Str. 422 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 215 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Beit" mit ,, Sied. lung und Kleingarten", fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Gozialdemokrat Berlin" Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig 150 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Retlamezeile 4.- Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( auläffig amei fettgedruckte Worte), febes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, icedes weitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Es ift Herrn Streferedung ersuchte: Sie wissen, daß ich in London mich ausdrücklich im mann gelungen, die ganze Atmosphäre wieder zu verderben, nur um Sinne des Friedens bemüht habe, aber, ganz offen gesagt, die sich bei den Deutschnationalen unter einer kommenden BürgerblodNachricht, die durch die Presse verbreitet worden ist, wonach Deutsch- regierung beliebt zu machen. Wie lange wird sich das deutsche Volk land eine Note an die Regierungen über die Kriegsschuldfrage ab- diese Art von Außenpolitik und diesen Reichstag, der die Quelle gesandt habe, versetzt mich in die Unmöglichteit, irgendeine allen Ubels ist, noch gefallen lassen? Erklärung in diesem Augenblid abzugeben. Ich kann nicht begreifen, wie in demselben Augenblid, wo wir versuchen, für die Zukunft den Frieden zu organisieren, mitten in der Tagung des Völkerbundes die Reichsregierung überhaupt sich mit dem Gedanken befaßt, eine solche Note loszulaffen. Ich kann im Augenblid nichts anderes fun, als diese note abwarten und ihr gegebenenfalls energischen Protest entgegensetzen. Der Brief des Reichskanzlers. Paris, 6. September.( Eca) Die Pariser Nachmittagszeitungen veröffentlichen in großer Aufmachung folgende Mitteilung aus Genf: Eine Erklärung Herriots. Genf, 6. September.( EP.) Herriot empfing heute eine Delegation der Deutschen Liga für Menschenrechte, der Herr v. Gerlach, Professor Förster, General Freiherr v. Schönaich und Dr. Gumbel angehörten. Herriot gab dabei die Erklärung ab, er werde nicht den geringsten prinzipiellen Einwand gegen den baldigen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erheben. Er habe fich darüber bereits ohne Hintergedanten ausgesprochen. Natürlich gebe es Fragen der Opportunität mit Bezug auf die Wahl des Augenblides. Da müsse er nun in aller Offenheit fagen, daß die an gekündigte offizielle deutsche Note in der Angelegenheit der Schuldfrage für die wünschenswerte Einigung Deutschlands mit " Die Premierminister von Frankreich, England und Belgien der übrigen Kulturwelt von ganz verhängnisvoller haben vom Reichstanzler Marg einen Brief erhalten, in dem der Wirtung sei. Dieser Schritt bedeute geradezu eine fürchter Reichstanzler zu erkennen gibt, daß er länger mit der Veröffentliche Blindheit. Man habe damit auch seiner eigenen Politik lichung der Proklamation der Reichsregierung, in den stärksten Knüppel zwischen die Beine geworfen. Gewiß sei es beder feierlich die Verantwortung Deutschlands am Kriege zurüd- greiflich, daß der friedlich gefimmte Teil des deutschen Boltes nicht gewiesen wird, nicht warten werde. Der Reichskanzler hat dem die Verantwortung für die Katastrophe auf sich lasten sehen wolle. französischen Ministerpräsidenten geschrieben, daß er während der Dann aber müsse sich dieser Teil des deutschen Bolles von den Konferenz von Condon, die Veröffentlichung dieses Dokumentes ver- Schuldigen des alten Regimes deutlich trennen, zögert habe, die damals bereits beschlossen war, die man aber zurüdstellte, um die in London in Gang befindlichen Verhandlungen nicht zu erschweren. Der Reichskanzler fügt in feinem Brief hinzu, daß die Veröffentlichung keinerlei Veränderung in der Polifif des Reiches hinsichtlich der in London übernommenen und unterschriebenen Verpflichtungen mit fich bringe. Herriot hat, sobald er von diefem Brief Kenntnis genommen hatte, den franzöfifchen Botschafter in Berlin angewiesen, fofort der Reichsregierung mitzuteilen, welch schlechten Eindrud dieser Brief gemacht habe, und daß auch heute die Veröffentlichung teinen günstigen Eindrud machen werde. Weiter foll er der Reichsregierung alle Vorbehalte der franzöfifchen Regierung hinsichtlich der möglichen Folgen diefer Beröffentlichung mitteilen." Stresemanns Katastrophenpolitik. Genf, 6. September.( Eigener Drahtbericht.) Geit Freitag abend lag über den Genfer Berhadlungen eine dunkle Wolke. In dem Augenblid, wo durch die Rede Macdonalds der beschleunigten Aufnahme Deutschlands in den Bölferbund die Wege geebnet werden follten und auch Frankreich zu verstehen gegeben hatte, daß es Peinerlei Schwierigkeiten dem entgegensehen würde, gerade da platzte die Nachricht, daß die leberreichung einer Kriegsunschulderklärung durch die Reichsregierung bevorstehe, herein. Zuerst wurde diese Nachricht nur in den höchsten Kreisen der französischen und der englischen Regierung befannt. Sie fiderte aber immer weiter durch und erregte überall bodenloses Erstaunen. Das erste Wort einer führenden französischen Persönlichkeit war, wenn das deutsche Auswärtige Amt im Solde der französischen Nationalisten stehen würde, tönnie es nicht anders handein. Nicht geringer war die Empörung der Engländer. Henderson hatte fich für die Sonnabendsizung zum Wort gemeldet, um den Eintritt Deutschlands in den Bölferbund im Sinne Macdonalds und im Einverständnis mit Herriot zu befürworten. Als aber die deutsche Abficht bekannt wurde, ließ er sich sofort von der Rednerlifte streichen. Eine der höchsten Persönlichkeiten der britischen Delegation erklärte Wenn Deutschland das tut, dann ist eben alles tapuff! Ein bel gischer Delegierter meinte ironisch: Wenn sich Deutschland ganz mit Ruhm bebeden will, dann darf es ja nicht verfäumen, diese Unschuldserklärung auch in Brüssel zu notifizieren. Sie wird dort ganz besonderem Berständnis begegnen." Die eifrighten Freunde des deutschen Voltes haben im Laufe des heutigen Nachmittags auf eigene Faust telegraphisch an die höchften Stellen in Deutschland fich gewandt mit der dringenden Bitte, diesen tatastrophalen Schritt nicht zu unternehmen, 3. B. Nansen und Branting. Schließlich hat auch Macdonald die Reichsregierung telegraphisch in letzter Stunde gewarnt, diefe Dummheit zu begehen. Bei den Franzosen ist man dagegen aus beſtimmten Gründen überzeugt, daß alle diese Schritte faum noch etwas nüßen würden, und man fchenkt daher den Pariser Blättermeldungen Glauben, wonach die Note bereits unterwegs sei. Als letzte Warnung hat Herriot den direkten Weg an die republikanische öffentliche Meinung Deutschlands gewählt, indem er dem Vertreter des sozialdemokratischen Parlamentsdienstes eine Erklärung übermittelte. Besonders empört ist man allgemein darüber, daß der Schritt der Reichsregierung nicht etwa aus der eigenen lleberzeugung des Reichstanzlers Marg erfolgt ist, den man für zu flug und zu loyal so wie es 1871 in Frankreich geschehen sei. Dringend notwendig fei es ferner, die Bestimmungen über die deutsche Entwaffnung loyal durchzuführen. Wenn auf diesem Gebiet kein glaubhafter Erfolg erzielt werde, so werde das nicht nur den Eintritt Deutschlands in den Bölferbund hindern, sondern auch ihm, Herriot selbst, das Vertrauen feiner Nation rauben und ihm die Fortsetzung seiner Politik ummöglich machen. Er habe nichts dagegen einzuwenden, daß Deutsch land einen permanenten Sig im Bölkerbundrat erhalte. Wenn alle Schwierigkeiten behoben feien, so könne der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gegen Ende dieser Tagung erfolgen. Sollie jedoch die angekündigte Note über die Schuldfrage tatsächlich überreicht werden, so würde das die ganze politische Lage von neuem in ungeahnter Weise verschärfen. Die Frage, cb Deutschland noch formell den Bersailler Vertrag ausdrüdlich anerfermen müsse, beantwortete Herriot dahin, daß dies nicht der Fall fei, sondern daß die Unterzeichnung des Bölkerbund pattes genüge. Macdonald und Herriot abgereift. Genf, 6. September.( WTB.) Macdonald und Herriot reiſten um 9 Uhr 40 Min. mit demselben Zuge nach Baris. Auf dem Bahnhof waren die meisten Delegationsführer der Völkerbundsversammlung und zahlreiche Pressevertreter erschienen. Als der Zug sich in Bewegung setzte, brach die Menge in begeisterte Hochrufe aus. Macdonald fährt über Paris nach London weiter, während Herriot fich nach Meaux begibt, um an der Jahresfeier für die Marneschlacht teilzunehmen. Hinein in den Völkerbund! Offener Brief Löbes an Stresemann. In der Frankfurter Zeitung" veröffentlicht Genoffe Paul Löbe, der sich auf einer Reife in Süddeutschland befindet, einen offenen Brief an den Reichsaußenminister, in dem er ihn auffordert, im Reichskabinett dafür einzutreten, daß schleunigst der Antrag auf Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund gestellt werde. Die Rede Macdonalds in Genf und ihre begeisterte Aufnahme mache ein rasches Handeln des Reichskabinetts zur ge bieterischen Notwendigkeit. Löbe gibt der Ansicht Ausdruck, daß die drei Kabinette, denen Stresemann angehörte, nach innen und außen unstreitige Erfolge aufzuweisen hätten. Es sei aber notwendig, diesen Erfolgen die Krone aufzusehen und nicht die günstige Stunde zu verfäumen, die eine schleunige Aufnahme in den Bölkerbund noch ermöglichen würde. Es sei zwar nicht ersichtlich, warum Stresemann nicht selbst in London das Gespräch auf diese Frage gebracht habe, aber nachdem nunmehr die Aufforderung zum Beitritt öffentlich, dringend und von tompetentester Stelle ergangen fei, würde ein weiteres Zögern umentschuldbar sein. Agitationsfeldzug der Labour Party. Condon, 6. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeiterpartei hat für ihre große Agitationskampagne zugunsten des russischenglischen Vertrages zunächst mehr als 200 Versammlungen in allen Teilen des Landes organisiert. Alle Minister des Arbeiterkabinetts gehen als Redner hinaus. 5. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositentasse Lindenstraße 3 Völkerbund und Bürgerblock. Deutschnationale Fernwirkung auf Genf.. In Berlin wie in New York, in Tofio wie in Buenos Aires sind jetzt die Zeitungen voll von Berichten über die Bölkerbundversammlung in Genf. Noch nie, feit die Welt besteht, hat eine politische Arena einen solchen Kreis von Zuhörern um sich geschlossen, und es ist kaum eine Uebertreibung zu sagen, am Völkerbundsaal in Genf hinge jezt das Ohr der ganzen Welt. Die am höchsten ragenden Gestalten der Tagung, Macdonald und Herriot, find durch Beschreibungen und Bilder den Bewohnern der entlegensten Weltgegenden zu vertrauten Erscheinungen geworden. Wer irgendwie politisch interessiert ist, studiert ihre Reden, um die Uebereinstimmungen und die verhaltenen Gegenfäße, ihre Anschauungen festzustellen. Der eine ist der Vertreter des größten Weltreichs, der andere der politische Führer der stärksten europäischen Kontinentalmacht. Reiner von ihnen verschmäht es, um die Sympathien der Welt zu werben. Beide wenden die eindringlichsten Argumente ihrer Beredsamkeit auf, um an das Gefühl und den Verstand ihrer unendlichen Zuhörerschaft zu appellieren und die Sache, für die sie kämpfen, mit einer Atmosphäre des Einverständisses und des Wohlwollens zu umgeben, ohne die fein Sieg gewonnen werden kann. Es ist merkwürdig, daß gerade diejenigen, denen nie genug deutsche Propaganda" getrieben werden fann, am lautesten schreien, Deutschland dürfe nicht in den Bölkerbund. Der Bölkerbund ist heute, wenn nichts anderes, so doch mindestens das st är ffte Propaganda instru ment der Welt. Warum soll sich Deutschland weigern, die einzige Tribüne zu besteigen, von der herab es sich überall vernehmlich machen kann? den Bölkerbund ein Argument, das bisher noch nicht geltend Allerdings, es gibt gegen den Eintritt Deutschlands in gemacht worden ist. Man redet soviel vom Bürgerblock, der den Bölkerbund ein Argument, das bisher noch nicht geltend Appetit der Deutschnationalen auf Ministerportefeuilles tennt teine Grenzen. Sie wollen den Reichskanzlerposten haben und jedenfalls wenn schon, denn schon!- auch das Reichsministerium des Auswärtigen. Nun stelle man sich vor, daß der Großadmiral v. Tirpit oder der edle Graf Westar p oder gar Herr Hergt, den die Völkischen liebevoll den Bappel- Hergt nennen, auf der Rednertribüne des Reformationssaals in Genf erscheinen, um für Deutschland das Wort zu ergreifen! haupt vorstellen? Reicht menschliche Phantasie aus, um den Man stelle sich das vor! Aber fann man sich das überEindruck zu schildern, den ein solches Ereignis in der Welt hervorrufen würde? Ist Blamage ein ausreichendes Wort, um das mathematisch vorausberechenbare Ergebnis zu schildern, oder muß man nicht von Katastrophe sprechen? Es ist klar, daß sich Deutschland durch eine solche Bertretung außerhalb der lebendigen Welt stellen würde. Schon die Namen allein würden genügen, um allenthalben ein Mißtrauen zu erzeugen, das nicht zu besiegen wäre, und wenn die Träger mit Engelzungen redeten. Aber mit welchen Zungen würden sie reden..? Es mag sein, daß das Bewußtsein dieser ehrwürdigen Gestalten, fie paßten so wenig nach Genf wie die Figuren eines verstaubten Ritterstücks in ein modernes Drama, bei ihnen Unlustvorstellungen erzeugt, die sie zu dem Schluß verleiten, Deutschland gehöre nicht in den Völkerbund. Ja, wenn sie Deutschland wären, dann allerdings nicht! Inzwischen hat die Bürger bloddiplomatie ihren ersten Triumph gefeiert. Die deutsche Erklärung zur Kriegsschuldfrage ist, eine Woche nachdem sie veröffentlicht wurde, den alliierten Regierungen notifiziert worden oder die Notifizierung sollte doch unmittelbar bevorstehen. Etwas Bestimmtes war darüber gestern auch in später Abendstunde nicht zu erfahren, da alle amtlichen Drähte versagten. Es hat aber gar keinen 3med mehr darüber zu schweigen, welche Rolle die Frage dieser Notifizierung in den letzten Tagen hinter den Kulissen gespielt hat. Die besten Freunde Deutschlands im Ausland haben die deutsche Regierung dringend davor gewarnt, das zu begehen, was von ihnen allgemein als eine ungeheure Dummheit bezeichnet wird. Die Regierung soll darauf geantwortet haben, sie habe nun cinmal den Deutschnationalen das Versprechen gegeben und könne nicht mehr zurück. Die französischen Nationalisten sind gierig, sich auf den Happen zu stürzen, der ihnen von ihren deutschen Gesinnungsgenossen zugeworfen wird. Es wird ihnen nicht schwer sein, die Notifizierung jener Erklärung nach Abschluß der Londoner Berhandlungen als einen Att der Jlloyalität hinzustellen und als ein Zeichen dafür, daß sich Deutschland nach feinen Londoner Erfolgen schon start genug fühle, um seine Unterschrift unter dem Friedensvertrag anzuzweifeln. Dem will, heißt es, die deutsche Regierung zu begegnen versuchen durch die gleichzeitige Erklärung, sie beabsichtige nicht, ihre fich aus den bestehenden Berträgen ergebenden materiellen Verpflichkungen zu bestreiken. Die deuische Regierung hak, wenn wir recht unterrichtet sind, auch im voraus Schritte unternommen, um die üblen Folgen ihrer Aktion, die sie selber befürchtet, nach Möglichkeit abzuschwächen. * Die Deutschnationalen hatten als siebenten ihrer bekannten sieben„Ehrenpunkte" bekanntlich gefordert, Deutschland solle als Bedingung zu seiner Zustimmung zum Londoner Bertrag die Zurücknahme der Kriegsschulderklärung im Bertrag von Versailles durchsetzen. Die deutsche Regie- rung hat aus wohlerwogenen Gründen nichts dergleichen getan. Sie wußte genau, daß das Resultat kein anderes sein konnte als eine Sprengung der Verhandlungen und eine feierliche Erneuerung der Schuldigertlärung des kaiserlichen Deutschland von 1914. Daß dieses Deutschland allein schuldig sei, ist eine Legende. Trotzdem gibt es viele Tatsachen, die sich nicht weg- radieren lassen, vor allem die eine, daß die kaiserliche Diplo- matie von 1914 durch eine unbegreifliche und nur aus geisti- ger Abnormität zu erklärende Plumpheit in der ganzen Welt den Anschein zu erwecken verstand, als sei sie die eigent- liche Urheberin dieser entsetzlichen Katastrophe. Was diese kaiserliche Diplomatie angerichtet hat. ist noch nicht vergessen und jeder Versuch, sie vollkommen rein zu waschen. weckt in der Welt Gefühle, von denen man gerade im Intercsie Deutschlands wünschen muß, daß sie ewig be- graben schlummern möchten. Ganz unerträglich aber, nicht nur für Nichtdeutsche, sondern noch vielmehr gerade für alle rechtschaffenen Deutschen, ist die Heuchelet, mit der sich gerade diejenigen zu Trägern der Unschuldspropaganda machen, die vor zehn Jahren die frevelhaften Worte in die Welt hinausschleuderten:.Liefe Stunde haben wir ersehnt! Nun ist sie da, die heilige Stunde!" Wir deutsche Sozialdemokraten haben seit Kriegsbeginn gegen die Legende von der deutschen Allein schuld gewirkt. Sozialdemokratische Regierungschefs haben gegen sie in einem Augenblick protestiert, wo der Protest geschichtliche Not- wendigkSit und nicht eine vom Zaun gebrochene Unzeitgemäß- heit war. Wir sind bereit, in diesem Sinne weiterzuarbeiten, nur eines müssen wir uns ausbitten, daß dabei diejenigen den Mund halten, die dazu den meisten Grund haben: d i e Deutschnationalen. Wer Butter auf dem Kopf hak, soll nicht in die Sonne gehen! * Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist eine Not- wendigkeit. Ihn absichtlich hintertteiben, heißt Deutschland aufs schwerste schädigen. Aber das muß von vornherein zu- gegeben werden: In den Völkerbund eintreten und dabei Bürgerblockdiplomatie treiben, ist eine Unmöglichkeit, ist ein Widerspruch in sich selbst. Macdonald und Herriot vertreten die beiden größten, aus dem Weltkrieg hervorgegangenen Mächte der aljen Welt. Aber das Bewußtsein der physischen Kraft, die hinter ihnen steht, hindert sie nicht an der Erkenntnis, daß auch für die stärkste Macht moralische Isolierung eine große Ge- fahr bedeutet. Deutschland ist durch den Kriegsausgang jeder physischen Kraft beraubt, und darum ist eine Politik, die zur moralischen Isolierung führt, für Deutschland der glatte Selbstmord. Die Deutschen waren niemals ein politisch besonder« be- gabtes Volk. Darum blieben sie Jahrhunderte lang, unter der Herrschaft ihrer Dynastien in ohnmächtiger Zerrissenheit, darum ließen sie sich von ausländischen Intriganten und inländischen Dummköpfen in den großen Krieg hineinmanövrie- ren, den sie gegen die ganze Welt zu führen hatten und darum verlieren mußten. Eine Junker- und Bureaukratenkaste, die von der Welt draußen nichts wußte und nichts verstand, übte eine unum- schränkte Herrschast aus, das politisch unfähige Bürgertum ließ sich schafsgeduldig von ihr führen. Diese Kaste versucht jetzt wieder die Führung zu über- nehmen unter dem Namen der Deutschnationalen Partei, und das deutsche Bürgertum ist wiederum bereit, sich ihr anzuvertrauen. In dem Augenblick, in dem die totale Unfähigkeil, der Bankerott, der Zusammenbruch dieser Partei gerichtskundig geworden ist, will ihr das deutsche Bürgertum, ehrfürchtig gebückt, das Szepter der Herrschaft in die Hand drücken. Dinge, die nur in Deutschland möglich sind! Es ist die Last, aber auch der Ruhm der Sozial- demokratischen Partei, daß sie sich, fast allein, dieser Politik des nationalen Selbstmords entgegenstellt. Was sie jetzt will, ist Gelegenheit zu kämpfen, um Deutschland vor dem schlimmsten Unheil zu bewahren, das es sich selber antun kann. Will das Volk den Bürgerblock? Fragt es sebst! Auflösung des Reichstags! Die Gewaltigen melden sich... Tcutschkonservative gegen Deutschnationale. Als der Krieg beendet war, verschwanden die alten Par- teien von der Bildfläche: Fortschrittliche Volkspartei und Nationalliberale,„Reichspartei" und— Deutschkonservative, die Partei des Dreiklassensystems und des Brotwuchers. Und siehe: Aus Morgen und Abend ward ein neuer Tag! Plötzlich standen neue Parteien mit neuen Finnenschildern da, und aus der deutschkonservativen Herren parte! war die Deutschnationale Volks Partei geworden. Statt Hsydebrand war Hergt der Führer geworden. Ein neuer Name, ein neues Programm und ein neuer Mann— aber sonst war alles beim alten geblieben! Nur daß Hergt eben kein Heydebrand ist und niemals warten kann. Aber der Westarp ist ja noch da. Er hatte sich zwar 1918, wie so viele andere aucb, scheu aus der Oeffentlichkeit zurück- gezogen. Aber schon 1920 tauchte er wieder auf als Abgeord- neter der Deutschnationalen. Daneben aber blieb er stellvertretender Vorsitzender der Deutschkonservativen Partei, und nach Heydebrands endgültigem Rücktritt nahm er sogar dessen Stelle ein. Die Deutschkonservativen sind im Reichstag offiziell so wenig vertreten wie in irgendeinem der Landes« Parlamente. Wenn sie sich trotzdem noch als Partei bezeich- nen, so nur aus dem Grunde, weil sie innerhalb der Deutsch- nationalen eine bevorzugte Sonderstellung ein- nehmen. Sie fühlen sich gewissermaßen als das„heilige Kol- legium" in der deutschnationalen Kirche. Das zeigt sich jetzt gerade wieder, da wegen der halbierten Ab st im- m u n g vom 29. August in der Partei Hergt so gut wie alles drunter und drüber geht. Schon vor«inigen Tagen war in der alten..Kreuzzeitung" zu lesen, daß der„engere Vorstand der Deutschkonservativen Partei" zu einer Tagung einberufen sei, um zu der politischen Lage Stellung zu nehmen. Man sah ordentlich den drohend erhobenen Zeigesingerl Am Sonnabend hat nun dies« Tagung stattgefunden. Dort sst, wie die„Kreuzzeitung" berichtet, nach eingehender Aussprache folgende Entschließung gefaßt worden: „Der Enger« Vorstand hat mit Entrüstung von dem Er- gebnis der Abstimmung zum Londoner Abkommen und von der dabei zutage getretenen Haltung der vltA?. Kenntnis genommen. Er erwartet eine umgehende einwandfreie Klar- st« l l u n g dieser Haltung, die zu allen früheren Kundgebungen der Parle, in schroffstem Widerspruche steht. Er bittet alle konservativ gerichteten Kreis», keine endgültig« Entschließung zu fassen, ehe nicht der dem- nächst zusammentretend« Weitere Vorstand der Deutsch- konservativen Partei gesprochen hat." Dem Grafen Westarp, der gegenwärtig sich im Bade be- findet, sprach der engere Vorstand der Deutschkonservativen Statistik. Don Puck. Mein Freund Heinrich ist Statistiker. Nicht von Beruf. Von Beruf sitzt er täglich acht Stunden im Kontor irgendeiner Aktien- gesellschoft und rechnet den Ueberschuh für Direktoren und Aktionäre heraus. Aber als Mensch, als Lebewesen Ist er Statistiker, er lebt von, in und für Statistik. Ich weiß nicht, welcher verhängnisvoll« Volkshochschullehrsr oder welch anderer schnöder Verführer ihm die erste Statistik wies— er griff nach ihr wie Eva nach dem Apfel, und nun irrt er, ausgeschlossen vom Paradies, um des Lebens goldenen Baum in der grauen Oed« der Statistik herum. Er geht auf statistischen Sohlen zum Kontor, wie er mir ver- riet:„Jeden Weg 38 000 bis 38 0S0 Schritt, dos sind am Tage 78 000 bis 76100, wenn ich durchgehende Arbeitszeit habe, Mittwochs ist aber Doppelschicht, so ergeben sich für diesen Tag 76 000 X 2 Schritte, für die Woche 76 000 X 2+ 76 000 X 5. Bleib« ich nur ein Jahr auf meiner Stelle und versäume keinen Tag—" „Mensch, hör auf," schrie ich. und da er mich beleidigt ansah, tröstete ich ihn,„wenn die nächste Dillionenzeit kommt, werde ich dich zum Finanzminister vorschlagen." Aber sonst ist Freund Heinrich ein seelenguter Mensch und die Statistik Bibel, Trost- und Psalmenbuch. Beruhigungspuloer und Milch der frommen Denkungsart für ihn. Zum Beispiel hat er ein hundsmiserables möbliertes Zimmer und bezahlt eine unverschämte Miete dafür. Aber er tröstet sich:„Es läßt sich nicht ableugnen, daß seit 1922 doch schon eine statistisch nachweisbare Verbesserung der Wohnungsvcrhültnisse eingetreten ist. Während hier 1922 1226 kü Unverheiratete überhaupt kein Zimmer fanden, in Hotels und unmöglichen Schuppen logieren muhten, waren es am 1. Januar 1924 nur noch S60. Du siehst also,«s wird besser. Und mtt der Mie:e stehe ich statistisch einwandfrei noch nicht bei dem Maximum dessen, was für meine Zimmerart, nach der Wohnungsstatistik, Gruppe 6, 3X5 Meter, wenig möbliert, gezahlt wird." Wie sich aus Vorstehendem ergibt, ist Freund Heinrich noch zu haben.