Nr. 408 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 208 Bezugspreis: Böchentlich 70 Golbpfennig, monafidj 8,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Suremburg 450 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Golbmar! pro Monat. Der ,, Borwärts mit ber Gonntags beilage Bolt und Beit mit Sied lung und Kleingarten", fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenfimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Bozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Melonoligini ad Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille geile 0.70 Goldmart, Reklamezeile L- Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jebes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 0,30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 30. August 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckfonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaje Lindenstraße 3 Mit Dawes nach Damaskus! Alles angenommen! Zweidrittelmehrheit für das Eisenbahngesetz! Deutschnationalen verkaufen sich für Ministersite! Der Reichstag hat gestern, Freitag nachmiffag, wie der Vorwärts" bald nachher durch ein Ertrablatt mitgeteilt hat, in namentlicher Abstimmung das Eisenbahngeseh mit 314 gegen 127 Stimmen, also mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit, angenommen. Borher waren die anderen Gefehe mit einfacher Mehrheit angenommen worden, und zwar: das Bankgejeh mit 259 gegen 172 Stimmen bei 2 Enthalfungen, das Industrieobligationsgesetz mit 260 gegen 176 Stimmen bei einer Enthaltung, das Gesetz über Liquidierung des Rentenmarfumlaufs mit 262 gegen 172 Stimmen bei einer Enthaltung, das Aufbringungsgejeh mit 261 gegen 173 Stimmen bei 2 Enthaltungen. Mantelgesetz und Entschliegungen wurden in gewöhnlicher Abstimmung, also ohne Festftellung des Stimmenverhältnisses, angenommen. Neunundvierzig Deutschnationale, faft genau die Hälfte der Fraktion, haben gestern für das Eisenbahngesetz gestimmt, indem sie in der einen Hand rote Mein- Zettel hielten und mit der anderen weiße Ja- Bettel abgaben. Als ein Att der Selbstverhöhnung wäre diese noch nie erlebte Art der Abstimmung geistreich gewesen als ein lebendes Bild zu dem Bibelwort: Laß deine rechte Hand nicht wissen, was die linfe tut:" Das fonderbare Manöver hatte aber einen anderen Zweck. Die Deutschnationalen fürchteten, die Sozial Demokraten könnten, wenn sie ihren Umfall bemerkten, Abfommandierungen vornehmen, um den Fall des Gesetzes und die Auflösung herbeizuführen. So sehr waren diese neunundvierzig Deutschnationalen auf die Sicherung des zweiten Versailles" und die hoff nungslose Verstlavung des deutschen Volkes" erpicht, daß fie eine kleine Kriegslist für angebracht hielten, um die dazu nötigen Gesetze nur ja ganz sicher in den Hafen zu bringen. Die Vorsicht war ganz überflüssig. Die sozialdemokratische Fraktion hatte furz zuvor eine Sigung abgehalten. Mit dem bevorstehenden Umfall der Deutschnationalen wurde ziemlich allgemein gerechnet. In dieser Sigung wurde es aber allgemein als ganz selbstverständlich erachtet, daß sich an der sachlichen Stellung der sozialdemokratischen Frattion nicht das geringste ändern dürfe, und daß alle Fraktionsmitglieder bis auf den letzten Mann für das Eisenbahngesetz zu stimmen hätten. Die Sozialdemokraten dachten nicht daran, das schmutzige Manöver der Deutschnationalen mit etwas Aehnlichem zu beantworten. Die Sozialdemokratie hat sehnlich die Auflösung gewünscht. Aber sie dachte nicht daran, dieses taktischen Bieles wegen irgend etwas an ihrer grundsätzlichen Haltung zu ändern. Sie dachte nicht daran, selber das zu gefährden oder preiszugeben, wofür sie seit Jahren mit zähigkeit gefämpft hat. wollen es getrost abwarten. Vielleicht ist es nur die Bürgerblod Pleite. = Juristen mögen sich den Kopf darüber zerbrechen, inmieweit jener Kaufvertrag Geltung gewonnen hat. Die deutschnationale Partei hat nur zu 50 Prozent an dem Zustandetommen des Londoner Pattes mitgewirkt, also hat sie nach dem Berliner Batt wohl auch nur Anspruch auf 50 Prozent des Kaufpreises. Hergt, Westarp, Schlange Schöningen haben gegen das Eisenbahngefeß gestimmt, find also wohl auch nicht regierungsfähig geworden. Aber noch mehr, die Deutschynationalen haben sozusagen geschloffen" gegen alle Gesetze zur Ausführung des Londoner Vertrags geftimmt- bis auf das eine, zu dem gerade wegen der Zweidrittelmehrheit ihre Zustimmung erforderlich war. Als diese kritische Abstimmung vorüber war, erwachten auch wieder pünktlich die deutschnationale Ueberzeugungstreue und der deutsaynationale Mannesmut. Es war zum heulen schön, wie jest wieder alle Deutschynationalen tapfer gegen die weiteren Berstlavungsgesehe" stimmten, bei denen es auch ohne sie ging. Auch gegen das Eisenbahngeset hatten die Deutschnationalen bei der Einzelabstimmung der dritten Lesung noch gefchloffen gestimmt, erst zwanzig Minuten später, bei der Schlußabstimmung, fiel die Hälfte von ihnen um. Wenn die Volfspartei mun meint, solche Verdienste um den Staat müßten auch gebührend belohnt werden, so wird es, auch außerhalb der sozialdemokratischen Partei, Leute geben, die diese Meinung nicht teilen. Auch bei den Demokraten und einem Teil des Zentrums herrscht über das Schachergeschäft, das die Bolkspartei hinter ihrem Rücken abgeschlossen hat, Die helle Entrüftung. Diese Entrüstung wird von allen anständigen Menschen geteilt werden. Der Bürgerblock ist noch nicht fertig, aber mag er kommen, so wird er sehr bald mit einer fürchterlichen Pleite enden. Als erste Morgengabe soll den umgefallenen Deutschnationalen heute die Zollvorlage entgegengebracht werden. Damit ist der innere Kampf, der Kampf um die Lastenverteilung, eröffnet, in dem die Sozialdemokratie ihren Mann stehen wird. Am Ende des Bürgerblockerperiments steht der Zu= fammenbruch der bürgerlichen Politik in Deutschland, die Zersehung der Mittelparteien und ein neuer gewaltiger Aufstieg der deutschen Sozialdemo= fratie. Auf die offene Feldschlacht der Reichstagswahlen hatte sich die ganze Partei gefreut, sie war von Kampfesfreude aufs tiefste erfüllt. Die Gelegenheit der großen Auseinandersetzung ist uns entgangen. Die Kampfesfreude wird uns erhalten bleiben. Der Tag der Abrechnung kommt, er wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die deutsche Sozialdemokratie grüßt an diesem Tag, der den Zusammenbruch der nationalistischen Demagogie und ihren Anstrengungen um die Verständigung der Völker einen geschichtlich bedeutungsvollen Erfolg gebracht hat, die Sozialisten der anderen Länder, vor allem Frankreichs, Belgiens und England s. Sie wird als Hüterin der Bertragstreue weiter machen und sie wird nicht dulden, daß der deutsche Arbeiter von den Regierern des Bürgerblocks zum Baria und Lohndrücker der ganzen Welt gemacht wird. Kampf, Kampf und abermals Kampf! Hergts großes Wunder. Wie die Deutschnationalen ihren Idealismus verkaufen. hat fünf Jahre lang auf Deutschland gelastet und das deutsche Voit hart an den Rand des Untergangs geführt. Das deutsche Volt ist ohne Rettung verloren, wenn es heute diesen Fluch von neuem auf sich lädt." Sie haben für das zweite Bersailles gestimmt! Sie hätten in Weimar für das erste Bersailles in ähnlicher Situation gestimmt! Heute weiß man, was es mit der verlogenen Demagogie der Sünde wider den Geist nationaler Selbstbehauptung" auf sich hat. Es gibt in der Geschichte der politischen Parteien aller| pflichtungen und der Fluch der Sünde wider den Geist Länder fein Beispiel für einen so schmachvollen Umfall, wie ihn die Deutschnationalen gestern vollzogen haben. Niemals ist ein so schändlicher Schacher mit Gesinnung betrieben worden, niemals hat eine so schamlose Preisgabe aller feierlichen Versicherungen, aller Grundlagen der Parteiauffassung stattgefunden. Die größte Heuchelei der Geschichte ist durch den deutschnationalen Umfall enthüllt. Diesen entlarpten Händlern und Schacherern muß ein Spiegel entgegengehalten werden! Wir halten ihnen entgegen, was sie bis in die letzten Tage hinein gesagt haben, damit die Deffentlichkeit das Maß Die Annahme der Dames- Geseze durch diesen Reichstag ihrer Heuchelei ermessen tann. Zunächst lassen wir die sogar durch diesen! ist rein fachlich gesehen, ein undeutschnationalen Urteile über das Gutachten nach seiner Vergeheurer Erfolg der sozialdemokratischen öffentlichung folgen: Politit. Die Sozialdemokratie hat vom ersten Tage an, zuerst in fast völliger Isolierung, für die Annahme und Durch= führung des Dawes- Plans gewirkt. Ja, die Annahme der zur Ausführung notwendigen Gesetze durch diesen Reichstag sogar durch diesen- ist ein unerhörter Triumph der sozialdemokratischen, auf Verständigung und Vertragserfüllung gerichteten Außenpolitt über die wüste De magogie der nationalistischen Phrase. Diese Demagogie liegt zerschmettert am Boden. Es ist aus mit der Partei, die sich fünf meltgeschichtliche Minuten lang rühmen durfte, die größte Deutschlands geworden zu sein; es ist aus mit der deutschnationalen Partei! Gleichgültig, ob fich die Partei heute noch spalten wird, wie manche wissen wollen, oder ob um die geplakte Tonne ein verrosteter Reif gelegt wird, es gibt kein ernst zu nehmendes politisches Gebilde mehr, das Deutschnafios nale Barfei heißt. Die Teile mögen versuchen, ob sie für sich lebensfähig sind, das Ganze ist politisch und moralisch unmöglich geworden, es ist eine Lächerlichkeit, eine Berächt lichkeit, ein schmuziger Trümmerhaufen und weiter nichts. Für die Auffassung der Deutschen Volkspartei ist es tennzeichnend, daß nach ihr die Deutschnationalen in dem Augenblid regierungsfähig geworden seien, in dem sie fich in einer Weise, deren gleichen die Geschichte nicht kennt, öffentlich selbst geohrfeigt und prostituiert haben. „ Heller Wahnsinn." Im ganzen aber fann und muß schon heute mit allem Nachdruck gefagt werden, daß die Vorschläge der Sachverständigen wirtschaftliche Bumutungen an Deutschland stellen, die zum größten Teile heller Bahnsinn sind. Daß sie nicht einmal in einer Gesamtbegrenzung der Reparationen letztes Ziel und letzte Grenze zeigen, macht sie unter diesen Umständen noch unerträglicher. Wenn es deshalb in dem Schreiben des Generals Dawes heißt, die Zurückweisung dieser Bor fchläge durch Deutschland würde im Endergebnis das deutsche Volf in hoffnungsloses Elend verstriden, so können wir nur sagen: Ein grauenvolleres Eiend, als Deutschland durch die Zustimmung zu derart wahnwigigen Vorschlägen auf sich laden würde, ist nicht denkbar. Ihnen gegenüber tam es nur heißen: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!" Herr Paul Baecker, der diese Zeilen in der ,, Deufschen Tageszeitung" vom 10. April schrieb, hat gestern für den Wahnsinn, für den Wahnwig gestimmt, er hat den Schrecken ohne Ende" dem Ende mit Schrecken" vorgezogen. Ein Held und wahrhafter Mann! Das zweite Bersailles." " Unter dieser Ueberschrift schrieb am 18. April Helffe rich in der Deutschen Tageszeitung": Die Deutsche Volkspartei hat den Deutschnationalen als ,, Aber auch die Berantwortung für die Annahme der ExpertenBreis für ihren Umfall schriftlich- den Kaufvertrag publi- vorschläge ist ebenso groß, wie es die Verantwortung gieren wir an anderer Stelle einige Ministerportefeuilles für die Unterzeichnung des Versailler Dittats im Reichsfabinett zugesagt. Ist das der Bürgerblod? Wir war. Der Fluch der Unterzeichnung unerfüllbarer BerVor der Konferenz von London begannen die Deutschnationalen zu wechseln. Gleich nach den Wahlen gab Herr Hergt zu verstehen, daß sie sich ihre ,, nationale Gesinnung" abhandeln lassen möchten. Die deutschnationalen Wähler und Mitglieder wurden unruhig. Da bemühte sich Graf We starp, in der Kreuzzeitung" vom 12. Auguft ihnen zu versichern, daß die deutschnationale Politik klar und eindeutig sei: ,, Klarheit und Eindeutigkeit." ,, An der nötigen Klarheit und Eindeutigkeit der deutschnationalen Erklärungen hat es nicht gefehlt. Es kommt nun also auf die Glaubwürdigkeit an, die man ihnen beimißt, und auf den höheren oder geringeren Grab des Vertrauens in ihre Festigkeit." Die Glaubwürdigkeit deutschnationaler Erklärungen ist gleich Null das ist die Lehre von gestern! Am Ende der Londoner Konfereng begann nun ein müſt verlogener, hegerischer Kampf gegen das Ergebnis von London: ,, Kampf mit aller kraft." „ Der Nährstand liegt am Boden, der Bucher- und Händlergeist triumphiert, und schon rüstet sich auch das internationale Kapital, fich auf dem Wege des sogenannten Dawes- Gutachtens an dem all. gemeinen Raub gegenüber dem landwirtschaftlichen Produktionsstand zu beteiligen. Deshalb kämpft das Landvolt ihm innewohnt."( Deutsche Tageszeitung" vom 12. Auguſt.) gegen das Dames Gutachten mit aller Kraft, die „ Das Schandgutachten." = Bir lehnen es ab, durch Annahme des Dawes- Gutachtens zu Silaven der Feindstaaten zu werden, und verlangen Ablehnung des Shandgutachtens, in dem wir ein zweites, nog vernichtend« res Versailles s«hen/(Resolution des Land- bundez Oberbarnim vom 12. August.) „Unannehmbar— am Grabe der Hoffnungen." „Unsere Stellung zu dem voraussichtlichen Entschluß der Regie- rung brauchen wir nicht mehr auseinanderzusetzen. Für uns bleibt dos Dawes-Gutachten schon allein wegen der einjährigen Räumungs- srist unannehmbar."(„Kreuzzeitung", Ig. August.) „Deutschland steht wieder einmal am Grabe seiner Hoff- n u n g e n. Wir nehmen das Sachverständigengutachten mit allen seirren Lasten in Kauf, aber Deutschlands Zustimmung bringt nicht die Befreiung von Rhein und Ruhr. Und am Sonnabend hatte sich Deutschland dem Diktat der Gegenseite fast bedingungslos unter- morfen. Mit der brüchigen„Lösung" ist das Hauptziel unserer Bemühungen, die sofortig« Befreiung des Ruhr- gebiets von fremdem Druck, nicht erreicht."(.Kreuzzeitung", 18. August.) ..Unbefriedigend— größie finanzielle Versklavung." „Das Ergebnis von London ist aus all diesen Gründen durch- aus unbefriedigend; es entspricht nicht den Zusagen der deutschen Reichsregicrung; es legalisiert«inen der er- bärinlichsten Raubzüge der Weltgeschichte und bildet dadurch einen Anreiz für spätere neue Gewalttaten. und es bietet keinerlei ausreichende politische Gegenleistung für die Annahme der größten finanziellen Versklavung, die jemals durchgeführt worden ist, des D a w e s- P l a n e s."(„Deutsche Tageszeitung" vom 13. August.) „hundertprozentige Versklavung." „Wenn also von der Regierungspresse Erfolg« in die Welt posaunt werden, so ist das weiter nichts als Stimmungsmache. Erreicht wurden meist glatte Ablehnungen, bestenfalls Versprechun- gen. Nicht 100 oder auch nur 66% Proz. des vollen Erfolge» sind erreicht, sondern die volle h u n d e r tp r o z'errti g« Versklavung Deutschlands durch die Weltfinanz."(„Deutsche Zei- rung" vom 18. August.) Für das Schandgutachten, die volle hundertprozentige Versklavung Deutschlands, für die Legalisierung des erbarm- lichsten Raubzuges der Weltgeschichte hat die Hälfte der deutschnationalcn Fraktion gestimmt! Wer glaubt ihnen noch ein Wort? Aber vielleicht sagt man, die Presse der Deutschnationalen sei nicht die Partei? Am 15. August erklärte die deutsch- nationale Parteileitung: „Ablehnung." „Das Kompromiß, das nach den bisher vorliegenden Meldungen die Zustimmung der deutschen Vertretung in London und der Reichs- regierung gefunden zu haben scheint, widerspricht in ent- scheidenden Ehrenpunkten den Forderungen, mit denen die deutsch nationale Reichstagsfraktion sich zu Trägern der Entscheidungen weitester Voltstreis« gemacht hatte. Es scheint aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht nicht nur keine Ver- besserung, sondern sogar z. B. in den Fragen der Sachleistungen und de» Transfers«ine wesentliche Verschlechterung der Vorschläge der Sachverständigen zu bringen. Die Zusicherung des Reichsaußen- Ministers, die Schuldfrage in einer dem deutschen Ehrenstandpunkt entsprechenden Weise in London zur Sprache zu bringen, ist bisher nicht eingelöst. Vach alledem ergibt sich die Stellung der deutsch- nationalen Fraktion von selbst, sie kann nur„Ablehnung" lauten." Am 21. August bekräftigte die deutschngtionale Reichs- tagsfraktion diese Entschließung durch folgende Partei- amtliche Mitteilung: „Einmütige Beharrung." „Die deutschnational« Reichstagsfraktion, verstärkt durch zahl- reiche Mitglieder der preußischen Landtagsfraktion, nahm am Don- nerstag einen eingehenden Bericht des Parteivorsitzenden entgegen. Sie sprach zu der bisherigen Haltung der Parteilei- t u n g, insbesondere zu der Veröffentlichung vom IS. August 1924 einmütig ihre Zustimmung aus. Sie stellte ferner einmütig fest, daß sie nach wie vor auf dem in ihren sieben Punkten und in der Rede des Abgeordneten Hoetzsch vom 26. Juli festgelegten Ein belangloses Erlebnis. Von Bruno Vogel. Mein Freund Karl erzählte: Es ist ein gänzlich belangloses Erlebnis. Aber es stimmt mich immer traurig, wenn ich daran denk«. Durch irgendeinen Zufall war ich in die Versammlung einer deutschvölkischen Jugendgruppe geraten. Ein Greis hockt« hinter dem Rednerpult und krächzte über„Das Gebot der Stunde". Mit histo- rischen, kulturpolitischen, biologischen, ethischen und anderen Argu« menten bewies er die Unentbehrlichkeit des Krieges und seinen Wert für die Höherentwicklung des Menschengeschlechts. Kräftiger Beifall unterbrach oft feine scharfgeschliffene Rede und zeigt«, wie der ver- dorrte Verdränger es verstand, seine jugendlichen Zuhörer zu beein- flussen. Nach dem Vortrag«schien zur allgemeinen Verwunderung ein junger Mensch auf der Tribüne. „Dieser Herr", erklärte der Versammlungsleiter,„wünscht«wen Einwand gegen die Ansicht unseres verehrten Führers vorzubringen." Unwilliges Johlen und empörte Zuruf« ließen ahnen, daß die deutschoölkische Jugend diesem Unterfangen ziemlich ablehnend gegen- überstand. „Ich bitte, diesen Herrn ungestört sprechen zu lassen, dann wer. den wir wissen, wie wir uns mit seiner irrigen Meinung ausein- andcrzusetzen haben." Der tobende Protest wurde Schweigen. Etliche hundert Jungen starrten dem Mann mit der irrigen Meinung Haß, Hohn, Verachtung entgegen. Der begann: „Nicht weiß ich, ob die vielen Millionen Toten des Weltkriegs ganz der gleichen Ueberzeugung wären wie euer verehrter Führer. Aber sie sind schon lange verfault und haben nichts zu sagen. Den Lebenden gehört die Welt. Es war in Polen. Nacht für Nacht rannten die Rusien gegen unsere Stellung an. Meist kurz vor Mitternacht sahen wir sie über den Kamm der Ge- ländewelle im Osten gleich schwarzen Fackeln huschen. Dann flackerten überall die stummen Hilseruf« der roten Rateten empor, und schon raste der Hexensabbat der Artilleriegeschosie über uns weg und ent- zündete 800 Meter vor uns«ine funkenzuckende Brandung des Ver» derbens. Bisweilen zeigte«in« Leuchtkugel den Sappenpostsn, wie nach- drücklich das deutsche Sperrfeuer M« Feinde zu Leichen zerhackte. Nach zwanzig, dreißig Minuten war alles getan. Das Artillerie- feuer vcistummt» allmählich, und nur noch vereinzeltes Knallen ziel- loser Gewehrschüsse oder mißmutiges Klassen eines Maschinengewehrs störte die Stille des Schlachtfeldes. Bald glühte hinter den feindlichen Linien die Morgenröte eines neuen Tages auf, und die Sommersverne Standpunkt beharrt. Sie ist sich dabei ihrer Verantwortung voll bewußt und ist überzeugt, daß sie mit dieser Haltung den Jnter- essen und der Stimmung ihrer Parteifreunde w den befetzten Ge- bieten entspricht." Als Zweifel laut wurden, daß die Deutschnationalen dennoch umfallen würden, erließ die Parteileitung am 22. August folgende Mitteilung: „Unbedingt und ohne Rücksicht ablehnen." „Die maßgebenden Führer der deutschnationalen Reichstags- fraktion wenden sich gegen die Interpretation, die der gestrig« deutsch- nationale Fraktionsbefchluß gefunden hat, als wäre damit immer noch die Möglichkeit zu einem„U m f a l l" offengeblieben. Sie betonen demgegenüber, daß die deutschnakionale Fraktion das Dawes-Gutachten und die mit ihm zusammenhängenden Gesetze unbedingt und ohne Rücksicht auf parleipolltlsche Interessen aus außen- politischen Gründen ablehnen werde. Anders könne auch der Frak- tionsbeschluß gar nicht ausgelegt werden, denn er beziehe sich aus- drücklich auf die früheren Beschlüsse und Erklärungen der Fraktion, die die Ablehnung des Londoner Verhandlung sergebmsses klar aussprächen." Und nun der Höhepunkt! Am 25. August sprach H e r g t im Reichstag: „So aber bleibt uns nichts ander« übrig, als alle diese Gesetze abzulehnen. Und Sie wollen ruhig abwarten, wie die Ablehnung am nächste» Donnerstag ausfällt... wir gehen unseren weg. wie uuser Gewisse» ihn vor- schreibt. Ich möchte beinahe sagen, hier stehe ich. ich kann nicht anders. wenn wir um Einfluß in Ländern und um Regieruugs- fitze hätten buhlen wolleu, hätten wir uufere Ueberzeugung jetzt leicht ändern können. Aber wir verzichten darauf um unseres Idealismus willen." Sie konnten auch anders! Gestern nahmen sie die Ge- setze an, und eine Kundgebung der deutschnationalen Partei- leitung kündigt an, daß die Deutschnationalen in die Re» gierung eintreten. Sie haben um Regierungssitze gebuhlt, sie haben ihre Ueberzeugung, sie haben ihren„Idealismus" ver- kauft und verschachert! Ihre Partei wird künftig nicht anders heißen als die Partei der Lügner und gesinnungslosen Schachererl_ Die Halbierten. 