Nr.406+ 41. Jahrgang na nott Ausgabe A Nr. 207 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit" mit„ Gied. lung und Kleingarten", sowie bez Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 9 ans du mommiblah on sim i don Morgenausgabe lapeloossbutors NOR Vorwürts Berliner Volksblatt Ind 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: A Die einfpaltige Nonparei geile 0,70 Goldmart ,, Reflameace Golmati. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zähl für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin S2 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 erlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 29. August 1924 and slánad Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenfajie Lindenstraße 3 Die Entscheidung auf heute vertagt. Verhandlungen zwischen Volkspartei und Deutschnationalen. Der Reichsaußenminister Dr. Strejemann verhandelte am Donnerstag nachmittag mit den Deutsnationalen über die politische Lage. Die Initiative zu diesen Besprechunnge erfolgte durch die Deutschnationalen, von denen es am Donnerstag ebend hieß, daß fie die Annahme der DamesGesetze durch zahlreiche Abkommandierungen ermöglichen Soz. Parlamentsdienst. wollen. Die deutschnationale Reichstagsfraffion versammelte fich Die deutschnationale Reichstagsfraktion versammelte sich am Donnerstag abend zu einer informatorischen Besprechung, in der Beschlüsse nicht gefaßt wurden. Eine Fraftiousfihung wird am Freitag vor Beginn der Bollfißung stattfinden. Die Verhandlungen mit den Führern der Boltspartei gehen weiter. Ueber das Ergebnis dieser Berhandlungen wird den Fraktionen Freitag früh vor der Plenarsihung Bericht erstattet werden. Die entscheidende Stellungnahme der Fraktion, sowohl der Volkspartei wie der Deutschnationalen, erfolgt in den Frattionssihungen am Freitag vormittag, die bereits um 9 Uhr ihren Anfang nehmen und die voraussichtlich auch nach dem Beginn der Plenarfihung weiter dauern werden. Spät abends ist die Regierung noch zu einer kabinettssihung zusammengetreten. Telegraphen- Union. Die letzte Nacht war besonders finster und dunkler Geheimnisse voll. Bermummte Gestalten huschten herüber, hinüber. Auf dem Dach des Reichstags saß ein Riesentater, und durch die Wilhelmstraße strich mit eingefniffenem Schwanz ein. großer geprügelter Hund. Solche Zeichen find stets die Vorboten großer Ereignisse. Die lächeinden Auguren haben sie schon gedeutet, sie prophezeien für den heutigen Tag den Umfall der deutsch= nationalen Reichstagsfrattion, ſei es im Ganzen, sei es zu einem beträchtlichen Teil. Entgegen dem Antrag der Sozialdemokraten, die Abstimmungen der dritten Lesung schon am Donnerstag vorzunehmen, hat man sich auf heute, 10 Uhr vormittags, vertagt, um noch eine Nacht, eine foftbare Nacht zu gewinnen.. Und heute: rot oder tot! Prophezeien ist müßig. Notwendig ist, Tatsachen festzustellen. Man hat verhandelt, man verhandelt und man wird verhandeln bis zu dem Augenblic, in dem die entscheidende Abstimmung beginnt. Nur ob man sich über den Preis einig wird, das ist noch die Frage. Tatsache aber ist, daß die Deutschnationalen bereit sind, sich ihre Zustimmung zur„ ewigen Bersilavung des deutschen Boltes" das ist doch der Dawes- Plan? für Ministerportefeuilles und Brotzölle ablaufen zu lassen. Denn deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun. Die Tatsache der Berhandlungen hat man zunächst zu bestreiten versucht, und diese Ableugnungsversuche waren für die Deutschnationalen immer noch verhältnismäßig ehrenvoll. Zeigten sie doch wenigstens, daß man sich schämte. Man schämt sich nicht mehr. Die Deutsche Tageszeitung", die noch vor Stunden erilärte, weder durch Drohun gen, noch durch Bersprechungen werde sich die deutschnationale Fraktion von ihrem Unannehmbar" abbringen lassen, schreibt jezt: „ Die parlamentarische Situation bezüglich des endgültigen Schidfals der Dawes- Gesetze hat gegenüber der Lage von gestern einen gewissen Fortschritt erfahren. Einen Fortschritt im Sinne des in den letzten Tagen so viel strapazierten Wortes vom„ Brückenflag". Es ist wert, festzuhalten, daß die Kreuzzeitung" am selbigen Abend des felbigen Tages über die Rede ihres Fraktionsredners Qua az folgendes berichtet: Die dritte Lefung der Dames- Geseze bringt zuerst fehr treffende, wirkungsvolle Ausführungen des deutschnationalen Abg. Dr. Quaah, der fich mit größter Bestimmtheit für Ablehnung der Gefeße ausspricht." Also, die deutschnationale Fraktion hat sich in der dritten Lefung mit größter Bestimmtheit für die Ablehnung der Dames- Gefeße ausgesprochen( Kreuzzeitung") und zugleich hat sie über die Annahme der Dawes- Geseze verhandelt ( ,, Deutsche Tageszeitung"). Das mögen die Deutschnationalen nun halten, wie sie wollen. Jeder blamiert sich so gut wie er fann, jeder beschmutzt sich soviel wie er mag. Und wenn die Deutschnationalen so operieren, daß ihnen fünftig, wenn sie von Ueberzeugungstreue reden, jedermann ins Gesicht lachen muß, fann es uns nur recht sein. Aber wenn diese Repräsentanten der äußersten politischen Verlogenheit und 25143 sid med tim de Berlumptheit sich als die besonders berufenen Vertreter des haben, muß man aber doch sagen: die Annahme des Dawesdeutschen Boltes hinstellen, so muß dagegen zur Wahrung Planes nach ein paar Wochen durch eine ehrliche mehrder Ehre des deutschen Volkes protestiert werden. Eine Un- heit ist besser als seine Annahme durch deutschnationale Umverschämtheit ist es, wenn ein Quaaz von nationalen Par- fallheiden jetzt.... admi teien" im Gegensatz zu anderen redet und für die Partei, der ... Und erlöse uns von diesem Reichstag. Amen! er feit drei Monaten angehört, den Anspruch erhebt, die Wahrerin des ,, nationalen Gedankens" zu sein. Und grotesk ist es, folche Redensarten just in dem Augenblick zu machen, in dem der„ nationale Gedanke" der Deutschnationalen als Ausverkaufsware zu bedeutend herabgesetzten Preisen im Schaufenster liegt. Gegen den Genossen Dittmann ist Quaak besonders giftig. Kein Wunder! Denn Dittmann hat am Mittwoch die Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion verlesen, die der Rage die Schellen umhängt. In dieser Erklärung heißt es, die eingebrachten Anträge und Resolutionen sollten nur zur Verschleierung der Tatsache dienen, daß versucht wird, einen Teil der Mitglieder des Hauses durch das Angebot von Regierungsstellen und wirtschaftlicher 3u geständnisse zur Aufgabe ihrer bisherigen Haltung zu bewegen". Daß dies in aller Deffentlichkeit festgestellt worden ist, das ist Herrn Quaah, der sich in dritter Lesung mit größter Bestimmtheit, aber selbstverständlich freibleibend, für die Ablehnung ausgesprochen hat, besonders unangenehm. Denn gerade diese mit so peinlicher Deutlichkeit gefenn zeichneten Resolutionen und Anträge sind es, hinter deren Nebelwand der Uebergang eines Teils der Deutschnationalen oder aller?-ins Lager der Erfüllungspolitit" vollzogen werden soll. Leicht ist das Werk freilich nicht. Entweder wird durch die Annahme dieser Anträge am Londoner Paft nichts geändert, dann haben die Deutschnationalen das zweite Versailles", so wie es ist, mit unter schrieben, oder es wird durch sie an ihm etwas geändert, dann wird der Vertrag hinfällig, das Werk der Londoner Konferenz vernichtet.leinigkeit!" sagen die gewiegten Unterhändler, das ist bloß eine Sache der Formulierung. Man macht die Anträge eben so, daß es ausfieht, als ob etwas geändert würde und doch in Wirtlichkeit nichts geändert wird". Und nun fikt man und formuliert"! Was wird die Welt draußen zu diesem Schauspiel sagen? Heute soll eine Bartei für den Londoner Vertrag stimmen, die sich gestern noch mit größter Bestimmtheit" gegen ihn ausgesprochen hat. Wird man draußen diese mit so großer Blöglichkeit fommende Befehrung für ernst und ehrlich nehmen? Wird die Unterschrift der Quaaz- Genossen diskontfähig fein? Oder werden nicht draußen böse Menschen sagen, von Deutschland werde ein unehrliches Spiel getrieben und es werde ein Bertrag unterzeichnet in der Abficht, ihn nicht zu halten? Die Kreuzzeitung" nennt Herriot und Macdonald Räu ber und Mörder". Graf Reventlow, der Bölkische, erklärt im Reichstag, die ausländischen Kommissare würden von seiner Partei als fremde Eindringlinge betrachtet werden, für deren persönliche Sicherheit teine Gewähr übernommen werden könne. Und nun Annahme des Londoner Bertrags durch einen Teil der Rechten? Was für einen Vers soll fich die Welt darauf machen? Die Formulierer fümmern sich nicht darum und formu lieren weiter. | Sonnabend Unterzeichnung. London, 28. Auguft.( Reuter.) Nach den bisherigen Bereinbarungen soll das Londoner Abkommen am Sonnabend mittag im Auswärtigen Amt unterzeichnet werden. Für die britische Regierung wird der Ständige Unterstaatssekretär im Arbeitsministe rium Sir Eyre Crowe unterzeichnen. Die Alliierten und Deutschland werden durch ihre Botschafter und Gesandten vertreten sein. Bertreter der beteiligten Mächte einschließlich des deutschen BotLondon, 28. Auguft.( Eca.) Die verschiedenen Botschafter und schafters Sihamer haben bereits von ihren Regierungen die Ermächtigung zur Unterzeichnung des Abkommens erhalten. Ein Mahnruf an Republikaner. Gefahr einer Monarchistenregierung. Der Bundesvorstand des Reichsbanner SchwarzRot- Gold" hat soeben an die Parteileitungen der republikanischen Parteien der Sozialdemotraten des Zentrums und der Demorfatischen Partei- ein Schreiben gerichtet, in dem er, anknüpfend an die Meldungen über Berhandlungen wegen Beteiligung der Deutsch nationalen an der Regierung, u. a. ausführt: Diese alarmierenden und wohl sicher zutreffenden Nachrichten haben in unserem, nunmehr zwei Millionen Mitglieder zählenden Bund nicht nur Aufregung, sondern helle Empörung ausgelöst. Unsere Mitglieder haben nicht vergessen, daß es zivile und militärische Monarchisten waren, die teils aus Unfähigkeit, teils aus völliger Berkennung der politischen und militärischen Lage Deutschland ins Unglüd gestürzt haben, daß es Monarchisten waren, die nach dem von ihnen verschuldeten Zusammenbruch jede Mitarbeit am Wiederaufbau unseres bie wüftefte und verlogenste Agitation gegen die Republik und die schwer geprüften Vaterlandes verweigerten, die statt dessen Republikaner trieben und damit erfiens die Schande des poll= die wüftefte und verlogenſte Agitation gegen die Republik und die tifchen Mordes, zweitens die Schande der antisemitischen Hehe über unser Land brachten, womit Deutschland in den Augen hehe über unser Land brachten, womit Deutschland in den Augen aller Kulturvöffer herabgesezt wurde. haben durch ihre militärische Spielerei dem Baterland enorm geschadet und uns von neuem die Militärkontrolle gebracht. Es gibt seit Beginn des Krieges nicht eine einzige politische Tat der Monarchisten, die dem Vaterland genügt hat, sondern nur solche, die ihn innen wie außenpolitisch den schwersten Schaden zugefügt haben. Die jetzige Agitation und die Ablehnung des Londoner Abfommens reiht sich würdig" der bisherigen Haltung der Monarchisten an, unser Bateríand von neuem ins Unglüd zu stürzen. Wir treten wie ein Mann für die Annahme und Durchführung des Londoner Abkommens ein, damit endlich unseren Brüdern im befchten Gebiet die alleinige Laft genommen und auf die Schultern des ganzen deutschen Volkes, entsprechend der Leistungsfähigkeit verfchten Gebiet die alleinige Laft genommen und auf die Schultern Dieselben Monarchisten teilt wird. Wir sehnen Neuwahlen herbei, die beweisen werden, daß die Antirepublikaner aller Richtungen teine nennenswerte Gefolgschaft mehr besitzen! Die Taten und Handlungen der monarchistischen LänderregieWürttemberg, Bayern usw., wo die Monarchisten teils mit-, teils allein regieren, beweisen, daß der Kurs gegen die Republik, gegen die Republikaner gerichtet ist. Aber mit diesen Regierungen haben wir uns auch außenpolitisch maßlos geschadet. Ein Blick in die Breffe des Auslandes und die wiederholten Reden ber maßgebenden Staatsmänner des großen Auslandes zeigen zu deutlich, welchen Leidensweg Deutschland gehen würde, wenn die Monarchisten in Deutschland regierten oder auch nur mitregierten. Neben dem großen Hoffnungsstern der gelungenen Formulierung ist ihnen aber auch noch ein kleiner aufgestiegen.rungen, wie in den beiden Mecklenburg, in Thüringen, Bremen, Man glaubte, bei den Garderobenständern Rommunisten eine auffällige Bewegung wahrgenommen zu haben; man sah dort auffallend viel gepackte Koffer stehen. Gerade aus deutschnationalen Kreisen wurde gestern das Gerücht verbreitet, ein großer Teil der fommunistischen Frattion sei in hemmungsloser Abreise begriffen und werde bei der entscheidenden Abstimmung nicht mehr anwesend sein. Man stellte einfache Berechnungen auf, die beruhigend wirkten. Denn jeder Kommunist, der abreift, erspart einem Deutschnationalen den Umfall. " Die Annahme des Dawes- Plans das ist gerade im Borwärts" vom ersten Tage an gesagt worden ist eine unumgängliche politische Notwendigkeit. Sein völliges Scheitern bedeutet den Ruin, die Hinauszögerung seines Intrafttretens vermehrt die Gefahren für die Wirtschaft und verlängert die Leiden der Bevölkerung im besetzten Gebiet. Nach all dem Unmöglichen, das wir in den letzten Tagen erlebt Die Monarchisten haben unser Vaterland zerschlagen und in unfagbares Elend gebracht. Dies wird und muß sich wiederholen, wenn die Monarchisten wieder in die Reichsregierung und die Regierungen der großen Länder kommen. Unser Bund wünscht, daß die Ruhe im Innern erhalten und Deutschlands Ansehen im Auslande durch eine ffreng republikanische Regierung gehoben wird. Er wünscht im besonderen, daß Deutschland mit einer solchen Regierung, die das Bertrauen des demokratischen Auslandes hat, für unser Baterland sowohl wirtschaftliche wie politische Erleichterungen| und eine Erschwerung der industriellen Produktion bedeuten und Vorteile erzielt. und für die ſie und für die sie nicht einmal stichhaltige Gründe anzuführen imftande ist. Aus diesen Erwägungen heraus ersucht der Bundesvorstand des Reichsbanners" die republikanischen Parteien, dafür zu sorgen, daß die Gefahr einer Beteiligung der monarchistischen Deutschnationalen an der Reichsregierung beseitigt werde. Es kommt darauf an, eine gerade Linie republikanischer Politik innezuhalten. Dafür wird sich das ,, Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" wie ein Mann einfeßen. Falsche Politik mit falschen Zahlen. Fort mit der Brotwuchervorlage! Von Ludendorff bis Kab. Die neue Einheitsfront. +60 Die innige Verbindung der Nationalsozialisten und National fommunisten, die Front von Ludendorff bis Ray- von der Genosse Sollmann gestern in seiner Reichstagsrede sprach Resolutionen des Beamtenbundes und des Textilhandels. fällt selbst einzelnen sonst so robusten Deutschnationalen auf die Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Be- Nerven. In den Blättern des schwerindustriellen Hugenberg wird amtenbundes hat in einer am Mittwoch, den 27. August, gleich mehrfach schmerzvoll bewegt auf die Tatsache hingewiesen, stattgefundenen Sigung zur Schutzolffrage folgende Friedrich Hussong, der sonst im„ Lofal- Anzeiger" fo fraftvoll national daß udendorff für tommunistische Anträge stimmt. Entschließung angenommen: fein kann, daß er's beinahe selber glaubt, muß jetzt ästhetisch werden: " " Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes Wie man den Hungerzoll begründet. verurteilt aufs schärfste die Absicht der Reichsregierung Die Reichsregierung hat bekanntlich die Zollvorlage, die auf Wiedereinführung der sogenannten landwirtschaftlichen Schuh das Handelsobjekt für die Zustimmung der Deutschnationalen zölle" durch Inkraftsetzen des vor dem Kriege gültigen autonomen zum Londoner Bertrag sein sollte, noch in letter Stunde dem Bolltarifs. Reichstag zugeleitet. Die Begründung der Vorlage Nachdem gerade in letzter Zeit die Preise für die wichtigsten unterscheidet sich von der früheren Begründung nicht, ob Lebensbedürfnisse, besonders für land und viehwirtschaftliche Browohl wir seinerzeit nachweisen konnten, daß die Begründung bufte, erheblich gestiegen sind und gerade die Getreide des Getreidezolles einen groben Irrtum, wenn nicht eine preife ber steigenden Tendenz der Weltmarktpreise immer stärker Fälschung enthält. Die Regierung wollte nämlich glaubhaft folgen, würden bei dem gegenüber der Vorfriegszeit erheblich gemachen, daß der Zoll in hohem Maße vom Ausland gestiegenen Einfuhrbedarf die beabsichtigten Zölle die Lebenshaltungstragen wird. So passierte ihr im lebereifer das Mißgeschick, fosten weiter in die Höhe treiben und damit die Not der Verdaß sie in einer Zahlendarstellung sagte, der Roggenpreis braucher unerträglich vergrößern. Außerdem muß in der Absicht, hätte im Jahre 1905 bei den geltenden Zöllen um 5 M. die Getreidezollfrage gerade jetzt zur Entscheidung zu bringen, der höher sein müssen als der Preis im Ausland. Tatsächlich ist Versuch erblickt werden, die minderbemittelten Bolts. die aber der 5 m. 3oll erst im Jahre 1906 in Kraft treise vorweg mit einer als Verbrauchssteuer wirkenden getreten. Im Jahre 1905 galt nur ein 3oll von 3,50 M., Maßnahme zu belasten, bevor die Frage der Berbeilung der Lasten, der bis auf 6 Pf. vom deutschen Verbraucher getragen wurde. die fich aus der Durchführung des Londoner Battes ergeben, ge Solange die Regierung auf diese Unstimmigkeit nicht auf- fiärt ist. merksam gemacht worden war, fonnte man glauben, daß es sich um einen wenn auch erstaunlichen Irrtum handle. Nachdem wir das aber bereits vor anderthalb Monaten feft gestellt haben, kann man nur noch annehmen, daß diese Dar stellung in der Absicht der Irreführung aufrechterhalten worden ist. Auch in anderen Punkten, die bei der Abfassung der Zollvorlage richtig gewesen sein mögen, ist heute die Begründung durch die Tatsachen überholt. Die Regierungsvorlage behauptet nämlich, daß die landwirtschaftlichen Er zeugnisse sich im Preise auf 85 Proz. des Borkriegsstandes bewegen. Tatsächlich haben die Getreidepreise heute den durchschnittlichen Preisstand von 1913 durchweg erreicht oder fogar überschritten. Das ist die Folge der Mißernten im Ausland und insbesondere der Tat sache, daß Rußland und Polen in der nächsten Zeit fein Brotgetreide nach Deutschland senden tönnen, während die Ueberseeländer ihren Anbau eingeschränkt haben. Ebenso unrichtig ist es, wenn die Begründung auf der Feststellung beharrt, daß die wichtigsten landwirtschaftlichen Betriebsmittel etwa 115 Proz. des Borfriegspreises fosten. Die Preise für fünstliche Düngemittel sind erheblich zurüd gegangen, ihr Bezug durch Kreditgewährung erleichtert. Die Begründung enthält schließlich den wunderschönen Saz, daß die hauptsächlichsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse noch der Ausfuhrsperre unterliegen". Tatsächlich ist das für Getreide seit geraumer Zeit nicht mehr der Fall und von diesem Zeitpunkt an hat am inländischen Getreidemarkt die Preissteigerung eingesetzt, deren Erfolg es ist, daß das Getreide heute ohne Zoll bereits auf und über den Borkriegspreisen