Nr.420 41.Jahrgang Ausgabe A fr. 214 Bezugspreis: chentlich 70 Golbpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. Der ,, Borwärts* mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gieb. lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die etni paltige Ronpareille. geile 0,70 Goldmart, Retlamezcile 1.- Goldmart. Kleine Enzeigen" bas fettgedrudte Wort 0,20 Galdmart( auläfig awei fettgedruste Borte), tebes weitere Bort 0,10 Goldmart. Stellengesuche ins erfte Wort 0,10 Goldmart, jetes weitere Wort 0.05 Goldma: t. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen filt Abonnenten Reile 0,30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,26. Anzeigen für bie nächste Summer müffen bis 4% Uhr nachmittags in Sauptgeschäft, Berlin G 68, Linden ftraße B, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nam. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Douhoff 292-293 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 6. September 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bostscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Weltfriedensfragen in Genf. Schiedsgericht oder Garantiepakt? Die große Rede Herriots und die folgende Debatte stellen ebenso die Streitpunkte der Genfer WeltfriedensDebatte flar wie den Weg zu ihrem Ausgleich. m Frankreich hat in seiner bisherigen Politik den machfpolitischen Gedanken vor den Gedanken des Schiedsgerichts gestellt, es hat sich durch ein Netz von Bündnissen gegen eine deutsche Revanche zu sichern versucht und ist mit den Bindungen dieser Politit belastet. England verwirft die Bündnispolitik, die unter dem Namen von Garantiepatten" eine äußerlich modernisierte Form angenommen hat, und wünscht den Weltfrieden auf dem Wege eines allgemeinen Schiedsgerichtsver: trags zu sichern. Die theoretische Frage ändert aber sofort ihre praktische Bedeutung, sobald Deutschland in das System der Ga= rantiepaste" einbezogen wird. Dann ist Deutschland nicht mehr der zukünftige Feind, gegen den Bündnisse geschlossen werden, sondern es ist sozusagen selber„ Verbündeter" in einem großen Bund, der seine inneren Streitigkeiten nicht mehr mit der Waffe in der Hand, sondern auf schiedsgerichtlichem Wege zum Austrag bringen will. Vorauslegung für eine solche Lösung ist Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Der amtliche englische Funkdienst verbreitet Gerüchte aus Genf, wonach die deutsche Regierung die Absicht haben soll, noch während dieser Session des Völkerbundes um ihre Aufnahme in den Bölkerbund zu ersuchen. Die„ Telegraphen- Union" läßt sich dazu von hiesiger zuständiger Stelle berichten, daß von einem solchen Ersuchen im Augenblid noch nicht die Rede sei. Es müßte vor diesem Schritt feststehen, ob Deutschland die seiner Bedeutung entsprechende Stellung im Bölterbund einnehmen würde. Dak Deutschland vor seinem Aufnahmegesuch sich dessen vergewissern muß, daß es feine vorläufige Zurückweisung aus fermalen Gründen und feine Hintanstellung hinter die anderen großen Weltvölker zu befürchten hat, ist selbstverständlich. Aber zu solchen Sondierungen wäre längst Zeit gewesen, und die deutsche Regierung hätte auf diesem Gebiet beffere Gelegenheit gehabt, ihre Geschicklichkeit zu beweisen als auf dem Gebiete der Kriegsschuldpropaganda. Die bevorstehende amtliche Notifizierung der diesbezüglichen Regie rungserflärung ist ein schlechter Ersatz für die Anmeldung zum Völkerbund. Denn diese deutsche Regierungserflärung ist fein aus der politischen Notwendigkeit des Augenblicks hervorgegangenes Dokument, sondern sie ist als unglückfeliges Produft eines schimpflichen innerpolitischen Schacher geschäfts der Regierung von den Deutschnationalen abgepreßt worden. Diese wiederum haben das ist jetzt vollkommen flargestellt die deutsche Regierungserklärung in diesem Augenblick nicht gefordert aus außen politischen Gründen, sondern aus rein inner politischen, weil sie für ihren Umfall eine Kuliffe brauchten. Wenn in der Aera der Bürgerblocdiplomatie in diesem Stil Außenpolitif getrieben werden soll, so fann sich das deutsche Volk dafür bedanken. Die Regierung sollte es sich noch in letter Stunde überlegen, ob sie das angekündigte über flüssige und nur den französischen Nationalisten willkommene Theater mit der feierlichen Neberreichung ihrer schon längst veröffentlichten Erklärung wirklich aufführen will oder ob sie nicht lieber nach Einziehung der notwendigen Erfundigungen ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt in den Bölkerbund erflären will. Eine solche Erflärung hätte zum übrigen den Reiz der Neuheit, da sie noch von feiner früheren deutschen Regierung abgegeben worden ist. Daß die Erklärung der Regierung Mary zur Schuldfrage schon vor fünf Jahren von den Regierungen Scheidemann und Bauer weit würdiger, zeitgemäßer und geschickter abgegeben worden ist, haben wir bereits dokumentarisch nachgewiesen. London, 5. September.( EP.) Der Korrespondent des „ Daily Herald" in Genf hatte eine Unterredung mit Macdonald, nachdem dieser seine Rede gehalten hatte, Macdonald erklärte:„ Ich halle den Beitritt Deutschlands zum Bölferbunde für erforderlich. Deutschland muß sofort an den Arbeiten teilnehmen, damit die internationale Abrüstungskonferenz vorbereitet werden kann." Genf, 5. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Freitag- Bormittagssigung des Völlerburdes brachte die mit allgemeiner Span nung erwartete große politische Rede Herriots über die Abrüstungs. and Sicherheitsfrage( über die wir bereits furg berichteten). Schon Deutschland und der Völkerbund. 認 das Bild des Hauses zeigt den großen Tag: Tribünen und Saal find| Friede.( Die Versammlung bricht in langanhaltenden Beifall aus, überfüllt. Um 10 Uhr eröffnet der Präsident die Sigung und er- der sich zu einer wahren Huldigung gestattet.) teilt sofort Herriot das Wort. Das Haus erhebt sich von den Sitzen und bereitet dem französischen Premierminister eine stürmische Ovation, unter der er das Rednerpult besteigt. Herriot, der bleich und etwas erregt aussteht, spricht mit flarer Stimme, die den ganzen Saal durchdringt. Er beginnt mit einem Dant an alle Delegierten, die sich hier zufammengefunden haben, alle mit dem gleichen Biele: für den Frieden der Welt. Frankreich will ehrlich und entschieden am Friedenswerte mithelfen. Der Frieden beruht auf der Achtung vor geschlossenen Verträgen. Deshalb hält Frankreich zwar nicht am Bustaben, aber am Geiste des Vertrages von Versailles fest, der im ersten Kapitel schon ausdrückt: 3usammenarbeit, Sicherheit, Recht und Gerechtigkeit. Frankreich will den Frieden und die Gerechtigkeit eher als alles andere und wird deshalb den Völkerbundgedanken mit allen Mitteln stützen. Herriot erinnert dann an die dritte Tagung des Bölferbundes. Sie hat die sogenannte Resolution 14 gefaßt, die zuerst den Gedanken des Garantie pattes aussprach. Dieser Garantiepaft sollte sich auf den Artikel 8 des Battes stüßen. Er sieht eine Abrüstung vor, foweit sie mit der nationalen Sicherheit der Länder vereinbar ist. und erklärt, daß ein Verstoß als nationales Verbrechen betrachtet werden soll. Hier anknüpfend fährt der französische Ministerpräsident fort: Der moderne Chemie- und Luftweg wird vor den Fronten nicht mehr halt machen, sondern das ganze Land zum Angriffsziel, nehmen. Um diesen Weg im Reime zu ersticken, gibt es nur den Ausweg des obligatorischen Schiedsgerichtsverfah rens. Es wird das Hauptwert der fünften Völkerbundverfammlung sein, diesen Gedanken auszubauen und festzulegen. Der Schiedsgerichtsgedante entspricht dem Artikel 12 des Völkerbundpaktes. Wir wünschen, daß die fünfte Versammlung den Schiedsgerichtsgebanken darin auslegt, daß derjenige, der Schiedsgerichtsgedanken abweist, der Angreifer ist. Frankreich wird an der Ausarbeitung eines zu fammenfassenden Schiedsgerichtsplanes voll mitarbeiten. Wir sind für jede Maßregel zur Unterdrückung des illegalen Waffenhandels. Die Schaffung einer besonderen Kommission, die unter Berücksichtigung der vorgebrachten Einwände den Garantiepatientwurf revidieren soll, erscheint mir aber nicht notwendig. Diese Arbeit kann von der schon vorhandenen ersten und dritten Kommission des Bölferbundes ausgeführt werden. Auf jeden Fall stehen wir zu unserem Grundsay, das Borhan dene nicht zu zerstören, sondern zu vervollkommnen. Schiedsgericht, Sicherheit, Abrüstung, das sind drei Forderungen, die wir erheben, aber nie und nimmer voneinander trennen lassen. Die Borbedingung zur Abrüstung ist die Sicherung des Beistandes für den Angegriffe nen. Diese Zusicherung muß aber jederzeit eingelöst werden können, und deshalb muß auch fernerhin eine stets einsatzbereite Macht hin ter ihr stehen. Pascal sagte:„ Gerechtigkeit ohne Macht ist wertlos, Macht ohne Gerechtigkeit ist Tyrannei." Wir müssen beides zu vereinen fuchen. Das ist die Aufgabe, die sich uns stellt, und wir befinden uns in einer Uebergangszeit, die stärkste Vorsichtsmaßregeln erfordert. Auch wir glauben an die Notwendigkeit einer allgemeinen Abrüstungskonferenz. Aber diese Konferenz ohne eingehende Borbereitungen abzuhalten, würde bedeuten, daß sie von vornherein scheiterte. Unerläßlich ist, daß diefe Borarbeiten dem Bölkerbund anvertraut werden, der allein über die notwendigen Organe und die notwendige Autorität verfügt. Zwei Friedensorganisationen mit denselben Funktionen fönnen nicht nebeneinander bestehen. Dagegen, daß diese Arbeit dem Bölferbund anvertraut wird, fann man anführen, daß einige der wichtigsten Staaten dem Bölkerbunde fernstehen. Ich glaube aber faum, daß die Bereinigten Staten, die uns erst jetzt in London einen Beweis ihres guten Willens gegeben haben, aus rein formellen Gründen ihre Mitarbeit verweigern werden. Unter allgemeiner Aufmerksamkeit spricht Herriot bann von Deutschland: Wir haben früher in Deutschland die Idee des zerstörenden Militarismus bekämpft, die sich in dem Saße ausbrüdte: Noi fennt fein Gebot. Aber niemals haben wir das Unglüd des deutschen Boltes gewünscht. Das wahre Frankreich fennt feinen Hah, denn wir wissen, daß jeder Haß nur neuen Haß nach fich zieht. Wir sind bereit, die aufrichtigsten Beweise des Versöhnungswillens in Deutschland ebenso aufrichtig zu beantworten. In London haben wir den Weg der direkten Verhandlungen mit Deutschland begonnen und wir werden diesen Weg auch weiterhin beschreiten. Aus der Zusammenarbeit aller Böller ermächst die Einheit Europas. Schiedsgericht, Sicherheit und Abrüstung sind die Säulen, auf denen das neue Gebäude des Friedens ruht. Bir reichen unsere brüderlichen Hände allen Bölkern. Frankreichs reinfte Freude würde es sein, wenn durch unsere gemeinsame Arbeit aus den Ruinen unseres eigenen Landes und aller Länder, die durch den Krieg gelitten haben, diese göttliche Blume erblühen würde: der Nach der mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rebe Herriots erhält als zweiter Redner Salandra( Italien) das Wort: Italien hat nur den einen Wunsch, die jetzt bestehenden Grenzen aufrechtzuerhalten und den Frieden und die Wohlfahrt feiner Bevölkerung zu fördern. Italien hat seit Kriegsende seine Streitkräfte unaufhörlich verringert und auch versucht, mit seinen Nachbarstaaten zu direkten Uebereinkommen zu gelangen. Die Mitgliedstaaten des Völkerbundes befizen im Bölkerbundpakte bereits einen gegenseitigen Garantiefonds. Trotzdem stellen wir unsere Mitarbeit bei der Formulierung neuer erweiterter Garantien zur Verfügung. Das Schiedsgerichtsverfahren hat bereits feit langen Jahren in der italienischen Politit mit Erfolg seine Anwendung gefunden. Die Schwierigkeit der bevorstehenden Arbeit besteht in der Festsetzung der Kompetenz dieses Verfahrens in Fragen, die nicht rein rechtlicher oder technischer Natur sind. In der kommenden Abrüstungstonferenz werden wir mitarbeiten; wir verheimlichen aber feineswegs, daß wir nicht auf die Macht verzichten tönnen, die zur Aufrechterhaltung der äußeren und inneren nationalen Sicherheit vorhanden sein muß. Unter dem Beifall der Versammlung ergreift dann Lord Parmoor( England) das Wort: Nach meiner Ansicht entsprechen die von Herriot ausgesprochenen Grundsätze durchaus der englischen Auffassung. Sie find dieselben, die Macdonald in seiner Rede vertreten hat. Herriot hat ebenso wie Macdonald erwähnt, daß Artikel 16 des Statuts des Internationalen Schiedsgerichtshofes möglichst rasch von allen Staaten angenommen werden soll. Der einzige Vorbehalt, der hier zu machen ist, ist die Notwendigkeit einer vorherigen Präzifierung dieses Artikels. Die Sicherheitsfrage hat zwei ganz verfchiedene Formen. Einmal, menn sich zwischen verschiedenen Nationen ein Streitfall ergibt, und ein anderes Meal, wenn sich die cine Partei zur Annahme des Schiedsgerichtsverfahrens bereit ernärt. Diejenige Macht, die sich diesem Berfahren nicht unterwirft, ist, wie Herriot bereits fagte, von Anfang an als Angreifer zu erklären, auf den alle ökonomischen und finanziellen Sanktionen, die, das Statut vorfieht, anzuwenden sind. Diese sind so erdrückend, daß fein Land es wagen wird, der Möglichkeit dieser Sanktionen entgegenzutreten. Herriot hat von einer internationalen Konferenz gesprochen, zu der die Völkerbundfommission die Vorarbeit leisten soll. Ich gehe noch weiter und verlange, daß diese Konferenz von dem Bölferbundsekretariat einberufen wird. Der Entwurf des Garantiepattes ist wertlos, da er auf alten und unanwendbaren Grundfähen beruht. Seine Anwendung würde die Welt wieder mit einer Welle des Militarismus überfluten. Aus dem Völkerbundrat läßt sich fein militärisches Organ machen, das im Kriegsfalle die Truppenkontingente und die finanziellen Beiträge der Mitgliedstaaten bestimmen fan. Der einzige Weg zum Frieden liegt in der allgemeinen Annahme der Schiedsgerichtsbarteit, und wenn diese loyal durchgeführt wird, so ist der Garantiepati überflüffig.( Lebh. Beifall.) In der Nachmittagsfihumg erhält der belgische Ministerpräsident Theunis das Wort: Ein wahrer Friedenszustand ist mit der Unterzeichnung von Verträgen allein noch nicht geschaffen. Es bedarf des gegenseitigen Vertrauens unter den Völkern, des Vertrauens, das im Gefühl der Sicherheit wurzelt. Belgien war schon vor dem Kriege eine der pazifistischsten Nationen. Unser Rüstungsbudget ist schon heute auf das Minimum eingeschränkt. Die im Paft gegen den Angreifer vorgesehenen Sanktionen find legten Endes doch auch solche militärischer Art. Zweifellos fönnen an diesen Maßnahmen einige Staaten nicht teilnehmen. Das ungeschüßte Belgien hat in Erinnerung der Ereignisse des letzten Krieges ein Recht auf den wirffamen Schutz des Völkerbundes. Der Garantiepaktentwurf, dem wir im Prinzip unfere Zustimmung gegeben haben, ist sicherlich nicht ohne Fehler. Ich glaube im Namen aller kleinen Staaten zu sprechen, wenn ich sage, daß wir nichts als Gicherheit verlangen, ohne uns auf diese oder jene Form von Anfang an festzulegen. Als Vertreter der kleinen Entente und als Bericht erstatter über die Frage des Garantiepattes spricht Benejch. Er erinnert gleichfalls an die Resolution 14 der dritten Völkerbundtagung, die eine unmittelbare Hilfeleistung für den Fall eines Angriffstrieges fordert. Wir haben eine Rundfrage bei den einzelnen Staaten veranstaltet, um ihren Standpunkt zu dem Garantieprojekt temnenzulernen. Die Kritit hat uns vorgeworfen, daß dieses Projekt zuerst an das System der alten Bündnispolitik erinnert und daß die Definition bes Angreifers eine bedentliche und langsame An gelegenheit ift. Man kann aber nicht einfach abrüsten, wie manche Staaten fordern, weil der Stand der modernen Techynit von heute 3. B. hochentwidelte Industrieländer ohne weiteres in den Stand fett, in turzer Zeit ihre Rüstungen zu vervollkommnen und die industriell schwächeren Länder zu vernichten. Wenn man auch außer der Schiedsgerichtsbarkeit andere Maßnahmen zur Verhinderung internationaler Streitfälle ergreift, wie Entmilitarisierung der Grenz zonen oder besonderen Schuß gefährdeter Grenzen, so bleibt immer wieder die Frage: Was tun wir, wenn troh der übernommenen Verpflichtung ein Staat zu den Waffen greift? Für dieses Problem gibt es dann nur eine Lösung: die militärische Santtion, Wenn man im Falle einer Berlegung abgeschlossener Berpflichtungen durch einen großen Staat einem fleineren Staat gegenüber dazu fömmen würde, der Großmacht gegenüber diese Sanktionen anzuwenden, das würde erst den vollen Erfolg des Garantiesystems und zugleich das Heil der kleinen Staaten bedeuten. Verstimmung bei der kleinen Entente. Prag, 5. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Staaten der Kleinen Entente sind von der Rede Macdonalds nicht ents zückt. Das amtliche tschechoslowakische Breffebureau veröffentlicht einen Rommentar zur Rede, in dem es heißt: Macdonald verblieb im Kreise der pazifistischen Ideologie eines bereits gesicherten Staates und zeigte fein Verständnis für die besonderen Berhältnisse der fleinen Staaten, deren Existenz und Sicherheit nicht verbürgt werden tann. Das bedeutet nicht, daß Macdonalds Aeußerungen nicht Anregungen enthalten, welche die Grundlage einer Diskussion und weiteren Entwicklung der ganzen Frage bilden lönnten, Macdonalds Rufe nach einer Zusammenarbeit mit Amerika, Deutschland und Rußland auf dem Boden des Bölkerbundes und sein Verlangen nach einer allgemeinen Annahme der Schiedsgerichtsbarkeit sowie sein Vorschlag einer internationalen Abrüstungskonferenz werden den Gegenstand von Verhandlungen der zuständigen Bölkerbundkom miffion bilden. Eine andere Frage ist, ob ein Ausweg aus der durch die Rede Macdonalds geschaffenen Lage in der Garantiefrage gefunden und das Grundproblem gelöst werden wird, das von der jezigen Tagung der Völkerbundversammlung gelöst werden sollte. Die Marneschlacht. Wie das deutsche Volf betrogen wurde. In diesen Tagen sind zehn Jahre verflossen, seit die große Marneschlacht geschlagen wurde. Sie war, wie heute von der Kriegswissenschaft fast allgemein anerkannt wird, die eigentliche Entscheidung des Weltkrieges und sie fiel zu Deutschlands Ungunsten. Der Schlieffensche Plan, erst durch einen Angriff über Belgien her den westlichen Gegner zu erledigen, um dann freie Hand gegen den östlichen zu erhalten, war gescheitert. Nach dem Rückzug an der Marne erstarrte der Westkrieg in den Schüßengräben und stellte vier Jahre lang die ungeheuersten Anforderungen an Menschen und Material. Schließlich ging er, nachdem der Ostkrieg siegreich beendet war, verloren. Es ist verhältnismäßig gleichgültig, ob die deutsche Heeresleitung damals infolge vorangegangener falscher Operationen genötigt war, den Rückzug auszuführen, oder ob dieser Rückzug ohne Not erfolgte und selber eine falsche Operation war. Tatsache bleibt, daß der Schwung des deutschen Angriffs an der Marne erlahmte, daß eine schwere Niederlage ein getreten war, die nie wieder ausgeglichen wurde und nach Dier Jahren in die Katastrophe mündete. Jest widmet General der Infanterie v. Ruhl in der Deutschen Allgemeinen Zeitung" der verlorenen Marneschlacht einen Auffah, in dem es heißt: . Unfere herrliche Truppe von 1914, die an aufopfernder Hingebung, an Schwung, Ausdauer und An griffsgeift in der Marneschlacht sich selbst überbot, vermochte manchen Fehler der Führung auszugleichen, aber nicht alle. Wer die Truppe damals auf dem Marsche und im Kampfe gesehen hat, wird ihrer mit Bewunderung gedenken. Der Standpunkt Macdonalds in diefer Frage hat bei einer ganzen berlog". Das war- der Dolichſtoß eine Frage! Mer Reihe von Delegationen eine sehr große Verstimmung vorgerufen und um so mehr überrascht, als Macdonald sonst den bejahenden Standpunkt feines Staates gegenüber dem Böllerbund vertrat und die Notwendigkeit, die Bestimmungen des Battes durch zuführen, betonte. Vereinfachung des Steuerrechts. Ein Gutachten der Verwaltungsabbankommiffion. Ueber die Bereinfachung des Steuerrechts wird amtlich mitgeteilt: Demnächst wird ein Gutachten der Berwaltungsabbaukommission über die Vereinfachung der Gesetzgebung und Verwaltung auf dem Gebiete der bireften Steuern erscheinen. Die Dentschrift beschäftigt sich in ihrem ersten Teile mit der Frage der Finanzhoheit von Reich, Ländern und Gemeinden und kommt auf Grund eingehender Bürdigung sämtlicher mitsprechender Umstände zu dem Ergebnis, daß im gegenwärtigen Zeitpunkt unbedingt an einer einheitlichen Steuergeseßgebung und Derwal tung durch das Reich festzuhalten ist. gebung der lezten Jahre einer Stritit, wobei es die HauptDer Mann aus dem gemeinen Bolt" hat also in der entscheidenden Schlacht des Weltkrieges mehr als seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Bersagt hat die Führung. Und dann hat das gemeine Volt" wieder vier Jahre lang ausgehalten, bis schließlich die Führung die Nerven In diesem Zusammenhang aber noch eine Frage! Wer hat während des Krieges in Deutschland überhaupt gewußt, daß der Kaiser eine Bataille verloren hatte und zwar die entscheidungsreichste des Weltkrieges? Von einem engen eingeweihten Kreis abgesehen, fein Mensch! Die Zeitungen durften darüber nicht berichten. Und in der Presse= fonferenz, die angeblich dazu eingerichtet war, daß besonders vertrauenswürdigen Journalisten vollkommen reiner Wein eingeschänkt werden könne, versicherte der Vertreter der Obersten Heeresleitung mit lächelndem Munde, die Nach richt von einer deutschen Niederlage fei französischer Schwindel, es handle sich um eine freiwillige wohlüber legte strategische Maßnahme, deren Zweck man später noch erkennen werde. So wurde das Bolt belogen und betrogen. Daß man zuguterlegt noch dieses arme Volt für die Fehler der Führung verantwortlich machen und ihm durch die Dolch stoßlüge die Schuld am Zusammenbruch zuschieben wollte, bas gehört zu den schlimmsten Gemeinheiten, die jemals von Herrschenden begangen worden sind. Dortmund- Hörde bis 20. Oktober geräumt. Des weiteren unterzieht das Gutachten die Steuergeseturfache für unser vermideftes Steuerrecht einmal in den Begleiterscheinungen der Inflation, ferner aber auch darin Dortmund, 5. September.