50 Proz. nein, 50 Proz. ja! Die deutschnatiönale Fraktion hat sich in zwei fast haar- genau sich deckend« Hälften gespalten. Die eine Hälfte— netto 50 Mann stark— wahrte die„Nibelungentreue" an den „heiligsten Interessen der Nation". Die anderen aber— 49 Recken— fielen auf die weiche Seite der Futterkrippen» Wirtschaft. Sie schluckten den„Schandvertrag", das„zweite Versailles", den„Schrecken ohne Ende", um der lockenden Ministerportefeuilles. Man wird sich die Namen der Zielbewußten beider Richtungen merken wollen. Deshalb setzen wir sie zum ewigen Angedenken hierher. � 49 Jasager: Vachmann. Vnecker(Berlin), Dr. Barth, Vazille, Vehrens, Viener. Fürst Bismarck. Ehrist, Döbrich, Domsch. Dorsch. D ryander, Flekcher, Dr. Gereke, Glaser. Dr. Hanemann, häufe, Hartwig. Hartz, Hoetzsch. Hülser. Juli er, v. Semuih. v. Seudell, Slönue(Dortmund), Koch(Düsseldorf). Krüger (Hoppenrate), Lambach, Lejeune-Zuug. Leopold, Lindner. waretzky, Graf v. Meroeldt, Mumm, veuhau»(Düsseldorf), Paul. Reichert, v. Richthofeu(Breslau). Rippel. Sachs, Schröter. Siller, Dr. Spahn(Söln), v. Stauffenberg. Strathmann, v. Tirpih, Beldt, Vogt, wallras. begann die russischen Sturmwellen der vergangenen Nächte zu stin» kender Fäulnis zu kochen. Wenn der Wind von Osten kam, dann mußten wir uns er- brechen und konnten nichts mehr essen, bis er sich wieder dreht«. Sechzehn Nächte waren so verflossen, die siebzehnte verlief etwas anders. Der Sturmangriff amr gegen 5412 Uhr zusammengebrochen, wie sonst wurde es stiller. Nur ein einziges russisches Geschütz feuerte weiter, in ziemlich regelmäßigen Zcitabständen zwischen uns und die feindlichen Gräben— lauter Blindgänger. Anfangs lachten wir über die vielen Fehlgeburten, alle zwei Minuten eine, dann fiel uns das widerwärtige Kreischen ein wenig auf die Nerven Es klingt häßlich, gellend wie manchmal Straßen- bahnwagen, wenn sie durch Kurven fahren. „Verdammt, kann sich die blöde Kanone dem» gar nicht be» ruhigen?" „Als ob die Idioten nicht wenigsten» mal zur Wwechflung ihren Mist wo ander» abladen könnten!" E» wird quälend. Wie ein« aufdringlich«, scheußlich« Halluzination, die man gern oerscheuchen möchte— man weiß genau, daß« nur ein Traum- gespenst ist— und die unerbittlich notiveirdig immer wieder zurück- kehrt und da» übermüdete Hirn peinigt. Wir warten, bis die zwei Mnuien um sind. Sie werden immer länger, die Schreie der Blindgänger füllen st« mit sinnloser Furcht. „Wenn es bloß bald hell werden wollte!" Endlich dämmert der Morgen. Und wir erkennen, daß es keine Blindgänger find, die so kreischen. Sondern ein Mensch. Alle zwei M muten sehen wir ihn, ungefähr 300 Meter vor unserem Drahtverhau. Alle zwei Minuten schnellt ihn unfaßbar grausame Qual«in Stück über den Boden, a>ag«recht liegt er einen Augenblick in der Lust, krümmt sich und füllt nieder. Wie Fische auf dem Trockenen. Dabei schreit er so wie ein Blindgänger. Alle zwei Minuten sehen wir das. „Es ist nicht auszuhalten!" flüstert heiser jeinand von unserer Bedienungsmannschaft. Ja, es ist nicht auszuhalt«,. Wir richten unser Maschinengewehr ein. Alle zwei Minuten schießen wir. Der ganze Abschnitt feuert auf den armen Russen. Da, Grauen ist kein guter Schütz«, erst gegen%S Uhr hoben wir ihn getroffen. Die entsetzliche Zeit der zwei Minuten war vorüber." Die Augen der deutschoölkischen Jungen, die vorher so fanatisch und haßsroh gefunkelt hatten, waren weicher geworden, nachdenklich oder erschüttert. Weiter sprach der Mann mit der irrigen Meinung: „Eine Frage möchte ich an euch richten, ihr Iungens, die ihr noch ein Lebe» voller Hoffnungen und Werte vor euch habt. Wenn 59 Neinsager: Berndt, Brekelbaum, Bruhn, Budjuhn, v. Dewitz, Dietrich (Prenzlau), Graf Eulenburg, Dr. Eoerliny, v. Freytagh-Loringhoven, Geisler, Gok, v. Goldacker, Graef-Thüringen, Haag, Hartmann, Hemeler, Hensel, Hergt, Jandrey, Laverrenz, Logemann, Lohmann, Malkewitz, Manzke, Martin, Müller- Otfried, Oberfohrcn, Ohler, Philipp, Quaatz, Rieseberg, Roth(Württemberg), Schlange (Schöningen), Schmidt(Hannover), Schmidt(Stettin), Schott. Schultz lBromberg), Schulze(Frankfurt a. d. O.), v. Sperber, Steiniger, Stubbendorff, Thomsen, Treviranus, Wege, Dr. Werner, Westarp, Wienbeck, Wischnövski, Wolf(Siettin), Wormit. Gefehlt haben 6 Abgeordnete, nämlich Frau Behm, Hugenberg, Körner, Lind, Schiele, Weilnböck. Wir haben die Namen der in besetzten Gebieten ewählten oder dort wohnenden Deutschnationalen g e- p e r r t gesetzt. Man kann daraus entnehmen, daß keiner von ihnen zu den N e in sagern gehörte! Bemerkenswert ist auch, daß fast alle sogenannten„Arbeitervertreter" bei der Großagrarierpartei für die Annahme des Londoner Paktes gestimmt haben. Zu den Jasagern gehören fast alle im in- dustriellen Sachsen Gewählten. Aber in Zukunft werden alle deutschnationalen patrioti- schen Parolen immer begleitet werden mit der treudeutschen Versicherung:„Nu, sagen wir die Hälfte,..!" Der Kaufvertrag. Brief der Volkspartei an die Deutschnationale«. Zur Bestätigung des Pakts, der den Deutschnationalen für ihren Umfall mehrere Stellen in der Reichs- regierung sichern soll, richtete die D e u t s ch e V o l k s- Partei im Laufe des gestrigen Tages an die deutsch- nationale Reichstagsfraktion folgendes Schreiben: In entscheidender Stunde wendet sich die Fraktion der Deutschon Dolkspartei an die Deutschnationalen. Wir haben volles Verständnis dafür, daß in den Reihen der Deuts chnaticrtalen Volkspartei bittere Enttäuschung über dos in London nicht Erreichte herrscht. Wir teilen diese Enktäuschung. Der Londoner Pakt ist nur erklärlich, wenn man ihn als einen ersten Schritt in der Richtung der Neugestaltung der weltpolitischen Lage zu Deutschlands Gunsten und zugleich als das einzige heute gegebene Mittel zur Befreiung von Rhein und Ruhr aus den Fesseln der franzöfisch-belgischen Pfänderp oiitik betrachtet. Es kommt aber dar- auf an, auf diesem Weg« zielbewußt voranzuschreiten und mit allen Kräften das nachzuholen, was in London noch nicht durchgefetzt werden konnte. Zur Mitwirkung an dieser Zukunftsarbeit rufen wir die Deutschnatiönale Volkspartei auf. Wir haben fett den Reichstagswahlen danach gestrebt, die»verwollen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Kräfte der Deutschnatiönale»» Volksparlei zur verankwortlichen Mitarbeit an den Reichsgeschäften heranzu- ziehen. Wir erklären heut«, daß wir dies« Mitarbeit bei der Durchführung des Londoner Pakts und des innerpolilischen Ausbaues für votrvendig halten. Uebernimmt die Deutschnationale Volkspartei die Verantwortung für das Zustandekommen des Londoner Paktes mit uns, wird die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei mit allen Mitteln auf einer ihrer Bedeutung entsprechenden Teilnahme der Deutschnationalen an der Reichsregierung bestehen. Diesen Standpunkt hoben unsere Vertreter bei allen Aussprachen der letzten Woche«ingenommen. Wir halten es für unsere Pflicht, dies auch ausdrücklich zu wiederholen. Bisher wollten die Deutschnationalen die Mitwelk. glauben machen, daß sie eine Partei von Helden sei. Der Brief der Stresemänner beweist, daß sie, wenigstens zur Hälfte, ins Volk der Händler übergegangen find. Spaltung der Deutschnationalen? Di« Expreß-Korr.- meldet: Es verlautet, daß etwa 30 Mitglieder der Deutschnationalen Fraktion infolge der Zusttmmung von 49 Deutschnationalen zum Eisenbahngcsetz aus dieser ausscheide»» und sich den Deutschvöltischen anschließen wollen. ein jeder von euch genau wüßte, daß er morgen, daß er jemals in seinem Leben so sterben muß wie jener Russe, hieltet ihr dann auch noch den Krieg für das Gebot der Stunde? Wenn ihr wüßtet---* Da zeterte die Kröhmstimme des verehrten Führers:„Haut den Schurken!" Die nun folgend« Viertelstunde bracht« dem Schurken und mir die Ueberzeugung bei, daß das dort versammelte edle Germanendlut überaus heldenhaft zu prügeln»»erstand, ein« subjekttv« Empfindung, die durch die Diagnose eines Arztes ih»« obiekttoe Bestätigung erhielt. Wie gesagt, ein gänzlich belangloses Erlebnis. Aber dennoch, es stimmt mich immer traurig, lvenn ich daran denke: Als dies« jungen Menschen von dem Ende jenes fremden Russen hörten, da wurden ihre Augen nachdenklich. Die neue 5ra« Se's fernen Gftens. „(Es ist die tägliche Pflicht der Ehefrau, ihren Gatten mit freundlichen Blicken und liebenden Worten zu empfangen, wenn er nach Hause zurückkehrt. Sie muß ihm stets Freude bereiten. Wenn sie ihm bei seiner Arbeit lsilst, so hat sie ihm strengen Gehorsam zu leisten, und in der Häuslichkeit muß sie seden Zank und Streit vermeiden, wenn sie ihm widerspricht, so darf sie dies nur in ru- higer und demütiger Weife geschehen. Mangelnd« Harmonie zwischen der Mutter des Gatten und ihr« Schwiegertochter rührt in den meisten Füllen von dem Ungehorsam und der Pflichtvergessen. heit der letzteren her." Diese Sätze, die der modernen Europäerii recht merkwürdig klingen mögen, stammen aus einem Schulbuch, wie es auf den japanischen Mädchenschulen in Gebrauch ist. Solche Anschauungen stimmen wenig üb««in mit dem, was die neue Frau im fernen Osten für sich und ihre Schwestern durchletzen will. Aber sie zeigen zugleich, wie schwer es ist, im Orient die Ideen der Selbständigkeit und der Freiheit der Frau durchzusetzen. So ist denn die Frauenbewegung im fernen Osten, soviel auch von Ihr geredet wird, loch immer in den ersten A»rfängen. Eine genau« Kennerin de» Ostens, Jan« Covendish, die lang« Zeit in China und Japan gelebt hat, schreibt darüber: „In den letzten Jahren zeigen die Fra»»en des fernen Ostens im ollgemeinen und die von Japan im besonderen eine wachsende Ent- schlossenheit, sich aus dem Zustand der Unfreiheit, in dem sie seit unoordentlichen Zeiten leben, zu befreien. Aber trotzdem ist d« Unterschied zwischen westlichen und östüchen Anschauungen üb« Frauenrechte eil« d« stärksten Abgründe, die noch zwischen dem Abendland und dem Morgenland klaffen. Dabei darf man nicht «ttoa glauben, daß die Frauen in China und Japan ohne Macht sind. Di« Pietät d« Kinder, die im Osten wie eine veligjöse Sitte «ingehalten wird, unt«wirft die Kinder dem Willen d« Mutter, die dadurch in der Familie ein« ausschlaggebende Stellung ein- nimmt. Aber die Herrschaft der Mu4i« in der Familie hat mit Frauenemanzipation nichts zu tun, und es wäre ein« Uebertreibung, wenn man in China bereits von einer allgemeinen Frauenbewe- gung sprechen wollte. Rur einzeln« Zeichen deuten auf kommend« Unuvölzungen hin. Die Fußrxwstümmelung d« Chinesinnen ver- Angst vor der Sozialdemokratie. Offizielle Begründung des Umfalls. Bon der deutschnationalen Parteileitung wird folgende Mitteilung verbreitet: dn Die beiden Anschauungen, die bei der Abstimmung der Deutschnationalen Boltspartei zum Eisenbahngesetz in Erscheinung traten, beruhen selbstverständlich nicht auf einem Gegensatz der Grundauf fassungen, sondern lediglich auf der differenzierten Beurteilung der Lage. In der Beurteilung des Londoner Abkommens, der Notwendigkeit seiner. Berbesserungen, der Gefahren eines drohen den Linkskurses sind alle Mitglieder der deutschnationalen Fraktion einig. Bei dieser gemeinsamen Grundauffaffung haben die Abgeordneten, die mit Rein" stimmten, den Gedanten der Un. erträglichkeit der Londoner Ergebnisse und der wirtschaftlichen Untragbarkeit der Abkommen den Vorrang gelassen, während die Ja. Stimmen auf die Erwägung zurückgingen, daß durch das Vermeiden einer akuten Krise durch Beteiligung der Deutschnatio nalen Volkspartei an der Regierung und durch Einflußnahme auf die Durchführung des Abkommens im Sinne einer stetigen Berbesserung der augenblicklichen Notwendigkeit genügt werde. Bürgerblockdiplomatie 1. Akt. Regierungserklärung zur Kriegsschuldfrage. Aus Anlaß der Berabschiedung der Gesetze über die Londoner Vereinbarungen erläßt der Reichskanzler na mens der Reichsregierung folgende Kundgebung: und fommunistisches Propagandamaterial in Südbayern verbreitet hat. * Seißer bleibt! München, 29. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Aus zuverläffiger Quelle wird mitgeteilt, daß die bayerische Regierung am Freitag über den Fall Seißer endgültig entschieden hat. Die kündigung des Vertrages mit Seißer werde auf Grund des Urteils des Staatsgerichtshofes zurüd genommen. Deutschlands Berufungsrecht. zu verlangen. Der Reichstag hat mit den heute gefaßten Beschlüffen sein Siegel unter die Londoner Vereinbarungen gesetzt. Damit ist eine Entscheidung getroffen, die für das Schicksal des deutschen Volkes auf Jahre hinaus von maßgebender Bedeutung sein wird. Der Reichsregierung ist es ein Bedürfnis, allen Mitgliedern des Reichstages, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben, ihren anf Der, Temps" bestreitet Deutschlands Recht, Nachprüfung auszusprechen. Alle Beteiligten haben schwere Bedenken überwinden und persönliche Ueberzeugungen zurücstellen müffen, um zur Annahme der Londoner Vereinbarungen zu gelangen. So minister Dr. Stresemann am Donnerstag im Reichstag abgeParis, 29. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die vom Außen-. schwer der Entschluß auch jedem einzelnen geworden sein mag, er gebene Erklärung, daß die deutsche Regierung sich das Recht vormußte doch gemacht werden, wenn unserem Vaterlande der Weg in behalte, gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages eine neue eine beffere Zukunft eröffnet werden sollte. Nachprüfung der deutschen Leistungsfähigkeit zu beantragen, wenn Die Reichsregierung fann und will aber diesen bebeuffamen sich herausstellen sollte, daß die Zahlungen, die der Dawes- Plan von Augenblid, in dem sie in Durchführung des Versailler Vertrages Deutschland erfordere, dessen Leistungsvermögen übersteigen, wird schwere Verpflichtungen auf sich nimmt, nicht vorübergehen lassen, hier als eine irrige Interpretation der Londoner Beschlüsse sehr ohne in der Kriegsschuldfrage, die feit 1919 mit schwerem scharf bekämpft. So erklärt der„ Temps", daß eine Berufung Druck auf der Seele des deutschen Volkes laftet, klar und unzwei Deutschlands auf den Versailler Artikel 234 mit den Londoner Abdeutig ihren Standpunkt darzulegen. Die uns durch den machungen unvereinbar sei. Dieser Artikel beziehe sich ausschließBersailler Vertrag unter dem Drud über- lich auf die Deutschland nach Artikel 233, d. h. im tonkreten Fall, mächtiger Gewalt auferlegte Feststellung, daß im Londoner Bahlungsplan auferlegten Zahlungen, nicht Deutschland den Weltkrieg durch seinen Angriff aber auf die in freien Bereinbarungen zustande gekomentfesselt habe, widerspricht den Tatsachen der menen Abmachungen über die Zahlungsmodalitäten. Wenn die Die Lage hat übrigens dadurch eine wesentliche Aenderung er- daß sie diese Festlegung nicht anerkennt. Es den Dames- Plan zu unterhöhlen versuche, so zerreiße fie Geschichte. Die Reichsregierung ertlärt daher, deutsche Regierung durch ein System neuer Moratorien und Rabatte fahren, daß die Regierung inzwischen in einer ausdrücklichen feier eine gerechte Forderung des deutschen Volfes, von der Bürde damit die Londoner Konferenzbeschlüsse und gebe Frankreich das lichen Erklärung das Schuldbekenntnis von Versailles widerrufen hat. Diese grundlegende Aenderung der außenpolitischen Haltung dieser falschen Anklage befreit zu werden. Solange das nicht ge- Recht, auf die Mittel, die ihm der Friedensvertrag liefere, zurüdder Regierung ist ebenso wie die erreichte Verbesserung zu den schehen ist, und folange ein Mitglied der Völk: rgemeinschaft zum Dawes- Plänen ein Erfolg der Opposition, die sich jetzt zuständigung und Versöhnung zwischen den Völkern nicht vollendet Verbrecher an der Menschheit gestempelt wird, kann die wahre Bermitwirtender Teilnahme an der Leitung der werden. Die Reichsregierung wird Anlaß nehmen, deutschen Politit anfchidt. diese Erklärung den fremden Regierungen zur Kenntnis zu bringen. Die Fraktion, die ihrer Gepflogenheit entsprechend, auch in diesem Falle keinerlei Frattionszwang ausgeübt hat, darf bei jedem diesem Falle teinerlei Frattionszwang ausgeübt hat, darf bei jedem Einsichtigen Verständnis für beide Gedankengänge erwarten. Sie sieht den Misdeutungen