Abendausgabe Nr. 405 41.Jahrgang Ausgabe Br. 203 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenprete find in der Morgenausgabe angegeben Bebattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 28. August 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag Grabs. Berlin Sm. 68, Cindenfiraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Die Maske herunter! Sollmanns Abrechnung mit der Rechten und den Kommunisten. Deutschnationale Verschleierungsmanöver. Eine Ergänzung zum Diäten gefeß will den Reichstagsabge- gem nationalen Widerstand hier gehört? Wir haben gehört die links und von ordneten bie reifahrt bis 8 Tage nach der Neumahl miderwärtigsten Schimpfereien Don zugestehen. rechts. Was stand hinter diesem Tumult? Das geschäftige Parlamenteln und Schachern, um wieviele Silberlinge man sich feine nationale Gesinnung abkaufen laffen wollte. Man tönnte die Kritik an den Gesehen noch ergänzen. Aber ich stelle vor dem Bolte feft: es hat niemand einen Weg gezeigt, der zu günstigeren Bedingungen führen fönnte. Damit ist alle Demagogie von rechts und von links zerschlagen. Sie wissen teinen Ausweg, die Deutschnationalen find genau so negativ geblieben wie die Nationalsozialisten und die Nationalfommunisten.( 3urufe und Heiterfeit.) Auch Die Deutschnationalen, die in der Nacht bis 22 Uhr berieten, und heute früh bis zum Beginn des Plenums ihre Be ratungen fortsetten, haben nun ihre lehte Karte ausgespielt. Sie haben einen Abänderungsantrag zu dem gestern beAbg. Kunze( Deutschsoz.) erhebt dagegen Einspruch. Wenn der fchloffenen Antrag Curtius geftellt, der in das Mantelgesetz Reichstag aufgelöst fei, dann gebe es eben feine Reichstagsabgeord zu den Dames- Gesetzen eingefügt werden soll. Während der neten mehr. Abg. v. Graefe( Natsoz.) verlangt, daß der aufgelöfte Reichstag boltsparteiliche Antrag nur verlangt, daß die Re- auch nach der Auflösung bis zur Neuwahl noch weiter bestehen solle, gierung darauf hinwirten möge, eine baldige Räu- damit feine parlamentslose Zeit eintrete.( Heiterfreit.) Das Gefeß mung und die Einhaltung des Rheinlandabkommens zu erwirb in erster und zweiter Befung angenommen. reichen, fleidet der deutschnationale Antrag diese Forderungen Sodann beginnt die in die Form einer Bedingung, von deren Erfüllung das Infrafttreten des Mantelgesetzes und damit aller übrigen Gesetze zum Londoner Vertrag abhängig gemacht werden soll. Der deutschnationale Antrag besagt, daß die Geseze nur bann in Kraft treten sollen, wenn durch feste Abmachungen in völkerrechtlich bindender Form die Sicherheit geschaffen ist, daß die Gebiete, die über die in Art. 428 des Vertrages von Bersailles bezeichneten Grenze hinaus besetzt worden find, [ pätestens bis 10. Januar 1925 geräumt werden. Ferner follen die Geseze nur dann in Kraft treten, wenn bestimmt wird, daß die Auslegung des Abkommens der Bereinbarung mit Deutschland vorbehalten bleibt und daß diese Auslegung und die Handhabung des Abkommens unter eine wirksame Rechtskontrolle, Schiedsgericht, gestellt wird. Schließlich wird gefordert: „ Das Gesetz tritt nicht in Kraft, folange nicht die Reichsregierung in einer amtlichen, den Alliierten abzugebenden Erklärung, in ber die in Art. 23 des Versailler Vertrages über die Entstehung bes Weltkrieges enthaltene, der damaligen deutschen Regierung ab. gezwungene Anerkennung der deutschen Schuld am Welt? rieg, die den geschichtlichen Tatsachen widerspricht, förmlich widerrufen hot." Ferner haben die Deutschnationalen eine Resolution eingebracht, in der gefordert wird, die Regierung folle dahin wirken, daß spätestens binnen zwei Jahren auf Grund des Art. 234 des Versailler Bertrages neue Beratungen über die minderung der Gesamtlaften des Dawes- Blanes herbei geführt werden, ferner foll die deutsche Regierung darauf bringen, daß eine feste Grenze für die gesamten fünftigen Lieferun gen Deutschlands vereinbart werde. Weder der Abänderungsantrag noch die Resolution tönnen für die Regierung und diejenigen Barteien, denen es mit dem Zustandekommen des Londoner Vertrages ernst ist, angenommen werden. Der Abänderungsantrag zum Mantelgesetz bedeutet eine Abänderung des in London geschlossenen Bertrages, der vom Reichstag nur als ein Ganzes angenommen oder abgelehnt werden tann. Die Resolution greift der fünftigen Entwidlung voraus, indem fie jetzt schon neue Verhandlungen über eine Herabminderung der Deutschland auferlegten Lasten in Aussicht nimmt. Solche Verhandlungen könnten vernünftiger weise erst dann angefündigt und wirklich eingeleitet werden, fobald sich herausgestellt hat, daß die Laften des Dawes Blans für Deutschland zu schwer find. Die deutschnationale Resolution macht dabei ein ganz interessantes Geständnis, indem sie die Regierung auffordert, spätestens binnen zwei Jahren die von ihr geforderten Berhandlungen einzuleiten. Damit ist zugegeben, daß wenigstens in den nächsten amei Jahren Berhandlungen über die Herabminderung der Deutschland auferlegten Lasten gar nicht notwendig sein werden. Offenbar hat die deutschnationale Fraktion ihre Anträge mur zu dem zwed gestellt, um in dem Wahlkampf, den fie selbst jetschon als unvermeidlich ansieht, eine günstigere Position zu gewinnen. Die Einbringung der Anträge und ihre Ablehnung soll den Deutschnationalen Ge legenheit dazu geben, im Wahltampf demagogische Angriffe gegen die Regierung und die Parteien zu richten, bie für die Annahme des Londoner Bertrages eingetreten sind. Bizepräsident Dr. Rieger eröffnet die heutige Sigung um 10 Uhr 25 Minuten und gebenft bes 175. Geburtstages Goethes und feines Wortes: Zur Nation Euch zu bilden, Ihr hofft es, Deutsche, ver gebens. Er fügt hinzu: Mögen die Parteistreitigkeiten die Erfüllung biefes Wortes nicht zur Folge haben. Bor Entritt in bie Tagesordnung erhebt Abg. Scholem( Romm.) Einspruch dagegen, daß der Reichstag burch Bolizei gesichert sei Er spricht dabei von Rompagnien von Bolizeifpigeln Severings. Bizepräsident Dr. Rießer weist diese Ausdrucksweise zurüd. Es handle sich um Beamte der Polizei, die nur ihre Pflicht getan hätten. Die Anträge der Kommunisten und Nationaljozialisten auf Freilassung aller politischen Gefangenen sowie alle Amnestieanträge werden erneut dem Rechtsausschuß über. miefen. Angenommen wird das Haager Abfonimen über internationales Privatrecht, ferner die Fieberthermometervorlage und die Vorlage zur Berlängerung des vorläufigen deutsch- spanischen Handelsübereintommens. Ein Ermächtigungsgeseh, wonach die Regierung die Seeleute i bie Erwerbslofenfürsorge einbeziehen tann, wird angenommen. dritte Beratung der Gutachten- Gefehe. Abg. Dr. Quaah( Dnat. Bp.) erflärt, die Deutschnationalen gingen in die dritte Beratung und in die entscheidende Abstimmung hinein mit einem tiefen Gefühl der Enttäuschung und der Bitter: eit. Es scheint tatsächlich, als ob auf deutschem Boden und auf deutsche Kosten der Kampf zwischen den feindlichen Prinzipien Moskau und London ausgetragen werden soll. Die Argumente der Rommunisten gegen das Dames- Gutachten find durchaus richtig, aber sie entspringen nicht deutschem Geist, sondern den Direktinen von Moskau. Die Sozialdemokraten fämpfen dagegen unter dem Banier von London. Auch die Reichsregierung habe sich fürLondon entschieden. Das Dames- Gutachten ist bei feinem Erscheinen in Deutschland und auch von amtlichen Stellen in einer Weise begrüßt worden, die taftsch von vornherein die deuts schen Unterhändler in eine sehr ungünstige Situation bringen mußte. In der Tonart der franzöfifchen Regierung hören wir in der legten Zeit allerdings einen etwas milderen Klang. Ein ge wiffer Anfang der Räumung ist auch zu beobachten oder wenigstens versprochen. Der Rampf der Rheinländer geht nicht um einige Lage und Bochen früherer Räumung, sondern um den deutschen Charakter des Rheinlandes, daß endlich ein Ende abzufchen sein möchte des unwürdigen, unerhörten, schmachvollen Zustandes, daß fremde Soldatesta ein deutsches Kulturland jahrelang belegt. Der Rebner begründet dann die Entschließung und den Abänderungsantrag feiner Freunde. Er wendet sich weiter gegen die Regierungspolitit, die eine Politit der nationalen Schwäche sei und geradezu eine Dames- Propaganda gefärbert habe. Die mit amtlichen Gelbern erhaltene Zentrale für Heimatbienst habe in einer Drud schrift das Dames- Gutachten als„ Bibel der Wirtschaft" bezeichnet. ( hört, hört! rechts.) Dr. Quaaß bekämpft dann die einzelnen Teile der Gutachtengefeggebung. Es sei eine nationale Schmach, daß Deutschland zur Begnadi gung von landesverräterischen Separatisten gezwungen wird. Die möglichkeit einer Steuerverpachtung dürfte einem modernen Kutur Das Reichsbahngesetz schaffe eine Dolf nicht zugemutet werden. Reichsbahngesellschaft, die niemals als deutsches Unternehmen be. trachtet werden fann. Die Deutschnationalen hätten feinen Grund, den Wahlkampf gegen das Dames- Gutachten zu scheuen. Abg. Sollmann( Soz.): Wir stehen in der britten Beratung über die Gesetze, die tief in die Hoheitsrechte des Reichs und der Länder, in Finanz und Währung, Wirtschaft und Recht eingreifen und das Schicksal unseres Boltes und jedes einzelnen auf Jahrzehnte hinaus berühren. Sie legen dem deutschen