Abendausgabe Nr. 409 41. Jahrgang 5 Goldpfennig 50 Milliarden Sonnabend = Vorwärts= Ausgabe Nr. 205 Bezugsbedingungen und Anzeigenprefe Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 30. August 1924 Berlag und Anzeigenabteilungi Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Zolltarifkampf im Reichstag. Die Sozialdemokraten verlassen den Saal. Nachdem in der heutigen Sigung des Reichstags sämt- Nach weiteren Angriffen der Abg. Dr. Beder- Hessen( D. Bpt.)| gestern flar ein Nein verfündete und dann 48 Stunden später im liche Anträge der Parteien zur Amnestiefrage abgelehnt und nur die Entschließung des Ausschusses angenommen worden war, wurde als nächster Punkt auf der Tagesordnung die Zollvorlage zur Debatte gestellt. Dazu ergreift das Wort zur Geschäftsordnung Abg. Löbe( Soz.): Die fozialdemokratische Fraffion erblidt in der Gestaltung der Handelspolitik eine der wichtigsten Entscheidungen über die zukünftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft und damit über die Lebenshaltung und die Arbeitsmöglichkeiten der breiten masse des deutschen Volfes. Besonders die Handelspolitik erfordert deshalb eine ftreng fachliche, die gesamte Bolfswirtschaft, insbesondere die Lage der Arbeiter, Angestellten, Beamten und Rentner berüdfichtigende Behandlung. Eine über stürzte Behandlung ist nach Lage der Berhältnisse nicht nötig und nicht angehend. Dies geht schon daraus hervor, daß die Vorlage im Augenblic einer rasch fortschreitenden Steigerung der Getreidepreise eingebracht wird, die im letzten Bierteljahr mehr als 50 Proz. befrug, so daß die Getreidepreise jetzt ohne Zoll höher find als 1914 mit 3oll. Die Brotteuerung würde durch Getreidezölle weiter fünftig verschärft, und zwar ausschließlich im Intereffe der Großlandwirtschaft und unter schwerer Schädigung der ganzen Volkswirtschaft, der Lebenshaltung und der Arbeitsmöglichkeit der weitesten durch Inflation und Steuerdruck verelendeten Maffen. Die fozialdemokratische Fraffion hat bei den Beratungen über die Not der Landwirtschaft die Wege gezeigt, wie der landwirtschaftlichen Bevölkerung, besonders den Bauern, Kleinpächtern und Landarbeitern geholfen und eine großzügige Siedlungspolitit be. trieben werden kann. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sieht in der Vorlage ferner den Berfuch, bei der bevorstehenden a stenverteilung Großkapital und Großlandwirtschaft freizulaffen und die Laffen auf die breiten Maffen der Arbeiter, Angestellten und Beamten abzuwälzen. Sie befont ferner, daß die Wiedereinführung der Getreidezölle nichts zu tun hat mit der Vorbereitung der handelspolitischen Verhandlungen. Es handelt sich- dies muß vor dem ganzen Lande festgestellt werden bei dieser Vorlage um nichts anderes als um einen Teil des Kaufpreises der für die Preisgabe der angeblichen nationalen Ueberzeugung der Deutschnationalen Boltspartei geboten wurde. Darum widersprechen wir der jeder Sachlichkeit hohnsprechenden Eile, mit der die Vorlage in Angriff genommen werden foll. Wir stellen den Antrag auf Absehung von der Tages. ordnung. und Koenen( Komm.) auf die Sozialdemokratie, die Abg. Löbe ( Soz.) zurückweist, erfolgt die namentliche Abstimmung. Sie ergibt, daß 215 Stimmzettel abgegeben worden sind; da jedoch zur Beschlußfähigkeit die Anwesenheit von 234 Abgeordneten erforderlich ist, muß der Präsident die Beschlußunfähigkeit feststellen und die Sitzung schließen. Er beruft die nächste Sigung ein auf 1% Uhr. Das Zentrum beim Kuhhandel. Zusage eines Bürgerblocks. Das rheinische Zentrumsblatt, die Kölnische Volkszeitung", läßt sich aus Berlin berichten, daß in der Nacht vor der entscheidenden Abstimmung im Reichstag auf Veranlaffung von Deutschnationalen eine Besprechung zwischen Vertretern der Deutschnationalen und der Zentrumsfrattion des Reichstages über die politische Lage statt. Die Vertreter des Zentrums beschränkten sich hierbei auf zwei Feststellungen bezüglich des Standpunktes ihrer Frattion. Es sind folgende: 1. Bei Annahme des Londoner Abkommens durch die deutschnationale Reichstagsfraktion wird deren entsprechende Ber tretung in den Ausschüssen zur Durchführung des Abtommens als felbstverständlich erachtet. entscheidenden Augenblick nicht gegen die Dames- Geseze stimmte, der hat sich die Sympathie, die ihm entgegengebracht wurde, im weitesten Maße verscherzt. Er wird, wo er bisher geachtet oder gar gefürchtet war, Spott und Mißachtung ernten. Die Deutschnationalen haben die Reichstagsauflösung und Neuwahlen gefürchtet. Das ist eine Politik auf furze Sicht zu nennen, denn bei zukünftigen Wahlen wird die Wählerschaft den Reden und Versprechungen, die von dieser Seite tommen, nicht mehr glauben und der deutschnationalen Partei erst recht die Gefolgschaft verweigern." Hergts Strafpredigt. Und schließlich Auslosung der Umfallrentner. Wie wir erfahren, hat es in der letzten ,, verfraulichen" Sigung der deutsch nationalen Reichstags= fraktion vor ihrer Halbierung noch außerordentlich scharfe Auseinandersetzungen gegeben. Dabei hat der Parteivorsitzende Hergt den umfallbereiten Parteigenossen besonders eindringlich ins Gewissen geredet. Er hat ihnen in einer großen Anklagerede u. a. folgendes gesagt: 2. Die Zentrumsfrattion hat im Mai d. 3. einmütig auf dem Standpunkt gestanden, daß bei Annahme des Sachverständi gengutachtens durch die deutschnationale Reichstagsfraktion diese entsprechende Bertretung in der Regierung finden werde. Die erreichbaren Mitglieder des Vorstandes waren einmütig der Meinung, daß die Stellungnahme sich nicht geänden weitesten Boltstreifen unser mannhaftes Einstehen für unsere dert hat und daß demnach bei Annahme des Londoner Abkommens die deutschnationale Reichstagsfrattion im Reichstabinett entfprechend vertreten sein werde. Gegenüber weiteren deutschnationalen Wünschen ist eine schriftliche Bestätigung, welche sich ausschließlich auf obige Feststellung beschränkte, von dem verhandlungs führenden 3entrumsabgeordneten Guérard erteilt worden. Irgendwelche Verhandlungen über Personalfragen haben nicht stattgefunden. Eine am 29. Auguft eingegangene deutsch nationale Anfrage wegen eines Rabinettswechsels wurde sofort abgelehnt. Reichstanzler Mary hat auf die offene Anfrage des Genossen Breitscheid diplomatisch geantwortet, obwohl er doch nach seiner Londoner Aeußerung„ fein Diplomat, sondern ein aufrichtiger Mann" sein will. Hat Marr von den Zusagen feines Fraktionskollegen Guerard etwas gewußt oder nicht? Hat er absichtlich von dem Kaufpreis geschwiegen, obschon er Während Genosse Löbe die Erklärung der Reichstags- nahme von Regierungsvertretern am Ruhhandel geredet, um darum wußte? Und hat er nur deshalb bloß über die Teilfraktion verlas, verließen die Sozialdemokraten die Welt zu täuschen über den Kaufvertrag, der hinter den Sizungsfa al und die Kommunisten folgten den Kulissen abgeschlossen worden war? ihrem Beispiel. Die Rechte horchte gespannt den Worten des sozialdemokratischen Sprechers und heulte bei den Schlußfäßen der Erklärung laut auf. Große Bestürzung malte sich auf den Gesichtern. Es folgte eine stürmische Geschäftsordnungs debatte. Der Volksparteiler Hepp, Mitvorsitzender des Reichslandbundes, trat lebhaft für fofortige Erledigung der ersten Lesung ein. Die Minister Kanit und Hamm unterstützten ihn eifrig. Der Demotrat Reinath gab eine Erklärung ab, in der zugegeben wird, es fönne ein pein licher Eindruck dadurch entstehen, daß die Zollvorlage den Dames- Gefeßen so rasch folge. Aus sachlichen Gründen sei aber auch seine Partei für sofortige Vornahme der ersten Lesung. Der Deutschnationale Schulz- Bromberg nennt die fozialdemokratische Erklärung eine Berleumdung. Von Kuhhandel könne feine Rede sein. Er beantragt, über den Bertagungsantrag Löbes zur Tagesordnung überzugehen und darüber namentliche Abstimmung. Abg. Löbe( Soz.): Wir haben schon in der ersten Lesung des Londoner Vertrages betont, daß die Lasten nicht auf das arbeitende Bolt gewälzt werden dürfen. Dem entspricht unsere heutige Aktion. Wir bestreiten nicht die weitgehende Bedeutung der Vorlage, aber ein paar Stunden einer Sonnabendvormittagsigung werden dieser Bedeutung nicht gerecht.( 3uruf rechts: Halten Sie doch teine langen Agitations reden!) Die Getreidezölle, die in der Vorlage enthalten sind, haben nichts zu tun mit den bevorstehenden Verhandlungen mit Frank reich und Belgien; unser Getreide müssen wir aus anderen Ländern beziehen. Der Vorsitzende des Volkswirtschaftlichen Aus schusses, der nicht meiner Bartei angehört, will die Ausschuß beratung am 10. Oftober beginnen. Wozu dann die heute so start aufgetragene Entrüftung. Selbstverständlich steht unfere Uttion im Zusammenhang mit den gestrigen Borgängen. Seit Monaten ist angefündigt worden, daß die Deutschnationalen für einen Umfall mit Zöllen begütigt werden sollen.( Geschrei rechts.) Diesen Ruhhandelsverdacht hat übrigens auch die Deutsche Zeitung geäußert, dehnen Sie ihre Entrüstung affo auch nach dieser Seite hin aus.