Abendausgabe Nr. 423 41. Jahrgang Ausgabe Nr. 212 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Montag 8. September 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die vertagte Kriegsunschulderklärung. Erster Erfolg der Bürgerblockdiplomatie. Wolffs Bureau teilt mit: Zu den widersprechenden Meldungen Was soll nun die deutsche Regierung tun? Sie soll einüber die Notifizierung der Erklärung der Reichs- fehen, daß sie sich von den Deutschnationalen auf den Weg regierung in der Kriegsschuldfrage erfahren wir folgendes: zu einer Esele i bringen ließ und soll nicht darauf bestehen, ihn zu Ende zu gehen. Sie soll den diplomatischen Klimbim mit der feierlichen Ueberreichung eines Schriftstücks, das man fowieso schon fennt, unterlassen. In der Kundgebung vom 29. Auguft d. 3. ist angekündigt worden, daß die„ Reichsregierung Anlaß nehmen werde, die Erflärung in der Kriegsschuldfrage den fremden Regierungen zur Kenntnis zu bringen". Da es sowohl aus technischen wie aus diplomatischen Gründen nicht möglich war, diese Notifizierung gleichzeitig mit der Abgabe der Erklärung vorzunehmen, mußte der hierfür geeignet erscheinende Zeitpunkt zunächst noch vorbehalten bleiben. In der Zwischenzeit sind an die Reichsregierung eine Reihe von Wünschen und Anregungen, insbesondere aus wirtschaftlichen Kreisen, hinsichtlich Form und Zeit der Uebermittlung herangetragen worden. Das Reichskabinett wird Anfang der nächsten Woche nach Rückfehe des Reichskanzlers und des Außenministers zu einer Sigung zusammentreten, um sich über Form und Zeitpunkt der Notifizierung fchlüffig zu werden. Borgetan und nachbedacht Hat manchem schon bitteres Leid gebracht. Deutschland hat schon gefährlichere und unheilvollere Augenblicke erlebt als den gegenwärtigen. Einen lächer licheren und erbärmlicheren noch niemals. Wie ein Schuljunge vor der Klasse, der sein Gedicht aufsagen soll, so steht die deutsche Regierung vor der Welt mif ihrer Erklärung zur Kriegsschuldfrage in der Tasche und druckst. Die Welt aber steht und fragt: Wird fie oder wird sie nicht?" Unwürdiger Zustand! Lächerliche Komödie! Was hat die deutsche Regierung, wenn sie ,, notifiziert", den fremden Regierungen mitzuteilen? Welches schauerliche Geheimnis birgt die diplomatische Aktentasche, von der man nicht weiß, ob sie sich öffnen wird oder nicht? Nun, dieses schauerliche Geheimnis ist das Geheimnis des Bolichinell. Am 30. August hats im Vorwärts" gestanden und wie im Vorwärts" auch in allen übrigen Zeitungen der Welt. Um den deutsch nationalen Jasagern einen innerpolitischen Erfolg zu gewähren, mit dem sie glauben, ihren Umfall vor den Wählern rechtfertigen zu können, hat die Regierung eine öffentliche Rundgebung erlassen, in der es zum Schluß heißt: Die Reichsregierung fann und will aber diesen bedeutsamen Augenblic, in dem sie in Durchführung des Versailler Vertrages schwere Verpflichtungen auf sich nimmt, nicht vorübergehen lassen, ohne in der Kriegsschuldfrage, die seit 1919 mit schwerem Druck auf der Seele des deutschen Volkes lastet, klar und unzweideutig ihren Standpunkt darzulegen. Die uns durch den Versailler Vertrag unter dem Druck übermächtiger Gewalt auferlegte Feststellung, daß Deutschland den Weltkrieg durch seinen Angriff entfesselt habe, widerspricht den Tatsachen der Geschichte. Die Reichsregierung erklärt daher, daß sie diese Festlegung nicht anerkennt. Es ist eine gerechte Forderung des deutschen Bolfes, von der Bürde diefer falschen Anklage befreit zu werden. Solange das nicht geschehen ist, und folange ein Mitglied der Völkergemeinschaft zum Verbrecher an der Menschheit gestempelt wird, kann die wahre Verständigung und Versöhnung zwischen den Völkern nicht vollendet werden. Die Reichsregierung wird Anlaß nehmen, diese Er klärung den fremden Regierungen zur Kenntnis zu bringen. Da die fremden Regierungen Zeitungen lesen, haben sie Aber diese inoffizielle Kenntnisnahme genügt nicht. Offiziell haben sie noch feine Ahnung. Darum müssen die Botschafter und Gesandten Deutschlands zu den respektiven Ministern des Auswärtigen fahren und ihnen das Schriftstück unter die Nase halten. Dann erst ist es offiziell. Die auswärtigen Regierungen haben die deutsche Regierung mit dringender Deutlichkeit ersucht, diesen Schritt zu unterlassen. Sie wollen nicht in die Lage kommen, Ant morten erteilen zu müssen, in denen sie auf die Volksstimmungen ihrer Länder Rücksicht zu nehmen gezwungen sind. Sie haben durchaus feine Luft, in eine Erörterung der Frage einzutreten, wer im Jahre 1914 angefangen hat. Wenn man sie aber dazu zwingt, werden ihre Antworten nicht ganz so ausfallen, wie es der deutschen Regierung gefällt. In Versailles ist die Schuldfrage von einem intompetenten Forum beantwortet worden. Nicht der handelnde Politiker hat zu entscheiden, sondern die unparteiische Geschichtsforschung. Die Staatsmänner von 1924. sind für die Lösung des Problems nicht kompetenter als die von 1919. Was sollen fie tun? Sollen sie Widerruf und Abbitte leisten? Das würde ihne vielleicht schlecht bekommen, es entspricht vielleicht auch nicht ganz ihren eigenen Ueberzeugungen, vielleicht auch nicht ganz den Resultaten einer objektiven Forschung. Die Regierungen des Auslandes wünschen nicht, die Geifter vom August 1914 aus den Gräbern zu rufen. Sie warnen die deutsche Regierung vor einem Schritt, der zu nichts anderem führen kann als dazu, daß Deutschland in die moralische 3solierung der Kriegszeit zurückgeworfen wird. Hätte sie den Anfängen gewehrt, so hätte sie sich eine peinliche Situation erspart. Wenn irgend möglich: Reden wir nicht mehr davon! Dieses eine aber muß doch noch gesagt werden. Die Situation, in der wir stehen, ist das erste groteste Ergeb nis der Bürgerblockdiplomatie. Kaum fangen die Deutschnationalen an, den Kurs des deutschen Reichswagens zu bestimmen, so steckt er schon wieder im Dreck. Und fann es anders sein? Was für unfähige Hanswurste die Deutschnationalen sind, haben sie in ihrem Kampf gegen die Verstiavungsgesetze" gezeigt, den Ruhm, mit dem sie sich dabei befleckert haben, wäscht ihnen fein Regen mehr ab. Wenn man dieser bösartigen Dummheit wieder den Platz auf dem Kutschbock gibt, so wird man bald merken, wohin die Reise geht. die Grundlagen für eine Regierung, die Deutschland nicht zu Es ist genug! Löst den Reichstag auf! Schafft die Grundlagen für eine Regierung, die Deutschland nicht zu blamieren braucht, weil die Blamierten es ihr befehlen! Zur Vorgeschichte. Ein Schreiben von Mary an Herriot und Macdonald. V. Sch. Genf, 7. September.( Eig. Drahtbr.) Nachdem die Nachrichten aus Deutschland beweisen, daß die Deffentlichkeit über ftandegekommen ist, nicht unterrichtet ist, erscheint es notwendig, die Umstände, unter denen der deutsche Kriegsunschuldsskandal zuetwas Licht in die höchst blamable Angelegenheit zu bringen. Das ist um fo nöliger, als hier die Dinge immer weitere Kreise ziehen. Am Freitagnachmittag wurde Herriot und Macdonald je ein persönliches Schreiben des Reichskanzlers Marg übergeben. In diesen Briefen entschuldigt sich Marr, daß er die kriegsschuldfrage auf der Londoner Konferenz nicht angeschnitten habe, und daß er es jetzt lun müsse. Man solle seine Absichten nicht mißverstehen. Deutschland wolle sich seinen Reparationsverpflichtungen feineswegs entziehen, aber das deutsche Volt betrachte sich als unschuldig am Kriege und er, der Kanzler, fühle fich moralisch verpflichtet, diefen Gefühlen Ausbrück zu verleihen, indem er in den aller nächsten Tagen eine solche Erklärung den alliierten Regierungen offiziell notifizieren werde. So der ungefähre Inhalt der zwölf Seiten langen Briefe. Das gefirige WEB.- Demenfi, wonach Dr. Marg feinen Brief an Herriol in der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund gerichtet habe, ist zwar formell richtig, verschweigt aber die Tatsache, daß er an ihn einen Brief in der Kriegsschuldfrage gerichtet hat. Dieses unaufrichtige Dementi hat gerade noch gefehlt, um den katastrophalen Eindruck zu steigern, den die Ankündigung der Neberreichung einer Kriegsschuldnote hier gemacht hat. Nur diejenigen in Genf, die Deutschland feindlich gefinnt find, 3. B. Perfinar und Konsorten, oder die Deutschland im Völkerbund ungern fähen, z. B. die Polen, freuen sich über den Liebesdienst, den ihnen Deutschland unverhofft geleistet hat. Die aufrichtigen Freunde Deutschlands in der Welt sind über diese bedenlose Dummheit ehrlich entfett. derartige Verpflichtung übernimmt und die schwach genug ist, fich von ihren Gegnern einen Schritt vorwärtstreiben zu lassen, der ihrem eigenen Programm widerspreche. Sowohl Macdonald wie Herriot und Theunis hätten ihre Gesandten in Berlin angewiesen, die Reichsregierung vor der schweren Verantwortung zu warnen, die mit einem derartigen Schritt verknüpft sei. Außerordentlich bezeichnend ist es, daß die Pariser nationaliftische Presse den neuen deutschen Schildbürgerstreich mit Jubel begrüßt. So spottet das Echo de Paris" über die Anstrengungen, die man in Genf gemacht habe, um den Reichskanzler Marg von der Veröffentlichung der angefündigten Proklamation abzubringen. man sehe nicht recht ein, schreibt das Pariser Hetzblatt, warum der franzöfifchen Regierung soviel daran gelegen sei, daß Deutschland sein wahres Gesicht versteck e. Es sei bei weitem vorzuziehen, wenn das Deutsche Reich seine wahren Absichten art den Tag lege. Im Gegensatz zu diesen Hezversuchen, die am besten klar legen, wen durch die deutschnationalen