( Eigener Drahtbericht.) Bon franzö erblickt, daß die Steuergefehe zu fafuiftisch geworden wären fischer Sette wird mitgeteilt: Die Räumung der Dortmund Hörder und den Finanzbehörden eine nicht zu bewältigende Maffem- Zone vollzieht sich in folgender Ordnung: Zunächst wird die arbeit gebracht hätten. Als wirtíame Abhilfe empfiehlt 3011grenze und die mic um aufgehoben. Dann werden die die Verwaltungsabbautommission einfache Gesetze, die nur die Eisenbahner und die Truppen zurüdgezogen. Die EisenGrundsäge des Steuerrechts festlegen und der Lofal bahner dürften voraussichtlich die Dortmunder Zone in fleinen instanz für den Einzelfall mehr als bisher freie Hand Gruppen verlassen, nachdem sie in ihrem bisherigen Dienst möglichst laffen, sowie Entlastung der Finanzämter von der Massen- unverzüglich und reibungslos von den deutschen Eisenbahnern abarbeit durch stärkere Heranziehung von lokalen Schäßungsausgelöst worden find. Die Bahnhofschefs und Inspekteure werden schüssen bei Einschränkung der Steuererklärungen und der ihre Bosten zuleht, fast unmittelbar vor dem Abmarsch der letzten Individualveranlagung. französischen Truppen verlassen. Die Besatzungsbehörde glaubt, „ Ich bin ein Korso auf besonnten Plätzen" sphäre erleben können, daß sich z. B. ein Arzt furz vor einer neu Bon Elsa Maria Bud. Franz Werfel nannte sein Gedicht, das mit diesem Berfe beginnt, „ Der schöne strahlende Mensch". Tief trägt es die Empfindung eines reichgesegneten Menschen. Spießer schütteln den Kopf. Erde, Abend, Glück, o auf der Welt fein!" Indessen widerhallte diese gepriesene Welt von Jammer. Es war zumeist selbstgeschaffener Sammer, doch er war nicht minder tatsächlich. Also mußte der Dichter von seiner eigenen Welt, die nicht aller Erdenwelt ist, gesungen haben. Heute fühlen viele des Verses innerste Wahrheit. Wir sind ein Korso ein Weg und eine Fahrt find wir, und wissen es nun! Denn alles, was Stimme hat, führt durch uns hin; wir find feine geschloffene Einheit- eher find wir ein Gieb, durch das die Weit ein- und ausströmt. An allem Geschehen, irgendwo auf diesem Globus, find wir mitschwingend einbegriffen und beteiligt. Die Luft, die uns umfpült, trägt einen Ruf vom anderen Weltende in Gefundenschnelle an uns hin, und ob wir hören oder nicht, durch uns hindurch. Es ist belanglos, ob dazu Wellen oder Kraft genom. men werden, die wir auch nicht erklären fönnen, das Wunder bleibt dasfelbe. 1 Noch ist der sogenannte drahtlose Weg in Deutschland in seiner Anfangsentwicklung, ist in feinen Möglichkeiten faum begriffen. Es liegt mit ihm, dem Uebermittler der Stimme über den Weitball hin, so: Er ist noch nirgends in seiner vollen Wirkungsmöglichkeit ganz verstanden worden, geschweige denn, daß man ihn schon ganz in den Menschheitsdienst aufgenommen hätte. Das verlangt auch Zeit und eine friedliche Beschwichtigung der Kulturländer. Aber einmal muß es tommen, daß man in ihm den besten Diplomaten ertennt und ihn zur Arbeit fürs Weltganze, jeben falls für den großen abendländischen Kulturkreis, anfeßt. Denn wohin wir mit unserer Stimme bringen können, mit dem unmittel. baren Ausfluß unserer Seele, dorthin fönnen wir auch Verständnis und Berständigung bringen. Das meiste Unglüd tommt aus Miß verständnissen, nich: aus grundfäßlicher Böswilligkeit der Menschen. Ein Wort, ein Klang, ein Tonfall sogar, fann deutlicher und begreiflicher sein als Niedergeschriebenes. Wenn Staatenführer erst ungehemmt und jederzeit wobei eine allgültige Weltsprache endlich ihre Geburtsstunde erleben wird sich über schwebende Fragen unterhalten können, werden Mißverständnisse nie mehr so tief einwurzeln fönnen. Man wird Borurteile forrigieren, quflösen, man wird sich fennen lernen und darüber alle Schliche und Finten verlernen. Das wäre der größte Schritt in eine neue Zeit, die denkbar ist. Die anderen fulturellen Möglichkeiten sind so mannigfaltig, wie das Leben felbst. Wir würden es unter befferer politischer Atmoartigen oder tomplizierten Operation drahtlos mit einer amerita. nischen, einer japanischen Aerzteorganisation über den Fall zu unterhalten, zu unterrichten wünscht. Ein Baumeister, ein Ingenieur, die vor plötzlichen Schwierig feiten oder Gefahren ihres Werkes stehen, rufen drahtlos bei einer Rapazität am anderen Weltende um helfenden Rat an. Eine Feuersbrunst, ein Erdbeben, eine Weberschwemmung machen Ret tungstolonnen auch aus anderen Ländern schnell erwünscht; noch nie wurde der Edelfinn der Menschen hierin umsonst angerufen. Bie würde es ins Gemüt, ins allen gemeinfame Gefühl hineingreifen, wenn aus fernem Land der Ruf in jedes umfriedete Haus dränge: Hefft! Wir leiden! Die wir lieben, sind zu retten, wenn Ihr helft! Wege zur Verständigung, Wege zum Verständnis und Ber. trauen, tausendfach in Leid und Freude, in volklichem, ethischem, fünstlerischem Gesamtbesitz. Denen wir einmal geholfen haben, wir Menschen, denen sind wir gut. Das liegt tief in uns, es läßt fich altruistisch wie egoistisch begründen, ist ein ewiges Faltum. Wenn man die Menschenherzen an dem Zipfel paden würde, Der drahtlose Dienst kann dazu dienen, daß die Böller einander verstehen lernen. Noch hat das Radio erst die eine internationale Sprache die Musik. Sie ist edelste Sprache, und auch sie schlägt Brücken zum Wesen der Anderen. Wir haben uns den Ruf von Barbaren an. hängen lassen müssen. Nur die deutsche Musit, und was wir darin schufen, nahm eine mißverstehende Welt davon aus, denn diese Sprache unferer Scele hatten sie begreifen und lieben gelernt. 3ft dies nicht Hoffnung und Wegweiser? Man muß nur wollen; wir tleines Gesindel mit unseren siebzig Jährchen Lebensdauer werden dann auch fönnen. Unser Hirn- Bizeps ftemmte ja größere Schwie. rigkeiten aus dem Wege. Wir besiegten die Finsternis der Nächte, die Gewalten von Wasser und Feuer, wir zwangen Mächte, deren Wefen wir nicht gekannt haben, zu unserem Dienst. Wir werden mit der Rohform des Lebenskampfes auch einmal zu Rande tommen dazu ist die drahtlose Uebertragung ein Pionierwert zeug. Das Radio als Erziehungs-, Bildungs, Unterhaltungsmittel, sehr gut. Aber es muß mehr werden als eine Spielerei; es muß ben Kinderschuhen noch entwachsen. Als Kulturmittel kann es, wenn die Menschheit will, Segen fein. Wir sind ein Korso auf besonnten Blägen" alles Sein strömt durch uns hin, alle Gedanken dieser Erde wandern durch unseren Leib, an allem Geschehen, großen und gräßlichen, haben wir teil. Was diese Welt an unseren Erbentagen durchläuft, durchleidet, in uns tönt es stumm wieder. Wir können es zum Erflingen weden. Und in Menschenmacht ist viel gegeben, ob mehr Gesang in der Welt sein wird als Geschrei der Kreatur. den Zechenindustriellen die von der Regie übernommenen Bergwerke und Kokereien bis zum 15. Ottober zurüd. erstatten zu können. Die Haldenbestände und Borräte an Nebenprodukten, welche die deutsche Industrie an diesem Termin übernehmen werden, dürften ungefähr den bei der Beschlagnahme der betreffenden Unternehmen vorhandenen Mengen entsprechen. In der Zeit vom 15. bis 20. Oftober erfolgt die Uebertragung der beschlagnahmten Industrieanlagen und Produt tions porräte an die deutschen Industriellen. Ueber die Art der Uebertragungsformalitäten werden zwischen Vertretern der Micum und der Ruhrindustriellen besondere Berhandlungen stattfinden. Die einwandfrei festgestellten Mindermengen werden auf Reparationskonto verrechnet. Die während der Regie erzeugten Mehrmengen werden ebenfalls aufgerechnet werden. Es läßt sich bereits heute jagen, daß voraussichtlich späteflens bis zum 20. Oftober fämtliche Formalitäten der wirtschaftlichen Räumung erfüllt sind und bis zu diesem Termin die letzten franzöfifchen Truppen die Dortmunder Zone verlassen können." * Die französische Erklärung beweist, daß die Offupationsbehörden nicht daran denken, gegen die zwischen der deutschen und der französischen Regierung getroffenen Vereinbarungen zu obftruieren. In der amtlichen deutschen Auslassung war der 19. Oftober als Endtermin für die wirtschaftliche und militärische Räumung von DortmundHörde vorgesehen. Die französische Mitteilung aus Dortmund bestätigt, daß die Besazung bereit ist, diesen Termin innezu= halten. Mit um fo größerer Erbitterung muß es erfüllen, daß fich Obstruktionsversuche von deutscher Seite bemerkbar machen. Wer die deutsch nationale Presse der letzten Tage verfolgt hat, findet dort immer wieder Notizen, die Mißtrauen gegen die Ehrlichkeit der franzöfischen Absichten erwecken sollen. Kleinere Zwischenfälle im besetzten Gebiet werden sensationell aufgebauscht und der Tag" bringt es gar fertig, die Mitteilungen von der Gegenseite über die Staffelung der Räumung als einen Bluff zu bezeichnen. Derartige Quertreibereien verraten deutlich, daß den Deutschnationalen nichts angenehmer wäre als 3wischenfälle und die weitere Besetzung der vor der Befreiung stehenden Gebiete. Sie mögen es halten, wie fie's belieben. Aber sie mögen fich nicht darüber wundern, daß tein Hund mehr ein Stück Brot von ihnen nimmt. Maßnahmen zur Ruhrräumung. Brüssel, 5. September.( WTB.) Die Indépendance Belge" beschäftigt sich mit der bevorstehenden Ruhrräumung und teilt dazu mit, daß zunächst die Spezialtruppen zurückgezogen werden sollen. Die Rüdberufungsbefehle für die Flieger, die kraftwagen und die schwere Artillerie seien bereits er. gangen. Die Zurüdziehung der Infanterie werde in der Weise vor fich gehen, daß immer ganze Regimenter nach Belgien zurüdtehren. Bisher jelen Rückberufungsbefehle noch nicht gegeben worden. Indeffen sei der Generalstab bereits aufgefordert worden, alle notwendigen Maßnahmen ins Auge zu faffen. Effen, 5. September.( TU.) Um der Bevölkerung den. Beweis zu geben, daß das Londoner Protokoll durchgeführt wird, hat der oberkommandierende General heute eine Verfügung erfassen, nach welcher die Tagen der Waffenscheine ausgehoten werden. Ferner ist die Verfügung aufgehoben worden, nach welcher es den deutschen Behörden untersagt war, die Verfahren wegen politischer Bergehen ohne Genehmigung der Befatzungsbehörden einzuleiten. Der Oberpräsident der Provinz Offpreußen hat gemäß dem Gefetz zum Schutze der Republik die Zeitung Ostpreußisches Tageblatt" in Insterburg auf die Dauer von drei Wochen verboten. Das Berbot erfolgte auf Grund eines Artikels Friz Schuße der Republik die Wochenschrift Tannenberg" auf Ebert". Weiter hat der Oberpräsident auf Grund des Gesetzes zum die Dauer von 6 Wochen verboten. Das Berbot erfolgte auf Grund des Artikels„ Die Reichstriegsgedenkmünge". Der Tag für Denkmalpflege und Heimatschuh. Die diesjährige Tagung der deutschen Denkmalpflege hatte ihren Höhepuntt am Freitag: der Ronfervator der Kunstbentmäter herige Direttor der Münchener Kunstgewerbeschule Richard Riemerdes preußischen Staates Ministerialrat Hiede- Berlin und der bisschmid erstatteten Berichte, die über den Gegenstand der Tagung hinaus bedeutsame Rundgebungen darstellten. Hie de behandelte das Thema:" Aufgaben und Sorgen der preußischen Dentmalpflege". Wenn Berantwortungsgefühl auf allen Seiten waltet, ist es möglich, die bei der Erhaltung unserer alten Bietät auf der einen Seite, der Wirtschaft und freien Entwidlung Baudenkmäler schwer vereinbaren Interessen der Tradition und auf der anderen unter einen Hut zu bringen. Ein Denkmalgefes, das vorbereitet wird, fa in nicht erfeßen, was an persönlichem Vertrauensverhältnis nötig ist. Und der staatliche Zwang ist nur ein notdürftiger Schuß, wenn die Pflege unserer Vergangenheit nicht im Bewußtsein der Allgemeinheit ihren festen Platz hat. biede verschwieg feine der Sünden der jüngsten Vergangenheit, z. B. die Die 3. B. in dem schönsten beffischen Dertchen die Bauern zwingt, gräßlichen Aufbauten der Berliner Großbanken, die Wohnungsnot, aus ihren alten Dielen mit dem großen Tore fleine Wohnräume zu machen. Aber fich gegen solche Dinge zu stemmen, ist unter dem 3wange der Lage so gut wie aussichtslos. Wohl aber müssen die Hauptdenkmäler der Borzeit unbedingten Schuß haben, und gerade da leiden die bedeutendsten die schwerste Not: für den Rölner Dom fonnte die Dombaulotterie noch nicht ausgespielt werden, den In der neueren Zeit ist über unsere grauen Großstädte ein Farbenrausch, wenigsteris für die Faffaben, gekommen. Gerade in Potsdam hat man gefündigt, wenn es auch nicht falsch ist, alte Häuser etwa so wieder zu streichen, wie sie ursprünglich gewesen sein müssen. Um abzuhelfen, haben Stadt Botsdam und Regierung jetzt einen„ Generalbemalungsplan" aufgestellt. auch die Lotterie beginnt zu verfagen. Riemerschmids Ausführungen galten dem Thema: Schule und Handwert". Als temperamentvoller Rünstler wandte er sich gegen alles fünftliche Am- Leten- erhalten, besonders vereinen, die gerabe dort die Boltstrachten schützen, wo der Fremden. wenn es einen fo peinlichen Beigeschmack hat wie bei den Trachtenverkehr am stärksten ist. Aber auch gegen jene leicht gönnerhafte Pietät für das Alte, die gerade für das Beste an den alten Werken, Sas Freie, Unbekümmerte, Saunige feinen Sinn hat. Und nom mehr gegen jene Pietät, die besser Mangel an eigener Kraft genannt würde und die das Neue, Kräftige haßt. Verkehr, Technit, fchließlich der Weltkrieg haben das Alte zerstört. Wiederbeleben hieße dann nur geschäftliche Ausbeutung der alten, aber nicht mehr lebendig vorhandenen Volkskunst und damit ihre gänzliche Aushöhlung. Nicht aufgegeben, vielmehr durch eine bewußtere Art erfeßt aber follte die Liebe zur Heimat werden: durch eine weitblickende, männ sichere Liebe. Gewandelt hat sich ebenso das Handwerk in der Richtung nach der Industrie. Diefe muß sich wie das Handwerk einen festen Platz in der deutschen Eigenart sichern. Heimatliche Art überhaupt aber darf man nicht nur im Alten und Altherkömmlichen Ehrlich, nach eigenem Erfennen und Fühlen fo viel Echtheit, wie sehen, sondern ebenso im echten Neuen. Wenn das Gesetz gilt: jeder mur tann, feiner Arbeit mitgeben, dann wird unferer Arbeit Gefahren für öie Ernte. Und doch Tchntzzölle? Aus mehreren Landesteilen liegen Nochrichten vor, nach denen durch die feuchte Witterung der letzten Zeit die Einbringung der Ernte schwer gelitten Hot oder auch das geerntete Getreide selbst noch nicht eingebracht werden kann. So ist«in« Ab- ordnung der Kurhessischen Landwirtschaftskammer und des Landbundes für Kurhessen nach Verlin gereist, um wegen der Erntekatastrophe im Regierungsbezirk Kastel bei den motz- gebenden Behörden vorstellig zu werden. Man erstrebt di« Liefe» rung von 200 000 bis 300 000 Zentner Saatgetreide, weil etwa 80 Proz.der Roggenernt« vernichtet sei. Di« Hafer- und Weizenernete ist stark gefährdet. Ferner wünscht man Dünger- kredite und Steuernachlaß, um die kommend« Bestellung der Leiter ausführen zu können. Auch aus Pommern kommen nach der TU. besorgnis- erregende Nachrichten, da infolge de» anhaltenden Regens die Ein- bringung der Ernte stark gefährdet ist. Don der Insel Rügen wird gemeldet, daß der Roggen noch oielfach aus den Feldern liegt und noch nicht zum Trixknen gekommen ist. Auch in Hint erpommern liegt der Roggen teilweis« noch auf den Feldern, und der Weizen steht noch aus dem Halm. Aus dem Kreise Rummelsburg wird gemeldet, daß die gesamte Roggenernte sehr schlecht ausgefallen sei. Offenbar hängt es mit diesen Nachrichten zusammen, daß in den letzten Tagen die Ausgleichung der deutschen Rog- genpreis« an die des Weltmarktes außerordentlich schnell fortgeschritten ist. An der gestrigen Berliner Börse kostet« der Roggen bereits über 180 Mark die Tonn«, also über S Mark pro Zentner. Unter diesen Umständen und bei den anhaltend steigenden Ve» treidepreisen an der Forderung nach Schutzzöllen noch festzu- halten, das wäre ein Schlag gegen die Dolksernährung, wie er schlimmer nicht auszudenken ist. Schon jetzt find die Getreidepreise wesentlich höher al» vor dem Krieg«, wo noch die Schutz- zölle galten. Die Brotverteuerung müßte di« schwersten Formen annehmen, die Belastung der Aermsten in einer Weste gesteigert werden, di« mit dem Interesse an«wer Steigerung der deustchen Produktion nicht vereinbaren ist. E» ist daher höchst« Zeit, daß die Regierung ihre Zollvorlage zurückzieht. Der Dürgerblock wankt. Weimar, ö. September.