steht! Eine ganze Zahl weiterer Gründe, die die Zollvorlage den Verbrauchern schmackhaft machen soll, find nicht nur von uns und den Arbeitnehmerorganisationen, sondern selbst von der industriellen Bresse als unzutreffend zurückgewiesen worden. Unzutreffende Behauptungen müssen dazu herhalten, um die künstliche Berteuerung des Brotes als notwendig erscheinen zu lassen. Das ist kein Wunder. Denn die Getreidezölle sind und sollen nichts anderes sein als ein Liebesdienst für die großagrarische Realtion. Die Arbeiterschaft muß aber mit allem Nachdruck sich dagegen wehren, zum Objekt einer Politif gemacht zu werden, die eine neue Verelendung der breiten Massen Die unsichtbare Grenze. Bon Lola Landan Die Gemeinschaft der Berufe formt neue Zünfte von Menschen, inmitten des Volkes abgesonderte fleine Völfer mit dem Dialekt ihres Gewerbes, einer Geheimsprache, gleich geschwungenen Gebärden und ähnlich ausgearbeiteten Gesichtern. Die unaufhörliche Beschäftigung der Hände oder des Hauptes mit den gleichen Dingen schafft eine Berwandtschaft, die tief in das Blut bringt und sich so bewußt gegen andere Stände abgrenzt wie eine eigenwillige fleine Nation gegen ihre Nachbarstaaten. Nie aber wird es deutlicher, daß die Menschheit noch in ihren fleinsten Teilen sich in Splitter zerspaltet, uneben und zerflüftet, als wenn man die Stadt verläßt, um die Dörfer des flachen Landes aufzusuchen, nicht als oberfläch licher Beschauer, sondern um dort in den Bebenstreis der Be wohner einzubringen. Da scheint es wirklich, man hätte eine unfichtbare Grenze überschritten, hinter der ein fremdes Gebiet be ginnt mit den unverständlichen Linien eines verschlossenen Gefichts, fo fremd dem Stadtbewohner, als wäre er in einen anderen Erdtell perfekt. Sind dies noch Menschen, die dieselbe Sprache reben? Selbst die vertreten Laute, langfam in ihren Mündern zermahlen, Hlingen verändert, anders wird das Bachen aus den Lippen hinausgestoßen, und felbft das Weinen, die einzige überall verstandene Weltsprache, so selten es in den vom Wetter gebeizten Augen steht, fließt zäher, hat einen trägeren Strom des Schmerzes. Wirt lich, um eine Forschungsreise zu machen, brauchen wir nicht weiter zu reisen als in den nächsten Landflecken, um den sich die schlichten Felder dehnen. Das Leben des Bauern, dem mir unser täglich Brot banten, ist mühselig. Es freist um das Notwendige. Sein ganzes Dasein ist auf die elementarsten und dringendsten Bedürfnisse eingestellt, deren Sorge er übernahm. Da liegt das Felb in der Not seiner Fruchtbarkeit und wartet, geschnitten zu werden. Da brüllt bas Bieh in der Not seines Hungers und wartet, verforgt zu sein. Es ist eine Arbeit, die erzwungen wird durch das brängende Buchern der Natur, die keinen Aufschub duldet, bei der die Hand sofort anpacken muß wie bei einem brennenden Hause. Früh beginnt der Tag. Tiere und Erde werden getränkt und gepflegt, und das Zifferblatt der Sonne mißt die Arbeitsstunden ab auf den Aedern, bis am Abend der Schlaf bie müben Körper umwirft. Aber eintönig und begrenzt ist dieses Leben, und die Augen, die sorgsam die Furchen abmessen, fast immer auf die Erde nieder gefchlagen, schmeisen felten hoch in eine Ferne, die voll mertwürdigen Erfüllungen hängt. Sie sind satt und zufrieden, diese zur Erde Gewandten, oder sie haben zu wenig Zeit zum Denken, aus dem die Unzufriedenheit erst wächst. Für sie hört die Welt auf mit dem Zaun ihrer Aeder und ihre Feste find die Ernten, die ihre Scheinsen zu Schazkammern machen oder die Schlachttage, Der Bundesvorstand des ADB. sieht in einer Berringerung der wirtschaftlichen Produkten, sowie in einer Herabjegung der Preise Preisspanne zwischen Erzeuger- und Kleinverkaufspreisen bei landfür Industrieerzeugnisse das einzig geeignete Mittel zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion und erwartet, daß nach dieser Die Einführung von Getreidezöllen jedoch muß im Richtung endlich die erforderlichen Schritte unternommen werden. Interesse der verbrauchenden Massen abgelehnt werden.“ Die Preise für Roggen haben inzwischen, als der letzten Getreideart, den Vortriegsstand erreicht. Damit entfällt das wichtigste Argument, mit dem die Reichsregierung in ihrer Vorlage die Einführung von Schutzöllen auf landwirtschaft fiche Produkte zu begründen versucht. Die Vorlage wird mit jebem Tag unhaltbarer. Die Kreise, die sich gegen die Einführung des Brotwuchers wenden, werden immer größer. Selbst in den Kreisen der Wirtschaft mehren sich die war nenden Stimmen. So hat der Reichsbund des Tertil einzelhandels auf seiner Jahreshauptversammlung in Hamburg eine Entschließung gefaßt, in der er energisch die Ablehnung einseitig proteftionistischer Gesichtspunkte in der Handelspolitit, rascheste Aufhebung aller noch bestehenden Einfuhrverbote und eine Regelung der Zollfrage, die unsere Abfchließung vom Ausland nicht verewigt, fordert. In der Tat ist die Schutzzollvorlage durch nichts zu rechtfertigen. Eine Regierung, die sie trotzdem einbringt, lediglich um damit die Stimmen der Großgrundbesitzer zu kaufen, wird nicht erwar ten fönnen, daß sie das Vertrauen der Konsumenten hat. Die Sozialdemokratie jedenfalls wird beweisen, daß sie fich für eine derart frivole Belastung des Mittelstandes und der Arbeiterschaft, die an und für sich an den Folgen des verlorenen Krieges schwer genug zu tragen haben, nicht hergibt, und die bürgerlichen Mittelparteien werden bei dieser Gelegenheit zeigen fönnen, auf welcher Seite sie stehen: auf seiten der deutschnationalen Erpresser oder auf feiten des arbeitenden und darbenden Voltes. Ein Ausweichen gibt es nicht. Das deutsche Hulffchin. Trotzdem das Hultfchiner Bändchen schon fünf Jahre von Deutschland abgetrennt ist, find erst jetzt die Gemeindewahlen vorgenommen worden. Sie ergaben für die Stadt Hultschin eine erbrüdende deutsche Mehrheit. an denen das geschmolzene Fett der Schweine in ihre Kübel rinnt. Bei faum einem anderen Stande füllt die Gewinnsucht so sehr den Raum der Seele. Hier ist der Ehrgeiz. im Reichtum die anderen zu überwachsen und den Besiz zu vergößern, mit der Hartnäckigfeit des fiftigen Groberers, der das Land von allen Seiten um schlingt. Wieviele Ehen werden hier nur aus Gründen des Vorteils gefchloffen, wie wird um des Geldes willen oft das fümmerliche Gefühl gebrochen. Und der Großbauer, am Ziel seiner Wünsche, hat sein Leben zu einer Borratstammer gemacht, einem Sad, zum Bersten voll, geschwollen von seinen Gütern.. Sie scheint verächtlich und bedauernswert, diefe Neigung, fo fehr auf den Besitz und das irdische Wohlfein gerichtet. Und doch liegt in diefer Leidenschaft zu dem Eigentum, das ja tein totes But, sondern lebendig und veränderlich ist, eine fanatische unper fönliche Kraft, die sich über den Kleinen Egoismus erhebt. Es ist bie Liebe des Menschen zu seinem Stück Erde, und man könnte fagen, das Vaterland des Bauern ist sein Acker, da, wo er müh. felig fein Leben hineinfät, sein Leben hinausgräbt, mit feinem Schweiß und der Andacht der körperlichen Qual. Denn gegen sich selbst ist er hart, er achtet seinen Körper menig, und noch in schwerer Krankheit schleppt er sich wie ein Lafttier weiter, vor seine Arbeit gespannt, ohne den Arzt zu rufen. Er felbft ist sich unwichtig, und vielleicht teilt er unbewußt diesen Zug mit dem entfernten dealisten, der sich vor seiner Aufgabe auflöst. Eine seltsame Schwäche hat der Bauer für sein Bich. Hier ist eine weiche Stelle in feinem Gemüt. Er geht herzlich mit den Tieren um, spricht laut zu ihnen und scheint ihre Sprache zu verstehen, jedes Tier hat für ihn feine persönliche Eigenart, wie mit Meinen Kindern schilt und scherzt er mit ihnen. Wie fremd und fassungslos steht der Städter, der während furzer Sommerwochen durch die Felder schlendert, all diesen Wefenszügen des Landmannes gegenüber. Er, der den Steinen entronnen, glücklich den blauen Himmel über sich stürzen fühlt, die fliegenden Farben der Wolfen genießt, und nur mit den Augen, nicht mit den Händen, nur in Muße, nicht in Mühe, die Natur berührt, wie tant er den Bauer begreifen, dessen Knie fich müh fam über der Erde krümmen wie Wurzeln. Vielleicht bedeutet ihm der Schnitter nichts als eine Figur in einem paftoralen Gemälde, deffen Bewegung ihn ästhetisch entzückt. Das Land ist ihm Land schaft, ersteht außerhalb, während der Bauer so tief in den Rern der Erde eingefunken ist, daß er sich selbst nicht mehr davon unterscheidet, also eine betrachtende und genießende Naturfreude gar nicht empfinden kann. Dem Städter gibt der Sommer eine Periode der Entspannung, er ruht aus auf dem Lande; für den Bauer ist der Sommer die härteste Arbeitszeit. Wenn im Winter die Städte von heißester Tätigkeit dampfen, dann erst beginnt für den Landmann, mit dem Winterschlaf der Bäume gemeinsam, die große Ruhe. Dann, beim Glimmen der Lampe sitzt er stundenlang still, leise gebeugt, ohne | " Es ist ein Schauspiel, schon rein ästhetisch höchst unbe friedigend, zu sehen, wie immer wieder die Böltischen gemeinfam mit den kommunisten es sind, die durch Erzwingung namentlicher Abstimmungen das graufame Spiel finnlos in die Länge ziehen. Es tut weh, bei diesem Anlaß immer wieder den demo fratifchen und fozialdemokratischen Heulchor Ludendorff, Ludendorff! aufblöken zu hören, wenn der Mann von Tannenberg fich zusammen mit Herrn sah und Herrn Scholem erhebt, um das findliche Parlamentarismusspiel mit ihnen zu spielen. Der Name Ludendorff gehört nicht dem Manne Ludendorff allein. Er war es uns schuldig, diesen Namen diesem patten Treiben fernzuhalten. es chuldig, dieſen Namen dieſe So flagt der Lokal- Anzeiger". Und in seiner„ vornehmern" Ausgabe, dem„ Tag", flingt es noch düsterer: Vielleicht mag es uns gleichgültig sein, daß die Kommunisten gerabe jetzt die deutsche Volksvertretung zum Kaschemmenmilieu beitervertreter, fondern eine politische Goffe ihre ich mußigen beitervertreter, fondern eine olitische Goffe ihre schmußigen Fluten in diesen Saal spelen fiefer, geradezu förperlich schmerzhaft wird man getroffen, als die Forderung der Kommunisten, über jedes einzelne der Dawes- Gefeße namentlich abzuffimmen, von den Nationalsozialisten unterstützt und damit erst geschäftsordnungsmäßig ermöglicht wird. Körperlich schmerzhaft be= rührt das milde, höhnische Rufen in der Mitte und links: 2u= dendorff- Eppstein!" Denn jener( Ludendorff) fiht dork drüben mitten in diesem Treiben und erhebt sich, als der Präsident nach der Unterstützung für diesen kommunistischen Antrag fragt. Erhebt sich jedesmal wieder. Ich sehe, wie der greise Tir= piz nach dem erste mal hinübergeht zum Plaze Ludendorffs, wie er auf den alten Kampfgenossen einspricht anscheinend vergebens. Und ich sehe das starre Geficht Ludendorffs! Sie trennen sich. Der Großadmiral senkt das weiße Haupt. Warum hatte Ludendorff ein„ starres Gesicht"? Vielleicht, weil er an die Balten des Reichstagsgebäudes dachte, als er Tirpitz vor fich sah?! Aber was auch immer er gedacht haben mag: die Tatsache, daß Ludendorff und Kaz, daß Frick und Scholem, Bulle und Eppstein fast immer zusammenstimmen, wenn es gegen die Demokratie geht, entspricht nicht ganz der Geistesverfassung ihrer Parteien. Sie ist ja schon im voraus gekennzeichnet durch den Disput Reventlow- Radek. Lubendorff und Ruth Fischer führen nur aus, was jene vorbereiteten. Auf zum letzten Gefecht!" Der König und der Kah. In der großen Prügelfihung des Reichstags am letzten Mittwoch lange nach dem lleberfall auf Brodaufmachte sich der Kommunist König- Düffeldorf durch besonders unverschämte Zwischenrufe bemerkbar. Genosse Simon Schwaben verwies ihn von seinem Blag aus zur Ruhe. Das war für König das Signal gefolgt von Thälmann und Grylewicz, auf Simon mit drohender Miene loszugehen. Genosse Frölich- Thüringen trat dazwischen, um neues Unheil zu verhüten. Worauf König mit geschwollener Heldenbrust an den Genossen Frölich die Aufforderung richtete: Kommen Sie mit mir hinaus!" Genosse Frölich war so unritterlich, dieser Forderung zum 3weikampf nicht zu folgen. Er ist noch immer der veralteten Auffaffung, daß Meinungsverschiedenheiten mit dem Kopf und nicht mit den Fäusten auszutragen sind. Gestern war Ka so vorlaut wie immer. Ein Sozialdemokrat rief ihm zu, er folle lieber den„ Borwärts" lesen, da stünde etwas von ihm. Rah ruft: Den Dred lese ich nicht!" Darauf der Sozialdemokrat: Ja, ja, Razem bred!" etwas zu tun, während schon die junge Kraft des neuen Jahres langfam in seinem Blute hochsteigt, in einer Ruhe, wie vor dem Ende oder dem Anfang der Welt. Die Kunst der Jugendlichen. Der Kunft der Kinder und der Jugendlichen hat man in neuester Beit besondere Aufmerksamkeit zugewendet, und zwar war es be Sonders der Expreffionismus, der in den fünstlerischen lebungen der Jugend geradezu Offenbarungen erblickte und sie vielfach nachahmte. Diefe übertriebene Berherrlichung findet ihre Erklärung darin, daß das jugendliche Kunstfchaffen eine eigentliche Ausdrucks funft ist und mehr als jede reife Kunst dem Trieb entspringt, mit den durch die Entwicklung bedingten Erregungen des Inneren fertig zu werden. Diesen 3wed der jungendlichen Kunst hebt Prof. Eduard Spranger in seinem ausgezeichneten Wert Psych a= logie des Jugendalters" bervor, das vor kurzem" bei Duelle u. Meyer in Leipzig erschienen ist. Der Pädagoge der Berliner Universität hat in diesem Buch eine Darstellung der jugendlichen Geele und ihrer mannigfachen Lebensäußerungen geschaffen und zum erstenmal einen wirklich in die Tiefe weisenden Einblick in dieses an Geheimnissen und Rätseln so überreiche Werden geboten. Wie die sittliche und erotische Entwicklung des Jugendlichen, wie feinen religiösen Standpunkt und fein Rechtsbewußtsein, wie feine Stellung zu Beruf und Politit, so ordnet er auch das Phantasieleben und Phantasieschaffen des heranwachsenden Menschen in die gesamte typische Lebenslage dieses Alters ein. Der Jugendliche wählt hauptsächlich die Künste zum Ausdruck seiner Erlebnisse, die teine große Techmit voraussehen und ihm am leichtesten eine unbeschränkte Ausbrudsmöglichleit gewähren. Deshalb steht die Boesie an erster Stelle; es folgen Schauspieltunst, Tanzkunst und Mufit, während die bildenden Künste, in denen das Kind sich so gern versuchte, wegen ihrer schwierigen Technik mehr zurücktreten. Beim Dichten bevorzugt der Jugendliche am meisten die 2yr it, weil sich ihm im Gedicht das beste Mittel darbietet, um die auf ihn einstürmenden Erlebnisse aus. zusprechen. Er unterscheidet sich hier sehr deutlich von dem dichtenden Rinde. Während diefes fremde Borbilder nachahmt, so schafft er aus eigenem Erlebnis heraus, denn in seiner Seele regt fich ja eben etwas Neues, der Anfang einer eigenen Persönlichkeit, der sich in den Versen offenbaren will. Die Gegenstände jugendlicher Lyrif find die ewigen Gegenstände der Lyrik überhaupt: Sehnsucht, Qual und Glück, die Natur und ihre Jahreszeiten, Landschaftsstimmungen, Lodesahnung, Baterland, Religiöses und Philosophisches. Der Wein fehlt nicht und gewiß auch nicht die Liebe, aber bie letztere herrscht burchaus nicht allgemein vor. Eine Kunst, die dem jungen Menschen fich vielfach aufdrängt, ist die Schauspielerkunft, denn er braucht hier nur nachzuschaffen und wird von feiner Begeisterung, von dem leidenschaftlichen Durchleben der Stunde getragen. Freilich, der echte Schauspieler muß sehr viel lernen, und davon ahnt der Jugendliche nichts, weshalb er öfters glaubt, zum großen Mimen berufen zu sein und Ian 3, und nicht nur als sogenanntes Bergnügen, sondern auch [ päter Enttäuschungen erlebt. Eine große Rolle spielt auch der als eine tiefere Difenbarung feelifcher Kräfte durch den Körper. ,, Das beranwachsende Mädchen," sagt Spranger, legt die ganze Grazie „ Einstellung auf weitere Sicht". Schwarzweißrote Aengste vor Schwarz- Rot- Gold. In der Presse der offenen und verkappten Monarchisten fommt die Wut über die Gründung des Reichsbanners Schwarz Rot Gold immer wieder zum Durchbruch. Man steht dem überraschenden Anwachsen dieser Bewegung machtlos gegenüber und fühlt die eigenen Positionen, die auf Phrasen und bombastischem Feftefeiern aufgebaut waren, wanken. Selbst die bei den„ Vaterländischen" üblichen Methoden der Berleumbung nuzen nichts, weil ihre eigenen Anhänger das unsaubere Spiel zu durchschauen beginnen, für das sie mißbraucht werden sollen. Die Enthüllungen der Baterländischen Verbände Rheinland- Westfalens über die Brattifen der Geisler, von der Golz, Westarp, die gegen das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold und die Sozialdemokratie die findischsten Berleumdungen in die Welt sehen, während sie selbst die öffentliche Volksmeinung umzufälschen versuchen, sprechen Bände. Der unpolitische Stahlhelm. Auf der Mandatsjagd. Der schwarzweißrote Stahlhelm ist bekanntlich unpolitisch, gänzlich unpolitisch. Wenn er für Schwarzweißrot eintritt, wenn er für die Rückkehr zur monarchistischen Staatsform Propaganda macht, wenn er seinerzeit mit fliegenden Fahnen hinter den nach den Beteuerungen seiner Führer nichts an der Tatsache, daß Charlatanen der alldeutschen Diktatur herlief, so ändert das alles der Stahlhelm eine unpolitische Organisation ist, die sich lediglich die Pflege des fameradschaftlichen Geistes und des Geistes der Wehrhaftigkeit zum Ziel gefegt hat. Nun ist es zwar mit dem Geift der Kameradschaft und der Disziplin im Stahlhelm nicht immer so bestellt, wie es sein sollte, und bitterböse Zungen behaupten, daß in den Reihen seiner Führer durchaus nicht jener Idealismus und jene fameradschaftliche Selbstlosigkeit zu Hause ist, von der in den öffent. lichen Veranstaltungen des Bundes so viel die Rede ist, aber der Stahlhelm steht. Oder sollte er bereits bedentlich zu wadeln an schweigischen Landesausschuß der Demokratischen Partei ein Schrei fangen? Wie die„ Boſſiſche Zeitung" meldet, liegt dem braunben der Gauleitung des Stahlheimes vor, bas eine Beinner- chweigischen rüdsichtigung der von ihm namhaft gemachten Mitglieder bei der Aufstellung der Kandidatenliste für den Landtag fordert. Dem Berdienste seine Krone und dem Stahlhelm sein Hakenfreuz! Aber wenn sich jeder Gruppenführer des Stahlhelms für zum Landtags- oder Reichstagsabgeordneten auserforen hält, so ist das alles andere als eine unpolitische Einstellung. Da jedoch der Stahlhelm mit so großem Nachdruck behauptet, unpolitisch und rein vaterländisch" eingestellt zu sein, muß man annehmen, daßvater ländische" Bewegung und Stahlhelm im Begriff sind, in die Brüche zu gehen. Die Ratten verlassen das Schiff und flüchten nach Ludendorffs hehrem Vorbild in die Parlamente der Republit, allwo man nach fommunistischem Muster neben dem Gedanken der Wehrhaftigkeit die Diäten pflegen kann. Berfolgt man die sogenannte nationale Preffe, so erkennt man, daß die Führer der Völkischen und Baterländischen innerlich das Rennen bereits aufgegeben haben. Sie fühlen sich der mächtig anschwellenden republikanischen Bemegung, die es satt hat, der Volksverhehung der Monarchisten tatenlos gegenüberzustehen, nicht gewachsen und wiffen nur zu gut, daß das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold der Tod ihrer eigenen fünftlich aufgezogenen Berbände ist. Selbst Ludendorff, der sich bisher nie um die Stimme der Arbeiter gefümmert hat, mußte auf dem Ostpreußentag in Tilfit bekennen, daß die völkische Beegung verloren ist, wenn es ihr nicht gelingt, die Arbeiterschaft für sich zu gewinnen. Die Bölkischen haben Zeit genug gehabt, um die Stimme der Arbeiter zu werben. Der Enderfolg ist nach anfänglichen Teilerfolgen ausgeblieben. Die Führer der Völkischen und Baterländischen liegen sich gegenseitig in den Haaren, und die am Narrenseil Geführten wenden der Bewegung den Rücken oder gehen, angeefelt von dem widerwärtigen Schauspiel, zum Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold über. So ist es fehr bezeichnend, wenn der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Schmidt- Hannover, ein eifriger Förderer der vaterWie uns aus Liegnik gemeldet wird, ist dort der 7000 Mitglieder starte Neue Stahlheim", eine republifanische Gegenorganisation gegen den monarchistischen Stahlhelm", zum Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold übergetreten. Im Gau Gau Oldenburg- Ostfriesland Osnabrüd " ! Frage nur entschied, daß der Amnestieantrag überhaupt auf die Tagesordnung gestellt werden soll. Schließlich erfolgte die Annahme eines Zentrumsvorschlags, den Antrag als letzten Bunft auf die Tagesordnung zu sehen. England sucht Abrüstungsgenossen. Eine Rede Macdonalds. hielt am Mittwoch in Forres( Schoffland) eine Rede, in der er auch Condon, 28. August.