Entgleisungen der Reichsregierung gedient wird, versucht die linksstehende Pariser Presse die deutsche öffentliche Meinung vor einer solchen Politik eindringlichst zu marnen. So schreibt die der Regierung nahestehende ,, Ere nouvelle": Wenn Deutschland die Nichtverantwortlichkeit am Kriege pro flamieren würde, so würde es dabei der jungen Demokratie, die aus der Niederlage des Militarismus entstanden sei, den Todes. stoß versehen. Die Demokraten Frankreichs feien bis jetzt bereit gewesen, Deutschland die Tore des Tempels zu öffnen, in dem die Vorhaben bestehe, so werde die deutsche Demokratie den bis jetzt freien Völker berieten. Wenn die deutsche Regierung auf ihrem gewonneren Boden wieder verlieren. Die Proflamation über die Kriegsschuld würde im übrigen die große Mehrheit des deutschen bestimmte Fraktion des Reichstages zu b Bolkes nicht befriedigen. Sie sei lediglich dazu k mt, eine n. Es sei zu hoffen, daß die Deutschen mit gesundem Menfa... erstand sich gegen einen Beschluß auflehnen würden, der weiter nichts bedeute, als ein Trinkgeld für die nationalistische Partei, die aber tatsächlich ohnmächtig und moralisch diskreditiert sei. Wenn Deutschland diese Warnung nicht verstehen würde, so würde es sein Schicksal in Gefahr bringen und alle diejenigen entmutigen, die ihm einen ernsthaften Platz im europäischen Konzert einräumen wollten. Deutschland bleibt bei seiner Unterschrift. Eine Mitteilung der Reichsregierung. Paris, 8. September.( WTB.) Wie Petit Parisien" mitteilt, wußte man gestern abend am Quai d'Orsay noch nicht, ob die deutsche Regierung die angekündigte Erklärung über die Kriegsschuldfrage notifizieren werde oder nicht. Das Blatt erfährt aber von autorisierter Seife, die Berliner Regierung habe mitteilen laffen, daß sie, wenn sie erkläre, daß Deutschland nicht für den Krieg verantwortlich gemacht werden könne, in feiner Weise die ihr nach den Bestimmungen des Versailler Bertrages auferiegten Verpflichtungen, die Reparationen und Schäden zu bezahlen, ableugnen wolle, und daß sie insbesondere ihre Unterschrift unter die Londoner Abmachungen nicht desavouieren wolle. Dabei ist man sich gerade in den führenden französischen Kreisen durchaus deffen bewußt, daß Mary diefen Brief wider beffere Einsicht gefchrieben hat. Es wird behauptet, fegar Staatssekretär v. Malzahn, der sonst in Bölkerbundstreifen nicht gerade als sehr einfichtig gift, habe dringend davor gewarnt, die Schulderklärung zu nofifizieren, daß er aber dazu den formellen Befehl von Stresemann erhalten habe; dieser hätte sich den Deutsch- fanzler den Völkerbundgedanken anerkannte. Die bisherige teilweise nationalen bei dem letzten Kuhhandel vor der Reichstagsabftimmung gegenüber dazu verpflichtet, sonst müßte er zurücktreten. Das ist es gerade, was die Empörung gegen Deutschland besonders erregt: auf Geheiß der Deutschnationalen, also der Verfechter des alten Regimes, will Deutschland diesen Scheit unternehmen! Man betrachtet das hier allgemein als einen Borgeschmack der Außenpolitik des fommenden Bürgerblods, und die Wirkung ist auch danach: die ganze Welt schließt sich wieder gegen Deutschland zufammen! Verwirrung und Verlegenheit. Näheres über den Inhalt des Reichskanzlerbriefes teilt der Genfer Berichterstatter des" Petit Journal" mit. Danach hätte Marg in verwirrten, aber höflichen Ausdrücken" zu erkennen gegeben, daß er das Versprechen zur Veröffentlichung der Proflamation nur deshalb gegeben habe, um die Zustimmung der Deutsch nationalen zu den Dawes- Gesetzen zu erhalten. Der Reichskanzler habe hinzugefügt, daß die Proklamation die Haltung der Reichsregierung in feiner Weise ändere. Der Berichterstatter schreibt weiter, daß nicht allein Macdonald und Herriot über den neuen Beweis der psychologischen Ungeschicklichkeit Deutschlands erstaunt gewesen seien. Der gute Wille des Reichskanzlers sei nicht zweifelhaft, aber was folle man von einer Regierung denken, die eine W Der Völkerbund und Deutschland. Rede Dr. Breitscheids in Genf: Genf, 8. September.( Eigener Drahtbericht.) Vor der interparlamentarischen Studentenkonferenz hielt Genosse Dr. Breitscheid am Sonntag abend eine politische Rede über Deutschland und der Völkerbung". Er bezeichnete den Krieg als den Wegbereiter für die Bölterbundsidee, da allein die internationale Berständigung ein europäisches Chaos verhüten kann. Es ist ein weiter Weg vor der Haager Konferenz bis zu dem Oktober 1918, als Prinz May von Baden als ReichsAblehnung des Bölkerbundes in Deutschland ist begründet durch die Verbindung mit dem Versailler Vertrag, der den Völkerbund als eine von den Friedensbedingungen schuf. Deutschland wurde damals nicht aufgenommen. Die Entscheidungen des Bölkerbundes über Eupen Malmedy und Oberschlesien mögen zwar for mell richtig sein, aber fie verstoßen gegen das Selbstbe stimmungsrecht der Völker. Deshalb besteht die Auffassung, daß der Völkerbund ein Instrument der Siegerstaaten, aber fein demokratisches Institut sei. In weiten Arbeiterkreisen Deutschlands bestand damals der Glaube an die bevorstehende Weltrevolution und deshalb eine gewiffe Reserve gegenüber dem Bölferbund. Heute ist ein entschiedener Bandel zu verzeichnen. Eine große Mehrheit des deutschen Volkes wünscht heute den Eintritt in den Völkerbund. Auch di deutsche Regierung ist damit einverstanden. Innerhalb der deutschen Demokratie ist die Sozialdemokratie die Trägerin des Gedantens der internationalen Berständigung. Eine Aenderung bestehender Grenzen und Verträge durch Gewalt ist unmöglich, obwohl die Festsetzung der Oftgrenzen das Selbstbestimmungsrecht verletzten, Die deutsch- französische Verständigung ist ein euro päisches Problem. Es ist teine andere Möglichkeit für den Frieden Europas zu sehen, als die Annäherung beider Bölker. Die Aufrollung der Schuldfrage ist bedauerlich, da sie nur Unruhe stiftet, eine grundsägliche Klärung der Kriegsschuldfrage aber nur durch die Geschichte möglich ist. Dazu ist Boraussetzung die Deffnung aller | Archive und die Ablehnung der Hofgeschichtsschreibung aller Länder. Folgen der Thüringer Ordnungsblockpolitik Rechtsfäule, die im Frühjahr, als zwei Landwirte wegen ButterDie obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit ist nur denkbar, wenn der Völkerbund reale Machtmittel besitzt. Wirtschaftliche Santtionen allein sind unzureichend. Nordamerika tann z. B. Rußland unmöglich bontottieren. Der Redner fordert den baldigen Eintritt Deutschlands in den Bölferbund. In seiner heutigen Verfassung sei der Völkerbund fein Jdeal, sondern nur eine Zwischenlösung, da eine Gesellschaft auf proletarischer Basis heute noch nicht möglich sei. Aber der Völkerbund sei heute der Knotenpuntt euro= päischer Politik. Deutschland muß aus der Isolierung heraus, durch seine Mitgliedschaft schadet es nur sich, nicht dem Bölferbunde Der Rebner fordert zum Schluß die Ueberwindung falsch verstandener Souveränitätsgefühle durch die europäische Gemeinschaft. Macdonald und Herriot über Genf. London, 8. September.( Reuter.) Macdonald ist von der Bölferbundstagung in Genf gestern abend zurückgekehrt. Auf Herriots dringende Bitten brachte Macdonald die Nacht in dem französischen Salonwagen der Regierung zu. Er äußerte sich in einem Interview:„ Die Grundlagen für den zukünftigen Frieden der Welt find gut gelegt worden. Wir alle haben mit Ernst und mit Einmütigfeit hinsichtlich des Zieles uns bemüht, um die Greuel des Krieges zu verhüten, zu welchen die Welt getrieben würde, wenn Mißverständnisse, Eifersüchteleien und Rüftungen weiter bestehen könnten. Die Namen Herriot und Genf werden für immer mit der neuen Weltära verbunden sein. Dies ist nur der Anfang, und die Einzelheiten müssen noch ausgeführt werden. Aber ein gesunder Anfang ist gemacht worden, und das Werk wird stetig und täglich fortgesetzt werden, bis wir das Ende sehen können." Herriot fagte in einem Interview:„ Für die erste Zeit haben wir ernstlich praktische Maßnahmen ins Auge gefaßt, um den Frieden in Kraft zu sehen und zu sichern. An allen Universitäten und Schulen muß gelehrt werden, daß unsere Länder den Frieden wünschen, und so müssen wir die zufünftige Generation erziehen, welche nach dem Abkommen von Genf leben wird, das aufgebaut ist auf der englischfranzösischen Berständigung." Paris, 8. September.( WTB.) Herriot hat gestern abend nach feiner Rückkehr aus Lyon die Vertreter der französischen Presse empfangen und ihnen seine Befriedigung über den Abschluß der Genfer Verhandlungen zum Ausdrud gebracht. Er selbst halte damit feine Aufgabe in Genf für beendet und werde nicht mehr dorthin zurückkehren. Die Einberufung einer internationalen Entwaffnungsfonferenz sei sehr schön, aber er sei der Ansicht, daß eine verfrühte Konferenz, weit davon entfernt, Frieden zu schaffen, ge= wisse Gesichtspunkte sogar verdunkeln könnte. Auch sei er der Ansicht, daß der Völkerbund allein qualifiziert sei, eine derartige Konferenz einzuberufen, denn was würde es denn Gefährlicheres geben, als die Friedensorganismen miteinander in Krieg zu bringen? Die Kommissionen würden sich jetzt an die Arbeit machen, und es sei möglich, daß es ihnen bis zum Ende des Monats gelinge, das Terrain zu reinigen. Er wolle aber feine Prophezeiungen machen. Die Erzberger- Mörder. Das AuNieferungsverfahren eingeleitet. Budapest, 8. September.