(Eigener Drahtbericht.) Der T h ü r i n» gische Landtag trat am Freitag zu einer kurzen Tagung zu- sammen. Auf der Tagesordnung standen«in« sozialdemokratische Interpellation über die Vorkommnisse während de» Parteitages der Nationalsozialisten in Weimar. Zu Beginn der Sitzung teUte der Präsident mit, daß die Fraktion der Nationalsozialisten den bisherigen alleinigen Borsitzende» Vinter durch zwei andere Abgeordnete ersetzt Hab«. Die sozialdemokratische Interpellation wurde durch den Abge- ordneten Frölich, der bekanntlich kürzlich an den Reichsminister Iarree in dieser Angelegenheit einen Offenen Brief richtete, begrün- dei Er verwies darauf, daß in den letzten Monaten wiederholt republikanisch« Beranstaltunge«»erboten worden waren, während die Demonstrationen der rechtsgerich- t e t« n Verbände sich des besonderen Schutzes der Regierung erfreuten. Nachdem Abg. Frölich das Verhalten der thüringischen bürgerlichen Blätter zu dem Skandal in Weimar be- leuchtet hatte, bezeichnete er«s als unerhört, daß das Reichs- banner Schwarz-Rot-Gold bespitzelt werde und brachte zum Ausdruck, daß das angekündigte verbot von Demonstratlonrn sich in erster Linie gegen die Republikaner richtete. Namen« der sozialdemokratischen Fraktion sprach der Redner der Regierung da, schärfste Mißtrauen aus. Die Regierung antwortete in einer ganz hilflosen Wois« und versucht« die Vorgänge abzuschwächen. Der Demokrat Pros. Dr. Krüger erklärt?, daß die Kluft zwischen seiner Partei und der Regie. rung durch die letzten Dorkomm«isie derart verbreitert worden wir«, daß es ihm nicht mehr möglich sei, der Regierung ,» oer trauen. der wundervolle Dust nicht fehlen, den man heimatliche Art i*ei*nL Diese mit starker lleterzeugunyskvast vorgetragenen Ausführungen brachten Riomerschmid da» begeistert« Echo der Versammlung. Renaisiance-Theater:.Scheiterhaufen"'. Eheleben, Familienleben, Jugend der Kinder— alles Scheiterhaufen. Mit aus- aebrannten Herzen können Sohn und Tochter, bestohlen an leiblicher Kost und seelischer Wärm«, durch den hinterlassen«» Brief ihres Vaters sehend geworden, mit ihrem Wissen um das Verbrechen, das die Mutter an ihnen und dem Bater begangen hat, nicht weiter leben und gehen in den Tod. Sie ersticken am qualmenden Rauch des Scheiterhaufens, den der Sohn für sich, Schwester und Mutter in der Küche angezündet hat. Di« Mutter, von Natur Kokott«, aller Mutter- insttnkte bar, stürzt sich, leben», und liebeshungrig, wie sie einmal ist, aus dem Fenster— um vielleicht von neuem in den Armen des Mannes der Tochter zu liegen, den fl« ihr, als er noch deren Ber- lobtcr war, geraubt hatte. Aber auch die Mutter tonnte nicht anders sein, klagt Strindberg. Da« Ganz««in echter Strindberg mit allen seinen komplizierten seelischen Verwicklungen, in deren Mittel- punkt das Problem: Fmu und Ehe steht.— Den Sohn erlebte tünst- lerifch auf der Bühne Deutsch. Die anderen Darsteller unterstützten ihn wenig darin. Nur hin und w'eder hatten sie Uchte Augenblicke. Rosa L i ch t e n st e i n spielte die Mutter. Rosa Bahn versuchte sich an der Tochter, ihren Mann schauspielerte mit geringem Erfolg Heinz Hi Isert. Um Deutschs Leistung und Strindbergs dramatisches Können verlohnt es sich, der Aufführung IX Stunden des Abend- zu schenken. R. Slädte aus der Auktion. Gretna und Gast-Rigg sind zwei Städte in Schottland, die während de,«neges entstanden sind, als die Mmritionsindustri« aufblühte und aus ganz England Arbeiter an sich zog. Damals ensttanden di« beiden Niederlassungen, die 30 000 Einwohner faßten, sauber«, gerade Straßen, mehrer« Theater, Knos komfortable Hotels,«ine Feuerwehrkaserne mit ollem Zubehör zwei große gedeckt« Markthallen wuchsen hier aus dem Boden. Slks mit dem Friedensschluß die Mumtionsindustti« ihr« Betriebe stillegen muht«, wanderten die Bewohner von Gretna und East-Rigg wieder weiter, und die beiden Aroeiterstädte blieben leer und»erlassen zurück. Die englische Regierung hält nunmehr den Augenblick für gekommen, diese Wertobjekte zu veräußern und sie hat«m« An- kündiguna erlassen, daß Gretna und East-Rigg durch Meistgebot zu erwerben sind.'Die Bersteigerunq findet demnächst statt. Man darf gespannt sein, wieviel Käufer fich zu dieser seltsamen Auktion einfinden werden._____ Sttdlische«uostankSuf«. Cfta«ttSfJuß der«�inerKmistdeHutaNon bat unter Vors!, de« Oberbürgermeister»»nd unter Mtwirkmrg der Bürger- deputierten Mar Liebermann und Kampf in l>«r großen Berlwer Kunst- auSsiellmia n a anaelausi: DI« Monumentalfigur.Dämmerung' von Otto Placzet, Oelgemälde von Maler Curt«gthe— Keapolilonischer Knabenalt— und von Maler Dahle— Retterkamps— und van Maler S. S. Jlllisch_ Landlchait—, außerdem«ine Reih« von graphischen Werken. cehrgünae üb« soziales Dörsoeaemese» werde» im d« Universität in M un st er i. 3E, auch im Wintersemester 1924/25 stattfinden zur Ausbildung '» 5" und«oblfahrispflege. die fich über ,we, Salbsahr««- strecken Ueber dir Zulassmig wird in jedem ewzelnen Falle besonders schichm Mürchwrs�. an � Institut str»irtschastS- und Sozialwissen- Zusammenbruch. Abrechnung mit dentschnationaler Demagogie. ------—»....- jm Wir meinen nicht den Zusammenbruch der deutschnatio- nalen Demagogie, nicht den inneren Zusammenbruch, den die deutschnationaie Parteiführung jetzt mit Entsetzen in ihren Reihen sieht. Wir meinen den intellektuellen und moralischen Zusammenbruch, den jene Demagogen der Deutschnationalen erleiden, die sich durch ihre Abstimmung im Reichetag selbst ins Gesicht geschlagen haben. Wir haben wohl Gefühl für das innere Ringen zwischen neuer Erkenntnis der realen Welt und überalteter Parteitradition und verstehen die Tragik, die es für ehrliche Menschen, für Männer bedeuten kann. Aber mit Verachtung sehen wir, wie entlarvte niedrige Demagogen sich unter dem Verdammungsurteil der Oeffent- lichkeit über ihre moralisch minderwertige Stellung winden. und sich dabei nur noch tiefer ine Netz der Lüge verstricken. Wir haben keinen Anlaß, Herrn H o e tz s ch einen Fußtritt obendrein zu versetzen, aber wir sind es der Oeffentlichkeit schuldig, nicht schweigend an der Selbsthinrichtung des Herrn Paul Baecker vorüberzugehen. Herr Paul B a e ck e r scheint die Absicht zu haben, in der„Deutschen Tageszeitung" das alte Gewerbe der Pflege der plump verlogenen nationa- listifcben Phrase wieder aufzunehmen. Die weiteste Oeffent- lichkeit muß wissen, wie der Mann sich selbst dt« Maske von Gesinnung vom Gesicht reißt. Wären wir Deutfchnattonale, wir wären entsetzt daß dieser halb« Mann unsere Sache in unserem größten Organ vertreten sollte! Er muß sich ja verteidigen; denn an ihm, der die Worte vom hellen Wahnsinn, von den wahnwitzigen Dorschlägen schrieb, um dann im Reichstag für den hellen Wahnsinn zu S Immen, wurde die Zerschmetterung der nationalistischen emagogie offenbar. Seine Verteidigung aber ist die Voll- endung des Zusammenbruchs, des intellektuellen und moralischen Zusammenbruchs. Gestern abend schrieb er in der„Deut- schen Tageszeitung"„Ein letztes Wort. Dies letzte Wort muß in seiner ganzen inneren Verlogenheit aufgedeckt werden, Wort für Wort und Zeile für Zeile! Herr Paul Baecker beginnt mit einem haßerfüllten Aus- fall gegen den„Vorwärts". Cr behauptet dreist, daß die Reden von H e r g t und Schlange- Schöningen, die wir veröffentlichten, niemals gehalten worden wären. Peinlich genug, diese Reden! Sie wurden natürlich nicht in der deutschnationalen Reichstagsfraktion gehalten, sondern schlimmer! Aber Herr Hergt hielt die seine im Plenum des Reichstags am 25. August, vier Tag« vor dem Umfall seiner Fraktion. Wir druckten die von uns zitierten Stellen wörtlich aus dem amtlichen Stenogramm ab— wir haben nicht einmal die amtsich aufgenommenen Zwischenrufe geändert. Herr Schlange» Schöningen hielt seine Rede vom„Tropfen Schmach im Blut" am 19. August in Labe». Wir entnahmen sie der deutschnationalen„Pommerschen Tagespost", in der sie vier Spalten lang unter der Ueberschrist„Um Freiheit und Ehre" veröffentlicht wurde. Dies vorweg. Run seine Verteidigung! Er bestreitet, daß e» sich um einen„Umfall" der Deutschnationalen handle: „Nebenher wird, leider nicht nur von der jüdisch- radikalen Press«, mit Zitaten, auch au» der„Deutschen Tageszeitung", gearbeitet, um einen„Umfall" auf der rechten Seite zu konstruieren." Zu konstruieren? Herr Baecker möchte behaupten, seine und seiner Partei Verdammung de» Dawes-Planes sei ein Werturteil gewesen, das zur parlamentarischen Ablehnung noch nicht verpflichtete. Ein Werturteil, da«„heller Wahn- sinn, wahnwitzige Vorschläge, lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende" lautet, aber von der Parlaments- tischen Zustimmung gefolgt ist, hat entweder keinen inneren Wahrhertswert— oder das parlamentarische Votum ist un- ehrlich. Aber die deutschnationale Parteileitung ließ für di« parlamentarische Haltung der Deutschnattonalen erklären: „Die maßgebenden Führ«? der deutschnationaien Reichstags- fraktion wenden fich gegen die Interpoetation, die der gestrig« deutsch. national« Frakttonsbeschluß gefunden hat, al« wäre damit immer noch die Möglichkeit zu einem„Umfalk" offengebKeben. Sie beionen demgegenüber, daß die deutschnationaie Fraktion da» Vatves-Ga lachten und die mit ihm zusammenhängenden Gesetz« unbedingt und ohne Rücksicht aus parteipolitische Interessen an« außen- polllischeu Gründen ablehnen werde." Die deutschnationale Fraktion hat au» Rücksicht auf parteipolitische Interessen da» Zustandekommen der Dawes- Gesetze ermöglicht, Herr B a e ck e r hat mit Ja gestimmt. Das soll kein Umfall sein? Um nun trotzdem zu beweisen, daß der Umfall kein Um- fall war, besitzt Herr Baecker die Keckheit, di« verlogene Phrase vom„hellen Wahnsinn" wieder aufzunehmen: „Die„Deutsche Tageszeitung' denkt nicht daran, auch nur«in Wort von dem zurückzunehmen, was sie zur Be- kämpfung des Dawes-Plans geschrieben hat. Ihre grundsätzliche Einstellung ist und bleibt unverändert; ebenso natürlich auch die de« Verfasser«. Nach wie vor sind wir davon überzeugt, daß die Forderungen de« Dawes-Plans wirtschaftlicher Wahnsinn bleiben, und nach wie vor find wir der lleberzeugung, daß die Annahm« der Dawes-Gefetze verhindert. daß also Nein gesagt werden mußte, wenn ein« Aussicht bestand, dieses Ziel zu erreichen." Worin der„wirtschaftliche Wahnsinn" besteht, erfährt man sofort vom Herrn Baecker selbst. Ein paar Absätze weiter schreibt er: „Vielfach begegnet man der Meinung, eine nette Linksregierung' hätte sich doch nicht lange gehalten, weil die wirtschaftlich« Mehrbelastung durch di« Dame». Gesetz« binnen kurzer Zett Anlaß zu ihrer Beseitigung geboten haben würde. Dem- gegenüber ist aber darauf hinzuweisen, daß der Daw«»-Plan für di« deutschen Finanzen im ersten Jahr««in« gewiss« Erleichterung, im zweiten immerhin nochkeinebeträcht. lich« Mehrbelastung vorsieht, auch für die gesamt« deutiche Wirtschaft(Kreditfrage usw.) zunächst ja gewiss« Er- leichterungen bringen soll. Bis End« de, zweiten Jahre» war also von dieser Lette ein« Krists mindesten« nicht mit annähernder Sicherheit zu erwarten." „Der ursprüngliche Dawes-Plan hat bekanntlich sowohl Der- schlechterungen wie auch Verbesserungen erfahren. Ein Punkt sei besonder» hervorgehoben: Während es im Gutachten selber hieß, die deutschen Eisenbahnen dürsten nicht mehr nach volt»wirt. schaftlichen, sondern nur noch nach fiskalischen Gesichtspunkten geleilet werden, ist im Eifenbohngesetz nunmehr tatsächlich die Rück- ficht auf di« deutsche Volkswirtschaft bei der Leitung der Eisenbahnen al, erster Gesichtspunkt festgelegt. Ebenso bieten die Aeußerungen de» Gutachten», Deutschland könne nur aus lleberschSsse« dar Wirtschaft Zahlnnge» an da« Ausland leisten, di« Lebenshaltung de» deutschen Volk«» soll« nicht unter den Standanderer Nationen hinabgedrückt werden, und ähnliche, für eine ihrer nationalen Pflichten wirtlich be- wußte deutsche Regierung di« Möglichkeit, deutsch« Lebensinteressen zu schützen. Auch ganz konkret aber gibt«» bei diesen Gesetzen— Gesetzen, wie sie in Kulturstaaten ja überhaupt noch nicht durchgeführt wurden— mannigfachst« Möglichkeiten der praktischen Gestaltung und darum auch Auswirkung der Durchführung. Ganz abgesehen noch davon, daß ein« neu« Nachprüfung der deutschen Leistung»- f S h i g k« i t in dem Augenblick gefordert werden kann, wo eben die steigenden Lasten au« dem Dawes-Plan unerträglich zu werden be» ginnen." Entweder Herr Baecker hat nicht» zurückzunehmen, es bleibt beim„w i r t s ch af t l i ch e n Wahnsinn", beim „grauenvollen Elend", bei den„wahnwitzigen Vorschlägen"— dann dürfte er diese nüchterne real- politische Würdigung der Lichtseiten des Gutachtens nicht schreiben. Oder er sieht tatsächlich die Möglichkeit. mit dem Gutachten auszukommen— dann ist das „lieber«in Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende", zu dem er ja heute noch zu stehen behauptet� eine erbärmliche Lüge. Eins kann nur richtig sein— zwei fünfzigprozentige Lügen geben keine hundertprozentige Wahr- heit. Er muß die Leser seiner Zeitung tief einschätzen, daß er ihnen das zu bieten wagt— für die Dummen den„hellen Wahnsinn", für die Wissenden di« Heraushebung der Licht- feiten des Gutachtens! Wir haben wohl erlebt, daß einer in zwei verschiedenen Aufsätzen entgegengesetzte Meinungen ver- trat, daß aber einer in«in und demselben Aufsatz, mit Namen gezeichnet, das Schreiben rechts und Schreiben links so dreist und gottesfürchtig handhabt, das ist denn doch neu! Aber nun kommt die innerpolittsch« Rechnung! Herr Baecker rechnet vor: Hätten wir abgelehnt, wäre die Auf- lösung und Neuwahl gekommen, die Große Koalition, die Re- gierung Wirth-Breitscheid, die Kommunisten hätten für das Gutachten gestimmt, und noch schlimmer: es wäre zu neuen Verhandlungen mit der Entente gekommen. Wir dachten immer, Herr Hergt hätte gesagt, es sei gerade das Ziel der nationalen Opposition, neue Verhandlungen herbeizuführen? Wir meinten auch, innerpolitische Rücksichten seien gegenüber der außenpolitischen Bedeutung diese» Bersklaoungsoertrages für die Deutschnattonalen nicht maßgebend? Wir erinnern un« auch, daß Herr Baecker in der„Deutschen Tages- zeitung" schrieb: „Ein grauenvollere» Elend, al» Deutschland durch die Zustimmung zu derart wahnwitzigen Vorschlägen auf sich laden würde, istnichtdenkbar. Ihnen grgenüb« kann es nur heißen: Lieber«in End« mit Schrecken als Schrecken ohne Ende." Und nun gesteht Herr Baecker, daß er sich ein noch grauenvolleres Elend denken konnte: die Wahlniederlage der Deutschnattonalen. Seine Worte gegen das Gutachten waren also nur Schein und Trug! Auch hier: die„Deutsche Tages- zeitung" hat nichts zurückzunehmen? Am 22. August 1924, genau eine Woche vor dem Umfall, schrieb die„Deutsche Tageszeitung":■' „Die gegenwärtig« Zeit ist wirkklch sehr schnellebig. Vor zw« Togen noch wurden dl« Deutschnattonalen maßlos beschimpst, weil sie berett seien, in der Frage de» Da we«-Gutachten» umzufallen. Heute werden sie von denselben Leuten mit durchweg denselben Aus- drücken beschimpft, weil sie nicht umfallen werden. Run hat allerdings die Press« der Linien allen Anlaß, den Deutschnatio- nalen ihre Haltung übel zu nehmen, denn sie hat«inen wunder- vollen Hetz, und Derleumdungsfeldzug mit ihrer Propheii« von dem bevorstehenden Umfall führen können. Dem ist nun zugleich mit seiner Krönung auch di« Fortsetzung genommen, weil, wie der.Vor- wärt»" giftigen, aber bettübten Gemütes feststellt, di« Deutsch» nationalen sich in dieser entscheidenden Stund« mit der Ablehnung absolut treu bleiben... Es ist nicht di« Schuld der Deutschnattonalen, wenn solche simplen Rechnungen nicht aufgehen. Wenn man das unabweisbar« De- dürfnis verspürt, in einfacher oder doppelter Auflage an die E n t> scheidung de» Volkes zu appellieren: sie sind be- reit, diesen Appell mitzumachen." Und am 20. August versicherte di«„Deutsche Tageszeitung�: „Schließlich und endlich darf man annehmen, daß die Deutsch- nationalen selbst dann ihr« Stellungnahme nicht von Wahlrücksichten abhängig machen würden, wenn ihnen«in« sicher« Niederlag« in Aussicht stünde." Herr Baecker, der Chefredakteur der.�Deutschen Tageszeitung", gesteht selbst, seine Stellungnahm« von Wahl- rücksichten abhängig gemacht zu haben— im selben Atemzuge aber behauptet er, die„Deutsche Tageszeitung" habe nicht» zurückzunehmen! Zum Schlüsse hat er einen letzten Trumps: was wollt ihr, ich habe gestimmt wie der Groß- admiral von Ttrpitz! So verteidigen sich deutschnational« „Männer". Seine Beweisführung ist der Versuch, die alte Dema- gogie zu retten, aber den Umfall zu verteidigen. Dabei schlägt er sich selbst ins Gesicht. Das ein« straft das andere Lügen. und so bietet sich das Bild eines intellektuellen Zusammen- bruches, der Unmöglichkeit, die politische Situation seiner Partei und seine eigene nach dem Umfall geistig zu meistern und wenigstens nach außen den Schein der Einheitlichkeit von 'Denken und Handeln aufrechtzuerhalten. Aber auch des moralischen Zusammenbruch«: trotz der anderen Erkenntnis sollen die Massen, sollen die eigenen Parteifreunde erneut mit den alten unwahrhasten Phrasen belogen werden. Hier handelt es sich nicht um inneres Ringen, hier handelt es sich nur um politische Spekulation im wahrsten Sinne. Herr Paul Boecke? aber, der Leiter der größten Zeitung der Deutschnattonalen, ist ein Typ. Seine innere Unwahrhostig- keil ist die Unwahrhaftigkeit der deutschnationalen Partei- leitung, der deutschnationalen Politik. Urteil im potsöamer Kommuniftenprozeß. Im Potsdamer S ommuvisteuprozeß wurde un 11 Uhr nacht, da» Urteil gtsälll. Der hauptangeklagti Sauer wurde wegen Vergehen« gegen ß 123 und ß 129 de» Straf gesehbuches zu fech« Monaten GrsSngnt, verurteilt. Secht wettere Angeklagt« zu zwei bzw. vier Monaten Gefängnis 23 Angeklagte wurden freigesprochen. Der Vorsitzende hob in bei Urleilsbegründang hervor, daß dl« Nacht vom 19. zum 29. Novem ber in Glindow gezeigt habe, wie gefährlich illegal« Organisation?« werbwt können, Gewerkschaftsbewegung Die Ziele der Lohnpolitik der Unternehmer. In mehreren Auffäßen der Gewerkschaftszeitung" gibt Genoffe Tarnow ein anschauliches Bild vom Berhalten der Arbeitgeber fchaft gegenüber Arbeitern und Boltswirtschaft in bar schwersten Zeit deutscher Wirtschaftsnot. Er zeigt, wie mit einer riesigen Becinfluffung der öffentlichen Meinung, mit überlegenen Weisheitsworten und füßen Berfprechungen die Beseitigung jeder staat. lichen Schuh- und Aufsichtsmacht, des Gegengewichts der Arbeiterorganisation und ihrer Vereinbarungen, furz die fchran tenlofe Rapitals herrschaft über Arbeiter, Verbraucher und Staat betrieben wurde und noch wird. Der erste Kampf gegen die Sozialpolitik war erfolgreich. Die Aufhebung der Demobilmachungsvorschriften, des gefeßlichen Achtstundentages gab freie Bahn gegen das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter und die Gewerkschaften. Riesige Arbeitsfämpfe zerrütteten das verfallene Wirtschaftsleben. An Stelle de: Berheißungen, die man den Arbeitern gemacht hatte, trat Her= abdrückung der Löhne. Die zermalmenden Wirkungen der Geldentwertung, die fommunistische Beriplitterung wurden rücksichtslos ausgenügt. Troßdem vermochte der start organisierte Rern der Arbeiterschaft den Ansturm einigermaßen abzuwehren. Immerhin war ein Einbruch gelungen. Längere Arbeits. zeit bedeutet nach dem Willen der Unternehmer niedrigere Löhne, wenn auch nach wirtschaftlicher Erfahrung geringere Wirts schaftlichkeit. Da nun die Deffentlichkeit über die rücksichtslose Brutafrät des Ueberfalles auf die verelendete Arbeiterschaft unruhig ge. werden war, beginnt ein neuer Propagandafeldzug, eingeleitet durch den Vortrag Borsigs über Industrie und Sozialpolitik im Reichs. verband der deutschen Industrie( im April). Tarnow zeigt, was es mit den gemeinnützigen Schlag. worten des Unternehmertums auf sich hat, und welches die wahren Biele des von dieser Seite mit rüdsichtsloser Entschiedenheit geführten Klaffentampfes find. Es dreht sich um Dedung der Repara tionslaften und wiederherstellung des zerstörten Wirtschaftstapitals durch Lohnkürzung. and one gnotulanton dm lonun 1. Die Reparationslaften. Tarnow weift darauf hin, daß den im Beharrungszustand( nach 5 Jahren) zu zahlenden jährlichen 2% Goldmilliarden der Wegfall Heeresetats neue tragen, müßte in erster Linie Gadje derer fein, die durch die Gelb, " nehmertums, wirtschaftliche Verefendung und soziale Berstladung| errichtet, auf dem an den Sommersonntagen unter Anleitung von der deutschen Arbeiterklasse." Es lohnt sich für jeden Arbeiter, die lichtvolle Darstellung Tarnows in Nr. 33/34 der Deutschen Gewerkschaftszeitung" in vollem Umfang nachzulesen. asd Internationaler Achtstundentag. Brüffel, 5. September.