( Eigener Drahtbericht.) Macdonald die Abrüftungsfrage streifte. Großbritannien habe das Washingtoner Abrüftungsabkommen unterzeichnet und es werde auf jeden Fall diesen Vertrag halten und seine Unterschrift achten. Er gehe in den allernächsten Tagen nach Genf. Was sich dort ereigne, fönne er vorläufig noch nicht wissen. Aber das könne er sagen, daß die Abrüftungsfrage dort nur dann vorwärts fommen fönne, wenn England nicht allein bleibe, und die anderen Nationen sich ebenfalls offen und ehrlich zur Abrüftung bereit finden. Den ersten Schritt zu einer besseren neuen Zeit habe kürzlich die Londoner gäben ihm den Glauben, daß in Genf ein neuer entschiedener Schrift konferenz gemacht und feine Eindrücke auf der Konferenz zur Befriedung Europas getan werde. General Spears' Abrüstungsplan. Genf, 28. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der englische General Spears, liberales Unterhausmitglied und Urheber des Dreimächte- Garantieplans, der beim Völkerbund als Grundlage für die Diskussion der allgemeinen Abrüftung in Aussicht genommen ist, übermittelte dem Bertreter des Vorwärts" in Genf am Donnerstag aus Anlaß der auf der interparlamentarischen Konferenz geführten Abrüstungsdebatte folgende Erklärung: ländischen Bewegung, in der Deutschen Zeitung" offen zu macht die Bewegung gute Fortschritte. In kurzer Zeit ist z. B. die muß nach meiner Ueberzeugung die sofortige Räumung der geben muß: „ Die Nachwirkungen des Hitler- Butsches, der von den Gegnern geschürte Streit pöllischer Gruppen gegeneinander, Ent täuschung über die langsame politische Entwicklung in Deutsch land, die parlamentarische Umfälschung des Wahlergebnisses Dom 4. Mai haben in letzter Zeit eine gewisse Stagnation der Bewegung bewirkt." Es ist nur zu durchsichtig, wenn dieser völkische Kämpe be= hauptet, die Gründung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold merde zu einer Gesundung der schwarzweißroten Berbände führen, und zu gleicher Zeit zum Rüdzug bläst, indem er fagt, die„ weltpolitische Entwicklung" fordere von der vaterländischen Bewegung ihre Einstellung auf weitere Sicht". Wie denkt sich Herr Schmidt die Gefundung? Er schreibt: " „ Die nächste Aufgabe aller vaterländischen Politit muß sein, System und Einheitlichte it in alle die Bestrebungen zu bringen, die im Scharnhorstschen Geist an der Erweckung unserer Kraft arbeiten." Wie oft ist dieser Versuch von den Völkischen und Vater ländischen seit Jahr und Tag unternommen worden, ohne zu cinem Resultat zu führen! Und heute, wo bei ihnen alles brunter und drüber geht, sollte es besser werden? System und Einheitlichkeit wird in die Bewegung der monarchistischen Bartikularisten, die Deutschland wieder in das Unglück der Sereniffimus- Kleinstaaterei zurückwerfen will, nie tommen. Das große Einheitslager ist nur in der deutschen Republik zu finden unter dem Reichsbanner Schwarz Rot Gold. feiner Seele und die ganze Innigkeit feines Gefühls in diefe Aeuße: rungsform, die man in früheren Zeiten mit Recht als Gottesdienst empfand. Der männliche Jugendliche ist von Natur weniger leicht imstande, seine Seele in rhythmische Körperbewegung zu ergießen. Aber daß ein tiefer Ernst und eine heilige Selbstvergessenheit bei beiden Geschlechtern durch den Tanz bewirkt wird, bas lieft man auf den Gefichtern felbft ganz einfacher Paare." An letter Stelle steht die musikalische Schöpfung. Aus dem inneren Bedürfnis des Jugendalters ist es zu erflären, daß in dieser Zeit ,, jeder dichtet". Das ästhetische Blühen der jungen Seele ist eben weit mehr als ,, bloke Kunst", ist Lebensnotwendigkeit, die das innere Wachstum des Jugendlichen befördert. „ Hans Sonnenstößers Höllenfahrt". Noch ift der Sommer nicht zu Ende und schon fängt die Winterfaifon des Theaters an. Ein Trost ist uns geblieben: nach diesem Sommertheater fann es uns nicht schlechter mehr gehen( von der Revue wollen wir aber lieber nicht reden). Der Meinhardt- Bernauer- Trust eröffnete sein" The a ter in der Röniggräßer Straße"( warum nicht Streisler Theater?) mit Baul pels nun schon etwas angejahrten Satire, die im Schillertheater einst viel Spaß machte. Das Bublifum hört es immer gern, wenn die Philister verspottet werden. Natürlich, denn es rechnet sich ja nicht dazu. Und dann fleidet der Dichter" ja feine Ausfälle in die Form des Trauerspiels, das, nach Calderons, Grillparzers und Hauptmanns Borbild aufgenommen, aber leise parodiert und ins Heitere gewendet wird. Der Traum des jungen Dichters, der vor der drohenden Verlobung mit der braven, spießigen, reichen Rentnerstochter noch ein Schläfchen tut, zeigt ihm, wohin eine folche Ehe führen tann: zur völligen Berzweiflung und zum Mord an der eigenen Frau. Die besondere Note, die die Regie von Baul Marg aufbrachte, war der phantastisch- parodistische Charakter der Spießerwelt, die prachtvoll in Gestalt, Tracht, Farbe verzerrt wurde. Grandios war besonders die Tante Pauline, wie sie Frieda Richard fast unheimlich verförperte. Der feinere Reiz diefes Traumsputs, der bis zur Hinrichtungsszene geführt wird, liegt im Traumweben selbst, das wirkliches und Phantastisches so bunt mischt und sprunghaft von einem zum andern übergeht und dabei doch das Gefühl einer gewissen Souveränität gegenüber dem Erträumten bei behält. Die Mufit F. Beermanns illuftrierte diese Gemüts. zustände aufs finnfälligste. Die Darsteller des Traumerlebnisses folgben willig der Weisung zum Grotesken. Die beiden Mädchen, zwischen denen der Träumende hin- und hergeworfen wird, die Seelen- und die Geldbraut, wurden mit frischer Natürlichkeit von Erita Meing a st und Maly Delfchaft gespielt. Der Dichter ist Kurt Bespermann, in allen Sätteln fest und mit allen Humoren ausgestattet. Das Publikum ging bantbar auf Dichtung, Darstellung und Regie ein. -r. am 29. Auguft, 8 uge, in Reffing- Museum einen Bortragsabend. A. 3. Die Jufereffengemeinschaft gelfliger Arbeiter, Berlin Sga, veranstaltet Wollschläger spricht: Heber Brobleme der Menschheit". Ortsgruppe Wilhelmshaven Rüstringen auf über 1000 Mann angeschwollen. Ministerpräsident a. D. Tangen, Reichstagsabg. Hünlich, Landtagsabg. Hug, sowie die beiden Gau vorsitzenden Neue und Grunewald haben mit größten Erfolgen bereits 40 Ortsgruppen ins Leben gerufen. Verfassung und Schule. Wo bleibt die Disziplin? Als Voraussetzung für die Wirksamkeit meines Planes und die Sicherung des Friedens in Europa betrachte ich eine unmittelbare ftändigung muß dahin führen, daß im französischen Bolk die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland. Diese Ver Furcht vor einer deutschen Revanche verschwindet und daß durch die neue Politik der gegenseitigen Zusammenarbeit der beiden großen Völker in ganz Europa eine neue Aera des Vertrauens und der Sicherheit eingeleitet wird. Dann wird mein Blan bas erfüllen, was ich von ihm erwarte, wenn Frankreich, von jeder Revanchefurcht befreit, eine entschiedene und absolut ehrliche Friedens- und Abrüftungspolitik beginnt. Tritt der Plan in Kraft, so besetzten deutschen Gebiete erfolgen. England wird nachdrücklich hierfür eintreten. In bezug auf die bevorstehende Tagung des Bölferbundes, die sich auf die französisch deutschen Fragen tonzentrieren wird, bin ich optimistisch gestimmt. Ich habe kürzlich im Unterhause Macdonald gefragt, wann die Regierung Köln zu räumen gedenke, und ich möchte hinzufügen, daß es nach englischer Auffaffung unmöglich ist, nach erfolgter Räumung eine Neubefezung der Kölner Zone durch eine andere Macht zuzugeben. England leidet, wie alle Völker, unter der Last der militärischen Ausgaben, und die allgemeine Stimmung für Rüstungsbeschränkungen gewinnt zusehends an Boben. Ich hoffe, daß eine Lösung in naher Zukunft zustande kommt, da ich zu ben in beiden Ländern, Frankreich und Deutschland, jekt maßgebenden Persönlichkeiten und moralischen Kräften das Vertrauen habe, daß sie den Seiten machen, ohne die eine Lösung des deutsch- französischen die unbedingt erforderlichen großen 3ugeständnisse auf bei Problems niemals möglich sein wird. Nach Deutschlands Eintritt in den Böllerbund wird der Dreiländerplan England. Frankreich- Deutschland als logische Fortentwicklung dem Bölkerbund erst das Gewicht geben, das er zur Erfüllung seiner großen Mission braucht. Der vollen Unterstüßung eines in solch neuem Geist geschlossenen Battes durch die amerikanische Regierung bin ich durchaus sicher, und ich hoffe, bei der Reise, die ich demnächst Amerita unternehme, feitung dem ich war grotgoldenen wimpel, ben die letzte nach maten; Die einen großen Schritt weiter auf dem Weg zu Wie aus Chemniß gemeldet wird, veranstalteten die dortigen höheren Lehranstalten eine nachträgliche Ber faffungsfeier in Form eines patriotischen Turnfestes. Viele Schüler erschienen in hitler Uniform, fhwarzweißroten Schleifen und Rofarden oder gar Stahlheimen(!). Eine Gruppe des Werwolf lam mit wehender Hafentreuz fahne auf den Festplatz und nach dem Abschluß der Feier marschierten die Werwolf- und Stahlhelmtinder in geschlossenem 3uge mit entrollten Hafenfreuzfahnen ab. Als Gegenstück dazu wird aus dem Werner Siemens- Real. gymnasium in Schöneberg berichtet, daß die dortige SchulAbiturientengeneration für die Schulfahne geftiftet hatte, Urfehbe geschworen hat. Der Wimpel war eines Tages verschwunden und fam erst nach einer energischen Aktion der Schüler kurz vor der Berfaffungsfeier wieder zum Vorschein. Seitdem wurde die Schulfahne nicht mehr gezeigt. Auch am Berfassungstage nicht, an dem ausgerechnet ein als Gegner der Republik bekannter deutschnationaler Studienrat mit der Verfassungsrede beauftragt wurde. Sie war auch danach! Ueber die Verfassung zu sprechen lehnte er mit der Begründung ab, Politik gehöre nicht in die Schule. Die beiden Fälle stehen keineswegs vereinzelt da. So ließ der Leiter der Bismarc Schule in Wilmersdorf die Schulaula zur Berfassungsfeier durch einen Riefenfranz mit schwarzweißroter Schleife zieren. Die Mehrzahl der Kinder erschien auf höheren Wint mit schwarzweißroten Bändern und Abzeichen. Kinder mit schwarzrotgoldenen Abzeichen wurden von einzelnen Lehrern belästigt, was zur Folge hatte, daß ihnen diese Abzeichen von schwarzweißroten" Kindern unter Schmähungen abgerissen wurden. Sind Herrn Boeliz diese Fälle bekannt? Ift ihm bewußt, daß der Lehrförper in diesen Fällen die Achtung por den Reichsfarben, der Reichsverfassung und der bestehenden Staatsform untergräbt? Ist ihm bewußt, daß der Lehrförper durch eine derartige Syaltung der Achtung vor dem Lehrer unheilbaren Schaden zufügt und auf die Disziplin der Schüler verheerend wirft? Wie sollen Schulleiter, die nicht soviel Berstand im Kopfe und Disziplin im Leibe haben, um sich selbst im Baum zu halten, auf die ihnen anvertraute Schuljugend vorbildlich wirken? Was gedentt der Herr mi. nifter für Kunst, Wissenschaft und Boltsbildung für Kunst, Wissenschaft und Voltsbildung zu tun, um blesen öffentlichen Unfug abzustellen? Die Redezeit im Reichstag. Ein Abänderungsantrag. Der Abgeordnete Fehrenbach( Zentrum) und Genossen haben eine Abänderung des§ 87 der Geschäftsordnung beantragt: Die für die Fraftionen geltende oder jeweils bestimmte Rede= zeit tann von den feiner Frattion wb feiner Gruppe angehörenden Abgeordneten nur bis zu ein Drittel beansprucht werden. Mitglieder, die zu einer Gruppe zusammengeschlossen find, tönnen diesen Anspruch nur durch einen von einer Gruppe zu bestimmenden Vertreter geltend machen. Demokraten unterſtüßt, damit nicht so fleine Gruppen wie der Dieser Antrag ist von der Deutschen Bolkspartei und den Deutsch deutschsoziale Kunze und ähnliche im Verhältnis zu anderen At geordneten eine tiel größere Redezeit in Anspruch nehmen dürfen. Die Amnestiefrage. Ein Streit um die Tagesordnung. Am Schluß der geftrigen Reichstagsfißung tam es zu einem Streit darüber, an welche Stelle in der Tagesordnung von heute ein nationalsozialistischer Amnestieantrag gestellt werden solle. Sunächst wurde gegen die Mitte mit den Stimmen der DeutschnatioAufnahme des Antrags in die Tagesordnung der heutigen Sihung nalen, Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Rommunisten bie beschlossen. Damit war aber noch nicht entschieden, an welche Stelle Eine Erich- Mühjam- Matinee veranstaltet die Künstlerhilfe am Sonntag, er gefegt werden solle. Die Kommunisten wünschten, im Gegenfab 11 Uhr im Meistersaal, Köthener Str. 38. Anatole Frances Befinden, bas in ben testen Tagen zu Beunruhigungen Anatole Frances Befinden, bas in ben letten Tagen zu Beunruhigungen zu den Sozialdemokraten, die Beratung dieses Antrags vor den Anlag gegeben hatte, it feit Donnerstag wesentlich gebeffert. Die Gefahr fächlich ergibt das amtliche Brotokoll, daß der erste Beschluß in dieser Anlag gegeben hatte, it feit Donnerstag wesentlich gebessert. Die Gefahr Dames- Gefeßen und behaupteten, dies set bereits beschlossen. Tat für das Leben des hochbetagten Meisters scheint überwunden zu sein. i einem wirklichen Bölkerbund darstellt. Mein Plan ist in seiner heutigen Gestalt nicht mehr der ursprüngliche; aber er ist auch kein ftarres Dogma, sondern jede Anregung und Verbefferung werden stets auf fruchtbaren Boden fallen. Genoffe Moutet für die Interparlamentarische Union. Genf, 28. Auguft.( WTB.) Der französische Abg. Moutet ( S08.) erklärte dem hiesigen Vertreter der Agentur Havas, daß der von den Debatten der Interparlamentarischen Union hinterlassene Eindrud durchaus günstig sei. Diese Institution verbiene, von der Welt beachtet zu werden. Bei den Erklärungen der deutschen Vertreter empfanden die Franzosen ein Gefühl der Entspannung. Moutet meint, die Interparlamentarische Union sei die beste Stütze des Böllerbundes; er wünscht, daß sich alle französischen Parlamentarier und besonders die Parteiführer dafür interessieren möchten. Die 32. Interparlamentarische Ronferenz wurde am Donnerstag um 5 Uhr geschlossen, nachdem sie zur Abrüstungsfrage noch einstimmig zwei Anträge angenommen hatte, die eine allgemeine Herabfeßung der Rüftungen und die Schaffung von entmilitarisierten 3onen bezweden. Ein Antrag des Ge noffen Lindhagen Schweden, auf Festsetzung der Präsenzstärte sämtlicher Armeen nach dem Vorschlag der Gruppe Deutschösterreich ( 5000 Soldaten für jede Million Einwohner), wurde nach heftiger Debatte einem Ausschuß zum Studium überwiefen. Genf, 28. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Völkerbundstagung wird von einer ungewöhnlich hohen Zahl von Teilnehmern besucht werden. Bisher haben über 300 Journalisten, darunter über 30 aus Deutschland, fich angemeldet. An führenden Parteigenoffen werden an der Tagung teilnehmen: BrantingSchweden und Arbeitsminister Borgbjerg- Dänemart. London, 28. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Lord Parmoor beabsichtigt, in Genf darauf hinzuwirken, daß die Bölferbundskonfe reng die Size im Völkerbundsrat vermehrt und für Deutschland und Rußland Size zur Verfügung gehalten werden. Im Zeichen des Friedens. Londoner Abkommen und besetzte Gebiete. Köln, 28. August.( Eigener Drahtbericht.) Das britische Kriegsamt hat an die englischen Besatzungsbehörden im Kölner dieses Gebiets alle neuen Arbeiten für die Truppen in dieser Zone Gebiet den Befehl erteilt, im Hinblick auf die nahe Räumung dieses Gebiets alle neuen Arbeiten für die Truppen in dieser Zone aufzugeben und nur dringend notwendige Reparaturen vornehmen zu laffen. Paris, 28. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Das im Juni in Mainz von dem franzöfifchen Kriegsgericht gefällte Urteil gegen die deutschen Kommunisten ist jezt vom Revisionsgericht aufgehoben worden. In der Begründung heißt es, daß durch das Londoner Abkommen die rechtliche Lage zugunsten der Angeklagten geändert sei. Der Kaffowitzer Boltswille" fonfisziert. In Kattowiß haben tonfisziert. Als Grund wird angegeben, das Blatt hätte sich die polnischen Behörden den sozialdemokratischen Volts willen" gesprochen, die anläglich der ersten Aushebung von Militärgegen die Veranstaltung der polnischen Herbst manöver auspflichtigen Schlesiens in der Gegend zwischen Bieliz und Teichen sich diesem Dienst unterwerfen müſſe. geplant find, und bedauert, daß auch die deutsche Jugend Gewerkschaftsbewegung Die Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge. Misstände im Arbeitsnachweiswesen. weden, ich muß Sie deshalb ergebenft ersuchen, eine entsprechende Richtigstellung zu bringen und mir davon Kenntnis zu geben. Hochachtungsvoll Forstaffeffor a. D. Busold, Holzverwertung." Durch diese Erklärung wird feine der in unserer Notiz aufgeImmer noch gewerbsmäßige Stellenvermittlung. Die Beiratssigung des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten in Berlin hatte sich auch mit diesem Thema wieder zu beschäftigen. Zunächst wurde die vom Verbandstag beschloffene Gründung einer freiwilligen Sterbestellten Behauptungen als unrichtig erwiesen. Die Anschuldigun tasse beschlossen, die am 1. Oktober unter dem Namen„ 3entral gen richteten sich in der Hauptsache gegen die Art der ArbeitsverHoresca"( Abkürzung des Verbandsnamens) ins Leben tritt. Der mittlung" in dem sogenannten nationalen Arbeitsnachweis, der nicht Eintritt ist frei, der Beitrag wird im Umlageverfahren erhoben. Das Arbeitsfräfte, sondern Arbeitskräfte mit ,, nationaler" oder„, natioSterbegeld ist auf 1500 M. festgefeßt. Nur Verbandsmitglieder und nalsozialistischer" Gesinnung vermittelt. ihre Ehefrauen sind beitrittsberechtigt. Die Anordnung vom 9. August bringt zwar durchgehends eine Erhöhung der in ihrer Vorgängerin vom 25. April festgesetzten Unterstüßungshöchstfäße, bleibt aber im allgemeinen hinter der vom Reichstag geforderten Neuregelung erheblich zurüd. Dieser hatte bereits die vom Sozialpolitischen Ausschuß vorgeschlagenen Säße infolge des durch den Finanzminister herbeigeführten Eingreifens des Haushaltsausschusses zum Zeil beträchtlich vermindert, war aber wenigstens der von unseren Genossen im Ausschuß durchFerner wurde beschlossen, die Reichskonferenz der gefeßten Gleichstellung der Geschlechter beigetreten. Die Reliner im Laufe des fommenden Winters abzuhalten. Die vom Regierung hat diesen Grundsaz wieder in weitem Umfange durch Verbandstag beschlossene Einberufung einer internatio, brochen, indem sie nur denjenigen weiblichen Ernalen Ronferenz soll für den Monat November erfolgen. werbslosen, die nachweisen, daß sie Familienangehörige zu ernähren haben für männliche gilt diefe Cinschränkung nicht bie gleiche Unterstügung wie den männlichen zubilligte. Nehmen wir von den drei Gruppen, Often, Mitte und Westen, die zweite, zu der Berlin gehört, und von den fünf Ortstlaffen die höchſte, so erhalten wir folgende Beträge der wochentäglichen Unterstügung in Pfennigen: Nach der Anordnung 10 Erhöh bie auf Grund d. Beschlüsse d. Reichstages hätte erfolg. fallen i.Brea 20-26 20-25 Erhöhung in Proz. vom 25. April vom 9. Auguft 1. männliche über 21 Jahre 84 100 unter 21 Jahre 50 60 19 20 2. weibliche über 21 Jahre 67 90*) 84 49 unter 21 Jahre 40 55 371 50 3a. Ehegatten 22 35 59 50 8b. Kinder und andere unterstügungsberecht. Angehörige.. 