Abendausgabe Nr. 431 41. Jahrgang. 5 Goldpfennig 50 Milliarden = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 216 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 12. September 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berlager: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Keine Rache an Georgien! Der Ruf der deutschen Sozialdemokratie. Aus dem Parteivorstand wird uns geschrieben: Die Nachrichten über die in Georgien verübten Erefutionen erfüllen die zivilifierte Welt mit Schreden und Trauer. Unter den Perfönlichkeiten, die wegen wirklicher oder behaupteter Teilnahme an dem Aufstand gegen die Moskauer Regierung hingerichtet wurden, befanden sich solche, deren Namen in der sozialistischen Welt einen guten Klang haben und deren Reinheit des Charat. ters befannt ist. Die Befürchtung liegt nahe, daß das Wert der blutigen Rache weiter fortgesetzt werden und solche Personen treffen wird, die aus idealistischen Motiven mit der Aufstandsbewegung sympathisiert oder aus Berzweiflung zu den Waffen gegriffen haben. Georgien ist ein kleines Land mit hoher eigener Kultur an der äußersten Grenze Rußlands. Eine mit den Mitteln blutiger Gewalt betriebene Unterdrüdung seines Strebens nach Selbständigteit wäre nicht nur aus Gründen der menschlichkeit zu verurteilen, fie würde auch nicht durch die Behauptung entschuldigt werden können, daß der russische Staat in feiner heutigen Farm aus Gründen der Selbsterhaltung zur Anwendung äußerster Mittel gezwungen fei. Darum müffen die vorgenommenen Eretutionen als Afte finnlofer Grausamkeit verurteilt werden. Die deutsche Arbeiterschaft hat stets für die Rechte der kleinen Bölfer ein tiefgehendes Verständnis befundet und Racheatte des Siegers an den Besiegten als unmenschlich verurteilt. Sie wird auch diesmal ihre Stimme für das Bolf Georgiens erheben in der Erwartung, daß fich die Stimmen der ganzen Welt mit der ihren vereinigen werden in dem Rufe: Heine Rachepolitit an Georgien! Die Exekution. Paris, 12. September.( Eigener Drahtbericht.) Nach nachrichten aus Tiflis hat die dortige Ticheta ohne vorangegangenes Gerichtsverfahren die Hinrichtung von 22 Polififern angeordnet, die einige Monate vor dem Aufstand(!) in Haft genommen wurden. Unter diejen Todesopfern befinden sich der frühere Minister Chomeriti, der Bürgermeister von Tiflis Tschitoiosgoile, der frühere Chef der georgischen Nationalarmee Djugeli und andere in der sozialdemokratischen Bewegung befannte Personen. Intervention des Völkerbundes Genf, 12. September.( WTB.) Die von Paul Boncour eingebrachte. Resolution der englischen, franzöfifchen und belgifchen Delegation ist begreiflicherweise Gegenstand der Kommentare aller politischen Kreise in Genf. Man ist gespannt auf die Aufnahme, die die heutige Einbringung der Resolution in Rußland hervorbringen wird. Ueber die weiteren Folgen der Resolution hört man, daß fie voraussichtlich morgen von der Tagesordnungskommiffion auf die Tagesordnung der Versammlung gestellt und dann der sechsten Kommiffion( polifische Fragen) übergeben werden wird. Was die praktischen Folgen betrifft, so vermutet man, daß der Völkerbundsrat gegebenenfalls Rußland und Georgien ein Schiedsverfahren vorschlagen wird. Die Kämpfe in China. London, 12. September.