Abendausgabe Nr. 417 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 209 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenprete find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Sel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 4. September 1924 Berlag und Angelgenabteilung Geschäftszett 9-5 Uhr Berlager: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Deutschland in den Völkerbund! Rede Macdonalds in Genf. • Hunger in Rußland. Bersagen der kommunistischen Wirtschaftspolitik. Bon Peter Garwy. einer neuen großen Mißernte. Biederum tauchen vor dem Wiederum hängt über Rußland die furchtbare Drohung russischen Bolte die Gespenster des Hungertodes und der Epidemien auf, die im Jahre 1921 5 200 000 Monschenopfer gefordert haben. Provinzgewaltigen und die offiziose Presse zunächst den Wie in den Zeifen des Zarismus haben die kommunistiBerfuch gemacht, die Mißernte zu leugnen. Aber jetzt wie damals gelang ihnen das nicht, obwohl immer noch der Verfuch gemacht wird, den Umfang der heraufziehenden Hungersnot zu verkleinern. Angesichts des Fehlens einer unabhängigen Presse und einer freien demokratischen Selbstverwaltung ist es schwer, den offiziösen Bertuschungsversuchen entgegenzutreten und den wirklichen Umfang der Mißernte festzustellen. Gent, L. September.( Eigener Drahtbericht.) Heute vor- zu betrachten fet, daß man fich aber nicht ohne weiteres für einen oder miling 11 Uhr wurde die Generaldebatte über die Ab- den anderen Tert entscheiden, sondern alle gemeinsam und sorgfältig rüstung mit einer politisch hochbedeutenden Rede Macdonalds er- in den Kommissionen prüfen müsse. Ueber seine eigenen Borschläge öffnet. Das Haus ist überfüllt. Macdonald wird schon beim Be- verweigerte er die Auskunft mit dem Hinweis auf seine heutige treten des Saales, mit einem Beifallssturm überschüttet. Der Redner Rede, ging aber wiederholt auf den Gedanken einer internatiobeginnt mit einem Bekenntnis zu der Idee des Bölkerbundes, der naien Abrüstungstonferenz unter Beteiligung Ameribaschen. Europa vereinen wird. Aber der Völkerbund muß alle Nationen ein. amfassen. Deutschland darf nicht länger dem Bölker- Auf die Frage, wie er die Lage auffaffe, die dadurch entstanden bunde fernbleiben.( Stürmischer, immer wiederholter Beifall. fei, daß ein großer Teil Europas bereits entwaffnet fei, erffärte er, Herriot flatscht unaufhörlich bei diesem letzten Satz in die Hände.) daß die Entwaffnung in den Friedensverträgen ausdrücklich im Hin In London ist der Anfang zu neuen Berhältniffen zwischen Deutsch- blick auf die allgemeine Entwaffnung festgesetzt worden sei, und land und den anderen Staaten gemacht worden, ein Verhältnis, das daß England alle Bestimmungen der Friedensverträge und nicht auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Die Lösung der Abrüftungs- nur diese oder jene Bestimmungen zu achten und durchzuführen geund der Minoritätenfrage ist ohne Deutschlands Mitarbeit und ehr- dente. Ebenso sei die leberweisung der Militärfonlichen Willen unmöglich. Deutschland muß feinen gebührenden trolle an den Bölkerbund im Versailler Vertrag festgelegt. Platz in der europäischen Gemeinschaft wieder einnehmen. Ich Nach seiner Ansicht über den Beitritt Deutschlands zum glaube, daß damit die neue Aera der Berständigung für Bolterbund befragt, erklärte der Premierminister, er hoffte auf ganz Europa beginnt, und dieser Verständigung gilt meine ganze den deutschen Beitritt wie auch auf den Beitritt Rußlands. Arbeit und unfer aller bestes Wollen. Die Ausführungen Macdonalds trugen durchweg eine start pazifiife Note. In den nächsten Tagen," so sagte er an einer Stelle, müssen wir unentwegt für den Frieben arbeiten." Gleichzeitig aber riefen seine Darlegungen fast noch stärker als die Herriots den Eindruck hervar, daß in Genf das Problem noch mitten in der Entwicklung steckt und daß Macdonald noch mit langwierigen Sachverständigen und Kommissionsarbeiten rechnet, bis, wie er sich ausdrückte, der gute Wille zum Ziel führe. Heute nachmittag sprechen Benesch und Theunis, morgen vormittag wird Herriot eine große Rede halten. Genf, 4. September.( WTB.) Der englische Ministerpräsident M a cbonald empfing gestern abend zwischen 10 und 11 Uhr die Breffe vertreter aller Länder, die gegenwärtig in Genf weilen. Die zwanglofen Mitteilungen und Antworten, die er auf die ihm gestellten Fragen erteilte und die er ausdrücklich nur als allgemeine Richtlinien und nicht als Interviews bezeichnete, bemegben fich in folgender Richtung: Das Problem der Sicherheit sei ein äußerst schwieriges Broblemt, und bevor man irgendwelche Berpflichtungen in diefer Frage engehe, müffe ganz genan festgestellt werden, was unter Sicherheit zu verstehen sei, und die Frage auf ihre wahren Dimenfionen im Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens zurückgeführt werden. Der Völkerbund, der die größte Friedenshoffnung vor allem für die kleinen Staaten sei, dürfe dabei nicht gefährlichen Prüfungen ausgesetzt werden, denn wenn er zusammenbräche, würde man vor einer neuen Kriegsgefahr stehen. Macdonald erblickt das Wesen der Friedensgarantie im Ausbau des Schiedsverfahrens, wobei es Sache der Juristen sei, das Verfahren und die Instanz feftzustellen. Die Menschheit werde fich an den Gedanken gewöhnen müffen, ihre Streitfälle dem Schiedsverfahren zu unterbreiten, das der einzige Weg für die endgültige Sicherheit der Völker fei. Auf die Frage, ob er dabei auch Sanktionen im Auge habe, entgegnete der Ministerpräsident, daß die englische Regierung, den Bölkerbundspaft unterschrieben habe und nicht gewohnt sei, ihre Unterschrift zu verleugnen, wie er auch im weiteren Verlauf die Notwendigkeit betonte, auf das strengste den Völkerbundspakt zu prüfen und zu achten. Den Garantiepaftentwurf des Bölferbunds erMarie Macdonald als erledigt, bemerkte aber, daß der amerikanische Battentwurf als ein guter und müßlicher Beitrag zu dem Problem Nach der Annahme. Einstellung des franzöfifchen Propagandadienstes im besenten Gebiet. Düffeldorf, 4 September.( WTB.) Der Nachrichtendienst", herausgegeben durch den französischen Pressedienst in Düffeldorf, stellt mit der geftrigen Nummer fein Erscheinen ein. Gleichzeitig gibt der franzöfifche Preffedienst bekannt, daß die fran3öfifchen Lesefale in Düsseldorf, Effen, Dortmund, Witten und Redlinghauten vom 4. September an endgültig geschlossen werden. Mainz, 4. September.( WIB.) Das französische Pazbureau hat gestern nachmittag feine Tätigteit mit der Begründung eingestellt, daß von jetzt an nur noch deutsche Ausweise für den Berkehr zwischen dem besetzten und dem unbefehten Gebiet erforderlich seien. Abbauerlaß des Generals Degoutte. Paris, 4. September.( BTB.) Wie Havas aus Düsseldorf meldet, hat General Degoutte in der Absicht, seinen Wunsch zu zeigen, daß die wirtschaftliche Einheit Deutschlands so frühzeitig wie möglich und in so weitem Umfange wie möglich wiederhergestellt werde, am 3. September einen Erlaß veröffentlicht, durch ben der Automobilpertehr vollkommen freigegeben ist und das Geleitscheinsystem für Personen, die sich aus dem unbesetzten Gebiet in das besetzte Gebiet begeben, beseitigt wird. Die Aufhebung der 3ollinie zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet soll angeordnet sein, aber erst mitternachts vom 9. zum 10. September in Kraft treten. Der Generalagent für die deutschen Zahlungen Paris, 3. September.( Eca.) Wie von der Reparationsfammiffion amitlich mitgeteilt wird, ist in der heutigen Sihung Seymour Parter Gilbert zum Generalagenten für die deutschen Reparationszahlungen auf Grund des Dawes- planes ernannt worden. Die Ernennung Owen youngs war bekanntlich nur interimistisch erfalgi, da er den Poften des Generalagenten nicht auf längere Dauer übernehmen konnte. Der neu ernannte engültige Generalagent für die deutschen Zahlungen ist in Amerika als Finanzjurist bekannt und genießt auch in Europa den Ruf eines außerordentlich tüchtigen Finaujmannes. In der Sihung, in der die Ernennung Owen Youngs erfolgte, war ausdrücklich gefagt worden, daß Boung eventuell die Einarbeitung des engültigen Generalagenten mit übernehmen würde. Der Kampf um den Völkerbund. London, 4. September.( WTB.) Der diplomatische Bericht erftatter des Daily Telegraph" schreibt, ein hervorragendes Mitglied der Völkerbundversammlung habe die Ansicht geäußert, daß hinter den Meinungsverschiedenheiten wegen des Pattes gegenseitiger Unterstützung ein Kampf zwischen zwei entgegengesetten Auffassungen über den Bölkerbund im Gange fei, und zwar ein Kampf um eine politische und eine juristische Auffassung. Die politische, die von Frankreich unterstützt werde, erkläre Frankreichs fortgesetzte Bemühungen, Machtbefugnissen des Bölkerbundrats gegenüber denen des Weltgerichtshofes im Haag den Vorzug zu geben. Die fleineren Nationen, unterstützt von der amerikanischen öffentlichen Meinung, neigten zu dem anderen Wege, wonach der Weltgerichtshof im Haag der oberste Schiedsrichter in irgendwelchen Streitfällen fein soll, die zu internationalen Konflikten führen könnten. Die letztere Auffassung werde sicher siegen, gleichviel, ob Amerika außerhalb des Bölkerbundes bleibe oder nicht, denn Republikaner wie Demokraten seien in gleicher Weise entschlossen, ihre Gegensätze bei der Behandlung von Konflikten durch schiedsrichterliche Entfcheidung auszutragen. Der Berichterstatter begrüßt es, daß an Stelle der früheren zögernden und unsicheren Haltung Großbritanniens feit dem Amtsantritt Macdonalds die rückhaltlose Zustimmung zu diesem Gedanken getreten ift. Die Kämpfe um Schanghai. B New York, 4. September.