Nr.426 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 217 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. a Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und 8eit mit., Gied. lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe ma non in 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: en tuo Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart. Reklamezeile 4.- Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Bort 0,20 Gold. mart( aulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Morte. 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Die Deutschnationalen erklären zwar heute noch, daß fie als Partei todesmutige Gegner der„ Berstlavungsgesetze" feien, aber immerhin haben sie die Hälfte ihrer Fraktion auf die Ja- Seite ab= tommandiert und sich dafür von der Volkspartei und von Herrn Stresemann einen Sad voll Versprechen geben lassen. Darin befindet sich auch das Versprechen, daß notifiziert werden wird. Es iſt tatsächlich gegeben worden, aber die Regierung hat inzwischen erkannt, daß sie der deutschen Sache einen schweren Schaden zufügen würde, wenn sie es erfüllen wollte. Darum zögert sie. ihren Wählern ihre entsegliche Blamage zu verschleiern, Die Deutschnationalen fümmert das sehr wenig. Um vor brauchen sie einen„ Erfolg", jei es auch zu Deutschlands Schaden. Und wenn sie ihn nicht erreichen, dann brauchen sie deutschnationalen Wähler gegen das erbarmenswürdige Vereinen Krach, der so laut ist, daß er die Protestresolutionen der halten der Fraktion übertönt. Bern, 9. September.( WTB.) Die Konferenz der Ar-| stundentages im Kampfe der Arbeiterschaft um ihren kulturellen beitsminister Deutschlands, Frankreichs, Bel- Aufstieg. Immer einheitlicher wurde der Wille der deutschen giens und Großbritanniens ging heute vormittag zu Ende. Arbeiterschaft zum Achtstundentag, immer stärker das Drängen Ueber das Ergebnis der Beratungen wird folgendes mitgeteilt: aller Arbeiterorganisationen auf seine gefeßliche Sicherung. Nachdem die Minifter erneut festgestellt hatten, daß es vor allem Es ist das Verdienst der Gewerkschaften und der Sozialcus fulturellen und sozialen Gründen er wünscht sei, auf der demokratie, daß sie diesem Drängen die Ratifizierung des Grundlinie des Washingtoner Abkommens zu einer brauchbaren Washingtoner Abkommens zum Ziele gesetzt haben. Damit internationalen Anwendung des Achtstunden- wurde der internationale Charakter der großen Kulturfordetages zu gelangen, wurde das Abkommen einer eingehenden rung unterstrichen, gleichzeitig aber auch die Forderung, daß achprüfung unterzogen. Sie bezweckten dabei, die unter der deutsche Arbeiter nicht zum Paria der Welt werden dürfe, Ihnen etwa bestehenden Auslegungsschwierigkeiten zu daß er das Maß der Freiheit seiner ausländischen Arbeitsbeseitigen und so ihren Regierungen die Ratifizierung zu follegen besigen müsse. Die Forderung nach der Ratifizierung erleichtern. Es fonnte festgestellt werden, daß in den meisten des Washingtoner Abkommens führte zu einer grundsätzlichen Punkten ihre Auffaffungen übere in ftimmten oder doch nicht Auseinandersetzung über die Sozialpolitik überhaupt. Die fehr erheblich von einander abwichen. Die konferenz schloß demnach Kräfte der sozialen Reaktion in Deutschland widersetzten sich unter dem allgemeinen Eindrud, daß es möglich sein wird, zu mit aller Macht der Forderung der Ratifizierung. Sie wollten, einer gemeinsamen Ratifizierung des Washing- daß Deutschland sich von der internationalen Sozialpolitik ab= Um alle Verwirrungsmanöver zu durchkreuzen, muß noch toner Uebereinkommens zu gelangen. wende. Am schärfsien fam der Gegensatz zum Ausdruck in den Anträgen und Interpellationen, die über die Frage der standen ist. einmal daran erinnert werden, wie diese ganze Geschichte entRotifizierung des Washingtoner Abkommens im Reichstag eingereicht wurden. Hier die Forderung der Sozialdemokratie, sie solle in London dem Dawes- Plan nur dann zustimmen, wenn Die Deutschnationalen hatten von der Regierung verlangt, die Regierung möge ratifizieren dort das Berlangen der die Alliierten ihre Erklärung von 1919 über Deutschlands Deutschnationalen, die Regierung möge ihre Beteiligung am Internationalen Arbeitsamt zurückziehen und von einer Rati- riefen. Die Regierung wußte, daß damit Unmögliches verRati- ngreiferrolle beim Ausbruch des Weltkrieges widerfitation absehen. langt war und daß bei einer solchen Taktik nur ein neuer internationaler Strafeel, aber kein Abkommen, feine Beruhidergleichen, sprach über die Kriegsschuldfrage in London fein Bort und kam mit dem fertigen Vertrag nach Hause. der Berhandlungen zwischen der Volkspartei und den DeutschNach ihrer Rückkehr begann sich aber unter dem Einfluß nationalen diese ihre klare Erkenntnis zu trüben. Die Deutschnationalen hatten eine ganze Ejelei verlangt, man entschloß sich auf dem Kompromißweg zu einer halben. Die deutsche elt steht nun einmal im Zeichen der 50 Proz * Das Abkommen von Washington über die internationale Festsetzung des Achtstundentages wird von den Regierungen der großen Industriestaaten ratifiziert werden, die kleineren Staaten, die auf die Stellung der großen warteten, werden nachfolgen. Der Achtstundentag, die alte sozialpolitische Forderung, die ein halbes Jahrhundert lang Fahne und Symbol der Arbeiterschaft der ganzen Welt in ihrem Ringen um Freiheit und Ausstieg war, wird zum internationalen Gefeß. Eine wichtige Etappe im Kampf um den internationalen Normalarbeitstag ist erreicht. Trog der Mirren der Nachkriegszeit, trok der Zerrissenheit der Arbeiterschaft ist es gelungen, diesen Fortschritt festzuhalten und international zu sichern. Ein großer Erfolg der Arbeiterschaft! Die deutschen Arbeiter haben Grund, diesen Erfolg in seiner ganzen Bedeutung zu würdigen. Sie hatten nach dem Zusammenbruch von 1918 den gefeßlichen Achtstundentag durchgesetzt. In der geistigen Verwirrung der folgenden Jahre ging das Bewußtsein der Bedeutung dieses Erfolges in meiten Arbeiterschichten verloren, andere Probleme lockten und weitgreifende Phantasien und Illusionen lenkten von den großen tatsächlichen Fortschritten ab. Schon zu Beginn des Jahres 1920 begannen die Angriffe des reaktionären Unternehmer tums gegen den Achtstundentag. Je weiter die Inflation vorwärts schritt und die Arbeiterorganisationen hemmte, um so heftiger wurden die Angriffe. Am Ende der Inflationsperiode gelang der sozialpolitischen Reaktion die Durchbrechung des Achtstundentages. Bald war er für die Hälfte aller deutschen Arbeiter in der Praxis abgeschafft. Aber der Verlust des Er rungenen erweďte aufs neue das Verständnis für diese Grundforderung der Arbeiterbewegung, für die Bedeutung des Acht Amerika gibt Ruhrkredite! Gegen hypothekarische Sicherheit und Bürgschaft von 30 Banken. Amsterdam, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Wie der „ Telegraaf" erfährt, haben die in New York geführten kredit verhandlungen für die Ruhrindustrie zu einem erfolgreichen Abschluß geführt. Die von dem durch die Equitable Trust Company geführten Bankensyndikat an den Ruhrbergbau gewährten Kredite werden durch eine hypothetarische Sicherheit auf die Ruhrbergwerke und die Brennstoffbestände fowie durch eine Bürgschaft von 30 deutschen Banten garantiert. Nach Aufhebung der Zollinie. Die Räumung Dortmunds bevorstehend? Dortmund, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) In der Nacht vom Montag zum Dienstag ist die Aufhebung folgender so genannter äußeren 3ollämter an der öftlichen Boll grenze ohne besondere Formalitäten erfolgt: Aplerbed, Borhalle, Herdede, Hattingen, Witten- West, Lünen- Kanal, Lünen- Nord, Hörde, Hörde- Bahnhof, Obereving, Dortmunder Feld. Die franzöfifchen Beamten werden noch einige Tage bis zur Abwicklung der schwebenden Angelegenheiten in den Bureaus der aufgerufenen Zollämter verbleiben. Die französischen Hilfszollbureaus bleiben poraussichtlich bis zum 14. Oftober bestehen. Die fogenannten inneren 3 ollämter Dortmund- Stadt, Dortmund- Boft, Dortmund- Hauptbahnhof, Dortmund- Hafen, Dortmund- Südbahnhof, Witten- Nord, Bochum- Stadt, Bochum- Nord, Wanne, Herne, Recklinghausen- Stadt und Recklinghausen- Bahnhof find bestehen geblieben und erheben noch Zölle nach französischen Säßen bis zum 20. September. Die Aufhebung der öftlichen Zollgrenze erfolgte reibungslos. Infolge des Fortfalles der Zollinien ging neben dem Bertehr, der Fahrzeuge, wie Automobile, Fahrräder und Pferdegespanne, auch. der Personenverkehr bereits ab Dienstagnacht wesentlich unUnter dem Drucke des einheitlichen Willens der Arbeiter schaft hat sich die Regierung zur Ratifikation entschloffen. Ueber den großen Erfolg, der darin besteht, übersehen wir keinesfalls, daß damit der Kampf um den achtstündigen Normalarbeitstag in Deutschland noch nicht zu Ende ist. Die Vorbehalte und die Auslegungen, die das deutsche Reichsarbeitsministerium dem Abkommen von Washington gibt, find bekannt. Es möchte die Möglichkeit offen halten, den Normalarbeitstag von acht Stunden zu durchbrechen mit der Begründung, daß Deutsch land Reparationen zu leisten habe. Es möchte zu diesem Zwecke den Artikel 14 des Washingtoner Abkommens ausnuken. Diese Auffaffung wird Gegenstand des kommenden Kampfes um den Normalarbeitstag sein. Das Abkommen von Washington muß eine Garantie der deutschen Arbeiter nicht nur gegen die Ausbeutung durch deutsche Unternehmer, vor allem aber auch gegen internationale Ausbeutung sein. Das ist der Grundgedanke, der festgehalten werden muß, und der im deutschen Reichsarbeitsministerium immer noch auf wenig Verständnis stößt. Die Ratifikation des Abkommens von Washington ist ein prinzipieller Fortschritt der internationalen Sozialpolitik. Ein großer internationaler Rahmen ist gegeben. Nun ist in Deutschland das Problem der deutschen Arbeitszeitgeſetzgebung zu lösen. gehinderter vor sich als sonst. Die Gepäckstüde wurden nicht mehr untersucht. Die besondere Einreiseerlaubnis ins Ruhrgebiet, die bisher notwendig war, fällt fort. Solange die militärische Besayung noch vorhanden ist, genügt zur Einreise ein Perfonalausweis der Ortspolizeibehörde. Es wird angenommen, daß in wenigen Tagen auch die Räumnung von Dort mund und Umgebung erfolgt, nachdem die wirtschaftlichen Sanktionen in dieser Zone bereits zum größten Teil abgebaut sind. Mit diesem Augenblid ist die Einreise in die Zone Dortmund- Hörde ohne jeden ausweis möglich. Mannheim, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Die 3olltontrolle in den besetzten Gebieten Süddeutschlands ist in der Nacht vom 8. zum 9. September restlos aufgehoben worden. Die Amnestie erfolgt. Dortmund, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Befazungsbehörde teilt mit, daß der Generalfommandant der Truppen die nötigen Verordnungen zur Anwendung der in§ 7, Anlage 8 der Londoner Protokolle vorgesehenen Amnestie in den befepten Gebieten der Ruhr erlassen hat. Diese Verordnungen betreffen u. a. die Aufhebung der schwebenden Verfahren und die Aufhebung der verhängten Strafen für die im befagten Artikel angeführten Handlungen. Der Aufstand im Kaukasus. 24 Sozialistenführer erschossen. Riga, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Kämpfe im Rautasus gegen die bolschewistischen Diktatoren haben sich neuerdings wieder bis in die Nähe von Tiflis ausgedehnt, von wo aus eine große Anzahl von Arbeitern zu den Aufständischen gestoßen ist. Die Bolschewisten sollen bei diesen Kämpfen erhebliche blutige Verluste gehabt haben. Unter den 24 von den Sowjetbeauftragten erschossenen Sozialisten befinden sich auch der Genosse Juguelli und andere Mitglieder des menschemistischen Epekutiofomitees. Die Regierung erließ also zunächst eine öffentliche Erals was die Regierungen Scheidemann und Bauer zu flärung zur Schuldfrage, die inhaltlich nichts anderes enthält, besserer Gelegenheit auch schon erklärt hatten. Auf diese Tatfache muß immer wieder hingewiesen werden, weil die innerpolitischen Brunnenvergifter es immer wieder so hinstellen, als wolle die deutsche Sozialdemokratie gemeinsam mit dem eindbund" an der Behauptung von der deutschen Alleinschuld am Kriege festhalten. Das ist zwar ein ausgepichter Unsinn, aber in Pommern soll es Leute geben, die es glauben. Die Erklärung der Regierung schloß mit der Anfremden Regierungen notifizieren" werde. fündigung, daß man diese nämliche Erklärung den fündigung war Diese AnWar ein ungeheurer Fehler. es schon falsch, überhaupt zu ,, notifizieren", das heißt, diese schon aus allen Zeitungen bekannte Erklärung in diplomatischer Form den fremden Regierungen zu überreichen, so war es noch falscher, diesen Entschluß erst anzufündigen. Damit waren die Regierungen und die öffentliche Meinung der fremden Länder benachrichtigt, daß ihnen etwas unbequemes bevorstände; es wurde ein Spannungsmoment geschaffen, das überall beunruhigend wirkte und weiter wirkt. Was erwartet man von den fremden Regierungen, menn notifiziert wird? Die fremden Regierungen können zu der deutschen Regierungserklärung schweigen, solange sie ihnen nicht ,, notifiziert" ist. Auf die Notifizierung müssen sie aber in irgendeiner Form antworten- wie sollen sie das tun? Sie sollen sich zu einem Bestandteil des Ver= sailler Vertrages äußern, der auf gemeinsamen Beschluß zurückzuführen ist, müssen sich also über die Haltung, die sie gegenüber der Notifizierung" einnehmen, wohl untereinander verständigen. Was will man mit der Notifizierung" erreichen? Daß eine neue Ententekonferenz zusammentritt, die die Schulderklärung von 1919 widerruft? Wer glaubt, daß dies möglich fei? Ist es aber nicht möglich, dann muß die ganze Notifizierungsaktion mit einem etlatanten Mißerfolg enden. Die deutsche Regierung kann sehr unfreundliche Antworten erhalten. Was tut sie dann? Sie muß sie eben einstecken. Die fremden Regierungen können die Annahme der deutschen Regierungserklärung verweigern. Was tut die deutsche Regierung dann? Dann steht sie da wir wollen lieber nicht fagen wie! Hat man das alles nicht vorher überlegt? Wie konnte sich die deutsche Regierung von den Deutschnationalen so in die Sackgasse führen lassen? So stehen die Dinge jetzt. Es ist gewiß nicht schön, wenn nicht ,, notifiziert" wird, nachdem man das angekündigt hat. Aber wenn notifiziert wird, ist es erst recht nicht schön. Das scheint der Reichskanzler, der über die Verhandlungen der Volkspartei mit den Deutschnationalen nicht im Bilde gewesen zu sein scheint siehe dazu seine dem- Ge nossen Bremscheid gegenüber im Reichstag abgegebene Cr- klärung— eingesehen zu haben. Er hat sich bemüht, in Privat- briefen an Herriot und Macdonald den Fehler zu korrigieren, es ist ihm nicht gelungen. Run weiß er nicht, wie er die Suppe auslöffeln soll, die ihm andere eingebrockt haben. In diesem Zusammenhang muß auf das Verhalten der volkspartcilichen„Zeit" hingewiesen werdem Wenn die„Zeit" unsere richtige Nachricht von einem Schritt des Reichs-. tanzlers als„hellen Unsinn" bezeichnet, so kritisiert das Blatt des Herrn Strefemann damit nicht nur unsere Bericht- erstattung, sondern die Handlungen des Herrn Marx. Wenn dany weiter von den deutschen Kreisen die Rede ist,„denen die Erörterung der Frage höchst unbequem ist", so ist das eine Unanständigkeit deutschnationaler Art, die zurückgewiesen werden muß Unbequem ist uns nicht die Erörterung dieser Frage,„un- bequem" ist nur die Situation, nn die die deutsche Regierung durch die Vtzlkspartei geraten ist, weil diese dem deütschnatio- nalen Agitationsbedürfnis nachgegeben und sich in die Sack- gasse verrannt hat. Das deutschnationale Ultimatum macht diese Situation noch viel unbequemer. Vor den Augen der Welt werden die diplomatischen Vertreter Deutschlands von den Deutschnatio- nalen gleichsam am Strick herbeigezerrt, damit sie„notifi- zieren" sollen. Wenn die Regierung jetzt dem deutschnatio- nalen Druck folgt, so wird man in der Welt daraus schließen, daß sie sich unter den Befehl der Partei Tirpitz-Hergt gestellt hat, und daß die Aera der deutschnationalen Dik- t a t u r über Deutschland hereingebrochen ist. * Die Deutschnationale Volkspartei veröffentlicht folgende, Erklärung: Die Neichsregierung- hat in ihrer Kundgebung vom 2v. August dieses Jahres, durch die sie das erzwungene Kriegsschuldbekenntnis feierlich widerrief, erklärt, daß diese zur Kenntnis der auswärtigen Mächte gebracht werden soll. Ein« Notifizierung dieser Erklärung ist bisher unterblieben. Die Deutschnationake Volkspartei hat bisher der Erwägung Rechnung getragen, daß aus iechnisch-diplomaiischen Gründen eine sofortige Notifizierung vielleicht nicht möglich' erfcheine,- und daß politische Erwägungen es angezeigt erscheinen lassen könnten, mit der Notifizierung zu warten, bis die Hauptst hutigen der Genfer Völkerbmchstagung vorüber wären. Nachdem diese beiden Gründe� sorigefallen waren und die N o ti f i z ie ru n g. n o ch nicht er» folgte,-ist die Parteileitung bei den zuständigen leitenden Stellen der Reichsregierung vorstellig geworben und hat um Auf» klärung ersucht, weshalb die Noitfizierung bisher nicht er» frlgt fei und wenn«ine solche erwartet werden könnte. Don seiieu der Reichsec gierung ist daraufhin erklärt worden. daß sie ihre Verpsllchkung, die Notifizierung vorzunehmen,«n». erkenne und enlschwssen sei, ihr zu entsprechen. Angesichts gewisser zwischenzeitlicher Vorfälle habe man sich aber entschlossen,', zunächst die für Ende dieser Wcche zu erwartende Rückkehr der lei- tenden Mitglieder des Reichskabinetts abzuwarten und alsdann in einer sofort einzuberufenden Kabinettssitzung über den Ter- m i n der Notifizierung endgültig Beschluß zu fassen. Von feiten der Deutschnationalen Volkspartei ist mit großem Ernste darauf hingewiesen worden, daß bei den Mitteilungen der Reichsregierung vor Bekanntgab« der Erklärung nie«in Zweifel darüber gelassen worden ist, daß die Bekanntgabe an die auswärtigen Mächt« alsbald nach Veröffentlichung der Note erfolgen werde.' Eine Aufgabe dieses Standpunktes der Reichsregierung würde nach Ueberzeügung der Deutschnationaien Volksportei im In- und Aus- lande al sein unverständliches Zeichen der Schwäche gedeutet werden und die mit der Erklärung verbunden« Absicht in ihr Gegenteil verkehren. Die Deutschnational« Volksportei orwortel demnach, daß der bevorstehen« Kabinettsbeschluß auf alsbaldige Noll- fiziermig lauten werde. Wenn die Deutschnationale Partei von einer Auskunft spricht, die sie von der Reichsregierung erhalten haben will, so wären wir für Angabe der Adresse dankbar. Wir haben sie bisher nicht ermitteln können, die Bernwiungen schwanken zwischen Sigmaringen und Norderney. Im übrigen: Welch ein Zeichen der Stärke wird es fein, wenn die Regierung nach der Neröffentlichung dieses deutschnationaien Befehls hingeht und wirklich„notifiziert"! Setrüger find sie alle. Die völkischen Hoffnungen auf Annahme der Dawes- Gesetze. Die Deutschnatwnalen haben von vornherein gehofft, daß die Gesetze zur Ausführung des Gutachtens im Reichstag an- genommen werden würden. Der Zwang zur Zweidrittel- Mehrheit hat den Deutschnationalen das Spiel verdorben. Sie konnten sich nicht der Annahme erfreuen und gleichzeitig als , unentwegte Opposition ihre Hände in Unschuld waschen. Sie mußten selber der Sünde bloß werden und selber mitstimmen — wenn auch nur zu fünfzig Prozent—, wollten sie ihre ' geheimsten Hoffnungen erfüllt sehen. Ihre extremen Freunde urtb Konkurrenten von den Nationalsozialisten hatten es besser. Da die Deutschnationalen umfielen, so brauchten sie nicht umzufallen und können nun konkurrenzlos mit den Kommunisten gemeinsam die Rolle der einzig unentwegten„nationalen Opposition" spielen. Daß sie selbst darum gebetet' haben, daß die Gesetze angenommen werden möchten, ist für sie unerheblich: denn, so rechnen sie, ihre geheimsten Wünsche hätten sie so.tief in ihres Busens Schrein verschlossen, daß sie niemand auch nur ahnte. Aber diese dummschlaue, Politik des Uebergaunerns des Konkrurrenten in Radikalismus bekommt ein Loch, sobald man als Unentwegter nicht den Mund zu halten versteht über das, was man im geheimen denkt und will. Diesen obersten Grundsatz der Politik des Ucberbietens haben die Völkischen außer acht gelassen. Es ist ihnen etwas Menschliches zuge- fstoßen. Als es im Reichstag am 29. August darauf ankam, und die Nationalsozialisten sich der Zwangslage der Deutsch- r nationalen erfreuten, da ertrug der nationalsozialistische Ab- geordnete Ruckdäschel die Spannung nicht mek>r. Wie nun, wenn es nicht zureichte? Wenn das Eisenbahngesetz doch �zu Fäll kommen würde? Dann wären die Hoffnungen dahin. � Dann käme statt der günstigen agitatorischen Situation die - große Pleite: Auflösung, Reuwahlen, Niederlage. Bangigkeit . zog durch sein Herz, und wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Da wandte er sich an den neben ihm sitzenden Dsutschnationalen B r ü h n und gestand, erhysseaufdie Annahme der Dawes-Gesetze. Das mögen sich die unentwegten Deutschnationalen uyd Nationalsozialisten in diesen Tagen und Stunden der Spannung, als ihnen die Angst vor der Ablehnung und der Wahl die Knie schlottern machte,- hundertmal untereinauder gesagt haben. Aber Herr Ruck- d ä s ch e l war unvorsichtig— er sagte es der Konturrenz, und als die nyn von den Nationalsozialisten die Prügel be- zog, da ermnerte sie sich und zog dies Geständnis ans Tages- licht. Herr Strathmann, einer'der Ja-Sager von den Deutsch- nationalen, benutzte es zu seiner Derteidigung. Nun ist guter Rat teuer bei den Nationalsoziallsten, die ihren radikalen Zorn gSgen die Ja-Sager als Komödienspiel entlarvt sehen. Herr v. G r a e f e bemüht sich eigenhändig, �seinen Parteifreund, sich selbst und seine Partei herauszu- hauen. Er erläßt folgende Erklärung: „Der Abg. Ruckdäschel erklärte, daß er mit dem ihm per- svnlich bekannten Abg. Bruhn allerdings gesprochen Hab«, um zu erforschen, ob etwa ein Umfall der Deutschnationalen zu erwarten sei: er habe sich dabei vielleicht nicht sehr glücklich aus- ' g e d r ü ck t, auf keinen Fall aber habe in seinen Worten«in Sinn gelegen, wie ihn jetzt der Abg. Bruhn verbreite. Der Abg. Ruckdäschel hat hierzu auf Wort oersichert, daß er , selbstverständlich für seine Person, eberso wie wir all«, un- . erschütterlich auf dem Boden der unbedingten Ableh- n u n g aller Gesetze stehe." Diese Erklärung zeigt die ganze Berlegenheit: Herr Ruck- Erkenntnis. Don Elisabeth Bra«e-r. Sie stand noch einen Augenblick an der Tür des Seinen, ärm» lichen Zimmers, als ob sie etwas vergessen hätte. Dann dachte sie nach, und ein fast-heiteres Lächeln umspielte ihr bleiches Gesicht. Sie griff nach der kleinen Geldbörse, die auf dem Tisch lag und niaß sie mit abwägenden Blicken, ehe sie den kargen Inhalt zählte. Es waren gerade fünsundfechzig Pfennig. Es würde zum Abend- brot reichen. Und morgen? Morgen? Sie schüttelte den Kopf und sagte hart, daß sie vor dem Klang ihrer Stimme zusammenschrak: „Nein!"' In ihrem Kopf hämmert« das„Nein", als sie mit einem letzten Blick das Zimmer umfing.