Bolte ungeheure Lasten auf. Es gibt nie. mand in diefem Hause und im Reiche, der über diese Gesetze auch nur Genugtuung empfindet. Bon einer Erfüllungsbe geisterung ist bei niemandem auch in meiner Partei die Rede. Es ist auch nicht fo, als ob wir dem Auslande mit erhobenen Hän en banten müßten für das Londoner Abkommen. Wir wiffen, daß es übermäßig harte Laffen find, die wir übernehmen müssen. Für uns ist das alles bas Ergebnis einer zwangsläufigen Entwidlung, die durch den ver lorenen Krieg begonnen mutbe. Für den Weltkrieg und fein Ende aber lehnen wir die Verantwortung ab. Wie der Weltkrieg aus tiefgehenden fapitalistischen Gegensäzen entsprang, so tragen auch die Verträge, die folgten, tapitalistischen Charakter. Es ist der alle Geift des kapitalismus, der aus diesen Konferenzen und Abmadhungen spricht. Der Sozialismus hat in allen Ländern in diefen Jahren gearbeitet, um ein anderes Reparationsprogramm zu verwirklichen. Er hat sich als zu schwach erwiesen, seine Ziele durchzusetzen. Aber wir danken ausdrüdlich unferen ausländischen Brüdern für das Verständnis, das sie unferer Cage entgegengebracht haben. Ich bante ausbrüdlich und besonders als Rhein änder unserem französi schen Rameraden 2éon Blum( Lebhafter Beifall bei den Sozialbemotraten und in der Mitte), der sich als ein würdiger Schüler des Meisters Jaurés erwiesen hat. Mit uns haben die Sozialisten in den anderen Ländern jederzeit militärische Befehung verworfen. Sie haben auf Konferenzen und Besprechungen ein Reparations programm entwickelt, das zwar ebenfalls die Verpflichtung Deutsch lands zum Wiederaufbau ded besetzten Gebiete enthielt, bas aber ein System des Wiederaufbaus vorschlug, das Deutschland größte Erleichterungen gebacht hätte. Dos fozialistische Reparationsprogramm ist für Deutschland um vieles günstiger als die vorliegenden Gesetze, selbst wenn die deutschnationalen Bedingungen jämflich angenommen wären. Nun steht der große Reparationsplan der Gegner vor uns. Ich würde es zu würdigen wissen und würde es verstehen, wenn aus dem Freiheitsgefühl einer unterdrückten Nation eine ehrliche Abwehr erwachsen wäre. Aber was haben wir benn an mürbi. die ganzen Anträge sind nur Deforation und sehr schlechte Deforation. Die Kommunisten stellen Anträge, die verlangen, daß alle zurückgekehrten ausgewiesenen Eisenbahner in deutschen Reichsdienst eingestellt werden müssen, sobald die Eisen bahn wieder in die Verwaltung der Reichsbahn übergeht. Sie forgen jetzt schon für die Beamten der Regierung, aber sie ver hindern, daß die Regie wieder in deutsche Hände übergeht. Das ist die schlimmste Demagogie. Sie liefern ja die deutschen Eisenbahner und Beamten durch ihre Politik dauernd der französischen Regie aus.( Lebhafter Beifall.). Alle diese Anträge sind wertIose Papierfeßen. Dasselbe gilt für die Amnestie. Die Amnestie, die gestern mit folcher Leidenschaft von den Kommunisten gefordert wurde, tritt nach dem flaren Wortlaut nur bei Annahme stie, aber Sie wollen fie doch verhindern durch die Ablehnung der und Bertündung der Geseze in Kraft. Sie schreien ach der Amne. stie, aber Sie wollen fie doch verhindern durch die Ablehnung der Belege. Auch wir bedauern, daß die Separatisten unter die Amneftie fallen. Aber ich begreife, daß die Reichsregierung dieser Bea gnadigung zustimmen mußte, um die Begnadigung der Deutschen zu erreichen. Ich möchte heute noch einmal die Reichsregierung bitten, bie Amnestie möglichst weitgehend auf das unbesetzte Deutschland auszudehnen. Es ist mir gesagt worden, daß der Reichsminister des Aeußern im Auswärtigen Ausschuß eine Zusage in diesem Sinne gegebn habe. Wir werden darauf beharern und die Reichs regierung an dieses Bort erinnern. Aber den Kommunisten muß ich im Zusammenhang mit der Amnestie noch eins sagen: Nichts steht einer allgemeinen Amnestie mehr entgegen als die Auf trite, wie sie gestern hier aufgeführt worden sind, weil daraus Rückschlüsse auf den terroristischen Charakter ihrer Partei gezogen werden, die zuungunsten ihrer Gefangenen ausschlagen. Bielleicht wäre die Räumung der befehten Gebiete leichter zu erreichen gewesen, wenn nicht die ganze franzöfifche Oeffentlichfeif monatelang die Verhandlungen in Deutschland um das Zustandekommen eines Bürgerblods unter nationalistischer Führung beobachtet hätte. Wir nehmen das Wort des Herrn Reichsaußenministers auf, daß der Kampf um die Räumung der befeßten Gebiete jetzt erst be ginnen muß, und wir werden jebe zweckmäßige Regierungshand lung unterstützen, die auf die Räumung der besetzten Gebiete hin zielt. Der französische Staatsmann, der die Trupepn von Rhein und Ruhr zurüdzieht, wird unserem Lande, wird seinem Lande, wird ganz Europa den größten Dienst erwiesen haben. Aber ein menig liegt die Abkürzung der Friften auch in der deutschen allge= meinen Politik begründet. Man sollte jeden, der in Deutschland vom eRvanchetrieg spricht, als Verräter au befehten Gebiet einperren. Aber im Ernst wollen die Herern den Revanche. trieg gar nicht. Die französischen Nationalisten hatten ein bekanntes Wort nach 1870: Immer darat denken, niemals davon reden!" In Deutschland tönnte man sagen: Immer davon reden, niemals daran denken!" Der Reichstagsabgeordnete Ludendorff würde dem besetzten Gebiet einen großen Dienst erweisen, wenn er fich ein strenges Schweigegelöbnis auf einige Jahre auferlegen würde. Erft jüngst auf dem Ostpreußentag in Tilfit fagte ein Redner in Anwesenheit Ludendorffs:„ Wir Ost preußen marten auf den Tag, der in der Weltgeschichte ein neues Tannenberg bringt." Das ist Material für die franzöfifchen Nationalisten! ( Lebhafte Buftimmung fint.- Dolchstoßrufe rechts.) Gerade Sie ( nach rechts), die jetzt auf Räumung brängen, haben faltblütig mit der Befehung noch weiteren deutschen Gebietes gerechnet. Welche Aufregung hat es hervorgerufen, als der deutschnationale Abgeord note Syu genberg Jahre vor der Ruhrbefeßung von einer Aus dehnung der Befehung gesprochen hat!( Dr. Quaah( Dnat.): Das war in Weimar, und er hatte recht!) Bei den Verhandlungen über den Abbruch des paffiven Widerstandes hatten Sie gleichfalls burch Graf Westarp die Möglichkeit einer weiteren Befehung deutschen Gebietes in Rechnung gezogen. Westarp sprach am 8. Oftober 1923 m Reichstag. Wir hielten ihm in Zurufen vor, daß er, ebenso wie heute Dr. Qyaag, es an einem positiven Programm vollkommen fehlen lasse.( Buruf rechts: Lassen Sie erst eine nationale Regie rung tommen!) 3hr Programm ist: Lassen Sie uns in die Regierung fommen und dann wird man sehen! Das ist das, was Sie früher uns gegenüber als Drang zur Juttertrippe bezeichnet haben. Ich meine aber, ein nationaler Mann darf mit feiner nationalen Arbeit nicht warten, bis er Minister geworden ist!(Sehr gut! links.) Als Graf Westarp am 8. Oktober 1923 gefragt wurde, was ge- schehen solle, wenn es zum Konflikt mit Frankreich komme, da sagte er:„Die Frage ist. ob das deutsche Volk das auf sich nehmen wird und kann und will, daß Frankreich die Kriegsmaß- nahmen, die es heute schon gegen das deutsche Volk führt, ver» stärken wird durch weiteren Vormarsch, durch andere kriegerische chondlungen/ Und als nun der Zuruf von den Sozialdemokraten kam:„Und wenn ja?", da fuhr Graf Westarp fort:„Und wenn ja. so sind wir der Auffassung, daß auch um dieser Möglichkeit willen wir die feige Unterwerfung einer neuen Unterschrift nicht wollen: daß wir diese Möglichkeit"— also den Vormarsch der Franzosen— «vorziehen der feigen Unterwerfung einer neuen Unterschrift!" (Hört, hört!) Sie(nach rechts), die uns heute vorwerfen, daß wir nicht entschieden genug für die Räumung eintreten, Sie haben da- mals kaltherzig und erbarmungslos eine solche Politik empfohlen auf die Gefahr hin, daß noch weiter« deutsche Provinzen von schwarzen und weih«, Franzosen besetzt w-rden! Nachdem Abg. Erkelenz schon im„Berliner Tageblatt" dokumentarische Mitteilungen über den Abbruch des passiven Wider- standes gemacht hat, kann ich auch feststellen, was der ehemalige Rsichstagsabgeordnete van den Kerckhoff, als Vertreter der Deutschnationalen, am 24. September 1923 in einer Besprechung mit der Reichsregierung, der ich damals angehörte, ausgeführt hat. Kerckhoff sagte:„Wir sind mit der Ausgabe des passiven Wider- standes nicht einverstanden. Wir müsien Frankreich erklären: Der versailler Vertrag ist gebrochen, das Rheinland ist Kriegs- gebiet, jede kriegsunterflühung an das befetzte Gebiet ist sofort einzustellen."(Lebhaftes Hört, hört! linbs.) Das ist Ihre national« Stärke! Die Deutschnationalen erklärten durch Kerckhoff, man müsse den Franzosen die Verantwortung für das besetzte Gebiet zuschieben, die Franzosen müßten d'e Bevölkerung dort ernähren— und dann kam der große Saltomortal«—, durch die vorläufige Preisgabe' schließen wir das Rheinland enger mit Deutsch- land zusammen.