken, wenn unsere Landsleute, die in französischen Gefängnissen fizen, weil sie im Interesse des Deutschtums im belegten Gebiet tätig gewesen find, ihre Freiheit wiedergewinnen.( Ruf bei den Kommuniften: Man hat es ja freiwillig unterschrieben.) Wir sehen nun teinen Grund, das Unheil dadurch zu vermehren, daß wir eine allgemeine Umneffie bewilligen.( Große Unruhe bei den Rommunisten und Nationalsozialisten. Abg. Kaz ruft: Pfui Teufel!) Die Vor würfe, die man heute meinem Freund Brodauf gemacht hat, find durchaus ungerechtfertigt.( Abg. Razz ruft: Pfuil als der Name Brodauf erwähnt wird, worauf Bizepräsident Dr. Rießer erflärt, daß Bfuirufe im allgemeinen nicht parlamentarisch seien.) Sum mindesten müsse man abwarten, ob morgen tatsächlich der Beschluß gefaßt werden wird, die Separatisten freizulassen, und die Parteien, wie die Stommunisten und Nationalsozialisten, die morgen diesen Beschluß nicht faffen wollen, haben die allergeringste Veranlassung, folche Forderung zu stellen.( Große Unruhe bei den Nationalsozialisten und Kommunisten. Abg. Kay wird zur Ordnung gerufen, weil er dem Redner zuruft: Schieber!) Wenn die Separatisten morgen durch einen Beschluß des Hauses befreit werden, dann können wir am Freitag nochmals über die Sache beraten Vorher haben wir nicht die geringste Veranlassung dazu. Man hat den Abgeord. neten Brodauf wegen seiner fachlichen Stellungnahme sogar einen elenden Schuft" genannt.( Abg. Katz( Komm.) ruft: Das habe ich erklärt!) Nur durch die Zurufe von deutschvöllischer und kommunistischer Seife ist der heutige bedauerliche Vorfall hervorgerufen worden, beide Parteien frifft die gleiche Schuld daran. Ich hoffe, dak diefer Reichstag entweder in fürzester Frist die Kraft findet, fich gegen jolchen Radau zu wehren und den Weg geht, den er verdient.( Großer Lärm bei den Kommunisten und Nationalfozialisten.) Abg. Quaah( Dnat.) erklärt, die Deutschnationalen würden, was fie zu sagen haben, noch dem Bolte mitteilen. Abg. Dr. Frid( Natsoz.) bestreitet, daß die unerfreulichen Borgänge von heute morgen durch die nationalsozialistischen Zwischenrufe her. vorgerufen worden seien. Im übrigen fchließt sich der Redner Frau Golte an und beantragt die Amnestiefrage als ersten Buntt auf die morgige Tagesordnung zu sehen. Bizepräsident Dr. Riefer: Es ist mir mitgeteilt worden, daß der Abg. Kopsch gegenüber einem deutschvölkischen Herrn den Ausdrud gebraucht haben soll: Einer der gemeinsten Hezer. ( Abg. Kopsch( Dem.) ruft: Nein. Großer Lärm bei den Nationalsozialisten, Rufe: Das hat er doch gesagt, gemeiner Lügner, Feigling.) Falls dieser Ausdrud gefallen ist, muß ich den Abg. Kopsch zur Ordnung rufen. # Abg. Stoeder( Komm.) bestreitet, daß die tommu nistische Partei im Sechziger Ausschuß gesessen habe. Diese Behauptung Sollmanns sei unwahr. Wahr fei allerdings, daß der Ausschuß niemals zu staatspolitischen Beschlüssen über die Abtrennung gefommen sei. Das sei aber nicht das Verdienst irgendeiner bürgerlichen Bartei mit Einschluß der Sozialdemo fraten. Der Redner erinnert an Artikel der Abgg. Meerfeld( Soz.), Ertelenz( Dem.) und Dr. Moldenhauer( DBp.), sowie an zahlreiche Erklärungen von Zentrumsabgeordneten, um zu beweisen, daß diese Barteien mit dem Gedanken der Lostrennung gespielt hätten.( Buruf bei den Kommunisten: Reichskanzler Marr!) Zum mindesten der Als aber hier im Lostrennung des Rheinlandes von Preußen. Haufe ein rheinisches Parlament gebildet werden sollte, bei welchem durch elenden Ruhhandel und gemeine Schieberet Die stärkste Bertretung der rheinischen Arbeiter ausgefchloffen und Bollmachten für diese Körperschaft durchgesetzt werden sollten, die die größten Gefahren in fich bargen, da hätten allerdings die Rommunisten verlangt, daß fie nicht ausgeschaltet würden, aber auch nur, um inner- und außerhalb dieses Aus. schusses den schärfsten Kampf gegen den Separatismus zu führen Lachen bei ( Buruf bei den Sozialdemokraten: Genau wie mir! Den Kommunisten.) Abg. Koch( Dem.) fragt, ob es richtig sei, daß von den Böl fifchen fortwährend gerufen worden sei: Raus!( Rufe b. d. Nat. Soz.: Sowohl!) Daraufhin sind aber die Kommunisten auf meinen Freund Brodauf zugesprungen! Herr v. Graefe, der vorsichtiger( Großer Lärm b. d. Nat.- Soz weise den Saal verlassen hat und Bur: fe Fi wiffen doch, daß jest um 2 Uhr der Aeltitan is Ichuk zufammentritt, und daß Graefe dabei ist!) Herr v. Graefe hat Brodauf„ Jude" zugerufen, elender Schuft"( Sehr richtig! b. d. Nat.- Soz.),„ Separatistenunterstützer".( Jawohl b. d. Nat. Soz.) Alle diese Aeußerungen werden jetzt zugegeben.( Buruf b. d. Nat.- Soz.: Jawohl, weil sie stimmen!) Ich stelle also feft, daß die hauptsächliche Verantwortung für die Erregung hier im Hause die Nationalsozialisten trifft. Abg. Sollmann( Soz.) betont, daß die Maffen im besetzten Gebiet ihre Pflicht getan haben gegenüber bem Separatismus( Abg. Rah( Komm.): Gegen über dem Separatisten Sollmann!) Herr toeder wird bestätigen, daß der Vorwurf des Separatismus mich nicht trifft Herr Streder schweigt, er gibt es also zu. Einen solchen Bor. wurf fann auch nur ein Herr Iwan Razz erheben. Herr Sloeder hat an einer vorbereitenden Sigung teilgenommen und ist damals in den Sechzigerausschuß hineingewählt worden. Wenn er an den Sigungen des legteren nicht weiter teilgenommen hat, fo bat er Donnerstag, 28. August 1924 Keine Zweidrittelmehrheit für das Eisenbahngefeh. feine Pflicht verlegt. Wir sind stets Gegner des Separatismus gewesen, wir haben stets gegen die Loslösung der Rheinlande von Preußen angefämpft.( Rufe b. d. Komm.: Meerfeld!) So gewaltig die Gegenfäße sind, die die rheinische Arbeiterschaft politisch trennen, im Kampf gegen den Separatismus hat die gesamte rheinische Arbeiterschaft immer ihre Pflicht getan. Abg. Jenzen( Dt.- Soz.): Ich habe den Borgängen von vorhin, die fich verhältnismäßig schnell abgespielt haben, ganz in der Nähe beigewohnt und stelle fest, daß erft provoziert worden ist, als der fommunistische Stoßtrupp vordrang.( Große Unruhe b. d. Komm. Ruf: Elender Berleumder) Bon deutschvöltischer Seite ist nicht provoziert worden. Den Unwillen der Kommunisten verstehe ich durchaus gegenüber dem Verhalten des sogenannten Demofraten Brodauf. Jetzt will Herr Koch aus dem Vorgang für seine Partei ein politisches Geschäft machen; demgegenüber stelle ich weiter fest, daß gerade der Abg. Ropich es war, ber unter deutlichem Finger zeig einen deutschvölkischen Abgeordneten als„ elenden Hezer" bezeichnet hat.( Große Unruhe b. d. Dem.) Nachher hat Herr Stopsch es abgestritten. Herr Koch soll also feinen eigenen Leuten Moral predigen. Abg. Effer- Köln( 3.) bemerkt gegenüber den Kommunisten, daß die heute von ihnen angegriffenen Angehörigen des Zentrums etn volles Jahr lang in vorderster Front gegen den Separatismus gestanden haben. Deutschvölkische Schimpflanonade. Das Publikum verläßt die Tribünen, ebenso räumen die im Saale anwesenden Regierungsvertreter ihre Plätze, desgleichen die Bertreter der Presse auf der Journalistentribüne. Der Abgeordnete Neddermeyer verläßt freiwillig den Saal. Dagegen warten die Abgg. Grube und Eppstein erst eine dreimalige Aufforderung der vom Präsidenten herbeigeholten Polizeibeamten ab, ehe fie sich entfernen. Wiedereröffnung der Sitzung. Als Präsident Wallraf wieder im Saale erscheint, rufen die Kommunisten: Nieder mit diesem Polizeiparlament. Bräsident Wallraf eröffnet die Sigung wieder um 6½ Uhr mit einer Erklärung, von der auf der Tribüne infolge der dauernden lärmenden Unterbrechungen der Kommunisten nur Brudſtüde verständlich werden. Er führt eiwa aus: Die polizeiliche Entfernung von Abgeordneten( Pfuirufe bei den Kommunisten) aus diesem Saale steht einzig da in der Geschichte des Deutschen Reichstages. Ich hoffe, es wird auch das legtemal sein. Das Recht bes einzelnen Abgeordneten, seine Meinung hier auszusprechen, muß ebenso gewahrt werden wie die Würde des Reichstages. Wenn man mich noch zu weitergehenden Maßnahmen zwingt, und wenn dieser Zwang von Ihnen( zu den Kommunisten) ausgeübt wird, werde ich durch meine Pflicht zu einem anderen Wege gezwungen. Abg. Stoeder( Romm.) verlangt das Wort zur Geschäftsordnung. Präsident Wallraf: Ich erteile Herrn Stoeder bas vorhin zurüdfommen wolle. Gegen dieses mein Verhalten steht ihm zunächst der Einspruch an das Haus frei. Damit ist diese Sache für heute erledigt.