ihrer Gegner in dem Gefühl grundsät licher Uebereinstimmung in den hohen Zielen der Partei mit Ruhe entgegen. Tirpitz entschuldigt sich. Wo bleiben die Balken? Die Bayerngruppe der Deutschnationalen läßt unter Führung von Tirpitz einen Entschuldigungszettel verbreiten. Danach haben die in Banen gewählten Abgg. Tirpik, Bachmann, Sachs und Strathmann mit Rücksicht auf die schwebenden Berhandlungen über die Schaffung des Bürgerblods und angesichts der Tatsache, daß das una bänderliche Ergebnis von London durch die Regierung nach deren bestimmten Erklärungen unter allen Umständen sichergestellt worden wäre, wozu ja die Reichsverfassung Art. 45 eine Handhabe bietet, trot schwerster Bedenken bei der entscheidenden Abstimmung mit 3a geftimmt". Also weil's auch ohne sie ging, haben die Leute mit Ja geftimmt!? Allerdings mit Rücksicht auf die Bürgerblockverhandlungen! Das Tannenberg der Juden. Ludendorff blitt Geift. Biel besprochen wurde gestern im Reichstag folgender Borfall. Nach der entscheidenden Abstimmung trat Ludendorff an den Bolksparteiler Admiral a. D. Brüninghaus heran und sagte in Schroffem Lon: Zehn Jahre nach Tannenberg haben Sie ben Juden zu ihrem Tannenberg verholfen." Darauf Brüninghaus: ,, Exzellenz, darüber wird die Geschichte urteilen!" Der Parteiausschuß trat am Freitag im Reichstag unmittelbar nach der Abstimmung über die Daives- Geseze zusammen. Nach einem Referat des Genossen Hilferding und furzer überein timmenber Aussprache über die politische Situation befaßte fich der Ausschuß eingehend mit einer Reihe organisatorischer Fragen. schwindet mehr und mehr, und in den fortgeschritteneren Provinzen unterwerfen fich die jungen Baare aus guten Familien nicht mehr dem alten Brauch, der sie bereits als Kinder zusammengibt, sondern wollen als erwachsene Menschen selbst den Lebensgefährten wählen. An einer chinesischen Universität unterrichten bereits zwei weibliche, in Amerita ausgebildete Professoren die männlicher Studenten. Auch in Japan ist die Frauenbewegung noch nicht vollständig or= ganisiert, aber fie besteht und wächst zusehends. Bis 1921 mar es den Frauen in Japan verboten, an politischen Versammlungen teilzunehmen. Jetzt haben sie sich dieses Recht erobert, und da es 14 Million weibliche Arbeiter in Japan gibt, fo wird die Frau gar bald in der Politif eine Rolle spielen und sich vielleicht in den fozialen Rämpfen des nächsten Jahrzehntes das Frauenstimmrecht er. ringen. Alles in allem genommen hat die Frau des fernen Ostens eben erst begonnen, sich aus den Fesseln zu befreien, in denen sie seit Jahrtausenden gelegen. Die Frauenfrage gewinnt eine immer größere Wichtigkeit, auch in dem Berhältnis von Morgenland zu Abendland, und erst wenn die Frau sich auf eine ähnliche Stufe erhoben hat wie bei uns, wird ein besseres Verständnis zwischen Orient und Abendland anbrechen." 02 Der zweite Luther. Zu Worms sprach Mönch Martin: Hier steh ich, Ich fann nit anders," und blieb feft. Da sieht man doch, wie wenig fähig Er in Diplomatie geweft. Hätt Luther schon vorausgeahnet Herrn Hergt und feine Braftita, Er hätt den Rüdzug angebahnet Durch ein hinzugefügt Beinah". " 3. Der Reichstanzler. Μπατξ. Die Sozialdemokraten sind der Reichsregierung für den Dant, den sie ihnen ausspricht, sehr verbunden, müssen aber bemerken, daß sie nicht um dieses noch eines anderen Dantes willen für die Verwirklichung des Dawes- Planes eingetreten sind. Im übrigen muß man bedauern, daß die Erklärung der Regierung zur Schuldfrage dadurch entwertet wird, daß sie einen Bestandteil eines Außerdem sind die Auftraggeber dieser Erklärung eben im innerpolitischen Tauschgeschäftes darstellt. Begriff, den Reichskanzler, der sie unterzeichnet hat, davon= zujagen, und auch das trägt nicht zur Höherbewertung der Unterschrift bei. Man fann also nicht behaupten, daß die Bürgerbloddiplomatie mit ihrem ersten Streich besonders glücklich gewesen ist. Der Schlußakt in London. zugreifen. Die Dawes- Kommissare. Paris, 29. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Reparationsfommission ist am Freitag morgen zu einer nicht offiziellen Sizung aufammengetreten, um über die Auswahl der Dawes- Kommissare zu beraten. Als Agent für die Reparationszahlungen" wird Owen Young( Morgan u. Cie.) gewählt. Er hat die Uebernahme bes Amts jedoch nur auf die Zeit bis zur vollen Ingangsegung des Dames- Plans zugesagt und sich vorbehalten, daß schon jetzt seier zufünftiger Nachfolger ihm zur Seite gestellt werde; als Kandidat dafür wird der amerikanische Bankier Gilbert genannt. Treuhänder und Industrie obligationen soll der belgische Delegierte in der zur Verwaltung der von Deutschland zu übergebenden EisenbahnReparations tommiffion, Delacroig, werden. Die Ernennungen werden der deutschen Regierung alsbald mitgeteilt werden. Die Völkerbundtagung. nachmittags begann die erste öffentliche Sigung der Völkerbund Genf, 29. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Heute um 5 Uhr tagung. Herriot und Macdonald sind noch nicht eingetroffen. Auf der Tagesordnung stehen: Stlaverei, Mandate, Opiumhandel- Berichterstatter Branting- Schweden; Frauen-, Kinderschuß und Orient. flüchtlinge Berichterstatter Lord Parmoor- England. Der Bericht über die Kolonialmandate stellt eine starte Zunahme der Alkoholeinfuhr in die ehemals deutschen Kolonien Der Botschafter in London, Dr. Sthamer, hat am Donnerstag nachmittag Anweisung erhalten, die Bondoner Togo und Kamerun fest. Es werden Gegenmaßnahmen gefordert Abmachungen am Sonnabend zu unterzeichnen. Noch ein Schachergeschäft. Bayern, London und die Reichsbahn. München, 29. August.( Eigener Drahtbericht.) Ueber das fünftige Berhältnis der bayerischen Eisenbahnen zu den Reichsbahnen wird halbamtlich mitgeteilt, daß Bayern die Londoner Konferenz dazu benuht habe, eine Anzahl Sicherungen für die Durchsetzung der bayerischen Forderungen im Eisenbahnwefen zu erreichen. Bayern habe außerdem sich ausdrücklich und feierlich seine Rechte an den Bahnen vorbehalten und ihre Geltendmachung für jeden günstig erscheinenden Zeitpunkt angefündigt. Ueber die mit der Reichsregierung getroffenen Abmachungen wird mitgeteilt, daß bei ihnen von besonderer Wichtigkeit die Befeßung der 3weigstelle Bayern fei, die des Direktoriums, des Berwaltungsrats, insbesondere auch die Besetzung der Präsidentenftellen, ferner die Mitwirkung bei der Tarifgestaltung und die Sicherung bestimmter für Bayern günstiger Tarif systeme, ebenso die Rechte der bayerischen Eisenbahnbeamten. Die erreichten Sicherungen hätten eine weitgehende Selbst. ständigkeit des bayerischen Nezes und schließlich auch einen erleichterten Uebergang in die Selbstverwaltung der bayerischen Bahnen ermöglicht. Wenn dazu, wie bestimmt gehofft werde, die Ablösungsfrage und mit ihr die Sicherstellung der bayerischen Eisenbahngläubiger eine günstige Lösung finde, bei der namentlich auch die Beteiligung am Eigentum gewährleistet sei, dann werde Bayern in der Geltendmachung feiner Eisenbahnrechte gegenüber den letzten Jahren um einen großen Schritt vorwärts gekommen sein. Frontbann. Hätt Luther, fatt verftocht zu truthen, Bubendorff und Graefe bekennen", umfaffen soll. Mit dieſem Den Wormfer Reichstag nur geafft, Ronnte sein Lutherwort er nugen Zu einem fleinen Tauschgeschäft. Doch diefer Trogtopf hat auch richtig Des Papstes Bannbulle verbrannt, Und er behielt wie unvorsichtig! Nichts Schriftliches mehr in der Hand. Hergt hätte auch, ein zweiler Luther, Berbrannt das Londoner Dittat. Doch erst, nachdem ins Unterfutter Er eingenäht ein Duplikat. Luther stand fest zu seinem Worte. Ihn traf die Acht. Was nüßt es ihm? Hergt ist von jener flügeren Sorte, Wo Umfall erst den Helden macht. H Mich. von Lindenheden. Das Deutsche Opernhaus eröffnet seine neue Spielzelt am Sonntag mit einer Aufführung der Meistersinger von Nürnberg boltstümlichen Preisen. Als Hans Sachs verabschiedet sich Julius vom Seibt. Als musikalischer Retter fritt der neu berpflichtete Kapellmeister Paul Breisach sein Amt an. 1. Systematische Politisierung der Wehrbewegung". München, 29. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Angst vor dem Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veranlaßt die Bölkischen, ihre start zerfallenen Rampfverbände etwas aufzubügeln. Der völkische Reichstagsabgeordnete Hauptmann Röhm hat auf Befehl" vermutlich Ludendorffs einen Frontbann" gegründet, der die „ auf dem Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung stehenden Verbände und Kameraden, die sich bedingungslos zu Hitler, Frontbann" bilden eine Frontjugend" und der bisher schon bestehende Frontfriegerbund" den" Frontring". Aus drücklich wird vom„ Böltischen Kurier" dazu gefagt, daß mit diesen Organisationen die systematische Politisierung der deutschen Wehr bewegung, d. h. also eine Neuauflage der berüchtigten von der bayerischen Regierung verbotenen Hitlerschen Stoßtrupps betrieben werden soll. Wie unser Münchener Parteiblatt, die Münchener Bost", mitteilen fann, enthalten die Dienst vorschriften der neuen Organisationen neben anderem intereffanten Material, das nicht veröffentlicht werden könne, einen von jedem Mitglied zu leistenden Fahneneid, in dem folgender Satz vortommt: Jch gelobe meinem Führer Ludendorff, den von ihm ernannten Unterführern und meiner Fahne Treue und Gehorsam bis in den Tod." München, 29. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Wegen För derung der durch Kahr verbotenen Rommunistischen Par tei ist der Hilfsarbeiter Paul Tanzmeier zu 3½ Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sein Verbrechen bestand darin, daß er im Zimmer der Kommunistischen Landtagsfraktion telepho nische Verbindung mit der KPD.- Zentrale in Berlin unterhalten und weiter soll die Aushebung von Eingeborenen zum Heeresdienst für die Verwendung in den Mandatsgebieten felbft gestattet werden. Dazu macht Frantreich einen Borbehalf für den Kriegsfall. Der Mandatsbericht wurde ge= billigt. Der Opiumbericht wurde einer Spezialfonferenz überwiesen, die im November stattfinden wird. vormittags. Sie wird außer den heute nicht erledigten Bunkten Die nächste öffentliche Sigung ist morgen, Sonnabend, 11 Uhr noch über Finanzfragen des Bölkerbundes, Rüftungseinschränkungen, Rontrolle privater Waffenherstellung und des Waffenhandels, den chemischen Krieg, die Regierungsantworten auf den Garantiepaft vorschlagen, den finanziellen Wiederaufbau Deutschösterreichs und Ungarns, die Iraffrage( Mesopotamien) und die geistige Zusammenarbeit beraten. Ferner wird sich die Bersammlung mit dem Schuß polnischer Interessen in Danzig, mit der Errichtung weisung eines polnischen Postames im Danziger Hafen, mit der Aus Danziger Bolen, mit der Vermehrung der Saar gendarmerie, mit dem Staatsangehöriger Berbleib französischer Truppen im Saargebiet, mit der Kontrolle der deutschen Wareneinfuhr in das Saargebiet und mit der Bestätigung von Regierungskommissaren für das Saargebiet beschäftigen. aus Am Freitagmittag ist der Bölkerbundrat unter dem Vorsitz Don Hymans zu seiner ersten nichtöffentlichen Sigung zufammengetreten. Anwesend waren u. a. Branting, Benesch und Lord Parmoor. Es wurde zunächst die Tagesordnung für die Völkerbundkonferenz festgesezt und dann finanzielle Verwal tungsfragen besprochen. Genf, 29. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Freitag hat eine Gruppe der linfsbürgerlichen Mitglieder der Interparlamen tarischen Union in Genf eine Entente cordiale gegründet, deren Aufgabe die dauernde Arbeit am europäischen Frieden ist. Es murde ein Exekutivausschuß von sieben Mitgliedern eingefeßt, der bie erforderlichen Vorarbeiten leisten soll. Bon Deutschland ist an diesem Ausschuß der Demofrat Heile beteiligt. Sawinkow zum Tode verurteilt. Mostau, 29. August.( DE.) Vor einigen Tagen, wurde in Minst Boris Sawintow, der unter dem Namen Stephanow aus Polen gekommen war, festgenommen und sogleich nach Moskau gebracht. 72 Stunden nach seiner Verhaftung wurde ihm die Anflageatte vorgelegt. Der Prozeß wurde am 28. Auguft im Militärfollegium des Obersten Gerichts verhandelt. Wie von zuständiger ruffischer Stelle mitgeteilt wird, bekannte fich der Angeklagte schuldig, eine gegen die Sowjetregierung gerichtete gegenrevolutionäre Tätigkeit entfaltet zu haben und verzichtete auf Begnadigung. Während seiner Haft hatte Sawintow einen Aufruf an die russischen Emigranten verfaßt, mit der Aufforderung, die Bekämpfung der Sowjetregierung aufzugeben. Das Gericht verurteilte Sawinfow zum Tode, doch in Anbetracht des erwähn ten Aufrufes, sowie der Reue, die der Angeklagte ausgedrückt habe, beschloß das Gericht, sich an das Allrussische Zentralerefutiv fomitee zu wenden und die Ersehung der Todesstrafe durch eine andere Strafe zu befürworten. 9 Gawintow gehörte zur Zeit der Zarenregierung zu den betanntesten russischen Revolutionären. U. a. war er der Organisator der Attentate gegen den Großfürsten Sergius und den Minister Plehwe. Als Gegner der Sowjetregierung hat er sich ebenfalls energisch betätigt. Im Einvernehmen mit der polnischen Regierung vertrat er die Idee der Intervention in Sowjetrußland, welche in dem letzten polnischen Kriege gegen Rußland ihren Ausdruck fand. Ausnahmezustand in Kroatien. Infolge der andauernden republikanischen Agitation auf dem Lande hat die Belgrader Regierung die kroatischen Verfassungrechte aufgehoben. = Das englische Arbeitszeitgeseh. Das vom englischen Arbeitsminister angekündigte Gesetz über die Arbeitszeit in gewerblichen Betrieben ist kürzlich dem Unterhaus zugegangen. In Geist und Wortlaut fußt es auf dem Washingtoner„ Entwurf eines Uebereinkommens betref fend Festlegung der Arbeitszeit in gewerblichen Betrieben auf 8 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich". Durch dieses Gesetz sind in England die erforderlichen Voraussegungen für die Ratifitation des internationalen ebereinkommens von Washington geschaffen. Bekanntlich hat bisher in England te i ne gesetzliche Sicherung des Achtstundentages und der 48stündigen Arbeitswoche bestanden. Trogdem war auch in England seit Kriegsende der Achtstundentag die Norm. Die feit 1919 abgeschloffenen oder bereits bestehenden und revidierten Rollektivverträge betreffen ca. 10 bis 12 Millionen Arbeiter, d. h. ca. 80 Proz. der Gesamtarbeiter schaft und sehen fast allgemein eine durchschnittliche Normalarbeitszeit von 44 Stunden wöchentlich nor. Obgleich diese Kollektivverträge Ueberstunden gegen höheren Tariflohn zulassen, wurde davon kaum Gebrauch gemacht. Der Leiter der Arbeitsaufficht betont in seinem Bericht, daß die Herabfegung der Arbeitszeit seit 1919 feine Er höhung der eberarbeit mit sich gebracht hat, im Gegenteil, vielfach haben es die Arbeiter abgelehnt, Ueberflunden zu leisten, obgleich folche tariflich zulässig waren. Im Februar 1919 berief die englische Regierung eine nationale Industrietonferenz ein, aus der ein aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern paritätisch zufammengesetzter Ausschuß zum Studium der Arbeitszeitfrage hervorging. Dieser AusSchuß hat sich zugunsten einer 48stündigen Arbeitswoche ausgesprochen und der Arbeitsminister hat am 18. August 1919 bem Parlament den Entwurf eines Achtstunden tagsgefeges vorgelegt. Der Entwurf war der Gegenstand vieler Kritiken, besonders weil die Arbeiter in der Landwirtschaft und die Seeleute darin nicht berüc fichtigt waren. Nach neuen Beratungen mit dem paritätischen Ausschuß hat der Arbeitsminister einen Gesezentwurf vorbereitet, in dem auch die landwirtschaftlichen Arbeiter berüdfichtigt wurden. Natürlich hat es auch in England während der Wirtschaftskrisen nicht an reaktionären Bestrebungen auf dem Gebiete der Arbeitszeit gefehlt. Besonders die ton fervativen Regierungen haben das Uebereinkommen non Washington heftig angegriffen und beim Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts auf Abänderungen gedrungen, da das Uebereinkommen für die nationale Gesetzgebung zu wenig anpassungsfähig sei. Seit der Herrschaft der Arbeiterpartei( Labour Party) hat dieser Widerstand aufgehört. In dem vorliegenden Gefeßentwurf wird unter Bezugnahme auf das Washingtoner llebereinkommen, die Arbeitszeit in gewerblichen Betrieben auf 8 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich beschränkt, ausschließlich der anerkannten Effens- oder Ruhepausen. Die in den gewerblichen Betrieben mit laufmännischen Arbeiten beschäftigten Personen können durch einen Erlaß des Arbeitsministers von dieser Bestimmungen ausgenommen werden. Eine Reihe von Ausnahmebestimmungen befaßt sich mit der Berteilung der Arbeitsstunden, so darf& B. an einem oder mehreren Tagen der Woche bis zu höchstens einer Stunde täg lich länger gearbeitet werden, wenn in den betreffenden Betrieben an den anderen Tagen der Woche weniger als 8 Stunden täglicher Arbeitszeit geleistet werden, jedoch nur, wenn eine diesbezügliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerver. bänden zustande fommt. Bei Schichtarbeit darf die Arbeitszeit über 8 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich hinausgehen, wenn die durchschnittliche Zahl der Arbeitsstunden im Be: laufe der für den Schichtwechsel üblichen Zeiten 8 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich nicht überschreitet. Es handelt sich hier lediglich um Abweichungen vom schematischen Acht. ftundentag, praktisch geht die Arbeitszeit innerhalb einer bebestimmten Arbeitsperiode nicht über 8 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich hinaus. Dagegen darf in Betrieben, die ihrer Natur nach einen un unterbrochenen Schichtwechsel erfordern. die Arbeitszeit verlängert werden, jedoch nicht über einen Durchschnitt von 56 Stunden wöchentlich hinaus. Desgleichen darf die Arbeitszeit verlängert werden bei eintretenden oder drohenden Unglüds. fällen oder bei dringenden Arbeiten an den Maschinen oder den Betriebseinrichtungen und in Fällen höherer Gewalt. In diesem Falle fann die Arbeitszeit soweit überschritten werden als erforderlich ist, um eine ernstliche Störung des regelmäßigen Ganges des Betriebes zu verhüten. Bei ueberarbeit müssen mindestens 25 vom Hun dert über die für die regelmäßige Arbeitszeit geltenden Löhne bezahlt werden. Diese Ucberarbeit ist nur zulässig, wenn sie der Minister durch Erlaß freigibt, und zwar für Borbereitungsoder Hilfsarbeiten, die notwendigerweise außerhalb der für den Be3 .sit trich festgesetzten Arbeitszeit vorgenommen werden müssen, oder besteht kein Zweifel, daß am 21. September der Ruf„ ieber für gewisse Gruppen von Arbeitern, deren Arbeit ihrem Wesen nach mit dem Krieg" in allen Ländern ertönen wird. Es ist selbstverständlich, daß mit dem 21. September die AntiUnterbrechungen erfährt( Arbeitsbereitschaft). Borübergehend