( WTB.) Aus Schanghai wird gemeldet, daß eine regelrechte Schlacht zwischen den Streitkräften von Tschefiang und Kiangfu am heutigen Morgen, etwa 12 englische Meilen von Schanghai an der Eisenbahnlinie Schanghai- Nanting, begonnen habe. Nach einer Meldung des Verteidigungskommissars Ho hat die Schlacht mit einem Angriff der auf 10 000 mann geschätzten Kiangju- Truppen angefangen, die, nachdem sie Verstärtungen erhalten haben, in der Richtung Nanting weit vorgedrungen find. New Bort, 4. September.( TU) Außer den Nachrichten murden ausgebrochen ist. Zwei Armeen bewegen sich auf die aus Schanghai liegen Meldungen vor, daß der Bürgerkrieg auch in Große Mauer" zu, die die Mandschurei vom eigentlichen China trennt. Die Kämpfe in der Umgebung von Schanghai dauern mit unverminderter Heftigkeit fort. Ausbreitung der Kämpfe. tann, sind von der Mißernte besonders die fornreichsten GeSoweit aus der offiziellen Sowjetpresse feffgestellt werden biete betroffen, und zwar: das Bolgagebiet- im besonderen fajus und die Ukraine die in der letzten Zeit, wie vor dem das Gebiet der deutscher Wolgakolonien, der nördliche KauKrieg, etwa vier Fünftel des Getreides für den inneren Markt und für die Ausfuhr lieferten. Es genügt, darauf hinzus weisen, daß nach den Angaben des Borsigenden des Rats der Volkskommissare, Rytow, statt der im vorigen Jahre geerntefen 3157 millionen Bud in diesem Jahr bloß ein Gefamternteertrag von 2786 Millionen Pud Getreide erwartet wird. In den letzten Tagen sah sich Sinowie w zu der Erklärung in der Prawda" gezwungen, daß die Mißernte eine Anzahl von Gouvernements weit heftiger, als es anfangs schien, betroffen habe, und daß der Gesamternteertrag nicht weit von 2600 Millionen Pud entfernt sein werde". Um die Bedeutung dieser Zahlen zu erkennen, muß man berücksichtigen, daß der durchschnittliche Ernteertrag sich im letzten Jahrfünft vor dem Kriege auf mehr als 5 Millionen Bud im Jahre belief, von denen etwa 600 bis 700 millionen Bud nach dem Auslande ausgeführt wurden. Angesichts dieser Verhältnisse und der noch frischen Erinnerungen an das Hungerjahr 1921 ist die Bevölkerung in den von der Mißernte betroffenen Gebieten schon jetzt von einer Panitstimmung erfaßt. Zahlreiche Bauern verlassen mit ihren Familien ihre Dörfer, die Getreidepreise steigen, das Bieh wird zu Spottpreisen verkauft( so sind die Rinder- und Pferdepreise auf 40 Broz. der Frühjahrspreise gefallen). Selbst wenn das notwendige Saatkorn in genügender Menge den Bauern geliefert wird, besteht die Gefahr, daß viele Felder nicht bestellt werden, da es an Arbeitsvieh, Dünger, landwirtschaftlichen Maschinen und gefunden Arbeitsfräften mangelt. unglücks, von dem Rußland jetzt betroffen ist. Die unmittel Hier gelangen wir an den Kernpunkt des großen Massenbare Ursache der diesjährigen Mißernte war die unge= heure Hizewelle, die stellenweise 61 Grad C. erreichte. Aber die dadurch heraufgeschmorene Dürre fonnte nur auf der Grundlage des allrussischen Ruins, für den der 3arismus und der imperialistische Krieg die Borbedingungen geschaffen hatte, der aber durch die verhängnisvolle Politik der Kommunisten außerordentlich verschärft wurde, in eine Rat a strophe ausarten. Die unsinnige Politik der Bolschewisten führte nicht zur Schaffung eines gesunden kommunistischen Wirtschaftsförpers, sondern zu einem furchtbaren wirtschaftlichen Miedergang des Landes, im besonderen der Landwirtschaft, dieser Grundlage des russischen Wirtschaftslebens. Während die bolfchemistischen Wirtschaftspolitiker Luftschlösser bauten, über die allgemeine ElektrifizieMeliorationspläne entwarfen und landwirtschaftliche Ausrung des Landes und über Dampfpflüge schwätzten, grandiose stellungen organisierten, fehten die Organe der Sowjetregierung durch unerträgliche steuerliche Belastung der Bauernschaft das vom Barismus begonnene Wert der Aussaugung der Landbevölkerung fort, die, ohne Bieh und Dünger, den Grund und Boden nach primitiven mittelalterlichen Methoden bewirtschaftete. London, 4. September.( TU.) Der„ Times"-korrespondent meldet aus Schanghai, daß die Kämpfe in der Nähe von Kunashan, - Das Ergebnis diefer unsinnigen Politik war ein völli= 20 Meilen von Schanghai, gefiern den ganzen Tag hindurch mit ger Rüdgang der Landwirtschaft. Die Saatunflarem Ergebnis fortgefeht worden sind. Ein chinesischer Lazarett- fläche ist von 89,7 auf 69,5, d. h. um 20 Millionen Deßjatinen zug des Roten Kreuzes ist am Abend mit Verwundeten eingetroffen, Kriege auf 54,9 Bud pro Deßiatine beliefen, santen in den gefunken. Die durchschnittlichen Ernteerträge, die sich vor dem und es wurde berichtet, daß die Truppen des Marschalls Wu- Pei- Fu, Kriegsjahren 1914/18 auf 51,2 Bud, und unter der Bolschedes Gouverneurs von Klangfu, fich ungefähr eine Meile zurückgezogen wistenherrschaft in den Jahren 1919/23 auf 42,6 Bud. Demhätten, ohne daß allerdings die gegnerischen Kräfte vorgerückt nach sind die Ernteerträge gegenüber der Borkriegszeit um 22,4 Broz. gefunten, während der Brutto- Getreideertrag im Jahre 1923 einen Rüdgeng von 35 Pro z. aufweist. Gleichzeitig ist die Zahl der Pferde von 31,4 Millionen im Jahre 1916 auf 18,9 Millionen im Jahre 1920, und die Zahl der Rinder in derselben Zeit von 50 millionen auf 32 Millionen gefunten. wären. Die Intervention der Mächte. Condon, 4. September.( BIB.) Der diplomatische Korre fpondent des„ Daily Telegraph" schreibt, die wichtigen Berhandlungen des letzten Jahres zwischen den Gesandten der Mächte in Peking und den verschiedenen Regierungen über Maßnahmen zum Schutze des Lebens und der Interessen der Ausländer und der wichtigsten Eisenbahnlinien würden möglicherweise bald wieder auf genommen werden, und zwar auf amerikanische oder englisch- amerifanische Initiative hin. Condon, 4. September.( TU.) Nach einer Meldung aus Washington haben die Vereinigten Staaten sich der Protestaktion der Großmächte England, Frankreich und Japan angeschlossen und gegen die Möglichkeit einer Seeschlacht in der Nähe von Shanghai energisch protestiert. Sechs weitere Torpedobootzerstörer sind nach China beordert worden, Derfelbe Gino wjem, der auf dem letzten Kongreß der fommunistischen Internationale über die angeblich perzweifelte Lage der deutschen Bauern bittere Tränen vergoß, ertlärt jezt voll Besorgnis, daß die diesjährige Mißernte möglicherweise nur das Signal zu einer noch größeren Mißernte im nächsten Jahre sei. In der Tat spricht der Umfang und die Heftigkeit der jetzt eingebrochenen landwirtschaftlichen Ratastrophe dafür, daß es sich nicht um ein einmaliges zufälliges Urteil handelt, das lediglich auf elementare Ursachen zurückzuführen ist, sondern um eine tiefreichende jozialökono mische Erscheinung, um ein notwendiges Ergebnis regterung nur zu Battitaitomttteln fähig. Der feht| der bolsche wistischen Politik, die die Produktiv- bestehende Bureaufratenapparat vermag weder die Lage der fräfte des Landes und im besonderen der Landwirtschaft Landwirtschaft dauernd zu bessern, noch der hungernden Befesselt und verstümmelt. Denn auch im letzten, verhältnis- Dölferung Hilfe zu bringen. Im Milieu des wirtschaftlichen mäßig günstigen Erntejahr mußte man bereits im November Ruins und der völligen politischen Rechtlosigkeit müssen sich 5 744 000 Hungernde in den zahlreichen Gouvernements, dar- die entsetzlichen Vorgänge des Jahres 1921 wiederholen, die unter auch im deutschen Wolgaçebiet, auf Staatskosten unter die Schreckniffe der Hungersnöte in Indien in den Schatten halten. stellten. Die Kommunisten unterdrückten damals nicht nur Die verheerenden Wirkungen der Mißernte beschränken jede private Initiative im Inlande, fie brachten auch den ausfich indes nicht auf die Landwirtschaft. Sinowjem sah sich ländischen Hilfsorganisationen das größtes Mißtrauen entneuerdings zu der Feststellung genötigt, daß die diesjährige gegen, mas naturgemäß den Kampf gegen die Hungersnot Ernte den gesamten Wirtschaftsförper des nicht erleichterte. Landes auf das stärkste berühre. Allerdings glaubt er Dieses Mißtrauen darf natürlich angesichts der neuen nicht, daß man die Produktionspläne in der Industrie schon großen Hungersnot in Rußland kein Grund dafür sein, dem jezt einschränken müsse. Aber eine solche Einschränkung hungernden russischen Volke die Hilfe zu verweigern. Die wird trotzdem notwendig sein angesichts des tatastrophalen internationale Hilfe für Rußland ist vielmehr ein Gebot Rüdgangs der Rauftraft der Bauernschaft. Eine Einschrän- der elementarsten Menschlichkeit. Gleichzeitig fung der Industrie jedoch bedeutet eine Steigerung der Ar- follte aber die Arbeiterklasse in allen Ländern endlich einsehen, beitslosigkeit( von der schon jetzt 1 300 000 Arbeiter be- daß der Hunger in Rußland keine zufällige Ertroffen find) in den Städten, in die zudem Scharen hun scheinung ist, sondern daß hinter der glänzenden Faffade, gernder Bauern aus den Dörfern strömen werden. Die Ar- die die fommunistischen Gewalthaber errichtet haben, unendbeitslöhne, die im Durchschnitt fa um 50 Broz der Borliche Not, Hunger und Krankheiten fich verbergen, für die die friegslöhne erreicht haben, werden wieder fallen, Selbstherrscher im Kreml ein gerüttelt Maß von Berantwährend die Lebensmittelpreise in die Höhe flettern werden. wortung tragen. Nicht minder ernst werden die Folgen der Mißernte für die russischen Staatsfinanzen sein. Schon der Etat des Wirtschaftsjahres 1923/24 wurde mit einem Defizit von etwa 40 Broz.