( Beifall.) Abg. Stoeder erhält das Wort auch nicht zu einer Erflärung lich genug eben ausgedrückt! Abg. v. Graefe( Nat.- Soz.): Der Abg. Roch hat die Stirn gesort nicht, da er mir erklärt hat, daß er auf den Vorfall von habt, zu behaupten, daß die Szene von vorhin auf meine Veran laffung herbeigeführt worden ist. Ich verstehe durchaus, wenn ble Demokraten jetzt einen Ausweg suchen, angesichts der boden lofen Gemeinheit, die fich ein Mitglied ihrer Bartei zu fchulden kommen ließ.( Große Unruhe und Zurufe.) Der Ausdrud iff unparlamentarisch. Aber die deutsche Sprache bietet mir feinen anderen Ausdrud. Ich habe auch nicht das Geringste von meiner Kennzeichnung zurückzunehmen.( Fortdauernder großer Lärm in der Mitte u. b. b. Dem.) Eine Meerestiefe trennt mich von den Kommunisten, aber ich ertenne an, sie haben doch noch mehr Idealismus als die vertommenen und vertaltten Reprä. fentanten der Nachkommen derer von 1848, der heutigen so( Fortdauernder allgemeiner genannten Demokratischen Partei. Lärm.) Herr Koch soll dann weiter gesagt haben, ich wäre an die Tische der Demofraten vorgedrungen und hätte mich dann heimlich gebrückt. Es muß schon ein anderer Kert sein als er, wenn ich mich heimlich drüden soll.( Stürmische Heiterfeit.) Abg. Stoeder( Komm.): Ich bin an der Bildung des Sechziger ausschusses nicht beteiligt gewesen. Abg. Kopsch( Dem.) erflärt, fich nach dem Borgehen der Deutsch pölfischen gegen Brodauf zu seinem Zwischenruf für berechtigt gehalten zu haben. Abg. Sollmann( Soz.) tritt wieberhoft den Behauptungen des bg. Stoeder entgegen. Abg. Stoeder( Komm.) erklärt, Sollmann habe lediglich für die Suziehung der Kommunisten plädiert, teilgenommen hätten diese an der Sigung des Sechzigerausschusses jedoch nicht. Mit Rücksicht auf die Beratungen des Aeltestenrates werben die Beratungen um 2% Uhr bis 5 Uhr unterbrochen. Dann sollen die Abstimmungen für die zweite Lesung der Gutachtengesetze statt. finden. Die zweite Sihung. mt fast einstündiger Verspätung wird die neue Sigung um 6 Uhr vom Bräsidenten Walltaf eröffnet. Das Haus ist start besetzt, die Tribünen find überfüllt. Bräsident Wallraf nimmt dann sofort Stellung zu den Tumult fenen in der Bormittagsfihung des Reichstages. Die Borgänge, die fich vorhin im Reichstag abgespielt haben, zwingen den Bräsidenten, barauf zurüdzukommen. Ich habe festgestellt, daß der Abgeordnete v. Graefe durch Zwischenrufe beleidigender Art den Abgeordneten Brodauf verlegt hat. Ich rufe den Abg. v. Graefe dafür aur Ordnung. Die Prügelszene, die sich dann zu unserem Schmerz, zum Schmerz der überwiegenden Mehrheit des Hauses und auch des Präsidenten, hier zutrug, hat bis zur Stunde nicht in allen Einzelheiten geflärt werden fönnen. Micht alle, die sich einer gröblichen Berlegung der Ordnung schuldig gemacht haben, find einwand. frei ermittelt. Namentliche Abstimmung in zweiter Lesung. Präsident Wallraf: Wir kommen zur Abstimmung. ( Rufe bei den Kommunisten: Erklärung zur Abstimmung.) Ich bitte, mich nicht immerfort zu unterbrechen. Ich habe mich doch deutlich genug eben ausgedrückt! Der Präsident macht von dem Borschlag des Aeltestenrats Mittellung, die Entschließungen erst bei der dritten Lesung zur Beschlußfaffung vorzulegen. Das Haus ist damit einverstanden. liche Abstimmung. Zur Unterſtüßung dieses Antrages er Bum Bankgesetz beantragt Abg. Koenen( Komm.) namentheben sich auch die Nationalsozialisten, worauf die Kommunisten Bravo rufen. Die Unterstützung reicht aus. Die namentliche Abstimmung ergibt die Annahme des Bankgesetzes mit 249 gegen 171 Stimmen. Dagegen haben die Deutschnationalen, Nationalsozialisten, kommunisten und Deutschsozialen gestimmt. Bor den weiteren Abstimmungen erhält das Wort zu einer Erklärung namens der Nationalsozialistischen Partei Abg. Dr. Frid: Namens der Nationalsozialistischen Freiheits partei habe ich zu erklären: Die Entschließungen und Anträge reden Sie find nur ein Versuch der fämtlich an der Sache vorbei. Deutschnationalen Boltspartei, eine Brüde zu bauen. Die Nationalfozialistische Freiheitspartei wird ihrer Auffassung dadurch Ausbrud geben, daß fie teine Stellung zu den Anträgen nimmt, sondern fich der Abstimmung enthält. Namens der Sozialdemokratischen Partei gibt Abg. Dittmann folgende Erklärung ab: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird wie bisher mit Entschiedenheit dafür wirken, daß die rechts. widrige Befehung des Ruhrgebiets und der übrigen Sanftions gebiete fo rasch wie möglich, jedenfalls noch vor dem 15. Auguft nächsten Jahres, aufgehoben und für die Kölner Zone die am 10. Januar 1925 ablaufende Räumungsfrist pünktlich innegehalten wird. Getreu ihren Grundsägen und in Uebereinstimmung mit Ben schlüssen der sozialistischen und gewerkschaftlichen Internationale betämpft die deutsche Sozialdemokratie jede. Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung durch fremde Heeresmacht und fordert die Räumung des gesamten besezten Gebietes noch vor dem vertragsmäßigen Termin. Die sozialdemokratische Fraktion erflärt weiter, daß nach Sinn und Wortlaut des Londoner Vertrages die von Deutschland übernommenen Verpflichtungen von dem Zustande. tommen der Deutschland zu gewährenden Anleihe abhängig sind. Die sozialdemokratische Fraftion erfärt weiter, daß sie, wie sie es durch ihren Redner, den Abg. ScheideAbg. Stoeder( Romm.) verlangt das Wort zur Geschäftsordning. mann, schon am 25. Juli ausführlich hat darstellen laffen, eine Präs. Wallraf verweigert es ihm: Sie bekommen sofort das Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Weltkrieges Wort, sobald die drei Abgeordneten, die ich genannt habe, den Gaal nie angenommen hat. Zugleich stellt sie fest, daß die vor. liegenden Anträge und Resolutionen an dem gegebenen Rechtszuverlassen haben. Darauf warte ich.( Erneute zurufe b. d. Komm.: fband und an der Lage des deutschen Belles nicht zu ändern verBeine, Korell! Gegenrufe: Die haben nur abgewehrt!) mögen. Ihre Annahme fell lediglich zur Verschleierung der TatBräs. Wallraf stellt nunmehr feft, daß die drei genannten Ab- fache dienen, daß versucht wird, Mitglieder dieses Hauses durch Eingeordneten seiner Aufforderung zum Verlassen des Scales nicht geräumung von Regierungsstellen und wirtschaftlichen Zugestärdu fjen folgt sind und unterbricht die Sigung auf fünf Minu zu einer Veränderung seiner bisherigen Haltung zu bewegen. Aus Die Abgeordneten Grube, Neddermeyer und Eppstein bleiben diesem Grunde lehnt die sozialdemokratische Reichstagsfraktion alle trotzdem auf ihren Blägen. diese Anträge und Refolutionen ab. Fest steht indeffen, daß als Angreifer fich beteiligt haben die Abgeordneten Grube, Neddermeyer und Eppftein.( Rufe b. b. Komm.: Korell, Beine, Herb.) Wegen gröblicher Berletzung der Ordnung des Hauses schließe ich die drei genannten Abgeordneten von der heutigen Sigung aus, und ich fordere sie auf, den Saal zu verlaffen. ten Nach fünf Minuten wird die Sigung vom Präsidenten Wallraf wieder eröffnet, der folgendes bemerkt: Durch die vorhin festgestellte Beigerung der Abgg. Grube, Neddermeyer und Epostein, meinen Anordnungen zu folgen und dementsprechend den Saal zu verlassen und durch die deshalb von mir verkündete Unterbrechung der Sitzung tritt der Ausschluß der drei Abgeordneten auf acht Sihungstage ein.( Kurze Bause.) Ich stelle fest, daß sie auch jest nicht den Saal verlassen und also lich wiederholt geweigert haben, meinen Anordnungen zu folgen. Dadurch ist der Ausschluß auf zwanzig Sihungsfage Don felbft eingetreten.