„Nein", dröhnte es In ihr, als sie die Augen hob und gegenüber ihr Spiegelbild sah, auf ihrem gold- blenden, welligen Haar noch einen Schimmer des verblassenden Tages. Sie mußte sich am Türpfosten halten, um nicht umzusinken vor Schwäche. Einen Augenblick nur, dann glitt ihr Blick wie ab- schiednehmend über das schmale Bücherregal. Wie hatte sie gespart, wenn die anderen Mädchen sich allerlei lustigen Tand kauften, um ein lange gewünschtes Buch zu erstehen! Wie hatte sie alle Ge- stalten in ihnen geliebt! Mit ihnen gelebt, gejubelt, geweint! Mitten in ihren Gedanken erklang wieder das„Nein", und sie war crstamit, daß ihre Lippsn das Wort geflüstert hatten. Dann dachte sie plötzlich ganz ruhig: nun kannst du ja gehen! Aber da fiel ihr Blick noch aus das klein«, braungerahmt« Bild auf der alten Kom- mode. Fast neugierig ging fix ein paar Schritte näher und starrte unablässig daraus, als hätte sie es nie gesehen. Dann erinnerte sie sich und«in Schatten huschte über ihr Gesicht. Ihr« Hände ruhten. sekundenlang auf dem Bild, dann sanken sie betroffen von der. Kühle der Glaswand an ihrem Kleid herab. Nur nicht rückwärts schauen! Doch als ob«ine innere Gewalt mit ihrem Willen kämpfte, erlahmte ihr Denken.— Warum wollte sie eigentlich gehen? Ihre Gedanken liefen zu» rück. Ja, so war es gekommen! Sie stand vor dem großen, schönen Haus, in dem sie die letzten Jahre mit redlichem Bemühen tagaus, tegsin an der Maschine gesessen und ihre Briefe geschrieben hatt«. Ihre Papiere knitterten in zitternden Händen. Stellungslos! Abbau! Das waren die Wort«, d« sie gar zu schwer begreifen konnte. Und dann kam die große Not! Heute ging es hierhin, morgen dahin! Erst hoffnungsfroh, lächelnd. Doch als sie immer wieder hörte: Wir bedauern— da vergaß sie das Lächeln. Die Schuhsohlen waren dünn vonz vielen Umherlaufen. Ihr Kleid sah abgetragen aus. Und ihr Herz war traurig geworden: es hatte alle Stufen von der leisesten Trauer bis zur tiefften Der- zweiflung durchkosten müssen. Bis sie kein Gefühl mehr kannte.— Alle Grenzen waren erreicht. Es gab nur noch einen Weg! Er war kurz! Sie tzmnte fem Ziel? Ruhe! Frieden! Zögert« sie? Sie gab sich einen. Ruck.— Lautlos siel die Tür ins Schloß. Nun gab es kein Zurück mehr! Mit kleinen tapferen Schritten durchlief sie die schon erleuchtetem. Straßen, immer weiter, wo die Häuser aufhörten, die groß« All« entlang bis zur Brücke! Ihre Zähne schlugen wie im Frost auseinander. Unaufhörlich flüsterte sie: Mut! Mut! Gleich bist du dal Plötzlich stieß ihr Fuß an etwas, das von dem Anprall auf die Seite fiel. Jäh schreckt« sie zusammen, beugte sich herab und sah erst nur«ine blanke, rote Medaille mit einem weihen Kreuz darin. Ein Blinder?! Sie hob zwei matte Arme, die sie hissesuchend umfaßten. Dann hörte sie eine unendlich sanfte Stimme sagen: „Ich danke Jhtren..." Ihr Herz-hämmerte, sie griff nach der kleinen Börse, legte sie schnell in die halbgeöffnete Hand, sah noch den Ausdruck glücklicher Verwunderung auf des Blinden Antlitz und rannte ein paar Schritte weiter. Die Brücke! Wer wie sie das feuchte Eifengsländer um- klammerte und In die grauen, brodelnden Fluten blickte, sahen sie zwei erloschene Augensterne seltsam an und eine sanft« Stimme klang wie aus weiter Fern« an ihr Ohr:„Ich danke Ihnen." Ein wildes Aufschluchzen löste ihre innere Erstarrung,— preßte ihr das erglühte Anttitz in die bebenden Hönde. Was hatte sie tun wollen? Sich fortstehlen, weil alle Wege verschüttet waren? Was war denn ihr Hunger, ihr Kummer gegen das Schicksal jenes blinden Menschen, der am Wege saß, immer in tiefer Dunkelheit! Immer allein! Wie ein Aufleuchten glitt die Erkenntnis auf ihren Irrweg und gab Ihr dos tiefe Wissen um den ewigen Kampf des Daseins. Und noch den Nachklang jener sanften Stimme hörend, ging sie ouftecht ins Leben zurück.—» „Wer fahrt jetzt mir zu häufet Ein alter Berliner, der wie alle echten Berliner von Haus au« kein Berliner ist, I. Kastan, hat allerlei Altberliner Humor, Witze und Anekdoten gesammelt und als„Lustiges P a n o p t i- k u m" bei Hoffmann u. Campe herausgebracht. Der Hof ist dabei so gut bedacht wie die Gclehrtenwett: die berühmten Kneipen und Stammtische stellen ihren Anteil so gut wie die Theateroriginale, und nur der eigentliche, knappe Berliner Bolkswitz, der keineswegs identisch ist mit dem schärferen südischen Witz, kommt dabei zu kurz. Aber eine hübsche Geschichte ist doch darin, worin dieser echte Berliner Humor köstlich l)eroorl«uchtet. Kastan erzählt sie also: Die ehrwürdigen Mitglieder der Berliner Akademie der Wissen- schaften hatten sich aus irgendeinem Anlaß zu löblichem Tun in den Räumen des„Hotel de Rome" versammelt. Hier waltete der alte Mühling seines Amtes als vorsorglicher Wirt. Ganz besonders stolz war er selbstverständlich auf diese sein« erlauchte Gelehrten- kundschaft, die sich unter Umständen auch auf eine gerechte Würdi- gung kochkünstlerischer Leistungen einzustellen weiß. Das Mahl ver. däschel und Herr Eraefe stehen für ihre Person auf dem Boden der unbedingten Ablehnung aller Dawes-Gesetze— auf Ehrenwort!— aber sie hofften auf die Annahme durch die anderen. Ihre Opposition ist ebenso Betrug und Täuschung, wie die Opposition der Deutschnationalen, ein Ausdruck des Mangels an nationaler Solidarität bei diesen Parteien gegenüber dem Zwang der Lage. Der eine Gauner ist hereingefallen, der andere hat sich selbst verraten— Betrüger sind sie alle! preußische Staatshilfe für üieHanüwirtJchaft Falsches Beweismaterial der„Deutschen Tageszeitung". Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Wie vor einiger Zeit mitgeteilt worden war, hatte die preußische Staatsregierunz außer ihren>iebenher laufenden Bemühungen um Neuschaffung eines ausreichenden landwirtschaftlichen Realkredites Hand in Hand mit Reichs- und Staatsbank es erreicht, daß� der preußischen Landwirtschaft Erntekredite bis zur Höhe von 200 Millionen Mark bereitgestellt worden sind. Die„Deutsche Tageszeitung" hat ge- glaubt, diese Hilfsaktion dadurch in den Augen der Landwirtschaft als völlig unzureichend hinzustellen, daß sie folgende Berechnung aufmachte: „Bei höchster Zuteilung kommen(von den 200 Millionen Mark, die in Form von Zweimonatswechseln ausgegeben werden) auf den Hektar 10 Mark, das würde bei einem 20-Hcktargur 200 Mark ausmachen. An Steuern absr hat dieses Gut zu zahlet: Grundsteuer....... 93 M. Einkommensteuer-Rate.... b7„ Gewerbesteuer....... 25, Umsatzsteuer.....„. 13. Stimma 193 M. Die„Deutsche Tageszeitung" bemerkte redaktionell dazu: „Es bleiben also nach Abzug der Steuerverbindlichkeitcn von dem„Kredit", der zur„Bergung der Ernte" bestimmt sein soll, nur noch 7 Mark übrig: wobei Löhne und eventuell von früherher gestundete Steuern nicht mit berücksichtigt sind. So sieht die Hilfe des Staates für die Landwirtschaft aus." Obwohl jeder praktische Landwixt, der dies« Notiz gelesen Hai, sich an Hand seiner Steuerbücher sofort berechnen konnte, daß die von der«Deutschet Tageszeitung" gebrachten Ziffern o ö l l ig u n- zutreffend waren, erscheint es doch notwendig, öffentlich fest- zustellen, daß hier mit absolut falschem Zahlenmate. r i a l gearbeitet v o r d e n ist, um die an die Landwirffchaft geleistete Staatshilfe aus politischen Gründen zu diskreditieren. Die „Deutsche Tageszeitung" bezieht ihre Zahlen auf«in 20-Hektargut. Bei dem Durchschnittswert im preußischen Staate(Friedenswert) von 1S00 Mark würde ein solches Gut 32 000 Mark Steuerwerk repräsentieren. Di«— gleich der„Deutschen Tageszeitung"— auf zwei Monate berechneten gesamten Steuern wurden nun in Wirk- lichkeit wie folgt aussehen: Grundsteuer � �. 21,50 M. Einkommensteuer-Rate... 25.60, Umsatzsteuer....... 18,—, Gewerbesteuer......— Summa 65, 10 W. •Dazu ist zu bemerken: die Einkommensteuerrate ist nicht nur für zwei Monate, sondern als Borauszahlung für ein Vierteljahr berechnet. Sie fußt auf dem durchschnittlichen berichtigten Wehr- bellragswert von 25 600 Mark. Eine Gewerbesteuer kommt— im Gegensatz zur Berechnung der„Deutschen Tageszeitung"-— bei einem Gute dieses Umfanges überhaupt nicht in Betracht, weil die der Gewerbesteuer unterliegenden Betriebe nur mit größeren Gütern kombiniert zu sein pflegen. Die einzige Ziffer, die die„Deutsche Tageszeitung" richtig angibt, ist die der Umsatzsteuer. Als End- ergcbnis der Kritik des Zisfernmatcrials der„Deutschen Tages- zeitung" ergibt sich also, daß— alles in Durchschnittsziffern gerechnet— anstatt der vor der„Deutschen Tageszeitung" behaupteten steuerlichen Belastung mit 193 Mark sich eine Gesamtsteuersumme von 6S,10 Mark, d. h. ziemlich genau einem Drittel der angcb- lichen Steuerlast für das als Beispiel genommene Gut errechnet. Nach diesem Sachverhalt steht demnach die staatliche Erntetredithilf« denn doch wohl in einem wesentlich anderen Verhältnis zu den fetzt«, die Teilnehmer in die beste Laune, und«s dunkelte bereits, als man sich trennte. Vier von den schmausenden Akademikern, die im alten Westen Berlins und in Charlottenburg wohnten, näm- lich August Boeckh, Moritz Haupt, Gustav Droyfen und Theodor Mommsen, vertrauten sich gemeinschaftlich einem Droschkenkutscher zweiter Güte an, dem zunächst die.Fahrt noch der Linlstraßc 7/8 angesagt wurde. Das Gefährt, nach Herkommen von einem edlen Rosse gezogen, setzt« sich gemächlich in Bewegung. Die Herren im Wagen waren in lebhafter Unterhaltung. Mommsen blickt zufällig durchs Scheibenfenster und bemerkt zu seinem Derwundern, daß der Roßlenker sich an der Ecke Leipziger und Charlottenstraße befinde. Er vermutet einen Hörfehler und ruft dem Kutscher nochmals deutlich zu:„Linkstraße". Das Gefährt zottelt nun wirklich die Leipziger Straße in westlicher Richtimg hinunter. Di« Herren Fahr- gäste plaudern gemächlich weiter. Ms jedoch die Linkstraße sich noch immer nicht zeigen will, guckt Mommsen wieder hinaus und findet sich am Anhalter Bahnhof. Aergerlich ruft er dem Kutscher ein vernehmliches„Halt" zu. Er steigt aus und findet den Wagen- lenter in einem Zustande, der keinen weiteren Zweifel aufkommen ließ. Rasch entschlossen schwingt sich unsttr Akademiker auf den. Bock der Droschke, schiebt den lallenden Kutscher etwas unsanft zur Seit«, und nun geht es in flottem Trabe, soweit es der Araber- Hengst zuläßt, zunächst wirklich in die Linkstraße vor Boeckhs Wohnung. Dann wird Moritz Haupt in der Schulgarten-(jegt Vudapester) Straß« Nr. 4, Gustav Dropsen in der Bittoriastraße 3 abgesetzt. Daß die Sache bis. daher scherzhaft sich gestaltete, kann man.sich denken. Jetzt aber wurde die Geschichte etwas bedenklicher. Zunächst galt es den schlaftrunkenen Kutscher in die Drosckik« hinein- zubefördern. Das gelang schließlich den Ueberredungskünsten. des Verfassers der römischen Geschichte. Mommsen bestieg wieder den Kuffcherbock und fuhr nunmehr dqrch die Fahrwege des Tier- gartens nach seinem an der Charlottenburger Chaussee gelegenen Hause. Wie er nun anhält und den ticsschnarchenden Kutscher nach starkem Rütteln aufweckt und ihm bedeutet, daß die Reise beendet sei. dringen aus dem Droschkenintern die bedeutsamen Wort« an sein Ohr:„Wer fahrt jetzt mir zu Hause?" Theodor Mommsen soll zum ersten und zum letzten Male in seinem Leben auf eine an ihn gerichtete Frage leine Antwort zur Stelle gehabt haben. Die öeutfthe Sprache in Amerika. Für das Recht des Gebrauchs der deutschen Sprache in den Ver- einigten Staaten von Amerika setzt sich ein Aufruf ein. der vom literarischen Ausschuß des Freimaurerbundes Anterika an alle dortigen deutschen Organisationen erlassen ist. Im einzelnen wird darin u. a. folgendes gesagt, was auch in Deutschland interessieren dürfte: „Als während des Krieges die sogenannte Amenkanisierung in Szene gesetzt wurde, galt als eins der Hauptmittel dazu das Verbot des deutschen Sprachgebrauchs in den Kirchen, Schulen und Logen. Zunächst wurde in 21 Staaten im Westen hie deutsche Sprache in den Kirchenfchulen verboten. Etwas schwieriger schien es in den. Logen, bei denen man Widerstand erwartete. Aber zum allgemeinen Erstaunen ließ sich dies leichter erledigen«tt» diese „Tapsendprozentigen" sich«inbildeten. Man ließ vorerst in den LvKn Hetzreden halten. Dos Resultat war, daß di« deutsch-amcrt- な Steuerlaften der Landwirtschaft und ergibt sich aus der staatlichen| demokratischen Rathausfraktion ist der Beschluß der StadtverordHilfsaktion absolut und relativ ein wesentlich höherer Nußen für netenversammlung rechts ungültig: die Landwirtschaft als die„ Deutsche Tageszeitung" es in ihrer so schlecht fundierten Beweisführung" darzustellen versucht hat. Der Fall Leinert. Eine unmögliche Pensionierung. Die Abbauverordnung ist eine Spa rverordnung. Sie sollte dem Reich, dem Staat und der Kommune die Möglichkeit geben, überflüssige Beamtenstellen einzuziehen und das Personal zu vermindern, also eine vernuriftgemäßere Finanzpolitik zu treiben. Daß Bürgermeister feine überflüssigen Beamtenposten darstellen, wird von niemand bestritten werden, besonders nicht in einer Groß-. stadt. Man kann den Bosten des leitenden Beamten einer großen Stadtverwaltung nicht einziehen. Und wenn man den Inhaber einer Pichen Stelle in Pension schickt, dann muß man einen neuen Mann an seine Stelle feßen. Deshalb sind die„ Abbau"-Beschlüsse von Kassel und Hannover gegen die sozialdemokratischen Oberbürgermeister Scheidemann und Leinert rechtlich gegenstandslos und von den staatlichen Aufsichtsbehörden mit Recht angefochten worden. In Hannover hat der Bürgerblod unter Führung des früheren Stadtdirektors" Tramm des Borgängers von Leinert " jezt einen anderen Ausweg aus der für ihn unhaltbaren Situation herbeizuführen gesucht. Er hat durch den zweiten Bürgermeister Fint, den er als Mittelsmann benutzte, dem Oberbürgermeister Leinert angeboten, ihm sein volles Gehalt als Ruhegehalt weiter zuzahlen, wenn Leinert sich bereit fände, freiwillig" feinen Abschied zu nehmen. Auf dieses Anerbieten ist Leinert eingegangen, ohne seine Barteiorganisation oder auch nur die sozialdemokratische Rathausfraktion von dem Handel in Renntnis zu sehen. Die örtliche Parteileitung hat darauf einstimmig ihm die schärfste Mißbilligung für diese Unterlassung und auch wegen des Inhalts des„ Bertrages" ausgesprochen, der mit dem Bürgerblod vereinbart war. Unser Hannoversches Parteiblatt, der„ Bolkswille", erklärt, Leinert habe jede persönliche Fühlungnahme mit seinen Gegnern vermieden, lediglich mit dem Bürgermeister Fint über diese Dinge ge= sprochen und endlich das Angebot ohne Aenderung ange nommen, als ihm eine Erklärung des Rechtsblods übermittelt wurde, nach weicher dieser von der erbitterten Be fämpfung des sozialdemokratischen Magistratsvorsißenden nicht lassen will". 39 Der„ Bolkswille" fügt hinzu: " Wir können diese Handlung des Oberbürgermeisters Leinert verstehen, da wir über die großen Schwierigkeiten, denen er befonders feit den Neuwahlen im Amte begegnete, genau unterrichtet sind. Auch hat bei seiner Entscheidung der Wunsch eine Rolle gespielt, endlich in die Verwaltung eine ge wiffe Ruhe hineinzubringen. Trozdem bedauern wir die Doreilige persönliche Entscheidung des Genossen Leinert, die unter dem Eindruck der gegnerischen unausgefekten Heze ohne irgendwelche Fühlungnahme mit der sozialdemokrati schen Parteileitung und der Rathausfraktion erfolgt ist." Zum Verständnis des sonst widerständlichen Vorganges sind diefe Mitteilungen sehr notwendig. Der sogenannte„ Bertrag", den der Bürgerblock Leinert angeboten und dann in der Stadtverordnetenfigung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und eines Zentrumsmannes auch beschlossen hat, bestimmt über die Höhe des Ruhegehalts das folgende: Als Ruhegehalf erhält Herr Leinert auf Lebenszeit die vollen Bezüge feines Diensteintommens( Eintommen eines Staatssekretärs nach Gruppe IV der Einzelgehälter des preußischen Beamten- Diensteinkommengefeges) und Relittenversorgung nach denselben Grundsägen. Sollten nach Außerkraftsehung des Besoldungssperrgesetzes die Bezüge des Oberbürgernieifters anders geregelt werden, fo stehen Herrn Leinert die pensionsfähigen Bezüge des Oberbürgermeisters und entsprechende Relittenversorgung zu." Nach Meinung des„ Volkswillens" und wohl auch der sozial tanischen Mitglieder sich widerstandslos allem fügten, was von ihnen verlangt wurde, mit einer einzigen Ausnahme: der deutsch- ameri fanischen Schillerloge in Newart, N. 3. Fast alle Großlogen erließen Verbote gegen die deutsche Sprache. Die englische Sprache ist nicht die Landessprache Ameritas und dieser Ausdrud follte überhaupt nicht in Verbindung mit der amerikanischen Sprache gebraucht werden. Eine amerikanische Lan dessprache mag die Indianersprache sein, aber Englisch ist die Gefchäftssprache der Bereinigten Staaten. Die deutsche Sprache wurde jedenfalls in den ersten 13 Staaten ebensoviel gebraucht wie die englische. Es fam im damaligen Kongres zur Abstimmung, und die englische Sprache wurde zwar zur Geschäftssprache gewählt, im Hinblick darauf, daß damals Geschäft und Schiffahrt hauptsächlich in englischen Händen lagen, aber die deutsche Sprache wurde nach wie vor der Gründung der Republik weiter gebraucht. In dem Rampf um die Sprache haben zunächst die lutherische und fatholische Kirche einen Sieg vor dem höchsten Gericht errungen. In den öffentlichen Schulen wächst der deutsche Unterricht mit jedem Lage, Nicht länger dürfen die Deutsch- Amerikaner mit dem Rampf um das Recht des deutschen Sprachgebrauchs zurückhalten.. Deutsch war die Sprache der Pioniere. In deutscher Sprache tommandierten die ersten Generäle Washingtons und nur deutsche Männer stellten feine Leibgarde bar. Deutsch waren viele Regimenter Lincolns, in denen wiederum in deutscher Sprache tommandiert wurde und ohne die die Erhaltung der Union faum möglich gewesen wäre." Bunächst verstößt der Beschluß gegen das Befol dungssperrgefeß(§§ 1, 2 und 13) monach ein Stommunal beamter in seinen Bezügen nicht beffer gestellt werden darf als ein Reichsbeamter in gleicher Stellung. Nach dem Besoldungssperrgesetz darf das Ruhegehalt nicht den vollen Be trag des Gehaltes ausmachen. Außerdem verstößt der Bertrag gegen das Preußische Altersgrenzengefeß. Nach den Bestimmungen dieses Geleges muß ein Beamter nach dem 65. Lebensjahre in der stand versekt werden und erhält dann die ihm zustehende Benfion, die 80 Broz. feines Gehaltes nicht übersteigen darf. Der Beschluß des Bürgervorsteherkollegiums wird sicherlich von den zuständigen Behörden bean standet werden." Auch wir haben die Hoffnung, daß die staatlichen Aufsichts behörden einen Strich durch die Rechnung der Bürgerblöckler machen werden. Aber auch wenn das geschieht und damit der ganze„ Bergleich" einschließlich des Abgangs von Leinert hinfällig würde, wäre der Fall Leinert immer noch peinlich genug. Der Kampf um Scheidemann. Ein neuer Schachzug der Bürgerlichen. Sigung hat die Stadtverordnetenversammlung be. Kaffel, 9. September.