Abendausgabe Nr. 429 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 215 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Donnerstag 11. September 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uh Berleger: Borwärts- Berlag Emby. Berlin Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Hilfe für Georgien! Jordania an die Sowjetregierung. Das kleine Georgien, in dem sich das Volk spontan gegen feine russischen Unterdrücker erhoben hat, ist gegenwärtig der Schauplatz fürchterlicher Mezeleien und Racheafte der fommunistischen Gewalthaber. Selbst die offizielle russische Telegraphen- Agentur teilt mit, daß 24 angebliche Organisatoren des georgischen Aufstandes, darunter Mitglieder des Zentralfomitees und des Auslandsbureaus der Menschewiften, zum Tode verurteilt und hingerichtet worden sind. In Wirklichkeit dürfte die Zahl der Hingemordeten weit größer sein, und es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß der Blutdurst der bolschewistischen Gewalthaber feinen der noch am Leben befindlichen georgischen Sozialisten verschonen mird, wenn nicht der ein mütige Protest der Kulturwelt diesem blutigen Treiben rechtzeitig ein Ende setzt. Der fommunistische Hinweis, daß man Aufrührern" gegenüber feine Gnade und kein Mitleid kennen dürfe, er= ledigt sich dadurch, daß es die Sowjetregierung ist, die vor mehr als drei Jahren die von einer sozialistischen Regierung verwaltete demokratische Republik Georgien mit Waffengewalt überrannt und durch ihre brutale Gewalt herrschaft das georgische Boit nun zum Aufstand gegen feine riffischen Bedrücker getrieben hat. Doch nach wie vor ist die vom Bolle frei gewählte rechtmäßige Regierung Georgiens bereit, sich mit Moskau zu verständigen. Der Vorsitzende der georgischen Volksregierung, Genosse Noe Jordania, richtete gestern an den Vorsitzenden der Mosfauer Sowjetregierung folgendes Telegramm: Jm Jahre 1921 eroberten Ihre Truppen, unter Mißachtung des zwischen uns geschlossenen Vertrages, nach fünfwöchigem Kampf Abmarsch aus Dortmund. Die Erzberger- Mörder. Werden fie ausgeliefert werden oder nicht? Die ungarische Nationalversammlung hat ihre Sommer ferien unterbrochen, um einige dringende Angelegenheiten zu beraten. Auf der Tagesordnung steht auch eine sozialdemofratische Interpellation über die Verhaftung bzw. die neuerliche Flucht der Erzberger- Mörder. Aus dieser Tatsache geht schon hervor, eine wie große Bedeutung man in Budapest den mysteriösen Vorgängen beimißt, die mit der Festnahme des angeblichen Förster alias Schulz und dem Verschwinden seiner beiden Spießgesellen zusammenhängen. Presse und Barlamentsfraktionen der Linksparteien werden nicht müde, die Rolle des Abgeordneten Gömbös und die mehr als zweideutige Haltung der Behörden aufs schärfste zu brandmarken. das von Ihnen felbst als unabhängig anerkannte Georgien. Seifdem erträgt das georgifche Bolt unerhörte und in seiner Geschichte ungetannte Verfolgungen. Jetzt tämpft es, zur Verzweiflung getrieben, gegen Ihre Macht. Georgien fämpft nicht für die Einrichtung irgendeiner Verwaltungsform, sondern für sein Recht auf Selbstbestimmung und für Wiederherstellung seiner unabhängigkeit. Sie wiffen felbft, daß Georgien sich niemals einer Fremdherrschaft unterwerfen wird. Im Namen des georgischen Voltes mache ich Ihnen den Borschlag, die militärischen Aktionen einzustellen und den russisch- georgischen In Deutschland hat die ganze Affäre meniger Staub aufkonflitt friedlich beizulegen, indem wir uns auf die am gewirbelt. Der deutsche Gesandte in Budapest hat im Auftrage 7. Mai 1920 gefchloffenen Verträge stützen. feiner Regierung formell um die Auslieferung des verhafteten Ich erkläre gleichzeitig, daß wir bereit sind, Ergänzungs. Deutschen nachgesucht, und dieser Schritt sowie die weitere Ververträge zu schließen, die Ihre ökonomischen und Handelsinter- folgung der Angelegenheit durch das Auswärtige Amt werden essen sichern." hoffentlich dazu angetan sein, ein für allemal die in ungarischen nicht im Ernst darum zu tun, der Schulz und Tillessen habhaft bringen, die davon sprachen, der Reichsregierung sei es gar Streifen im Umlauf gewesenen Gerüchte zum Verstummen zu lichen deutschen Stellen hat natürlich lebhaftes mißfallen in zu werden. Das vollkommen begründete Vorgehen der amt völkischen Kreisen hervorgerufen. Die" Deutsche Zeitung" nahm gegen den deutschen Standpunkt in dieser Angelegenheit Stellung und versuchte in einem Artikel aus der Feder des Reichsgerichtsrates a. D. Wittmaad die völkerrechtliche Unmög ist es ja einigermaßen verständlich, wenn die deutschvölkischen lichkeit der Auslieferung der Erzberger- Mörder darzulegen. Nun mordbuben von ihren Gesinnungsfreunden in Schutz genom werden, daß in der neuesten Nummer der ,, Deutschen Juristenmen werden. Als geradezu unerhört aber muß es bezeichnet zeitung" der Kammergerichtsrat und Justizrat Delius den gleichen Standpunkt einnimmt wie das genannte rechtsradikale Organ. Dieser Versuch eines Juristen von Rang, ein Auch sind heute Sie ersten Zahlungen der franzöfifchen und bel- fchwebendes Rechtsverfahren durch öffentliche Ruhreinnahmen ergeben. und Herriot sowie an die sozialistischen Delegierten auf der Gleichzeitig hat sich Genoffe Jordania an Macdonald Gleichzeitig hat sich Genoffe Jordania an Macdonald Genfer Tagung des Völkerbundes mit der dringenden Bitte gewandt, der Moskauer Regierung vorzuschlagen, das Blutvergießen in Georgien einzustellen und den russisch- georgischen Konflikt durch internationalen Schiedsspruch zu regeln. Dieser Weg ist in der Tat der einzig mögliche, um der Mezzelei in Georgien schleunigst ein Ende zu sehen. Die Arbeiter Energie unterstützen, um der Welt das schändliche Schauspiel zu in allen Ländern müssen diesen Vorschlag mit aller ersparen, daß eine angeblich kommunistische Regierung, die im Namen des russischen Proletariats zu handeln vorgibt, gegenüber einem unterdrückten Volke Methoden anwendet, wie sie mur unter Abdul Hamid in der Türkei üblich gewesen sind. Essen, 11. September.( WTB.) Gemäßz einem Befehl des gischen Regierung an die Reparationskasse fällig, die sich aus den Stellungnahme in einer angesehenen Zeitschrift zu beeinflussen, tommandierenden Generals des 32. Armeekorps foll die dritte französische Division, die den Dortmunder Bezirk belegt hat, aus der Bejagungszone herausgezogen werden. Das 24. Infanterieregiment in Recklinghausen soll bis zum 27. September abgezogen sein. Für diese Truppen kommen diejenigen Teile des 18. Dragonerregiments nach Recklinghausen, die zurzeit in Dortmund liegen. Die Zivildienststellen, wie Regiebahnen ufw., follen im Recklinghausener Bezir? bis zum 20. Oftober vollständig abgebaut werden, während der Abbau der Zollverwaltungsstellen vom 15. September ab erfolgt. Die Amnestie. Die ersten politischen Gefangenen entlassen. Dortmund, 11. September.( WTB.) Auf Grund der Verfügung des fommandiererden Generals der Rheinarmee find gestern die ersten politischen Gefangenen entlassen worden. Die übrigen noch in haft befindlichen Personen sehen in den nächften Tagen ihrer Entlassung entgegen. Diese erfolgt von Fall zu Fall nach Prüfung der Akten. Essen, 11. September.( TU.) In Ausführung der Londoner Bereinbarungen ist auch in Essen gestern mit der Freilassung der politischen Gefangenen begonnen worden. Die Entlassungen, die auch heute fortgesetzt werden, erfolgen in einzelnen Trupps. An hiesiger zuständiger Stelle rechnet man damit, daß mit den etappenweisen Entlaffungen der Gefangenen fortgefahren wird, bis alle in Haft befindlichen Personen auf freiem Fuße sich befinden. Zweibrüden, 11. September.( WTB.) Die ersten poli tischen Gefangenen sind gestern aus dem hiesigen Gefängnis entlassen worden und in ihre Heimat zumeist nach dem Rheinund Ruhrgebiet- zurückgekehrt. Der Ertrag der Ruhrbesehung. Baris, 10. September.( TU.) Das Auswärtige Amt veröffent licht in Beantwortung einer Anfrage eines Barlamentariers eine Statistit über Einnahmen und Ausgaben im Ruhrgebiet während der Zeit vom 11. Janaur 1923 bis 30. Juni 1924. Franto- belgische Einnahmen: 1. Franko belgische Bargeldeinnahmen. 2. Einnahme der franto- belgischen Eisenbahnregie 3. Noch ausstehende Beträge. Die Gesamteinnahmen betragen . Die Ausgaben sind: 1. Untosten bei der Erhebung der Steuern und Beamtenentlohnung 2. Bestreitung von Kohlentransporten und die dirette Grubenausbeutung 3. Besatzungsuntoften • Gesambetrag Der verfügbare Ueberschuß beträgt ° 9 Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Die Entscheidung hängt von Berlin ab. Paris, 11. September.