( Eigener Drahtbericht.) Auf eine Anfrage des Brüffeler Soir" über die Durchführung der Washingtoner Ronvention, bie bekanntlich am 8. Sep. ember in Bern Begenstand von Verhandlungen zwischen den Arbeitsministern Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens und und Deutschlands bilden wird, erklärte der belgische Minister Tschoffen: Nach meiner Meinung hängt die Haltung Belgiens von der Deutschlands ab. Es ist selbstverständlich, daß, so lange die großen Nationen zu uns in Stonkurrenz treten können und Deutschland marschiert in dieser Hinsicht an der Spize ich nicht daran denten tann, im Parlament den Antrag zu speilen, uns für 10 Jahre durch die Anwendung eines Gesetzes zu binden, das uns Einschränfurgen auferlegt, die die Konturrenten für sich selbst nicht armehmen." Tschoffen ist der Ansicht, daß eine internatio nale Rontrolle über die Arbeitszeit unerläßlich ist und daß man genau die Fälle feststellen muß, in denen Abweichungen gestattet sind. Es wäre nach seiner Ansicht sonst zu einfach, ein Gefeß im Brinzip anzunehmen und es nachträglich durch Aus nahmen unwirksam zu machen. od p Fachleuten Sport in allen Formen ausgeübt wird. Der Platz ist Dom Bahnhof Baumschulenweg nach Benutzung der Fähre über die Spree in wenigen Minuten zu erreichen. Im Jugendheim des Verbandshauses in der Linienstraße 83/85 ist an bestimmten Abenden des Monats reger Berkehr. Die Jugendlichen der Berliner Metallarbeiterschaft werden auf diese Einrichtungen gern hingewiefen, und auch an die erwachsenen Mitglieder ergeht der Ruf zur Agitation und Mitarbeit Das Ergebnis der Weltestenwahlen der Ruhrknappschaft. Effen, 5. September.( TU.) Das endgültige Ergebnis der Aeltestenwahlen bei der Ruhrinappschaft liegt jezt vor. Danach erhalten Size: die Angeftellien: fab und 29. Gewerkschaftsbund 10, Deutschnationaler Handelsgehilfen- Verband und Verband der kaufm. Grubenbeamten 17, Reichsverband deutscher Bergbauangestellter 5, Sonderlisie Kellermann 1, zusammen 60 Sige; die Arbeiter: Alter Bergarbeiterverband 263 Size, christlicher Gewerkverein 151, Unionen 133, zusammen 547 Size. Getverkschaftskämpfe in Polen. Warschau, 4. September.( DE.) Die schleichende Krise in OstOberschlesien erregt nach wie vor große Besorgnis in den Regierungsfreifen. Eine Arbeiterabordnung wird in diesen Tagen in Warschau empfangen, um die Inbetriebfegung zahlreicher stilliegender Gruben und die Aufnahme voller fechstägiger Arbeit anstatt der zurzeit vorwiegend dreitägigen in den bereits funktionierenden Gruben zu besprechen. Ihrerseits drohen die Industriellen, die die ihnen versprochenen Steuer- und Tariferleichterungen bis jetzt noch nicht verwirklicht sehen, mit weiteren Arbeitsfürzungen. Die Arbeiter, für die der Ausgang des Auguststreiks den Lohnabbau gebracht hat, sind um so mehr über die gleichzeitig einfegende gewaltige Teuerungswelle erbittert. Es läßt sich eine Abkehr von den Gewerkschaften und das Wachstum der radital eingestellten syndikalistischen Organisationen beobachten, puti Ein Arzt über den Achtstundenteg. d inlochi ( IGB.) Das französische Unternehmerblatt„ La Journée Industrielle" weist in einem Leitartifel in den anerkenenften Worten auf das objektive Buch des franzöfifchen Arztes Jacques aldour über das Leben der Arbeiter" hin. Der Ber. feffer, der sich eingehenden sozialen Studien hingibt, bringt feine Ferien als einfader Arbeiter in den Fabriken zu und lebt in dieser Beit auch in den Quartieren der Arbeiter. Er stellt u. a. fest, daß er während des liegten Sonimers in den größten Arbeitervierteln von Baris faum zehn Fälle von Trunkenheit beobachtet habe. Die Kneis pen merben viel weniger befucht als vor dem Kriege und ihre Zahl geht schnell zurüd. Gründlichen Beobachtungen zufolge ift Baldour zum Schluß gekommen, daß dieſe Entwicklung hauptsächlich auch ben wohltuenden Einflüssen des Achtstundentages zuzuschreiben ist, ber auch bewirfte, daß nicht weniger als 300000 Barijer Ar beiter nach den Vorstädten abgewandert sind und fich bort Heine Häufer truften, banen ficßen oder selbst errichteten. Alle diese Arbeiter, sagt Baldour, find den Kneipen entfremdet und ihrer Familie zurüdgegeben worden. Die Journée Industrielle fogt ihren Abonnenten, ben om? Bielleicht wird bankes, bie Genojien Grün gel und Müller, für den Anschluß entwertung von ihren Schulden befreit worden sind: des Staates, der Eisenbahn, der gewerblichen und landwirtschaftlichen Unternehmer, nicht der Arbeiter. Wollte man aber diese doch heranziehen, so ergäbe eine gleichmäßige Belastung aller Erwerbstätigen, d. f. etwa 33 Millionen( das ist die heutige amtliche Schäßung), zur Die Bäder gegen die Nachtarbeit. Aufbringung von jährlich 2½ Milliarden je Kopf und Woche rund 1½ M. Die Unternehmer aber verlangen eine Mehrarbeit von wödyentlich 6 bis 12 Stunden und eine Herablegung der Löhne unter die Höhe der Borfriegszeit, also wesentlich mehr, als die Reperationslaften ausmachen. nangiander b es euch nicht immer gefallen, aber ihr werdet etwas bazin finden, was heutzutage felten ift: einen aufgewedten Geist, einen ernsthaften, umfassenden und uneigennügigen Menschen." do 2. Neubildung eines Betriebskapitals. In der öffentlichen Protest versammlung am Donnerstagabend nahmen alle in den Bädereien und Konditoreien beschäftig ten Arbeitnehmer in den Germaniafälen" Stellung gegen den Fünf Uhr Arbeitsanfang und gegen die Nacht arbeit. Der Referent, Genoffe epichold vom Zentralverband der Bäcker und Konditoren, wies auf den 5. Januar 1915 hir, der infolge der Kriegsmaßnahmen des Verbot der Nachtarbeit brachte. Die gesamte Gesellenschaft atmete damals auf. Seit jenem Beitpunkt verlief nicht eine Woche, in der nicht von bestimmter Seite gegen diese Berordnung Sturm gelaufen wurde. Unmittelbar nach dem 9. November 1918 wurde jedoch alle Nacht- und Sonntags arbeit durch Gesetz verboten. Jeder Arbeitgeber und Arbeittung gezogen und beftraft werden. Het schold fonnte aber nach meifen, daß es die Gerichte in dieser Beziehung an Aktivität fehlen ließen. Diejenigen, die an der bestehenden Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr abends rütteln, handeln weber im Sinne der Bädergesellen noch im Interesse der gesamten Bäckereibetriebe. In der Aussprache wandte sich u. a. auch der Bäckermeister Beterlohn gegen den Fünf- Uhr- Arbeitsanfang. Er schloß seine Ausführungen mit dem Appell: Nie wieder Nachtarbeit! Es ist bezeichnend, daß die fommunistischen Diskussions. rebner weniger zur Sache Sprachen, unt so mehr aber in ihrer gehäffigen Weise gegen den ADGB. tobten. Ihre Reden wirften auf die Zuhörer so ermüdend, daß fich ber Saal nach und nach leerte. Dennoch steht fest, daß die Aktion für den Fünf- Uhr- Anfang durch die Bersammlung durchtreuzt und demit gescheitert ist. Diefer Mehrbetrag foll dem Ersatz des im und nach dem Kriege untergegangenen Betriebskapitals dienen, an dessen Mangel unfere heutige Bellswirtschaft frantt. Es handelt sich um das Gelbfapital; der Verlust an Sachgütern ist im wesentlichen wieder ausgeglichen. Tarnow berechnet die Menge des durch Vermittlung der Geldanstalnehmer müßte daher bei einer gefezwidrigen Arbeit zur Verantworten der deutschen Wirtschaft vor dem Krieg zur Verfügung gestellten Gelbes auf 30 bis 35 Milliarden Mart, zum weitaus größten Teil deutsche Spargelder( i. J. 1914 etwa 20 milliarden allein bei ben öffentlichen Sparfaffen). Da die Neubildung des Kapitals sich sehr langsam vollzieht, fann rasche Hilfe nur durch ausländische Rapital zufuhr erfolgen, nicht aber durch Einschränkung des Massenver. brauches, die von Unternehmerseite heute als Heilmittel angepriesen wird. Vor dem Krieg machte die Ausfuhr nur so der deutschen Er. zeugung aus, 10 wurden im Inland verbraucht. Da der In landsverbrauch auf höchstens% der Vorfriegszeit gefallen ist und das Ausland die fehlende Menge nicht aufnimmt, fann unserer In dustrie nur durch Mehrabsaz im Inland geholfen werden. Nicht Verminderung, sondern Steigerung der Lebenshal tung der breiten Maffe ist die Borausfegung für die Gesundung der Wirtschaft. Die Lohnpolitik der Unternehmer, die nur das Ziel fennt, die Lebenshaltung der breiten Maffe herabzudrüden, entpuppt sich als verderblich für die Bolks. wirtschaft und das allgemeine Wohl." Die Kulturmark. Bor entscheidenden Beschlüssen sieht auch das Kohlenrevier von Der Löhne um 5 Broz. für den Monat September, vorbehaltlich Dombrowa. Die Grubenbejizer verlangen eine herabfegung einer rüdwirkenden Kürzung um weitere 5 Broz., falls fich die Konjunttur nicht bessern sollte. Die Gewerkschaften berufen fich dagegen auf die Teuerung, die 6 Prog. für die notwendigsten Bedarfsartikel erreicht; fie find bereit, den Lohnabbau zeitweilig hinzunehmen, weigern fich jedoch, einen bindenden Rollektivvertrag abzuschließen, auf dem die Arbeitgeber bestehen. In Bom Reichsgruppentag der Töpfer hatten wir in Nr. 415 des die Vertreter des Glasarbeiterverder Glasarbeiter an den Baugewertsbund als Keramische Gruppe eingetreten seien. Hierzu erhalten wir von dem Genoffen Grünzel, 2. Verbandsvorsitzenden des Zentralverbandes der Glasarbeiter folgende Zufchrift: Diese Darstellung ist irrig. Ich habe mich weder persönlich, noch als 2. Borfigender meines Verbandes, in feiner Weise festgelegt. Das wäre auch gar nicht möglich gewesen, weil noch Berhandlungen mit anderen feramischen Verbänden geführt werden müssen und es eine Frage dieser Berhandlungen bleiben muß, ob der Anschluß der Glasarbeiter an den Baugewertsbund oder an den Verband der Fabritarbeiter erfolgt. Beide Organisationen haben keramische Gruppen in ihrer Mitte. Auch die Ausführungen des Genossen Müller finb nicht in der veröffentlichten bestimmten Form gehalten gewesen." Der Berfasser unseres Berichts, Genosse Remniz. bestätigt bie Richtigkeit diefer Darlegung, soweit sie den Genossen Grünzel betrifft, und erklärt den Widerspruch wie folgt: Ich glaubte zur Zusammenziehung der Reden von Grünzel und Müller berechtigt zu sein, da Müller als zweiter Redner austlingen ließ, daß er persönlich für den Anschluß zum Baugewertsbund eintreten würde. Angestellte der Geldschrankfabriken und Bauschlossereien. Der neue Rahmentarifvertrag ist auf Grund der Verbandlungen vom In dieser Verhandlung 2. September endgültig fertiggestellt. wurde gleichzeitig die Vereinbarung getroffen, daß die Juligebälter auch für den Monat August 1924 Geltung haben. Ueber Die Septembergehälter wird Ende des Monats erneut berhandelt. Der neue Rahmentarifvertrag befindet sich im Drud. Achtung, Zimmerer! Die Bertrauensleute werden ersucht, darauf hin. zuweisen, daß die für die ftatistische Erhebung herausgegebenen Fragebogen, foweit sie noch nicht abgegeben find, unbedingt heute abend in den Bezirks. Totalen abzugeben sind. Die Bezirksleitungen werden ersucht, die Fragebogen spätestens am Montag, den 8. b. M., im Bureau abzuliefern. Weiter weifen wir darauf hin, daß für Falkensee( Seegefeld und Faltenhagen) ein neuer Bezirk gebildet ift. Alle dort wohnenden Rameraden werden ersucht, fich dort anzumelden. Raffierer Wilhelm Wolff, Faltensee, Geege. Der Vorstand. felber Str. 14. Deutscher Bangewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Gettion Fene. rungs- und Schornsteinbau: Am Sonntag, den 7. Geptember, vormittags 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Goal 3, Bersammlung aller im Schornstein- und Feuerungsbau tätigen Kollegen. Bünktliches Erscheinen jedes Rollegen ist Die Fachgruppenleitung. sinid Jugendveranstaltungen. Einen beachtenswerten Borschlag zur Förderung des Bildungswefens der Gewerkschaften macht Genosse Engelbert Graf im„ Gewertschafts- Archiv". Er wendet sich gegen die Behauptung, daß es heute nicht möglich sei, eine umfassende, von der Gewerkschaftszentrale flight! Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. ausgehende Organisation genügend zu finanzieren. Das jei wohl möglich, wenn es gelingt, der Erkenntnis von der Notwendigkeit, nicht nur für den wirtschaftlichen Rampf, sondern auch für den kulturellen Aufbau die Mittel aufzubringen, in den Borständen und Mitgliedern der Gewerkschaften Boden zu bereiten. Er berechnet, daß ein Bei trag von jährlich einer Mart, das ist aufs Vierteljahr soviel, wie ein Glas Bier oder 5 Zigaretten toften, ausreichen würde, um eine ganze Menge Bildungsschulen zu unterhalten. Er berechnet, wenn an einer Schule im Jahre 20 zweiwöchige Lehrgänge für je 50 Teilnehmer abgehalten werden, daß die Kosten einschließlich Verpflegung, Erfaz des Lohnausfalles, Gebäudefoften usw. 175 000 m. betragen würden, die er auf 200 000 m. abrundet. Bei vier Millionen Beitragenden ergäben sich so die Mittel für eine ganze Anzahl folcher Schulen und eine Reihe weiterer und tieferer Bildungsaufgaben. 3. Wem soll das neugebildete kapital gehören? In der Denkschrift:„ Die Lohnpolitik der Arbeitgeber" heißt es: „ Angesichts dieser Belastung... muß festgestellt werden..., daß der deutschen Lohnhöhe eine bestimmte Grenze gezogen ist, die bei der völligen Kapitallosigkeit der Betriebe und dem unbedingten Bedürfnis nach neuer Rapitalsbildung nicht überschritten werden kann.". Also foll durch Lohnabzug neues Sapital gebildet werden, das Eigentum der Unternehmer wird, während vor dem Krieg das Betriebskapital überwiegend den Mobilfapitalisten, zu beträchtlichem Teil auch der Masse der kleinen Sparer gehörte und den Unternehmern nur geliehen war. Nachdem diefe ihre Schulden in wertlofem Geld zurüd gezahlt haben, nachdem ein guter Teil Kapital im Ausland oder in Sachwerten und Lugus gütern angelegt ist, sollen die Arbeiter neues Betriebskapital zu fammenhungern, das weder ihnen noch den verarmben Rapitals Schiedsspruch für das Baugewerbe. befizern von ehedem, sondern den Unternehmern gehören foll. Das Im Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Baulehnt die Arbeiterschaft mit Recht ab. Soll von ihrem Lohn neues gewerbe wurde heute durch den Reichs- und Staatskommissar Rapital gebildet werden, so muß das ihr Eigentum fein. Daß mehlich ein Schiedsspruch gefällt. Diefer sieht für das diese Kapitalersparung, wo immer fie möglich ist, stattfindet, zeigt die Rölner Lohngebiet einen Spizenlohn von 78 Proz., für das InBerliner Spartaffe, die im zweiten Bierteljahr 1924 troß niedriger duftriegebiet einen Spitzenlohn von 74 Proz. vor. Die Parteien Löhne schon wieder eine Zunahme der Sparguthaben in halber Höhe follen fich bis zum nächsten Montag über Annahme oder Ablehnung des Zuwachses der Borkriegszeit verzeichnet. Hier zeigt sich der Weg, auf dem neues Sapital entstehen tann: durch möglichst hohe Entlohnung der arbeitenden Masse." Dies Rapital würde der Wirt schaft zur Verfügung stehen, aber als Eigentum der Arbeiter, nicht der Arbeitgeber, wie diese wollen.id sid nello! 91 Zutreffend tennzeichnet Tarnow das Ziel der Unternehmer: „ Die Arbeiter follen die. Lasten der Reparations zahlungen übernehmen, außerdem erhebliche Lohnopfer für die Neubildung eines deutschen Boltsver mögens" in der Tasche der Unternehmerflaffe bilden. Ziel ist eine unerhörte gesteigerte Machtfülle des industriellen Unter. Die Bekämpfung des Ungeziefers bei Mensch und Tier ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitspflege. Mit Cuprex gelingt die Ungezieferbeseitigung schnell, sicher, leicht und unauffällig, sowie ohne gesundheitliche Nachteile. Cuprex ist das wirksamste und beste Mittel gegen Kopfläuse und übertrifft alle bisherigen Mittel, weil es das Ungeziefer samt Eiern( Nisse) mit einem Male vernichtet. Apotheken und Drogerien halten Cuprex in kleineren und größeren Packungen vorrätig. and erklären. Tarifabschluß im Bankgewerbe. söld wie der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten mitteilt, wurde gestern in freien Verhandlungen mit dem Reichs. verband der Bankleitungen folgende Tarifvereinbarung getroffen: Für September unb Ottober 1924 gelten die im Schieds. pruch vom 28. Juli festgelegten Gehaltsfäße. Der Reichstarif vertrag für das deutsche Bankgewerbe vom 19. Februar und 3. März 1924 wird unverändert bis zum 31. März 1925 verlängert. Die Jugend im Metallarbeiterverband. Die Drtsverwaltung Berlin des DMB. läßt sich neben der Agitation unter ben erwachsenen Berufsangehörigen auch die Fürsorge Nach dem Wahlspruch: Wer bie Jugend hat, hat die Zukunft, veranfür die Jugendlichen, Lehrlinge wie Junggefellen, angelegen fein. ftaltet die Jugendabteilung des Berbandes periodische Zufammenfünfte, in denen den Jugendlichen Gelegenheit gegeben wird, über Berufs- und Betriebsfragen zu diskutieren. Daneben werden belehrende Borträge gehalten unter Zuhilfenahme des Lichtbildes Wanderungen in die Natur gemacht und Führungen durch Museen und Runststätten abgehalten. Um den Drang der Jugend nach fportlicher Betätigung im Kreise Gleichgesinnter zu erfüllen, ist in Baumschulenweg ein Spielplat mod mold# Mädchenkonferenz am Montag, den 8. Geptember, abends 7½ Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. Stellungnahme zum Mädchenkursus in Tännich. Alle Mädchen müssen erscheinen. Seute, Sonnabend, den 6. September: jugendtag in Lindau Lichtenberg- Rerb: Sonnabend und Sonntag Beteiligung am Unterbezirks. Schöneberg I: Unterbezirksfahrt Storkow. Treffpunti ½6 Uhr Bhf. Schöneberg. Berbebezirk Webbing. Achtung, Mitglieder! Heute abend 5 Uhr Abfahrt aller Teilnehmer am Jugendtag in Landsberg. Treffpunkt 4 Uhr Bhf. Friedrichstraße. Roch nicht geleistete Anzahlungen des Fahrgeldes und Erledigung etwaiger Reumeldungen werden am Treffpunkt, spätestens 45 Uhr, noch ent. gegengenommen. Liederbücher und Instrumente find mitzubringen. Erscheint pünktlich. Berbebezirk Brenzlauer Berg: Die Teilnehmer am Jugendtag in Schwedt a. b. D. treffen fich heute um 24 Uhr und um 28 Uhr am Stettiner Bhf. ( Normaluhr). Berbebegir! Westen, Teltowlanal, Unterbezirk Endenwalde- Storkow: Fahrt zum Jugendtag nach Storlow heute 4.05 nachm., 7.30 unb 8.05 Uhr abends ab Görliger Bbf. Rachailgler auf Sonntagsrückfahrkarte am Sonntag morgen 7.27 nach Storkow. Werbebeziz! Neukölln: Alle Genoffen, die am Unterbezirks- Jugendtag in Lübbenau teilnehmen, treffen sich heute pünktlich 5 Uhr Hermannplay, und 16 Uhr Görl. Bhf. Fahnen, Wimpel und Inftrumente find mit. aubringen. Treffpunkt für Sonntag pünktlich 7 Uhr Görl. Bhf.( Eingang Biener Straße). Berbebegirl Oberfpree: Treffpunkt der angemeldeten Teilnehmer zum Jugendtag in Lübbenau heute abend 6 Uhr Bhf. Niederschöneweide. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: K. 5. Döscher; Lokales und Sonstiges: Fris Karstäbt; Anzeigen: Th. Glede; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenſtrake 3. Sicran 2 Beilagen. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch Lebewohl" los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. Lebewohl wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. Seit 20 Jahren bewährt. In Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring! Nr. 420* 41. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Sonnabenö, 6. September 1924 Sonntägliche wanöerziele. Selzig-Viefenburg. 0m Südwest«« der Mark liegt das Gebiet, das wir zu emer Wanderung in die blühende Heide erwählen. Von der Stadtbahn fahren wir mit den Fernzügen der Wetzlarer Bahn bis B elzig. Schon ncr fast tausend Jahnen, in einer Urkunde von 949, wird die Burg Belzig in der Form von Belitz! erwähnt. Sie war eine Grenzfeste des fächfifch-askanischen Herzog- und Kur- fürstentums. Später kam Belzig zu Sachsen, bei dem es bis 1815 verblieb. 8ln die sächsische Zeit erinnert noch eine Postsäule, die in dem sich dicht an Belzig anschließenden Dorf Sondberg steht. Di« alte Burg, das einstige sächsische Grenzhaus, liegt auf einem steil aufragenden Hügel: seit 1465 wird sie der Eisen- Hardt genannt. Ueber den Wallgraben sührt eine steinerne Brücke, vor der eine gewaltige Linde steht. Die Burg ist öfter von Kriegsnöten heimgesucht worden: der Bergfried hat jedoch den Zer- störungen standgehalten. 3Z Meter ist er hoch: seine Mauern sind unten 4, oben 1 Meter dick, sie bestehen aus Granitblöcken. Eine schön« Fernsicht bietet sich von der Plattform des Bergfrieds. Vom Wiesenburger Tor in Belzig steigt die Gliener Straße zur Wiesen- bürg er Chaussee an. Bon der Chaussee wenden wir uns sogleich rechts ab, an der Wegteilung nochmals rechts, und wandern durch den Grünen Grund, der am.fmttenberg vorüberführt. Wir kommen zur Landstraße, die uns zum Dorfe Hagelberg bringt. West- lich vom Dorf liegt der Hagelsberg: eine Windmühle dreht auf seinem Hügel ihre Flügel. Der Hagelsberg ist der höchste Berg des Fläming, überhaupt des Regierungsbezirks Potsdam. 201 Meter steigt er über den Meeresspiegel auf, jedoch erscheint seine Höhe nicht so gewaltig, da er sich über seine gleichfalls ziemlich hoch liegende Umgebung nur wenig erhebt. Nördlich vom Hagelsberg liegt der 182 Meter hohe Borussiaberg mit einem Denkmal zur Er- innerung an die Schlacht, die am 27. August 1813 hier tobte. Wir wandern vom Dorf Hagelberg westlich zum Gut Schmerwitz und in gleicher Richtung weiter, am Schloßpark vorüber zu dem Wege nach WiesGnburg. Auch Wiesenburg ist eine alt« Burg, die schon 1161 erwähnt wird. Als einziger Rest ist nur noch der Bergfried erhalten, ein 48 Meter hoher Turm, völlig von Efeu h-nvochse», mit einem überdeckten Rundgang(siehe Abbildung). Don dem Bergfried genießen wir einen schönen Ausblick, voraus- gesetzt, daß der Besuch nicht untersagt ist, wie dies bei derartigen Gebäuden jetzt leider häufiger der Fall zu sein pflegt. Das jetzige Dorf Wiesenburg war ehedem«in Marktflecken oder Städtchen. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche aus Feldsteinen ist um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts erneuert worden. Bcm Dorf wandern wir zu dem eine halbe Stunde entfernt liegenden Bahnhof und kehren von hier nach Berlin zurück. Weglängc etwa 18 Kilometer. Die Heide ist am schönsten, wenn sie blüht! Und solche Heidelandschaften größeren Umfonges treffen wir auf einer Wanderung durch den Fläming an. Der vnn der Heideblüte bläulichrot schimmernde Boden, das dunkle Grün einer Umrahmung von Kiefernwald, einig« Birken mit hellgrünen und weißen Farben- tönen, dazu vielleicht nock, Ebereschen mit ihren korallenroten Frucht- büscheln, und alles überspannt von dem hellblauen Spätsommer- Himmel, mahrlich ein Landlchaftsbild von so prächtiger Farben- zusammenstellung, wie sie eben nur die Heidelandschafi zur Blüte- zeit bieten kann! öuch-Lehnitz. Sehr schön« Gebiet« blühender Heide zeigen auch die ausge- dehnten Kiefernwälder im Norden der Reichshauptstodt zwischen Stettin«r und Nordbahn. Wir fahren vom Stettiner Bor- vrtbahnhof bis B u ch, wenn wir Glück haben, mit einem der neuen elektrischen Züge. Das Dorf hieß in alter Zeit Wentschenbuk >. Nein da» wäre ein Unrecht," sagte Lars und fing an, ihr gut zuzureden und zu untersuchen, was denn los fei. . Sie ist plotschnaß, das kleine Wurm." In Ermangelung von etwas anderem nahm er den Unterrock und schob ihn unter sie. Das half für eine Weile, aber bald begann sie wieder zu schreien, und Lars mußte sie aufnehmen. Mit seinem Vater war nicht zu spaßen, und das Be- wußffein, daß er jeden Augenblick kommen konnte, sowie dos anhaltende Gebrüll des Kindes und die zunehmende Dunkel- heit raubten den Knaben etwas von ihrer Keckheit. Der Kaffee schmeckte auch weder nach Sodawasser noch nach Lakritz, obwohl sie sich an jedem Mundvoll ergötzten. Sie versuchten, Branntwein hineinzutun, aber das verschlug nichts. Dann probierten sie, Pfeffer und Zimt hinzuzufügen, mit dem Resultat, daß beiden schlecht wurde und sie die Zuckerschale leeren mußten, um sich wieder zu erholen. Inzwischen lauschten sie gespannt auf jeden Laut, und als endlich vor dem Hause Lärm zu hören war, fuhren sie auf, schlüpften zur Küchentür hinaus und verschwanden über den Bretterzaun. Lars hatte aus naheliegenden Gründen beschlossen, die Nacht draußen zu verbringen, und auf dem Marktplatz trennte er sich von Thorvald und schlenderte zum Hafen hin- unter. Dort richtete er sich für die Nacht in einem Fischtasten häuslich ein. 5. Inzwischen saß Madam Frauk zu Hause und wartete. Sie war längst mit dem Rollen fertig, hatte den größten Teil der Wäsche ausgetragen, ihr Geld dafür bekommen und ihre wöchentlichen Einkäufe der allernotwendigsten Dinge ge- macht: Kaffee, Zucker und dergleichen. Den Zucker hatte sie wie gewöhnlich in der Kommodenschublade verschlossen, da- mit er Thorvald nicht in die Finger fallen sollte. Run saß sie und' zählte auf einem Stüch Papier die einzelnen Posten zusammen, um die Rechnung des Kaufmanns in Einklang mit dem Golde zu bringen, das sie noch übrig hatte. Es haperte damit, und es fehlten fortwährend ändert- halb Kronen. Sie war schon sicher, daß der Kaufmann sie belrogen hätte, als ihr plötzlich einfiel, daß sie auch den Bäcker bezahlt hatte. Sie rechnete den Verdienst der Woche zusammen. Acht Kronen machte es aus— mit der Wäsche, die sie noch abzu-� liefern hatte. Das war eigentlich ein ganz hübscher Wochen- lohn, und doch reichte er kaum aus. Gott sei Dank! Jetzt waren die Tage länger, und man sparte Heizung und Licht. Im vorigen Winter hatte sie zwei Liter Petroleum in der Woche gebraucht und jetzt kaum eins in vierzehn'Tagen.— Aber dafür ging in der heißen Zeit, wo die Leute stark schwitzten, auch mehr Seife und Soda drauf. Dann legte sie den Bleistift und den Tütenfetzen, den sie zu ihrer Rechnung benutzt hatte, beiseite und machte sich an die beiden Körbe mit Wäsche, die noch nicht ausgetragen waren. Meist war es Wäsche für alleinstehende Mannsleute, Handwerksgesellen, Steinarbeiter und ähnliche Personen: Plüsch- und Leinenhosen, blaukarierte Hemden und hell- blaue Kittel. Stück für Stück sah sie sorgfältig nach: sie nähte Knöpfe an die Hemden, stopfte die Strümpfe, und heftete hier und da einen Flicken auf ein Paar Leinenhosen. Sie folgte dem schwindenden Tageslicht mit ihrer Arbeit, rückte zueifft ans Fenster, dann auf die Küchcntreppe, und erst als ihr die Augen wehtaten und es gelb in ihnen brannte. wenn sie sie von der Arbeit hob, ging sie hinein und machte Licht. Das waren Madam Franks beste Stunden, wenn sie so allein für sich saß und nachdachte und sich über niemanden zu ärgern brauchte. Besonders am Samstagabend, wenn sie die Früchte der Arbeit einer ganzen Woche einheimste, war ihr ziemlich wohl zumute. Alle ihre Gedanken und Kümmer- niste drehten sich darum, mit ihrem Eelde auszukommen, und sie fand mit der Zeit ein gewisses Behagen darin, immer und immer zu rechnen, zu überlegen und sich vor der Zukunft ein wenig zu graulen. Run war bald die Zeit da, wo man sich Brennholz für den Winter kaufen mußte, um es billig zu bekommen, aber woher sollte man das Geld nehmen? Und um ihre eigenen Sachen war es ganz schlimm bestellt. Sie hatte kein neues Kleid gekriegt, seit sie Dienstmädchen gewesen war, sondern hatte die alte!, immer wieder gewendet und geflickt. Für ein Dienstmädchen war sie allerdings recht reich ausgestattet gewesen: fünf gute Kleider hatte sie gehabt, so gut wie neu, und dann das Brautkleid, das der Brauer selber ihr geschenkt hatte. Aber jetzt fielen sie alle auseinander. Und zum Herbst sollte der Junge konfirmiert werden, da konnte sie ein ordent- liches Kleid nicht entbehren. Und der Konfirmationsanzug mußte beschafft werden und am liebsten ein kleiner ffeft- schmaus, wenn man nicht wie die Armenhäusler dastehen wollte! Und Pastor und Küster mußten auch etwas bekam- men, der Pfarrer mindestens zwei Kronen: sonst lud er den Jungen nicht mit ein zu dem Schokoladenschmaus,. den er für die Konfirmanden zu veranstalten pflegte, und dann war es gleich in der ganzen Stadt bekannt. Aber Madam Frank wollte nicht in den Ruf kommen, geizig zu fein, und noch weniger wollte sie sich beschuldigen lassen, daß sie nicht bezahlen konnte. Dann war da die Frage, wie man dem Pfarrer das Geld zukommen lasten sollte: denn es dem Jungen zu geben und die Sache durch ihn erledigen zu lasten, wie es sonst Sitte war, da- war sicher zu gefährlich.(Fortsetzung folgt.) 17 Festnahme eines Taschendiebtrios. Lebensgefährlicher Kampf mit einem Fledderer. Gestern abendemoch beobachtete ich eine Weile ein Greifenweib-| hängen des Floggenschmudes zu unterlassen, aber| Ulbrich wurde vor dem Hause Nödernstr. 58 durch einen ast sein, das aus elender Hülle abwechselnd zwei flapperdürre Arme vergeblich." Was hat die Firma M. Forell nun gegen den schul- traftwagen der Herdfabrik Reform" überfahren. Mit einem Schädelbruch schaffte man den Verunglückten nach dem Hubertushervorschob:„ Streichhölzer gefällig, gnädiger Herr, Streich- bigen Hausverwalter unternommen? Krankenhauſe, wo aber nur noch der Tod festgestellt werden konnte. hölzer..?!" Den Hintergrund zu diesem schemenhaften Wefen gab Das Ende des„ Nackttanz"-Schwindels. das raffiniert dekorierte, mit höllischem Rot erfüllte Schaufenster Urteil im Disziplinarverfahren gegen Lehrer Koch. eines Eeidenhauses. Lurusautos warfen Dredspriger über das Bild und raften höhnisch- gurgelnd weiter. Regen strichelte unaufhörlich Man erinnert sich noch der wüsten Hehe, die von rechtsstehenden hernieder. Man fröftelte. Man fror! Monoton wie der Regen: Parteien gegen die Berliner Schulverwaltung beStreichhölzer gefällig, gnädiger- Einmal schnitt die weiner trieben wurde, weil in Gemeindeschulen Moabits angeblich weiner- frieben fiche Stimme plöglich ab, und die Alte fiel wie ein häufchen Asche Radttänze" von Schulkindern unter Leitung des Lehrers in sich zusammen: vor dem höllisch brennenden Schaufenster, einen Koch aufgeführt worden sein sollten. Das Wort„ Nadttänze" tat halben Schritt vor ganzen Bergen von echter Seide... feine Wirkung, in Wirklichkeit aber handelte es sich um rhyth misch gymnastische lebungen nadter Rinder, und Koch Teitete sich nicht als Schullehrer, fondern als Mitglied einer Gruppe von Freunden der Körperkultur. Daß er Schulräume zu den lebungen bemuzte, bot Feinden der Schulverwaltung die Möglichkeit, von der Angelegenheit eine Darstellung zu geben, die den Eindruck erweckte, wie wenn die angeblichen„ Nadttänze" sozusagen ein Teil des Schulunterrichtes gewesen wären. Die lebungen waren eine gänzlich private Veranstaltung, für die lediglich Koch und andere Beteiligte die Verantwortung trugen. Ein tödlicher Selbstschuß. Jm Berufseifer ums Leben gefommen. Ein eigenartiger Unglücksfall, der durch Selbstschüsse hervor gerufen worden war, führte den Fabrikbesizer Leipel wegen fahrläffiger Tötung vor das Schöffengericht Schöneberg. Der Angeklagte hatte in dem großen Garten feiner Villa Selbstschüsse gelegt, um sich vor Einbrechern zu schützen. Diese hinderten jedoch zwei Einbrecherbanden teineswegs, der Villa mehrmals ungebetene Besuche abzustatten. Deshalb hatte der Fabrifbefizer noch einen besonderen Wächter namens Geifler angestellt. Als dieser nun eines Nachts in der Billa verdächtige Geräusche hörte und Einbrecher vermutete, stieg er in die Billa ein. Im gleichen Moment wurde er in die Luft geschleudert und fiel 3 crichmettert tot zu Boden. Unglücklicherweise war er mit einem Selbstschuß in Berührung gekommen, so daß sich dieser entladen hatte. Während der Staatsanwalt vier Monate Gefängnis beantragte, wies die Verteidigung darauf hin, daß der Getötete das Opfer feiner eigenen Unvorsichtigkeit geworden sei, denn er habe die Selbstschüffe getannt. Das Gericht fam aus diesem Grunde dann auch zu einer Freisprechung. " Bon juristischer Seite wird uns zu dem Fall geschrieben: Ein Bächter behütet für geringes Entgelt Sicherheit und Eigentum eines Billenbesitzers und kommt dabei angeblich durch eigene Un vorsichtigkeit" ums Leben. Das Gericht spricht den Billenbefizer frei, weil der Wächter die Anlage der tödlichen Selbstschüsse gut getannt haben soll. Hat er aber auch wissen müssen, daß die Selbstschüsse tödliche Folgen haben tömmen? Kann es überhaupt gestattet fein, Menschen, selbst Einbrecher ohne weiteres ins Jenseits zu be fördern? Die Polizei warnt den Uebeltäter, bevor sie zur Waffe greift; sie ruft ihm Halt!" zu oder Hände hoch!", bevor sie schießt. Der Billenbesitzer aber legt Selbstschüsse an, die nicht allein Einbrecher hätten töten fönnen, sondern auch den gegen die Einbrecher bestellten Wächter getötet haben und wird von der Anklage, die auf fahrlässige Lötung lautete, freigesprodjen. Gab es denn wirtlich nicht weniger gefährliche und trotzdem wirkungsvolle Alarmverrichtungen, die die Billa gegen das Einsteigen von Einbrechern zu sichern imitande gewesen wären? 3weimal hatten bereits Einbrecher dem Billenbesiger einen Besuch abgestattet. Er glaubte fich im Zustand der Notwehr zu befinden, die der§ 53 des Strafgefeß buches porsieht. Stellen aber tödliche Selbstschülfe nicht eine strafbare Ueberschreitung dieser Notwehr vor? Der Bürger hat ein felbstverständliches Recht, fein Eigentum zu schüßen. Sind Verbrecher letzten Endes auch Opfer unferer fozialen Zustände, so braucht man fich trotzdem nicht ansplündern zu lasser. Es geht aber nicht an, selbst Verbrecher als Freiwild zu behandeln. Um so weniger dürfen alle Schuhvorrichtungen, die den Verbrechern gelten, die Beschüßer des gefährdeten Eigentums augrunde gehen lassen. Wir wissen nicht, ob der Wächter Frau und Kind hinterlassen hat. Sollen auch die fein Recht auf Entschädigung haben? Jebenfalls wäre es unbedingt notwendig, daß einmal behördlich festgestellt wird, welche Selbstschüsse zulässig sind. 1773 = = Erst nach langem Besinnen entschloß sich das Provinzialfchulfollegium zu einem Disziplinarverfahren, das die Schreier und Hezer verlangten. Jeht verbreitet eine bürgerliche Zeitungskorrespondenz über das Urteil folgende Mitteilung: In dem Disziplinarverfahren gegen den Lehrer Adolf Koch, Reftor Buchholz und die Lehrerin Bruno wegen Abhaltung von rhythmisch- gymnastischen lebungen mit Schülern und Schülerinnen der 240. und 254. Berliner Gemeindeschule in umbefleidetem Zustande, sind gestern die Beschuldigten Koch und Buchholz mit einem Verweis, Fräulein Bruno mit einer Berwarnung auf Grund des Disziplinargefeges vom 21. Juli 1852 von der Difzi plinartammer des Provinzialschulkollegiums bestraft worden. Bei Fällung des Urteils wurde in Betracht gezogen, daß unzüchtige Handlungen nicht festgestellt sind und daß Koch nicht von unedlen Motiven ausgegangen ist. Strafverschärfend wirkt aber das eigenmächtige Borgehen des Angeklagten, der die Kurse eingerichtet hat, ohne sich Dorher mit der Aufsichtsbehörde in der vorgeschriebenen Form in Berbindung zu setzen." Das also ist das Ergebnis der Hehe, die sich in ihren legten Zielen weniger gegen den Lehrer Koch, als gegen die Berliner Schulverwaltung gerichtet hatte. Der„ Nadttanz" Schwindel ist fläglich zusammengebrochen, und von den verleumde rischen Andeutungen angeblicher, unzüchtiger Handlungen" ist nichts übrig geblieben. Daß Koch, der jetzt nur einen Verweis erhalten hat, inzwischen durch Abbau" aus dem Schuldienst ausgeschieden ist, wurde im„ Borwärts" bereits gemeldet. Wieder eine Wassersperre! Wenn ein Hauseigentümer das Waffergeld fchuldig bleibt, wird den Mietern die Wasserzufuhr abgeschnitten. Das ist after Brauch bei den Berliner Wasserwerfen und an ihm haften fie feft, unbefümmert um die Folgen für die Mieter. Auch in dem Edhaus Jatobibirchstraße 3 und Mathieustraße 16, das einer Berliner Bant gehört, ist wegen Nichtzahlung der Wafferrech cung jetzt das Waffer gesperrt worden. Die Mieter haben ihre Miete gezahlt, aber sie werden dafür bestraft, daß der Verwalter der nicht im Hause wohnt) die Zahlung des Wassergeldes unter laffen hat. Warum er mit der Zahlung im Rückstande geblieben ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Man begreift es, daß die Mieter über diefe 3wangsmaßregel, deren Härte nur fie trifft, erregt sind. Gibt es für die Wasserwerke denn wirklich feine Möglichkeit, bei Zahlungsverzug das äußerste Mittel der Wafferabfperrung zu vermeiden? Unterbleiben follte fie schon wegen der schweren Gefahr, die bei einem Wohnungsbrand aus dem Waffermagel entstehen fann. Auch die Gefundheitspflege leibet, wenn man die Beranfchaffung des Waffers erschwert. Noch einmal ein Prozeß Leder. Die Vorgänge auf dem Wilmersdorfer Wohnungsamt. Der Fall des Stadtfekretärs Leder vom Wohnungsamt Bilind, neben welchem ein Zettel log, auf dem in rührenden Wormersdorf, der seinerzeit außerordentlich viel Staub aufwirbelte, ftand gestern aufs neue vor der ersten Ferienstraffammer des Landgerichts III zur gerichtlichen Erörterung an. Leder wurde bekanntlich beschuldigt, Wohnungsschiebungen von folchem Ausmaße betrieben zu haben, daß das geflügelte Wort entstand, er habe in seiner Wohnung das„ fleine Wohnungsamt". Wie erinnerlich, wurde die Sache durch den Bankdirektor Wolpe ims Rollen gebracht, jedoch blieben von dem beigebrachten unfangreichen Material nur fünf Fälle übrig, bei denen es sich um Geschente oder Ankäufe von Klubfesseln, Teppichen usw. handelte. In zwei Fällen erkannte das Gericht bereits auf Freisprechung. In den übrigen Fällen wurde Leder von dem genannten Gericht zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, indem das Gericht eine an fich pflichtwidrige Handlung als vorliegend annahm. Gegen dieses Urteil war Berufung eingelegt worden. Leder, der übrigens nur in der Beschlagnahmeabteilung beschäftigt war und feine Mieter einmeisen konnte, bestritt auch gestern wiederum, sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht zu haben. Seine Verteidiger führten dazu weiter aus, daß hier ein Rachefeldzug des Bankdirektors vorliege, der sich mit Agenten in Verbindung gefeht habe, mit denen zu verkehren das Wohnungsamt Schöneberg verboten habe. Das Betufungsgericht erkannte auch in zwei weiteren Fällen auf Freisprechung und es fam nur in dem dritten Falle, bei dem es fich um ein Geschenk in Gestalt einer Geldtasche und von 50 Bigarren handelte, zu einer Verurteilung. Es erkannte gegen Leder, dem von seinem Borgefegten das beste Zeugnis ausgestellt wurde, auf einen Monat Gefängnis, der auf Grund des Geldstrafengeseges in 300 M. Geldstrafe umgewandelt wurde. Diese wurden überdies noch, da Leder seinerzeit in Untersuchungshaft genommen worden war, durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt angesehen. Das Flaggenrecht" des Hauswirts. In Nr. 410 berichteten wir aus Prizmalt über ein eigenartiges Borgehen gegen die schwarzrotgoldene Fahne der Republit. Der Bewohner eines dortigen Miethouses, das der Firma M. Foreil aus Breslau gehört, war von dem gefeßlichen Vertreter der Eigentümerin mit einer Klage behelligt worden, weil dieser Mieter an Feiertager der Sozialdemokratischen Partei und der Republik schwarzroigoldene Fahnen zum Fenster feiner im ersten Stockwert belegenen Wohnung hinauszuhängen pflegt. Das Gericht sollte, fo wurde verlangt, gegen ihn entschei den, daß er das fünftig zu unterlassen habe, weil sonst bate. Kindesausfehung einer fünfzehnjährigen Mutter. In der Mitte des Monats März fand eine Frau in einem Hause in Spandau in einem Rorbe angeblich ein ausgefegtes ten gebeten wurde, für das arme Kind zu forgen, da sich die Mutterin großer Not befinde. Das Kind wurde der Polizei übergeben und von dort einer guten Pflegerin zugewiesen. Alle Nachforschungen nach der Kindesmutter blieben erfolglos, bis jetzt Frau M. selbst, von Gewissensbiffen gepeinigt, den wahren Sach verhalt aufdeckte. Die Mutter des Kindes ist die 15jährige Helene S. aus Spandau, die feinerzeit aus Angst vor ihrem Stiefvater ihren Zustand verheimlichte und bei einer Frau. das Kind zur Welt brachte. Diese versuchte, den Säugling in einem Findelhause unterzubringen und wollte, als ihr das nicht gelang, das Kind auf einer Treppe aussehen. Dozu fehlte ihr aber der Mut, da ihr das Meine Besen zu leid bat. Da fam eines Tages die Frau M, zu der Frau L. und nachdem diese in die Situation eingeweiht worden war, beschlossen die junge Mutter und die beiden Frauen, die Sper funft des Kindes zu verschleiern und es als einen Findling der Frau M. auszugeben. Den Begleitzettel hat die Frau T. geschrie. ben. Die drei Verschwörerinnen" werden sich demnächst vor dem Bericht zu verantworten haben. Und was gefchieht mit dem Vater Des Rindes, der es über fich gemama, eine Fünfzehnjährige, alſo felber noch ein halbes Kind, ins Unglück zu stürzen? " Herbstbetrieb im Freibad Wannsee. Im städtischen Freibad Bannfee find die neuen Banli. feiten, die von den Gemeindebehörden im Frühjahr genehmigt wurden, jest fertiggestellt. Die amtliche Nebergabe, die dem nächst erfolgen soll, fommt gerade noch recht für den Herbstbetrieb. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit ist, wie jeder Badefreund weiß, das Wasser in den Flüssen und Seen noch ziemlich warm. Daher tann man den Besuch des Freibades Wannsee und feiner neuen Strandanlagen nur empfehlen. Geplant ist übrigens, die Wirt schaft des Freibades auch für den Wintersport nugbar zu machen. Zwei tödliche Verkehrsunfälle. Vor dem Hause Wiener Straße 69 geriet die 57 Jahre alte Witwe Pauline Budach aus Alt- Moabit 55 unter bie Räder eines Geschäftswagens und zog sich schwere innere Verlegungen zu. Man transportierte fie nach dem Urban- Strankenhause, to fie bald nach ihrer Aufnahme ber ftorben ist. Die Schuldfrage bedarf noch der Aufklärung. Der 18jährige Schüler Walter der Eindruck erweckt werden könnte, daß die Eigentümerin bes Das Rundfunkprogramm. Hauses oder auch ein im Erdgeschoß als Mieter wohnender Geschäftsinhaber es mit der Sozialdemokratischen Partei halte. Diefe Klage, deren Begründung ein angeblich nur dem Hauswirt& u stehendes Recht, sein Haus zu beflaggen, geltend machte ist von uns gebührend gebrandmarkt worden. Jetzt erhaiten wir von einem Berliner Vertreter der Breslauer Firma M. Forell die Mitteilung, daß der Verwalter des Prißwalter Haufes die Klage ohne Wissen der Firma" erhoben Die Firma M. Forell, deren Inhaber auf dem Boden der republikanischen Verfassung stehe, habe, sobald die Angelegenheit ihr gu Ohren gekommen fet, die zu rüdziehung der Klage veranlaßt., Mit Befriedigung nehmen wir Kenntnis von diesem Ausgang der durch den Vorwärts" an die Deffentlichkeit gebrachte: standalösen Affäre. Wir bemerken übrigens, daß in der Klageschrift Der Verwalter des Prizwalker Hauses ausdrücklich als Bevollmäch figter der Firma M. Forell bezeichnet wird und daß die Klogeschrift beginnt: Names der Klägerin, deren Bollmacht ich überreiche, bitte ich um Anberaumung eines Berhandlungstermins, in dem ich beantragen werde usw. Weiter unten wird gesagt: Die Klägerin bat ben Beklagten wiederholt aufgefordert, das AusSonnabend, den 6. September. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse, Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm, 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht Wie wir vor einiger Zeit berichteten, hatten die internationalen Taschendiebe besonders die Reichsbaut und das Postscheckamt als die geeignetsten Beobachtungspunkte ausgewählt. Von hier aus folgten fie den Leuten, die Geld abgehoben hatten und die ihnen als Opfer am günstigsten erschienen. Die Kriminalpolizei beobachtete hier infolgedessen am eifrigsten. Am Donnerstag mittag fielen den Beamten in der Reichs bankfiliale in der Niederwallstraße drei Leute auf, die anscheinend zusammen gehörten. Zwei von ihnen waren im Kaffenraum und einer auf der Straße. Blößlich folgten sie ganz unauffällig einem Herrn, der soeben Geld abgehoben hatte. Die Kriminalbeamten eilten ebenfalls nach. Gemeinsam, aber nichts von einander ahnend, fuhren die drei Parteien mit der Untergrundbahn. Am Spittelmarkt verließen die Verdächtigen die Untergrundbahn und schritten eiligst zum Stand der Autodroschfen. Die Beamten waren ihnen gefolgt und fonnten sie noch im letzten Augenblid fassen. Man fuhr gemeinsam zum Polizeipräsidium. Auf dem Hofe wurde der Wagen dann untersucht, und man fand unter die Fußdede geschoben 1700 m., die frisch gebündelt von der Reichsbant herrührten. Dieses Geld hatten die Diebe dem Herrn in geschickter Weise während der kurzen Fahrt Alle drei find mit der Untergrundbahn gestohlen. Es sind ein gewisser schon wegen Taschendiebstahls vorbestraft. Falt Tevs aus Riga, ein Leon Perper aus Budapest und ein Andrej Kujewsti aus Petrograd. Das Geld liegt für den Be stohlenen bei Kriminalkommiffar Dr. Riemann im Polizeipräsidium bereit. Bei derfelben Dienststelle befindet sich noch eine tulajil. berne Uhr, die am Donnerstag abend um 9 Uhr ein Beamter der Taschendiebstahlsstreife nach Tebensgefährlichem Rampfe einem Taschendieb abgenommen hat. Die Uhr trägt die Nummer 215 524. Die Verhaftung zeigt, wie so oft, daß das Publikum wenig oder gar nicht geneigt ist, die Beamten wirfiam zu unterstützen. Der bestohlene Herr, wahrscheinlich mit dem Hamburger D- 3ug um 9 Uhr abends am Lehrter Bahnhof eingetroffen, stieg an der Moltkebrüde auf einen Wagen der Linie 23. Da der Beamte einen bestimmten Taschendieb beobachtete, fuhr er ebenfalls mit der 23 mit. Auf der Fahrt fonnte er nur sehen, daß sich der Dieb an den Reisenden herandrängte. An der Haltestelle des Ulap stieg der Dieb aus, und der Beamte folgte ihm. Bei der Festnahme widersetzte sich der Gauner, nach einem furzen Ringfampf aber war er überwältigt. Es hatten sich Passanten angesammelt und vier Herren erboten sich auch, dazu aufgefordert, den Dieb festzuhalten, da die Uhr nicht bei ihm gefunden werden konnte. Der Beamte fuchte den Boden ab und fand sie dann auch. Inzwischen hatten die Herren den Fledderer wieder los gelassen, der Miene machte, wieder zu flüchten. Doch der Beamte merkte es rechtzeitig und bedrohte ihn mit dem Revolver. Es tam abermals zu einem Kampf, bei dem fast ein fehlgehender Schuß den Beamten selbst getroffen hätte. Erst drei des Weges kommende Reichswehrfoldaten sprangen dem Beamten bei und gemeinfam brachten fie jetzt den herkulisch gebauten Gauner auf die Wache. Zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Die Erichießung des Polizeiwachtmeisters Steiner in ber Oranienstraße hatte im Frühjahr dieses Jahres bekanntlich zu einem obesurteil gegen die Täter, Kurt Goldbach und Hans Jande, geführt. Das Urteil, das damals noch vor dem alten Schwurgericht erfolgte, hatte außerordentliches Aufsehen erregt und au lebhafter Kritif Anlaß gegeben. Nunmehr find Goldbach und Jande auf Antrag ihrer Berteidiger zu lebenslänglicher Zuchthausftrafe begnadigt. Ungarische Sozialdemokraten! Sonntag, den 7. September, früh 10 Uhr, Mitgliederversammlung bei Schulz, Elisabethstr. 30. Bortrag des Gen. Zaubert über:„ Die politische Lage". Ungarische Gäste anderer Richtungen willkommen. Die Ordner der Proletarijchen Feierstunden werden gebeten, zu der am 7. September stattfindenden Jugend weihe im Großen Sauspielhaus früh 8 Uhr am bekannten Treffpunkt vollständig zu erscheinen. Für die Jugendweihe am Sonntag, den 7. September, im Großen Schauspielhaus sind noch Eintrittskarten zum Breise von 1 M. für Erftraße 3, 2. 5of, 2 r., Zimmer 11( bon 9-4 Uhr, Sonnabend von 9 bis wachsene und 50 Bf. für Kinder im Jugendsekretariat, Berlin SW., Linden, 3 Uhr) erhältlich. bezirfes Berlin- Heerstraße, und zwar an der Heilsbergallee- zwiEin neuer Waldfriedhof. Im Gebiete des ehemaligen Guts fchen Bahnhof Rennbahn und dem Untergrundbahnhof Stadionist von der Breußischen Forstverwaltung ein eigener Friedhof mit ansehnlicher Kapelle gebaut worden, welcher nunmehr feiner Beſtimmung übergeben werden soll. Der Friedhof kann zunächst aus feiner näheren Umgebung, darüber hinaus aber auch aus allen Teilen von Groß- Berlin in Anspruch genommen, werden. Truppenschau! In den nächsten Tagen finden, so schreibt die Breffeabteilung der Reichsregierung, in der Gegend von Berlin Truppenübungen statt. Am letzten Manövertage wird, falls es der Chef der Heeresleitung für angezeigt erachtet, möglicherweise ein Vorbeimarsch stattfinden. Mit einer Schaustellung hat ein solcher Vorbeimarsch nicht das Geringste zu tun und zwar auch dann nicht, wenn ein privater Unternehmer Karten für eine von ihm auf eigene Gefahr errichtete Tribüne anbietet. Hochwasserschäden auch an der Ruhr. Die Dberruhr führt schon von Mülheim ab Hochwasser. Bon Arnsberg bis Freienohl ist die Ruhr über die Ufer getreten und überschwemmt weite Land im Wasser, auch sind die Kartoffelfelder überschwemmt. Trostlose streden. Roggen und Hafer stehen teilweise bis 50 Bentimeter Erntebilder zeigt das Ruhrtal auch am mittleren und unteren Laufe des Flusses. An vielen Stellen gleicht das Tal einem See. Das Vieh mußte hereingeholt werden, die Getreideernte ist bis 34 70 Broz. als verloren zu betrachten. Ueberschwemmungstatastrophe in Bulgarien. Infolge der starken Regengüsse während der letzten Tage gab es im Zentralgebiet NordBulgarien und im Stara Zagora- Bezirk( Südbulgarien) große Heberfchwemmungen. Die Eisenbahn- und Telegraphenlinien find unter Millionen Lewa geschäßt. brochen und zerstört. Der gesamte Schaden wird auf hundert Aus der Partei. 4.30-5.30 Uhr nachm.: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). Der Vormarsch der dänischen Sozialdemokratie. Von den 5.45 Uhr nachm. Vortrag, Frieda Baumgarten über Pflege und 75 Städten, die Dänemart ungefähr befigt, amtieren jetzt in 26, Reinigung der Kleider" 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Funkkapelle. 1. Ouvertüre zur Oper„ Das goldene Kreuz", Brüll. Gonser. 8.30-10 Uhr abends: Konzert der verstärkten Berliner also einem guten Drittel, Sozialdemokraten als Bürger meister. Außerdem find von den fünf Bürgermeistern in 3. Romanze, Grünfeld. 8. Fantasie aus der Oper Der Waffen- Stopenhagen allein brei Sozialdemokraten. Die Wahlen der Bürgerschmied", Lortzing. 4. a) Arie aus dem, Wildschütz", b) Zarenlied meister erfolgen jeweils durch die Stadtverordnetenversammlung. aus aus„ Zar und Zimmermann", Lortzing. Heinrich Blasel( Große Volksoper, Berlin). 5. Morgenblätter( Walzer) Joh, Strauß. 6. Gebet und Tempeltanz aus Sigurd Jorsalvar, Grieg 7. a) Trinkled Blasel( Große Volksoper, Berlin). 8. A la bien- aimée. Valse, Schütt. aus Hamlet, Thomas, b) Liebesfeier, Weingartner. Heinrich 9. Potpourri aus der Operette„ Dreimüderlhaus", Schubert- Berté. Am Steinway- Flügel: Kapellmeister Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 10.30-11.30 Uhr abends: Tanzmusik. Geschäftliche Mitteilungen. ants nap. Eigener Serb ift Golbes Bert! Das feit Jahrzehnten sich des besten Rufes erfreuende Unternehmen Möbel- Cohn, Often, Große Frankfurter Str. 58 ( 5 Minuten vom Bahnhof Aleranderplan), Norden, Babite. 47-48( 5 Minuten Dom Bahnhof Gesundbrunnen), pertauft nur prima gearbeitete Möbel und Garderobe auf Kredit, Eine Besichtigung der Riefenausstellungsräume Bann Interessenten nur beftens empfohlen werden. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Achtung! Der Kassierer der 70. Abteilung hat noch immer feine Abrechnung der Reichstagswahl geleistet. Die 37. Abteilung hat noch feine einzige Maimarte abgerechnet. Die 98. Abteilung hat noch immer nicht die Mitgliederzahlen angegeben. Die Kreistassierer des 1., 4., 17. und 20. Kreises haben ebenfalls das erste Quartal 24/25 noch nicht abgerechnet. Alle diese Dinge sollten bereits vor neun Wochen erledigt sein. J. A.: Aler Bagels. * 4. Areis Prenzlauer Berg. Erweiterte Kreisvorstandssigung Dienstag, den 9. September, 7 Uhr, bei Klug, Danziger Str. 71. Morgen, Sonntag, den 7. September: 24. Abt. Familienausflug nach dem Orantesee. Berlofung, Kaffeekochen, Tanz. Treffpunkt 8 Uhr früh Bahnhof Weißenfee. Die Funktionär figung fällt aus, furze Besprechung erfolgt Sonntag auf dem Ausflug. 92. Abt. Neukölln. Die Funktionärsihung findet ausnahmsweise Sonntag vormittag pünktlich 10 Uhr bei Räderig, Jnnftr. 8, statt. Wichtige Tages ordnung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 32. Abt. Genoffe Bruno Beder, Lange Str. 99-100, ift verstorben. Ginäscherung heute, Sonnabend, mittags 12½ Uhr, Gerichtstraße. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Kaifer- Wilhelm- Straße 46 III. Kameradschaft Prenzlauer Berg: Antreten zur Fahrt nach Lübbenau Sonntag früh pünktlich Uhr vor Prenzlauer Allee 30. Teil nehmerfarten zu 4 M. find noch zu haben. Kamerabschaft Köpenick: Abfahrt der Teilnehmer an der Fahrt nach Lübbenau von Köpenid und Friedrichs hagen 6.12 Uhr vom Bahnhof Spindlersfeld nach Niederschöneweide, Bohnsdorf, Grünau 7.05 Uhr ab Grünau nach Königswusterhausen. Mandolinen- Orchester Symphonie", gegr. 1898( Mitgl. b. DAMB.). Am Sonntag, den 7. September, veranstaltet der Mandolinenverein Symphonie 1898", Dirigent W. Finte, aus Anlaß seines 26jährigen Bestehens ein Botal 500 Anzüge für Herren, Burschen, Kinder Konfirmanden- Anzüge werden bei kleinster Anzahlung und selbst zu bestimmender Abzahlung auf Kredit abgegeben. Bei genügender Legitimation kann Gekauftes mitgenommen werden Cohn Osten: Große Frankfurter Str. 58 5 Minuten vom Alexanderplatz und Instrumentalfonzert im großen Gaal des Kriegervereinshauses. Chauffeestraße 94. Mitwirkende: Berliner Uthmann- Chor, Mitgl. d. DAGB., Chormeister S. G. Rohrbach, Harfenvirtuofin Gertrude Heß- Lehmann vom Staatlichen Schauspielhaus. Anschließend Tanz. Konzertbeginn pünktlich 5 Uhr. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Pappelallee 15, Bortrag des Herrn Dr. Hasse: Der Weg zum Glück". Gäste willkommen. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Bez. Ost. Am Dienstag, den 9. Sep. tember, abends 8 Uhr, in den Andreas Feftfälen( Kleiner Saal), Andreas traße 21, spricht Chefredakteur Nuschke, M. d. 2., über„ Der Jerfinn der Böllischen Gäste willkommen. Der Reichsbund dez, Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Krieger. hinterbliebenen, Ortsgruppe Neukölln, veranstaltet am Montag, den 8. Geptember, abends 7% Uhr, im Lokal Bodetal, Emfer, Ede Bodestraße, eine Sinterbliebenenversammlung. Tagesordnung: Probleme der Hinterbliebenenfürsorge und-versorgung". Arbeitersport. Herbst- Sportfest. Zum Abschluß der Diesjährigen Leichtathletiksaison hat der Sportverein Moabit nochmals alle Arbeitersportler zu einem Sportfest am 7. September nach dem Sportplatz Tiergarten gerufen. Zahlreich sind die Meldungen, nicht nur aus Berlin, sondern auch aus der Provinz. Das Reich ist vertreten durch Magdeburg. Stettin. und Rathenow. 432 Teilnehmer haben sich zu den Einzelfämpfen gemeldet. Berlin ist mit den besten Arbeitersportlern vertreten. Genannt feien nur die Vereine ASC., Fichte Südost, Sparta, Lichten berg. Beginn der Vorfämpfe für Jugend 9% Uhr, für Männer und Frauen 1 Uhr, Hauptkämpfe 3 Uhr. Nach dem Sportfest findet im Rafino der staatlichen Porzellanmanufaftur, Wegelyftraße, am Bahnhof Tiergarten, die Resultatverfündung statt, verbunden mit einem geselligen Beisammenfein Die Mitglieder treffen sich am Sonnabendabend 28 Uhr bei Lange, Rostoder Str. 28, zu einer kurzen Begrüßungsfeier unserer auswärtigen Genossen. Daselbst Quartier verteilung. Vorher Instandsegen des Sportplages. Geschäftsstelle: Erich Richter, Berlin N. 21, Wiclefstr. 20. Frauenturn- und Sportfest in Bernau. Den Freunden des Arbeitersports bietet sich am Sonntag, den 7. September, Gelegenheit, einem in seiner Eigenart befonderem Feste beizuwohnen. Gemäß den Anregungen des technischen Ausschusses vom Arbeiter- Turn- und Sportbund Deutschlands veranstaltet der zweite Bezirk vom ersten Kreise in Bernau das erste Frauenturn- und Sportfest. Waren bisher die Turnfeste immer von Turnern und Turnerinnen besucht, KÖLNER MMESSE Der Großmarkt des Westens HERBSTMESSE so finden wir in Bernau nur Frauen und Jungmädchen am Start. Die überaus zahlreichen Meldungen aus dem eften Kreise zu den Mehrkämpfen und besonders zu den Einzelmeldungen im Sport und den Stafetten versprechen einen sehr abwechslungs reichen Tag. Das Fest findet auf dem Sportplag am Wasserturm statt und beginnen die Wettkämpfe 7 Uhr morgens. Zahlreiche Sondervorführungen sorgen für Abwechselung im Programm. Freie Turnerschaft Neukölln- Brik, Fußballabteilung. Sonntag, den 7. Geptember, nachmittags 4½ Uhr, großes Fußballspiel: Vittoria I- Tempelhof gegen Reukölln- Brig I, auf dem Turnplak am Dammweg. Borher untere Mannschaften. Nachher dortfelbft Sommerfest der Abteilung. Eintritt für Erwachfene 50 Bf. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Freitag, den 5. September. 1. Rennen. 1. Traumliese( E. Krüger), 2. Roffva( Hellmann), 3. Alhambra( Thielemann). Toto: 24: 10. Plag: 10, 10, 10: 10. Ferner liefen: Leistung, Brüderschaft, Kadewitt, Lorette, Lachsalve, Eisel, Anuschka, Domina. 2. Rennen. 1. Brenßenfabne( Huguenin), 2. Morgenpost( Sorb), 3. Barfifal( D. Müller). Toto: 548: 10. Platz: 117, 18, 36: 10. Ferner liefen: Freia III, Troja, Nimrod, Magnus, Parnaß, Maas, Roland, Himalaya, Maravedis, Lelia. 3. Rennen. 1. Ondina( M. Dreißig), 2. Tingl Tangl( Albers), 3. Dioscur( D. Schmidt). Toto: 68: 10. Blat: 31, 55, 25: 10. Ferner liefen: Antilope, Santt Thomas, Jrmsch, Doktor, Roderich, Per Dark, Rosebant, Tavalyi, Felsenrose, Glück und Glas, Ajay. 4. Rennen. 1. Zdomeneus( W. Tarras), 2. Dalberg( Bleuler), 3. Nicotin( Sorb). Toto: 44: 10. Plat: 19, 37, 22: 10. Ferner liefen: Mandarin, Bendeix, Rüdgrat, Tannkönig, Ban Robert, Eigiloof. 5. Rennen. 1. Aufklärung( Torfe), 2. Calla( H.Schmidt), 3. Dieftel R. ( bers). Toto: 42:10. Blag: 18, 66, 19: 10. Ferner liefen: Sheilar. Trajan, Staatsferl, Hochländer. 