( WTB.) In einer vertraulichen Kassel, 9. September.( WTB.) In einer vertraulichen schlossen, ihren Abbaubeschluß vom 14. Juli aufzuheben und ihn durch eine neue Formulierung zu ersehen. Nach dieser stock zum 1. November in den vorläufigen Ruhestand follen Oberbürgermeister Scheidemann und Stadtrat Rosenversetzt werden. In der Abänderung des alten Beschlusses wird ausdrücklich festgestellt, daß mit dem neuen Beschluß der Abbau der Stelleninhaber und nicht der Stellen selbst herbeigeführt werden soll. Seinerzeit hatte die Regierung wegen der Unflarheit der ersten Fassung in dieser Beziehung die Gültigkeit des Beschlusses vom 14. Juli nicht anerkannt. Versammlungsschutz verboten. München, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Die So.. 3ialdemokratische Partei in München hatte für Dienstag abend pier öffentliche Boltsversammlungen einbe rufen, in denen zu den Lastenvereinbarungen des Londoner Abfommiens Stellung genommen werden sollte. Um eventuelle Störungen in den Versammlungen unterdrücken zu können, ersuchte die Parteileitung das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, den Bersammlungsschuß zu übernehmen. den Nunmehr hat aber der Staatsfommissar für München- Stadt und-Land des Partei ein Schreiben zugehen lassen, in dem es heißt: Die Verwendung eines organisierten Saalschutes bei öffentlichen Versammlungen ist verboten. Zuwiderhand lungen werden mit Gefängnis oder Geldstrafe geahndet. Un abhängig von der Strafverfolgung ist die polizeiliche Auflösung der Versammlung zu gewärtigen. Der Schuß öffent licher Bersammlungen obliegt ausschließlich der Polizei.". Was hier vom Staatsfommissar verboten wird, ist vor Monaten durch Landtagsbeschluß ausdrücklich als richtig anerkannt und empfohlen worden. Die Anordnung des Staatstommissars ist also lediglich als eine lächerlich anmutende Nadelstichpolitik gegen die Sozialdemokratische Partei zu werten. Im übrigen haben wir noch nicht erlebt, daß in Bayern sozialdemokratische Bers Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold die Wirkung gehabt, daß in Zu fammlungen von der Polizei geschützt wurden. Vielleicht aber hat jetzt die Aufforderung der Sozialdemokratischen Partei an das funft auch sozialdemokratische Versammlungen nicht mehr als„ vogelfrei" zu betrachten sind. In China wird weiter gefämpft und vor allem weiter interSchanghai gelandet, die nun allerlei Sicherungsmaßnahmen treffen. Deniert. Es haben so ziemlich alle Ententemächte Truppen in Die von den Mächten geforderte Errichtung einer neutralen 3one Inzwischen mischt sich auch die Mostauer Sowjetregierung infofern bei Schanghai ist von der Pefinger Regierung abgelehnt worden. ein, als sie sich gegen jede Intervention der Mächte ausspricht. Die Stimme der Besiegten. Eine einstündige Rede des ungarischen Delegierten Apponyi. Genf, 9. September.( WTB.) Die heutige Bormittagssigung der Bölkerbundsversammlung wurde mit einer einstündigen Rede des Führers der ungarischen Delegation, des Grafen Apponyi, eröffnet, der in äußerst wirkungsvoller und eindringlicher Weise die Gesichtspunkte und Empfindungen darlegte, die angesichts der Völker bundsdebatte den besiegten Staat beseelen. Nachdem er das fannt und insbesondere England für seine Mithilfe gedankt hatte, Wirken des Völkerbundes in der Finanzsanierung Ungarns aner trat er in eine ausführliche, mit großer Aufmerksamkeit aufgenommene Darlegung der beiden Hauptfragen ein, die Ungarn inter effieren, und zwar erstens der Minderheitenfrage und zweitens des Abrüstungs- und Sicherheitsproblems. Zu Punkt 1 führte er vor allem aus, daß die vier Millionen Magyaren, die durch den Friedensvertrag von Trianon vom ungarischen Staate los gelöst worden feien, wenigstens fulturelle Sicherungen erlangen müßten, und kritisierte in diesem Zusammenhang die unzulängliche Handhabung des Minderheitenschußes durch den Böllerbund infolge der geringen Befugnisse, die ihm praktisch zuständen, und infolge seiner politischen Bindung durch seine Zusammenfchung. Die Frage der Minderheiten müßte daher mündlich durch die Vertreter der Minderheiten dem Rate vorgetragen und von diesem dem Ständigen Internationalen Gerichtshof überwiesen werden. Bis jetzt sei auf dem Gebiete des Minderheitenschutzes fast noch nirgends Gerechtigkeit ausgeübt worden. Es sei eine dringende Forderung, daß die Minderheitsverträge ebenso streng gehandhabt würden wie die anderen internationalen Verträge. Hierauf ging Apponyi auf das Abrüstungsproblem ein, das er mit außerordentlicher Offenheit und Klarheit behandelte. Er ging dabei von dem Gedanken aus, den er immer wieder auf das feierlichste unterstrich, daß die Abrüstung der besiegten Staaten in den Friedensverträgen ausdrücklich als Borausfegung für die allgemeine Abrüstung angenommen worden sei. Mit nachdrücklicher Betonung jedes Wortes und mit weithin schallender Stimme erklärte er, daß, nachdem Ungarn entwaffnet worden sei, es jetzt auch das Recht habe, die Ein haltung des feierlich gegebenen Versprechens zu fordern. Die gegenwärtige Lage sei unerträglich. Es sei unangemessen und unmöglich, daß Ungarn völlig waffenlos fei, während die anderen Staaten träge, sondern auch der Völlerbundspatt felbft verlangten, bis an die Zähne bewaffnet blieben. Aber nicht nur die Friedensver. daß endlich eine gleichmäßige Behandlung aller Staaten in der Abrüstungsfrage Plaz greife. Man habe in allen Reden auf den gewiesen und sich dabei auf Artikel 8 des Bölferbundspattes geftüßt, unlöslichen Zusammenhang zwischen Abrüstung und Sicherheit hinder diesen Zusammenhang feststelle. Ungarn gegenüber sei diese Bestimmung immer wieder verlegt worden. Die Militärfontrolltommission habe nicht nur, indem sie dabei über ihre Befugnisse hinausgegangen fei, fich felbst in die kleinsten technischen Einzelheiten gemischt und Ungarn auch in den chemischen Kriegsmitteln entwaffnet, fondern ihm sogar die Herstellung von Schuhmasken für die harmlose Bevölkerung gegen feindliche Gasangriffe untersagt. Ungarn sei ohne die geringste Garantie von Sicherheit entwaffnet worben. Demgegenüber sei immer wieder auf Artikel 8 des Baktes zu verweisen, der die allgemeinen Grundsäge der Bölkerbundsmit glieder enthalte und der feine Unterscheidung zwischen verSchiedenen Kategorien von Staaten zulaffe. Auf der doppelten Grundlage des Völkerbundspaktes und der Friedensverträge müßte daher auch endlich die allgemeine Abrüftung erfolgen in völlig gleichmäßiger Weise für alle Staaten. Wie folle denn eine mirliche Die Konzertgemeinden der Voltsbühne. Die Volksbühne richtet mit Be- Versöhnung und Friedensatmosphäre anders ginn des nächsten Spieljahres Konzertgemeinden ein, die ihren Mitgliedern 3 u stande kommen! Die Brüderlichkeit unter den Nationen fei je fünf Stonzerte zu besonders ermäßigten Preisen gewährleisten. Die einzelnen Konzertreiben umfassen ein Stonzert der Staatskapelle, eine Sammer nicht möglich, solange gewisse Staaten einem Ausnahmeregime unter. mufil- und eine Choraufführung, eine Soliften und eine Lanamatinee. worfen feien, folange es zweierlei Recht gebe. Der Friede, Nichtmitglieder fönnen Einzelfarten erwerben. Näheres in der Geschäfts- für den Herriot und Macdonald so eindringlich eintraten, fei nicht stelle, Linienstr. 227, und in den Zahlstellen. möglich, solange nicht jedes Ausnahmeregime verschwunden fei. Der Arbeitsplan der Staatsoper für die Spielzeit 1924/25 wird mit zwei Unter diesen Voraussetzungen begrüße er mit Begeisterung den Uraufführungen von Werken der allerjüngsten Kunstrichtung bringen: Ernst Schritt, der in den letzten Tagen bezüglich der Abrüftung unter Seren els dramatische Stantate. Die 3 wingburg." und Alban Bergs nommen worden sei. Er wolle sich auch nicht zahlreiche Kritiken dreiaktige Oper 088 el( nach Büchner). Außerdem gelangen zur Erft- eigen machen, die bei der Behandlung der Frage und ihrer lleber aufführung Pfigners Rose bom Liebesgarten" und Schreters Erstlingsoper Der ferne Klang". Neu einstudiert weisung an die Kommiffionen erhoben werden könnten. Das Wich. werden: Webers Freischüt", Mozarts Mozarts Cofifan tutte, Cortigfte sei jetzt, daß der Schiedsgedante tatsächlich verwirklicht nelius Barbier von Bagdad", Berdis Troubadour" werde. Niemand habe das Recht, die Berwirklichung des Schieds. ein Wert von Meyerbeer, Donizettisiebestrant und gedankens im Rahmen der Abrüftungsfrage für unmöglich zu er Wagners, Parsifal". flären, nachdem es möglich gewesen sei, in das allerschwierigste Bro blem, in die deutsch- franzöfifche Reparationsfrage, den Schiedsgedanken einzufügen. Diese Tatsache sei ebenso zu begrüßen wie die, daß in den Londoner Verhandlungen zum erstenmal seit dem Kriege zwischen Siegern und Besiegten auf gleichem Fuß verKriege zwischen Siegern und Besiegten auf gleichem Fuß verhandelt worden sei, Der Anteil, den die deutschen Arbeiter an der Entwicklung des Sozialismus und der Arbeiterbewegung in Amerita haben, ist außer ordentlich. Noch heute erscheinen eine Reihe von Arbeiterblättern in deutscher Sprache. " " " Die Staatliche Kunftbibliothet, Brinz- Albrecht- Str. 7 a, bat eine Aus: stellung von Büchern und Blättern über Stunst und Künstler des 19. Jahrhunderts eröffnet, die ihr als Stiftung aus der Bibliothek des verstorbenen Malers Bernt Grönvold überwiesen worden sind. In einer Matinee leſen am Sonntag, vorm. 11%, Uhr, im Stünstlerhaus, Bellevuestraße 4, Mar Barthel und Erich Weinert aus eigenen Werken, Alexander Granach, Neki Langer und Wieland- Hersfelde aus Berken von Ernst Toller und Erich Mühsam. Das Potsdamer Schauspielhaus wird nicht, wie beabsichtigt war, vom Berliner dramatischen Theater übernommen. อน Apponyi schloß; indem er mit erhobener Stimme erflärte: wir Ungarn find Nationalisten, b. h. völlig bem nationalen Gedanten ergeben, aber wir verfolgen fein Ziel und haben tein Ideal, das in Widerspruch stände zu den Zielen und Idealen des Friedens, den idealistischen Bestrebungen der Bölker, dem Denken und Trachten der Menschheit. Als Apponyi die Tribüne verließ, wurde er, wie bereits am Beginn der Rode, auf zahlreichen Bänken des Hauses, vor allem vpn tralen Staaten fowie von den englisch sprechenden Delegationen den Vertretern der nordischen und der anderen ehemais neumit lebhaftem Beifall bedacht. Auch Léon Bourgeois, der als einziger französischer Delegierter der Rede beiwohnte, klatschte Beifall. der Bölkerbundsversammlung hielt der englische Staatssekretär des Die zweite bedeutende Rede in der heutigen Bormittagssigung Innern, Henderson, abgelaufenen Jahre als äußerst reichhaltig und verdienstvoll der an Hand des Ratsberichtes die Tätigkeit des Völkerbundes im bezeichnete und sich dann dem Wunsche Nansens anschloß, daß fünftig auch aus dem Wirfungsgebiete des Ständigen Internationalen Gerichtshofes Gerichtshofes Jahresberichte vorgelegt werden ständige Gerichtshof ein autonomes Organ sei, stellte Henderson follen. Dem neulichen Einwand Hymans dagegen, daß der die Auffassung entgegen, daß die Bölterbundsversammlung, die das Budget des Bölkerbundes bewilligt habe, über alle im Völkerbunde behandelten Fragen unterrichtet sein muß. Internationalen Arbeitsamtes ein, wie überhaupt für Er trat ferner für jährliche Berichterstattung für die Tätigkeit des ein enges Zusammenarbeiten zwischen den Bölkerbundsorganisationen und dem Internationalen Arbeitsamte, deffen selbständige Tätigkeit dadurch nicht eingeschränkt werden solle, dessen wichtige Arbeit aber durch lebhaftere Unterſtügung der anderen Organismen im Interesse der Arbeiterklasse gefördert werden könnte. Im Anschluß hieran trat er für eine baldige Unterzeichnung der von der Internationalen Arbeitsorganisation ausgearbeiteten Konvention ein. Weiter führte er aus, das Interesse der Arbeiterklaffe am Bölferbund sei im Wadhjen nichtsdestoweniger ständen noch weite Kreise der Arbeiterschaft dem begriffen, Völkerbunde zögernd und steptisch gegenüber; wenn man fie gewinnen wolle, müsse der Böllerbund sein Friedenswert ziel bewußt ausgestalten und die großen Länder aufnehmen, die noch nicht in ihm vertreten jeien. Außer Herriot sprach in der heutigen Sigung der norwegische besonderen Rommission zur Aufrechterhaltung des Kontaktes mit Delegierte Lange zum Ratsbericht, wobei er die Schaffung einer nahme von Wünschen und Anregungen über internationale Proanderen internationalen Organen und Gruppen, und zur Entgegenbleme anregte. Die Rede des ungarischen Delegierten befigt um so größere Bedeutung, als es das erftemal ist, daß der Vertreter eines der besiegten Staaten des Weltkrieges in fo freimütiger Weise vor dem Forum der Völkerbundsversammlung die Wünsche, Beschwerden und Anschauungen seines Landes darlegen konnte. Der lebhafte Beifall, den er am Schluß seiner einstündigen Rede erntete, ist ein Beweis dafür, daß fich in Genf auch die Besiegten Gehör verschaffen können wenn sie nur erst da sind. Es ist nur zu bedauern, daß diese Ausführungen, nament lich über die Ungerechtigkeit der einseitigen Abrüstung der Befiegten, nicht von einem reichs deutschen Delegierten gemacht werden konnten. Aber bekanntlich ist es in den Augen unserer Nationalisten mit der Ehre des deutschen Volkes unvereinbar, daß Deutschland in den Völkerbund eintrete; und vor dem Beto der Deutschnationalen muß selbstverständlich die bessere Einsicht der Reichsregierung fuschen. Apponyi hat mit feiner Rede das Ansehen seines Landes gehoben, den Interessen seines Boltes genutzt und überhaupt allen be= siegten Staaten, die Opfer der Gewaltfriedensdiftate von 1919 wurden, einen großen Dienst erwiesen. Es ist aber für das große Deutschland etwas beschämend, daß es die ihm gebührende Rolle eines Wortführers der Besiegten dem kleinen Ungarn überlassen mußte. Diese zurücksetzung verdanken mir eben jener Abstinenzpolitif gegenüber dem Völkerbund, die fast ausschließlich von der Sozialdemokratie feit Jahren bekämpft wird. mutige Auftreten des ungarischen Delegierten und über die Unsere ,, nationalen" Blätter werden natürlich über das der Sieger zum Ausdruck gebracht hat, hoch erfreut sein. Aber zum Teil recht derben Wahrheiten, die er gegen die Politik mit diesem Lob werden sie zugleich die schärffte Kritik an der eigenen Bolitit aussprechen, die einen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bisher verhindert und, und wenn möglich, noch weiter verhindern möchte. Gewerkschaftsbewegung Washingtoner Achtstundentag mit Vorbehalt. -Als der deutsche Kriegserfahreichskanzler Michaelis die Friedens resolution mit dem bescheidenen Vorbehalt gutzuheißen geruhte, hatte das:„ Wie ich es auffasse" immerhin die Originalität für sich. Selbst dieses damals verblüffende Moment fällt bei dem Vorbehalt des Reichsarbeitsministers Brauns fort, mit dem er vor der Berner Konferenz wenigstens das Washingtoner Achtstundentag abkommen zu ratifizieren gedachte. Dennoch hat er dabei mindestens den Beifall der„ DA3." gefunden, die gestern abend ihren Spezialisten gegen den Achtstundentag, Dr. M. P., in ihren Spalten ebenfalls für die Ratifitationen nach Artikel 14 eintreten ließ. Nachdem dieser Sachverständige festgestellt" hat was sich auf dem Papier ohne Schwierigteiten machen läßt daß Deutschland nicht in die Zwangsjacke des starren Achtstundentags gesteckt werden darf, wenn es seine Verpflichtungen gegen das Ausland und nicht zuletzt gegen feine eigenen Volksgenossen erfüllen soll", nähert er sich dem Borbehaltsstandpunkt Dr. Brauns: ,, Die innere and äußere Agitation hat nun dazu geführt, daß die deutsche Regierung ihre grundfäßliche Zustimmung zu der Ratifizierung abgegeben hat. Ebenso haben maßgebende Unternehmerkreise... sich damit einverstanden erklärt, allerdings unter Voraussetzungen, die auch mir im wesentlichen unterschreiben fönnen. Vor allem muß Sicherheit dafür gegeben werden, daß Deutschland zur Verhütung außerordentlicher Gefährdung deutscher Lebensinteressen" den Artikel 14 des Abkommens nötigenfalls anwenden tann. Nach ihm können die Bestimmungen des Uebereinkommens in jedem Lande durch die Regierung im Falle cines Krieges oder anderer Ereignisse, welche die Landesficherung gefährden, außer Kraft gefekt werden". Können wir also(!) die Verpflichtungen des Londoner Pattes nicht er füllen und müssen, weil damit die Landessicherheit gefährdet" ist, zu einer vorübergehenden Verlängerung der Arbeitszeit schreiten, dann dürfen aus dieser Maßregel nicht die berüchtigten Verfehlungen" fonftruiert werden, in deren Folge sich„ Sanktionen" und dergleichen befinden. In dem englischen Regierungsentwurf cines Arbeitszeitgefetes ist ebenfalls vorgesehen, daß der Minifier das Gesetz aufheben kann, wenn die nationale Sicherheit durch Krieg oder andere gefährliche Ereignisse bedroht ist. Ebenso muß Deutschland nach wie vor jebe Rontrolle über seine eigene Sozial politik ablehnen, die über die völkerrechtlich üblichen Bindungen hinausgeht." " Wenn den Unternehmern die Profitmöglichkeit beim Zweifchichtensystem günstiger erscheint els beim Dreischichtensystem, dann ist die Landessicherheit" allerdings außerordentlich gefährdet. Nur durch zwölfftündige Arbeitszeit kann diese„ Gefahr" abgewendet werden. Der junge Mann der Stinres- ,, DA3." schwärmt förmlich für die Ratifikation- wie ich sie auffaffe- denn die Anpassungsfähigkeit, die das Washingtoner Abkommen bietet, sei weit größer als die von der sozialistischen Agitation getäuschten Massen annehmen". Die Täuschung dürfte in diesem Falle ganz auf jener Seite sein, auf der man glaubt, ein neues Arbeitsgefez auszuarbeiten, das den Erfordernissen unserer Wirtschaft Rechnung trägt", das heißt den Profitintereffen der Unternehmer. Wir fennen die Mängel des Washingtoner Abkommens und werden nicht verfäumen, auf ihre 2 b stellung hinzuwirken. Die Massen werden fich nicht mit dem Prinzip des Achtstundentages, feiner grund fäßlichen" Anerkennung, am wenigsten bei zwölfstündiger Schicht, täuschen lassen, sondern nicht ruhen, bis der Achtstundentag zurüd gemonnen und gesichert ist. Daß die internationale Berständigung der Arbeitnehmerschaft in diesem Punkte zugunsten einer nationalen Verständigung zwischen deutschen Arbeitgebern und Gewerkschaften" nach Artikel 14 preisgegeben wird, ist eine Selbst. täuschung, die in dem Verhalten der Arbeitszeitverlängerer nicht die geringste Stüße findet. Der Fall Stegerwald. Weit schlimmer für den geschäftigen Herren Stegerwald als die Beschwerden des christlichen Bergarbeiterführers Imbusch gegen ihr ist das Lob, das die„ Deutsche Bergwerks- Zeitung" auf das Haupt Adam Stegerwalds häuft. Das schwerindustrielle Blatt brachte in feiner Dienstagausgabe einen Leitartikel, Imbusch gegen Stegerwald" überschrieben. Daß den rheinisch- westfälischen Grubenbaronen der christliche Bergarbeiterführer Imbusch weniger gefällt als der schmiegsame Führer der chrift lichen Spitzenorganisation, Stegerwald, ist nur zu erflärlich. Trotzdem meiß das Blatt nichts gegen Imbusch zu sagen. Es nimmt Den staatsmännischen Kopf" Stegerwald in Schutz gegen die An griffe Imbuschs. Das Unternehmerblatt bedauert die Bergarbeiter vertreter von der Saar, weil sie in Köln von ihrem eigenen Borfizenden unfruchtbaren Klatsch vorgetragen erhielten". Und dieser„ unfruchtbare Klatsch" beschäftigt das Unternehmerblatt in einem Leitartikel von anderthalb Spalten! Man mache ja Imbusch keinen Vorwurf daraus, daß er auf dem linken Zentrumsflügel marschiert; deshalb dürfe er aber doch feinem seiner Kollegen einen Vorwurf daraus machen, wenn er politisch etwas mehr rechts eingestellt ist". Wollte Herr Stegerwald bei seiner immer mehr nach rechts gehenden Einstellung nicht länger den Ehrgeiz haben, ein Amt weiterzuführen, das ihm übertragen wurde, als er noch weit weniger rechts eingestellt war, dann wäre seite Einstellung seine Privatangelegenheit. Doch gerade die neuere Einstellung Stegerwalds, die der„ Deutschen Bergwerks- Zeitung" so sehr an ihm gefällt, ist es, was den christlichen Arbeitern, vorab den Bergarbeiter, fo wenig gefällt. Wir beneiden den christlichen Arbeitnehmerführer nicht um das Lob des Unternehmerblattes; es hat damit seinem Schüßling einen Bärendienst erwiesen. Warten wir ab, wie weit die Reise nach rechts noch geht. Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Berlin. April/ August 1924. Nach Ueberwindung der Inflationskrise setzte im Frühjahr d. I. ein industrieller Aufschwung ein, der zurüdzuführen ist auf den gesteigerten Inlandsbedarf. Die Stabilisierung der Löhne und Gehälter als Folge der Stabilisierung der Mart hatte zur Folge, daß der lang zurückgehaltene Bedarf an notwendigen Gebrauchsartikeln gedeckt werden fonnte. Infolgedessen ging die Arbeitslosigkeit ständig zurück und fant in der ersten Juliwoche im Bezirk Berlin bis auf 78 500. Bon diesem Zeitpunkt an macht sich die Kreditkrise, die eine weitere Folge der Inflation ist, in immer schärferem Ausmaße geltend. Die Arbeitslosigkeit stieg fortgefegt bis Ende August, wo sie rund 102 000 Personen erfaßt hatte. 139. 115. Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Berlin 102 100.8 98. 901Sluckarmen April- August 1994 In 1000 Personen Männer Fraue 66.3 84.1 84.9 81.1 FB. 92 86.3 80.s 98.9 93. 98. 101 101.9 5.12 19 26 3 10 17 24 31 7.14 21 28 5 19 19 26 9 9 16 23 April Mai Juni Juli August hatten. Es wurde meber auf die Familienverhältniffe noch auf die Dauer der Betriebstätigkeit Rücksicht genommen. Zur Zeit dieser Massenentlassungen wegen angeblichen Absahmangels wur. den erhebliche Mengen von Margarine aus den ausländischen Betrieben des van- den- Berg- Konzern auf den deutschen Markt geworfen. Nachdem der Betrieb„ gründlich gefäubert" war, setzte die„ Konjunttur" wieder ein, wurde aber alsbald wieder künstlich eingedämmt, nachdem sich ergab, daß die Schlichtungsausschüsse die Arbeitsbedingungen nicht gutheißen fonnten. Sofort meiteren beträchtliche Schlichtungsausschüsse die Verschlechterungen der trat wieder Mangel an Aufträgen" ein, um weitere umfang. reichere Entlassungen zu begründen. Die Organisations leitungen fonnten feststellen, daß in einer rheinischen Großstadt eine Riefenladung von Margarine angeliefert wurde, die in Betrieben mit Produktionsmangel" nicht hergestellt sein konnte, also ausländisches Fabrikat sein mußte. " Während dieje„ deutsche" Gesellschaft bis dahin nur Fertigware aus dem Ausland eingeführt hatte, ging sie nunmehr dazu über, aus ihren holländischen Betrieben auch Rohöle einzuführen, um einen weiteren Betrieb mit rund 300 Bo11arbeitern stillzulegen. Die stillgelegten Familienväter, die teilweise in jahrzehntelanger Tätigkeit unter färglichen Arbeitsbedin gungen für diese„ deutsche" Gesellschaft geschuftet haben, müssen ruhig zusehen, wie ihr bisheriges Arbeitsprodutt aus dem Ausland eingeführt wird, während sie dem größten Elend preisgegeben wurden. Der Konzern aber hat erreicht, was er erreichen wollte. Unter dem ungeheuren Druck der durch den Absazmangel" herbeigeführten Arbeitslosigkeit glaubt man den Rest der Belegschaft genügend will fährig, um nunmehr große Reflame für die„ neue Marke" zu machen. Der Bezirksausschuß des ADGB. m Cleve appelliert nach allem an die deutsche Arbeitnehmerschaft als Hauptkonsument von Margarine, fich die Frage vorzulegen, ob sie ein Produkt konsumieren will, das unter derart brutalen Machinationen verbillig: wird für den Unternehmerfonzern. Wenn der pan- den- Bergh- Konzern seine Margarine als besonders gut anpreift, so ist festzustellen, daß der Margarinemarkt genügend gleichwertige Fabrikate ausweist. Die gesamten Die vorstehende Labelle ist insofern besonders bemerkenswert, weil sie den Anteil der Männer und Frauen hervorhebt, die von der Arbeitslosigkeit erfaßt worden sind. Während in der ersten Aprilwoche der Anteil der Männer noch 79 Proz. und der der Frauen nur 21 Proz. betrug, fant der Prozentualanteil der Margarinefabritate aus Cleve find zurüdzuweisen. Männer Ende August auf 70, während der Prozentsatz der Sie sind allesamt in den van- den- Bergh- Betrieben hergestellt. Laht Frauen auf 30 stieg. Es bliebe zu untersuchen, welche Ursachen euch nicht durch falsche Bezeichnungen irreführen. Macht eure bei diefem stärkeren Anwachsen der Arbeitslosigkeit der Frauen mit Frauen auf die Praktiken dieser Gesellschaft aufmerksam, damit sie bei gewirkt haben. Es mag wohl teilweise darauf zurückzuführen fein, ihren Einkäufen feststellen, wer Hersteller der angebotenen Margarins baß die Arbeitslosigkeit besonders groß ist in den Berufen, die vor- ift. Kauft nur Margarine, von der feststeht, daß sie tein Fabrinehmlich oder überwiegend Frauen beschäftigen, wie in der Berat dieser Firma ist. fleidungs-, der Textil- und der Tabatindustrie. Es mag auch auf angestellten zum Teil entlassen werden. Zu untersuchen wäre allerdie Tatsache zurückzuführen sein, daß bei einer Geldtrise die Haus- Cleve Auskunft. In Zweifelsfällen erteilt der Bezirksausschuß des ADGB. in dings noch, wieweit die Unternehmer von dem Standpunft ab Hoch die Solidarität! gekommen sind, daß die ungelernte billige Arbeitskraft der Frau in der Praxis nicht immer billiger ist, als die Arbeitskraft des Mannes. Jedenfalls läßt das prozentuale Anwachsen der Arbeitslosigkeit der Frauen erkennen, daß der Arbeiterhaushalt in wachsendem Maße ergibt sich aber noch mehr als bisher die Notwendigkeit von Löhnen, auf den alleinigen Verdienst des Mannes angewiesen ist. Daraus die zur Bestreitung eines Haushalts ausreichend find. Der Bock als Gärtner. Die Bergarbeiter lehnten den Schiedsspruch ab. Die vier Bergarbeiterverbände haben den Echiedsspruch über dir Lohnregelung bei den südlichen Randzeen ab angenommen. gelehnt. Der Zechenverband hat befanntlich den Schiedsspruch Die Gruppe Heizer, Maschinisten und Uebertags arbeiter der christlichen Metallarbeiter hat ebenfalls den Schiedsspruch des Staatskommissars für die südlichen Randzechen abgelehnt. Der Lohnkampf in der Wiener Metallindustrie. industrie am Montag eine weitere Verschärfung erfahren, weil sich Nach Meldung der TU. hat die Lohnbewegung in der Metalldie Arbeiter weiterer Fabriken der Streitbewegung angeschlossen ftatt, in welcher die Forderungen der Arbeiter beantwortet wurden. heute werden sich die Metallarbeiter mit der Antwort der Metallwürde am Donnerstag der große Streit ausbrechett, an industriellen beschäftigen. Falls es zu feiner Einigung fommt, welchem girta 170000 rbeiter beteiligt fein würden. Die Gas- und Elektrizitätsarbeiter drohen, sich dem Streit anzuschließen. Man bemüht fich, in legter Stunde eine Vermittlung herbeizu führen. Die Situation ist jedoch sehr ernst. Es ist kaum anzunehmen, daß es gelingen wird, dem Streit aus dem Wege zu gehen. Der Geschäftsführer des Arbeitsnachweises Teltow hat sich schwere Verfehlungen in seiner Geschäftsführung zuschulden kommen lassen. Diese Verfehlungen bestehen in unfittlichen Anträgen an die weiblichen Arbeitssuchenden des Arbeitsnachweises. Ferner hat dieser Geschäftsführer es versucht, Unterstützung beziehende Erhaben. Am Dienstag fand eine Sigung des Industriellenverbandes schusses stellten den Antrag, den Mann sofort feines Amtes zu ent werbslose anzupumpen. Die Arbeitnehmer des Verwaltungsausheben. Dem Vorsitzenden wurde das schriftliche Material, das sich aus eidesstattlichen Erlärungen zusammensetzt, bereits am 23. Auguſt übergeben. Eine fofortige Entlassung vom Dienst refp. Beurlaubung ist nicht erfolgt, vielmehr wurde diesem liebenswürdigen Beamten das gesamte Material zur Gegenäußerung überwiesen. Es erging deshalb Beschwerde über den Bürgermeister und Magistrat bei der Arbeitnehmer und Vertreter der Gewerkschaftskommission haben darauf hingewiesen, daß das Verbleiben des Beamten im Dienst zu schweren Benachteiligungen der gesamten Arbeitnehmerschaft führen müsse. Brutalität des Margarinekapitalismus. Konsumenten, habt acht! Der Margarinetengern van den Bergh Cleve, der alleiniger Hersteller der Marke„ Schwan im Blauband" ist, hat es feit Jahrzehnten verstanden, die Anfäffigmachung weiterer behörden waren hierbei getreue Selfer. Dadurch wurde erreicht, daß Industrien im Kreise Cleve zu hintertreiben. Kreis- und Kommunaldie Arbeiterschaft des Bezirks feine weitere Arbeitsmöglichkeit erhielt und damit auf Gedeih und Verderb diesem Margarineunternehmerium ausgeliefert wurde. Durch firaffe gewerkschaftliche Organisation war es in den letzten Jahren möglich, für die Belegschaften dieser Betriebe den bezirklichen Verhältnissen entsprechende Vereinbarungen zu treffen, die der schlimmsten Willkür einen Riegel vorschoben. Allein die Ruhraktion und die Zeit der Inflation, die hier im äußersten Grenzwintel geradezu katastrophale Folgen für die breiten BoltsBelegschaften und Direktion, wobei es zu wiederholten Arbeitsschichten mit sich brachten, führten zu schärfften Differenzen zwischen einstellungen. tam. Damals erklärten die Firmenvertreter, fie hätten für die ungeheure Notlage der Arbeiterschaft volles Verständnis. Das hat die Firma jekt bewiesen. Sie baute zunächst verschiedene Arbeiterschutzbestimmungen ab, führte einen künstlichen Produktionsmangel herbei und schritt dann zur Entlassung von rund zwei Dritteln der Belegschaft. Die ausgesperrten Bauarbeiter in Rheinland- Westfalen haben den am 14. August von dem Schlichter Mehlich gefällten Schiedss spruch über die Lohnregelung abgelehnt. Die Unternehmer hatten den Schiedsspruch angenommen. Die Aussperrung wird fortgesett und versucht werden, sie auszudehnen. Ihren 8wed bat fie ber fehlt, denn der Beschluß der Bauarbeiter zeigt, daß ihnen die Maßnahme der Unternehmer nicht imponiert. Achtung, SPD.- Metallarbeiter! Morgen abend 7 Uhr in den Musikerfälen( gr. Saal), Raiser- Wilhelmdie deutsche Arbeiterklaffe. Referent: Gene ander still ung. Straße 1: Versammlung aller SPD.- Metallarbeiter. 1. London, Genf und belegierten und Betriebsräte haben die Bilicht, alle Genoffen auf diese wich. nahme zur Generalversammlung. Die Funktionäre, Generalversammlungs tige Bersammlung hinzuweisen. Ohne Parteiausweis fein Zutritt. Der Fraktionsvorstand. Bekleidungsarbeiter- Berbanb, Sebastianstr. 37/38. Blusen und Kleider. Tonfettion: Versammlung aller Näherinnen, Blätterinnen sowie Heim. arbeiterinnen am Donnerstag abend 6% Uhr in den Zentralfestfälen, Alte Jakobstr. 34. Tagesordnung: Was ist gegen die willkürliche Entlohnung und Ausbeutung zu tun?" Kolleginnen! Sabt Intereffe an Euren Lohn- und Arbeitsbedingungen! Erscheint daher restlos in der Bersammlung. SPD. Buchdruder! Donnerstag abend 6 Uhr Fraktionsvorstandssigung erscheinen. bei Hennig, Alegandrinenstr. 44. Alle Bezirke und die Delegierten müssen Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Außerordentliche Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 1. September 1924, abends pünkt lich 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25. Tagesordnung: Bericht über die Lohn- und Tarifverhandlungen. Bericht vom Fachgruppen- und Bundestag. Verschiedenes. Gäfte, durch Mitglieder eingeführt, haben 8utritt. Die Funktionäre haben schon um 6 Uhr zu erscheinen. Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Tausende Kinder und Frauen sind damit der bittersten Not preis- Berantwortlich für Politik: Erust Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; gegeben. Die entlassenen Arbeiter müssen abwandern, um andere Arbeitsgelegenheit zu suchen, die im Bezirk Cleve vollständig fellschaft zu sein, trotzdem seine Direktionen mit Ausländern befekt fehlt. Der van- den- Bergh- Konzern rühmt sich, eine deutsche Ge find. Erst Ende 1923 hat dieser Konzern in der fleinen Stadt Cleve affein über 1000 Arbeiter aus angeblichem Produktionsmangel broilos gemacht, trojdem die Möglichkeit gegeben war, bei tatsäch lichem Abfahmangel durch Arbeitsstreckung einen wesentlichen Teil der Entlaffungen zu verhüten. Allein die Vertreter des Unternehmens ließen sich auf nichts ein. Sie schienen es besonders auf diejenigen Arbeiter abgesehen zu haben, die sich irgendwie gewerkschaftlich betätigt KRESSIN MOHAR 58 in Blechpackung Die Marke des Qualitätsrauchers Hühneraug' auf Zeh' und Sohl' #Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich ,, Lebewohl" mit Filzring. ZIGARETTEN RICHTER STEGLITZ MOHAR 88 LUXUS Die Marke des Feinschmeckers Nr. 426 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Ein Jahr Straßenbahn G.m.b.H. Es ist jetzt gerade ein Jahr her, daß die„ Berliner Straßen-| angestellt werden, fönnen wohl eine Erleichterung für Verkehrsmittel bahn" ihren Betrieb schloß, umfangreiche Entlassungen von Arbeitern und Publikum bringen, ob sie aber zu einer Lösung der Frage und auch Angestellten vornahm, um dann nach einer eintägigen führen werden, die auch für andere Gegenden der Stadt ein Vorbild Pause, während der Berlin„ ohne Elektrische" war, den Verkehr, abgibt, mag dahingestellt bleiben. Berlin ist eben in seinen Hauptoder was man damals so nannte, wieder aufzunehmen. Um zu Striche, feine Rettungsinseln und feire Verkehrstürme etwas. Daß verkehrspunkten rettungslos verbaut, daran ändern feine weißen zeigen und mitzuteilen, was während dieses einen Jahres geleistet sich auch die Direktion der Straßenbahn an der Neuordnung hervormorden ist, hatte fürzlich die Direktion der Straßenbahn die Berragend beteiligt, beweist die Tatsache, daß sie den auf dem Potsdamer treter der Presse eingeladen. Platz zu erbauenden Berkehrsturm auf ihre Kosten errichten wird. Vom Verwaltungsbetrieb zur G.m.b.H. Die Inflationszeit hatte catürlich auch in erheblichem Maße auf die Straßenbahn eingewirkt. Der Betrieb, der im Dezember 1920 aus der Gesellschaft Große Berliner Straßenbahn", einer privaten Aftiengesellschaft, in städtische Regie übernommen wurde, konnte damals nicht entfernt in seinen Fahrpreisen die Kursschwankungen der Mart mitmachen. Wie alle Verkehrsunternehmen, Hochbahn, Omnibus und Stadtbahn, arbeitete die Straßenbahn mit einer starten Unterbilanz. Im August vorigen Jahres mußte ein täglicher zuschuß von etwa 15 000 Goldmart geleistet werden, der natürlich aus dem allgemeinen Stadtfäckel floß und der vom Kämmerer weder durch Steuern noch aus sonstigen Einnahmen gedeckt werden konnte. Die Straßenbahn hatte sich zu einem Zuschußbetrieb erster Güte entwickelt, dessen Aufrechterhaltung in feiner Weise die an seine Ueberrahme in städtische Regie und Verwaltung gefnüpften Hoffnungen und Bedingungen erfüllte. Der Verkehrsausschuß der Stadtverordnetenversammlung hatte sich mit dieser Sachlage natürlich in all feinen Sigungen hervorragend beschäftigt. Er fom dann nach reiflicher Erwägung allen für und miders Anfang September zu dem Entschluß, dem Magiftrat eine grundlegende Aenderung der Betriebsrerhältnisse zu empfehlen. Es wurde beschlossen, den Straßenbahnbetrieb aus der Verwaltung durch die städtischen Behörden herauszunehmen und ihn auf eigene Füße zu stellen. Die Betriebsform, die gewählt wurde, war die„ Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht", weil man sich von der leichten Beweglichkeit dieser Gesellschaftsform den günstigsten Einfluß auf den Entwicklungsgang des Unternehmens versprach. Leider muß auch an dieser Stelle wieder gesagt werden, daß die Arbeiter, das Fahrpersonal und die Angestellten die Hauptleidtragenden dabei waren. Der Personalbestand wurde von etwa 17 000 Köpfen auf 3000 herabgesetzt. Der Abbau traf in voller Härte altes, verdientes Personal ebenso wie Leute, die noch im Vollbesig ihrer förperlichen und geistigen Kräfte standen, und mancher Fahrer und Schaffner, viele Handwerfer und Hilfsarbeiter gingen ihrer Ansprüche auf Ruhegehalt und sonstiger sozialen Bergünstigungen verlustig. Die Neueingestellten wurden ohne tarifliche Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsbedinguegen angenommen. Erst Anfang Februar dieses Jahres gelang es den freigewertschaftlichen Organisationen, mit der G. m. b. 5. wieder in ein Vertragsverhältnis zu kommen. Der Aufbau des Verkehrsnehes. Das, was man am Montag, den 10. September 1923, den Berlinern als elektrische Straßenbahn vorseßte, war ein trostloses Ber. fehrsmittel, das dem Verkehr in der Großstadt Berlin in feiner Weise gewachsen war. Auf wenigen Linien fuhren eine so geringe Anzahl Wagen, daß derjenige, der die Absicht hatte, schneller als zu Fuß und schließlich noch zu einer bestiminten Stunde an einem bestimmten Ort zu sein, höchstens einmal den Versuch mit der Straßenbahn unternahm. Troßdem waren die Wagen ständig überfüllt, ein Zeichen dafür, daß Berlin feine Straßenbahn braucht. Selbstverständlich sah die Direktion auch ein, daß der anfängliche Zustand in der denkbar fürzesten Frist abgeändert werden mußte. Durch den gewaltigen Personalabbau und durch sonstige Sparfamteit an allen Eden und ben war es der Verwaltung möglich, ganz allmählich den Betrieb mehr in Gang zu bringen. Eine neue Linie folgte der anderen, die bestehenden Linien wurden durch Anschlußlinien verlängert und schließlich gelang die Schaffung des heute vorhandenen Verkehrsneges, das zwar durchaus noch nicht den Anforderungen des groß städtischen Publikums entspricht, bei dem man aber doch merkt, daß es der Verwaltung ernst damit ist, die Berliner Straßenbahn zu einem brauchbaren Verkehrsmittel auszubauen. Ob und wie weit das in einer Stadt wie Berlin mit seinem Straßengemirr überhaupt noch möglich sein wird, ist eine andere Frage. An Versuchen fehlt es nicht die Experimente, die gegenwärtig auf dem Potsdamer Platz 10] Die Familie Frank. .. 4 Roman von Martin Andersen Nero. Madam Frant trat mit den Füßen nach ihm, um ihn auf die Beine zu bringen, und er begann wieder, in unzusammenhängenden Schimpfworten zu fafeln.-„ Dicksack Sivertsen, Sauftopp fchlechtes Subjekt." stieß er lallend hervor. Total besoffen," sagte Madam Frank kurz und schleppte ihn zur Pumpe hin. Sie legte ihn übers Knie, und Thorvald pumpfe. Ein Rud ging durch Meister Frants fetten Körper, und er zappelte ein paarmal, um loszukommen. Aber ein gehöriger Klaps auf seinen fahlen Scheitel veranlaßte ihn, wieder demütig den Kopf unter den Strahl zu beugen. Nach einer Weile hob er langsam den Schädel und sagte mit seiner gewöhnlichen sanften Stimme: " Nun ist es gewiß gut, Mutter." Und Madam Frank fand, daß das recht vernünftig flang, und stellte ihn auf die Beine. Dann trollte Schneider Frank hinein und zu Bett, und Thorvald bekam einen tüchtigen Runken Schmalzbrot, der freilich durch einen Regen von Schimpfworten gewürzt wurde, aber darum nicht weniger sättigend wirkte. 