( Eca.) Der sozialistische Abgeordnete Brumbach beschäftigte sich in einem längeren Genfer Artitel mit den Bedingungen, unter denen Deutschland in den Völkerbund ein treten tönnte. Es stehe fest, daß die Wünsche zugunsten einer 3ulaffung Deutschlands in Genf Fortschritte gemacht hätten, und die Erklärung des französischen Delegierten Paul Boncourt im dritten Ausschuß, in der es heißt, daß auch Frankreich es für notwendig erachte, daß alle Völker einschließlich Deutschlands dem Böllerbunde angehörten, habe dazu geführt, daß französischerseits dem demnächstigen Eintritt Deutschlands teine Hindernisse entgegengestellt würden. Immerhin frage man fich augenblicklich, wie man es vermeiden könne, daß die interalliierte Militär kontrolle, die augenblicklich in Deutschland stattfindet und die zweifellos in drei bis vier Monaten beendet sein werde, ein Hindernis für die Zufassung Deutschlands werde, und mit welchen Mitteln man evtl. die Frage dieser Zulassung noch im Verlaufe der augenblicklichen Tagung lösen könne, ohne die Artikel 8 und 9 des Paktes zu verletzen, die die Abrüftungsverpflichtungen, die den einzelnen auferlegt find, betreffen. Man faßt verschiedene Lösungen ins Auge, fchreibt Grumbach, durch welche die Zulassung Deutschlands in einer fürzeren Frist, als man bisher annahm, gestattet wird. Grumbach meint aber, daß natürlich legten Endes alles von der Ber liner Regierung abhängen werde. Es sei klar, daß, wenn die Reichsregierung die Berwirklichung gewisser Versprechungen, die den Nationalisten und Monarchisten gemacht worden sind, als wichtiger anfehe als den Eintritt in den Bölferbund, und wenn die Reichsregierung infolgedessen ihre Note über die Kriegsschuld den fremden Regierungen zugehen laffe, fo, wie dies angekündigt 3ulaffung sich ganz anders gestalten werde. Hierüber worden sei, dann sei es flar, daß in diesem Falle die Frage der hätten sich auch Henderson, Benesch und der belgische Dele gierte de Brudere vollkommen einig gezeigt. verdient schärfste Zurückweisung. Solange die Frage der Auslieferung Gegenstand von Ver handlungen zwischen den beiden beteiligten Regierungen ist, follten u. E. juristische Auseinandersetzungen über das strittige Problem vor der breiten Deffentlichkeit möglichst vermieden des zu bemerken: Das Asylrecht für politische Verbrecher muß werden. Rein prinzipiell aber ist zu der Angelegenheit folgenunbedingt gewahrt werden. Aus diesem Standpunkt, der im übrigen selbstverständlich keine Billigung des polis tischen Mordes darstellt, ergibt sich aber von selbst, daß der Flüchtling des Schuh es würdig sein muß, und daß das Asylrecht, das dem politischen Idealisten zusteht, fein schir mendes Dach für den feilen Meuchelmörder sein darf. Nun liegen die Dinge in der Praxis so, daß sich die Grenze zwischen politischem und gemeinem Mord nicht immer haarscharf ziehen läßt. Es gibt Grenzfälle, in denen ein sogenanntes friminelles Verbrechen mit politischem Einschlag vorliegt. Und in dieser Beziehung ergeben sich gerade im Falle der ErzbergerMörder sehr interessante Vergleiche. Ablehnung der deutschen Auslieferungsforderung auf PräzeDie ungarische Regierung beruft sich nämlich bei ihrer denzfälle, bei denen von Deutschland politische Verbrecher nicht der Tisza- Attentäter Lékai- Leitner und Chernyak, die vor an Ungarn ausgeliefert wurden. Es handelt sich um die Fälle übergehend in Deutschland verhaftet waren. Der Bergleich dieser beiden Affären mit der Angelegenheit Schulz- Tillefsen fällt zunächst in formeller Hinsicht nicht gerade so aus, daß die ungarische Regierung darauf stolz sein könnte. Die deutschen Behörden haben in den genannten Fällen vollkommen forrett gehandelt und die Verhaftung sowie die Untersuchung darüber, ob die Auslieferung statthaft sei, in anerkannt einwand freier Weise durchgeführt. Im Gegensatz dazu haben die ungarischen Amtsorgane jetzt Vertuschungs- und Verzögerungsmanöver übelster Sorte angewendet, die einer Vorfchubleistung an die Flüchtigen fast gleichkommen. Sie haben dächtigen dingfest gemacht, während der andere Gelegenheit mit der Festnahme gezögert und schließlich nur einen der Berzur weiteren Flucht erhielt; sie haben ferner die Feststellung der Identität des Verhafteten erschwert und alle möglichen Borwände zur Verschleppung der Angelegenheit gefunden. Erschwerend fällt weiter ins Gewicht, daß der Abgeordnete Julius Gömbös, einer der einflußreichsten Politiker des Landes und persönlicher Vertrauensmann des Staatsoberhauptes ,, die Verfolgten in seinen eigenen Schuh genommen und sie monatelang beherbergt und verborgen hat. Wie ganz anders ist Deutsch„ Nach fünf Jahren ist es gelungen, in London eine Verständi- fand in den Fällen Lékai- Leitner und Csernyat vorgegangen! 38 900 000 Fr. gung über den Wiederaufbau herbeizuführen. Die Hoffnungen des deutschen Volkes, endlich in friedlicher Entwickelung zu menschen- sondern Mordversuch vor. In sachlicher Hinsicht liegt bei Lékai- Leitner nicht Mord, Der Genannte hat im Oktober würdigen Zuständen zu kommen, werden mehr und mehr von 1918, wenige Tage vor Ausbruch der Revolution, mehrere ernsten Besorgnissen verdrängt. Kaum begonnen, wird Revolverschüsse auf den früheren ungarischen Ministerpräsidie Berständigung durch die deutsche Regierung bedroht, in- denten Grafen Stephan Tisza abgefeuert, die sämtlich fehl dem sie ebenso unzeitgemäß wie plump die Kriegsschuldfrage zur gingen. 3u einer Auslieferung lag um so weniger Anlaß internationalen Debatte stellen will. Es darf nicht die Aufgabe einer vor, als das Verfahren gegen den Attentäter unmittelbar verantwortungsbewußten Regierung sein, der deutschnationalen nach der Revolution von der ungarischen Regierung selbst Demagogie Vorspanndienste zu leisten. Die Versammlung fordert niedergeschlagen wurde. Bei Csernyat soll es sich um einen von der Regierung völlige und endgültige Abkehr von der unbekannten Soldaten handeln, die am 31. Oftober 1918 jeder nationalistischen Hez- und Katastrophenpolitik. Die Ver- einen Anschlag auf den Grafen Tisza ausführten fammlung fordert ferner, daß die Regierung unverzüglich den Einmit tötlichem Erfolg. Ein Vergleich zwischen der Ermordung Diesmal tritt Deutschlands in den Völkerbund in die Wege Tiszas und dem Morde an Erzberger führt aber zu ganz leitet." anderen Schlußfolgerungen, als die ungarische Regierung an 1588 100 000 Fr. 197 900 000 150 500 000 " 17 1 936 500 000 Fr. " " 191 700 000 415 800 000 646 400 000 Fr. 1 290 100 000 Fr. Zahlung der zweiten Reparationsrate. Wie die Telegraphenunion erfährt, wird die laut dem Londoner Protokoll fällige 3 weite Reparationsrate von 20 Millionen Goldmart noch im Laufe des heutigen Tages an den Agenten für Reparationszahlungen abgeführt werden. Gegen die Bürgerblockdiplomatie! Breslau, 10. September.( Eigener Drahtbericht.) In einer fehr start besuchten öffentlichen Versammlung, in der Genoffe Crifpien referierte, wurde folgende Resolution angenommen: 113 zunehmen geneigt ist. Wir haben hier den typischen Schulfall für den Unterschied zwischen einem rein politischen Verbrechen und einer kriminellen Tat mit politischem Einschlag. Im Falle Erzberger sehen wir zwei mit Vorbedacht handelnde Individuen, die von einer hinter ihr stehenden Organisation beauftragt und unterstüßt nach sorgfältig vorbereitetem Plan in einer Zeit politischer Ruhe einen inaftiven Polititer meuchlings niederknallen. Ganz anders liegt der Tatbestand im Falle Tisza: Der gewaltsame Tod dieses Staatsmannes erfolgt am Tage des Ausbruches der ungarischen Oftoberrevolution. Das ganze Land befindet sich in Gärung, in Budapest herrscht fieberhafte Erregung. In die einmütige Begeisterung fast aller Bevölkerungskreise mengen sich bei dem rasch entzündlichen Temperament der Ungarn leicht begreiflich immer mehr Rufe, die Abrechnung mit den Mächten der Vergangenheit, mit den Kriegsverlängerern und Volksbedrückern verlangen. Der Mensch, dessen Person die Verkörperung der Feudal herrschaft ist, der Staatsmann, der bis in die letzten Tage hinein jeder freiheitlichen Forderung des Volkes unbeugsam Widerstand entgegengefeht hat, der Gewaltpolitifer, der allgemein ob mit Recht oder Unrecht, ist hier nebenfächlich als Hauptschuldiger am Weltkriege galt, der willensstarte Kämpfer, dessen Anwesenheit allein schon eine Gefahr für die Freiheitsbewegung ist Graf Stephan Tisza befindet sich in seiner Villa an der Peripherie der Hauptstadt. Ein meuternder Soldatenhaufe dringt dort ein. Der Graf tritt ihm mit der Pistole in der Fauft entgegen. Zwei Welten stehen sich gegenüber. Im Rahmen hiftorischen Geschehens spielt sich eine dramatische Szene ab. Während draußen die Sache des Volfes triumphiert, tommt hier drinnen im Saal die gewaltigste Säule der Klaffenherrschaft zu Fall. Der Wortführer der Soldaten schleudert, vor Erregung ftammelnd, dem Grafen das ganze Elend, die ganze Erbitterung des Kriegsteilnehmers ins Geficht: Bier Jahre Schüßengraben, meine Kameraden tot, meine Gefundheit zum Teufel, meine Kinder in der Heimat verhungert, mein Weib untreu geworden, meine Eristenz vernichtet, mein Leben verpfuscht!" Und zum Schluß aus aller Munde die schicksalsschmere Frage: Wer ist schuld daran?" Darauf der Graf unbewegt: " Ich weiß es nicht, mein Sohn- ich nicht." In größter Erregung heben die Soldaten ihre Flintenläufe. Tisza setzt sich zur Wehr zu spät. Als er sterbend am Boden liegt, sind feine legten Worte: So mußte es fommen." 