( Großer Lärm bei den Kommunisten, leb hafter Beifall bei den anderen Parteien.) Ich mache darauf aufmertfam, daß nach der Reichsverfassung dem Präsidenten des Reichs. tags das Haus recht zusteht.( Großer Lärm bei den Kommunisten und Zurufe. Lebhafter Beifall bei den anderen Parteien.) Ich mache weiter darauf aufmerksam, daß ein Widerstand gegen meine Maßnahmen einen Hausfriebensbruch bedeutet( großer Lärm bei den Kommunisten) und daß weiterhin Widerstand gegen. über den Erekutivbeamten als Widerstand gegen die rechtmäßige Ausübung der Staatsgewalt gilt. Abgeordnete, die auf frischer Tat festgenommen werden, verlieren ihre Immunität gemäß Artikel 37 der Reichsverfassung.( Großer Lärm bei den Kommunisten.) nunmehr bitte ich die Tribünen für das Bublifum zu räumen. Auch die Herren von der Regierung und die Journalisten bitte ich, thre Plätze zu verlassen. In namentlicher Abstimmung werden angenommen: dos Privatbanknotengeseh, der Gesehentwurf über die Liquidierung der Rentenbank und das Münzgesetz. Dagegen stimmten geschloffen die Kommunisten, Nationalsozialisten und die Deutschnationalen. Das Gesetz wird mit 247 gegen 173 Stimmen angenommen. Ein Mitglied enthält sich der Abstimmung. Zum Gesetz zur Aufbringung der Industriebelastung sind Abänderungsanträge gestellt. En Antrag Dr. Schneider- Sachfer( D. Bp.) von nur redaktioneller Bedeutung gelangt zur Annahme, ebenso der Antrag, die merbenden Betriebe des Reiches, der Länder und Gemeinden entgegen dem Reichsratsbeschluß für ausbringungspflichtig zu erklären, diefer mit den Stimmen der Deutschnationalen. In dieser Fassung fonimt das Gesetz mit der gleichen Mehrheit wie die vorher genehmigten Gefeßentivürfe zur Annahme. Es folgt die Abstimmung über das Reichsbahngefes. Abg. Dr. Bredt( Wirtsch. Bgg.) erklärt vor der Abstimmung. Nachdem wir gehört haben, daß die deutsche Regierung fich in Lordon darauf festgelegt hat, daß eine 3 meidrittelmehr. heit über dieses Gesetz entscheiden soll, ziehen wir unsern Antrag zurüd. Ich stelle aber fest, daß die Regierung sich festgelegt hat in dieser Frage, ohne jemals den Reichstag, der doch beruhen soll. Zur Abgabe einer Erklärung namens der kommunistischen Fraktion erhält das Wort Abg. Stoeder( Komm.): Bei dieser wichtigen und entscheidenden Abstimmung fehlen neben brei inhaftierten Mitgliedern der tommunistischen Fraktion noch fünf weitere, die aus dem Hause ausgeschlossen worden sind. Diese absichtliche Schwächung der Oppofition( Gelächter) ist erst heute zum Teil noch herbeigeführt worden. Der Redner verfucht hierauf eine ausführliche Darstellung der Vorfälle zu geben, die zu der Prügelſzene im Reichstag geführt haben. Präsident Wallraf ruft den Redner dreimal zur Sache und als der Abg. Stoecker trotzdem weiter versucht, eine Darstellung der betreffenden Vorgänge zu geben, befragt der Präsident das Haus darüber, ob der Abg. Stoecker noch weiter sprechen dürfe. Mit großer Mehrheit wird dem Abg. Stoeder das Wort entzogen.( Stürmische Pfuirufe b. d. Komm.) Gegen die Wortentziehung stimmten die Kommunisten und Nationalsozialisten. be In der Gummiwarenindustrie versuchte ein deutscher Kommissionär eines New Yorker Hauses fürzlich einen Auftrag über 12 000 Duzend Gummischürzen unterzubringen. Eine deutende Fabrik lehnte jebe Offerte rundweg ab, da sie nicht imftande sei, eine derartige Menge überhaupt an aufertigen. Gleichzeitig mit dieser Ablehnung las man aber in deutschen Zeitungen die Nachricht, daß bedeutende Fabriken dieser Branche ihre Belegschaften entließen und ihre Betriebe stillegten. zur Entscheidung berufen war, zu hören. Auch dem Auswärtigen| trächtlich gefteigert. Auch die anderen, insbesondere die europäischen Die Ursache der Betriebsstillegungen. Ausschuß ist nichts mitgeteilt worden, wir hatten nicht einmal Länder, haben während des Krieges starke elektrotechnische Industrien Wiederholt haben wir dargelegt, daß die willkürliche Kenntnis von dem Gutachten, auf dem die Stellung der Regierung entwickelt und sie überdies durch Zollschutz und andere protektioni- ueberteuerung der Produktion durch die Unternehmer Schulb stische Maßnahmen gesichert. Die Lage in der deutschen elektrotech- an der gegenwärtigen Abfaktrise trägt. Das„ Berl. Tagebl." bringt nischen Industrie ist jetzt die, daß wir zu teuer produzieren nun eine Reihe von interessanten Beispielen, wie deutsche Fabrikan. und daß wir unsere Preise ermäßigen müssen, um auf dem ten durch fehlerhafte Preis und Erportpolitik die Weltmarkt wieder konkurrenzfähig zu werden. Durch einfaches Absahmöglichkeit nach dem Auslande untergraben. Eins sei hier ,, Mehrarbeiten" jei das Problem nicht zu lösen, vielmehr wiedergegeben: nur durch grundlegende Verbesserungen der Betriebseinrichtungen und der Betriebsweise. Nachdem Hissint die gegenwärtige Lage der Fabrikation im einzelnen, d. h. die Preise der Rohstoffe, den Stand der Löhne und der Arbeitszeit, die steuerlichen Lasten, die Höhe des Zinsfußes und die der Eisenbahnfrachten untersucht hat, fommt er zu dem Kernpunkt seiner Ausführungen: Eine Besserung der Verhältnisse hänge davon ab, ob es in Deutschland möglich sei, eine wahrhafte Mechanisierung nach dem Muster der Ford- Werke in Amerika durchzuführen. Um die Mechanisierung, d. h. die Ausgestaltung einer rationellen Maffenfabrikation anzubahnen, schlägt Hissint nicht mehr und nicht weniger als die Er richtung eines deutschen Elektrizitätstrust es vor, d. h. den Zusammenschluß aller elektrotechnischen Firmen wie AEG., Siemens, Bergmann, Brown Boveri u. Co., usw. zu einer 3entralgesell fchaft, einer Bereinigten deutschen elettrotechnis und fommerziellen Zersplitterung in zahlreiche einzelne Firmen follte chen Industrie. Statt der jetzigen fonstruktiven, fabritatorischen es in Zukunft nur noch eine Konstruktionsabteilung, eine ein heitliche normalisierte und typifierte Massenfabrikation, eine Einfaufs- und eine Verkaufsorganisation geben. Durch eine derartige Neuorganisation der Industrie werde es möglich sein, die Herstellungs. fosten soweit zu verbilligen, daß der Weltmarkt wieder erobert werben könnte. Das aber sei dringend erforderlich. Denn in Deutschland müßten 20 Millionen Menschen durch Einfuhr von Lebensmitteln von dem Auslande ernährt werden, was nur möglich sei, wenn wir in der Lage wären, die Erzeugnisse unserer Arbeit in das Ausland zu exportieren. Die Abstimmung über das Reichsbahngesetz ist wieder namentlich. Für die Vorlage waren 248, gegen 174 Stimmen bei einer Enthaltung abgegeben; fie findet also nicht die notwendige 3 weidrittelmehrheit und gilt damit als abgelehnt. Das Reichsbahnpersonalgefeß wird in einfacher Abstimmung Das Reichsbahnperfonalgefeß wird in einfacher Abstimmung Zum Mantelgeset angenommen. liegen die bekannten Anträge vor. Abg. Schulh- Bromberg( Dnat.) erklärt namens seiner Fraktion zu diesen Anträgen, fie behalte sich für den Fall einer Annahme in zweiter Lesung die Stellung von Abänderungsanträgen in dritter Abg. Scholem( Komm.) gibt gleichfalls eine längere Erklärung Cefung vor.( hört! hört! b. d. Soz.) ab. Um den Deutschnationalen ihre Zustimmung zu dem Londoner Baft nicht zu erleichtern, sei die kommunistische Frattion bereit ge= wesen, ihren in Frage kommenden Mitgliedern für die morgige Sigung Urlaub zu erteilen. Leider sei es ihnen im Aeltestenrat unmöglich gemacht worden, irgendein Wort zu dieser Sache zu fagen. Sie hätten die fefte Ueberzeugung, daß der deutschnationale Präsident den Ausschluß der Kommunisten nur herbeigeführt habe, um die Minderheit, die gegen das Eisenbahngefeh stimme, zu schwächen. Der Antrag Zapf- Becker- Curtius wird gegen die Stimmen der Kommunisten, Sozialdemokraten und eines Teils der Nationalsozialisten angenommen, ebenso der Anfrag v. Raumer. In dieser Fassung nimmt das Haus das Gesetz über die Londoner Konferenz in namentlicher Abstimmung mit 248 gegen 175 Stimmen an; ein Mitglied enthält sich. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Das Haus vertragt sich. Bräfident Wallraf schlägt vor, die nächste Sigung abzuhalten am Donnerstag, 10 Uhr, mit der Tagesordnung: Kleine Vorlagen, dritte Lesung der Dawes- Gefeße, Amnestie, Freifahrtkarten. Abg. Effer( 3.) beantragt, auch ein Ermächtigungsgefeß für die Regierung zur Einführung einer Erwerbslosenfürsorge für Seeleute auf die Tagesliste zu sehen. Abgg. Frick( Natsoz.) und Katz( Komm.) wünschen Beratung der Amnestie vor den Dames- Gesetzen. Abg. v. Guérard( 3.) rechnet mit einer Auflösung und beantragt deshalb, das Gesetz über die Freifahrtkarten, da es zum Zwed habe, den Abgeordneten noch acht Tage nach der Auflösung die Freifahrtkarten zu belassen, gleichfalls vor den DawesGefeßen zu beraten. Abg. Scholem( Komm.) beschwert sich über das Berbot des Nachrichtenblattes der Kommunistischen Reichstagsfrattion und beantragt, die Aufhebung des Verbots auf die Tagesordnung zu fegen. Der Antrag Scholem wird abgelehnt, im übrigen wird die britte Beratung der Dawes Gefeße an den Schluß der morgigen Tagesordnung gesetzt. Schluß 8% Uhr. Wirtschaft Ein deutscher Elektrizitätstrust? Eine Industrie, mit der vor dem Kriege Deutschland an erster Stelle sich befand, die aber jetzt einen harten Kampf ums Dafein zu führen hat, ist die elektrotechnische Industrie. Ueber die gegenwärtige Lage dieses bedeutenden Gewerbezweiges und über die Maßnahmen, die zu seiner Wiedergefundung erforderlich wären, äußerte sich der Generaldirektor der Bergmann Elektrizitätswerte Attiengesellschaft in Berlin, Jad Hissint, der fürzlich in einem Vortrage vor den Mitgliedern des Zentralverbandes der Deutschen Elektrotechenischen Industrie. Die Darlegungen des Redners sind, auch vom sozialistischen Standpunkt aus betrachtet, so bemerkenswert, daß sie hier zunächst auszugsweise wiedergegeben feien: Hissint begann damit, daß das deutsche Wirtschaftsleben zurzeit eine schwere Krise zu überstehen hätte. Vor dem Kriege lieferte die deutsche elektrotechnische Industrie nicht ganz die Hälfte der Weltproduktion. Etwa 30 bis 35 Proz. ihrer Erzeugung gingen ins Ausland. Jetzt hat die elektrotechnische Industrie der Vereinigten Staaten von Amerita die unsrige überflügelt und ihre Ausfuhr beSoweit Herr Hiffint. Das Bemerkenswerteste an feinen Darlegungen ist, daß diefe Vorschläge durchaus in der Linie unserer fozialistischen Borstellungen von der weiteren Entwid. lung der Wirtschaft liegen. Natürlich ist eine Truftbildung. wie die hier angestrebte, auch mit mancherlei Gefahren verknüpft. Herr Hisfint entwickelt ja nicht ein sozialistisches, d. h. ein auf die Förderung der Allgemeinheit gerichtetes Projekt, sondern er spricht in Bertretung der kapitalistischen Geschäftsinteressen. Es ist mögtid. daß ein Trust von dem gewaltigen Umfange der Vereinigten deutschen elektrotechnischen Industrie seine ungeheure wirtschaftliche Macht gegen die Interessen der Angestellten und Arbeiter und auch gegen die der Abnehmer mißbrauchen würde. Indessen diese Gefahren fönnen und müssen eingedämmt werden durch starten gewerkschaft lichen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluß der Anges stellten, Arbeiter und Abnehmer. Sind derartige Sicherheitsvor fehrungen aber einmal getroffen, so wäre es als ein Fortschritt zu einer höheren Stufe der Wirtschaft zu begrüßen, wann es gelänge, die bisherige anarchistische Produktionsweise des Rampfes aller gegen alle zu effetzen durch eine leistungsfähige, normalisierte Maffenfabrikation und durch eine einheitliche, großzügige Geschäftsgebarung im Inlande wie im Auslande. Dr.- Ing. M. Majerezit Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose.. Gerstengrütze, lose... Haferflocken, lose Hafergrütze, lose. Roggenmehl 0/1.... Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmeh! Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ierl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Kartoffelmehl Linsen, große Makkaroni. Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik..... Getr Pilaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Zimt( Cassia) Zentner frei Haus Berlin. 16.75- 20,25| Röstgetreide, lose .... 16.50-18,00 15,50-16,50 Kakao, fettarm 65,00-75,00 16,50- 18,50 Kakao, leicht entölt 86,00-100,00 18,50-19.50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 13, 0-14,00 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 18,50-20, 0 Inlandszucker basis mel. 37,50-38.50 22,75-24,75 Inlandszucker Raffinade 39,09-41,00 16,50-17,75 Zucker Würfel....... 44,00 47,50 18,75-24,00 Kunsthonig 30,90 36,00 16,50-19,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 9,75 13,50 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00- 31,00 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-95,00 27.00- 30,50 Marmelade Vierfrucht 35,00 40,60 20,00 29,50 Pflaumenmus in Eimern 30,00-36,00 31,00-37,50 Steinsalz, lose....... 3,10- 3,70 39,00-46.00 Siedesalz. lose 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 4.00- 4.70 82,00-82,50 36,50-42,50 Bratenschmalz in Kübeln 83,00-84,00 17,75-20,00 Purelard in Kisten 79,50-80,50 33,50-36,00 Purelard in Tierces ... 79,50-80,50 • 62, 15,5 16,5% Speisetalg in Packung 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln 23,25-31,00 Margarine, Handelsm. i 66,00 30,00-36,00 desgl. II. 60,00-63,00 85,00-90,00 Margarine, Spezialm.i.. 80,00 40,00-43,00 desgl. II. 69,00-71,00 50,00-55,00 Margarine III 60,00 Molkereibutter i. Fässern 198,00-204,00 65,00 70,00| Molkereibutter in Pack. 206,00-209,00 80,00-90,00| Landbutter 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 203,00-208,0 175,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,75-37,00 Mandeln, bittere Bari 155,00-160,00 Aus! Speck, geräuchert 75,00-85.00 106,00-115,00 Quadratkäse. 30,00-45,00 Kümmel, holländischer 55,00-65,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 100,00-115,00 165,00-175,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 108,00-115,00 Bayr. Emmenthaler 150,00-155,00 Echter Emmenthaler 180,00-185,00 Rohkaffee Brasil 185,00-215,00 Aus!. ungezuck.CondensRoffee Brasil... 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 Weißer Pfeffer • PROBLEM .. 16,50-17,50 21,00 23,25 26,00- 26,50 Was hätte hier der Engländer oder Amerikaner getan? Nun, das was der Bericht über die Textilenquete den britischen Tuchfabriken zum Vorwurf macht, daß sie nämlich, um sich die ausländische Kundschaft zu erhalten und die beschäfti gungslosen Arbeiter zu beschäftigen, die Aufträge um jeden Preis hereingenommen hätten. Der einmal ver lorene Runde ist sehr schwer zurückzuholen und die einmal sti einbringt, denn auch die ftilliegende Fabrit gehrt an der Substanz gelegte Fabrik wieder in Betrieb zu sehen, tostet mehr, als die Erhaltung der Substanz, wie diese Industriellen es nennen, ihnen Außerdem aber würde jeder englische oder amerikanische Fabrikant eine zu große Order einfach mit feinem Konkurrenten geteilt haben Die Sorge davor, daß der Konfurrent etwas von einem Auftrag abbekommen fönnte und daß man lieber auf den Auftrag verzichtet, anstatt ihn zu teilen, fennt man nur in Deutschland. Breise für jene Gummischürzen zu niedrig waren. Fest steht Nun wird jene Fabrit einwenden, daß die gebotenen jedenfalls, daß amerikanische Fabriten jenen Artikel zu einem um 50 Pro3. niedrigeren Preise herstellen. Das Rohprodukt wird von beiden Herstellern an der gleichen Quelle getauft. Die Eec fracht für beide Teile ist gleich. Die Eisenbahnfracht für bden amerikanischen Fabrikanten aber ebenmal so hoch wie Arbeiterin in der amerikanischen Fabrit beträgt immer noch für den deutschen und der Arbeitslohn für die geringste mindestens 4 Dollar pro Tag, alfo fo viel, wie die gleiche Arbeiterin in Deutschland in der Woche verdient. Wenn