( TU.) Der deutsche Gesandte, Graf Welget, ist aus Berlin hierher zurückgekehrt. Er hat von der deutschen Regierung in der Angelegenheit der Auslieferung der Erzberger- Mörder wichtige Informationen erhalten und wird sie der ungarischen Regierung vorlegen. Die deutschen Behörden vertreten den Standpunkt, daß der verhaftete Heinrich Förster mit Heinrich Schulz identisch ist. Sie fordern daher, daß das Auslieferungsverfahren ohne jedes weitere Agnofzierungsverfahren durchgeführt merde. Trotzdem, der deutsche Kriminalbeamte Bloß die Identität Försters mit Schulz schon in Budapest festgestellt hat. hat er die in Budapest aufgenommenen Photographien des angeblichen Förster nach Deutschland gebracht und sie dort den Bekannten des Schulz vorgewiesen, welche ihn gleichfalls erkannt haben. Das Protokoll über diefe Identitätsfeststellung wurde den ungarischen Behörden übergeben. Der Gesandte, Graf elget, erschien bereits gestern im Ministerium für Aeußeres, um die Durchführung des Ausliefe rungsverfahrens einzuleiten. Maimun. Bon Paul Gutman. Sozialdemokratischer Sieg bei Gemeinderatswahlen. Weimar, 8. September.( Eigener Drahtbericht.) In den von ber thüringischen Regierung ausgemeindeten Orten Schweina, Steinbach und Bad Liebenstein fanden am Sonntag Neuwahlen zum Gemeinderat statt. In Schweina erhielten die Sozialdemo fraten 7 Size, die Kommunisten keinen und die bürgerlichen Barteien 4. In Steinbach entfielen auf die Sozialdemokraten 6 Mandate, die Kommunisien brachten es auf 1 und die burger: lichen Barteien auf 4. Bad Liebenstein, das durch seine wirt. schaftliche Struktur feine besonders gute Position für die Sozial demokratie bietet, wird einen Gemeinderat erhalten, in dem 3 Sozialdemokraten, 1 Hausbefizer und 7 bürgerliche Vertreter einziehen. Die Sozialdemokratische Partei fonnte in Schweina einen Stim. menzuwachs von 23 Proz. gegenüber der letzten Landtagsund Reichstagswahl buchen, während die Kommunisten einen Verluft an Stimmen von rund 30 Proz. zu verzeichnen haben. Auch die bürgerlichen Parteien brachten weniger Stimmen als bei den letzten Wahlen auf. Aehnlich verhält es sich bei der Wahl in Steinach, wo nur die Sozialdemokratie an Stimmen gewann. Kommunistentumult in Greiz. Greiz, 8. September.( WTB.) Hier ist es gestern zu schweren Busammenstößen zwischen Kommunisten und Bolizei gekommen. Aus ganz Thüringen und aus der Provinz waren gegen 600 Rommunisten in Greiz zufammengefom men. Als sie, die Internationale fingend, mit roten Fahnen durch die Straßen zogen, trat ihnen die Polizei entgegen. Es kam zu heftigen Zusammenstößen, doch behielt die Polizei die Oberhand. Wiederholt wurde die Menge auseinandergetrieben. Als sie sich immer wieder zusammenrottete, rief man Landespolizei aus Gera und Weimar zu Hilfe. Die Kommunisten hatten eine Anzahl Berlegte, darunter drei, die von Samaritern abtransportiert werden mußten. Auch eine Anzahl Verhaftun gen sind vorgenommen worden. Nachdem die Verstärkungen der Polizei eingetroffen waren, zerstreuten sich die Demonstranten. Heute herrscht Ruhe. Dortmund, 8. September.( WTB.) Als der fommunistische Führer Kirch Sonnabendabend verhaftet werden sollte, scho Ber aus zwei Pistolen auf die ihn verfolgenden Schuhleute und Zivilpersonen. Ein Kriminalbeamter und ein Schuljunge wurden durch Schüsse verlegt, eine Frau durch einen Schuß in den Leib sofort getötet. Die Verfolgung des Verbrechers, der sich auf ein Fahrrad geschwungen hatte, wurde in einem Automobil fortgesetzt, und Kirch wurde schließlich verhaftet. Deutsches Recht. Beiträge zur Klassenjustiz. Man schreibt uns: In Greifswald wurden am 25. August die völkischen Junker v. Malzahn und Graf Hardenberg wegen roher Beleidigung des Reichspräsidenten zu 100 bzw. 75 M. Strafe verurteilt. Am gleichen Tage stand vor dem Schöffengericht in 3eiz Gen. Bergholz, Schriftleiter des sozialdemokratischen Parteiblattes, als Angeflagter, weil er in einer Versammlung gegen den Stahlhelm gehegt und zu Gewalttätigkeiten aufgefordert" habe. 3wei Stahlhelmleute waren die Belastungszeugen. Sie wider sprachen sich zwar in einigen wichtigen Buntten, hatten jedoch übereinstimmend in der Aeußerung, daß der Stahlhelm falt= gestellt werden müsse, eine Aufforderung zu Gewalttätigkeiten erblidt. Sie fonnten nicht leugnen, daß Bergholz ausdrücklich erflärt hatte, die Sozialdemokratie fämpfe nur mit geistigen Waffen, trotzdem blieben fie dabei, die Anfündigung, der Stahlhelm müßte faltgestellt werden, habe eine Aufforderung zu Gewalttätigkeiten bedeutet. Fünf Berfammlungsbesucher bezeugten bas Gegenteil, Bergholz habe sich nur gegen die meuchelmorde von rechts gewendet. Das nügte alles nichts. Der Amtsanwalt beantragte zur Beruhigung der zarten Stahlhelmgemüter drei Monate Gefängnis gegen Bergholz. Das Gericht erfannte auf einen Monat Gefängnis. Der Amtsanwalt war übrigens dieselbe fichere wuchers angeflagt waren, Freisprechung beantragte, während das Gericht zu einer Berurteilung gelangte. Greifswald Zeiß, Reichspräsident Stahlhelm, erwiesene rohe Beleidigung feine Beleidigung, 100 Mart Geldstrafe- ein Monat Gefängnis. Fest liegt die Binde über den Augen der Richter. * wäsche„ beleidigter"„ Inhaber des EK." ab, die für unsere RechtIm Badeort Salzungen spielte fich fürzlich eine Mohrenſprechung bezeichnend ist. Bei dem Thüringer Wahlkampf ſolite Genossen Heinrich Edardt in Bad Salzungen in zwei Ber fammlungen die" EK.- Ritter" dadurch gekränkt haben, daß er laut Anklage ihnen nachsagte:„ diejenigen, die am meisten stahlen, hätten das EK. bekommen". Der Angeklagte stellte demgegenüber die Behauptung auf, daß seine Erflärung falsch wiedergegeben und in ihrem Sinne durch zusammenhanglose Wiedergabe noch mehr entftellt sei. In Abwehr von Angriffen auf die frühere sozialdemokratische Thüringer Regierung, der Verrohung der Jugend burch Greils Schulpolitik und durch übermäßige Begnadigungen zur Laft gelegt worden wäre, hätte er diese Verwahrlosung der Jugend, sowohl rechts wie links, als Kriegsfolgen bezeichnet. Mangelhaft erzogen und moralisch ungefestigt seien die jungen Leute in den Krieg gekommen, hätten dort nichts als Mord, Raub, Diebstahl und Vernichtung von Werten gefehen. Wer sich da am meisten hervorgetan, hätte schließlich noch das Eiserne Kreuz erhalten. Solche Auszeichnung hätte zur Berwirrung und Lockerung moralischer Grundsäße führen müssen, so daß die infolgedessen straffällig gewordene Jugend besonderer Nachsicht und Gnade bedürftig fet. Eine Beleidigung der ER. Inhaber habe ihm ferngelegen. Ja, er hatte an die Möglichkeit einer solchen überhaupt nicht gedacht, zumal von der großen Zahl der Strafantragsteller ihm gerade zwei bekannt seien, diefe aber troß der angeblichen Diebstahlbezichtigung noch heute genau so freundlich und achtungs voll mit ihm verfehren wie früher, also fich faum in so schwerer Weiße beleidigt fühlen dürften. = Die Anflage stützte sich auf die Aussage eines Beugen, des Generalsekretärs der Deutschen Boltspartei in Meiningen, Knittel, der seine Aussage damit bekräftigte, daß er die von ihm behauptete Aeußerung sofort stenographiert haben will. Wider= legt wurde sie durch mindestens ein halb Dugend 3eugen, die Eckardts Angaben nicht nur bestätigten, sondern noch durch Schilderung der dadurch empfangenen Eindrücke start unterstrichen. Darunter befanden sich selbst EK.- Inhaber und Väter von solmen. Trohdem fonach Behauptung gegen Behauptung stand, kam das Gericht zu einer Berurteilung des Genossen Edardt zu 100 m., eventuell 10 Tagen Gefängnis und den üblichen Nebenauflagen. Neben der wunderlichen Beweiswürdigung des Gerichts scheinen in seinem Urteil sowohl formale als.materielle Rechtsgrundsäge verlegt, so daß zweifellos Anfechtung erfolgen wird. Der vom Landtag eingefehte Untersuchungsausschuß zur Nachprüfung von Strafverfolgungen, der insbesondere auch die Anflagen nachprüfen soll, die in der Gumbellschen Broschüre Fünf Jahre politischer Mord" erhoben worden find, trat heute zu. feiner ersten Sigung unter dem Borsiz des Abg. Göbel( 3.) zuſammen. Die Verhandlungen sind vertraulich. Eine eventuelle Beweisaufnahme wird in öffentlicher Sigung erfolgen. Von der Börse. Die Börse eröffnete beim Wochenbeginn in vorwiegend schwächerer haltung. Besonders start rüdgängig waren bis Rurfe am Anleihemarkt, wo offenbar durch die heftigen Schwanfungen am Schluß der vergangenen Woche ganz erhebliche Ber lufte entstanden sind. Man handelte gegen Mittag Kriegsanleihe mit 1040-1050, 3wangsanleihe mit 27-28 und Schuhgebiets= anteile, die am Sonnabend im Berkehr von Bureau zu Bureau bis auf 12 gestiegen waren, heute mit 9% bis 9%. Im Devisenverkehr machte sich eine stärtere Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln geltend, die offenbar in engem 3usammenhang mit der zunehmenden Importen von Industries rohstoffen und Getreide stehen. Am Geldmarkt zeigte sich feinerlei Veränderung. Der Kämpfer und Märtyrer Toller mußte zum Schlusse stürmischen Hervorrufen des dichtbefehten Hauses Folge leisten. 