(Adresse bei mir persönlich abzuholen.) Er ist auch absolut kein eingefleischter Junggeselle, im Gegenteil, er träumt und spricht viel von der„Möglichkeit des Heiratens". Aber es ist die Tragik seiner suchenden Seele, daß ihm die Stottsttk auf diesem gefähr- lichsten aller Kampfplätze des Lebens so völlig im Sttche läßt. Wir sprachen anläßlich meines Jubiläums, daß mir die fünfte Braut durchbrannte, über das Thema Ehe. Ernst und würdevoll, wie es sich für ihrer Pflicht gegen Gemeinschaft und Volkszutunft bewußte Männer geziemt. Und Freund Heinrich meinte, hoffnungslos und entsagend' „Ja, siehst du, Strindberg sagt so und Schiller so. Und Fovel meint wieder ganz anders, Bebel bringt reichhaltiges Material über die Ehefrage, Toni Pfiilf hat wohl auch eine ganz nett« Broschüre geschrieben, und die Iungsoziaiisten haben das Problem: Lugend- ehe oder �icht" noch immer beim Wickel— ober" Und nun leuchteten seine Augen auf: „Wir müßten die Ehefrage endlich mal gründlich und statistisch erfassen. Erstens: Wieviel Streitigkeiten in z. B. 100V, oder sag«, wir 10 000 Ehen, verhältnismäßig auf die verschiedensten Lebens- Verhältnisse verteilt, im ersten, zweiten, dritten und so weiter Ehe- jähre vorfallen, ob Unoerheiratete oder Verheiratete öfter ertranken und früher sterben, welche Typen am besten zueinander passen, ja, und dann natürlich, welchen Einfluß die Che auf den ollgemeinen Konsum, auf Politik, Staatshaushalt, Wirtschaft hat. So ein rich- t-ges„Ehestatistikamt" müßte errichtet werden. Die mogeren Zu- sammenstellungen über Eheschließungen und-scheidungen sind ja für die Katz. Ja, und dann ist statistisch festgestellt, daß die beste Kinderzahl zur Erhaltung eines an Qualität hohen und zur Fort- Pflanzung ausreichenden Nachwuchses S'A Kinder pro Ehe sind. Ja, wie soll man denn da» machen?" Er schwieg bekümmert. Ich auch. „Vielleicht ließe sich ein Gesetz schaffen, wonach immer ab- wechselnd einem Ehepaar die Pflicht zu vier, dem anderen zu drei Kindern auferlegt wird", fügte er noch hinzu. Ich sagte nichts, aber ich werde ihn doch nicht zum Miuister vorschlagen. Uebrigens ginge es augenblicklich auch gar nicht. Er liegt näm- lich im Krankenhaus. Auch hieran ist gewissermaßen die Siatistit schuld. Wir gingen nämlich ein« sehr belebte Straße entlang, und Heinrich bewies mir mit wirbelnden statistischen Zahlen, wie sehr die Zahl der Unglücksfälle abgenommen habe, die hygienischen Der- Hältnisse in den Städten sich gebessert hätten, wie die steigenden Verbrauchsziffern der Wasserwerke, die zunehmend« Länge des Kanalisationsröhrennetzes, die Erntesteigerung der Rieselfelder— na ja, und dann mußten wir über den Damm. Und gerade, als die Zahlen Heinrichs mein Gehirn so weich geschlagen hatten, daß ich begann, die Erde als vollendetes Paradies anzusehen, kam ein Auto und riß Freund Heinrich nieder. Stoppen. Fluchen. Menschen. Schutzmann, Notizbuch und gezückter Bleistift. Heinrich rein ins Auto. Das linke Bein scheint zum mindesten stark gequetscht. Aber er lächelt unter Schmerzen. Und flüstert mir etwas zu. Sind's Testomentsgedanken, ist's Lebens- beichte? Mit heißer Seele beuge ich mich zu ihm. Und nun ver- stehe ich ihn:„Nicht so schlitrrm, Paul. Nach der Unfallstatistik kommt erst auf jeden 7594 Htrt Menschen, der den Damm über- schreitet, ein Unfall. Und erst jeder fünfte ist von ernsteren Folgen. Ich bin, da täglich stattstisch 1 936 782 Menschen durchschnittlich in dieser Stadt den Fahrweg überschreiten, seit 4 Monaten. 18 Tagen und einigen Stunden der erste—" Da sauste das Auto mit ihm fort zur Unfallstation. Gerührt und erschüttert sah ich ihm nach. Und morgen beginne ich mich auch in die Statistiken zu vertiefen. Um meiner Seele Ruhe und Trost willen. Und um einen Grund zu haben, nicht zu heiraten.... j „wärmsten Dank für seine feste Haltung und uneingeschränktes Vertrauen" aus. Nun wird also demnächst der„weitere Vor- stand" der Deutschkonservativen Beschlüsse fassen. Daß diese anders ausfallen könnten als die des engeren Borstandes, ist nicht anzunehmen, wenigstens nicht, soweit das Urteil über die Fraktion Halb und Halb in Frage kommt. Fast könnte man allerdings vermuten, die Deutschkonservativen hätten die Absicht, aus der Firma Hergt u. Co. auszu- scheiden und wieder ein eigen esGeschäft anzufangen. Sicher hat der engere Vorstand der„Kreuzzeitung" noch be- sonders den Rücken gesteift. Denn der innenpolitische Wochen- schauer zieht noch einmal besonders heftig gegen die Jasager seiner Fraktion zu Felde. Er behauptet, er habe bisher ver- ucht, die Gründe der Jasager zu verstehen: „Aber wir müssen offen gestehen, daß wir gerade, je mehr wir zeitlichen Abstand zu dem Tage der Abstimmung gewinnen, desto mehr auf Grurnd nochmaliger Durchprüfung der ganzen Loge zu demselben Schluß kommen müssen, daß nur ein„Nein" gerecht- fertigt war. Wir werden in unserer Auffassung noch bestärkt durch die Entschließungen, die von einzelnen Parteiorganisationen im Land« gefaßt werden. Sie bringen fast sämtlich das Bedauern zum Ausdruck darüber, daß ein Teil der Fraktion au» innerpofitischen oder wirtschaftlichen Rücksichten seine Zu- stimmung zu dem enttcheidenden Reichseisen bahnyesetz gegeben hat." Im Zusammenhang damit bestätigt die„Kreuzzeitung" noch einmal und ausdrücklich, daß die Jasager lediglich aus Furcht vor Neuwahlen sich zu ihrem Umfall haben verleiten lassenl Schließlich aber sieht das Blatt sebr trüb« in die Zukunft, um so mehr, als nun sogar der K a u f p r e i s für den Umfall in Frage gestellt scheint: Es sind also fraglos starke Kräfte am Werke, die durch verein- barungen gewissermaßen paraphierte künftige bürgerliche Regierung zu hintertreiben, wobei nicht zu vergessen ist, daß Herr Ebert nur zu wähl, sein Wort mitsprechen dürste. Di« Deutschnationalen werden wähl sein Wort mitsprechen dürfte. Die Deutschnattonalen werden also alle Energie anwenden müssen, um die gemachten Zusagen durchzusehen. Keinesfalls aber darf ein solcher Bürgerblock etwa mit weiteren Zugeständnissen erkauft werten. Das heißt mit anderen Worten, daß der bisher zugesagte Bürgerblock mit Zugeständnissen„erkauft" worden ist. Man schämt sich also schon nicht mehr, o f f e n d e n schmählichen 5)andel einzugestehen, der da aus Kosten des Volkes begonnen worden ist. Das Zentrum zeigt die kalte Schulter. Gerade zur selben Stunde aber, da die„Kreuzzeitung" auf Einlösung ihres Scheines pocht, nimmt in der„Kölnischen Volkszeitung" der frühere Reichskanzler Dr. W i rth das Wort und erklärt, die Zentrumspartei lehne den Bürger» block ab, auch wenn er unter dem Deckmantel nationaler Bestrebungen erreicht werden solle. Die Deutschnationalen er- strebten die Macht in der Regierung. Der erste Schritt zur Machtergreifung war der Gang Hergts zum Reichs- kanzler Marx. Diese Methode der Machtergreifung habe in den Reihen des Zentrums scharfe Zurückweisung erfahren. Die„Kölnische Volkszeitung" selbst polemisiert gegen einen Artikel des Abg. Hoetzsch, der davon gesprochen hatte, die deutschnationale Fraktion erwarte,„daß die B i n d II n- g e n, die die a n d e r e n bürgerlichen Parteien ihr gegenüber eingegangen sind, gehalten werden." Die„Kölnische Volkszeitung" stellt dazu fest, daß „nur eine deutschnationale Partei, die für ihre Gesamtheit, wie ja Hoetzsch es fordert, die Verantwortung für die Annahm« des Londoner Paktes und ihre Gebundenheit an diese Politik unzwei- deutig bekundet, das Recht hätte, daraus die Forderung auf ein Mittragen und Mitbestimmen der weiteren Auswirkunz dieser Politik ableiten dürste. Es Ist geradezu ein Unfug, wenn die deutschnattonale Presse heute die Politik von London auf» schärfste zu bekämpfen fort- fährt und fast im gleichen Atemzuge die Teilnahme an der Durch- sührung dieser Politik verlangt— ja sogar die„maßgebende" Teil- die Natur im September. Rasch abnehmende Tage. Aprillaunisches Wetter mit immer karger werdendem Sonnenschein. Vereinsamter Badestrand. Mählich vergebendes Laub. Wipfel, die sich lichten, von unseren Sängern längst verlassen. In den Anlagen blinken milchweiße Schneebeeren cm den Ziersträuchern, und andere Früchte sind den Blüten gefolgt. Was draußen noch blüht, zeigt überwiegend gelbe Blumen, so da» Heer zahlloser Habichtskräuter, die Königskerzen und Goldruten, dazu die Sonnenblumen und Rudbeckien in allen Laubenkolonien und um jedes Bahnwärterhäuschen. Streift man durch Busch und Wiese, so ist man im Umsehen bis über die Knie gespickt mit den Samen des Odermennigs, des Zweizahns oder anderer Gewächse, die, mit Widerhaken versehen, auf diesem Weg« für ihr„Fortkommen" sorgen. Auf den Gewässern trifft man hier und da die Erscheinung an, die das Volk mit den Worten„Der See blüht" bezeichnet. Grün» lich, bläulich oder auch anders gefärbt erscheinende Wasserflächen, verursacht durch Myriaden meist winziger Algen, die sich durch Sprossung und Teilung in kurzer Zeit in unvorstellbar großer An- zahl entwickeln, um ebenso rasch zu vergehen und zu versinken. Auch die Blumen des Straßenhandels zeigen in der kanadischen Goldrute und in den Ringelblumen das Gelb des Herbstes. E» kommt aber hier nicht auf gegen vielfarbige Dahlien, Chrysanthemen und Slstern. Während die Dahlien in der heimischen Flora keine näheren Verwandten haben, ist unsere wildwachsende Margaretenblume eine Schwester der Chrysanthemen, und auch echte Astern wachsen bei uns wild Aber sie haben nur wenige und nur Wenigen bekannte Fundplätze. So die blaue Bergaster in den Rüdersdorfer Kalkbergen. Diese berühmte Trias-Insel unseres Tieflandes weicht auch in ihrer Vegetaticn zu allen Jahreszeiten weit von dem gewohnten mär- kifchen Bilde ab. Wie jetzt durch die Astern, so auch durch die Fülle der wilden, nun mit Hagebutten übersäten Rosensträucher und die nicht minder zahlreichen Seedornsttäucher. Diese sind auf den Dünen der Ost- und Rordseeküste und an Alpenflüssen heimisch, in den Kalk- bergen aber seit langer Zeit verwildert und völlig eingebürgert Das weidenartig schmal«, unterseits silbergraue Laub wird fast erdrückt Beeren gedrängt sitzenden, wetthin gelbrot leuchtenden Mit dem färbenden Laub nimmt der Reiz der Wanderungen zu. Ausgedehnte monoton« Kieferwaldungen ohne Unterholz sind iur die kommenden Woch-n freilich nicht das Rechte. Doch fehlt es uns nicht an Laub- und Mischwäldern, die mit ständigem Wechsel von Licht und Farbe andere Bilder und besser« Stimmungen er- zeugen, wenn wir auch draußen dem Herbst entgegenwandern. Und immer wieder von neuem müssen wir durch Herbst und Winter hin- durch, um einen kurzen Frühling zu erreichen. L. w. HaremÄiamen ckls Konkursmasse. 15„bildschöne" Zirkaffle. rinnen, aus denen sich der Harem des Prinzen Abdul Kadir. des Sohnes des verstorbenen Sultans Abdul Hamid, zusammensetzt werden demnächst den Mittelpunkt in einem Prozeß bilden, der vor dem Budapester Gericht verhandelt werden soll.(Ein polnischer Wucherer namens Abrahamowitfch hat die gerichtlich« Beschlag- nähme der Haremsdamen als Pfandsicherung für das Geld dos er dem Prinzen geliehen hat, beantragt und fernen Antrag mit dem nähme!... Die Deutschnationale Voltspartei muß erst Klarheit schaffen in sich selbst, klarheil über die Richtung, die sie ihrer Mit- arbeit geben würde. Sie hat es überdies dringend nötig, gerade nach den letzten Vorgängen und der Hetze gegen die Jasager in ihren eigenen Reihen, daß sie sich erst einmal einen Fondsvon Vertrauen erwirbt. Ihre gegenwärtige Zwiespältigkeit ist dazu nicht angetan. Man kann nicht für sich Verdienste in Anspruch nehmen, wenn man gleichzeitig die Männer, die dies« Verdienst« durch ihr Ja ermöglicht haben, verleugnet und draußen im Lande fast wie Verräter behandelt. Man kann nicht richtunggebend sein wollen, wenn man selbst keine maßgebliche Richtung hat. Das klingt nicht gerade danach, als ob die Zentrumspartei die Absicht hätte, selbst so leichthin den Bürgerblock zu ver- kaufen. Vorläufig klingt das noch wie eine zwar höfliche, aber deutliche Absage, und wenn die Deutschnationalen wirklich sich mit Regierungsgedonken tragen, dann werden sie, zum Schrecken der Konservativen, noch manche weitere Zugeständnisse machen müssen! Ausfuhrsperre für Getreiöe. Das Doppelspiel des ReichsernährungSministeriums. WTB. meldet: Der Roggenpreis hat m der letzten Zeit eine außerordent- liche Steigerung erfahren. Er ist an der Berliner Produkten- börfe von 15v M. für die Tonn« am 26. August auf 180 M. für die Tonne am 5. September, also um2l>Proz., und von Freitag auf Sonnabend von 180 M. auf 190 M. gestiegen. Di« Der- spätung der Ernte,-di« durch da« fortdauernd« regnerische Wetter fast in allen Teilen Deutschlands eingetr«t«n ist, hat das Angebot auf Jnlandsgetreid« außerordentlich verringert und seitens der Mühlen und des Konsums starke Nachfrage hervorgerufen. Unter diesin Umständen ist es geboten«rfchienen, di« Erteilung für die Ausfuhr von Rogg«n, Weizen(Spelz-Dink«l), Hafer und Gerste«rforderlich«n Unbedenklichkeitsbescheinigungen vorübergehend von Montag, den 8. September an, einzustellen. Der Reich«- koinmissar für Ernährung und Landwirtschast ist entsprechend an» gewiesen worden. Die Haltung der Regierung in der Ro�enpreisfrage ist einfach unverständlich. Auf der einen Seite hat die Re- gierung eine Zollvorla ge dem Reichstag zugeleitet, die den Roggenpreis aus den Weltmarttstand plus SO Mark Zolh also aus mehr als 200 Mark steigern soll. Auf der anderen Seit« aber will sie jetzt durch Aufhebung der Aussuhrbewilli- gung den Getreidepreis künstlich senken. Das ist ein so krasser Widerspruch in der Politik desselben Amtes, daß man an der Maßnahm« der Regierung keine reine Freude haben kann. So sehr wir ein« wirkliche Senkung des Roggen- und Brotpreises im Interesse der breiten Dolksmassen begrüßen würden, so wenig ist von diesem B ersuch auf die Dauer ein Erfolg zu erwarten. Es scheint vielmehr, daß im Reichsernährungsministerium ein ganz gefährliches Doppel- spiel getrieben wird. Die Ausfuhrbeschränkung kann nur vorübergehend den Roggenprei» senken. Die Land- Wirtschaft schreit dan programmgemäß nach dem„Schütz der nationalen Arbeif. Inzwischen wird durch die vorüber» gehende Senkung des Roggenpreises den deutschen Ber» brauchern die Schutzzollvorlage schmackhaft gemacht. Kaum ist drcse durchgeführt, dann erfolgt durch die Zölle die Der» teucrung des Getreides weit über den Weltmarktpreis hinaus. ' Wäre es anders, wollte das Reichsernährungsministerium eine wirklich ernsthaft e Ernährungspolitik, so hätte es aus Anlaß der gestiegenen Roggenpreise die Zollvorlage zurückziehen müssen. Das hat es bisher nicht getan. Im Segenteil hat sich Graf Könitz noch vor acht Tagen in Köln zum Fürsprecher der Getreidezöll« gemacht, obwohl der Weizenpreis seit der Ausarbeitung der. Zollvorlage bereits um S0 Prozent gestiegen war. Wenn also die jetzige Senkung des Roggenpreises überhaupt einen Sinn haben soll, so kann es Hinweis begründet, daß noch türkischem Recht Frauen Luxusgegen» stände seien, die als Pfand für eingegangene Schulden hergegeben werden können. Prinz Kadir war mit einem großen Gefolge vor etwa einem halben Jahr nach Budapest gekommen und hatte dort im Hotel Imperial, dem ersten rer Stadt, für sich und seinen Harem ein« ganze Etage gemietet. In den ersten zwei Monaten gab der Prinz das Geld mit vollen Händen au« und veranstaltete zauber» haste Fest«, die den ganzen Glanz de« orientalischen Luxus eirt» hüllten. Als das Geld zur Neig« ging und er sein« Hotelrechnnng nicht mehr bezahlen tonnt«, mußt« er wohl oder üb«l mit seinem Harem in einem minder vornehmen Hotel Quartier beziehen. Schließlich landet« er mit seinen Damen in einer Pension, die er aber in Ermangelung von Dargeld auch bald wieder verlassen mußte. Durch seine G«ldv erleg enheiten war der Prinz mit Abra- Hamowitsch bekannt geworden, der ihm gegen Derpsändung seiner Schmucksachen und � der kostbaren Toiletten der Haremsdamen«in« Villa in einem berüchtigten Stadtviertel Budapests aufschwatzt«. Das Ende war, daß der Prinz mit seinen kostbaren Teppichen ver- schwand und seinen Gläubigern nichts weiter als die 18 Harems- schön Helten zurückließ. Die Berliner Por�llanmannsaktur soll, wie seit längerer Zeit verlautet, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werben, um für den Wirtlchafts betrieb die Vorzüge einer weniger bureautrvttschen Rechnungsführung. Rechmmgskontrolle usw. zu genießen. Die Frage hat aber auch eine sichere Seite, und dies« hat der D e u ts ch e Wertbund in einer Eingab« an das preußisch« Handelsmini- sterium zur Geltung gebracht. Der Werkbund wies dabei auf die Derpflichiung de» Staates hm, zur Erhaltung eine» so bedeutenden Instituts in öffentlicher Hand alles möglich« beizutragen,, selbst wenn die Erhaltung zurzeit gewisse Opfer erfordert. Uebrigens ist in der Oeffentlichkeit kürzlich von ver Regierung mitgetoilt worden, dab die Manufaktur keinerlei Zuschüsse aus Staatsmitteln mehr erfordert. sondern sich in ihrem Haushalt balanciert. Sie dürste auch ruhig Ueberschüsse härauswirtfchaften. Rulstscher Gaskomps gegen Mäuse. Giftgasabteilungen der Rote» Arm«« sind während des ganzen Sommers tätig gewesen, um die ungeheuren Heuschreckenschwärm«. die in den Hui�ergebicten die Ernte zerstörten, zu bekämpfen. Jetzt haben sich diese Gaskampf. truppen nach den westlichen Grenzgebieten Rußlands gewandt, um dort riesige 5)«re von Feldmäusen zu vernichten, di« durch die Ge- biete von Wolhynien und Podolsk sich nach der polnischen Grenze zu bewegen Mit den Mäuieheeren ziehen in der Luft Schwärme von Bussarden Krähen und Kranichen einher, und des Nachts werden diese Vernichtung bringenden Massen noch durch Füchse, Wiesel und Eulen verstärkt Die Bewohner ganzer Dörfer mußten vor dieser Plag« flüchten,«gen die eine durchgreifende Abhilf« dringend nottut.__ .. In der«t-atSoper wird Selen« W i l d b r u n n während ihrer ersten diesiahrigen«rrpNichwna Mitte des Monats in den vier Ausiahrungen de«.Ringe« der Nibelungen' die Fricka(Rheingold) und die drei Brün» Hilden stngen. Führungen i« Museum für MeereSwnd». Dienstag 1 Uhr. Pros. Krumbach: Die Waffen der Meerestter«. Pristdent der Bühnen genossrnschott al« Lustspieldichter. Der �Md-nt der deutschen Bühnengenofl-nschast Suftav Rickelt hat»in dreiattigeS Lustspiel.Der GlticksPUz' gewriebe». nur der sein, im Volke über die Brotpreissrage Hoffnungen zu erwecken, die bei Schutzzöllen sich niemals erfüllen können. So sehen die Dinge aus. wenn man den Maßnahmen des Er- nährungsministeriums einen positiven Sinn beimißt. Nach den Leistungen, die dieses Amt bei der Begründung der Zoll- vorläge vollbracht hat— es wird darin teils mit falschen, teils mit überholten Zahlen operiert—, ist es allerdings nicht aus- geschlossen, daß bei dieser Behörde die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Jedenfalls muß gegen ein« derart unsachliche Behandlung der Zollfrage erneut Pro- test erhoben werden. Schutzzölle— ra, ra, rak Graf Könitz, der Reichsernährungsminister, hat m Königs- berg auf der Sitzung des Landwirtschaftsverbandes Ost preußen soeben wieder die Notwendigkeit der Schutzzölle be- tont, während er durch Ausfuhrsperre die Getreidepreise senken will. Er schloß seine Rede mit den Wartein„Unser Da«r- land, an dessen Aufbau auch di« ostpreußisch« Landwirtschast hervor- ragenden Anteil hat: Hvral" Ein kurzes„ra, ra, ra" antwortete ihm. Was tut man nicht alles für Schutzzölle! Um den fibbau Leinerts. Ein Beschlust der Stadtverordnete« Hannovers. Hannover. 6. September.(Eigener Drahtbericht.) Der reaktiv- näre Bürgerblock der Stadt Hannover hat inzwischen eingesehen, daß sein Abbaubeschluß gegen den Oberbürgermeister L e i n e r t vom 6. Juli keine gesetzliche Berechtigung hat. Aber das Ziel, den Sozialdemokraten Leinert aus seinem Amte zu ent- fernen, wurde damit nicht aufgegeben. Man hat deshalb nach neuen Mitteln und Wegen gesucht und ist schließlich aus die Idee verfallen, Leinert nach wochenlangen Schikanen und Treibereien zu einer Der- einborung zu gewinnen, noch der er unter Umgehung de« Recht»- weges und ohne Rücksicht auf die Slbbauvsrordnung von feinem Amt zurücktteten soll, vorher wurde ihm aber nochmals der„er- bittert« Kampf" de» Rechtsblocks angekündigt, solange er Vorsitzender des Magistrats ist. Dieser Drohung folgt« dann das Angebot, Leinert im Fall« eine, freiwilligen Rücktritts auf Lebens- zeit das voll« Diensteinkommen zu zahlen. Oberbürgermeister Leinert hat sich in Slnbettacht der fortgesetzten Schikanen und in der Er- kenntnls, daß seine Arbelt mit dem jetzigen Etadtverordnetenkolle- gium sich kaum gedeihlich auswirken kann, zunächst nicht gegen das Angebot aufgelehnt, sondern unverbindlich sewe Bereitwillig- keit, von seinem Amte zurückzutreten, zu erkennen gegeben. Das Bürgervorsteher-Kollegium beschloß nun am Freitagabend noch den internen Vorgänge« w geheimer Sitzung folgendes: .Oberbürgermeister Leinert scheidet am 1. Oktober 1924 aus seinem Amte au» und tritt in den Ruhestand. Als Ruhegehalt erhält Herr Oberbürgermeister Leinert auf Lebenszeit dir vollen Bezüge seines Einkommens." Diesem Beschluß stimmten von den bürgerlichen Parteien nur die drei Z e n t r u m s v e r t r e t e r nicht zu. Die Demokraten zeigten sich dagegen wieder einmal al» Vorspann der Deusschnatio- nalen. Die sozialdemokratischen Vertreter erhoben sofort entschie- denen Protest. Im Aufttag« der Fraktion gab Genosse Feldmann die Erklärung ab, daß die Sozialdemokratie dem Beschluß unter keinen Umständen zustimme, da es sich um eine Umgehung der Abbaubestimmungen handle, auf di« sich der reaktionäre Bürger. block, wie er selbst eingesehen habe, rechllich nicht stützen könne. Die Fraktion ließ ferner betonen, daß sie di« Durchführung eines Bs» schlusses, wie er im Bürgervorsteher-Kollegium gefaßt wurde, als mit den wichtigsten Interessen der arbeitenden Bevölkerung Hanno- vers unvereinbar bekämpfen werde. Schließlich wurde darauf verwiesen, daß Leinert aufgefordert werden soll, sein« Zustimmung den amtlichen Stellen gegenüber nicht zu geben. Reif für üen Reichskommissar. „Ordnungs"zellc Thüringen. Weimar, 6. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Hetze der Völkischen gegen den thüringischen Stoatsbankprösidenten Ge- Nossen Loeb ist noch nicht beendet. Das ergibt sich u. a. aus den Feststellungen des Genossen Frölich, die er bei der Begründung der sozialdcmokrattschen Interpellation über di« Dorkommnisse in Weimar während des nationalsozialistischen Parteitages unwidersprochen gemacht hat. Frölich führte u. o. aus: Dinier hat verlangt, daß der Jude Loeb unter allen Um- ständen beseitigt werden muß. Sein« Anfrag« an die Negierung war ohne Erfolg geblieben, da ihm die Beweise für sein« Behaup- tung, Loeb hätte Schiebergeschäste abgewickelt, fehlten. Nun oersucht er bei Privatfirmen und deren Angestellten Material gegen Loeb zu bekommen. Die Regierung unterstützt ihn dabei in jeder Hinsicht. Wenn irgendwo d!« Gemeinheit Orgien feiert, dann ist es hier der Fall. Es wird versucht, einen Strick zu finden, um den Juden Loeb aufzuhängen. Entgegen allen gesetzlichen Bestimmungen läßt die Regierung ein« Revision der Staat»- dank durchführen, um Material gegen Loeb zu erhalten. Dies« Kommisstlm wird Material finden müssen. Die Regierung fragt nicht danach, ob die thüringische Wirtschaft durch die Diskreditierung der thüringischen Staatsbank benachteiligt wird. Auch der Landbund ist an dem Kesseltreiben gegen Loeb beteiligt— und das zu einer Zeit, in der jede verantwortungsvolle Person weiß, daß Thüringen keinen Kredit zu vergeben hat. In dieser Frage ist das letzte Wort«och nicht gesprochen. Nach der Annahme. AI n i n z, 6. September.(DJ IB.) wie 00a zuverlässiger Seile milgeteill wird, ist gesier« eine Bersügung de» kommandierende« Generals der Rhelnarm« Degoulte au die ftanzöflschen Division». generale ergangen, wonach dl« politischen Gefangene« sofort zu«allaffen sind. Vereinbarungen in Gens. Gemeinsame englisch-französische Entschließung. Genf. 6. September.(Eigener Drahtberkcht.) Die Sonnabend» nachmittagssitzinig des Völkerbundes führte zu einer großen Ueber- rafchung. Präsivent Motto unterbrach die Reihenfolge der ein- geschriebenen Redner unb teilt« mit, daß die englisch« und franzö- fische Delegation ein« gemeinsame Entschließung auf den Tisch des Hauses niedergelegt habe. Die Entschließung beabsichtige, aus den großen Debatten dieser Tage die Schluß folg erun- g e n zu ziehen. Die gemeinsame Erklärung hat folgend«« Wortlaut: „Die Versammlung nimmt von den Erklärungen der vertre- tenen Regierungen Kenntm». Sie erblickt in ihnen mit Genug- tuung die Grundlagen einer Verständigung zur Lufrechterhal- tung eines endgültigen Friedens. Um di« Meinungsverschieden- heitm, die zwischen den verschiedenen hi«r ausgesprochenen Ge- sichespunkten weiterbestehen miteinander zu versöhnen und wenn die» geschehen ist. in möglichst schkeller Frist durch den Völkerbund eine intemattonale Konferenz über die Abrüstungsfrvge einbe- rufen zu können, beschließt di« Versammlung folgendes: 1. Der dritte Ausschuß wird damit beauftragt, die Dokumente über die Frage der Sicherheit und die Beschränkung der Rüstungen zu prüfen. Dos soll geschehen vor allem unter Berücksichtigung der Bemerkungen der verschiedenen Regie- rungen über den Plan eines Vertrages zur gegenseitigen Hilfe- leistung(Garantiepatt) der infolge der Resolutton 14 der dritten Versammlung ausgearbeitet wurd« und unter Beobachtung d«r anderen seit der Veröffentlichung des Vertragsprojekts vorbereite- ten und dem Völkerbundsekretariat übermittelten Pläne. Di« dritte Kommission soll ferner die Verpflichtungen prüfen, die der Völkerbundpakt hinsichtlich der Sicherheitsgarontien enthält und die im Fall« eines Schiedso erfahren« oder einer Rüstungsbeschrän- kung notwendig werden könnten. 