beide Teile zum gleichen Preis das Rohmaterial laufen, dann müßte der deutsche Fabrikant bei weit niedr geren Fracht- und Lohnfäßen beträchtlich billiger sein. Umsatzsteuer fommt weber bei Ein- noch Ausfuhr in Betracht. Er ist um 100 Broz. höher. Wo liegt die Fehlerquelle? Die Antwort ist leicht. Der ameritanische Fabrikant handelt nach dem Prinzip: Großer Umfaß. leiner Rugen, der deutsche nach dem umgekehrten: Kleiner umfaß, großer ugen. Diese Riesenorder bringt prozentual einen zu geringen Rußen, und der Fabrikant pergißt, daß mit der Maffenprobuftion die Herstel. lungspreise bei rationeller Arbeitsweise sinken müssen. Er verzichtete,( chließt lieber den Betrieb wegen Mangels an Aufträgen und schimpft auf die zu billig arbeitende ausländische Konkurrenz. Das ist nur eines von mehreren Beispielen. Immer ist das Ergebnis, daß die deutsche Industrie längst nicht genug tut, um sich den Forderungen des Weltmarties anzupassen. Eher schließt man bie Betriebe, das Heer der Arbeitslosen wächst. Die Kosten. tragen die breiten Bevölkerungsmaffen. Anfämpfen tann man gegen dieses System nur durch starten Zusammenschluß der Arbeiterschaft in ihren politifchen, gewerkschaftlichen und wirtschaftlichen Organisationen. Um den deutsch- spanischen Handelsvertrag. Um den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Spanien ist zwischen den Interessentengruppen ein erbitterter Kampf entbrannt, an dem die deutsche Arbeiterschaft nicht gleichgültig vorübergehen kann. Spanien hat in der Zeit, wo die deutsche Industrie mit Hilfe der Inflation einen großzügigen Schleuderexport betreiben fonnte, gegen die Einfuhr Don Baren aus Deutschland hohe Schranten errichtet, indem es nicht nur die höchsten zulässigen 3ölle auf deutsche Waren legte, sondern dazu noch einen besonderen Zuschlag von 80 Proz. erhob und so die Einfuhr deutscher Waren nach Spanien nahezu unmöglich machte. Besonders schwer wurde die deutsche Industrie von diesen Zollschranken nach der Stabilisierung betroffen; jet waren nämlich die deutschen Preise wesentlich über die Weltmarktpreise gestiegen, der spanische Sperrzoll aber bestand undermindert fort und machte die Ausfuhr industrieller deutscher Fabrikate nach Spanien so gut wie unmöglich. Nun ist es der deutschen Regierung gelungen, mit Spanien einen Handelsvertrag zu verabreden, der noch der Zustimmung des Reichstages bedarf. Der Bertrag, der bereits provisorisch in Geltung getreten ist, stärkt die Stellung der deutschen Industrie bei der Ausfuhr nach Spanien ganz außerordentlich. Nicht nur der 80prozentige Valuta3ollzufchlag soll in Wegfall kommen, sondern Deutschland tommt auch in den Genuß der Borteile, die der spanische Bertragstarif bietet. Er beträgt nur die Hälfte bis ein Drittel des Höchfttarifes. Berüc fichtigt man den Wegfall des Zuschlages, so würde der deutsche Export nach Spanien in Zukunft nur etwa mit einem Biertel des Zolles beiastet sein, den er heute zu tragen hat. Wie jeder 53 33 MOSLEM P TRANS DIE CONSUM3IGARETTEN DAHLE Q Handelsvertrag, so fordert auch dieser Zugeständnisse von Steuerermäßigung, ausgeglichen werden können. Es wird deutscher Seite. Insbesondere soll Deutschland seine Zölle auf Weine sowie auf einige Obst- und Gemüsesorten herabsehen. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Bollermäßigung den deutschen Weinbau einer heftigen Ronkurrenz ausländischer Weine aussetzt. Da ohnehin aber der Weinbau von einer schweren Krise betroffen ift, muß diefe Zollermäßigung auf die Lage der Winger doppelt bedrohlich wirken. Wie ist nun die Stellung der Interessenten? Für die Annahme des Handelsvertrages ist der weitaus überwiegende Teil der In dustrie, die heute mehr als je den Export braucht. Die handels fammern des rheinisch- westfälischen Gebietes und die von Plauen sowie die von München- Glabbach fehen sich mit größter Entschieden heit für den Vertrag ein. Gegen ihn fämpfen die Winzer verbände und an ihrer Seite der Reichslandbund. Während bei den zern das bedrohte Eigenintereffe für ihre Haltung maßgebend ist, tritt in der Resolution des Reichslandbundes deutlich die Tendenz zutage, die der Landbund allgemein verficht: die fchließung Deutschlands gegen den fremden Handel. In demagogischer Weise segt man sich über das Intereffe der deutschen Wolkswirtschaft an der Warenausfuhr hinweg, ohne die Folgen zu berücksichtigen, die eine Gefährdung des Exports für die industrielle Bevölkerung haben muß. T auch an eine Kredithilfe zu denken sein, die dem Weinbau die Umstellung auf die veränderten Konkurrenzbedingungen erleichtert. In Deutschland werden immer noch vielfach Weinreben angebaut, die gegen Schädlinge sehr empfindlich sind. Der Schuß gegen soiche Schädlinge bringt dem Weinbau hohe Ausgaben. Es gibt aber Rebenjorten, die besonders im Ausland angebaut werden und die gegen die Schäden ungleich weniger empfindlich find. Wenn es gelingt, durch geeignete Notstands und Uebergangs| maßnahmen den deutschen Weinbau zu fördern, dann wird die GSozialdemokratie dem ihre Hilfe nicht versagen. Der Abschluß des deutsch- spanischen Handelsvertrages ist aber eine Notwendig. teit für die gesamte deutsche Boltswirtschaft und insbesondere für die industrielle Arbeiterschaft. Hohe Pfründen neben dem Pleitegeier. Dem eenen sin Uhl ist dem annern sin Nachtigall. Dieses Wort Fritz Reuters erhält im Geschäftsleben täglich seine Bestätigung, wie überhaupt in der fapitalistischen Gesellschaftsordnung der Niedergang des einen die Voraussetzung für das Emporkommen des anderen bedeutet. Die massenhaften Konkurse der Gegenwart bilden die notwendige Voraussetzung für die Gesundung der Wirtschaft. Es ist natürlich, daß dieser Rückbildungsprozeß von zahlreichen Opfern beWie start Deutschland vor dem Kriege feine Warenausgleitet ist. Vielleicht find hierunter Personen, die nur einen Teil fuhr nach Spanien steigern fonnte, geht daraus hervor, daß in dessen verlieren, was sie in den„ glorreichen" Zeiten der Inflation den vier Jahren von 1910-1913 der deutsche Export nach Sparten an mühelosen Gewinnen in ihre Rassen brachten. Doch wenn die sich verdoppeln fonnte. Er betrug 1913 143 Millionen Mart. Die Bereinigungsfrise für viele Personen Berluste mit sich Einfuhr spanischer Waren nach Deutschland erhöhte sich im gleichen bringt, so hat sie sich auf der anderen Seite zu einer äußerst Zeitraum von 140 auf 198,7 Millionen Mart. Es trifft also schon lukrativen Konjunktur für eine flerne Schicht von Perzu, wenn die Interessenten der Industrie die Bedeutung des spa- fonen entwickelt. Dies sind die Aufsichtspersonen, die von nischen Handelsvertrages für den Absatz deutscher Waren mit allem den Gerichten usw. dazu bestimmt werden, die Konkurse oder das Nachdruck betonen. Berfahren der Geschäftsaufsicht durchzuführen. Die industrielle Arbeiterschaft fann feine andere Stellung einnehmen. Sie ist es, die heute am schwersten unter der Abfahtrise der deutschen Industrie leidet. Sie ist es, die einem entsetzlichen Lohndruck und sozialen Kämpfen preisgegeben ist, weil die deutschen Waren nicht in genügendem Maße verkauft werden können. Sie ist der leidende Teil der Verkürzungen der Arbeitszeit und der Betriebseinschränkungen, die natürliche Begleiterscheinungen des Absazmangels find. Schon aus diefen Gründen muß die Arbeiterschaft für eine Erleichterung der Warenausfuhr einireten. Es tommt hinzu, daß die Lasten, die der Dawes Plan Deutschland auferlegt, nur bei einer starten Steigerung des Exports getragen werden können. Nachhaltig gefördert werden kann dieser aber nur durch den Abschluß langfristiger handelsperträge, die Deutschland den Weg zum Weltmarkt öffnen. Ueberdies weist der Außenhandelsverband namens der den deutschen Außenhandel vertretenden deutschen Wirtschaftstreife in einer Eingabe an den Reichstag zutreffend darauf hin, daß die Ab lehnung des Bertrages auch die fünftige handels politit Deutschlands