17 25 47 *) Wenn sie Angehörige zu unterstügen haben, 100(+ 49 Proz.). 48 00 50 Nur im Falle des Ehegatten ist die Forderung des Reichstags überschritten, sonst ist ein zum Teil erhebliches 3urid. bleiben festzustellen. Dabei darf nicht vergessen werden, daß der Anwendung felbft bieser fümmerlichen Säge, soweit es sich um Familienangehörige handelt, eine sehr bedenkliche Schranke gesetzt ist Der Gesamtbetrag der Angehörigenunterstügung darf nicht mehr als 150 Prozent der Unterstützung des Familienhaupts, falls dieses aber weiblich ist, fogar nicht mehr als 100 Prozent be tragen. Wenn also der Erwerbslose für Frau und Kinder zu forgen hat, so wird bereits die Unterstüßung des fünften Kindes gekürzt. Alle ferneren aber gehen leer aus. Ist das Familienhaupt eine Frau, so werden schon nicht mehr als vier, wenn aber noch ein erwerbsunfähiger Ehemann mit zu unterstützen ist, nur zwei Kinder voll, ein drittes verkürzt unterstützt, die weiteren aber gar nicht. Eine eigenartige Förderung des Familienzufammenhangs und des Kinderreichtums, der sonst nicht hoch genug gepriesen werden kann. Herr Geheimrat Dr. Weigert vom Arbeitsministerium, der im Reichsarbeitsblait die halbamtliche Erläuterung zu der Verordnung geschrieben hat, hebt diese Beschränkung rüh mend hervor als einen Sauz vor der Gefahr, daß bei sehr tinderreichen Familien die Unterstützung die Höhe der Löhne, von denen noch Steuern und foziale Leiftungen abgehen, erreichen Pönnte. Ein Wort zur Kennzeichnung solcher Löhne" darf an dieser Stelle ja nicht erwartet werden. Dafür erfahren wir, daß der Reichsarbeitsminister die Arheitsnachweisvermaltungen noch mals besonders" darauf aufmerijam gemacht hat, daß die Säße der Anordnung„ nur höchstfäße sind, und daß es deshalb in Gegenden mit besonders niedrigen Löhnen geboten ist, unter diesen Höchstsätzen zu bleiben". Dabei gehen die Säge in diesen Gegenden, im Wirtschaftsgebiet Often und in der untersten Ortsflaffe, schon um 24 bis 34 Prozent unter die oben angeführten zurüd. Denn darüber besteht ja Einigkeit bei allen(?) wirtschaftlichen Parteien, daß es nicht Sache der Erwerbslosenfürsorge sein fann und sein darf, die Löhne höher zu treiben, als sie nach Lage der Wirtschaft bemessen werden fönnen", sagte Geheimrat Weigert. Wenn z. B. die„ Bage" der Wirtschaft die Anlage erheblicher Kapitalien im Ausland oder die Berausgabung großer Beträge im Lurusverbrauch erfordert, und die Löhne entsprechend niedrig gehalten werden müffen", so darf um feinen Breis durch eine zum Satteffen zahlreicher Kinder beinahe ausreichende Erwerbslofenunterstügung dem entgegengewirft werden. Daß umgefehrt solche ärmlichen Unterstüßungen vor Entwertung durch fünstliche Lebensmittelverteuerung geschügt werden müssen, davon ist natürlich bei fast allen heute für die Regierung in Betracht tommenden wirtschaftlichen Parteien keine Rede. " Es fann danach, selbst unter Berücksichtigung der erschwerten Lage unferes Erwerbslebens, teine Rede davon sein, daß die jetzt bewilligten Säge der Erwerbslosenunterstützung auch nur einiger maßen den zu stellenden Mindestforderungen entsprächen. Her mit einer ausreichenden Erwerbslosen, auch Kurzarbeiterfürsorge! bleibt daher nach wie vor unsere Forderung. Internationaler Antikriegstag om dritten Sonntag im September. Der vom Bundesvorstand des ADGB. zur Durchführung und Finanzierung eines Boltsentscheids über den Achtstundentag beschlosse nen Erhebung eines Ertrabeitrages wird ohne Debatte Zu einer recht lebhaften Aussprache kam es bei der Beratung der Urbeitsnachweisfrage Einmütig wurde von allen an der Debatte Beteiligten zum Ausdruck gebracht, daß es so wie bisher nicht weiter gehen kann. Für die wieder einge riffenen eunhaltbaren Zustände im Arbeitsnachweiswesen wurden besonders die zuständigen Behörden verantwortlich gemacht. Die lare Behandlung aller die öffentlichen Nachweise betreffenden Wünsche und Beschwerden der Arbeitnehmer durch das Reichsarbeitsministerium, die Reichsarbeitsverwaltung und die ihnen untergeordneten Stellen feien schuld, daß die Arbeitsnachweise nicht fo funktionierten, wie es im Interesse der Stellensuchenden notwendig ist. Diefer unverständlichen Haltung der Behörden sei es auch zuzuschreiben, daß die gewerbsmäßigen Stellenver mittler und die nichtgewerbsmäßigen Vereinsnachweise kleiner Bereine, deren Eristenz nur auf dem Stellenschacher begründet sei, fich heute wieder zum Schaden der Arbeitsuchenden und der Augeeingeit breitmachen. Die Ausplünderung der Arbeitslosen durch die gewerbsmäßigen Stellennermittler stände wieder, wie in der Borkriegszeit, in poller Blüte. Die von den zuständigen Behörden festgesetzten Bermittlungsgebühren würden von den gewerbsmäßigen Stellenvermittlern in den meisten Fällen überschritten. Für fefte Stellen würden von den Vermittlern Gebühren bis 100 Mart und nicht selten noch meit darüber hinaus gefordert. Für und mehr. stellen der vielen fleinen Wintelvereine. Fast ebenso stands shilfsstellen bis 5 Mart es bei den VermittlungsDie Dreiftigkeit, mit der die Stellenvermittler wieder auftreten, rühre daher, daß sie so gut wie nicht von den Aufsichtsbehörden kontrolliert werden. Troß wiederholter Anzeigen gegen nicht genehmigte fogenannte nichtgewerbsmäßige Vereinsstellennachweise werde von den Behörden nicht eingegriffen. Es wurde seinerzeit ein Fall in Chemnih angeführt, wo ein Berein, dem die nachgesuchte Stellenvermittlungserlaubnis abgelehnt morden war, trotzdem sein Bureau eröffnete, ohne daß die Behörde fofort eingriff und den Laden schloß. Biel Schuld trügen aber auch die mit der Arbeitsverteilung beauftragten Arbeitsnachweisbeamten. Sie fühlen sich mehr als Beamte, denn als Betreuer und Berater der Erwerbslofen. Eine weitere Ursache dieser trourigen Zustände feien auch die völlig unzureichenden Räumlichkeiten der Arbeitsnachweise. Manche Warteräume feien in einem solch standalösen Zustande, daß man den Erwerbslosen nicht zumuten kann, fich längere Zeit dort aufzuhalten. Obwohl die Mittel für die Arbeitsnachweise zum größten Teil durch die Erwerbslosenverficherung aufgebracht würden, verweigert die zuständige Behörde oft die kleinsten Beträge zur Berbesserung der Arbeitsnachweiseinrichtungen. Das Resultat der Ausfruache war, daß neben der Aufrecht erhaltung der auf dem Verbandstag in Rassel im Mai 1924 erneut formulierten Forderungen die in den Verwaltungs- und Fachausfüffen fibenden Kollegen beauftragt werden, energischer wie bisher die den Arbeitnehmern nach dem Arbeitsnachweisgesetz zustehenden Rechte wahrzunehmen. Nochmals der nationale" Arbeitsnachweis. Herr Forstaffeffor a. D. Busold, Lübben( N.-L.), Bergstr. 6, fchreibt uns: Erst heute fommin mir eine Notiz in Ihrer Nummer vom 20. August, überschrieben: Arbeitsvermittlung im nationalen Arbeitsnachweis" zur Kenntnis. Dieselbe beschäftigt fich mit der Einstellung von Holz hauern in der Gegend von Cüstrin. Da ich die dortigen Arbeiten im Auftrage der Regierung, als Unternehmer, übernommen habe, liegt mir an einer Klärung der Sachlage, da die von Ihnen gebrachten Angaben nicht den Tatsachen entsprechen. Es ist mir absolut gleichgültig, welcher politischen Bartei die bei mir beschäftigten Arbeiter angehören, fofern sie ihr Fach verstehen und ihre Arbeit in der Art, wie ein tüchtiger Arbeiter sie verrichtet, durchführen. Die angegebenen Lohnfäße von 5 Mark fönnen von fleißigen Arbeitern erreicht werden, da im Afford gearbeitet wird. zu welchem Preise sich für die Arbeiter die Verpflegung stellt, vermag ich nicht zu übersehen, da die Verpflegung lediglia Sache des Arbeitnehmers ist. Es sind neben Hunderten von anderen Arbeitern eine Anzahl Angehörige eines sogenannten nationalen Verbandes beschäftigt worden, doch find dieselben nach ganz furzem Berjuch aus den verschiedensten Gründen restlos entlassen worden. Ihre Notiz vom 20. August ist geeignet, falsche Bilder zu er anserbia. 16 sia Soweit ein Vorwurf gegen den Unternehmer erhoben wurde, bestand er darin, daß für staatliche Arbeiten die Arbeiter auf solchen Winkelnachweisen gesucht werden, anstatt sie von den öffentlichen Arbeitsnachweisen anzufordern. Allein die Zuſchrift des Herrn Forstassessor a. D. gibt uns Beranlassung, feine Auffassungen als Arbeitgeber zu fritisieren. Die Möglichkeit zugegeben, daß ein gut eingearbeiteter Arbeiter im Afford 5 Mart verdienen kann, so darf doch dieser nicht nur fleißiger Lohnfah nicht als Lockmittel benutzt werden, da er sicherlich auch vertraut sind, in der ersten Zeit nicht erreicht werden kann. Gewiß von fleißigen Arbeitern, die mit der Arbeit des Holzfällens nicht ist die Verpflegung Sache des Arbeiters. Wer jedoch Arbeiter von auswärts, insbesondere von Berlin, heranzieht, muß sich als Unternehmer sehr wohl darum fümmern, ob die Arbeiter auch dabei eriftieren fönnen. Jedenfalls dürften nur le bige Arbeiter von auswärts herangeholt werden. Zu den Erfahrungen, die Herr Busold mit den vom ,, nationalen" Arbeitsnachweis vermittelten Arbeitsfräften mit nationalsozialistischer Gesinnung gemacht hat, gratulieren wir ihm. Sie wären ihm erspart geblieben, wenn er sich lediglich an die öffentlichen Arbeitsnachweise gewandt hätte, was hoffentlich nunmehr geschieht. Um jedoch den Arbeitslofen und schließlich sich selber feine unangenehmen Enttäuschungen zu bereiten, ist selbstverständlich, daß über die Arbeitsbedingungen und Existenzmöglichkeiten für auswärtige Arbeiter genaue Angaben Wer staatliche Arbeiten ausführen läßt, übergemacht werden. nimmt damit gewisse Rücksichten, die in diefem Falle bisher offenbar nicht geübt wurden. Gescheiterte Verhandlungen in der chemischen Industrie. Bustard. Als im Mai der Lohntarif, mit einem Stundenlohn von In der chemischen Industrie Groß- Berlins besteht ein tarifloser 48% bis 51 Pf. für Betriebsarbeiter, ablief, lehnten die Unterneh mer jede weitere Lohnerhöhung ab. Die tariflich vorgesehenen Schlichtungsinstanzen versagten, indem fein Schiedsspruch zustande fam. Mehrere Großbetriebe riefen darauf den behördlichen Schlichtungsausschuß Groß- Berlins an. Dieser sprach in feinem Schiedsspruch vom 16. Juli das für die Lohnpolitik der Unternehmer geradezu vernichtende Urteil aus: ,, Mit Rücksicht auf die Notlage, in der sich insbesondere Die verheirateten Arbeiter befinden, wird, ohne den Verhandlungen über eine generelle Lohnregelung vorzugreifen, folgende Sonderregelung getroffen: Von der laufenden Lohnwoche ab erhalten die verheirateten Arbeiter eine Zulage von 2 Mart für die Woche und für jedes Rind außerdem 1 Mark für die Woche." Bei dem bekannten sozialen Verständnis der Arbeitgeber wun derten die Arbeiter sich nicht, daß die Herren diesen Spruch ablehnten. Aus uns unbekannten Gründen hat der staatliche Schlichter die in einem Falle beantragte Verbindlichkeitserklärung abg abgelehnt. Bei einem Streitfall der Spinnstoffabrit Behlena dorf über Lohnerhöhung brachte der Vorfizende eine Wereinbarung dahin zustande, daß die Organisationen nochmals in eine generelle Verhandlung eintraten. Diese Verhandlung fand am 26. August statt, mußte jedoch, da die Unternehmer eine allgemeine Lohnzulage ablehnten, ergebnislos abgebrochen werden. Dem Hinweis der Arbeitnehmer, daß vom Dezember 1923 bis jetzt das allgemeine Lohnniveau in Berlin im Durchschnitt um 13 Pf. geftiegen fei, während in der che mischen Industrie in der entsprechenden Zeit die Löhne nur um 6 Pf. erhöht worden sind, begegneten die Unternehmer mit Hohn. Den Arbeitnehmern der chemischen Industrie muß durch das Verhalten der Unternehmer flar geworden sein, daß die Arbeitgeber gutwillig die jeßigen Hungerlöhne nicht aufbessern werden. Die tommunistischen Phrasen fürchten die Unternehmer nicht. Es gibt für die Arbeiter nur eines: Erringung befferer Löhne durch Kampf! Darum hinein in die Organisation, hinein in den Berbend der Fabritarbeiter! SPD.- Fraktion der Gemeinde- und Staatsarbeiter. In der Fraktions versammlung am Montag abend im Gewerkschaftshaus spricht Dr. Paul Levi, nicht, wie irrtümlich angegeben, Paul Löbe. Baugewertsbund, Fachgruppe Glaser. Von Montag, den 1. September, ab befindet sich der Arbeitsnachweis für Glaser Michaeltirchstr. 29A. Tel.: p. 4382. Die Einschreibung und Vermittlung erfolgt nur in der Beit von 8-10 Uhr vorm. Verantwortlich für Bolitik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friche. Eglorn; Feuilleton: A. S. Disher; Lokales und Gonftiges: Frik Karstadt; Anzeigen: Th. Glace; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruderei und Berlagsanftalt Paul Ginger u. Co.. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Sieran 2 Beilagen. Sale frel for Versammlungen, Sophien- Sale Sophienstr.17 Vereinsiesilichkeiten:-: Norden 0206 Heviten HEVITAN Nährpräparat nach Prof. Dr. Reyher Bewährt bei nervösen Störungen. Appetit und Körpergewicht nehmen zu Wachsiumfördernd bei Kindern und Säuglingen, bewährt bei Ernährungsstörungen derselben. in Apotheken und Drogerien, sonst direkt von der Sarotti- Akt.- Ges, Berlin- Tempelhof. Unsere Kehraus Tage beginnen am 30. August. Der Vielseitigkeit wegen können wir keine Preise angeben. Beachten Sie anilmal die Riesenauswahl unserer Fenster. PROBST FRICH ROMEO SCHUH AG 1924 BERLIN LINKSTR.13. CHAUSSEESTR. 22. Nr.»os» 41. Johrgaag � ��OtQ�Otr t9 Zreitag, 2Y. fiugust IY2» Unbestrafte vorbestrafte. Auf den Groß-Berliner Krinrinalwochen werden tö�ich noch immer eini-g« hundert Personen vernommen, die sich strafbarer Handlungen, insbesondere der verschiedenartigsten Eigenwmsver- gehen, schuldig gemacht haben. Die einen sind auf frischer Tat von den„Grünen" ertappt und zur Wache befördert, die anderen von Kriminalbeamten aus der Wohnung geholt oder zur Verneh- mung bestellt worden. Wohnungsiose Straffällig« werden grund- sätzlich dem PolizeigefSngnis am Alexanderplatz eingeliefert, bei den übrigen ist für die Einiieferung neben der Bedeutung der strafbaren Handlung und hartnäckigem Leugnen vor allem auch die Zahl und Art der Borstrafen maßgebend. Der Gewohnheitsverbrecher kennt diese Praxis natürlich auf das genaueste und hat das stärkste Jnter- esie, die Untersuchungshaft zu verhindern. Er wird daher bei seiner Vernehmung nicht nur die Tat leugnen, solang« man sie ihm nicht beweisen kann, sondern er wird auch auf die kritisch« Frage, ob er vorbestraft ist, seelenruhig mit einem glatten Nein antworten oder, um zunächst den Anschein der Wahrheit zu erwecken und den Beamten zu düpieren, ganz unbedeutende Dergehen zu- geben, selbst wenn er solche.harmlosen Bestrafungen gar nicht auf seinem Konto zu stehen hat. Das Gewicht am Sein. In keinem anderen Lande der Welt werden die Strafrechts- kollisionen des Staatsbürgers so getreulich registriert wie in Pr ßen-Deutschland. Was der längst selige Großpapa in ein« schwachen Stunde tat, wird unter Umständen noch den Kindeskindern unter die Nase gerieben. Man wird durch irgendein großes Er- eignis amnestiert und freut sich der Löschung einer Strafe, wird sie aber trotzdem niemals ganz los, sie hängt dem Unglücklichen gleich einem Gewicht am Bein. Da existieren nämlich auf jeder Revier- wache hübsche Kästchen, die man Personenstandsregister nennt. Und jede Seele im Polizeibezirk erhält mit der ersten faulen Sache, die den buroaukratischen Registri«apporat in Bewegung setzt, neben dem beim Polizeipräsidium lagernden Persvnalaktenstück auch ein „StrosblatT beim Revier, zur leichteren Uebersicht in sehr vielen Fällen noch mit einem Kreuz und anderen geheimnisvollen Zeichen geziert. Ob man sich als polizeilich Angemeldeter in zehn verfchie- denen Schlafstellen oder in dem entlegensten Dortnest verkrümelt— das Personal- und Slrafblatt folgt wie ein Schotten unrettbar nach. Und wenn du amnestiert bist od« das Glück hottest, mit dem ge- fälligen 5j 51 bedacht zu werden(man munkelt, daß diesen Pars. graphen schon einige hunderttausend deutsche Staatsbürger wie einen Talisman am Halse zu hängen Habens, dann wird durch deine Strafe auf dem Strafblatt«in schön« roter Tintenstrich gemacht, aber jeder, der dich spät« wieder einmal unter die Lupe nimmt, kann auf den ersten Blick sehen, was du ausgefresien hattest. Auch der Herr Staatsanwall sieht es, der— auf Ehre— dir daraus keinen Strick dreht. Drum also nutzt alles Abstreiten schließlich doch nichts. Wenn einer die Anklagebank zi«t. liegt sein geschriebenes zweites Zch todsicher auf dem Blchtertifch. Nur ist es das gute Recht des Gewohnheitsverbrech«? und!