2. Die erst« Kommission ist beauftragt: a) die Artikel des Völkerbundpaktes über die Regelung von Streitigkeiten im Hin- blick auf envaige Abänderungen zu emtersuchen: b) zu prüfen. innerhalb welch« Grenzen die Bestimmungen des Artikels 36 Z 2 der Satzung des internationalen Gerichtshofs zum Zwecke der Erloichterung einer Annahme dieser Klausel präzisiert werden können. Das Ziel soll sein, die Solidarität und die Sicherheit der Völker der Welt zu festigen, indem auf friedlichem Weg« alle Streitigkeiten, di« zwischen den Staaten entstehen könnten, gelöst werden." Macdonald, der als der eigentliche Verfasser der gemein- samen Erklärung betrachtet wird, nahm nach der Bekanntgab« der Entschließung nochmals dos Wort zu einer kurzen R«de. in deren Verlauf er die Entschließung zergliedert und sie mit den Argumen- ten, die er bereits in seiner Rede benutzte, begründete. Er schloß mit den Worten:„Mein Freund Herriot und ich gehen in der Regel auf derselben Straße aus verschiedenen Seiten. Aber unsere Wege und Ziel« sind dieselben. Wir werden unseren Weg jetzt Arm in Arm in der Mitte der Straße fortsetzen."(Stürmischer Beifall.) Dann spricht Herriot: Die Rote, die wir Ihnen vorlegen, ist nur die Zusammenfassung de» allgemein Geforderten. Wir stehen vor der Entscheidung der schwersten Stund« des Völkerbundes. Es handelt sich für jeden Staat darum, einen Teil seiner Autorität aufzugeben, um den Gedanken dar inter- nationalen Solidarität zu verwirklichen. Bei Beginn unserer Be- vawngen standen wir vor dem toten Punkt, den wir jetzt, wie ich hoffe, in einigen Minuten überwunden haben werden. Um ein so wichtiges Werk zu verwirtlichen, bedurfte es nicht nur geistiger Kräfte, es bedurste eines ungeheuren Glauben«, des stärksten Per- ttauens. Wir all« sind von der festen Ueberzeugmig beseelt, daß wir heute einen Schritt der internationalen Zusammenarbeit voll- zogen haben. Das geschah durch das, was das Symbol unserer Zukunfwarbest sein soll, durch das ehrliche Zusammenwirken aller. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen dafür dank«. Die Versammlung bereitet Herriot und Macdonald, der den greisen Lion Bourgeois zu seinem Platze führt, stürmische Ovationen. Die vorgefegte Resolutton wurde einstimmig angenommen. Gens. 6. September.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonn» abendvormiltog wurde tu der Bölterbuniwersammlung die Ab- rüstungsdebatte fortgesetzt. Ais erster sprach unter großer Auf- merksamkeit der Maharadscha von Bikaner, der Kanzler der indischen Fürsteuklommer. Er sagte:„Wir billigen die von der englischen Regierung gefaßte Entscheidung, den Garantiepakt als Mittel der Friedenssicherung zurückzuwerfen, weil die Garantien so illusorisch und nutzlos wären, daß der Gedanke der allgemeinen Abrüstung an dem Gefühl der Unsicherheit bei allen Völkern scher- tern würde. Bei uns in Indien, wo die Grenzoerhältnisse durch die dort wohnnden nomadischen Volksstämme besonders schwrerig sind. kann trotz des Verbotes der illegitime Schleichhandel mit Waffen aus Europa Nicht unterbunden werden. Di« Nachbarnation China und Slam haben von dem Earontiepakt nichts, well es im Kriegs, falle unmöglich ist, sie rasch und wirksam zu unterstützen. Aus diesen Gründen bekennt sich Indien zu dem Borschlog Macdonaids, den Frieden durch obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit zu sichern." Sodann sprach der Auhemnintster der mittelamerikanischen Republik Panama, G aray, der daran erinnerte, daß durch den im Jahr« 1903 mit den Vereinigten Staaten von Amerika be- schlossenen Vortrag für Panama die vollkommene Abrüstung durch- geführt werden konnte Panama habe dadurch alle erforderlichen Sicherheitsgarantien erhalten. Das Ereignis der Vornuttagssitzung war eine sehr klare und präzis« Red« de» früheren griechischen Außenministers Politis. Er verteidigt« den Sarantiepakt und formulierte noch einmal die beiden Hauptströmungen, die in der Abrüstungsdebatte erkenntlich wurden. Beiden gemeinsam sei die Anerkennung des Schiedsge- dantens. während die einen aber schon im Dölterbundspakt selbst die magna Charta des Friedens sehen, glauben die anderen, daß die im Pakt vorgesehenen Garantien ein unvollkommenes System seien. Der letzteren Ansicht, die von Herriot vertreten worden ist, trete auch er bei. Der Pakt an sich untersage nicht alle Kriege, sondern nur solche, die einen Bruch der Verpflichtungen darstellen, die mit dem Patt selbst übernommen worden sind. Für diesen Fall seien Sanktionen vorgesehen. Sie seien jedoch unzulänglich, da wirtschaftliche Sanktionen manchmal den, der sie anwendet, härter ttessen als den, gegen den sie gerichtet find. Die Bestimmungen des Artikels 10, die dem Völkerbundrat die Macht geben sollen, die Respektierung der Verpflichtungen zu erzwingen, feien praktisch fast wertlos, da dem Rat keine realen Machtmittel zur Verfügung stehen. Der Gedanke der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit sei zwar bestechend, aber er müsse sagen, daß ohne eine Garantie für ein« Sicherheit der Existenz auch di« obligatorische Schiedsgerichts- barkeit nichts nützen werde.„Warum sollte denn," rief Politis aus, „di« internationale Justiz jede Garantie entbehren können, die man für die Aufrechterhaltung des sozialen Friedens als notwendig er- achtet? Staalengesellschaft, die wir hier sind, tonn durchaus nicht anders ausgebaut werden, als die soziale Gesellschaft. Wir können uns unmöglich ollein auf die Grundsätze der Moral ver- lassen. Di« Annahm« der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit fordert daher unbegrenztes Vertrauen zum Gedanken der inter. nationalen Gcrechttgkeit. Eine lang« Zeit, in der Personen und öffentliche Meinung wechseln können, kann vergehen zwischen d-r Annohme der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit und der Zeit. da«in Urteilsspruch gefällt werden wird. Die Möglichkeit einer Zurückweisung oder Nichtbeachtung des Spruches ist unter diesen Umständen auf jeden Fall ins Auge zu fassen. So überflüssig das bei sreiwilliger Schiedsgerichtsbarkeit ist, so unentbehrlich ist das bei der obligatorischen. Die feste Mauer des Friedens, so schloß Politis unter stürmischem Beifall, kann nur mit dem G r a n i t d e r Sicherheit gebaut werden. Es erfolgt« dann die Verwaung der Weiterberatung auf 1 Uhr mittag». Gewerkschaftsbewegung Für Deutschlands guten Ruf. Im Mittelpunkt des europäischen Interesses steht jetzt die Frage der Rückkehr Deutschlands in die euro päische Wölfergemeinschaft. Darunter verstehen wir keineswegs den einfachen Beitritt zum Bölkerbund, sondern in erster Linie die Abkehr vom Nationalismus und zwar nicht nur vom politischen, sondern auch vom wirtschaftlichen Nationalismus. Eine Voraussetzung dazu ist die Ratifizierung des Abkommens von Washington über den Achtstundentag. In den nächsten Tagen soll die Zusammenkunft des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns mit den Arbeitsministern von England, Frankreich und Belgien stattfinden. Der Zweck dieser Zusammenkunft ist die Herstellung einer Vereinbarung über die Ratifizierung des Abkommens von Washington. Die Stellungnahme der englischen und der französischen Regierung in dieser Frage ist bekannt. Der englische Arbeitsminister, Genosse Tom Shaw, hat dem ParIament einen Gesezentwurf unterbreitet, der die Ratifizierung des Abkommens von Washington ausspricht und gleichzeitig einen zweiten Gesetzentwurf, der entsprechend dem Abkommen von Washington den Achtstundentag in England zum Gesetz erhebt. Dieser Gesezentwurf ist sehr elastisch abgefaßt und trägt gleichzeitig den Wünschen der Arbeiterschaft insofern Rechnung, als eine vorübergehende Ueberschreitung des Acht stundentages stets durch eine darauf folgende fürzere Arbeitszeit ausgeglichen werden muß und diese Ueberschreitung selbst um mindestens 25 Prozent höher als die normale Arbeitszeit bezahlt werden muß. Diesen Gefehentwurf könnte sich der Reichsarbeitsminister zum Muster nehmen, um die unhaltbare Berordnung über die Arbeitszeit durch ein Gesetz zu ersetzen. In Frankreich und Belgien ist der Achtstundentag schon seit einigen Jahren Gesetz. Die Ratifizierung des Abkommens von Washington und die Anpassung der deutschen Gesetzgebung an dieses Abkommen ift um so dringender, weil es unzweifelhaft von den anderen Staaten gegenüber Deutschland zu Vergeltungsmaß nahmen fommen wird, wenn Deutschland weiter auf seinem nationalbolschewistischen Standpunkt beharrt. Wir erinnern nur an die Beschlüsse des Zollausschusses des österreichischen Reichsrats und an die Aeußerungen der Arbeitsminister Frankreichs und Belgiens, die wir veröffentlicht haben. Nach seinen Darlegungen im Reichsarbeitsblatt" geht der Reichsarbeitsminister ganz offenbar zu der Konferenz mit den Arbeitsministern der Weststaaten mit der Abficht, entsprechend den Wünschen der deutschen Unternehmer das Abtommen von Washington der Form nach zu ratifizieren, tatsächlich jedoch es bei den seitherigen Ueberschreitungen zu belaffen. Er ist ebenso grundsätzlich" bereit, das Abtommen von Washington zu ratifizieren, wie die Arbeitszeit verordnung den Achtstundentag grundsätzlich" aufrechterhält. Mit solchen Grundsähen wird Herr Dr. Brauns sicherlich fein Glück haben, weder bei den Arbeitsministern der Weststaaten noch bei der öffentlichen Meinung dieser Länder. In Frankreich und England haben sich die Unternehmer auf den Achtstundentag umgestellt. Nach ihrer eigenen Erklärung fahren sie damit sehr gut. Es ist ganz ausgeschlossen, daß England und Frankreich ihre Gefeßgebung oder den tatsächlichen Zustand in der Arbeitszeit nach rückwärts revidieren oder aber zulaffen, daß Deutschland ein Sondervorrecht in dieser Frage genießt, das auf ein Vorrecht der Unternehmer und eine Entrechtung der Arbeitnehmer hinauskommen würde. Welchen Eindruck ein derartiges Verlangen in der öffentfichen Meinung nicht allein Frankreichs, Englands und Belgiens, sondern auch der meisten anderen Staaten ermeden würde, liegt auf der Hand. Es ist nicht minder offenbar, daß Damenkleidung Jumper- Bluse Kunstseide in vielen 4.75 Farben Kleid kunstseid. Trikot in vielen Farb. 12.75 Rock reinwollener Velours, gestreift 14.50 oder kariert Mantel aus vorzüglichem 36.00 Velours de laine. Morgenjacke Flauschatoff mit farbigen Blenden..... Herrenkleidung Ulster moderne Form Stoffen aus guten 64.- 98.Gummi- Mantel weite Form, mit od. ohne 19.- 26.Hausjoppen aus gut. 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Die Verbandstage sowohl der Hirsch- Dunderschen wie der christlichen und der freigewerkschaftlichen Organisationen, die in den letzten Wochen stattgefunden haben, lassen feinen Zweifel darüber aufkommen, daß die Arbeitnehmerschaft entschlossen ist, den Achtstundentag zurückzuerobern. Diese Entschloffenheit dürfte nicht ohne Einfluß auf die Verhandlungsbereitschaft des Reichsarbeitsministers geblieben sein Herr Dr. Brauns, der es ausgezeichnet versteht, unter dem Schein von Konzessionen nach links seine reaktionäre Politik fortzusehen, scheint sich der Meinung hinzugeben, man könne mit Hilfe der Regierungen der Weststaaten den Bolfsentscheid über die Ratifizierung des Abkommens von Washington dadurch fabotieren, daß die Reichsregierung das Abkommen von Washington selbst ratifiziert, aber mit solchen Vorbehalten und Ausnahmen, daß praktisch nur die Ratifizierung der Arbeitszeitverordnung herauskommen würde. Weder Herr Godard, der ein alter erprobter Sozialpolititer ist, noch Genosse Tom Sham werden dazu die Hand bieten. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder ehrlich und vorbehaltlos das Abkommen von Washington ratifizieren, oder Deutschland außenpolitisch ächten und innenpolitisch in einen schweren Kampf stürzen. Wenn die Arbeitnehmerschaft Deutschlands bereit ist, den Kampf für den Achtstundentag auf zunehmen, so ist sie damit gleichzeitig bereit, für die Wiederherstellung des Ansehens Deutschlands in der Welt zu kämpfen. Wie fie die Einheitsfront auffaffen. parole tommentieren, verdient die volle Beachtung der GewerkDie Offenheit, mit der die Moskauer ihre neue Einheitsfrontschaften. Die„ Rote Fahne" brachte gestern als Spiegel mit der Ueberschrift: Zurüd in die Gewerkschaften!" einen Auszug aus der Rede Don Sinowiem. Wir wollen der Roten Fahne" helfen, die folgende von ihr did unterstrichene Stelle der Arbeiterschaft zur Kenntnis zu bringen: Wir müssen die aus den Gewerkschaften ausgetretenen Ar. beiter unter der einzigen Parole sammeln: Zurüd in die Gewerkschaften! Ja, zurüd in die reaffionäre, gegenrevolutionäre, menfchewiffische Gewerkschaft, zurüd in die Gewerkschaften, die fich noch unter der Führung von Sozialdemotraren befinder! Zurüd in diese Gewerkschaften, um in ihnen ein Zentrum zur Bereinigung unserer Kräfte zu schaffen." tommen, der mit ihnen den gleichen Strang zieht, b. h. fich gewerf. Den Gewerkschaften ist jeder Arbeitnehmer als Mitglied willschaftlich betätigt. Als Objekt tommunistischer Experimente aber dürfen die Gewerkschaften sich nicht mißbrauchen lassen. Offenheit gegen Offenheit! Die Gewerkschaften maden es genau wie die KBD. Wer ihre Beschlüsse sabotiert und Spaltungsversuche macht, wird ausgeschlossen. Eine Polizeiaktion gegen Ausgesperrte. Uns wird gejdyrieben: befindet, erhielt von einem Beamten einen Stoß, der offenbar eine stumme, dafür aber um so fühlbarere Aufforderung zur Aufgabe des Blazes fein sollte. Als sich die Gestoßene erschroden umbrehte, holte einer älteren Kollegin verdantte es die Schwangere, daß sie nicht der Beamte zum zweiten Stoß aus. Nur dem Dazwischentreten weitere Mißhandlungen zu erdulden brauchte. Die Polizisten wurden in angemessener Form darauf aufmerksam gemacht, daß ihr Vorgehen feine geeignete Behandlung von Schwangeren fei. Nun aber wurde die hilfsbereite Frau von zwei Polizisten im Galopp nach der Revierwache befördert und dort erst nach Einspruch eines inzwischen herbeigeeiiten Familienmitgliedes nach längerer Zeit freigelassen. Wir sind der Auffassung, daß Lohnfämpfe der Arbeiterschaft weiter ein die Polizei zunächst überhaupt nichts angehen, daß aber weiter ein das notwendige gute Verhältnis zwischen Polizei und Publikum unübertrieben schneidiges Vorgehen von Polizeibeamten dazu beiträgt, günstig zu beeinflussen. Wie die Unternehmer die Produktion steigern. Greiz, 6. September.( WTB.) Die vom Verbande der säch fischen und thüringischen Webereien ausgesprochene Gesamt fündigung aller Stuhlmeister im Verbandsgebiet als Antwort auf die Kündigung der Stublmeister in der Ortsgruppe Gera hat noch teine Aenderung erfahren. Die Verhandlungen in Weimar sind gescheitert und die Gefahr einer Stillegung aller Betriebe einem besonderen Ausschuß verhandelt werden, und zwar gemeinrüdt infolgedessen immer näher. Es soll nun am Dienstag vor schaftlich mit dem thüringischen und sächsischen Schlichter sowie einem Unparteiischen. Verschärfung des Wiener Metallarbeiterkonflikts. hat sich verschärft. Bis jetzt ftreilen 16 000 Arbeiter. Wien, 6. September.( TU.) Der Lohnkampf der Metallarbeiter Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Achtung, Baudelegierte! Am Dienstag, den 9. September, nachmittags 5 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 1, Bollversammlung aller Baudelegier ten bes Soch- und Tiefbaugewerbes fowie aller Fachgruppen. Das Londoner Abkommen und feine Auswirkung auf die Gewerkschaftsbewegung. tuffion, Wichtige Organisationsangelegenheiten. Bollzähliges und pilntt liches Erscheinen aller Baudelegierten ist notwendig. Der Bereinsvorstand. DisFachgruppe der Töpfer. Die von der Töpferinnung am Dienstag, den 9. September, abends 6 Uhr, einberufene öffentliche Töpferversammlung in Haverlands Festfälen zweds Neuwahl des Gefellenausschusses ist von unseren Mitgliedern, die in Arbeit stehen, unter allen Umständen zu besuchen. Achtung, Schuhmacher! Infolge der Beschlüsse des Berbandstages laben wir die Rollegen der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale zu einer Rusammenkunft am Montag, den 8. September, nachmittags 5 Uhr, im Lokal Michel, Röpenider Str. 55a, ein. Deutscher Wertmeisterverband, Bezirk 10. Die Betriebsräte und Funk tionäve aller Branchen haben am Mittwoch, den 10. Geptember, abends 7 Uhr, im Klubhaus, Ohmstr. 2, gemeinsame Bersammlung. Die Betriebsräle in Berbindung mit der wirtschaftlichen Lage. Aufstellung von Kandidaten zunt Betriebsräteausschuß. Die Beteiligung aller in Frage kommenden Rollegen Der Borstand des Bezirks 10. Deutscher Holzarbeiterverband. Musikinstrumentenarbeiter: Die Gigung 6 Uhr. Die Branchenleitung. wird dringend zur Pflicht gemacht. der Branchentommission am Montag, den 8. September, beginnt schon um Zentralverband der Schuhmacher. Morgen, Montag, abends 6½ Uhr, Gruppenversammlung der Hausschuhindustrie( Stepperei, Borrichyterei, Wenberei), in und außer dem Hause, im Gaal 1 des Gewerkschaftshauses, Engel ufer 25; Branchenversammlung der Zuschneider nachmittags 5% Uhr im Goal 3 des Gewerkschaftshauses. Dienstag, den 9. Septembeer, nachStraßen und Luzusschuhindustrie im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Engel. D mittags 5% Uhr, Branchenversammlung der Stepperei und Vorrichterei der nachmittags 5 Uhr bei Boeter, Beberfir. 17. Mittwoch, den 10. September, ufer 25; Branchenversammlung der Maschinenarbeiter und Fertigmacherei abends 6 Uhr, allgemeine Mitgliederversammlung in der Königsbank, Große Frankfurter Str. 117. Bericht von der Bezirkskonferenz und vom Verbandstag. Ohne Mitgliedsausweis fein Butritt. in der Greifswalder Straße 212 find seit dem 29. Auguft ausgesperrt, Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarettenfabrit Problem" nachdem eine Arbeiterinnengruppe mit Lohnforderungen in den Streit getreten war. Die Firma suchte durch Inserate Streifbrecher anzuwerben, was ihr aber in so geringem Maße gelang, daß die wenigen Arbeitswilligen, etwa 30 bei einer Belegschaft von über 150 Köpfen, eine starte finanzielle Belastung für den Betrieb darstellen. Am Donnerstag hatten sich bei Fabrikschluß eine Anzahl Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; der Ausgesperrten auf der Promenade der sehr breiten Greifswalder Straße eingefunden, die sich die Streitbrecher ansehen wollten. Nach Bem schon vorher einige Neugierige von der Polizei vom Bürgerauch an die Säuberung der Promenade. Obwohl die dort Stehenden steig entfernt worden waren, ging ein Aufgebot von etwa 6 Bolizisten und Bromenierenden in feiner Beife den Verkehr hinderien, wurden sie body in recht barscher Weise aufgefordert, weiter zu gehen. Eine ausgesperrte Arbeiterin, die sich zudem in hochschwangerem Zustande vereinsfestlichkeiten:: Norden 9296 Reinwollene Sportwesten für Damen Streifen- oder Jacquard- Muster 12.50 Mantel für Damen vorzugt, reinw. Flauschstoff 22.50 rae Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotoles und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwäcts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 4 Beilagen. Sale frei für Versammlungen Sophien- Sale Sophienstr.17 Wäschestoffe Wäschetuch feinfädige Qualität, Mtr. 0.55 Madapolam feinfädig. Qual., 30 cm, Mr. 0.75 Makobatist Agypt. Baumwolle, 80 cm, tr.1.00 Linon Leinengoz 0.90 mit Leinenglanz Linon Lengz1.50 80 cm 130 cm Damast 1.50 2.60 Lakendaulas 101.95 Wäschestickereien Schmal Stück 4.60 Mtr. für 1.00 Mittelbr. Einsätze Stück 4 Mtr., Mr. 0.35 Mittelbr. Ansätze = Stück 4 Mr., Mr. 0.40 Mittelbr. Ansätze Stück= 44 Mtr., Mr. 0.55 Gardinen Scheibengardinen gestickt Spachtel Stück 1.10 Halbvorhang mit gewebtem Fries... 2.90 Halbvorhang mithandgearbeitet. Fries11.50 Garnitur aus gewebtem Tüll.... 3.95 Garnitur Etamine, mit mod. Querbehang 9.25 Sessel aus Peddigrohr, mit Wulstrand 12.50 Bücherschrank Eiche, gebeizt... 49.00 Trikotwaren Herren- Hemden wollgemischt, Mittel- 4.75 größe.. Herren- Beinkleider wollgemischt, Mittel- 3.90 größe.. Damen- Untertaillen m. lang. Ärmeln, wollgemischt, Mittelgröße 2.95 Damen- Schlupfbeinkleider aus Futtertrikot, Kinder- Hemdhosen marine oder farbig. 2.75 wollgemischt, Mittel- 2.85 größe Handschuhe Schweden- Nachahmung Für Damen Mit 2 Druckknöpfen 0.75 Mit Riegel und zweifarbiger Aufnaht 1.25 Halbgefüttert, mit 2 Druckknöpfen Für Herren 1.35 Mit I Druckknopf.. 0.95 Möbelstoffe Möbel- Rips römisch gestreift, 130 cm Mtr. 5.25 Gobelinstoff Ver- 5.75 duremuster 130 cm, Mtr. Dekorationsstoff Kunstseide, brokat- 9.50 artig, 126 cm.. Mtr. Möbel- Granit bedruckt, 80 cm Mtr. 1.60 Möbel- Kreton 80 cm breit.... Mtr. 1.75 Elekt. Bügeleisen 34 Kilo, mit Zuleitung 5.50 Elektrisch. Staubsauger 120.mit A.- E.- G.- Motor und Zubehör Mengenabgabe sämtl. Artikel vorbehalten Str. 422 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Vergessene Berliner Industrien. Sonntag, 7. September 1924 Die ersoffenen Tongruben bei Hermsdorf und Lübars. Bauten aus Berliner Ton. Auch Industrien haben ihre Lebensgeschichte; abhängig von der Rentabilitätsberechnung und vom volkswirtschaftlichen Bedürfnis entstehen und vergehen sie. Unser Sinn für Wirtschaftsgeschichte ist aber so fümmerlich gepflegt, daß selbst die Alten, die mit diesen verfchollenen Industrien groß geworden sind, faum noch Bestimmtes von ihnen zu erzählen wissen. So rauscht Vergessen über sie hin, wenn sie nicht so wuchtige Denkmäler hinterlassen, wie jene 3ementund Terrafottenindustrie, die einst vor den Toren des alten Berlin Hunderte von fleißigen Händen beschäftigte. Sie war im erms dorf Waidmannsluster Gebiet zu Hause, im romantischen Fließtale, rechts von der Nordbahn, die den Stettiner Vorort bahnhof mit Oranienburg verbindet. Lange Zeit bevor der Fürst von Putbus, kurz vor dem 70er Krieg, die eingleisige Bahnstrecke baute, und zu diesem Zwed Aftien vertrieb, zogen Fuhrleute mit Hü und Hott die afte Landstraße, schafften Rohle nach Hermsdorf und schleppten Steine und Terratoiten nach Berlin. Die meisten Badsteingebäude in Berlin sind aus diesem Material gebaut. So manche Figur auf den Berliner Brücken stammt aus der Hermsdorfer Industrie. Bon ihr, die nun seit einem halben Jahrhundert nicht mehr ist, zeugt vor allem das Berliner Rathaus mit seinen Reliefs. Unberührt ist heute noch der schöne Kunststein, und Jahr zehnte staubiger Großstadtbrandung haben der intenfiven roten Farbe faum Abbruch tun tönnen. Die Grundlage dieser 3ement und Steininduftrien war das Vorkommen von Raft und Ton. Auf dem Kalfreichtum entwickelte sidy die Zementindustrie, auf dem Ton die Industrie von Kunststeinen und Terrakotten. 8] Der Wiesenkalk von Hermsdorf. Im anmutigen Tal bei Hermsdorf und Waidmannsluft, durch das sich das Fließ zum Tegeler See schlängelt und in das sich heute Kruger. Am Seeschloß bei Hermsdorf. Die Familie Frank. Roman von Martin Andersen Лerö. Nun, das würde mohl irgendwie zu machen sein, aber woher follte all das Geld tommen? Sie mußte fich nach etwas mehr Arbeit umsehen, nach folcher, die sie in der Nacht verrichten konnte, denn für den Tag hatte sie schon beide Hände voll. Ja, etwas anderes blieb ihr nicht übrig man mußte sich abrackern, bis man hinfiel, was ja wohl einmal das Ende Dom Liede sein würde, früher oder später. Und das war auch das beste, was einem passieren tonnte, dann hatte man Ruhe vor allen Sorgen. Drei Kronen mindestens mußten wöchentlich zurückgelegt werden; das mußte sich erreichen lassen, wenn sie ein paar Nächte zu Hilfe nahm. Und hatten ihre Kräfte für all das andere ausgereicht, so reichten sie wohl auch dafür aus. Un traut pflegte ja nicht so leicht zu vergehen." Dann hatte man sich wenigstens den Burschen vom Halse geschafftfalls der Pastor sich nicht weigerte, ihn zu ton firmieren, wie er lange gedroht hatte. Und was würde aus ihm werden, wenn er fein eigener Herr wäre, ein Schmußfint, ein Trunkenbold, der sich durch seine Frau versorgen ließ? Er hatte ja das beste Vorbild dazu. Oder er wurde ein Mädchenjäger, der seine Frau schuhriegelte und sie zu einem schweinischen Wesen machte wie Jonas Paulsen. Auch dazu war Stoff in dem Jungen. Madam Frant hatte zusammen mit Paulsens Frau, Kristine, bei dem großen Brauer und Ackerbauer Dam gedient, und sie waren die besten Freundinnen von der Welt gewesen. Aber dann war Jonas Paulsen als Brauereifutscher dazugekommen, und beide hatten für ihn geschwärmt, wie alle die anderen Mädchen in der Stadt. Er war es gewohnt, alles zu bekommen, was er haben wollte, und es war teine Magd in der Stadt, die sich ihrem Schatz gegenüber nicht fühl stellte, in der Erwartung, daß Jonas Baulsen sich ihr nähern würde, und zwar obwohl er bafür bekannt war, daß er sich nie lange irgendwo band. Um fo mehr Anstoß erregte es unter den Mädchen, als er sich nicht nur einen Strid ums Bein legen ließ, sondern auch obendrein von der unansehnlichsten von allen, der Kristine, die immer so schüchtern war. Aber jetzt war sie nicht mehr schüchtern; es wäre unrecht gewesen, ihr das nachzusagen. Sie hatte gut gelernt. Aber was wollte fie mit so einem Bod von Mann? Dann lieber ein jämmerliches Subjett wie Frant. Die Tongewinnung. Die Tongewinnung war sehr schwierig. Bumpen, Tag und Nacht in Bewegung, schafften das Wasser aus den beiden firchturmtiefen Tonbergen. Diese selbst wurden in Manegenform angelegt, hochwertige Eisenindustrien, die Bergmann 2.