7. Schon vor fünf Uhr am nächsten Morgen war Madam Frank in den Kleidern und fuhr scheltend und schimpfend um her; alle Türen und Fenster riß sie weit auf. Thorvald schnarchte mit der ganzen gesunden und sorgLosen Unverdrossenheit der Jugend. Seinetwegen mochten sie schimpfen und Durchzug machen, soviel sie Luft hatten, wenn fie nur sein Bett stehen ließen. Er legte eine Energie in feinen Schlaf hinein, als plante er einen Schelmenstreich; und je mehr Spektakel die Mutter machte, desto stärker wurde jein Schnarchen. Meister Frank dagegen fonnte beim besten Willen seine Ruhe nicht wieder finden wenn derart gelärmt wurde und der falte Morgenwind über seinen elfenbeinblanken Schädel wehte. Es schien ihm, als hätte er recht wohl verdient, etwas länger zu schlafen, in Anbetracht dessen, daß er am vorher gehenden Abend so spät zu Beft gekommen warum so mehr, da heute ein Feiertag war, den Gott der Herr selber zur Ruhe für die Menschen gestiftet hatte. Er ließ sich seine Unzufriedenheit jedoch nicht anmerken, fondern lag till da und verfolgte die Bewegungen feiner Fran Die Ausbildung des Personals. Mit dem systematischen Ausbau des Verkehrsnehes ergab sich für die Verwaltung auch die Notwendigkeit, neues Personal einzustellen. Zum Teil wurde auf das alte zurückgegriffen; Die überwiegende AnAm Prüfstand. zahl der heute wieder tätigen Schaffner und Fahrer sind jedoch für die Straßenbahn neue Leute, die natürlich für den Dienst erst ausgebildet werden müssen. Die Betriebsleitung hat sich für die Ausmahl des neuen Personals die Methoden der pinchotechnischen Eignungsprüfung zu eigen gemacht, die nach Ansicht der Leitung die beste Gewähr dafür bietet, daß von Anfang an unbrauchbare Leute ausgeschaltet werden. Zunächst wird jeder Neueingestellte nach voraufgegangener vertrauensärztlicher Untersuchung als Schaffner ausgebildet. Er erhält fünf Tage lang einen theoretischen Unterricht, der fich auf die Dienstvorschriften, die Wagenausrüstung usw. erstrect, um dann während weiterer fünf Tage als Schaffnerlehrling in Begleitung eines Lehrschaffners Dienst auf der Strecke zu tun. Eine Prüfung ergibt dann das Resultat der Lehrzeit. Wesentlich fomplizierter ist die Ausbildung des Fahrers. Jeder Fahrerlehrling muß erst eine geraura: Zeit Dienft als Schaffner getan haben, während der er sich an den Betrieb auf einem Straßenbahnwagen gewöhnen soll. Dann erst wird er der Inquisition der psychotechnischen Brüfung unterworfen. Wer das erstemal eine solche moderne Folter fammer betritt, dem mag wohl das Wort Dantes einfallen: Lasset alle offnung draußen, ihr, die ihr eintretet. Der Prüfling wird auf Gehör und Geficht geprüft; er muß an einem Telephon die geringsten Baute noch wahrnehmen können und wird vor einer Farbentafel auf sein Farbenunterscheidungsvermögen beobachtet. An einfachen Apparaten wird eine Brüfung der Arm- und Handkräfte vorgenommen. Mehrere Apparate dienen dazu, die Handruhe des Lehrlings festzustellen: Beim geringsten Zittern seiner Hand ertönt mit flugen Augen; und im stillen freute er sich darüber, wie gesund und rüftig sie war. Und als sie ein großes Waschfaß mit Wasser zum Fußbodenscheuern durch die Schlaftammer schleppte, unter dem Gewicht des Rübels wie eine schwer belastete Stahlstange gefrümmt, da konnte er die Bemerkung nicht unterdrücken, wie gut sie ihr Alter ertrage. Ja, mit mir geht es wie mit den Mähren des Fuhrschirrt bin," gab sie mit ihrem harten Lachen zur Antwort. manns Stub, ich fann nicht hinfallen, weil ich immer angeFrank lachte still mit. ,, Gott sei Dank, daß sie guter Laune ist," dachte er. Er hatte sich längst über das Bissige hinweggefeßt, das ihrer Art zu scherzen anhaftete. Hüfte. Als sie wieder am Bett vorbeikam, kniff er sie in die ,, Willst du wohl weg, du alter Kater," schrie sie und schlug ihm wohlwollend auf die Hand. Meister Frank ging nicht weiter auf dem betretenen Wege, obwohl seine Frau sich mehrmals dem Bett näherte; denn alles, was er anstrebte, war, noch ein bißchen liegen bleiben zu dürfen und womöglich ein Morgenschläfchen zu halten. Ueber die Ereignisse des Abends war er sich nicht recht flar; aber gerade der Umstand, daß er sich nicht entsann, wie er nach Hause und ins Bett gekommen war, war wohl geeignet, ihn zu beunruhigen. Lange Erfahrung hatte ihn gelehrt, daß seine Frau das beste Gedächtnis in solchen Punkten hatte, wo sein eigenes blank war, und daß es daher bei solchen Gelegenheiten flug war, ein wenig von seiner Gleichgültigkeit auf dem Altar des Hausfriedens zu opfern. Das einzige jedoch, das den Meister veranlassen fonnte, es mit einer mannhafteren Energieentfaltung zu versuchen, war die Aussicht auf einen Schnaps; und die Zeiten waren längst vorbei, wo er etwas derartiges von dieser Seite her erwarten fonnte. Denn im Lauf der Jahre hatte sich die Liebe abgenugt; ja, so war es. Außerdem hatte Schneider Frank einen gewissen Respekt vor den handgreiflichen Aeußerungen der zärtlichen Laune seiner Frau. Natürlich, gut war sie ihm lieber als wütend - aber trotzdem! Schon der kleine Klaps, den sie ihm auf die Hand gegeben hatte, brannte ganz tüchtig. Es ließ fich leider nicht leugnen: selbst wenn sie am allerzärtlichsten war, glich fie, wenn man sie anrührte, eigentlich einem Reibeisen. Aber arbeiten fonnte sie, das stand feft. Mittwoch, 10. September 1924 ein elektrisches Klingelzeichen, das in seiner Eignungsturve als Fehler angerechnet wird. Daneben laufen Prüfungen seiner allgemeinen Intelligenz, feiner Auffaffungsgabe, feiner Kombinationsgeschicklichfeit. Am interessantesten allerdings mehr für den Zuschauerist die Prüfung auf Reaktionsgeschwindigkeit. Der Prüfling wird auf eine Plattform gestellt, von der aus er durch Betätigung von Kurbeln, herabfallende Eisenstangen im Fall bremsen muß. Gleichzeitig ertönen aber von allen Eden her Hupen-, Klingel- und Lärmsignale, und um schließlich die Leiden des armen Gefolterten bis zur Grausamkeit zu steigern, blißt und knattert vor seinen Augen ein elektrisämtlicher Sicherungen am Wagen demonstrieren soll, und der Fußscher Flammenbogen auf, der wohl das gleichzeitige Durchbrennen boden fenft sich unter seinen Füßen fort. nur etwa 25 Proz. aller Anwärter bestehen die Prüfungen gut. Die Ergebnisse werden zahlenmäßig festgelegt und ergeben ein genaues Bild der Qualitäten des Mannes. Der Lehrling kommt dann nach einem zwölftägigen theoretischen Unterricht in die Fahrerschule, die sich im größte: Straßenbahnhof Europas in Lichtenberg, befindet. Hier wird er mit allen mechanischen und elektrischen Einrichtungen des Wagens vertraut gemacht, erst nach abermals 14 Tagen fommt er auf den Wagen, so daß einschließlich aller Prüfungen immerhin vier bis fünf Wochen vergehen, ehe ein neugebackener Fahrer im wahrsten Sinne des Wortes auf die Menschheit losgelassen wird. Für Fahrer wie auch für Schaffner werden außerdem ständig Unterrichtsstunden abgehalten. So wird durch das Zusammenwirten vieler Kräfte verfucht, brauchbares Personal heranzubilden. Die augenblickliche Belegschaft der Straßenbahn- Betriebsgesellschaft beträgt etwa 12 000 Personen, einschließlich des technischen Personals und der Angestellten und Beamten. Durch den rationellen Ausbau des Betriebes ist erreicht worden, daß von den 7000 Personen des Fahrpersonals eine bedeutend größere Anzahl Wagentilometer gefahren werden, als früher mit dem größeren Personal. Inwieweit das auf eine Berlängerung der Arbeitszeit zurückzuführen ist, ist leider schwer nachzuprüfen. Der gegenwärtige Lohn eines Schaffners mit Frau und Kind beträgt etwa 33 M. brutto für die Woche; die Fahrer erhalten etwas mehr. Die Arbeitszeit beträgt neun Stunden am Tage, doch geht dem Personal bei Doppeldienst viel Zeit für die Wege von und zu dem Bahnhof verloren. Druckluft- oder elektrische Bremse?* Die Direktion der Straßenbahn nahm bei der Besichtigung Verenlassung, erneut auf die Wirkungsweise und die Wirkungserfolge der elektrischen Bremse hinzuweisen. Bei den angestellten Bersuchen ergaben fich frappierende Unterschiede. Zwei in voller Fahrt be= findliche große Straßenbahnwagen wurden gleichzeitig gebremst, mobei sich zeigte, daß der Wagen mit Luftdruckbremse um die Länge eines Wagens weiter auf den Schienen fortgliff, als der elektrisch gebremste Wagen. Großer Wert ist dabei auf die Feststellung zu legen, daß die elektrischen Bremsen unter allen Umstände: 1, besonders aber auch dann in Tätigteit treten, wenn die Kontaktstange von der Oberleitung entfernt ist. Die elektrische Bremse hat sich bisher in jeder Beziehung bewährt, mit ihr werden alle alten Wagen ousgerüstet, und auch die tausend neubestellten Triebwagen erhalten elektrische Bremsen. Es sei ferner noch darauf hingewiesen, daß die Bahl der Zusammenstöße pro Tag von 21 im Jahre 1911 auf 7 in den ersten sieben Monaten dieses Jahres gefunden ist. Die Verwaltung glaubt durch diese Angaben am besten der Meinung entgegentreten zu können, daß die Zusammenstöße und Unfälle auf der Straßenbahn in der letzten Zeit alles bisher Dagewesene übertreffen. Eine Razzia in der Grolmanstraße. Die Zeugenvernehmungen zu der Mordsache in der Grolmanstraße haben bisher noch zu feinem Ergebnis geführt. Die Proſtituierte Charlotte Trendwald behauptet nach wie vor, daß der aufgefundene Müller nicht mit dem Manne identich sei, dessen Befanntschaft sie gemacht habe. Sollte diese Behauptung tatsächlich zutreffen, so ist es im Interesse der Aufklärung dringend erforderlich, daß sich der Mann meldet, der in der Zeit von 42 bis 23 Uhr mit der Trendwald zusammen war und den sie aus dem Hause gelaffen haben will. Es dürfte dem Betreffenden erinnerlich sein, daß die Frau eine rote Stridjade trug. Inzwischen ist auch die Frau ermittelt worden, die sich in dem Mordzimmer in der fraglichen Nacht aufgehalten haben soll, sich aber der Festnahme durch die Flucht entzogen hatte. Auch sie behauptet, daß sich in dem Zimmer fein Verbrechen abgespielt habe, daß sie dagegen auf dem Trep penflur Hilferufe gehört habe. Im Widerspruch zu diesen Angaben steht die Tatsache, daß man überall in der Wohnung Blutpuren gefunden hat. Das Aussehen der Zimmerdielen beweist, daß sich dort Blutflecke befunden haben müssen, die abgefragt worden Jezt hörte Frank seine Frau draußen vor dem Schlafzimmerfenster mit Schaufel und Gießfanne rumoren und erriet, daß sie hinaus wollte, um die Straße zu fegen. Der Junge konnte doch eigentlich so viel für seine Mutter tun, daß er am Sonntagmorgen aufstand und die Straße fegte, aber er schnarchte unentwegt, und Schneider Frank wollte ihn nicht weden, um feinen Grobheiten ausgefeht zu sein von so einem Grünschnabel. fich an, ein Schläfchen zu tun. Er zog das Deckbett bis an die Nase herauf und schickte Doch in ihm arbeitete es ganz verflirt; im Kopf, in den Gliedern, in den Knochen selbst zog es und strömte es auf und nieder wie trockner, heißer Sand und schmerzte sehr. Gestern mußte es arg gewesen sein- denn Gicht konnte das doch wohl nicht sein? Gott mochte wissen, wo er gewesen war! Ja, natürlich bei dem dicken Sivertsen im Keller. Aber wie hatte er nach Hause und ins Bett gefunden? hatte seine Frau es gemerkt, wie er fam? Natürlich! Aber Gliedmaßen zu befühlen, konnte aber nur eine besonders emphatte sie ihn verprügelt? Er begann, sorgfältig Körper und findliche, geschwollene Stelle fonstatieren, und ihren Ursprung fannte er genau- sie rührte von dem Mangelholz von gestern her. Also feine Prügel! Aber betrunken war er doch gewesen, denn er konnte sich nur noch daran erinnern, daß er am Tisch in Sivertsens Keller gesessen und Kunststücke gemacht hatte, und jetzt lag er hier, entkleidet und mit einem tüchtigen Kater. Er hörte ein paar Bumpenschläge draußen vom Hof, wo Madam Frank Wasser zum Straßenfegen pumpte, und es lief ihm falt über den Rücken, und dabei fiel Licht auf einen der dunklen Punkte des Abends; wie er aus den Kleidern und ins Bett gekommen war. Frierend troch er unter dem Deckbett zusammen, wobei er sich des unheimlichen Erwachens erinnerte, als jeder Strahl aus der Pumpe das Bewußtseke gleichsam um eine Windung herausschraubte, bis er mit einem schmerzlichen Ruck völlig wach wurde und erkannte, daß er über dem Knie seiner Frau lag, mit dem Kopf unter dem Wasserstrahl. Alles das war jetzt aufgeklärt und in Ordnung; aber warum in aller Welt hatte er feine Prügel gekriegt? Er fonnte nicht anders, er mußte sich den Kopf darüber zerbrechen, weil dies ein so einzig dastehender Fall in den letzten Jahren feiner Braris war. ( Fortfehung folgt.) finb. Mütter hatte sich bis un 9 Uhr abends in der elterlichen Woh mmg aufgehalten. Hierauf hatte er eine befreundete Familie auf gesucht und war mit diefer bis um 1 Uhr in einem Bierlokal zu janmmengewesen. Da der Heimweg der Bekannten an seiner eigenen Tür vorüberführte, hatte Müller seine Freunde begleitet und sich am feiner Haustür von ihnen verabschiedet. Er ist dann offenbar enf der Treppe umgefehrt und hat das Haus abermals verlaffen, Jenn in der Wohnung seiner Eltern ist er nicht mehr gesehen worden. Personen, die Müller fannten und die ihn bei diesem zweiten Fort gange gefehen oder gesprochen haben, werden dringend ersucht, sich zu melden. Alle Mitteilungen, die zur Aufklärung dieses Morbes Bienen förmen, nehmen die Kriminalfommissare Werneburg und Albrecht im Bolizeipräsidium, 3emmer 80, entgegen. Da die zurückhaltende Art und Weise, in der die Zeugenaussagen gemacht wurden, den Anschein erwedien, als ob die ganze Gegend unter dem Terror der Kreise stehe, dem die Trendwald angehört, wurde eine Razzia in der Grotmanstraße veranstaltet, bei der mehrere Berfonen festgenommen wurden. Das Leben ist schwer. In den Straßen, zumeist in der Nähe der Bahnhöfe, sieht man Greise, vornehmlich Männer, aber auch Frauen, deren Haltung, auch wenn es der in den Händen gehaltene Hut nicht verdeutlicht, um die Mildtätigkeit der Borübergehenden wirdt. Da strömen die Scharen der Vielbeschäftigten vorbei; faum einer streift mit dem Blid den armen Lazarus. Aber es wandeln auch alle die vorüber, denen der Gang zum Bahnhof den Anfang eines Vergnügens bedeutet, ein Ausflug ins Commentand der Freiheit, will fagen: Landpartie, frohe Stunden unter grünen Bäumen. Die Bergnügungsspesen durch eine Opfergabe an diefes schweigende, mit Bürde getragene Elend zu erhöhen, sollte nicht schwer fallen. Kann man sich in die Seele eines folchen Menschen verfetzen, der öffentlich die Mildtätigteit angeht? Ungehen muß, will er nicht vor Hunger sterben. Das Bild dieser Xrmut ift von erschredender Tragik. * Im vollbesetzten, ja überfüllten Bahnwagen IV. Klasse. Die Mehrzahl junge Leute, die in die Ferien gehen; in ihrem Kreise hat man fich bald angefreundet, die Scherzworte fallen hageldicht. Dann man fich bald angefreundet, die Scherzworte fallen hageldicht. Dann Ehepaare, auch die quf der Erholungsfahrt begriffen. Und endlich ein Paar Arbeiter, die nach auswärts fahren, um Arbeit zu suchen. Die der raffeln, ihr einförmiger Ton schläfert ein. Da erschallt plötzlich ein Gefang aus einer an der Tür stehenden Gruppe. Wer in der Mitte des Wagens fitt, hört mur fingen, die Worte gehen im Lärm unter. Aber man sieht wenigstens, mer da singt. Ein Mann und eine Frau find es, und zwei Knaben. Alle sind einfach, aber sauber gekleidet; etwas, das ganz leise an Heilsarmee, oder Ertase erinnert, haftet ihnen an. Der Mann schließt die Augen, wenn er fingt, als fei er dieser Walt entrüdt. Jetzt verftummt der Gesang; der Mann schreitet mit der Mühe in der Hand durch den Wagen. Die Spenden fliegen in die Mühe hinein. Auf seinen Stehplat zurückgekehrt unterhäft er sich mit einigen der ihm benachbarten Fahrgäste. An der nächsten Haltestelle verschwindet die Familie. Bielleicht fucht sie einen anderen Wagen auf. ... 100 Kilometer weiter. Ein großer Teil der Reisenden ist ausgestiegen; andere Familien mit Kindern eingestiegen. Der Mittelgang ist frei. Ein junger Butsch mit einer Tüte geht die Bäufe entlang und steckt jedem ein Pfefferminzplätzchen in die Hand. Dann erfcheint er gleich wieder mit einem Rorb und preift an: 2 Pfefferminzrollen 25 Pf. eine Tafel Schokolade 35 Pf.„ Mutti, mir eine Schokolade", fagen die Kinder, und die Frauen wenden sich an ihre Männer:„ Du, Kart, es ist eigentlich recht heiß; so'n Pfefferminzding ift nicht zu verachten." Unb alt und jung faufen. Auch meine Nachbarn erstehen die Leckereien. Sie brechen die Hüllen auf:„ Na, ein Groschen für die Pfeffermingroffen wäre auch genug und gleich darauf:„ Donnerwetter da ist aber ville Papier um die Schotobade gewickelt" die wie ein schwantes Gerippe einer Tafel aussieht). Der junge Mann wird denn auch direkt interpelliert: „ Ste, Ihre Preise sind aber' n bißchen hoch."- Ach nee," ant wortet er ,,, mur die üblichen," und er zudt die Achseln. Dann fügt er hinzu:„ Ja, das Leben ist schwer." So siehste aus" feber die meisten, aber sie simb dech nicht willens, wegen der paar Pfennige Krafet anzufangen. Und das Endgiel, die große Provinz stadt, ist schon in Sicht. Für den Burschen ist das schwere Leben“ ein Vorwand zur Nepperei. Der prophezeite Einbruch. | fammelten hatte sich natürlich aufs höchste gefteigert und fand im Gefang der Internationale feinen spontanen Ausdruck. Jetzt ließen sich Schutzpolizisten dazu hinreißen, auf Kinder zu schlagen. Erst auf das Dazwischengreifen der Lehrer hin wurden sie veranlaßt, abzufahren, um den Zug, der sich andernfalls längst aufgelöst hätte, zum Auseinandergehen zu bringen. Ein fpöttisches Gelächter der gesamten Menge folgte ihnen. Hat denn die Polizei nicht die Pflicht, genehmigte Umzüge zu schützen?" Soweit die Zuschrift! Danach hat die betreffende Abteilung der Echupo einen bösen Mißgriff getan, der hoffentlich nicht ungerügt bleiben wird. Die Schupo fann nur dann auf die Unterstützung der Bevölkerung rechnen, wenn sie es versteht, sich in jeder Lage taktvoll und angemessen zu benehmen. Klar oder unklar? Noch einmal Köpenider Tannenbergfeier. Als Direktor des Märkischen Museums wurde in unserem Be richt über die Köpenider Tannenbergfeier Dr. Riefebujch ge nannt, der nach dem Wortlaut des Köpenicker" Dampfboots" gesagt haben soll:„ Heute gibt's fein Recht mehr. Keine Urkunde wird geachtet. Der Beamte wird mit Willkür behandelt." Direktor des Märkischen Museums ist jedoch Professor Dr. Pniower, der den Aeußerungen Dr. Kiefebuschs natürlich vollkommen fernsteht. Dr. R. ist Leiter der vorgeschichtlichen Abteilung des Märkischen Museums und gleichzeitig Borsigender der„ Brandenburgia" Gesellschaft für Heimatschußes in Berlin erhielten wir eine Zuſchrift, in der es heißt: Heimatkunde und Heimatschutz. Aus den Kreisen der Anhänger des Wiewohl ich nicht Mitglied Ihrer Partei bin, freue ich mich doch, zu sehen, welche Pflege der Heimatschußgedanke und der Heimat sinn bei Ihnen findet. Die Stellungnahme des Herrn Dr. Kiekebusch, den ich bisher als Wissenschaftler wie als Heimatschüßer geschäßt habe, befremdet mich, der ich selber Wissenschaftler bin, schr. Herr Dr. R. täte gut, feine nach dem Wortlaut des" Dampfboots" reichlich verfchwommenen Aeußerungen ganz flarzustellen, damit wir in Bufunft wissen, ob er weiter als Mam der Wissenschaft gelten will oder nicht." Inzwischen hat Herr Dr. Rietebusch sich gemeldet. Er schreibt uns einen langen, nicht sehr flaren Brief, in dem er unsere richtes, den wir dem„ Köpnicer Dampfboot" entnommen hatten, Vorwürfe gegen ihn zurückweift und zur Richtigstellung des Be die betreffende Stelle seines Manuskriptes zitiert. Danach hat er folgendes gesagt: Nicht nur bei den Kämpfen an der Front, fondern auch in den Tagen der Umwälzung, der Entwertung und des Abbaues hat es fich gezeigt, wo Männer und wo Menschen standen. Not und Berrüttung haben sich in alle Stände, Berufe und Kreise hineingefressen. Nichts ist vor ihnen heilig geblieben und nichts unantastbar. Vor dieser Not und Berrüttung gitt es feine llrtunden" mehr und feine wohlerworbenen Rechte". Dem fich durchs Leben darbenden Hausvater, ber sich den Not groschen für sein fraftloses Alter ersparte, haben Not und 3er rüttung den letzten Behrpfennig entwertet. Auch dem in schlichter Bescheidenheit großgewordenen Beamtenstand setzten Not und Zerrüttung das Messer an die Lebensaber." Aufforderung gerichtet, im Rampfe und in der Arbeit des Alltages Ar diese Schilderung hat Herr Dr. Rietebush barm die ohne Menschenfurcht und Menschenscheu so restlos und raft los unsere Pflicht zu tun, wie unfere teuren Toten sie auch getan haben". Herr Dr. Riefebusch wünscht nicht als übler Hezer te zeichnet zu werden. Wir überlassen es dem Lefer, zu beurteilen, cb seine Ausführungen, zumal in der Köpenicker Umrahmung, fich durch besondere Klarheit ausgezeichnet haben. Der völkische Volksbetrng. gut besuchten öffentlichen Bersammlung im Bittoria- Garten