(Gelächter und Hört, hört! links.) Wären wir da- mals diesen Weg gegangen, dann brauchten wir uns heute über den Londoner Vertrag nicht zu unterhalten und brauchte« uns keine Sorgen mehr um das Rheinland zu machen, denn dann wäre das Rheinland längst nicht nur von Preußen, fondern leider und zum Fluch für Europa auch vom Reich losgelöst. Daß wir damals fest geblieben sind, ist unser historisches Verdienst. Ich habe das Recht, für mich und meine Kollegen im Kabinett der großen Koalition den Vorwurf der nationalen Schwäche als durchaus unberechtigt zurück- zuweisen. Am S. November 1923 schrieb die„Deutsche Tageszeitung"— ein Beweis, daß diese Ansicht im deutschnationalen Lager allgemein verbreitet war:„Dos Rheinland ist für die deutsche Wirsschaft und für die deutsche Finanz heut« ein« geöffnete Schlagader, aus der das Blut dauernd herausströmt: man braucht kein Arzt zu fein, um zu wissen, daß der ganze Körper absterben muß, wenn nicht die geöffnet« Schlagader oberhalb der Wunde bald abge- Kunden wird. Wenn hier Einwände auch erhoben werden, es ist unter ollen Umständen zu fordern, daß die Finanzierung von irgend- welchen Lieferungen an Frankreich ja auch die Unterstützung der schwerleidenden Ruhrbevölkerung auK Reichsmiteln aufhört."(Hört, hört! links.) Treten Sie doch mit uns vor die rheinisch« Bevölke- rung und unterhalten Sie sich da mit uns über nationale Würde und nationale Krall! Dos Verhalten der Deutschnationalen in den letzten Wochen gibt Gelegenheit, Lehren der politischen Psychologie zu ziehen. Wir sthen vor uns«ine große Partei, gefangen in der Schlinge ihrer Demagogie. Wir sehen, daß die Einsicht der Führer kapitulieren muß vor dem Unverstand und der Ueberspanntheit, die fünf Jahre lang in die Massen hineingetrichtert worden sind. Wir stehen vor dem Bankerott der nationalistischen Demagogie. Innerlich— seien Sie ehrlich!— sind Sie alle davon überzeugt, daß nichts Besseres in London zu erreichen war. Darum haben Sie um Regierungssitze und um Zollsätze ge» schachert, um vor Ihren Anhängern sagen zu töninen: wir sind in die Erfiillungspolitik eingeschwenkt, aber wir haben un» als Machtfaktor gezeigt, und das und jenes erlangt. Die vierzehn Nothelfer. Eine Episode aus einer Gemeindewahl von Max Eck-Troll. Durch Zufall, der uns Menschen so häufig zwangsläufig, dikta- torisch mit einem Ort, mit Menschen verksttet, bin ich diesen Winter nach einem kleinen Ort im Taunus gekommen. Das schmucke Dorf liegt im herrlichen Tal der Weil, einem kleinen Nebenfluß der Lahn, und man hat bald zwei Stunden zu„tippeln", um zur nächsten Bahnstation zu gelangen. Hier in dem Tal ist Ruhe. Der Bach plätschert lustig am Wehr ier Mühl«, Forellen schnellen unter dem Ufervand, wenn man dem User entlang schreitet. Die Sonne gibt den schmucken Bauernhäusern neue Farbe. Hahn« krähen liebestrunken, Enien watscheln schaukelnd dem Bach« zu. Ein Idyll des Friedens.— Da höre ich festen Marschschritt. Dann hebt am Dorfeingong ein mächtiger Gesang an, daß die Bauern und Bäuerinnen die Fenster aufreißen und erstaunt die Dorfstraß« hinabsehen. Täusche ich mich nicht? Sind das nicht die Klänge der Inier- nationale? Ja richtig: „Die International« Erkämpft dos Menschenrecht!" Und eme rote Fahne wird vorausgetragen. Unter den Dorfbewohnern gärt es. Viele der Bewohner sind Arbeiter, die von Frankfurt bis hin- auf ins Ruhrgebiet als Maurer, Schreiner, Schlosser usw. sich ihr Brot v-rdienen. Ihr Herz aber hängt am Heimatsdorf, trotzdem sie oft das ganze Jahr fern sind. Ich erfahr«: Morgen. Sonntag, ist Gemeindewahl, bei der es zwischen den Bürgerlichen und den Sozialdemokraten hart auf hart gehen wird. Der Bürgermeister hat sich durch unsoziale Maß- nahmen, durch Provozierung der unverschuldet Erwerbslosen miß- liebig gemacht. Der Borstand der Sozialdemokratischen Partei hat an die Wahlberechtigten, die im mehrere hundert Kilometer entfernten Ruhrgebiet arbeiteten, geschrieben und sie auf die Wichtigkeit der Wahl hingewiesen. Vierzehn Wähler aus der Gemein de arbeiteten an verschiedenen Orten im Ruhrgebiet. Und olle vierzehn Ovaren sie erschienen. Sie bildeten die Gruppe, die uniem einer selbst verfertigten roten Fahne am Abetrd vor der Wahl die International« singend in das Dorf einzogen. War es da ein Wunder, daß so mancher sich Großbauer Dün- kcnder, der so schnell das Fenster geöffnet hatte, es schnell und hastig vor Aenger wieder zuschlug, daß die Scheiben klirrten? Am anderen Tag w aller Herrgottefrüh, am Wahlsonntag. be- tätigten sich die Merzehn von der Ruhr, die trotz Geldknappheit Aber so verrannt sind die Anhänger des Nationalismus!, daß die Ernüchterung so rasch nicht gefunden werden kann, die Sie gern möchten. Ich behaupke, daß, wenn Tirpih als Reichskanzler und hergt als Innenminister heule hier säßen, Sie die Gesetze verteidigen würden, die sie heule bekämpfen. Sie sind bereit gewesen, den Uebergang der Reichsbahn an eine Privatgesellschaft auch mit aus- ländischem Kapital zu genehmigen, die Finanz« und Wirtschafts- kortrolle zu übernehmen, die Industriebelastung anzunehmen. An- fang Juli dieses Jahres, als die neue Regierung sich hier vor- stellte, sprachen für die Deutschnationalen die Abgeordneten Schlange und Westarp. Das Sachverständigengutachten war damals längst bekannt. Beide Redner haben auch genug davon gesprochen, aber beide haben nicht ein Wort gegen die Privatisierung der Reichsbahn, gegen die Finanz- und Währungskontrolle. gegen die Industriebelaslung und gegen die Beschränkung der Hoheits- rechte gesagt. Wenn der Londoner Vertrag unannehmbar ist, dann war er es damals schon und Sie hätten ihn damals mit derselben Schärfe wie heute bekämpfen müssen. Sie haben es nicht getan, well sie wohl wußten, das nichts anderes zu erreichen ist und weil sie ihre Zustimmung sich hoch bezahlen lassen walten. Ob Sie nun in den letzten Stunden noch etwas finden werden, was Ihnen unter Wahrung des Gesichts die Zustimmung erleichtert, ist nicht entscheidend. Es bleibt dabei, daß die Deutsch- nattonalen endgültig aus der Reihe der grundsätzlichen Er- füllungspolitiker ausgeschieden sind. Sie haben Wirth, Erz- berger und Rathenau bekämpft, sie fetzen dies« Politik fort, denn es fehlt ihnen der hemmende Berstandcsfaktor, das Bewußt- fem der Verantwortung. Die Deutschvölkischen sind vielleicht die einzigen, die von diesem Standpunkt aus ohne Sünde und Fehl find. Auch die Kommunisten haben hier im Haufe wiederhott grundsätzlich zur Ersüllungspollttk sich bekannk. Am 2. März 1923 sagte hier Frau Klara Zetkin gegenüber unserem Genossen Dr. David:„Wenn man damit beginnen will, den französischen Imperialismus aus dem Lande zu treiben, fo gibt es, angesichts der Schwäche der deutschen Republik, allerdings zunächst nur ein Mittet? die Erfüllungspolitik! Darin hat Dr. David recht. Aber darüber, wie diese Erfüllungspolittk ausgeht und wer sie be- zahlen soll, hat auch er geschwiegen. Das ist das Entscheidende. Leider — sagte Klara Zetkin weiter— ist die Erfüllungspolitik bei dem gegenwärttgeu Stand der Dinge unvermeidlich geworden(Lebhaftes Hört, hört! bei den Sozialdemokraten), nachdem von den Bourgeoisien der beiden Mächtegruppen der Schmachfrieden von Versailles ge- schloffen worden ist. Di« Erfüllungspolitik, darüber dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben," so schloß Klara Zetkin,„ist jetzt u n- v- r m e i d li ch, und der Kampf um die Verteilung der Lasten, der muß natürlich geführt werden." Run haben sich allerdings die Kommunisten seitdem etwas weiter entwickelt. Es hat der große Aufstieg von Klara ZeMn zu Rnkh Fischer begonnen(Hetterkeit). die uns durch ein Bündnis mit Rußland und sein« Rot« Arme« befreien will, vorausgesetzt freilich, daß 5)«r Morgan den Rufs en dLS Geld pumpt.(Große Hetier- keit.) In Wirklichkeit denken die Russen gar nicht daran, sich für uns am Rhein in Unkosten zu stürzen.(Einige Kommunisten rufen: Sehr wahr, einige ander« zugleich: Abwarten!) Jede An- leihe ist den Russen lieber als ein Krieg.„Nicht aus London, fon- dein au» Moskau kommt das Heil", ruft Frau Fischer-Gohlke. Nun jeder Gläubiger hat seine Heimat(Hetterkeit), aber das heil kommt nur aus der Gesundung der deutschen Wirtschaft und der deutscheu Menschen. Darum nehmen wir die Gesetze an. Wir kennen chre Last, wir wissen aber auch, daß der jetzt noch bestehende Londoner Zah- tungspton von 1921 jährlich 1800 Millionen mehr von uns ver- langt als der Sachverständigenplan. Wir wissen, daß ein« mehr oder weniger verttaglose Zeit viel teurer ist für das deutsche Volk. Die deutsche Wirtschaft kann sich nur erholen, wenn ihr großzügig ausländisches Kapital zugeführt wird. Wenn der Kreislauf der Wirtschaft Deutsehlands stockt, dann leiden die Arbeiter, Angestellten und Beamten am meisten und den Predigern des unverfälschten Klassenkampfes sogen wir eines: die lang« Fährt, die teuren Fahrkarten und die zwei Tag« Lohn- ausfall nicht scheuten, im„Schlepperd.enft" und in mündlicher Agitation. Als am Abend die Stimmen gezählt wurden, hatte die Sozial- demokratische Partei gerade die vierzehn Stimmen der„vierzehn Nochelfer" mehr als die Bürgerlichen, damit di« Mehrheit im Ge- meinderat. Und damit war auch das Schicksal des nicht gerade beliebten Bürgermeisters besiegelt. Ihr wollt wissen, wie das Dorf heißt? Ich sage es euch gerne: Rod an derWeil, inder Pro» vinz Heffen-Naffau. Wenn allüberall die Genossen allzeit so auf dem Damm wären, wie die„vierzehn Nothelfer" von Rod an der Werl, dann würde es um di« Sache der Arbeiter in manchem Orte, in mancher Stadt, in