( mehr als 400 millionen Goldrubel) abgeschlossen. Alle Hoffnungen sette man in diesem Jahr auf das Ergebnis der Ernte. Im vorigen Jahr ergab die landwirtschaftliche Steuer insgesamt nur 180 Millionen Rubel; in diesem Jahr wurde die Steuer, nach den Voranschlägen, auf 350 Millionen erhöht, aber angesichts der Mißernte wird wohl faum die Hälfte dieser Summe eingehen. So fah man sich schon jetzt in der Ukraine genötigt, die LandwirtschaftsSteuer von 124 Millionen auf 92 Millionen herabzusehen. Die aftive Handelsbilanz, auf die sich hauptsächlich die Tscherwonez- Währung übt, ist gleichfalls bedroht. Die kürzlich ge hegten Hoffnungen auf die Ausfuhr von 400 Millionen Bud Getreide nach dem Auslande sind zu Wasser geworden. Laut Beschluß der Regierung find jetzt nicht nur alle Außen handelsoperationen mit Getreide, sondern Die Erschütterten. Deutschnationale im Durcheinander. Dem Beobachter der Deutschnationalen Volkspartei zeigt sich ein Bild chaotischer Verwirrung. Wilde Rebellion und innerer Parteikampf rütteln am Gefüge der Partei. Mit grausamer Objektivität stellt die den Deutschnationalen so wohl gesinnte„ Deutsche Allgemeine Zeitung" fest, nachdem sie die undgebungen der deutschnationalen Landesverbände registriert hat: drud gelangt, die Einheit der Deutschnationalen Partei aufrechtzu " Wenn auch in allen diesen Kundgebungen der Wille zum Aus. erhalten, fo läßt doch die fast einhellige Ablehnung der Abstimmungstaktit der Deutschnationalen Reichstagsfraktion durch die Bandesorganisationen, mit Ausnahme weniger, erkennen, daß die Partei innerlich einigermaßen erschüttert ist." Der Kampf um das Wesen der Partei, um die Führung, = Fußnote teilt sie mit, daß Professor Hoeksch einen längeren Urlaub antreten werde, weswegen seine außenpolitischen Uebersichten in der nächsten Zeit ausfallen müßten. Mit der gemeinsamen Weiterarbeit wird es also einstweilen nichts sein und wir erhoffen für die„ Kreuzzeitung", daß Profeffor Hoekschs längerer Urlaub nur der Beginn einer daus ernden Trennung sein wird.“ Noch chaotischer als es in der deutschnationalen Organifation aussehen mag, steht es mit dem geistigen Zustand der Deutschnationalen. Nachdem ein Teil von ihnen einmal die Grenze des starr demagogischen Nein gegenüber der tatsächlichen Außenpotit Deutschlands durchbrochen hat, gibt es für fie fein Halten mehr. Was die Denkenden unter ihnen zur Verteidigung ihrer Stellungnahme anführen, ist die vollendete Rapitulation vor der realpolitischen Einstellung in den außenpolitischen Fragen, die Kapitulation vor der so verlästerten Erfüllungspolitik. 3wei bemerkenswerte Zeugnisse liegen dafür vor. Professor Hoesch schrieb in der„ Kreuz= zeitung": ,, Es soll, so unmögilch auch die Deutschland zugedachten Lasten sind, der Versuch sein, eine wirkliche Lösung wenigstens anzubahnen. Bedeutung und Nachdruck aber erhält er allein durch die Beteili gung der Vereinigten Staaten, also eines Staates und einer Volkswirtschaft, die nicht als Reparationsinteressent dem deutschen Volke gegenüberstehen... Ich habe an meinem Teil nicht die Verantwortung auf mich nehmen wollen, daß das scheiterte, daß die Vereinigten Staaten im Falle der Ablehnung des Dames- Blanes sich Europa wieder abwandten, weil ich jenes amerikanische Interesse doch nicht für so groß und drängend hielt, für so zwingend halten konnte, daß die Union unter allen Umständen hätte Europa kommen müssen. Dieser außenpolitische, dieser weltpolitische Gesichtspunkt hat schließlich meine Entscheidung in erſter Linie bestimmt." " In der Süddeutschen Zeitung" begründet der berg sein Ja mit folgenden Erwägungen: württembergische deutschnationale Abgeordnete v. Stauffen„ Der Entschluß zur Annahme entstand durch die Erkenntnis der furchtbaren jefe unferes Falles, der Erkenntnis, daß die Beit des heroischen Handelns und wahrscheinlich für fehr lange noch nicht gekommen ist, der Erkenntnis, daß wir ganz langsam Schritt für Schritt vorwärts, auch alle Geireidezufuhren nach den Häfen eingestellt um Personenfragen, um die journalistische Vertretung ist voll langfam Stein zu Stein legen müssen, um die Fundamente für die worden. Die Stabilität des Tschernowe, die jetzt nur fünits im Gange. Die Barteileitung hofft, noch 3eit zu gewinnen, 3ufunft zu schaffen. Heldentum eines mehrlosen Bollich aufrechterhalten wird, ist gleichfalls durch die ungünstige Handelsbilanz und das Defizit im Etat bedroht, was wiederum auf das gesamte Wirtschaftsleben des Landes katastrophale Wirkungen ausüben muß. um im Sattel zu bleiben. Sie will in einigen Wochen einen Vertretertag nach Berlin einberufen. Bis dahin hofft fie auf Beruhigung der empörten Geister. Die von den Un entwegien im Lande geforderte Säuberung aber beginnt. Gestern verteidigte Herr Hoesch in der„ Keuzzeitung" feine Stellung aber die Redaktion der Reuzzeitung" rüdt von ihm ab und schickt ihn in längeren Urlaub". Heute gibt ihn die Deutsche Zeitung" einen Tritt obendrein: Die Mißernte wird aber auch einschneidende politische Folgen nach sich ziehen. Die Zusammenarbeit mit der Bauernschaft", die als Grundlage der bolichewistischen Diktatur gilt, ist wieder auf das äußerste gefährdet. Die auf dem flachen Lande herrschende Unzufriedenheit greift auf die Städte über. Die bolschewistischen Führer rechnen bereits mit der Möglichkeit ernster politischer Schwie= rigkeiten in Berbindung mit der Mißernte. Die bäuerlichen Stimmungen, erflärte Sinowjew, dringen auf Taufenden von Wegen in die städtische Arbeiterschaft ein. 3u offenen Bauernaufständen wird es vielleicht nicht fomyten. Das Hungerjahr 1921 hat gezeigt, daß es einen solchen' Grad von Hunger und Berzweiflung gibt, wo für Protest und Kampf tein Raum mehr ist, sondern wo nur ergebenes Hinsterben möglich erscheint. Aber die Krise der bolschewistischen Diftatur, die in inneren Parteifämpfen und im Kampf der Cliquen um Lenins Erbe ihren Ausdruck fand, wird zweifel- träglich finden". Trotzdem glaubt Professor Hoeksch gerade des los durch die Mißernte und ihre Folgen verschärft werden. Die in letzter Zeit hervortretenden oppositionellen Stimmungen bei den Arbeitern, Studenten und Sowjetbeamten meiden sicherlich neue Antriebe erhalten. Die Angst vor diesen Folgen erklärt zu einem wesentlichen Teil die fieberhaften Anstrengungen der Sowjetregierung auf dem Gebiete des Kampfes gegen die drohende Hungersnot. Aber bei Aufrechterhaltung ihrer allgemeinen Wirtschaftspolitik und ihrer terroristischen Diktatur ist die SowjetMütter. Bon Erroed. Durch die trüben Fenster des Gerichtssaales dringt talt wie die Gerechtigkeit das Licht eines Herbstmorgens, Der öde Raum atmet Starre und Nüchternheit, die jeden Schrei nach Erbarmen grausam erstiden. Die schmudlosen Möbel schmerzen in berechneter Symmetrie. Wie ein breites, leeres Gähnen liegt es über allem. Die Anklagefchrift wird verlesen. Die Worte flingen wie das Rauschen eines Flusses. Nur manchmal heben sich schneidend Baragraphen ab, flettern über den gelben Tisch des Vorsitzenden, schreiten grinfend an der blassen Frau auf der Anklagebant vorbei und stellen sich schwarz und drohend ganz hinten im Saale an der weißen Wand auf. Die Angeklagte fist hifigs, in sich zusammengefunten. Mit fremben Augen, als fähe sie die Ferne, streift sie den Vorsitzenden. Es liegt etwas Erschütterndes über ihrer dürftigen Gestalt. ftummer Ergebenheit hält sie die Hände verschlungen, durch deren graue Haut fich die harten Striche der Arbeit ziehen. In graue Haut sich die harten Striche der Arbeit ziehen. Und doch sind diese Hände schön. Ihr Gesicht ist unbepegt. Nur um den Mund zudt hilfloses, stummes Schluchzen, wie Scham. In ihrem Kopf arbeiten schmerzend die Gedanken. An alles denkt sie, an die Nachbarin, die ihr die Adresse gab, an ihren lungentranten Mann, an ihre beiden Kinder, für die sie arbeitet. Ja, warum hat sie es eigentlich getan? Dumpf fühlt sie, daß es nicht schlecht sein fonnte. Sie befinnt sich auf den Arzt, der ihren Mann und ihre beiden Kinder behandelt, der ihr von der Berantwortung der Eltern, vor allem der Mutter für die Kinder