238. Türke, aufs Podium und hielt. in übersprudelnden, schwer verständ-| von Wolfgang Zeller war dem Puppenspiel in Rhythmik, Melodik lichen Worten, zitternd vor Erregung, eine Rede, worin er mich und Instrumentation treffend angemessen. als einen Schwindler bezeichnete und behauptete, das Wort„ Maimun" sei türkisch und bedeute: der Affe. Ein Teil der Menge begann gegen mich Partei zu nehmen. Hetzer, die meine Konkurrenz für ihre politischen Versammlungen fürchteten, schürte die Auf regung und trieben den beginnenden Sturm zum Orkan. Viele Stimmen brüllten, ich möge mich rechtfertigen. Das Ringer meiner prominentesten Zeitgenossen nach einer Weltanschauung ließ auch meinem Ehrgeiz keine Ruhe. Die einzige Eigenschaft, die heutzutage noch einem Mann Bedeutung verleiht, ift, wie ich flar erbannt habe, eine gut funktionierende Weltan. schauung. Astrologie, Epiritismus, Mazdaznan, das Wunder der Ich gewann durch eine Seitentür das Freie, lief durch die Kristallfugel, die mystische Lotosblume, alles das sind beneiders Gassen der Stadt wie ein gehetztes Wild zum Bahnhof, wo es mir werte Eingebungen. Ich suchte die bedeutendsten Apostel der ver gerade noch gelang, den abfahrenden Zug nach Berlin zu besteigen. schiedensten Richtungen fennen zu lernen: äußer, Steiner, Schulze- Maimun heißt, wie ich hiermit feststelle, in der Tat: ber Affe. Der Rummelsburg, und fand in ihnen allen eine gewaltige Geistesstärke. Allmählich aber hatte ich herausbekommen, daß Weltanschauung erlernbar ist, wie Radfahren, Schlittschuhlaufen, Shimmytanzen, wie man ein Haarmiel fabrizieren kann, ebenso läßt sich eine Weltanschauung erfinden. Ich dachte Tag und Nacht über eine solche nach, und endlich fiel der zündende Punkt in mein Gehirn, und ich erfand das Maimun. Zuerst ließ ich mir einen Bart wachsen, um meine bisherige Unbedeutendheit zu verbergen. Dan legte ich meine nachlässige Sprechweise ab und redete gemessen und ergriffen. Bom Sinn des Lebens und dem wahren Weg, von der Erweckung und inneren Erleuchtung, vom Ziel und vom Wege zum Ziel, vom Anfang und Dom Ende, von der Mitte und dem Kreislauf aller Dirige. Je weniger ich wußte, was ich redete, um so besser gelang es mir. Meine Zuhörerinnen, die meist den höheren Altersständen ange hören, dankten mir mit Tränen in den Augen. Nachdem ich mich anfangs in geschlossener Privattreifen versucht hatte, wagte ich mich mit meinem Maimun in die Deffent lichkeit. Berlin war mir noch ein zu heißer Boden, weshalb es mich mehr ins Mecklenburgische und hinterpommersche zog. Mein Erfolg übertraf felbst den der Redner in den völkischen Bersammlun gen. Man schwor bereits mehr auf Maimun als aufs Hafenkreuz. Nach und nach zog ich in die Nähe der Hauptstadt und veranstaltete meinen großen Abend in T... n. Der Saal war gestedt voll. Ein Studienaffeffor hielt eine flammende Begrüßungsrede, worin er Maimun über alle befannten philosophischen Systeme Europas und Indiens stellte und mich als eine Kreuzung von Spengler und Tagore feierte. Ich sei gewissermaßen der Ludendorff der Weltanschauung. Dann fing ich vor der ateralosen Menge zu reden an. Ich sprach vom Ziel und vom Wege zum Ziel, vom Anfang und vom Ende, von der Erweckung und der Erleuchtung, vom Sinn des Lebens und der alles überwindenden Kraft meines Maimun. Der Erfolg war beispiellos. Aber in meinem lebermut hatte ich nicht mit dem Neid meiner Feinde gerechnet. Kaum hatte der Beifall geendet, so sprang ein Mann, seinem Aussehen nach ein Erfolg bei meiner Gemeinde hat den Namen Maimun gerechtfertigt. Noch heute schwören auf mich gegen 60 000 Maimunisten, die mich in den fünftigen Reichstag wählen wollen. Ich lehne aber dankend ab. die Boltsbühne ihre literarischen Darbietungen der beginnenden SpielToller- Matinee in der Boltsbühne. Die Toller- Matinee, mit der Persönlichkeit vom geistigen und menschlichen Charakter Ernst Tollers zeit eröffnete, war eine mehr ethische als fünstlerische Tat. An einer darf eine Boitsbühne am allerwenigsten vorübergehen. Ihr Eintreten für eine solche Persönlichkeit gilt in erster Linie dem Ringen der heranreifenden Jugend um fulturelle und ethische Neuformung der Menschen- und Bölfergemeinschaft und zugleich dem Kampfe gegen die tonservativen gesellschaftlichen Mächte, die gipfelnd in der bayerischen Justiz sich dieser historisch notwendigen Neuformung T. 26 egner in seinen warm empfundenen einleitenden Worten entgegenstemmen. Toller ist zurzeit, wie der Dichtergenoffe Armin ausführte, der mortgewaltigste Vertreter dieses Strebens der kommen den Generation. In der Synthese zwischen Mensch und Dichter, die er verkörpert, überwiegt einstweilen noch das menschliche Moment, aber dies menschliche Moment hat für unsre Jugend vorbildlichen Wert. Die Fefle Coburg. Der schönste Luginsland Frantens und cine der interessantesten deutschen Burgenlagen, die Feste Coburg, ist Sonnt neu eingeweiht worden. Bodo Ebhardt hat die Burg von Grund auf erneuert und ihren alten Charakter wieder hergestellt. Das altvertraute Bild ist dadurch in manchem geändert worden. Immerhin ist fein solches Monstrum entstanden wie die Hohlönigsund Trugbau im Elsaß türmte. Es ist ja ein eigenes Ding mit folcher burg, die derselbe antiquarische Baumeister als faiserlichen BrunfRenovierungen, das Alte fann nie wieder erreicht werden, und selbst wo die Annäherung gelingt, fehlt die Batina und das historische Gefühl. Die Neubauten und Hinzufügungen, die die Jahrhunderte vorgenommen haben, sind ja schließlich auch historisch und verdienen eine gewisse Respektierung. Der vorlegte Erneurer der Feste Coburg, Heideloff, hat ja sicher bei allem guten Willen manches falsch retonblauem Schiefer oder roten Biegeln historisch richtiger sind, das ist struiert, was Ebhardt heute getreuer macht. Aber ob die Dächer mit effiert. schließlich keine Angelegenheit, die die Deffentlichkeit besonders interDer letzte Herzog von Coburg- Gotha, ein englisches Gewächs. wollte auf der Burg, die nicht die feiner Bäter war, restdieren, und da die Fundamente nachzugeben begannen, war für Bobo Ebhardt die große Gelegenheit da, seine Renovierungspläne dem fürstlichen Repräsentationswillen dienstbar zu machen. Der jezige Eingang zur Burg war von rückwärts, der Herzog mußte natürlich einen Aufgang nachweisen, daß der alte Zugang fo war. Biel Geld hat der Neubau von der Stadtfeite her haben, und Ebhardt fonnte dann auch glücklich verschlungen, eine Lotterie war veranstaltet, den Rest hat Bayern, dem ja Coburg zum Leidwefen vieler Coburger jekt angehört, zugeschossen. Für die reichhaltigen Sammlungen, die auf der Burg untergebracht sind, ist jetzt bessere Ausstellungsmöglichkeit. Ob der Er neuerer den Herzog mehr als dem historischen Charakter der Burg genügt hat, wird eine spätere Nachprüfung ergeben. fichtigung vor einigen Jahren erlaubte noch fein Urteil. einen der schönsten Blicke in deutschem Lande bieten auf eine Doch ob historisch, ob geändert, die Feste Coburg wird weiter herrliche Mittelgebirgsblide gewähren. Sie grüßt von weitem den " gartenumrandete Stadt zu ihren Füßen und die Sicht in die Weite Wanderer als ragendes Wahrzeichen der Jahrhunderte. Als ein menschlicher Mittler von heißem miterleben wedte Armin L. Wegner mit der Wiedergabe einiger Dichtungen Tollers aufführung der bramatischen Szene Bordelle des Krieges", starken Widerhall. Im Anschluß an diesen Vortrag erfolgte die Urdie aus dem Kreise von Tollers erstem Werke„ Die Wandlung" stammt, jedoc; ganz der tünstlerischen Gestaltungskraft dieses Werkes entbehrt. Der reiche Beifall, den diese Szene fand, galt wohl auch im wesentlichen ihrer flammenden antimilitaristischen Pathetik. An den Schluß der Morgenfeier war die Aufführung des zweiaftigen galanten Puppenspiels Die Rache des verhöhnten Liebhabers" gestellt. Das Stück ist eine fonventionelle Dramati fierung einer italienischen Novelle, eine Spielerei ohne dichterische Eigenart, deren Reiz nur in der spezifischen Eigentümlichkeit dieser dramatischen Gattung beruht. Die Darstellung fauf dem Werte einen brachten nur Armin Schweizer als gehörnter Gatte und Paul hübschen szerischen Rahmen, aber von den mitwirkenden Künstlern hendels und Thea Grodtezinsti als anmutiges Tänzerpaar den Marionettencharatter wirksam zur Geltung. Die Begleitmufit D. Der deutsche Friedenspreis. Das Preisgericht des Deutschen Friedens. preises, für den mehr als 4200 Einsendungen eingingen, jand feine Arbeit für den ersten Preis geeignet. Er wird daher zwischen die beiden besten Arbeiten geteilt. Das Ergebnis des Wettbewerbes wird erst Ende dieses Monats mitgeteilt werden. Borirage. Direktor Archenbold spricht Dienstagabend in der T: cptowSternwarte über den Mars. Hierbei werden auch neueste auswärtige Marszeichnungen von Jamaica usw. vorgeführt. Das große Fernrohr ( 21 Meter Länge) bleibt an diesem Abend den Besuchern für die Beobachtung sorgen für die Nüdfahrt. des Mars bis 1 Uhr nachts überlassen. Sonderwagen der Straßenbahn " Aus dem modernden Sumpf. Die scheinrevolutionäre Parlamentshysterie einer Ruth Fischer." Wir wollen vorweg bemerken, daß die Kraftworte in der Ueberschrift nicht von uns erfunden sind. Sie stammen aus einer Broschüre, die jetzt von der Arbeiterlinten" der Kommunistischen Internationale" zur innerparteilichen Disfussion" verbreitet wird. Bon dem in ihr behandelten modernden Sumpf", der sich abseits von dem breiten Strom der fozialistischen Arbeiterbewegung ausbreitet, hat sich in neuerer Beit diese kleinere Pfüze abgezweigt. Man findet sich in diesem fommunistisch- putschistischen Gewirr bald nicht mehr zurecht: Bolschewisten, Bentriften, Opportunisten, Radefisten, Arbeiterlinfe, Syndikalisten, Unionisten, Anarchisten, wer zählt die Richtungen, wer fennt alle Namen? Nur das eine ist sicher, daß sie wie bissige Hunde übereinander herfallen und sich gegenseitig aller nur möglichen Schandtaten bezichtigen. Jezi schlägt die Arbeiterlinke" gegen die Ruth Fischer- Scholem Zentrale los. Hören wir, was die Broschüre erzählt. " Ruth Fischer, der neue Führer", wird beschuldigt, daß sie den revolutionären