Deutschland, in der ganzen Welt besser bestellt sein. Die Nevue im ,�ömiralspalaft�. In der Mitte diefer Revue:„Noch und Noch" wird das Rezept für solches Potpourri von Genüssen gegeben: es gehört dazu Amüsement, Humor, Musik, Gesang, Schönheit, Pitanterie, alles in rechter Dosis und Mischung. Gesang war durch Elifabet Klepner und Heinrich H e n s e l würdig vertreten, die Musik durch Kollos gar nicht niehr aufregend«, recht kurzatmige und wenig ableokende Melodien anständig, die Schönheit marschierte in prächtig gewachs«. nen, noch prächtiger angezogenen Frauen und in einer berückenden Farbenskala an Szenen, Vorhang, Kostüme, Dekoration an der Spitz«. Auch Einfäll«, wie der lebende Blumenkorb, die wan- delnde Zigarre, die Seele des Hute», di« Tiefe des Meeres zeugten von dem hervorragenden Geschmack des Künstlers Haas- Heye. Daß die Pikanten« fehlte, mag noch hingehen, denn nach d» Artung des deutschen Publikums wird sie meist zu saftig offeriert: es war alles, auch das Entblößte, wirklich dezent. Lilien, Ehrlich, Schuly und die kleine Kürty wirkten drollig bis zum Lachen. Aber Humor, Geist, Witz, Amüsement. Satire, Ironie. Groteske, all das. was der Revue Inhalt, Form und Glanz von innen her gibt,— all das war in kleinen homöopathischen Dosen vorhanden. Haller, Ridea. ntus und Wolfs haben es im besten Fall zu einem Kalauer oder zu einem Vers mit witziger Pointe gebracht. Aber die Revue hat kein Fundament, kein Gehirn, nur Beine, auf denen sie läuft. In fünf Stunden bemerkt das auch ein unentwegter Jasager groß- städtischer Vergnügungen. Gibt es kein Mmerial in Deutsch'and, in Berlin allein, um Spott und Laune zu verspritzen? Immer nur Kleider, Hüte und Tänze? Gibt es in Dingen der Kunst, Polittt, Dolizei, des Theaters, der Presse, des Stvrtums, der' Dollarjagd, der Börse, dez Verkehrs, der futuristischen Musik, des Jazz, des Rummels, der Pnüsaus- sHreiben, der Banken und sonstigen Gründungen nicht g'nug Themeta für«ine geistvolle Satyr«? Nichts von alledem. Wieder geht einer in die große halbe Welt, um sich alles, was schon'st. noch und r.och symbolisch oorlanzen zu lassen, wieder verfolgt ihn sein Ehegespon». verelendete, verkommene Massen können vielleicht Faustkömpfe, aber niemals den Klassenkampf sieghaft führen. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Wir wissen, daß diese Gesetze in sozialen und polttrschen Krisen in Deutschland nichts bringen. Wir rüsten uns zu neuen Kämpfen. um das Wort des Reichskanzlers� an das wir erinnern, in die Tat umzusetzen, daß nämlich die Lasten aus dem Gutachten sozial gerecht verteilt werden müssen. Ich fürchte, daß über diesen Punkt zwischen uns und dem Reichskanzler noch ttefgehende Meinungsverschiedenheiten bestehen. Dir Sozialdemskraken kämpfen dafür, daß da» deutsche Volk von dem Steuerbetrug, der bis in die jüugfle Ver- gangeuheit gelriebea wurde, erlöst wird. Wir halten uns vor der Internationale und vor der Welt an die Zusicherung des Gutachtens, daß der Lebensstand der deut- schen Volksmassen nicht unter den Standard der anderen Völker heruntergesetzt werden darf. Nicht der geringste Nachweis ist dafür erbracht worden, daß eine Verlängerung der Arbeits- zeit über den Achtstundentag hinaus notwendig gewesen wäre— aber nicht die Hälfte der Kommunisten säße hier, w un nicht im Mörz 1923 der Angriff auf den Achtstundentag erfolgt wäre. (Zmuf rechts: Nach der Wahl kommen noch mehr Kommunisten hier herein!) Das ist Ihr« Hoffnung.(Dr. Ouaatz: Die Kom- muniften sind Ihnen über!) Hoffentlich freut die Kommunisten diese Anerkennung! Was haben die Deutfchnattonaken als einzigen Ausweg vor- schlagen können? Neue Verhandlungen. Wer verspricht uns bessere Verhandlungen mit Frankreich und England. Das ist Herr v. Tirpitz, der Vater der Flottenrüstungen, das ist Herr Hergt, der Heber- annexionist, Herr Westarp, der Oftfrankvoich und Belgien annektieren wollte. Wie stellen Sie sich denn tfe Dauer der Verhandlungen vor? Das besetzte Gebiet kann nicht noch einmal Verhandlungen von vier Monaten aushalten. wer Me Gesetze ablehnt, hindert die Beschleunigung der Räumung des befetzleu Gebiete«. Er stärkt die Kräfte in Frankreich und Belgien, di« erklären, daß die Besatzunysfristen noch nicht zu laufen begonnen haben. Die Gegner der Gesetze hindern die Aufhebung der Regie, die Heimkehr der Gefangenen und der Ausgewiesenen. Sie führen die Der- wüstung der Reichs-, Staats- und Gemeinde- finanzen herbei, sie bringen die Gefahr neuer Inflation. Sie setzen die Rheingebiete der Gefahr neuer Requisitianen, Sanktionen, Erpressungen, neuer separatistischer Abenteuer aus. Die Gegner der Gesetze führen neue Produktions st örungen herbei, oermehren Arbeitslose und Kurzarbeiter zu Millionen, zu neuen H-ungervrgien. Di« Gegner der Gesetze verhindern eine in den Grenzen des Vernünftigen gehalten« Aufwertung. Ihre Politik befreit uns nicht von den Lasten, sondern legt uns noch schärfere Lasten auf. Das wollen wir verhindern. Darum sagen wir: Wenn in den nächsten 24 Stunden die Gegner der Gesetz« nicht zur Besinnung kommen, dann muß das Volk ausgerufen werden an die Urne. Wir sagen dem Volke: Nun steht das Volk vor einer der«nsscheidendsn Schicksalsfragen. Wir treten vor ln« Massen mit dem Willen, ihnen Arbeit und Brot zu verschaffen. Unser nächstes Ziel ist es, daß endlich jeder, der Arbeit will, Arbett findet zu einem Lohn, der kulturwürdiges Leben schafft. wir fordern das Volk auf. mit uns den Weg zu gehen zur vationaleu Freiheit, der nur führt auf dem Wege der Erfüllung. wir verteidigen die Zukunft und die Freiheit der deutschen Ration gegen die Deutschuatioualen.(Beifall.) Wir verteidigen die stolze Tradition und die hohe Kultur der deutschen Arbeiterbewegung gegen die von rohestem Gerpaltgcist erfüllten Kommunisten. Wir schaffen der sozialistischen Entwicklung freie Bahn gegen die verbündete oölkisch-konmu- nistische Reaktton, gegen die Front von Ludendorff und Katz. Hin- weg mit diesem Reichstag, das deutsche Volk will es! Wir kämpfen für den Frieden Europas, für veuffchlaud» Ausstieg, für neue Kraft- ströme der Arbeiterklasse, für Deutfchlauds küustige Freiheit!(Stürmischer Beifall, erregt« Zurufe.) Nach Dr. Brauus sprachen noch die Minister Stresemann und Luther. So hat man den berühmten roten Faden der Handlung, die für Back- f'jch: gut ist Dos Stärkste, Frischeste, Natürlichste und Fröhlichst« in den 45 Bildern sind die 18 Empire Girls, die ihre Beinchen werfen wie ein einziges Mädel, sind die kleinen Soldaten auf der Spieldose, sind die Operettenszenen, die in einem aufgeschlagenen Buch zu un- sterblichen Klängen plastisch gezeigt werden sind die weichen, aus- vrucksoollen Bewegungen der Djeemil An it. Andere Tänzer und Tänzerpcar« verwechselten den Kunsttanz mit Akrobatik. Im ganzen also eir« Revue, reizend für das Aug«. Das Ohr, das Ge- Hirn sind zu werttvseren Siinesorganen gemacht. Haller hat sich aus Amerika famose Tricks, Deine, Beleuchtungen geholt, ober eine Berlinische Rcvu« hat er damtt nicht geschaffen. Wir sind so anspruchsvoll, uns die Zeiten und Einfälle Julius Freunds zurück- zuwünschen. Der neue ausländische Import genügt uns nicht ganz: zur Sauce gehört auch der Braten. Dem ungeheuren Fleiß und dem hochachtbaren szenischen Niveau gilt unser ungeteiltes Lob. Haller-Anfang ist schwer._ A. S. (Hn Denkmal des Matterhorn-Vefiegers. Ein Denkmal des be- rühmten englischen Bergsteigers Edward Whymper soll in Zer- matt errichtet werden zur Erinnerung an di« erste Bestsrgung des Matterhorns am 13. Juli 1835. Dies Denkmal erinnert zugleich an einen der bedeutendsten Siege des Alpinismus und an eine rätfel- haste Katastrophe, bei der d»? Begeiter von Whvmper, Lorv Dou- glas, Charles Hudson, Mr. Hadow sowie zwei Führer ihr Leben verloren. Man hat nie einwandfrei festgestellt, ob das Seil zerriß oder zerschnitten wurde. Nach der Erzählung Whympcrs wurde die Katastrophe dadurch veranlaßt, daß Hadow beim Abstieg nach der Eroberung des Motterhorns an den Führer Michel Croz stieß und kiesen dabei aus dem Gleichgewicht brachte. Beide stürzten den Bergabhang hinunter und rissen di« anderen mit sich Whymper und der berühmte Führer Taugwalder stemmten sich mit aller Gewalt gegen den Boden, um den Fall aufzuhalten, aber das Seil gab zwischen Taugwalder und Lord Douglas nach, so daß nur Whymper und der Führer gerettet wurden, während dle anderen in den Abgrund stürzten. Die Genosseaschast v eulstier vahueuemgehSrlger veranstaltet am Mitt- »voch, den 3. Sept., im"unavart ein Gartenfest zum Besten Ihrer Wohl- sahrttkassen. Da! BIüttmer-Ortcster unter KeneralmusUdtteltor iieo Blech und zahlreiche erste Künstler wirken mit. Mit dem Fest verbunden ist eine Modenschau, ein Kabarett und die Verteilung von wertvollen Geschenken, darunter ein komplettes zweistöckiges Landhaus. Zur Sicheruag der SSMuger QänM Opem-JeHfiriele, die fett 1920 Be» reitS vier Opern Händeis den Theatern des In- und Auslandes wieder- gewonnen haben, hat sich eine Gemeinde der Händel- Festspiele gegründet, die möglichst einen Zusammenschluß aller Händelwennde Bezweckt, Auskunft ertellt die Geschästsstelle R. Kuhnhardt, Göll in gen, Theaterslr, 23. Analole France, der 