sind, wenn dies durch einen Eriaß verordnet wird, auch Ueber- Striegsaltion des JGB. nicht zu Ende geht, sondern daß auch nachſtunden zuiäffig bei außergewöhnlicher häufung her alles getan wird, um die Abneigung der Böller gegen Strieg der Arbeit. Derartige Ausführungsbestimmungen über Abwei- und Kriegsrüstung zu stärken und un: fünftige Kriege unmöglich hungen und Ueberarbeit sollen vom Minister nur erlassen werden zu machen. nach Anhörung der Berbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Sahung der Reichsgewerkschaft. Betrieb" im Sinne des Gefezes tft, welche Personen von den Streitfragen darüber, ob ein Betrieb ein gewerblicher Bergen Sinne des Der erweiterte Borstand der Reichsgewerkschaft Deutscher Bestimmungen dieses Gesetzes betroffen werden, oder ob eine Arbeit Eisenbahnbeamten und Anwärter hat auf seiner Tagung am als Vorbereitungs- oder Ergänzungsarbeit gilt, oder ob sie not- 29. August beschlossen, dem§ 2 der Sazung folgende wendig außerhalb der für den Betrieb geltenden allgemeinen Ar- affing zu geben: Die Reichsgewertschaft steht auf dem Boden der Weimarer beitszeit ausgeführt werden muß, oder ob eine Arbeit ihrem Wesen nach Unterbrechung erfährt, entscheidet der Schiedsrichter, Verfassung. Sie ist bereit, diese Verfassung mit allen ihr zu dessen Entscheidung, soweit sie Tatsachen betrifft, endgültig und Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. abschließend ist und gegen die es feine Berufung beim Gericht gibt. Wer sich durch die Entscheidung des Schiedsrichters in einer solchen Frage beschwert fühlt, kann deswegen in einer Rechtsfrage bei dem Richter des Hohen Gerichtshofes Berufung einlegen, der zu diesem Zwed vom Lordkanzler bestimmt wird. Deffen Entfcheidung ist endgültig. Als Schiedsrichter foll der Schiedsrichter oder stellvertretende Schiedsrichter des Gesetzes über die Versiche rung gegen Erwerbslosigkeit bestellt werden. Wer die Bestimmungen dieses Gesetzes übertritt, fann zu einer Geldstrafe bis zu 20 Pfund für jeden einzelnen er stoß verurteilt werden. Haftbar ist der Arbeitgeber. Benn ein Arbeitgeber einwandfrei nachweist, daß der Verstoß von einem Angestellten oder dergleichen ohne Wissen und Schuld des Arbeitgebers geschehen ist, fann er von einer Bestrafung verschont bleiben. Das Verfahren tann gegen diesen Angestellten oder an dere Person, die an dem Verstoß Schuld trägt, eingeleitet und durch geführt werden. Das Gesez findet keine Anwendung auf Betriebe, in denen lediglich Mitglieder einer und derfelben Familie beschäftigt find, auf Personen in leitender oder Vertrauensstellung mit entsprechender Bezahlung, auf Personen, die in der Seefischerei oder Landwirtschaft beschäftigt sind, oder auf Rapitäne, Steuerleute und Mitglieder der Bejagung eines Fahrzeuges, oder auf Seimarbeiter. Die Reichsgetverfschaft bezweckt unter Antoendung aller verfassungsmäßigen gewerkschaftlichen Mittel, die Wahrung der gemein famen Standes und Berufsinteressen der Eisenbahnbeamten und ihrer Anwärter( Wortlaut wie bisher) durchzuführen. Weiter wird der geschäftsführende Vorstand den Standpunkt der Reichsregierung zur Frage des Streifrechts der Beamten den Mitgliedern zur Kenntnis bringen." Die Töpfermeister in Nöten. Den Töpfermeistern hat es die Notiz im„ Borwärts" angetan, worin aufgefordert wurde, gemäß der Begründung des Schiedsspruchs durch Herrn Rechtsanwalt. Henkel an die einzelnen Arbeit. geber heranzugehen, um eine Bezahlung über den Mindest lohn von 1 M. pro Stunde zu erhalten. Nach einer Besprechung der Löpfermeister( Innungsvorstand und Lohnkommission) am 29. Auguft wurde dem Fachgruppenleiter der Töpfer, Genoffen Remniß, zugemutet, die Aufforderung im Borwärts" zurüdzuziehen. Dies wurde abgelehnt, da bei der Begründung des Schiedsspruches ausdrücklich betont wurde, daß Bereinbarungen über den Mindestlohn gestattet seien. Herr Rechtsanwalt Henkel als unparteiischer Borsigender sagte:„ Es ist Sache der einzelnen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, fich in bestimmten Fällen über den Mindest lohn zu einigen." Die Töpfer stehen mithin auf dem Boden des Schiedsspruches, Die Durchführung des Gesetzes wird durch Erlaffe und während die Töpfermeister jede Zulage über 1 M. pro Stunde rundweg ablehnen möchten. Dem Fachgruppenleiter murde erklärt, da Ausführungsbestimmungen geregelt, die dem Parlament vorzulegen die Widerrufung der Borwärts" Notiz abgelehnt wurde, könnten sind. Der Minifter fann jebe Streitfrage, die aus diesem Gefch die Töpfermeister den neuen Akkordtarif, der am 1. Sepentsteht, an den Obersten Schlichtungshof nach dem Schlichtember in Kraft treten sollte und dem von beiden Seiten zugestimmt tungsgefeß von 1919 verweisen. mar, nicht anerkennen. Die Töpfermeister haben demgemäß ihr Wort gebrochen. Wenn die nationale Sicherheit bedroht ist, oder eine Bedrohung zu erwarten ist durch Krieg oder andere ge. fährliche Ereignisse fann der Minister das Gefeß aufheben. " Gefeß Es ist selbstverständlich, daß sich die Töpfergesellen nicht abhalten laffen, ihre Forderungen an die einzelnen Arbeitgeber aufrechtzuerhalten. Die alten Affordpreise bleiben nun vorläufig über den 1. September hinaus bestehen. Die Vertrauensleute der Bauten und Betriebe haben über den Verlauf der Einzelverhandlungen dem Bor. ftandsbureau Bericht zu erstatten. Bis zur Rückkehr des Kollegen Remnig vom Bundestag wird der erledigen. Rollege Ernst Richter, Stolpische Straße 23, die notwendigsten Sachen Der Leipziger Straßenbahnerftreit geht weiter. Die Schlich tungsverhandlungen sind mit Rücksicht auf das Ergebnis der Stadtverordnetenfizung vertagt worden. Diefes Gesetz von 1924 über die gewerbliche Arbeitszeit" tritt nach Annahme durch das Parlament am 1. Mai 1925 in Kraft. Gefeß nicht vollständig befriedigt sein, obgleich sie gesetzlich weit *** Zweifelios werden die englischen Gewertschaften von dem gehende Möglichkeiten der Mitbestimmung haben in den Fragen der Ausnahmen und der Ueberarbeit, die der Minister durch Verordnungen und Ausführungsbestimmungen regelt. Die zwed mäßigste Regelung erfolgt sicher nach wie vor durch kollektiv verträge. Aber die gefeßliche Einführung des Achtstundentages Der Streit in der norwegischen Papierindustrie, der seit meh gibt dem Abschluß von Kollektivverträgen einen bestimmten Rüd- reren Monaten mit 12000 Streifenden geführt wurde, ist jetzt durch halt und überdies fommen burch das Gefeß auch gewerkschaftlich Schiedsspruch zugunsten der Arbeiterforderungen beendet. schwache Arbeitergruppen in den Genuß dieser sozialen Reform. Für Deutschland aber ist dieses Gesez eine Frage von internationaler Bedeutung. Durch Englands Bereit willigkeit, auf diesem Wege die Ratifizierung des Washin ner Uebereinkommens vorzubereiten und durch die Tatsache, daß auch der französische Arbeitsminister Anstalten macht, seinem englischen Kollegen zu folgen, wird die Lage für Deutschland immer peinlicher. In der Presse ist wiederholt von einer der Arbeitsminister 3ufammentunft Englands, Deutschlands und Frankreichs berichtet worden. Sie wird nur dam erfolgreich sein, wenn die drei Minister sich gegenseitig verpflichten vielleicht durch einen Antrag gemeinsam das lebereintommen von Washington zu ratifizieren. Es wäre dies der erste Schritt zur Herstellung eines sozialpolitischen Gleichgewichts in Europa, denn für die übrigen europäischen Staaten würden dann die vorgebrachten Bedenten gegen die Ratifikation des Uebereinkommens von Washington hinfällig. Anti- Kriegstag 1924. Otto Bach. ( JGB.) Die Vorbereitungen für den Anti- Kriegstag am 21 September nehmen in allen europäischen Ländern ihren Fortgang; auch in den außereuropäischen Ländern zeigt sich ein großes Interesse. Die Aufrufe, die der JGB. an die Arbeiterschaft der ganzen Welt gerichtet hat, sind überall nachgedruckt worden, ebenfalls die zahlreichen Anti Kriegsartikel, die seit Beginn dieses Jahres durch die Bresseberichte des JGB. verbreitet wurden. Der Vollzugsausschuß des englischen Bergarbeiterverbandes trat in Hull zusammen und erörterte die politischen und die wirtschaftlichen Probleme, die mit der Bergwerksindustrie zufammenhängen. Der Hauptpunkt der Tagesordnung, nämlich die Wirkung des Londoner Ablommens, wurde noch nicht erörtert. Der Ausschuß wird die Punkte behandeln, die im Zu fammenhang mit der später stattfindenden Besprechung mit dem Premierminister stehen. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch ,, Lebewohl" los werden, würden Sie sich nicht erst mit Lebewoh 1" wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. minderwertigen Mitteln herumärgern. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. Seit 20 Jahren bewährt.In Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring: Extra billige Angebote! Einsegnungs- Anzüge 1950 Einsegnungs- Kleider 950 Blauer Cheviot, 1 reihig, hübsche flotte Form 2850 2400 2250 Herren- Anzüge Herren- Sakko- Anzug aus hübschen gemusterten Stoffen Herren- Sakko- Anzug ounke gemustert Herren- Sakko- Anzug 2ute Storfe uie Verar eltun Herren- Sakko- Anzug vorzügliche Qualität beste Verarbeitung. 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Müncheberg fSonntagskarte) und dann mit der Kleinbahn nach Müncheber g. Di« Stadt war einst ein wichtiger Ort an der Poststraße nach Frankfurt a. d. Oder und Küstrin. Die Stadtmauer ist zum größten Teil erhallen, auch zwei Tortürme, der Berliner (siehe Abbildung) und der Küstriner, stehen noch. Am Kllstriner Torturm befindet sich eine Keule mit der Unterschrift: „Wer giebt seinen Kindern Brot und leidet selber Roth, den soll man schlagen mit dieser Keule tobt." Etwas östlich, an der Gabelung der Chaussee, eine alle Post- säule, wie sie an den allen Poststraßen in bestimmten Entfernungen errichtet waren. Müncheberg ist einer der wenigen märkischen Orte, die ein gut gelestetes Heimatmuseum besißen. Ein besonders wertvolles Stück des Museums ist eine germanische Speerspitze, die beim Lau des Bahnhofs Dahmsdorf-Müncheberg in den sechziger Jahren de» vergangenen Jahrhundert» gefunden wurde. Der Speer trägt eine Inschrift in Runenzeichen, die die ältesten bekannt gewor- denen Schristzeichen aus der Mark Brandenburg darstellen. Auf der Rückseite des Fundstücks befindet sich ein Hakenkreuz, jenes Symbol, von besten Ursprung und Bedeutung die Völkischen, die sich das Zeichen als Firmenstempel erwählten, natürlich keine Ahnung haben. Wir wandern zum Berliner Tor hinaus und auf der Ber- liner Chaussee, neben der schöne Promenadenwege hinführen, zur Müncheberger Stadtforst. Bis zur Siedlung Neuboden- grün bleiben wir auf der Chaussee: dann wenden wir uns auf dem gen Südost abzweigenden Wege zurück, ösllich um«ine Niederung herum noch Forsthaus V o r h« i d e und Bienenwerder. Halbrechts voraus zieht sich ein Dergzug hin, der Stallberg, an besten westlichem Abhang ein Quellbach der Löcknitz seinen Ursprung nimmt. In dem Wald zu beiden Sellen der Straße sehen wir allent- halben die bleichen Stengel des Fichtenspargels. Dieses Pflänzchcn ist ein Schmarotzer, der auf den Wurzeln der Kiefern wächst. Wir kommen an die gepflasterte Straße von Schönfeld« nach Hoppegarten. Bor uns steigt der Bergzug auf, den wir vorhin schon sahen. Auf seinem Kamm wandern wir gen Südwest. Der Berg- zug ist nur schmal: wie ein Eisenbahndamm zieht er sich durch das Gelände, das er um 8 bis 10 Meter überragt. Und doch ist dieser Höhenzug kein Gebilde von Menschenhand, sondern die Natur hat es hervorgebracht. Es gehört zu den auffallendsten und merkwür- digsten Erscheinungen ehemals vergletscherter Gebiete: es ist einer der Zeugen der Eis, zeit, deren Eispanzer auch unsere Gegend über- zog. Diese Wall berge, nach dem schwedischen O ser genannt, da fie zuerst in Schweden aufgefunden wurden, ziehen sich oft meilenlang durch das Land. Sie bestehen vorwiegend aus stark abgerollten Geschieben. Die svchwissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, daß die Oser nach Gestalt und Inhalt zweifellos von fließendem Wasser ausgebaut worden sind, welchem es durch an- grenzende Eismassen ermöglicht worden ist, 10, 20 ja 30 und mehr Meter hoch über den heute angrenzenden, fast ebenen Sandflächen Gerölle, Kies oder Sand aufzubauen. Wir haben uns die Eni- stehung der Oser in Kanälen unter dem Eis« zu denken, also sub- glazial. Di« Schmelzwasser flössen m diesen tunnelartigen Kanälen entlang und schufen durch ihre Ablagerungen die Oser, die oft einen an Flußläufe erinnernden, reich gewundenen Verlauf nehmen. Wir folgen dem Oser bis zu seinem Ende am Maxsee. Besonders sein letztes Stück zeigt uns sehr deutlich die eigenartig« Gestalt dieses schön ausgeprägten Eiszeitgebildes. Auch ein prächtiges Landschaftsbild der Heimat lernen wir hier kennen. Vor uns liegt der Moxfee, den das Hoppegartener Fließ, ein Quellbach der Löcknitz, durchzieht. Auf dem Oftrand der Niederung führt uns der Weg nach Hoppegar- t e n, einem freundlichen Dorf. Wir verlassen es gen Nordost. Emige große Maulbeerbäume stehen an der Straße. Sie zeigen uns, daß auch Ner«inst die Seidenraupenzucht getrieben wurde. Das Laub der MaulbeerbäuTne bildet die einzige Nahrung der Sei- denraupen. Wir kreuzen die Müncheberger Chaussee. Im Norden steigen die Buckower Berge wie ein kleines Gebirg« auf. Sie ge- hören einem eiszeitlichen Endmoränenzug an. Gen West begren- zen die Schlote von Rüdersdorf und Umgebung den Gesichtskreis. Nach 15 Minuten biegen wir halbrechts ab, auf dem Weg« nach Schlagenthin. Der Weg führt durch schönen Kiefernhochwald, der zum Schluß in einen prächtigen Virken- und Akazienhain übergeht, zum Dorf Schlagenthin. Nach wenigen Minuten haben wir den Bahnhof Dahmsdorf-Müncheberg erreicht und treten von hier aus die Heimfahrt an.(Weglänge etwa 22 Kilometer.) der Anhalter öahn. Ein landschaftlich schönes Gebiet, das von Wanderern verhält- nismäßig selten aufgesucht wird, werden wir auf der heutigen Wan- derung kennen lernen. Vom Potsdamer Ringbahnhof fahren wir mit den Zostener Vorortzügen bis Dahlewitz. Das Dorf, das JZK. Müncheberg, Berliner Tor. berests 1305 in einer Urkunde als„Dolwitz" erwähnt wird, liegt in einer Talsenk« südöstlich der Bahn. Wir wandern sogleich vom Bahnhof gen West, an der Nordspitze des Blankenfelder Sces vorüber, zur nächsten Wegkreuzung. Hier oerlassen wir den Weg nach Blankenfelde und folgen dem nach Jühnsdorf in südlicher Richtung bis zum Beginn des nahen Waldes. Hier wandern wir am Wald- rand nach links bis zu der Senk«, in der sich der Blankenfelder See erstreckt. Am Rand« der Niederung, später am Seeufer, führt der Weg gen Süd. Wir sind in einer Rinne, die in nordsüdlicher Rich- tung in das Land eingeschnitten ist, und die als Schmelzwasserrinne aus der letzten Eiszeit angesehen werden darf. Derartige Rinnen sind in den vereist gewesenen Gebieten sehr häufig anzutreffen: meist sind sie, wie hier, von Seen oder vertorsten Niederungen, das sind verlandete Seen, erfüllt. Wir halten uns möglichst nahe am See und dem Fließ, das die sumpfige Niederung zwischen dem Blankenfelder See und der in der gleichen Rinn« südlicher liegenden Krummen Lanks durchfließt und beide Seen verbindet. Di« Krumm« Lank« ist der nördliche Zipfel des Großen Rangsdorfer Sees, der in einer Seitenbucht des Nuthetals liegt. Am jenseitigen Ufer sehen wir das Dorf Rangsdorf. Di« kleine Nebenrinne mündst hier in eine größere Rinne ein, die wiederum in eins der großen Urstrom- täler, das Warschau-Berliner, führt. Wir können so die Spuren verfolgen, die den Weg der Schmelzwasser zum Weltmeer bezeichnen. Am Rangsdorfer See endet der Wald. Wir wenden uns gen West nach Jühnsdorf. Dieser Ort hat, wie so mancher andere in der Mark Brandenburg, in« Laus« der Zeit seinen Namen vielfach ver- ändert. Die alten Urkunden nennen das Dorf Judensdorf, Gubens- dorp oder Joensdorff, während es in dem Landbuch Kaiser Karls IV. (von 1373 bis 1378 entstanden) als„Gudenstorff" geführt wird. Inmitten der von alten Bäumen beschatteten Dorfaue, von einer Kirchhofsmauer aus Feldsteinen malerisch eingefriedet, liegt die Dorfkirchc, dessen ältester Teil ein Granitguaderbau aus dem Mittel- aller ist. Südlich vom Dorf erhebt sich der Lindenberg, eine Wind- mühle steht auf der Höl>e. Der Berg steigt 57 Meter über den Meeresspiegel oder 21 Meter über den Spiegel des Rangsdorfer Sees auf. Am Lindenberg fand am 22. August 1813 eine Schlacht stall. Auf der Chaussee, die östlich vom Lindenberg vorübersührt, wandern wir gen Süd. Am Südrand der durchquerten Niederung. wo die Chaussee den scharfen Knick nach rechts macht, wenden wir uns scharf nach links: wir bleiben am Südrand der Niederung. Am Waldrand verlassen wir den Weg, der landeinwärts nach Glienick führt, und bleiben auf dem linksabzweigenden Wege. Er hält sich immer in der Nähe der Niederung. Der Weg führt uns schließlich aus«in« Chaussee, der wir gen Ost nach Dabendorf folgen. Auch dieses Dorf ist wohl schon im 13. Jahrhundert entstanden. Im Dreißigjährigen Kriege hotte es sehr gelitten, so daß am Ende des Krieges mehrere Hofstellcn wüst blieben, weil ihre Besitzer umgekom- inen waren. Vom alten Dorf erstreckt sich die Siedlung Neu-Dabcn- dors bis zum Bahnhof der Zosiener Bahn. Wir können von hier aus nach Berlin zurückkehren. Haben wir jedoch noch Zell übrig. dann besuchen wir das Städtchen Zossen. Wir überschreiten die Bahn und kommen zur Zossener Chausse«, der wir nach rechts fol- gen. Ehemals war Zossen ein« starke Feste in der Notteniedemng, die zu Böhmen gehörte. Erst im 15. Jahrhundert kamen Stadt und Amt Zossen an Brandenburg. Von mittelalterlichen Bauten ist in Zossen nichts mehr erhalten: auch von den Wohnhäusern ist kaum eins über 100 Jahr« alt. Zwischen Stadt und Bahnhof zieht der Nollekanol vorüber: er mündet bei Königswusterhausen in die Dahme.