-G. und die Balta-| Badsteingebäuden, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in werte festgebissen haben, lagert unter einer 4 Meter hohen Torffchicht Berlin gebaut wurden, das Material lieferte. Su Schiff ging der erstklaffiger Wiesentalt. Bon altersher scheint er, wenn die Gelegen begehrte Stein in alle Welt. heit es so mit sich brachte, als Baustoff verwendet worden zu sein. Industriell ausgebeutet wurde er erst mitte vorigen Jahrhunderts, und verbrannt. Der kalt wurde durch Handarbeit gewonnen, ge= und zwar wurde der Torf zu beiden Seiten des Fließ abgetragen mahlen und ergab, gebrannt, den weit und breit bekannten vorzüglichen Hermsdorfer Zement, der ungewöhnlich hoch im Preis die Tonne foftete 7 preußische Thaterstand. Diese blühende Industrie tam zum Erliegen, als Oberschlesien und Westfalen, wo man Kalt billiger vom Berg brechen tonnte und nicht erst aus dem Fließsumpf zu holen brauchte, die Preise revolutionierten, beträchtlich fenkten und die neuen Eisenbahnen den Transport nach überall billig zuließen. Fließwasser rauschte dann über diese unrentabel gewordene Badeanstalt. Es ist städtisches Eigentum und von dem Restaurateur Industrie. Heute liegt dort das mehrere Meter tiefe Seebad mit Matschfe in Bacht genommen. Angler werfen ihre Hafen nach Schleien und Bleien aus. Der 3ementbrennturm ftand bis 1886 in der heutigen Hermsdorfer Junostraße und wurde dann von Berliner Pionieren gesprengt. Von der ganzen Herrlichkeit erzählt nur noch eine Säule im Restaurantionsgebäude des Seeschlosses. Diese Säule war früher die Bementmühle. Ihr Stein ermies sich allen Versuchen gegenüber, ihn abzutragen, als zu feft. So ließ man ihn und formte ihn zur Säule, auf der jetzt Blumen ihren Standort haben. Der blaue Ton". Einige hundert Meter vom Fließtale entwidelte sich frühzeitig die Hermsdorfer Stein- und Terrafoffenindustrie, die zeitweise 200 bis 300 Arbeiter beschäftigte. Für jene Zeit waren solche Etablisse ments also schon sehr wichtige Großbetriebe. Die Grundlage war bas Borkommen von„ blauem Ton". Heute befinden sich zwei schöne Seen an den Stellen, wo man früher den wertvollen Ton stach. 30 bis 40 Meter tief tummeln sich Riesenbechte durch das spiegelflare Waffer, das Maschinen und Anlagen verschlungen hat und für immer verdeckt. Mächtige Baumriefen rauschen über der Flut, und der geheimnisvolle Zauber verwiderter Anlagen, die zu einem träumerischen Mußeftündchen bei 3igarette und einem Täßchen Bohnentaffee einladen, umgeben die Ufer. Aus dem Ton hatte man wohl schon frühzeitig Steine geformt. Ein Herr Wernicke betrieb damals, als Hermsdorf aus 20 bis 30 Roſsätenwirtschaften bestand, neben der Ackerwirtschaft schon eine Ziegelei. Der Stein war nicht besonders gut. Das Material enthielt als Bestandteile Ralt, Ries und fogenannten Mergel. Er war nicht miderstandsfähia und erlag schnell der Witterung und Wärme. Erst ein gewisser Leffing erkannte ungefähr um die Mitte vorigen Jahrhunderts die Wichtigkeit des Tonvorkommens und entwickelte, nachdem er Besizer geworden war, Methode der industriellen Ausbeutung und Verwertung. Er wurde dabei unterstützt von den beiden Meistern Krause, der Zementfach mann war, und Rabebold, der sich auf Terrafotten und Fiquren verstand. Es siedelte fich damals, also vor gut 60 bis 70 Jahren, in Hermsdorf eine Kunstgemeinde an, die bildnerisch zuweilen recht Butes leistete. Beweis find die Reliefs am Berliner Rathaus und die Figuren en der Borligichen Fabrik in der Chauffeestraße. Am heutigen Seefchloß fieht der Besucher an tem breiten Gebäude, das ehemals Direktionsgebäude war, wunderschöne, gut erhaltene Figuren und den Kopf des alten Borlig, der wohl au dem Unter nehmen befondere Beziehungen gehabt haben muß. Vor allem fcheint man mit dem Ton allerhand Experimente vorgenommen zu haben. Eine ganze Reihe von Chemifern waren dauernd beschäftigt, neue Berwertungsmöglichkeiten zu finden. Die Herstellung von erft flaffigen Kunststeinen und Terratetten felbft bemerfstellinte man durch Schlämmen des Tons. Einige Dugend Schlammfästen und Tonschneider waren im Dauerbetrieb und durch Ausschlammen der Kalt und Kiesvartitelchen gelang die Fabritation eines hochwertigen Kunststeins. Besonders die Behörden bevorzug'en ihn. Außer dem Berliner Rathaus ist, um nur einige bekannte Gebäude zu nennen, das Moabiter Gefängnis, das Gymnafium in der Weinmeisterftraße und eine Reihe von Stirchen aus ihm gebaut. Man kann ruhig fagen, daß die, Hermsdorfer Kunststeinindustrie mohl zu allen größeren Madam Franks Hochmut gegenüber der einstigen Freundin beruhte immer noch auf Neid. Paulsen war doch ein Mann; allein der Umstand, daß er sich so viele Frauen gefügig machen tonnte, bewies das. Und sie hätte vielleicht gar nichts dagegen gehabt, sich von ihm als seine Frau in den Schmug beugen zu lassen. Es war darum nicht so übel gemeint, wenn sie Thorvald mit ihm verglich. Sie hatte dem Jungen gegenüber so etwas wie das Bedürfnis, sich zu unterwerfen, wenn sie das auch hartnäckig von sich abwies. Aber hinter dem Zorn und den Prügeln, bei denen es den Umständen nach blieb, glomm eine Art Bewunderung für seine Schelmenstreiche und eine unbestimmte Vorstellung, daß er ein Held unter den anderen Jungen war. Madam Frant war jedoch einmal in Gang getommen, und wie gewöhnlich wurde sie immer aufgebrachter, je später es wurde, ohne daß Thorvald nach Hause fam. Sie verschloß beide Türen und feßte den Halen vor die Speicherlufe, um sicher zu sein, daß er sich nicht ohne ihr Wissen Zugang zum Hause verschaffte und ihr dann die Lüge auftischte, er sei früher nach Hause gekommen, als sie glaubte. Und sie rüstete fich, ihm tüchtig den Kopf zu waschen. Was sie mit ihrem Mann anfangen sollte, war ihr nicht rlar. Am allerliebsten hätte sie ihn feiner Wege gehen und fich tottrinken lassen, wenn er Lust hatte. Doch da war ja die Weste. Sie war es beinah müde, ihn durchzuprügeln; aber wenn er die Krone wirklich vertrunken hätte, dann gnade Gott seinem Rücken! Und was halfen alle Prügel? Einen Augenblid wurde ihr wieder schwarz vor den Augen, wie meistens, wenn ihr das Verzweifelt- Hoffnungslose ihres Kampfes mit ihm deutlich zum Bewußtsein fam. Eines schönen Tages ruinierte er sie ja ganz, vertaufte alles in Bausch und Bogen, während sie fort war. Wer konnte ihn wohl daran hindern? Sie bebte bei dem Gedanken. Aber es ließ sich nichts dabei tun. Zum lieben Gott zu beten, tonnte nichts nüßen, davon hatte. fie genug gefriegt. Frants Ehrgefühl anzurufen, war der helle Wahnsinn, und ihn zu prügeln, war womöglich noch wahnsinniger, da er dann meinte, fie feien quitt, und er dürfe von frischem anfangen. und trotzdem waren die Prügel das einzige. Da fiel ihr ein, daß sie als Kind von einem flugen Manne, gehört hatte, der einen Trinker durch Zauberei furierte. Wenn nun wirklich etwas daran war? Wenn sie zu Svija nach der Baltaheide ginge, zu der alten Zauberin, und fie um Rat bat! Die Leute jagten freilich, daß jener Mann Prezer Ersoffene Tongrube bei Lübars. wodurch sich die heutige, fast geometrische Figur der Tonseen zu beiden Seiten des Weges erklärt, der von dem Seeschloß nach der Ziegelei in Lübars führt. Der Ton selbst, der durchwintern mußte, wurde gekarrt. Das war eine viehisch schwere Arbeit. Berrichtet wurde sie von Arbeilern aus Bernau, Oranienburg usw. Bezahlt wurden diese im Afford mit vier bis fünf Pjennigen pro Stunde. Es fonnten bei zwölf und mehrstündiger Arbeit täglich bis fedjs gute Grofayen( das Pfund Schweinefleisch toftete damals etwa 15 bisim 20 Pfenige) verdient werden. Dann hieß es aber aufstehen, bevor die Hähne trähten. Nach harter Tagesfron und mehrstündigem Marich hin und zurück fomen die Tonstecher und Ziegelbäcker aber auch erst sehr spät zur Ruhe. Ein alter Arbeitsveteran, fünfundsiebzigjährig, der dabei war und dem der Schreiber dieses einige Details verdankt, versichert, daß Technik und Arbeitnehmerbewegung die soziale Welt doch revolutioniert haben. Heute kennt man den Hermsdorfer Kunststein faum noch, fabriziert wird er nicht mehr. An seine Stelle ist der schwere und wetterfeste Rathenower Slein getreten und auch wohl der Berblendstein aus Lauban und Wittenberg. Der Zusammenbruch der Hermsdorfer Industrie erfolgte nach der Gründerzeit. Schon Leffing hatte sein Unternehmen, dem Zuge der Zeit folgend, in eine Attiengesellschaft umgewandelt. Die Papiere der Hermsdorfer 3ements und Terrakottenfabrik" wacen auch sehr begehrt und gingen während der Gründungszeit bis„ in von der Kur einfältig geworden und sein ganzes Leben lang ein armer Tropf geblieben sei. Aber was denn? Wenigstens tonnte Frant dann nichts mehr zerstören. " Sie beschloß, gleich morgen Svisa aufzusuchen. 6. Als Thorvald allein war, schlug er den Weg längs des Strandes um die Stadt herum ein. Er war nicht dazu aufgelegt, fofort nach Hause zu gehen; schläfrig war er nicht, und die Prügel liefen ihm ja nicht fort. Dagegen hatte er gehörigen Hunger, aber um diese Zeit gab es zu Hause doch nichts zu effen. In Gedanken ging er jeden Ausweg durch, um etwas Eßbares zu erwischen; als sich jedoch keiner finden ließ, schob er die Nahrungsfrage entschlossen beiseite und schlenderte meiter, mit Augen und Ohren aufpassend, ob sich irgendwo etwas regte. Aber die ganze Stadt war zur Ruhe gegangen. Nur hier und da saßen zwei auf einer Bank, flüsternd und sich ancinander schmiegend, und starrten schmachtend auf die filbernglizernde Meeresfläche hin sonst war alles Leben wie erstorben. Man konnte den Liebespärchen auflauern. Aber dazu waren eigentlich zwei nötig, sonst machte die Sache feinen Spaß! Ob er Lars holen sollte? Es würde ferner ein rechter litt sein, wenn er die Tür des Fischkastens mit einem Pflock zusperrte, dann fonnte Lars morgen früh nicht hinaus. Aber das war doch nichts Sauberes, denn dann war sein Schlupfloch zugleich entdeckt. Thorvald schlenderte heimwärts und schüttelte sich von Beit zu Zeit bei dem Gedanken an den mageren Tag und die Brügel, die ihn erwarteten. Als er in die Nähe der Kellertneipe des dicken Mads Sivertsen tam, sah er, daß dort ein Mann behutsam durch den Kellerhals transportiert und oben auf der Straße losgelassen wurde. Der Mann stand erst ein Weilchen da und schwankte wie ein Rohr im Wellengang, wobei er vor sich hinschwazte, und belehrend den Zeigefinger hob. Dann nahm er sich etwas zu famanter und taumelte immer noch leise schwagend baumelrden Rodschößen weiter. mit Es war der Bater. Thorvald freute sich über die Begegnung und folgte ihm auf den Fersen. Nun war da wenigstens noch einer, der den schlimmsten Stoß auffangen fonnte; er brauchte bloß den Alten zuerst hineingehen zu ( Fortjehung folgt.), lassen. ein kurzes Merkblatt für den Lehrer zu schaffen, das nach den verschiedenen Unterrichtsgegenständen geordnet ist und 1. stich wortartig die Gedankengänge andeutet, die den Schülern zu besserem Verständnis des Wertes der Brennstoffe und der Bedeutung des Haushaltens mit ihnen führen sollen; 2. genaue Angaben( z. B. Rechenaufgaben) und genaue Hinweise( z. B. Buchtitel, Buchverleger, Seitenzahl, Preis des Buches oder der Schrift, Auffah, Zeitschrift, Jahrgang, Heftnummer, Bezugsanschrift usw.) enthält, wo die Unterlagen zu finden sind, die man dem Unterricht ohne große Kosten zugrunde legen fann. Für die beste Lösung dieser Aufgabe find Preise von 500, 300 und 200 M. ausgesetzt. Die Beteiligung an dieser Bewerbung steht jedermann frei. die Puppen". Als der Zusammenbruch der Gründungsschwindel| Besehung ausgeführt. Ein sicherer Fahrdienstleiter müsse auch| unserem Nachwuchs rechtzeitig zu weden. Es handelt sich darum, periode tam, hatte Lessing seine Aftien abgestoßen; tistenweise wurden sie später im Direktionsgebäude vorgefunden, und völlig entwertet, verbrannt. Tonberg und Fabrik kamen zum Erliegen. Die Pumpen standen still und das Grundwasser bildeben die Seen, die heute noch da sind. Eigentümerin wurde auf Grund einer Hypother von 108 000 Mart die Immobilienbank( Unter den Linden). Wie groß in der siebziger Jahren die Kaufkraft des Geldes war, geht daraus hervor, daß für diese 108 000 Mart die Fabrikanlagen ( vier große Gebäude, Schuppen, Maschinen, Vorräte usw.) und 402 Morgen Acker und Wiesen zu kaufen waren. Das Anwesen wurde dann von den beiden Terrainspekulanten Isaksohn und Levisohn parzelliert und verkauft. Den Hauptteil erwarb ein Rheinländer Schulte, der als Arbeiter nach Berlin tam, fich 6000 Mart borgte und beherzt zugriff. Den Induſtriebetrieb nahm er nicht mehr auf, sondern baute Häuser und wandelte das Industrieetablissement in das heutige Seeschloß um. Die herrlichen Anlagen sind von ihm gepflanzt worden. ** Gehen wir nach Lüba rs zu, so stoßen wir auf einen anderen See, der auch einmal ein Tonberg war und zur Lübarscher Ziegelei gehört. Er ist 1913 erfoffen, der Bagger steht rostig da, die abgrundtiefe Flut deckt Maschinen und Maschinenhaus. Feldbahnen ragen troftlos aus dem Wasser. Die Lübarser Ziegelei war bis vor kurzem noch in Betrieb. Ihr Stein hat aber mit dem Hermsdorfer Kunststein nichts zu tun. Stillgelegt wurde sie, die dem Ziegeleifonzern Flögel angehört, wegen Mangels an Kapital. Man hofft, den Betrieb mit Eintritt befferer Zeiten wieder aufnehmen zu können. Das Unglück auf dem Potsdamer Bahnhof. Bahnhof. Die Vernehmung der Angeklagten und Zeugen. Im weiteren Verlauf der Vernehmung des angeklagten Eisentahnobersekretärs Krüger vor dem großen Schöffengericht Schöneberg ließ sich dieser über die Einrichtungen seines Dienstes aus und gab hierbei an, daß früher in den betriebsreichsten Zeiten immer. eine Hilfskraft zur Verfügung gestellt wurde, der Oberregierungsrat Dirdod jedoch später dies abgelehnt habe, trotzdem thm mehrfach erklärt worden sei, daß in diesem Falle der Dienst nicht ordnungsgemäß auszuführen sei, das ginge über die Nerven. Als Oberregierungsrat Dirbod wieder Vorstellungen gemacht wurden, hat dieser nach der Behauptung des Angeklagten gefagt: hier bestimme ich und nicht Sie. Wenn Sie noch keinen Abbau fennengelernt haben, dann follen Sie ihn jegt fennenlernen." Diese Worte lösten in dem Zuschauerraum, in dem sich hauptsächlich Beamte befanden, große Bewegung und Zeichen des Mißfallens aus, was von dem Borfizenden scharf gerügt wurde.. diesem Dienst gewachsen sein, wie Prüfungen ergeben haben. Was die Drohung mit dem Abbau anbetrifft, so habe er dem Krüger nicht damit gedroht, sondern ihm nur eine ernste Ermahnung zuteil werden lassen. Als Krüger erklärte, daß er ohne Telegraphist den Dienst nicht ausführen könne, so habe er ihm gesagt, daß soiche Beamten, die ihre Pflicht nicht treu ausfüllen fönnen, entiassen werden müssen. R.-A. Bahn führte dagegen aus, daß das Unglück auf den Abbau zurückzuführen sei und beantragte, daß der Zeuge nicht vereidigt werden sollte. Das Gericht beschloß jedoch, den Zeugen zu vereidigen. Der nächste Zeuge Fahrdienstleiter Richter hat den gleichen Dienst wie Krüger auf dem Stellwert gehabt. Als er, Zeuge, mit einem Inspektor darüber sprach, hat dieser erwidert:„ Das ist ja Wahnsinn, da steht ein Unglück vor der Tür." Als er dann weiter vor dem Abbau gewarnt habe, habe er gesagt:„ Lieber abgebaut als ins Zuchthaus." Ein Dienst in betriebsreicher Zeit ohne Telegraphisten sei unmöglich. Die nächsten Zeugen, die auch auf dem Stellwert tätig waren, schlossen sich im großen und ganzen diesen Ausführungen an. Nachdem noch mehrere Zeugen betreffend den Angeklagten Sauer vernommen worden waren, wurde die Verhandlung auf Montag vormittag 10 Uhr vertagt. Es wird ein Lotal termin abgehalten werden. Mord oder Unglücksfall? Das Gerücht von einem Morde hatte sich gestern abend auf dem Bahnhof Pankow bei Berlin verbreitet. Einsteigende Fahr gäste hatten in einem Abteil des vom Berlin- Stettiner Bahnhof nach Bernau fahrenden Vorortzuges einen in seinem Blute schwimmenden Mann gefunden. Man trug ihn aus dem Buge nach dem Wartesaal. Der Schwerverletzte gab kein LebensBuge nach dem Wartesaal. Der Schwerverletzte gab kein Lebenszeichen mehr vor sich. Nach den in seiner Kleidung vorgefundenen Papieren handelt es sich um den Schwerkriegsbeschädigten Otto Schmidt aus Zepernick bei Bernau, Schützenstraße 9. Bei der vorläufig vorgenommenen, nicht von ärztlicher Hand ausgeführten Untersuchung stellte es sich heraus, daß Schmidt am Hinterkopf 3wei Messerstiche hat. Ob diese Verlegungen von einem Unglücksfall oder von einem Verbrechen herrühren, fann erst durch die Obduktion festgestellt werden. Der Tote scheint nicht einem Raubüberfall zum Opfer gefallen zu sein. Der Zug, in dem die Fahrgäste Den grausigen Fund machten, ist der Zug Nr. 296, der um 3 Uhr 50 Min. den Stettiner Bahnhof verläßt. Die Leiche wurde in das Schauhaus gebracht. Mit den weiteren Nachforschungen und Er mittlungen ist Kriminalfommissar Gennat betraut worden. Das Briter Kaufobjekt der Stadt Berlin. Der Magistrat hat sich in seiner letzten Sigung mit dem Vorschlag des Neuköllner Bezirksamts über den Anlauf des Rittergutes Brig beschäftigt. Der Magistrat war einmütig der Ansicht, daß der verlangte Kaufpreis von 5 Millionen Mart zu hoch sei und hat deswegen den Ankauf auf dieser Grundlage abgelehnt. Es ist aber sicher anzunehmen, daß die augenblidlichen Befizer des Rittergutes sich entschließen werden, der Stadt ein neues günstigeres Angebot zu machen, da sie kaum einen anderen Käufer von gleicher Leistungsfähigkeit finden werden. Der Magistrat ist auch wohl der Meinung, daß in der Stadtverordnetenversammlung für eine Ausgabe von so beträcht licher Höhe sich nicht ohne weiteres eine Mehrheit finden würde. = in Hierauf wurde in die Vernehmung des zweiten Angeklagten Lokomotivführer Sauer eingetreten, der erklärte, daß das Borsignal zunächst auf„ Salt" gestanden hätte und dann, als sein 3ug sich zwischen Haupt- und Vorsignal befand, das Hauptsignal auf Freie Fahrt" gezogen worden war. Er hat zwar dann den Vorortzug von weitem gesehen, jedoch infolge des schlechten Wetters, Des Dunstes und des Lokomotivrauches geglaubt, daß es sich um einen abgestellten Zug handle und dieser auf einem anderen Gleis ftehe. Erst etwa 150 Meter vorher habe er die Situation erkannt und richtig bemerkt, daß der Vorortzug vor ihm auf dem Gleis stehe. Dann habe er alles mögliche getan, die Schnell Letter Aufruf zur Heimkehr an russische Kriegsgefangene. bremse gezogen, jedoch sei das Unglück nicht mehr zu verhindern gewesen, da sein Zug schwer zu bremsen war und einen Die Botschaft der Union der Sozialistischen längeren Bremsweg hatte. Dann war die Bernehmung der Ange tanntmachung erlassen, wonach der Abtransport der letzten Sowjet Republiken in Deutschland hat eine Beflagten beendet und es wurde in die 3eugenvernehmung eingetreten. Der Oberweichenſteller Sorau war mit Krüger zunoch in Deutschland befindlichen Kriegsgefangenen und Internierten fammen auf dem Stellwert Boo tätig. Wie auch Krüger behauptet, der Roten Armee bevorsteht. Nach dieser Bekanntmachung haben sich daß er den Block nicht bedient habe und die Freigabe der Durchfahrt die Kriegsgefangenen und Internierten, die in die Heimat befördert auf einen unglücklichen Zufall oder auf den Eingriff des nachwerden wollen, bei der Konsularabteilung der Botschaft stehenden Beamten zurückzuführen sei, so gab auch dieser Zeuge an, Berlin W. 8, Unter den Linden 7, eintragen zu lassen. In Pommern, daß er den Block nicht bedient habe. Der nächste Zeuge, der Tele- Mecklenburg- Schwerin, Mecklenburg- Strelih Wohnhafte müssen fich graphist Römer, erklärt, daß Krüger nichts von dem Zugmeldean das Konsulat der Union SSR. in Stettin, Kohlmarkt 3, wenden. verfahren gesagt habe. Er, der Zeuge, selbst habe die Zugmeldun Für Hamburg, Lübeck, Oldenburg, Westfalen, Hannover und Bremen gen vom Stellwert Boo vor sich hingesagt, ob Krüger dies jedoch ist das Generalkonsulat in Hamburg, Steinstraße 10, zuständig, für verstanden habe, insbesondere die Abmeldung des Zuges 361, wisse Ostpreußen das Konsulat in Königsberg, Köttelstraße 20. Die Einer nicht. Als er die Abmeldung dieses Zuges bekam und sie eintragung erfolgt nach Einsendung einer schriftlichen Anmeldung, die tragen wollte; jei ihm plötzlich der Gedanke gekommen, deß etwas folgendes enthalten muß: Namen( Vor- und Vatersname), Geburtsnicht stimme und der Vorortzug auf dem Gleis stände. Er habe un ort und Geburtsdatum, den Truppenteil, in welchem der Betreffende Sie Bahnhofsverordnung nachsehen wollen, doch habe er solchen gedient, seinen militärischen Rang, wo und wann er in GefangenSchreck bekomuen, daß ihm alles vor den Augen flimmerte schaft geraten ist bzw. interniert ist, in welchen Lagern und wann und da sei das Unglück auch schon geschehen gewesen. Auf eine er sich dort aufgehalten hat, ob er eine Familie in Deutschland besitzt Frage von Rechtsanwalt Bahn, ob der Zeuge mit dem Zugmelde- und deren Zusammensetzung sowie die vollständige genaue Anschrift verfahren vertraut sei, gibt dieser an, daß er es praktisch noch nicht bis zum 1. Oftober 1924. Spätere Meldungen sollen nicht in Deutschland. Der Termin zur Eintragung läuft ausgeführt habe. Der Zeuge Oberregierungsrat und Baurgi Dirdod ist Vorsteher des Betriebsamts 7, zu dem auch der Bots- mehr berücksichtigt worden. Die ehemaligen Kriegsgefangenen und damer Fernbahnhof gehört. Ihm hat Krüger bei der ersten Ber- Internierten, die ständig in Deutschland bleiben wollen, müssen zum nehmung gesagt, daß er nach seiner Ansicht das Stellwert nicht be- gleichen Termin bei den genannten Konsulaten und mit den gleichen dient habe. Der Zeuge misse jedoch keine andere technische Mög- persönlichen Angaben ebenfalls Eintragung beantragen, da nach Ablichkeit, daß das Rückblocken anders als durch das Zutun des lauf dieser Frist den nicht Eingetragenen von der Botschaft der SSR. Krüger geschehen sein könne. Auf den Einwand, daß ein erheblicher feine Auslandspäffe mehr ausgestellt werden. Die deutschen Teil der Schuld darauf zurückgeführt wird, daß das Stellwert nicht Behörden sind den Kriegsgefangenen und Internierten gegenmehr so start besetzt wäre, befundete der Zeuge, daß durch die über, die nach vorstehender Bekanntmachung in die Heimat zurückAbbaumaßnahmen zwar ein Teil der Beamten ent- tehren wollen, zur Hilfeleistung angewiesen. lassen worden war, aber daß dennoch soviel Beamte dage= wesen wären, daß das Stellwert die richtige Besetzung gehabt hätte. Es seien drei Fahrdienstleiter, zwei Weichenſteller und ein Telegraphist noch übrig geblieben, der jedoch nur in betriebsreicher Zeit tätig sein sollte. Daß zu der fraglichen Zeit fein Telegraphist tätig war, war ein Irrtum des Bahnhofs. Nach dem Unfall sei nichts im Dienst geändert worden und dieser wurde in der vorherigen Ein vernünftiges Preisausschreiben. Der Reichskohlenrat hat in Verbindung mit dem Preußischen Kultusministerium ein Preisausschreiben erlassen, um das Verständnis für die Bedeutung der Brennstoffe und ihre richtige Ausnutzung auch in Bedingungen und sonstige Einzelheiten des Ausschreibens find erhältlich durch den Reichskohlenrat, Berlin W. 62, Wichmannstr. 19. Bon Die Süddeutschlandfahrt des 3. R. 3. Programmäßige Landung nach 8% Stunden. Friedrichshafen, 6. September.( Eigener Drahtbericht.) seiner Kreuzfahrt durch Bayern fündigte der 3. R. 3 funfentelegraphisch seine Ankunft in Stuttgart für 3 Uhr 20 Min. nachmittags an. Die Nachricht verbreitete sich schnell unter den auf den Straßen und Plätzen der Württembergischen Landeshauptstadt schon seit den Mittagsstunden auf das Luftschiff wartenden Menschenmassen, die durch die Bekanntgabe der genauen Ankunftszeit zu weiterem Ausharren auf ihren Beobachtungsplähen ermutigt wurden. Da inzwischen auch die meisten Betriebe geschlossen hatten, wuchs die Zahl der Schauluſtigen von Stunde zu Stunde. Um 3 Uhr 10 Min. tam Bewegung in die Massen, denn von erhöhten Ausfichtspunkten aus hatte man über dem Nacartal in der Ferne das Luftschiff als filberglänzenden Punkt erkannt. Von Kannstatt her näherte sich der 3. R. 3 in voller Fahrt mit Kurs auf den Stuttgarter Bahnhofsturm. Auf turze Zeit hinter dem„ Gaeh- Kopf" verschwindend, traf er dann um 3 Uhr 25 Min. zwischen dem Bismarckturm und Weißenkopf über der Stadt selbst ein, wo er in geringer Höhe unter brausenden Hochrufen der Menschenmassen Schleifenfahrt en ausführte. Nach Ueberfliegen des Schloßplazes nahm der Kreuzer Kurs auf Schloß Reichenstein und das Filstal, um dann bald den Blicken zu entschwinden. Während der gestrigen Süddeutschlandfahrt des Amerifaluftschiffes gab die Süddeutsche Rundfunk- A.- G.