Massen eine feige Lüge" ins Gesicht geschleudert habe, daß sie die Arbeiter genau so wie Brandler verraten und durch ihre Jagd nach Bosten in der Reichszentrale die Kampsinteressen verkauft habe". Wir erfahren weiter, daß die Moskauer Erefutive eine„ lignerische und konterrevolutionäre Losung" ausgegeben habe. Ihre Schlageter- und Agrartaktik find Schandpfähle, an welche die revolutionären Arbeiter die heutigen Führer der Dritten Internationale binden werden." Das kommunistische Reichstagstheater wird folgendermaßen geschildert: " Die scheinrevolutionäre Parlaments hysterie einer Ruth Fischer und ihrer Genossen kann bei den revolutionären Arbeitern nur das Gefühl der Verzweiflung erregen. Solch eine Art von zirkusmäßigem revolutionären" Rampf Bei den Sterndeutern. An den letzten drei Tagen der verflossenen Woche hat sich in Berlin ein Ereignis abgespielt, von dem nur wenige Kenntnis hatten. Am 4., 5. und 6. September togte nämich im Künstlerhaus der dritte Astrologentongreß. Die Astrologen aber, die der dritte Astrologentongreß. Die Astrologen aber, die halten sich für die wahren Männer der Wissenschaft". Nach der Gestirnkonstellation berechnen sie Charakter und Schicksal des Menfchen, und alles, was sie prophezeien, tritt mit derselben mathematischen Genauigkeit ein wie die Prophezeiungen aus dem Kaffeefat ober das Deuten des Schicksals eines Menschen aus den Linien der Hand. Daß die Aftrologie eine Wissenschaft ist, tonnte man auch bei diesem Astrologenfongreß schon daran erkennen, daß die Vortragenden mit Worten, die fein Mensch versteht( und das ist ja bekanntlich das Wesen der Wissenschaft), nur so herumwarfen. Da hörte man etwas von Tripon, Quadratur, Gegenschein, astrologische Prognose, und was der wunderbaren und schwer zu deuten den Worte mehr waren. Bet dem Kongreß wurde eine Reihe von Vorträgen gehalten, teils mit, teils ohne Lichtbilder und alle Redner betonten immer wieder nur in der Hauptsache das eine, daß die Aftrologie eine ernste und strenge Wissenschaft sei. Das Publikum, das, Gott sei es geflagt, von der Wissenschaft meistens nicht viel wissen will, hatte sich nicht sehr zahlreich eingefunden, und die wenigen, die im Künstlerhaus saßen, entfernten sich wieder, als die so unverständlichen und streng wissenschaftlichen Worte durch den Saal wirbelten. Das war ein Glück für das Publikum, nämlich daß es sich zurzeit entfernte, bevor der Geist Gefahr lief, gänglich verwirrt zu werden. Zwischendurch gab es auch recht erbauliche und sehr humoristische Zwischenspiele, als 3. B. das der Geburt, das Solarische, das Synodische, das Lunarische und die Horoskope Erzbergers gestellt wurden, die da heißen, Rüstzeug der Wissenschaft an die Schicksalsbestimmung eines Men das Tägliche. Kein Wunder, daß derjenige, welcher mit so schwerem schen herangeht, wirklich auch prophezeien kann, was dem betreffenden Menschen in der nächsten Zeit alles passieren wird. Und tatdessen Ermordung vorausgesagt habe. Tolle Kerle sind die Astrodaß er bereits acht Monate vor dem tragischen Tod Erzbergers Ingen und wehe, wer ihnen in die Hände fällt! Geheimnisse gibt es vor ihnen nicht, das Buch des Schicksals eines jeden liegt offen vor ihnen, so flar und deutlich wie der Himmel über einem ist. Man tann diesem mystischen Unfug nicht besser begegnen, als daß man darauf hinweist, daß es einen Philosophen Kant ge geben hat und einen Kopernikus, die alle diese aftrologischen Ammenmärchen durch eindeutige Erklärungen der Himmelserschei nungen endgültig abgetan haben. Wenn trotzdem immer noch heute Aftrologen und Astrologenfongresse Zulauf haben, so weiß man wirklich nicht, wen man mehr bedauern soll: die Herren Astrologen mit ihrer Wissenschaft", oder die Anhänger mit ihrer überhitzten und ungefunden Phantasie. gründet, daß der Zirkus Krone fein Berliner Unternehmen sei und während seines Aufenthaltes im Auslande Millionen verdient hätte und darum ruhig die Steuern zahlen könnte. Der 3irfus Krone hat einen täglichen Spesenfag von 14 000 bis 15 000 M. Wenn der Besuch auch nicht direkt schlecht zu nennen ist, so ist er jedoch nicht so, wie er sein müßte, um ein finanzielles Defiz t zu vermeiden. 3. B. betrug an einem Lage die Einnahme zirka 12 000 m., davon erhielt die Stadt zirka 3000 M Die D reftion des Zirkus erinnert daran, daß Direktor Karl Krone bei Beginn seines Gastspiels dem Jugen amt Brenzlauer Berg 20 000 m. gespendet hat. Der Streit um die Ansicht des Vorstehers. Die Stadtverordnetenversammlung wird in ihrer nächsten Sitzung den Bericht des Ausschusses entgegennehmen, der Genoffe 5 aß den§ 44 der Geschäftsordnung richtig auszur Prüfung der Frage eingefekt worden war, ob der Vorsteher gelegt hat. Ter Ausschuß hat heute am Vormittag gelagt und hat nach längerer Beratung einen Antrag des Genossen Weinberg angenommen, die Auffaffung des Borstehers zu billigen. Genosse Haß hatte den§ 44 der Geschäftsordnung( der sich auf den § 42 der Städteordnung stützt und aus diesem den Wortlaut übernommen hat) dahin ausgelegt, daß nach Beschlußunfähigkeit einer Sigung die eine nochmalige Beschlußunfähigkeit ausschließende Beftimmung nur für denjenigen Gegenstand gilt, bei dem die Beschlußdie den Bürgerlichen gerade mal nicht in den Kram unfähigkeit in der Abstimmung festgestellt wurde. Diese Auslegung, paßte, hat mit dazu dienen müssen, ihre Db ft ruftion gegen den Vorsteher Genoffen aß zu begründen". Zum Berichterstatter des Ausschusses ist Genosse Weinberg bestimmt worden. Durch eine offene Bahnabteiltür erschlagen. fann man höchst nüßlich den faschistischen Radikalen überlassen. Die fächlich, der Herr Vortragende fonnte mit Stolz darauf hinweisen, felben Nacht und am Sonntag noch vernommen hat, sagen aus, parlamentarischen„ Aktionen“ der Kommunisten sind nur dazu da, um den Proletariern Sand in die Augen zu streuen." Nachdem die fommunistische Führung noch des Betrugs", des„ schmählichen Verrats" bezichtigt, Geschäftskommunisten und unverantwortliche Politikanten genannt werden, kommit die Broschüre zu folgendem Ergebnis: ,, Aus dem modrigen Sumpf ist es unmöglich, eine starke Festung aufzubauen. Die fommunistische Bureaufratie, welche auf dem fünften Kongreß der Komintern versammelt war, hat den in ihr befindlichen Schmuh des Opportunismus nur aufgerüttelt und nicht beseitigt. 3ur Verirrung der Massen bemühten sich zynisch die Veranstalter des Kongresses die Verantwortung für die erlittenen Niederlagen auf die Schultern der bis über die Maßen fompromittierten Agenten der Brandler, Radek usw. zu laden. Aber im wesentlichen ist alles beim alten ge= blieben; anstatt dieser die anderen Lateien der Sinowjem, Stalin und Kamenew. Die Arbeiterlinte will sich aber nicht damit zufrieden geben, daß die Phrasen gewechselt haben, das alte Wesen aber geblieben ist; sie fündet furchtbare Abrechnung an: " Da helfen feine noch so gemeinen Verfolgungen und Gefängnisstrafen, um die Arbeitergruppe in Rußland zu vernichten. Sie werden in Rußland in kurzer Zeit das ganze dik tatorische Bonzentum, das die Herrschaft der Bourgeoisie verlängert, zum Teufel jagen, wie wir es in Deutschland und den anderen Ländern tun werden." Das fann also noch recht nett werden. Aber wir zweifeln sehr daran, ob die ,, Arbeiterlinte" in diesem mörderischen Kampfe die Oberhand gewinnen wird. Schließlich haben die Sinowjews und deren Lataien in Deutschland nicht nur das größere Maul, sondern auch die größere Kaffe auf ihrer Seite; was fönnen die armen Schächer der Arbeiter linken" außer ihrer Ueberzeugung dagegen bieten? Wir anderen aber hegen die berechtigte Erwartung, daß sich die bisher kommunistisch beeinflußten Arbeiter immer schneller und immer zahlreicher von dem Beſthauch abwenden werden, der aus diesem modernden Sumpf" aufsteigt. Sie werden sich wieder der sozialistischen Bewegung anschließen, die zwar feine Schmierenfomödien im Reichstag aufführt und nicht alle Tage neue Parolen ausgibt; wohl aber in nie ermüdender Arbeit für die Verbesserung des Loses der arbeitenden Klassen wirkt. Krisenstimmung in Spanien. Bedrängte Lage der Truppen in Marokko. Madrid, 8. September.