( Heiterfeit links.) Wir werden alle geschäftsordnungs. mäßigen Mittel anwenden, um eine fachliche Beratung dieser boltsbelastenden Vorlage zu erzwingen. " Minister Graf Kanih: Die Ausschußberatung soll nun, da der Reichstag fich bis zum 15. Oftober vertagen will, in der zweiten Hälfte bes September stattfinden. Wie dem auch sei: Die„ Kölnische Volkszeitung" bestätigt jetzt in aller Offenheit, daß die Deutschnationalen sich ihre 49 Ja- Stimmen haben ablaufen laffen durch die Zusage, ist sowohl den Käufern wie den Verkäufern gefeßlich verboten. daß ihnen Ministerpöstchen überlassen würden. Stimmenfauf Aber hier find die Kuhhändler ja selbst Gesetzgeber, also geschieht ihnen nichts anderes, als daß sie der Berachtung preisgegeben werden. folgende Erklärung: Der Zentrumsabgeordnete v. Guérard veröffentlicht Gegenüber irreführenden Mitteilungen stelle ich hiermit Folgen des feft: 1. Die Frattion des Zentrums hat in einer Sigung, die nm die Mittagsstunde des 29. August, dem Tage der entscheidenden Abstimmung, über das Londoner Gutachten stattfand, auf meiner Bericht hin meine Stellungnahme in den Verhandlungen behufs Zustandekommens des Abkommens einmütig und ohne Erörterung gebilligt. 2. In der Nacht nach der entscheidenden Abstimmung fand eine weitere Frattionsfigung des Zentrums statt, in der ich über den weiteren Gang der Dinge berichtete und das inzwischen veröffentlichte Memorandum über den Verlauf vorlegte. Auch in dieser Sitzung hat die Fraktion des Zentrums mein Vorgehen und das Memorandum einmütig gebilligt und beschlossen, das Memorandum sofort unferer Preffe zur Veröffentlichung zu übergeben. Die„ Germania", die heute auch noch das„ Memorandum" veröffentlichen wird, fügt hinzu, daß die Zentrumsfraktion von dem Schreiben der Deutschen Volkspartei erst nach seiner Beröffentlichung Kenntnis erhalten habe und deshalb durch die darin enthaltenen Zusagen in feiner Weise gebunden sei. Abscheu, Spott und Mißachtung. Schwerindustrielles Urteil über den deutschnationalen Umfall. Effen, 30. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Rheinisch Be ftfälische Zeitung" schreibt zu dem Umfall der deutschnationalen Reichstagsfraktion:„ Nur zu viele werden sich über das Berhalten der stärksten politischen Partei wundern, vielleicht auch Iuftig machen. In ihren eigenen Reihen werden sie damit Zweifel und Abscheu geschaffen haben, denn, wer noch vorWir sehen im übrigen, unbeirrt durch Drohungen( Lachen), unbeirrt durch Lockungen allem, was eintreten tann, entgegen. Wir gehen unseren Weg, wie ihn uns unser Gewissen vorschreibt. ( Andauerndes Lachen.) Meine Herren, Sie scheinen tein Ber= ständnis für die tiefen, tiefen Sorgen eines Barteioorsigenden zu haben.( Lachen u. Zurufe.) Ich bedaure, daß Sie sich mit solchem Gelächter über eine solche, aus dem Herzen fommende Erklärung hinwegsehen. Wir haben die Zuversicht, daß in Glaubensfäße Achtung und Anerkennung finden wird.( Sehr gut!) Wenn die Mehrheit des Kampfes müde, das deutsche Recht aufgeben, den deutschen Degen einstecken sollte, dann wollen wir als Triarier übrig bleiben( lautes Lachen und Zurufe), die später- wir machen Bolitit auf weite Sicht mit ungebrochenem Her= zen und unbefledtem Schild den Kampf neu aufnehmen. Sie haben ja vorhin auch immer von Umfalt gesprochen, und heute steht gar in den Zeitungen:„ Der deutschnationale Vorsitzende ist selber der erste, der umfällt". Nun suchen Sie in meiner Rede, wie es damit steht. Sie geben das deutsche Recht preis, wenn Sie das Dames- Gutachten unverändert annehmen. Sie verzichten dadurch auf deutsche Freiheit, und ich wiederhole: Sie stören die natürfiche Entwicklung zu einer großen innerpolitischen Gemeinschaft, die Deutschland retten könnte. Wir halten es mit dem guten allen Deutschlandlied: Wir treten ein für Einigkeit, für Recht und für Freiheit.( Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei 50 Proz der Anwesenden.) " deutschnationalen Fraktion, wie uns erzählt wird, zunächst Ueber diesen Appell an die Einigkeit war man in der einigermaßen betroffen. Und so ging denn das große dokumentieren fönne, oh ne jedoch auf den Umfall Rätselraten los, wie man die Einigkeit" nach außen zu verzichten. Nach langem Hin und Her und mehrfachen Unterbrechungen„ einigte" man sich dann auf der Basis, daß fallen sollten, und dann jene, die den Mannesstolz vor dem man zunächst die Parteiführer bezeichnete, die um= Dawes- Thron weiterhin zum Ausdruck bringen würden. Man kam zu der Erwägung, daß Tirpik, der ja als Marg Nachfolger schon seit langem in Aussicht genommen ist, unbedingt zu denen gehören müsse, die für die Annahme der Gefeße stimmen, ebenso Professor Hoesch, der als Außenpolitischer Wert darauf legt, auch bei der Entente einen leidlich guten Namen zu haben. We starp und Hergt dagegen wurden bestimmt, die Triarierrolle zu übernehmen. Nachdem man so die Führer der beiden Gruppen für „ Einigkeit, Recht und Freiheit" festgestellt hatte, begnügte man fich damit, unter den kleineren Geistern das Los entscheiden zu lassen. So tam es, daß genau 50, Triarier" übrig blieben, während die 49 in Rücksicht auf winkende Ministerposten sich zum„ ja" entschließen mußten. Da sie durch dieses Opfer ihrer Ueberzeugung der Partei außerordentlichen Gewinnan Macht im Bürgerblock zu bringen hoffen, so hat man sie in der Fraktion selbst zum Troste für die blamable Relle, die man ihnen zumutete, durch den Titel„ Umfall. rentner" zu entschädigen versucht. Trotzdem an der Tür zum Sigungsfaal der deutschnationalen Fraktion dauernd ein großes Pappschild hing, das die Aufschrift trug: Streng vertrauliche Sigung", so sind doch diese Einzelheiten an die Oeffentlichkeit gedrungen. Und wenn wir uns auch nicht für jedes Wort verbürgen können, so geben doch die Erzählungen im einzelnen ein prachtvolles Bild von den„ tiefen, tiefen Sorgen des Parteivorsißenden" und der 50prozentigen Einheit, die bei den Deutschnationalen obwaltet. Aufhebung der Zollgrenze. Dortmund, 30. Auguft.( TU.) Bon dem Leiter des Zollausschusses ist soeben folgendes Telegramm hier eingelaufen: bungen an der Offgrenze für die aus dem unbesetzten „ Leiter des Zollausschusses teilte mit, daß alle 2 bgabeerheDeutschland tommenden Waren ab 9. September Mitternacht einzustellen find. Spätere Anweisungen vorbehalten. Major Philippi." Abrechnung öer presse. Tie Charakterlosigkeit der Deutsch nationalen. Die Urteile der Morgenpresse über die Annahme der Dawes-Gesetze und den Umfall der Deutschnationalen müssen d i e Deutschnationalen, die vielleicht doch noch eUvas wie Gewissen und Scham und Ehrlichkeit besitzen sollten es ist schwer zu glauben, daß es solche Deutschnationale noch gibt— brennen wie geschmolzenes Blei in frischgeschlagenen Wun- den. Eine furchtbare moralische Niederlage, ihr Umfall, ein moralisches Strafgericht, die Urteile der Oeffentlichkeit, eine Bestätigung der Charakterlosigkeit und ein Ausdruck des Be- wußtseins der moralischen Minderwertigkeit des eigenen Handelns, das verlegene Stammeln der deutschnationalsn Presse, die heute nach dem Rezept verfahren muh: kann schreiben rechts und kann schreiben links— noch dazu in demselben Artikel! Mit beißender Schärfe rechnet das„Berliner Tageblatt" mit ihnen ab.„U nser Banner hat nie geschwankt!" Unter diesem Motto, der Wahlerklärung des Herrn H e r g t, erzählt es die Geschichte des deutschnationalen Streiches, um schließlich festzustellen: „Als es zur Entscheidung kam, fielen sie um, ober nicht mit ehrlichem Bekennermut. Sie suchten sich durch ein kleines Manöver herauswindeu. Aus Angst vor Neuwahlen die ihre gegenwärtige parlamentarische Position zerbrochen hätten, kommandierten sie bei der Abstimmung die Hälfte ihrer Leute ab und verhelfen so dem von ihnen aufs heftigste befehdeten Eisenbahn- Hesetz zur Annahme. Eine jämmerliche Taktik. Eine Charakter losigkcit ohne gleichen. Ein moralischer Zu- lammenbruch, wi« ihn noch keine Partei in der ncudeutschen Geschichte erlebt hat. Ehe der Hahn dreimal krähte, hatten sie sich selbst, ihre heiligsten Grundsätze, ihre sieben Ehrenpunkte, all ihre Versprechungen, die sie irr Wort und Schrift tagtäglich abgegeben hatten, verraten. Das deutschnationale Banner hatte bis dahin fort- während geschwankt, jetzr schleifte es, gebrochen, am Boden." Wichtiger aber als die moralische Abrechnung mit der Partei der Charakterlosigkeit sind die Urteile der Presse über die politischen Folgen, die der Umfall der Deutschnationalen nach sich ziehen wird. Vürgerblock oder nicht? Das ist die nächste politische Fragestellung. Die deutschnationale Presse sieht den Bürgerblock bereits als feststehende Tatsache an. Anders die Presse des Zentrums und der Demokraten. Die „Germania" stellt ausdrücklich fest, daß das Zentrum durch das Kaufangebot der Deutschen Volkspartei in keiner Weife gebunden fei, und erklärt schließlich: „Der Reichstag ist gestern vor der Auflösung bewahrt ge- blieben. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß die jetzt not- wendig werdenden innerpolitischen Auseinandersetzungen, die mit den Auswirlmrgen der Londoner Abkommen verbunden sind, neue Erschütterungen und Krisen im Gefolge haben. Man muß abwarten, ob der gsgerswörtige Reichstag diese Aufgaben in zufriedenstellender Weise meistern kann. Unsere Hoffnungen sind in der Beziehung s e h r g e r i n g und mit der Möglichkeit, d a ß e i v neuer Reichstag nötig sein wird, sollte man durchaus rechnen. Wir zweifeln nicht daran, daß das deutsch- Volk alsdann seinen Irrtum vom 4. Mai g erne�orri- gieren wird." Ashnlich erklärt das„Berliner Tageblatt": „Die Dawes-G-ssetze sind v.on den bürgerlichen Mittelparteien zusammen mit der Sozialdemokratie gemacht worden. Jetzt handelt «s sich um die innere Laste n v e r t« il u n g aus den Ber- bindlichk-iten, die wir den Alliierten gegenüber eingegangen sind Den größten Teil dieser Lasten werden die Massen zu tragen haben, also gerade diejenigen Kreise, die sich nicht zuletzt zur D e m o- kratischen und zur Sozialdemokratischen Partei zählen. Würde man versuchen, durch einen Bürgerblock diese Parteien nachträglich auszuschalten, so würde es einen Kampf auf Sein oder Nichtsein dieses Reichstags tKben, und das Parlament, dessen Auflösung man in diesem Augen- blicke mühsam oerhindert hat, würde darüber dann doch auf- fliegen." -Dis„Berliner Bolkszeitung" fordert von der Reichsregisrung die Reichstagsauflösung: „Wir erwarten vcrr der-Reichsregisrung, daß sie zur Stärkung der deutschen Position und im Interesse der Reinigung unseres politischen Lebens den Reichstag sobald als möglichauflöst." Das irmerpolitische Ringen, dessen erste Auflage wir in den Verhandlungen um den Vürgerblock nach dem 4. Mai erlebten, wird nun aufs neue beginnen. Bei diesen Ausein- andersetzungen liegt schwere Berantwortung bei den Mittel- Parteien. Sie entscheiden über die Frage des Vürgerblock?. Biirgerblock bedeutet für sie, auf Gedeih und Verderb sich an die Politik der Deutschnationalen zu ketten. Die„K r e u z- z e i t u n g" kürchigt ihnen heute morgen an: „Denn kommt ein Bürgerblock zustande, so sind die Parteien, die ihni angehören, aus Gedeih und Berderb mitein- ander verknüpft." Wir sind begierig zu erfahren, ob das Zentrum ebenso lüstern ist wie die um Stressmann, sich mit der Partei der Charakterlosigkeit und der SOprozentigen Wahrhaftigkeit zu verbünden! Wollen sie dies Lündnis, um einen gemein- samsn Feldzug des Brotwuchsrs und der Steuerbedrückung gegen dis arbeitenden Massen zu führen, io werden sie einen politischen Kampf von unerhörter Leidenschaft entfesseln, und die Abrechnung wird sie mit treffen. Der Bürgerblock wird ihr Jena werden, wie die Abstimmung vom 29. August das Jena der Deutschnationalen war. Nun aber die deutschnationale Presse! Eine erbärmliche Mischung aus Lüge uyd zynischer Offenheit und Selbst- preisgäbe. Herr B a e ck e r, der Chefredakteur der„Deutschen Tageszeitung", der so pathetisch gegen den„hellen W a h n s: n n" des Gutachtens deklamierte und gestern für den hellen Wahnsinn stimmte, erklärt heute, nachdem er seine neu erkaufte Gesinnung mit den Argumenten der Sozial- demokratie für das Gutachten verteidigt: Umiall? Was wollt ihr, die Sozialdemokraten hätten uns in die Pfanne gehauen: „Von dieser Grundlage aus gelang!« eine Hälfte der Fraktion zu der Uebcrzeugung, daß die ungeheuren nationalen Gefahren, die aus den Dawes-Eefetzen drohen, nicht verringert, fondem noch in unabsehbarem Maße vergrößert werden würden, wenn das Eisen- bahngejetz im Reichstage scheiterte und damit die Reichstags- a u f l ö s u n g kam, die nach allem menschlichen Ermessen eine v e r- hängnisvolle L in ksdrehung der deutschen Politik bringen mußte." Das war das wahre„Ende mit Schrecken", das Herr Baecker fürchtete. Nun aber kommt der„Lokal-Anzeiger", und in ihm Herr H u f f o n g, der so schön über das„U m- fallmännchen" zu schreiben wußte, und donnert: „Daß im Hinstarren aus die mögliche Erleichterung der nächsten Monate diese Nation in ihrer Mehrheit heute kaum bedenkt, sie habe um das Linsengericht dieserGalgenfristdasErstgeburts- recht ihrer Freiheit und Selbständigkeit und buch- stäblich sich selbst auf unabsehbare Zeit in eine untragbare Schuldknechtschaft verkauft— eben, diese nach dem nächsten Happen hungrige Kurzsichtigkeit wird einst dem rückschauenden Betrachter dos grauenhafteste an diesem Tag des Unheils erscheinen: das van der Mehrheit heut« gar nicht gesehene und empfundene Grauenhafteste." „Nach dem nächsten Happen hungrige Kurzsichtigkeit"— ut gesagt, zumal vom„Lokal-Anzeiger', der geradezu nach em Umfall gebettelt hatte, nachdem er vorher die dicksten nationalistischen Lügeyphrasen täglich verbreitet hatte. Jetzt hat er den Happen— nun beginnt wieder das Geschrei über das zweite Versailles, über Schuldknechtschaft. Die Preffepest des Nationalismus. In der„Kreuz-Zeitung" wird Licht und Schatten gleich- mäßig verteilt. Erste Zeile: Die Neinsager hatten recht. Zweite Zeile: Trotzdem hatten die Jasager recht. Dritte Zeile: Gerade deshalb handelten die Neinsager richtig. Viexte Zeile: Deshalb ist es gut, daß 59 Proz. Ja sagten... Aver die' Angst bricht auch hier durch, die Angst vor der Abrech- nung: „Zutreffen dürste aber auch, daß die deutschnationale Ia-Gruppe etwas der Suggestion erlegen ist, bei Neuwahlen würden ia£ f o z i a l d e in akratischen Bäume in den Himmel wachsen." Zum Schluß die Stellung der unentwegten Deutschnatio- nalen. Die„Deutsche Zeitung" schreibt: „Wir versallen nicht in den Fehler, gleich Verräter zu rufen, wir werfen nicht mit Steinen nach denen, von denen wir annehmen müssen, daß sie nach bestem Wissen und bester lieberzeugung gehandelt haben, aber wir stellen doch fest, daß sie nichtzu uns gehören, daß sie ein Fremdkörper in der Partei s i n d. der wir auf Grund zahlreicher, aus Führermund kommender BersiSerungen unser Vertrauen geschenkt haben. Di« Deutschnan� ncife Volks Partei ist gespalten: innerhalb der Partei stehen sich zwei Weltanschauungen gegenüber, stehen solch«, die an die Verantwortung vor den kommenden Geichlechtern denken, imd solche, für die die Nöte der Gegenwart ausschlaggebend sind. Die Parier als Ganzes hat versagt, die Parteileitung hat oersagt Immer wieder wurde von der Zentrale oerpchert, an emen umja sei nicht zu denken, immer wieder wurde i m V r u st t der E n l- r ü st u n g von denen gesprochen, die der Partei-einen so-chen Umfall überhaupt zutrauten. Die Parteileitung hat verjagt: entweder sl« war über die Stimmung in ihren eigenen Reihen nicht un.errlchte. oder sie hat ihr« Wähler und Anhänger bewußt falsch unter, richtet... Db es der Fraktion gelingt, alle 196 zusammenzuhalten, ist ihre Sache, die Wählerschaft wird selbst entscheiden." Die Unehrlichkeit und die Heuchelei bescheinigen sich die Deutschnationalen selbst! Wir beneiden die wahrhaftig nicht, die sich nach diesem moralischen Zusammenbruch zu einem Bündnis mit dieser Partei drängen, von der kein.ehrlicher Hund mehr ein Stück Brot nimmt! Größte Ueberraschung und Bestürzung. Hamburg. 30. August.(TU.) Z)i« Hamburger Parteileitung der Deutschnationalen teilt mit: Die Nachricht von der Annahme" des Eisenabhnyssetzes mit Zweidrittelmehrheit liat bei unseren Parteifreunde-.i größte lleberraichung und Bestürzung her- vorgerufen. Noch die letzte Vorstandssitzung des Landesverbandes cm 25. August, die sich mit der Tagesordnung der Landesführer- konfersnz der Partei am 27. August zu befassen hatte, sp-ach sich einhellig und bedingungslos für die Ablehnung aller mit dem Gutachten zusammenhängenden Gesetze aus. Der Landesvorsitzende vertrat in diesem Sinne die Hamburger Forde- rungen in Verlin, die auch von den Landesverbänden der Partei getestit wurden. Die Hamburger Parteileitung ist sich über tfü Tragweite der gestrigen Abstimmung klar und sordent ihre Partei- freunde auf. die bisherige Geschlosserchsit des Hambuger Landes. Verbandes unter allen Umständen zu wahren und Vertrauens. voll die Beschlüsse abzuwarten, die der geschlossene Landesverband zu den neuen Ereignissen fassen wird. Die Yefchützer öer Erzbergermoröee. Tillessen und König aus Ungarn entkommen. Budapest. ZV. August.