( Stuttgart) ein längeres. Rundfunkprogramm für die Passagiere des Kreuzers. Im Verlauf dieser Rundfunkdarbietungen richtete der Württembergische Staatspräsident Bazille eine Ansprache an Luftschiffbesatzung und Fluggäste. Die Rückkehr des Amerika- Zeppelins 3. R. 3 von seiner Süddeutschlandfahrt brachte Friedrichshafen und insbesondere dem Landungsplatz der Zeppelin- Werft einen fast noch nie erlebten Massenin langen Reihen von Autos und sonstigen Gefährten strömten andrang von Schauluftigen. In Sonderzügen und Extradampfern, Tausende und Abertausende zum Landungsplatz, der bereits in den frühen Nachmittagsstunden von einer dichten Mauer von Neugierigen umfäumt war. Programmäßig wie die ganze Fahrt des 3. R. 3 vollzog sich auch seine Landung in Friedrichshafen. In voller Fahrt strebte 3. R. 3 seinem Heimathafen zu, wo er dann in geringer Höhe noch einige Schleifen zwecks Vornahme von weiteren Schleife über dem Bodensee, wo das Luftschiff von den Messungen Anschneiden der Landungsstelle fuhr. Nach einer Sirenen der Dampfer begrüßt wurde, ging 3. R. 3 auf 100 Meter Höhe herab, um zur Landung zu schreiten. Zum ersten Male fonnte baren Maybach Motoren erfennen. Als der Kreuzer über man bei dieser Gelegenheit den Wert der neuen umsteuerdem Landungsplatz die Spize fenkte, war sein Aufirieb noch zu stark, fetzten die Motoren mit voller Kraft rückwärts ein, und nun senkte fich um ohne Hilfe der Motoren eine glatte Landung zu ermöglichen. Da der Riesenkörper des Luftschiffes langsam zur Erde, wo die ausgeworfenen haltetaue fofort von Hunderten von Bedienungsmannschaften und freiwilligen Helfern ergriffen wurden. Dann ging es in die Halle, wo das Luftschiff beranfert wurde. Nach Befundungen der Besatzung und der Fluggäfte ist die geftrige Süddeutschlandfahrt glänzend verlaufen. Der 3. R. 3 war insgesamt 8% Stunden in der Luft und hat in dieser Zeit eine Flugstrede von weit über 1000 Rilometern absolviert. Nach den unterwegs angestellten Berechnungen wurde auf der Fahrt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 Kilometern in der Stunde innegehalten. Die nächste Fahrt des Amerita- Zeppelins foll vielleicht erst fichtlich der Schnelligkeit dienen, da die amerikanische Abnahmekomam Dienstag stattfinden und Messungszwecken, hauptsächlich hinbei dieser nächsten Fahrt bereits die Schweiz berührt werden wird, mission bekanntlich eine gewisse Mindestgeschwindigkeit verlangt. Db ist noch nicht sicher und hängt von der Wetterlage ab. Unter diesen 3o che seine Norddeutschlandfahrt antreten, auf der er Umständen dürfte der Amerifa- Zeppelin erst gegen Ende der Berlin berühren wird. Die Tätigkeit der Kleingarten- Schiedsgerichte. Wie der Amtliche Preußische Bressedienst aus einem Erlaß des Breußischen Volkswohlfahrtsministers mitteilt, ist für das Ver fahren vor den Kleingarten- Schiedsgerichten auch weiter davon auszugehen, daß die in der Kleingartenordnung einzeln aufgeführten Vorschriften der Bekanntmachung zum Schuße der Mieter bom 23. September 1918 und der Anordnung für das Verfahren vor den Einigungsämtern vom gleichen Tage vorläufig weiter wie bisher anzuwenden sind. Auch Hinsichtlich der Beisiger der Kleingarten- Schiedsgerichte verbleibt es bei dem bisherigen Zustande. einigungsämter sind, auch die Tätigkeit der Kleingarten- SchiedsEine Anordnung, durch die den Amtsgerichten, welche Mietgerichte übertragen wird, ist nicht beabsichtigt. Fritzi Massary die unvergleichliche 38 Zigarette geht nicht nach Amerika Sie ist ein Quell der Freude für uns Sie gehört Berlin Zum Urteil im Potsdamer Kommunistenprozeß. Wenn zwei dasselbe tun. Kleine Ursachen haben bekanntlich nicht selten große Wirkun gen... Der blutige Zusammenstoß des jungen v. Kähne, des würdigen Sohnes des noch würdigeren Vaters, mit den beiden Glindower Arbeitern, die herrschaftliches Nußholz auf ihrem Wagen mitnehmen wollten, hat sein gerichtliches Nachspiel noch nicht ge= habt. Wie erinnerlich, hatte Kiesler einen Schuß in den Bauch, Körner einen in den Oberschenkel erhalten. Der hoffnungsvolle Rähne- Sprößling trug feinerseits einige Kopfwunden davon. Der Borfall hatte damals unter der gegenüber der Kähneschen Heldentaten so duldsamen Glindower Bevölkerung eine so ungeheure Erregung ausgelöst, daß sogar ein großer Trupp von Schupoleuten aufgeboten werden mußte, um das gutsherrschaftliche Schloß Bezem vor Gewalttätigkeiten zu bewahren und Demonstrations züge zu verhindern. Die Kommunisten sollen bei den Unruhen die Führung übernommen haben. Wie dem auch sei; eine Reihe von Rommunisten wurden verhaftet und unter Anflage gestellt. Sie lautete auf Teilnahme an einer Verbindung, deren Dasein, Verfassung oder Zweck vor der Staatsregierung geheimgehalten werden soll (§ 128 StGB.) und zu deren Zwecken oder Beschäftigungen ge= hört, Maßregeln der Verwaltung und die Vollziehung von Geschen durch ungefeßliche Mittel zu verhindern oder zu entfräften. (§ 129 StGB.) Man glaubte, mit proletarischen Hundertschaften zu tun gehabt zu haben. Bekanntlich sind die sechs Kommunisten nu zu Gefängnisstrafen von 6 bzw. 4 Monaten verurteilt worden. Vergleicht man dieses Urteil mit dem gegen Hitler und Ronjorten gefällten, so muß man sich wahrhaftig fragen, ob man da nicht wieder von Klassenjustiz sprechen muß. Geſetzt der Fall, die Kommunisten hätten wirklich gegen die genannten Paragraphen verstoßen die Hundertschaften sind aber nunmehr aufgelöst, die ganze Aktion war aus dem Verhalten der Familie v. Kähne doch einigermaßen verständlich. Bäre da nicht Be währungsfrist am Plaize gewesen? Sind denn die Ge= fängnisse wirklich dazu da, immer wieder neue Arbeiter von ihren Familien zu reißen? Ronnten Hitler und Konsorten Bewährungsfrist erhalten, so ist es unbegreiflich, wie sie in diesem Fall ver= weigert werden konnte. Die Richter hätten allen Grund, darüber nachzudenken, ob derartige Urfeile nicht immer wieder von neuem dazu beitragen, den Vorwurf der Klassenjustiz zu rechtfertigen. Es ist auch jetzt noch nicht zu spät, eine Bewährungsfrist den Verurteilten zu gewähren. Hoffentlich geschieht dies. Ein Spaziergang und eine Denkmalsenthüllung. Man schreibt ims: Es war ein Sonntag hell und klar, da beschloß eine Berliner Kameradschaft des Reichsbanners Schwarz- RotGold, ein wenig auf Reisen zu gehen und einen Spaziergang über Cladom nach Wannsee zu unternehmen. Da das kameradschaftfiche Gefühl im Reichsbanner ein sehr ausgeprägtes ist, hatten sich zu dem harmlosen Spaziergang über 300 Mitglieder einge funden. Man hatte natürlich schwarz- rot- goldene Fahnen mitgenommen, sang gute Lieder und zog frohgemuf auf rer Heerstraße dahin. Kurz vor Cladom fam aber das Kommando Halt! aus dem Mund eines Schupo- Oberleutnants. Justament an diesem Sonntag wollte nämlich der Kriegerverein in Cladow ein Kriegerdenkmal mit dem üblichen Klimbim einweihen, und die Kriegervereinsmannen mit Mufite, Fahne und flappernden Orden waren bereits im Anzug. Der Oberleutnant machte die Reichsbannerfeute darauf aufmerksam, daß sie in geschlossenem Zuge und mit entrollten Fahnen nicht marschieren dürfen, und wollte ihnen den Eintritt in Cladom verwehren. Aber schließlich ließ er fich belehren, daß man nur einen Spaziergang vorhabe und sich um die Denkmalsenthüllung absolut nicht fümmere. Man versprach ,, aufgelöft" weiterzugehen und konnte nun passieren. Da war aber auch schon der Zug des Kriegervereins ganz in der Nähe. Jetzt befahl der Oberleutnant diesem Bug, stehen zu bleiben, und die Reichsbannerleute gingen gemächlich, wie das Spaziergänger eben rentun, vorüber. Das dauerte fast eine Stunde. Der Führer des Kriegervereins, ein Rittmeister, tobte über dieses Wartenmüssen, sprach von dem ersten Treffen" mit dem Reichsbanner und befahl schließlich seinen Leuten, eine Haltung einzunehmen, in der sie den Reichsbannerleuten den Rüden voller Verachtung zu drehten. Aber die alten Veteranen, denen man gewiß weiß Gott was für schändliche Dinge von dem Reichsbanner erzählt hatte, blickten immer wieder ängstlich über die Schulter und nach rüdwärts nach dem abziehenden Feind". Nach erfolgter feierlicher Enthüllung versammelte sich der Kriegerverein in einem Lotal in Cladow. Der Zufall wollte, daß auch die Reichsbannerleute hier von dem Spaziergang Rast machten. Sie unten und die anderen oben. Man entfaltete die schwarz- rotgoldenen Fahnen, sang luftige Lieder, oben im Lokal spielte die Musit des Kriegervereins allerhand schöne Weisen. So lief alles harmonisch und herrlich ab, und zur Ehre des Kriegervereins sei gefagt, daß er nicht beim Reichsbanner jammeln ließ, weil die Mufit ihm so schön aufgespielt hatte. Königliche Charité. Ift fie wirklich immer noch töniglich? Wir haben bisher geglaubt, daß die gute Charité, wenn sie auch nicht gerade republikanisch geworden sein wird, so doch wenigstens auf das schmüdende Beiwort föniglich verzichtet hätte. Wir haben uns offenbar geirrt. Vor uns liegt eine Bescheinigung, die Herr Dr. Koch von der Charité am 29. August 1924 ausgestellt hat. Am Kopf prangt links oben die Bezeichnung, Universitäts. frauenflinit der Königlichen Charité." Darf man fragen: Wie lange reicht der Vorrat der Briefbogen mit diesem Kopfe noch? Hat die Königliche Charité einen so großen Vorrat? Für Antwort wären wir dankbar. = Ab nach Mexiko! Das Ende von Benjamin Neumanns 3m- und Export. Eine außergewöhnliche Geschäftstüchtigkeit hat Herr Benjamin Neumann aus Lodz bewiesen, der in der Auguststraße eine Firma unter dem Titel Im- und Export" eröffnet hatte. Herr Neumann war während der Inflationszeit nach Deutschland gekommen und hatte seinen Laden in großzügigster" Weise ausgestattet. Leider muß gesagt werden, daß Herr Neumann nicht die Absicht hatte, dem Lieferanten der Einrichtung, einem Berliner Tischlermeister, seine Rechnungen zu bezahlen. Neumann suchte nun Beziehungen zu Firmen der Textilwarenbranche anzuknüpfen und näherte sich besonders den in Berlin ansässigen Bertretern auswärtiger Häuser. Er machte sehr umfangreiche Bestellungen, infolge der allgemeinen Geldknappheit aber haperte es mit der baren Bezahlung, und Neumann erbat und erhielt einen weitgehenden Kredit. Die großartige Aufmachung seiner Firma hat sicherlich viel dazu beigetragen. feinen Lieferanten Sand in die Augen zu streuen. Die aus der Provinz gelieferten Waren hat Neumann dann hier in Berlin, und zwar meist weit unter dem normalen Preise verschleudert. In der letzten Zeit ging das Geschäft so flott, daß Herr Neumann die Arbeitslast nicht mehr allein bewältigen fonnte und sich zu seiner Unterstützung seinen Better Brzeczninski nachtommen ließ. Seit 14 Tagen hatte Neumann nun auch zu Berliner Firmen Beziehungen angeknüpft und sich Waren gegen Kredit liefern lossen. Als die Firmeninhaber nunmehr auf Bahlung drängten, stellte es sich heraus, daß Neumann und sein Better mit dem ergaunerten Gelde längst über alle Berge waren. Auf dem Polizeiamt Berlin- Mitte wurde festgestellt, daß die beiden feinen Geschäftsleute bereits vor längerer Zeit die Ausstellung eines figen Reisebureau Fahrtarten nach Merito beschafft, und somit ist anzunehmen, daß sie augenblicklich auf hoher See schwimmen. Funtentelegraphisch wurden die ausgelaufenen Schiffe davon in Kenntnis gefeßt, daß die beiden Gauner sofort festzunehmen sind. Mitteilungen weiterer Geschädigter nimmt das Polizeiamt BerlinMitte, 2. Kriminalbezirt, entgegen. Auslandspaſſes beantragt hatten, sie hatten fich auch in einem hieMicht 3875 m., sondern 9875 m. für einen Netzpelz. In einer umferer letzten Plaudereien war davon die Rede, daß eine Berliner Belzwarenfirma Damen- Nerzpelzmäntel für 3875 M. anbietet. Richtig muß es aber heißen 9875 m., also nahezu 10 000 m. Da die Geschäftswelt fortwährend über den Mangel an laufenden Ausländern flagt, so bleibt nur die Annahme übrig, daß es in dem verarmten Deutschland doch noch GolSmartmillionäre genug gibt, die so etwas bezahlen können. " Geschichte" md Gegenwartspolifit" in ihrer engen Verflochtenheit wird der Internationale Geschichtston greß"( 2. bis 4. Oktober im Schöneberger Rathaus) behandeln: England, Frankreich, Polen und Deutschland?" Dazu sprechen Engländer, Franzosen, Polen. Dazu sprechen Engländer, Franzosen, Polen. Graf Harry Keßler, der frühere deutsche Botschafter, spricht über Ethische " Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 7. September. " " 4 Uhr nachm.: Ida Orloff: Märchen. 4.30-6.30 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 1. Porta Hungarica, Lortzing. 3. Pilgerchor und Lied an den Abendstern, R. Wagner. Marsch, Morena. 2. Ouvertüre zur Oper Zar und Zimmermann", 4. Fantasie aus der Oper„ Der Troubadour", Verdi. 5. Aquarellen, Walzer, Jos. Strauß. 6. Ouvertüre zur Operette Prinz Methusalem", Joh. Strauß. 7. Potpourri aus der Oper Die schöne Helena", Offenbach. 8. Mein Traum, Walzer, Waldteufel. 9. a) Mein Kindchen, heut' bin gut ich bei Finanzen, b) Suchst Du einen Freund, aus der Operette„ Der süße Kavalier", Leo Fall. 10. Heil Europa, Marsch, Fr. v. Blon. 8.30-10 Uhr abends: Bunter Abend. Mitwirkende: Alice Goetze( Sopran) und Harry Steier( vom Deutschen Opernhaus, Charlottenburg): Aus Operetten; Ernst Petermann( vom Kabarett Eulenspiegel): Heitere Vorträge: Kammermusiker Ludwig Plaß: Posaunensoli. Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitangabe, Sportnachrichten, Wetterdienst.. Königswusterhausen, Sonntag, den 7. September. 10.50-11.50 Uhr vorm.( Welle 680 m) Konzert. Mitwirkende: Steinway- Flügel: Kapellmeister Karl Robert Blum, Direktor des Walter Latsch( Baßbariton),„ Salonkapelle Hübner", Berlin. Am Mohrschen Konservatoriums für Musik in Berlin. 1. Potpourri aus„ Der Vogelhändler", C. Zeller. 2. Suite orientale, Fr. Popy. 3. Zwei Lieder für Baßbariton, Hugo Wolf: a) Fußreise( MörickeLieder Nr. 10). b) Der Freund( Eichendorff- Lieder Nr. 1). 4. Erinnerung, K. Lubbe. 5. Dynamiden, Walzer, Jos. Strauß. 11.50 bis 12.50 Uhr mittags:( Welle 2800 m) Konzert. 1. Melodien aus, Aida", G. Verdi. 2. An den Frühling, Grieg. 3. Zwei Lieder für Baßbariton, Hugo Wolf, a) Der Musikant( Eichendorff- Lieder Nr. 2), b) Gesellenlied( Rob. Reinick). 4. Serenade in F- moll, M. Tarenghi. 5. Mädel ich bin dir so gut( Rheinlied), G. Anders. Montag, den 8. September. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichtendienst. Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 11 29 Weltpolitit", Inder, Chinesen und andere erörtern die umfassenderen Fragen Europa und die Welt?" Programme und Eintrittskarten durch Werkfreude", Berlin, Magdeburger Str. 7. Berlin. Nachdem die kommunistisch gesinnten Elemente Republikanischer Jugendbund Schwarz- Rot- Gold", Ortsgruppe aus der Ortsgruppe Berlin ausgetreten sind, beginnt mieder die alte attive Arbeit. Wir fordern alle ehe= maligen Mitglieder und weiter alle Jungrepublikaner und Jungrepublikanerinnen auf, in unsere Reihen einzutreten. Die Geschäftsstelle befindet sich in Berlin W. 66, Wilhelmstr. 48, Geschäftszeit 6-7 Uhr. Der nächste Vortragsabend findet am Freitag, den 12. September, abends 8 Uhr, in den Räumen des Sozialwissenschaftlichen Klubs, Wilhelmstr. 48, statt. Zu dem Thema: Republikblod gegen Bürgerblod sprechen Mitglieder aller jungrepublikanischen Richtungen. Republikaner als Gäste willkommen! Erntefest Prenzlauer Berg. Das Jugendamt Prenzlauer Berg beranstaltet mit den am Gartenbait beteiligten Schulen beute Sonntag, den 7. September, von 2 Uhr nachmittags ab, auf dem Schulgartengelände an der Greifswalder Str. 92-100, hinter dem Bahnhof Weißensee, als Abschluß der diesjährigen Gartenarbeit ein Erntefest. Protestversammlung der Hundebefizer. Da die Berliner Hundesperre zur Bekämpfung der Tollwut zu einer dauernden Einrichtung zu werden droht, sieht sich der Schutzverein der Hunde- und Tierfreunde c. B. sowie der halter zu einer großen öffentlichen Protestversammlung am Montag, den Neuköllner Tierschutzverein c. V. veranlaßt, sämtliche Tierfreunde und Hunde8. September, 8 1hr abends, im Berliner Stonzerthaus„ Clou", Mauerstraße, Ede Zimmerstraße, einzuladen. Jeder Hundebesitzer und Tierfreund muß an dieser Veranstaltung teilnehmen. Großen Schauſpielhaus, Breis ver Ginzellarte 1,20 Goldmart. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Proletarische Feierstunden am Sonntag, den 21. September, vomittags 10 Uhr, im Kreise, die noch keine Karten erhalten haben, werden ersucht, diese bis spätestens Montag, den 8. September, vom Bureau abzuholen. Am 5., 12., 26. Oftober, nachmittags 3 Uhr, im Theater des Westens " Madame Legros" von Heinrich Mann. Gertrud Eysoldt hat die Rolle der Marie Antoinette übernommen. Sonntag, den 19. Oftober, nach mittags 22 Uhr, im Staatstheater Charlottenburg " Tartüffe" von Molière. Karten für alle Veranstaltungen sind zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. of II, Borwärtsbuchhandlung, Lindenstr. 2 Zigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25, sowie bei allen Abteilungsleitern. Die Bureauräume des Generalfonfulats der Bolnischen Republit in Berlin W. 35, Surfürstenstr. 137, find am Montag, den 8. d. M., firchlichen Feiertags wegen geschlossen. Michaelfirchstr. 19. Aufruf an alle auf dem Boden der Arbeiterbewegung Verband Volksgesundheit. Gauvorstand Berlin. Berlin SO., stehenden Mitglieder in biochemischen Vereinen von GroßBerlin! Am 15. September 1924, abends 18 Uhr, Berlin D., Jfflandftraße 11( Schule), Nähe Bhf. Jannowißbrücke, Aussprache zweds Gründung eines Berliner biochemischen Vereins im Verband Volksgesundheit, der Zentralorganisation der Arbeitervereine für Gesundheitspflege und Heilkunde. Das Klassenbewußte Proletariat hat infolge sozialer Gegenfäße und für die Erfüllung seiner geschichtlichen Aufgabe die Errinaung des Sozialismus, fich außer der eigenen Organisation in Politik, Wirtschaft usw., die es auszubauen gilt, auch eine Gesamtorgani sation für Arbeitersport und Körperpflege( 3.) geschaffen, der auch unser Verband angehört. Berliner Arbeiter! Schafst endlich nun eine flare Front gegenüber allen bürgerlichen und sogenannten „ neutralen Gesundheitsvereinen"! dung aus Cherbourg ist der deutsche Dampfer Columbus" von den Der deutsche Dampfer Columbus" gerettet. Nach einer Meifranzösischen Schiffen, die ihm zu Hilfe eilten, aufgefunden worden. Das Feuer on Bord fonnte erstickt werden. Der Kapitän des Dampfers hat an den Marinepräfekten von Cherbourg ein Telegramm gerichtet, in dem er für die erwiesene Hilfsleistung seinen Dant ausspricht. Tödlicher Absturz eines italienischen Fliegers. Der italienische Fliegerhauptmann Meinardi, der mit der Übergabe italienischer Flugzeuge an die lettische Regierung beauftragt war, ist bei einem Versuchsflug tödlich abgestürzt. Gasvergiftungen in einem Bergwert. Nach einer Havas- Meldung haben sich 45 Bergarbeiter in einer Grube bei Bonthenry Gasvergiftungen zugezogen. Fünf find gestorben, zwölf befinden sich in Lebensgefahr. Wetter für Berlin und Umgegend. Zeitweise beiter, nur am Tage etwas warmer. Bei schwacher Luftbewegung, feine erheblichen Niederschläge. leichte Regenfälle. Für Deutschland. Im äußersten Westen und im Ostseegebiet Ausstellung von Herbst- u.Winter- Neuheiten in 4.30-5.30 Uhr nachm.: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). Damen- und Kinder- Konfektion 5.45 Uhr abends: Sprachunterricht( Englisch): 745 Uhr abends: Damen- Putz Kleiderstoffen Vortrag Herrn Chemikers Josef Vostell: Flüssige Luft". 8.30-10 Uhr abends: Orchesterabend( wiederholt, da wegen Gewitter ausgefallen). Dirigent: Kapellmeister Otto Urack, früher Versäumen Sie nicht, die Ausstellung zu besichtigen, um sich von Staatsoper Berlin. 1. Ouvertüre zu Oberon", Weber. 2. Largo der Vielseitigkeit unserer Waren- Angebote selbst zu überzeugen. aus der Sinfonie Aus der neuen Welt", Dvorák. 3. Rapsodie Straßenbahn- Fahrgeld wird vergütet. Straßenbahn- Linien: 25, 35, 96, 99, 199. 4. Akademische Festouvertüre, Brahms. Vom Bhf. Mariendorf und Ringbhf. Tempelhof in 10 Minuten zu erreichen. Hongroise Nr. 1, Liszt. 5. a) In den Spinnstuben( Aus dem Böhmerwald), Dvorák, b) Indian Canzonetta, Dvorák, c) Humoreske, Dvorák. 6. Tanz der Irrlichter und Ungar. Marsch aus Fausts Verdammung". Berlioz. Das Orchester besteht aus Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Orchesters. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Kaufhaus Tempelhof Inh. Edmund Elend Berliner Straße 126, Ecke Kaiserin- Augusta- Straße 7 Unsere Billigkeit ist stadtbekanntJeder kennt unsere guten Qualitäten. Kinder- Schnallenstiefel ausfest. Kamelhaarstoffm. Lederkappe, Filz- u. Ledersohle, Fleckabsatz, extra gute starke Qual, ausserordentl. billig, 31/35 4,25, 27/30 3,50, 25/26 2,95, 21/24 235 Kinder- Schnürstiefel prima schw. R'Chevr. mit Derbyschnitt, schöne breite Form mit starken Ledersohlen, pa. Qualität, fester Strapazierstiefel, extra billiges Angebot, 25/26.. 29⁰ Kinder- Schnürstiefel prima R'Chevr. m. Derbyschnitt, breite bequeme Form mit starken Böden u. Absatz, erstkl. Fabrikat, sol. Ausführ., besond. billig, 25/26 5,90, 23/24 4,90, 21/22 3.90 Kinder- Schnürstiefel Is echt Rindbox, hervorragend gute Qualität, erstklass. Fabrikat, solider kräftiger Schulstiefel, ganz besonders billig, 31/35.. 690 Mädchen Schnürstiefel Ia R'Chevr.m. Lackkappe, auch Rindbox m.Derbyschnitt, sow.echt Boxcalf, echt rahmengen., m.halbh. Abs., schöne mod. 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Der erste Tag soll einer vertraulichen Besprechung über die organisatorische Arbeit gewidmet sein, während am Sonnabend und Sonntag in öffentlichen Sitzungen die großen mohlfahrtspolitischen Umwälzungen behandelt werden, die durch die Verordnung über die Fürsorgepflicht herbeigeführt wurden. Fast fünf Jahre besteht die Arbeiterwohlfahrt. Die Oeffentlichkeit hat kaum etwas davon bemerkt, daß in der Stille eine Organisation herangewachsen ist, die sich in ihrer Größe, in dem Umfang und in der Intensität ihrer Arbeit mit mancher Organisation meffen kann, von der bedeutend mehr gesprochen wird. Weiß z. B. die Arbeiterschaft in Berlin, daß hier fast 4000 der Sozialdemokratie angehörende Frauen und Männer ehrenamtlich im Dienst der öffentlichen und pri- vaten Wohlfahrtspflege stehen? Sie sind, vom Zentralwohl- fahrtsamt und den Bezirksämtern abgesehen, in den Wohl- fahrtsdeputationen, als Gemeindewaisenräte, als Ermittler beim Jugendamt, in der Jugendgerichtshilfe und unmittelbar als 5)elfer bei der eigenen Arbeit der Arbeiterwohlfahrt tätig. Der Hamburger Ausschuß für soziale Fürsorge stellt, um ein weiteres Beispiel zu geben, dem Staat von 2500 ehren- amtlichen, zur Durchführung seiner Wohlfahrtspflege not- wendigen Helfern allein 1500 Mitglieder zur Verfügung. Bei de' Durcharbeitung der letzten Berichte aus dem ganzen Reich konnte festgestellt werden, daß mit einer Zahl von 24 000 Helfern gerechnet werden kann, die in 1260 Ortsaus- schüssen für Arbeiterwohlfahrt tätig sind. Und nun zum Aufgabenkreis der Arbeiterwohlfahrt. Da die Mehrzahl der Helfer aus Frauen besteht, wird es nicht wundernehmen, wenn ein großer Teil der Kräfte für die Wohlfahrt der Jugend oerwendet wird. Dieie Arbeit der Ortsausschüsse für Arbeiterwohlfahrt umfaßt das Kind vom Säuglingsalier bis zur Für- sorge für die Schulentlassenen. Schon vor der Geburt bemüht man sich um die Mutter, um dem Kind unter möglichst günstigen Bedingungen, den Eintritt in das Leben zu verschaffen. Aus diesem Gesichtspunkt heraus arbeiten die Ortsausschüsse im Mutterschutz- und Vormund- f ch a f t s w e s e n mit. In der Wochenpflege sind eine ganze Reihe von Ortsausschüssen tätig. In sehr vielen Orten wird eine eigene Hauspflege, d. h. es wird bei Erkrankung der Hausfrau eine Kraft zur Verfügung gestellt, die den Haushalt in Ordnung hält und sich besonders der Kinder an- nimmt. Vereinzelt wurden auch in Verbindung mit den Arbeitersamaritern Krankenpflegekurse gemacht, damit die Genossinnen, die Hauspflege, d. h. die Pflege des Haushalts ausüben, den Kranken nicht ganz unkundig gegenüberstehen. In der städtischen Säuglingsfürsorge arbeiten die Ortsausschüsie ebenfalls mit. Da die öffentliche Fürsorge unter den heutigen VerhälMissen nicht ausreicht, sind häufig ergänzende Hilfsmaßnahmen von der Arbeiterwohlfahrt in die Wege geleitet worden. Wäschesammlungen für bedürftige Wöchnerinnen und Säuglinge, Verleihung von Wanderkörben mit Säuglingsausrüstung, Anfertigung in eigenen Nähstuben sind eingebürgert. Eine Ausstellung, die neben der Tagung in Hannover eingerichtet ist, wird neben den Bildern von Veranstaltungen auch Erzeugnisse aus den Nähstuben zeigen, wo man aus Altem und Neuem Wäsche und Kleider für Kinder und Erwachsene herstellt. Diese Nähabende dienen zugleich der Belehrung für des Nähens unkundige Frauen und Mädchen. Besonders rege beteiligte sich die Arbeiterwohlfahrt auch an der Fürsorge für das Schulkind und bei der Schulpflege. Die Ortsausschüsse arbeiten überall an der K i n d e r s p e i s u n g mit. Das geschieht so- wohl in der Verwaltung wie bei der Ausgabe des Effens und der Kontrolle. Aber auch als Köchinnen haben sich die Berttetermnen der Arbeiterwohlfahrt zur Verfügung gestellt. Die Bewegung für Ferienspiele und Wände- r u n g e n hat sehr stark zugenommen. Hin und wieder im Zusammenwirken mit dem Jugendamt, meistens aber ganz auf eigene Verantwortung führte die Arbeiterwohlfahrt aller- orts die Ferienspiele und Wanderungen durch, nach alter Gewobnheit(oft mit Arbeiterjugend und'den Naturfreunden). Häufig wird Verpflegung, immer eine kleine Erfrischung ge- geben. So fanden in den Jahren 1921 bis 1924 fast überaß teils während der Ferien, teils sogar dauernd Wanderungen, Spiele, Strandfahrten. Führungen in Luft- und Sonnen- bäder statt. In einer ganzen Reihe von Orten macht man unter ärztlicher Leitung und Aufsicht regelrechte Kuren mit gutem Erfolg. Der größte Teil der nicht unbedeutenden Kosten wird nach alter Uebung durch Sammlungen in Ärbeiterkreisen aufgebracht. Die Wichtigkeit dieser Arbeit wurde auch von den Kommunen und der Auslands- Hilfe durch Lebensmittelzuweisungen anerkannt. Die Verschickung der Kinder in Erholungsausent- halt beschäftigte die Arbeiterwohlfahrt sehr stark. Die als erholungsbedürftig erkannten Kinder wurden den Jugend- ämtern genannt, vielfach ist es der Arbeiterwohlfahrt ge- lungen, die Verschickung der Kinder aus eigenen Mitteln durchzuführen. Bei der R u h r k i n d e r v e r s e nd u n g hat die Arbeiter- wohlfahrt sowohl als Enffendestelle wie auch als Aufnahme- stelle sehr lebhaft mitgearbeitet. Erwähnt seien u. a. als Aufnahmekreise die Bezirksausschüsie Provinz Brandenburg. Pommern. Provinz Sachsen, Freistaat Sachsen. Thüringen. wo zahlreiche Arbeiterfamilien trotz der eigenen bedürftigen Lage noch Kinder für längere Zeit bei sich aufnahmen. Die Arbeiter der Provinz Brandenburg haben allein 600 Ruhr- kinder 5 bis 6 Monate verpflegt. Dankbar erwähnen müssen wir die Hilfsbereitschaft a u s l ä n d i s ch e r A-r b e i t e r- organisationen. Die orgamsierten Arbetter in Hol- land. Dänemark. Tschechoslowakei. Schweiz. Lettland, Luxem- bürg und Oesterreich haben Kinder aus dem besetzten und unbesetzten Gebiet aufgenommen, gut verpflegt und zum Teil eingekleidet. Der letzte Winter mit seiner ungeheuren Arbeits- l o f i g k e i t machte eine ganz besondere Fürsorge notwendig. Die Arbeiterwohlfahrt beschaffte allerorts bei Freunden Mittagsfreitische für Kinder und alte Leute und brachte durch Sammlungen große Mittel auf, um in den Notstandsküchen und durch Verteilung von Lebensmitteln, Wäsche und Klei- dung den wirffchaftlich Bedrängten zu helfen. Zur Illustration entnehmen wir aus dem Tätigkeitsbericht der Arbeiterwohl- fahrt der Stadt Königsberg(Oftpr.) vom Oktober 1923 bis April 1924 folgende Einzelheiten: »Di« örtliche Arbeiterwohlfahrt ist in folgenden Ausschüffen des Städtischen Wohlfahrtsamtes vertreten: Säuglings- und Kinder- pfleg«. Jugendfürsorge, Alkoholfürsorge, Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge. Schülerspeisung und Verteilung von Ame- rikaspenden. Im Lauf« des Oktobers fand«ine Gemüfever- teilung an etwa 300 Personen statt. Unsere Genossen, die Schrebergärten besitzen, waren der Bitte der Arbeiterwohlfahrt, Gemüsesannnlungen in ihren Schrebergärtenvierteln zu veranstalten, mit reichem Erfolg nachgekommen. Fuhrwerk« zur Abholung wurden uns von einem Genossen gestellt. Wir haben un» mit einem Aufruf an ungefähr 100 Groß- kaufleute gewandt. Daraufhin erhielten wir bis Weihnachten etwa 400 Meter Stoff, insgesamt 300 Stück Mäntel, Ulster, Blusen. Knabenanzüge. Herrenhemden, Beinkleider, Strümpfe, Schals, vier Meter Brennholz, 1 Zentner Erbsen, 10 Zentner Haferflocken. 