( EP.) Nach den letzten Meldungen aus Marokko befinden sich die Spanier an verschiedenen Stellen der Front in einer bedrängten Lage. Die marottanischen Stämme haben sich erhoben, und zwar auch in den Gebieten, die bisher als endgültig unterworfen galien. Seit einem Monat versuchen starte spanische Abteilungen, im ganzen etwa 30 000 Mann, vergebens, die spanischen Stellungen am mittleren Laufe des Flusses Lau zu entsetzen und da= durch eine direkte und sichere Verbindung zwischen Tetuan und Scheschauan herzustellen. Gegenwärtig finden Kämpfe 10 Kilometer füdlich von Tetuan und außerdem in unmittelbarer Nähe von Tetuan statt. Wenn die spanischen Stellungen im Tale der Lau in die Hände der Marottaner geraten, wäre Tetuan für Spanien verloren. Man hält es für wenig wahrscheinlich, daß die Spanier an diesem Teile der Front Erfolg haben werden und rechnet damit, daß die 20 000 Mann des Generals Erano gezwungen sein werden, sich an der Mündung der Lau einzufchiffen, um nach Ceuta zu gelangen. Borbereitungen für diesen Rückzug find bereits im Gange, obwohl man offiziell diefe Vorbereitungen zu leugnen sucht. Die Geistesverfassung der Truppen ist daher deprimiert, und zwar hauptsächlich deshalb, weil das Sumpffieber unter den Truppen herrscht und in Tetuan zahlreiche Fälle von Best verzeichnet werden. In gut unterrichteten Kreisen rechnet man mit der Möglichkeit einer fenfationellen spanischen Niederlage wie dies jenige von Melilla. Man erklärt, daß General Primo de Rivera vor die Wahl gestellt sei, entweder eine verzweifelte Offensive zu ergreifen, die faft sicher zu einer Niederlage führen würde, oder einen allgemeinen Rüdzug anzuordnen, wodurch das Prestige des Direttoriums eine fatale Erschütterung erfahren würde. Der Verzicht des Königs und Primo de Riveras auf die geplante Reise nach der Industriestadt Bilbao, wo sie die Jahresfeier des Direktoriums präfidieren wollten, wird in dieser Beziehung als charakteristisch be. zeichnet. Auch die Proklamation, die Primo de Rivera am Sonnabend an die Armee gerichtet hat, mit der Aufforderung, dem Direktorium noch einige Monate Vertrauen zu schenken, wird dahin ausgelegt, daß die Regierung wenig 3uversicht mehr in die Lage hat. Aus dem Fenster des dritten Stock geschleudert. Ein geheimnisvoller Todesfall in Charlottenburg. fer Mar Müller aus der Leibnizstraße 44 von einem SchupoIn der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde der Tisch. beamten auf dem Hofe des Hauses Grotmanstraße 19 mit ger schmetterten Gliedern aufgefunden. Da der Schwerverletzte noch Lebenszeichen von sich gab, wurde er in das Krankenhaus Westend gebracht. Hier ist er am Sonntagmittag feinen Verletzungen erlegen. Da unzweifelhaft ein Verbrechen vorliegt, wurde die Mordtommiffion alarmiert. Die Kriminalkommissare Werneburg und Albrecht eilten mit ihren Beamten sofort an den Tatort. Die Er mittelungen ergaben folgendes: den wir berichteten, kann jetzt folgendes gemeldet werden: Die Zu dem Leichenfund in dem Vorortzuge Berlin- Bernau, über am Hinterkopf nicht von Messerstichen herrühren. gerichtsärztliche Besichtigung der Leiche ergab, daß die Wunden Schmidt mußte von der linken Seite her mit einem breiten Gegenstande einen fürchterlichen Schlag erhalten haben. Dieses bestätigte sich auch bald. Die Zeugen, die Kriminalkomissar Gennat in der= furz vor der Station Pankow dem Berlin- Bernauer- Zug begegnete, daß an dem Zug, der aus entgegengesetter Richtung fommend, eine Abteiltür offen stand. Schmidt muß sich nun aus seinem Abteilfenster herausgebeugt haben. Da beide Züge in einer Kurve laufen, sah er die offenstehende Tür nicht und erhielt durch sie einen wuchtigen Schlag an den Kopf. Durch diesen Schlag verlegung förperlich sehr behindert war, schlug er erſt an den taumelte er in das Abteil zurück und da er durch seine KriegsFensterpfosten und dann im Sturze auf die Kante der Bank. In Bantom wurde er dann tot in feinem Blute schwimmend aufgefunden. Es steht fest, daß er nicht beraubt worden ist. Das fällige Straßenbahnunglück. der Ein schwerer Straßer bahnzusammenstoß ereignete sich am Ein Sonntagnachmittag gegen 6 Uhr nachmitags in Steglib. Straßenbahnzug der Linie 47 tam aus Richtung Dahlem in voller Fahrt die Grunewaldstraße entlang. Eine Kraftdroschke, die die Grunewaldstraße überqueren wollte, wurde DON Straßenbahn erfaßt und so heftig zur Seite geschleudert, die Bremse des Straßentahnwagens versagte, fuhr dieser mit undaß sie stark beschädigt wurde und später abgeschleppt werden mußte. verminderter Schnelligkeit weiter. In einer Kurve wurde der Bon den Fahrgästen wurde glücklicherweise niemand verletzt. Da Schaffner des Anhängers im Straße geschleudert. Er fam jedoch mit dem Schreden Bogen auf die davon, weil er von einem Straßenpassanten aufgefangen wurde. Kurz darauf stieß der Straßenbahnzug auf demselben Gleis auf einen an einer Haltestelle wartenden Wagen der Linie 77. Der Anprall mar so heftig, daß die Blattform beider Wagen vollkommen eingebrüdt wurde und die Fensterscheiben zersprangen. Ein auf der hinteren Plattform stehender Galvaniseur heftig gegen die Tür geschleudert, daß er einen Bruch des linken namens Mann aus Neukölln wurde infolge des Anpralls derartig Unterarmes davontrug. Nochmals Belzig. teilungen in Nr. 396) äußern sich noch andere zuschriften, die win Ueber die Lungenheilstätte Belzig( pengl. unsere Mits inzwischen erhalten haben. Die von Batienten erhobenen Vorwürfe, über die wir berichteten, werden teils unterstüßt, teils zurückgewiesen. Diese zuschriften bleiben nicht unbeachtet, auch wenn wir zurzeit nichts daraus veröffentlichen. Sie sind für uns schäzensmerte Beiträge zur Beurteilung der Zustände in der Heilstätte Belzig. Erwähnen wollen wir nur, daß ein von 7 Batientinnen wöhnlichen Lobeshymnen preist. Die Buschrift schließt:" Es steht und 2 Patienten unterzeichneter Brief die Heilstätte in ganz unge= fest, daß alles aufs beste für die Patienten getan wird."„ Alles aufs beste" nun wissen wir's! In der fraglichen Nacht tam das Straßenmädchen Charlotte Trenkwald, etwa nach 1 Uhr, zu dem auf dem Savignyplah stehenfo fagte fie aus, auf dem Savignyplak die Bekanntschaft eines Sie habe, Herrn gemacht. In ihrer Wohnung in der Grolmanstraße 19 feien fie aber des Geldes wegen in Streit geraten. Der Herr habe sie dann verlassen. Als sie die Haustür aufschließen wollte, habe er sie dann von hinten ins Gesicht geschlagen und auch sonst noch mißhandelt. Der Beamte ging mit dem Mädchen mit. In dem Flur des fraglichen Hauses aber war der Mann nicht mehr zu finden. Da an einer Tür, die zum Hofe hinausführt, die kleine hofe einen bersußtlosen Menschen liegen Scheibe eingeschlagen war, leuchtete er hindurch und sah auf dem Es war der Tischler Müller. Der Beamte erbrach die Tür und schaffte den Lerlegten fofort weg. Tas Mädchen behauptet, daß Müller mit dem der sie gefchlagen habe, nicht identisch sei. Wie nun aber aus Blutjpuren zu ersehen ist, muß Müller aus dem Flurfenster des britien Stodwertes herausgestürzt wordex fein. Dieses Flurfenster ist, wie gewöhnlich die Fenster in den alten Häusern, mehrteilig. Ein großes Fenster in der Mitte und zwei fleinere schmale an der Seite. Durch das rechte schmale ist nun Müller von den bis jetzt noch unbekannten Tätern hindurch ge zwängt worden. In dem gleichen Stockwert wohnt auch die Trent wald bei dem Techniker Wardanowski. In dessen Wohnung wurden auch einige blutige Handtücher gefunden. Die Täter, die Müller durch dieses enge Fenster gezwängt haben, müssen ihn zuvor, wie ja auch die Verlegungen Müllers zeigen, durch Schläge besinnungslos gemacht haben. Es liegt der Gedante nahe, daß das Herbeirufen des Schumannes nur zur Parteinachrichten Berschleierung gedient habe. Ob die Mieter der Wohnung und das Mädchen mit der Tat in Zusammenhang zu bringen sind, bedarf noch der Aufklärung. Bis auf weiteres find sie in polizeilichen Gewahrsam genommen worden. Die 3eugenaussagen geben recht wenig Anhaltspunkte. Wer zur Aufklärung irgendwelche aus dem Hause sind bis jetzt noch sehr unbestimmt und zweddienliche Mitteilungen machen kann, wird gebeten, sich an die Kriminalfommiffare Werneburg und Albrecht, Zimmer 80 im Polizeipräsidium, zu wenden. Notlandung von Freiballons. platz zur einsamen Pappel in der Schönhauser Allee in der Nähe Am Sonntagnachmittag um 4 Uhr landete auf dem Egerzier bes Birtus Krone ein mit drei Personen besetzter Freiballon, der sich an einer Wettfahrt von Bitterfeld beteiligt hatte. Dem Antriebstraft hatte, mußte eine Gasnachfüllung vorgenommen werBallon war der Ballast ausgegangen und da er nicht mehr genügend den. Mehrere tausend Bersonen, die sich schnell angesammelt hatten, fahen dem Schauspiel zu. Nach etwa einer Stunde stieg der Ballon wieder in die Lüfte, Ferner landete um 4 Uhr nachmittags der Freiballon Eule" des Bitterfelder Luftfahrtvereins im Tiergarten. Die Landung ging glatt vonſtatten. " 1 Die Luftbarkeitssteuer und Zirkus Krone. Wie die Direktion des Zirkus Krone mitteilt, steht die Schließung des Zirkus Krone und Auflösung des Betriebes infolge wirtschaftlicher Ruinierung durch zu hohe Steuerbelastung bevor! Die Stadt Berlin verlangt von der Direktion des Zirkus Krone eine tägliche Luft barfeitssteuer von 23 Pro3. der Bruttoeinnahmen. Krone soll damit die höchsten Steuern zahlen, die überhaupt zurzeit ein Unternehmen zahlt. Sirkus Busch zahlt z. B. waren bisher erfolglos. Aud am Freitag besuchte Direktor Krone nur 15 Proz. Alle Bemühungen der Direktion des Zirkus Krone persönlich bie maßgebenden Giellen, ohne jedoch eine definitive Entfcheidung zu erreichen. Die hohe Besteuerung wird z. B. damit be Die Stadtverordnetenversammlung hat am Donnerstag dieser Woche zunächst eine nichtöffentliche Sigung um 5 Uhr. In ihr soll über die feit langem schwebende Frage des Magistratsaba baus entschieden werden. Bon 7 Uhr ab wird in öffentlicher Sigung verhandelt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Fortseßung der zweiten Lejung des Stadthaushaltplans für 1924 und die Ausschußberichterstattung über die Auslegung vor § 44 der Geschäftsordnung. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin fiets an bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 18. Kreis Tempelhof- Mariendorf- Marienfelde und Lichtenrade.. Die Kreisvor ftandsligung heute abend findet nicht, wie angegeben, bei Niendorf, sondern im Lokal Kranich. Chaussee Ecke Kurfürstenstraße, statt. 15. Abteilung. Heute abend, 18 Uhr, Funktionärsigung bei Obligo, Stralsunder straße 11. 45. Abt., Gruppe Wenskus. Heute Montag, 7% Uhr, wichtige Zusammenkunft bei Sommer, Wiener Str. 26. Sport. Rennbahn gelangte gestern der Borkampf zwischen Breitensträter Breitenfträter fiegte über Rudi Wagener. Auf der Duisburger und Rudi Wagner zum Austrag, und endete mit dem Sieg Breitensträters in der ersten Runde. Rennen zu Karlshorst am Sonntag, den 7. September. 