(Länge der Wanderung bis Dabendorf etwa 17 Kilometer. bis Zossen etwa 21 Kilometer.) Das Martyrium einer Zwölfjährigen. Aufhebung eines Knppelquartiers. Die Berliner Kriminalpolizei hat gestern«inen Fall von Kindes- Verführung und Kindcsmißbrauch aufgedeckt, wie er an Scheußlich- keit und Rafjinemenl in der Geschichte der Berliner Kriminalität einzig dastehen dürfte. Die geradezu bestialischen Urheber der enl- setzlichen Quälereien an einem zwölfjährigen Mädchen, der Schneider- meister Böhler und seine Frau aus der Blumenthalstraße 3, konnten verhaftet werden. Im Herbst des Jahres 1323 wurde die damals zwölfjährige Hilde I. von ihrem Vater zu einer Besorgung nach der Blumen- thalstraße 3 fortgeschickt. Da das Mädchen den Mieter nicht antraf, wartete es auf dem Hofe auf seine Rückkehr. Der Schneidermeister Böhler und seine Frau erblickten das Kind und forderten es auf, doch lieber in der warmen Stube auf den Misier zu warten. eine Aufforderung, die das Mädchen, da es ein kühler Tag war, gern annahm. Kaum hatte das Kind jedoch die Wohnung des Böhlerschen Ehepaares betreten, als es van dem Manne liin-i rot)«st er Weise überfallen vud in Gegenwart seiner Frau mißbraucht wurde. Der Vater des Mädchens, der als ein sehr strenger Mann gilt, erfuhr nichts von diesem Vorkommnis, weil Hilde aus Furcht vor Strafe ihm alles verschwieg. Sie ging aber am anderen Tage zu Frau Böhler und klagte ihr. daß sie heftige Schmerzen habe und fragie, was sie denn nun anfangen solle. Frau Vöhler führte das Kind zu dem Vater und erzählte, daß sie großes Interesse an dem Kind nehme. Hilde fei offenbar krank. sie erbiete sich, mit dem Kinde zum Arzt Z» gehen und für Hilfe zu sorgen. Da die Frau einen durchaus vertrauenswürdigen Eindruck mochte, war Hildes Vater mit dem Vorschlage um so mehr ein- verstanden, als ihm fein anstrengender Beruf wenig Zeit ließ, sich i] Die Familie Frank. Roman von Martin Andersen Rexii. Uobersetzt von Hermann K�y. 1. „Thorvald, Thorvald! Willst du wohl kommen! Willst du wohl schleunigst herkommen! Ich werd' dich gehorchen lehren, du infamer Bengel! Du sollst so viel Prügel kriegen... o. ich will dich schlagen, daß das Wasser dir herausläuft, du Biest, du Negel, du— du— du--" Die Schneidermadam, Waschfrau Frank, mußte inne- halten, um Atem zu schöpfen. Sie stand mitten auf der Straße mit nackten Beinen, in Holzschuhen, die Röcke hoch über den dünnen Schienbeinen aufgeschürzt. Unter dem Tuch hing das Haar in schmalen, schweißigen Zotteln hervor, und ihr hageres, rotfleckiges Gesicht verzog sich in ohnmächtiger Wut. Dann schrie sie wieder eine Weile, noch lauter als vorher. Ihre Schreie gellten hin zwischen den niedrigen Häusern des Städtchens, und rings in Fenstern und Haustüren tauchten vorsichtig neugierige Gesichter auf. um zu sehen, was denn nun wieder mit der halbverrückten Schneidermadam los fei. Thorvald war der einzige im Biertel, der nichts zu hören schien. Er senkte bloß den Nacken und entfernte sich mehr und mehr. Die Schreie endigten in einem erbitterten, schrillen Kreischen. Rasend klatschte Madam Frank mit den ausge- waschenen Händen gegen den platschnassen Rock und begann zu schluchzen: „Ach, er gcht weg, er geht weg— und läßt sei re Mutter mit all der Rollwäsche allein zurück! O, der Dummkopf! Der Schandkerl!-- Thorvald!" Thorvald war bis an das Ends der Straße gelangt. Bei dem letzten, durchdringenden Schrei wandte er den Kopf. „Du altes Weib, gib acht: bist aus Salz, Ingwer und Pfeffer gemacht!" rief er ihr nach und verschwand dann schleunigst um die Ecke, während die Mutter die geballten Fäuste ohnmächtig schüttelte. Sommerlich weich und ohne Woltenslocke hing die Luft, die Häuser lachten mit ihrem weißen Kalk in den blauen Raum hinein, überm Grenzrain schnatterten die Gänse und versuchten ihre Flügel, drüben von der Steinbahn kamen die Hammerschläge gerieselt wie melodischer Regen. Selbst die Laute schienen vom Sonnenlicht Glanz und Klangfarbe zu leihen und mit Luft und Landschaft zu verschmelzen. Das alles zerriß Madam Frank plötzlich mit einem neuen Geschrei. Es gellte wie eine Sägefeile, und Sonne, Land- schaft und alles ertrank in dem Kreischen, so zwang es sich allen Sinnen auf. Aber dann klang es fern und hinterließ im Ohr ein Gefühl von Linderung, wählend nach und nach die milde Umgebung wieder zu ihrem Recht kam. Madam Frank stand starr wie eine Säule. „O, o!" stöhnte sie gedehnt. Ihre Arme hingen schlaff an der Seite herab: mit leerem Blick schaute sie nach der Richtung hin, wo der Sohn ver- schwunden war, und es sah einen Augenblick aus, als würde sie in die Knie sinken. Aber plötzlich durchfuhr sie ein Stoß, sie straffte sich mit einem Ruck und wandte sich den Häuserreihen zu, wo sich Gesicht nach Gesicht eilig zurückzog. „Ja, gafft nur, ihr Fettdosen und Faultiere! Jetzt ist die Verrückte unterwegs, was? Das Ungetüm? Huhu, nun gibt es Spaß auf der Straße! Die meschugge Madam Frank ist unterwegs! Da bekommen die Klatschbasen zu tun.— O. ihr braucht euch nicht zu verstecken. Kommt nur heraus, ich seh' euch' wohl! Gib auf dein Maulwerk acht, Madam Petersen, daß es nicht in der Türspalte eingeklemmt wird! Du solltest lieber die Läuse aus deines Mannes Hemd suchen, ihm seine Strümpfe stopfen— und ihm seine Nachtruhe lassen. Und ihr auch, ihr Bruthennen!— Kommt heraus, dann wird die verrückte Madam Frank euch was zu lachen geben!" Sie stand mitten auf der Straße, mit geballten Fäusten, und ließ den Blick an der Häuserreihe auf- und niedergleiten. Aber da keine der Frauen den Mut hatte, sich noch zu zeigen, geschweige denn die Herausforderung anzunehmen, zog sie sich mit einer verächtlichen Gebärde zurück. Scheltend eilte sie um das Haus herum und warf einen Stein nach den Stadtgänsen, obwohl diese ganz friedlich auf dem Dreieck Gras zupften und dabei ganz in ihrem guten Recht waren, während sie dort gar nichts zu sagen hatte. Denn das Dreieck gehörte zur Grenzmark des Städtchens, die alljährlich von der Gemeinde als gemeinschaftliche Weide verpachtet wurde. Weil aber Madam Frank keinen Ort hatte, um' ihre große Wäsche zu trocknen, so breitete sie sie dort auf der Meide aus und ließ nicht davon ab, trotz allen Protesten der Pächter und den wiederholten Drohungen des Stadt- kämmerers. Jetzt machte ihr niemand mehr das Recht streifig, auf dem Dreieck Wäsche zu trocknen— es lohnte sich nämlich nicht. Aber Madam Frank ging einen Schritt weiter und ver- langte, die Ackerbauern sollten jemanden dafür anstellen, auf die Gänse und das Vieh achtzugeben, da ihr nicht damit gedient fein könne, wenn ihre Wäsche verdorben werde. Die Leute waren nicht sonderlich geneigt, darauf einzugehen, und sie hatte darum den Kampf von neuem aufgenommen. Für ihren Teil bestand er darin, daß sie den Gänsen Schaden tat, wo sie nur konnte: und mehr als ein junges Gänschen wurde am Abend halb oder ganz tot draußen auf der Grenzmark gefunden. Für die Bürger kam es darauf an, festzustellen, daß sie der Täter war, um sie auf Entschödi- gung verklagen zu können, und hierzu bedienten sie sich der Nachbarinnen, denen es weder an der Zeit noch an d>.r not- wendigen Gesinnung fehlte, die allgemein verhaßte Madam auszuspionieren. Heute lag übrigens keine Wäsche von ihr zum Trocknen draußen. Aber es gehörte zu ihrer Natur, die Galle in Fluß zu erhalten, und da sie nun einmal auf gespanntem Fuß mit den Gänsen stand, warf sie im Vorübereilen den kleinen Stein nach ihnen. Die zornigen Bürger hätten sich daran ergötzt, wenn sie gesehen hätten, mit welcher Hast die Madam Frank sich zurückzog, nachdem sie den Stein geworfen hatte und Deckung drinnen hinter dem niedrigen Pförtchcn suchte, das in den Gemüsegarten und nach dem Hosplatz führte. Aber sie war nicht schnell genug, und bevor sie ihre langen nackten Beine durch das Psartchen in Sicherheit brachte, hatte der große graue Gänserich sich für den heim- tückischen Steinwurf gerächt und ein großes Stück Haut aus ihrem magern Unterschenkel gehackt. Dieser Gänserich war das einzige männliche Wesen m der ganzen Stadt, das allein den Kampf mit der Madam Frank aufzunehmen wagte, und überhaupt das einzige Wesen, das zuweilen siegreich aus einem Strauß mit ihr hervorging und ihr deshalb Respekt einzuflößen vermochte. Madam Frank liebte ihn nicht. Kaum zeigte sie sich vor dem Pförtchen, so war er sofort mit vorgestrecktem 51opf da und hackte ihr nach den Beinen, und es war ihr unmöglich, in Ruhe vor ihm ihre Wäsche auszubreiten. Dann veranstaltete sie eine Jagd auf ihn, zum großen Vergnügen der Nachbarinnen, und der Gänserich schwebte ein kleines Ende vor ihr über die Grenzmark hin: aber sobald sie kehrt machte, war er ihr wieder auf den Fersen. Und manchmal flog er gerade draus zu und schlug sie mit ' � i Flüx"' seinem harten Flügelknoten. (Fortsetzung folgt.) um sein Kind zu kümmern. Das Mädchen war von der Frau Böhler, so eingeschüchtert worden, daß es auch jeht nicht wagte, dem Bater die Wahrheit zu sagen. Nachdem die kleine Hilde nun zu Böhlers übergesiedelt war, begann eine Leidenszeit für das Kind. Das Mädchen mußte nicht nur dem Ehepaar Böhler zu Willen sein, sondern wurde von dem entmenschten Weibe gegen Entgelt auch an andere Personen, u. a. an ein Ehepaar Bertram, verf uppelt. In der Wohnung der Böhler und später bei den Bertrams hatte sich eine Art Kuppelquartier aufgetan, in dem die Zwölfjährige Opfer der perverfesten Gelüfte murde. Ueber die Zustände, die in der Wohnung herrschten, kann man sich ein Bild machen, wenn man hört, daß eine Geburtstagsfeier veranstaltet wurde, bei der sämtliche Teilnehmer, die Männer sowohl wie die Frauen, unbekleidet erschienen. Daß ein solches Dasein für das Kind zu einem förperlichen und seelischen Zusammenbruch führen mußte, liegt auf der Hand. Das bedauernswerte Mädchen war infolge der beständigen Drohungen und Mißhandlungen derart verfchüchtert, daß es faum wagte, den Mund aufzutun. Das Ende diefes entseglichen Lebens wurde durch Frau Böhler selbst herbei geführt. Sie war Beamten der Kriminalpolizei aufgefallen, als fie in einem Kaffeehaus junge Mädchen ansprach und zum Mitgehen aufforderte. Man stellte ihre Wohnung feft und entdeckte dabei auch die kleine Hilde. Das Kind, das schwer frank darnieder liegt, wurde sofort in ein Krankenhaus übergeführt. Frau Böhler und ihr Mann wurden in Haft genommen. Weitere Verhaftungen stehen bevor. 3weddienliche Aussagen, die dazu dienen fönnen, das Treiben diefer vertierten Männer und Weiber den Behörden zur Kenntnis zu bringen, werden erbe'en an Kriminaltommissar Müller, Polizeipräsidium, Magazinstraße. ,, Damit das Kind es nicht noch schlechter hat." Wegen Kindesmißhandlung mußte fich ferner der 35jährige Fahrkartenverkäufer Gustav Röper und dessen Ehefrau Emma aus Nowawes vor dem Potsdamer Amtsgericht verantworten. Die Angeklaglen hatten in unmenschlicher Weise ihren dreizehn jährigen Sohn Willi jahrelang törperlich mi handelt. Die ärztlichen Attefte befagten, daß der Körper des Knaben von blauen und braunen Striemen über deckt war. Das Gesicht wies große Beulen auf. Die Angeklagten gaben felber zu, ihren Sohn am Pfingstabend mit einer vier Meter Langen Waschleine an den Ofen gebunden zu haben. Auf dem Richertisch lag ein zerschlagener Rohrstock mit einem dicken Knoten ende, der zur Züchtigung des Knaben verwandt worden war. Alle Hausparteien befundeten unter ihrem Eide, daß die Eltern das Kind oft stunden lang mißhandelt hatten. Der Amtsanwalt beantragte gegen beide wegen Körperveriehung aus§ 223a zwei Wochen Gefängnis. Das Gericht spra dy die Angeklagten frei mit der seltsamen Begründung, daß im Intereffe des Kindes" die Angeklagten freigesprochen werden müßten, da es nach einer Verurteilung noch schlechter behandelt würde." Diese eigenartige und weltfremde Begründung eines Freispruchs dürfe nur auf sehr geringes Verständnis im Volfe stoßen. Weil es das Kind nach Verurteilung der Quäler noch schlechter haben tönnte, liefert man es den nun gewissermaßen gutgeheißenen Mißhandlungen der elterlichen Rohlinge von neuem aus. Flüchtende, Bankiers". Nach Buß noch einer aus der Bülowstraße. Die Bank des teutonischen Heldenjünglings Willi Buß, der 16 000 Einleger und vorwiegend Angehörige der Deutschvölkischen Bartel um ihr Geid geneppt hat, ist fang- und flanglos begrabent worden. Der Konkurs fonde nicht stattfinden, da teine Maffe vorhanden war, die im Verhältnis zu den Berpflichtungen gestanden hätte. Die Versteigerung des Bankmobiliars, die vorgestern stattfand, bat ganze 10000 Mart gebracht. Ueber die Verfehlungen, die zu diesem Zusammenbruch geführt haben, schwebt noch die Untersuchung, Vorläufig herrscht vollkommene Un tlarheit darüber, was aus den eingezahlten Geldern geworden ist. Den tedauernswerten Einlegern wird nun allmählich ein Licht Darüber aufgegangen fein, daß das Haterkreuzz und die großmäutigen Rebensarten der Propofateure feineswegs eine Garantie für besondere Geschäftstüchtigkeit fine. Den bisher aus den Attentatsprozessen bekannten Typen wie Antermann fann dieser Pseudobanfier würdig an die Seite gestellt werden. Seine Gelftesfreunde haben ihm ihr Geld anvertraut, er sitzt jetzt in der Heilanstalt und wird sich ems ins Fäustchen lachen. 32 Nachdem ihm seine geschäftlichen Transaktionen über dem Kopfe zusammenschlugen ist auch der 37 Jahre alte Bankier Baut Weidemann flüchtig geworden. Er war Inhaber des Bankhauses Weidemann u. Co. in der Bülow straße 58. Durch Helfershelfer hat er beträchtliche Summen aufgenommen und als Sicherheit die bei dem Banthaus hinterlegten Effekten angegeben. Ueber diese hat er dann auch Sperrfcheine ausgestellt. Wie fich jezt zeigte, waren teilweise Sperrscheine auf Effeffen ausgestellt, die nie bei dem Bankhause hinterlegt gewesen sind oder die vor langer Zeit einmal dort hinterlegt waren. Im Gegensah zu dem Banfhaus Willi Buß, dessen Geschäftsbücher ungefähr ein Gewicht von fünfzig Zentnern hatten, tornte man hier die Geschäftsbücher unter einem Arme wegtragen. Der Gesamtschaden ist noch nicht festgestellt. Die sogenannten Geschäftsführer waren eit gewiffer Star! Schmitz, der sich augenblicklich in bolland aufhält, aber nach vierzehn Tagen wiederkommen will und ein gewiffer Beverungen, wo der ist, weiß man nicht. Weidemann wohnte früher in der Teltower Straße 16 auch von ihm hat man feine Nachricht. Mitteilungen von Geschädigten oder über den Aufenthalt diefer Herren nimmt Kriminalkommiffar Seifert im Polizeipräsidium Georgenkirchstraße entgegen. Abbaueifer in den Verwaltungsbezirken. Der Abbau von Bezirksämtern ist bereits im Gange. Die Be= zirksversammlung Tempelhof hat den Abbau des Bürgermeisters Groß und des Stadtrats Greulich, die beide von der SPD. find, in geheimer Sigung beschlossen. Bother hatten in öffentlicher Sigung die Bertreter der SPD. bei der Be sprechung harmlos aussehender Anfragen geschickt die Abbaupläne berührt. Unter Beibringung reichlichen Materials sagten sie alles, was über die Unfähigkeit und Hilflosigkeit der bürgerlichen Stadträte Bräuning und Scheste zu sagen war. Die zahlreich erschienen Zuhörer dürften den Eindruck gehabt haben, daß in der nichtöffent lichen Sitzung der Abbau nicht aus fachlichen, sondern aus politischen Gründen erfolgen sollte. Der Vorsitzende Jung berichtete aus dem Ausschuß, daß Bezirks: verordneter Dr. Jarger( deutschnational) den Bürgermeister Groß und den Stadirat Greulich wegen minderer Leistungsfähigkeit zum Abbau vorgeschlagen habe. Weitere Borschläge seien von feinem gekommen, mit Ausnahme des Vertreters der KPD., der den Abbau des Stadtrats Ewald( SPD.) empfohlen habe. Bezirksverordneter Genoffe Burgemeister stellte fest, daß Jung jetzt zum erstenmal das Alter unserer Genossen Groß und Greulich als Grund zum Abbau hervorhob. Politischer Anstand hätte erfordert, bei der Abbaufrage genau so zu verhandeln wie seinerzeit bei der Wahl des Bezirksamts. Bezirksverordneter Genoffe Günther erinnerte daran, daß gerade die bürgerlichen Herren wiederholt sich über die bei jeder Gelegenheit zutage tretende Ungeschicktheit des Schulrats Scheste luftig gemacht und auch oft den Baurat Bräuning als Verfager bezeichnet haben. Deshalb schlug er nochmalige Ausschuß beratung vor, damit einwandfrei festgestellt werde, wer von den Be zirksamtsmitgliedern ohne Ansehen der Partei minderleistungsfähig fei. Der Antrag wurde abgelehnt. Bezirksverordneter Genoffe Neumann betonte, daß Stadtrat Genosse Greulich stets mit dem Bublifum fehr gut fertiggeworden sei, was man von dem bürger lichen Schulrat Scheste nicht behaupten tönne. Bezirksverordneter Genoffe Witthauer hielt den Bürgerlichen vor, daß sie gegen die von ihnen zum Abban vorgeschlagenen beiden Bezirtsratsmit glieder nichts Positives zu fagen gewußt hätten. In namentlicher Abstimmung wurde mit allen Stimmen der bürgerlichen Bezirksverordneten der Abbau der beiden Sozialdemokraten, Genoffe Groß und Genosse Greulich, beschlossen. Die Demokraten haben dem unfähigen Schulrat Scheste, der zu ihrer Partei gehört, den Posten gerettet. Neumarkspießer gegen Schwarz- Rot- Gold? Unerhörte Beschimpfungen republikanischer Staatsbürger. Zuchthaus für völkische Grabschänder. Vor dem Hagener Schöffengericht hatten sich am Freitag biet Angellagte zu verantworten, die vor einigen Wochen Verwüstungen auf dem jüdischen Friedhof in HagenGilpe angerichtet hatten. Nach fünfstündiger Berhandlung verurteilte das Gericht den Fuhrmann Wilhelm de Haas zu 6 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Die übrigen Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von 2, 3 und 4 Jahren verurteilt. Ein Haarmann in Aachen? Gestern wurde in Aachen die ach richt verbreitet, daß die Leichen zweier seit einiger Zeit verschwundenen Schülerinnen gefunden worden seien. Es besteht wohl faum ein Zweifel, daß sie einem wüstling zum Opfer gefallen find. Ein Gärtner von Langenturm wollte einen Haufen Reifig forträumen, als er die graufige Entdeckung machte, daß unter dem Reifig, zwei Mädchenleichen versteckt waren. Die Leichen fönnen erst in einer der legten Nächte hier verscharrt worden sein. gefunden. Man glaubt, es befinden sich noch 20 unter den Trümmern. Die Zahl der Verwundeten beläuft sich auf 102, davon 53 schwer. im Jugendveranstaltungen. Anmeldungen zum Ferienaufenthalt am Quenasee( Landheim) werden noch Jugendfekretariat, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 Tr., angenommen. Heute Sonnabend, den 30. August: Bor einiger Zeit veröffentlichten wir einen Beitrag über die Stadt Königsberg in der Neumark, der, wie erinnerlich, ganz und gar getragen war von dem Geist der Heimatfreude. Ter Beitrag wies auch auf die verhältnismäßig geringe Anzahl der dortigen sozialistischen Stimmen hin und meinte dann, es wäre gut, wenn das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold in der politischen Verschlafenheit derartiger Städtchen einmal ein bißchen Hecht im Karpfenteich spielte. Das hat die Königsberger Zeitung derart gewurmt, daß sie fofort cine wüste Hetze gegen das Reichsbanner unternimmt, die die Neudammer Zeitung( Verlag Schwere Eisenbahnkatastrophe in Indien. Ein schwerer Bus 3. Neumann, Neudamm) aufgreift und feelenruhig abdruckt. Da fammenstoß ereignete sich an der Eisenbahnlinie zwischen wird zunächst die blöde Behauptung wiederholt, daß die Reichs- Multan und Lahore. Bis jegt wurden 67 Leichen aufbannerleute 40 M. Handgeld erhalten. Man merkt, daß man in der Neumark noch etwas weit zurück ist, denn inzwischen soll ja das Handgeld bereits die Höhe von 60 M. erreicht haben. Dann aber fommt eine faustdice Gemeinheit. Wörtlich schreibt das Blatt in seiner Nr. 179 vom 21. August:„ Das