(Aitb.) Die gestrigen Abendblätter melden, daß der von der Polizei gesuchle angebliche Schneider, der mit dem Emberger-Mörder Tillessen identisch sein soll, sich nicht mehr ans ungarischem Gebiet besindst. Es sei ihm geluusm. über die Grenze ,u flüchten. Als der Aufenthalt der Erzb-rger. Mörder in der Villa GömbSs bekannt wurde, begaben sich mehrere Detektive dorthin. Zörster und Schneider waren jedoch bereits am frühen Mor«n nach Budapest gegangen. Förster kam zurück und wurde verhaftet. Schneider ist felcher verschwunden. Ein Blatt meldst serner. daß Conrad Mayer, der mit dem an der Ermordung Erzbergers bcksiliglen König identisch sein soll, gleichfalls aus Allgarn geflüchtet ist. Noch vor einigen Tagen erklärte die ungarische Regierung, daß die Nachforschungen behufs Verhaftung Tillssiens„mit voller Energie" gefuhrt würden. Der Beweis für diese „Energie" ist nun durch die Flucht Tillessens und seines Kom- plizen erbracht, der die ungarischen Behörden anscheinend keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt haben. Die völkischen Mord-� buben können beruhigt sein: sie finden in Ungarn nach wie vor verständnisvolle Unterstützung. Ein neuer Wallfahrtsort. Von Karl Brinkmann. Sage niemand, das deutsche Volt sei nicht das Volk der Denker und Dichter. Das beweisen die Besucherziffern des Goethehauses im Hirschgraben, und das beweist Weimar im Hochsommer. Denn es gehört selbstverständlich zum guten Ton, an heiligen Stätten gewesen tzu sein, und es ist weiterhin unbedingt erforderlich, Goethe zu kennen, wenn man auch nur den Erlkönig im Gedächtnis hat(von der Schule her). Weiterhin dient als Tatsache zur Jllustrierung des deutschen bürgerlichen Geistes, der Ausruf zur Erhaltung des Goethe- Hauses in Frankfurt vor einigen Jahren. Ganze 100 M. kamen zu- fammen. Ein einziger Großindustrieller spendete 100 W. Taustnds deutsche Bürger kannten Goethe, waren aber viel besser' in der Operette zu Hause und waren viel besser über das Variete, das Wesen dir Kegelklubs und über die Ursache: weshalb man einen Stammtisch gründet, orientiert. Das war ja auch wichtiger. Man war modern, und Goethe war ja ein„oller" Klassiker. Aber in Hannover haben wir einen neuen Wallfahrtsort. Das ist das Leibaizhaus.— Sagt einer Leibniz? Ach nein. Der Spießer Mögebier und das brave Bürgersmann Eulenhaut kennen wohl alle Leibniz-Keks, aber Leibniz, den Philosophen... Wer war das? Das wissen wir nicht. Doch zu unserer Beschämung sei es gesagt. Von dem Volk der Dichter und Denker, von dem Hunderttausend in Hannover weilen, haben nicht 500 dos Leibnizhaus besucht, wo der Philosoph wirkte und lebte, hat nicht ein Zehntel unsere vorzüglichen Museen besichtigt, und 99 vom Hundert haben nicht das Haus be- trachtet, in dem Hölty geboren wurde oder Schlegel(die Hannoveraner auch nicht— Stimme von oben) gewohnt hat. Der neue Wallfahrtsort ist das Haarmannhaus, das Sterbehaus von dreißig Menschen. Vor diesem bleibt der Spießer mit unHeim- liehen Schauern stehen» Gänsehaut auf dem Rücken und Gänsshaut in der Seele, das blutrünstige Untier im Herzen und die Neugierde in den Augen, um zu sehen, wo... Hoormann gewohnt hat. Hier strömen die Sänger, die Auswärtigen hin. Hier ist die Straße gedrängt voll von Autos, Droschken und Menschen, und jeder fragt: „Wo wohnte Haarmann?" Deutsch« aus allen Gauen unseres Vater- landes. denn es war Bundessättgerjest. Nur dreißig Menschen. Aber ebenso staunen die Menschen vor der Villa im Hindenburg- Viertel, wo der olte General wohnt, der in allen Offensiven Hundert- tausend« von Menschen in den Tod getrieben und nutzlos geopfert hat. Auch hier dieses herrliche, grausige Gefühl. Die Gänsehaut auf de? Lipp«, mit der man siegreich Frankreich schlag« will, und Gansehaut auf der Bierleber. Welche Zukunstsaussichten und welche Parallelen! Wir Deutschen sind wirklich dos Volk der Dichter und Denker. „Der Gälte des Fräuleins". Es ist sehr einfach, ein gutes Stück durch schlechte Schauspieler verderben zu lassen. Dagegen ist es schon schwieriger, einer kümmerlichen Komödie durch gute Darsteller zum Erfolg zu verhelfen. Die Sommerdirektion der„Tribüne" bringt dies Kunststück in Gabriel Drögelys„Der Gatte des Fräu- leins" fertig. Drei Stunden lang hatte mem die Illusion eines hübschen Lustspiels. Die Aufführung verbreitete lustigste, anteil- hafte Stimmung. Erst hinterher, als man zum Rachdenken kam. merkte man, daß man keinen Gewinn nach Hause tragen konnte, sondern daß es sich um ein zwar geschickt geknotetes, im übrigen aber seichtes Untsrhaltungsstück handelt, dessen Schluß eine grandiose Plattheit darstellt und dessen Inhalt von märchenhafter Unwahrschein. lichkeit ist. Trägelys Stück variiert das alte Schwantthema vom standhaften Junggesellen, der schließlich einaefangen wird. Die Kleine, die den Junggesellen mit all seinen unverrückbaren Grund- sätzen zum Umfallen �bringt, heißt Lilly. Lilly war gestern die bebe Käthe H a a ck. die diesmal mit ihcer Rolle nichts anzufangen wußte. Ihr fehlte die bestechende Liebenswürdigkeit, die überwindende Jung- Mädchenanmut, und die schmelzende Süße. Statt dessen spielte sie ein anspruchsvolles Frauchm mit gönnerhaftem Ton und überheb- liehen Manieren. Dafür entschädigten aber Heinrich Schroth als Junggeselle, der routinierte Herzensknicker, Hellmut K r a u s in einer famosen Type von schüchternem Liebhaber und vor allem Hans Behrendt, der auch Regie führte. In diesem Schauspieler steckt originelles Komikerblut. Die Schnuppiqkeit seines Spiels und die Unbeholsenhsit seiner LeweglMgen sind von unnachahmlicher Lustigkeit. Dgr. Me der Rvrdpolflieger Locakelli gerettet wurde. Der amerika- nische Kreuzer„Richmonv", der. wie bereits gemeldet, den verloren geglaubten italienischen Flieger Locatelli auf feinem zum Wrack ge- wordenen Apparat im Meer treibend nach langem Suchen fand, gib: von der Auffindung jetzt funkentelegraphisch Einzelheiten bekannt. Die italienischen Flieger bemerkten, als sich der dichte Nebel einen Augenblick geteilt hatte, von fern die verschwommenen Umrisse eines Schiffes, hatten sich aber vergebens bemüht, das Schiff zu erreichen, da ihnen der Brennstoff ausgegangen war. Sie mußten sich damit begnügen, in der Strömung treibend die Bewegungen des Schiffes aufmerksam zu verfolgen, und sie zündeten gegen Morgen«in großes Feuer an, um dem amerikanischen Schiff ihre Lage anzuzeigen. In der Nacht vom 24. zum 26. August durchforschte der amerikanisch« Kreuzer auf seiner Suche die Gewässer 200 Kilometer vom Cap Farewell. Man war schon entschlossen, die vergebliche Suche aus- zugeben, als der Posten am Ausguck meldete, daß in der Ferne tanzende grüne Lichter auf der Wasserfläche zu sehen seien. Der Kreuzer entsprach sofort diesem Notruf und nahm mit Volldampf den Kur? nach der signalisierten Richtung. Bald entdeckte� man auch den Anparat an dessen Bord vier Männer mit den Händen vcr- zweifelte Notzeichen gaben. Es waren der Leutnant Locatelli und feine drei Gesährten. Locatelli erzählte, daß er' seine Rettung vor allem dem glücklichen Zufall verdank«, daß ihn bei dem durch das Versagen des Motors bedingten Niedergehen auf das Wasser ein ruhiges Meer finden ließ, das von Eisbergen noch frei war. Es war S Uhr abends. Di« Besatzung hatte das Menschenmöglichste getan, um, wenn auch nur notdürftig, den Motor so weit instand zu setzen, das Locatelli im Laufe des Abends Frederiksdal erreichen konnte, lieber der Arbeit war aber die Nacht hereingebrochen. Auch am folgenden Tag beschäftigte man sich damit, indeß jeder Versuch war vergeblich. Als der italienische Flieger an Bord des Kreuzers gekommen war, bat er sofort, seinen Apparat auf der Stelle durcd Goschützfeuer zu versenken. Das geschah auch, und bald war der Hydroplan, der vollständig gebrvuchsunföhig geworden war, von der Oberfläche verschwunden. Dleselmokorschisfe auf dem Rh ine. Seit ewiger Zeit fährt aus dem Rheine der große Schraiebenschlepper„Franz Haniel XVlll.". Er ist das erste größere Dieselmotorschisf, das den S.'rom befährt. Die Betriebsergebnisss haben sich sehr günstig gestaltet: und man darf damit rechnen, daß der Dieselmotor auch in der Binnenschiff- fahrt w ähnlicher Weise ein- und vordringen wird, wie das in so überraschend schneller und großzügiger Wesse in der Seeschiffahrt der Fall war. Demnächst wird man Gelegenheit haben, auf dem Rheins«inen neuen Typ des Diesesschift's zu sehen. Eine hollän- dische Reederei läßt augenblickiich sechs Güterbaote von je 12 000 bis 14 000 Zentnern Tragfähigkeit bauen, die Dieselantrieb haben werden. Sie sollen auf der Strecke Rotterdam— Mannheim verkehren. Gerade für diese Schiffsgattung erscheint der Dieselantrieb besonders zukunftsreich, da er ewe wesentliche Raumersparnis er, möglicht, die ewer größeren Ladefähigkeit zugute kommt. Ein amerikanisches Riefendeukmal. Im Südstaat Gsossflen, in der Nähe der Stadl Atlama. ist ein Riesendenkma! in der Aus- führung begriffen, das die größten dar deutschen Dent-näler noch weit in den Schatten stellen dürfte. Es handelt sich dabei um eia von dem Bildhauer Götz um Borglum entworfenes und unter feiner Leitung erbautes Ehrenmal für die„verlorene Sache", für dis Sache der Sädftaaten im Sezesstonstrisg. das aus einer mehrers hundert Fuß hohen Granit wand herausgehauen wird. Jetzt, nach- dem 35 Wcrggonladungen Gestein entfernt worden sind, beginnen sich die einzelnen dargestellten Gestalten aus dar Fläche abzuheben. Der Kopf des Generals Le«, des Führers der SÄstaatenarmee, ist nahezu vollendet und man beLreift''das gigantische Maß des Monu- ments, wenn man erfährt, daß auf dem Rand seines Hutes mit Leichtigkeit 20 Personen Platz finden. Der Kopf des Pferdes, auf dem der Präsident Davis reitet, mißt von der Spftz« des Ohrs bis zu den Nüstern 50 Fuß, hat also die Höhe eines vierstöckigen Hauses. Auf dem Rücken des Pferdes entlang können leicht 120 Personen Platz für ein Festmahl finden. Erstaufsührimgeu der wo»e. IRout. Zentral-A.:»Der /S' wissen«. murm*.— vleast. L-allner-TH.:„U r i e l A c o a*.— ITüifo. T'.icmon» Tbeater:„Sie".