17 Er hatte Recht. In dem Moment, wo das Bolt siegte, mußte der gewaltigste Gegner des Boltes entweder weichen oder fallen. Damit foll selbstverständlich keine Entschuldigung der unfeligen Tat versucht werden, die den reinen Schild der ungarischen Revolution mit Blut befudelte und von niemandem mehr verurteilt wurde als von den neuen Macht habern. Aber es muß einleuchten, daß es grundsätzlich etwas anderes ist, ob ein Damm, der Jahrzehnte lang sich dem Strome der Entwicklung entgegengestemmt hat, im entfesselten Wirbel hinweggespült wird oder aber ob ein Baum, dessen Burzein in dem Boden des Volksvertrauens ruhen, von heimtückischen Schädlingen gefällt wird. Ein politischer Mord fann historisches Gefchehen, er fann auch sinnlose misfetat fein. Der Erzberger- Morb Dar das lettere, weil er in falter Berechnung ausgeführt wurde von befolbeten Handlangern einer im geheimen wir fenden Kamarilla und sich richtete gegen einen Mann, der im Momente der Tat gar teine politische Funktion bekleidete. Der Tisza- Mord dagegen mar ein rein politisches Verbrechen, meil unbekannte Repräsentanten des Voltes, ohne Auftrag geber und ganz spontan handelnd, in ihrer revolutionären Etstaje das taten, was ihren unflaren Gedanken als das Gebot der von gewaltigem geschichtlichen Ereignis erfüllten Stunde erschien. Wir zweifeln nicht daran, daß alle diese Argumente auf die ungarische Regierung ohne Eindruck bleiben werden. Aber es ift notwendig, daß von deutscher Seite die ungarische Gegenforderung nach Auslieferung in Deutschland befindlicher politscher Verbrecher auf das entschiedenste zurückgewiesen wird. Hunger. Bon einem Hungerleider. gland droht eine Mißernte. Rußland droht eine neue Zangersnot. So gellt der Schreckensruf durch die Welt. Im Jahre 1891 war eine große Hungersnot in Rußland. Ueber das Furchtbare und Schreckliche dieser Hungersnot schrieb damals Tolstoi mehrere Auffäße, die auch deutsch, von Hauff überfest, ers ſchienen find. Wir safen fie und waren erschüttert. Aber im Grunde war es doch nur Lettüre. Wenn wir indes heute vom Hunger hören, so find wir mehr ets erschüttert. Jetzt wissen wir Bescheid. Jezt ist uns der Hunger in schlechter Bekannter. Bom Kriege her. Vor dem Kriege waren wir über den Hunger recht dürftig unterrichtet. Im Leben tannien ihn nur menige, und die Literatur war über ihn mit Stillschweigen hinweggegangen. Der Dichter, selbst der hungernde, fand den Hunger nicht interessant genug, um sich mit ihm zu befassen. Mein, wir wußten nicht einmal, daß der Hunger ein spröder Gefelle ist, der nicht mit logischen Argumenten, noch weniger aber mit Stab- und Klangreimen beschwichtigt werden kann. Kindliche Einfalt. Die Weisheiten der Bürgerblockdiplomatie " Die deutschnationale Preffe, die in der letzten Zeit viel zu leiden hat unter den Folgen des Frevels" vom 29. August, um mit Herrn Maurenbrecher zu reden, hat wenigstens eine Freude erfahren. Herr Stresemann hat eine höfliche Berbeugung vor ihnen gemacht und hat ihre unverantwortliche Haltung in der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund akzeptiert. Zugleich die fadenscheinigen Argumente der Deutschnationalen. Die deutschnationale Bresse ist darauf sehr stolz und glaubt nun die Zeiten der Bürgerblockpolitik schon angebrochen. Die Deutsche Tageszeitung des Umfallmännchens Paul Baeder, die es nötig hat, schreibt zu den Ausführungen der Beit": Wenn diese Erklärungen einen Sinn haben sollen, so wird man fie als definitive Abschüttelung jener aufdringlichen Gesellschaft, die Deutschland zu einem bedingungslosen Eintritt in den Völkerbund veranlassen will, auffaffen müssen." Ueber seine Haltung wird Herr Stresemann Rede und Antwort stehen müssen, um so mehr, als die Rechtspreffe merken läßt, auf welchen weisen politischen Gedanken sie ihre Außenpolitik aufbauen will. Sie möchte Macdonald gegen Herriot, England gegen Frankreich ausspielen, möchte eine Politik des teile und herrsche einleiten ohne ernsthaft zu bedenten, wie lächerlich falsch der die Lage Deutschlands, die gegenseitige Lage Englands und Frankreichs, und vor allem die Persönlichkeiten von Macdonald und Herriot einschäßt, der ernsthaft eine solche Politik für möglich hält. Soll um der findlichen Einfalt folcher Politiker, die sich wie blutige Dilettanten benehmen, oder die aus Berechnung sich so geben, die sich anbahnende Verständi gung erneut zerstört werden? Mehr Selbstvertrauen! Löbes Antwort an Stresemann. Breslau, den 11. September.( Eigener Drahtbericht.) In der Breslauer Volkswacht" richtet heute Genoffe Paul Löbe eine erneute Aufforderung an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann wegen Eintritts Deutschlands in den Völkerbund. Er erklärt es für einen unwürdigen Zustand, daß Deutschland seinen Antrag, den es eines Tages doch stellen werde, fortwährend liegen losse mit dem ängstlichen Bedenken, ob er auch angenommen werde und ob auch dieses aber jenes Kabinett ihn günstig aufnehmen und den derzeitigen Augenblid angenehm empfinden werde. Das fei teine starte, würdige und selbstvertrauen de Poli tit. Genosse Löbe fährt nach Erledigung einiger Einwendungen der volksparteilichen Zeit" fort:„ Wir könnten schon lange die anderen vor die Frage stellen: Habt ihr den Mut, uns auszuschließen?" Wir müssen soviel zutrauen zu dem Einfluß, zu der Bedeutung, zu der Kraft unserer Nation haben, daß uns der Ratssitz nicht dauernd vorenthalten werden kann, auch wenn er uns nicht vorher ausdrücklich zugesichert ist." lsd Völkische Selbstkritik. Wenn man einmal nüchtern untersucht. In Augenblicken der Selbstkritik befällt die Führer der völkischen Bewegung immer wieder ein Entsegen über die Berfahrenheit und Biellosigkeit in den eigenen Reihen. Besonders nach der Novemberfomödie mußte man offen eingestehen, daß die großfpurigen Forde tungen der Völkischen in einem grotesten Verhältnis zu der inneren Kraft der Bewegung stehen. Seitdem ist der Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit nicht mehr verstummt. Mar Maurenbrecher schrieb in der Neujahrsnummer der Deutschen Zeitung" einen Artifel, in dem er seine Verzweiflung über den deutschvölkischen Kuddelmuddel deutlich zum Ausdruck brachte, ähnliche Töne kann man neuerdings in den 8entralorganen der Nationalsozia listischen Freiheitspartei finden. Alle diese kritischen Be trachtungen enhen mit dem Ausruf: Seid einig, einig, einig, ohne einen tieferen Widerhall in der Bewegung zu finden. Die Alldeutschen, die Nationalsozialisten, die Baterländischen Ber bände, die Stahlhelm, Werwolf und wie sie alle heißen mögen, halten eifersüchtig an ihren Eigenbröteleien fest, jede Organisation glaubt Es gibt zweierlei Hunger. Es gibt den Hunger als Mangel an allem und den Hunger nach Liebe. Segen sein, wenn wir ihn hätten. Jener Hunger, ben wir hatten, ist ein Fluch; dieser könnte ein Indes sich berufen, der Leithammel der völkischen Herde zu sein, nirgends ist die persönliche Fehde und das Gegeneinanderarbeiten größer als in der völkischen Bewegung. So ist es immer gewesen, und so ist es heute noch. Daß bei dieser Einstellung nichts Gutes für das Staatsganze herauskommen fann, liegt auf der Hand und wird jezt vom ehemaligen Staatsminister v. Loebell, einem Beteraren einem Der völkischen Bewegung, bestätigt. Er übt im„ Deutschen Spiegel" eine scharfe, aber nur zu berechtigte Kritik an dem völkischen Durch einander und sagt u. a.: Daneben muß man aber auch ein Scheitern der nationalen Bewegungen der letzten fünf Jahre feststellen, wenn man einmal nüchtern untersucht, was von den zahlreichen rechtsstehenden Organisationen, Berbänden und Bartelen, die in verschiedenem Maße Gegner des Staates von Weimar find, für den nationalen Wiederaufbau Deutschlands geleistet ift. Dieser Kritif ist ebensowenig hinzuzufügen wie seiner Festftellung: " Deutschland ist eben im Gegensatz zu allen anderen europäischen Staaten noch kein Gemeinwesen mit fester Front nach innen und außen. Es ist noch im allerersten Anfange der Wiederaufrichtung einer staatlichen Gemeinschaft stedengeblieben." Wenn Herr v. Loebell seine Gedankengänge logisch meiterführte, müßte er anerkennen, daß die republikanische Weimarer Verfassung ein wichtiger Schritt vorwärts auf dem Wege zu einer staatlichen Gemeinschaft bedeutet. Das Deutsche Reich ist im Mittelalter an dem Egoismus des landes herrlichen Partitularismus auseinandergefallen. Die Bismardsche Berfaffung brachte es lediglich zu einer Staatengemeinschaft, die Weimarer Verfassung brachte zum erstenmal ben Gedanten jener staatlichen Gemeinschaft zur Geitung, wie ihn Herr v. Loebell so warm verteidigt. Wer also in der ft a atlichen Gemeinschaft die Zukunft des Deutschen Reiches sieht, muß sich zu der Weimarer Verfassung bekennen. Er muß zu dem Schluß fommen, daß das Heil nicht bei dem uneinigen, in ewiger Fehde liegenden Ruddelmuddel der schwarzweißroten Berbände liegt, sondern im Reichs banner Schwarz- Rot- Gold. Der Jude aus der Tschechei. Deutschnationale Methoden. Kautstys Artikel in der geftrigen Abendausgabe des„ Vorwärts" war wohl eines der wirkungsvollsten Plädoyers gegen die Legende von der deutschen Alleinschuld am Striege, die je gehalten worden sind. hält man diesen Artikel neben die Leistungen der deutschnationalen Presse, so sieht man geradezu an Beispiel und Gegenbeispiel, wie es gemacht werden muß und wie es nicht gemacht werden darf. Die deutschnationale Bresse findet aber gerade diesen Anlaß recht, um über Kautsky mit wüsten Schimpfereien herzufallen. Die Deutsche Zeitung" nennt ihn einen bösartigen Juden aus der Tschechei". Obwohl Kautsky, was ja an sich keine Schande wäre, fein Jude ist. Aber in den Kreifen Mag Maurenbrechers ist ja jeder gleich erledigt, wenn man ihn einen Juden nennt, damit lassen sich bequem die Argumente ersehen, die man nicht hat. Die Deutsche Tageszeitung" nennt Rautsky„ den Berfaffer jener unter gröbstem Vertrauensbruch veröffentlichten Tendenzschrift über die Kriegsschuldfrage, der er in gewinnsüchtiger A5ficht die weiteste Verbreitung im Auslande zu sichern wußte". Jedes Bort ist eine Lüge, denn Kautskys Schrift war feine Lendenzschrift, sie wurde nicht unter Vertrauensbruch veröffentlicht, und was den Vorwurf der gewinnsüchtigen Absicht" betrifft, so wirkt er auf jeden, der Kautsky fennt, geradezu humoristisch. Aber das macht nichts, auch hier muß die moralische Herabwürdigung des Gegners den Mangel an guten Gründen ersetzen. Säßen in den Redaktionen der deutschnationalen Breffe gebildete Menschen, so würden sie wissen, daß Kautsky zu den Gegnern gea hört, die mit persönlicher Achtung zu behandeln sind. Und hätten diese Leute wirkliches Nationalgefühl, so mürben fie mit ihren Schmutzereien über diesen Mann nicht gerade in dem Augenblid herfallen, in dem er der Sache Deutschlands einen großen Dienst erweist. Sie werden aber nie begreifen, daß sie durch folche Leistun gen nichts anderes beweisen als ihren eigenen moralischen Tiefstand und erbärmlichen Stumpffinn. durch ein hübsches Schlußbild aus. Das Publikum nahm die Beine