30 Pfund Margarine und Barmittel. Letzter« hinterlegten wir sofort bei diu Notspeisung für 400 Portionen Essen. Im November 1023 fand die erste Verteilung von Bekleidungs- gegenständen an etwa Z00 bedürftige Familien und Witwen statt. Weiter werden lausend die 10 Zentner Haferslocken ausgegeben. Der Konsumverein ist un» bei der Verteilung der Mühlen- fabrikate entgegengekommen, wir überweisen diese Sachen nach einer Verkaufsstelle, und die bedürftigen Empfänger holen sich dort gegen «inen Ausweis der Arbeiterwohlfahrt die Sachen ab. W e i h na ch- t e n erhielten 7S0 Kinder von Erwerbslosen einen Weihnachts- stollen. Di« besonders bedürftigen Kinder erhielten Vetleidungs- gegenstände. Für etwa 1S0 alte Leute hatten wir warme Blusen oder Hemdenstoff und Nahrungsmittel. Verteilt wurden dazu: Ein Zentner Erbsen, 30 Pfund Margarine, 150 Bons für je 2 Pfund Mehl. Nach Weihnachten haben wir wöchentlich je 200 Suppen- marken getaust und ausgegeben. Die Mittel dazu bringen wir durch Verkauf der von der Nolfpeifung dazu herausgegebenen Blocks auf. In vielen Fällen krasser, unglaublicher Not— kein? Betten, kein Brennmaterial— Möbel dazu verwendet— versuchen wir schnellstens einzugreifen. Wir hoben uns für solche Einzelfälle den Rest der Mühlenfabrikate auf. Für zehn alte Ehepaare und Witwen konnten wir je S Zentner Briketts durch private Spenden vermitteln. Unsere Helferinnen geben unter diesen zahlreichen furchtbaren Eindrücken persönlich sehr viel mehr, als sie nach ihrer Lag««igent- l i ch können. Dies« Seit« der Tätigkeit muhte auch einmal an- erkannt werden. Unsere Helferinnen stellen sich dem Wohlfahrt-- amt zu den verschiedensten Diensten immer in großer Anzahl und gewisienhaft zur Verfügung zur Ausgabe von Lebensmitteln, Recherchen, Freittfchbeforgung u. a. In ungezählten Fällen erfolgt dann durch unsere Vermittlung über da» Wohlfahrtsamt, Alters- und Pflegeheim die Beseitigung von Mißständen." Allein in der Provinz Brandenburg hat die Ar- beiterwohlfahrt in 38 Orten in den schlimmsten Wintermonaten für Kinder, Arbeitslose, Invalide und Rentner gekocht, es wurden täglich oder mehrmals in der Woche zirka 7000 Per- fr.nen gespeist. Aus allen Bezirken kommen die Meldungen, daß man(zu Hunderten in den Orten) Freitische für Kinder und Alte gesucht hat. Wo es nicht möglich oder durch eigene Initiative der Stadt nicht notwendig war, eigene Küchen zu errichten, stellten sich die Genossinnen mit ihrer Arbeitskraft zur Verfügung. Die entsetzliche Winternot hat sich im ganzen Reich aus- gewirkt. Aber auch in einzelnen Teilen des Reiches bei großen Wirtschaftsfämpfen( Aussperrung in Kiel| und im Ruhrgebiet) fonnte die Arbeiterwohlfahrt ihre Eristenznotwendigkeit beweisen. Das mag ein Bericht aus Kiel zur Zeit der Aussperrung beweisen: Die Zahl der Erwerbslosen in Riel beträgt gegenwär. lig noch etwas über 10 000. Die Zahl der Ausgesperrten hat fich auf etwa 16 000 erhöht. Die Dauer der Aussperrung beläuft fich für 7000 Arbeiter schon auf 10 Wochen. Die Hilfsaktion der Arbeiterschaft hatte bisher folgendes Ergebnis, in das die Zuwendungen des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt nicht eingerechnet sind: An Geldmitteln sind eingegangen 35 000 M., davon aus Sammlungen der Arbeiterschaft 28 000 M.; an gemeinsamen Mittagstischen, eingerichtet von der Arbeiterschaft, nehmen teil 4130 Kinder; an Brivatmittagstischen werden verpflegt 1653 Kinder; bei Genossen in der Proving find untergebracht 300 Kinder. An Lebensmitteln sind eingegangen und verteilt: 9 Zentner Mehl, 4 Zentner Grüße, 1000 Brote( meist 6 bis 8 Pfund), 188 Pfund Erbsen, 60 Eier, 120 Pfund Sped, 100 Bentner Kartoffeln. Die Naturalien find fast ausschließlich von der Landwirtschaft der Umgegend Riels aufgebracht worden. Die noch in Arbeit Stehenden zahlen fast ausnahmslos einen regelmäßigen wöchentlichen Beitrag. Damit ist die Aufrechterhaltung der Kinderspeisung an ben gemeinsamen Mittagstischen garantiert. Kleidersammlungen er möglichten es, daß ein Teil der in die Provinz verschickten Rinder eingekleidet werden konnten. Arbeiterwohlfahrt und gewerkschaftliche Leitung arbeiten Hand in Hand." Bon größter Bedeutung ist die Schulungsarbeit Die Helfer und Helferinnen werden in die sozialpolitische Gesezgebung eingeführt. Durch die Ergänzung von Theorie und Praxis hat die Arbeiterwohlfahrt das wirksamste Mittel gefunden, die Genofsinnen mit ihren Pflichten als Staatsbürgerinnen vertraut zu machen. Aus vielen Orten wird mitgeteilt, daß es durch diese Arbeit möglich gewesen ist, die Genofsinnen zu Stadtverordneten und Bürger deputierten heranzuziehen. Neben diefer staatsbürgerlichen Erziehungsarbeit, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf, hat die Arbeiterwohlfahrt noch eine andere tulturelle Vorarbeit ge= leistet, die für die Arbeit der Kinderfreunde. Mütterliche Liebe war es, die die Kinder in Gruppen zusammenführte, um ihnen Licht, Luft und Sonne, Nahrung und Klei bung zu geben, ihre Gesundheit zu kräftigen. Erst auf Grund Dieser Vorarbeiten können sich jezt und zukünftig die pädago gischen Gedanken und Ziele der Kinderfreunde zur Tat entwideln. " Trotz aller Kenntnis von den Grundbedingungen des Wirtschaftslebens, durch die das Leben der Maffen bedingt ist, hegt die Arbeiterwohlfahrt mit der blinden Sozialistin Helen Keller den Wunsch nach Nächstenliebe: Wann werden wir endlich einmal lernen, daß wir alle miteinander verwandt sind? Die soziale Gerechtigkeit kann niemals erfüllt werden, solange nicht der Geist der Nächstenliebe, ohne Rüdficht auf Rasse, Farbe oder Glauben, die Welt erfüllen und in unserem Leben wie in unseren Taten die Verbrüderung der Menschheit verwirklichen wird, solange nicht die große Masse der Menschen von dem Gefühl der Verantwortlichkeit eines jeden für das Wohl des anderen durchdrungen sein wird." Wirtschaft Arbeiterschaft und Goldmarkbilanzen. | befleißigen fich die Bilanz- sowie die Gewinn- und Verlustrechnung der denkbar größten Kürze und Inhaltlosigkeit. Was hat auch die Deffentlichkeit für ein Interesse an diesem mit öffentlichen Geldern betriebenen Reichsunternehmen? find. Eine zu hohe Bewertung der Anlage und Betriebs. posten läßt bilanzmäßig ein zu großes Aftientapital bestehen, für das die Aktionäre eine möglichst hohe Dividende fordern. Hier ergibt sich namentlich für die Arbeiterschaft folcher Unternehmungen, beren organisatorischer und technischer Apparat rüd ständig ist, Enttäuscht will der Leser das Heft gerade aus der Hand legen, die große Gefahr, daß man durch Verlängerung der Arais ein Blick auf das Berzeichnis der Aufsichtsratsmitglie beitszeit und Lohnfürzungen versuchen wird, die Produktions- der fällt, das dem Berichte beigegeben ist. Plötzlich belebt sich fofben niedrig zu halten. feine Aufmerksamkeit. Welche illustren Namen lieft sein Auge. Es wimmelt von Bankdirektoren, Bergwerksdirektoren, Direktoren von Elektrizitätsfirmen usw. Verwundert fragt der Unbefangene, wie es kommt, daß der Aufsichtsrat einer Reichsgesellschaft in der über wiegenden Mehrheit zusammengesetzt ist aus den Vertretern großkapitalistischer Privatunternehmungen, die Geldgeber, Lieferanten und sogar Ronkurrenten des Reichsunter nehmens find? Wo existiert noch ein zweiter Fall, daß ein Unternehmen sich einen Aufsichtsrat wählt, der zum größten Teil aus feinen geschäftlichen Gegnern besteht? Wer hat im Namen. des Reiches diesen Aufsichtsrat ernannt? Sollte das Schweigen der Direktion in dem Jahresbericht vielleicht dem Wunsche der vornehmen auffichtführenden Körperschaft entsprechen, die sich nicht in Es wäre notwendig, daß der die Karten guden laffen will? Reichstag diefes dunkle Sippen wefen mit einer Lampe Don riesenhafter Helligkeit einmal durchleuchtet. Die Elektromerte werden den Strom dazu schon liefern. Aus einer Reihe uns vorliegender Bilanzen geht hervor, daß bisher nur die Apollawerke in Apolda den betriebswirtschaft lich richtigen Weg eingeschlagen haben, indem sie zunächst ihre Anlage- und Betriebskonten bewertet und danach das Reinvermögen berechnet haben. Ob die Bewertung dieser Konten den Produktionszweden entspricht, kann der Außenstehende nur schwer feststellen. Es liegen da aber gerade anregende und fruchtbare Aufgaben für den wirtschaftlich geschulten Betriebsrat vor. Es wird im Interesse unserer Arbeiterschaft notwendig sein, fie mit diesem Problem noch näher vertraut zu machen Der Wollersdorfer Skandal. K. Wien, 6. September.( Eigener Drahtbericht.) Der öfter reichische Handelsminister hat jetzt die vor Bochen ein gebrachte sozialdemokratische Interpellation über die Borgänge in Wöllersdorf schriftlich beantwortet. Nach der Dar. legung des Handelsministeriums, die sich auf die eingehende Untersuchung der Wirtschaftspolizei in Wöllersdorf stützt, ist die Vorunterfuchung gegen die deutsche Majoritätsgruppe( Sflarz) u. a. eingeleitet worden: 1. Well Vertäufe durch eine außenstehende, von der Sflarz- Gruppe gegründeten Gesellschaft ftattgefunden haben, was dem mit dem österreichischen Staat abgefchloffenen Bertrag durch aus widerspricht. 2. Weil die Möllersdorf- Gesellschaft von Berkäufen, die eine Höhe von rund 49 Milliarden Kronen erreichten, nichts hatte, da der Erlös für wertvolles Material, Maschinen usw., in Form Don Spesen, Provisionen und Abdeckung von Krediten aufgezehrt wurde. 3. Weil die von der deutschen Majoritätsgruppe gewährten Kredite an die Möllersdorf- Gesellschaft zu ungewöhnlich Postspieligen Bedingungen gegeben wurden. Der staatliche Bericht bestätigt somit alle Borwürfe, die in der Deffentlichkeit. besonders in der Preffe, gegen die Sflarz- Gruppe erhoben worden sind. Das elektrische Geheimnis. Uns wird geschrieben: Das Steigen der Arbeitslosigkeit. Die Stichtag zählung bei den wichtigeren Arbeitsnach. weisen zeigt folgende Ergebnisse: Zahl der bericht. ArbeitsAm Schlusse des Stichtags waren noch verfügbar offene Stellen Arbeitsuchende nachweise männl. weibl. männl. weibl. 14. Auguft.. 732 15. Juli 17. Juni 637 484 143 501 9 604 17 308 711 701 561 351 497 034 123 676 104 226 10 666 13 891 18 780 25356 Mehr Angebote( 6088) als Arbeitsuchende( 1414) waren nur für Weibliche in der Landwirtschaft vorhanden. Sonst Teil ungeheuer groß. So hatte die Gruppe Metallverarbeitung und war das Mißverhältnis zuungunsten der Arbeitsucher zum Maschinenindustrie nur 660 angebotene Stellen gegen 146 462 gesuchte, die Gruppe Holz- und Schnigstoffe 290 Stellen auf 37 230 Gesuche, Bertebrsgewerbe 169 Stellen auf 40 230 Gesuche, Lohnarbeit wechselnder Art 1952 Stellen auf 225 184 Gefuche. Nach Gebieten geordnet wurden am 14. Auguft gezählt: Arbeitsuchende Offene Stellen Berlin Brandenburg Rheinproving. Bayern · • Sachsen O 104 435 1 327 12 467 1 318 184 347 1 639 86 506 3012 2214 76 266 In den Arbeiterfachverbänden waren im Juli bei In Berlin gibt es eine Firma Elettromerte Attiengesellschaft". Die neutrale Bezeichnung Aktiengesellschaft deckt Das Unternehmen wie eine Tarnkappe. Wer weiß, daß unter diesem Namen die Reichselettrizitäts- Gesellschaft verborgen ist, deren sämtliche Aftien in den Händen des Reiches fich befinden? 3 417 000 vom Bericht erfaßten Mitgliedern Wer weiß, daß die Elektromerte das größte Stromliefe. rungsunternehmen Deutschlands find? Der Leser, neugierig gemacht, greift zu dem letzten Geschäftsberichte der Gesellshaft, um sich zu belehren. Aber vergebliche Mühe, es ist nichts daraus zu ersehen. Der Bericht des größten deutschen Elektrizitätsunternehmens umfaßt 1( in Worten: eine) ganze Seite. Ebenso arbeitslos Kurzarbeiter " männl. weibl. männl. weibl. 12,9 Proz. 11,3 Broz. 25,7 Broz. 35,2 Proz im Juni.. 11,2 8,1 17,6 24,6 " Am günstigsten standen das Berbielfältigungsgewerbe, das 4,6 Proz. Arbeitslose und 1,9 Proz. Kurzarbeiter zählte, die Gärtner mit 8,7 Proz. Arbeitslosen und nur 0,1 Proz. Kurzarbeitern, am ungünstigsten Maschinenbau und Metall berarbeitung mit 18,6 Proz. Arbeitslosen und 49 Proz. Kurz arbeitern und die Beberindustrie mit 15 Broz. Arbeitslofeft und 45,2 Proz. Kurzarbeitern. Auch das Holz und schnigai 16.50-18,00 ft offgewerbe mit 15,3 Proz., das Bekleidungsgewerbe 86,00-100,00 mit 15,2 Proz. Arbeitslosen, das Spinnstoffgewerbe mit 320,00-400,00 46,5 Proz. Kurzarbeitern hatten schwer zu leiden. 15,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 20,50 Inlandszucker basis mel. 37,50-38,50 25,50 Inlandszucker Raffinade 39,00-41,00 Preisnotierungen für Nahrungsmittel, Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose, Roggenmehi 0/1 Weizengrieß....... Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Langbohnen, handveries. Bohnen, weiße, Herl Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaronimehi Ein geringer Teil der deutscher Unternehmungen hat seine Gold martbilanzen veröffentlicht, der größere Teil steht noch aus. Alle diese Bilanzen müssen von der Arbeiterschaft naturgemäß ganz anders als vom Aktionär und Börsenspieler beurteilt werden. Für diese Kreise ist einzig und allein die Frage der angemessenen Rentabilität entscheidend. Dagegen hat der Arbeiter, insbeson bere der Betriebsrat und fein Vertreter im Aufsichtsrat, darauf zu achten, daß Anlage- und Betriebsposten mit einem fol chen Betrage in die Bilanz eingefezt sind, der ihrem Produt. tionszwed entspricht. In dieser Hinsicht ist es interessant, daß bei der Umstellung von der Papiermart zur Goldmarkbilanz von rein privattapitalistischen Kreisen vorgeschlagen wird, erst die fünftige Höhe des Rapitals festzulegen und dana dh die Bewertung der einzelnen Bilanzposten ein. zurichten. Wir vertreten dagegen die betriebswirtschaftlich allein mögliche Auffassung, daß der Ausgangspunkt nur die Fragestellung Cal. Pflaumen 40/50 fein darf: Welchen Wert im Produktionsprozeß hat z. B. die gesamte maschinelle Anlage?" Geht man von der fünftigen Kapitalhöhe aus, fo ergeben fidy zwei Gefahren, entweder man unterbewertet Anlage und Betriebsposten oder überbewertet sie. Im ersteren Falle erfolgt eine starte Zusammenlegung des Aktienkapitals; die so herbeigeführte Kapitalverdünnung zwingt zu Kapitalerhöhungen, deren weitere Folgen, wie hohe Bezugsrechte, Kurssteigerungen, BerInappung des Geldmarties uns noch zu lebhaft in der Erinnerung Makkaroni. Schnittnudeln, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer 17,00 22,25| Röstgetreide, lose 16,50-17,50 Kakao, fettarm 18,00-20,00 Kakao, leicht entölt 19,00-21.00 Tee, Souchon, gepackt 14,00 19,00 23,00 65,00-75,00 17,00-18,25 Zucker Würfel....... 44,00-47,50 19,00 24,50 Kunsthonig 30,00-38,00 17,50-22,00 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 30,00-36,00 3,10-3,70 4,004,70 84,00-84,50 85,00- 86,00 12,00 16,00 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00 31,00 27,00-30,50 Marmelade Vierfrucht 20,00 24,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-95,00 35,00 40,00 20,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00 37,50 Steinsalz, lose. 39,00-46.00 Siedesalz, lose 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 37,00-43,00 Bratenschmalz in Kübeln 38,00 Purelard in Tierces 20,00-23,00 Purelard in Kisten 15,50-16,50 Speisetalg in Packung 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln 23,25-31,00 Margarine, Handelsm. I 66,00 30,00-37,00 desgl. II..... 60,00-63,00 85,00-90,00 Margarine, Spezialm. I.. 80,00-84,00 40,00-43,00 desgl. II. 69,00-71,00 50,00-55,00 Margarine III 81,00-82,00 81,50-82,50 62, 60,00-62,00 Molkereibutter i. Fässern, 196,00-201,00 65,00- 70,00 Molkereibutter in Pack. 201,00-206,00 80,00-90,00| Landbutter 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 202,00-208,0) 175,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,75-37,00 155,00-160,00 Aust Speck, geräuchert 90,00-95,00 106.00-115,00 Quadratkäse. 55,00-65,00 Tilsiter Käse, volifett 108,00-115,00 Bayr. Emmenthaler Industrialisierung der Welt und deutsche Wirtschaft. Eine turze Uebersicht über den Welthandel mit Textilmaschinen gestattet interessante Einblicke in die Industrialisierung solcher Staaten, die noch vor wenigen Jahren wichtige Abnehmer für Bedarfswaren aus europäischen Ländern waren. Nach einer Zusammenstellung in Commercial America" hatte Indien 1923 die größte Maschineneinfuhr der Welt mit einem Wert von 64,7 Millionen Dollar, davon für 26 Millionen Dollar Tertilmaschinen hauptsächlich für die Baumwollspinnereien. Japan importierte in 1922( 3ahlen für 1923 stehen noch nicht fest) für 57 Millionen Dollar Maschinen, darunter Textilmaschinen für 15, Nähmaschinen für 2 Millionen Dollar. Chinas Einfuhr von Textilmaschinen betrug 1922 für 25 Millionen Dollar( von insgesamt 42 Millionen). Die Vereinigten Staaten führten für 17,6 millionen Dollar Maschinen ein in 1923, davon für 6,6 Millionen Lertilmaschinen aus England. Befoders auffallend ist der starte Bedarf Jadiens an Textil maschinen. Aber auch die Einfuhr der anderen Staaten des fernen 35,00-45,00 Oftens deutet darauf hin, daß diese Länder bemüht find, eigene 160,00-170,00 Unternehmungen zu schaffen und sich von der Warenversorgung aus dem Ausland unabhängig zu machen. Da es sich dabei in Rohkaffee Zentralamerika228,00-285,00 milch 48/16........ 21,00-23,25 erster Linie um die Fabrikation von Waren des Massenbedarfs Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00-26,50 und dabei auch wieder um fogenannte Stapelartikel handelt, Schwarzer Pfeffer Singap. Rohkaffee Brasil Weißer Pfeffer Röstkaffee Brasil 150,00-155,00 Echter Emmenthaler 185,00-215,00 Aus!, ungezuck.Condens170,00-180,00 230,00-280,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 ACO5PF Sehr milder Gefchmack durch hochwertige Tabake H CIGARETTENFABRIK CONSTANTIN HANNOVER- KÖLNH für deren Herstellung Spezialarbeitsträfte in der Regel nicht er forderlich sind, die aber in der Ausfuhr der europäischen Länder und auch Deutschlands eine große Rolle spielten, so ergeben sich aus dieser Entwicklung des Auslandes auch wichtige Hinweise auf die Produktions- und Außenhandelspolitik Deutschlands. Es wird in starkem Maße darauf ankommen, solche Waren herzustellen und zum Export anzubieten, die nicht an beliebigen Orten der Welt und mit beliebigen Arbeitsträften hengestellt werden fönnen, wenn nur Maschinen dazu ba sind. Man wird also nach Möglichkeit die Fertigfabritation und die Herstellung fol cher Qulitätswaren anstreben und diese durch starte Mer bung und günstige Preisstellung exportfähig machen müssen, die das Beste an Arbeitstraft enthalten, was Deutschland aufzu bieten vermag. Schon diese Hinweise ergeben, daß in der Förderung der Qualitätsproduktion und in möglichst hochwertiger Arbeit die Aufgabe der Produktionspolitik der nächsten Zeit gesucht werden muß. Mit dem Schrei nach Mehrarbeit, den die Unternehmer immer wieder ausstoßen, ist es gewiß nicht getan. Im Gegenteil, je mehr man durch Verschlechterung der Arbeitsbedingungen dem Arbeiter die Freude an seiner Tätigkeit nimmt, je mehr man gerade die gelernten Arbeiter zwingt, nach besseren Arbeitsbedingungen im bamer rebitbant abgeschlossen, bie feit 1859 besteht und Die Bank für vorwiegend landwirtschaftliche Geschäfte betreibt. Landwirtschaft übernimmt ein Attienpalet des Potsdamer Instituts, das bisher im Besize des Bankhauses Carsch u. Co. war. Eine Ford- Gründung in Kiel. In Kiel ist durch die Firma Dahnte eine Fahrzeug- A.- G. gegründet worden, die Autos, Last autos, Traktoren usw. bertreiben soll. Das Institut verfügt über eine ausgebaute Verkaufsorganisation und wertvolle faufmännische Beziehungen. Hinter ihm soll der amerikanische Autofabrikant enry Ford stehen. Der Rüdgang der Weltweizenernte. Das Internationale Landwirtschaftsinstitut in Rom schätzt die Weltweizenernte 1924 auf 1222,2 Millionen Zentner. In Frage fommen 21 Länder. Die Mengen im Jahresdurchschnitt 1918/1922 betrugen 1237,8 Millionen und die im Jahre 1923 rund 1400 Taillionen. Gegenüber 1923 ergibt sich somit ein Rüdgang von 16 Pro3. Die Ergebnisse in Amerita find beffer und die in Ranada schlechter ausgefallen, als man ursprünglich annahm. Die Ergebnisse für Deutschland, Rußland, Frankreich, Jugoslawien und die Tschechoslowakei stehen noch nicht feft. Auslande zu suchen, um so mehr wird die notwendige Qualitätspro- Parteinachrichten duftion gefährdet. Industrieneugründungen in Polnisch- Oberschlesien. Ginsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. Das polnisch- oberschlesische Industriegebiet ist seit Jahren der Ziel- Franenausschuh und die weiblichen, Berliner Abgeordneten bes Band and punkt fremder Kapitalinvafionen gewesen. Im Vordergrund standen französische Kapitalisten, aber auch Wiener, deutsches und italienisches Kapital fonnten Boden behaupten bzw. neu Fuß fassen. In letzter Zeit wußten Gerüchte auch über italienische Neugründungen zu berichten, die an den Fiat- und den Ansaldo- Konzern anknüpften. Dazu wird uns von informierter Seite u. a. mitgeteilt:„ Die Nachrichten, daß ausländische, insbesondere italienische Finanztreise fich nicht von weiteren Rapitalinvestitionen in Polnisch- Oberschlesien abhalten lassen wollen, entbehren jeder Grundlage. Es wird behauptet, daß insbesondere die beiden italienischen Konzerne Anfaldo und Fiat mit größeren Kapitalbeteiligungsplänen beschäftigt seien. Dazu verlautet, daß gerade diese beiden Konzerne zurzeit überhaupt nicht für die Ausführung solcher Pläne in Frage tomumen, denn der Ansaldo- Konzern mußte erst vor kurzem saniert werden und ist daher für derart weitsichtige Kapitalinvestitionen überhaupt nicht start genug. Der Fiatkonzern hat gegenwärtig unter der auch in der italienischen Automobil- Industrie herrschenden Abfaktrise so zu leiden, daß er seine Mittel zur Durchhaltung seiner eigenen Produktion nötiger braucht, als für derartig spekulative und langfristige Anlagen." Im übrigen ist das oberschlesische Beuteobjekt im großen und ganzen für den internationalen Kapitalismus wenig schmackhaft ge worden. Die heftig wütende Krise unterbindet vor allem noch jede Rentabilität. Zu der allgemeinen Depression tommen aber noch spezielle Hemmungen des industriellen Lebens die als Folgen der 3erreißung des früher der oberschlesischen Industrie zur Ber fügung stehenden Wirtschaftsgebietes anzusprechen sind. Augenblicklich kann überhaupt von einer Erschließung neuer Grubenfelder in Polnisch- Oberschlesien durch noch so starte ausländische Rapitalfräfte schon deshalb feine Rede sein, weil die Absatzschwierigkeiten der bereits erschloffenen polnisch- oberSchlesischen Kohlenproduktion von Woche zu Woche größer werden. Bekanntlich find der polnisch- oberschlesische Kohlenbergbau mit etwa 60 Proz. und die polnisch- oberschlesische Zintindustrie mit nahezu 100 Proz. ihrer Produktion auf den deutschen Konsum angewiesen. Wer nur einigermaßen mit der gegenwärtigen Lage des Rohlenhandels vertraut ist, wird aber darüber informiert sein, daß Deutschland nicht im geringsten auf die Abnahme der polnischoberschlesischen Produktion an gewiesen ist. Deutschland hat unter Einfluß der Industriekrise selbst Kohlenüberfluß. Auch nur die fleinste Umstellung des deutschen Kohlenhandels auf westliche und englische Rohle, die den bisher auf Polnisch- Oberschlesien eingestellten Rohlengroshandelsfirmen in reichlichem Maße angeboten wird, dürfte auf den gesamten polnisch- oberschlesischen Kohlenbergbau geradezu ruinos wirken. Wenn man bednft, daß für die Errichtung eines neuen, auch nur mittleren Rohlenbergwertes min. destens 15 bis 20 Millionen Goldmart erforderlich sind, so wird man bei den schwierigen Absatzverhältniffen, die heute für den gesamten europäischen Kohlenmarkt vorherrschen, wissen, was man von den Meldungen über diese angeblichen Neugründungen zu halten hat. Soweit überhaupt Interessennahme ausländischen Rapitals an der polnisch- oberschlesischen Industrie in Frage tommt, kann es sich eben nur um Beteiligung an bereits bestehen ben Unternehmungen handeln. Ausdehnung der Landbundbank. Die dem Reichslandbund gehörende Bant für Landwirtschaft A.