republitanische Reichsbanner fonnte entstehen, weil es nicht nur sicher ist, nicht Gegenstand der französischen Kontrolle oder einer Untersuchung zu sein, sondern weil es und das ist das Tollste das militärische Deutschland nie wieder feine Auferstehung erlebt." den eingestandenen Zwed hat, die Kontrolle zu erleichtern, damit Der Etel schüttelt einem! Im Reichsbanner steht vor unserm entsetzten Auge das aus Deutschen gebildete Freiwilligenheer der Feinde in Deutschland, gebildet aus Deutschen zur Niederfaltung jeder freiheitlichen Bewegung unserer gefnechteten Bevölkerung. Mit dieser Garde" möchte der Artikelschreiber des„ VorMit dieser Garde" möchte der Artikelschreiber des Vorwärts" auch unsere Stadt beglüden. Sie mögen kommen, um hier die Erfahrung zu machen, daß unsere Bevölkerung mit solcher Corte von fogenannten deutschen Bolfsgenossen nichts zu schaffen haben will." Soweit das Neudammer Blättchen, das sich in seinem Königsberger Abflatsch auf den Reichstagsabgeordneten Geisler beruft, dessen unerhörte Beschimpfungen im Vorwärts" bereits vor zwei Wochen in ihrer Erbärmlichkeit gekennzeichnet worden sind. Wieber wird Don demselben Gelichter, das angeblich so national bis auf die Knochen mit allen internationalen monarchistischen Bewegungen in Spanien, Italien und Ungarn aufs innigste sympathisiert, die unverschämte Hege gegen die eigenen Bolfsgenossen betrieben, die sich seinerzeit mit der Ermordung Erzbergers und Rathenaus so entfehlich ausgelöst hat. Die überzeugten deutschen Republikaner, die sich für das Reichsbanner_ihre werigen Pfennige Beitrag absparen müssen, werden als„ Sorte con fogenannten deutschen Volfsgenossen" beschimpft. Die Königsberger und Neudammer werden sich wundern, wie eines Tages die schwarzrotgoldenen Benner auch durch ihre Straßen ziehen. Die Hauptverwaltung des Reichsbanners aber täte gut, die Quelle dieser fortwährenden Berleumdungen endlich zu stopfen. " " " Der Barrikadenkampf gegen den Zwangsmieter. Wohl das Tollste, was sich bisher im Kampf gegen die 3u weisung von Zwangsmietern zugetragen hat, war gestern Gegen stand einer Verhandlung vor dem Potsdamer Amtsgericht, Der Oberweichenaufseher und Grundstüdsbefizer Franz Balzer in Michendorf erhielt den Bescheid, daß er einen Zwangsmieter erhalte. Am 7. Juli sollte die Einweisung des Mieters stattfinden, der Gemeindevorsteher, der daran teilnehmen mußte, hatte sich schon vorfichtigerweise einen Oberlandjäger mitgebracht. Nichts Butes ahnend, fanden die Angekommenen die Tore verschlossen. Troß Aufforderung öffnete niemand. Man holte Berstärkung und das Tor wurde ausgehoben. Der ganze hof war vollstän dig perbarritadiert mit Steinhaufen, Grubenhölzern, Latten, und fünf Wagen sperrten den Eingang. Mit erhobener Art und Totschlägern wurden die Eindringlinge empfangen. ,, Wer mir unter die Hände kommt, den erschieße ich!", rief der junge Balzer. Es entspann sich ein furchtbarer Rampf und der Oberland jäger feuerte drei Schreckschüsse ab. Das le berfalltommando Potsdam wurde zur Hilfe gerufen und die Schupo drang über die Zäune und Barrikaden in das Grundstück hinein und hob die ganze Familie aus. In einem Bolizeiauto wurde diese nach Bots dem in das Gerichtsgefängnis gebracht. Erst dann konnte der neue Mieter seine Wohnung beziehen. Das Potsdamer Amtsgericht verurteilte Balzer wegen Beambennötigung und Widerstandes gegen einen Vollstreckungsbeamten an Stelle einer verwirkten GefängnisStrafe von zwei Monaten zu 200 Mart Geldstrafe und den 26jährigen Sohn an Stelle einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen zu 84 Mart Geldstrafe. Großfeuer in Friedenau. Aus noch nicht geklärter Ursache brach gestern abend gegen 8 Uhr im großen Eckhause Hertel Ede Lefebrestraße in Friedenau Großfener aus. Bei Eintreffen der Behren von Wilmers. borf, Schöneberg, Charlottenburg und Friedenau stand der Dach. it ubi in seiner gesamten Ausdehnung in bellen Flammen. Das Borgehen der Wehr wurde durch starke Qualmentwicklung sehr erschwert. Es mußte mit Rauchschubapparaten borgegangen Wasser gegeben. Erst nach dieser Zeit gelang es, die Macht des werden. Aus bier C.- Rohren wurde 1 Stunde unaufhörlich Feuers zu brechen. Der Schaden ist erheblich. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis in die späten Nachtstunden. Republifaner von Wannsee! Republikaner, die geneigt find, einer zu gründenden Ortsgruppe des Reichs banner Schwarz Rot- Gold beizutreten, werden gebeten, ihre Adresse bei Albert Jahnke, Berlin- Wannsee, Königstr. 37, abzugeben. Die Neukölln- Briter Gartenarbeitsschule am Teltowo- Kanal veranstaltet am Sonntag, den 31. Auguft, auf dem städtischen Sportplah zwischen Treseburger Ufer und Germania- Bromenade in Brig ein Gartenfest, verbunden Feuertvert. Die Veranstalter hoffen, von dem Reinüberschuß ihre Gartenmit Umzug, Vorführung von Reigen, Berlosung, Lampionumzug und schule weiter ausbauen zu lönnen. Wir weisen an dieser Stelle auf das est bin, bei dem auch Gelegenheit gegeben ist, die in den Anfängen stehende Gartenschule zu besichtigen. Bolfsbildungsamt Pantow. Beranstaltung im Bürgerbart am Sonnbundes( Dirigent Albert Lühmann) und des Schwarzmeierschen Kinderabend, den 30. August, abends 6 Uhr, Konzert des Rosledschen Bläser chors( Dir. Bernhard Klaut). Eintrittspreis 80 Pf. Beranstaltung im Bürgerpart am Dienstag, den 2. September, abends 7 Uhr, Bolts konzert des Blüthner- Orchesters. Eintrittspreis 40 Pf. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 30. August. untern Linden. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Schontek: Solang noch 5.30-7 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). ( Vom Brandenburger Tor zum Sohloß). 8.10 Uhr abends: Vortragsreihe: Berufsberatung, I. Vortrag: Herr Elsner. Abteilungsleiter im Landesberufsamt Berlin, Berufsmöglichkeiten für die männliche Jugend". 9-10 Uhr abends: Kammersänger Dr. Paul Kuhn( München). Ein Kammerquintett. Wiener Operettenabend. Mitwirkende: Ellen Harris( Wien), Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 10.25-11.30 Uhr abends: Tanzmusik Gesundbrunnen II: Fahrt: Rauenfche Berge. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Stralance Biertel: Fahrt: Scharmügelfee, 6% Uhr Stralau Rummelsburg. Wedding: Fahrt: Hangelsberg- Mag- See, 6 Uhr, Bahnhof Wedding. Werbebezirk Teltowtanal". Sonnabend, den 30. August, abends pünktlich8 Uhr, im Jugendheim, Steglib, Albrechtstr. 47, Borsigendenkonferenz. Alle Borsigenden müssen erscheinen. Noch nicht abgelieferte Berichtsbogen find mitzubringen. Achtung! Often, Petersburger Viertel Gruppenabende jekt Montags und Mittwochs. Morgen, Sonntag, den 31. Auguft: Charlottenburg: Wanderung, Botsdam- Lienemiz- Michendorf, 7 Whe Bahnhof Charlottenburg. Friebenau. Ausflug mit den Rinderfreunden, 12 Uhr, Schillerplag. Lichtenberg- Nord: Fahrt: 17 Uhr Stralau- Rummels burg. Moabit 11: Wanderung: Scharmügelsce. Treffpunkt 16 Uhr Bahnhof Bellevue. Senefelber Biertel: Bernau- Sellfee- Lange Rönne, 7 Uhr Bahnhof Greifenhagener Straße. Steglik 1: Besuch des Botanischen Gartens, 9 Uhr, am Rathaus. Steglig II: Fahrt: Grunewald- Lindwerber- Wannsee, Tempelhoj: Spaziergang: 8 Uhr, Ranalbrüde. & the Bahnhof Steglik. Beften: Wanderung: Lödnik, 6 Uhr, Bahnhof Bülowstraße. Niederschöneweide. Sonntag, 31. Auguft, abends 7 Uhr, in der Turnhalle der Schule Rudower Straße: Eltern- Abend, bestehend aus Mufit, Gefang, Liebern zur Laute und Jugendspiel: ,, Der neuen Beit entgegen." Unkostenbeitrag 25 Pf. Werbebezirk Oberspree. Sämtliche Abteilungen beteiligen fich am Elternabend in Niederschöneweide. Jungjozialistische Vereinigung, Werbebezirk Webbing und Jungfozialisten Rorben. Am Montag, den 1 September, abends 7 Uhr, in der Aula des Schiller- Lyzeums, Pantstraße, Ede Böttcherstraße, öffentlicher Jugendvortragsabend. Thema: Arbeiterdichtung." Ref.: Julius Bab. Alle nahestehenden Organisationen sind zum Besuch eingeladen. Mitglieder, erscheint pünktlich! Sonnabend, 30. August, und Sonntag, 31. Auguft, Beteiligung aller Abteilungen an der Laffalle- Feier bes AAB. im Ruthetal. Treffpunkt zur Fahrt Sonnabend, 6 Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen. Sonntag Abfahrt 6 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Nachzugler 8 Uhr Bahnhof Neubabelsberg. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. 7½ Uhr. Data Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" Gefchäftsstelle: Berlin C.2, Kaifer- Wilhelm- Straße 46 IIL Jugendkamerabschaft Friedrichshain. Am Sonnabend, 30. August, Mitgliederversammlung im Jugendheim, Tilsiter Str. 4, abends Ramerabschaft Cöpenid. Sonnabend, 30. Auguft, nachm. 5 Uhr, Treffpunkt Cöpenider Bahnhof zur Fahrt nach Ertner. Sonntag, 31. Auguft, nachm. 1 Uhr, Treffpunkt Köllnischer Blak, Spaziergang nach Bohnsdorf. Die für Sonnabend angefeßte Werbeversammlung in Grünau fällt besonderer Um stände halber aus.- Kamerabschaft Friedrichshain. Sonntag, 31. Auguft Fahrt nach Hoppegarten. Treffpunkt 7 Uhr Schlesischer Bahnhof, Bahnfteig A. Angehörige willkommen. Fahnen mitbringen. Kamerabschaft Bankow. Montag, 1. September, abends 7% Uhr pünktlich, in Lindners Kongerigarten( Rafinofaal), Bantow, Breite Str., außerordentliche Mitglieders 1 versammlung. Erscheinen jedes Kameraden Pflicht. Auch die Untergruppenfihrer mitffen anwesend fein. Kamerabfchaft Lichtenberg einschließlich Angenbezirle. Am Dienstag, 2. September, abends 7% Uhr, Mitgliederver fammlung in der Anabenmittelschule, Marttste. 10/13, Gefangfaal. Ohne Mite gliedskarte tein Zutritt. Ramerabschaft Steglig. Dienstag, 2. September, Beteiligung an der Gründungsversammlung der Kameradschaft Tempelhof. fcheinen ist Pflicht. Treffpunkt 7 Uhr am Bahnhof Steglig, 7.15 Uhr am Bahnhof Südende. Er Kameradschaft Tempelhof. Am Dienstag, 2. Geptember, abends 7½ Uhr, im Wilhelmsgarten, Berliner Str., an der Ringbahnstraße, große Werbekundgebung. Ansprache bes Staatsministers a. D. Frölich, Md R. Ramerabschaft Wilmersdorf, Charlottenburg, Schöneberg treffen sich am Sonntag, 1% Uhr, Bahnhof Seerstraße, aut gemeinsamen Spazierfahrt. Reichsbund ber Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Sinterbliebenen, Ortsgruppe Charlottenburg. Gonntag, 31. Auguft, auf dem Spandauer Bock ( R. Fiebig) großes Gartentonzert unter gütiger Mitwirkung des Deutschen Gesangs- Quartetts( Mitglieder des Deutschen Opernhauses in Charlottenburg), Männerchor Sarmonie" Charlottenburg. Brillant- Feuerwert. Riefen Tombola. Preistegeln für Damen und Serren. Der Reinertrag ist zur Weih machtsbefcherung unserer Waisen und der Kinder der Schwerkriegsbeschädigter bestimmt. Bei ungünstigem Better in Gaale. Beranstaltungen: Terzett bes Bereins. Verein der Freibenter für Feuerbestattung E. V., Gau Berlin, Steglin Bez. 12. Montag, 1. Sept., abends 7% Uhr, in Steglig. Albrechtshof, Albrechts fre. 1a, Film- Bortrag in 4 Alten. Das Bestattungswesen vom Altertum bis zur Neuzeit." Mitwirkung: Männerchor Friedenau- Steglig. Mufit bei allen drei Dienstag, 2. Geptember, 7% Uhr, in Groß- Lichterfelbe, Bertels Lichterfelber Festfäle, Zehlendorfer Str. 5. Derfelbe Film- Bortrag. Mitwirkung: Männerchor Einigteit Lichterfelbe. Die Freunde von Zehlendorf und Teltow werden höflichst nach Lichterfelbe hie mit eingelabent. Freireligiöse Gemeinde, Sonntag vorm. 11 Uhr, Bappefallee h5, Vortrag des Herrn Dr. W. Run: England und die Engländer." Arbeiter- Abstinenten- Bund, Ortsgruppe Berlin. Ruthewiefen, Sonntag früh 7 Uhr Treffen Bahnhof Neubabelsberg( ab Ber Wanderung nach bez lin, Potsdamer Bahnhof 6.30). Rachmittags Laffalle- Gebentfeier, Schafbrüde bei Saarmund. Nachzügler fahren vormittags von Charlotten burg bis Michendorf. Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, den 29. Auguft. 1. Rennen. 1. Margot 1( Herm. Schleusener), 2. Germania ( Weidmüller), 3. Heiderose B.( Weidner jr.). Toto: 19: 10. Blas: 11, 15, ( Rogowski), 3. Baron Watts jr.( Wiltshire). 14:10. Ferner liefen: Federnelfe, Fürst( angeb.), Interpellant, Adelei B. 2. Rennen. 1. Long Munchen( R. Rossow), 2. Schneewolfe Toto: 208: 10. Blaz: 30, 19, 12: 10. Nettl, Heidemann, Jadi, Novelle I. Ferner liesen: Clärchen M., Tello, Pontresina, Else B. L 3. Rennen. 1. Stammersänger( E. Smizer), 2. Sudan( Ch. Mills), 3. Kapellmeister( J. Rosenberg). Toto: 27: 10. Plat: 11, 12, 18: 10. Ferner liefen: Dawson Watts, Baron Nushaga, Delos, Sardanapal, Girano, Dichtung. 4. Rennen. 1. Barometer( Herforth), 2. Mädel( fakoff), 3. Alpen fer( Elias). Toto: 43: 10. Plaz: 16, 22, 27: 10. Ferner liefen: Mais tönigin I, Flora Bingen, Arworthy I., Prablbans, Walfisch, Jeffries fr., Allertony, Angriff, Josef. Kaupipe, Arche, Klud, Fistus, Fafner, Schlips. 3. Crajus( G. Lautenberger). 5. Rennen. 1. Sora( Ch. Mills), 2. Natter( Serm. Schleusener), Toto: 33: 10. Platz: 19, 37, 121: 10 Ferner liefen: Ollen B., Primus, Prinzeß Bertha, Wildkaze, Buchdruder, Willy A., Kaybach, Cadiac Arworthy, Lebenslut. müller), 3. Cobra( 5. Dinje). 6. Rennen. 1. Amazonta( Trenherz ir.), 2. Dftermagda( Weid. Toto: 59:10. Plat: 16, 20, 18: 10. Ferner liefen: Della, Silverius, Johannisfeuer, Fenelon, Gawein. 7. Rennen. 1. Bainca( Snöpnadel). 2. Peralta( Rosenberg), 3. Lady Bosworth( S. Hedert). Toto: 33:10. Blat: 13, 14, 16: 10. Ferner lieten: itbater, Capua, Gitran, Benedict, Mansur, Corona Mac Minney. ( C. Swiger). Toto: 13:10. Blab: 11, 12:10. Ferner lief: Caumell. 8. Rennen. 1. Alland( Wiltshire), 2. Eduard( Ch. Mills), 3. Bilasta 9. ennen. 1. Long Alfa( Weiß), 2. Falter( Derm. Schleusener), 2. Berdun( H. Baade). Zoto: 19: 10. Blag: 12, 14, 15: 10. Ferner Hefen: First, Odysseus, Garry B., Rebel. Maschinisten und Heizer. 15. Generalversammlung. Zu den Verhandlungen, die am 25, August in Breslau im Gewerkschaftshaus begannen, waren als Vertreter des ADG B. der Genosse Badert- Berlin und als Bertreter des ADB. Geroffe tour Leipzig erschienen. Der Zentralvorfigende Genoffe Riebe Berlin bezeichnete die Tagung als eine solche der Strife, bei der die Delegierten alles aufbieten müßten, die Organisation vorwärts zu bringen. Als Vorsigende wurden Klebe, Schlichting Berlin und Jordan Breslau gewählt, zu Schriftführern hornusch Danzig und Schwaninger In seinem Geschäftsbericht, aus dem wir bereits in Nr. 397 des„ Vorwärts" einen furzen Ueberblick gaben, führte Klebe u. a. aus: Saarbrüden, W 00 Große Gorge bereitete dem Vorstand die Erhebung eines Stundenlohnes als Beitrag. Heute, wo wir feste Währung haben, läßt sich an diesem Modus nicht mehr festhalten. Abgebaut wurde im Vorstand weit über die Hälfte der Mitarbeiter. Auch Geschäftsstellen mußten zusammengelegt werden. Der leitende Gedanke war debei, die Interessenvertretung zu erhalten. Damit sind hohe Leiflungen vollbrachi worden. Für annähernd 100 Broz. unserer Mitglieder wurden Besserungen geschaffen. Die Organisatoren, die = Shwaninger Saarbrüden, Krahn- Stettin, Brand- WalAufwertung und Wohnungsherstellung. benburg, Rahr Hamburg, Stehmann- Königsberg, BechlerMünchen, Heumann- Bremerhaven, Seidel- Berlin, Mat= Architekt Bernhard Wittwer schreibt uns: thies Köln, Wenzel- Forst, Kröger Flensburg und der Der Meinungsaustausch um die Aufwertung beherrscht noch Verbandstaffierer Insel Berlin. immer die Deffentlichkeit. Welche Wirkung würde nun eine nochDer Borsigende begrüßt den inzwischen eingetroffenen Borfizenmalige Neuordnung und Erhöhung der Hypothekenaufwertung auf den des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Genoffen Scheffel- die Herstellung von neuen Wohnungen, dem augenblicklich dringendBerlin. Wir können stolz sein, den Führer einer so großen Orga- sten Bedürfnis, hervorbringen? nisation aus unseren Reihen gestellt zu haben. Genosse Scheffel- Berlin dankt für die freundliche Begrüßung. Die beiden Organisationen sind sich nicht fremd. Der Vorstand des Maschiniftenverbandes war im Juli 1916 Mitbegründer des Deutfchen Eisenbahnerverbandes. Wir haben durch unfere Tat gern unsere Solidarität euch gegenüber bewiesen. Hierauf erhält der Kollege Seger- München das Schlußwort. Er macht dem Verbandstag die Ronzeffion, einen 50- Pfennig- BeiDie Bautätigkeit, die anfängt, sich mit Hilfe der Hauszinssteuerhypothefen zu beleben, wird durch die Erhöhung der alten Vorfriegshypotheken auf jeden Fall ungünstig beeinflußt. 