Nebenfächlichkeit mit Begeisterung und Zubel auf, es galt Adolf Philipp, in der Rolle des Jeremias Aalschwengel, nach 18jähriger Abwesenheit wieder in Berlin zu begrüßen. e. b. allenthalben Mangel an Berstand herrscht.... vielleicht hungert die Welt nach Liebe nicht, weil noch richtsminister hat den Präfetten von Neapel beauftragt, mit UnterO weifer Rabbi Nachman! Das Schloßparktheater Steglich unter neuer Leitung Otto Kirchner, der verdienstvolle frühere Leiter der Volksbühne Norden, hat den nur durch seinen Idealismus erklärlichen Mut gehabt, das Schloßparttheater Steglih zu übernehmen, das sich durch seine früheren Direktionen um jeden Rest von fünstlerischem daß er dem hübschen kleinen Theater den künstlerischen Ruf zurüd Ansehen gebracht hatte. Dem jungen Direktor wäre zu wünschen, erobern möge, den es in seinen ersten Zeiten gehabt hat. Leider hat er feine Tätigkeit mit einer Konzession an die gut bürgerlich- nationalistischen Stegliger begonnen, indem er Heinrich v. Kleists " Prinz Friedrich von Homburg" als Eröffnungsvorstel lung wählte. Dieses vaterländische" Schauspiel, das der unglückliche Dichter ein Jahr vor seinem freiwilligen Tobe vollendete, bietet ein Schulbeispiel für die Berbildung fünstlerischen Geschmacs, die jahr Borzug des Dramas ist der in ihm blühende, rührend findliche zehntelang eingepfropfter Patriotismus bewirken tann. Der einzige Glaube an den monarchischen Gedanken. Im übrigen sieht man wirre Charakteristik, unsicheres Suchen nach dramatischen Höhe: punkten und lakaienhafte Gesinnung der handelnden Personen, die Im Talmud, Laktat Nedarim, Seite 32, finde ich eine wunder- uns Jüngeren unerträgliche Qual bereitet. Die Regie Otto Kirchsell finnige Erklärung des Wortes Hunger. ners unterstrich das Ueberlebte des Schauspiels, indem es ein Pathos hineinbrachte, das ebenfalls unerträglich war. Die Vorstellung war mit aller Sorgfalt einstudiert, aber über diese Art Schauspieltunft sind wir Gott sei Dant hinaus. Wir wollen auf der Bühne nicht Theaterfiguren mit großen Gesten und gurgelnden Schreien fehen, im Großen Kurfürsten eine Gestalt, die uns menfchlich nahe tom. Alles übrige war Theater und leider Provinztheater, besonders der Prinz von Homburg des Otto Braml. Erst in den Kriegsjahren erfuhren wir, was das eigentlich sei: Hunger. Damals erfonnten wir die volle Bedeutung des biblischen ches: Du wirst essen, ohne fatt zu werden *: Die Rabinnen fragen: Was wäre wohl unter Hunger" zu vertehen? Die einen fagen: Mangel an allem. Darauf fragen die Rabinnen: Was heißt man denn Mangel| sondern lebensfrische Menschen. Leopold v. Ledebur verkörperte allem? Rabbi Amai sagt im Namen des Ram: Mangel an Licht. abbi Schecheth fagt: Mangel an Arbeit. bere fagen: Mangel an Fett. Machman aber sagt: Mangel an Berstand. ** e Hungersnot ist eine Elementarfatastrophe. Zuweilen aber kommt der Hunger in die Welt aus Mangel an Verstand. Derüber können uns die Alter nicht mehr belehren. Das wissen wir jetzt beffer als die Rabinnen, die das Wort vom„ allerlei Mangel" nicht verstanden und erst kasuistisch dessen Bedeutung zu erforschen Tuchten. Wir wiffen jetzt. wie herrlich schön es in der Welt aussieht, wenn ihr Getriebe zusammengehalten wird durch Hunger und durch Liebe. „ Die Reise nach Amerika", ein Boltsstück mit Mufit von Adolf Philipp, brachte das Neue Theater am 300 heraus. Der Berfasser hatte bekanntlich vor Jahren mit seinem Ausstattungsstück Ueber'n großen Teich" einen bedeutenden Erfolg, und diese Erinnerungen gingen ihm offenbar nicht aus dem Kopf. So wurde das gleiche Sujet, das die Deutfchamerikaner zum Mittelpunkt hat, noch einmal verwertet. Der Tert bringt eine freundliche Verhöh nung der schnellen Amerikanisierung der Deutlichen, die fiart aufgetragene Heimatfehnsucht des Bauern, um zum Schluß mit der Weiss heit aufzuwarten, daß man alte Bäume nicht verpflanzen darf und die Mahnung anzubringen: Bleibe im Lande und nähre dich red lich". Ein annehmbarer Schlager„ Sie hat so etwas" leidet dar unter, zu oft wiederholt zu werden. Der zweite Akt zeichnete sich Die Prüfung des Titus- Livius- Fundes. Der italienische Unterstüßung des Bibliographienverwalters die gefeßlichen Vorschriften über den Schuh der Altertümer und Kunstwerfe anzuwenden. Brofessor de Martino ist die Verpflichtung mitgeteilt worden, alle Einmitzuteilen, damit die zuständigen Behörden die geſehlich vorgeschrie zelheiten über Ort und Zeit feines Livius- Fundes der Regierung bene Prüfung der Echtheit vornehmen fönnen. Der Unterrichtsminister besprach sich zu diesem Zwed mit dem Senator Cocchia von der Universität Neapel und ernannte ihn zum Präsidenten einer Rommission, der Professor de Martino als Sekretär angehören wird, daß die Kodere in den Staatsarchiven von Neapel aufgefunden wor und die den Auftrag hat, die erſten forgfältigen Erhebungen über die Echtheit des Fundes anzustellen. Professor Cocchia hat erklärt, ben feien. Es besteht damit kein Zweifel über die Besitzrechte des Staates und sein Vorrecht der Veröffentlichung. Die Photographie des Krebjes im lebenden Körper. Nach einem Bericht der Umschau" foll es der Aerzten Dr. A. Rozareif und L. Weyl gelungen sein, Krebsgeschwülste im lebenden Körper zu photographieren. Sie entnehmen zu diesem Zwed dem Körper wird eine geringe Dosis Radiumemanation beigegeben und dann eine fleine Blumenge und gewinnen aus dieser das Serum. Diesem der Stoff dem Körper wieder einverleibt. fich innerhalb des Körpers vor allem da an, wo sich rasch wachsende Die Emanation häuft Gewebe finden. Da bösartige Geschwüsste, wie der Krebs, sehr rasch wachsen, so sind sie Ansammlungsorte für die Emanation. Photographische Aufnahmen, die einige Zeit nach der Injektion häufung und ermöglichen dadurch, die Lage frebsartiger Geschwülste gemacht werden, zeigen die Orte besonders starter Emanationsim Körper zu bestimmen. Ciebermann- Handzeichnungen. Baul Cassierer eröffnet am Sonn tag, 14. September, bormittags 12 Uhr, feine diesjährigen Ausstellungen mit einer umfassenden Gesamtschau von Liebermann- Handzeichnungen, die einen Ueberblick über das zeichnerische Schaffen des Künstlers in allen Perioden geben wird. die " Tod und Leben". Anläßlich des 23. Beltfriedensfonaresses berauftaltet Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit eine unit ausstellung unter dem Motto:„ Tod und Leben". Künstler, deren Werke positiv oder negativ zum Thema und gum Pazifismus in Beziehung stehen, werden aufgefordert, sich an der AnsBerlin NW., Händelſtr. 21. ftellung zu beteiligen. Mitteilungen an Frau Anna Hamburger Ludwig, Tagung Jugend und Bühne". Am 15 Sepiember beginnt in ranta furt a. M. die vom Bentralinnitut für Erziehung und Unterricht veran staltete Tagung Jugend und Bühne". Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Voltsbildung hat angeordnet, daß Lehrern und Schülern Uhinub schäftsstelle der Tagung, Frankfurt a. M. im Sachsenlager 1, entgegenzur Teilnahme zu bewilligen ift. Meldungen werden noch von der Gegenommen. Auch Tillessen in Budapest. Budapest, 11. September.( TU.) Die Budapester Polizei hat nunmehr genaue Beweise dafür, daß sich auch der zweite Erzberger Mörder, Tillefsen, in Budapest aufhält. Man glaubt, daß seine Ber haftung bevorsteht. Lillefsen hielt sich, wie bekannt, uber dem Namen Schneider beim Abg Gömbös auf, vor wo er flüchtete, als die ersten Berichte über seinen Zufluchtsort bekannt wurden. enthüllt. Horthy- Militarismus. Dem Bölferbundsrat ist von ungarischer Emigrantenfeite eine Eingabe überreicht worden, die einen ganz unglaublichen Borfall Damals hat das Oberste Kriegsgericht beschlossen, eine meutereiantlage gegen 80 ehemalige Angehörige des früheren 6. t. u. t. Infanterieregiments in Betsch wegen einer Rebellion, die fich am 20. Mai 1918, also noch während des Krieges, dort Sommerfäden. Der Sommer nimmt Abschied, geht langsam in die leuchtende Bracht des Herbstes über mit den tausend frohen Farben der letzten Blumen und den unendlich vielen so reizvoll gezeichneten Blättern der Bäume, die wie fleine Fahnen luftig durch die Lüfte flattern. Wird dieses Schauspiel der Natur, die sich an das Abschiednehmen macht, ein Schauspiel, das sich alle Jahre wiederholt und jedesmal cufs neue gleich einem Wunder auf uns wirkt, von einer Sonne. bestrahlt, die noch heiß und herrlich zu sein weiß, wie in den vergangenen Tagen, dann bekommt das Farbenspiel in der Natur eine besonders interessante Note, die man mit Wohlgefallen finnend be. trachtet. Es gibt Menschen, die den Herbst mehr denn den Sommer lieben, die das größle Vergnügen daran haben, durch die Wälder zu schreiten, wenn von den Bäumen die Blätter gleich fleinen toten Bögeln zur Erde fallen, wenn jener eigenartige scharfe Geruch nach Fäulnis und Verwesung über die Felder zieht und lange in der blauen Luft sieht. Man hat gesagt, diese Liebhaber wären franke Menschen, dekadente Naturen, weil sie Gefallen finden am langdie Aerzte miteinander rechten. und Tang, inmitten der Storfower Gastgeber, denen der besondere Dant ihrer Gäste gebührt zu verbringen. Bald schlug die Abschiedsstunde. Bielen stand noch eine weite Fahrt bevor und am anderen Morgen hieß es wieder frisch und munter an die Arbeit gehen. Der Jugendtag war für alle Teilnehmer mehr als ein sonniger Tag, er war im wahrsten Sinne des Wortes ein Sonnentag Billige Zigaretten. Der Handel mit gefälschten und gestohlenen Bandero Man mundert sich über die heutigen billigen Zigarettenangebe. Es werden 4- Pfg. Zigaretten zu 1 Bfg. verkauft, 8 Pfg.