zu . Ueber völkische Bewegung und völfischen Betrug sprach in einer Wilmersdorf Genoffe Lüdemann. Er kennzeichnete einleitend die gespannte Lage, die unfere Regierung durch die Aufrollung der Kriegsschuldfrage geschaffen hat. Dann streifte er ausführlich die Zusammenhänge, die zu dem Versailler Friedensvertrag geführt hatten. In der großen Bolitif haben heute die Deutschnationalen den großen Zusammenbruch erlebt und augenblicklich leben davon die Bölfischen. Aber wenn sie ihr Programm, das sie den Wählern bei der Reichstagswahl angepriesen haben, ausführen wollten, dann erginge es ihnen nicht anders. Denken Unter allgemeiner Heiterkeit zerpflüfte der Rebner das Programm der völfischen Kultur- und Schicksalsgemeinschaft". Wo die Schidfalsgemeinschaft gelandet sei, erfehe man jetzt an dem 3ufammenbruch des Batthaufes Brus. Weit über 10 000 Sparer sind durch diese Schicksalsgemeinschaft um Alles gebracht worden. Die Partei, die die Zinstnechtschaft beseitigen will, läßt ausgerechnet durch ihren Bruß thren Mitgliedern 72 Prozent 3injen zahlen. So sieht bei diesen Bölkischen die Beseitigung der Zinsknechtschaft aus. Bon dem ganzen Programm der Partei bleibt letzten Endes nur der große Bolts betrug übrig. So sehen die Erneuerer des deutschen Volkes aus. Ausgerechnet der Jude Dr. Frankel muß Herrn Bruß, der in das Fränkelsche Sanatorium geflüchtet ift, feine Geistesfrankheit bescheinigen. In der Diskussion beteiligten sich mehrere Nationalsozialisten neben unseren Genoffen an der De batte. Ein Herr Beyer bestritt, daß Bruß Mitglied der Partei fei. Neben anderen Bhrafen behauptete er, daß daß Geld da sei. Gewiß, nur nicht hier. Genosse Lauer ging scarf mit diesen Boltserneuerern ins Gericht und in feinem Schlußwort rechnete Genosse Lüdemann mit einigen Distuffionsrednern gebührend ab. Mit einem Hoch auf die Republik und die Partei schloß die gut verlaufene Versammlung. Eine ganze Gesellschaft schwerer Jungen hatte sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Schöneberg wegen eines Einbruchdiebstahls zu verantworten, der angeblich von einem Karten igger prophezeit worden war. Der Schlächter Lichten stein war eines Tages. von dem Schlächtermeister Frante in der Frobenstraße wegen eines Diebstahls entlassen worden. Am gleichen Morgen suchte Lichtenstein nun eine Gastwirtschaft auf, in ber ihm nach seiner Behauptung von einem Kartenleger aus schwarzem Kaffee geweisjagt worden war, daß er durch einen Einbruch heute noch viel„ Marie", das heißt bei den Berbrechern befanntlich Geld, verdienen würde. Anscheinend, um der Zukunft gleich etwas nachzuhelfen, wurden dann von Lichtenstein sechs Männer gedungen, die dort umherlungetten und ein Ding drehen" wollten. Das geschah dann auf die Weise, daß sie den Keller des Schlächtermeisters Frante aufbrachen und etwa 15 3entner frisches Fleisch daraus entwendeten und die Beute auf einem Auto, bas fie von der Ecke der Bülowstraße holten, fortschafften. Der Chaufjeur dieses Autos, Stahl, fuhr jebody später wieder zu dem Beſtohlenen hin und machte ihm Mitteilung von dem Einbruch, lo ba Die ganze Gesellschaft bald dingfest gemacht werden fonnte. Während nun die Embrecher behaupteten, das der Chauffeur mit dabei gewesen wäre und auch etwas von dem Fleisch abbekommen hätte, gab dieser selbst an, daß er nur etwas Fleisch für das nicht Dollbezahlte. Fahrgeld angenommen habe. Im übrigen sei er unter vorgehaltenem Revolver gezwungen morden, die Beute fortzuschaffen. Die übriges Angeflagten bePritten dies zwar, jeboch fonnte diese Behauptung nicht widerlegt werden und so beantragte der Verteidiger des Stahl, Rechtsanwalt Dr. Mendel, die Freisprechung, da hier ein Motstand und 3wangslage vorgelegen habe. Das Gericht erkannte auch gegen diesen Angeklagten dann auf Freisprechung. Die Rädelsführer worden zu je 2 Jahren Buchthaus, die anderen Angeflog: sen au je 1 Jahr 6 Monate Gefängnis verurteilt. So wett The fich noch nicht in Haft befanden, wurden sie jetzt in Unter fuchungshaft genommen. Schupo bei einem Kinderfest. Man schreibt uns: Am Sonntag, den 7. September, hatte die 31.( weltliche) Gemeindeschule in Neukölln em Rinderfest in den Schulräumen und auf dem Hofe des Schulgebäudes. Den Abschluß des Festes sollte ein Seftzug durch die Straßen Neuköllns zum Rathaus bilden. Die Genehmigung des Polizeipräsidiums mit allen Ginzelheiten der zu berührenden Straßen lag vor. Und zur gegebenen Bait setzte sich der Zug mit Fadeln, Lampions und Fahnen in Be wegung. Er fam ungehindert bis zum Rathaus. Ein Lehrer hielt one furze Schlußrede und die Kinder fangen: Brüder zur Sonne...", els ein Trupp Schubpolizei im Auto heranfaufte und, mit Gummifnüppeln bewaffnet, versuchte, die Kinderschar mit den Eltern auseinanderzutreiben. Die Fahnerot, mit schwarzer Schrift und goldener Sonne wurde einem Kinde entrissen, mußte aber dann wieder zurückgegeben werden. Die Erregung der BérWieder ein Autounfall. An der Ede Augsburger und Rante straße in Charlottenburg ereignete sich gestern nach mittag ein schwerer Automobilunfall. 3wei in entgegengesetzter Richtung fahrende Wagen stießen dort mit voller Wucht zusammen. Der Kaufmann E. Koch aus Hermsdorf, hohe Feldstraße 64, erlitt dabei schmere innerliche unb opfverlegungen. Er wurde mit einem Privatwagen in das Krankenhaus in der Achenbachstraße übergeführt, wo man ihm erste Hilfe leistete. Von dort aus wurde er nach der Karlstraße 26 in eine Privatklinik übergeführt. Das Rundfunkprogramm. Tageseinteilung Vormittags 10 Uhr: Nachrichtendienst. BeMittwoch, den 10. September. kanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1.05 Uhr: Nachrichten dienst. Nachm.-2.15 Uhr: Börsenbericht. 4.30-5.30 Uhr nachm.: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle) 5.45 Uhr nachm.: Märchen", gesprochen von Adele Proesler 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Karl Ludwigs, Direktor der Hauptstelle für Pflanzenschutz der Landwirtschaftskammer Berlin- Dahlem; Bekämpfung von Gartenbauschädlingen im Herbst". 8.30-10 Uhr abends: Shakespeare- Abend. 1. Ouvertüre zu" Coriolan, Beethoven. Die Berliner Funkkapelle. 2. Aus Hamlet". Monolog des Hamlet. Hans Mühlhofer( Rezitation). im Aetherblau) Schubert. Else Jülich de Vogt( vom Deutschen 3. a) An Sylvia, Schubert, b) Ständchen( Horch, horch, die Lerch' Opernhaus, Charlottenburg). 4. Ouvertüre zu„ Ein Sommernachtstraum", F. Mendelssohn- Bartholdy, Die Berliner Funkkapelle. 8. Aus, König Richard III." Haus Mühlhofer( Rezitation). 6. Arie aus, Der Widerspenstigen Zähmung, Götz. Else Jülich de Vogt. 7. Suite zu„ Was ihr wollt". E. W. Korngold. Die Berliner Funkkapelle. 8. Aus den Sonetten. Hans Mühlhofer( Rezitation). 9. Drei Shakespeare- Lieder, Roger Quilter. Else Jülich de Vogt. 10. Forumszene aus Julius Cäsar". Hans Mühlhofer und der Sprechchor der Universität Berlin unter Leitung von Dr. Wilhelm Leyhausen. Am Steinway- Flügel: Dr. Felix Günther. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Sportnachrichten, Wetterdienst. Der Weg in die Freiheit. Ein Fluchtverfuch aus Moabit. In der Nacht zum 1. Mai wurde in dem Zellengefängnis in der Lehrter Straße ein besonders verwegener Fluchtversuch unternommen. Es handelt sich um den Kaufmann Willi Kaßner, der vor einigen Monaten gemeinsam mit dem Kaufmann Plügge und dessen Braut, einer Frau Schwanih, zahlreiche Fuhra werksdiebstähle in den verschiedensten Stadtvierteln Berlins unternommen hatte. Das Kleeblatt schlich sich besonders an Rollfuhr futscher heran, gab ihnen kleine Bestellungen auf, und wenn sich die Kutscher entfernten, verschwanden Kaßner und Plügge mit den meist sehr wertvollen Ladungen; in einigen Fällen nahmen sie auch das ganze Fuhrwert mit den Pferden mit. Kaßner und Plügge wurden zu längeren Freiheitsstrafen vers urteilt und famen in das Zellengefängnis in der Lehrter Straße. Frau Schwanis wurde auf Antrag ihres Berteidigers, Rechtsanwalt Bahn, auf freien Fuß gesetzt. In der Nacht zum 1. Mai unternahm nun Raßner einen recht verwegenen Fluchtversuch, der ihn über mehrere Korridore und Höfe bis in den Wirtschaftshof fleine Mauer den Weg zur brachte, von wo nur noch Freiheit versperrte. Gerade als Raßner diese Mauer erflimmen wollte, schlugen jedoch die Hunde an, es wurden zwei Schüsse abgegeben und die Alarm glode in Bewegung gesetzt. Raßner Helfer kam man auf den in der Anstalt beschäftigten Wachtmeister wurde in die Zelle zurückgebracht. Bei den Nachforschungen über die Schünemann und den Freund des Kaßner, Plügge. Es wurde festgestellt, daß der Wachtmeister mehrfach mit Frau Schwani, der Braut des Plügge, zusammengekommen war und ihr auch einige Briefe überbracht hatte. Er hatte auch ein Balet von ihr angenommen, in dem sich, wie fich später ergab, mehrere Wäscheleinen von 20 Meter Länge befanden und 15 bis 18 Gägen, die dem Plügge übermittelt werden sollten, da auch dieser einen Fluchtversuch plante. Tatsächlich war auch Plügge bereits dabei, die Traillen in feiner Zelle anzufeilen, aber auch sein Versuch, in die goldene Freiheit zu gelangen, wurde rechtzeitig bemerkt. Jeht hatten sich nun wegen des Plüggeschen Ausbruchsmanövers der Wachtmeister Schünemann, Mitte zu verantworten. Die Angeklagten bezichtigten sich gegenseitig Frau Schwanik und Brügge vor dem Schöffengericht Berlinsehr lebhaft. Schünemann behauptete insbesondere, daß er lediglich aus Gutmütigkeit einmal zu Frau Schwaniß gegangen sei und daß er sich später in einer gewissen Furcht vor dem Plügge und Frau Schwanih befunden habe. Es sei aber von vornherein seine Absicht gewesen, falls Plügge einen Ausbruchsversuch unternehmen sollte, dies mit allem Nachdruck zu verhindern. Er stehe auch der Flucht des Raßner sehr fern, tatsächlich habe er ja auch die beiden Alarmschüsse abgegeben, die das Anstaltspersonal auf den Plan riefen. Der Staatsanwalt glaubte an diese Darstellung nicht, zumal in der Berhandlung mehrfach erwähnt wurde, daß Blügge dem Beamten 10 000 Mart für seine freundliche Mithilfe in Aussicht gestellt hätte. Er beantragte gegen den Wachtmeister Schünemann wegen passiver Bestechung in Idealkonkurrenz mit perfuchter Gefangenenbefreiung 9 Monate Gefängnis, gegen Plügge, als den Hauptbestechung und gegen Frau Schwanis wegen verfuchter Gefangenenschuldigen 1 Jahr 3 Monate Gefängnis wegen attiver Beamtenbefreiung 3 Monate Gefängnis. Die Rechtsanwälte Bahn, Dr. Hein und Dr. Eisenstädt machten verschiedene rechtliche Gesichtspunkte geltend, die zur Freisprechung, mindestens zu einem milderen Strafmaß führen müßten. Der Gerichtshof entsprach auch im wesentlichen diesen Ausführungen und verurteilte Plugge zu fechs. Monaten Gefängnis, Frau Schwanig nur zu 200 Mart Geldstrafe und sprach den mitangeklagten Wachtmeister Schün emann frei. Die gewerbsmäßige Wohnungsvermittlung. Sur Frage der gemertsmäßigen Bernittlung von Mieträumen feilt dis städtische Zentralant für 28ohaungswesen folgendes mit: Generelle Genehmigungen an gewerbsmäßige Vermittler pon Mieträumen werden auf Antrag nur dann erteilt, wenn dem städtischen Zentralamt für Wohnungswesen der Nachweis geführt wird, daß der Antragsteller bereits am 1. Januar 1918 berartige gewerbsmäßige Bermittlungen ausgeführt hat. Diese Anträge sind für den Bereich der ganzen Stadt Berlin schriftlich unter Beifügung der erforderlichen Beweismittel an des städtische Zentralomt für Wohnungswesen, C. 2, Parochialstraße 9/18, einzusenden. Bon den erteiften Genehmigungen wird das Zentralamt jämtlichen Woh mungsämtern Berlins Kenntnis geben. Die Anträge der erst nach dem 31. Dezember 1917 entstandenen Vermittlungsbureaus werden grundsäglich und ohne jede Ausnahme abgelehnt werden. Derartige Anträge find daher zwecklos. Die Wohnungsämter werden gegen gewerbsmäßige Vermittler, die ohne Genehmigung in Zukunft die verbotene Vermittlung von Mieträumen versuchen, mit Hilfe der Strafbehörden einschreiten. Es tann auf Geldstrafe und auch Gefängnisstrafe oder auf eine dieser Strafen erkannt werden. Besonders wird noch aufmertfam gemacht, daß auch die Anbietung zur Bermittlung verboten ist. Widerrechtliche Gadentnahme schwerer Diebstahl. Troß aller Warnungen wird immer wieder in unberechtigter Weise Gas aus dem Rohrnetz der Gaswerte ohne Gasmesser bzw. unter Ausschaltung des Gasmessers entnommen. Diese unrechtmäßigen Anschlüsse werden fast immer in leichtfinniger weise hergestellt wb beschwören größte Gefahr für eigenes und fremdes Leben herauf. Todesfälle infolge Gasausa feiten. Außer auf die große Gefahr, die die unredytmäßige Gasströmung bei unrechtmäßig angelegten Leitungen sind nicht entnahme in vielen Fällen mit fich bringt, muß erneut auf die strafrechtlichen Folgen des Gasdiebstahls hingewiesen werden. Widerrechtliche Gasentnahme ist Diebstahl, und zwar, wie jetzt auch die Berliner Gerichte annehmen, in den meisten Fällen schwerer Diebstahl. Sc ist in neuerer Zeit erst mieder ein Berliner Einwohner durch rechtsfräftiges Urteil zu einer Gefängniss strafe pon drei Monaten wegen Gasdiebstahls verurteilt worden. Das Disziplinarverfahren gegen Lehrer Adolf Koch, dessen private Körperkulturbestrebungen den Reaktionären einen erwünschten Vorwand zu ihrer Heze gegen die Berliner Schulverwaltung gaben, bat, wie wir in Nr. 420 meldeten, einen für Soch follegium hat gegen Koch nur auf einen Verweis erkannt und durchaus ehrenvollen Ausgang genommen. Das Provinzialschul zwar nur wegen eines formalen Verstoßes, der darin bestand, daß er vor Einrichtung seiner mit schulpflichtigen Kindern außeramtlich veranstalteten Kurse für rhythmisch- gymnastische lebungen sich nicht mit der Aufsichtsbehörde in vorgeschriebener Form in Verbindung septe. Wir erfahren jetzt, daß noch vor diesem Ausgang des Disziplinarberfahrens das Provinzial i hul follegium in dem Streit Kochs mit der Berliner Schulverwaltung, der seinen Anspruch auf Beschäftigung im Schuldienst Berlins betraf, fich a ugunsten Kochs ausgesprochen hat. Es hat entschieden, das lediglich das feine während der Dauer der Untersuchung gelöst worden ist Tätigkeit bei der 240. Gemeindeschule regelnde Vertragsverhältnis Lehrer Koch ist also, wie uns sein Rechtsbeistand schreibt, nicht ent Tassen oder abgebaut", sondern tann nach der erfolgten Beendigung des Verfahrens wieder im Berliner Schuldienst iätig fein". „ Meine Brauf Deine Braut" fpielt jetzt das RoseTheater. Die Erlebnisse der Freunde Lamm und Löwe, die zuerst ihre Kleider und ihren Charakter wechseln, um den Schwiegervätern zu gefallen und hernach sich in ihr Selbst zurückfinden, damit fie den Töchtern zusagen, enthalten manche Szenen, die zum Lachen zwingen. Diese beiden Freunde werden von Hans und Willi Rose dargestellt. Trude Bolzin war gut als Margot und Edith Jacob war eine liebwerte Erita. A. Schreiber und Hans H. Zerlett haben den Tert der Operette geschrieben. Hermann Beutten hat die Musik gemacht, die frisch und temperamentvoll genug ist. Durch einen Betrunkenen umgestoßen und schwer verletzt. Am Dienstagabend traf der Viehhändler Willi H. nach dem reichlichen Genuß von alkoholischen Getränken in einem Auto vor seinem Wohnhause in der Invalidenstraße ein. Beim Berlassen des Kraftmagens torfelte er und prallte mit der in diesem Augenblick vorbeigehenden 61 Jahre alten Wirtschafterin Marie P. aus der Stre. Tiger Straße 70 zusammen. Frl. P. stürzte zu Boden und trug einen Bruch des linten Unterschenkels davon. Im Lazaruskrankenhause fand die Berunglückte Aufnahme. Der Tod in den Bergen. Am Montag nachmittag stürzte nach einer Meldung aus Daves am Flueler Weißhorn der 26 jährige ledige Mufiter Kart Richard Hauck aus Wiesbaden, Mitglied der Davoser Kurtapelle zu Tode. Er befand sich mit einem Kollegen bei dem Abstieg am Westgrad, als er zu Fall tam und ben_angefeilten Kameraden über einen Felskopf hinunter mit sich riß. Sein Begleiter fam mit einigen Verlegungen davon und konnte die Kunde von dem Unglück nach dem Flueber Hospiz bringen. Der Wirt, der selber Bergführer ist, begab sich sofort nach der Unglücksftelle, konnte aber nur noch den Tod des Berunglückten feststellen. Die Bergungsarbeiten sind im Gange. Städtische Kurse für Maschinenschreiben und Stenographie. Zur Parteinachrichten Ausbildung von tüchtigen Maschinenschreiberinnen find an drei städtischen Wahlfortbildungsschulen für Mädchen Fachklaffen für Maschinenschreiben und Kurzschrift eingerichtet, nämlich: S. 61, Tempelhofer Ufer 2; C. 2, Hinter der Garnisonfirche 2; M. 20, Ravenéstr. 12. Der Kursus hat bei 30 Wochenstunden Unterricht das Ziel, schreibgewandte und taufmännisch geSchulte Stenotypistinnen heranzubilden. Er dauert 1 Jahr. Das Schulgeld beträgt voraussichtlich 30 Goldmark im Halbjahr und ist in zwei Vierteljahrsraten von je 15 Goldmark zu zahlen. Die Einschreibgebühr beträgt für das Halbjahr 2 Goldmart. Der neue Rurfus beginnt am 8. Oftober d. J. Anmeldung täglich in der Zeit von 5-8 Uhr( außer Sonnabends) in den Bureaus der betreffenden Schulen. Ordner der Profetarischen Feierstunden. Die Drdner werden gebeten, zu der am 14. September stattfindenden Jugendweihe im Großen Schau spielhaus früh 8 Uhr am bekannten Treffpunkt vollzählig zu erscheinen. Die freie Schulgemeinde Charloffenburg veranstaltet zum Besten seiner Jugendpflege am Freitag, den 12. September, abends 7, Ubr, im Saal bau des Berliner Bau- und Sparvereins, Königin- Elifabeth- Str. 6, Inhaber Schellbach, unmittelbar am Bahnhof Westend, einen großen Lichtbilderabend. Genosse Adolf Soch spricht über sein System der Körper bildung, Gymnastik und der Nadtfultur. Sein Vortrag wird von etwa 60Lichtbildern begleitet, um so dem allgemeinen Verständnis und der Urteils. bildung näher zu bringen. Der Untoftenbeitrag beträgt 25 Pf. Die feiner Zeit von bürgerlicher Seite eingesette Heze gegen den Sozialdemokraten und Lehrer Koch, welcher durch das Disziplinarberfahren des Provinzialichulkollegiums seinen vorläufigen Abschluß zugunsten des Angegriffenen gefunden hat, dürfte allen Freunden einer freien Körperkultur bewegung die erwünschte Gelegenheit bieten, seine Methode der rhythmischen Störperbildung, die in ihrer Konsequenz von der so vielfach angefeindeten Nadtbewegung nicht zu trennen ist, sehen und hören zu können. 0 Acht Monate Ar belferregierung in England. Ueber dieses Thema' spricht der Juden- Soz.- Dem. Arbeiterorganisation Poale Zion, Gen. B. Jng. S. Kaplansky( London), Mitglied der Erefutive der Sozialistischen ArbeiterInternationale, Donnerstag, den 11. September 1924, abends 8 Uhr, im Logenhaus, Linienstraße 121.( Untergrundbahn: Dranienburger Tor, Stadtbahn: Bahnhof Friedrichstraße). Neue Schuhpflege! Wenn Sie auf elegantes Aussehen Ihrer Schuhe Wert legen, so dürfen Sie nicht Unmassen farbiger, harziger, unangenehm riechender Schuhcreme auftragen. In wenigen Tagen ist das empfindliche Leber un anfehnlich, wird brüchig und hatt. Benuhen Sie deshalb die farblose überfettete wohlriechende Gbelcreme Tuberan. Gibt schon in fleinen Mengen einen famtweichen Glanz, verharzt nie und ist im Ge brauch in der Tube für Haushalt und Reise höchst sauber, sparsam und praktisch. Altes unansehnliches Beder bekommt neues Aussehen. Für feines Schuhwert unentbehrlich. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Bertautsstelle: Berlin W. 8, Mohrenffraße 16. Fernfpr.: Merkur 2099. Ginsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin sfets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands Ortsgruppe Berlin. Sonnabend, den 13. September, pünktlich 7 Uhr, im Gigungsfaal des Bezirksamts Kreuzberg, Yorkstr. 11( Station Bellealliancestraße der Nord- Süd- Bahn), außerordentliche Generalversammlung. 1. Geschäftliches. 2. Von der internationalen Erziehungskonferenz in Orford. 3. Die Leipziger Kulturwoche. 4. Schulprogramm der Partei. 5. Abbau. Referenten: Die Genoffen Löwenstein und Schröter. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Erziehungsorganisation Rinderfreunde! Bu fammenkunft der Kinderfreundehelfer und Delegierten am Donnerstag, Den 11. September, pünktlich 7% Uhr im Bimmer 19 des Jugendheims Danziger Str. 23. 9. Kreis Wilmersdorf. Die Abonnements zu den Festkonzerten und Broketarischen Feierstunden sind bei Chaim, Augustaftr. 6, abzuholen. 