sprach, von der Gefahr der Ansteckung bei Tuberkulose, die alles, was fie liebt, Mann und Kinder, bald sterben lassen wird. Die im Krampf fpringen die Gedanken durch ihr Hirn. Sie dentt an ihre furze Krankheit, an die Anzeige und die Qual des Bächons, wenn ihr Mann ihr sagt, daß er feine Schmerzen mehr hätte und bald wieder für sie arbeiten wird. Und immer wieder zucken die Worte des Arztes durch ihr Bewußtsein, daß er bald Sterben muß. Bar es denn so schlecht, daß sie das Ungeborene vor allem bewahrte? Sie zittert. Wird man sie von ihrem Mann, von ihren Kindern trennen? Ihr Blid wird groß und weit, so tief wie ein Schrei um Erharmen für ihre reine Mutterliebe, die schmerzvoll und start, von der Not waschungen, den eigenen Weg der Befreiung ging. In der Kreuzzeitung" behandelt der Verfasser der allwöchent lichen außenpolitischen Uebersicht Professor Dr. Hochsch, in fehr langen Ausführungen das von ihm dem Londoner Abkommen erteilte" Ja". Da der innenpolitische Rundschauer der Kreuzzeitung", Graf Westarp, der bekanntlich mit" nein" gestimmt hat, am 30. August in der Zeitung einen ganz entgegengesezten Standpunkt scharf vertreten hat, befürchtet Professor Hoesch, ein ,, oberflächlicher Betrachter, ein Gegner, würde das unmöglich nennen, verlachen, zunächst auch gegen uns ausnuten, und mancher treue Parteifreund würde das bellagen und schwer er. halb mit Graf Westarp gemeinsam weiterarbeiten zu wollen und zu können. 10 Die Wir glauben, nicht nur„ oberflächliche Betrachter und Gegner" werden eine andere Auffassung vertreten, zumal Professor Hoetzsch feine Stellungnahme eigentlich genau begründet wie die Regierungsparteien. Schriftleitung der Kreuzzeitung" scheint unsere Ansicht zu teilen. In einer Vorbemerkung erklärt sie ausdrücklich, an ihrem eigenen verurteilenden Standpunkt der Abstimmung festzuhalten, und in einer „ Die Angeklagte ist geständig, gegen den§ 218 verstoßen zu haben," die eintönige Stimme verliert sich wieder. Sie hatte ja bei der ersten Bernehnung schon gesagt, daß sie, von der Angst getrieben, alles getan hätte, von der heißen Angst, daß dieses Kind, wie das letzte, schon nach wenigen Monaten an der unerbittlichen Krankheit sterben müsse. Mit zitternden Händen wischt sie sich den Schweiß von der falten Stirn. Sie Stimme flingt immer weiter und bricht dann plötzlich mit einer Frage ab. Sie soll noch etwas sagen. Aus ihrer Kehle würgt sich ein trodenes Schluchzen. Ihr Körper schüttelt sich im Krampf und die stumpfe Angst hält sie mit festen Striden umschlungen. Wie im Zwang neigt sie den Kopf.. Die Stimme erhebt sich wieder. Dann tritt tiefe Stille ein. Sie hört nur noch dumpf ihr Herz schlagen. Sie möchte es aus ihrer Brust reißen und in ihre beiden Hände nehmen, damit alle sehen, daß sie nicht schlecht ist. „ Sechs Monate Gefängnis unter Zubilligung mildernder Umstände," alles andere versinkt wieder, wird von der Dede des Raumes verschlungen. Bor ihren Augen tanzen feurige Kreise. Blutige Nebel um. wallen sie, aus denen wie in weiter, weiter Ferne schemenhaft Mann und Kinder auf sie herabsehen. -" Strafaufschub." Das Wort flingt wie eine Dissonanz der Menschlichkeit. Langsam, als trüge sie eine schwere Laft, wankt sie hinaus. Der weite Saal ist leer. Aus dem Bündel Akten auf dem Der gelben Tisch des Vorsitzenden steigen Menschenschicksale. Reigen der schmerzvollen Mütter tanzt mit dem§ 218 die Gefängnisquadrifle, und auf dem Strafgesetzbuch sizt ein grinsender Zwerg, der mit dürren Händen die Menschlichkeit zerbricht. Deutsche Aerztinnen in London. Auf dem zweiten Kongreß der Internationalen Aerztinnenvereinigung, der in London tagte, haben jetzt zum ersten Male auch deutsche Werztinnen teilgenommen. Die 1919 auf Anregung einer amerikanischer Aerztin gegründete Bereinigung hatte schon zu ihrer ersten Tagung 1919 nach Genf die deutschen Kolleginnen eingeladen, diese hatten aber wegen der schlech ten Geldverhältnisse abgelehnt. Die etwa 17 000 in den zivilifierten Ländern feststellbaren Aerztinnen, von denen etwa 7000 organifiert find, wollen, wie die„ Deutsche Med. Wochenschrift" berichtet, in der Bereinigung rein menschliche Ziele verfolgen und sich gegen seitig fördern, unter Ausschluß politischer und tonfessioneller Fra gen. 16 Länder aus vier Erdteilen waren auf dem Londoner Kongreß vertreten. Im ganzen hat Deutschland annähernd 2000 Aerzfinnen gegen 6000 in Rußland, 5000 in den Bereinigten Staaten, 2000 in England, 1200 in Südamerika, 300 in Frankreich. In London waren 350 Aerztinnen auf dem Kongreß, der in der Kgl. Ge= sellschaft der Medizin togte. Die Türkei vertrat ihre erste seit einem Jahre niedergelassene Aerztin Safieh Ali, die in Deutschland studiert tes ist Selbstmord; seine Waffen sind Anpassung und eine Art von Klugheit, die für die durch die Erinnerung und die Macht Verwöhnten unsympathisch und unerfreulich erscheinen." Das ist die vollständige ideelle Kapitulation vor den Gea dankengängen der Erfüllungspolitik. Die Macht der politischen Tatsachen hat die deutschnationale Ideologie zerrieben. Die geistige Krise, in die die Deutschnationalen nun geraten, ist vielleicht noch schwerwiegender wie die organisatorische. Wenn inzwischen die Kreuzzeitmg" wieder mit den alten Redensarten vom Versflavungsprotokoll" haufieren geht, und das üble Handwerk wieder aufnimmt, die deutsche Außenpolitit nach Kräften zu durchkreuzen, so darf man wohl fragen, ob es noch einen Menschen gibt, der das für ehrlich nimmt. " Die Krise der Deutschnationalen wird verschärft durch die Ronkurrenz der Völkischen, die ihnen nichts schenken. Herr Graefe sagt ihnen in der Mecklenburger Warte": " Bein Wort schmerzlichster Empörung ist hart genug, um die Rläglichkeit derjenigen zu brandmarken, die bis fünf Gefunden vor der Abstimmung den scheinbar überzeugtesten Kampf gegen das zweite Versailles" führten, um dann doch bei der Abstimmung gerade so viel Leute abzukommandieren, daß es zustande tommen mußte... Auch mögen die 50 Prozent Starfgebliebenen" ja nicht in Heldentum pofieren, namentlich nicht die sogenannten Führer; denn es ist befannt, durch welche plan= mäßige Bearbeitung seitens erfüllungsfreudiger Experten die Frattion in ihren Sizungen geradezu topfscheu gemacht worden ist; dafür fiind in erster Linie die Führer, also die Herren Hergt, v. We starp usw. verantwortlich, die dadurch nicht etwa weiß ge waschen werden, daß sie sich selbst als Ablehner herausgestellt haben, hat. Außer Sagungsberatungen ftand nur ein Gegenstand zur Er örterung: Die Ursache und Verhütung der Krankheiten der Mütter. Dazu sprach Frau Dr. Heusier über Erfahrungen über Eflampfie zur Zeit der Hungerperioden in Deutschland und über Bisher nicht beachtete Ursachen des Kindhettfiebers und deren Verhütung". Beide Berichte führten zu lebhaften Aussprachen. Besonders warm par der Empfang der Deutschen in dem historisch interessanten. Lambeth Palace des Erzbischofs von Canterbury. Der Glanz eines Riefendiners im Trocadero, das der englische Aerztinnenbund gab, hätte die Deutschen bebrüden müssen, wenn nicht die verschiedenen Tischreden, auch von„ feindlicher" Seite, immer wieder die Genugtuung ausgesprochen hätten, auch Deutsche dort begrüßen zu können. Auf dem Wege zur Einheitsfurzschrift. Auf Veranlassung des Reichsministers des Innern, der die Bemühungen auf Schaffung einer newen deutschen Einheitsturzschrift nicht aufgegeben hat, befaßte sich das preußische Staatsministerium erneut damit und beschloß, dem Entwurf vom Juli 1920, bem damals das Reich und alle Länder außer Preußen zugestimmt hatten, umehr auch die Zustimmung zu erteilen. Das geschieht unter der Voraussetzung, daß auch alle anderen Länder bei ihrer Zustimmung bleiben, und daß ferner fpätestens bis zum 20. September d. 3. dieser Entwurf als von allen Ländern anerkannte Einheitsturzschrift in Kraft tritt. Amerikanische Wahlbeteiligung. Auch in den Bereinigten Staaten scheint die Partei der Nichtwähler die größte der Parteien auszumachen. Bei der letzten Präsidentschaftswahl, der von 1920, haben von 54 420 000 ftimmberechtigten amerikanischen Bürgern, eingeborenen und naturalisierten, nur 26 674 000, also taum 50 Prozent, von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Der Prozentsatz der Nichtwähler hat sich in dieser ältesten der bestehenden Demotratien in den letzten Jahrzehnten immer mehr verstärkt; betrug 1896 die Wahlbeteiligung noch 80 Broz., fo ging fie 1900 auf 73 Broz., 1908 auf 66 Broz., 1912 auf 62 Broz. und 1920, wie schon bemerti, auf faum 50 Broz. zurüd. Die eingeborenen Amerikaner fcheinen dabei, die schlechtesten Wähler. zu sein; gab es doch 1920 gegen 21 Millionen in den Bereinigten Staaten geborene Amerikaner mehr, als Stimmen bei der Präsidentschaftswahl damals abgegeben worder find. Dieser Wahlträgheit abzuhelfen, ist jetzt eine überparteiliche Organisation für die Mobilisierung der Nichtwähler ins Leben gerufen. Db's helfen wird? Boris Godunow, die genial- volkstümliche Oper Mussorgstis, früber in Rußland eines der populärsten Werte, hat auch bei uns