— Donnerst. Drainat. Th.:.Briese mit ausländische» Marlen".— Nenaissance-Th.: ch o, t e r h e u f e n". LrauIa-vortrSge. Theater. Tägllch, außerdem Sonntag Z, 7, Tonn Freitag 5 resp. 6 Uhr:.Nagapate. der Menschenfresser.- Vom 1.~7., 7 Uhr(außerdem am Sonnav. S Uhr):.Columbus- Sleiu» Saal. Tägl.» Uhr-.W e r d en d e« M e n sch e n.- Auberde« Nittw. 6:.Nanuk- Moni., Dann. S:»Zugspitze— Waduiau n." DicnSt., Freit. S:.Riesengebirge." 0'r* Anterzekchnung öes Lonöoner Abkommens. Londya. Z0. AuMst.(BIS.) Des Londoner Ab kam- wen wird henke vormittag durch die Botschafter. Gesandken und Geschäftsträger der beteiligten Wächte unterzeichnet werden. Zu Ab. Wesenheit Macdonalds wird dies eugljscherseits durch den ständigen llnkerstaatssekrekür des Aeutzeren geschehen. Paris, Zl>. Auzusi.(WTV.) Die Reparatlonskom- Mission hat gestern die Ernennung der nach dem Dawes-Plan notwendigen Beamten vorgenommen. Die Bekanntgabe der Er- nannten crsolgt heute vormittag gleichzeitig mit der Anterzeithnung der SonfereuzbeschlSsse, die von den Beauftragten der Mächte in London vollzogen wird. Das Echo öes Kuhhandels. Pariser Preffestimwen. Paris, Zl>. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Annahme der Dcroes-Gesetze durch den Reichstag wird von der französischen Press« als erster Schritt zur Realisierung des Sachverständigenprogramms mit Genugtuung registriert. Andererseits halten jedoch die Kommentar« nicht zurück mit der Besorgnis hinsichtlich der gestern durch die geheimen Abmachungen zwischen den Deutschnatio» nalen und Volksparteilern angebahnte innerpolitische Eni. Wicklung. Am deutlichsten drückt das der„Ouotidien" aus, indem er schreibt:„Auhen politisch ist die Situation durch das gestrige Votum des Reichstages wesentlich vereinsacht worden. Nachdem die Ver- einbarungen von London über den Dawes-Plan nunmehr die definitive Billigung durch die Parlamente von Frankreich und Deutsch- land erhallen haben, tritt endlich das Reparationsproolem in die Phase der praktischen Verwirklichung ein." Von diesem Gesichstpunkt aus könne man sich über die gestrig« Abstim- mung im Reichstage nur freuen. Dem entgegengesetzt sei jedoch der Eindruck, wenn man die durch das gestrige Votum geschaffene inner- politische Situation betrachte. Niemals sei die Gefahr einer Rückkehr der NakionaNsien und Mouarchislen zur Herrschast größer gewesen als augenblicklich. Es fei ein außergewöhnliches Paradoxon, daß gerade in diesem Augenblick, in dem die von der Rechten als schändlicher Verrat an Deutschland bekämpft« Erflillungspolitik durch sie zur Wirklichkeit wird, die Deutschnationalen sich den Weg in die Regierung erzwungen hätten, von der sie fett dem Zusammenbruch der Monarchie ausge- schlössen gewesen seien. Die gesamte Welt trage die Verpflichtung, die Weiterentwicklung der Ding« mit größter Aufmerksam» keit zu verfolgen. Das„Oeuvre" meint, daß das gestrig« Votum des Reichstages, das die erste Feststellung der Inkraftsetzung des Dawes-Planes durch die Reparationskommission ermögliche, die in den Londoner Ab- machungen vorgesehenen Fristen zu laufen beginnen laste und den Erfolg der Anleihe oerbürge, die Durchführung des Sachverständigen- Programms nunmehr gesichert habe. Trotzdem fei man in Frankreich beunruhigt. Auf dem Geldmarkt werde man morgen wahr- fcheinlich well weniger günstige Dispositionen vorfinden als noch vor acht Tagen— nicht nur weil die Debatte im Reichstag gezeigt habe, daß Völkische, Nationalisten und Kommunisten einen geschlossenen Block gegen den Dawes-Plan bilden, sondern vor allem, weil die Zustimmung der Rechten in letzter Minute sehr gefährliche Wacheaschosten auf inaerpoktischem Gebiet befürchten lasse. Man müste sich ernsthast fragen, ob die Deutsch- nationalen die Gesetze nicht lediglich deshalb angenommen hatten, um ihre Durchführung um so sicherer sabotieren zu können, und daß sie, sobald Deutschland die Anleihe erhalten habe, die Regierung Marx-Stresemann zwingen würden, die weitere Durch. sührung des Sachverständigenprogramms einzustellen. Paris, 30. August.(Eca.) Der„Pettt Parisien' schreibt: Die Komödie ist zu Ende. Nach sechstägigen Verhandlungen und un- unterbrochenem vergeblichen Kuhhandel hat der Reichstog die zur Erfüllung des Dawes-Planes notwendigen Gesetze angenommen. Die Londoner Beschlüste sind also von diesem Saspcrle-Theater geschluckt worden, und der Abdruck einer kläglichen Reichstagsauf. lösung Picht nunmehr von den nächtlichen Träumen der 472 Abgeordneten. Wer ist nun der Besiegt«? Das Kabinett Marx oder die Nationalist' ich« Fraktion? Di« nächsten Monate werden es zeigen. Für den Augenblick ist der äußere Anschein zugunsten des Kabinetts Marx, der an seinem Auflösungsdekret festgehalten und die Rationa- listen gezwungen bat, sich ohne Versprechen zu unterwerfen. Das„Echo de Paris" äußert sich folgendermaßen: Die D e utf ch- nationalen, die immer von ihrer idealen Austastung sprechen, haben ihre Absttmmung gezcu 20 Silbsrlinge verkauft. Zugleich müssen wir sagen, daß die Haltung der Deutschen Volkspartei außerordentlich merkwürdig war. Die MtgN-der dieser Fraktion haben den Nationalisten mehrere Ministersttze in dem derzeitigen Kabinett zugesagt. Vor diesem Nachgeben der Parte:- gänger der Koalition hat die deutschnational« Fraktion den Z r> n i s- mus gehabt, ihren Führer Hergt zu beauftragen, vom Reichskanzler Marx dessen Demission zu verlangen. Als die Regierung sich weigerte. haben die Nationalisten ihre Forderungen zurückgeschraubt, doch haben die Noncnalisten mitgestimmt. Es ist also sicher, daß ihr Ein- tritt in die Regierung nur noch ein« Frag« der Zeit ist. zv- Mbau des Kabinetts ist für End« Oktober zu ermatten. Die Abstimmung des Reichstages hat einen ganz«�sonderen Sinn hin» sichtlich der inneren Politik. Di« Deutschnattonalen sind die großen Besiegten des Tages. Die„Ere Rouvelle" schreibt: Der Reichstag hat nach langwierigen und verworrenen Verhandlungen endlich die notwendigen Gesetze zur Durchführung des Dawes-Plcms angenommen. Unter der Drohung der Reichstagsauflösung hat der Reichskanzler die deutsch- nationalistisch- Partei zur Annahm« des Dawes-Plans gebrocht. Er hat von der Tribüne aus sich dagegen verteidiat, daß er die Hand zu irgendwelchen weiteren Verbandlungen gegeben Hab«. Zentrum und Demokraten haben die Volkspar'ei offen desavouiert. Die Deutschnationalen mußten also in diesen Tagen alle Erniedrigung auf sich uehmeo. Ihr« Niederlage ist vollständig, weil sie sich selbst desavouieren mußten Gestützt auf die Abstimmung und infolge seiner loyalen Haltung ist Marx Meister der Situation geworden. Das läßt eine Aenderunz dar öffentlichen Meinung erwarten. Da man annehmen kann, daß die Reichs tagsanflösungnohe ist, wird sich«ins Mehrhtt: für die Politik der Tefriedung und des wirtschaftlichen Wiederaufbaues ergeben. Also selbst in Deutschland hat die Politik, die in London triumphiert hat, den Sieg davongetragen. Jedenfalls ist das ein« gute Lehre und ein würdiger Gegenstand des Nach-- denkens für den unfehlbaren Poincari und sein« Führer, die noch xoincareistischer sind als Poincare selbst. Zirkus öee Zehntausend. Um das gleich vorweg zu nehmen: Man weiß doch jetzt wieder, was Zirkus ist. So ganz echter rechter Zirkus, wie wir ihn noch vor 30 Jahren sahen, nach dessen Vorstellung wir uns schlaflos in unseren Letten wälzten und schließlich halb beglückt und halb geängstigt van Reitern, Pferden, Löwen, fliegenden Menschen, Feuerfressern, Elowns und wunderschönen Trikotdamen wild durcheinander träumten. Seien wir offen: die sogenannten Manegeschaustücke und Wasserpantomimen sind Ding«, die dein Zirtuo künstlich aufgepfropft wurden, um die Menge Zu kitzeln. Hier aber ist wieder ein Wann am Work mit den starken reinen Instinkten des echten Zirkusblu�es. Zirkus soll vor allen Dingen Mensch und Pferd zusammenbringen in immer neuen Varianten, und die bekommt man im Zirkus Krone in überraschender Mannigfalttgk-eit zu sehen. Ungarische Post. Reiterspiele, Sportübungen, Pierrot und Picrretie, Cowboys, akrobatische Jockeis, Springerinnen, das alles in Verbindung mit Pferden. Dann die Pferdeeinzeldresiuren: bildschön« Tiere und prachtvolles edles Blut. Alte und neue Dressurschule wetteifern um den Preis. Ein ganz besonderes Kapitel sind in diesem Zirkus die sogenannten wilden Tiere. Davon führt er schon keine Menagerie mit sich, sondern gleich einen ganzen großen Zoo: 400 Tiere, darunter nicht weniger als 3? bengalische und Königstiger und 28 Löwen. In der Tat tritt dem gegenübe? alles, was man bisher gesehen, weit zurück. Dazu fliegende Menschen, Hand- und Kovsakrobaten, Seil- schwinget, Schleuderbrettakrobaten. Wiederum eine besondere An- gek-genheit sind die berühmten drei nebeneinander liegenden Manegen. Das ist ganz amerikanisch, und das deutsche Auge und die deutschen Nerven müssen sich erst darauf einstellen, eine Forderung, die nicht so leicht zu erfüllen ist. Scheinbar geht alles wild durcheinander. Scheinbar. Denn es geht doch olles nach dem Schnürchen und in bester Ordnung. Es gibt nämlich jedesmal in den drei Manegen zu gleicher Zeit nur ähnlich geartete Darbietungen, al'o Retterakt« oder Pferdedressuren oder Fakirkünste oder Elownstücke. 