20. Kreis Reinickendorf. Donnerstag, den 11. September, 7 Uhr, im Verwaltungsgebäude Reinickendorf- Ost, Hauptstr. 46, Sigung der Funktionä rinnen. Jeder Ort muß vertreten sein. 14. Kreis Neukölln. Rinderfreunde! Freitag, den 12. September, 7 Uhr, Zusammenkunft, Neckarstr. 3. 17. Kreis Lichtenberg. Fraktion der sozialistischen Elternbeiräte! Freitag, den 12. Geptember, in der Bibliothet, Weichselfte. 27, wichtige Sigung. Elternbeiräte und Erfagleute dürfen ohne Entschuldigung nicht fehlen. Die soz. Lehrer sind eingeladen. Heute, Mittwoch, den 10. September: 31. Abt. 7% Uhr Schulaula Schönflteßer Str. 7, Mitgliederversammlung. Bortrag des Gen. Steiner: Unsere Außenpolitik." 47. Abt. 7% Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. Borträge und Diskussion. 29. Abt. Die Mitgliederversammlung findet nicht heute, sondern Donnerstag, den 18. September, statt. 54. Abt. Charlottenburg, 6. Gruppe! 7% Uhr Rahlabend im Jugendheim, Rosinenffr. 4. 1. Aussprache über die Winterarbeit. 2. Neuwahl ber Gruppenleitung. 4. 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr Sahlabende! 1. und 6. Bez. bei Hansen, Borussia, Ece Neue Straße, 2. und 5. Bez. bei Buse, Raiser- Wilhelm, Ede Werderftr. 3, und Bez. bei Primus, Friedrich- Franz-, Ecke Werderstraße, 7. Bez.: Wanzlick, Oberlandstr. 1. Tagesordnung: Abbaumaßnahmen im 13. Kreis und Bericht vom Bezirtstag. 87. Abt. Marienfelde. 8 Uhr Zahlabend bei Schuster, Kirchstr. 68. Tages ordnung: Die Tätigkeit der Bezirksverordneten im Bezirk Tempelhof." Ref.: Gen. Richter, Bezirksverordneter. " 109. Abt. Friedrichshagen. Die Mitgliederversammlung fällt heute aus. 125. Abt. Weißensee. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Gallas. Bortrag des Genossen Litte: Dawes- Gutachten und die kommenden Rämpfe der Arbeiterschaft." 138. Abt. Hermsdort. Der Sahabend fällt beute ans. Nähere Benachrichtsgung erfolgt, Morgen, Donnerstag, den 11. September: 82. bt. Steglig. 8% Uhr Sigung der Bildungsausschiffe bet Thiel, Mbrechtftraße 87. Bother 7% Uhr Sigung des Kreisbildungsausschusses. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 18. Abt. Der frühere Abteilungsleiter Genoffe Melcher ist am Sonntag verstorben. Einäscherung Donnerstag, den 11, September, 8 Uhr, Arematorium Gerichtstraße. 42, Abt. Genoffe Bortmann ist verstorben. Beerdigung heute, Mittwoch, den 10. September, nach. 4% Uhr, Neuer und Jerufalemer Kirchhof, Sermannstraße, Neukölln Jugendveranstaltungen. Achtung, Raffierer! Heute abend von 5-7 Uhr findet die Marken- und ,, Jugendvoran"-Ausgabe flatt. Ausstehende Abrechnungen müssen abgerechnet werden. Anmeldungen für das Landheim werden noch im Jugendfekretariat entgegengenommen. Zur Proletarischen Feierstunde am Sonntag, den 21. September, find Karten aum ermäßigten Preise von 1 M. im Jugendsekretariat zu haben. Heute, Mittwoch, den 10. September, abends 7½ Uhr: Friedrichsfelde. Jugendheim, Berliner Str. 45, Vortrag: ,, Segwelle Sngiene." Raulsdorf. Jugendheim, Adolfstr. 25, Diskussion: Arbeitsdienstpflicht." Lichtenberg- Nord. Jugendheim, Barkaue 10, Bortrag: Unsere Stellung zum Staat!" Süd- Ost( Reichenberger Biertel). Jugendheim, Glogauer Str. 15, Bortvag: Bursche und Mädel in der Jugendbewegung. Wannsee. Jugendheim, Schule Charlottenstraße, Bortrag: ,, SAJ. und Arbeitersportbewegung." Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, den 9. September. 1. Rennen. 1. General Höfer( Huguenin). Toto: 41: 10. Play: 19: 10. 1. Patrizier( D. Müller), 3. Stummer Teufel( P. Ludwig). Toto: 7:10. Platz: 12:10. Ferner liefen: Doktor, Kriegsgetpinnler, Ed. 2. Rennen. 1. Mardud( Torke). Toto: 12: 10. Blaz: 18: 10. 1. Eleazar( P. Ludwig), 3. Stromer( Rastenberger). Toto: 26:10. Plat: 24: 10. Ferner liefen: Mantinea, Belfenroß, Rost. 3. Rennen. 1. Jdomeneus( W. Tarras), 2. Dalberg.( Torke), 3. Berilles( F. Kasper). Toto: 26:10. Play: 15, 20, 29: 10. Ferner liefen: Hohe Pforte, Barde's Bruder, Tod und Leben, Marquise, Dardanos. 4. Nennen. 1. Banter( Rastenberger), 2. Morgenpost( Norb), 3. Toga( Torte). Koto: 28: 10. Blat: 12, 11, 18:10. Ferner liefen: Perlentette, Con amore jun, Baroid, Ama, Theos. 5. Rennen. 1. Noskva( W. Tarras), 2. Traumdeuter( Bleuler). 3. Antilope( H. Schmidt). Toto: 77: 10. Plag: 25, 16, 43: 10. Ferner liefen: Civilist, Moloch, Herenmeister II, Lapis Electric, Humboldt, Rosenfelch. 6. Rennen. 1. Brinz Kudud( Bleuler), 2. Gaudium( B. Tarras), 3. Rheinland( D. Müller). Toto: 49: 10. Plat: 13, 16, 12: 10. Ferner liefen: Bulcain III, Felsenquelle, Bertrau mal, Begonia, Baustein, Maiprinz, Gilda. 7. Rennen. 1. Rabel( Dlejni), 2. Balamon( W. Tarras), 3. Schneeberg( Albers). Toto: 272: 10. Blaz: 79, 22, 37: 10. Ferner liefen: Bruderschaft, Dida, Valant, Tingl Tangl, Treue Wacht, Lamoral, Wollenschieber, Nodonda, Malchin, Fipa II, Obsidian, Sternberg. Sie wußten es noch nicht? Gerade für Wollwäsche ist 19 Jersi C B CAVALIN DAS STREUPULVER GEGEN ACHSEL- u. FUSSCHWEISS Überall erhältlich! Cavalin an Sommertagen en schafft unendliches Behagen. Der Streupuder gegen Schweiß und dessen Wirkungen, Wirkungen, Für Sport und Wanderung. Herstellerin W. Spindler A.-G., Berlin C. 19 so schön! All die hübschen modernen Sachen in ihren freundlichen Farben können Sie so bequem waschen! Machen Sie einmal an einem kleinen Stück einen Versuch. Sie werden selbst überrascht sein, wie schön es wird. Natürlich behandelt man Wolle und Buntsachen stets handwarm. Mit Persil gewaschene Wollsachen bleiben locker und weich, verlieren die Form nicht und bekommen ein schönes neues Aussehen Nach langem, schwerem Leiden verschied am Montag, den 8. d. M., unser Tabakmeister, Herr Max Posniak Der Entschlafene gehörte seit 15 Jahren zu den ersten Mitarbeitern unserer Firma und hat durch seine hervorragenden Fachkenntnisse in hohem Maße zur Förderung unseres Unternehmens beigetragen. Der Verlust seiner Persönlichkeit trifft uns und seine Angehörigen schwer. Wir werden unserem verstorbenen Freunde stets ein treues Andenken bewahren. Berlin SO 16, Rungestr. 22/24, den 9. September 1924 Der Vorstand der Manoli- Aktiengesellschaft Mandelbaum Schmidt Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. Sept., nachmittags 2 Uhr, auf dem Friedhof in Berlin- Weißensee, Neue Halle, statt. Zu Westmann!" LUNGERSHAUSEN1. Geschaft: Berlin W, Mohrenstraße 37 a 2. Geschäfl: Berlin NO, Große Frankfurter Str. 115. Benaue Beachtung der Firma und Hausnummer erbstant Nur beste Qualitäten I Für stärkste Figuren Passendes! Modelle in Pelz- u. Plüschmänteln zu Sonderpreisen!!! Seldenpuschmäntel, glatt a. mit Stickerei 118, 98, 89, 78 Sealpliisenmäntel auf Damasséfutter 205, 165, 125, 110 Sealpachlacken 95, 79 Beldenpläschjacken 84, 65 Elegante Pelzmäntel( Achten Sie genau auf gute Felle) 1500, 1200, 850, 880, 650, 475 Entzückende Pelzjacken Biberetta 398. Seal Electric 959, Fohlen 345, Zickel 168 Ulster mit Petz 95, 78, 62, 48, 89 Moch vorhandene Frühjahrs- und Sommerkenfektion Gummimäntel, imprägnierte Regenmäntel, Beidenmäntel, Kammgarn- Kostüme werden au rasend billigen Preisen abgegeben! Extra- Abteilung: Trauermagazin! Große Auswahl! Billige Preise! Sonntag, 14. Sept. vormittags 9 Uhr: von den bekannten Flugblattverbreitung in Groß- Berlin Stellen aus! Arbeitersport. Sport als Geschäft. Aber nicht nur in Amerika. Das große Spiel Amerikas ist das Busineß, der Sport, an dem alle teilnehmen oder, bei mangelnder Neigung, zu nehmen zu zwungen sind. Und dieses Spiel absorbiert so vieles von der ameritanischen Energie, daß jeder andere Spieltrieb darüber lahmgelegt oder passiv wird oder Interesse nur findet, wenn dabei wieder irgend ein, wenn auch noch so kleines Geschäft zu machen ist. Aus diesem Grunde werden die amerikanischen Sportveranstaltungen immer mehr tommerzialisiert unter lediglich inaktiver Teilnahme der Massen, deren Tätigkeit als Zuschauer sich auf Lungen- und Kehlkopfübung oder den Wetteinsatz einiger Dollars beschränkt. Andererseits ist zum Sport geworden, was ursprünglich nicht Sport war, z. B. die Nominierung und Wahl der Präsidentschaftskandidaten, wobei die Sensation der Ungewißheit und die Möglichkeit des Wettens ihren starten Anreiz üben. Die großen Veranstaltungen, bei denen der Amerifaner andere für sich Sport treiben läßt, vom Baseballspiel bis zu den politischen Konventen, werden von großen Geschäftsunternehmern durchgeführt, die dem Sport auch noch das letzte an Chancen, Einzelleistung und persönlichen Einsatz zu nehmen im Begriffe find. Pferderennen, Automobil- und Flugzeugrennen, Fußballspiele, Borfämpfe, Tennis und selbst die Wettkämpfe zwischen den Hochschulen werden zunehmend mehr fommerzialisiert und nach geschäftsmäßigen Prinzipien mit großen Kapitaleinfäßen arrangiert. Riefengroße Stadions werden errichtet, die auch in ihren Veranstaltungen an die Zirkusspiele des später untergehenden Roms mit ihren Berufsathleten erinnern. Durch ein weitumfassendes Buchmachersystem wird auch den Nichtanwesenden die Teilnahme, wenigstens als Wettenden, ermöglicht, wodurch für den einzelnen das Spiel volltommen zur Lotterie wird. Am deutlichsten wird das Entrüdtfein des Amerikaners im Fall des großen Nationalsports, des Baseballspiels. Baseball ist ein großangelegtes Geschäft gemorden, in welchem Millionen von Amerikanern eine rein passive Rolle spielen. Es hat die Spiel- und Sportinstinkte des Durchschnittsbürgers ganz und gar in den Erwerbssinn pervertiert. Im letzten Jahre sind für ein einziges der Spiele der Wett- Serie" an Eintrittsgeldern über 200 000 Dollar gezahlt worden, die Einnahme an den sechs Spieltagen für diese Serie zusammen belief sich auf 1063 815 Dollar. Bor zwanzig Jahren erbrachten die ersten acht Spiele dieser Wettferie faum 50 000 Dollar an Eintrittsgeldern und bis 1919 hatten sie eine " | halbe Million Dollar nie überschritten. Die Gesamteinnahme aus dem Baseballspiel fann man ungefähr danach ermessen, daß die Mannschaften der acht Hauptligen jede pro Saison 154 Spiele, also insgesamt 1232 Spiele absolvieren. Von diesen abgesehen gibt es dreißig Ligen zweiten Ranges und Hunderte von Ligen, die u. a. die Hochschulen umfassen, deren Wettspiele auch immer mehr busineßmäßig aufgezogen werden. Was hierbei an Kapital investiert wird, ist unberechenbar. Das Stadion der Yankees" in New York hat allein 2 Millionen Dollar gekostet und das in dieser Mannschaft investierte Kapital beläuft sich auf über 4 Millionen Dollar. Man darf mit guten Gründen annehmen, daß das gesamte im Baseball angelegbe Kapital in den Vereinigten Staaten weit über 100 Millionen Dollar beträgt. " Die zunehmende Mechanisierung, Standardisierung und Kommerzialisierung des amerikanischen Lebens ist wesentlich schuld an dem Verzicht auf eigenes freies Spiel und auf eigene Sportbetätigung. Auch die Kinos, das andere große Nationalvergnügen, verschaffen den Massen einen passiven Genuß und den Ersatz für wirkliches Spiel. Man fann eine sehr reale, vielfach verkannte Verbindung von hier hinüberschlagen zum Krieg und zur Kriegsbegeisterung. Ein Bolt, das vergessen hat, zu spielen, oder dessen Spieltrieb durch den Ermerbstrieb und durch nationalistische Färbung verdorben worden ist, wird um so leichter versucht sein, das große Spiel des Krieges zu spielen oder vielmehr spielen zu lassen. Herbstwaldlauf der Leichtathleten. Der Herbst- Waldlauf des 1. Kreises ist der Sportabteilung Schöneberg übertragen worden und findet in Zehlendorf- West am 12. Oftober 1924 ftatt. Umkleidelokal:„ Wolfsschlucht", Restaurant W. Gläste, Zietenstraße 1( zwischen Krumme Lante und dem Schlachtensee). Beginn pünktlich 3 Uhr. Männer: MannJugend: fchaftslauf 5000 Meter, drei Mann eine Mannschaft. Mannschaftslauf 3000 Meter, drei Mann eine Mannschaft. Aeltere Sportler( Jahrgang 1884-89): 1000 Meter Einzellauf( Jahrgang unter 1884): 1000 Meter Einzellauf. Frauen: Sternpropagandalauf. Startgeld: Männer pro Mannschaft 1,50 Mt., Jugend pro Mannschaft 1 Mt., Männer- Einzelläufer 0,50 Mr. Die Mannschaften müssen geschlossen durchs Ziel laufen. Meldungen sind namentlich sowie unter Geburtsangabe bei älteren Sportlern mit Startgeld bis zum 21. September 1924 an Erich Appelbaum, Berlin- Schöneberg, Guztowstr. 2, zu geben. Nachmeldungen sowie Meldungen ohne Startgeld werden nicht berücksichtigt. Propaganda- Mannschaften find gleichfalls anzugeben. WALHALLA am Rosenthaler Tor 3. Frauenvortrag ber FTGB. Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin ver. anstaltet am Freitag, 12. Geptember, abends 7% Uhr, zum dritten Male einen Aufklärungsvortrag für junge Mädchen und Mittter. Herr Achim Schreiber Ploto, Leiter des Ernst- Saedel- Gaales im Institut für Segualwissenschaft, spricht über das Thema: Die Entwidlung des Geschlechtstriebes und die Geschlechtstrantheiten." Ein= tritt Vorverkauf 40 Pf., Abendkasse 50 Pf. Hierzu find nicht nur die jungen Mädchen, sondern auch deren Mütter eingeladen. Die jungen Mädchen, als Mütter der kommenden Generation, müssen über ihren Körper und beffen Funktionen, über mancherlei Gefahren aufgeklärt werden. Auch alle Mütter follten sich das Wissen verschaffen, deffen sie als Erzieher der Kinder und im Interesse ihrer eigenen Gesunderhaltung bedürfen. Der Vortrag findet im Ernst- Haeckel- Gaal, In den helten 9a( Nähe Reichstagsgebäude, Moltkebrücke und Kroll- Oper) statt. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 2. Turn- und Sportfest der Kinderabteilungen der Freien Turnerschaft Groß- Berlin, Nowawes und Brandenburg am 14. Geptember 1924 in Neubabelsberg. 8um zweiten Male veranstaltet der Verein ein einen Nowawes und Brandenburg, auf dem herrlich gelegenen Sportplag in Neubabelsberg. Das Programm fest fich wie folgt zusammen: Bormittags 8.30 Uhr Treffpunkt aller Abteilungen in Neubabelsberg( Bahnhof). Abmarsch mit Musik nach dem Sportplag, wo das reichhaltige Programm abgewickelt wird. großes Rinder- Turn- und Sportfeft, und zwar diesmal mit den BruderverVorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Kameradschaft Lichtenberg. Donnerstag, 11. Geptember, abends 7 Uhr, Antreten im Schulhof der Schule Kronprinzenstraße. Auch die Jugend muß erscheinen. Kameradschaft Zehlendorf. Donnerstag, den 11. September, abends Bunkt 8 Uhr, bei Schnorre, Potsdamer Str. 3, wichtige Mitgliederversammlung. Aus der Tagesordnung: 1. 8uwahlen. 2. Aufnahmen. 3. Jugendangelegenheiten. 4. Beschaffungsstelle. 5. Nächste Beranstaltungen usw. In dieser ersten Vollversammlung darf keiner fehlen. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Bosen Groß- Berlin. Sigung am Donnerstag, den 11. September, abends 8% Uhr, in der Kindlbrauerei, Neukölln, Hermannstr. 214/219. Tagesordnung: Anderweite Festsetzung der Beiträge, Stiftungsfest usw." " Der Arbeiter- Schachklub Neukölln spielt am Freitag, den 12. Geptember, einen Wettkampf an 20 Brettern gegen Süd- Westen, abends 7 Uhr, Baerwald-, Ede Bergmannstraße. Freunde und Gönner des Schachspiels sind herzlichst eingeladen. Eintritt frei. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen, Bezirk N. 14. Mitgliederversammlung am Montag, den 15. Gep. tember, abends 7½ Uhr in Büttners Festfälen, Schwedter Str. 22/23. Referent Herr Lück über: ,, Gewerkschaften und Kriegsbeschädigte." Proletarischer Jdo- Bund Jdo- Arbeitsgemeinschaft. Mittwoch, den 10. Geptember 1924, Rathaus, Rimmer 53, Eingang Spandauer Straße, 6% bis 9½ Uhr abends. Alle Jdofreunde willkommen. Welter für Berlin und Umgegend. Etwas fühler, wollig, vorübergehend aufflarend mit wiederholten Regenfällen bei auffrischenden westlichen Winden. Direktion Kirchner 28 Große Volksoper des Westens protinungs- Vorstg. 10. Sept. 18 Uhr im Theater Schloßparktheater( or 71, Uhr: Der Troubadour ,, Der Prinz von Homburg" SCHUTZ- MARKE DETHOMPSON'S SCHUTZ- MAR Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82 Mauerstraße 82 Täglich nachmittags: Vier- Uhr- Kaffee Dienstag Donnerstag Sonnabend Sonntag: • Gesellschaftsabend- Tanz | Staats- Theater Täglich 8 Uhr: Lessing- Theater RIESEN- CIRCUS Opernhaus die große Revue Täglich 8 Uhr: 7U: Die tote Stadt Noch und Noch" Die große Revue: Opernhaus اور am Königsplatz Stg. 2 Vorst. in erster Besetzg 71/2: Die lustigen Weiber 34 u. 8 Uhr Wien gib acht! Deuts.Opernhaus Ueb.150Mitwirkende Schauspielhaus 7 Uhr: Tannhäuser Karten 2-16 Mark 72. Der arme Vetter Tannhäuser: Bohnhoff a. G. Schiller- Theater Wolfram: Schlusnus a. G. 7 Uhr: Candida Elisabeth: Granfelt a. G. Volksbühne Intimes Th. Kasse den ganzen Tag geöffnet Trianon- Th. 8 U. Tägl. 8 Uhr: 7 Uhr: Fahnen Lauf doch n. im. nackt herum Erika Gläßner Deutsch. Theater Besuch im Bett etc. 8 Uhr: Sumurun Kammerspiele 8 Uhr: Fräulein Julie Metropol- Theater in Letzte Tage " Sie" Komödie v. Reicke 8 U.: Mascottchen Erich Kaiser- Tietz Th. i. Kommand. Str. 8 Uhr: Rudolf Lettinger Theater i. d. Königgrätzer Str. Mister Globetrotter Kleines Th. Täglich 8 Uhr: Operette v.O.Urack Hans Sonnenstößers Höllenfahrt Tribüne 8 Uhr: Täglich 8 Uhr: Komödienhaus D. Gatte d. Fräuleins Der Teufelsadvokat Täglich 8 Uhr: Berliner Theater Haak, Schroth, Kraus Eine Casanovakom. Mein Vetter Eduard Wallner Theater mit Ferdin. Bonn Tägl. 1/28 Uhr: Gutschein bis 14.9. Uriel Acosta Tägl. 7.30: Der süße Kavaller 1-4 Personen 50% Ermäßigung Th. a. Nollendorfpl: Dramatisch. Theater Gösta Berling. 2. T. Chausseestr. 30/31 7 Central- Th. 7 Tägl. 7.25 und Mozartsaal Täglich 7 u. 9 Uhr: ROSITA Tel. Norden 10160/61 Alte Jakobstr. 32 Dir.: Hans Felix Mittwoch 7 Uhr: Gilles u. Jeanne Gwissenswurm Karl Etlinger, Rob. Müller, Donnerstag 7 Uhr G, Bäck, Sauter- Sarto, Lutz 3 Uhr: KRONE · Schönhauser Allee Hochbhf. Danziger Straße Tagl abds.& Uhr. Sonnabend u. Sonntag a. 4 Uhr Gigantische Circus. Manegen in gleicher Zeit!!! 85 Sensationen 85 ZOO · ca. 400 Tiere taglich ab 10 Uhr vorm. bis abends 7 Uhr geöffnet. Konzert: 2 Kap. Raubtierfütterung 11 Uhr vorm. Vorverkauf! Wertheim u. Circuskassen Nachm, Kinder unter 12 Jahren halbe Praise! Amtliche Wett- Annahme des Union- Klubs Berlin NW. 7, Schadowstraße 8. Annahme von Wetten für alle BerSchadowstr. 8, in allen Filialen und bei den größeren Renn- Vereinen im Reiche. Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug. SCALA 1. Male: Sonnaberg, St. La Schriftliche Aufträge und Aufträge 8 Uhr: Internat. VARIETE zum Komödie um Rosa Iphigenie Rose- Theater Residenz- Th. 8 Uhr: Meine Braut Deine Braut am RosenWalhalla thaler Tor Großes internationales Varieté- Programm Ant. 7 Uhr. Mäßige Preise Komische Oper Direktion: James Klein Allabendlich 8 Uhr 8 Uhr Die gewaltigste and größte Revue aller Zeiten: Das hat die Welt noch nicht gesch'n Gastspiel Kammersänger Leo Slezak über 250 Mitwirkende auf Konto- Einrichtung sind nur an die Zentrale zu richten. Dir.: Fel. Meinhardt Deutscher Metallarbeiter- Verband Morgen 11.Sept. 7% Premiere Die vier Achtung! Jugendliche Achtung! Schlaumeier Die Jugendzeitung für den 5. Bezirk Musik von Walter W. Goetze ft von jest ab beim Kollegen Richter, Oskar Sabo, Betty Feiner, Brangelstr. 10, vorn 3 Tr., abzuholen. Achtung! Betriebsräte Achtung! Karl Wallauer Nenes Theat. am Zoo Nr. 14 ber Betriebsräte- Zeitschrift Täglich 8 Uhr: Gastspiel ist erschienen und kann gegen Borlegung der Legitimationstarte des Betriebsrats Adolf Phillip pobmannes im Verbandsbureau, Linienftraße 83/85, 8immer 5, in Empfang genommen werden. Die Reise nach Amerika 3 Bilder aus dem Leben des An unsere Mitglieder und Funktionäre! Deutsch- Amerikaners Theater am Hottbusser Tor Täglich 8 Uhr u. Sonnt. nachm. 30. EliteSänger Fabelhaftes SeptemberProgramm! Großer Erfolg des EröffnungsProgramms 12 Internationale Kunstkräfte Anf. 7% Uhr. Mässige Preise! Vorverkauf ab 11 Uhr ununterbrochen Im Tunnel: Große Sehenswürdigkeit 10 Allerlei Aurelianen 20 Kanonen StimmungsGrößter Lacherfolg! Eintritt frei! WIEN BERLIN AMFANG Wir weisen erneut darauf hin, daß bei Jagerstr.63 telephonischen Anfragen jeglicher Art nach 4 Uhr nur die Nr. 834 in Frage tommt. Auf alle übrigen Nummern tönnen feinerlei Auskünfte erteilt werden, da diese Abteilungen nach 4 Uhr ge fchloffen find. Die Ortsverwaltung. teppdecken preiswert, direkt Fabrik Bernhard Strohmandel, 72Wallst.72FiL.Spittelmarkt, E.Sendelft.u.Nikolsburg.Pl.2 AlteSteppdeck.werd.aufgearb. 