sich start eingebürgert. Die Boltsoper hat sie daher mit Recht neueinstudiert und und bot sie gestern in ihrer stimmungsvoll- originellen Inszenierung und in der hervorragenden Besetzung der früheren Aufführungen einem dankbaren Publikum. Berta Maltin und die übrigen wirften in gleicher Weise an dem schönen Leo Schupendorf, Hendrik Oppels, Hermann Niffen, Erfolg mit. Die musikalische Leitung hatte Stapellmeister Dobrowen, der das speziell Russische besonders herausholte. Sumurun in London, Das Deutsche Theater ist eingeladen worden, mit der Pantomime„ Sumurun" in London zu gastieren. Vorher finden Ausfahrungen der Pantomime in Berlin statt. Upton Sinclair in Mostau. Der amerikanische Romanschriftsteller Upton Sinclair begibt sich demnächst nach Moskau, um Studien für sein neues Buch über Rußland zu machen. mie denn überhaupt die Nein- und Ja- Sager sehr peinlich nach der Eigenart ihrer Wahlkreise verteilt worden zu sein scheinen." Der„ Bölkische Kurier" in München aber überschüttet fie mit beißendem Hohn: Ob Bethmann- Hollweg oder Hergt, ' S ist ganz dasselbe, wie man merft! Marr- Stresemann werden den Deutschnationalen doch sicherlich nur den Preis zahlen, den sie wert sind. Der ist leicht zu er rechnen. Ran der 106 Mitglieder starken Fraktion haben 102 abgestimmt; von diesen 48 mit" Ja" und 54 mit„ Nein". Es ist doch selbstverständlich, daß die" Ja" und die„ Mein"-Stimmen im Betrage von 48 sich gegenseitig aufheben. Bleibt ein Saldo von 6 Abgeordneten, die mit„ Mein" gestimmt haben. Und für diese 6 Abgeordneten, die gegen Mart- Stresemann geftimmt haben, beanspruchen die Deutschnationalen nicht weniger als vier Ministerposten. Soviel foftet nämlich das von den Deutschnationalen veranstaltete Regiekunststückchen, wenn die andere Vertragspartei so harmlos ist, den Preis zu zahlen. Wir würden uns aber nicht wundern, wenn diese sagen würden:„ Auf einen Schelm anderthalbe! Eure fleine Erpressung Eure fleine Erpressung ging wider die guten Sitten; das Abkommen ist nichtig!" Diese erschütterte Partei, deren ideelle Grundlagen durch den Gang der Geschichte zerbrochen worden sind, die sich in innerer Birrnis befindet und über deren moralische minderwertige Haltung in entscheidender Stunde mur ein Urteil in der Deffentlichkeit ist diese Partei drängt zum Bürgerblod, um die Geschicke Deutschlands zu lenken. Wer will sich mit ihr ins Bett legen? Am Ende der Herrlichkeit. Bekenntnisse einer schönen kommunistischen Seele. Wenn man die fommunistische Presse liest, dann hat man den Eindruck, als wäre die kommunistische Bewegung in einem unaufhaltsamen und unwiderstehlichen Vorwärtsdrängen. Die nach dem Organisationssystem der sowjetrussischen Presse von feinem fommunistischen Redakteur geduldet wird, daß er an der eigenen Partei und ihren Aktionen irgendwelche Kritik übt, so besteht die politische Aufklärung" in den Spalten der fommunistischen Blätter lediglich in einem dauernden„ Brandmorten" aller anderen, insbesondere der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie. Auch die" Rote Fahne", die soeben nach mehrwöchigem Berbote wieder erschienen ist, setzt diese bewährte Tätigkeit in erschreckender Langeweile fort. Nur gelegentlich kommt in einem halb oder ganz fommunistischen Organ wenigstens die halbe Wahrheit zum Vorschein. Da wird jetzt z. B. für die„ revolutionären Betriebsräte" eine Zeitschrift Arbeiterrat" herausgegeben, in deren Nr. 12 wir einige intereffante Geständnisse finden. Zunächst wird darüber geflagt, daß in Köpenick ein„ organisierter Ueberfall" des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold auf eine fommunistische Berfammlung stattgefunden habe: ,, Man bedenke, es ist seit Jahren nicht in Berlin vorgekommen, daß es irgend jemand gewagt jätte, eine fommunistische Bersammlung sprengen zu wollen. Und wer diesen Ueberfall auf die Käpenider Bersammlung mit oberflächlichen Bemerkungen obtun wollte, würde sehr schlecht tun; denn er würde übersehen, daß dieser lleberfall etwas für die je gige Situation Rennzeichnendes ausdrückt." Unsere Leser wissen, daß es sich damals nicht um einen ,, Ueberfall" handelte, sondern um das berechtigte Berlangen von Reichsbannerleuten, in einer Versammlung, in der die Kommunisten über das Reichsbanner sprechen wollten, selbst zu Worte zukommen. Sie wissen ferner, daß der kommunistische Redner selbst den An griff auf die Reichsbannerleute eröffnete und daß im Verlauf dieser Auseinandersetzungen die Kommunisten tatsächlich den fürzeren zogen, so daß sie selbst die Polizei zu Hilfe riefen. Das war allerdings für die Kommunisten in Berlin ein ganz ungewöhnliches Schicksal. Bis dahin hatten sie nach ihrem Bedarf je de Versammlung zu sprengen gesucht, hatten sozialdemokratische und andere Redner und Versammlungsbesucher auf das schwerste körperlich mißhandelt, um dadurch ihre geistige Ueberlegen heit" zu hemeisen Jezt ist ihnen dieses Verhalten zum erstenmal gründlich mißglüdt und nun müssen sie beschämt zugeben, daß das etwas für die jezige Situation Kennzeichnendes" fei. In dem erwähnten Arbeiterrat" werden aber noch weitere Geständnisse dieser Art gemacht: „ Eine andere Tatsache, die zu bedenken gibt: Am Tage der Feier der Verfassung" hat die revolutionäre Arbeiterschaft zur Gegendemonftration viel weniger Arbeiter auf die Beine gebracht als die SPD. und die Gewerkschaftsbureaukratie. Eine andere Tatsache: Die revolutionäre Arbeiterschaft hat in den letzten Wochen und Monaten sehr viele Positionen in den Gewerkschaften verloren. Orisverwaltungen, die in unserer Hand waren, wurden von den Amsterdamern zurüderobert... Nun will der„ Arbeiterrat" das Bersäumte nachholen. Er will den kommunistischen Einfluß bei den Arbeitern wieder stärken, der im Erlöschen begriffen ist. Zu dem 3wed weiß er allerdings feinen anderen Weg, als daß sich die Kommuvisten, insbesondere die von den Gewerkschaften ausge schlossenen, wieder an die Gewerkschaften heran drängen Neue Häuser. Beit draußen im Westen baut man neue Häuser. Hier starrten Balfen gen Himmel, an die nackten Wände prallte frischer Wind, traurig gähnten die Fensteröffnungen in die Landschaft Zwischen Steingebält spielten Kinder in Lehm und Sand. Ein werfleerer Sonntagnachmittag vor werdenden Häusern stimmy philofophisch... der Drehbank stehen, Steine flopfen? Frauen, die heute noch im Wer wird wohl einziehen? Männer, die Kohlen schaufeln, an Her Drehbank stehen, Steine klopfen? Frauen, die heute noch im engeren, düsteren Zimmer elender Mietstasernen forgende Mutter sein sollen? Bleiche. Kinder, die jetzt der Mangel an Licht, Luft, Sonne, Freiheit fiechen läßt? Werden auch sie einziehen dürfen? Kaum wird das so sein. wird hier nur Edles gedacht, Liebes gejagt, Gutes getan werden? Wird in den neuen Häusern auch ein neuer Geist sich bilden? Wind Werden die Herzen der Menschen fich weiten? Raum wird das so sein. Die neuen Häuser allein bringen das Glück gewiß nicht, nicht bei den Besitzenden und nicht bei den Armen. Aber sie sollen ums Mahnung sein, über dem einen das andere nie zu vergessen. Neue Häuser, neue Menschen das eine: einer von vielen Wegen, das andere: das einzige Ziel. Mit einer halben Million geflüchtet. Das„ Ehrenwort" des russischen Obersten. Nach Unterschlagung von Papieren im Werte von 500000 Mart ist der russische Oberst Theodor Strinitoff geflüchtet. Str. wohnte mit Frau und Kind in einer Benfion in der Luitpoldstraße. Er spielte geschicht den miljardär und ließ durchblicken, daß ihm ungeheure Eummen zur Verfügung stünden, die er deutschen Industriewerfen zur Verfügung stellen wolle. Um die Sache noch glaubhafter zu machen, gab er tatsächlich einige fleinere Darlehen. Da meldete sich ein Industrieller, der von dem reichen Geldgeber gehört hatte und zur Ausbeutung seines Unternehmens die für den Großfapitalisten aus Rußland unbedeutende Summe von 750 000 m. benötigte. Als Gegenwert gab er Industriewertpapiere, die nach dem Kurs einen Wert von mehr als einer halben Million darstellten. Ein geringfügiges Darlehen erhielt er als Vorschuß, die Hauptfumme follte in menigen Tagen aus Rußland eintreffen.. Aber der Himmel ist hoch und Rußand ist weit. Der Industrielle wartete von Lag zu Lag auf fein Geld, das immer noch nicht eintreffen wollte. Der Herr Oberst fand es selbst unbegreiflich. Endlich verlor der Industrielle die Geduld und forderte seine hinterlegten Papiere zurüd, während er zugleich das ihm gewährte geringe Darlehen zurückzahlte. Der ruffische Herr Oberst verpflichtete fich schriftlich auf Ehren wort", zu einem bestimmten Termin dem Industriellen die Papiere zu übergeben. Doch dazu fam es nicht, denn der Gauner war gerfchwunden. Frau und Kind hatte er ohye Mittel fißen Iaffen. Die Kriminalpolizei nahm auf die Anzeige des Industriellen hin die Ermittlungen auf und stellte fest, daß Sfr. die erhaltenen Wertpapiere in einer russischen„ Bank" zum Verkauf an der mültig dem Industriellen als Borschuß gegeben. Den übrigen Erlös Börse übergeben hat. Den erhaltenen Borschuß hatte Str. großbaß Str., der mit