( Eca.) Die letzten Nachrichten aus Schanghai besagen, daß der Bürgerkrieg sich auf ganz Oft china ausgedehnt habe. Wenn man den Nachrichten aus dem HauptDer Bürgerblock im Nebel. Zunehmende Opposition im Zentrum. Die Propheten des Bürgerblocs erleben eine Enttäuschung nach der anderen. Sie glaubten, weil sie die diskontfähige" Unterschrift der Volkspartei hatten und auch die Querschrift des Borstandes der Zentrumsfraktion, wäre der Bürgerblod schon gesichert und alle Deutschnationalen Blütenträume im Reifen. Aber schon Herr Guérard hat erklären lassen, daß seine Abmachungen mit den Deutschnationalen als Beschlüsse der Zentrumsfrattion gelten, macht sich immer beutlicher bemerkbar, daß die 3entrumsanhänger sehr wenig von einer parlamentarischen Ehe mit den Deutschnationalen wissen wollen und daß der Bürgerblock ihnen ungefähr als das Gegenteil des Erstrebenswerten erscheint. met haben quartier der Armee Tschang- Kiang glauben fann, rückt der General Tschang- Se- Lin, der Gouverneur der Mandschurei, nach Peking vor, um der Armee Wu- Pei- Fus eine Schlacht zu liefern. Es bestätigt fich, daß angesichts dieser großen Offensive Pefing alle feine Truppen zusammengezogen hat. Zwischen den Heubündeln. Völkerbund und Kriegsschuldfragen. Es gibt in Deutschland dreierlei Sorten von Gegnern unseres Eintritts in den Völkerbund: die Kommunisten, die Nationalisten und diejenigen, die vor den Nationalisten Angst haben. Bei den Kommunist en liegt der Fall sehr einfach: Sowjetrußland sigt nicht im Völkerbund und will einstweilen nicht eintreten, daher darf Deutschland ebenfalls nicht um seine Aufnahme ersuchen. An dem Tage, an dem die russische ReDer Konteradmiral Anderson, der die allierten Kriegsschiffe in gierung ihren Standpunkt ändern würde, würde selbstverständSchanghai kommandiert, hat befriedigende Versicherungen hinsichtlich die" Rote Fahne" den sofortigen Beitritt gebieterisch lich des Schutzes von Woosung, einer Ortschaft in der Gegend von fordern. Wenn z. B. der Völkerbund, woran man in Genf Schanghai, abgegeben. Etwa 60 Schiffe antern vor Woosung, um natürlich nicht denkt, Sowjetrußland eine große Anleihe anim Falle der Notwendigkeit neue Verstärkungen sofort an Land zu bieten würde, dann würden alle weltrevolutionären Gründe, fezen. aus denen bisher die Dritte Internationale dem Völkerbund Die Intervention der Mächte. todfeindlich gegenüberstand, sogleich vergessen werden. Die deutschen Nationalisten sind Gegner unseres London, 12. September.( Eigener Drahtbericht.) Die englischen Eintritts in den Bölterbund, weil sie darin mit Recht eine sehr. gelandet. England wird wahrscheinlich für den Fall, daß die im wissen, daß das Bölkerbundstatut weitgehende Bindungen ent Schlachtschiffe vor Schanghai haben weitere 2000 Mann Truppen wesentliche Erschwerung ihrer Revanchepolitik erblicken. Sie Truppen eine Niederlage erleiden sollten, intervenieren. Infolge da sie sich, wenigstens mit dem Mundwert, auf de n" Tag Namen der chinesischen Zentralregierung fämpfenden Kiangsu hält, die einen Angriffstreg unmöglich machen würden, und dessen suchen die Franzosen, deren Interessen auf der Seite der süd- vorbereiten, von dem sie immer reden, ohne an ihn zu denken, chinesischen Bewegung liegen, mit allen Mitteln die Sicherheit Schang- müssen sie grundsätzliche Gegner einer friedlichen Außenpolitik hais zu wahren, um den Engländern jeden billigen Vorwand zur sein, wie sie Deutschland als Völkerbundmitglied betreiben Intervention zugunsten der Zentralregierung zu nehmen. müßte. New York, 12. September.( TU.) Nach einer Meldung aus Schanghai sind dort weitere fünf amerikanische Zerstörer eingetroffen. Totio hat die japanische Regierung erklärt, fie beabsichtige nicht, New York, 12. September.