«des anderen Straffälligen, zu leugnen und zu schwindeln, solang« es ihm Spaß macht, weil zum Sündcnbekenntnis gerade im letzten Augenblick, kurz vor dem Richterspruch und zur Erzielung ein« milderen Strafe, g«ade noch Zeit genug ist. Ueberflüsiige Strafangaben. Bei nicht so ganz wenigen Vernommenen ist das Verschweigen der Vorstrafen«in gewisses Schamgefühl, h«aus-gewachsen. aus der unbestreitbaren Tatsache, daß in den letzten Jahren unend- lich viele Diebstähle aus Not, zum großen Teil auch durch Massen- suggestion charakterschwach« Menschen und unter Verschiebung aller Moralbegriff«, begangen worden sind. Jedenfalls aber stehen fast alle diese Deliquenten unter dem Banne des Gedankens: wozu soll ich selbst dir aus die Nase binden, was du ja aus meinem Strafblatt feststellen kannst und vielleicht schon festgestellt hastl Dabei kam ihnen die Hochflut d« Straftaten, die seit einem Vierteljahre stark im Abflauen ist, sehr zustatten. Die v«nehmenden Beamten waren überlastet, mußten schnell arbeiten, fanden gar nicht mehr die Zeit, alle protokollarischen Angaben gründlich nachzuprüfen. Kürzlich de- rief sich ein Diebstahlsverdächtiger förmlich beleidigt auf sein« tadel- los weiß« Weste. Ein« halbe Stunde späte? wies ihm der Beamte nicht wenig« als vierzehn Vorstrosen, darunter zwei im Zuchthaus v«büßte, nach. Da packte ihn di« Wut:„Wat fragen Se mir denn aus, wenn Se't wissen?" Natürlich ging es nun mit der„braunen Minna" nach dem Polizeipräsidium. Neuerdings ist bestimmt worden, daß jedem Protokoll eines LeschuMgten mied« die Straf- angaben, möglichst sogar mit Aktenzeichen, beizufügen find. Sewährungsfrist für Vorstrafe«. Die Sache hat ab« auch sehr ernste Seiten. Erstlich o«schont das Registrierungssystem selbst solche Leute nicht, die vor Anno Tobak, infolge einer Jugendeselei, entgleist sind und nach vielen Jahren in«inen vielleicht ganz unbegründeten V«dacht hineingezogen werden. Schnurstraks wird die Vergangenheit, wird längst Gesühntes aus den Aktenkulisfen h«vorgeholt. Muß das unbedingt fein? Muß der Fürsorgezögling bis zu seinem Tode ein Fürsorge- zögling, der Vorbestrafte imm« ein Bestraft« bleiben, auch wenn längst Gras üb« dunrme Geschichten gewachsen ist? Hier fehlt das eines freien, auf geistig« Höhe flehenden Staatswesens würdig« Moment des Verzeihens und Vergefsens, das wahrhaft frei« Men- scheu schafft und einen dunklen Punkt aus dem Vorleben gänzlich Die Rebellion. Roman von Joseph Roth. i. (Schluß.) Der Richter verlas den Namen: Andreas Pum, er mur- inelte die Daten, die Konfession, den Geburtsort, den Beruf. Dann erhob er seine Stimme, die tief und weich war, und sagte ein paar Worte, die wie in Samt gehüllt waren. Andreas hatte nur den Klang der Stimme gehört und nicht, was der Richter sagte. Dennoch wußte er, daß man ihn auf- forderte, zu erzählen. Plötzlich entsann er sich, daß er noch die bunten Orden an seiner Brust trug, die ihm Willi gekauft hatte. Er riß sie schnell herunter und behielt sie in der Faust. Gleichzeitig be- merkte er, daß die Wände des Gerichtssaales aus blaßblaueu Kacheln bestanden, ähnlich denen der Toilette im Cas6 Halali. Von der Decke, die unendlich hoch sein mußte, zu der er aber nicht emporzublicken wagte, wehte es kühl und duftend, wie im Sommer aus einem verdunkelten Friseurladen. Er hustete einmal kurz und begann zu sprechen. Er fing mit der Schilderung der Szene auf der Plattform an. Aber der Richter streckte seine lange, schöne Hand aus, die aus den weiten Aermeln der Toga weiß und edel herauswuchs und machte eine abwehrende Bewegung. Zugleich ertönte seine Stimme, weich und dunkel, obwohl er die Lippen gar nicht bewegte. Das schien Andreas sehr wunderbar. Er hatte einmal als Knabe einen Bauchredner gehört. Aber dessen Stimme hatte gröhlend geklungen. Außerdem war ein Richter bestimmt kein Bauchredner. Wie aber war es dennoch mög- lich, daß er mit geschlossenen Lippen klar und rein die Worte sprach: „Andreas, was hast du auf dem Herzen?" Andreas wunderte sich noch mehr über das„Du". Aber plötzlich siel ihm ein, daß er ja ein kleiner Junge war. Er trug kurze Hofen. Er hatte beide Beine und' war barfuß. Seine Knie waren vom letzten Fall auf die Kieselsteine des Schotterhaufens am Flußufer zerschunden, rot und brennend. Er dachte gerade über diese selssame Verwandlung nach, als Musik ertönte. Im ersten Augenblick erinnerte sie an den Leierkasten. Dann aber schwollen die Klänge an, sie rausch- ten. fluteten, sanken wieder in sich zusammen, begannen zu flüstern, entfernten sich und kehrten zurück. Viele Menschen waren im Saal. Sie knieten nieder. Die Kerzen zu beiden Seiten des Kreuzes brannten golden und verbreiteten einen Dust von Weihrauch und Stearin. Da begriff Andreas, daß er tot war und vor dem himm- tischen Richter. Auch war er kein Knabe mehr. Er allein stand im ganzen Saal unter tausend Knienden Er trak einen Schritt vor und stieß die Krücke auf, aber sie verursachte kein Geräusch. Andreas merkte, daß er auf weichen Wolken stand. Er erinnerte sich an die Rede, die er für die irdische Gerichtsverhandlung präpariert hatte. Ein starker Zorn wuchs in ihm, fein Angesicht flammte und seine Seele gebar Worte, zornige, purpurne Worte, tausend, zehntausend, Millio- nen Worte. Nie hatte er sie gehört, gedacht oder gelesen. Tief in ihm hatten sie geschlafen, gebändigt von dem armseligen Verstand, verkümmert unter der grausamen Hülle des Lebens. Jetzt sprossen sie auf und fielen von ihm ab, wie Blüten von einem Baum. Im Hintergrund klang leise und in feierlicher Wehmut die Musik. Andreas hörte sie zugleich mit dem Rauschen seiner eigenen Rede: „Aus meiner frommen Demut bin ich erwacht zu rotem, rebellischem Trotz. Ich möchte dich leugnen, Gott, wenn ich lebendig wäre und nicht vor dir stünde. Da ich dich aber mit meinen Augen sehe und mit meinen Ohren höre, muß ich Böseres tun, als dich leugnen: ich muß dich schmähen! Millionen meinesgleichen zeugst du in deiner fruchtbaren Sinnlosigkeit, sie wachsen auf, gläubig und geduckt, sie leiden Schläge in deinem Namen, sie grüßen Kaiser. Könige und Regierungen in deinem Namen, sie lassen sich von Kugeln eiternde Wunden in die Leiber bohren und von dreikantigen Bajonetten in die Herzen stechen, oder sie schleichen unter dem Joch deiner arbeitsreichen Tage, sonntägliche, saure Feste um- rahmen mit billigem Glanz ihre grausamen Wochen, sie hun- gern und schweigen, ihre Kinder verdorren, ihre Weiber werden falsch und häßlich, Gesetze wuchern wie tückische Schling- pflanzen auf ihren Wegen, ihre Füße verwickeln sich im Ge- strüpp deiner Gebote, sie fallen und flehen zu dir und du hebst sie nicht auf. Deine weißen Hände müßten rot sein, dein steinernes Angesicht verzerrt, dein gerader Leib gekrümmt, wie die Leiber meiner Kameraden mit Rückenmarkschüsien. Andere, die du liebst und nährst, dürfen uns züchtigen und müssen dich nicht einmal preisen. Ihnen erläßt du Gebete und Opfer, Rechtschaffenheit und Demut, damit sie uns betrügen. Wir schleppen die Lasten ihres Reichtums und ihrer Körper, ihrer Sünden und ihrer Strafen, wir nehmen ihnen den Schmerz und die Sühne ab, ihre Schuld und ihre Verbrechen, wir morden uns selbst, sie brauchen es nur zu wünschen: sie wollen Krüppel sehen und wir gehen hin und verlieren unsere Beine aus den Gelenken: sie wollen Blinde sehen und wir lassen uns blenden: sie wollen nicht gehört werden, also werden wir taub: sie allein wollen schmecken und riechen und wir aus d« Welt schafft. Haben wir es heute in der Sirafrechtspflege schon zum System d« Bewährungsfrist gebracht(warm wirft unser neuer Reichsjustizdiktator auch das wieder über Bord?), so ist es «ine logische Folgerung, eine Bewährungsfrist auch für die endgültige Löschung von Borstrafen einzuführen, mindestens für alle weniger bedeutsamen Strafsälle, di« sonst dem Vorbestrasten durch sein ganzes Leben nachlaufen. Vorstrafen verfolgen den Bestrasten, was noch weit ernst« zu nehmen ist, sogar weit üb« den amilichen und gerichtlichen Wirkungskreis hinaus in feinem Erwerbsleben. D« selige Hauptmann von Köpenick, d« zu seinem unsterblichen Geniestreich veranlaßt wurde, weil er als ehemalig« Zuchthäusler verfemt war, ist nur das bekannteste von sehr zahlreiehen Bei- spielen. Wie trostlos es in Wirklichkeit aussieht und wie so mancher Entgleiste wegen d« Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, bald wieder Arbeit zu finden, in die V«brecherlausbahn geradezu hineingetrie- den wird, erfährt die große Oeffentlichkeit nicht. Die deutschen Rich- ter wissen es, d« Staat weiß es auch. Getan wird so gut wie nichts, diesem Krebsschaden durch einen sozusagen pädagogischen Verbrecherabbau energisch zuleide zu gehen. Es gibt zahlreich« Firmen, kleine und große, die auf Geheiß ihr« Verbände jeden im Betriebe auf einer größeren Unehrlichkeit ertappten Sünder bei der Verbandsleitung„anmelden". Hi« wird eine schwarze Liste ge- führt, deren Einsicht allen Verbandsmitgliedern freisteht. Also auch da wirkt sich die Registrteruna zu einem lebenslänglichen Damoklosschwert aus. W« in d« Liste steht, ist verfemt, ist für seine Branche«werbstot, wenn er nicht«inen Arbeitgeber findet, der keine Erkundigung einzieht. Gewiß ist es verständlich, w«m em Chef möglichen Verlusten vorzubeugen sucht. * Man soll nicht systematisch dem Gestrauchelten den Faden der Besserung mit d« Absicht zu ehrlicher Arbeit abschneiden. Viele brüchige Existenzen könnten wieder zu festem Halt gebracht w«d«n, wenn man sich mehr dazu erziehen wollte, alles Menschliche mensch- lich« zu beurteilen, jed« Entgleisung ans den Grund d« sozialen Verhältniffe zu gehen und Gescheiterte emporzuziehen, anstatt sie wie Parias abzustoßen. Straußenrennen. Mit den Stierkämpfen ist es Gott ssi Dank nichts geworden in Berlin. Nun will man es mit Straußenrennen versuchen, und bereits am nächsten Sonntag wird, wie wir mitgeteilt haben, das erste Rennen vonstatten gehen. Aus Sensation, neuestes, allerneueftes— denn Straußenrennen sind noch niemals in Europa gezeigt wor- den— geht man auch hter aus. Ab« hi« hat man es nicht, das muß cm«kannt und betont werden, mit Roheit und dem Reiz auf medrige Instinkte zu tun? Es handelt sich hierbei auch um int«- essante Experimente der Tierdressur. Franca Meloni hat die Ti«e dressiert und trainiert: m Wien hat sich ein Konsorttum zur Veranstaltung von Straußenrennen gebildet und in Berlin wird die Premter« stattfinden, der am Sonntag in acht Tagen sin zweites Rennen folgen soll. Dann beobsichttgt man, in London, m Paris und m Wien d«arttg« Rennen zu veranstalten. Für diese Rennnen sind 22 Strauß« dressiert und trainiert, die sich im Alt« von 3 bis 5 Iahren befinden. In Berlin wird man aber rmr 10 Strauße am Start sehen, da die übrigen zwölf sich noch ans dem Transport befinden. Dieses erste Rennen wird denn auch mehr den Charakter ein« Tierschau, als den Stempel des Sports tragen. Hier werden zunächst noch die Reiter und Jockeys auf den Tieren fehlen, die m Südafrika bei den Straußenrennen eine große Rolle spielen. In Berlin werden die Tiere beim Rennen vor zwei- rädrige Wagen gespannt, sogenannte Julkys, wie man sie von den Trabrennen keimt, der Fahr« steigt ans, d« Start« gibt das Zeichen und los geht es. Sie werden auf die lange Reis« geschickt, wie d« routinierte Sportb«ichterstatt« sagt. Die Rennen gehen üb« die Entfernung von 1200 bis 3000 Meter, und in jedem Rennen w«den voraussichtlich drei Strauße starten. Um den Tag nun ein wenig abwechselungsreicher zu gestalten, werden daneben noch Pferderennen veranstaltet, aber in besonderer und eigen- artig« Form. Man hat zurückgegriffen auf die Rennen im alten Rom und Griechenland, und wird auch in Berlin die alten vier- rädrigen Wogen, die Quadriga, und die zweirädrigen Karren, die schleudern Granaten gegen unsere Nasen und Münder; sie allein wollen essen und wir mahlen das Mehl. Du aber bist vorhanden und rührst dich nicht? Gegen dich rebelliere ich, nicht gegen jene. Du bist schuldig, nicht deine Schergen. Hast du Millionen Welten und weißt dir keinen Rat? Wie ohn- mächtig ist deine Allmacht! Hast du Milliarden Geschäfte und irrst dich in den einzelnen? Was bist du für ein Gott! Ist deine Grausamkeit Weisheit, die wir nicht verstehen,— wie mangelhaft hast du uns geschaffen! Müssen wir leiden, wes- halb leiden wir nicht alle gleich? Hast du nicht genug Segen für alle, so verteile ihn gerecht! Bin ich ein Sünder— ich wollte Gutes tun! Weshalb ließest du mich die kleinen Vögel nicht füttern? Nährst du sie selbst, dann nährst du sie schlecht. Ach, ich wollte, ich könnte dich noch leugnen. Du aber bist da. Einzig, allmächtig, unerbittlich, die höchste Instanz, ewig — und es ist keine Hoffnung, daß dich Strafe trifft, daß dich der Tod zu einer Wolke zerbläst, daß dein Herz erwacht. Ich will deine Gnade nicht! Schick mich in die Hölle!" Die letzten Sätze hatte Andreas nach einer unbekannten fremden, wunderbaren Melodie gesungen. Immer noch klang die Musik wie ein Orchester aus tausend Seufzern. Da hob der Richter die Hand und seine Stimme tönte: „Willst du ein Diener im Museum sein, oder Wächter in einem grünen Park oder einen kleinen Tabakverschleiß an der Straßenecke haben?" „Ich will in die Hölle!" antwortete Andreas. Da war auf einmal Muli, der kleine Esel, neben Andreas und führte den Leierkasten, aus dem Töne drangen, obwohl die Kurbel nicht bewegt wurde. Der Papagei Ignatz stand auf Andreas' Schulter. Der Richter erhob sich, er wurde groß und größer, sein graues Angesicht begann weiß zu leuchten, seine roten Lippen öffnetSfi sich und lächelten. Andreas be- gann zu weinen. Er wußte nicht, ob er im Himmel oder in der Hölle war. Man sperrte die Herrentoilette im Cafe Halali und ließ die Herren in die Damenabteilung für diesen Abend. Nach- dem sich alle Gäste entfernt hatten, schaffte man die Leiche Andreas Pums weg. Sie kam nach einigen Tagen, weil gerade Leichenmangel war und obwohl sie nur ein Bein hatte, ins Anatomische Institut und erhielt, dank einem geheimnis- vollen Zufall, die Nummer 73, dieselbe, die der Häftling Andreas getragen hatte. Ehe man die Leiche in den Sezier- saal trug, kam Willi, um Abschied zu nehmen. Er wollte gerade anfemgen zu weinen. Da fiel ihm schnell das Lied ein, das er immer zu pfeifen pflegte. Und pfeisevd ging« einen Greis für die Toilette suchm, Biga, auf die Bahn bringen. Die Wagen werden gelentt von itafie| au 3 Monaten Gefängnis und Alberkennung der Amtsbefähigung nischen Fahrern. Dabei wird man interessante Beobachtungen machen auf 3 Jahre. fönnen über den Unterschied in der Geschwindigkeit zwischen Strauß und Pferd. Später foll Wettlaufen zwischen Pferden und Straußen stattfinden, um genaue Messungen der Leistungsfähigkeiten vornehmen zu können. Für die Unentwegten, für die es ohne Wetten feine Rennen gibt, sei mitgeteilt, daß man am Sonntag zwar feine offiziellen Buchmacher und feine richtig gehenden Totalisator antreffen, daß man aber trotzdem wird Wetten abschließen können. Nochmals:„ Lieb" muß fie fein. Wir berichteten dieser Tage über eine Verhandlung beim Kaufmannsgericht, in welcher die Klage einer Kontoristin H. gegen ihren Chef auf 3ahlung eines Monatsgehaltes verhandelt wurde. Die Klägerin hatte ihre Stellung verlassen, weil ihr vom Beklagten unfittliche Anträge gestellt worden waren. Gegen denselben Herrn Schneider richtete sich die Klage der Nachfolgerin des Fräulein H., einer Kontoristin 2., die ebenfalls von ihm attackiert worden war. Auch in diesem Falle hatte nach Angabe der Klägerin Der Herr Chef sie zu tüssen versucht, ihr versprochen, mit ihr auszugehen und auch sonst die Erfüllung aller Wünsche zugesagt, wenn fie ihm zu Willen sei. Als die Klägerin daraufhin ihr Dienstverhältnis löfte, zahlte ihr Sch. nur einen Teilbetrag des Gehaltes; da stand, gab ihr der Beklagte stattdessen eine Ohrfeige. Vor dem Kaufmannsgericht bestritt Sch. auch diesmal wieder alles. Es kam beinahe so heraus, daß er noch der Geschädigte bei der Sache ist. Der Beklagte bestritt auch, daß die Klägerin überhaupt in einem Anstellungsverhältnis mit ihm gestanden habe. Unter diesen Umständen wurde ein Kammertermin anberaumt, bei dent dann wohl der Bo flagte wegen feiner Unglaubwürdigkeit kaum zur eidlichen Bekräftigung seiner Aussagen herangezogen werden dürfte. Aus den Krawallen im Scheunenviertel. Ein Mihhandlungsprozeß gegen Schuhpolizeibamte. Die wisten Lumulte, die am 5. November 1923 sich im Scheunemviertel ereignen und bei denen Läden jüdischer Geschäftsaber die Klägerin auf Auszahlung des ganzen Monatsgehaltes beleute geplündert und Juden auf offener Straße beraubt wurden, hatten gestern ein Nachspiel vor Gericht. An jenem Lage war ein Trupp von Mitgliedern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten mit Gummifnüppeln und Revolvern bewaffnet in das Scheunenviertel geeilt, um die be drobten Juden zuschügen. Sie wurden aber selber von den Tumultuanten bedrängt, und es fiel schließlich ein Schuß, der einen Mann aus der Menge tref und tötete. Wer den Schuß abgegeben hat, ist niemals festzustellen gewesen. Aber aus der Menge wurde der im Lastauto anrüdenden Bolizei sugerufen:„ Die Juden haben geschossen!" und die zu dem Trupp gehörenden Juden wurden dann festgenommen. Beim Transport zur Polizeitejerne und nachher auch auf dem Rafernenhef wurden die Verhaf teten von Polizeibeamten beschimpft und mißhandelt. Die später gegen die jüdischen Frontsoldaten erhobene Anklage, eieren bewaffneten Haufen gebildet zu haben, endete mit Freisprechung, weil sie in Notwehr ihren bedrängten Giaubensgenossen zu Hilfe gekommen feien. Anflage wurde aber gegen fünf Polizeibeamte erhoben, sie von den Berhafteten beschuldigt wurde, sich an den Beschimpfungen und Mißhandlungen beteiligt zu haben. " Bor dem großen Schöffengericht Berlin- Mitte hatien fich gestern zu verantworten wegen Mihhandlung die Polizeiwachtmeister Bunte und Marzinkewig( ber gleichfalls angeklagte Bolizeiwachtmeister Schreiber war nicht erschienen) und wegen Beleidigung der Polizeioberwachtmeister Domei und der Polizeihauptmann Dubbe. Als Nebenkläger waren zwei der Mißhandelten zug laffen, Dr. Bernhardt und Hübner. Alle Angeklagten bestritten die ihnen zur Left gelegten Straftaten und versicherten, ouch von anderen Beaniten feine Mißhandlung und Beschimpfung der Berhafteten gemerkt zu haben. Dagegen befundeten die acht damals perhafteten Juden, daß sie während der Fahrt im Auto der Polizei aufs gröbste beschimpft und von fast allen mitfahrenden Beemten mit Faust hieben, Kolbenstößen und Fußtritten mißhandelt worden seien. Dr. Bernhardt, per Führer des Trupps jüdischer Frontsoldaten, erlitt bei den Miß handlungen einen Fingerbruch. Auch aus der Menge wurde gerufen: Schlagt die Juden tot!" Boreuf ein Beamter geantwortet haben soll: Schlagt zu! Ich sehe nichts." Nach der Ankunft auf Sem& ajernenhof in der Alexanderstraße wurden die Berhaf teten, so befunden sie weiter, von Bolizeibeamten beschimpit, dre Judenbende müsse man an die Wand stellen, aufhängen, totfchlagen. Selbst Hauptmann Dubbe soll sich fo ähnlich geäußert haben. Sie mußten die Hände hod) halien, wurDen nach Beffen durchsucht, erhielten dabei Fußtritte. Auf dem Transport zur Bernehmung wurden einige nochmals mit Fauft hieben, Kolbenstößen und Fußtritten mißhandelt. Wachtmeister Fußtritten mißhandelt. Wachtmeister Bunte foll sich bei den Mißhandlungen besonders hervorgetan haben. Einer der Mißhandelten erwähnte vor Gericht, daß aus seiner ihm von einem Beamten abgenommenen Brieftasche ein Betrag entwendet worden und ihm auch seine Uhr abhanden gekommen fei. Finem anderen wurde in der Rojerne von einem Beamten das E.- R.- Band aus dem Knopfloch genommen mit den Worten: Juden brauchen das E.