-G. hat einen Interessengemeinschaftsvertrag mit der Bots. Neue Schuhpflege! Wenn Sie auf elegantes Aussehen Ihrer Schuhe Wert legen, fo dürfen Sie nicht Unmaffen, farbiger, harziger, unangenehm riechender Schuh creme auftragen. In wenigen Tagen ist das empfindliche Leder un ansehnlich, wird brüchig und hart. Benuhen Sie deshalb die farblose überfettete wohlriechende Edelcreme Tuberan. Gibt schon in fleinen Mengen einen samtweichen Glanz, verharzt nie und ist im Ge brauch in der Tube für Haushalt und Reise höchft sauber, fparfam und prattich. Altes unansehnliches Leder bekommt neues Aussehen. Für feines Schuhwerk unentbehrlich. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Berlaufsstelle: Berlin W. 8, Mohrenstraße 16. Fernspr.: Merfur 2099, Reichstages. Sigung Dienstag, den 9. September, 7 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. 1. Kreis Mitte, Montag, den 8. September, 7% Uhr Sthung des erweiter ten Kreisvorstandes bei Dobrohlam, Swinemünder Str. 11. 2. Kreis Tiergarten. Dienstag, den 9. September, 7% Wyr, Shung des Geschäftsführenden Ausschusses bei Krliger, Butligstr. 10. 5. Kreis Friedrichshain. Montag 7% Uhr erweiterte reisvortandofthung bei Wittschuß, Petersburger Str. 5. 6. Kreis Kreuzberg. Bezirksverordnetenfoaktionsfihung Dienstag, den 9. September, 7 Uhr, im Bezirksamtsgebäude, Simmer 29. Sagesorbung: Stellung zum Abbaut. Jugendtommiffion und Kinderfreunde: Dienstag, 7. Kreis Charlottenburg ben 9. September, 7 Uhr, Sigung im Simmer 1 des Rathauses. 9. Kreis Wilmersdorf. Mouting, ben 8. September, 8 Uhr, greße öffentliche Versammlung im Biktoriagarten, Wilhelmsane. Thema: ,, Völkische Politik und völlische Betrüger".( Der Zusammenbruch des Banthauses Bruß.) Referent Genoffe Litdemann, M.& Alle Genossen müssen pünktlich zur Stelle sein. 11. Kreis Schöneberg- Friedenan. Dienstag, den 9. September, 8 Uhr, Sihung der Kreisbildungskommiffion bei Will, Martin- Luther- Str. 69. Alle in den Abteilungen gewählten Bildungskommissionsmitglieder milffen e scheinen. Abteilungsleiter und engerer Kreisvorstand bagen eine halbe Stunde frither im selben Lokal. 13. Areis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Bichtenrade. Montag, den 8. September, pünktlich 7% Uhr, Sveisvorstandsfigung bei Niendorf, Mariendorf, Chauffee-, Ece Streliger Straße. Alle Mitglieber milffen der Wichtigkeit der Tagesordnung halber erscheinen. Sonnabend, den 20. September, 7% Uhr, Runftabend: Alie und wene Tanzweisen", im Festsaal des Realgymnafiums Tempelhof, Saiferin- Augusta- Str. 20. Mit wirkende: Trude Wolf, Prof. Seiler, Dr. Joll. Rarben a 50 Pf. bei allen Bezirksführern, Bildungsfunktionären und in der Verkaufsstelle des Konfums. Arbeitslose Genossen haben freien Eintritt. 14. Rzeis Neukölln. Karten zu den Proletarischen Feierstunden fub auch in der Borwärts"-Spedition Nectarstr. 2 zu haben. Montag, den 8. September, 7 Uhr, Kreisfunktionärversammlung in der Aula der Knabenmittelschule Donaustr. 120. Vortrag des Genoffen Dr. Adolf Braun, M. b. R.: Deutsche Rollpolitik". 17. Kreis Bichtenberg. Montag, den 8. September, 7 Uhr, im Arbeitsamt, Schreiberhauer Straße, Ronferenz der gesamten Kreisfunktionäre, Be airtsamtsmitglieder und Bezirksverordnetenfvattion. Tagesordnung: Der Rampf des Bürgerblods gegen Paulsen". Der Abbau der Sozialdemo fraten in den Bezirksämtern und im Magiftrat." Referent Gen. Thurm 18. Kreis Weißenfee. Montag, den 8. Geptember, 7% Uhr, im großen Gigungsfaal des Rathauses, Frattionsfigung mit den Funktionären. Mittwoch, den 10. Geptember, Mitgliederversammlung der 125. Abt. bei Gallas. 19. Kreis Pantom. An der Fraktionsfihung am Montag, den 8. Geptember, im Rathaus, Rimmer 17, haben auch die Mitglieder des Kreisvorstandes und die Abteilungsleiter teilzunehmen. 20. Rreis Reinidendorf. Montag, den 8. September, 6% Uhr, im Meinen Gigungsfaal des Rathauses Wittenan, Sigung des erweiterten Kreisvor flandes. Bure gleichen Beit Ronferens der Kreisbildungsausschußmitglieder. Sämtliche Mitglieder des Bildungsausschusses müssen erscheinen. Kinderfreunde: Gonntagsspiele der Kinderfreunde und Arbeiterjugend Reinickendorfs am 14. September, 3 Uhr, im Jugendhaus Geibelstraße ( hinter dem Sportplah Scharnweberstraße). Teilnehmerfarten 20 BT. ( Jugend 15, Kinder 10 Pf.) zum Besten des Jugendheimbaufonds. Morgen, Montag, den 8. September: 4. bt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Schwarz, Blankenfelbestr. 2. 8. Abt. 7% Uhr Bezirksführersigung bei Ridert, Steinmetstr. 36a. 9. Abt. 7 Uhr Funktionärsizung bei Faber, Stephanfte. 11. Tagesordnung. Wichtige 14. Abt. 8 Uhr Funktionärversammlung bei Gillwald, Butbufer Str. 3. 17. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferenz bei Dose, Nordhafen 6. 18. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferenz bei Müller, Uferstr. 12. 19. Abt. 7 Uhr bei Schrepel, Grünthaler Str. 13, Funktionärtonferens. 20. Abt. 7% Uhr Funktionärtonferenz bei Bofe, Roloniestr. 15. 21. Abt. Pünktlich 7 Uhr bei Böhm, Magstr. 18, Gigung der Bezirks. führer, Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräbe. 22. Abt. 8 Uhr Sigung der Bezirksführer mit dem Abteilungsvorstand bei Radzay, Brüffeler Str. 43. 23. Abt. 8 Uhr Funktionärversammlung bei Grunewald, Rameruner Str. 19. 27. Abt. 7% Uhr Sigung der Funktionäre und Betriebsvertrauensleute bei Blessin, Stargarder Str. 3. Thema: Organisation und Agitation in der Abteilung" 29. Abt. 7 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 189, wichtige Funktionärfthung 36. Abt. 7% Uhr bei Busch, Tilsiter Str. 27, Funktionärtonferenz. Die Bezirksführer werden erfucht, zu den am Mittwoch stattfindenden Zahl abenden einzuladen. 39. Abt. 7 Uhr Funktionärsigung in der Juristischen Sprechstunde. Wichtige Tagesordnung. 41. Abt. 7 Uhr bei Schult, Gthung der Funktionäre. 42. Abt. 7% Uhr bei Wiersdorf, Urbanstr. 6, Funktionärtonferenz. 44, bt. 7 Uhr bei Nagel, Manteuffelstr. 47, Funktionärsigung mit den weg 8. Der Abteilungsvorstand 1 Stunde frither. Wichtige Tagesordnung. 81, Abt. Friedenau. 8 Uhr Sigung des erweiterten Borstandes bei Klobe, Sandjernstr. 60-61. 85. Abt. Tempelhof. Pünktlich Uhr im Restaurant Be Sinde", Werder, Ede Friedrich- Karl- Straße, Vorstandssigung. 100. Abt. Rudow. 8 Uhr im Botal Perlen, Bahlabend. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr Funktionärßigung bei Anders, Bahnhofftraße. Jungsozialisten. Gruppe Südwest: 7½ Uhr bei Studenberg, Glogauer Str. 18, Bortragsabend über unsere Winterarbeit. Arbeiter- Jugend und Abteilungsleitungen der Güdoftabteilungen der Partei sind eingeladen. Frauenveranstaltung am Montag, den 8. September: 74. Abt. Zehlendorf. 8 Uhr bei Schnorr, Zehlendorf- Witte, Botsdamer Str. 3, Bortrag des Genoffen Dr. Deiters. Uebermorgen, Dienstag, den 9. September: 6. Abt. 7% hye Funktionärkonferenz bei Dobroblam, Eminemfimber Str. 11. Die Bezirksführer laden an Mittwoch fir ble 8ablabende in den beBannten Lokalen ein. 2. Abt. 7 Uhr Funktionärstzung bei Bärmalbe, Schlegelstr. 8. 13. Abt. 8 Uhr Funktionärfonferenz bei Lausch, Bredowstr. 35. 16. Abt. 8 Uhr bei Döhling, Brunnenstr. 79, Zusammenkunft der Funktionäre. 74. Abt. Zehlendorf. 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Midley, Potsdamer Str. 25. Vortrag des Genossen Dr. Mierendorf über ,, Der wirtschaftliche Inhalt des Bondoner Abkommens und der Kampf um die Baftenverteilung". 89. Abt. Neukölln. 7% Uhr Borstands- und Funktionärstzung bei Stahl, Sanderstr. 11. * 71. 6t. Wilmersdorf. Mittwoch, ben 10. September, 8 Uhr, bei Jonas, Durlacher, Ede Bruchsaler Straße, Mitgliederversammlung. Die Straßenführer mitfen einladen. 102. bt. Baumschulenweg. Mittwoch, ben 10. September, 7 be, Werbemitgliederversammlung bei Borgmann, Baumschulen, Ede Riefholzstraße. Es find durch die Mitglieder alle Freunde und Gönner der Partei einauladen. Referent ein Mitglied des Parteivorstandes. Die Bezirksführer erhalten am Montag Einladungsformulare zugestellt und mitsfen die Mitglieder reftios einladen. Abt. 124a Mahlsdorf- Sib. Mittwoch, den 10. September, Whe, MitgliederDerfammlung im Restaurant Diek, Uhlandstraße. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 36. Abt. Genoffe Mag Meyer, 8orndorfer Str. 10, it plöklich verflorben. Beit und Ort der Eindfcherung wird noch bedannbgegeben. Jugendveranstaltungen. Anmeldungen zum Ferienaufenthalt am Duenafee werden noch im Jugendsekretariat, Berlin G, Sinbenstr. 3, 2. Sel, 2%, 8immer 11, entgegengenommen. Morgen, Montag, den 8. September: Mäbchenkonferenz abends 7 Uhr im Jugendheim Sinbenjte. 3. Stellungnahme ane Mädchenkonferenz ta Tannich. Alle Abteilungen milffen vertreten fein. Friedenan: Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Vortrag: Schönheit der Mart Brandenburg, Natur, Dichtungen und Bauten". Karlshorst: Schiffe Auguste- Bittoria- Str. 35, Diskussion: Barum bin ich in der SAJ.?" Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Gebaktianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Rameradschaft Charlottenburg: Dienstag, den 9. September, abends 8 Uhr, Zurnabend in der Turnhalle Wiebeschule, Saiferin- AugustaAllee, Eingang Neues Ufer. Republikaner als Gäste willkommen. Kameras. faft 17. Bezirt, Lichtenberg: Am Dienstag, den 9. September, abends 28 Uhr, im Lobal Krüger, Türrschmidtstr. 33, erweiterte Vorstandssigung. Sämtliche Borsitzenden der Untergruppen des 17. Rreises haben daran teilzunehmen. Kameradschaft Steglig: Am Dienstag, den 9. September, abends 9 Uhr, im Albrechtshof( Schüzensaat), Mitgliederversammlung. Republikaner als Gäste willkommen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Sinterbliebenen, Bezirk Wedding. Mitgliederversammlung am Montag, den 8. September, abends 8 Uhr, Chauffeeftr. 64, Pazenhofer. Referent Ram. August Bartels. Betriebstrankenkasse der Stadt Berlin. Mittwoch, den 17. September, nachmittags 5 Uhr, im Nathause au Berlin, außerordentliche Ausschußfizung. ( Giche Inferat.) Geschäftliche Mitteilungen. Die von zwei allerersten Fachleuten geleitete Firma Schlätde u. Männel, Berlin, Große Frankfurter Str. 105, 2. Etage, auf deren Inserat in heutiger Nummer unserer Zeitung wir perweifen, labet zum Bezuge aller Belzwaren, vom einfachsten Kanintragen bis zum eleganten Weiß-, Gilber oder Blaufuchs, vom einfachsten Pelajacett und Mantel bis zu den elegantesten Nexz-, Persianer oder Breitschwanz- Mantel, ein. Bur Herbst- und Wintersaison bietet das Spezialhaus für moderne Damenund Kinderkleibung Leopold Gadiel, Berlin, Königftr. 22-26, eine außer= gewöhnlich reichhaltige Auswahl aparter Neuheiten in eleganten Gesellschafts-, Abend und Nachmittagstleidern usw. Zu erwähnen ist ferner bas große Lager diefer Firma in Damenwäsche sowie Tisch-, Bett- und Hauswäsche in gediegenen Stoffen. 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Der Krieg mit seiner Umwälzung aller Verhältnisse stellte, wie alle anderen Kommunen, insbesondere die Reichshauptstadt vor eine solche Fülle neuer und schwieriger Aufgaben und Verpflichtungen, daß alles andere dahinter zurückbleiben mußte. Die lange Dauer des Krieges schwächte vor allem die Gemeinden, und als die Re= volution der Sozialdemokratie im Reich, in den Ländern und Gemeinden eine zum Teil vorherrschende Stellung verschaffte, da war, was wir vorfanden, nur ein Trümmerhaufen von dem, was früher gewesen war. Die Nachkriegszeit mit den verheerenden Folgen der Inflation brachte die Kommunen als die schwächsten öffentlichen Körperschaften dann vollends an den Rand des Abgrundes und erschwerte oder hinderte jede Inangriffnahme neuer Aufgaben. Gegenüber dem Abbaufanatismus der bürgerlichen Bar teien, der in dieser ganzen Zeit besonders auf sozialem Gebiete fich auswirkte, gegenüber ihrem Streben, die so überaus traurigen Berhältnisse der Gemeinde als Einfallstor für das private Kapital auszunuzen, galt es für die sozialdemokratischen Gemeindevertreter, das Bestehende möglichst zu erhalten, Unvermeidliches möglichst schonend für die davon Betroffenen zu gestalten. In Berlin speziell mußte der Kampf noch nach anderer Richtung geführt werden. Wie gegen alle Errungenschaften der Revolution, so richtete in Berlin die Gegnerschaft der zwar nicht formell, doch tatsächlich zum Bürgerblod zusammen geschlossenen bürgerlichen Parteien sich auch insbesondere gegen die Einheitsgemeinde, um die die Sozialdemokratie seit Jahrzehnten gekämpft hatte und die als Frucht der Revolution endlich geschaffen werden konnte. Alle Reibungen und Unebenheiten, die die Zusammenschweißung eines fo riesigen Gemeinwesens naturgemäß mit sich bringen mußte, wurden, maßlos aufgebauscht, dem Schuldkonto des sozialistischen Magistrats und unserer Rathausfraktion zugeschrieben. Wenn nun heute die großen wirtschaftlichen Borteile, die die Einheitsgemeinde im Gefolge hat, anerkannt werden, wenn das Getobe gegen Groß- Berlin heute fast restlos verstummt ist, wenn die ungeheuren, in den städtischen Werken ruhenden Werte vollkommen unangetastet der Stadt erhalten und die Werke felbft in guter Fortentwicklung begriffen sind, wenn die sozialen Einrichtungen unserer Stadt zu einem wesentlichen Teil noch ihre segensreiche Tätigkeit ausüben, so ist das ein Verdienst, in das ohne Ruhmredigkeit die sozialdemokratischen Bertreter im Magistrat und den Bezirksämtern wie in der Rathausfraktion und den Frattionen der Bezirksversammlungen sich teilen können. Solchen Abwehrkampf auf fachlichem Boden ohne Popu laritätshascherei zu führen, war um so schwieriger, als die Kommunisten im Rathaus und in den Bezirksversammlungen in hemmungsloser Agitation je trostloser die Verhält= nisse waren, um so maßlosere Anträge stellten. Sie wußten genau, wie sie wiederholt selbst zugeben mußten, daß ihre Anträge unter den gegebenen Verhältniffen gar nicht durchzuführen waren, fie stellten sie auch nicht, um damit die Not und das Elend des Volkes zu lindern, sondern solche Anträge wurDujardin der wundervolle Weinbrand UERDINGEN A RH | den lediglich eingebracht, um die fommunistischen Massen in Unruhe und Erregung zu erhalten und gegen die Sozialdemofratie, ihren Todfeind", aufzupeitschen. Sonntag, 7. September 1924 Filmschau. Die Filme der Woche. ,, Die Ehe im Kreise"( UT. am Kurfürstendamm) ist eine gar föstliche Geschichte des standhaften Nervenarztes, den eine nervöse, fofette, verwöhnte Frau durchaus haben will, zumal ihr Gatte, der Herr ProMervenarztes, ihren Gatten arglos immer wieder der Obhut der foketten Dame anvertraut. Aber das glückliche Eheband wird nicht zerrissen, und der Herr Professor wird doch die Gattin los, weil der Kompagnon des Nervenarztes fie nehmen wird. Lubitsch schuf ein leichtbeschwingtes, graziöses Wert. Es ist niemals plump, niemals flach und fern jeder Jetzt endlich winkt der Sozialdemokratie in der Gemeinde die Hoffnung, mehr als bisher Positives leisten zu können und eine starke sozialdemokratische Fraktion ihr die Gewähr für feffor, fie so gern los fein möchte, und ihre beste Freundin, die Frau des so der werftätigen Bevölkerung Berlins zu zeigen, daß nur vollste Wahrnehmung ihrer materiellen, sozialen und kulturellen Interessen bietet. Die Lage Berlins hat sich durch die Stabilisierung der Währung und dank der von der Sozialdemokratie frog aller Anfeindungen konsequent verfolgten Politik erheblich konsolidiert. Die Annahme der Dames= Gejeze läßt eine Neubelebung von Handel, Verkehr und Industrie und damit eine Einschränkung der ungeheuren Arbeitslosigkeit erhoffen. Steht auch für unser kommunales Schiff eine glatte Fahrt durch alle etwa noch auftauchenden Fähr niffe keineswegs schon in sicherer Aussicht, so erscheint es doch nicht voreilig und unbedacht, die bisherigen traurigen Kapitel Jugendweihe im Großen Schauspielhaus Karlstraße, heute vormittag pünktlich 11 Uhr. Mitwirkende: Meinedescher Männerchor( Chorleiter P. A. Joseph), Herr Willy Jaeger( Orgel), Herr Armin- Ciebermann( Cello). Weiherede: Herr Dr. Rich. Lohmann, ferner Sprechchor der proletarischen Feierstunde, Leifung Herr A. Florath u. Einzelsprecher Herr Heinrich Witte. Eintrittskarten zum Preise von 1 Mart für Erwachsene und zum Preise von 50 Pfennig für Kinder find an der Kaffe noch erhältlich. zu schließen und ein neues, hoffentlich besseres zu beginnen. Noch ist die Zeit für weitausschauende neue Pläne, für eine umfassende Aufbautätigkeit nicht reif. Aber es fann eingetreten werden in die genaueste Durchprüfung des bestehenden Zustandes mit dem Ziel, die Lasten der Massen zu er= leichtern, die Neubautätigkeit mehr als bisher zu för dern, den durch die Inflation besonders schwer geschädigten fleinen Sparern nach Möglichkeit zu helfen, die soziale Fürsorge durch höhere Leistungen auszuweiten und durch eine mehr individuelle Behandlung zu verbessern, die z. B. nicht Renten und Unterstützungen, welche aus irgendwelchem Grunde zu hoch gezahlt sind, rücksichtslos wieder eintreibt von Personen, die zur Erstattung gänzlich außerstande sind. Bon solchen Erwägungen ausgehend, hat die sozialdemofratische Stadtverordnetenfraktion den nachfolgenden umfassenden Antrag eingebracht: Die Stadtgemeinde Berlin ist in der Nachfriegszeit zu einer weitgehenden Einschränkung ihrer sozialen Verpflichtungen und einer Erhöhung aller städtischen Abgaben gezwungen gewesen. Nachdem die Schaffung der Einheitsgemeinde und die Stabili fierung der Mark die Berliner Finanzen gekräftigt, ja bis zu einem gewissen Grade konsolidiert hat, erachten wir es für geboten, nunmehr schleunigst die zurückgestellten Aufgaben wieder aufzunehmen und Ermäßigungen der Abgaben herbeizuführen. Zu diesem Zwede sind insbesondere 1. die Renten der von der Stadt zu unterstützenden Perfonentreise zu erhöhen und die sozialen Einrichtungen der Stadt auszubauen; Frivolität. Er verläßt sich nicht unbekümmert auf seine Routine, er hat den Willen, etwas zu leisten. Man möchte beinahe annehmen, daß man für die fokette Dame( Marie Prèvost) und die eifersüchtige Arztgattin ( Florence Vidor) hier in Deutschland beffere Vertreterinnen gefunden hätte. Doch muß man eingestehen, sie fanden sich gut in den feinen Luftwaren Monte Blue als Arzt, Creighton Sale als ſein ſchüchterner, verliebter Kompagnon und Adolphe Menion als Brofeffor. Nebensächlichkeiten sind gut gefeilt herausgebracht. Die Regie ist famos, spielton ein, den die grotesken Amerifaner sonst nicht tennen. Glänzend. all die fleinen Einfälle sind auf das sauberste durchgearbeitet. Alle Potasch und Perlmutter" ist auch eine sehr amüsante Sache, und zwar aus der Konfektion. Dieses Jargon- Stück erzielte einst auf der Bühne Lachsalven, und nun erfreut es uns im Film. Der Tert machte am meisten lachen, was im großen und ganzen nicht für den Film spricht. Es waren überhaupt viel Schwierigkeiten zu überwinden, da wenig Handlung vorhanden ist, aber die Aufgabe wurde befriedigend gelöst. Das Manuskript wurde so gestaltet, daß Frl. Botasch ihren geliebten Russen und Herr Perlmutter seine angebetete Modellzeichnerin bekommt, und da Herr Botasch und seine Ehefrau Rosel so sehr gut zusammen paffen, ficht man zum Schluß drei wirklich glückliche Baare. Der Regisseur C. G. Badger ging mit seinem Verständnis ans Wert. Er hatte es leidet, da die Hauptdarsteller Barney Bernard und Alexander Carr, die in Amerifa dem Stück zu dem Erfolg verhalfen, sich ihm auch für den Film zur Verfügung stellten. Die Grundsäße dieser Schauspieler bestanden darin, sich jeder Uebertreibung fernzuhalten. Die Dargestellten find so lebensecht, fie bleiben einem sympathisch. Die beiden Kompagnons zanten sich stets und sind einander immer gut, sie fennen nur Geschäftsinteressen, und als wirkliche Menschheitsfragen in diese Geschäftsinteressen hineinspielen, da find die beiden keine Rechenmaschine mehr, fondern nur ber die Uraufführung brachte, fügte eine Modenschau mit Tänzen unter Herz. Darum freut man sich doppelt. Der Ufa- Palast am 300. der Künstlerischen Oberleitung des schöpferischen Saas- Heye ein. Die Alhambra beraus. Der Film behandelt das alte Thema bes in Verbrecherfreisen am Kurfürstendamm brachte„ Colibri" großgewordenen Kindes, das einen reichen Gönner findet, unschuldig verfommi weniger auf das Sujet als auf das Wie an, und hierauf hat man dächtigt wird und sich schließlich als wahrer Charakter entpuppt. Es fich verstanden. Nebenfiguren läßt, man man unbegründet auftauchen und untergehen, um desto bewußter mit Colibri- Ossi Oswalda zu irrlichtern nicht; denn sie seßen immer filmgemäß richtig ein. Die zuglänzen. Bittor Jansons Regie ist einfallsreich, und diese Einfälle schauer bleiben bis zur letzten Szene gespannt. Zudem wußte Janion als Boddy burch seine Schauspielfunst außerordentlich zu gefallen. Oist Oswalda hat in der Filmrolle alles, was sie sich nur wünschen kann, sie tobt als rübe Göhre, wirbelt als Tänzerin dahin, ist Dame von Welt, wird unschuldig verdächtigt und liebt glücklich. Und da Offi Oswalda fich inmitten des Balletts der Mme. Derillier zeigt, hat das Publikum auch alles, was es sich nur wünschen kann. e. b. ,, Mister Radio", ein sogenannter Sensationsfilm, erlebte im BafagTheater, Kurfürstendamin, seine Uraufführung. Nicht zu leugnen, daß sich allerhand ereignet, was gemeinen Menschen nicht zu passieren pflegt aber der Mister Radio( Albertini) geht doch manchmal zu komplizierte und vergnügt auf sicheren Wegen der Sächsischen Schweiz spazieren gehen fann, versteift sich aber darauf, die steilen Basaltwände ohne zwingende Wege, um das filmische Sensationsspiel zu erreichen. Wenn einer luftig Notwendigkeit hinauf- und hinunterzuklettern, dann wirkt das lächerlich, besonders wenn es in einer so gewollt dramatischen Form geschieht. Nein, das ist feine Konkurrenz für die Amerikaner, was es doch wohl sein soll, noch nicht einmal für Harry Piel. K. „ Die Andere." Der neue Film„ Die Andere" des Tauenbienpalasies ist unterhaltend und spannend, gut photographiert und leidet nicht unter der bei deutschen Filmen allzu häufigen Langsamkeit des nimmt nach deren plötzlichem Tode auf der Reise den Namen der VerTempos. Eine arme Gesellschafterin einer lebenslustigen Schauspielerin 2. die Tarife der städtischen Werke und Betriebe( Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerke und Straßenbahn) sowie die Cohn- storbenen an, wird von dem verbrecherischen Ehemann der Toten erpresseund Arbeitsbedingungen der dort beschäftigten Perfonen einer Revision zu unterziehen; 3. zur Förderung des Wohnungsbaues für Unbemittelte und damit zugleich für Belebung des Arbeitsmarktes größere Mittel auszuwerfen; 4. die Pensionskasse der städtischen Betriebe und Werke, die durch die Inflation ihre Substanz verloren haben, wieder zur Erfüllung ihrer Aufgaben zu befähigen; 5. die Guthaben bei der Städtischen Spartaffe über die gänzlich unzulänglichen Bestimmungen der dritten Steuernotverordnung hinaus aufzuwerten. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht der Magistrat, der Finanzdeputation eine Uebersicht über den derzeitigen und den mutmaßlich zu erwartenden Stand der Finanzlage zu geben, um auf dieser Grundlage die vorgeschlagenen und weiteren Maßnahmen einer genauen Prüfung unterziehen zu können. Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion wird bestrebt sein, im Sinne dieses Antrages zu wirken und zugleich auf jede andere, ihr mögliche Weise die Lebenshaltung der Berliner werftätigen Bevölkerung zu heben sowie ihre fulturellen Interessen zu fördern. risch ausgebeutet und gefangen gehalten, aber schließlich von dem Mann, der sie liebt, gerettet. Dieser Vorwurf wird ohne Aufdringlichkeit distret gestaltet und gibt Gelegenheit zu schönen Seeaufnahmen und Ansichten von Nizza, Tanger, Marseille und Rotterdam. Xenia De 3nia sieht in der Hauptrolle sehr hübsch aus, ohne freilich die dramatischen Möglichkeiten ihrer Rolle ausschöpfen zu können. Sehr gut ist Hugo Werner Sable als brutaler Verbrecher; er erinnert in Kopf und Spiel lebhaft an Wegner. Nicht unerwähnt soll das gute, geschmackvolle Orchester dej Tauenzienpalastes bleiben. f. h. c. Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig im Alleindepot: Zions- Apotheke Homöopathische Zentral- Officin Berlin N. 31, Anklamer Straße 39, nahe Ecke Brunnenstr. Tel. Amt Humboldt 1022 Adler- Apotheke( Paul und W. Sadée), BerlinFriedenau, Rheinstraße 16. Tel.: Rheingau 2029, Friedrich Wilhelm- Apotheke. Apotheker Georg Seelenbinder, Charlottenburg 2, Leibnitzstraße 106. Telefon 121. dortselbst wird auf Wunsch auch das Pfarrer Heumann- Buch abgegeben. Große Ausgabe( 240 Seiten 100 Abbildungen) gratis und franko. 