erschweren würde. Aus all diesen Gründen wird die Sozialdemokratie für die Annahme des deutsch- spanischen Handelsvertrages eintreten. Die Notlage des Weinbaues, die übrigens schon vor dem Handelsvertrag| eingefeht hat, wird auf andere Weise bekämpft werden müssen. Es handelt sich hier um viele fleine Existenzen, die mühevoll vom Ertrag ihrer Arbeit leben und deren Berufsintereffen die Aufmerffam. feit der Allgemeinheit verdienen. Auf die Dauer aber ist ihnen der Bollschutz teine Hilfe. Die Handelskammer Düsseldorf weist in einer En schließung darauf hin, daß die Nachteile, die dem Weinbau durch den Bertrag entstehen könnten, auf andere Weise, etwa durch Nun ist an und für sich nichts dagegen einzuwenden, daß diese Beute für ihre Mühewaltung bezahlt werden. Ja die Bezahlung kann fogar angemessen sein, da es sich um Personen handelt, die über umfassende Geschäftsfenntnis, gepaart mit rascher Entschlußtraft usw., verfügen müffen Was aber zuweilen über die Honorierung für die Aufsichtsorgane in die Deffentlichkeit dringt, ist so hanebüchen, daß man es in einer Zeit der allgemeinen Berarmung nicht für möglich halten sollte. Der aufreizendste Fall dieser Art kann wohl bei der Textilindustrie A.-G. Barmen( Tiag), festgestellt werden. Ueber diefe Firma und ihre Tochtergesellschaft, der Firma Riedid u. Co. A.-G., Lobberich, wurde vor einem Bierteljahr die Geschäftsaufficht verhängt. Vom zuständigen Amtsgericht wurde ein Herr Dr. Spiger als aufsichtführende Person bestellt. Dieser Herr fühlte fich wahrscheinlich nicht start genug, die ihm übertragene Auf gate allein durchzuführen. Er zog unter Zustimmung des Barmer Amtsgerichts noch zwei Personen( einen Juristen Rechtsanwalt Dr. Bernards und einen Gläubiger als Beirat) hinzu. Nun tommt das Schönste: Das Amtsgericht setzte für die beiden erstgenannten Aufsichtspersonen eine Vergütung im Falle der Tag auf je 40 000 Goldmart und im Falle der Niedic u. Co. auf je 23 000 Goldmart feft. Es entfällt mithin auf jede der beiden Personen eine Ent. fchädigung von 63000 Goldmart. Und dies für eine Tätigkeit, die sich auf einen Zeitraum von 10 Wochen beschränkt und durchschnittlich täglich 4 Stunden betragen haben soll. Um nun die 126 C00 m. in der Konkursmasse sicherzustellen, beantragten die beiden Glückspilze, denen ein deutsches Amtsgericht einen so horrenden Gewinn in den Schoß warf, als wenn wir in Deutschland im Gelde schwämmen, ihre honorarforderung als beoorrechtigt anzuerkennen Bescheldenheit ist eine Bier Da diese Herren und die vielen anderen, die heute eine gleiche Tätigkeit in den zahlreichen Konkurs- und Geschäftsaussichtsverfahren ausüben, dies im Nebenamt besorgen, d. h. ihre Stellung oder ihre sonstigen Geschäfte feineswegs aufzugeben brauchen, werden hier riefige Nebengewinne erzielt. Man denke, einen Nebenverdienst von 63000 m. in zehn Wochen! Bei der heutigen Lohnhöhe muß ein perheirateter Familienpater 42 Jahre, also sein ganzes Leben lang arbeiten, um eine ähnliche Einnahme zu er zielen. Aufreizender können wahrhaftig feine Zahlen wirken. Unerklärlich ist es, wie das Barmer Amtsgericht solche Vergütungen festsetzen konnte. Welcher Maßstab hat hier zugrunde gelegen? Leben diese Herren im Wolfenfuducksheim? Immerhin haben sie sich das Verdienst erworten, für die Aufklärung der Arbeiter über die Bortrefflichkeit der heutige Gesellschaftsordnung zu sorgen, die das Heil in niedrigen Löhnen sieht und auf der anderen Seite riesige Summen uriproduktiv nur so hinauswirft. Zum Wöllersdorfer Skandal. Aus Wien wird uns geschrieben: -11. Erst jetzt werden nähere Einzelheiten über den Wöllersdorfer Skandal bekannt. Nach dem Staatsvertrag sollte der ehemalige österreichischen Munitionsfabrikant Alden in Wöllersdorf mit dem osterreichischen Staat stets die Majorität haben. Das ist durch die deutsche Gruppe, dem der Stlarz- Konzern und Herr Boch waldt angehörten, hintertrieben worden, indem Alder der deutschen Gruppe das Stimmrecht seiner Attien soweit überließ, daß diese tatsächlich die Majorität besaß. Damit war der Weg für die Verramschung von Wöllersdorf fret. Es wurden auf Grund eines verwickelten Systems von Gesellschafter und Tochtergesellschaften Werte zu einem Preise veräußert, der einfach lächerlich ist. Alder befam für seine Freundlichkeit eine Vergütung von 10 bis 20 Broz des jeweiligen Umschlages. Diefer Standal war nur möglich durch Best echung und Rorruption. Festgestellt wurde bei der amtlichen unter. fu chung, daß ungeheure Summen für Best e chungsgelder verwendet worden sind, die selbst an staatliche Vertreter und Beamte gegeben wurde. Sehr verwickelt erscheinen eine Reihe von be= amteten Persönlichkeiten, die vom Sklarz- Konzern direkt Geld und gut dotierte Verwaltungsratsposten angenommen haben. Als schwer belastet tann heute schon Exzellenz Bittner, früher Sektionschef, gelten Er hatte gute Verbindungen zur christlich- sozialen Partei, und man führt die bisherigen Bertuschungsversuche der Regierung auf ihn und feine guten Verbindungen zurück. Das gröbste Stuck hat sich aber die Majoritätsgruppe durch eine höchst sonderbare Kreditgewährung an die Wöllersdorf A.-G. geleistet. Bekanntlich mußte die Regie in Wöllersdorf aufgegeben werden, weil dem Betriebe jeder Kredit durch die Banken a b geschnitten wurde. Die Eflarz- Gruppe übernahm dann die Verpflichtung, Darlehen zu gewähren. Sie tat das auch, berechnete aber derart hohe Provisionen usw., daß Wöllersdorf nur 30 Broz. der ausgemachten Darlehrissumme erhielt. Der Rest blieb unterwegs hängen. Großhandelsindeg. Die auf den Stichtag des 25. August be. rechnete Großhandelsindegziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 120.9 gegenüber dem Stande vom 19. Auguſt( 121,2) naheau unverändert. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Lebensmittel 111 5( Borwoche 111,9). davon die Gruppe Getreide und Startoffeln 99,1( 99,5), Industrieftoffe 133.4( 133,5), dabon bie Gruppe Stohle und Eisen 129,5( 129,5), Inland waren 113,6( 113,3), Einfuhrwaren 157,4( 158.1). 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" Freie Turnerschaft Stettin- Brebow I- Arb.- Zurn- u. Sportverein Bankow. Obige Mannschaften treffen sich am Sonntag, den 31. August, auf dem Ge meindesportplag Pankow, Bichelswerber Str.( Eingang Wollantstr.) aum Freundschaftsspiel. Der Stettiner Kreismeister 1923 bringt eine schnelle, gute| Mannschaft mit und findet Banton gut vorbereitet, so daß allen Sportfreunden ein schönes Spiel geboten wird. Naffballspiele, Faustballspiele und turnerische Aufführungen umrahmen das Programm. Beginn der Spiele nochm. 3 Uhr. Am Sonnabend, den 30. Auguft, veranstaltet der gastgebende Verein ein Sommerfest im Gesellschaftshaus, Berlin- Pankow, Berliner Str. 102. Beginn 6% Uhr abends. Die Arbeiterschaft wird um Unterstügung beider Beranstaltungen gebeten. Mehrberg, N. 58, Gaudyfir. 6. SEB. Rosb 24". Gigung ieben Freitag, abends 8% Uhr, im Lokal von Gäste willkommen. Am 29. August außerordentliche Sigung. Erscheinen ist Pflicht! Anschriften zu richten an: Sans Trott, N. 58, Dunderstr. 13. 