-K. Band nicht zu tragen." Zwei nichtjüdische Bersonen, die bei der Festnahme der Juden sich als Zeugen gemeldet hatten und auf dem Bolizeiauto mit zur Kaserne gefahren waren, bestätigten vor Gericht die von ihnen während der Fahrt beobachteten Mißhandlungen. Zur Sprache tam auch, daß einer dieser Zeugen von einem Beamten, der sich Domei nannte ( aber von dem Zeugen nicht sicher in dem Angeklagten Domei wieder. erfannt wird), in feiner Wohnung aufgesucht wurde. Der Besucher habe ihm gesagt:„ Sie wissen doch Bescheid! Wir werden die Sache schon deifeln." Domei bestritt sehr entschieden, einen solchen Besuch gemacht zu haben. Sieben als Zeugen pernommene Polizeibeamte erklärten, teine Mißhandlungen gesehen zu haben, und die meisten wußten auch von Beschimpfungen nichts. Der Staatsanwalt jah als erwiesen an, daß die Verhafteten beschimpft und schwer mißhandelt worden feien, obwohl sie bei der Festnahme keinen Widerstand geleistet hatten, Die Straftatent seien teils aus Bosheit, teils aus Antisemitismus zu erfären. Schußpolizisten, die sich zu Mißhandlungen hinreißen lassen und dadurch das Vertrauen zum Staat untergraben, eien jireng zu bestrafen. Er beantragte, wegen Mißhandlung m Amt. Bunte zu 9 Monaten Gefängnis inid Marzinkemiz zu 6 Mo= naten Gefängnis und beide auf 3 Jahre zum Berlust der Befähigung zur Bekleidung eines öffentlichen Anites, wegen Beleidigung Domei au 1 Woche Gefängnis und Dubbe zu 100 Mart Geldstrafe zu verurteilen. Die Verteidiger hielten die Beweise für nicht ausreichend und beantragten Freisprechung für alle Angeklagten. Das Gericht tam zur Freisprechung für Dubbe und Marzintewig. weil gegen sie nur die Aussage je eines Zeugen sprach. Einer fönne fich irren, wenn auch der gute Glaube nicht angezweifelt werden jolle. Verurteilt wurden Domei wegen Beleidigung zu 200 Mart Geldstrafe und Bunte wegen fortgesetter Mißhandlungen DIE Zirkus Krone in Berlin. Auf dem Erer" an der Schönhauser Allee ist jetzt der 3irfus Krone eingetroffen und hat mit seinem Drum und Dran an zahmen und wilden Tieren so ziemlich die ganze Gegend mit Beschlag belegt. Es erhebt sich dort ein mächtiges Zirkuszelt, das nach amerikanischem Muster nicht weniger als drei Manegen die Tiere beherbergen. Im ganzen handelt es sich um etwa 300 enthält, woran sich endlose Beltgänge schließen, die die Ställe für Bierfüßler aller Art, vom Elefanter bis zum Pferd. Solch ein moderner Zirkus- Tiere- Wanderpart bedarf natürlich einiger Zeit zum Aufstellen. Und so bietet sich im Augenblick zwischen Sand und fahlen Grasnarben noch ein vielversprechendes Durcheinander, aus dem erst bei der heutigen Eröffnungsvorstellung etwas werden foll. In den umliegenden Straßen bewundert man die ziehenden Gruppen von Elefanten, Kamelen und Zirkuswagen, und harrt der ohne Zweifel erfreulichen Dinge, die da noch fommen sollen. An einem Abend werden in drei Manegen 85 3irgenfische Nummern gespielt genug für den Anspruchsvollsten. Ein Eifersuchtsaffenfat. Der Schlächter Walter Rosch wit, Güngelstr. 47, wurde gestern abend von dem Schlächter Henschel, Wilhelmsaue wohnhaft, aus Eifersucht erschossen. Frau Henschel befand sich in dem Geschäft des Koschwitz in der Günzelstraße und wurde dort von ihrem Mann überrascht, der den Schlächter sofort über den Haufen schoß. Ein Schuß traf in den Hals, worauf der Angefchofiene tot aufammenbradh. Darauf schoß der Ehemann auf seine Frau, die in das Krankenhaus transportiert wurde. Der Täter wurde verhaftet. In der Treptow- Sternwarte finden folgende Beranstaltungen statt: Gonn tag, 31. Auquit, 4, 6 und 8 Uhr: Die Beſteigung des Mount Everest". ( Indische Märchenwelt Tibetanisdes Klosterleben. Film.) Dienstag, 2. September, 8 Uhr: Gibt es ein Leben auf dem Mars?"( Vortrag mit Lichtbildern von Direktor Dr. Archenhold.) Mittwoch, 3. September, 8 Uhr: ,, Mit Auto und Rameva awisen afrikanischem Großwild."( Film.) Sonnabend, 6. September, 8 Uhr: Rampf mit dem Berge.( In Sturm und Eis, Film.) Beobachtung mit dem großen Fernrohr: Täglich von 2-6 Uhr Sonne, falls Flecken zu sehen sind, sonst von 3-9 Uhr Figstern Arktur. Von 29 bis 11 Uhr wird den Besuchern allabendlich der Mars gezeigt. Die Straßenbahn verkehrt bis 12% Uhr. Führungen durch das aftronomische Museum täglich von 10 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends. N Die Verwundeten der Aarbic". Die Zahl der auf dem Post dampfer Arabic" infolge des Difans Berwundeten beläuft sich nach einer New Yorker Meldung auf 52, darunter 35 Passagiere. Sieben Verletzte wurden in das Hospital eingeliefert. Der gleichfalls der White- Star- Linie angehörende Dampfer Homeric" wurde ebenfalls durch den Drlan beschädigt. Die Zahl der Berlegten auf diesem Dampfer beträgt acht. Andere Schiffe find ebenfalls beschädigt worden. Weffer für Berlin und Umgegend. Nach kurzer Aufheiterung wieder Trübung mit Regenfällen und etwas wärmer bei auffrischenden südwest lichen Winden. Für Deutschland, Südostwärts fortschreitende neue Regenfälle. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 29. August. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse, Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Friedrich Schwerdfeger: Goethes Haushalt". 8.10 Uhr abends: Vortrag des Herrn Lombardino: Automobilsport". 9-10 Uhr abends: Konzert. 1. Ballade G- moll für Klavier, Chopin. Hans Beer. 2. Wachet auf( Cantate) Franz Tunder( um 1600). Hans Hermann Nissen( Große Volksoper, Berlin). 3. I. und III. Satz aus dem Konzert für Flöte, Mozart. Friedrich Thomas, Soloflötist des Berliner Philharmon. Orchesters. 4. a) Der Tod und das Mädchen, Schubert, b) Im Abendrot, Schubert, c) Rastlose Liebe, Schubert. Konzertsängerin Pauline Dobert. 5. Ballade für Klavier, Brahms. Hans Beer. 6. a) Feldeinsamkeit, Brahms, b) Sapphische Ode, Brahms, c) Ständchen, Brahmis. Konzertsängerin Pauline Dobert. 7, a) Serenade, Haydn, b) Bravourwalzer, Fuhrmeister. Friedrich Thomas, Soloflötist des Berliner Philharmonischen Orchesters. 8. An die Musik, Schubert, b) Dem Unendlichen, Schubert. Hans Hermann Nissen ( Große Volksoper, Berlin). Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der nenesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. G Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik sind Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 15. Rreis. Sonnabend, den 30. August, abends 7 Uhr, im Lokal Borgmann, Baumschulenweg, Baumschuleuftr. 89. Versammlung der Bildungsaus fchiffe bes gesamten Rreifes, sowie der Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt, der Kinderfreunde, der Jugend und sämtlicher Funktionäre der Partei, aller in der Kunstgemeinde und der öffentlichen Wohlfahrt der Gemeinde Tagestätigen und sonst interessierten Genossen und Genossinnen. ordnung: Die Kulturbestrebungen, insbesondere die Bildungsbestrebungen in der Partei." Referent: Ein Vertreter des Parteivorstandes. Gämt liche Abteilungen müffen vertreten fein. Jungsozialistische Gruppe Rorben. Heute, Freitag, Ledigenheim, Orthstraße, Lese- und Ausspracheabend. Adolf Hoffmann: Episoden und zwischen rufe." Der Treffpunkt zur Fahrt ist morgen abend 6 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen, Eingang Badstraße. Beteiligung an der Lassalle- Feieu des AAB. im Nuthetal. Morgen, Sonnabend, den 30. August. 37. Abt. 2 Uhr Frauenausflug nach dem Fürsten Wolfgang"( Sungriger Wolf). Treffpunkt 2 Uhr Sausburgstraße, Ede Landsberger Allee( Bich hofsmauer). Gäste willkommen, Uebermorgen, Sonntag, den 31. Auguft. 3. Abt. Ausflug mit Frauen und Kindern nach der Königsheide. Treffe punkt vorm. 40 Uhr am Bahnhof Baumschulenweg. Nachzilgler fahren mit der Bahn oder Straßenbahn bis Baumschulenweg. Dann die BaumDort links die Treppe schulenstraße entlang bis zum Teltowkanal. hinunter. Durchgang zum Waldspielplag beim Restaurant Waldesgrund". Dortselbst Unterhaltungsspiele, Mundvorrat ist mitzubringen. Raffeetochen ab 2 Uhr. Rüdmarsch 6 Uhr. 82. Abt. Steglig. Genossen und Parteifreunde, die an der Bannerweihe der 84 Abt, Lantwig teilnehmen, treffen fich um 3 Uhr Ring-, Ede Afbrechtstraße. Jugendveranstaltungen. Heute, Freitag, abends 8 Uhr. Frankfurter Biertel: Jugendheim, Tilsiter Str. 4/5, Literarischer Abend. Obrigkeitsstaat." Friebenau: Jugendheim, Offenbacher Str. 5a, Bortrag: Boltsstaat Moabit I: Jugendheim, Waldenser Straße, Bortvag:„ Geschichtliche Entwicklung der Sozialdemokratie. Nord- Ost 1: Jugendheim, Georgentirdyftr. 2, Bortvag: Gerualität der Jugend als Erscheinung und Nord- Oft II: Jugendheim, Danziger Str. 23, Vortrag: Berden Lösung." und Bergehen im Weltall." Ricberschönhausen: Jugendheim, Blankenburger Reuföln II: Jugendheim, NogatStr. 70, Vortrag: Jugend und Bartei." Schöneberg I: JugendStraße 53, Bortrag: Jugend und feguelle Fragen." heim, Frankenstr. 10. Vortrag: Seguelle Fragen." Rofenthaler Borstadt: Landgemeindehaus, Sophienstr. 23, Vortrag: Sozialistische Lebensführung. Süd- Ost. Görligere Biertel: Vorstandssigung bei Dör," Oppelner Str. 13. Süd- Ost, Köpenider Biertel: Jugendheim, Mariannenufer la, v. 1 St. Bortrag: Die Entstehung der Zeitung." Weften: Jugendheim, AurefürstenBurschenabend. Mädchenabend. ftraße 141, Bortrag:„ Radio." Arbeitersport. Freie Schwimmer Reukölln. Am Sonnabend, den 30. Auguft, abends 8 Uhr, findet im Lotal von Tripau, Marefchstr. 14, unfere Monatsverfammlung statt. Erscheinen aller Mitglieder iſt Pflicht. Freie Schwimmer Charlottenburg 04, E. B. Ranu- und Segel- Abteilung. Sigung am Freitag, 29, August, 7 Uhr, bei Bohne, Schloßstr. 45. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Gäfte herzlich will fommen. Der Neuköllner Arbeiter- Schachklub spielt jeden Dienstag Boddinste. 18 bei Benthin, abends 7 Uhr. Jugendabteilung: Schierteste. 44( Jugendheim), Donnerstag 7 Uhr. Dafelbst Unterricht und Teilnahme für jedermann frei. Freie Turnerschaft, Wilmersdorf. Morgen, Sonnabend, nachmittags ab 5% Uhr auf dem Bereinsturnolag in der Württembergischen Straße: Fußballund Sodenspiel. Nachdem Einweihung des neuen Vereinsheimes mit gefelligem Beisammensein( Wurstelsen). Borbestellungen bis heute, Freitag, auf dem Blag Gäste willkommen. Das Kinderturnen findet ab nächster Boche an den üblichen Abenden wieder in den Turnhallen statt. Die Turnabteilungen lommen Dienstag nach dem Turnen zur Versammlung im Turnerheim. Beginn 9½ Uhr. 3. Sport. Rennen zu Karlshorst am Donnerstag, den 28. Auguft. Schnudi II( A. Gröschel). 1. Rennen. 1. Sankt Martin( Saager), 2. Reichard( Schwark), Toto: 31: 10. Play: 15, 105, 14: 10. Ferner liefen: Murtchen, Gnädigste, Driolan II, Noprina, Stefrosza, Blanschwarz, Ma Berthe. 2. Rennen. 1. Rüdgrat( Schuller), 2. Terefina( Streit), 3. Schirmherr( Dertel). Toto: 21: 10. Play: 14, 32: 10. Ferner liefen: Sydow, Pennemäßchen. 3. Rennent. 1. felberg( b. Edartsberg), 2. Miratel( Schniker), 3. Hella, gef.( Haferkorn). Toto: 12: 10. Drei liefen. 4. Renne it. 1. Dentstein( P. Lewidi), 2. Jlsenstein( Bismark), 3. Berifles( Dertel). Toto: 44: 10. Plat: 29, 23: 10. Ferner liefen: Rubel, Lebenswonne, Gigerl. 5. Rennen. 1. Pythia( Zimmermann), 2. Parfival( D. Müller), 3. Firn(. Kasper). Toto: 16: 10. Plat: 10, 11, 11: 10. Ferner liejen: Gonoza Gora, Torquato, Straßburg, Ama. 6. Rennen. 1. Röschen( v. Pelzer), 2. Rappeltopf( v. Edertsberg), 3. Ahasver( v. Falkhayn). Toto: 14:10. Plak: 10, 13: 10. Ferner lief: Sham Dich. 7. Rennen, 1. Labrador( Bismark), 2. Mitterwurzer( Dertel), 3. Solo( Streit). Toto: 21: 10. Blat: 13, 15, 17: 10. Ferner liefen: Oddrun, Rößling, Prinz Starneval, Hermy, Maimond, Adria, Hingebung. Das erste 100- kilometer- Rennen in einem Lauf in dieser Saison bringt am fommenden Sonntag dte auf der DIympiabahn stattfindende Wiederholung der Deutschen Steher- Meisterschaft. Da in Berlin feit langer Beit nicht mehr die Meisterschaft ansgefahren wurde, sieht man diesem Hennen mit ganz besonderem Interesse entgegen. Der neue Meisterfahrer Karl Saloow, der Meisterfahrer von 1923 Jean Rosellen, sowie auch die übrigen drei Teilnehmer des Endlaufs: Walter Sawall, Start Wittig und Paul Thomas sind zu dem Rennen verpflichtet. Heute erfcheint der große Schlager Paprika die neue fatirilche Wochenfchrift. Preis 30 Pfennig. 8u haben bei allen Zeitungshändlern. PREMIERE UNSERER GROSSEN Fritzi Massary msd ZIGARETTE 3 S INFOLGE IHRER HERVORRAGENDEN QUALITÄT EINE SENSATION Verbandstag der Schuhmacher. Leipzig, 28. Auguft. tommen, fo wird die Erstattung fo geregelt werben, baß den deutschen Ausfuhrhändlern die weitere Lieferung nach England mög. lich bleibt. In der Mittwochsizung wies zunächst Simon ein Gerücht Wie der Export geschädigt wird, ohne daß dazu eine Notwendigder bürgerlichen Presse, nach dem der Zentralverband der Schuh feit vorliegt, dafür bringt der Konfettionär" jest wieder ein Beimacher Großattionär der Vereinigten Fränkischen Schuhfabrit fei, spiel: Von ausländischen Exporteuren wird häufig in den verzurüd. Dann stellte Steiner, der Vorsitzende des Verbands fchiedensten Branchen darüber Klage geführt, daß die in Deutschland ausschusses, fest, daß der Ausschuß niemals bei seinen Handlungen bestellten Waren nicht immer den bei der Bestellung vorgelegten nach der Parteizugehörigkeit gefragt habe, sondern nur dort ein Mustern entsprechen. Es liegt z. B. ein dieser Tage aus Litauen gegriffen hat, wo verbandsschädigende Handlungen eingetroffener Bericht des Lertilwaren- Berbandes in torlagen. Romno por, in dem die dortigen Konfektionäre sich beklagen, daß Eine Entschließung über die parteipolitische Unab von deutschen Reisender Konfektionsware nach must er hängigkeit des Berbandes wurde mit 57 gegen 26 Stim- verkauft worden fei, die sich bei der Lieferung nicht mit der men angenommen. Eine fommunistische Entschließung, Boriage dedi. Infolgebessen soll die Kownoer Kaufmannschaft, die die Haltung und Tätigkeit des Zentralvorstandes mißbilligte und die augenblidlich, insbesondere in der Tegtilbranche, in einer außer eine Reihe kommunistischer Forderungen enthielt, wird mit großerordentlich großen Krisis sich befindet, vielfach nicht in der Lage sein, Mehrheit durch llebergang zur Tagesordnung er- minderwertige are abzusehen. Nichts wäre natürlich ledigt. Dem Verbandsvorsitzenden Simon wurde ein Ber- falscher, als den zweifellosen Mißstand beim Exportgeschäft zu vertrauensvotum ausgesprochen. Angenommen wurde ferner allgemeinern, denn im allgemeinen läßt sich erfreulicherweise festeine Entschließung für die Fortführung der Sozialpolitik und gegen stellen, daß die Qualität der deutschen Exportware im vollen Umdie Zollpläne der Reichsregierung, sowie eine Resolution für den fange wiedergelehrt ist und auf dem Auslandsmarkte beifällig aufAchtstundentag. genommen wurde. Aber gerade darum mag der Hinweis wiederholt werden, auf die mustergetreue Lieferung bestellter Exportware größeren Wert zu legen. Simon sprach hierauf über den Reichstarif für das Schuh. machergewerbe. An sein Referat schloß sich eine ausführliche Disfussion, in der die tommunistischen Redner neue Angriffe gegen den Berbandsvorstand richteten. Wirtschaft Die Berliner Handelsgesellschaft legt als erste der deutschen Großbanken ihre Goldbilanz vor. Baffiva und Aftiva gleichen fich it 59 949 912,17 M. aus. Die Kommanditanteile werden bei einem nens Rapital Don 22 000 000 und 5 000 000 Reserven von 1000 m. auf 200 M., alfo im Verhältnis von 5: 1 zusammengelegt. Bei der Handelsgesellschaft tommt dieses Verhältnis um so überraschender, als diese Bant feit 1913 ihr Kapital nicht erhöht hat. Ihre Anteile galten als Goldpapier. Jedoch ist, vorausgefeßt, daß die Bufammenlegung den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, das Ergebnis nicht auf andere Banten zu übertragen. Die Geschäftsprinzipien der Handelsgesellschaft hielten die Bant vielfach von Ge schäften fern, die der„ Erhaltung der Substanz" dienten, so daß für die anderen Großbanten im allgemeinen das zutrifft, was fie noch vor turzem selbst behaupteten: Wir haben unsere Substanz gewahrt. Im übrigen ist die Bewertung des Goldvermögens der Handelsgesellschaft sehr vorsichtig erfolgt. Die beschlagnahmten amerikanischen Aktiven, über die die Bant aller Borausficht nach bald wieder verfügen fönnen wird, werden z. B. nicht aufgeführt und die Gebäude usw. find sehr zurückhaltend bewerbet worden. Wirtschaftspolizei und Wirtschaftsförderung? Das Reichswirtschaftsministerium hat sich angesichts der schlimmen Wirtschaftskrise zu Erhebungen zum Teil statistischer Art veranlaßt gesehen, um die Ursachen der Krise festzustellen. Biel erörtert wurden die Textil- und Lederenqueten, die ja recht weite Kreise interessiert haben. Der Zweck der llebung war, einwandfreies Material zu bekommen, um wirtschaftspolitische Maßnahmen gegen die Wirtschaftsübel zu treffen. Das Borgehen liegt also durchaus im Interesse der Wirtschaft. Wenn diese oder jene Erhebung auch nicht den beabsichtigten Erfolg gehabt hat, wie z. B. die Textilenquete, so tom man doch in Besik von äußerst wertvollem Material, das erst die Anordnung von Maßnahmen ermöglicht, um die Uebel abzustellen. Vor allen Dingen gibt diese Tätigkeit weiten Kreisen das beruhigende Gefühl, daß gearbeitet wird, um in der Wirtschaftslage, soweit das mit solchen Mitteln eben möglich ist, Erleichte. rung zu schaffen. Was das für den sozialen Frieden bedeutet, braucht wohl nicht näher dargelegt zu werden. Erklärlich ist es aber, daß jene Kreise sich durch diese Tätigkeit des Wirtschaftsministeriums„ belästigt und geniert" fühlen, bei denen Berschiedenes eben nicht stimmt. Es kommen gewöhnlich Fälle in Frage, wo ein nicht angemessener Preis gefordert oder durch Vereinigungen der Preis künstlich hochgetrieben und über fegt gehalten wird. Hier ist es selbstverständlich Pflicht des Wirtschaftsministeriums, sobald der Verdacht solcher Machenschaften auftaucht, einzugreifen. Ihm erwächst die meitere Pflicht, fich nicht mit dem Material zu begnügen, das von Intereffenten so vorgetragen wird, daß kein Schaden" entstehen fann. Will das Wirtschaftsministerium seiner Aufgabe nachkommen, dann hat es eben die Aufgabe zu erfüllen, fich möglichst an Ort und Stelle und unparteiisch ein Bild von den tatsächlichen Verhältnissen zu machen. Es kann dieses auf Grund der Austunftspflicht. 