89 Zirkus- Nummern werden so an einem Abend abgewickelt, genug, um den Einmanegenzirkus«in ganzes Jahr lang zu versorgen. Dabei geht natürlich die Wirkung der einzelnen Nummer leicht verloran. Was kann, was darf man loben, wenn man sieht, daß jeder Artist bemüht ist, sein Bestes und Allerbestes zu geben? Immerhin, es ist etwas Außerordentl-i-ch-s, was Direktor Krone mit seinen vier gelehrigen und klugen Elefanten vorführt. Und wenn der Dompteur Siegfried scheinbar kaüschnäuzig zwischen seinen gewaltigen Berberlöwen her- umspaziert oder der Dompteur Bendix seinen 12 wütenden Tigern Respekt beibringt, wenn Adolf Könysti mit äußerster Eleganz des modernen Stils die Hohe Schule reitet, wenn die zwei Reiteriruppen Casi und Köniöt, je S und 7 Artisten, fabelhafte Springkünfte vorführen und wenn Lilly Strepetow tollkühne Tscherkesienreiterstück- chen ausführt, dann bekommt man volle Hochachtung vor den Lei» stungen, die hier vollbracht werden. Es ist alles echte beste Zirkus- kunst, wie man sie feit langem nicht mehr gesehen hat. Seraubte EilgüterZüge. Die Waren wurden aus dem Zug geworden. Vor einiger Zeit hatte ein Landjäger auf feinem Patruillsn- gang in der Schonung zwischen Petershagen und Freders» darf Pakete gefunden, die Damenregenmäntel enthielten und offenbar gestohlenes Gut waren. Es gelang ihm, ein Pärchen fest- zustellen, das sich mit einem ähnlichen Paket angelegentlich befchäf- tigte. Dem jungen Mann war es gelungen, zu entlaufen, das Mäd- chen konnte so rasch nicht folgen und wurde festgehalten. Die An- gelegenhett hat nunmehr ihr« Aufklärung gefunden. Es handelt sich um einen planmäßigen Raub an den Eil- üterzügen, die von Berlin aus in östlicher Richtung fahren. ls Täter kommen in Frage der 22jährlge in Neustadt bei Danzig geborene Walter B e t t i n, der zuletzt bei seinen Eltern in der Rigaer ©ließe 60 wohnte, und der ebenfalls 22iähr. Bruno Reetz, dessen Vater in dar Kleinen Andreasstraße«ine Gastwirtschaft betreibt. Beide junge Burschen sind arbeitsscheu und mehrmals wegen Dieb«. raten vorbestraft. Eis faßten den Plan, Güterzüge zu berauben und versuchten, an welcher Stelle sich die fahrenden Züge am leich- testen besteigen ließen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen fanden sie endlich die passende Stelle. Während es Bettin gelang, den fahrenden Zug zu besteigen, konnte Reetz keinen Halt fassen und mußte zurückbleiben. Bettin hatte ein« Zange bei sich, mit der er den Verschluß aufkniff, um dann die ihn geeignet erscheinenden Pakete an vorher bezeichneten Stellen aus dem Wagen herauszfchleudern. Die Abwurfstellen hatten sie bei vorher unternommenen Spaziergängen ausgekundschaftet. Ihre Vertraute und Helfershelferin bei diesen Raubzügen war ein Sttahenmädchen Alice Schönbaum. Nach erfolgter Tat begaben sich die beiden nach der Schonung und versteckten hier die einzelnen Pakete unter dichtem Gestrüpp, teilweise vergruben sie sie auch, um sie bei passen. der Gelegenheit abzuholen. Reetz sollt« sich an dieser Arbeit beteili» gen,«s gelang ihm aber nicht, aus dem ziemlich rasch fahrenden Zitg zu springen und so war er genötigt, bis nach Strausberg mit- zufahren. Hier erregte er auf dem Bahnhofe durch sein Benehmen, das deutlich Angst verriet, die Aufmerksamkeit mehrerer Personen. Er wagte es nun nicht, seine Genossen in der Schönung aufzusuchen. sondern kehrte mit dem nächsten Zuge nach Berlin zurück. Der von alle» drei verabredete Treffvunkt war in Berlin der„Pfann- kuchenkeller" von Rausch in der Breslauer Straße. Hier vereinbarte das saubere Kleeblatt, am nächsten Tag« mit Kiepen und Rucksäcken hinauszufahren, um di« oersteckten Sachen zu holen. Sie führten den Plan auch aus und verschärften die Sachen m der Münzstraße. Bei einem neuen Ausflug, den Bettm mit der Schönbaum unternahm, um den Schauplatz ihrer Heldentat nochmals zu besichtigen, fanden sie noch ein Paket. Sie beschlosien. die darin befindlichen Mäntel umzupacken. Bei dieser Tätigkeit wurden sie von dem Landjäger abgefaßt und mitgenommen. Bestattungen auf Wohlfahrtskosten. Die Verhandlungen mit dem Zentralwohlfahrtsamt haben dazu geführt, den städtischen Sargmagazinen Lichtenberg, Neukölln und Reinickendorf für die Bezirke 1—6 die Lieferung und die Ueberführung der Särge bei den von der Wohl- fahrtsdeputation zu bewirkenden Bestattungen zu übertragen. Der Abtransport der Särge erfolgt durch 2 bzw. 3 eigens zu diesem Zweck hergestellte Automobile des Stodt- fuhrparks. Die Kosten für den automobilen Sargtransport sind nicht höher, als di« zur, zeit von den Wohlfahrtsämtern zu tragenden. Di« von den städtischen Sargmagazinen gestellten Särge werden dem Aussehen und dem Material nach künftigwürdigerund haltbarer als bisher ausfallen. Es werden überführen lassen: 1. Das Sargmagazin Lichtenberg, Möllen- d o r f st r. 14, Fernruf: Lichtenberg 1031(Dezernent: Stadtrat Sttm- ming). alte auf Kosten der Stadt aus den Bezirken Mitte, Frie» drichshain. Prenzlauer Berg und Lichtenberg zu bestattenden Lei- chen auf den dicht am Bahnhof Marzahn belegenen städtischen Fried- Hof; 2. das Sargmagazin Neukölln. Anzengruber- straße 23, Fernruf: Neukölln 2267(Dezernent: Stadttat Groger), alle auf Kosten der Stadt aus den Bezirlen Kreuzberg und Neukölln mit Ausnahme von Rudow zu bestattenden Leichen nach dem Fried- Hof am Mariendorfer Weg in Tempelhof; � dasSargmagazin Reinickendorf, Rathaus Reinickendorf, Haupt- straße 45/46, Fernruf: Bezirksamt Reinickendorf, Friedhofbureau (Dezernent: Stadttat Meyer), alle auf Kosten der Stadt aus den Bezirken Tiergarten, Wedding und Reinickendorf zu bestattenden Leichen nach dem Friedhof in Reinickendorf, Huwboldtsttaße. Den Wohlsahrtsbeerdigunge» wkrd so der Eharakter der Armenbe stattung ganz genommen und den An- gehörigen der Besuch der Grabstätten ihrer Toten recht erheblich erleichtert. Es ist mit ziemlicher Gewißheit anzunehmen, daß sich der automobile Leichenttansport allmählich völlig einbürgern und in kurzer Zeit auch von den Bewohnern der westlichen Bezirke ge° wünscht wird._ Erregung übet das Kmdererholungsheim Nest. Gegen das der Stadt Berlin gehörend« Kinderheim Nest bei Köslin werden schwere Borwürfe erhoben. Sie bettefsen nicht nur das Verhalten des Anstaltsvorstehers Stahlberg, sondern auch Mängel der Anstalt selber. Bor einiger Zeit ist infolge ein�j Konfliktes mit Herrn Stahbberg eine Anzahl Heimleiter und Hein-- lsiterinnen entlassen worden, und anders hoben daraufhin freiwillig v.m ihre Entlassung gebeten. In einer Versammlung von Berliner Eltern, deren Kinder in Nest u-ntergebracht sind oder waren, brachten am Freitag zwei der entlassenen Heimletter die Klagen vor. Herrn Stahlberg wurde die pädagogische Be- fähigung zu seinem Amt abgesprochen, auch habe er den Heim- leitern und Heimleiterinnen durch sein herrisches Auftreten die Arbeit erschwert und verleidet. Da die Anstalt sich selber er- halten solle, so sei überall gespart worden. Das Essen der Kinder sei schlecht und knapp gewesen, dafür habe man aber bereits 30 000 Marl Ersparnisse beiseite legen könen. Stahlberg habe sich bemüht. die mangelhaften Leistungen der Anstalt in günstigerem Lichte er- scheinen zu lassen, und sogar manche Heimleiter hätten das mttg«- macht. Kinder feien beeinflußt worden, in Briefen an die Heimat ihre Unzufriedenheit zu verheimlichen. Sogar falsche Angaben über Gewichtszunahmen seien hinaus- gegangen. In der anschließenden Diskussion ging es zeitweise recht stürmisch her. Man forderte Beseitigung Stahlbergs, andernfalls werde man sofort die Kinder herausnahmen. Die Angaben über das Essen wurden bestätigt, auch sei die Anstalt verwanzt. Die Er- r-egung einiger Redner richtete sich gegen Heimleiter, di« für die Verbreitung falscher Darstellungen über den angeblich günstigen Zu- stand des Heims mitverantwortlich seien. Auch wurde gegen ein- zelne Heimletter der Borwurf erhoben, daß ihr Verhalten gogenüber den Kindern, die von ihnen grob beschimpft worden seien, gleich- falls unpädagogisch sei. Die Versammlung nahm einstimmig ein« Entschließung an. Sie fordert sofortige Beseitigung Stahlbergs, verwirft das System, das Heim sich aus eigenen Mitteln erhalten zu lassen, und fordert die Eltern auf, keinen Kosten- beitrag mehr zu zahlen. Gewählt wurde eine Kommission, die weitere Verhandlugen mit dem Jugenbamt führen soll. Wie in der Versammlung mitgeteilt wurde, sind Beauftragte des Jugendamts bereits zur Untersuchung der Ange» legen heit nach Nest gefahren. Razzia im Scheunenviertcl. Die Berliner Kriminalpolizei veranstaltete gestern abend ein« groß« Razzia. Ueber das Treiben gewisser Elemente waren ihr in der letzten Zeit zahlreiche Klagen zugegangen. Kurz vor 9 Uhr setzte die Ragzia in der Gegend der Sttaßenkreuzungen von der Münz-, Neuen u d Alten Schönhauser Straße ein. Mehrere dort gelegene Lokal« wurden besetzt und die einzelnen Gäste einer genauen Prüfung gleich an Ort und Stelle unterzogen. Ander« Krimwalbeamte rückten Gleichfalls von den umliegenden Straßen nach dem genanmen Kreuzpunkt vor und nahmen alle verdächtigen Personen mit. In 6 Lastkraftwagen wurden die Aufgegriffenen in das Polizeipräsidium gebracht. Im ganzen wurden 42 Personen auf dem Polizeipräsidium festgehalten, die wegen der verfchisdensten Straftaten von Berliner sowie von aus- wärtigen Behörden gesucht wurden. Außerdem wurden auch noch «ine ganze Anzahl Vermißte gesunden, besonders jugendliche Bur- scheu, die in der Provinz ihren Eltern entlaufen waren. Sie wurden der Wohlfahrtsstelle überwiesen,' die' den Heimttansnort in die Wege leiten wird.