3 um Bauen gehört nun einmal zuerst immer das Grundstück mit allem, was drum und dran hängt. Die Beleihungen, die heute möglich sind, werden nur gegeben, wenn ein Grundstück gering bes laftet oder schuldenfrei ist. Bei dem herrschenden Geldmangel tann fich der Geldgeber seine Beleihungsobjekte aussuchen. Auf hohe die Einrichtungen des Verbandes gezimmert haben, habe gute Ar-( 3ahlstellen) 10 Prozent von den Eintritts- und Beitragseinnahmen. ohnehin 3 weifer ist bei der geringen Kauftraft der Bevölkerung um den Verband zu erhalten. Täglich saß man am Berhandlungstisch, um Löhne abzuschließen, die für die Angestellten ein Bhantasiebild waren. Dazu gehörten Nerven, um als Angestellter Stand zu halten. Die Einführung eines einheitlichen Bundesmitgliedsbuches hatter wir auf dem Gewerkschaftstongreß beantragt. Es für unfere Mitglieder einzuführen, bedarf des Verbandstagsbeschluffes. Ebenso ist das Streifunterstüßungsreglement vom Bundesvorstand einheitlich geregelt worden. Das einheitliche Verwaltungsreglement fonnte infolge der Inflation noch nicht geschaffen werden. Während der Berichtszeit erreichte unser Bertand das dreißigjährige Bestehet. Er ist also nicht mehr eine junge Gewerkschaft. Er fahrungen liegen hinter uns. Die Verbandsgeschichte tonnten wir osgefchicht leider heute noch nicht vorlegen. Redner weift auf die im Saale hängenden Kartogramme hin, die über Mitgliederbewegung, Berufsgliederung, Geldentwertung usw. Aufschluß geben. Unsere ftabile Mitgliedschaft finden wir in der Schiffahrt und in der Elektrizität, weniger im Bergbau und in der Metallindustrie. Die Ausgaben für Streifunterstützung find, gemeffen an den übrigen Ausgaben, enorme gewesen. Für Bil dungszwecke haben wir unsere Ausgaben auch steigern können. leber die Frage Industrie- oder Berufsorganisationen Wir ift zu fagen, baß on der letteren festgehalten wird. Der Gedante der Industrie organisation ist für uns prattisch nicht durchführtar, aus Gründen der Selbsterhaltung und der Interessen unserer Mitglieder. Die deutsche Gewerkschaftsbewegung läßt sich nicht fchematisieren. Wir sind Menschen und feine Nummern. haben in Leipzig nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupteten: Der Gewerkschaftsbund wird zertrümmert, wen mir werden, zur Industrieorganisation überzutreten. Es ist nicht Eigen finn, sondern die eisernen Berhältnisse zwingen uns, den Dingen Rechnung zu tragen. B B = gezwungen Die Aussprache über den Geschäftsbericht war sehr lebhaft. Es sprachen die Kollegen Herold- Bremen, Krahn Stettin, Stehmann Rönigsberg, Schweninger. Saarbrüden, Rosinsty Aachen, Bentler Karlsruhe, Balleng Riel, Jordan Breslau, Lange Senftenberg, Balm Duisburg, Belau Senftenberg, eumann- Bremen, Bechler Mün chen, Strobel- 3widau, Lesch Gelsenkirchen, Brüning. Ruhrort, Cellarius- Braunschweig und der Redakteur des Verbandsorgans, Kollege Ufermann Berlin. Im Schlußwort geht der Verbandsvorsitzende Klebe auf die in der Diskussion geäußerten Wünsche und Beschwerden ein. Er meist besonders darauf hin, daß die Beschlüsse des Borstandes unter Zustimmung aller Verbandsinstanzen gefaßt wurden. Von den Beschliffen, die zum Geschäftsbericht von der Generalversammlung angenommen wurden, sind die folgenden beach tenswert: Das Bundesmitgliedsbuch findet Einführung im Berband, sobald der bestehende Borrat der alten Bücher aufgebraucht ist. Die Beschlüsse der 14. Generalversammlung betreffs der Dampftesselüberwachung und Heizerschulen find weiter zu fördern. Die Einführung der 16. Industriegruppe innerhalb der Betriebs. räteorganisation des ADGB. ist weiter anzustreben. Der Zentraloorstand wurde beauftragt, dafür zu wirken, daß die Ausarbeitung der neuen Seemannsordnung auf dem schnellsten Wege Gefeßestraft erlangt; daß für die Seeleute eine Krantenversicherung geschaffen wird, worin auch die Familienmitglieder versichert sind; daß die Erwerbslosenunterstützung auch für die Seeleute Gefeß wird;§ 34 der Einkommensteuer dahin ergänzt wird, daß den Seeleuten für die Führung des zweiten Haushalts ebenso wie den Beamten usw. die Erleichterung zuteil wird. Der Hauptvorstand wurde ferner beauftragt, sich mit dem ADGB. und den übrigen zuständigen parlamentarischen Stellen in Verbin dung zu sehen und gemeinsam mit diesen danach hinzuarbeiten, daß das ftenerfreie Einkommen wesentlich erhöht wird. Alle Lohn- und Gehaltsempfänger, deren Einnahmen die Lebensmöglichkeit nicht mehr gewährleisten, müssen steuerfrei bleiben." Weiter aber, gemeinsam mit dem ADGB. an maßgebender Stelle zu beantragen, daß die staatliche Erwerbslofenunterftüßung so weit erhöht wird, daß sie drei Biertel des Stundenverdienstes eines Durchschnittsarbeiter beträgt.. An Stelle der Für forge muß die Arbeitslosenversicherung erstrebt werden. Für den bevorstehenden Boltsentscheid über die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens wurde ein Propagandafonds geschaffen, zu dem jedes Mitglied einen, Extrabeitrag von 50 Pf. beisteuern muß. Am zweiten Verhandlungstag erstattete der Haupttaffierer, Kollege Insel. Berlin, den Kassenbericht. Die Kaffenverhältniffe gehen erfreulicherweise einer Gesundung entgegen. Dem Raffierer wurde einstimmig Entlastung erteilt. Sezer München berichtet hierauf über die Anträge des Aeltestenausschusses zum Verbandsstatut. Dazu liegen zahlreiche Anträge vor. Die Frage der Wiedereinführung fämtlicher Unter stüßungszweige, wie sie vor dem Kriege im Verbande bestanden, spielte eine große Rolle. Andere Zahlstellen forderten wieder, daß die Erwerbslofenunterstügung nicht wieder eingeführt werde. Um nun das Verbandsstatut übersichtlich zu gestalten, wurde ein neuer Statutenentwurf zur Debatte gestellt. Der Beitrag wird gestaffelt und beträgt je nach Wochenverdienst 0,60, 0,70, 0,80 und 1,- Mart pro Woche. Streif, Aussperrungs- und Maßregelungsunterstützung beginnt Don der dreizehnten Woche der Mitgliedschaft und beträgt in der höchsten Stufe 21,90 m. pro Woche, wozu noch Familienzuschläge treten. Die Erwerbslofenunterstützung beginnt vom fiebenten Tage und ift ebenfalls nach Höhe und Zahl der Beiträge geftaffelt. Außerdem wird Umzugs- und Sterbeunterstügung gewährt. Die Sagung tritt am 1. Oftober 1924, die Unterstüßungen am 1. Januar 1925 in Kraft. Dostel Prag, der inzwischen eingetroffen, begrüßt den Ber bandstag. Darauf wurden folgende Anträge angenommen: 1. Der Aus- Gelbgeber Strebit. Der Strels ber Bunnten te heute poft fer fein hub wird gewählt von der Geschäftsstelle Hamburg. 2. Der ge- auf diejenigen beschränkt, die ein eigenes schuldenfreies Grundstück ringste Wochenbeitrag beträgt 50 Pfennig. Die Unterstützungsfähe besigen oder an Hand haben, da die Geldmittel zum Ankauf oder zur für die 50- Pfennig- Beitragsklasse werden dem Aeltestenausschuß- vollkommenen Verzinsung einfach nicht vorhanden sind und erst Entwurf entsprechend festgelegt. 3. Jm§ 17 III werden die Worte wieder verdient werden müssen. Durch eine neue Unsicherheit der und Sektionen" gestrichen. 4. Zur Bestreitung ihrer örtlichen Be- Aufwertung würde der Kreis der Bauunternehmenden dürfnisse erhalten die Verwaltungsstellen mit besoldeten Funktio- mithin noch weiter dertleinert. Eine Berzinsung der jetzt nären( Geschäftsstellen) 25 Prozent, mit unbesoldeten Funktionären erstellten Wohnungen ist bei der geringen Rauftraft der Bevölkerung Die Miete in einer neuen Zwei- bzw. Darauf wurden die Anträge des Aeltestenausschusses zum Ver- Dreizimmerwohnung wird unter Zugrundelegung der heutigen Fibandsstatut mit den vorgenannten Aenderungen angenommen. nanzierungsmöglichkeit sich im mehrgeschossigen Miethause ohnehin Als Delegierte für den nächsten Gewertschaftstongreß auf zirka 60 bis 110 M., je nach Lage, stellen. Dieselbe wird heute werden gewählt: Klebe( Verbandsvorstand), Schüh- Ludwigs- überwiegend in Form von Bauzuschüssen auf 5 Jahre vorausburg, Krahn Stettin, Schotte Hamburg, Lange- Senften- gezahlt. Eine Aufwertung wird ohne Zweifel die Miete der neuberg, Rosenberg Essen, Wunderlich Leipzig, Hornerstellten Wohnungen weiter steigern. Ich uh Danzig, Die Neuwabener. Frankfurt, üne dens- Köln. ahl des Hauptvorstandes( mit allen gegen zwei Stimmen) ergibt: 1. Borsigender: Hermann Klebe, 2. Bor sitzender: Rudolf Schlichting, Kassierer Wilhelm Insel. Als Beifizer wurden gewählt: Karl Muelle Köpenid, Josef Seher- München, Friedrich Brandis. Mühlhausen, Berthold hippe Leipzig. Als Revisoren wurden gewählt: Matthies Köln, MüllerSpandau, Erfahmann Krahn- Stettin. = Damit waren die Arbeiten des Verbandstages beendet. bim bisbinds Wirtschaft Das Steigen des Brotpreises. In neuester Zeit haben die Weizenpreise auf der gangen Welt eine feit vielen Jahren nicht verzeichnete höhe erreicht. Die Tatsache, daß im Getreidehandel eine immer weiter wenig zu dieser Entwicklung bei. Bekanntlich hat sich in den Berum sich greifende Bertrustung in Erscheinung tritt, trägt sicher nicht einigten Staaten und in Kanada der Getreidehandel mit den Farmern und Eisenbahnen zu einer Trustgesellschaft für die Getreideverwertung zusammengetan, die mit einem Attienkapital von 26 Millionen Dollar arbeitet und Bagereinrichtungen für 50 millionen Bushel Getreide schafft. Eine Vorstellung, um welche Mengen einheiten. Ein Bushel Weizen es fich handelt, gewinnt man bei einem Vergleich mit deutschen Maßeinheiten. Ein Bushel Weizen um diesen handelt es sich in der Hauptsache- faßt 27,2 Kilogramm. Der Trust, der besonders die Ausfuhr kontrollieren soll, kann demnach Borräte von 1,36 Millionen Tonnen Getreide aufstapeln. An feinen Gewinnen find die ameritanischen Farmer beteiligt. Es wird von den Aufwertungsintereffenten sogar behauptet, daß bei der Aufwertung dem Baumarkt Geld zufließen würde. Dies würde etwa folgenden Kreislauf bedeuten: Das Geld zum Bauen für Mittel- und Kleinwohnungen wird heute im mefentlichen durch die Masse der Mieter aus den alten Wohnungen aufgebracht und leider nur zum Teil direkt den Häusern eine Aufmertung der Hypotheken erfolgt, so würde diese Hauszinssteuerhypothefen zugeführt. Wenn nun in den alten Binsbefriedigung sicher den Vorrang vor den Hauszinssteuerabgaben erhalten, b. h. die letzteren würden eingeschränkt. Weiter würde bei der Beleihung neuer Grundstücke die Aufwertung der hier vorhandenen Hypotheken gleichfalls eine 3inszahlung beanspruchen. Das Geld, welches heute zur Verfügung steht, muß erst den Zwischenweg über den Besizer alter Hypothefen als stillen Nuznießer gehen. Ob dieser Besizer es aber dem Baumarkt nun wieder zuführt, erscheint zweifelhaft. Der Weg von der Geldquelle zur Verwendung foll aber möglich st turz sein, da sonst zuviel Interessenten davon leben wollen, ohne unfere schwache Wirtschaft Belastung. mirklich produktive Arbeit zu leisten. Et derartiger Umweg ist für sönliche Schulb ist; juristisch ist sie es wohl, aber volkswirtMan tann hierzu nicht einwenden, daß die Hypothef eine per= schaftlich sind die Mittel zur Verzinsung oder zur Rückzahlung einfach nicht vorhanden. Sie müßten wieder auf Kosten der Gesamtwirtfchaft beschafft werden, und hier werden die Mieter und die Wohnungsuchenden an erster Stelle die Leibtragenden sein. Der Bauunternehmer ob Einzelperson oder Genossenschaft bleibt gleich wird entweder die Berzinsung mit übernehmen müssen, oder das Bauvorhaben unterbleibt, weil die Finanzierung infolge der Vorbelastung nicht möglich ist. Durch den neuen Aufwertungsrummel hat die Abfindung der 1. Hypothet schon wieder infolge neuer Hoffnungen der Gläubiger zu Finanzierungsschwierig feiten beim Bauen Anlaß gegeben. Der Gläubiger braucht die aufgewertete Hypothet nicht einzuziehen, das Unternehmen tann nicht ausgeführt werden; die Wirtschaft leidet darunter. Es besteht ferner noch die Gefahr, daß die Grund und Bodenpreise durch eine weitere Auswertung noch mehr gesteigert werden. Diese sind an der Leistungsfähigkeit unserer Gesamtwirtschaft gemeffen, zurzeit immer noch zu hoch. Es lohnt, in diesem Zusammenhange festzuhalten, daß der„ Daily Herald", das Organ der englischen Arbeiterbewegung, in der Be iprechung dieser Preissteigerung fagt, die gewaltige Hausse sei wahrscheinlich den ma chinationen fapitalistischer Gruppen in den Bereinigten Staaten zuzuschreiben, die auf diese Weise die unzufriedenen Bauern beschwichtigen und sie davon abbringen unzufriedenen Bauern beschwichtigen und sie davon abbringen wollen, für die Wahl La Follettes einzutreten. Der bürgerliche englische ,, Economist" behandelt ebenfalls diese Frage. Er spricht natürlich nicht davon, baß die Kapitalisten ihre Macht für solche poli- er Die Industrialisierung Südafrikas. tischen Manöver einsehen könnten, hingegen gibt die Zeitschrift unumwunden zu ,,, daß die fürzlichen gewaltigen Preissteigerungen für Getreide wohl hauptsächlich auf Spetulationen zurückzuführen Getreide wohl hauptsächlich auf Spetulationen zurückzuführen feien, die in Hinsicht auf die bevorstehende schlechte Ernte gemacht werden". Weiter wird gesagt:„ Die Hausse der Getreidepreise wird wahrscheinlich Rückwirkungen in der politischen Lage zeitigen und bei den Novemberwahlen eine große Rolle spielen." Die Wohnungfuchenden, die meist schwerere seelische und förperliche Leiden als den Verluft einer Geldsumme bzw. Hypothek jahre lang ertragen mußten, haben ein Recht, zu verlangen, daß hier der ohnungsherstellung nicht neue Belastungen und Schwierigteiten entstehen. Die Ausbeutung der Gold- und Diamantengruben war bis zum Krieg die wichtigste Betätigung in der füdafrikanischen Union. Infolge des Krieges hat sich aber so schreibt der JGB. dort eine Fabritindustrie entwickelt, die sowohl was den Wert der erzeugten Waren, wie die Zahl der beschäftigten Arbeiter anbelangt, gleichwertig neben der Ausbeutung der Goldgruben steht. In den Jahren 1914 bis 1920 hat sich die Zahl der Industriebetriebe verdoppelt. Es gibt dort 7000 Fabrikanlagen, Die Die Geheimnisse der Wall- Street, eines der wichtigsten Zentren im Jahre 1921 Waren im Werte von beinahe 100 Millionen Pfund des Weltkapitalismus, find so bemerkt der IGB. dazu nicht erzeugten. Während der Wirtschaftsfrije im Jahre 1921 ist die Bro leicht zu ergründen, doch ist die Tatsache schon vielsagend, daß bei buftion zurückgegangen, doch ist diese Krise bereits zum größten der gegenwärtigen Weltordnung bie kapitalisten in der Lage Teil überwunden. Die Fabriten beschäftigen 60000 europäische find, die Preise des wichtigsten Nahrungsmittels der Arbeiter, dreimal jo viel als die Goldgruben, und ungefähr so Arbeiter im Interesse der Stabilisierung ihrer Macht. höher zu viel Eingeborene wie die Goldgruben. Der Ertrag der Fabrikerzeugung wird jährlich auf 36 Millionen Pfund geschäßt, ebensoviel fchrauben. Solche Waffen sind allerdings scharf, und wenn wie der Ertrag der Goldgruben. 43 Millionen Pfund jährlich werden 3. B. die Russen die seit Jahren für die nußlose Propagierung für Rohstoffe, 20 Millionen Pfund für Löhne ausgegeben. Die der Weltrevolution verausgabten Milliarden für den Ankauf von Profitrate in der füdafrikanischen Industrie ist außerordentlich landwirtschaftlichen Geräten und so zur Hebung ihrer Getreidepro- hhh, wovon die Dividenden der zumeist in englischen Händen beduktion verwendet hätten, die unter normalen Umständen auf dem findlichen Gesellschaften zeugen. Weltmarkt eine große Rolle spielen fann, hätten sie im Interesse der Arbeiter unendlich viel mehr geleistet. Reichsinder unverändert. Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten( Ernährung. Wohnung, Heizung, Bes leuchtung und Bekleidung) für Mittwoch, den 27. August, ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts gegenüber der Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Borwoche unverändert geblieben. Sie beträgt das 1,14 Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je billionenfache der Vorkriegszeit. Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose..16,75 20,25 Röstgetreide, lose.... 16.50-18,00 65,00-75,00 Gerstengrütze, lose... 15,50-15,50 Kakao, fettarm Haferflocken, lose... 17,00-19,00 Kakao, leicht entölt 86,00-100,00 Hafergrütze, lose... 18,50-19,50 Tee, Souchon, gepackt 320,00-400,00 Roggenmehl 0/1 13,00-14,00 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 18,50-20, 0 Inlandszucker basis mel. 37,50- 38,50 Welzengrieß 22,75 24,75 Inlandszucker Raffinade 39,00-41,00 70% Weizenmehl 16,50-17,75 Zucker Würfel Weizen- Auszugmehl 18,75-24,00 Kunsthonig 16.50-19,50 Zuckersirup hell in Eim. 9,75-13,50 Speisesirup dunk. in Eim. 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 27.00- 30,50 Marmelade Vierfrucht Hartgrieß Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, 1 arl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, große Linsen, mittel 44,00-47,50 30,00 36,00 40,00-45,00 27,00-31,00 90,00-95,00 35,00 40,00 20,00 29,50 Pflaumenmus in Eimern 30,00-36,00 31,00-37,50 Steinsalz, lose. 3,10- 3,70 39,00-46,00 Siedesalz. lose 4,004,70 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 82,50-83,00 36,50-42,50 Bratenschmalz in Kübeln 83,50-84,50 37,00 Purelard in Tierces 80,00-80,50 19,00-22,50 Purelard in Kisten... 80,00-81,00 15,5 16,50 Speisetalg in Packung 62, 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln Tafelreis, glasiert, Patna 23,25-31,00 Margarine, Handelsm. I 66,00 Tafelreis, Java. 30,00-36,50 desgl. II. Ringäpfel, amerik. Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudein, lose.... Bruchreis Rangoon Reis 60,00-63,00 85,00 90,00 Margarine, Spezialm. I.. 80,00-84,00 Getr. Pflaumen 90/ 100..40,00-43,00 desgl. II. 69,00-71,00 Pflaumen, entsteint 50,00-55,00 Margarine III Molkereibutter i. Fässern 196,00-201,00 60,00 Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia 65,00 70,00 Molkereibutter in Pack. 201,00-206,00 Sultaninen Caraburnu.. 80,00-90,00 Landbutter Korinthen, choice Mandeln, süße Barl Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 202,00-208,0 175,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,75-37,00 155,00-160,00 Ausl Speck, geräuchert 75,00-85,00 106,00-115,00 Quadratkäse Geschäftliche Mitteilungen. Optische Klagen. Wie mir au biefem Artikel nachträglich erfahren, find die Preise für Erzeugnisse der Optit nicht überall als hoch zu bes zeichnen. Go verkauft u. a, die Firma Optifer Josef Robenstod ihre Waren billiger als vor dem Kriege und find dort namentlich die Preise für michtige Bedarfsartikel, in erster Linie Augengläser, äußerst niedrig gehalten. Auch Die Preise für andere optische Artitel der Firma Rodenstock, wie Theatergläser, Feldstecher usw., bewegen fich unter Friedensstand und sind diese Gegenstände z. 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Mendelssohn- Bartholdy: Achtung des Angriffskrieges Karl Kautsky: Johann Most Prof. Dr. Fritz Haber: Eine akademische Festrede Studienrat Dr. Anna Siemssen: Beruf und Erziehung M. 1,20 das Heft Zu bo Z iehe n durch die Vorwärts- Ausgabestellen u. Botenfrauen 2Mark wöchentl. Teilzahlung liefere Eleg. Herren- Garderobe fertig und nach Maß Garantie für tadellosen Sitz u. Verarbeitung Maßschneiderei J. Kurzberg Oranienstraße 160, I. SCHUTZ MARKE Quittungs- Rabait u. Reklarnemarken fertigt seit 45 Jahren als Spezialität Conrad Müller Schkeudi Leipzig Geld Nordosten KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 0,10 Goldmark. Fettgedrucktes Wort 0,20 Goldmark( zulässig 2 fettgedruckte Werte). Stellengesuche das 1 Wort( fett) 0,10 Goldmark, jed.weitere 0,05 Goldmark. Worte mit mehr als 15 Buchstab. zähl doppelt. 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Stimmen dafür( Kommunisten und Nationalsozialisten) machen fämtliche Mitglieder des Reichstabinetts Plaz genommen. tein Drittel des Reichstags aus. Kurz vor 3 Uhr eröffnet Präsident Wallraf die Sigung von neuem Die Einzelberatung der sämtlichen Gefeße zum Dames- Gutachten ist geschlossen, es finden nur noch die Abstimmungen zur dritten Lesung statt. Dazu liegen acht tommunistische Anträge auf namentliche Abstimmung vor. Die Sozialdemokraten verlangen namentliche Abstimmung nur über das Reichsbahngeseh. Abg. Dr. Frid( Natsoz.) beantragt, das Reichsbahngeset als legtes zur Abstimmung zu stellen und nach Annahme des Mantelgefeßes fofort noch die Amnestiefrage zu beraten. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Nationalsozialisten und der Kommunisten unter großer Unruhe des Hauses abgelehnt. Es folgen nunmehr die Einzelabstimmungen über die Geseze zum Gutachten, die zunächst nur formale Bedeutung haben. Entscheidend sind die später gemeinsam vorzunehmenden Schluß abstimmungen. Gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Nationalsozialisten und der Kommunisten werden in Der Einzelabftimmung das Banfgefeß, das Privatnotenbankgesetz, das Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs in Rentenbanficheinen, das Münzgefeß, das Industriebelastundsgefeß, das Aufbringungsgesetz dazu, angenommen. Dieselbe Mehrheit spricht sich auch für das Reichsbahngeseh aus, für das aber in der Schlußabstimmung später 3weidrittelmehrheit erforderlich ist, für das Reichsbahnperfonal- und Mantelgesetz. Bei dem Mantelgesetz wird von derselben Mehrheit der bekannte Antrag Hergt( Dnat.) abgelehnt. Angenommen wird dagegen wieder von derselben Mehrheit ein gemeinsamer Antrag der Koalitionsparteien und der Bay erischen Boltspartei, der dem§ 4 bes Mantel gefeges folgende Faffung gibt: Den Zeitpunkt des Infrafttretens dieses Gefehes bestimmt die Reichsregierung." Die Schlußabstimmungen. Nummehr folgen die Schlußabstimmungen. Die namentliche Abstimmung des Bantgesetzes ergibt 259 gegen 172 Stimmen bei 2 Enthaltungen. Das Privatnotenbankgejet und das Münzgeset werden in einfacher Abstimmung angenommen. Das Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs in Rentenbankscheinen wird mit 262 gegen 172 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Die namentliche Abstimmung über das Industriebelastungsgeseh ergibt die Annahme mit 260 gegen 176 Stimmen bei einer Enthaltung. Das Ausbringungsgefeh wird bei zwei Enthaltungen mit 261 gegen 175 Stimmen angenommen. Die Abstimmung über die Entschließung Effer- Köln( 3.), die auch von den Mittelparteien unterstützt wird und die die Regierung ersucht, mit Rücksicht auf die schwierige Lage der fleineren gewerblichen Unternehmungen die Freigrenze nicht unter 20000 m. festzusehen, wird zurückgestellt. Zweidrittelmehrheit für das Reichsbahngeset Unter allgemeiner großer Spannung wird dann zur Abstimmung über das Reichsbahngesetz geschritten. Hier ist bekanntlich eine 3weidrittelmehrheit erforderlich. Die Abstimmung ist auf Antrag der Kommunisten und Sozialdemokraten namentlich. Zahlreiche Deutsch nationale geben weiße Jas Rarten ab. Die Spannung ist aufs höchste gestiegen, als der Präsident um 4,20 Uhr das Ergebnis der Abstimmung verfündet. Der Präsident stellt fest, daß es sich um ein verfassungänderndes Gesetz handelt, daß daher bei der Abstimmung zwei Drittel aller Abgeordneten anwesend sein müssen. Er stellt weiter fest, daß die 3 ahl der Reichstagsmitglieder jetzt 466 beträgt. 3 wei Drittel davon sind 311. Es wurden im ganzen abgegeben 441 Stimmen. Von diesen Abgeordneten haben mit 3a geftimmt: 314. Als der Präsident dieses Ergebnis bekanntgibt, entsteht bei den Kommunisten ein Höllenlärm, sie rufen drohend, nach den Deutschnationalen gerichtet: fu il Von den Tribünce ertönen laute Beifall stundgcbungen, auch von der Diplo matenloge. Die Nationalsozialisten und die Kommunisten drohen mit den Fäusten nach den Tribünen. Der Präsident erklärt Beifallsfundgebungen von den Tribünce für unzulässig und droht im Wiederholungsfalle mit Räumung. Nachdem sich der Sturm gelegt hat, teilt der Präsident weiter mit, daß gegen das Gefeg 127 Abgeordnete gestimmt haben. Er stellt feft: Das Gesez hat also die zur Aenderung von Berfassungsbestimmungen erforder. liche Mehrheit erhalten.( Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Die Entschließungen. Nunmehr wird über die Entschließungen abgestimmt. Einstimmig wird u. a. angenommen eine Entschließung, beim Lastenaufbringingsgesetz für die Industrie die Freigrenze von 20 000 m. nicht zu unterschreiten. Einstimmig angenommen wird eine Entschließung Groß( 3tr.) zur Sicherung der Rechte des Eisenbahnperfonals. Eisenbahnperfonals. Bei ciner meiteren Entschließung Stoeder ( Romm.), alle zurüdgefehrten ausgewiesenen Eisen bahner beim Uebergang des Betriebes von der Regie auf die Reichsbahn wieder einzustellen, muß die Entscheidung durch Hammelsprung erfolgen. Dafür stimmen die Kommunisten, die Sozialdemokraten, die Nationalsozialisten und die Arbeitnehmervertreter des Zentrums sowie ein Teil der Deutschnationalen. Die Entschließung wird, da dann beim Hammelsprung die Deutschnatio: nalen geschlossen dafür und die bürgerlichen Parteien zum Teil dafür stimmen, mit 206 gegen 92 Stimmen angenommen. Abg. v. Guérard( 3tr.) erklärt nachträglich, daß ein großer Teil der Mitglieder des Zentrums, der Demokraten, der Bayerischen Bolkspartei und der Deutschen Bolfspartei gegen diefen Antrag gestimmt hätten, aber nur weil sie viel mehr erreichen wollten.( Gestimmt hätten, aber nur weil sie viel mehr erreichen wollten.( Gelächter bei den Kommunisten.) Die fommunistische Entschließung betr. Sozialisierung fommt gegen die Stimmen der Antragsteller zu Fall. Auch die übrigen von den Kommunisten beantragten Refolutionen werden abgelehnt, desgleichen eine Entschließung v. Graefe( Natfo3.) zur Bekämpfung der Schuldlüge. Sonnabend, 30. August 1924 Abg. Katz( Komm.) ergeht sich unter lärmenden Rundgebungen seiner Fraktionskollegen in Beschimpfungen der Sozialdemokratie. Von Zentrum, Bolkspartei, Demokraten und Sozialdemokraten ist ein Antrag eingegangen, der die Regierung ersucht, die ver= faffungsrechtliche Frage der Reichsamnestie bezüglich ihrer Wirksamkeit auf Urteile der Länder der endgültigen Klärung durch den Staatsgerichtshof zuzuführen. Abg. Cohmann( Dnat.) weist die Angriffe des Abg. Razz gegen den Richterstand zurück. Abg. Dr. Rosenfeld( Soz.) wirft dem Abg. Kaz vor, er habe mit seinen unerhörten und unbegründeten Angriffen gegen die übrigen Parteien den Opfern der Klassenjustiz nur geschadet. Wirksamer wäre die Begründung gewesen, wenn die Kommunisten auch für Rußland eine Amnestie angekündigt hätten. Den Beschwerden des Abg. Kazz über die Justiz und den Strafvollzug schließt sich der Redner an; es gebe viele Richter, die aus politischen Motiven das Recht beugen." Die jüngsten Urteile des Staatsgerichtshofes feien sehr bedenklich. Sehr eigenartig sei das gegenwärtige Verfahren gegen die kommunistische Zentrale. Maslom size immer noch in Untersuchungshaft, obwohl er während der Zeit der Straftaten, um die es sich handelt, gar nicht in Deutschland war. Es sei nicht erträglich, daß der Staatsgerichtshof zum. Schutze der Republik einen Untersuchungsrichter hat, der der Deutschnationalen Boitspartei angehört. Dr. Rosenfeld ersucht die Mittelparteien bringend, dem Amnestieantrag zuzustimmen. Staatssekretär Joel vom Reichsministerium meist die Angriffe der Abgeordneten Raß und Rosenfeld gegen den deutschen Richterstand zurüd. Abg. Wunderlich( D. Bp.) verwahrt gleichfalls unter lärmendem Eine Mehrheit findet sich für die von den Nationalfozia- Widerspruch der Kommunisten den Richterstand gegen die Angriffe listen vorgeschlagene Entschließung, die die sofortige Borlage der beiden Redner. eines allgemeinen Amnestiegefeges für, politische Straftaten verlangt. Ungenommen wird auch die Entschließung der Deutschnafionalen, die von der Reichsregierung fordert, fie folle spätestens binnen zwei Jahren von dem Rechte Deutschlands auf Nachprüfung seiner Leistungsfähigkeit Gebrauch machen, um eine Herabminderung der Gesamtlast des Dawes- Planes herbeizuführen, und fie folle auf diplomatischem Wege darauf dringen, daß eine feste Grenze für die gesamten fünffigen Leistungen Deutschlands vereinbart wird. Zu einer furzen Erklärung erhält das Wort nach Erledigung der Abstimmung über die Entschließungen Abg. v. Graefe( Natfoz.): Meine Barbei hält den heutigen Tag, den Jahrestag der ruhm reichen Schlacht bei Tannenberg, den Tag, wo 314 Boltsvertreter die deutsche Staatssouveränität, die deutsche Volkswirtschaft, ja das deutsche Bolk selbst dem Zugriff des Internationalen Großfapitals unter dem Beifall feindlicher Diplomaten ausgeliefert haben, für den schwärzesten Tag in der deutschen Geschichte feit dem 9. November 1918.( Stürmische, anhaltende, immer erneute Schlußrufe der Regierungsparteien hindern den Redner, sich weiter verständlich zu machen.) wort erteilt, erheben die Kommunisten einen berart beAls Vizepräsident Dr. Bell dem Abg. Leicht( Bayer. Vp.) das täubenden Lärm, daß der Redrer nicht durchzubringen vermag. Man fieht ihm mit dem Bizepräsidenten einige Worte wechselt; dann verläßt er die Tribüne. Abg. Dr. Rosenfeld( S03.) erklärt, er habe den Richterstand nicht in seiner Gesamtheit angegriffen; aber er halte daran fest, daß es Richter gibt, die aus politischen Motiven bemuki das Recht beugen. Damit schließt die zweite Beratung. Abg. Schiffer( Dem.) bestreitet die Behauptung des Abg. Dr. Frid, daß er den Kapp- Butschführern Straffreiheit zugesichert habe. Gegen 10 Uhr schließt die Sigung. Nächste Sizung: Sonnabend, 11 Uhr vormittags( 3ollvorlage). Auch vom Reichsrat verabschiedet. Unmittelbar nach Schluß der entscheidenden Abstimmungen im Reichstag trat eine Bollfigung des Reichsrats zu fammen. Es handelte sich darum, eine verfassungsmäßige Vorschrift zu erfüllen, nämlich von den Beschlüssen des Reichstags ohne EinSpruch Kenntnis zu nehmen. Das geschah in der Bollsigung des Reichsrats, die unter dem Borsiz des Ministers. Dr. Jarres abgehalten wurde. Der preußische Bevollmächtigte er flärte, daß zwar viele Wünsche, zu denen die Verhandlungen über das Dawes- Gutachten Anlaß gegeben hätten, bedauerlicherweise nicht erfüllt wären, daß man aber der Reichsregierung wäre und daß der Reichsrat der Hoffnung Ausdrud gebe, daß die. dazu Glüd wünsche, daß ihre Arbeit nicht vergeblich gewesen heutigen Beschlüsse des Reichstags und des Reichsrats dem Deutschen Wolfe zum Gegen gereichten. Der Borsigende dankte namens der Reichsregierung und gab dem Wunsch Ausdruck, daß diefe Hoffnung in Erfüllung gehe. Bizepräsident Dr. Bell erklärt unter dem fortdauernden arm der Kommunisten, die ihrerseits stürmisch das Wort zur Geschäftsordnung fordern, daß er den Abg. Leicht angesichts der ungeheuren Unruhe des Hauses veranlaßt habe, auf das Wort zu Parteinachrichten verzichten und daß er feinem Abgeordneten mehr das Wort zu einer Erklärung geben werde. Das Mißtrauensvotum abgelehnt. Indes der Lärm der Kommunisten weiter andauert, geht das Haus über zur Erledigung des von dem Abg. v. Graefe beantragten Mißtrauensvotums gegen die Reichsregierung. Auf Antrag des Antragstellers wird darüber namentlich abgestimmt. Das Ergebnis ist die Ablehnung mit 251 gegen 94 Stimmen; 85 Mitglieder enthalten fich der Abstimmung. Es folgt nun die Beratung der Anträge für die besegten Gebiete. Abg. Dr. v. Dryander( Dnat.) erstattet ben Bericht des Ausschusses für die besetzten Gebiete. Minister für die belegten Gebiete Dr. Höfle spricht dem Ausschuß den Dank der Regierung aus. Die Anträge feien im allgemeinen geeignet, die Not der Betroffenen zu lindern. Einige Anträge feien der Regierung aber als zu weitgehend erschienen. Abg. Hofmann- Ludwigshafer( 3.) erklärt namens der Mittelparteien, der Sozialdemokraten, der Deutschnationalen, der Bayerifchen Boltspartei und der Wirtschaftlichen Bereinigung, die Arbeiten des Ausschusses feien von einem ehrlichen mitfühlenden Verständnis für die Lasten und Leiden des besezten Gebietes, insbesondere für bas Schicksal derer getragen, die fich lieber aus ihrem Vaterlande vertreiben, ris Gefängnis werfen ließen, als ihr Baterland im Stich zu laffen. Das bei Beginn des Rampfes gegebene der Regierung müsse eingelöft Bersprechen werden. Ein Teil der Wünsche der Opfer sei bereits durch die nergische Mitarbeit des Ministeriums für die besetzten Gebiete erfüllt worden, den übrigen Anträgen fei jeßt der Hauslaltsausschuß Redner wünscht nur, daß die geffern im Ausschuß mitgeteilten Richtlinien für die Betreuurig von Privatpersonen allen Abgeordneten der befekten Gebiete zugestellt werden. Das Reichsbahnpersonal gefez wird mit 270 gegen unter Zurückstellung mancher fistalischer Bedenken beigetreten. Der 163 Stimmen angenommen. Annahme des Mantelgesetzes. Auch über das Mantelgefez wünschen die Kommunisten namentlich abgestimmt zu sehen. Da aber zahlreiche Abgeordnete inzwischen den Saal verlassen haben, so reicht die Zahl der sich zur Unterstüßung des Antrages erhebenden Nationalsozialisten und Kommunisten nicht aus.( Große Unruhe bei den Kommunisten.) Das Gefeß wird in einfacher Abstimmung gegen die Stimmen der Kommunisten, der Nationalsozialisten und eines Teils der Deutschnationalen mit großer Mehrheit angenommen unter ironischen Bravorufen. Ein erheblicher Teil der Deutschnationalen, darunter z. B. die Abgg. v. Tirpik und Dr. Hoesch, stimmten für das Gefch. Eingegangen ist ein Antrag der Kommunisten:„ Der Reichstag wolle beschließen: auf Grund des Art. 72 der Reichsverfassung wird für den Fall der Annahme der Dawes- Gesetze deren Ber= fündung um zwei Monate ausgefegt, damit auf Grund bes Art. 30 Abi. 2 ein Bolts entscheid herbeigeführt werden tann." Bräsident Wallraf bemerkt, nach der Verfassung könne, was der Antrag fordere, nur geschehen, wenn ein Drittel des Reichstags es verlange; wenn Reichstag und Reichsrat ein Gesetz für dringlid erflären, fönnte der Reichspräsident es troßdem sofort verkünden. Zumächst müffe also festgestellt werden, ob ein Drittel des Reichstags den Antrag befürworte. Ueber den kommunistischen Antrag wird auf Antrag der Kom munisten, der wiederum von den Nationalsozialisten unterstützt wird, namentlich abgestimmt. Die Deutschnationalen geben blaue Enthaltungsfarten ab. Der Antrag wird mit 274 gegen Abg. Florin( Komm.) erklärt das Verhalten der Mehrheit und besonders des Zentrums für" elende Heuchelei" und erhält dafür einen Ordnungsruf. Er ergeht sich weiter in Berleumdungen der Sozialdemokratie. Abg. Kirschmann( Soz.) weift die Berleumdungen zurüd. Nach einer Erwiderung des Abg. Florin( Komm.) werden die Ausschußbeschlüsse angenommen. Hierauf bemerkt Bizepräsident Dr. Bell zu den jegt im StenoGraefe hat der gramm vorliegenden Erklärungen Graefes: Mehrheit des Hauses Motive unterstellt und eine Gesinnung untergeschoben, die geeignet ist, fie vor dem Inland verächtlich zu machen und vor dem Ausland zu tompromittieren. ( Lärm bei den Nationalsozialisten.) Diese unparlamentarischen Ausdrücke weise ich zurück und rufe Herrn v. Graefe zur Drd= nung.( Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Die Amnestieanträge. Runmehr folgt die Beratung der Amnestie anträge der Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten, die dem Rechtsausschuß überwiesen waren. Der Rechtsausschuß( Berichterstatterin Frau Pfülf[ Soz 1) hat mit Mehrheit beschloffen, jämtliche Amnestieanträge abzulehnen. Abg. Dr. Haas( Dem.) wendet sich gegen die Anträge. Abg. Dr. Frid( Natfoz.) bekämpft den Beschluß des Ausschusses, Kompetenzbedenken wegen der Justizhoheit der einzelnen Länder fönnten nicht maßgebend sein. Das Verhalten der Demokraten und des Zentrums fei unverständlich. Ginsenbungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin fiets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. Stadtverordnetenfraktion. Montag, den 1. September, abends pünktlich 6 Uhr: außer ordentlich wichtige Fraktionsfigung im Zimmer 109 des Rathauses Alle Mitglieder der Fraffion müssen anwesend sein. * Achtung! Die Kaffierer der 16., 41. und 70. Abteilung haben trog allen Mahnens die Abrechnung über die Reichstagswahl noch immer nicht geliefert. Was machen in diesen Abteilungen die Re3. A.; A. Pagels. uijoten? * 15. Kreis. Gonnabend, ben 30. Auguft, abends 7 Uhr, im Lokal Borgmann, Baumschulenweg, Baumschulen ftr. 89, Bersammlung der Bildungsaus. schüsse des gesamten Rveises, sowie der Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt. ber Rinderfreunde, der Jugend und fämtlicher Funktionäre der Partei, aller in der Kunstgemeinde und der öffentlichen Wohlfahrt der Gemeinde tätigen und sonst interessierten Genoffen und Genofsinnen. Tagesordnung: Die Kulturbestrebungen, insbesondere die Bildungsbestrebungen in der Partei." Referent: Ein Vertreter des Parteivorstandes. Sämt liche Abteilungen müffen vertreten fein. Morgen, Sonntag, den 31. August: 35. Abt. Familienausflug nach Sohenschönhausen- Wilhelmsbeeg, Lobal Rufs. Treffpunkt nachm. 2 Uhr am Fordenbedplan. Gäste willtommen. 84. Abt. Lantwis. Sommerfest verbunden mit Bannerweihe( Beginn 3 Uhr) im Restaurant Deutsches Haus", Bittoria str. 41/43, am Bahnhof Lant wig( Straßenbahn 96). Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 28. Abt. Der Genoffe Hermann Brüning, Choriner Str. 49, ist verftorben. Die Einäscherung hat bereits am 25. d. M. stattgefunden. Arbeitersport. Nordista- AGB. 24. Am Sonntag, den 31. Auguft, empfängt Nordist.. auf ihrem Play, Eger, Schönhauser allee, ADB 24 zum Retourfpiel. 3 erften Spiel tonnte Nordista AGB. mit 5: 0 fchlagen. Ob Nordiska ein folches Resultat wiederholen tann, erscheint mehr als fraglich. Beide Mannschaften treten verstärtt und mit neuen Beuten an. Bei dem hohen können, über das beide Mannschaften verfügen, ist guter Sport zu erwarten. Treffpunkt Freie Turnerschaft Neukölln- Briz. Rhythm. Frauenabteilung. Sonntag 4 Uhr im Rarlsgarten. Keulen und Badetrikot mitbringen. Jiu- Jitsu- Abteilung Nord- Ost". Nach Renovierung der Sporthalle Christburger Str. 7 üben ab 1. September Anfänger und Fortgeschrittene im JiuJitsu Montags und Donnerstags 8-10 Uhr. Zwei Ringmatten und eine Spezial- Rampfmatte( 6 X 6 Meter, 18 Rentimeter start) stehen zur Verfügung. Der nächste Kurfus für Anfänger beginnt Montag, den 22. September. Da nur eine beschränkte Teilnehmerzahl zugelassen wird, ist rechtzeitige vorherige Anmeldung erforderlich. Lichtenberger Schwimm- Berein Reptun 1894" E. B. Dienstag, den 2. September, abends 8 Uhr, Funktionärversammlung bei Masello, Lichten berg, Hauptstr. 6. Mittwoch, ben 3. September, abends 8 Uhr, MännerBersammlung bei Masello. Freitag, den 5. September, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal von Dittmann, Lichtenberg, Siegfrieditt., 202. Briefkasten der Redaktion. Bärm. Wegen des Särms tönnen Sie nur bann etwas unternehmen, wenn er das Maß des Erträglichen übersteigt. Sit das der fall, so können Sie gegen den Hauswirt die Klage erheben. Das Ausgießen von Flüssigkeiten ist nicht statthaft. Sie können deswegen ebenfalls den Klageweg gegen ben Sauswirt beschreiten. Außerdem liegt ein Verstoß gegen jene polizeiliche Borfchrift vor, die jede Berunreinigung öffentlicher Straßen unterfagt. 6. 6. 117. 1. Ja. 2. In Ihrem Falle sind die Beiträge für die Angestellten. versicherung weiter au entrichten. Die Entrichtung der Invalidenversicherungsbeiträge ist unseres Erachtens nicht zu empfehlen D.. 58. 1. Zur Zahlung vor dem Termin find Sie an sich nicht verpflichtet. Sie haben aber alsdann Ihre Berurteilung au gewärtigen, fofern der Klageenspruch begründet ist. 2. Ob das Gericht darin, daß der Sauswirt 58 Proz. der Friedensmiete ohne Widerspruch angenommen hat, cine stillschweigende Vereinbarung erbliden mird, ist zum mindesten fchr fraglich. Berneint das Gericht das Vorliegen einer folden Bereinbarung, fo erfolgt Berurteilung zur Rahlung. Die Tat. fache, daß Sie Schönheitsreparaturen bereits ausgeführt haben, ist unerheblich. G.m. b. H. Staats- Theater Theater, Lichtspiele usw.hr: Bohème Direktion: Komische Oper James Klein Heute, Sonnabend, Premiere 7 Uhr Die gewaltigste und größte Revue aller Zeiten: Das hat die Welt noch nicht geseh'n! 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