11 Das geschilderte Vorgehen des Ministeriums hat bis jetzt gute Erfolge zu verzeichnen, deshalb ist diese Tätigkeit den Interessenten ein Dorn im Auge. Der Sturm richtet sich besonders gegen die Auskunftspflicht. Seit Wochen bringen die Fachzeitschriften wütende Angriffe auf das Ministerium. Bor uns liegt die letzte Nummer der ,, Textil Zeitung", beren Leitartikel unter der Ueberschrift ,, Wirtschaftspolizei und Wirtschaftsförderung" über zwei Spalten eine heftige Attade gegen das Wirtschaftsministerium ist, und zwar wird das wahre Bild dahin verzerrt, als ob unsere Betriebe tagaus und tagein nur die Fragebogen des Ministeriums, der Landes-, Pro vinzial, Bezirks- und örtlichen Preisprüfungsstellen, der Reichsbant und der Finanzämter zu beantworten hätten. Der Verfasser des Artikels und die Leute, die hinter ihm stecken, fommen zu dem Schlusse, daß hier eine wirtschaftspolizei eine Kontrolle ausübt, die alles andere als Wirtschaftsförderung bedeutet. Die systematischen Angriffe auf das Ministerium tragen die Ge fahr in fich, weite Kreise glauben zu machen, daß diese und ähnliche Borwürfe wirklich zutreffen. Das ist absolut nicht der Fall. Die maßlose Uebertreibung zeigt am besten, mit welchen Geistesfindern wir es zu tun haben und daß es sich um ein regelrechtes Reffeltreiben handelt, eine Tätigkeit der Instanzen des Wirtschaftsministeriums zu unterbinden, die durchaus im Interesse der gesamten Wirtschaft liegt. Gerade die neuerlich einsehende Teuerungswelle muß eine Mahnung sein, die Vollmachten der amtlichen Stellen auf diesem Gebiete ganz gehörig zu erweitern. Zur Erhöhung der englischen Reparationsabgabe wurde dem Hansat und auf eine Anfrage vom Reichswirtschaftsminister das Nachstehende mitgeteilt: Die bisherigen Pressenachrichten über die Heraufsetzung der nach dem englischen Reparation Recovery act zuletzt in Höhe von 5 Broz. erhobenen Abgabe auf die frühere Höhe von 26 Proz. find meist mißverständlich gewesen. Die englische Regierung hat allerdings der deutschen Regierung ihre Absicht, eine solche Erhöhung vorzunehmen, befanntgegeben. Die deutscher feits gegen diesen Plan erhobenen Borstellungen haben zunächst eine Hinausschiebung des Zeitpunktes der Wieterhinauffegung der Abgabe zur Folge gehabt, und es werden auch Ber handlungen über eine etwaige Aenderung der Erhebungsart angestrebt. Für die zurzeit laufenden Geschäfte liegt jedenfalls ein Grund zu befonderer Beunruhigung nicht vor. Sollte es demnächst zu der Wiedereinführung der Abgabe von 26 Prog. Dezimalwagen 15236 Blauer Melton Cheviot. Bollständiger Zusammenschluß der Wolle verarbeitenden Herrenftoff- Weberei. Nachdem Mitte vergangenen Jahres durch ein Abfommen zwischen der Deutschen Zuchtonvention e. V. und dem Verbande der Fabrikanten halbwollener und wollener Stoffe e. B. die sämtlichen Mitglieder dieses Berbandes der Deutschen Luchfonvention beigetreten waren, ist laut Konfektionär" am 19. Auguft ein neues Abkommen zwischen der Deutschen Tuchkonvention e. V. und dem Verbande sächsischthüringischer Webereien e. V. zustande gekommen, so daß nunmehr die Gruppe der Wolle und Wollerfagstoffe berarbeitenden Industrie, die Herren- und Knabenbekleidungsstoffe herstellt, restlos aufammengeschlossen sein dürfte. N Eine deutsch- tschechische Handelseinigungsffelle ist nach Verhandlungen zwischen dem Deutschen Industrie- und Handelstug und den Spizenorganisationen von Handel und Industrie der Tschechoslowatei beschlossen worden. Der Schlichtungsvertrag. der die formlose außergerichtliche Beilegung von Streitigkeiten unter Kaufleuten der beiden Länder anstrebt, wird am 1. November 1924 in Straft treten. Der Vertrag ähnelt in seinen Grundzügen dem kürzlich zwischen dem Deutschen Industrie- und Handelstag und dem Dänischen Industrierate sowie den ungarischen Wirtschaftsorganisationen abgeschlossenen Abkommen. Boraussetzung für den Anruf des Schiedsgerichts ist die Einigung beider Parteien hierüber. Austünfte erteilt borläufig der Deutsche Industries und Sandelstag, Berlin C2, Hinter dem Gießhause 3. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose. Roggenmehl 0/1.... Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Bohnen, weiße, Herl .. . Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimeh! Schnittnudeln, lose... Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Sultaninen Caraburnu Rosinen in Kisten, Candia Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer 16,75 20,25 Röstgetreide, lose.... 16.50-18,00 15,50-16,50 Kakao, fettarm .. 65,00-75,00 17,00-19,00 Kakao, leicht entölt 86,00-100,00 18,50-19,50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 13,00 14,00 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 18,50-20, 0 Inlandszucker basis mel. 37,50-38,50 22,75-24,75 Inlandszucker Raffinade 39,00- 41,00 16,50-17,75 Zucker Würfel... 44,90-47,50 18,75-24,00 Kunsthonig 16,50- 19,50 Zuckersirup hell in Eim, 9,75-13,50 Speisesirup dunk. in Eim. 20,00 24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 27,00 30,50 Marmelade Vierfrucht 20,00 29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00-37,50 Steinsalz, lose... 39,00-46,00 Siedesalz, lose 18,75-20,50 Bratenschmalz in Tierces 36,50-42,50 Bratenschmalz in Kübeln 30,90-36,00 40,00-45,00 27,00-31,00 90,00-95,00 35,00-40,00 30,00-36,00 3,10-3,70 4,004,70 82,50- 83,00 83,50 84,50 80,00-80,50 81,00 37,00 Purelard in Tierces 19,00- 22,50 Purelard in Kisten.... 80,00 15,50-16,50 Speisetalg in Packung 62, 18,00 18,50 Speisetalg in Kübeln 23,25-31,00 Margarine, Handelsm. 66,00 30,00-36,50 desgl. II. 60,00-63,00 85,00 90,00 Margarine, Spezialm... 80,00 40,00-43,00 desgl. II. 69,00-71,00 50,00-55,00 Margarine III 60,00 Molkereibutter i. Fässern 196,00-201,00 65,00 70,00 Molkereibutter in Pack. 201,00-206,00 80,00 90,00 Landbutter 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 202,00-208,0 175,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,75-37,00 155,00-160,00 Ausl Speck, geräuchert 75,00-85,00 106,00-115,00 Quadratkäse. 30,00-45,00 55,00-65,00 Tilsiter Käse, vollfett 108,00-115,00 Bayr. Emmenthaler 150,00-155,00 Echter Emmenthaler 185,00-215,00 Ausl. ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16 100,00-115,00 165,00-175,00 180,00-185,00 Rohkaffee Brasil Röstkaffee Brasil 21,00-23,25 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00-26,50 G. m. b. H. Tafelwag., Gewichte, Billigste Preise. Großes Lager Georg Wagner Köpenicker Str. 71 Kein Ladengeschäft Keine SchaufensterReklame, dafür wesentl.billigerePreise Sommersprossen Creme Joli, 33Jahre fich. bewährt, M. 1.50 u. 3- In Drogerien font bei Otto Reichel, Berlin 43 50, Cifenbahnstraße 4. Traverspenden jeder Art Hefert preiswert Paul Golletz, normals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. t Morigpl. 10803. Peek& Cloppenburg R Berlin C 19. 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Die Pneumette ist für den leidenden Fuß dasselbe, was die Brille für das furzfichtige Ange fie stellt das geschwächte Drgan sogleich wieder zur vollen Leistungsfähigkeit her. 3 für Rheumatiker Unzählige Personen leiden an scheinbar rheumatischen Schmer zen in den Füßen und Beinen, oft bis zum Kreuz hinauf, welche hartnädig jeder Behandlung trogen. In 85 von 100 Fällen handelt es sich nicht um wirklichen Rheumatismus, sondern um eine Begleiterscheinung der Senkung des Fußbogens, ein Leiden, welches im Anfangsstadium taum zu er fennen ist. Solche falsche" Rheumatismen oder Neuralgien verschwinden deshalb gewöhnlich wie durch ein Wunder" beim Gebrauch der Pneumette. Hat fich sehr gut bewährt. Das meiner Frau gelieferte Baar hat sich auf einer vierwöchigen Bergtour sehr gut bewährt, das Ventil hielt gut dicht, so daß wir nicht einmal nachpumpen brauchten. E. H., Marine- Oberinspektor, Berlin- Steglig. Pneumette nahm die Schmerzen weg. Seit ca. 12 Jahren habe ich namentlich in meinem rechten Fuß beim Gehen große Schmerzen. Trozz Anwendung der verschiedenen Metallfußeinlagen wurde es nicht viel besser. Ihre Pneumette, die ich nun seit sechs Wochen trage, nahm die Schmerzen weg, so daß ich auch bei großen Radtouren nicht ermüde. Ich kann Ihr Fabrikat nur aufs beste empfehlen. Aug. L., Reisender, Berlin. Pneumette ist mir unentbehrlich. Gebrauche Ihre Pneumette seit einigen Wochen und bin damit sehr zufrieden. Empfinde es sehr angenehm, daß die Pneumette im Schuh nicht so erkenntlich ist wie andere Einlagen und daß man diese so aufpumpen kann, wie man sie braucht. Da ich ein sehr großes Gewicht habe, ist mir Ihre Einlage unentbehrlich. Karl E., Kaufmann, Berlin. Empfinde die Pneumette als Wohltat. Sobiel steht fest, daß ich die Pneumette als Wohltat empfinde, die mir das lange Gehen erleichtert nnd Schmerzen, die bei mir nach längerem Gehen einzutreten pflegen, lindert. 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An diejenigen, die hier Nein sagen und damit das ganze Ergebnis der Londoner Abmachungen in Frage stellen, möchte ich nun mal die Frage richien: Wenn man diese Aeußerungen Poincarés im Senat liest und weiß, welder Bernichtungswille dahinter steht, vielleicht würdigt man dann etwas mehr, was in London gegenüber dieser Tendenz erreicht worden ist, einer Tendenz, weldje glaubt, Deutschland der in den Klauen zu haben und es nicht wieder loslägt. Demgegenüber haben wir eine Erklärung erhalten, nicht nur für die Räumung des Ruhrgebiets, sondern auch für die praktische Durchführung der Räumung. Sie sehen darüber hinaus den Grundgedanken, der sich durch die Sachverständigengutachten hindurchzieht, eine Lösung Reparations frage zu finden, die sie aus der Sphäre der politischen Macht und der Unterdrückung heraushebt und sie in die Sphäre wirtschaftlicher Abmachungen hineinhebi. Wenn Sie sich unter diesen Gesichtspunkten das Londoner Ergebnis ansehen, dann wird es vielleicht von manchem objektiver betrachtet werden, als es mir bisher in der Diskussion dieses Hohen Hauses erschienen ist. Herr Dr. Quaaz hat angeknüpft an Worte, die so wundervoll für das Gemüt flingen:" Nicht fragen, was danach fommt!" Für den Staat gilt diefes Zitat nicht.( 3uftimmung b. d. Mehrh.) Ich darf Ihnen aber auch sagen für die Zukunft, diese Kammerdebatte in Paris zeigt auch, daß Poincarés Geist wieder zu dem herrschenden Geist in Frankreich wird, wenn diese Verhandlungen fcheitern. Ich sehe dann zwar, wo der Faden abgerissen ist, wo er aber wieder angefnüpft werden fönnte, das sehe ich nicht, wenn wir nicht innerhalb des Parlaments und des deutschen Volkes zu einer Einigung fommen. London brachte einen Zwangsvergleich zwischen Völkern, oder - ein Romprowenn Sie wollen miß. Ein Kompromiß zwischen den Parteien dieses Hauses pflegt fchon selten zu befriedigen. Ein Rompromiß aber unter Bölfern, das doch noch obendrein unter dem Schatten des Weltkrieges stand, steht noch unter allen Aufwallungen der Völker, und da ist das jeßige Kompromiß nicht als das schlechtestmögliche zu bezeichnen. ( Sehr wahr! b. d. Mehrheit.) In Amerita ist die Auffassung der öffentlichen Meinung die: Wir haben den Krieg entschieden, wir haben auch den Frieden zu madsen. Je allgemeiner eine solche Auffassung ist, um so lieber fchmiegt fie fich an ein Schlagwort an. Die öffentliche Meinung ist eute ein politischer Machtfaftor, und darum habe ich einmal davon gesprochen, daß für die amerikanische Auffassung nicht für uns dieses Gutachten eine Art wirtschaftlicher Bibel sei. Antwort an die Deutschnationalen. Es ist dem Reichstage ein Antrag zugegangen, welcher inner halb zweier Jahre eine Nachprüfung der Leistungsfähigkeit Deutschlands fordert. Ich würde diesen Antrag für politilch unflug halten, man tann nicht einen Eventualanirag in zeitlicher Begrenzung faffen, man kann nicht, ohne zu wissen, was die beiden nächsten Jahre bringen, schon jetzt erflüren, daß man davon Gebrauch machen wolle. Nein, wir wollen nicht rütteln lassen an den Grundlagen, die doch auch in diesem Vertrage enthalten sind und Sie uns die Möglichkeit geben, eine Nachprüfung unserer Leistungsfähigkeit in dem Augenblicke zu beantragen, wo wir erkennen, daß das Geforderte über unsere Leistungsfähigkeit hinausgeht. Auch über diejenigen Bestimmungen des Vertrages, wonach the Lebenshaltung des Deutschen Volkes nicht unter die Lebenshaltung der anderen Bölker finten soll, ist in London ausgiebig geredet worden. Alle Völker werden erst ihre Erfahrungen machen mit der Durchführung des Gutachtens, und wenn bis dahin ein verständiger Geist erhalten bleibt zwischen den Völkern, die das Abkommen unterzeichnet haben, dann ist auch durchaus die Möglichkeit der Entwicklung dieses Vertrages gegeben, die Möglichkeit, die unerträglichen Bestimmungen des Vertrages durch andere, vernünftigere Bestimmungen zu ersetzen. ( Buruf rechts: Seit 1918 haben wir immer vergeblich gehofft.) Ja, ist denn nicht die ganze Zeit feit 1918 erfüllt von tastenden Verfuchen, das Reparationsproblem zu lösen? Man müßte sich doch einmal überlegen, wie es denn war, als wir das erstemal in London standen( sehr richtig!), der Weg, der gegangen ist bis zu diesem Gutachten, ein Weg, den ich genannt habe einen Weg der Demütigungen, er muß doch auch angesehen werden als eine Etappe, bei der London ein Ruhe und auch ein Anjangspunit fein fann. Es geht bei diesen Fragen doch nicht um Bissern einzelner Jahre, nicht um Kohle und Braunkohle, um Benzol und Fartftoffe und anderes! Bei diesem Stand der Dinge hat aber doch Deutschland alle Veranlassung, mitzuwirken bei einer solchen poli= tischen Neuorientierung der Welt. Wer der Meinung war, daß man überhaupt nicht den Weg gehen dürfe, das Spezialpfand des Ruhrgebiets durch allgemeine Pfänder zu lösen, die naturgemäß den Charakter der Berpfändung in fich tragen, das ist doch der Sinn des Wortes, der durfte auch nicht den Weg des Memorandums Dom vorigen Jahre betreten. Herr Quaaz fragte, ob es richtig sei, daß am 10. Januar nächsten Jahres nochmals geprüft werden soll, ob Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt habe. Darüber ist uns gar nichts befaint. Wir missen rur, daß am 15. Dezember die Interalliierte Konferenz zufammentritt, um zu prüfen, ob die Aufhebung der Besehung der Kölner Zone am 10. Januar erfolgen soll. Das habe ich auch fürzlich mitgeteilt und das hat in irgendeiner falschen Darstellung zu dem Gerücht geführt, daß am 10. Januar iemand prüfen foll, ob Deutschland seine Berpflichtungen erfüllt habe. Dann die angebliche Bindung Deutschlands bezüglich der Handelsverträge! In der englischen Presse kehrt diese Aeußerung fortgesetzt wieder. Ich ersehe daraus, daß die englisch: Wirtschaft eine sehr große Beunruhigung empfindet über ein etwaiges französisch- deutsches handelspolitisches Einvernehmen. Diese Empfindung besteht dort. England hat aber die Möglichkeit, wenn es diesen Cauchemar loswerden will, durch Beschleunigung dr Räumung Frankreich jede Drudmöglichkeit gegenüber Deutschland zu nehmen. Jesenfalls ist die deutsche Delegation feine Bindung eingegangen für die Verhandlungen, die am 1. Oftober beginnen jollen. Wenn Ministerpräsident Herriot davon gesprochen hat, kann er damit nur unsere prinzipielle Bereitwilligkeit gemeint haben, mit Frankreich in Verhandlungen einzutreten. Diese Bereits willigkeit halte ich aber für eine Selbstverständlichkeit, da gar kein Grund vorliegt, die Hand zurückzuweisen, wenn sie uns gebeten wird, wie wir die Verhandlungen auch anderen Mächten gegenüber nicht versagt haben. Herr Sollmann hat namens seiner Parteifreunde dem De putierten Blum seinen Dank ausgesprochen für die Rede, die er in Paris gehalten hat und die nach allen Berichten dort einen außerordentlichen Eindrud gemacht hat, eine starke Stütze für Herriot gewesen ist. Nur in einer Beziehung habe ich den Eindruck, daß in diefer Riede der arteimann über den fünftigen Staatsmann gefiegt hat. Er hat gesagt: Wir Sozialisten find stets eingetreten für die Räumung des Ruhrgebiets; wenn sie aber jetzt durchgeführt würde, so wäre das ein Trumpf für die deutschen Nationalisten gewefen. Da gerade der Sozialismus sich stark fühlt durch das Fest= halten, das Beharren, das Sichstützen auf Grundsätze, so durfte nicht einer seiner Führer den Gedanken aus. sprechen, dass innen politische Aspette in einem anderen Lande maßgebend waren dafür, daß er nicht festhielt an diesen Grundsätzen.( Sehr gut! bei der Mehrheit.) Und ich würde dankbar sein, wenn die gerade bei der heutigen Situation in Frankreich und England wertvollen internationalen Beziehungen der deutschen Sozialdemokratie in der Richtung ausgenuhi werden, da doch, wie ich annehme, die deutsche Sozialdemokratie fein Verständnis für die Haltung Blums hat gegenüber den Menschenrechten, um die hier gefämpft wird. Poincaré hat in seiner Senatsrede ebenfalls ber den Ab= bruch des passiven Widerstandes gesprochen. Diese Frage wird ja auch in der französischen öffentlichen Meinung start erörtert. Ich glaube fogar, daß die Haltung, die Poincaré damals eingenommen hat, mit zu dem Ergebnis der Wahlen vom 4. Mai beigetragen hat. Infolgedessen sah sich Poincaré auch veranlaßt, sich stets dagegen zu menben, daß er nicht die Hand geboten habe für die Regelung der Verhältnisse im besetzten Gebiet. Er hat am 23. September 1923 im Senat gesagt, er habe der deutschen Regierung bereits mitgeteilt, daß er zu Berhandlungen über die Wiederherstellung des Statusque, über die Wiederherstellung vernünftiger Berhältnisse im Ruhrgebiet beceit sei. Längst vor der Aufgabe des paffiven Widerstandes, gleich bei Beginn meiner Rinzlerhaft, hat der franzöfifche Ministerpräsident durch seinen Botschafter mir mitteiler lassen, daß er bereit sei, binnen 24 Stunden zu Verhand lungen über die Reparationsfrage und andere Fragen, wenn der passive Widerstand aufhöre. Lebhaftes hört, hört!) Als der passive Widerstand dann aufgehoben wurde, war es der= felbe französische Ministerpräsident, der formaljuristisch, advokatisch glaubte die hele vertreten zu können, der widerstand habe noch nicht aufgehört, indem er ihn ploklich so auslegte, daß zu der Aufgabe gehörte die völlige Wiederherstellung des Wirtschaftslebens, ein Vertrag zwischen Regie und Reichsbahnverwaltung. Und das hat dann monateleng bindurch all jene Verhältnisse im Ruhrgebiet und im Rheinland anschwelien lassen zu jenen Zuständen, über die der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns gesprochen hat: Millionen von Arbeitsloken, Sungerfrawalle, eine Unterdrüdung, die beispiellos in der Geschichte ist. Es wird niemals aus der Geschichte des Ministeriums Poincaré weggewicht werden können, daß c versucht hat, unter falschen Boripiegelungen Leiftungen zu veranlassen. An der Haltung der ehemaligen Gegner gegenüber der Aufgabe des passinen Widerstandes ficht man, wie ganz falsch man sich vielfad) in Deutschland in dieser Frage eingestellt hat. Denn die schnelle Aufgabe des passiven Widerstandes mar nicht ein Geschenk für Boincaré, sondern das Ingelegenste, was ihm für seine Politit geschehen fonnte. Sie gab ihm nicht mehr die Möglichkeit, mit den alten Methoden auf die Dauer zu arbeiten, und gab uns die Möglichkeit, aus einer Gituation herauszutommen, die unmöglich geworden war in politischer, wirtschaftlicher und finanzieller Bezichung. Freitag, 29. August 1924 punkt dafür, daß neue Verhandlungen angefnüpft wurden und daß wir schließlich mit Frankreich zu einer Verständigung gelangten. Nie hat es einen Kabinettsbeschluß gegeben, der ausgesprochen hätte, daß das befehte Gebiet von Deutschland abgetrennt werden sollte. Die größte Schwierigkeit lag darin, wie wir die Rentenmart durchsehen konnten.( Burufe.) Diejenigen, die sich später zu ihr befannten, haben sie zuerst verhöhnt, und ich fann bezeugen, daß der Reichsfinanzminist er damals in einer Kabinettsjizung beinahe einem Weinframpf erlag, als er darauf drang, es müsse etwas Durchgreifendes geschehen, um sie zu erhalten. Wir dachten nie daran, daß Rheinland von Preußen zu trennen, wir dachten nur daran, das Rheinland und das Reich zu retten, wie es sich schließlich auch vollzogen hat.