8 BUNG ACHTUNG! 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Schauspielhaus Ueb.150Mitwirkende 72. Der arme Vetter Karten 2-16 Mark Schiller Theater Kasse den ganzen Tag geöffnet 72 Uhr: Candida Volksbühne 11: Toller- Feier: Bordell des Krieges Die Rache aes verhöhnt. Liebhab Kleines Theater 8 Uhr: Der Teufelsadvokat im Theater] Große Volksoper des Westens 7, Uhr: Carmen LUNAPARK 3-11 Uhr Sonntag 3-11 Uhr voller Betrieb Feuerwerk Militärkonzert ● Geschlossene Terrassen Direktion Schloßparktheater( otto Kirchner) Nachin. keine Vorstellung Eine Casanovakom. Eröffnungs- Verstg. 10. Sept. 28 Uhr 7: Schneid. Wibbe! mit Deutsch. Theater Ferdin. Bonn Der Prinz von Homburg" 7 Uhr: Cäsar u. Cleopatra Voranzeige! Dienstag, 9. eptbr. 7 Uhr Neueinstudierung! Sumurun Kammerspiele 8 Uhr: Fräulein Julie Theater i. d. Königgrätzer Str. läglich 8 Uhr: Hans Sonnensiößers Höllenfahrt Komödienhaus Täglich 8 Uhr: Mein Vetter Eduard Berliner Theater Tägl. 7.30: Der süße Kavalier Th. a. Nollendorfpl. Heute 5.35. 7.25, 9.15: Gösta Berling. 2. T. Mozartsaal Heute 5, 7 u. 9 Uhr: ROSITA SCALA S Uhr: internat.Varieté Sonntag 3.30 zu 49 Berliner Volks- Chor Mitglied des ASB. Dir.: Dr. Zander Donnerstag, 11. Sept., 71, Uhr pünktlich, in der Garnisonkirche, Neue Friedrichstr. Lifzt: Hl. Elisabeth Mitw.: Rose Walter, Jolan HelfferichKalusay, Werner Engel, Leonhard Kern Philharmonisches Orchester Einlaßkarten im Vorverkauf 2, Mark Vorwärts Buchhand ung, Horsch und an der Abendkasse.[ 120b WIEN BERLIN Seit 25 Jahren interessantestes halben Preis. das Jagerstres: Unterhaltungs- Varicié volle Programm Rose- Theater 8: Meine Braut Deine Braut Gartenbühne 128: Komtesse Guckerl ANFANG 8 Uhr EINTRITT FREI! Großes September- Programm Große Bierabteilung! WALHALA am Rosenthaler Tor Nach vollständigem Umbau eröffnet Berlins VolksVarieté GROSSES INTERNATIONALES PROGRAMM Mäßige Preise Ant. 7% Uhr Vorverk. ab 11 Uhr ununterbrochen. Alles rahmengenäht! 50 AUSSTELLUNGSHALLE AM KAISERDAMM ITALIENISCHE OPERNSTAGIONE Ab 12. September Festaufführungen von AÏDA VON G. VERDI KÜNSTLERISCHE LEITUNG: COM. GIOV. ZENATELLO DIRIGENT: PIETRO MASCAGNI MITWIRKENDE: Tina Poli- Randaccio, Maria Gay- Zenatello, Giovanni Zenatello, Antonio Righetti, Domenico Viglione- Borghese, Nino Marotta, C. Fornaroli Oberregisseur: Cav. Giuseppe Cecchetti Kapellmeister: Corrado Benvenuti/ Chorographie: Cecchetti u. Molkow mod Das verstärkte Berliner Sinfonie- Orchester( Blüthner- Orchester) Kittelscher Chor: Bruno Kittel 1000 Pitwirkende Vorverkauf ab Dienstag: Theaterkassen Wertheim und Hotels Sise, Gesellschaft für Opernaufführungen im Auslande DIE ZEHN GEBOTE EIN PARAMOUNT- FILM REGIE: CECIL B. DE MILLE im Grossen Schauspielhaus Täglich 8 Uhr III. Woche Sonntag Der Riesen- Erfolg 4. 8 Uhl Preise der Plätze von 2.- M. aufwärts Benutzen Sie den Vorverkauf Germania Pracht- Säle 7% Central- Th. 7 Karl Richter, Chausseestraße 110 Jeden Sonntag: Gr. humoristische Vorstellung der !! Triumph- Sänger!! Stets neues Programm. Kasseneröffnung 4 Uhr. Konzert 26 Uhr, Beginn der Vorstellung 27 Uhr. Kachd. Familienkränzch. Im weißen Saal: Großer Ball. Alte Jakobstr. 32 Dir.: Hans Felix G'wissenswurm Karl Etlinger, Rob. Müller, BERK HARD Büro Rabow, Wilhelmstr. 46 Th.i.Admiralspaiast Trianon- Th. 34 u. 84 Uhr die gr. Revue Tägl. 8 Uhr: in erster Besetzung Erika Gläßner Noch und Noch in Deuts Opernhaus „ Sie" 72 zu volkstüml.Pr. Komödie v. Reicke Erich Kaiser- Tietz Die Fledermaus Rudolf Leitinger Mtg. 7: Lohengrin Intimes Th. 8 U. METROPOL Lanf doch n. im. nackt herum Besuch im Bett etc. ropoi- Theater Letzt. Vorstellungen 8 U.: Mascottchen Tn. i. Kommand. Str. 8 Uhr: Mister Globetrotter Operette v.O.Urack Tribüne 8 Uhr: Dis große Komische Oper Direktion: James Klein 7 Uhr Allabendlich 7 Uhr Die gewaltigste und größte Revue aller Zeiten: Das hat die Welt noch nicht geseh'n DISCL internationale RIESEN- CIRCUS Varieté- Progr. Billige Eintrittspreise! 8 Uhr: 70OLOGISCHER D. Gatted Fräuleins Haak, Schroth, Kraus Wallner- Theater Tägl. 28 Uhr: Uriel Acosta Neues Theat. am Zoo Ab Mittw. 10. 9. 8 U. Gastspiel Adolf Philipp Die Reise nach Amerika GARTEN Täglich Gr. Konzert Uhr 1Mk Kinder d.Hälfie Aquarium Tierkunst. Ausstellg. Das 3 Bilder aus dem Leben des Dramatisch. Theater Deutsch- Amerikaners Philharmonie N 4, Chausseestr. 30/31 Casino- Theater 70: Konzert Täglich 8 Uhr: Das erstkl. bunte Progr. Zum Schluss: Der Eröffn.- Schlag. G. Bäck, Sauter- Sarto, St. Lutz Muß Liebe schön sein! Sonnabend Komödie in 4 Aufz. Iphigenie 3 Volkstüml. Preise Konzertbureau Ludwig Loewenson Blüthnersaal: Dienstag, 9., 16. u. 23. September, 8 Uhr: 99 Vortrags- Zyklus Prof. Dr. Erik Nölting Das Problem einer nationalen Kultur" 1. Abend: Was heißt nationale Kultur? 2. Abend: Welche Gefahren bedrohen unsere nationale Kultur? des Philharm. Orchest. Dirig: Prof. R. Hagel Theater am 7 Uhr: Gilles u. Jeanne von Georg Kaiser Mtg. u. Dienst. 71/21 Gilles u. Jeanne Hottbusser Tor Reichshallen-Theater Täglich 8 Uhr u. Sonnt. nachm.3U. EliteWieder täglich: Stettiner Sänger Sänger Anfang SUhr Fabelhaftes SeptemberDönhoff- Brett! ( Reichshallen- Saal und Garten Programm! Gr. Spezia!.- Progr. Anf. 71, Sonnt 1, U. Landsberger Str.38, Nähe Aleganderpl., Lagerkeller KRONE Schönhauser Allas Hochb.Danzigerstr. Heute, Sonntag, 7. September Nachmittags 4 Uhr, abends 8 Uhr Nachmittags Kinder halbe Preise 2 gigantische Circus- Vorstellungen 85 Sensationen in 3 Manegen Vorverkauf: Circuskassen u. Wertheim Krone Zoo ab 10 Uhr vorm. bis 7 Uhr abends 400 exotische Tiere ULAP Vergnügungspark am Lehrter Bahnhof Sonntag voller Betrieb Eintritt 30 Pig. 1 Kind frei KONZERT FEUERWERK Attraktionspreise ermäßigt Eröffnung 3 Uhr Rennen zu Karlshorst fofort zu vermieten. Näheres mugdan, Sonntag, 7. Septbr., nachm, 21, Uhr 3. Abend: Wie wahren und erhöhen wir unsere nationale Kultur? Rönigin Augufta- Str. 44. Tel 2gom 2997 Haupt- Jagdrennen Krt. 1, 2, 3 Mk., Bote& Bock, A. Wertheim, Abendkasse Str. 422 41. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Verbandstag der Buchdrucker. Hamburg, 6. September.( Eigener Drahtbericht.) In der Abendsigung des fünften Verhandlungstages merden zunächst die Anträge zu Bunft 8 erledigt. Abgelehnt wird ein Antrag des Bezirks Zeiz, der scharfe Kritit an dem ADGB. übt und fordert, in zielbewußterer Weise als bisher positive Arbeit zu leisten". Angenommen werden die Anträge, die sich für den Ausbau der fozialen Gefeßgebung, Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechts, Durchführung des Artikels 165 der Reichsverfassung und gesegliche Regelung des Ferien wefens aussprechen, sowie die energische Bekämpfung der Schlichtungsordnung in ihrer gegenwärtigen Gestalt for dern. Ferner wird der ADGB. ersucht, in laufender Reihenfolge eine Sammlung wichtiger Entscheidungen im Schlichtungs- und Arbeitsrechtswesen herauszugeben; dem Verbandsvorstand wird auf. gegeben, die Beschickung der Akademie der Arbeit aufrechtzuerhalten. Einstimmige Annahme findet eine Entschließung, in der den ausländischen Buchdruckerverbänden wärmster Dant ausgesprochen wird für die in der Inflationszeit gewährte finanzielle Hilfe. Die Entschließung bringt ferner zum Aus druck, daß der deutsche Buchdruckerverband den Gedanken der internationalen Solidarität stets hochhalten werde. Dann wird die Frage der Bedienung der Offfetmaschine be fprochen, über die zwischen den Steindrudern und den Buchdruckern große Meimmgsverschiedenheiten herrschen. Bon Höhne( Borstand) und Adermann( Zentralfommission der Drucker) wird gefordert, daß die Bedienung nicht nur den Steindruckern, sondern auch den Buchdrudern zugestanden wird. In einer lebhaften Debatte, die bis 10 Uhr anhält, wird ener gisch gegen die Einstellung in Steinbrudertreifen Stellung genommen. Um aber einer Verständigung nicht den Weg zu verbauen, werden Die scharf gehaltenen Entschließungen zurüdgezogen. Schließlich wird folgender Antrag aus Hamburg und Stuttgart angenommen: Die betreffs der Offfetmaschinenbedienung getroffenen Berein barungen find einer Revision zu unterziehen in der Richtung, daß sowohl Buchdruder als auch Steindrucker diese Maschinen bedienen fönnen. Ein 3mong zum Hebertritt von einer Organisation in die andere darf nicht festgelegt werden."- Um 10 Uhr wird die Abendsigung gefchloffen " In der Vormittagstigung des sechsten Berhandlungs tages referiert Dresler Leipzig über den Bildungsverband der Deuffchen Buchdrucker. Der Redner betont die Notwendigkeit der Zentralisation offer Bildungsbestrebungen des Berbandes und empfiehlt eine in diesem Sinne gehaltene Entschließung, die fich für die Verschmelzung ter in Frage tommenden Institutionen ausspricht. Weiter schlägt er vor, am 1. Januar eine monatlich erscheinende technische Zeitschrift herauszugeben. Die Typographischen Mitteilungen sollen neben dieser technischen Zeitschrift erscheinen. In der Auss sprache wird u. a. verlangt, daß dem Bildungsverband der Deutschen Buchdruder nur Verbandsmitglieder angehören dürfen. Ein ent sprechender Antrag wird angenommen. Außerdem findet ein Antrag Annahme, i den Fachschulen den Unterricht nur durch fachEs folgen dann die Berichte der zur Beratung der Anträge eingelegten Rommissionen, an die sich noch eine längere Debatte schließt. In der Abstimmung wird zur Frage des Graphischen Industrieverbandes folgende Entschließung einstimmig lich gebildete Lehrer erteilen zu lassen. angenommen: Trogdem der Industrieverband in der Urabstimmung abgelehni worden ist, hält der Verbandstag ein enges Zufammenarbeiten der vier graphischen Verbände im Graphischen Bunde für notwendig, um die Enfwidlung zum Graphischen Industrieverband zu fördern. Dazu ist die Durchführung folgender Punkte erforder fich: 1. Einführung gleichartiger Sagungen, 2. Bereinheitlichung der Manteltarife, 3. gleichartige Gestaltung der Beitrags und Unterftüßungseinrichtungen, 4. Bildung eines graphischen Sekretariats. Der Verbandsvorstand ist daher beauftragt, im Graphischen Bunde im Sinne der Berwirklichung der Borlagen zu arbeiten und das Ergebnis einer Gauvorständekonferenz zur Beschlußfaffung und Weiterleitung an den nächsten Verbandstag zu unterbreiten. Eine Reihe von Anträgen find rein organisatorischen Charatters. Unter ihnen ist jedoch der Antrag, der sich gegen die Baterländischen Berbände richtet, besonders hervorzuheben:„ Es wird erneut zum Ausdrud gebracht, daß die Zugehörig feit pon Verbandsmitgliedern zu Berbänden, wie„ Stahlhelm " Ehrhardt", Wifing- Bund", Jungdo" ufm., deren gewerffchaftsfeindliche Einstellung nicht zu bezweifeln ist, mit der Buge hörigteit zum Berbande nicht zu vereinbaren ist." Bon dem Kommissionsberichterstatter wurde hierzu ausdrücklich betont, daß die 3ugehörigteit zur Technischen Nothilfe" den Ausschluß aus dem Verbande zur Folge hat. зи Beschlossen wurde auch, das„ Storrefpondent- Obligatorium" erft nach der llebersiedlung nach Berlin wirksam werden zu laffen. Die Anträge auf Erhöhung der Unterftligungsfäße finden ihre Er ledigung durch Annahme der Kommissionsvorschläge, wonach bis 60 Proz. Beitragseinnahmen für Unter ftügungsamede zu verwenden sind. Die Unterstüßungssäge werden durchgehend erhöht. Die Ferienfrage soll durch Ver handlungen mit den übrigen graphischen Berbandsvorständen geflärt werden. Der ordentliche Mitgliedsbeitrag von 1,20 m. pro Woche bleibt bestehen. Er wird vorläufig erhöht durch den Beie trag für das Verbandshaus. Die bisherigen geschäfts. führenden Borstandsmitglieder, die Sekretäre und Redakteure wurden miedergewählt. Ms Drt für den nächsten Berbandstag wird Berlin bestimmt. Damit ist die Tagesordnmug des Berbandstags erledigt. Nach ben üblichen Susansprachen wird der Berbands tag um 4 Uhr mit einem Hoch auf den Berband geschlossen. Deutscher Baugewerksbundestag. Hamburg, 6. September.( Eigener Drahtbericht.) In der Abendsihung des dritten Berhandlungstages wird mit ber Beratung des dritten Punktes der Tagesordnung, ohnbe wegung und Tarifverträge", begonnen, zu dem Töpfer Dom Bundesvorstand das einleitende Referat hält. Er geht zunächst auf die schwierige Zeit der Inflation ein und betont, daß auch nach der Martstabilisierung niedrig gehaltene Löhne das typische Mertmal waren. Gin michi zu unterfchäzender Fortschritt sei bei dem Einfehen der Bautätigkeit zu verzeichnen gewefen. Aber noch nie seien für diese Erfolge jo gewaltige Anstrengungen und so große Opfer notwendig gewefen wie im ersten Halbjahr 1924. Heute müffe flargeftellt werden, ob vom Baugenertsbund ein neuer Abschluß Des Tarifvertrages angeftrebt oder der jetzige tariflose Bust and vorläufig beibehalten werden soll. Redner empfiehlt zum Schluß Annahme der Entschließung zum Abschluß eines Reichstarifvertrages. Otto vem Bundesvorstand macht noch Ergänzungen. Er nimmt im besonderen auf Grund einer vorliegenden Entschließung gegen die Einführung der Arbeitsdienstpflicht der Jugend Stellung. Rash 9½ Uhr werden die Beratungen auf Sonnabend 9 Uhr pertagt. Im Schlußwort ersucht Besper vom Bundesvorstand nochmals, der Entschließung zuzustimmen. Mit allen gegen vier Stimmen wurde die Entschließung zum Reichstarif angenommen, in der es u. a. heißt:„ Der Bundestag billigt die ablehnende Stellungnahme des Bundesvorstandes und Bundesbeirats zu dem Schiedsspruch vom 16. Juli b. 3., der die Bauarbeiter verpflichten wollte, während Verschlechterungen des abgelaufenen Reichstarifvertrages anzu6 Monaten im Jahre 58 Stunden möchentlich zu arbeiten und weitere nehmen. Der Bundestag Sonntag, 7. September 1924 nahme fand u. a. eine Anzahl von Anträgen, die vom Bundes. vorstand gestellt wurden und eine straffere Organisation, bezwecken. So find beispielsweise verschärfte Bestimmungen in die Sagungen eingefügt worden, die den Baugewerksbund den Regierungsstellen hin und betont, daß auf Grund dieser Besprechungen schon in allerfürzester Zeit der Bau des Mittellandkanals in Angriff genommen werde. Die Arbeit werde nicht aus Reichsmitteln, sondern durch eine gemischtwirtschaftliche Gesellschaft mit ausländischer Kapitalshilfe durchgeführt. Weiter sei von einer halben Privatgesellschaft unter dem Namen„ Reichskulturgegen die kommunistischen Gewerkschaftszerstörer wert" die kultivierung von Dedland in großem Maße schützen sollen. Weiter sind besondere Strafbestimmungen vorgesehen vorbereitet worden. Der Plan sehe vor, innerhalb 10 Jahren 500 000 für solche Mitglieder und Bertrauenspersonen, die gegen die Bundes bis 600 000 Kleinsiedlungen und Bauernstellen einzurichten. Nach fatzungen verstoßen, die mit bundesfeindlichen Parteien und Organi fationen längeren Ausführungen richtet der Redner an alle Funktionäre den wie der Roten Gewerkschafts- Internationale 84 bringenden Appell, ber Arbeitsbeschaffung größere Aufmerksamkeit Arbeiterschaft entgegenarbeiten. Beschlossen wurde ferner eine Neujammenwirken oder auch sonst dem Wohl des Bundes oder auch der zuzuwenden. In der Aussprache äußert sich ein Redner als grund- regelung der Beiträge und der verschiedenen un. fäßlicher Gegner des Reichstarifvertrages. Andere warnen vor zentralen Regelungen. Allgemein wird gegen die jetzige Form der den gegen eine Stimme angenommen. Die neuen Sagungen sollen terstügungssäge. Die Gesamtänderungen der Satzungen wurNot standsarbeiten Stellung genommen. stützungen dagegen jchon am 1. Oktober d. J. Weiterhin wurden die ab 1. Januar in Kraft treten, die Bestimmungen über Reiseunters einstellungen im wesentlichen wieder bestätigt. Zugestimmt Richtlinien für Lohnbewegungen und Arbeitswurde auch einer Entschließung zur tariflichen Gestaltung des Lehra lingsrechts unter Berücksichtigung einer von den dagendlichen beantragten Alenderung. Mit großer Mehrheit sprach sich der Ber. Zur Neuregelung der Anstellungsbedingungen der Angestellten des bandstag sodann für die Anzeigenannahme im Grundstein" aus. Baugewerksbundes wurde mit schwacher Mehrheit ein Kommissionsvorschlag angenommen, der den Angestellten allgemein vom 1. Sep. tember an eine 30prozentige Gehaltserhöhung zuspricht. Hinsichtlich der Wahlen der Delegierten zum nächſtjährigen Gewerkschaftsfongreß wurde die Ausschreibung der Wahl dem Borstand überlassen. Gegen hardt zum ersten Stellvertreter und Scheibel zum zweiten Stell eine Stimme wurden gewählt: Baeplom zum Vorsitzenden, Berit vertreter. Der übrige Teil des Bundesvorstandes bleibt in der bisa herigen Zusammensetzung bestehen. Weiter wurde auch noch die Bundesausschußmitglieder vorgenommen. Befchloffen wurde ferner, Wahl der Reichsfachgruppen- Obmänner fowie der Revisoren und der daß der Sitz vorläufig in Hamburg verbleiben soll. Dann folgten verschiedene Schlußansprachen, worauf unter Absingen eines Verses Deutschen Baugewerksbund nachmittags gegen 3% Uhr die Tagung des Sozialistenmarsches sowie mit einem dreifachen„ Hoch" auf den geschlossen wurde. lehnt eine regelmäßige und zwangsläufige Ueberschreitung des Achtstundentages und der 48- Stunden- Woche mit aller Entfchiedenheit ab. Der Bundestag will nicht jeder Ueberschreitung des Achtstunden Gründen zeitweilig lleberstunden notwendig find, so fönnen tages widersprechen. Wenn aus zwingenden wirtschaftlichen und dürfen die örtlichen oder bezirklichen Organisationen solche vereinbaren. Als Merkmal der Notwendigkeit gilt insbesondere eine Solche Ueberstundenvereinbarung muß zeitlich begrenzt fein rege und anhaltende Bautätigkeit und der Mangel an Bauarbeitern. lohn vergütet werden." und die lleberstunden müssen mit einem Zuschlag zu dem Tarif arbeit im Baugewerbe aus sowie gegen eine Verschlechterung des Die Entschließung spricht fich weiter gegen die Afford. Zustandes, der ben jungen Bauarbeitern zwei Jahre nach beendeter Lehrzeit den vollen Tariflohn gewährleistet. Ferner wird die Regu Tierung der Arbeitsbedingungen für die Baugewerfsmeister im Reichstarif verlangt. Unter Ablehnung der von den Unternehmern geforderten Berschlechterungen soll nach der Entschließung der Abfchluß eines Reichstarifvertrages angestrebt werden. Einstimmige Annahme fand ferner folgende Entschließung zur Notstands und Pflichtarbeit: Der englische Gewerkschaftskongreß. London, 6. September.( EP.) Der Rongreß hat heute beschlossen, ein Telegramm an Macdonald zu senden, um ihn für die gestern in Genf gehaltene Rebe zugunsten des Weltfriedens zu danten. Das Telegramm drückt die Hoffnung aus, daß die Borschläge Macdonalds " Der erste Bundestag des Deutschen Baugewerksbundes ftellt über die Abrüstung und das Schiedsverfahren von der Völkerbunds fest, daß die Art wie im Deutschen Reich in den letzten Jahren so versammlung angenommen werden würden. Der Delegierte Bromgenannte Notstandsarbeiten vorgenommen wurden, für die im Bau- len, Sekretär der Lokomotivheizer- Gewertschaft, schlug eine Ents gewerbe beschäftigten Arbeiter ein Mittel zur Verschtlech schließung vor, wonach der Rongreß der Regierung für die Unterbebingungen wurde. Die Bauarbeiter müssen es als eine terung ihrer Lohn- und fonstigen Arbeitszeichnung des englisch- russischen Bertrages seinen Dant ausdrüdt und Die Bauarbeiter müssen es als eine worin die Regierung aufgefordert wird, die nötigen Maßnahmen ihnen von der Reichsregierung angetane Berhöhnung betrachten, zur Unterzeichnung und zur Bekämpfung der Kampagne zu treffen, verträge für allgemeinverbindlich erklärt und hinterher wird. Diese Entschließung wurde ebenfalls angenommen. menn bie Regierung zuerst den Reichstarifvertrag und die Bezirks- die gegen die Unterzeichnung des englisch- russischen Vertrages geführt durch ihre Verordnungen verlangt, daß als Entgelt Ende der Sißung wurde eine Entschließung mit großer Mehrheit angenommen, worin gegen die Erklärung des Schazkanzlers SnowFrage der Teilnahme der Staatsbeamten am politischen Leben der den protestiert wird, wonach die gegenwärtige Regierung in der gleichen Ansicht fei mie die vorausgegangenen Regierungen. Diese erklärten, daß die Annahme der Motion durch den Kongreß einer Ber Entschließung wurde von zahlreichen Rednern befämpft. Mehrere urteilung der vom Kabinett Macdonalds geführten Bolitit gleichtomme. Die Motion wurde aber gleichwohl angenommen. für bauberufliche Arbelt die Erwerbslosenunterstüßung. genügen soll. Diese einander widersprechenden Regierungsmaßnah men, bie gleichzeitig das Ansehen der obersten Reichsbehörden zer Wert mehr beilegen. Die Bauarbeiter fordern aus vollswirtschaft störten, führten dazu, daß die Bauleiter den Tarifverträgen feinen fichen Gründen, baß für alle Bauarbeiten entweder der tarifvertrag fich festgesetzte Lohn oder, wo ein Tarifvertrag nicht besteht, der für Bauarbeiter übliche Lohn gezahlt wird. Motstandsarbeiten in der bisher beliebten Weise werden teurer als von Bauarbeitern zum Tariflohn ausgeführte Arbeiten. Ihr fittlicher Smed follte fein, Tariflohn ausgeführte Arbeiten. Ihr fittlicher 3wed follte sein, die Erwerbslosen vom Müßiggang abzuhalten und ihre Moral da durch zu stärken, daß fie für die ihnen von der Allgemeinheit zu fließende Unterstügung eine Gogenleistung in Form von Arbeit bringen follten. Erreicht wurbe, baß in den meisten Fällen bloße Anwesenheitsgelber gezahlt wurden und die an Erdarbeit gewöhnten Arbeiter erwerbslos wurden oder in ihrer Leistung zurüdbleiben mußten, um sich der Mehrheit anzupaffen." " pflicht angenommen. U. a. wird darin gesagt:" Wir bestreiten Ebenso wurde eine Entschließung zur Arbeitsdienstzunächst, daß die durch Dienftpflicht" ausgeführten Arbeiten wohlfeiler werden als die von freien Arbeitern ausgeführten. Darum und weil es erwerbslose Arbeiter genug gibt, die diese Arbeit leisten fönnen, ferner weil wir die Einführung des vertappten Mili tarismus nicht wollen und weil in der kapitalistischen Gesellschaft erfahrungsgemäß mit diesen Arbeiten nicht so sehr dem ganzen Bolt als einigen Grundbesigern gebient würde, befämpfen wir bis zur Umgestaltung der gesamten Wirtschaft die Arbeitsdienstpflicht, und verpflichten alle Mitglieder, das gleiche zu tun." Sodann erstattete Horter Karlsruhe Bericht über die Bes ratungen der Sagungsfommission, wobei gleichzeitig die Abstimmungen über die vorliegenden Anträge vorgenommen werden. AnFIM 21.2 SEPT Frankfurter Welle AUSKUNFTNESSAMT IN FRANK AM Vertreter für Groß- Berlin: Geschäftsstelle Kurt Battsek, Berlin C. 2, Hinter dem Gießhaus 3, Ill. Telegramm- Adresse: Hakafrank. Verkauf v. Meß ausweisen auch b. Reisebureau Hapag G. m. b. H., Berlin W.8, U. d. Linden 8. In der Bormittagsfigung des vierten Berhandlungstages erhält Billige Briketts! Silberschmidt vom Bundesvorstand das Wort zu einem Vortrag über die Frage der Arbeitsbeschaffung. Er weist auf die Berhandlungen der Organisation mit den maßgeben Keine Preisvorschr. Sommersprossen Creme 3joli, 33Jahre fich. bewährt, M. 1.50 Hermann Jacobyn Degerten Kohlenbahnh.Wedding Pernspr. 22/26 Platz 6.[ 78/ 20a Berlin 43 SO, Eisenbahnstraße 4 Am Der Gefretär des internationalen Arbeitsomtes, Albert Thomas, der in Hull eingetroffen ist, hielt heute nachmittag eine Rede, die vom Rongreß start beflatscht wurde. Er erklärte, daß die englischen Gewertschaften ständen. an der Spitze der Bewegung für die Befreiung der Arbeiterklasse Gewerkschaftstongres in Hull hat am Sonnabend beschlossen, ein London, 6. September.( Eigener Drahtbericht.) Der britische Spezialfomitee einzufegen, das die Vorteile und Nachteile prüft, britischen Imperiums erwachsen. dem System der Vorzugszölle zwischen den einzelnen Teilen des die der Industrie aus dem Freihandel, den Schutzöllen und aus hervorragend bewährt bei: Jogal buma, Grippe, Rheuma, Nerven- und Jschias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 74,3% Acid acet. salic., 0,46% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum. DAS D Botfelteibung Hauptgeschäft: Alexanderstraße 12. Rosenthaler Straße 55 Brunnenstraße 126 Zweiggeschäfte: Landsberger Allee 148 Frankfurter Allee 235 Boxhagener Straße 90 Neukölln, Bergstraße 65 Friedrichshagen, Friedrichstraße 76 Zu Beginn der Lehrzeit 9.50, 8.75.. braucht jeder junge Mann praktische, vorschriftsmäßige Arbeitskleidung. 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Die Einberufer derselben sind verpflichtet, die Versammlung bei der Ortsverwaltung so zeitig zu melden, damit ein Vertreter entfandt werden kann. Die Tagesordnung der Generalversamm lang ist folgende: 1. Raffenbericht vom zweiten Quarial. 2. Bericht der Revisoren. 3. Vortrag über „ Das Sachverständigengutachten". 4. An die Berwaltung gelangte Anträge. Die Bezirksleiter können die gedruckten Anträge vom Dienstag. Den 9. Geptember, ab im Verbandsbureau, Bimmer 5, in Empfang nehmen. Die Ortsverwaltung. Nur bei Fisen& Diamant Kaiserstr. 4 kau en Cinn fwofn Bottefoft für alle Rheumatismuskranke! Schmerzen in den Gliedern und Gelenken, geschwollene Gliedmaßen, verfrüppelte Hände und Füße, Zucken in den verschiedenen Körperteilen, ja felbit Schwäche der Augen sind vielfach die Folgen rheumatischer und gichtischer Leiden. 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