internationalen Papieren ausgerüstet ist, ver hatte er eingeſtedt und damit das Weite gesucht. Es ist anzunehmen, fuchen wird, in das Ausland zu flüchten. Mitteilungen, die zur Ergreifung des Gauners führen und auf die eine Belohnung von 10 000 m. ausgefeßt ist, nimmt Kriminalkommissar Ranthad im Bolizeipräsidium, Zimmer 15, Hausa ruf 533, entgegen. Die Abbauer in Berlin- Mitte. Y Auch im Verwaltungsbezirk Berlin- Mitte sehen die Bürgerlichen voll Ungeduld dem Augenblic entgegen wo fie selbstverständlich nicht einen ihrer eigenen Leute, sondern einen das Bezirksamt abbauen tönnen. Abbauen wollen ste Sozialdemokraten, den Stadtrat Genoffer Jüllich. In der gestrigen Sitzung der Bezirksversammlung stand die Abbaufrage auf der Tagesordnung, aber die Verhandlung follte nicht öffentlich sein. Stadtrat Jüllich mar erst am Morgen desselben Tages zu einer Aeußerung aufgefordert worden, die man noch bis zum Nachmittag in Händen haben wollte, damit am Abend der Atbau losgehen fönnte. Zu ihrer unangenehmen leberraschung faben die Bürgerlichen, daß die Sigung von ihren Leuten nicht start genug besucht war. Die Herrschaften maren mohl noch nicht alle von der Sommerreife zurüdgefehrt. In maren mohl noch nicht alle von der Sommerreise zurückgekehrt. In folchem Fall mocht man die Versammlung beschlußunfähig, indem man vor der Abstimmung den Saal verläßt. Die Bürgerlichen warteten hiermit nicht bis zur Abbaudebatte, sondern suchten schon in verlassen. Sie bot sich ihnen bei einem von der sozialdemokratischen ter öffentlichen Eizung eine Gelegenheit, entrüstet" den Saal zu Fraktion gestellten Antrag, der sich gegen eine Eigenmächtigkeit des Stadtrats Dr. Voigt richtete. Dieser Herr hat schon öfter gezeigt, daß er für sein Amt ungeeignet ist. Ihn abzubauen, wäre das Bernünftigste. Unsere Genossen griffen ihn heftig an und die Bürgerlichen mühten sich, ihn zu verteidigen. Sie stellten den Antrag, die Angelegenheit an die Baubeputation zu überweisen. Vor der Abstimmung verließen sie dann den Saal und Sie erreichben hiermit baß die Sigung wegen Beschluß unfähigkeit abgebrochen werden mußte. Zur nächsten Sizung wollen sie ihre Kräfte beffer sammeln, um den geplanten Streich ausführen zu fönnen. Fahnenweihe im Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold. # Als erste von den Berliner Kameradschaften des Reichs banners Schwarz- Rot- Gold" weihte die Kameradschaft Ber lin- Mitte gestern abend im Saalbau Friedrichshain ihr neues Banner ein. Der große Saal war festlich geschmüdt. Bon aller Seiten grüßten die Farben der Republit. Auf der Bühne leuchtet aus buntlem Blättergrün den Anwesenden der Reichsbannergruß Frei heit" entgegen. Im Auftrage der Abteilung Berlin- Mitte begrüßte Kamerad Rahl die zahlreichen Gäste und betonte, daß der geringen zur Verfügung stehenden Mittels einen würdigen und ausgebie Rameradschaft Mühe und Arbeit nicht gefchont habe, um mit harmonischen Berlauf der Fahnenweihe zu sichern. Die Verlefung des Begrüßungstelegramms des Reichspräsiden ten wurde mit Beifall aufgenommen, Unter den Klängen der Mufit marschierte die Fahnenabteilung in den Saal und nahm auf der Bühne Aufstellung. Während die Kameradschaften das Bannerlied" fangen, fiel die schwarze Hülle von dem schwarz- rotpädagogischen Fähigkeiten des Freiherrn erhoben. Bon seiten unserer Buckower Genossen waren wir auf die sonderbaren Erziehungsmethode dieses bjerrn aufmerijam gemacht worden. Alle unsere Einwände und Bedenken rannten aber die bürgerliche Mehrheit nicht überzeugen und wurde ihm das Institut gegen unseren Willen verda padytet, ba ia der Bürgermeister Dr. Mirth die glänzendsten Ausfünfte in Budors über diesen sonderbaren Jugenderzieher erhalten hatte. Unserer Meinung nach ist die Schulaufsichtsbehörde at diesen skandalösen Zuständen nicht ganz unschuldig, denn schon vor Jahresfrist wurde der Kreisschulrat darauf hingewiesen, was hier die Spazen von den Dächern pfeifen, allem Anschein nach ist er aber nicht mit der nötigen Energie vorgegangen. Bemerken möchten wir noch, daß der Magistrat schon vor ungefähr fünf Wochen auf Antrag unseres Fraktionsvorfigender Strafantrag bei der Staats. anwaltschaft gestellt hat." „ Nicht eintreten!" Raffiniertes Arbeiten zweier Hoteleinbrecher. Swei gemeingefährliche Hoteldiebe standen wegen fortgesetzten Diebstahls, zum Teil auch im Rückfalle, in dem Kaufmann Georg Roßkopf und dem Koch Walter Schneider vor dem großen Schöffengericht Berlin- Mitte. Neben ihnen saßen drei ihrer Bräute wegen Beihilfe, bzw. Hehlerei auf der Anklagebank. In dem Hotel Fürstenhof am Potsdamer Platz wurden von Juni v. J. bis zum Frühjahr dieses Jahres zahlreiche Diebstähle verübt, ohne daß es gelang, den Tätern auf die Spur zu kommen. holländische Großindustrielle. Fast immer wurden die Diebstähle in Die Opfer waren meistens Ausländer, darunter Diplomaten und der Weise ausgeführt, daß die Koffer in den Hotelzimmern felbft aufgebrochen wurden oder die Spigbuben das Gepäd mitnahmen und zu Hause dann entleerten. Endlich glückte es, den Roßkopf feftzunehmen, als er gerade einen wertvollen Pelz verkaufen wollte, der furz vorher aus dem Hotel gestohlen worden war. Wie sich ergab, liere in den Vorräumen des Hotels aufgehalten und beobachtet, hatten sich die beiden Freunde unauffällig als Ravawann die Opfer fortgingen. Roßtopf war in sehr raffinierter Weise vorgegangen, denn er schloß sich in den Zimmern ein, und wenn jemand anklopfte, so rief er laut in barschem Tone:„ Nicht eintreten, ich ziehe mich gerade um. Vor Gericht spielte er den wilden Mann und erging fich in wüsten Schimpfereien. Das Gericht hatte jedoch keinen Zweifel, daß er nur Komödie spielte und der geistige Leiter der Diebstähle gewesen ist. Es verurteilte ihn zu 3 Jahren, 6 Monaten Zuchthaus, 8 Jahren Ehrverlust und der Zulässigkeit der Polizeiaufsicht. Schneider erhielt wegen gewerbs= mäßiger Hehlerei 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Die drei weiblichen Angeklagten famen mit je 6 Monaten Gefängnis davon. Teils wurde diese Strafe als durch die Unterfuchungshaft für verbüßt angesehen, teils erhielten die Angeklagten Bewährungsfrist. Das Verfahren gegen Dr. Achelis eingeftelit. die Hauptverhandlung gegen den Privatdozenten Dr. Achelis vor Entgegen anders lautenden Meldungen, die für diesen Monat dem Potsdamer Landgericht ankündigten, erfährt die BS.- Korrespondenz, daß das Verfahren gegen Dr. Achelis von der Staatsanwaltschaft in Potsdam eingestellt worden ist. Wie erinnerlich, war dem Privatdozenten u. a. der Barwurf gemacht worden, daß er den Sohn eines Kapitän a. D. F. 8 Wochen lang hypnotisch geblendet und seine Beziehungen zu ihm für seine persönlichen Zwecke ausgenutzt habe. Auf Grund der von der Staatsanwaltschaft eingeforderten Sachver Lage, gegen Dr. Achelis wegen dieser, durch die Gutachten anständigen- Gutachten sah sich aber die Staatsanwaltschaft nicht in der scheinend entfräfteten Borwürfe vorzugehen. Soweit Dr. Achelis aus dieser Angelegenheit andere Straftaten zur Last gelegt werden, find diese bereits von der Staatsanwaltschaft Potsdam an die zuständigen Gerichtsbehörden abgegeben worden. Eine Eifersuchtstragödie im Tigerkäfig. In der Montag- Abendvorstellung des Zirkus Krone ereignete sich bei der Vorführung der Tigergruppen ein aufregender Zwischenfall. In der von dem Dompteur Bendig vor. geführten Tigergruppe befinden sich zwei Tigerinner, namens Rania und Delia im Alter von zehn und drei Jahren. Beide sind in einen riesigen vierjährigen Tiger Bar" verliebt. Delia, die jüngere, schien sich an dem Abend mit ihrem Schatz zu sehr beschäftigt zu haben, ein Umstand, der die Eifersucht Ranias erregte. Denn plötzlich stürzte gefährliche Beißerei im Gange. Die Lage wurde für den Dompteur fich Rania mit einem Mutgeheul auf Delia und im Nu war eine bedrohlich, da auch die anderen zwölf Tiger unruhig wurden, aber seine Saltblütigkeit und die für derartige Fälle immer bereitstehende Bitlusfeuerwehr machte der Eifersuchtsszene ein Ende. Eine„ Erste Berliner Kolonialwaren- Messe" wurde in der " Neuen Welt", Hafenheide, in Gegenwart von Vertretern der Be= hörden, der Preffe und der Berliner Handelskammer eröffnet. Die großen Säle find mit den tausenderlei Dingen angefüllt, die die Hausfrau beim„ Kaufmann" zu holen pflegt. Neben den reinen Rolonialwaren wie Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze sieht man die einheimischen Erzeugnisse, wie Mehle, Hülsenfrüchte, Zucker, KonFerven, Bad- und Buddingpulver, Gebäd, Honig, Teigwaren, Kaffee- Ersatzmittel, Butter, und Käse, Margarine, tondensierte Milch, Nährmittel. Speiseöle, Essig, Fruchtsäfte, Weine, ferner auch Seifen, Putz- und Waschmittel usw Daneben aber auch Hauptanziehungspunkte für die Fachkreise, wie Ladeneinrichtungsgegenstände, Wagen, Porzellan- und Glaswaren. Die Messe ist heute Dornerstag, den 4. September, und Freitag, den 5. September, von morgens 10 Uhr bis abends 10 Uhr für den allgemeinen Berkehr geöffnet. Mit der Messe verbunden sind große Tagungen der beteiligten Berufsverbände. Die Ueberschwemmung am Niederrhein. Mittwoch weiter gestiegen und nahm gefahrdrohenden Charakter an, Das Hochwasser in Mühlheim ist in der Nacht zu weshalb in der Nacht Wachtdienst eingerichtet wurde. Die Kahlenbergbrücke wurde durch Polizei gesperrt. In den Baugruben der Kraftwerte am Kahlenberg und bei Raffelberg hat das Wasser großen Schaden angerichtet. Auch ist durch die lleber „ Gerade in dieser Situation... müssen wir uns eng an die Massen der Arbeiter herandrängen. Wo ein Gewerkschaftsbureaukrat spricht, muß einer von uns da sein, der antwortet. Wo ein Gewert chaftsbureaufrat den Kampf zur Tragung der Lasten durch die ArLeiterschaft organisiert, müffen wir da sein, um den Kampf goldenen Tuch. Der Festredner, Kamerab' Ro ch, gedachte in feinen schwemmung mit einer größeren Unterbrechung in den Arbeiten zu gegen die Laften zu organisieren." Deshalb gilt für den Arbeiterrat" die Parole der Rommunistischen Internationale: hinein in die Gemert schaften zur Mobilisierung der Arbeiter, zur Tötung des Einflusses der Amsterdamer!" " 1 " 1 Deutschland könne nur groß und start werben, wenn die deutschen Männer freie Männer find. Heute weihen wir unsere erfte Fahne ein. Wir tun es in dem Bewußtsein, daß wir um dieses Banner alle diejenigen scharen werden, die gewillt find, für Freiheit und für Recht zu kämpfen und zu sterben.