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Große, starke Gestalten, die meiste:, jung oder in rrntilcrcn, Alter, in anständiger Haltung, viele von ihnen nachdenklich, ja intelligent aussehende Menschen. Sie saßen dort ruahe beieinander, aber in einer Art von Betäubung, vor ollem in einem Schweigen, das auffallend wirkte. Im Schweigen, denn— was sollten sie sagen? ..Ringsherum liegt eine Erbe, rufend: Komm, grabe'mich um, komm— ernte von mir. Und wir— sitzen hier verzaubert." In den Augen und auf den Stirnen dieser Männer log ein düsterer Ausdruck, nicht von Aerger, sondern von Kummer und Schani, von »nemnigfachem, umrussprechlichein Elend und Müdigkeit. Sie er- widerten mein Hinschauen mit einem Blick, der zu sogen schen: „Sieh uns nicht an! Wir sitzen hier gefesselt— wir wissen nicht, warum. Die Sonne scheint, die Erve ruft— und die herrschenden Mächte und Unmächte verbieten uns, zu gehorchen. Sie sogen uns, «o sei unmöglich"— In all dem lag etwas, das mich an Dantes »H ö l l e" erinnerte, und ich ritt schnell weiter." Es gibt wohl kaum eine ergreifendere Schilderung der Arbeitslosigkeit, dieses Fluches des Arbciterdafeins, ols diese Darstellung des Dahinvegeiierens starker, arbeits- williger Männer im Armenhaus von St. Ives. Für Carlyle war diese Szene, die ihn an Dantes„Hölle" erinnerte, eine Episode der Anfang der vierziger Jahre in England Herr- fchenden Wirtschaftskrise. Für den Arbeiter der kapitalistischen Industrie ist sie ein Sinnbild seines gesamten Daseins. Gefesselt an die Maschinerie der modernen In- dustrie, ist er allen Widersprüchen und Krisenerscheinungen des kapitalistischen Systems ausgeliefert, für dessen Sünden und Fehler er am schwersten zu büßen hat. Außerstande, sie zu beseitigen, solange das kapitalistische System besteht, wird er zwischen Unsicherheit und Furcht hin- und herge- warfen und in Perioden langwährendcr Wirtschaftskrise in den Abgrund völliger Hoffnungslosigkeit geschleudert. Ueber die schreckliche Furcht im Leben der Arbeitslosen schreibt Henry W. Nevinson, anknüpfend an Carlyle, in der englischen Zeitschrift„New-Leader": .Als einer, der oft genug kennenlernte, was Arbeitst ofigkeit bedeutet, der oft genug voll Angst gewesen isi, kann ich wohl sagen, daß die Furcht eine der schlimm st en Prüfungen für die Menschen ist. Furcht und ihre Schwester— Unsicherheit Immer voll Angst sein um vie nächste Zukunft, immer im Zweifel leben, was ietzt wieder geschehen wirb, immer unsicher sein, was man tun, wohin sich wenden soll, das ist eine Qual, mit der verglichen die Martern der Inquisition sanft waren! 2lber es gibt noch schlimmere Plagen, die der Arbeitslose erdulden muß. Lesen wir nochmels den Satz Carlyles: Sie erwiderten mein khiinfchcmen mit einem Blick, Ver zu sagen schien:„Sieh uns nicht anl" Er las im düsteren Ausdruck dieser Arbeitslosen keine» Steiger— aber Klnnmer und Scham. Es ist die Scham, die am tiefften leiben I. zt, die Scham der Nutzlosigkeit in«wer geschäftigen SLelt, und aus ihr entsteht Berwahrlosmiy und Verlust der Selbst- achtung. Das war es, warum der Blick dieser ehrlichen Arbeiter zu sagen schien:.Sieh uns nicht an." Der Wunsch nach Arbeit, nach.irgendetwas zu tun", wurzelt tief m jeder Menschennatur. Ein Arbeitsloser, den sie von der Werkstätte fortschickten, sagte einst zu mir:„Meine Hände fchmer. zen nach Arbeit! Sie schmerzen wie die Brüste einer Frau, wenn sie einen Säugling vor Hunger schreien hört!" Was ist das für ein Unsinn, wenn wir die Unwissenden in ihrer überhebenden und spöttischen Art reden hören:„Ach, vie Arbeit slrsen! Sie werden nie aufhören, arbeitslos zu sein, solange sie in Faulheit von ihrer Rente leben können." Ich glaube nicht, daß auch nur fünf Prozent der Arbeitslosen es vorzögen, in Untätigkeit von einer Rente weiterzuleben. Sieh dir mir den Mann an, der außer Arbeit war und während einiger Wochen„bummelte" und darum kämpft«, sich und die Seinen von der Rente vurchzubningen. Wir werden an ihm dieselben Zeichen der Lerzweiflung finden, wie Eetriich: bei den Arbeitslosen von St. Joes, dieselbe Stumpjheit und' dasselbe Schweigen, derselbe düstere Ausdruck von Kummer und Scham und Müdigkeit, derselbe Blick, der zu sagen scheint:„Sieh mich nicht an!" Und dieser Beifall von Geist und Charakter ist mit körperli chem Verfall ver- eint, so daß. wenn endlich Arbeit für ihn kommt, er sie kaum über- nehmen kann. Nach wenigen Minuten muß er aussetzen, er kämpft um Luft und' kann nicht weiter." Man kann nicht eindringlich genug auf diese verheerende Wirkung der Arbeitslosigkeit auf Körper und Geist des Ar- beitsrs hinweisen. Für die meisten bürgerlichen Politiker und die gesamte Unternehmerpresse bestehen diese Probleme nicht. Für sie erschöpft sich der Inhalt der Sozialpolitik in der For- derung der völligen Beseitigung des Acht stunden- t a g e s und derHerauspressungvonMehrarbeit aus der Arbeiterschaft— trotz der täglich wachsenden Millionenarmee der Arbeitslosen in Deutschland. Anders jedoch stehen die Gewerkschaften und die S o z i a l d e m o k r a t i e, als die berufenen Vertreter der Ar- beiterschaft. der Frage der Arbeitslosigkeit gegenüber. Für sie ist sie die z e n t r a l e F r a g e der Wirtschafts- und So- zialpolitik, hinter der alle anderen zurücktreten müssen. Es darf nicht geschehen, daß die Arbeiterklasse aus dem Schützen- graben des Krieges nun in den Schützengraben der Arbeits- losigkeit hineingetrieben wird. Es darf nicht geschehen, daß die Masse der werteschaffenden Arbeiter nun, nach allen Opfern der letzten Jahre, auch noch die Zeche bezahlt für eine sinnlose Wirtschaftspolitik und die letzten Reste ihrer sozial- politischen Errungenschaften preisgibt, weil eine eigennützige mrd kurzsichtige Unternehmerkaste sich jahrelang einem wüsten Spekulationstaumel hingab, statt die Produktion rationeller und wirtschaftlicher zu gestalten. Im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit, diese Geißel des Arbeiterlebens, gibt es keine Sonderinteressen der einen oder der anderen Kategorie der Arbeiterschaft. Nichts verhängnisvoller als die Taktik der Kommunisten, die die Arbeitslosen gegen die in Arbeit stehenden ausspielen und sich ihre Verzweislungsstimmung zunutze machen, um die Ge- werkschaften und die Sozialdemokratische Partei herunterzu- reißen. Ein solches Treiben ist Selbstmord! Nur wenn alle Arbeiter fest zusammenstehen, kann durch gemein- samen Kampf gegen das Unternehmertum auch den Arbeits- losen geholfen werden. Nur wenn die große Masse der Ar- beiterschaft aus ihrer Gleichgültigkeit herausgeht und energisch die zielbewußte, mit den realen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen rechnende Politik der Sozialdemokratie unter- stützt, können allgemeine Zustände geschaffen werden, die die Zahl der Arbeitslosen verkürzt und die Summe des Elends verringert, die das kapitalistische System ihnen auferlegt. Stärkung der Gewerkschaften und Stärkung der Sozialdemo- tratischen Partei bedeutet deshalb auch Arbeit im Inter- esse der Arbeitslosen, bedeutet die beste und zweck- mäßigste Unterstützung jener Tausenden, die durch die Herr- schende Wirtschaftskrise der Mutlosigkeit und der Verzweiflung ausgeliefert werden. Schutzzoll! Kleingarten?— Pachtvertrag?— 3s nich mehr, mein Lieber!— Jetzt wird wieder Roggen gebaut! Zabriktor vor Zeierabenö. Gespräche mit Arbeiterinnen. Ueber den grauen Häusern des Ostens blitzt ein großer Taubensch warm, sich zerteilend und wieder findend, eben noch an eine dunkle Wolke gemahnend, dann schon wieder von silbrigem Glänze schim- mernd, wie eine Verheißung. Die Hochbahnzüge brausen hin und wieder ein und aus. Dort unten das vielgleisig« Bahnnetz der Warschauer Straße und weiter hinaus die vielen Mietkasernen, die im ewigen Wechselstrom ihre Menschen zur Fabrik, zu den Warenhäusern und Kontoren und wie- der zu sich und wieder zurück strömen lassen. Es ist halb vier Uhr nachmittags. Wenige Menschen auf der Straße. Vergeblich ruft ein« alt« Frau noch ihre Mittogszeitung aus. Ei« klammert sich noch cm den Mittag, obwohl es bald Abend ist. Sie will leben. Ich komm« ms Gespräch mit ihr, frage sie, wann Feier- abend bei„Osram" ist. 0, sie weiß gut Bescheid. Siebzehn Jahre war st« dort als Reinemachefrau.