__ Die Reife unter dem Wagen. Bei der Bahnhofskontrolle in Hanau wurde von der Kriminal- polizsi ein 16 jähriger Pole namens Fanlalka festgenommen, der von Dornow in Polnilch-Oberschlesten bis Hanau unter dem Eisenbahnzuge gelangt war. Er fuhr anfangs bis Berlin, wo er sich 14 Tage lang in einer Erdhöhle am Zoo aufgehalten hat. Bon dort aus kam er, sich immer ans Untergestell der Eisenbahnwagen anklammernd bis Hanau. Das Ziel seiner Reife war Frankreich, das«r über Frankfurt a. M. zu erreichen hoffte. Der Aufgegriffene versteh! kein Wort deutsch. In seinem Besitz be- fanden sich wertvolle Briefmarken, Zigarerten, Postkarten mit An- sichten des Berliner Zoo, di« viellsicht von einem Diebstahl her- rühren. Der Junge war den Eltern durchgebrannt; er war bereits zweimal von der Polizei aufgegriffen worden, doch ge- lang es ihm immer wieder zu entfliehen. Reichsbanner Schwarz-Rot-öold. Gsschäftsstelle Berlin C. 2, Kaifer-Wilhelm-Straße 46.' Kameradschaft Lichtenberg, einschließlich Jugend. Sonntag, 31. August, vormittags Uhr, antreten Bahnhof Sttalau-Rununelsburg� Eingang Sonntazstvaße, zur Fahrt nach Hoppegarten. Sovderzüge 4. Klasse zur Leipziger Herbstmesse. Am 4., 5. und 6. d. W. oerlehrt je ein Sonderzug ab Berlin Anhalter Bahnhof 7.43 vorm., an Leipzig Hbf. 10.19 vorm.. ab Leipzig Hbf. 8.40 nachm., an Berlin Anh. Bhf. 12.00 nachm. Fahrkarten zum ermäßig- t e n Preis von 7,30 M. zur Hin- und Rückfahrt sowie Messeaus- weise sind nur im Reisebureau Wert heim. Leipziger Platz, erhältlich. IlnsnlgMlches Visum für die Lemberger Ostmesse. Das pol- rvische Generalkonsulat(Hanbelsabteilung) teilt folgendes mtt: Kauf- leuten, die sich als solche durch eine Bescheinigung der tzyändelslam- mer ausweisen, wird das polnische Visum zum Besuch der 4. Ostlwesse und 1. landwtttschastlichen Ausstellung in Lemberg unentgeltlich erteilt. Leber»Goethe uad die LeNgion' spricht Genosse Pfarrer B I e i e r morgen Sonntag, vormittag? 10 Uhr in der TrinitatiS-Kirche. Charlotten- bürg, Kail-Auguft-Platz, im Rahme» einer Feierstunde, anläßlich Goethes 175. Geburtstag. Freie Turn erschaff Groß-Serlw, Bezirk weddwg. Am 31. August findet daZ diesjährige Sportfest auf dem neuerbaulen Sportplatz Schamweberstraße statt. Turnerische und leiZ-tathletische Mehrkämpte, sowie S taffetten für Männer, Frauen. Jugend und Kinder füllen das Programm. Beginn der Hauptlämpfe 2 Uhr nachmittag«. Neuer Weltrekord deutscher Segelflieger. fsllegerlager Wasierkupp« lo der Rhön. 29. August. Der Flieger Udet stellte auf„Klllibri" mit einem Fluge von vier Stunden 40 Minuten Dauer einen neuen Weltrekord für Leichtflugzeuge auf. Die längste bisher«flogen« Zeit war vier Stunden 13 Min. Wetter für morgeu. Berlin und Umgegend: Wollig, zeitweise etwas aufllarend mit einzelnen leichten Reaenfällen bei wenig geänderter Temperatur. Deolfchiaad: Im Süden trocken, im Westen etwas länger anhaltende, in Mitteldeutschland kürzere Regenfälle. partemachrichten für Grsß-Sedm ktufeudmrgeu füx diese Siuirik sind ßjj stets an das Bezirksfekretoriat. Berlin SW.«S, Lwdenftraße 3, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. i. Kreis, Prenzlauer Berg. Montag, 1. September, abends 7 Uhr, Froltions- sitzung. TaaesSrdnung: Der vertanzte Abbau im Bezirksamt Alle Bezirks» amtemitglieder, Stadt- und Bezirlsverordnete müssen unbedingt erscheinen. Gewerkschaftsbewegung Dom Abbau. Man schreibt uns: Ein Berliner Lokomotivführer wurde ais einer der ersten abgebaut, weil er angeblich nicht mehr voll leistungsfähig war. Der Mann war 17 Jahre lang im Dienst. Er ist in diesen 17 Jahren, obgleich ein Lokomotivführer ständig irgendeiner Bestrafung ausgefekt ist, nie bestraft worden. Er ist in diefen 17 Jahren nur 24 Tage frant gewesen. Er hat eine ganze Reihe von Belohnungen für energische Eingriffe zur Berhütung von Unglüdsfällen erhalten. Er hat 49 Monate im Felde als Lokomotivführer seinen Dienst geleistet und dafür das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten. Er ist ein großer, fräftiger und völlig gesunder Mensch, der jeden, auch den schwersten Dienst verrichten fann. Er hat sich am 8. Januar wegen seines Abbaues beschwerdeführend an die Reichsbahndirettion gewandt und erhielt am 18. Januar einen ablehnenden Bescheid. Er wandte sich am 29. Januar nochmals an die Reichsbahndirettion und wies nach, daß er nur wegen feiner gewerkschaftlichen Tätigkeit abgebaut sein könnte. Auch dieses Gefuch wurde abschlägig beschieden und unterschrieben vom damaligen Reichsbahnpräsidenten Wulff. Am 14. April reichte er seine gefeßliche Einspruchsschrift ein. Der Gutachterausschuß, der sich mit seiner Einspruchsschrift zu befassen hatte, hat zum Borsigenden den früheren Präsidenten der Reichsbahndirektion Berlin Wulff. Eine Berufung über das Urteil eines Richters in einer Abbauangelegenheit wird also in der Berufungsinstanz von demselben Richter nochmals entschieden. Eine solche Gepflogenheit ist völlig unhaltbar. Das Gutachten tommt denn auch zu dem Schluß, daß ein Verstoß gegen Artikel 3§ 4 der Bersonalabbauverordnung vom 27. Oftober 1923 nicht vorlag. Die Begründung lautet wörtlich wie folgt: " Der Beschwerdeführer hat zur Begründung des rechtzeitigen Einspruchs gegen seine Berfegung in den einstweiligen Ruhestand eine Verlegung des Art. 3§ 4 gerügt und geltend gemacht, er fei seit Oftober 1920 Borsigender der Ortsgruppe 22 F. G. VIII und im Jahre 1921 auch Beamtenratsporfigender des Bbw. Leb gewesen; infolge des Eisenbahnerstreits pom Februar 1922 fei er vom Dienst suspendiert und im März mit Strafverfehung und 2000 m. Geldstrafe nach der Bbw. Pantom überwiesen worden. Im August 1923 sei er durch den Reichspräsidenten begnadigt zum Bbw. Leb zu= rüdversegt worden. Er führe nun seinen Abbau darauf zurüd, daß ihm der Dienststellenleiter St. seine gemert schaftliche Tätigkeit stets nachgetragen und vor. gehalten habe. Dies sei durch eine Unterredung bestätigt worden, bie er in Gegenwart des Ortsbeamtenratsvorsitzenden K. mit St. gehabt habe. R. hat hierzu erklärt, daß St. bei jeder Unterredung, um Ausdruck gebracht habe, er fei der Ansicht, daß dem 2. feine gewerffchaftliche Tätigkeit über sein Dienstliches 3ntereffe gehe und daß St. darauf hinge= miesen habe, er habe selbst gesehen, daß T. während des Eisenbahnerstreits im Januar 1922 dem Bertrauensmann der Eisenbahnarbeiter die Richtlinien, die er von seiner Gewertschaft erhalten habe, gezeigt habe. Selbst wenn man diese Aeußerungen als erwiesen ansehen will(!), genügen sie nicht, um den Beweis dafür zu erbringen, daß die Versetzung des T. in den einstweiligen Ruhestand durch seine ge= wertschaftliche Tätigkeit beeinflußt worden sei. Moll." gez. Wulff, Itschert, Der Gutachterausschuß unterstellt also die von dem Lokomotiv führer T. angeführten Gründe als wahr und dennoch erblickt er darin teinen ausreichenden Grund, um einen Verstoß gegen den Art. 3§ 4 der Personalabbauverordnung anerkennen zu fönnen. Ist der Gutachterausschuß bereit, auf drei Fragen zu entworfen? Nämlich: nicht mehr gutzumachen. Es wäre auch für die Berwaftung von größtem Vorteil, wenn es des Abbau- Unrechts nun endlich genug wäre. Buchdruckertagung in Hamburg. Im Hamburger Gewerkschaftshaus ist in diesen Tagen wieder einmal besonderes Leben. Gleichzeitig mit den Vertretern der deutschen Bauarbeiter sind die Delegierten der deutschen Buchdrucker zu großem Rat in dreierlei Tagungen versammelt. Den vier Spartentongressen folgt der 24. Verbandstag und diesem der internationale Buchdrudertongreß, der zweite auf deutschem Boden. Der Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer" erscheint aus diesem Anlaß im Festgewande. Er erinnert daran, daß Hamburg schon einmal, in den unwirtlichen Tagen des März 1888", Tagungsort der Buchdrucker Es war gegen Ende des Sozialistengefeges. gehilfenschaft war. Der damalige Unterstügungsverein der deutschen Buchdrucker" war der Zerstörungswut gegen die politischen und gewerkschaftlichen Internationaler Anti- Kriegstag 1924 am dritten Sonntag im September Arbeiterorganisationen entgangen, nachdem er der Vorsicht halber seinen Sitz von Leipzig, aus dem Bannkreis der recht ungemütlichen sächsischen Justiz, nach Stuttgart verlegt hatte, wo die Luft auch in den höheren Regionen" etwas wärmer war. Mittlerweile hatte fich das Sozialistengesetz ausgetobt, jo daß man daran denken fonnte, den Siz nach