6. Rennen. 1. Antenor( D. Schmidt), 2. Maid( Korb), 3. Tante Lotte( W. Tarras). Toto: 38: 10. Plat: 19, 20: 10. Ferner liesen: Stromer, Callakerl, Livadia. 7. Rennen. 1. Parioli( Janko), 2. Lily J.( Ulbrich), 3. Cisterne Blag: 26, 54, 18: 10. Ferner liefen: ( Hellebrandt). Toto: 49: 10. Lily 3. tam als erster ein, wurde aber wegen Behinderung auf den Fiberstedt, Sanguinifer, Lilienstein, Sarazener, Anyulam, Persicus. 2. Platz verwiesen. Wetter für Berlin und Umgegend. Sehr veränderliche Bewöllung mit Ges witterneigung, Temperatur nicht wesentlich geändert, schwache südöstliche Winde. 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Aushungerung und erneute Knechtschaft der werftätigen Bevölkerung die Wirkung dieser Politik. Verrauscht sind die Phrasen von der Volksgemeinschaft, die die Not gemeinsam zu ertragen habe. Wieder hat das Massensterben im alten und im neuen Proles tariat begonnen; die Not der Kinder steigt und steigt; die Tuber. tulose fordert neue Opfer; Tausende und Zehntausende gehen wie ter durch Erschöpfung zugrunde. Aber der größte Teil der bürgerlichen Parteien duldet still schweigend die geplante ungeheuerliche Preissteigerung der wichtigsten Nahrungsmittel durch Schutzölle. Wo bleiben in diesem Kampf die Aerzte, die sich doch sonst immer als die allein berufenen Hüter der Volksgesundheit aufzuspielen belieben? Warum erheben nicht auch sie ihre Stimme gegen der erneuten Raubbau an der Gesundheit des Boltes? Dauernd predigt man, daß der Mensch der wertvollste, der unerseßlichste Teil unferes Staatsvermögens fei, daß wir gerade infolge des Krieges mehr denn je Menschenöfonomie zu treiben hätten. Bergeffen haben diese Kreise ihre Klagen über Hungerblockade, über das Sterben der Säuglinge, über den Geburtenrüdgang, denn es gilt, dem Großtapital und den Agrariern, den Stügen der bürgerlichen Gefellschaft ihre verlorene Bormachtstellung wieder in die Hände zu spielen. Einführung der Schutzölle bedeutet den Hungertod für Tausende von Proletariern. Nachdem der Kampf gegen den äußeren Feind verloren wurde, soll der innere Feind, die arbeitenden Klassen, durch die Inflation zermürbt, von den verbündeten Agrariern aus. gchungert werden. Zwölf Millionen Deutsche wurden ein Opfer des Krieges und der Nachkriegszeit. Millionen steht der Hungertod Die medizinische Wissenschaft aber und ihre Vertreter als nur allzu willige Diener der bürgerlich- fapitalistischen Gesellschaft lassen stillschweigend neues Elend über Frauen und Kinder kommen. Die bürgerliche Aerzteorganisation, einig im Rampf gegen die Sozial versicherung, fördert durch Stillschweigen diesen Zustand. hevor. Um die neue Hungerblodade gegen die arbeitenden Massen durch diese deutschen Volksgenossen zu verhüten, erheben die Aerzte durch diese deutschen Volksgenossen zu verhüten, erheben die Aerzte des sozialdemokratischen Aerztebundes, die aus eigener Anschauung missen, wie das Proletariat hungert, wie Säuglinge und werdende Mütter dahinfiechen, ihre warnende Stimme. Es ist die geschichts liche Mission der sozialdemokratischen Partei, gestützt auf die Er. gebnisse der Wissenschaft, den Kampf gegen die Ausbeutung in jeg licher Form mit aller Schärfe zu führen. Schutzölle bedeuten Siechtum und Tod des durch zehnjährige Entbehrungen entkräfteten Boltes. Wenn unfer Mahnruf unerhört verhallt, werden in furzer Zeit Tausende von entfräfteten Kindern durch die Schutzzollpolitik der Agrarier und der Großindustrie zugrunde gehen als neue Opfer des deutschen Kapitalismus. Der fozialdemokratische Aerztebund. Dr. Moses. Dr. Benl. Dr. Marg. Deutscher Baugewerksbundestag. Hamburg, 5. September.( Eigener Drahtbericht.) In der Vormittagsfihung des dritten Verhandlungstages werden die besonderen Aufgaben und das Zusammenwirken der Fach gruppen und die Bundesfagungen beraten. Bundesvorsitzender Baeplom gibt zu diesen beiden Bunkten Richtlinien, in denen sich die Beratungen zu bewegen hätten. Es dürfe bei den einzelnen Fachgruppen nicht die Stimmung aufkommen, baß sie nur ein geringer Teil der großen Organisation feien. Es wurden daher Anträge vorgelegt, die den 3wed haben, die Mitarbeit der Fachgruppen in allen Berbandsinstanzen in höherem Maße als bisher sicherzustellen. In der Aussprache tommen zuerst die Obmanner der fieben Fachgruppen zum Wort. Betont wird von ihnen, daß die Entwicklung im Baugewerbe zur Spezialisierung dränge und dem müsse durch den Ausbau der Fachgruppen Rechnung ge tragen werden. Es wird dann über die einzelnen Fachgruppen im Sinne der von den Fachgruppentagungen vorgelegten Anträge beBedauert wird, daß die Bauarbeiterjugend in richtet. ihren Bestrebungen bei den älteren Kollegen bisher nicht genügend Unterstützung gefunden habe. Nach Abschluß der Ausführungen der Fachgruppenobmänner mird eine Kommiffion zur Durchberatung der Saßungsanträge eingesetzt und dann in die Mittagspause eingetreten. Verbandstag der Buchdrucker. Schluß der Donnerstagfihung. Hamburg, 5. September.( Eigener Drahtbericht.) In der Aussprache wird allseitig die notwendige bessere ausgestaltung der Lehrlingsabteilungen anerkannt. Inhalt des„ Jungbuchdruckers". Gefordert wird eine stärkere BeAnerkannt wird ferner die Tätigkeit der Lehrlingszentrale und der einflussung der Berufsberatungsämter durch die Gemertschaften. Nach einem Schlußwort von Fülle wird nachstehende Entschließung angenomnien: „ Die technische und wirtschaftliche Entwicklung im Buchdrudgewerbe macht es zur zwingenden Notwendigkeit, daß nach langen und gründlichen Borarbeiten im Februar 1920 von den Tarif. parteien in vollster Einmütigkeit beschlossene und dem damaligen Tarifamt der deutschen Buchdrucker am 1. Mai desselben Jahres in Kraft gefehte Lehrlingsordnung für das deutsche Buch druckgewerbe nun endlich bindendes Gesez für alle Beteiligten stand gewisser Prinzipalstreise scheiterte, die sich auf der Lehrlingswird. Da die Durchführung dieser Lehrlingsordnung an dem Wider ordnung entgegenstehende Bestimmungen der Gewerbeordnung usw. beriefen, richtet der 12. ordentliche Verbandstag des Verbandes der deutschen Buchdrucker an die zuständigen amtlichen Stellen des Reiches und der Länder das dringende Ersuchen, mit tunlichster beizuführen, daß die Durchführung der in Rede stehenden Lehrlings Beschleunigung eine Aenderung der Gesetzgebung dahingehend herordnung endlich ermöglicht wird." ratung. Es folgen Berichte der Beschwerdekommission. Die von ihr Angenommen wird auch die Entschließung über die Berufsbegetroffenen Entscheidungen werden bestätigt. Nach 9 Uhr werden die Berhandlungen auf Freitag vormittag 8 Uhr vertagt, wo in ver traulicher Beratung Tarif- und Lohnfragen behandelt werden sollen. Der Vormittag des fünften Verhandlungstages war ausgefüllt mit der vertraulichen Beratung von Tarifs und Lohnfragen. Zum Beginn der Nachmittagsfizung, in der der Vertreter des franzöfifchen Bucharbeiterverbandes C. Lioson den Berbandstag begrüßte, be. Bucharbeiterverbandes C. Lioson den Verbandstag begrüßte, berichtet Schweinig vom Verbandsvorstand über den Bau des Verbandshauses. Die Aufbringung der Baukosten foll durch einen Ertrabeitrag von 30 Pfennigen während der nächsten brei Quartale erfolgen. Für Ertrabeiträge sollen die Mitglieder je einen Anteilschein von 10 Mart erhalten, der im Laufe von 10 Jahren wieder eingelöst werden kann. In längerer Aussprache wird gegen das Projekt fein Widerspruch erhoben, nur über die Aufbringung der Mittel gehen die Meinungen auseinander. Schließlich läuft ein Antrag ein, daß der Verbandsbeitrag generell um 20 Pf. erhöht werden soll. Wenn aus der Erhöhung die Bauoften aufgebracht sind, follen die 20 Pf. zur Einrichtung eines Rampffonds weiter erhoben werden. Dieser Antrag wird mit allen gegen vier Stimmen angenommen und damit das Projekt genehmigt. Verbandsvorsitzender Seiz berichtet sodann über die internationalen Beziehungen zu dem bevorstehenden internationalen Buch brudertongreß. Seine Mitteilungen werden von dem internationalen Gefretär Berdan ergänzt, der über die Berhandlungen auf Anschluß der Verbände in England und Amerita berichtet. Der russische Verband habe bisher nicht den Nachweis erbracht, daß er in loyaler Weise mit den übrigen Verbänden zusammenarbeiten walle. Ein im tommunistischen Sinne gehaltener Antrag aus Grünberg i. Scyl. und Rudolstadt wird durch llebergang zur Tagesord nung erledigt. Sonnabend, 6. September 1924 Der englische Gewerkschaftskongreß. London, 5. September.( Eigener Drahtbericht.) Der englische Gewerkschaftstongreß in Hull hat einstimmig die Antitriegsresolution angenommen, in der für den Fall eines drohenden Krieges die fofortige Einberufung eines besonderen Gewerkschaftsteagresses vorgesehen ist. * Kürzlich fand in London unter der Leitung von Tom Mann, Mitglied des Vorstandes der Roten Gewerkschaftsinternationale, ein Kongreß von Gewerkschaften statt, die sich als" die" nationale Minderheit der englischen Gewerkschaftsbewegung bezeichnen. In letzter Zeit hörte man wohl hier und da von einem linken Flügel der englischen Gewerkschaften, von einer geschlossenen, organisierten oppofitionellen Bewegung ist jedoch noch nie die Rebe gewesen. Für die Organisierung dieser nationalen Minderheit" oder mit anderen Worten für diesen Versuch der Untergrabung und 3 er stü de. lung ber englischen Gewertschaftsbewegung vollen Wirksamkeit in Frankreich, Italien, der Tschechoslowakei und müssen die großen Vorfämpfer" der„ Einheitsfront", d. h. die Russen verantwortlich gemacht werden. Nach der verhängniss anderen Ländern scheint sich nun Mostau fpeziell auf England zu werfen. und die Führer und Arbeiter der englischen Bewegung demnach Da der Engländer in allgemeinen nicht sehr sprachenkundig ist besonders auch deshalb, weil sie sich mit den speziell ausgesuchten von vielen sie betreffenden Ausführungen teine Kenntnis erhalten, Meldungen und Artifeln zufrieden geben müffen, die Moskau in lifchen Kameraden überraschen, zu vernehmen, daß diese britische gewissen englischen Zeitungen veröffentlichen läßt, muß es die engNationale Minderheitskonferenz bis in alle Einzelheiten im Juli in Roten Gewerkschaftsbulletin" Nr. 38 vom 24. Juli in extenso Mostau vorbereitet worden ist. Dies geht flar aus der im wiedergegebenen Rede Tom Manns am 15. Juli auf dem Kangreß der Roten Gewerkschaftsinternationale in Mostau hervor. In der gleichen Sigung wurde von Kalinin, ebenfalls Borstandsmitglied der RGI., ein vollständig ausgearbeitetes Programm für die Britische Minderheitskonferenz vorgelegt. Bunft 1 dieses Programms lautet:„ Die Konferenz muß erstens ein nationales Zentrum des linken Flügels schaffen."( Da man offenbar befürchtete, daß das Wort„ linter Flügel" falsch interpretiert werden fönnte, heißt es zur näheren Definition in Klammern:„ d. h. der Anhänger der Roten Gewerkschaftsinternationale"!) Das Programm seht sich aus 12 Punkten zusammen, von denen der 7. wie folgt lautet: Herstellung der engsten Verbindung mit der englischen kommunistischen Partei"( die laut Angaben der Komm. Internatio nale ono 1921-1924 von 10 000 auf 3000 Mitglieder zurückgegan gen ist). In den eingelaufenen Meldungen finden wir fein Wort über die Finanzierung der Nationalen Minderheit. Ist das viel. leicht wieder eine Einzelheit, deren Regelung Moskau überbasset wird? . Es ist sicher eine sehr interessante Erscheinung, daß im Mo ment, wo von den Kommunisten überall nach Einheit geschrien wird und man in Moskau behauptet, mit der Amsterdamer Internationale fo gern zu einem Einvernehmen gelangen zu wollen, daß gerade jezt, wo der Briefwechsel zwischen Amsterdam und Mostau wieder aufgenommen worden ist, unter der Leitung der RGI. in England eine nationale Minderheitsbewe= gung ins Leben gerufen wird, die nur eine Untergrabung der englischen Gewerkschaftsbewegung bedeuten fann. England war bis jetzt das Land, in welchem mehr als irgendwo die Gewerkschaftsbewegung start und ungeteilt blieb und feine Berschiedenheit ber Glaubensbekenntnisse und politischen Ueberzeugungen Spaltungen verursachte. Gerade deshalb tonbe fie auch für ihre Mitglieder fo viel erreichen. In dem ersten Manifest, das die Minderheitsbewegung anfäßlich des am 1. September in Bull eröffneten Bri tischen Gewerkschaftstongreffes herausgab, heißt es u. a.:„ daß der Rongreß zum ersten Male in der Geschichte der englischen Gemertfchaftsbewegung einer ftarten und organisierten Opposition feiner eigenen Mitglieder gegen die bestehende Leitung gegenüberstehe". Offenbar sind die Russen und ihr Anhang ſtolz auf das in England englische Gewerkschaftstongreß die Spatter gründlich ablaufen begonnene Zerstörungswert. In Westeuropa nennt man dies ,, Spaltungstaftit", in Rußland ,, Einheitsfront". Allerdings hat der englische Gewerkschaftsfongreß die Spatter gründlich ablaufen laffen. Es wird dann die Stellungnahme zum ADGB. beraten. Hierzu gibt Seiß eine Einleitung, in der er leichtfertige Kritiken gegen den ADGB. zurückweist und feststellt, daß das zu fammenarbeiten im Bundesausschuß sehr gut gewesen sei. In ber Aussprache, in der zunächst elf Redner zum Wort kommen, werden besondere Hamburger und Bremer Anträge unterstüßt, die sich gegen Die gegenwärtige Schlichtungsordnung aussprechen, da sie das Streif recht illuſprisch mache. Von einigen Rednern wird ausgeführt, daß der 2DGB. in der Frage des Achtstundentages nicht genügend IniBildungsarbeit vom ADGB. zentralisiert wird. Bon mehreren Reb tiative entfaltet hätte. Gefordert wird, daß die Gewerkschaftsabladeplak für Dinge zu machen, für die der einzelne nicht gern vernern wird energisch dagegen protestiert, den ADGB. zum Schuttantwortlich sein möchte. Auf alle diese Dinge geht der Bertreter des ADGB., Graßmann Berlin, ein, der zunächst ausführt, daß der Bundesvorstand des ADGB. viel weniger Bewegungsfreiheit habe als irgendein Verbandsvorstand. Am Herzen liege dem Bundesvorstand die Zentralisierung der Bildungsbestrebungen. hoffentlich beschließt der nächste Gewerkschaftsfongreß die Erhebung eines Kulturbeitrags. Der Redner geht dann im einzelnen auf die vorgebrachten Beschwerden ein und betont, daß der Bundesvorstand 25. Februar schon im vorigen Jahre auf die Gefahren der Berbindlichkeitserklärungen aufmerksam gemacht habe. Abschließend erflärt Graßmann, vielleicht seien die Gemertschaften heute durch ihren geringen Raffenbestand und verringerte Mitgliedszahl gefünder als vor etwa drei Jahren. Er fordert unter starkem Beifall auf, den Kampf gegen den wirtschaftlichen Gegner und nicht gegenein. ander zu führen. Um 5% Uhr tritt eine einstündige Pause ein, da eine Abend fizung stattfinden soll. Die Buchdrucker- Internationale. ( 3GB.) Einem Tätigkeitsbericht der Buchdrucker- Internationale über das Jahr 1923 entnehmen wir folgendes: Im Laufe des Berichtsjahres ist die Mitgliederzahl der dem wiederum etwas zurückgegangen. Währenddem fie 1922 infolge Internationalen Buchdrudersekretariat angeschloffenen Berbände Rücktritts des Londoner Maschinenmeister- und Hilfsarbeiterverbandes von zirka 195 000 auf 172 000 fiel, ist fie im Berichtsjahre abermals um etwa 6000 gefunten und betrug am Ende desselben noch ungefähr 166 000. Den absolut stärksten Rückgang hatte der Mitgliederzahl infolge des durch den Balutenschwindel verursachten schlechten Geschäftsganges von 72 976 auf 67 480 gefunden ist; die meisten dieser verlorenen Mitglieder wurden zum Berufswechsel gezwungen.( Inzwischen ist die Mitgliederzahl wieder auf 70 000 gestiegen.) 17. Modes Wirtschaft Der Reichsindex für die Lebenshaltung. ( 1913/141) 1,05 7. Mai 1,06 14. 13. März 1,07 21. 9. April 1,11 28. 1,13 18. Juni. 23. 30. 1,14 25. 1,15 2. Jul. 1,169. 1,17 1,19 1,15 16. 1,15 1,13 23. 1,18 1,12 30. 1,14 1,11 3. September 1.15 Steigerung gegen die Vorwoche 0,9 Proz. schon seit längerem verspürt wird, zeigen damit zum ersten Die Lebenshaltungskosten, deren Steigerung im täglichen Male feit dem 30. Juli auch in der Reichsstatistik wieder eine Steigerung, die insbesondere auf die Verteuerung der Rabrungsmittel zurückzuführen sein bürste. Für den Durchschnitt des Monats August berechnet fich die Reichsindegziffer in Gold auf das 1.14 fache, gegenüber dem 1,16fachen im Durchschnitt des Monats Juli ergibt sich eine betragen im Durchschnitt August das 1,22 fache der Vorkriegszeit. Abnahme von 1, 7 roz. Die Ernährungsfoften allein Landwirtschaftliche GenossenschaftengegenRentenbank Die Bestrebungen gewisser landwirtschaftlicher Kreise, die In der Nachmittagssigung wird die Aussprache von den übrigen Abgeordneten über dieselben Buntte fortgesetzt. Es tommen 24 Redner zum Wort. Die Aussprache ist außerordentlich vielseitig. Es werden die mannigfachsten Organisations- und Agi tationsfragen erörtert. Algemein spricht man sich für die baldige Wiedereinführung der Unterstügungen aus. Sehr weit auseinander geht die Meinung über die Bewegungsfreiheit der Fachgruppen. Besonders start erörtert wird die Frage der Arbeitsverhältnisse der Tiefbauarbeiter, wobei u. a. verlangt wird, daß den Erdarbeitern unbedingt der gleiche Lohn wie den Baubilfsarbeitern gezahlt werden müsse. Im allgemeinen wurde Einverständnis mit ben Anträgen des Bundesvorstandes festgestellt und das gute Einbernehmen betont, das zugleich als Mahnung zum Anschluß für die Verband der Deutschen Buchdruder zu verzeichnen, dessen Rentenbant zu einem großen Agrartredit inftitut mit noch fernstehenden Organisationen des Baugewerbes gelten müsse. Ein Zwischenfall ereignet sich durch eine schriftliche Erklärung, die von mehreren Vertretern der sogenannten„ Opposition" abgegeben wird. Die Erklärung befagt, daß die Unterzeichneten auf eine weitere Beteiligung an der Debatte und Abstimmung verzichten, da sie auf dem Bundestag doch durch Schlußanträge mundtot ge Dann aber haben auch valutastarfe Länder, wie Dänemart, Holland, Norwegen, Schweden und die Schweiz infolge der mißmacht würden. Bundesvorfizerder Paeplow legt gegen diefe Erflärung entlichen Wirtschaftsverhältnisse Mitgliederverluste erlitten, wenn auch schiedene Verwahrung ein und wies fie unter dem Beifall der Mehr heit der Delegierten als beleidigend zurück. Im weiteren Berlauf Der Debatte wird dann von den Oppofitionellen" eine zweite Er. flärung abgegeben, in der zum Ausdrud gebracht wird, daß man feine Beleidigung der Bundestagung beabsichtigt habe und die erste Erflärung zurüdziehe. Nachdem noch zwei Jugendvertreter energisch für bessere Ber. tretung der Jugendintereffen eingetreten sind und gegen die EinFührung der Arbeitsdienstpflicht gesprochen haben, wird die Ausfprache vorläufig abgeschloffen, bis die Sagungskommission ihren Bericht erstattet hat. Mit allen gegen 19 Stimmen wird der grund fäßliche Beschluß gefaßt, daß, fobald die Kaffenverhältnisse es erTauben, die Erwerbslofenunterstügung wieder ein geführt werden soll. Nachdem eine Kommission zur Prüfung der Anstellungsbedin gungen der Bundesangestellten eingesetzt ist, tritt eine Baufe ein, da eine Abendsigung stattfinden soll nicht in demselben Maße wie Deutschland. Hier verursachte die schlechte Konjunktur den Mitgliederverlust. Auch die Mitgliederzahl Desterreichs ist etwas zurückgegangen. Die im staatlichem Privileg umzuwandeln, stoßen jetzt auf wachsenden Widerftand bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften. Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften" vereinigten 30 Landes und Provinzial. genossenschaftsbanken, welche die nach Ländern bzw. Provinzen organisierten zentralen Geldausgleichsstellen von über 25 000 lande wirtschaftlichen Genossenschaften mit über 2% Millionen Einzelmit gliedern sind, haben in einer gemeinsamen Sigung zur Frage der Begründung einer landwirtschaftlichen Kreditanstalt nach eingehender Beratung einstimmig wie folgt Stellung genommen: Das Gefeß über die Liquidierung der Deutschen Renten bant bebingt eine Aenderung ber zeitigen Sabung der Rentenbank nur in denjenigen Vorschriften, die sich auf die Liquidation als solche beziehen. Es liegt fein Grund vor, in der landwirtschaftlichen Besetzung des Aufsichtsrats und des Ver. Belgien, Frankreich. Luremburg, Polen und die Tschechoslowakei dagegen haben ihre Mitgliederzahlen etwas zu erhöhen vermocht. Diese Zunahmen vermögen leider die oben erwähnten Verluste nicht zu kompensieren. Dazu ist noch eine Neuaufnahme zu verzeichnen, die des Estnischen Buchdruckerverbandes mit zirka 850 Mitgliedern. Im Vorjahre fanden auch zwei Verschmelzungen statt: in Desterwaltungsrais Aenderungen eintreten zu laffen. reich der Verband der Hilfsarbeiter mit dem der Facharbeiter, in der Tschechoslowakei der Mährische( Brünner) Verband mit dem Brager Verband. Hierdurch fiel die Zahl der angeschlossenen Verbände von 24 auf 22. Das Gefretariat fordert die englischen Buchdruckerorganisationen zum Anschluß auf. Die spanischen und Sao Paoloer Verbände meldeten bereits ihre Eintrittsabficht. Die Drudereiorganisationen der fleinen russischen Grenzstaaten wollen sich ebenfalls anschließen. Die in§ 9 des Gesetzes über die Liquidierung der Deutschen Rentenbant vorgesehene landwirtschaftliche Kreditanstalt muß mit tumlichster Beschleunigung geschaffen werden. Die Errichtung muß in einfachster, jede lleberorganisation ausschließender Form er folgen. Vor allem tommt es darauf an, eine weitere 3eriplittea rung in der Kreditgewährung und eine Berteuerung der Kredite selbst zu vermeiden. Im übrigen dürfen bei Durch führung aller in Frage tommenden Maßnahmen nur wirtschaftliche Gesichtspuntte maßgebend fein. Auch muß die Berquidung ersten Monater des Jahres machte die französische Währung eine bon Real- und Personaltrébit in einem Bantinftitut permieden werden. iS Die Errichtung einer neuen landwirtschaftlichen Kreditanstalt für ben Berfonalkredit ist nicht erforderlich, da ein hierfür burchaus geeignetes, altbewährtes Bankinstitut mit öffentlich- recht lichem Charafter in Gestalt der Breußischen 3entralgenoff enfchaftstaffe bereits besteht. Um bzw. Ausbau der Preußischen Bentral genossenschaftstaffe zu einer für die gesamte deutsche Bandwirtschaft bestinimten Kredit anstalt für den Bersonalfredit fann ohne weiteres erfolgen, da das Organisationsgefeß der Preußischen Zentralgenossenschaftstasse in seiner neuesten Fassung die Beteiligung einmal fämtlicher außerpreußischen Länder und des Reichs fowie aller mit der Anstalt in Geschäftsverkehr stehenden Kreditinstitute bereits zuläßt. Was darüber hinaus an gefeglichen Voraussetzungen noch fehlt, wird fich leicht ergänzen lassen. Brauchbare Borschläge liegen bereits vor. So stellt die mit einem Eigenkapital von rund 75 Millionen Gold mart ausgestattete Preußische Zentralgenossenschaftstasse in Ber bindung mit dem seit Jahrzehnten bestehenden bis ins legte Dorf verameigten Kreditapparat ein Institut dar, das den Bedürf niffen der deutschen Landwirtschaft, also auch der nicht genossenschaftlich organisierten, durchaus gerecht werden tann. Es wird deshalb die Errichtung eines neuen Instituts als weder notwendig noch zweckmäßig abgelehnt und statt dessen die Um- bzw. Ausgestaltung der Breußischen Zentralgenossenschaftskaffe in die zu begründende landwirtschaftliche Kreditanstalt verlangt. Im Anschluß an diese Stellungnahme der Genossenschaften find noch heftige Auseinandersetzungen innerhalb der Landwirtschaft über die Reorganisation des Agrarfredits zu erwarten. Der Reichslandbund arbeitet ganz planmäßig darauf hin, in der abgeänderten Rentenbant ein ökonomisches und politisches Machtmittel zu erhalten, das die mit Hilfe der 3ollpolitit angeftrebte Bormachtstellung der Landwirtschaft in der deutschen Wirtschaft stärkt. Es ist nur erfreulich, wenn die genossenschaftlichen Organisationen der Bandwirtschaft in der Erfenninis, daß es sich hier um eine wirtschaftliche und nicht um eine politische Frage handelt, fich für den Ausbau der Bentralgenoffenschaftstaffe einfegen, anstatt in einer neuen Renten bant" eine an sich überflüssige Organisation zu schaffen, die die Berteilung der Kredite nur erschweren tann. Eine wichtige Kartellgerichtsentscheidung. Das Kartellgericht hat ein wichtiges Urteil gegen die Bereinigung der Damenhutfabritanten G. 2., Berlin" gefällt, indem es einer Damenhutfabrik, die das Preisdiktat der Bereinigung nicht mitmachen wollte, das Recht erteilte, aus dem Verband auszutreten. Entwertungsperiode durch, die der Ausfuhr einen mäch tigen Antricb gab. Met der Stabilisierung des Franten geht die Ausfuhr zurück, die Handelsbilanz wird im Juni paffiv. Dem Werte nach betrug die Einfuhr Frankreichs im ersten Halbjahr 1924 19 872, die Ausfuhr 21 282 Millionen Frant. Im ganzen blieb ein Ausfuhrüberschuß von 1410 Millionen Frant. Nach Deutschland ohne das Saargebiet wurde für 2107 Millionen Frant( erstes Halbohne das Saargebiet wurde für 2107 Millionen Frant( erstes Halbjahr 1923 494 Millionen) ausgeführt, die Einfuhr aus Deutschland jahr 1923 494 Millionen) ausgeführt, die Einfuhr aus Deutschland betrug 967 Millionen( 388 Mill.). Im allgemeinen ist die Indufirie in Frankreich noch gut beschäftigt, in einigen Zweigen wird cber ein gemisses Nachlassen der Ronjunttur bemerkt. Eine Arbeitslosigkeit in dem Umfange, wie sie etwa in Deutschland oder England herrscht, fennt Frankreich nicht. Nach der Statistit des Arbeitsminis fteriums war noch im Juli die Zahl der freien Stellen größer als die Zahl der gesuchten. Die italienische Handelsbilan 3. die start paffio ift, hat sich im vergangenen Halbjahr wesentlich gebessert. Die Währung ist verhältnismäßig stabil geblieben. Gegenüber dem gleichen Beitraum des vorigen Jahres flieg die Einfuhr in Millionen Lire Don 9064 auf 9455, die Ausfuhr jedoch von 4902 auf 6672; der Einfuhrüberschuß ist demnach von 4163 auf 2783 zurückgegangen. Deutschland steht in einem Gegensatz zu dieser allgemeinen Handelsbilanz, es bezieht viel mehr an waren von Italien, als es dahin ausführt. Soweit Zahlen vorliegen, führte Deutschland nach Itaausführt. Soweit Zahlen vorliegen, führte Deutschland nach Ita len in den ersten fünf Monaten dieses Jahres für 543% Millionen Lire aus, es erhielt dagegen für faft 645 Millionen von Italien. Diefe für Italien so günstigen Zahlen erhöhen sich in ihrem Werte Diefe für Italien fo günstigen Zahlen erhöhen sich in ihrem Werte für dieses Land noch, wenn man die Bratislieferungen an Reparationen hinzurechnet und außerdem die Kapitalien, die von dem in diesem Jahre wieber außerordentlich starken Fremdenstrom ous Deutschland dahingebracht wurden. 100 1970 Holland. Die Einfuhr stieg im ersten Halbjahr 1924 auf Eine sehr günstige Entwicklung nahm der Außenhandeln in 1147 436 Gulden( erftes Halbjahr 1923 989 978) oder um 15,9 Proz, die Ausfuhr auf 756 695( 592 061) oder um 27,8 Proz. Befonders bemerkenswert ist das außerordentlich schnelle Anwachsen der Handelsbeziehungen zu Deutschland. Während wir in den vergangenen Jahren in der holländischen Ausfuhr hinter anderen Ländern zurückstanden, sind wir jetzt sowohl in den Ein fuhr wie in den Ausfuhrziffern an die erste Stelle gerückt. Die Reihenfolge der wichtigsten Länder beim holländischen Außenhandel stellt sich in Prozenten ausgedrückt so dar: Einfuhr aus Deutschland 24,1, Großbritannien 13,1, Belgien 11,0, Vereinigte Staaten 10,4, Frankreich 4,7. Ausfuhr nach Deutschland 30,8, Großbritannien 25,8, Belgien 8,5, Frankreich 7,5, Bereinigte Staaten 2,9. Holland be 80g aus Deutschland vor allem Steinkohle, Zucker, Halbfabritate und Fertigerzeugnisse der Metallindustrie, Textilmaren, Maschinen, chemische Erzeugnisse und Galanteriewaren. Deutschland führte aus Holland in der Hauptsache Lebensmittel ein, an der Spike stehen dem Werte nach Butter, Käse, Eier und frisches Gemüse. In der legten Zeit wird über die zunehmende deutsche Konturrenz Klage geführt. So berichtet die amtliche Wochenschrift Handels berichten", daß zahlreiche deutsche Fabrikanten in Holland Niederlagen errichten oder ihren Vertretern größere Vorräte überwiesen abnehmer und selbst an Private zu Fabrifpreisen lieferten. und unter Ausschaltung des einheimischen Großhandels an KleinDas Urteil ist von prinzipieller Bedeutung. Die fragliche Firma, die das Urteil erwirkte, ist die hessische Damenhutfabrit Feid in Lauterbach. Sie sollte auf Grund eines Gegenseitigkeits. vertrages ihre Hüte in Gerbereien bearbeiten laffen, die weit aus teurer sind als die nicht dem Verband angehörenden ub nicht unter den Gegenseitigkeitsvertrag fallenden außenstehenden Gerber. Außerdem opponierte die genannte Firma gegen den Ber bandstaufpreis( Monopolpreis), da fie, wie sie darlegte, sehr Preisnotierungen für Nahrungsmittel. wohl in der Lage ist, ebenso gut und viel billiger produDurchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Das Kartellgericht erkannte die Gründe der Firma an und fällte Gerstengraupen, lose.. 17,00 22,25| Röstgetreide, lose.... 16.50-18,00 das Urteil, das für die Wiederherstellung freier Konkurrenz und freier Preisbildung gegenüber den Anmaßungen der Kartelle von größter Bedeutung ist. zieren und liefern zu können. Zur internationalen Wirtschaftslage. Wenn man die Berichte über die Entwicklung des Wirtschaftslebens der wichtigsten europäischen Länder im ersten Halbjahr 1924 miteinander vergleicht, fo fällt fofort auf, baß es nicht nur eine Fülle gleichartiger 3üge aufweist, sondern daß es auch in vielfältiger Art ineinander übergreift. So lange die Inflations trise mütete, fonnte man noch von zwei Klaffen in der Wirtschaft Europas sprechen; die von der Geldentwertung befallenen Länder burchlebten eine Scheintonjunttur, hinter beren glänzender Fassade fich das graue Elend verbarg, aber auch die Länder mit Edelvaluta fonnten sich nicht recht entwickeln. Seitdem die Stabilisierung im allgemeinen durchgeführt ist, zeigt sich, wie eng bas europäische Wirtschaftsleben miteinander verknüpft ist. Die Wirtschaft Englands hat unter dem Berfall der mitteleuropäischen Währungen am meisten gelitten. Es ist deshalb verständ lich, daß ihr Zentrum, die Londoner City, den regsten Anteil an der Wiederherstellung des fontinentalen Wirtschafts lebens, besonders von Deutschland, nimmt. Im ersten Halbjahr 1924 zeigte der englische Außenhandeln eine beachtliche Aufwärtsentwicklung. Die Arbeitslosengiffer ist in den ersten fünf Monaten um etwa 300 000 zurüdgegangen, im Juli hat sie sich mieder etwas vergrößert, troß weiterer Steigerung der Ausfuhr. In Frankreich murbe bie Entwicklung des Außenhandels von den Schwankungen des Frantenturies beeinflußt. In den Garderobe Teilzahlung zu äußerst billigen Prelsen HERREN-| DAMENAnzüge, Cutaways Kast& me, Kielder Taillenmäntel, Schlüpfer Blusen, Röcke Regenmäntel, Hosen Mäntel in prima Qualität und bester Verarbeitung Kleinste Anzahlung bequeme wöchentliche oder monatliche Ratenzahlungen Heinrich Georg BERLIN O Andreasstraße 28 I SCHONEBERG Hauptstraße 157 I Ware wird bei Legitimation sofort mitgegeben Verkäufe Hartgrieß Speiseerbsen, kleine... 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Bohnen, weiße, erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Zentner frei Haus Berlin. . Gerstengrütze, lose 16,50-17,50 Kakao, fettarm 65,00-75,00 Haferflocken, lose 18,00 20,00 Kakao, leicht entölt 86,00-100,00 Hafergrütze, lose.... 19,00-21,00 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 Roggenmehl 0/1...... 14,00-15,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 Weizengrieß****** 19,00-20,50 Inlandszucker basis mel. 37,50-38,50 23,00-25,50 Inlandszucker Raffinade 39,00-41,00 17,00-18,25 Zucker Würfel 44,00-47,50 19,00-24,50 Kunsthonig 30,00-38,00 17,50-22,00 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 12,00 16,00 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00-31,00 20,00-24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-95,00 35,00-40,00 27,00-30,50 Marmelade Vierfrucht 20,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 30,00-36,00 31,00 37,50 Steinsalz, lose...... 3,103,70 39,00 46.00 Siedesalz. Iose 4.00- 4,70 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 84,00-84,50 37,00-43,00 Bratenschmalz in Kübeln 85,00 86,00 38,00 Purelard in Tierces 81,00-82,00 20,00-23,00 Purelard in Kisten 81,50-82,50 15,50-16,50 Speisetalg in Packung 62, 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln 66,00 23,25-31,00 Margarine, Handelsm. 30,00-37,00 desgl. II... 60,00-63,00 85,00-90,00 Margarine, Spezialm. I.. 80,00- 84,00 40,00-43,00 desgl. 11. ... 69,00-71,00 50,00 55,00 Margarine III 60,00 62,00 Molkereibutter i. Fässern 196,00-201,00 65,00 70,00 Molkereibutter in Pack. 201,00-206,00 80,00-90,00| Landbutter 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 202,00-208,0) 175,00-180,09 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,75-37,00 155,00-160,00 Ausl Speck, geräuchert 90,00-95,00 106.00-115,00 Quadratkäse. 30,00-45,00 Makkaroni. Makkaronimehl Bruchreis Schnittnudeln, lose. Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Barl Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer. • 55,00-65,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 100,00-120,00 108,00-115,00 Bayr. Emmenthaler 160,00-170,00 150,00-155,00 Echter Emmenthaler... 170,00-180,00 Rohkaffee Brasil 185,00-215,00 Ausl ungezuck.CondensRohkaffee Zentralamerika220,00-285,00 milch 48/16 21,00-23,25 Röstkaffee Brasil..... 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00-26,50 Bon der Stabifffierung) der beutschen Währung hat ber Der schweizerische Handel wesentliche Vorteile gehabt. deutsche Export nach der Schweiz ging infolge feiner über Belf markthöhe gestiegenen Preise beträchtlich zurück, er fonnte sich erst in den letzten Monaten wieder erholen, dagegen stieg die Warenaus Die Schweiz fuhr von der Schweiz nach Deutschland erheblich an. bezieht von Deutschland Roheisen und Halbzeuge, Maschinen, Chemitalien und Anilinfarben, Baumwoll- und Wollgewebe, Bollgarne. Umgekehrt fauft Deutschland aus der Schweiz Baumwollgarne, Baumwollgewebe, Käse, Milch, Uhren, Schokolade, Stickereien, Seidengarne. In einzelnen diefer Waren hat sich der schweizerische Abjaß nach Deutschland geradezu vervielfacht. Im allgemeinen bann man sagen, daß sich das europäische Wirts fchaftsleben im Zeichen zunehmender Stetigkeit befindet. Wie weit die Befürchtungen einzelner Industrieländer, daß sich mit der Durchführung der Dawes Gefeße die deutsche Konturrenz wieder stärker bemerkbar machen und ihren Handel ungünstig beeinflussen wird, berechtigt find, muß abgewartet werden. Man kann dem gegenüber aber jetzt schon einwenden, daß die Beruhigung und Normalisierung der politischen Lage in Mitteleuropa eine wesente liche Erhöhung der Konsumfähigkeit der Bevölkerung zur Folge haben wird und daß dieser Faktor die gesamteuropäische Wirtschaft günstig beeinflussen wird. So viel müßte jede Nation unseres Erdieils aus den Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts gelernt haben, daß nicht die gegenseitige Absperrung und Berfeindung die Völker vorwärts bringt, sondern die wirtschaftliche Zusam menarbeit und die politische Berständigung. Deutschland insbesondere das beim Bezug von Rohstoffen und Lebensmitteln jetzt noch mehr vom Auslande abhängig ist als vor dem Kriege, muß feine Handelsbeziehungen zu den anderen Nationen vorlage geschieht, durch die Berücksichtigun der Intereſſen einiger aufs forgfamfte pflegen. Es darf nicht, wie es jetzt bei der 3011. tisher privilegierten Kreise das Interesse der gewaltigen Mehrheit des deutschen Volkes am Ausbau seines Außenhandels gefährden. 930 gibt, daß die Ultimo bedürfnisse zu einer stärkeren KreditReichsbant. Der Ausweis der Reichsbant vom 30. August erInanspruchnahme bei der Reichsbank führten. Die gesamte Kapitalanlage stieg in der Berichtswoche um 148,4 auf 1997,2 Goldmillionen. Dagegen ging die Summe der redistontierten Wechsel zum Monatsschluß um 21,9 auf 206,7 Goldmillionen zurück. An Bantnoten und Rentenbantfcheinen zusammen wurden in der letzten Auguftwoche 415,5 Goldmillio= nen von der Reichsbank in den Verkehr gegeben. Der Banknotenumlauf wuchs um 262,7 auf 1391,9 Trillionen Mark, der Rentenmarfumlauf um 152,8 auf etwa 1865 Millionen Rentenmart. Den fremden Geldern wurden im ganzen 262,3 Goldmillionen entzogen, fo daß die Guthabenbestände auf 561,9 Trillionen Mark zurüdgegangen find. Der Goldbestand erhöhte sich weiter um 9,5 auf 516,5 Millionen Goldmark. Ueberschuß der Reichshauptfaffe. Nach dem Ausweis der Reichshauptkasse betrugen in der Zeit vom 21. bis 31. August die Einnahmen 228,6 und die Ausgaben 217,7 millionen. Somit ergibt sich ein Ueberschuß von 10,9 millionen. Der feit dem 1. April 1923 entstandene leberschuß erhöhte sich dadurch auf 66,3 Millionen. Die Gesamteinnahmen im August betragen Betrag von 489,4 Millionen Mark verteilt sich auf die allgemeine 482,7 Millionen, die Gesamtausgaben 489,4 Millionen Mart. Der Reichsverwaltung einschließlich Ausführung des FriedensDertrages mit 191,7, Steuerüberweisungen an Länder und Gemeinden mit 243,2, Rüdfauf von Goldschahanweisungen mit 1 Million Mart und besonders auf Reparationskonto zu verrechnende Leistungen mit 53,5 Millionen Mart. Lettere Angaben find erstmalig getrennt von den Ausgaben für die allgemeine Reichsverwaltung aufgeführt, und auch für die rückliegende Beit ist ein entsprechender Ausgleich bei der allgemeinen Reichsverwaltung vorgenommen worden. Im übrigen ergibt sich für August ein leberfchuß von rund 19,6 Millionen Mart gegenüber 81,8 Millionen Mart im Juli. Der bescheidene Aufsichtsrat. Bon der Generalversammlung der ,, Norddeutschen Eiswerte" ist folgende niedliche Tatsache zu berichten: Unter den Anträgen, die von der Berwaltung der Verfammlung vorgelegt wurden, befand sich die Vergütung für den Aufsichtsrat in Höhe von 24000 Mart zuzüglich 10 Broz. vom Reingewinn. Bemerkenswert ist, daß dieser Antrag bei Verfündigung der Tagesordnung nicht präzisiert wurde. Infolgedessen wurde er genehmigt der Reingewinn betrug 67 000 m. Die fünf Herren des Aufsichtsrates geruhten also 24 000 m. plus 10 Broz. gleich 6700 M., zusammen 30 700., fomit fast die Hälfte des ganzen Reingewinns in ihre Lafchen zu fleden. Bescheidenheit ist eine Bier, doch Vor dem Kriege arbeitete das Unternehmen durchaus unrentabel. Der Aufsichtsrat hat also viel nachzuholen. Krise in der englischen Kohleninduffcie. Aus New Castle wird gemeldet, daß infolge der Ein- und Ausfuhrbeschränkungen die Sohlenindustrie in Nordengland schwer darniederLiege. Mehrere Gruben in Nordcumberland mußten ihren Betrieb einstellen. Andere haben die Arbeiter entlassen. Seit 40 Jahren nahm fich die Situation nach nicht so bedrohlich aus. 18, Kaufgesuche Kaufe Motorräder. Höchftzahlend. Fahrräder fauft Linienftrake 19. 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