„Ja, vor dem Kriege ist es besser dort gewesen. Aber jetzt, bei den 30 Stunden Arbeit mit fünf Mark nach Haus« gehen, bei den 24 bis 26 Pfennigen für die Stunde, das reicht nicht her und hin. Und am frühen Morgen, um'A4 Uhr aufstehen. Ja, wenn noch durchgearbeitet würde, 48 Stunden. Aber dann gäbe es wieder ein« Abendschicht von ViS bis 8 Uhr abends. Ja, ich war siebzehn Jahre dort. Im Sommer, wo es noch viel zu tun gab, da wurde all« Augenblick« ein« ohnmächtig. Diese Hitze auch. und das ins Feuer sehen. Da kriegen die Mädchen schlecht« Augen. Und die Fenster zu, die Säle gepftopft voll damals, dos Gasfeuer und draußen die Hitze— das kann man sich ja denken." „Ja, ja, siebzehn Jahre war ich dort, als Reinemacheftau," ist wieder ihr Reftain. Ein Leben voll Mühe und Arbeit, still und tapfer getragen zieht an einem vorüber. Was war vor den 17 Iah- ren. welche Geschichte— ein wenig Jugend, ein wenig Glück und dann da und dort gearbeitet— vielleicht verheiratet, wirtschaftlicher Druck und dann der letzte Refrain, der sich ihr einprägte:„Siebzehn Jahr« war ich dort" Sln einer Ecke von„Dsrnm" steht eine ältere Verkäuferin. Jähre- lang schon hat sie dort ihren Platz iitne. Das Gefchästchen geht schlecht jetzt. So wenig Verdienst jetzt bei den Leuten. Es reicht kaum aus. So viele Entlassungen gab es dadrin. Ja, wenn man Geld bekäme, sie wollte mehr Aufmachung bringen. Nicht nur so ein Körbchen voll Und lockende Bilder gaukeln an ihr vorüber. Doch das Geld ist knapp Kein Geld mehr unter den Leuten. ZLer welches hat, der rückt nicht: rvus, und die anderen... Auf eimnal sieht sie mich an. Melleiwt passieren doch noch Wunder.„Ich bin ehrlich, auf Heller und Pfennig zahlte ich Darlehen zurück." Doch der Traum zerrinnt, denn für mehr als ein paar Zigaretten langt es auch bei mir nicht. Es ist bald Vi5. Ein großer Teil drinnen muß bis fünf Uhr bleiben. Der Betrieb braucht eine Lichtstunde oder Ueberstunde in den mehr beschäftigten Abteilmigen. Vor dem Tore sammeln sich die Reinemacheftauen für die Spätschicht. Gestalten dabei, die er greifen müssen. Verzehrt, blaßgelb und eingefallen. Hungrige, dunkelumschattete Augen. Knöchrige, verarberrete Hände. Irgendwer bringt flir jemand von der Leitung Essen von draußen. Gierige Blick«. Spitze Worte.„Die können sich mästen!"„Natürlich. Soll- ten mal leben wi« wir."„Die paar Pfennige!"„Ich bin 15 Jahre da, ich kriege einen Pfennig mehr die Stunde.".Zusammenhalten!" „Mehr Lohn verlangen!"„Ja, Ihr habt gut sprechen."„Wenn wir gar nichts mehr haben. Rausgeschmissen l".Lehn andere schlecken sich die Finger danach."„Es reicht nicht her, nicht hin, ober immer hin was." Und gebückte, armselige Gestalten ducken sich noch tiefer aus Angst vor dem Nichts. Und die Mädchen, wi« verdienen die?.Meine Tochter tomml mit 12 Mark nach Hause."„Manche haben 13 Mark, manche 18 Mark, ein paar schinden sich im Akkord bis 22 Mark."„Der Stur- denlohn beträgt ja auch nur an 24 bis 27 Pfennig«."„Wie sollen sich die Mädchen was anschassen?" Am Leib abhungern müssen sie sich ihr Sommerfähnchen und ihr« Schuhe. A eitere Männer karren eine Kiste von einem Fabrikgebäude zum anderen.„3a, die sind lang« hier. Di« haben es gut."„Die Mäd- chen find bald abgenutzt."„Das braucht flink« Finger, scharf« Augen." „Ab, sucht Euch was cmderesl"„Aber die Männer da: Mit dem Kinderwagen rein, mit dem Leichenwagen raus." „Dort kommt ein Betriebsrat, mit dem müßten Sie mal sprechen." Ein Teil der Belegschaft verläßt die Fabrik. Zu beiden Seite» steht ein Portier. Die Mappen und Markttaschen werden vbgefühll. Biel« junge Mädchen dabei. Unterernährt. Strophulös. Nett ge- kleidet. Das hübsche Sommer kleiüchen aus billigem Kattun oder Frottö, man sieht es bei den meisten, ist vom Munde abgespart. Das bißchen Kleiderfteud« so bitter erdarbt. Die Sorge um Essen und Kleidung, und nochmals Essen und Kleidung, und ab und zu noch das Lachen über einen schönen Slbend, darum dreht sich ihre Welt. Und ich denk« an Heinrich Herne, an sein«„Suppenlogik mit Knädelgrün- den", die in die hungrigen Mägen zuerst Eingang finden müsse... Und die Gewerkschaft? Die Moskauer Spaltungspolitik hat unendlichen Schaden gestiftet. Dieses Schimpfen auf die„gelben Amsterdamer Berräter" ließ die Drückeberger von der einen Seit« und manche ehrliche Radikale von der anderen abspringen. Und dann diese grausige Zeit der Inflation. Eben glaubt« man noch, das Geld reicht für ein Brot und schon schrumpft« es zu einer Brotschnitte zusammen! Und dann die schlechten Goldmarktarif«, die der abgekämpften, in sich uneinigen Arberterschaft ausgezwungen wurden... „Es muß doch einmal anders kommen," sogt eme ArbeUmu. Und eine andere:„Wenigstens kann mau jetzt«inteiten, wenn es«m-h «» allen Ecken und Kanten fehlt." „Der Dawes-Planl" Ein paar Männer taffe» das Wort hoch- fliegen wie ein« Rodete. Lind dann der Schutzzoll."„Wir müssen doch wieder alles ausbaden."„Ja, wenn wir Arbeiter einig wären."„Wir sind ja doch wieder die Dummen." Und die Frauen horchen hin und her und seufzen:„Ach, wenn es nur besser würde." Ihre Nerven sind erschöpft, vollständig erschöpft von den furchtbaren Kriegsjahren, den Zuckungen der Revolution und den Jahren der Inflation. Sie sind zermürbt von der übermenschlichen Belastung. Und die jungen Mädchen verblühen, kaum daß sie recht aufge- blüht waren. Nur da und dort ein helles Lachen, das siegreich trotz allem sich erhebt... Und in den Straßen der Reichen Eleganz und Luxus. Mit lässi- ger Hand m einer Luxusdiele für ein paar Stunden Prassen und Großtun Geld herausgeworfen, was manche Mädchen hier im ganzen Jahre verdienen. Tauentziengiris. Neuest« Moden. Jazzband. Blasierte Gesichter. Welch ein« andere Welt, die aus dem Herzblut der Menschen hier, aus ihren nicht gelebten Freuden, aus der Arbeit ihrer fleißigen Hände immer noch ihren tollen Hexenfabbach feiern kann. Wi« lange noch? Denn es ist wirklich kein Anlaß zum Schwarzsehen! Es war eine Freude, sich mit den Betriebsräten zu unterhalten und mit der Betriebsrätin. Wie sie kampffroh in die Zukunft sehen und den gewerkschaftlichen Boden wieder beackern, denn der gewerkschaft- liche Gedanke nimmt wieder zu. E» geht langsam, aber sicher wieder aufwärts, das war das fast allgemein« Gefühl. Frellich muß die Arbeiterschaft sich erst ein wenig erholen.„Erst müssen wie wieder Mumm in den Knochen haben," sagte mir ein Arbeiter. Und er hat recht. Hunger und Elend, sie zermürben, aber bauen nicht aus und ihre©erzweif- lungsausbrüche sind von kurzer Dauer. Und wer in Rechnung zieht, was die deutsche Arbeiterklasse über sich ergehen lassen mußte, der kann nur oerwundert sein, noch so viel Kampfgeist vorzufinden. Die Stabilisierung brachte zugleich eine verstärkte Kampfkraft für die Ge- wertschaften und die Partei und je mehr die wirtschaftliche Lage sich bessert, um so mehr wird die Position der Slrbeiterklasse sich stärken. Und wenn jetzt die Kommunisten nach ihren Gepflogenheiten ein neues„revolutionäres" Brillantfeuerwerk ohne Rücksicht auf die tat- sächlichen Verhältnisse entfachen wollten, hieß« das unverantwortlich die letzte Kraft der deutschen Arbeiterklasse oerpuffen. Di« nächst« Zeit geht um Suppentopf, Brotkorb, Kleiderkist« und Wohnung. Ist erst diesen Fragen ein Teil ihrer quäleiiden Schwere genommen, wird die Arbeiterklasse wieder ihren Gesichtskreis weiten und zu neuen Kämpfen stürmen können. Und aus den Fabrittoren werden ftoher« Menschen strömen, denen noch ihrer Arbeit das Wort„Feierabend" nicht mehr wie«w Hohn klingen muß. Bruno Schönlant. Warum sind Sie noch nicht Mitglied der größten Konsumenten- Organisation der Welt? K B * Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung K B die 165000 Familien in Groß- Berlin mit Lebensmitteln und sämtlichen Gegenständen des täglichen Bedarfs versorgt. 175 Lebensmittel- Verteilungsstellen 6 Fleisch- Verteilungsstellen in allen Bezirken von Groß- Berlin 5 Warenhäuser 3 Riesendampfbrotbäckereien mit 75 Doppelauszugöfen liefern täglich 100000 Brote Eigene Konditorei- Kuchenbäckerei- Pfefferkuchenfabrik- Mineralwasserfabrik * Zentrale: Berlin- Lichtenberg, Rittergutstraße 16-26 Lesen Sie die nächste Nummer unserer eigenen Zeitung ,, Die Konsum- Genossenschaft"! Gratis erhältlich in allen Verteilungsstellen! Jedes Wort 0,10 Goldmark. 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