- 3igaretten zu 3 Pfg. u. a. m. Man muß sich um so mehr über die billigen Angebote wundern, als diese Zigaretten, die normal versteuert werden, nicht einmal den Steuerbetrag einbringen. Bekanntlich beträgt dieser 4 Proz. des Berkaufspreises. Für hundert Vierpfennig- Zigaretten würden also 1,60 m. Banderolensteuer zu zahlen sein, ereignet hat und deswegen schon damals 13 Mann zum Tode verurteilt worden waren. Die Todesstrafe droht auch den 80 neuen Angeklagten. Die Eingabe hebt mit vollem Recht hervor, daß dieses samen Absterben und Vergehen. Ob das richtig ist, darüber mögen den auf kredit genommen und wenn die Fabrik Geld Verfahren ein Berlegung des Bertrags von Trianon bedeutet. Die Enthüllung dieses geplanten neuen Verbrechens des HorthyMilitarismus dürfte in Genf lebhaftes Aussehen erregen und die günstige Wirkung der vorgestrigen Apponyi- Rede erheblich beein trächtigen. Theorien für Neinfager. Herbst ganz besondere Genüsse bereit hält, die man sich auch nicht Jedenfalls tann man aber nicht leugnen, daß die Natur im durch die Sommerfäden verfümmern lassen soll, die der Boltsmund ein menig brutal Altweibersommer nennt. Die Spinnen sind in diesen Tagen emsig am Wert, und es ist interessant zuzuschauen, wie sie schnell und geschickt ihre Nehe von Baum zu Baum, von Ein importierter Saboteur der deutschen Außenpolitik. Blume zu Blume spannen, und es sieht hübsch aus, wenn die unLübed, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Auf Veran- glänzen. Aber am Ende dieser Sommerfäden hängt gewiffermaßen endlich feinen und zarten Fäden gleich mattem Silber in der Sonne laffung hiesiger Wirtschaftskreise hielt gestern abend der bekannte der Winter mit seinen vielen Schreden und die Menschen schädigenschwedische Nationalökonom Cassel einen Bortrag über das Reden Begleiterscheinungen. Geht man in diesen Tagen durch die parationsproblem. Er kritisierte den Dawes- Plan wälder und über die Felder, reißt man überall die Sommerfäden äußerst scharf und erklärte ihn als undurchführbar und ver werflich. Seine ökonomischen Argumente sind erstens, daß es unentzwei ,, die sich um das Geficht und die Hände wickeln und läftig möglich sei, den deutschen Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten, der ungewollten Zerstörung, und unwillkürlich kommt einem der find. Mit einer gewissen Behmut blickt man erst auf dieses Wert wenn ihm die wesentlichsten normalen Einkünfte, Gedanke: wenn man alle hindernisse und Hemmungen, die der Zölle und indirekten Steuern, entzogen find. Sodann hält er das tommende Winter um einem herum aufrichten wird, so leicht und Herausziehen eines Ueberschusses von 2½ Milliarden aus der so schnell zerreißen und beseitigen könnte wie die zarten Gespinste deutschen Volkswirtschaft für ökonomisch undenkbar. Die Erfahrung der Spinnen! lehrt, daß alle Industrieländer normalerweise eine passive Handelsbilanz aufweisen. Die Durchführung des Dames- Planes hat nach ihm zur Borausseßung, daß die deutsche Ausfuhr die Einfuhr in einem Maße übertrifft, wie es in einer entwickelten Bolkswirtschaft noch nie der Fall gewesen sei. Diese Argumente stehen auf sehr schwankendem Boden. dus Die Freundin junger Mädchen. Warnung vor einer Gepäcschwindlerin. Auf den Bahnhöfen in Groß- Berlin treibt in letzter Zeit eine Gepäckschwindlerin ihr Unwesen. Es ist eine 50 Jahre alte mittel große Frau, die den Eindrud einer bessergestellten Handwerkerfrau macht. Zulegt trug sie ein graugestreiftes Kleid und Ladschuhe Diefe Gaunerin hat es besonders auf Hausangestellte abgesehen, die vom Bande nach Berlin kommen, entweder um hier Arbeit zu fuchen oder die sich auf der Durchreise befinden. " er= In seinen politischen Ausführungen zeigte er sich als äußerst gefährlicher Freund Deutschlands. Er vertrat die These, daß Deutschland für den Eingang der Zahlungen nicht mehr verantwortlich sei, nachdem die Gläubiger Pfänder genommen hätten, aus denen sie sich befriedigen. Diese Ansicht, die von den Saboteuren der Erfüllungspolitik begierig aufgegriffen werden dürfte, muß von uns aufs In den Wartesälen streicht sie zwischen den Tischen herum und schärffte bekämpft werden. Denn in dem Augenblid, wo die Lei- feht sich dann bald zu einem ihr geeignet erscheinenden jungen Mädstungen stocken, würde nach dem Reparationsplan die deutsche Wirt- chen. Mit diesem läßt sie sich in ein Gespräch ein und gibt als schaft, und vor allem die Eisenbahn, erst wirklich in die Hand derfahrene Frau" Ratschläge und fragt schließlich nach dem Woher und Wohin. Je nachdem es nun die Lage erfordert, verspricht sie, Gläubigerländer gelangen. Es liegt also im Intereffe des deutschen das vertrauensselige Mädchen mehrere Tage bei sich aufnehmen zu Bolles, soweit als irgend möglich für die Durchführung der Bah wollen, bis es in Ruhe eine ihm zusagende Stellung gefunden habe. lungen einzutreten. Daß diese Uebereinstimmung Caffels mit der Erfreut nehmen die Mädchen dann das Anerbieten an. Bevor man deutschnationalen Politik tein Zufall ist, bemies er durch Aus zur Wohnung der Beschützerin aufbrechen will, schickt diese die fälle gegen den Sozialismus, die durchaus auf der Höhe Mädchen fort, um eine kleine Besorgung zu machen.. Um nicht undeutscher Katheberweisheit standen. Hätte Cassel wirklich als Freund ontbor zu erscheinen, wagen die Mädchen meist nicht, den Auftrag Deutschlands handeln wollen, jo hätte er seine Rede beffer in Frank- ist die erfahrene Frau" mit dem gesamten Gepad verschwunden. abzulehnen. Wenn sie dann von der Besorgung zurückgekehrt sind, reich oder England gehalten. So erscheint sie mehr als Liebesdienst Befinder sich die Mädchen nur auf der Durchreife ,. fo wendet sie für das deutsche Unternehmertum. Wir werden dafür zu forgen einen anderen Trid an. Mit einem Roffer in der Hand erscheint sie haben, daß sie von diesen Kreisen nicht dazu ausgenutzt wird, Deutsch in den Wartefälen und spielt selbst die Durchreifende. Nachdem fie fand in neue Torheiten hineinzuftürzen. wieder mit einem Mädchen ein Gespräch angefnüpft hat, wieder das Woher und Wohin in Erfahrung gebracht hat, überredet sie das Mädchen, mit ihr einen ffeinen Bummel durch Berlin zu machen. Gemeinsam geben sie dann das Gepäck an der Berwah rungsstelle auf und ganz von selbst macht es sich, daß die ältere Frau den Gepäckschein an sich nimmt. In den Straßen von Berlin verseht sie dann ihr Opfer, und ehe die Stadtfremde sich nach dem Bahnhof zurückgefragt hat, ist die Gaunerin längst auf dem fürzesten Wege Dahingefahren und hat das Gepäck abgeholt. Diktatoren Dämmerung. Primo de Rivera droht mit Standrecht. Madrid, 11. September.( WTB.) In einem langen Aufruf an das Bolk erklärt Primo de Rivera, das Direktorium müsse das begonnene Wert fortsetzen, weil die Säuberungsarbeit noch nicht beendet sei.(!) Nach der Ruhe sei für die Regierung ein ungeheuer schwieriges Problem entstanden durch den Aufstand der Riffkabylen, das nur durch Waffengewalt zu lösen fei. Er müffe dem spanischen Bolt die Wahrheit fagen, daß fein anderer Weg möglich sei, als den ungewöhnlich stark bewaffneten Feind zu bekämpfen und zu schlagen. Er hoffe, die Bevölkerung werde sich nicht gegen das Direktorium aufheben lassen; jeden falls verfüge er über Mittel, allen Ruhe störern das Handwerk zu legen. In einem weiteren Aufruf an die afrikanische Armee appelliert Primo de Rivera an die Vaterlandsliebe und das Ehrgefühl der Soldaten, warnte vor den Folgen der Muflosigkeit und der Flucht vor dem Feinde und drohte für diesen Fall mit der sofortigen Anwendung des Standrechts. Der sinkende Stern Mussolinis. In dem Hauptorgan der deutschen Faschisten, der„ Deutschen Zeitung", flagt ihr ständiger Vertreter in Italien" herzerweichend über die Schlappheit Mussolinis, der vor der Opposition zurückgewichen sei. Mussolini, der Diftator, perzichtete vor der Zeit auf Fortführung der Diftatur. zu früh, viel zu früh( das sei ein warnendes Beispiel) ließ er sich wieder auf das Spiel des Parlamentes ein." Da sind doch die deutschen Gesinnungsgenoffen Muffolinis ganz andere Rerle! Sie lassen sich nicht siehe Ludendorff!-auf das Spiel des Parlaments" ein, sondern halten unentwegt das Banner hoch, während in Italien und Spanien bereits die Gögendämmerung der Diftatur angebrochen ist. Deutschland in der weit Doran! Die Anleihen steigen wieder. Das Interesse der Börse wendet sich in stärkerem Maße dem Markt der inländischen Anleihen zu, wo bei lebhaftem Geschäft heute ziemlich erhebliche Schwankungen zu verzeichnen waren. Es bestand zweifellos in den letzten Tagen ein starkes Decouvert, das heute zum größten Teil abgedect wurde. Hieraus ergab sich Don selbst ein gewiffer Auftrieb der Kurse. Die neue Bewegung fand an der Börse selbstverständlich rasch Mitläufer, da man troß aller offiziellen Erklärungen auch mit einer Gefolgschaft der außerhalb der Börse stehenden Kreise rechnet. Im Laufe der ersten Börsenstunde schwankte Kriegsanleihe zwischen 1050 und 1080, gegen mittag stellte sie sich auf 1055. Ferner wurden gehandelt: 3½ proz. Preuß. Ronfols mit 1825, Schuhgebietanleihen mit 11, 3wangsanleihe mit 27%, 23er K- Schäße 750, 24er dergleichen 630. Die beutsche Sozialdemokratische Partei in Polen hat auf ihrer legten Bezirkskonferenz beschlossen, bei den nächsten Kommunalwahlen nicht mit der polnischen Sozialdemokratie zusammenzugehen. 500 Zentner Roggen ein Raub der Flammen. Aus noch nicht geflärter Ursache brach in der legten Nacht gegen 212 Uhr in der Roggenmiete des Landwirts Hönice in Lanfwiz Großfeuer aus. Die Feuerwehr von Lichterfelde, die in größerer leitung größeren Selibers an. Die etwa 400 Meter von der KraftStärke an der Brandstelle erschien, griff fofort mit einer Schlauchfahrertaserne entfernte Roggenmiete, in der sich rund 500 Bentner Roggen befanden, ist ein Raub der Flammen geworden. Da das Umstapeln des verbrannten Roggens längere Zeit in Anspruch nahm, war die Wehr bis morgens 8 Uhr an der Brandstelle beschäftigt. Der weithin sichtbare Feuerschein loďte noch in der Nacht eine größere Menschenmenge herbei. Arbeiter Jugendtag in Storkow. Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Bezirk Brandenburg des Verbandes der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands an verschiedenen Orten der Mart Brandenburg Jugendtage. Berliner Jugendgenossen unterstützten diese Veranstaltungen. Einer diefer Unterbezirksjugendtage fand in dem kleinen Landstädten Stortow statt. Die Arbeiterjugend des Unterbezirfs Jüterbog 2uden. walde und Königswusterhausen und der Berliner Werbebezirte Teltomfanal und Westen trafen sich hier, um für die Republik und den sozialistischen Gedanken gemeinsam mit den dortigen Arbeitern zu demonstrieren. Die Organisationen der Arbeiterschaft find in Storkom nicht übermäßig start. Am Sonnabendabend fand als Auftakt zum Jugendtag im großen Saale des Restaurants Rupper eine gut besuchte öffentliche Jugendverfamm. lung statt, in der die Ziele und das Wolle der Arbeiterjugendbewegung dargelegt wurden. Der Referent betonte, wie notwendig ichließen. Die wirtschaftliche Lage der Lehrlinge in Storfow ift ein es fei, daß sich die Lehrlinge der Arbeiterjugendbewegung anSchulbeispiel, und Sie Jugend muß mit aller Kraft für das Jugend fchutzprogramm und die Forderung einer gründlichen Reform des Lehrlingswesens eintreten. Die fulturelle und politische Erziehungsarbeit der Arbeiterjugend wurde eingehend behandelt und Die Notwendigkeit einer lebhaften Anteilnahme der Jugendlichen betont. Nach Schluß der begeistert aufgenommenen Rede zogen sämtliche Teilnehmer zum Bahnhof, wo die auswärtigen Gäfte abgeholt wurden. Alle, Gäste und Einheimische, Junge und Alte bildeten nun einen Fackelzug, der unter den Klängen einer Musil fapelle durch den Ort zog. Das war ein Rhythmus, ein siegesbewuß tes und freudiges Schreiten. Man fühlte, wie jeder einzelne erfaßt und mitgerissen wurde. Jubelnde Zurufe zeigten, welche Wirkung der Zug auslöfte. Der Fadelzug endete im Festsaale von Kupper. der Zug auslöfte. Der Fadelzug endete im Festsaale von Rupper. Dort wurden die Quartiere verteilt. Der andere Tag brachte eine Fülle weiterer Veranstaltungen. Die Darbietungen einer furzen Feierstunde waren gelungen und fanden einhelligen Beifall nach mittags beteiligte sich die Jugend an der Veranstaltung der Gewerkschaften und Gründung einer Orts. gruppe des Reichsbanners Schmerz Rot- Gold. Landtagsab, Drugemüller und das Mitglied des Reichswirt. schaftsrats Reißner besprachen die wirtschaftliche und politische Lage und die Aufgaben der Gewerkschaften. Dann zog die Jugend zur Schützenwiese, um dort noch kurze Zeit bei fröhlichem Spiel ber Ein Teil dieser Zigarettenverkäufe ist wie man uns schreibt natürlich aus Geldnot zu erklären. Die Banderolen wer= braucht, dann verfauft sie eben die Zigaretten um jeden Preis und die in Konkurs geraten sind und die Käufer dieser Zigaretten die Steuerbehörde fann nachher zusehen, wie sie ihr Geld bekommt. richten sich selbstverständlich nach der Banderole überhaupt nicht. Es sind unter den billigen Fabrikaten auch Zigaretten von Fabriken, Ein weiterer Grund für die billigen Angebote ist die Tatsache, daß es sich um 3igaretten handelt, die schon lange ferlig lagern und bei denen der Fabrikant das Verderben fürchtet. Er schlägt sie dann um jeden Preis los. Bielfach werden auch Zigaretten aus minderdies trifft nicht den Kern der Sache. Man erhält erst ein wirkliches wertigem Tabat hergestellt, aus sogenanntem Breßtabak, d. h. Bild von den Zuständen, die gerade in der Zigarettenindustrie herrvon Abfällen aus gutem Tabat, die gepreßt werden. Doch alles fchen, wenn man dem nachgeht, was der Vorsitzende des Reichsverbandes der Zigarettenindustrie in einer Mitgliederversammlung, der auch Zoll- und Reichsbeamte beiwohnten, ausführte. Es handelt gröbster Art. Es ist ja feit langem bekannt, daß, vielfach Zigarette sich nach seiner Ansicht um Banderolenschiebungen allerohne Banderole an Wiederverkäufer in der Art verkauft werden, mitgegeben wird. In diese Kartons werden die aus unbanderolierten daß eine kleine Anzahl banderolierter Kartons Den unbanderolierten Kartons entnommenen Zigaretten hineingebracht, so daß äußerlich der Betrug niemals sichtbar wird. Da aber diese Methode den Steuerbehörden bekannt ist, wird sie verhältnismäßig wenig angewandt. Mehr blüht der Handel mit Banderole. Es gibt direkt Banderolenbörsen, in denen Banderolenbogen, die auch der Steuerbehörde mit 48 m. bezahlt werden müssen, zu 60 Pfg. zu haben sind Wenn die Polizei auf der einen Etelle folche Börsen aufhebt, dann tauchen auf der anderen Stelle wieder neue auf. Autos mit Banderolen sollen von Dresden und anderen Städten zum Berauf an diesen Börsen nach Berlin kommen. Diese Banderolen find oft gefälscht, zuweilen auch gestohlen, denn den Dieben wird das Handwerk sehr leicht gemacht. Die Banderolen, immerhin Wertobjette, merden nicht etwa in sehr schwer zu erschließenden Tresors aufbewahrt, sondern gewöhnlich in einfachen Aktenschränken. Aber der größte Teil der aẞnderoien stammt aus der Nachver= steuerung. Als die Goldbanderole eingeführt wurde, mußten die Fabriken ihre Bestände zur Nachversteuerung angeben. Sie gaben, da sie ja die Banderolen zur Nachversteuerung gratis bekamen, höhere Bestände an, als sie vorrätig hatten. Nachkontrollen Diese Weise übrig geblieben find, erscheinen jetzt in den Banderolefanden in den meisten Fällen nicht statt. Die Banderolen, die ouf börsen. Der Leidiragende ist der Steuerfiskus und auch diejenigen Teile des Gewerbes, Sie noch der etwas altmodisch anmutenden Anschauung folgen, daß gefehlich festgelegte Steuern ah berhit werden müſſen. 12. Allgemeine Deutsche Gastwirts- Messe.. In den altgewohnten Räumen der Neuen Welt" und in 12. 2llgemeine Deutsche Gastwirtsmeffe eröffnet. Man hat die bisben gegenüberliegenden Kliemfchen Festfälen" wurde gestern die her benutzten Räume noch durch drei große Interimsbauten ernahezu 20.000 Quadratmetern aufbaut. Der gleichzeitig in Berlin meitern müssen, so daß sich die Messe auf einem Gesamtgelände von stattfindende Verbandstag Deutscher Fremdenheime" gab Veran laffung, die Messe für das Hotelwesen und den Konditoreibedarf besser auszugestalten. Insgesamt sind die Warenangebote von Interessentenkreisen scheint rege Raufluft zu herrschen, denn schon über 700 Firmen vertreten. In den dieser Messe nahestehenden vor Eröffnung der Messe standen zahlreiche Besucher vor den Eingangstoren. Interessant sind auch die Vorführungen im Messetino, das sich als ständige Einrichtung herausgebildet hat. Beim Eröffnungsaft begrüßte der Leiter und Begründer der Messe, Paul Dumftren, die zahlreichen als Ehrengäste erschienenen Vertreter staatlicher und städtischer Behörden, der Presse und der einschlägigen Fachaufgebaut werden mußte, wo in allen Geschäftskreisen die Konjunktorporationen und wies darauf hin, daß diese Messe in einer Zeit tur, wie noch nie zuvor, daniederlag. Die Messe bleibt bis Freitag täglich von 10 Uhr vormittags bis abends 8 Uhr geöffnet. 3. R. 3 zur Fahrt nach der Schweiz aufgestiegen. Friedrichshafen, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Troh des nicht allzu freundlichen Wetters hat sich die Führung des 3. R. 3 heute morgen plöglich entschloffen, die geplante Fahrt nach der Schweiz anzutreten. Da aus der Schweiz günstige Wettermeldungen einliefen, wurde der Antritt der Fahrt innerhalb weniger Minuten beschlossen. Auf das Alarmzeichen der Werft strömten die Arbeiter in die große Halle II, um das Luftschiff fahrtfertig zu machen. Die üblichen Vorbereitungen gingen schnell vonstatten. In der zehnten Bormittagsstunde wurde der Zeppelinkreuzer aus der Halle gebracht. Da die heutige Fahrt des 3. R. 3 in erster Linie wissenschaftlichen 3wecken dient, mar die Zahl der nichtfachmännischen Fluggäste nicht allzu groß. Dafür wurde zur Bedienung der Meßgeräte ein ganzer Stab von wissenschaftlichen Mitarbeitern an Bord genommen, so daß sich die Gesamtzahl der an Bord befindlichen Personen auf 78 beläuft. Wenige Minuten nach 10 Uhr stieg das Luftschiff uiter dem Jubel der Friedrichshafener Schultinder, die heute schulfrei erhalten hatten, auf und schraubte fich in mehreren Schleifen über der Stadt und dem Bodensee in größere Höhe, um dann Kurs auf das Schweizer Ufer des Sees zu nehmen. Der 3. R. 3 dürfte auf Süddeutschlandfahrt erreichen, da inzwischen zwei veraltete Motore jeiner heutigen Fahrt eine größere Geschwindigkeit als auf seiner gegen solche neuester Konstruktion ausgewechselt worden sind. Selbstmord der Filmschauspielerin Eva May. Baden bei Wien die 23 Jahre alte Filmschauspielerin Eva May, In der Nacht zum Donnerstag erschoß fich in einem Hotel in eine Tochter Mia Mays. Die Beweggründe zur Tat find noch unbekannt, doch soll die lebenslustige Künstlerin. wie die Blätter melben, häufig aus fcheinbar nichtigen Anlässen in tiefe Melancholie perfallen fein und schon einige Male Selbstmordversuche gemast haben. mittelfabrit in 3winne( bet Barbubig) explodierte das Objeft C VII. Schwere Explosionstatastrophe in Pardubig. In der Sprengfion wurden zwei Personen getötet; eine Person starb das zur Erzeugung von Dynamon bestimmt war. Durch die Erploauf dem Wege ins Krantenhaus. Schwer verletzt wurden sechs Berforen. Wetter für morgen. Wetter für Bern und Umgegend. Ziemlich fühl, größtenteils wolkig und etwas Regen. Für Deutschland. Ueberall fühl, neue westoftwärts fortschreitende Betterverschlechterung mit leichten Niederschlägen. Gewerkschaftsbewegung Die Moskauer Einheitsfront. Aus Mannheim wird uns