( TU.) Nach einer Meldung aus sich der Vermittlungsaktion der Mächte in China anzuschließen. Ein möglicher Meinungsaustausch der Großmächte wird aber von dieser Absicht nicht berührt. Eine neutrale Zone um Schanghai. London, 12. September.( Tul.) Die Aufregung der fremden Bevölkerung in Schanghai ist einer gewiffen Beruhigung gewichen. Die chinesische Regierung hat der Forderung der Vereinigten Staaten, Englands, Frankreichs und Japans auf Neutralisierung einer Zone um Shanghai nun doch zugestimmt. Der Bertehr auf der Bahn nach Tientsien und Puntaw ist völlig in Unordnung geraten. Auslieferungsverhandlungen mit Ungarn. Mörder Schulz hat zugegeben, daß er mit einem wegen der Budapest, 12. September.( TU.) Der verhaftete Erzberger: Bombenaffäre verhaftesen Mitglied der Vereinigung„ Erwachende Ungarn" in Verbindung gestanden habe. Die deutsche Regie Gegenseitigteitsvertrag zur Auslieferung von Berrung hat ihren Wunsch zu erkennen gegeben, mit Ungarn einen brechern abzuschließen. Die ungarische Regierung vertritt hierbei den Standpunkt, daß dem Vertrag eine rück wirkende Kraft zu erkannt werden müsse; die deutsche Regierung ist dagegen der Anficht, daß es diese für politische Verbrechen nicht gebe. Die ungarische Regierung tauft Zeitungen. In Budapester politischen Kreisen verlautet, daß die ungarische Regierung durch Ber mittlung der britisch- ungarischen Bant von dem Wiener Banfmann Coftiglioni die Elbmühl- Blätter, wozu die Mittagszeitung", das 6- Uhr Blatt" und das„ Extrablatt" gehören, angekauft habe. Dafür ist Geld vorhanden, während man im Auslande um Anleihen bettelt. " zialistischen nicht ausschalten und man soll es auch nicht; rußerdem läßt sie fichs auch nicht gefallen und sie hat recht Denn fie ftellt ziffernmäßig einen bestimmten Teil des Boltes dar. Arbeiter und Bauern sind die großen Querbalten von Staat und Kultur. Sie wirken mit, indem sie sich ihre Köpfe und Leiter wählen." Die dritte Kategorie der deutschen Völkerbundgegner ist zurzeit die wichtigste: denn die Angst vor den Deutschnatiopolitit, und die äußert sich gerade feit dem Beginn nalen ist das Kennzeichen unserer jezigen Regierungsder gegenwärtigen Völkerbundtagung bei jeder Gelegenheit. Bei allen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Minister und dem Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, zwischen Dr. Stresemann und Herrn v. Malzahn, in der Frage der Notifizierung der Kriegsschuldnote der Minister besteht darauf, weil er sich am Abend des 28. August den Deutschnationalen gegenüber ausdrücklich dazu verpflichtet hat, während der Staatssekretär diefen Schritt für eine Torheit hält sind sich doch die beiden Herren über den einen Punkt einig, daß der von allen Ländern der Welt gewünschte Eintritt Deutschlands durch passive Resistenz wieder einmal ver= hindert werden müsse. Seit Jahren sind die leitenden Herren des Auswärtigen Deutschlands sprechen oder sprechen sollen. Einmal heißt es, Amtes um Gründe nie verlegen, die gegen ein Aufnahmegesuch Deutschland müsse ein Kriegsschuldbekenntnis ablegen, das andere Mal, es müßte den Bersailler Bertrag und insbesondere fennen, ein drittes Mal wird behauptet, unser Eintritt werde sämtliche Grenzfeftfegungen erneut und ein für allemal anergar nicht gewünscht und wir dürften uns als ein großes und stolzes Bolt nicht aufdrängen und uns gar einer Ablehnung aussehen, ein viertes Mal wird erklärt, wir bekämen feinen Siz im Völkerbundrat usw. usw. Diese Gründe waren schon in der Vergangenheit zum Teil frei erfunden, in diesem Jahre aber läßt sich mit allen diesen