32jährigc. der sich augenblicklich aus seinem Zandout Bechellerie befindet, ist an einer Erkältung erkrankt. Sem Befinden gibt zu Besorgnissen Anlas,. Elve Schouspieletschul« ifir Arbetter lo Moskau. Das Moskauer Tb-aler.Die Revolution' bat für Arbeiter eine Schauspielerschule«rrschtet. Außer in den Grundelementen der dramatischen Kunst w«rden die Schüler in der DarstellungSkunst unterrichtet. In den vom Theater ausaeiühues Stücken wirken sie dann mit. Die Enthaltsamen. Bazille und Leuth eutzer. Bei der gestrigen Abstimmung über das Cisenbahngesetz wurde eine S i m m e n t h a l t u n g festgestellt. Wer war der Mann, der so tapfer sich vor der Entscheidung drückte? Es war Herr Bazille. deutschnationaler Abgeordneter und württembergischer Ministerpräsident! In der letzteren Eigenschaft hat Bazille sich ausdrücklich für Annahme der Gutachten ausgesprochen. Als Abgeordneter enthält er Er hat allerdings einen Konkurrenten auf diesem Gebiet. sich der Stimme, um seine Fraktionsfreunde nicht zu verletzen! Herr Leutheußer, der thüringische Staatsminister von Dinters Gnaden und Fraktionsgenosse Stresemanns, hatte es vorgezogen, zur Sitzung überhaupt nicht zu erscheinen. Wahr- schcinlich war er wieder ebenso„auf Urlaub", wie bei der Bcrsassungsfeier in Weimar. Zum Potsdamer Kommum'stenattentat. In Potsdam war gestern das Gerücht verbreitet, die oerhas- teten Potsdamer Kommunisten, die in die Voruntersuchung üb« das geplante Attentat am Tage der Denkmalsweihe des Garderegiments verstrickt sind, seien aus der Haft entlassen worden. Ebenso seien eine Anzahl V-rliner Kommunisten auf freien Fuß gesetzt worden. Es gewinn« den Anschein, als seien die Kommunisten rechtsradikalen Spitzeln auf den Leim gegangen. Wie wir erfahren, entsprechen diese Gerücht« nicht den Tatsachen. Die Leute, bei denen die Vom- ben gesunden wurden, bleiben in Haft. Enthaftet wurden lediglich drei Personen, die nicht zum Kreis der Täter gehören, da gegen sie ein Fluchtverdacht nicht vorliegt und die Sachlage genügend geklärt ist. Das Verfahren, auch gegen sie. geht weit«. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß es den oerhafteten Kom» munisten mit dem Attentat ernst war. Spitzelei kommt nicht in Frage._ Die Erzbergermoröer und ihre Sesthüher. Tic Antwort der ungarischen Regierung auf die deutsche Auslicserungsnote. Budapest. 28. August.(TU.) Di« deutsche Gesandtschaft«hielt gestern die Antwort der ungarischen Regierung auf die deutche Note, in welcher die Auslieferung Schulz«? und Tilleflens verlangt wird. Bezüglich Schulz weist die ungarische Regierung darauf hin, daß das normale Auslieferungsverfahren sich im Gang« befindet und erklärt, daß die deutsche Gesandtschaft seinerzeit von dem Ergebnis des Verfahrens verständigt werden wird. Bezüglich Tillessen erklärt die ungarische Regierung, daß die Nachforschungen behufs Verhaftung Tillessens mit„voller Energie" geführt w«rden.(?) Der Abg. Julius G ö m b ö s, in dessen Villa sich bekanntlich die Erzberyermörd« aufhielten, erschien gestern in Begleitung des Abg. Ulain bei der Staatsanwaltschaft und ersuchte, ihm even- tuell« Wünsch« des verhafteten Schulz, die sich auf Kleidung oder Beköstigung beziehen, bekanntzugeben. Die beiden Abgeordneten seien bereit, diesen Wünschen nachzukommen. Ulain stand seit län- garer Zeit in Verbindung mit den bayerischen National- s o z i a l i st e n und war das Derbinjnmgsglied zwischen der deut- schen und der ungarischen Bewegung. Schulz sowie die angeblichen Schneider und Mayer wandten sich nach ihrer Flucht aus Deutsch- land an den Abg. Ulain mit der Bitte, ihnen in Ungarn«in Asyl zu verschaffen. Die beiden deutschen Kriminalbeamten reisten heute nach Berlin zurück, da sie ihre hiesig« Tätigkeit abgeschlossen haben, nachdem sie das Protokoll, das nach der Konftontierung aufge- nommen wurde, unterschrieben haben. Garantievertrag statt Militärgewalt. Bari», 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Das Problem der französischen Sicherheit, das seit der Londoner Konfe- renz und im Hinblick auf die bevorstehenden Verhandlungen des Völkerbundes gegenwärtig Wied« im Vordergrund der öffentlichen Diskussion steht, behandelt die.Information" in folgen- den vHmünftigen Ausführungen: Man müsse bei den Garantien für hj« ftanzösisch« Sicherheit unterscheiden zwischen denjenigen, d'e isich erst in einiger Zeit verwirklichen ließen, ln« aber jedenfalls tyn Vorzug hätten, endgültiger Natur zu sein. Vor allem dürfe man nicht den scheinbaren Sicherheiten trauen, die zur Grund- laqe jene Uebergcrngstruppen hätten, denen Frankreich sein« Siege zu verdanken habe und die auf einem Komplex von politischen und diplomatischen Umständen ausgebaut seien, für deren Dauer Frankreich keinerlei Gewähr habe. Zu den Illusionen dieser Art habe die militärische Besetzung des Ruhrgebiet« gehört, obwohl die militärischen Sachverständigen ihr niemals irgendwelche Bedeutung beigemessen, sondern im Eegentell die größten Bedenken gegen die stark exponierten Stellungen der sehr erheblichen ftanzösischen Streitkräfte gehabt hätten, die im Falle eines bewaffneten Konflikts so schnell wie möglich hätten zurück- genommen werden müssen. Auch die Besetzung des linken Rheinufers stell« keineswegs eine dauernde Garantie für die S!ch«h«it Frankreichs dar. Denn nach den Bestimmungen des Der- sailler Vertrages hör« sie gerade in dem Augenblick auf, wo Deutsch- land anfange, wieder gefährlich zu werben. Frankreich würde«inen schweren Fehler begehen, wenn e» deshalb noch neuen Bor- wänden suchen wollt«, um die Räumung dieser Gebiet« um ein paar Monate hinauszuschieben. Was not tue. sei vielmehr, dies« Scheingarontien durch ein wrrklich dauerhaftes und wirksames System zu ersetzen. Garantien dieser Art könnten ab« nur auf Grund der engsten Zusammenarbeit mit allen Völkern, die an d« Aufrechterhaltung des europäischen Friedens interessiert seien, gefunden werden, d. h. in einem gegenseitigen Garantievertrag und d« Uebernahm« der militärischen Ucberwachung Deutschlands durch den Völkerbund. Der geschlagene poi'ncarö. Barls. 28. August.(Eca.) Die„Ere Rouvelle" zieht nochmals die Bilanz der Aussprache im französischen Parlament üb« die Londoner Beschlüsse und schreibt: Di« Parlamentsession ist mit einem republikanischen Erfolge beschlossen worden. Die Reaktion hatte ihre letzten Hoffnungen auf den Senat gesetzt, wo Poincarö bereits seit langen Iahren führt, ob« der Senat hat Herriot sein Vertrauen ausgesprochen. Der ehemalige Chef der Regierung hat nicht verstanden, daß man nicht die ganze Kraft der Welt in den Rahmen von Paragraphen einspannen kann, die doch nur Wert für ein« beschränkt« Zelt haben. Der„Quoti dienschreibt unter der Ueberschrift:.Leute, die die anderen in den Tod schicken": In der Kammer schimpfen auf Befehl Pvincar«, fem« Offiziere und fem« Truppen gegen die Verein- barungen von London. Im Senat hat sich dagegen Poincarä selbst mutig der Abstimmung enthalten. Das„Oeuvre" schreibt: Poincarö hat geschlagen« fünf Stunden gesprochen, dann hat er sich bet Stimme enthalten. Er hatte also gesprochen, um nichts zu sagen. GrauftlZMSnaöe. Hm und roieder hört man die Behauptung daß die Brauselimonade aus Fruchtäthe? hergestellt werde, dessen Ursprung Stein- kohlents« sein sollte Nur die allerwenigsten Brauselimonaden enthalten jedoch FruchtSther. Er findet besonders bei der Bonbon- fabrikation Anwendung, stammt im übrigen nicht aus Steinkohlen- teer, sondern wird aus Sprit unter Zusatz verschiedener Säuren hergestellt. Fast durchweg werden die Brauselimonaden aus natür- lichen Essenzen erzeugt, die auf dem Wege der Destillation aus frischen Früchten, z. B. aus Himbeeren. Zitronen usw. gewonnen werden. Das H:I?smittel, um das Aroma der frischen Früchte fest- zuhalten, ist der Sprit, der mit frischen Htmboeren, Zitronenschalen usw. angesetzt und nach einer gewissen Bearbeitung abdestilliert wird. Die in den natürlichen Früchten befindliche Säur«, di« beim De- stillieren nicht mit gewonnen weiden kann, wird den Brauselimo- noden wieder zugesetzt, indem nämlich Milchsäure, Weinstsinfäure oder Zitronensäure dem herzustellenden Getränk beigefügt wird. Diese Säur« bildet in den Fruchtsäften tvi« auch in den künstlichen Brauselimonaden den hauptsöck/lichsten Geschmack. Die zugesetzten Säuren in den Lrauselimanaden smd sämtlich Raturerzeugniss«, kein« von ihnen stammt aus Stei-nkohlente«. Der in Leu Limona- den enthaltene lebhafte Farbstoff, der allein einen Airreiz für das Auge bieten soll, ist allerdings meistens aus Artifinfarben hergestellt. Diese Farben werden jedoch in so geringem Maß« verwandt, daß irgendeine Wirkung wed« geschmacklich noch im Aroma ein- tritt. Er ist vollkommen giftfrei und unschädlich. Wenn in den letzten, besonders m den Kriegsjahren die Brauselimonaden nicht mehr den Anklang gefunden haben wie in früheren Zeiten, so ist das darauf zurückzuführen, daß an Stelle des Zuckers Sacharin verwandt werden mußte, wodurch die Brauselimonade häufig einen wid«lichen Geschmack erhielt. Wolle man zu Brauselimonaden natürliche FruchtfSfte oder besser Fruchtsyrupe— das sind mit Zucker eingekochte Fruchrsäste— nehmen, so würde man sehr schnell