berichtet: Der fommunistische Reichstagsabgeordnete Renzler führte in einer kommunistischen Vertrauensmännerfizung in Mannheim in einem Bericht über den 5. Weltkongreß der KPD. und über die Konferenz der KPD. in Berlin( am 16. und 17. Auguft) aus: Der in der Bersammlung anwesende Oberbezirksleiter der KPD. habe auf der Tagung in Moskau und in Berlin gleich ihm den Eindruck erhalten, daß die gegenwärtig eingeschlagene Richtung„ Ruth Fischer" die einzig richtige sei und unter allen Umständen durch geführt werden müsse. Auf der Berliner Konferenz sei man der Meinung gewesen, daß die KPD. feit Oktober 1923 bis jetzt durch falsche Taftit nur Niederlagen " erlitten habe. Die Erfolge feien gleich Null. Man müsse unter das jetzt Verflossene einen biden Strich machen und mit erneuter Kraft und frischem Mut an die Verwirklichung der neugefaßten Ziele herantreten. Vor allem müsse nunmehr mit dem System der Bildung sogenannter Oppofitions organisationen innerhalb der Gewerkschaften gebrochen werden. Man habe in Berlin eingesehen, daß diese Art Oppo. fition nicht zum Ziele führen werde. Man müsse dazu übergehen, all die solchermaßen gegründeten Oppositionsorganifationen zu liquidieren und die Mitglieder voll und ganz dem allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbund wieder zuzuführen. Dies müsse entweder im Wege der Verhandlung geschehen, oder aber in irgendeiner Form erzwungen werden. Durch den ungeheuren Berrat", den der ADGB. an der gesamten Arbeiterklasse begangen habe, sei man seitens der KPD. zur Opposition gezwungen" worden. Das hätte zur Folge gehabt, daß die Gesamtmitgliederzah des ADGB. um 3 Millionen zurüdgegangen fei(?!). Die Hoffnungen der KPD., dadurch zum Ziele zu gelangen, hätte sich nicht erfüllt, denn die Opposition in den Gewerkschaften habe eine derartige 3ersplitterung gezeigt, daß auch in Hinsicht auf die allgemeine Partei- und Gewerf= schaftsmüdigkeit nichts erreicht werden konnte. Trotz des ungeheuren Mitgliederverluftes sei infolge dieser Zersplitterung der ADEB. noch in der Lage gewesen, den übrigen 6 Millionen, teils unorganisierten, andernteils der Oppofition angehörenden Arbeitern das Lebensniveau genau so vorzuschreiben, wie den im ADGB. Organisierten. Nunmehr müsse alles wieder in die Organisation des ADGB. hinein. Diese Eintritte müssen als Mittel zum 3 med dienen, damit man zum Ziel gelange. Der ADGB. müsse auf diese Weise unbedingt der KPD. gefügig gemacht werden. Eei man erst soweit, dann müsse durch Kleinarbeit versucht werden. weiter vorwärts zu tommen. Vor allem müsse in den Betrieben den SPD.-Genossen das Leben so sauer mie nur möglich gemacht werden. Man müsse jedes fleine Bergehen aufbauschen und die SPD.- Genossen in Mißkredit bringen. Man müsse versuchen, auf diese Weise von den führenden SPD.- Genossen der Gewerkschaften und der Partei Konzessionen zu erlangen. Wenn dann alles im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund vereint sei, dann müßten bei nahe täglich Betriebs- und Bezirksversammlungen stattfinden. In diesen müsse man mit Mitgliedermehrheit derartige Resolution nen zustande bringen, daß dadurch ein Eingriff der SPD.- Führer des ADGB. unmöglich gemacht werde. Sei die Sache soweit ge diehen, dann müsse man dazu übergehen, in sämtlichen größeren Betrieben Betriebszeitungen herauszugeben. Diese Arbeit müsse von den kommunistischen Betriebsräten und Betriebszellenführern organisiert werden. Auf diese Art müsse man die Betriebszellen derart ausbauen, daß diese ein unüberwindliches Bollwerk der KPD. bildeten. Dieses Programm müffe unter Zuhilfenahme aller nur erdenklichen Mittel verwirklicht werden. Im Herbst dieses Jahres würden schwere Kämpfe zur Erlangung der Diktatur des Proletariats einsetzen. Bis dahin müsse die Masse derart reif sein, daß eine noch malige Niederlage ausgeschlossen fei. In der Diskussion gab Paul Schutz- Frankfurt bekannt, daß man in Moskau mit dem Programm„ Ruth Fischer" voll einverstanden sei. Er bestätigte die Ausführungen Kenzlers in vollem Umfange. Er sei aber der Meinung, daß neben dem Industriever band der Chemie, dem Verband der ausgeschlossenen Bauarbeiter, dem freien Eisenbahnerverband auch die Union der Hand- und Kopfarbeiter, sowohl die Richtung Gelsenkirchen wie Bochum, sofort mit in den ADGB. herübergezogen werden müßten. Soweit der Bericht, der im großen und ganzen nur bestätigt, was bereits allgemein bekannt ist. Bemerkenswert sind jedoch die Geständnisse des kommunistischen Reichstagsabgeordneten vor den kommunistischen Vertrauensmännern. In ihrer öffentlichen Kundgebung beliebte es die KPD. so hinzustellen, als seien die Gewerkschaften und die SPD. bereits vernichtet". Die KPD. eilte „ von Sieg zu Sieg". Wie es mit diesen Siegen und unserer Bernichtung in Wirklichkeit bestellt ist, erzählt der kommunistische Reichstagsabgeordnete. Er enthüllt auch im vertrauten Kreise, was Moskau mit der„ neuen" Taftit bezwecke. Man will sich die Gewerkschaften gefügig machen. Sie sollen Stoßtrupps für kommunistische Putsche werden. Auch das ist freilich nicht neu. Es ist aber immer gut, diese fommumstischen Pläne bekannt zu geben. 666666# 99999989, H OLZHAUSER Unserem alten Rampfgenoffen Georg Grubert und seiner Frau, Elfaffer Str. 25a, zur heutigen Silberhochzeit die herzlichsten Grüße und besten Wünsche für weiteres Wohlergehen und fernere treue Rameradschaft. 1. Abt.( Gastwirtsgehilfen). Hosen von 500 Mk. an, Schuppen, Hallen, Garagen etc. liefert preiswert kurzfristig Holzbausbau Littmann N 54, Lothringerstrasse 91/93 Morden 6020/21 Hosen jeder Art kaufen Sie am besten und Deutscher metallarbeiter- Verband billigsten in d. München- Gladbacher Achtung! Verwaltungsmitglieder! 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Schumacher wies nach, daß die kommunistischen Sonderorganisationen nur in Ausführung der Beschlüsse gehandelt hätten. Er betonte weiter mit besonderem Nach druck, daß die Verbände entgegen den jeßigen Mostauer Weisungen weiter bestehen und Unorganisierte in ihre Reihen aufzunehmen sich bemühen würden. Es könne nicht angehen, daß von der kommunistischen Zentralstelle jetzt zum Eintritt in die freien Gewerkschaften aufgefordert werde. Ohne zwingenden Grund dürfe die Selbständigkeit der Verbände nicht aufgegeben werden. Darum sei der erfolgte Aus= schluß von Mitgliedern aus der KPD. unrechtmäßig. Zu lebhaften Auseinandersehungen tam es in der Diskussion mit Leuten der Union der Hand- und Kopfarbeiter. Für diese sind selbst die Schumacher und Genossen nicht„ radikal" genug. An eine Auflösung ihrer Sonderorganisation denken sie ebensowenig wie die Schumacher und Genossen. Schließlich wurden fast einstimmig zwei Entschließungen angenommen, die die Ausschlüsse der Schumacher und Genoffen für rechtsungültig und die Aufrechterhaltung der Sonderorganisationen als notwendig erklären. Bemerkenswert ist, daß in diefer immerhin gut besuchten Verfammlung kein Vertreter der KPD. das Wort zu nehmen wagte. Offenbar fehlte es den anwesenden Vertretern der KPD. an dem nötigen Mut. Zu ernten war nichts. Wenn man auch die Spaltung verdammen muß, es ist nicht zu leugnen, daß die Schumacher und Genoffen die Logit für sich haben. Auf Anordnung und mit Zustimmung von Mostau haben sie die Spaltung vollzogen. Nun werden sie plötzlich. zurückgepfiffen wie die Hunde. Sie wollen aber feine Hunde sein. Diese Erkenntnis kommt ihnen reichlich spät. Jetzt rebellieren sie gegen die Diktatur von Mostau, die sie bisher verherrlicht haben. Der Verband der Bäcker und Konditoren. Am 14. Eeptember beginnt in Wernigerode der 16. Verbandstag des Zentralverbandes der Bäcker und Konditoren, der bereits im vorigen Jahre abgehalten werden sollte. Der fatastrophale 3ufammenbruch des Wirtschaftslebens und der Geldwährung übte auch cuf diese Arbeiterorganisation thren urheilvollen Einfluß aus. Seit der Befezung des Ruhrgebiets liegen die meisten Betriebe in der Süß- und Teigwarenindustrie still oder, wo gearbeitet wird, erfolgte eine bedeutende Einschränkung der Belegschaft. Die Arbeitslosigkeit in dieser Industrie ist außerordentlich groß. Biele der neu gewonenen Mitglieder in der Zeit der fünstlichen Hochtonjunktur wurden aus der Industrie verbrängt und ginger der gewertschaftlichen Organisation verloren. Den höchsten Mitgliederstand erreichte der Verband im Jahre 1922 mit fast 90 000, gegenwärtig zählt er rund 55 000 Mitglieder. Die Kasse verhältnisse wurden durch die Inflation und die dritte Steuernotverordnung start beeinträchtigt. Der Kaffenbestand von über 4 Million Goldmark schmolz auf wenige tausend Mart zue fammen. Erst nach der Stabilisierung der Währung fonnten die Finanzen durch die Umstellung der Beitragsleistungen einigermaße in Ordnung gebracht werden. Am 30. Juni 1924 schloß die Organifation mit einem Bestand von 158 000 m. ab. Amähernd 100 000 Mark wurden in diesem Jahre bei Streifs und Lohntämpfen an Unterstützungen für die Mitglieder ausgezahlt. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen sind für die Arbeitnehmer in der Schokoladen-, 3uckerwaren, Teigwaren- und Keksindustrie reich stariflich geregelt. Durch die im Juni vereinbarten neuen Vertragsbestimmungen ist der Achtstundentag gesichert, das Lohneinkommen mit Ortszuschlägen neu geregelt, Ferien und Bezahlung des Lohnes bei Krantheit durchgeführt und auch die Lehrlinge in das Bertragsverhältnis einbezogen. Für die Beschäftigten in den Bäckereien und Konditoreien bestehen örte liche Berträge mit den Unternehmerorganisationen in allen namhaften Städten. Im Laufe der vergangenen Geschäftsperiode. hatte auch die Dr. ganisation der Mehl und Zucker verarbeibender Industrie ihre ganze Kraft zur Abwehr der reaktionären Anschläge des Unternehmertums einzusehen. Es ist allgemein gelungen, die Borstöße der Realtion abzuwehren und das gesetzliche Verbot der Nacht- und Sonntagsarbeit in den Bäckereien und Konditoreien aufrechtzuerhalten. Der Verbandstag wird sich nach den vorliegenden Anträgen mit der Wiedereinführung der Erwerbslosenunterstützung, die feit dem Zusammenbruch der Inflationswährung fuspendiert wurde, beschäftigten. Es liegen weiter aus mehreren Zahlstellen Anträge vor sur Errichtung eines Verbandes aller in der Lebens- und ist, obwohl der vorgehende Verbandstag eine Kommiffion einſetzte Genußmittelindustrie Beschäftigten. In dieser Frage zur Förderung der Arbeiten für die Errichtung einer Industrieorganisation, das 3iel nicht erreicht worden. Ob diese Tagung unter vollständig veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen derroch die Fusion mit anderen Organisationen beschließen wird, darüber gehen die Meinungen auseinander, Die Tagung in Wernigerode wird in der Hauptsache geschäftsmäßig sein. Nach der Zusammensetzung der Delegationen wird fie Anschläge und Pläne zurückweisen, die den Vormarsch der Organifation hemmen. Organisationsfragen der Schuhmacher. In einer Mitgliederversammlung der Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Schuhmacher tam nach einem Bericht von der Bezirkskonferenz das Verhalten des Zentralvorstandes zu der Neuwahl des Bezirksleiters zur Sprache. Wie in dem Bericht betont wurde, hatte die Bezirkskonferenz den langjährigen Bezirksleiter, Genossen Hammacher nicht wiedergewählt, sondern an seine Stelle Brüning- Straußberg gewählt, der vom Vorstand nicht bestätigt wurde. Obwohl sich der Verbandsausschuß auf die Seite der beschwerdeführenden Delegierten der Bezirtstonferenz stellte, entschied der Vorstand, daß die Wahl Brünings ous parteipoli. tischen Gesichtspunkten heraus erfolgt jei, da gegen die Amtsführung von H. keinerlei Einwendungen erhoben worden seien. In Garantiesch. f. gesetzl. Goldinh. Ich verschenke an meine Kunden in den Monaten August bis Dezember Speise- u. Schlafzimmer, Küchen usw. Diese Gegenstände sind bei der Firma FECHNER& PREIDEL, Möbelfabrik, Neue Schönhauser Straße 2, ausgestellt. Ferner kommen 50 Preise à 10,- Mark zur Vertellung. Keine Einsendung irgendeines Betrages erforderlich. Preisaufschlag. Bedingungen unverbindlich im Laden. Trauring ges. gesch Kein 1 Ring 900 Dukatengold von M. 5.00 an 1 Ring 585 gestemp. von.. M. 4.00 an 1 Ring 333 gestemp. von.. M. 2.50 an H. Wiese, Juwelier Berlin N., Artilleriestr. 30 Berlin W., Passauer Str. 12 Preisliste gratis Belm Umtausch werden die bei mir gekauften Ringe innerhalb eines Jahres zum vollen Preis zurückgenommen. Geschäftszeit von 9-7 Uhr der Bersammlung wurde von einem Redner hervorgehoben, daß B. zudem auch erst vor vier Jahren zum Schuhmacherverband über getreten sei und er sich infolgedessen für den Posten nicht so eignen könne, wie Hammacher, der über eine große Erfahrung verfüge. Alle anderen Redner verurteilten das Borgehen des Zentralvorftandes auf das entschiedenste. Bei der Wahl der Mitglieder der Bezirksleitung wurden vier Kommunisten gewählt. Die von der Richtung der Amsterdamer Gewerkschaftsgenoffen Borgeschlagenen erhielten nicht die notwendige Stimmenzahl. Nunmehr gab Hoely den Bericht vom Verbandstag in Leipzig. Erwähnenswert ist daraus, daß ab Januar nächsten Jahres wieder eine Erwerbslosenunterstügung eingeführt wird, die bei Kranfheit und Arbeitslosigkeit in gleicher Höhe gezahlt wird. Die Streit und Maßregelungsunterstützung ist etwas gekürzt worden; die neuen Bestimmungen darüber treten am 1. Oftober in Kraft. Buchdrucker- Empfang beim Hamburger Senat. = Im Festsaal des Hamburger Rathauses wurden am Mittwoch nachmittag die Teilnehmer des Internationalen Buch Stolten hielt eine Begrüßungsansprache, in der er die Buchdruckertongreffes vom Senat empfangen. Bürgermeister drucker zu ihrem erfolgreichen Wirken für die Hebung der Kultur des Arbeiderstandes in allen Ländern beglückwünschte. Der Lorsitzende der Sekretariatskommission Schlumpf( Schweiz) dankte für den Empfang und sprach die Hoffnumg aus, daß es der Arbeiterbewegung gelingen möge, die Bölfer vor neuen Kriegen zu bewahren. Die Aufnahme, die der Buchdruderfongreß in Hamburg gefunden habe, zeige den Fortschritt, den die Beurteilung der Gewerkschaften bei den Behörden erfahren hat. Er erwähnte, daß 17 Nationen auf dem Kongreß vertreten find. An den Empfang schloß sich eine Bewirtung der Gäste und ein Rundgang durch die Räume des Rathauses an. Die ausländischen Delegierten sprachen sich sehr anerkennend über diesen Empfang aus, Gegen Revierprämien. Redlinghausen, 10. September.( Eigener Drahtbericht.) Zwischen dem Betriebsrat der fistalischen Gruben im Ruhrrevier und der Verwaltung sind in den letzten Wochen erhebliche Meinungsverschie denheiten entstanden, weil die Verwaltung Einzelprämien für die technischen Angestellten, sogenannte Revierprämien, einzuführen gedenkt. Die Arbeiter lehnen diese Einzelprämien mit der Begrün dung ab, daß eine gerechte Festsetzung unter den schwierigen Bergbauverhältnissen nicht möglich ist; weshalb eine unterschiedliche Bezahlung entstehen würde. Hierdurch würden Differenzen zwischen Berwaltung und einzelnen Angestellten, unter den Angestellten selbst und zwischen Arbeitern und Verwaltung ausgelöst; fie müßten im Interesse eines geregelten Betriebes liegen. Durch Verhandlungen der technischen Angestellten und Beamten mit den zuständigen Stellen foll eine Aufhebung der Revierprämien erstrebt werden. Wahrscheinlich wird die Verwaltung der fistalischen Gruben eine Gesamtprämie. einführen, die nach einem Schlüssel zur Verteilung gelangt. Konfliktsbeilegung in der thüringischen Textilindustrie. Greiz, 11. September.( WTB.) Die drohende Gefahr einer Ges famtaussperrung in den Betrieben der sächsisch- thüringischen Webereien ist durch Verhandlungen vor einem Sonderschiedsgericht bes seitigt worden. Den Stuhlmeistern wurde der Wochenlohn erhöht und den Arbeitern der Stundenlohn von 42 auf 44 Pf. Gültig in beiden Fällen bis 31. Dezember 1924. Bis dahin ist auch das Arbeitszeitabkommen verlängert worden.( Die aussperrungswütigen Textilindustriellen haben also angesichts des entschlossenen Widerstandes der Arbeiterschaft nachgeben müssen.) Der Haushalt des internationalen Arbeitsamtes. Genf, 11. September. Der vierte Ausschuß( Haushaltungs- und Finanziragen) beriet heute nachmittag den Vorschlag des Internationalen Arbeitsambes, der für das Jahr 1925 Ausgaben in Höhe von 7110 795 Frant vorsieht. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Thomas gab eine längere Uebersicht über die Tätigkeit und die wachsenden Aufgaben des Internationalen Arbeitsamtes. Er teilte mit, daß die Zahl der Ratifikationen der unter dem Regime des Arbeitsamtes zustande gekommenen Konventionen seit 1923 Don 90 auf 136 geftiegen ist. Er sprach in diesem Zusammenhang den Wunsch aus, daß Frankreich, das noch feine einzige Ratifitation dem Arbeitsamte mitgeteilt hat, bald eine größere Anzahl von Batten gleichgeitig ratifizieren werde. Ein Antrag Kanadas auf Herablegung seiner Beiträge wurde einer Unterfommiffion über wiesen. Der Wiener Metallarbeiterstreik. Wien, 11. September.( WTB.) Bürgermeister Seit hat heute zwischen dem Hauptverband der Industrie und dem Weetallarbeiterverband eine Bermittlungsaktion eingeleitet. Sport. Deutschland gegen Ausland benennt die Direktion der Olympia Radrennbahn den am Sonn tag, den 14. d. Mits. stattfindenden Renntag. Drei der besten deutschen Dauerfahrer treffen auf drei erstklassige Ausländer in einem 20, 30 und 50 km- Dauerrennen hinter großen Schrittmachermotoren. Deutschlands Farben vertreten der Matador der Olympia- Radrennbahn Walter Saw all und die Berliner Carl Wittig und Franz se ruptat. Das Ausland entfendet den Belgier Leon Vanderstu yft, den Holländer Biet Didentmann und den Franzosen Guignard. Hierdurch kommt endlich einmal etwas Abwechselung in die Besekung der lebten Dauerrennen hinein. Von den Ausländern interessiert am meisten der Start des Belgiers Vanderstuyst, nachdem, wie ja befannt ist, zweimal die Teilnahme desselben im Dauerrennen in Berlin verhindert wurde. Mit dem alten Weltmeister Piet Didentman und dem Stunden- Weltrekordmann Guignard kommen zwei alte Bekannte am Start. Die drei Ausländer werden gegen ihre deutschen Kollegen einen schweren Stand haben und sich mächtig ins Zeug legen müssen, um gut abzuschneiden Scharfe Kämpfe find also mit Sicher beit zu erwarten. Eine besondere Note erhalten die Rennen dadurch, daß bahn gewährleistet auch bei 6 Teilnehmern einen regulären Verlauf der 6 Dauerfahrer am Start erscheinen. Die einwandsfreie Dlympia- NadrennRennen. Mehrere Fliegerrennen dienen zur Vervollständigung des Brogramms. Die Rennen beginnen um 3 Uhr. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döſcher; Lotales und Sonstiges: Fris Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hosen- Anders Beusseistraße 25 Trauerfpenden jeder Art liefert preiswert Paul Golletz, Dormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. 10803. Z ähne 1.2M Teilzahlung gestattet b. kl. Anzahl u. wöchent!. Abzahlung von 1 G.-M. an. Echte Goldkronen v. 8 G.-M. an. Ersatzkronen v. 3 G.-M. an. Zähne ohne Gaumenplatte v. 3. G.-M. an. Zahnz. mit Betäub. 1 G.-M., b. Bestellg. von Gebissen gratis. Rat und Munduntersuchung gratis. 3 Jahre weitgehende Garantie. Ueber 20 000 Gebisse zur vollsten Zufriedenheit geliefert. Ecke SchönHatvani, Danziger Strasse 1, hauser Allee. 1 Vorzeiger 10% Rabatt. Eiserne Ochherde Transportable Kachelofen Eiserne Öfen R.Zechlin Berlin C25, Alexanderpl. 49