8 Besonders Interessantestes Unterhaltungs- Varieté EINTRITT FREI! Dr. Thompson's Seifenpulver macht die Wäsche blendend weiss. Casino- Theater Mt. 26.000.- unterschlagen! 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Schon die Tatsache, daß es heute in Deutschland rund 2000 Konsumgenoffenaften gibt, in denen 4½ Millionen Familien der Verbraucher genossenschaftlich organisiert sind, beweist, daß die Konsumgenossen= schaften wirtschaftliche Leistungen von Bedeutung aufzuweisen haben müssen. Denn es braucht nur daran erinnert zu werden, daß die Berbrauchergenossenschaften jahrzehntelang unter allerlei be hörd. lichen Hemmungen und außerordentlichen steuerlichen Bes faftungen zu leiden hatten, ganz abgesehen davon, daß der Private handel von seinem Standpunkt aus ganz verständlicher Weise ftets in schärffter Rampfstellung zu den Konsumgenossenschaften stand und noch steht und mit allen Mitteln die Entwicklung derselben zu hindern suchte. Wenn also trotzdem die Konsumgenossenschaften im Zeitraum von 20 Jahren von rund 1000 Vereinen mit 850 000 Mitgliedern ihre 3ahl auf 2000 mit 4½ Millionen, also die Mitgliederzahl verfünffachen fonnten, so müssen die wirtschaftlichen Leistungen schon ganz erhebliche gewesen sein, um ein folches Ergebnis zu erzielen.. Dem ist auch so, und zwar in zweierlei Hinsicht. Die preis. regulierende Wirkung der Konsumgenossenschaften ist eine feststehende Tatsache, die leider nur zu oft übersehen und nicht gewürdigt wird. Ja, man begegnet sogar manchmal der Behauptung, daß der Konsum" teurer sei, wenigstens in den und jenen Waren. Und es find nicht immer die Gegner der Konsumgenossenschaften, welche solche Behauptungen aufstellen. Geht man aber, wie es vor dem Kriege und neuerdings nun wieder öfters geschehen ist, der Sache auf den Grund, so findet man das Gegenteil bestätigt. So haben in letzter Zeit füddeutsche, sächsische und norddeutsche Konsumgenossenschaften Warenausstellungen und Preisvergleiche von etwa 20-30 wichtigen Artikeln der Lebensmittelbranche veranlaßt, wobei sich herausstellte, daß der gezogene Durch schnitt bei den Konsumgenossenschaften um 15-20 Prozent niedrigere Preise zeigte als der Privathandel. Außerdem aber besteht ja die Preisregulierung darin, daß durch das Bestehen einer Konsumgenossenschaft an irgendeinem Plaze die Warenpreise des Brivathandels, die vordem wesentlich höhere waren, sich senten. Diese Wirkung ist am besten bei der Gründung einer Konsumgenoffenschaft zu beobachten: mit einem Schlage bietet der ortsansässige Handel die Ware um mindestens 10-15 Prozent unter den seitherigen Preisen an, wodurch die Bevölkerung im allgemeinen wirtschaftliche Vorteile genießt, die ohne die Konsumgenossenschaft nicht denkbar wären. Diese Wirkung der fonfumgenossenschaftlichen Organisation läßt sich, wenn auch nicht statistisch erfassen, so doch immerhin einigermaßen berechnen. Von den zirka 15 Millionen deutschen Haushaltungen dürften 12 Millionen als solche Verbraucher in Betracht tommen, die von ihrem Jahreseinkommen durchschnittlich 700 Ma für Baren ausgeben, die in jeder Ronfumgenossenschaft zu faufen sind. In der Gesamtberechnuna ergibt sich also ein der Preisrequ lierung durch die Konfumgenoffenschaften ausgefekter Warenumfaß Don 700 X 12 000 000= 8 400 000 000 Mart( 8 Milliarden 400 Millionen Goldmark). Sieht man nun davon auch die Hälfte des Umfages ab für die Gemeinden des Reiches, wo die Konsumgenossenfchaften feine Warenverteilungsstellen besitzen, also die preisregu lierende Wirkung nicht erzielt wird, so bleiben immer noch 4,2 Milliarden Mark Umsatz übrig, die um etwa 15 Broz. regulierte niedrigere Barenpreise enthalten. Das Ergebnis der Preisregulierung beläuft sich also auf rund 630 millionen Goldmart in einem Jahre. Dazu kommt nun noch die den Mitgliedern der Konfumgenoffen schaften direkt zufließende Ersparnis in Form von Rüdvergü tungen und billigeren Warenpreisen( früher auch fälschlicherweise " Dividende" geheißen, oder Rabatt). Dem Durchschnitte nach dürfen diefelben beim Eintritt normaler Zeiten auf 10 Prozent des je meiligen Warenwertes angenommen werden, wenn auch seit den Kriegsjahren und mährend der Inflationszeit die Rechnung von anderen Gesichtspunkten aus„ aufgemacht" werden muß. Würden nun die 4½ Millionen Mitglieder der Konsumgenoffenfchaften ihre Warenbedürfnisse restlos in ihren eigenen Wirtschaftsunternehmen deden, so müßte ebenfalls ein Jahresdurchschnitts umfah von mindestens 700 Goldmart sich ergeben. Und dies würde bedeuten: 3 150 000 000 Goldmart Umfag. Und da die Erspar nis, insbesondere bei der Höhe dieses Umfages, mindestens 10 Prozent betragen würde, so hätten die deutschen Konsumvereinsmitglieder in einem Jahre ben immerhin ansehnlichen Betrag von 315 Millionen Goldmart aus ihren genossenschaftlichen Unternehmungen herausgewirtschaftet". 3ufammen mit dem durch die Breisregulierung erzielten Betrag ergibt sich hiernach die wirtschaftliche Leistung den einer Milliarde Goldmart, welche die Konsumgenossen schaften gemäß ihrem inneren Wesen, ihrer organisatorischen Eigenart der deutschen Volkswirtschaft ersparen können. Leider haben die meisten Mitglieder der deutschen Konsumgenossenschaften das einfache Einmaleins des Rechenmeisters Adam Riese noch nicht richtig begriffen, denn ihr Umsatz betrug vor dem Kriege durchschnittlich nur etwa 400 Mart für eine Genossenschaftsfamilie und gegenwärtig ist er gar nur auf höchstens 250 Mark zu berechnen. Nichtsdestoweniger bleibt die preisregulierende Bir fung in dem errechneten Betrage als eine Ersparnis der 12 Millionen Haushaltungen und dennoch als 3uschuß zur deutschen Voltswirtschaft bestehen und es liegt nur bei den Mitgliedern der Konsumgenossenschaften, die 3 meite wirt schaftliche Leistung an sich selbst nach Belieben zu erhöhen. Durch Steigerung ihres Barenumfages. Adam Riese soll uns das Einmaleins nicht umsonst gelernt haben. -ff. Gevez willen REICHSBANNER SCHWARZ- ROT- GOLD Mittwoch, 10. September 1924 FIS 119 „ Egon, ich glaube, hierbei fliegen wir selbst in die Luft." Anhaltende Krise am Arbeitsmarkt. Das Landesarbeitsamt Berlin berichtet: Die Lage des Arbeitsmarftes muß weiter allgemeinhin als ungünstig bezeichnet werden. Der durch die Aufwartsbeme der durch die gleichfalls vermehrte Nachfrage nach weiblichen Arbeits: gung einiger Epezialberufsarten einschließlich der Holzindustrie sowie fräften herbeigeführte Abgang vermochte nicht entscheidend die Lage des Arbeitsmarktes im günftigen Sinne zu beeinflussen. Es waren 100 152 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen, gegen 101 893 der Worwoche. Darunter befanden sich 70 687( 71 618) männliche und 29 465( 30 275) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 32 254( 32 059) männliche und 6687( 6531) meibliche, insgesamt 38 941( 38 570) Personen. Die Zahl der zu gemeinnützigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 2070 gegen 1953 der Vorwoche. In der Landwirtschaft ist die günstige Nachfrage nach Ar. beitskräften weiterhin vorherrschend. Bei den Gärtnern haben die Bermittlungsergebnisse nachgeleffen. Die Arbeitsmarktlage in der Industrie der Steine und Erden ist noch immer ungünstig. In der Metallindustrie war geringer Kräftebedarf vorhanden. Die angeforderten Personen betrajen in der Hauptfache nur qualifizierte Arbeiter. Insbesondere wurden Elektromonteure und Installationsflempner und Arbeiterinnen verlangt. Berhältnismäßig günstig ist infolge der kommenden Heizperiode die Nachfrage nach Heizungsrohrlegern. Das Spinnstoffgewerbe hat fernerhin für weibliche Personen bessere Beschäftigungsmöglich feiten aufzuweisen. Gute Nachfrage bestand namentlich nach Siridern und Maschinenstrickerinnen. Ebenfalls verzeichnet die Kürschnerbranche ciren erhöhten Bedarf an Arbeitskräften, der nur teilweise gedeckt werden fonnte. Geringe Vermittlungsergebnisse waren in der Bell stoff und Papierherstellung und verarbeitung vorhanden. In der Lederindustrie und Industrie leder. artiger Stoffe besteht der Mangel an Arbeitsfräften für Matraßen- und Tapeziernäherinnen weiterhin fort; dagegen hat die Ar. beitsmarktlage im ganzen feine Besserung erfahren. Im Holz und Schnigstoffgewerbe macht sich eine 2 ufwärtsbewegung bemerkbar, welche auch in der fintenden Zahl der Arbeitsuchenden deutlich zum Ausdruck fommt. Im Nahrungs- und Genuß mittelgewerbe hat die Arbeitsmartilage feine wesentliche Besserung erfahren. Lebhafte Nachfrage herrschte insbesondere nur für Arbeitskräfte in der 3i garetten- sowie Süßwarenindustrie. In der letzteren Branche besteht Brauereigemerbe weiter zurüd gegangen. cin Mangel an Pralinenüberzieherinnen. Auch ist die Nachfrage im Im Bekleidungsgewerbe war die Bermittlungstätigkeit für die Herren- und Damenkonfettion günstig. Es fehlt noch immer an Spezialfräften, wie Stepper in der Herrenkonfektionsbranche. In der Herren- und Damenmaßbranche wurden nach wie vor nur vereinzelt Arbeitskräfte angefordert. Für die Leichttenfektion mie Blusen und Kleider und ebenfalls für die Herren- und Damenwäsche war so gut wie gar keine Nachfrage vorhanden. Die gute Geschäftslage im Baugewerbe hat im allgemeinen ange halten. Insbesondere war lebhafter Bedarf an Dachdeckern, Malern und Lackierern. Im Vervielfältigungsgewerbe hat sich das Vermitt lungsergebnis gegenüber der Vorwoche insbesondere für Buchdrucker gehoben. Angeforderte Kartographen und Kartolithographen fonnton teilweise nicht gestellt werden. Die Vermittlungstätigkeit im Gast mirtsgewerbe bewegte sich in mäßigen Grenzen. Die Zahl der Stellensuchenden ist im Steigen begriffen. = Genoffenschaftlicher Jdealismus als Unfrieb. Die britische Genossenschaftsbewegung berzeichnet ein bedentfames Urteil über den Wert der genossenschaftlichen Betätigung für die Landwirtschaft. Es war ein Prüfungsausschuß von drei Gelehrten eingelegt worden, die eine Untersuchung über landwirtschaftliche Mit Ausnahme von weiblichen und jugendlichen Arbeitskräften Betätigung anzustellen hatten. In ihrem Schlußberichte gehen die find die Vermittlungsergebnisse in der Gruppe Lohnarbeit Gutachter auch auf die Genossenschaftsbewegung ein und stellen wechselnder Arijehr gering. Im Handelsgewerbe feft, daß die auffälligste Tatsache die Universalität diefer d für Bureauangestellte ist der Stellenmarkt, insbesondere für Bewegung und ihr phänomenales 3 achstum innerhalb einer Berufsgruppen' macht sich jedoch eine leichte Belebung, namentlich im Banfangestellte, als besonders ungünstig zu bezeichnen. In einigen verhältnismäßig furzen Zeitspanne sei. Das allgemeine Charaktertilhandel durch Anforderung von Verkäufern, Dekorateuren und riftitum der Bewegung sei, daß bei ihrem Beginn ein Idealis Ladschriftfchreibern bemerkbar, desgleichen im Versicherungsgewerbe. mus bestanden und während ihres Bachstums angehalten habe, Bei Ingenieuren, Lechnifern und Wertmeistern ber ihr mehr als nur wirtschaftlichen Antrieb gegeben habe. ift nur eine geringe Vermittlungstätigkeit zu verzeichnen. Festwertanleihen im Auguft. Im August stand die Börse unter dem Zeichen des Dawes Gutachtens. Sie versprach sich von den eingeleiteten Friedens. bemühungen große Vorteile für die deutsche Wirtschaft. Ihre papierkurse, nicht nur der Industrieaktien, sondern auch der Hoffnungen äußerten sich in einer starten Erhöhung aller Wert festverzinslichen Anleihen. Folgende Busammenstellung der Kurse der oprozentigen Gold- Hypotheken- Pfandbriefe gibt eine Vorstellung von der Entwicklung. Die Zahlen bedeuten Goldmart für ein Gramm Feingold( 1 Gramm Feingold 2,79 Goldmark). 1. Aug. 11. Aug. 21. Aug. 28. Aug. 1,20 1,35 1,75 1,60 1,30 1.55 1.58 1,59 1,24 1,35 1,58 1,63 1,22 1,52 1,55 1.21 1,55 1,55 1,30 1,35 -1,50 1,50 1.50 1,55 1,57 1,57 Berliner Hypothekenbank Frankfurter Pfandbriefbant. Leipziger Hypothekenbank Meininger Hypothekenbant.. 1,20 Norddeutsche Grundkreditbank. 1,20 Preußische Bodenkreditbank.. 1,20 Schlesische Bodenkreditbank. 1,20 1,25 Westdeutsche Bodenkreditbank 1,20 1.30 Durchschnittl. Wert der 8 Kurje 1,22 1,32 • Die Kommunen und Kommunalverbände haben alle Veranlaffung, der Kunsentwidlung der Festwerianleihen große Aufmerksamkeit zuzuwenden. Gin Kurs von 1,57 Goldmart für 1 Gramm Feingold, wie er sich in der zweiten Hälfte des Monats August durchschnittlich heraussteüte, bedeutet eine jährliche Realverzinsung von 8.9 Proz. Das ist erheblich weniger als die Realverzinjung von 12,55 Pro3, wie sie noch zwei Monate vorher, Juni dieses Jahres, herrschte. Es ist anzunehmen, daß die Kurse der Pfandbriefe noch weiter steigen. das heißt, daß die Realverzinjung noch weiter sinken wird. Während der letzten sieben Monate zeigten die Durchschnittskurse der Gold- Hypotheken- Pfandbriefe folgende Werte: Ende Februar 1924 1,56 Ende Juni 1924 1,11 März 1924 1,41 Juli 1924 1,25 August 1924 1,57 N April 1924 1,04 2 Mai 1924 1,09 Das Sinten des Zinsfuges für langfristigen Kredit ist für die Kommunen und Kommunalverbände von Wichtigkeit, weil es die Aussicht eröffnet, in furzer Zeit wieder fefiberzinaličic Anleihen öffentlicher Körperschaften auf dem Kapitalmarfte unterbringen zu können. Die Neuregelung der deutschen Separationsverpflichtungen auf Grund des Dawes-Gutachtens hat überall die Hoffnung erweckt, daß Deutschland demnächst Kredite aus dem Auslande erhalten würde. Ansländische Kredite find gut, aber inländische sind besser. Im ersteren Falle gehen die Zinsund Tilgungsbeträge in das Ausland, find alio für unsere Wirtschaft verloren, joust aber bleiben diese Beträge im Inlande ,, wo fie in Form von Kauftraft und von Steuerleistungen die deutsche wirtschaft befruchten. Wollen die Kommunen und Kommunalverbände langfristige Anleihen aufnehmen, so- müssen sie zu ihrem Teil auch an dem Aufbau des innerdeutschen Kapitalmatttes teilnehmen. Dazu aber sind sie durch Pflege der fommunalen Sparkassen und des kommunalen Giroverfehre durchaus in der Lage. Häuteauktionen und Lederpreis. Dr. M Ueber die Preistreibereien am häytemattt wird uns von fachmännischer Seite u. a. geschrieben: Nach den Angaben der Unternehmerfachpresse der Lederindustrie find die deutschen Häutepreise die höchsten in der Welt. Benn das von dieser fachkundigen Stelle aus behauptet wird, dürfte Nun ist der Zusammenhang zwischen Preisbildung und Häutequftionen ja bekannt. Bei der legten Enquete über die Lederwirt schaft und auch bei früheren Erhebungen ist die Lederherstellung aber ftets für Beibehaltung der Häuteauktionen eingetreten. Sie schloß sich den Bestrebungen für Abschaffung der Häuteauktionen nicht an. Jetzt wird es aber, wie es scheint, auch den Lederfabris fanten zu bunt. Die Lederindustrie", ein führendes Organ der Lederfabrikanten, machte z. B. in einem Leitartikel in Nr. 209 vom 29. Auguft folgende Ausführungen: ,, Die Lederindustrie hat sich für die Beibehaltung bzw. den Rauf auf den Auktionen ausgesprochen. Sie hat sich den vielfachen Be strebungen zu ihrer Bekämpfung nicht angeschlossen. Aus dieser Haltung entsteht aber allmählich die Pflicht, nicht nur dem Auftionswesen an sich, der Durchführung der Auktionen usw., sondern auch der Preisbildung auf den Auftionen die größte Auf mertfamteit zu schenken. Es tann der Lederindustrie nicht gleich gültig sein, wenn sich auf den Auktionen etwa eine Spetulation breitmachen sollte, die aus egoistischen Gründen die Preise in die Höhe treibt." Aus Arbeitnehmertreisen ist schon vor dem Kriege auf diese Mißstände hingewiesen worden. Schon damals wurde darauf verwiesen, daß die Lederfabrikanten auf den Häuteauftionen anstands los die höheren Preise für rohe Häute bezahlten, während sie bei Lohnforderungen der Arbeiter die Produktion als unrentabel bezeichneten. Schon damals wurde den Lederfabrikanten u. a. ferner von den Arbeitervertretern nahegelegt, die Macht der Unternehmerorganisation nicht nur gegen die Lohnforde. rungen der Arbeiter zu gebrauchen, sondern sie auch gegen die Preissteigerungen auf den Häuteauktionen zu verwenden. Heute ist das Breise treiben auf den Auktionen noch schlimmer als vor dem Kriege. Jmmer frisch. Überall erhältlich. Diefes Ausspielen von Robprobuftpreffen gegenüber Lohnforbe| deutschen Haut hochwertige Spezialprodutte in Beber hen rumgen der Arbeiter seht sich natürlich automatisch in der lederverarbeitenden Industrie fort. Die Schuh und Leder warenfabrikanten lehnen bei steigenden Preisen für Leder die Lohn forderungen ihrer Arbeiter ab, weil das Rohprodutt so teuer ist und die Produktion das nicht vertragen kann. So wirten sich die Preistreibereien auf den Häuteauktionen in gröblichster Art gegen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Lederwirtschaft aus. Dabei steigen die Fleischpreise auch noch fortgefeht, so daß den Mezgern sowohl vom Fleisch, wie vom Abfallprodukt, der Haut, fortgefeßt höhere Preise zufließen. Aber nicht nur das ist zu beachten. Die höchsten Häutepreise der Welt in Deutschland bedeuten auch höhere Preise für das deutsche Fertigfabritat. Der Export stodt, und die Einfuhr von Fertigfabritaten steigt, weil das ausländische Leder, der ausländische Stiefel, billiger herzustellen ist auf Grund der billigeren Rohhäutepreise. Treten die Erscheinungen der Mißwirtschaft zutage, dann wird der Deffentlichkeit bewiesen, daß nur Mehrarbeit und nie. drigere Löhne uns retten tönnen. In Wirklichkeit liegt der Schlüssel für die Unterbindung des Exports an Leder und Leder waren bei den Rohhäutepreisen, die die höchsten in der Welt sind. Dabei handelt es sich um ein Rohmaterial, das im eigenen Lande gewonnen wird, zu dem man teine Devisen und feine langen Welttransporte benötigt. Dieser Zustand ist für die Lederindustrie und die lederverarbeitenden Industrien unhaltbar. Die bessere Abschlachtung und bessere Behandlung der deutschen Haut darf schließlich nicht dazu dienen, jeden Preis für die deutsche Haut zu rechtfertigen. Auch diejenigen Betriebe der deutschen Lederherstellung, die aus der ftellen und an die deutschen Schuhfabriten oder die Lederwaren industrie liefern, damit diese hochwertige Lederwaren und Schuhe daraus herstellen oder das hochwertige Leder direkt exportieren, müssen sich gegen die Ueberteuerung der deutschen Rohhäute mehren. Schließlich hat auch für sie die Preisfrage für die Rohhäute eine Grenze, bei der ihre Eristenz in Frage gestellt wird. Ist der Export an Leber, Schuhen oder Lederwaren aber erst einmal auf Grund der hohen Rohhäutepreise unterbunden, so ist es nachher nicht so leicht, das verlorene Feld wieder zu erobern. Die Leibtragen den sind in erster Linie wieder die Arbeiter und Arbeite rinnen der Leberwirtschaft. Der Krisenzustand, mit seiner Kurz arbeit und Arbeitslosigkeit wird zum Dauerzustand. Die große Maffe der Konsumenten aber zahlt indirekt einen 3011 oder eine befondere Steuer an die Megger und Häutehändler in Form von unnötig hohen Preisen für Schuhe und Lederwaren. Schuhzollbestrebungen in Holland. Der zweiten holländischen Rammer ist in diesen Lagen der Entwurf des neuen niederländischen Zolltarifs zugegangen. Die Beratungen hierüber werden in der zweiten Hälfte des September, sobald die Kammer wieder zusammen. getreten ist, beginnen, und es ist damit zu rechnen, daß der Tarif noch vor Ende des laufenden Jahres in Kraft gesezt wird. Während in dem zurzeit geltenden Zolltarif die Mehrzahl der Waren mit 5 vom Werte belastet sind, ist dieser Sah in dem neuen Tarife auf 8 Dom Werte erhöht worden. Die Einteilung des neuen Tarifs ist eine spezialisiertere als die bisherige. Er ist aber mit der feinen Gliederung der Bolltarife der großen europäischen Handelsstaaten ( abgesehen von England) nicht zu vergleichen. Preis pro½ Pfd. nur 50 Pfg. Kaufgesuche ari mojombinationDrilling Doppelflinte, Prismensú to s glas fauft Müller, Berlin, Jahnftraße 1, 3-7. Pistolen fauft Stofe, Gollnowftraße 16, Fahrräber tauft 2inlenstraße 19. As t * Unterricht Rinovorführee- Ausbildung Friedrich ftraße 21. 1146* Elettrotechnische Rucfe. Randyba, Friebrichstraße 21. 1156 டாக Rahma Margarine buttergleich C.M Das Befte für Tafel und Küche. Höchfter Nährwert feinfter Brotaufftrich. Inim thalertor. Buschneideschule Heinrich Maurer, Alepanderplag, Eingang Rönigsgraben. Herrenschneiderei, Damenschneiderei, Wäsche, Busturke. Schnittmuster. 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