( Brausender Beifall.) Die Vorgänge im Lükowschen Pädagogium. Schüler, die teils in Budom, teils in 3ossen die Anstalt beAuf die Preffeveröffentlichungen haben sich jetzt auch viele fuchten, gemeldet. Auch Lehrer, die meist nur furze Zeit angestellt waren, haben sich als Zeugen zur Verfügung gestellt. Sie alle er heben gegen die Erziehungsmethode Cinspruch und belasten Dr. D. Lützow start. Gestern fand im Schöneberger Rathaus eine Elternverfammlung statt. Eigentümlicherweise wurde dabei aber einem Berliner Jugendpfleger, der seit Jahren als solcher tätig ist und sich auch als Pfleger auswies, der Zutritt nicht geMan weiß also, was die Kommunisten beabsichtigen, wenn fie fich wieder zur Aufnahme in den Gewerkschaften melden, aus denen sie wegen ihrer zerstörenden Tätigkeit ausgefchloffen worden sind. Man weiß auch, was die kommunistischen Gegenredner mit ihren von der Zentrale gelieferten Manuskripten beabsichtigen, menn fie gegen Gewerkschaftsbureau fraten und Reformisten" zu Felde ziehen. Ihr Einfluß auf die Arbeiterschaft ist längst im Absterben begriffen. Daß es noch einmal gelänge, ihn wieder aufzupumpen, ist höchst unwahrscheinlich. Unsere Genossen ersehen aus dem trauernden Eingeständnis des„ Arbeiterrat", welchen Erstattet. folg fie haben können, wenn sie sich gegen die kommuniftischen Störenfriede überall mit der gleichen Energie zur Wehr sehen. Dann wird der Sput bald ganz überwunden sein! Die fozialdemokratische Stadtverordneten frattion in 3ossen teilt uns mit:„ Schon bei der Ueternahme des Landes erziehungsheims durch den" Freiherrn Dr. von Lükom wurden seitens der Fraktion schwere Bedenten gegen die rechnen. Herdecke meldete, daß am dortigen Begel der Wasserstand um 5 Uhr drei Meter betragen hat, das Wasser aber anscheinend zum Stehen gekommen ist. Opfer der See. Im sogenannten Bremer Tief bei Geestemünde hat ein Unglücksfall drei Menschenopfer gefordert. Der Fischer Wilhelm Janzen befand sich mit seinen fieben und neun Jahre alten Söhnen in einem Boot, welches vom Eturm zum Kertern gebracht wurde. Der Vater versuchte, se ine zu gewinnen. Wenige Meter vom Ufer entfernt ging er jeboch Kinder im Arm haltend, schwimmend das Land unter und ertrant mit feinen Söhnen vor den Augen der zur Rettung herbeigeeilten Leute. Schweres Bauunglüd in London. Im Stadtteil est minster brach gestern nachmittag ein im Bau befindliches Gebäude Trümmern. Acht vor ihnen wurden schwer, die übrigen leicht zusammen und begrub dreizehn Arbeiter unter seinen verletzt. der Bundesbahnen bringt eine Abkürzung der Fahrzeit Berkürzung der Fahrzeit Wien- Berlin. Der Winterfahrplan von Wien nach Berlin um drei Stunden zehn Minuten und in der Gegenrichtung Berlin- Wien um zwei Stunden vierzig Minuten, . Gewerkschaftsbewegung des Machwerks, daß die gegnerischen Berbände mit dem Bühnen. Tarifkampf der Berliner Theatermusiker. In den Berliner Theatern, die auf die Mitwirkung eines Dr chefters angewiesen find, drohen beim Beginn der allgemeinen Saison ernste Kämpfe, falls es nicht noch in letzter Stunde gelingt, zu einer Einigung zu kommen. Der Deutsche Musiterverband, die freigewerkschaft liche Organisation der Berufsmusiker, hatte seit Jahren mit dem " Deutschen Bühnenverein" einen Reichstarif abgeschlossen, der von den Arbeitgebern im Frühjahr gekündigt wurde. Der Vertrag enthielt eine Reihe sozialer Errungenschaften, die sich auf die Freizeit der Musiker, auf die Versicherung in Krantheitsfällen und auch auf das Mitbestimmungsrecht in fünstlerischer und personeller Hinsicht erstreckten. Diese Vorteile sollten den Mufitern nach dem Willen des Bühnenvereins genommen werden. Die Unternehmer ließen dem Musikerverband durch ihren Synditus einer fertig ausgearbeiteten gedruckten Bertrag vorlegen, den sie nach bem Rezept: Friß Bogel oder stirb!" angenommen wissen wollen. Der Mufiterverband ließ dem Bühnenverein mitteilen, daß diefer Entwurf- als etwas anderes konnte er nach den Gepflogenheiten bei Tarifverhandlungen nicht angesehen werden erft einer genauen Prüfung unterzogen werden müsse und daß dann die Gegenvorschläge eingereicht würden. As Antwort lief die Mitteilung ein, daß bis in die zweite Hälfte des September die Herren Direktoren verreist seien und früher an Berhandlungen nicht zu denken set. Was es mit dieser Berschleppungstaftif auf sich hatte, ftellte fich bald heraus. Der Bühnenverein verhandelte nämlich hinter dem Rüden der alten Vertragspartei mit einigen Splitterorganisationen, die sich durch fachtönende Namen den Anschein von Musikerorganisationen geben wollen, in Birklich feit aber in allen Farben schillernde örtliche Fachvereinchen find. An der Spike dieser Vereine marschieren der Reichsverband deutscher Orchester" und der Reichsverband deutscher Berufsmusiker", der lettere besteht aus dem Berein Berliner Musifer", der in feiner Stadt Deutschlands eine Ortsverwaltung hat und sich nur, um endlich einmal auch mit den Herren Direktoren an einem Tisch zusammenfißen zu dürfen, den pompösen Titel beigelegt hat. Wie groß diefe Edeinorganisationen find, ergibt sich auch daraus, daß im Bayreuther Festspielorchester, dessen hundert Mitglieder aus den ersten Kräften von 31 deutschen Orchestern zufammengesetzt waren feine zehn Mann diesen Vereinen angehörten, daß aber alle anderen im Deutschen Musiterverband organisiert find. Mit diesen hochgepäppelten Auchorganisationer schloß nun der Bühnenverein einen Vertrag ab, der vollkommen den Wünschen der Unternehmer entspricht. In dem neuen Vertrag ist nichts mehr vom Mitbestimmungsrecht ent= halten, er enthält die Verpflichtung zu allen von den Unternehmern angeordneten Diensten an allen Orten. Für Nachmittagspor stellungen und sonstigen Doppeldiensten fällt jede Be zahlung fort, die Probenzeit ist von drei auf vier Stunden verlängert, die Mindestruhezeit zwischen Probe und Aufführung ist von 5% auf 4 Stunden herabgefeht, der dienstfreie Tag in der Woche ist beseitigt, die Gehaltszahlung während der Krankheit ist wesentlich eingeschränkt und schließlich das Gehalt noch um 15 Prozent gefürzt. # Dieser von den Leitungen der Möchtegernorganisationen abgeschlossene„ Bertrag" ist natürlich ein Stück Papier, für dessen Durchführung weder der Bühnenverein noch die anderen Vertragsparteien" eine Gewähr übernehmen tönnen. Dem Bühnenverein fehlt die Macht über seine Mitglieder, das beweift der Abschluß von Haustarifen und die Berlängerung des alten Reichstarifs bei allen jetzt spielenden Bühnen Berlins. Die Bereindjen find aber tei beginnender Saison gar nicht in der Lage, für die Berliner Operetten- und Revuebühnen die nötigen Musiker zu stellen. Se wird sich der Kampf um den Tarifvertrag zwischen dem Deutschen Musikerverband und dem Bühnenverein abspielen; über den Ausgang hat der Musikerverband feine Befürchtungen. Diese beiden Organisationen fommen als Tariffontrahenten überhaupt nur in Frage, daran ändert auch die beantragte Verbindlichkeitserklärung nichts. Der Deutsche Mufiferverband hat als erste Kampfmaßnahme die Sperre über alle Berliner Operetten- und Revuebühnen verhängt. Kein Orchestermitglied ist zu irgendwelchen Verhandlungen berechtigt. In einer Versammlung der Berliner Theatermusiker, die im überfüllten Saal der Sophiensäle stattfand, sprach der Bevollmächtigte Stempel der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Musikerverbandes über den Kampf der Theatermusiker um den Ganz unerwartet starb während eines Aufenthalts auf Rügen mein innig geliebter, herzensguter Mann, unser fürsorgender Bater, Schwiegervater, Schwiegersohn, Schwager und Ontel, der Schankwirt Hermann Lehmann int 56. Lebensjahre. Es war ihm nicht vergönnt, die gesuchte völlige Gesundung von turzem Beiden auf seiner Erholungsreise zu erhalten, sondern wurde uns durch plöglichen Herzschlag entriffen. Wir haben damit einen unerfeglichen Ber luft erlitten und werden dem Dahingefchiedenen ftets unser wärmstes Anbenten bewahren. In tiefften Schmerz u. unfäglich. Trauer Anna Lehmann geb. Ehlert, als Frau Wilhelm Töpfer und Frau Gertrud geb. Lehmann Reinhard Ehlert und Frau Quise geb. Däblig Marie Ehlert Frig Schniedermann u. Frau Berta geb. Ehlert nehit Kindern Die Beerdigung findet am Freitag, ben 5. Sept., nachm. 