1. Rennen. 1. Sankt Martin( Eichhorn), 2 Melinit( K. Edler), 3. Simona( Ulbrich). Toto: 24: 10. Blaz: 12, 14, 16: 10. Ferner liefen: Tantalus, Jungferrede, Ontel Otto, Fahneneid, Theorie II, Jongleur. 2. Rennen. 1. Esto( Mate), 2. Mitterwurger( Dertel), 3. Landdrost ( Leue). Toto: 414 10. Blag: 62, 14, 95: 10. Ferner liefen: Bafur, Le Challenge, Fechterin, Graciosa, Pennemäßchen, Maitrant, Octavio, Traumliese, La Braise, Berseba. 3. Rennen. 1. Rappellopf( Thalecke), 2. Duhr Spike( Ulbrich), 3. Steinberger( Sths). Toto: 66: 10. Plat: 22, 33, 32: 10. Ferner liefen: Savoyard, Herzog, Mirakel, Narr. 3. Gjardas Baron( Breege). Toto: 16:10. Blag: 12, 16, 18: 10. Ferner liefen: Laon, Fata Morgana II, Rasvidr, Laredosta, Liebesgedanke. 4. Stennen. 1. Laufeya( W. Zarras), 2. Sonnenblümchen( Bastag), 5. Rennen. 1. Dentitein( Mate), 2. Cäsar II( Edler), 3. Sultan ( Dertel). Toto: 52: 10. Blab: 18, 15, 21: 10. Ferner liefen: Entschluß, Fata Morgana, Feirefis, felberg, Hiltrud 6. Nennen. 1. Labrador( Bismark), 2. Magnolie( K. Edler), 3. Tamara( Leue). Toto: 17: 10. 7. Rennen. 1. Danabourg( Reim), 2. Roderich( Sths), 3. Eldorado ( Gürgen). Toto: 45: 10. Blat: 24, 24, 47: 10. Ferner liejen: Heldin, seiß me quid, Sonnenschein, Quellnymphe, Herbststurm, Ma Berte. Gewerkschaftsbewegung Konferenz der Arbeitsminister. Bern, 8. September.( Eca.) Heute findet hier die Arbeitsministertonferenz statt. Es ist das erstemal, daß es gelungen ist, die Ressortminister der vier beteiligten Länder England, Frankreich, Belgien und Deutschland zu vereinigen. Die Konferenz wird den Charakter einer vertraulichen Besprechung haben und schon heute abend beendet sein. Zur Debatte steht der Achtstundentag. Wie man von eingeweihter Seite hört, ist die Zustimmung aller vier Vertreter zu der Ratifizierung des Vertrages über die Einführung des Achtsturdentages nicht mehr zweifelhaft. Man will jedoch beraten, wie der Vertrag im einzelnen auszuführen und die in Frage kommende Uebernahme für die einzelnen Länder zu präzisieren ist. Es wird eine Formel gesucht werden, wahrscheinlich in Gestalt eines Eventualvertrages, der die gleichmäßige Einführung des Achtstundentages in den betreffenden Ländern sichert. * Wenn die Beratungen zwischen den vier Arbeitsministern auch notwendig vertraulicher Natur sind, so nehmen wir ohne weiteres an, daß das Ergebnis dieser Beratungen unmittelbar nach ihrem Abschluß veröffentlicht wird. Es handelt sich hier nicht um die Regelung irgendeiner untergeordneten technischen Frage, sondern um die Internationalisierung der Arbeitszeit nach dem Abkommen von Washington. Diese Frage interessiert Arbeiter und Unternehmer im höchsten Grade und darüber hinaus die gesamte Bevölkerung. in Gelingt es, zu einem Uebereinkommen zu gelangen, das nur die Ratifizierung des Abkommens von Washington sein kann, dann wird damit eine wesentliche Urfache Don Arbeitskämpfen großen Umfangs Deutschland wegfallen. Wegfallen würde damit auch ein produktionshemmender Faktor fortgesetzter Beunruhigung. Die Unternehmer müßten dann wieder sich mit der Rationalisierung der Betriebe und der Intensivierung der Produktion beschäftigen. In dem Maße, in dem sie dabei berücksichtigen würden, daß die Verbilligung der Produktion den Arbeitern und Angestellten durch Erzielung höherer Löhne und Gehälter zugute fommt, werden sie die freudige Mitarbeit der Arbeitnehmer finden. Nicht der Abbau, der Aufbau der Löhne sichert eine gesteigerte Arbeitsleistung. Dann wird es der deutschen Wirtschaft leichter möglich sein, die Lasten der Londoner Abkommen zu tragen soweit fie wirtschaftlich überhaupt tragbar, vor allem übertragbar sind. Kommt es in Bern zu einer Einigung, dann fällt auch eine wesentliche Ursache gegenseitigen Mißtrauens und nationalistischer Verhehung. Von Ende 1918 bis Ende 1923 ist in Deutschland der Achtstundentag in Industrie und Handel wie in den öffentlichen Betrieben durchgeführt worden. Und doch wurde in anderen Ländern fortgesetzt behauptet, die deutsche Indu strie arbeite mit verlängerter Arbeitszeit, um dadurch die Industrie der anderen Länder niederfonfurrieren zu können. Erst eine Erhebung des Internationalen Gewerkschaftsbundes hat dieser Verhehungskampagne ein Ende bereitet. Es wäre deshalb durchaus wünschenswert, wenn sich die Konferenz der Arbeitsminister mit der Einsetzung eines internationalen Kontrollorgans beschäftigen würde. Es bedarf dazu feine fostspieligen Kontrollkommissionen. Es genügt vollkommen, wenn man sich der bestehenden Gewerbeinspektion und der Vermittlung des Internationalen Arbeitsamts-in dem die beteiligten vier Länder gleichberechtigt vertreten sind- bedient. Ein eventueller Austausch von Gewerbeinspektoren zwischen den verschie denen Ländern könnte auch sonst durchaus vorteilhaft sein. Je nachdem wie die Beratungen von Bern ausgehen werden, fönnen sie für die Beziehungen der Völker wie für die wirtschaftliche Entwicklung von großer Tragweite sein. Zur Rechtslage der Portiers. Als gewerbliche Arbeitnehmer im Sinne der Gewerbeordnung gelten lediglich die in Geschäftsbetrieben und Industriehäusern angestellten Portiers, nicht aber die in Privathäusern tätigen Portiers, Hausreiniger, Fahrstuhlführer und Wächter. Für sie ist bei Streitige feiten aus dem Arbeitsverhältnis nicht das Gewerbegericht, sondern das Amtsgericht zuständig. Da zwischen den Arbeiten der in Geschäftshäusern und Privathäusern beschäftigten Portiers nach Auffassung der Arbeitnehmer, die diese Arbeiten verrichten, kein be= sonderer Unterschied besteht, werfen sie die Frage auf, weshalb noch länger ein rechtlicher Unterschied gemacht wird. In dem Entwurf eines Arbeitsgerichtsgeseges, der dem Reichswirtschaftsrat zur Begutachtung überwiesen, jedoch wieder zurückgezogen wurde, war vorgesehen, für alle diejenigen Arbeit nehmergruppen, die heute noch einer paritätischen, schnell entschei denden Rechtsinstanz entbehren, solche zu schaffen und sie den Ar= beitsgerichten anzugliedern. Dazu gehören vor allem auch die Hausgehilfen und Haushaltarbeiter, d. h. alle in Privathaushaltungen und Wohnhäusern beschäftigten Arbeitnehmer. Ob und wann jedoch dieser Entwurf einmal Gesetz werden wird, steht dahin. Das ist natürlich für die betreffenden Arbeitnehmer, die heute noch einer Arbeitsgerichtsbarkeit entbehren, feineswegs einerlei. Sie wollen auch in dieser Beziehung nicht länger Komische Oper Direktion: James Klein 72 Uhr Allabendlich 72 Uhr Die gewaltigste und größte Revue aller Zeiten: Das hat die Welt noch nicht geseh'n Ernste Warnung für deutsche Auswanderer! Kommt nicht nach Cuba ohne Geld und feste Anstellung. Aussichten auf Anstellung sind in Cuba die denkbar schlechtesten. Deutsche können von Cuba nach den Vereinigten Staaten nur nach einem Aufenthalte von mindestens einem Jahre gelangen. Hunderte von schlecht beratenen Deutschen sind hier im Elend. Deutsche Kolonte kann nicht mehr helfen. Hosen- Anders Beusselstraße 25 Gardinen Deutscher Hilfsverein, Habana, Obrapiass Sonderangebote». Strickwesten u. Jacken 8 75 12.50 17.50, reine Wolle Ueber 500 Stk. v. d. kleinsten Kindergr bis zur größten Weite ständig a. Lager. Bleyies sämtl. Fabrikate zu Originalpreisen. Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- and Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt mehr als minderwertige, als Rulis behandelt werden. Vorbedingung für den Erfolg ihres Bestrebens ist auch für die in Privathaushalten und Wohnhäusern Beschäftigten Der feste Zusammenschluß in ihrer Organisation, dem 3entralverband der Hausangestellten, Berufsgruppe des Deutschen Verkehrsbundes. Neugebackener Reformismus. am Wirtschaft Amerikas Außenhandel vor dem Kriege und jetzt. Steigende Ausfuhr und verminderte Einfuhr charakterisieren die Außenhandelsbilanz der Vereinigten Staaten für das Rech nungsjahr 1923/24. Die Ausfuhr wies, so berichtet der FPS., eine Zunahme besonders in Industrie waren und Rohrungsmitteln, besonders in Getreide. Auf der Einfuhrseite ging die Rohstoffeinfuhr zurück, die Einfuhr von Nahrungsmitteln und Industriewaren erfuhr eine kleine Zunahme. Der Ausfuhrüberschuß beläuft sich auf rund 700 Millionen Dollar gegen 176 Millionen Dollar im Rechnungsjahr 1922/23. Die Zahlen für das letzte Rechnungsjahr geben dem Handelsbericht der New Yorker National City- Bank Anlaß zu einem interessanten Vergleich des gegenwärtigen Außenhandels der Bereinigten Staaten mit dem von vor zehn Jahren. Das Rechnungsjahr 1913/14 war gerade menige Wochen vor Beginn des Weltkrieges zu Ende gegangen. Die Einfuhr in jenem Jahre belief sich im Wert auf 1894 000 000 Dollar, die von 1923/24 auf 3 620 000 000 Dollar, die Ausfuhr von 1913/14 auf 2 365 000 000 Der AusDollar und die von 1923/24 auf 4 360 000 000 Dollar. fuhrüberschuß belief sich 1914 auf 471 Millionen Dollar, 1924 auf 740 Millionen Dollar. Auf die heutigen höheren Preise umgerechnet rund übersteigt die Einfuhr von 1923/24 die von 1913/14 um 90 Broz, die Ausfuhr von 1923/24 die pon vor zehn Jahren um 84 Proz. Als Gegen demonstration zu der imposanten Versamm- stoffen für die Industrie auf, einen Rückgang hingegen in Nahlung, die der Zentralverband der Bäcker und Konditoren Donnerstag in den Germaniasälen veranstaltet hatte, berief die Opposition des Verbandes"( lies: Zentrale der KPD.) eine große öffentliche Versammlung der Berufsangehörigen" nach Boekers Festfälen ein. Mit tönenden Worten war in der Roten Fahne" eine gewaltige Abrechnung" mit dem Zentralverband und dem ADGB. angekündigt, die der Kommunist Riegel, ehemals Bäcker in der Konsumgenossenschaft, jetzt wohlbestalltes Mitglied der russi schen Handelsdelegation, halten sollte. Als die Versammlung mit etwa hundert einstündiger Verspätung eröffnet wurde, waren Männeken im großen Saal. Wieviel davon seine Berufsangehörigen waren, ließ sich nicht feststellen. Der Referent hatte von der Zentrale den Auftrag erhalten, die neueste Einigungsparole: Rein in die Orgesch- Gewerkschaften!" den verdugten Zuhörern beizubringen. Das war dem Referenten sichtlich sehr unangenehm; seine Wenn und Aber lösten bei den Versammelten des öfteren starke Mißfallensbemerkungen aus, die durchaus erkennen ließen, daß die Umstellung bei den Anwesenden noch nicht so schnell erfolgt ist als bei der Zentrale. Die Rede war schaffte Limonade; fein Wort des Beifalls am Schluß. Die Zuhörer saßen betroffen da und wußten offenbar nicht, warum sie in die Versammlung gerufen worden waren. In der von der Parteizentrale vorgelegten Resolution wird empfohlen, daß durch Verhandlungen bei den Behörden auf eine Beibehaltung der Nachtverbotsbestimmungen hingewirkt wird! Damit hat die KPD.