Berlin zu verlegen. Döblin und Eifler hatten beim Berliner Polizeipräsidenten und beim preußischen Innenminister Fühler ausgestreckt und gewisse Zusagen erhalten. Trok der Befürchtungen, daß mit der Sigveriegung nach Berlin dem Verbande das Grab geschaufelt werde, wurde diefe von der Hamburger Generalversammlung vor 36 Jahren beschlossen, und am 1. September 1888 fam der Verbandssiz nach Berlin. Hamburg sieht unseren Verband in einer guten Verfassung wieder trog allem in den letzten Jahren. Die Vernichtungsstürme des Inflationsfrieges in den Jahren 1922 und 1923 find gewiß nicht an unferer Organisation spurios vorübergegangen. Über unser alter, wetterfester Bau vermag bant der nicht so verzweigten beruflichen Gliederung seiner Bewohner wie in manchen anderen Berbänden und dank der geistigen Geschloffenheit seiner Hausinfaffen äußeren Bedrängungen und inneren Zersegungsabsichten besser zu widerstehen und bietet dadurch ein vertrauenerzwingendes Bild gewerkschaftlicher Ausreifung." ,, Hamburgs Buchdruckertagungen haben vor allem dem wirt schaftlichen Gegner die Wege zu verbauen." In diesem Entschluffe begrüßen wir die Tagungen und zweifeln nicht an ihrem Erfolg. Generalftreik! Generalstreit als Vorübung für die russische Weltrevolution ist das Ziel, zu dem jede, auch die fleinste Lohnbewegung anzufachen ist. Das ist die Parole, die alle Moskauer Agenten außerhalb Sowjetrußlands!- zu verfolgen haben. Jeder Generalstreif gilt als großer Erfolg in Mostau, welches Ende er auch nehmen mag, als Gradmesser für die Revolutionierung" im Sinne der Weltrevolution" und als Befähigungsnachweis für die Gfrupellosigkeit der fommunistischen Funktionäre. Die Lüge ist nur Kampfmittel, besonders für den Generalstreit. " T burger Sowjet hat zur Aufrechterhaltung ber Ordnung" in Mostou Truppen angefordert. Gang fo wie unter Nikolaus II. Nur mit dem Unterschied, daß die Arbeiter damals wußten, woran sie waren, während sie heute irregeführt und irre werden an der Zukunft. Der Generalstreit in Rußland ist bei schwerster Strafe verboten! Die Stimme der Scharfmacher. Die Deutsche industrielle Vereinigung, die sich vom Reichsverband der deutschen Industrie losgelöst hat, weil er ihr nicht alldeutsch und scharfmacherisch genug erfcheint, hat dieser Tage in Erfurt zu den brennenden Fragen der Beit Stellung genommen. Nachdem die Londoner Vereinbarung nach Gebühr schaftspolitik, zu denen nach einem Vortrag des Obertotgeschlagen war, befaßte man sich mit den Aufgaben der Wirtfinanarats Dr. Bang von der Deutschen Zeitung" unter anderem gefordert wurde: Befreiung der Wirtschaft von allen einengenden Fesseln, der zwangsmäßigen Nivellierung der Leistung, des Lohnes und des Preises... Freie Bahn dem deutschen Unternehmer! Freie Selbstbestimmung für den deutschen Arbeiter! An Stelle der flassenkämpferischen Zerreißung der Betriebe muß die Wertgemeinschaft treten.. 17 Also fort mit den Gewerkschaften, den Betriebsräten, den Tarifen, jeder Möglichkeit der Ueberwachung der Kartelle, der Herabsetzung ungewöhnlich hoher Wucherpreise! Fort mit allem, was auch nur entfernt nach Arbeiterschutz und Anerkennung des Menschen im Arbeiter aussieht! Her mit den gelben Verbänden, der unbeschränkten Macht des Unternehmers im Betriebe und der Unternehmervereinigung im Wirtschaftsleben, der unbegrenzten Tributpflicht der Verbraucher und Steuerzahler! Herrlichen Zeiten werden fie uns entgegenführen. Der Leipziger Straßenbahnerstreit ist beendet. Die Lohnforde rungen wurden bewilligt. Theater der Woche. 1 Vom 31. August bis 8. September 1924. Bolfsbühne: 1. und 6. Don Carlos. 2., 3. unb 7. Schneider BibbеĽ. 4. und 5. Fahnen. 8. Unbestimmt. Opernhaus: 1. Meistersinger. 2. Troubadour. 3. Tosca. 4. Lohengrin. 5. Cavalleria und Bajazz. 6. Tristan und Sfolde. 7. Bohème. 8. Rofentavalier. Schauspielhaus: 3. Nathan der Weise. h., 6. und 8. Der arme Better. 2. Wilhelm Tell. 4. Biel Lärm um nichts. 5. Faust I. 7. Rönig Nicolo. Kroll- Opez: 1. Bolenblut. 2. und 6. Zauberflöte. 3. Die Iuftigen Weiber. 4. Der Barbier von Sevilla. 5. und 8. Tiefland. 7. Bioletta. Schiller- Theater: 1. bis S. Candida. Deutsches Theater: 1., 3., 4., 6. und 7. Cäsar und Kleopatra. Kammerspieie: 2., 5. und 8. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. 1. Geschlossen. 2., 5. und 8. Frühlings Erwachen. 3. und 4. Ontelchen hat geträumt. 6. und 7. Fräulein Julie. Leffing- Theater: Wien gib acht. Theater in der Königgräger Straße: Sans Sonnenstößers Söllenfahrt. Deutsches Opernhaus: 31. Die Meistersinger von Nürnberg. 1. Der Zigeuner baron. 2. Die Bohème. 3. und 6. Der Prophet. 4. Tiefland. 5. Der fliegende Holländer. 7. Die Fledermaus. 8. Lohengrin. Großes Schan Deut Renaiffance Theater: Tanja. fpielhaus: Die zehn Gebote( Film). sches Künstler- Theater: Onfel Bernhard. Komödienhaus: Mein Better Eduard. Berliner Theater: Der füße Ravalier. Trianon- Theater: Der Ab 3. Gie. Bentral- Theater: 1. bis 8. Der G'wiffensFamilienfleds. Theater in ber Rommandantenstraße: Mister Globetrotter. Dramatisches Theater: 31. bis 3. und 6. Gilles und Jeanne. 4. und 5. Briefe mit ausländischen Marken. Komische Oper: Das hat die Welt noch nicht gesehen! Lustspielhaus: 31. Eine galante Nacht. Ab 1. Geschlossen. Metropol- Theater: Mascottchen. Theater am Rollendsrfplay: Gösta Intimes Theater: Besuch im Bett. Crepe Geor Berling, 1. Teil.( Film.) gette. Bauf doch nicht immer nact herum. Wallner- Theater: Der un getreue Edehart. Ab 2. Uriel Acosta. Rose- Theater: 31. Romtesse Guckerl. Deine Braut. Rafino Theater: Muß Liebe schön 6 1. Meine Braut Theater Theater am Kurfürstendamm: Ab. Die Frau ohne Kuß. im Admiralspalast: Noch umb Noch! Nachmittagsvorstellungen. Bolfsbühne: 7. 11% Uhr: Die Zentral- Theater: Rache des verhöhrten Liebhaber. 2% Uhr: Don Carlos. 3. und 6. Jugend- Boltsbühne: Iphigenie auf Tauris. Berantwortlich für Politik: Genft Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; wurm. sein. Gewerkschaftsbewegung: Friebz. Chlorn; Feuilleton: K.§. Döfgher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Technische Lehrvorträge 100000000000 1. Warum wurde denn der Lokomotivführer T. überhaupt graphendraht aus en ingras( Petersburg), daß ber Safen hängt hat, weil ber Generalftreit der rufftichen Hafen- und Uebungen für Kaufleute Berliner Elektrikerabgebaut? Diese Frage ist in dem Gutachten mit feiner Silbe erwähnt. 2. Wann erblickt der Gutachterausschuß denn einen Verstoß gegen Art. 3§ 4?( Abbau wegen gemertschaftlicher, politischer oder Beamtenrätetätigkeit oder wegen der Zugehörigkeit zu einem religiösen Verein.) 3. Empfindet der Präsident des 2. Gutachterausschusses es nicht selbst als peinlich, über seine eigenen Entschei dungen nochmals zu Gericht fizen zu müssen? Die engeren Berufskollegen des Beamten T. empfinden das Gutachten als schwerste Ungerechtigkeit und sie sind über die ganze Art und Weise des Abbaues des Kollegen T. sehr starf erregt und das mit Recht. Es ist höchste Zeit, daß die Personalabbauverordnung mit allen ihren ungerechtig feiten verschwindet. Das Unheil, das sie angerichtet hat, ist veranstaltet von der Genossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Während die deutsche Arbeiterschaft z. B. fich nach Feststellung des Moskauer Weltkongresses in rasenden Schmerzen" windet, ist Sowjetrußland das Arbeiterparadies der Diftatur der Sowjettribunen über das Proletariat. Am 27. August meldete der TeleTommandant den Ausnahmezustand über den Hafen verarbeiter andauere. des Streifs seien Lohnftreitigkeiten und Entlaffungen von Arbeitern. Natürlich, auch die Hafenarbeiter in Leningrad streiten nicht aus Beitvertreib. Gesellschaft zur Verbreitung technischen Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Der Ausnahmezustand wird streng durchgeführt, die Hafen- Wissens in der Kaufmannschaft m.b.H. wachen sind verstärkt. Unter Androhung des Waffengebrauchs ist Hochbau- Tiefbau- Maschinenbau den Streifpoften das Betreten des Hafens verboten, jegliches Elektrotechnik- Gas, Wasser, Helzung und Lüftung. Sprechen mit den Wachen, die Abhaltung von Bersammlungen Beginn der Vorträge: Mitte Septbr. 1924. und alle Ansammlungen. Drucksachen und Auskünfte kostenlos nicht mir der Streifenden Heute wird berichtet, daß der Belagerungszustand du ch die Geschäftsstelle: Dr. Hauer, Charlottenburg, Stormstr. 3. Sprech über ganz Petersburg verhängt ist, um den Generalftreit stunden: Mittwochs und Sonnabends der Hafenarbeiter zu brechen. Jede Versammlung auf den Straßen 4-5 nachm., sowie Sonntags v. 11-12. n. Maß, Bolsterauft, Metallb. a. Briv. Günft Fernsprecher: Westend 208 und 695. und das Betreten des Straßengeländes ist verboten. Der PetersBebing.Rat.30Afrei. Eisenmöbelf.Suhl, Thür Sie wollen arbeiten, aber sich babei fattessen. ·• Fernsprecher: Norden 1198 .. Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit ood Stahlmatratzen • KAUFHAUS GEGRONDET 1890 MOABIT TURMSTRASSE 42. ECKE OLDENBURGERSTR. Neuheiten für Ferbst Kleiderstoffe und Seidenwaren Winter Damen- Backfisch u.Kinder Kleidung д Max Giesen