( Lebhafter Beifall.) Wir in Deutschland leiden darunter, daß immer nur die jeweilige Situation, der kleine Sektor des zeitigen Geschehens im Vordergrund der Beurteilung steht. Aber die Weltgeschichte geht ihren eigenen Gang. Wir empfinden noch immer die Dinge unter dem täglichen Druck, unter dem wir stehen. Eine spätere Zeit, die nicht mehr unter diesem Druce steht, mird die Entwicklung von 1918 bis 1924 ganz anders beurteilen. Diese sechs Jahre werden für die Nachwelt nur eine fleine Zeitspanne sein, die indessen eine Charakteränderung der ganzen Welt in sich barg. Wer den Glauben an das deutsche Volt hat, wer da meint, daß das deutsche Bolk nicht untergehen darf und nicht untergehen wird, der follte auch nicht glauben, daß einzelne Paragraphen eines wirtschaftlichen Bertrages den Gang der Entwicklung aufhalten werden, wenn dieser Deutschland wieder zur Gleichberechtigung unter den Nationen führt.( Lebhafte Zustimmung.) Dazu werden sich später auch andere Wege finden. Wollen Sie die Zukunft retten, fo treten Sie erst auf den Boden der Gegenwart!( Lebhafter Beis fall.) Reichsfinanzminister Dr. Luther: Es ist gesagt worden, ich hätte schwarz in schwarz gemalt. Aber von niemand ist meine Sachdarstellung wiederlegt worden. Ich habe die Not des Baltes in den Bordergrund gestellt. Die Kontrolle unferer Einnahmen ist einer der am schwersten zu tragenden Teile des Abfommens. Der Minister legt die organisatorischen Borarbeiten für das Gutachten und seine Anwendung dar. Die eine Hauptlinie ist bie, baß wir uns in London bemühen mußten, im Normalzustand unferer Leistungen die Kontrolle so gering wie möglich zu gestalten. Es tommt nur ein Aufsichtsrecht des Kommissars in Frage, das auf Auskunftsereteilung beschränkt ist. Augenblicklich besteht noch ein Aufsichtsrecht des Garantiefomitees über unseren gesamten Hausfahren im Falle des Einganges unzureichender Einnah halt. Unfere zweite Hauptaufgabe war die Verhinderung der Ges men. Wir haben da in verschiedener Richtung Vorsorge, getroffen. Das Bertragswert ist nicht mit der Unterzeichnung abgeschlossen, mit der Durchführung beginnt neues Leben, und alle kommenden Regferungen müssen sich die Durchführung angelegen sein lassen. Eine Erklärung des Zentrums. Abg. Fehrenbach( 3.) verlieft folgende Grülärung seiner Partei: Die Frattion der Zentrumspartei hat ihre fachliche Haltung zu den einzelnen Gefchen durch ihre Redner näher dargelegt. Unsere Wünscha sind in Anträgen und Entschließungen zum Ausdrud gebracht. Sie entsprechen den Laften und Leiden des ganzen deutschen Bolfes, insbesondere denen des besetzten Gebietes, deffen politische Bertretung in erster Linie unsere Bartei ist. Die Entscheidung, vor der wir stehen, mächst in ihrer Bedeutung riefengroß über fachliche Einzelheiten hins aus. Sie ft cine politische und berührt aufs tiefste die Nation, ihre Einheit und Freiheit. tieren, auch wenn diese hart und drückend ist. Das verkennen wir Politische Entscheidungen haben sich an der Wirklichkeit zu oriens feineswegs, weder beim Dawes- Gutachten noch beim Londoner Bart. Indes: Die ganze polifische und wirfchaftliche Welt, in den Ländern der Alliierten sowohl wie der Neutralen, beurteilt das Dames- Gulachten und den Londoner Paft als ein internationales Inffrument der politischen Entspannung. Nun hat Herr Solimann gesprochen von den Berhandlun Die Ueberzeugung ist allgemein, daß darin zum erstenmal die Res gen im tameligen Rabinett. Darauf muß ich mit einem Wort zuparationsprobleme politischer Leidenschaft entzogen und in die Atmos rückommen, weil die Darstellung, die Herr Erkelenz im Ber- phäre ökonomischer Erwägungen hineingerüft worden sind. liner Tageblatt" gegeben hat, nicht unwidersprochen bleiben fann. Ablehnung deutscherseits würte als eine totale Berien Er meinte, schließlich sei die Not so hoch gestiegen, daß unter deutschnationalem Einfluß das Kabinett Stresemann dahin gekommen war, Bertreter des befehten Gebietes nach Berlin zu entbieten, ihnen zu sagen, daß man innerhalb vierzehn Tagen das Ruhrgebiet und überhaupt das besetzte Gebiet abtrennen wolle vom Deutschen Reich. Abg. Koch( Dem.): Das war nach dem Austritt der Sozialdemokraten! Außenminister Dr. Stresemann( fortfahrend): Jawohl. Ueber diese Sihung vom 13. November habe ich ein Brotokoll vor mir liegen. Ich als Reichskanzler habe damals im Ministerrat er= flärt, daß die Zahlungen für die Erwerbslofen für jorge im befesten Gebiet nur noch für eine furze llebergangszeit geleistet werden können, daß im Zusammenhang damit eine all gemeine Rundgebung an die ganze Welt durch die cinzeinen Botschafter der verschiedenen Länder herausgegeben werden follte, die auf die Zustände hinwies, die die französische Politik geschaffen hat. Und ich habe den Ausdruck gebraucht, dah Deutschland alle Verpflichtungen aus dem Versailler Bertrag folange ruhen laffen würde, als der Rechtszustand im befehten Gebiet nicht wiederhergestellt sein würde. Es ist falsch, alle diese Dinge immer wieder von dem Parteigesichtspunkt aus zu beurteilen. Aus diesen Erflärungen ergibt sich, daß es sich nicht um parteipolitische Gegensäze gehandelt hat; damals hat auch der preußische Ministerpräsident Braun auf diesem Standpunkt gestanden und feiner von uns hat fich gefragt, welcher Fraktion oder Partei er angehörte. Ich habe auf diese Umstände deshalb hingewiesen, weil sie in einem ursächfichen Zusammenhange mit der gesamten Situation gestanden haben. Wir haben damals diese Erklärung abgegeben, daß wir Frankreich und Poincaré verantwortlich machen müssen, und das war doch gewissermaßen auch mit der AusgangsGine nung der meltpolitischen 2age empfunden merden, sie würde de lebendig gewordene und sichtlich machsende Ginsicht in den ökonomischen Zusammenhang der Reparationsfragen stören und zurüɗwerfen. Es ist un verantwortlich, Teile unferes Reichs und seiner Bevölkerung, die an sich schon schwer unter den Zugriffen gegnerischer Mächte zu leiben hatten, irgendwie preiszugeben, ihnen außerordent liche Lasten aufzubürden oder gar sie zu Reparationspropinden herabziehen zu lassen. Wir erklären auch in diesem Augenblic mit allem Nachdruck, daß je de Politif, die auf Kosten unfe rer befehten Gebiete verderbliche Experimente machen will, in uns stets unerbittliche Gegner gefunden hat und finden wird. Die Lasten, die wir auf uns nehmen, und deren Größe und Schwere auch von uns durchaus eingeschätzt werden, sollen vom ganzen deutschen Bolt getragen und im Geiste der Gerechtig feit und wahrer Volksgemeinschaft auf alle Schultern Dor teilt werden. Wenn durch eine Ablehnung des Londoner Battes unfer Land und Volt aufs neue in noch größere Unsicherheit und Notstände hineingestürzt wird, so muß die Verantwortung denen zugeschrieben werden, die in folscher Einschätzung der internationalen Lage und in politischer Verblendung uns den Weg vers perren. Deshalb bedauern wir es, wenn auch heute noch von der rechten Seite unfere aus Pflichterfüllung und nationaler Verantwortlichkeit hervorgehende Einstellung verfannt werden sollte. Wir weisen die Auffaffung, als ob für uns die Nation und ihre Freiheit weniger bedeutete als für solche die das Bort ständig im Munde führen, aufs schärffte zurüď. Das Rheinland und mit ihm alle Einsichtigen im deutschen Bolk wissen und fühlen daß der Weg, den wir gehen und den wir Dixin Henkel's Seifenpulver Bestes Seifenpul Dixin erichment SecreL DES 0 120+ 200 Henkel ist sparsam im Gebrauch und von ausgezeichneter Walchwirkung. empfehlen müffen, zwar ein schwerer und steiler, aber fo wie die Lage nach Krieg und Zusammenbruch sich gestaltet hat, der einzig gangbare ist. Denen, die in starrer Oppofitionsstellung Kräfte der Nation verbrauchen, steht es nicht an, Urteile abzugeben über unsere nafionale Haltung und Arbeit. Das deutsche Volt aller Stämme und Stände wird von ihnen Rechenschaft fordern. Es wird sein Urteil sprechen. Die Erklärung wird von der Zentrumsfraktion mit lebhaftem Beifall begleitet. Bizepräsident Dr. Bell: Es ist vorhin vorgesehen worden, den Bericht des 17. Ausschusses betr. die besetzten Gebiete in die Verhandlung einzuschieben, aber nur unter der Boraus. fegung, daß feine Debatte stattfindet. Die inzwischen eingegangenen Bortmeldungen müßten also zurüdgezogen werden. Reichsminister Dr. Höfle: Auch die Regierung wünscht die Erörterung dieser Ausschußbeschlüsse. Die Durchführung der Dom Ausschuß gegebenen Anregungen hängt aber fo innig mit der Annahme des Sachverständigengutachtens zusammen, daß zunächst hierüber Beschluß durch den Reichstag zu fassen wäre. Abg. Dr. v. Guérard( 3tr.) beantragt, in der laufenden Debatte fortzufahren. Abg. D. Mumm( Dnat.): Wir fordern, daß die Anträge vor der endgültigen Beschlußfaffung über London erledigt werden. ( Rufe in der Mitte und rechts: Aha!) Abg. Florin( Komm.): Die Arbeiterschaft fragt in den Rheinlanden, wo es jetzt um ihre Befreiung geht, nicht danach, ob London angenommen wird oder nicht.(!) Diefer Hinweis ist pure Heuchelei. Es wird nach dem Antrage v. Guérard beschlossen und die Verhandlung über das Londoner Abkommen fortgesetzt. Die Haltung der Volkspartei. Brüde für die Deutsch nationale Partei bezeichnet.| Diese Anträge sind bereits in unserer Fraktionssizung am 21. August als notwendige Maßnahme für die Richtung der fünftigen deutschen Politik beschlossen worden.( Höri! hört!) Sie haben ihren Wert in sich; wenn sie darüber hinaus Brüden schlagen, auf denen die Deutschnationale Volkspartei am Zustandekommen der Gesetze mitwirten tann, so liegt das im Gesamtinteresse des deutschen Volkes. Unsere Anträge follen eine Plattform schaffen, auf die alle Parteien treten tönnen, um zu zeigen, daß in Fragen der auswärtigen Politik eine weitgehende Uebereinstimmung der großen Parteien dieses Haufes und die gemeinsame Front besteht, die wir in der Bergangenheit so oft und so schmerzlich vermißi haben. Wir bedauern deshalb, daß Parteien dieses Hauses, obwohl sie die Richtigkeit haben. Bertrauen aber darauf, daß heute alle diejenigen, denen es unferer Gedanken anerkannt haben, gegen unsere Anträge gestimmt um das Zustandekommen der Gesetze ernst ist, zustimmen werden und damit den festen nationalen Willen befunden, der allein den Wiederaufffieg Deutschlands verbürgt. Abg. Thälmann( Komm.) verlangt Auflösung des Reichstags. Abg. Graf v. Reventlow( Natsoz.): Wir sind bereit, über eine internationale Regelung der Entschädigungsfrage zu sprechen, aber unter der Bedingung eines internationalen neutralen Schiedsgerichts. Der Redner fordert als Hauptbedingung die Aufrollung und Erledigung der Schuldfrage. Das Gutachten ist nicht die Bibel der Amerikaner, sondern die Wirtschaftsbibel der amerikanischen Bantiers, des Weltleihfapitals, des in Amerika konzentrierten Weltjudentums. Ich weiß nicht, was vorzuziehen ist, der Poincarismus oder der Judaismus, der uns in feine Fesseln schlägt.( hört! hört!) Redner gibt zum Schluß eine Erklärung ab, in der es heißt: Die Nationalsozialistische Freiheitspartei erflärt, daß fie und die hinter ihr stehende völkische Bewegung die auf dem Dames- Gutachten beruhenden, dem deutschen Bolte auferlegten Verpflichtungen nicht anerkennt, insbesondere diejenigen nicht, welche Geldverpflichtungen gegenüber den sogenannten Gläubigern des deutpartei betrachtet nach einer Ablehnung des Dawes- Gutachtens die ausländischen Kommissare und alles was zu ihnen gehört nicht als legal, sondern als feindliche Eindringlinge, für deren persönliche Sicherheit teine Gewähr übernommen werden tann. Die Nationalsozialistische Freiheitspartei erklärt ihre Begrenzten, die deutsche Zahlungsfähigkeit nicht überschreitenden Summe. Nach außen liegt, unter Boraussetzung einer völkisch fozialen Politit, die deutsche Zukunft nach Osten, nicht nach Westen. Abg. Schiffer( Dem.): Die weitaus größte Mehrheit des deutschen Volkes will tein neues Experiment, will nicht die Ungewißheit einer neuen Konferenz mit noch ungewisserem Ausgange. Wer das Gutachten annimmt, ist nach Amerifaauffaffung ein Freund der Ordnung und des Friedens ,, und Ameriba nimmt für sich unter den obwaltenden Umständen mit Recht in Anspruch, daß, wie ohne Amerika der Krieg nicht zu geAbg. Dr. Zapf( D. Bp.): Die Deutfchnationalen haben Anträge eingebracht, wonach eine Reihe von Forderungen, deren Verwirklichung in London nicht gelungen ist, durch neue Berhandlungen erreicht werden soll. Auch wir verschen Bolles darstellen sollen. Die Nationalsozialistische Freiheitsstehen die Enttäuschung über das unzureichende Ergebnis von London. Ob neue Verhandlungen die Begleichung der bestehenden Meinungsverschiedenheiten erleichtern werben, ist unsicher; ficher dagegen ist, daß der deutschen Wirtschaft durch die monate lange Verzögerung ein ungeheurer Schaden erwachsen würde.( Sehr mahr! bei der D. Bp.) Das ganze deutsche Bolt ersehnt die Bereitschaft zu ratenmäßiger Abzahlung einer feftbefeitigung der Ungewißheit, welche fein ganzes wirtschaftliches und foziales Leben lähmt. Die Industrie wie die Landwirtschaft warten sehnlichst auf die Zuführung der so notwendigen Kredite. Die Berantwortung für eine weitere Hinausschiebung der vorgesehenen Friften vermag die Deutsche Bollspartei nicht zu übernehmen. Wir haben dagegen eine Reihe von Anträgen und Entschließungen ein gebracht, welche teine politischen Gelbstverständlichkeiten enthalten, wie man gestern angedeutet hat, sondern die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Boltes betreffen. Die Rationalfozialistische Freiheitspartei und die Sozialdemokratische Partei haben diese Anträge als HERMANN | winnen war, auch ohne Amerika der Frieden nicht zustandegebracht werden wird. Lehnen wir es ab, uns in die Hände der Damesschen Bantiers zu geben, fo werden wir den Winkelbankiers, den zweifelhaften Elementen der Bankierwelt in die Hände fallen. Gewiß ist auch der Dames- Weg gefährlich, aber er ist doch ein Weg, der in die wirtschaftliche und damit im Laufe der Jahre auch in die politische Freiheit zurückführen fann. Der Sanierungsprozeß der deutschen Wirtschaft ist noch nicht vollendet; das Abkommen bietet eine Möglichkeit des Fortschritts zur Gesundung. ( Beifall b. d. Demokraten.) Bayerische Volkspartei gegen deutschnationale Zufahanträge. Abg. Dr. Pfleger( Bayer. Vp.) spricht sich insbesondere auch mit Rücksicht auf die traurige Lage der Bevölkerung in den besetzten Gebieten, besonders auch in der Pfalz, für die Annahme der Geseze, auch der Reichsbahngesete, aus und gibt der Hoffnung Ausdrud, daß seitens der Regierung alles geschehen wird, um bei deren Ausführung schädliche Eingriffe in die Verwaltung zu verhindern. Dem Ermeiterungsantrag der Deutschnationalen zum Antrage der Deutschen Volkspartei fann feine Frattion nicht zustimmen; auch die beantragte Entschließung zur Frage der Kriegsschuldlüge scheint ihr offene Türen einzurennen. Abg. Alpers( Wirtsch. Bg.) erklärt sich für Annahme des DawesGutachtens. Abg. Kunze( Dfoz.) lehnt das Gutachten ab. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Auf Vorschlag des Vizepräsidenten Dr. Rießer wird gegen die Stimmen der Kommuniften, Sozialdemokraten und Nationalsozialisten die Spezial. beratung vertagt.( Rufe der Kommunisten: Schiebung! Ruhhandel!) Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Dr. Quaah( Dnat.) verliest das Gutachten einiger Fachleute, zu denen er selbst gehörte. Er will damit beweisen, daß diese Borschläge zur Privatisierung der Bahnen durchaus gemeinnützig maren. Abg. Koch( Dem.) zitiert eine Rede des Abg. Grafen Revent. lom, um nachzuweisen daß dieser für ein militärisches 3usammengehen mit Rußland eingetreten sei. Ein Mißtrauensantrag. Vizepräsident Dr. Rießer teilt mit, daß Abg. v. Graefe( Natsoz.) folgenden Antrag eingebracht hat:„ Die Reichsregierung besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags." Ueber die Tagesordnung entspinnt sich eine einstündige Geschäftsordnungsdebatte. Gegen die Stimmen der Bayerischen Bolkspart t wird die Amneftiefrage auf die Tagesordnung gesetzt. Vorher Freifahrtfarten, Fortsetzung der dritten Beratung der Dawes- Geseze, Angelegenheiten der besetzten Gebiete. Das Haus vertagt sich. Nächste Sigung Freitag, 10 Uhr vormittags. Schluß 7 Uhr. Tietz BILLIGE Lebensmittel Verkauf soweit Vorrat Gemüse Möhren............. Pfund 4Pt. Weisskohl Pfund 4Pt. Kohlrüben....... Pfand 6P. Wirsingkohl..... Pfand 6P Rotkohl............ Pfand 8Pt. Kürbis.............. Prand 8Pt. Schmorgurken PM. 11P Kolonialwaren Vikt.- Erbsen.. Prand 16PL Weizenmehl..Pfand 19PL Gebr. Gerste Pfand 19P Haferflocken Prand 20 PL Tafelreis... Pfand 20Pt. Schnittnudeln P. 24PL Kalif. Pfirsiche P 65PL 11PL. Kochäpfel grouse, Pfand Kochbirnen grosse Pfand 10Pt. Goldparmänen P 16P ca.Ikga Oelsardinen Bose ca.g2 Port 205 Corned Beef 2angl. Pid. I engl. Pfund 52PL 100 FL 10 FL Sonnengartner 200 1800 roter spanischer Süsswein.. Dose Konserven 64PL. Spinat 4 Dose Gemüse- Erbsen D 64P Erbsen mit Karotten Dose 72P Gem. Gemüse Dose 83PL Stachelbeeren Dose 92Pt. Frisches Fleisch Hammel- Vorderfleisch Pfd. 70PL Hammelrücken................ ............. Pfand 76PL. Hammelkeulen .... Pfund 86Pt. Kalbskamm.. Pfand 75PL Kalbsrücken u.- brust Pfand 90Pf. Schweinefleisch mit Beilage... Pfand 100 Kasseler( Schuft) ohne Knochen, Pfand 130 Schweineköpfe gepäkelt, Pfand 32PL gefroren, gefroren, la Ochsensuppenfleisch 45Pf. la Ochsenschmorfleisch Ptd. 70Pt. la Rückenfett gefroren, wie frisch... Pfund 98Pf. ZwelfruchtPL 2- Pfd.- Eimer 5- Pfd.- Eimer 10- Pfd.- Elmer 250 450 Stachelbeeren, Dose 92P Marmeladen 105 250 FL 10 FL 1922 Montagne 110 1000 vorrüglicher voller Rotwein Besonders empfehlenswert! Versuchen Sie zwei hervorragende Tischweine: PL 10 FL. 1922 Kreuznacher Kehrenberg) FL., bei 10, bei 25 Fl. Käse Mengenabgabe vorbehalten Wurst Camembertsebachtel30Pt. Leberwurst... Pfund 65Pt Romatour 1. Stann., St. 35Pt. Quadratkäse Pfand 48Pf. Briekäse... ....... Pfand 60Pt Tilsiter Käse.. Pfund 65P. Dän. Gouda.. Ptand 78P Edamer Käse Pfund 100 Fische- Räucherw. Schollen Pfund 10Pf. Grüne Heringe Pfund 23Pf. Rotzungen Makrelen Bücklinge... Pfand 40Pf. Pfund 25Pf. and 28 Rotwurst...... Pfund 65PL Sülzwurst .... Pfand 85PL Fleischwurst Pfand 105 Mettwurst grob, Pfund 98Pt Mettwurst Braunschw. 125 Teewurst Art .... Pfand Pfand 140 Kakao 80 Fabrikat Bensdorp, Pfd. Kaffee aus eigener Rösterei frisch gebrannt...... Pfund Pf. 250 FL 5 FL. ....... 20 10% 1922 Oberh.Mai- FL 10 PL. Weinbrandkammerer vorzügl. 85.800 verschnitt* Bowlenw 1922er Bockenheim. PL 10 FL Stücks Deut- 11 FL 5 FL. mandiger Bordeauswein...... 185 1750 1922 Valwigberger Palmberg 200190175 Riesling mittelvoller 140 1250 scher Weinbrand 275 1250 Vorzügl. weisser FL 10 FL 1922 Pomerol Tarragona........ 225 2000 Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Berwaltungsmitglieder! Die Sigung der mittleren Ortsverwal hung findet heute, Freitag, den 29, b. M., nicht statt. Zur Auszahlung der Liquidation ift Bimmer 20 bis 6 Uhr abends geöffnet. Achtung! Achtung! Lehrlinge u. jugendliche Arbeiter Die Mitteilungsblätter ber freien Gewerkschafts- Jugend für Monat September find heute Freitag bis 7 Uhr im Jugendheim abzuholen. 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