- Zentrale wieder einmal einen Reford erreicht in der schnellen gedanklichen Umstellung vom stärksten Radikalismus zum verschrieenen Gewerkschaftsopportunismus. Die Löhne der südlichen Randzechen. Bochum, 8. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Bergarbeiterverband schreibt uns zum Lohnschiedsspruch im Ruhrberg bau( südliche Randzechen): Die am Tarifvertrag beteiligten Arbeitnehmervervände haben den Schiedsspruch abgelehnt. In der Begründung der Ablehnung wird gesagt, daß der in Ziffer 2 vorgesehene Lohnunterschreitungsprozentsag von 5 bzw. 8 Proz. nach Ansicht der Arbeitnehmerverbände zu hoch ist. Der in den verschiedenen Ortschaften des südlichen Randgebietes bis vor einiger Zeit ermittelte Lebenshaltungsindex ist teilweise höher als in Ortschaften des mittleren und nördlichen Teils des Ruhrgebiets. Jedenfalls sind die Lebenshaltungskosten im südlichen Durchschnitt nicht geringer oder nicht wesentlich geringer als im mittleren und nördlichen Teil des Reviers. Der beim ersten Tarifabschluß von den Arbeitgebern angeführte Grund( niedrigere Lebenshaltungskosten) liegt nicht mehr vor. Dieser Preisentwicklung ist durch Minderung des erstmaligen Prozentsatzes von 5 bzw. 7% Proz. auf 3 Proz. und durch die Einschränkung der Zahl der Zechen von 29 auf 13 auch teilweise Rechnung getragen worden. Da im Hinblick auf die allgemeinen Verhältnisse die Lebenshaltung der Bergarbeiter auch bei tariflichen Vollöhnen eine sehr geringe iſt, so ist bei Berücksichtigung der ziemlich gleichen Höhe der Lebenshaltungskosten der vorgesehene Lohnunterschreitungsprozentsatz für die Arbeiter untragbar. Auch die Erhöhung der Zahl der nach dem Schiedsspruch als fübliche Randzechen geltenden Zechen in diesem Ausmaß ist nach Auffassung der Arbeitnehmerverbände nicht gerechtfertigt. Ueber die ursprünglich angeführten speziellen Gründe ( niedrigere Lebenshaltungskosten und größerer Wasserzufluß bei = Der Rückgang in der Einfuhr von Rohstoffen für die Industrie bezieht sich in erster Linie auf Seide, Baumwolle, Häute und Tabak. Die stärkste Zunahme in der Ausfuhr von Fertigfabri faten bezieht sich auf Maschinen, Automobile, Holz, Eisen- und Stahlwaren, Kupfer, Zinnbleche und landwirtschaftliche Maschinen. Der Rückgang der Ausfuhr von Nahrungsmitteln erstreckt sich auf alle Getreidesorten, Weizen, Mais, Roggen, Gerste, Hafer und Reis, und hat sowohl wertmäßig wie mengenmäßig stattgefunden, wäh= rend die Ausfuhr von Fleisch eine geringe Zunahme über das Vorjahr aufweist. Nach allen Erdteilen hat die Ausfuhr von 1914 bis 1924 zugenommen, so die nach Europa um 140 Millionen Dollar und die nach Asien und Ozeanien um 156 Millionen Dollar, die nach Nordund Südamerika dagegen nur um 47 Millionen Dollar. Am beachtlichsten ist vielleicht die gegenüber 1914 mertmäßig eingetretene Verdoppelung der Ausfuhr von Industrieerzeugniffen: in den zehn Monaten Juli 1923 bis April 1924, für die genauere Angaben vorliegen, wurden von den Vereinigten Staaten solche Waren im Werte von 1 763 000 000 Dollar ausgeführt, gegen für 920 000 000 Dollar in dem gleichen Zeitraum des Rechnungsjahres 1913/14. Herbstmesse in Breslau. Breslau, 8. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Breslauer Herbstmesse wurde am Sonntag eröffnet. Sie zeigt eine Zunahme der ausstellenden Firmen. Ein neues großes Meßgebäude, dessen Erbauer der bekannte Architekt der Breslauer Jahrhunderthalle und Sozialpolitiker Stadtbaurat Berg ist, gibt der Veranstaltung einen würdigen Rahmen. Die größte Unterabteilung der Messe nimmt Die Textilmesse ein. Daneben gibt es Abteilungen aus den vers schiedensten Branchen der verarbeitenden Feinindustrie. Auch das Runstgewerbe und die bildende Kunst sind durch eine besondere Kunstmesse vertreten, an der sich allerdings nur schlesische Fivmen beteiligen. Die Umsätze sind bisher ziemlich gering, da trok der Warnungen mit den Geschäftserfahrungen von Leipzig die Preise Baum nachgelassen haben. Die immer noch ungünstige Kreditlage erschwert größere Umsätze. Auch hier scheint es mehr zu großen Geschäftsabschlüssen vielleicht erst gegen Ende der Messe zu kommen, wenn die Verkäufer in ihren Bedingungen nach den ersten Ents Aus der Partei. diesen Bechen) für die Notwendigkeit der Randzechenklaufel hinaus täuschungen etwas entgegenkommender geworden sind. find beim vorliegenden Schiedsspruch Gründe allgemeiner Art berücksichtigt worden, die nach Auffassung der Arbeitnehmerverbände vorübergehender Natur sind und nur in den augenblic lichen, ungeregelten wirtschaftlichen Verhältnissen wurzeln. Diese Gründe werden vermutlich auch bei anderen im mittleren und nördDer Sozialdemokratische Verein Mannheim ver lichen Teil des Reviers belegenen Zechen in Frage kommen. Die ursprünglich normal gezogene Grenze wird durch ein solches Veranstaltete am Sonntagvormittag im Musensaal des„ Rosengartens" fahren verwischt und die Einheitlichkeit der Lohnordnung im allgemeinen gefährdet. Englische Gewerkschaften gegen Streikrechtsbeschränkung. Hull, 8. September.( WTB.) Der englische Gewerkschaftston greß nahm in feiner Schlußfizung eine Resolution an, die fich nachdrücklich gegen obligatorischen Schieds fpruch bei Wirtschaftskonflikten erklärt, Eine Einschränkung des Streifrechts sei unter feinen Umstände zulässig. Der Konflikt in der Wiener Metallindustrie. Wien, 8. September.( WTB.) Die Obmännerkonferenz ber Metallarbeiter beschloß eine Kundgebung an die gesamte öfterreichische Deffentlichkeit, in der den Unternehmern Ausnußung der Notlage der Arbeiterschaft und Beseitigung der sozialpolitischen Errungenschaften vorgeworfen wird. Gegen diesen Anschlag würden oie Metallarbeiter für die gesamte Arbeiterschaft fämpfen. In einer weiteren Entschließung wird der Vierzigerausschuß beauftragt, die letten notwendigen Maßnahmen zu treffen, und zugleich ermächtigt, bis Mittwoch die letzte Antwort der Unternehmer abzuwarten. Achtung, Tapezierer! Mittwoch abend 7 Uhr findet bei Boeker, Weberstr. 17, eine Bersammlung aller im Tapeziererberuf beschäftigten Gehilfen und Näherinnen ftatt. Der Besuch dieser Versammlung ist Notwendigkeit jür alle Kollegen und Die Branchenleitung. Kolleginnen. Berliner Konzerthaus MAUERSTRASSE 82 Eröffnung der Wintersaison Dienstag, den 9. d. M. ,, FANALE" Gesellschaftsabend und Tanz . Ab Mittwoch, den 10. d. M., täglich nachmittags Hosen VIER- UHR- KAFFEE ▾ * Promenaden Hosen jeder Art kaufen Sie am besten und billigsten in d. München- Gladbacher Hosen- Zentrale. Herren und Knaben- Anzüge, Hosenträger, Stutzen sehr preisw Bruno Richter& Co., Fabr.- Ndige Neukölln, Bergstr.67 München- Gladbacher Hosen- Zentrale Thüring. Wollwaren- Bin.- Pankow Mühlenstr. 1, Ecke Breite Str am Ringbahnhof. Rügener Str. 25( nahe Gesundbr.) Blauer Laden Fahrgeldvergütg. Konzert Eiserne ochher für Kohle u.Gas Transportable Kachelofen Eiserne Öfen R.Zechlin Berlin C.25, Alexanderpl. 49 Gedächtnisfeier für Frank. eine Erinnerungsfeier für den am 4. September 1914 ge fallenen Führer der badischen Sozialdemokratie, Dr. Ludwig Frant. Die Gedächtnisrede hielt Genosse Marum Karlsruhe, der das Bild des Kämpfers den zahlreichen Anwesenden vor Augen ftellte, seinen Kampf um den Sozialismus, um den Frieden unter den Völkern, seine innere Einstellung der Hinüberführung des So zialismus aus der Periode der Agitation in die Staatspolitik, sein Glaube, daß es um die Verteidigung des Vaterlandes gehe, dem er sich dann auch freiwillig geopfert hat. Er war als Kämpfer Politiker und Mensch eine ganze Einheit. Sein Tod ist ein Symbol für die Millionen Deutschen, die im Krieg geblutet haben, aber auch für die Menschen anderer Nationen, die draußen geblieben sind. Mit dem Gelöbnis, für die Ideale Franks weiterfämpfen zu wollen, schloß der Redner seine Ausführungen, die im übrigen von hochwertigen fünftlerischen Darbietungen umrahmt waren. Wetter für morgen. Weffer für Berlin und Umgegend. Anhaltend warmes Wetter und wolkig. trodenes und warmes Wetter. Im Nordseegebiet leichte Niederschläge und Wetter für Deutschland. Im größten Teil des Reiches fortdauernd auffrischende südwestliche Winde. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. 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