ein vollkommen unansehnliches, trübe? und flockiges Getränt erhalten, denn die in dem SÄterwass« enthalten« Kohlensäur« zerstört die Farbstoffe des Fruchtsyrup-. Wollte man Fruchtsyrupe mit Selter. wasser direkt mengen, so würde auch hier kein rem« Geschmack vor- Händen sein, da in dem Selterwasser Salz« enthalten sind, die sehr störend wirken. Auch Liköressenzen sind niemals aus Steinkohlen- teer gewonnen, sondern werden je noch Verwendungsart außer- ordentlich sorgfältig aus Kräutern und ätherischen Oelen, die wiederum aus Kräutern und Drogen gewonnen werden, erzeugt. Man soll sich also deshalb in Zukunft nicht davon abhalten lassen, Liköre, Brauselimonaden usw. zu trinken, denn die verwandten Stoffe sind durchaus rem und haben mit Stemkohlente« oder an- d««n chemischen Erzeugnissen nichts zu tun. Das Enöe einer völkischen Sank. lleber 10 000 Sparer um ihre Einlagen gekommen? Gestrige Abendblätter brachten aufsehenerregende Mitteilun- gen über den völligen Zusammenbruch des Bankhauses Willi Bruß in Wilmersdorf, Brandenburgische Straße, am Fehrbelliner Platz. Danach soll stch die Ortsgruppe Wilmersdorf d« Nationolfazialisti- schen Freiheitspartei schon vor längerer Zeit mit einem Rund- schreiben on ihr« Mitglied« und Gesinnungsfreunde gewandt und sie veranlaßt haben, dem genannten Vankgeschäst ihre Einlagen an- zuvertrauen. Daraufhin sollen nicht weniger als 14 000 Einzah- lungen, in der Hauptsache von kleinen Gewerbetreibenden, Ge- schäftÄeuten und Beamten«folgt sein, die jetzt restlos verloren sind, da überhaupt keine Konkursmasse vorhanden ist. Es ist drin». gend notwendig, daß üb« diesen Zusammenbruch, der so viele kleine Existenzen dem Elend überliefert, restlos« Klarheit gegeben wird. Es scheint, daß hier der Staatsanwalt am Platze wäre. Wie zu erwarten, hat die Nachricht von der Zahlungseinstellung des Wilmersdorfer Bankhaufes Willy Bruß in den Kr«fsn der betroffenen zahlreichen, größtenteils kleinen Leuten u n g e- heuere« Aufseben und größte Erbitterung erregt. Di« letzter« wird sich noch wesentlich steigern, wenn die Hiobspost von dem Zusammenbruch und vor allem von der skrupellosen Art und Wesse, mit welcher der Leit« des Bankhauses und sein« Heif«s- Helfer den vertrauensseligen und allerdings auch spekulationslüster- nen kleinen Leuten das Geld aus d« Tasche gezogen hat, erst weiter bekannt geworden sein wird. Heute schon am ftühen Morgen fanden stch Leidtragende in Scharen vor dem Eckhause Brandenburg- straß« 09 am Fehrbelliner Platz ein, um den Versuch zu machen, ihr« Ersparnisse zu retten. Wer enttäuscht blieben sie vor der Eingangstür stehen, da ihnen von einem Anschlag das Wort„Ge- schlössen!" di« Bestätigung der Gerüchte zeigte. Die für die Außen- steheichen rätselhafte Geduld der Angestellten des Bankhauses mit ihren feit einem Bierteljahr rückständigen Gehäl» tern«klärten die Angestellten damit, daß Willy Bruß ihnen allen bevorzugt« Ford«ung«n und große Außenstände vorgezeigt habe. So gelang es ihm, monatelang sowohl seine Angestellten, wie auch zahlreiche Kunden zu beruhigen. Wurden von den letzteren einige ungeduldig oder rabiat, dann wies« selber sie darauf hin, daß sie ja zur Krimmalpolizei gehen könnten. Di« allgemeine Ge- schäftslage sei eben jetzt trübe und dafür k«m« er auch nichts. Die Behörde wttde ihnen ihr Geld auch nicht»«schaffen. Die Ange- stellten, sowohl wie die anderen Sparer wcrdeu, da außer dem Ladeninoentar keinerlei Masse vorhanden ist. vollkommen leer ans- gehen, und zwar, weil kein Konturs eröffnet ist und somit auch nicht einmal bevorzugte Forderungen geltend gemacht werden können._ Zeugenvernehmung im Fsall Krüger. Durch di« Veröffentlichungen in der Presse und durch die wetteren Bemühungen der Kriminalpolizei ist es nun gelungen, noch mehrer« Zeugen herbeizuschaffen, die Aussagen über die des Mordes an ihrem Ehemann Andächtige Frau Krüger gemacht haben. U. a. hat sich auch ein in Berlin wohnender Schlächtermeister gemeldet, der im Jahre I91S bei dem damaligen Ehepaar Deckel als Land stürm mann im Quartier lag. Er will, wie der Polizeibericht sogt, mit der jetzigen Frau Krüger, damaligen Frau Deckel, ein Liebesvcrhättnis angeknüpft haben. Der Zeuge bekundete folgendes: Eines Tages sagte ihm Frau Deckel, daß sie von ihm«in Kind erwarte und deshalb aus Sonnenburg auf einige Zeit ver- schwinden müsse. Frau Teckel verreist« auch nach Hamburg, und während ihrer Abwesenheit erfuhr der Zeuge zufällig, daß der alte Deckel eines Tages ein'Telegianun folgenden Inhaltes bekommen habe:„Gratullere Dir, Papachen, ein kräftiger Junge, Mariechen." Das setzte den Soldaten in Erstaunen, zumal er selbst einig« Tage zuvor au» B«lin von Frau Deckel die Nachricht erhalten hatte, daß er ebenfalls Dater eines Knaben geworden sei. Um der Sache auf den Grund zu gehen, lieh er sich Uilmib geben und fuhr nach Berlin. Er suchte sofort seine Geliebte in der Wohnung ihrer Freundin auf und fand hier mehrere Mütter mit Säuglingen auf den Armen. Di« eigentümlich« doppelte Vaterschaft fand jetzt ihre Auiklärung. Frau Deckel hatte unter dem Dtamen ihrer Freundin ein Inserat erlassen, in dem sie einen etwa 8 vis 14 Tage alten Knaben diskreter Geburt mtt blondem Haar und bleuen Augen suchte, um ihn an Kindssstatt anzunehmen. Sie wollt« auf dies- Art einmal dem Liebhaber Geld entlocken und zweitens ihren alten Ehemann dazu veranlassen, das erste, zugunsten seiner Verwandten gemachte Testament umzustoßen und sie. wie er es ihr versprochen hatte, auf Grund ihrer Mutter- schafr als alleinige Erbin einzusetzen. Ein anderer Zeuge konnte eigentümliche Aussagen über den Tod des alten Mannes machen. Demnach hatte Deckel schon längere Zeit über Schmerzen im Magen und heftiges Leibweh geklagt. Infolge seines Uebelbefindens war er bettlägerig. Eines Tages besuchte ihn der Zeuge und der Kranke beklagte sich ihm gegenüber, daß sein« Frau sich gar nicht um ihn kümm««. Kriminalkommissar Tretttn fttzt die weitere Zeugenver- nchmung noch fort. Slumenstrauß und Mrmeerevswsr. Tragikomischer Ausgang einer Liebeswerbuag. Große Auftegung unter den Hausbewohnern des Hauses Änip- rvdestraß« 4 erregte gestern abend di« etwas stürmische Liebes- Werbung de« 22jährigen Schlossers Bruno L. Er hatte mit d« 18 Jahr« alten Esse K.. die in diesem Hause wohnt,«ine Liebelei angeknüpft. Seine Werbung war bei den Eltern des Mädchens nicht gern gesehen. Da er ab« glaubte, daß er ohne„sie" nicht leiben könnt«, wollt« er gestern abend noch einmal sein Heil versuchen und rüstete stch zu dem Gange nicht nur mtt einem Blumenstrauß, sondern auch mit einem Armee- revolver aus. um für all« Fälle versehen zu fein. In später Abend- stunde �klingelt« er an d« Tür seiner Liebsten. Man war über den unerwünschten Werber, der noch dazu zu so außergewöhnlicher Stund« erschien,«rboßt und schlug ihm di« Tür vor der Nase zu. Als er seine Liebesgefühle so mtt Füßen getreten sah, warf er den Blumenstrauß in die Ecke und gab mehrere Schüsse auf die Tür ab. Den aus der Wohnung erschallenden Aufschrei deutete er dahin, daß er sein« Braut tödlich getroffen habe. Er schleuderte di« Waffe zu dem Blumenstrauß in di« Eck« und flüchtete. In der Wohnimg glaubt« man wieder den jungen Mann vor der Tür er- schössen aufzufinden. Hausbewohner, die auf die Schüsse herbei- eilten, begehrten Einlaß, man öffnete und fand nur Blumenstrauß und Revolver. Der unglückliche Liebhaber irrt« planlos in den Straßen umh« und stellt« sich dann auf dem 88. Polizeirevier. Hoffentlich geht man wegen der Affekthandlungen mit dem stürm,- schen Liebhaber nicht allzu scharf ins Gericht, zumal niemand zu Schaden gekommen ist._ Gegen die Brottvncherer! Zu einem wirkungsvÄlen Auftakt zu den kommenden Reichstagswahlen gestaltete sich die äußerst gut besuchte öffentliche Frauenversammlung in der Kindlbrauerei Neukölln, Her. mannstraße, in d«r gestern abend die Reichstagsabgeordnete Genossin Bohm-Schuch über die neue Zollvorlage sprach. Die Refeventin streift« zunächst die überaus bedauerlichen Borgänge der gestrigen Reichstagssitzung, wo die Hausknechte der Deutsch- völkischen, die Kommunisten, alles versuchten, um sich um die Der- antwortung der Annahme der Gutachtengesetz« zu drücken. In überaus klarer, einfacher und verständlicher Weiß erklärte die Gen. Bohm-Schuch den anwesenden Frauen die Gefahren der neuen Zollgesetz«. Daß die Kommunisten bis jetzt noch kein Wort gegen di« Vorlag« gesagt haben, sondern nur die Sozialdemo- kratie im voraus verantwortlich machen, wenn der Zoll Gesetz wird, ist ein schon zu bekanntes Manöver dieser Prügelhelden. Um so mehr wird unsere Fraktion, auch wenn der Reichstag nicht aufgelöst werden sollte, aufdem Posten sein. Wird der Reichstag aufgelöst, was unser größter Wunsch ist, muß es die besondere Aufgabe der Frauen sein, oen Kampf für billiges Brot, gegen die unsozialste Kopfsteuer in schärfstem Maße zu führen. Der Plan der Großagrarier, und nur um solche handelt es sich, muß doch der kleine Landwirt indirekt selbst unter der Steuer leider,., ist geradezu ein teuflisches System, um die arbeitenden Klassen noch mehr als bisher in ihrer Lebenslage herabzudrücken. Unter stürmischem Beifall schloß die Referentin: Es muß ein Aufbäumen durch die Bolksmassen gehen. damit dies« unverschämten Forderungen der Großagrarier zunichte gemacht werden. Frauen heraus zum Kampfe für Eure und Eurer Kinder Zukunft._ Die deutschen Jugendherbergen, Zweigausschuß Mark Branden- bürg, deren 1. Vorsitzender Oberbürgermeister Büß ist, ver- senden«ine Einladung zur Einweihung der neu errich- teten Jugendherberge in Lindow am 31. August. Aeußerst befremdend wirkt es, daß auf dem sozusagen amtlichen Formular der Berliner Geschäftsleitung der deutschen Jugendh«. bergen nicht nur di« besagte Einladung, sondern auch noch di« Ein- ladung zur Teilnahme an einem sogenannten Märkischen Wanderer- tag enthalten ist, der von einem höchst privaten Wander- verein veranstaltet wird. Di« Sache der Jugendherbergen geht di« gesamte Jugend ohne Ansehung der Parteien an und es muß dringend darum ersucht werden, daß deren Ankündigungen mit dem Namen des Oberbürgermeisters an der Spitze mit keinerlei Reklame für private bürgerliche Bereine verquickt werden. Rettungsvorführungen zeigt am Freitag abend pünktlich 6 Uhr an der Thielenbrücke und an der Wildenbruchbrücke m Neukölln der Schwimmverein Vorwärts, Wteilung Neukölln. Im Anschluß daran um 7 Uhr auf dem Hertzbergplatz Trockenschwimmübungen. Sag tisch« Unterricht. Anfang September beginnen neue Ansängerkurse für Kinder von 12— 14 Jahren(nachmittag«) und sür Erwachsene sabend«) bei Genossin Heß. W. 50, Svichcrnstr. 16, Gartenhaus. Anmeldungen dort täglich von 6—8 Uhr. Auch schriftlich. Zvgevdwelh« ZteukSlla. Die Unterrichtsstunde am Freitag, den 2S., fällt au« und wird am Dienstag, 2. September, nachmittag« 4 Uhr, in der Aula Donauftraße fortgesetzt. Anmeldungen zur Jugendweihe werden in dieser Unterrichtsstunde und im Sekretariat, Neckarstr. S, noch entgegengenommen. Selch»bund d« KrlegsbeschSdigteu und Sriegerhinlerbliebeveu, Orts- gruvpe Schöneberg. Vollversammlung im Lindenpark, Schöneberg, Haupt- straße 13, am Freitag, den 29. August 1924, abends 8 Uhr. Groß«„Repubflkanlscher Tag" in Mannheim. Am 2 7. und 28. September veranstaltet das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold in Mannheim einen großen„Republikani. s che n Tag" für ganz Südwestdeutschland, woran Zehntausende ehemaliger Frontsoldaten aus allen Gauen Deutschlands und Deutschösterreichs sowie der besetzten und ver- koren gegangenen Gebiete teilnehmen werden. Die Der- anstaltung ist verbunden mst d« Enthüllung eines Denkmal» für den gefallenen republikanisckien Reichstags- abgeordneter Dr. Ludwig F r a n k- Mannheim. Sonn- abend: Delegiertentag. Empfang der mittels Sonderzüge ein- treffenden auswärtigen Gäste, abends großer Festakt im Nibelungen- saa! mit gleichzeitigen Parallelversammlungen in anderen großen Sälen d« Stadt, wobei«in« Anzahl bedeutender Republikaner und republikanischer Generale sprechen werden. Hierauf Fackelzug. Sonntag: Am Vormittag Denkmalsenthüllung, nachmittags kameradschaftliches Beisammensein im Nibelungensaal mit hoch- wertiger künstlerischen Darbietungen. Da« Reichsbanner bittet alle republikanischen Frontsoldaten mit Familienangehörigen, sich zahl- reich zu beteiligen. verhängnisvoller Strahenbahnzufammevstoß in Leipzig. Am Mittwochabend stießen vor dem Hauptbahnhof zwei Straßenbahn- wogen mit voller Wucht zusammen. Don den Fahrgästen wurden 13 Personen mehr oder minder schwer verletzt. Schnertod eines deutschen Alpinisten. Wie aus Trient ge- meldet wird, ist der deussch« Alpinist Wilhelm Hart mann au« Mannheim bei der Besteigung des sogenannten Oberen Turmes erfroren, als er mtt zwei Gefährten vom Schneesturm überrascht wurde. Sein« beiden Freunde Sonnten die Hütte noch lebend erreich«,. Beim kentern eine« Zallbooies ertrunken. Bei einer Fahrt auf der Salzach kenterte, wie aus Salzburg gemeldet wird, ein Fallboot an der Neuen Eisenbahnbrücke Don den beiden Insassen wurde die Kontoristin Martha Fresow aus Hamburg als Leiche geborgen. Ihr Begleiter, dessen Name noch nicht be- lärmt ist, tonnte noch nicht geborgen werden. Gewerkschaftsbewegung Wir wollen sie an uns fesseln". Wir die Deutschnationale Bolkspartei! Generalversammlung der Berliner Fabrikarbeiter. Am legten Sonntag hielt die Zahlstelle Groß- Berlin des Verbandes der Fabritarbeiter ihre Generalversammlung für das 2. Quartal ab. Dem Bericht, den der 1. Bevollmächtigte B. Rei. mann erstattete, war zu entnehmen, daß die Lohnverhandlungen infolge der Krise und der sich daraus ergebenden Haltung der Den Kriegshehern und Kriegsverlängerern hat die deutsche Ar- Unternehmer außerordentlich erschwert wurden. In einigen Fäller, beiterschaft all die Not und das Elend zu verdanken, das über sie hero auch für die chemische Industrie, fah sich die Organisaeingebrochen ist. Die materielle Not führte naturgemäß auch zu gei. tionsleitung veranlaßt, den tariflosen Zustand dem Angebot der Unternehmer vorzuziehen Biele Unternehmer be. ftiger not, wochen und monatelange Arbeitslosigkeit brachte viele Ar- nügen die schlechte Ronjunttur, um unter Außeracht beiter zur Berzweiflung. Die Kommunistische Partei suchte zunächst laffung der gesetzlichen Bestimmungen Entlassungen, vieisach biese Berzweiflungsstimmung für ihre Zwede auszunüßen und hatte auch von Betriebsratsmitgliedern, vorzunehmen. barin ebenso rasche wie vergängliche Erfolge zu verzeichnen. Jetzt Bezeichnend ist, daß gerade in den Betrieben, in aber hält die Partei der Kriegsverlängerer, bie Bartei der Kriegs- benen zeitweise der Ueberradikalismus eine beherrschende gewinner, die Partei der notorischen Bolts- und Arbeiterfeinde, die Stellung gehabt hat, die Unternehmer heute leichtes Spiel haben. Zeit für gekommen, die Not der Arbeiter, die sie hauptsächlich mitverDie Inflationsperiode hatte einen Mitgliederverluft gebracht. Daß fchuldet hat, zu mißbrauchen. es jedoch wieder vorwärts geht, geht daraus hervor, daß im letzten Quartal 868 neue Mitglieder aufgenommen wurden. Alle Funktionäre stehen in reger Agitation für den Verband, um den verlorenen Boden wiederzugewinnen. Wie das gemacht wird, wie die Deutschnationale Volkspartei im Die Funktionärversammlung beschloß nach einer regen Dise fuffion, diesen Vorschlag abzulehnen und die Branchenleitung zu beauftragen, neue Verhandlungen einzuleiten. Konferenz der Arbeitsminister in Genf. Paris, 28. August.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeifsminister Englands, Deutschlands und Belgiens frelen am 8. September in Genf zu einer Konferenz zufammen, um über eine Vereinbarung zur Durchführung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag zu beraten. Die hiesigen Blätter schreiben den alliierten Regierungen die Absicht zu, von Deutschland unter allen Umständen die ftritte Durchführung der inter.cfionalen Abmachungen über die Organisation der Arbeit zu fordern. Die Ronferenz sollte erst in Ropenhagen, dann in Parts fein. Hoffentlich kommt ein vernünftiger Beschluß dabei heraus. Schiedsspruch für die Bergbau- Augestellten. Trüben zu fischen sucht, das geht aus dem folgenden Rundschreiben Dieser Zuwachs wird allerdings durch die Fluktuation beeinträchtigt. Reichskommissars Schoe bel ein Schiedsspruch gefällt, wonach die an die Industriellen hervor: Berlin M. 9, den 18. August 1924. Schellingstr. 1. Euer Hochwohlgeboren! In den weitesten Kreisen der Arbeiterschaft bricht sich die Er tenninis immer mehr Bahn, daß mit der aufhehenden Rampfes meise der roten Gewerkschaften nur dem Vorteil der dazu ange stellten Führer, nicht aber den eigentlichen Interessen der Arbeiterfchaft gedient wird. Aus diesem Grunde fehren große Massen diesen Organisationen den Rücken und fommen täglich zu uns in der Hoff nung, in unseren Reihen das zu finden, monach fie sich sehnen, näm lich Ruhe und ungestörte friedliche Arbeit. Sie haben es fatt, fich für die politischen Ziele ihrer Führer mißbrauchen zu lassen und find von den unerfüllbaren marristischen Ideen gründlich turiert. Bir haben es uns nun zur Aufgabe gemacht, diesen Bolfsgenossen, die bei uns Rat und Tat fuchen, zu zeigen, daß es die DNBP ist, die gerade für die Arbeiterschaft das echte soziale Berständnis hat. Wir wollen sie an uns feffeln. Wir wollen ihnen Arbeit und Brot verschaffen, fie dahin bringen, gemeinsam mit dem Arbeitgeber in friedlicher Arbeit an dem Wiederaufbau unseres zerrütteten Birtfchaftslebens mitzuhelfen. Nicht durch sinnlose, wirtschaftszer ftörende Streifs, sondern durch ehrliche friedliche Verhandlungen Don Mund zu Mund sollen Meinungsverschiedenheiten ihre Erledigung finden. Das sind die Aufgaben, die mir uns gestellt haben, und die wir erfüllen wollen und müssen. Schwer ist die Arbeit, die mir auf uns nehmen, so schmer, daß mir um Ihre geschäfte Hilfe ebenso dringend wie herzlich bitten. Helfen Sie uns an dem großen nationalen Wert. Nicht durch finanzielle Unterſtügung, nein viel wirksamer fann uns geholfen merden, wenn Sie Ihren Bedarf an Arbeitsfräften bei uns beden. Seien Sie versichert, daß es unser Bestreben sein wird, Ihnen nur ausgesuchte, mahrhaft nationale unb tüchtige Leute zu senden. Schaffen Sie Stellen für die nationale Arbeiterschaft, dann ist der Sieg unser. Kopf- und Handarbeiter stehen jederzeit zur Verfügung. In der Hoffnung, bei Ew. Hochwohlgeboren recht bald wohlmollende Berücksichtigung unserer Bitte zu finden, zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung i. A. des deutschnationalen Arbeiterbundes Landesverband Potsdam II gez.: Wagner. Arbeiterjekretär. gez.: Graf Westarp, m. d. R., L.