22 Uhr, auf dem. Alt. Luisenfriedhof, Bergmannftr., statt. Berlin- Neukölln, den 3. Septbr. 1924. Tellite. 8 HOLZHAUSER von 500 Mk. an, Schuppen, Hallen, Garagen etc. liefert preiswert kurzfristig Holzhausbau Littmann 154, Lothringerstrasse 91/93 Horden 6020/21 Tarifvertrag. Die Anwesenden waren fich einig in der Beurteilung verein abgeschlossen haben. Von den anwesenden Vertretern der Rartellverbände, dem Deutschen Bertehrsbund, als der Organisation des technischen Bühnenperfonals, dem AfA Bund und der internationalen Artisten loge wurden den Musikern Gympathieertfärungen abgegeben. Die glänzend verlaufene Bersammlung nahm schließlich folgende Entschließung einstimmig an: fehlt, muß man sein eigenes Bertzeug iets mit nach Haufe nehmen. Nach der Angabe des Obermeisters fehle es an Zeit, die Mißstände abzustellen. Alle Meister müssen praktisch mitarbeiten, fogar einzelne an drei Maschinen zur Unterstützung der Lehrlinge. Es arbeiten in diesem großen Raum mit größeren Maschinen etwa 6 Fräser, 2 Hobler, 3 Dreher, 2 Stoßer und Bohrer und 3 Schloffer. Hobler und Fräser arbeiten je 12 Stunden pro Tag mit Schicht, die dort ausgelernten Dreher 10 Stunden mit vielen Ueberstunden. Sonnabends ist um durch bis Sonntag früh. Die Arbeitszeit währt von 7 bis 16 Uhr mit je einer Viertelstunde Frühstücks- und Mittagspause, Sonnabends 5% Stunden, mithin wöchentlich 55% Stunden. Der Werkzeugausgeber, zugleich Scharfschleifer, arbeitet noch länger als 10 Stunden. Lehrlinge find etwa 4 bis 6 in diesem Raum. Wahrscheinlich um den Tarif zu umgehen, hat Bogter seinen besten Arbeiter zum Meister gemacht. ,, Die am Mittwoch, den 3. September 1924, in öffentlicher Ber- 41 Uhr Schluß. Doch die Arbeiter fommen wieder und arbeiten sammlung tagende Berliner Theatermusikerfchaft lehnt es in völliger Einmütigkeit ab, fich den Bedingungen des neuen, zwischen dem Deutschen Bührenvereins und dem fogen. Reichsfartell Deutscher Berufsmusiker", in welch letzteren nur ein ganz verschwindend Heiner Bruchteil der Theatermufiterschaft organisiert ist, abgeschlossenen Tarifvertrages zu unterstellen. Unter Ablehnung dieses Tarifvertrages erhebt die Berliner Theatermusikerschaft die Forderung: Internationaler Anti- Kriegstag 1924 am dritten Sonntag im September ,, Solange durch Berhandlungen zwischen Deutschem Bühne verein und Deutschem Musiterverband feine anderen Bereinbarungen zustande gefommen find, gilt für die Berjner Theatermusikerfchaft bezüglich der Lohn- und Arbeitsbedingungen das mit den einzelnen Unternehmern und der Ortsverwaltung Berlin des Deutschn Musikerverbandes im März d. J. getroffene Abkommen." Die Versammlung übergibt die Bertretung ihrer Interessen den Unternehmern gegenüber der Ortsverwaltung Berlin des Deut schen Musikerverbandes mit dem Ersuchen, sich mit aller Energie für die Durchführung der gestellten Forderung einzusetzen. Bei Regenwetter dringt das Wasser durch die Holzwände. Der besseren Bentilation halber werden fehlende Fensterscheiben nicht erfegt. Zum„ Stempeln" muß man über die Straße in den alten Bau gehen. Dort ist eine Schmiede mit vier Drehern und etwa 8 bis 10 Lehrlingen. Es war mir ein Lohn von 70 bis 75 Pf. verfprochen, und weil ich auf der Zahlung dieses Lohnes bestand, wurde ich entlassen. Der Betrieb gleicht einem Taubenschlag. Trotz der ungünftigen Kon junktur halten die Arbeiter es meist nur ganz kurze Zeit darin aus, Der Boykott gegen deutsche Artiften aufgehoben. Das ist der Sinn der in unserer heutigen Morgenausgabe ge meldeten Verständigung zwischen den deutschen, französischen und belgischen Artiften. Die„ Unabhängige Union der Barieté- und Konzerttünstler" hat sich jetzt entschlossen, die Ausschließung gegen die deutschen Varietékünstler aufzuheben. Erklärend wird hinzu gefeßt, daß diese Entscheidung im Zusammenhang fieht mit den Regierung über den Abschluß eines Handelsvertrages, fommenden Verhandlungen zwischen der französischen und deutschen Ferner beauftragt die Bersammlung den Vorstand des Deutschen Musikerverbandes, bei der Reichsarbeitsverwaltung gegen den dort gftellten Antrag auf Algemeinverbindlichkeitserklärung des neuen Tarifabkommens in Wahrung berechtigter Intereifen schärfsten Ein- fein, da auch Flugblätter zur Berteilung mitgenommen werden müssen. spruch zu erheben." Der Streif im Sägewerk Sobrechtsfelde. Da es der Direktion des Sägewerks bis heute nicht gelungen ist, den Betrieb mit Hilfe von Streitbrechern wieder in Gang zu tringen, hält sich die Berliner Magistratsverwaltung- Ausgleichsstelle des Tarifamtes zur Hilfe verpflichtet. Sie vermittelt offiziell die zum Ausgleich für andere städtischen Betriebe vorgemerkten Arbeiter nach dem Sägewerk Hobrechtsfelde zur Ausführung von Streitbrecherarbeit. Diese Vermittlung einer Magistratsverwaltung ist um fo ungeheuerlicher, als das Sägewert Hobrechtsfelde nach der Be hauptung der Zentralbirektion der Stadtgüter G. m. b. 5. ein völlig selbständiges Unternehmen" ist. Es werden alfo von einer öffentlichen Magistratsbehörde Vermittlungen von Arbeitnehmern an selbständige Betriebe ausgeführt, die einen schweren unberechtigten Eingriff in private Arbeitsstreitigkeiten darstellen. Es scheint dringend geboten, daß sich die zuständigen Stellen im Magistrat mit der Streifbrechervermittlung der städtischen Ausgleichsstelle beim Tarifvertragsamt beschäftigen. Boglers Jdyll. Es liegt unmittelbar am Lehrter Hauptbahnhof fchreibt uns ein Metallarbeiter und macht den Eindruck eines vernachlässigten Eisenplatzes. Es sind zwei Bauten vorhanden, ein massiver älterer und ein Holzneubau. Im letzteren steht der Spruch: In großer Zeit ward ich geschaffen, Wo deutsche Art und deutsches Schwert Gegen eine Welt in Waffen Wieder aufs neue sich bewährt. ( 1917) Sp sieht es in dem Bau auch aus. Alles starrt vor Schmuh, auch die Garderobenräume, die gleichzeitig als Frühstücksraum dienen. Waschraum und Aborte find faum zu beschreiben. Der Holzfußboden weist viele Löcher auf.. Der Maschinenpark ist sehr heruntergewirtschaftet. Schuzoorrichtungen fehlen meist. Der Fußbodenstrich ist schlecht. Werkzeuge sehr knapp, auf drei Mann tommt eine Delfanne, auf vier Mann ein Delfteiri, drei Mann helfen sich mit Waschschüssein aus. Da ein verschließbarer Werkzeugschrank Unsere REKLAME- TAGE bieten Ihnen den vorteilhaftesten Einkauf in Damen-, Herren- und Kinder- Artikeln Größte Auswahl in Einsegnungs- Schuhen und-Stiefeln Außer unseren billigen Preisen gewähren wir unserer werten Kundschaft bei Vorzeigen dieses Inserates 5 Prozent Extra- Rabatt Zentralverband der Maschinisten und Seizer. Außerordentliche Generalversammlung morgen Freitag abend 6 Uhr, Saal I des Gewerkschaftshauses. Be richt vom Verbandstag, Beitragsfrage. Jeder Betrieb und Bezirk muß vertreten Die Ortsverwaltung Buchbinder in Mbum, Mappen- und Galanterie- Betrieben. Freitag abend 7 Uhr, bei Böfer, Weberstraße 17, gemeinsame Branchenversammlung mit den Sattlern und Portefeuillern. Wichtige Tagesordnung. Jedes Mitglied muß er Die Branchenleitung. scheinen! Mitgliedsbücher ſind vorzuzeigen. Berantwortlich füte Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Cyforn; Feuilleton: K. S. Döscher; Loteles und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Berliner Landpacht- Genossenschaft eingetr. Gen, m.b.H. Berlin$ 14 Dresdener Str. 118. Generalversammlung. : Diez. 6. Aug. 1924 sinberufene General versammlung mußte aerschoben werden u. findet nunmehr am Sonntag, 14. Sept., Dorm. 10 Uhr, im großen Gaal des Gewerkschaftshauses, Engeiufer, statt, wozu wir hierdurch die Genossen einladen. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Borlage der Bilanz 1923. 3. Organisati onsfragen. 4. Ent Taftung d. Borstandes und Aufsichtsrates. 5. Neuwahl. 6 Ber fchiedenes[ 119/12 Die Bersammlung wird pünktlich um 10 Uhr eröffnet, ohne Rüdficht auf die Zahl der Erschienenen aus diesem Grunde bitten wir um recht pünktliches und zahl reiches Erscheinen. Berlin, 4. 9. 24. der Garantiesch. f. gesetzl. Goldinh. Borstand. Schlö. finger. Hoffmann. Der Aufsichtsrat. Spezialbehandl. Gutted. Herren garderobe Einsegnungs- Anzüge vom Einfachsten bis Elegantesten auf Teilzahlung ohne Aufschlag Meyer's Kaufhaus am Barbarossaplatz Eisenacher Str. 90-91 Kompl. Wochenbett- Ausstattungen Wickeltische- Kinder und Sportwagen, sämtl. Kindermöbel, Boxen aller Art. Kopp& Joseph, Berlin W37, Potsdamer Str. 122 Ich verschenke an meine Kunden in den Monaten August bis Dezember Speise- u. 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