- B.- Borsigender. Die Unternehmer, die in ihrer Preffe zu früh von der Götterdämmerung der Gewerkschaften geschrieben haben, müssen heute fehen, daß die Gewerkschaften troß ihrer Schwächung durch die Inflation wieder einen Damm gegen die Ausbeutungsgeiüſte bilden. Trotz Schiedssprüche und Hilfe des Arbeitsministerium's durch Berordnungen war es überall ba, wo bie Arbeiter fchaft gut organisiert ist, möglich, den Achtstundentag zu halten. Die vom ADGB. eingeleitete Aftion für bie Boltsabfiimmung über den Achtstundentag und die Unterzeichnung des Washingtoner Abkommens muß von jedem Arbeiter mit allen Mitteln unterstükt werden. Reimann forderte zu regem Umjag der 50- Pfennig- Marten für die Abstimmungsfosten auf. Im inneren Berwaltungsbetrieb machten sich Umstellungen notwendig, da mit den der Zahlstelle zustehenden Mitteln auszutommen versucht werden muß, um die Zentrale für die zu erwartenden Kämpfe durch Ueberweisung größerer Geldmittel schlagkräftig zu machen. In der Distuffion verlangte Balte größere Inten fivität bei der Agitation, während Kammerer namentlich auf die Bedeutung der Stärke der Gewerkschaftsbewegung auch für die in Borbereitung befindliche Arbeitergesetzgebung hinwies. tom und Basemert traten den Ausführungen Reimanns bei. Bohnkürzung in der Krawattenbranche. Sewe. fchäftigt. Erst nach der Revolution gelang es dem BekleidungsIn der Stramattenbranche werden meist Heimarbeiterinnen bearbeiterverband, die Arbeitnehmer dieser Branche zu organisieren. In ihrer Bersammlung am 22. August schilderte der Referent Behmann die bisherige Entwicklung, die mit dem Abschluß eines Tarif Das vertrages einsehte, der wesentliche Verbesserungen brachte. legte ohnablommen im Mai 1924 galt bis 31. Juli und murde vom Arbeitgeberverband gefündigt. Einzelne Lohnfäße seien nach Meinung der Arbeitgeber im Interesse der Konturrenzfähigkeit im Ausland revisionsbedürftig". Der Arbeitgeberverband werde der Organisation entsprechende Vorschläge zugehen laffen. Statt der angefündigten Borschläge fandte der Arbeitgeber verband am 7. August ein Machtgebot, daß vom gleichen Tage ab bie Löhne der Heimarbeiterinnen um 5 Broz. gekürzt werden und drei weitere Bofitionen eingeführt werden, die als Stapelform gelten follen. Alles in allem eine Lohnfürzung für die Heimträgliche Verhandlungen brachten die Arbeitgeber von ihrem profit. arbeiterinnen um 25 Bro3. Weder Proteft noch nach lichen Beschlusse ab. Die Versammelten brandmarkten diesen Willfüratt brutalfter Art" in einer einstimmig gefaßten Entschließung, die an die noch fernstehenden Arbeitnehmer der Branche appelliert, und die Filiale Berlin des Bekleidungsarbeiterverbandes beauftragt, für die Beibehaltung des bisherigen Tarifvertrages einzutreten. In Dortmund wurde unter dem Vorfil des stellvertretenden Gehälter der Angestellten für die nordwestliche Gruppe im Bergbau nach den Sägen vom 16. Februar bis auf weiteres erklärten sich gegen diefen Schiedsspruch. beibehalten werden sollen. Die Angestelltenvertreter Ein Streit der Leipziger Straßenbahner hat heute morgen eingelegt, da die Lohnforderungen der Straßenbahner abgelehnt wurden. Der gesamte Straßenbahnverkehr liegt still. Am Sonntag beginnt die Herbstmeſſe. Bei der Firma Boro, Bureaumöbelfabrit, in Trebbin, Kreis Teltow, find Lohndifferenzen ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten! Der Streit auf dem Obst- und Gemüsemarti in London hat jetzt eine ernste Wendung genommen. Der Generalsekretär der Transportgewerkschaften vorläufig fein Obst und Gemüse mehr für Transportgemertschaften hat einen Befehl herausgegeben, daß die den Londoner Martt befördern sollen. Die Gewerkschaftsbeamten Arbeitgebern mitzuteilen, daß sie feinerlei Obstlieferungen weiter. in den Häfen werden die Unterausschüsse dort einberufen, um den leiten würden, bis nicht die Arbeitgeber ihre Bereitwilligkeit zu Verhandlungen mit den Streifenden erklärt hätten. " F Sport. V. Rhön- Segelflug- Wettbewerb. wirklich nicht als Flugweiter anzusprechen war, denn Sonne, Rebel, Fliegerlager Wassertuppe, 27. Auguft. Obgleich das Wetter Wolfen und Regen wechselten bauernd ab, herrschte ein recht leb hafter Flugbetrieb. Bis 5 Uhr nachmittags starteten 9 Segelflieger. Als zweiter heute nachmittag startete gegen 3 Uhr Beneam auf feinem Doppelbeder des Ostpreußenvereins und flog 340 Meter, Margarete" unter Otto flog um den Zielpreis und blieb 7 Meter Dom Ziel an der Eube entfernt. Berr, der fürzlich mit seinem Eindecker( 13 Meter Spannweite bei 16% Quadratmeter Flügelinhalt) seinen ersten Sprung hier oben auf der Rhön gemacht hatte, startete heute zum Zielpreis, durchschoß das Ziel um 20 meter. Charlotte" unter ihrem Führer Winter startete heute zum ersten Male. Dieser Segelflieger ist Eigentum der akademischen Fliegergruppe Charlottenburg, Eindeder mit Führersiz vor den Flächen, hat Flügelsteuerung, 14% Meter Spannweite bei 17 Quadratmeter landete glücklich. Ferner starteten zum ersten Male der Hängegleiter Flügelinhalt. Hersteller ift Sablatnig Flugzeugbau Berlin. Er der Würzburger Arbeitsgemeinschaft, Doppelbeder bis 5,30 Meter Spannweite und 14 Quadratmeter Flügelinhalt. geschieht durch Gewichtsverlegung Hersteller und Führer ist ftieg mit seinem Habicht auf, fein Siemensmotor segte aus, der Gleitflug gelang ausgezeichnet. Martens führte einen glänzenden Dauerflug auf seinem Morig" aus, die gleiche Höhe 1% Stunde haltend, flog gleichmäßige Rurven von je 2 Minuten Dauer und landete vor feiner Halle. Lauter Beifall des zahlreichen Publikums wurde ihm zuteil. Den Nachmittag beschloß Otto auf Margarete" durch einen zweiten furzen Flug, als starter Regen und Nebel der Segelei ein Ende machte. Hat etwa die Deutschnationale Boltspartei noch am 18. August mit der Ablehnung des Sachverständigen- Gutachtens gerechnet und den daraus folgenden Betriebsftillegungen, mit riesiger Steigerung der Arbeitslofenziffern? Wenn den Kreisen, die dieser Partei nahestehen, es nicht als das Haupt ftit dfich unverzüglich dem Verband( Sebastianstr. 37/38) anzuschließen. Belzner, Der Führersiz ist hängend und Gurtfiz. Bi ume ber ganzen Weltordnung gelten würde, daß die Arbeitnehmer nur zu dem 3wed in die Welt gefegt sind, um sich Don ihnen nach Strich und Faden ausbeuten und je nach Belieben aufs Pflaster werfen zu lassen, dann wäre eine solche Spefulation unmöglich. In den Augen der Arbeiterschaft ist eine größere Schurtere i taum denkbar als die, die Notlage der Arbeiter zu mißbrauchen, um sie zur GesinnungsIumperei zu zwingen. Die Industriellen sollen den Herrschaften dabei helfen! Der Tarifftreit in der Musikinstrumentenindustrie. In der geftrigen Funktionärversammlung der Musikinstrumen tenarbeiter berichtete agenfür über den Stand der Lohn bewegung. Schon am Montag vor acht Tagen hatte die Branchen tommiffion beschlossen, den Tarifvertrag unter allen Umständen zu fünbigen. Neben der Aufbesserung der Lehrlings- und Werkzeugentschädigung wurde eine 15prozentige Lohnerhöhung gefordert. Bon den Arbeitgebern ist inzwischen ein Schreiben eingegangen, das ebenfalls die Ründigung ausspricht und eine Gestern, Mittwoch, begannen die 2ohnverhandlungen. Die Reiche niedriger feien und sie daher mit Abfahschwierigkeiten zu Arbeitgeber ftimmten das alte Slagelied an, daß die Löhne im rechnen hätten. Gie fönnten alfo in der gegenwärtigen Zeit teinen Pfennig zulegen. Schließlich schlugen die Unternehmer vor, daß beide Parteien die Kündigungen zurückziehen, so daß das bisherige Lohnabtommen stillschweigend weiterläuft. Solche feelenhändlerischen Pläne tönnten aber felbft bei der Brotwucherpartei nicht erst aufkommen, wenn die Arbeitnehmerschaft Mann um Mann, Frau um Frau, geschloffen organifiert wäre. Sorgen wir dafür, daß die ganzen Wintelarbeitsnachweiserablegung bes Lohnes von 81 Pf. auf 68 Bf. verlangt fiellen das bleiben, als was sie gedacht sind, als 2 um pensammel. #tellen, die jeder anständige Arbeiter, der arbeitslos geworden ist, wie die Best meidet. Wer freigewertschaftlich organisiert ist, hat auch als Arbeitslofer es nicht nötig, feinen geschworenen Gegnern feine Gesinnung zu verfaufen, um den Preis einer Arbeitsstelle mit Langer Arbeitszeit und elendem Lohn. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eslorn; Feuilleton: R. S. Doscher; 20tales und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderet unb Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin G. 68, Lindenitcake 3. Hevitan HEVITAN VitaminNährpräparat nach Prof. Dr. Reyher Bewährt bei nervösen Störungen. Appetit und Körpergewicht nehmen zu Wachstumfördernd bel Kindern und Säuglingen, bewährt bei Ernährungsstörungen derselben In Apotheken und Drogerien, sonst direkt von der Sarotti- Akt.- Ges, Berlin- Tempelhof. Am Freitag, den 29. August, eröffne ich Schöneberg, Hauptstr. 157, mein 2. Geschäft in 1. Etg. 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