Behauptungen nicht operieren, da sie durch die Aeußerungen von Macdonald und Herriot, von Henderson und Paul Boncour glatt widerlegt wurden. Man möchte daher beinahe glauben, daß die sonst unerklärliche Torheit der vom Zaun gebrochenen Kriegsunschuldsaktion lediglich deshalb ins Berk gesetzt wurde, um ein neues Hindernis gegen den Eintritt Deutschlands aufzurichten, nachdem alle tatsächlichen oder vermeintlichen Hindernisse der Vergangenheit- fortgefallen sind. Die Haltung des offiziösen Organs der StresemannPolitik, der Zeit", in der Frage unseres Beitritts läßt gar feinen Zweifel daran, daß wir es mit einer regelrechten Sabotagetaftit der Regierungsstellen zu tun haben. Wenn die Zeit" in ihrer Antwort auf Löbes Vorstoß die Stirn hat, von einem„ übereilten Tempo" zu sprechen, so möchte man doch wirklich fragen, wie sie sich zu dem Tempo ftellt, mit dem Herr Stresemann und mit ihm die ganze Deutschnationale Partei den unglaublich verkehrten Schritt der Kriegsunschuld- Notifizierung begangen sehen wollen. Das gleiche gilt für die unwahrhaftige Art, in der ,, Die Beit" die Tätigkeit des Grafen Keßler in Genf desavouiert hat. Ein Telegramm des Genfer Korrespondenten des Sozialdemokratischen Parlamentsdienstes hebt hervor, daß man in Völkerbundkreisen von dieser Abschüttelung mit um so größerem Erstaunen Kenntnis genommen habe, als ja die Reichsregierung bekanntlich auf Anfragen verschiedener Großmächte den Grafen Keßler unzweideutig als ihren inoffiziellen Vertreter während der Völkerbundtagung bezeichnet hatte. Und wie soll man die Haltung des Auswärtigen Amtes in Genf und in der ganzen Welt als ehrlich empfinden, wenn man dazu noch die Stirn hatte, in einem anderen Dementi die Existenz eines Briefes des Reichskanzlers an Herriot und Macdonald bezüglich der Notifizierungsabsicht zu leugnen! Gewissermaßen in Bestätigung dieser Ansichten bringt die„ Germania" einen längeren Bericht über und gebungen tatholi. ( cher Arbeitervereine Westdeutschlands, die in den letzten Tagen in Düsseldorf, Buchholz, Bedau, Hütte sheim und Benrath stattgefunden haben. In allen Versammlungen wurde, nach dem Bericht der„ Germania", von den verschiedensten Seiten immer wieder zum Ausgrud gebracht, daß die Haltung der Deutsch nationalen so z wiespältig und unwahrhaftig war, so von verantwortungslosem Parteiegoismus diftiert wurde, In der„ Süddeutschen Konservativen Korrespondenz" nimmt fo: daß ihrer Mitbeteiligung an der Reichsregierung schwerste Bedenken eben der Zentrumsabg. Adam Röder zur Frage des Bürgerblocks entgegenstehen". das Wort. Er warnt banor, achtlos an der Entwicklung vorüberzuDie Erklärung des Reichsparteivorstandes, daß die 3en gehen, die die Maffen des Bolles in vergangenen Jahrzehnten genomtrum spartei sich jetzt bemühe, alle politischen Kräfte zur Ber. antwortung heranzuziehen, löste allgemeine Befriedigung aus. Man In einer Epoche, die Buchdruckerkunft, Bolksschule, allgemeine glaubt, diese Erklärung als eine grundsägliche Ablehnung Boltsbildung, allgemeine Wehrpflicht, ein univerfales Berkehrszunehmende Industrialisierung der Wirtschaft des Bürgerblods auffaffen zu können. Sämtliche Redier in prinzip und aufzeigt, ist Demokratie, heißt verantwortliche den Versammlungen betonten, daß die Errichtung einer Bürgerblod. Teilnahme der Massen an ber Regierung, regierung unvereinbar mit den Zielen einer volkstümlichen christ Selbstbestimmung und Selbstverwaltung, unausbleiblich. Auch die lichen Politik und mit den Bestimmungen der Verfassung sei, die Republik liegt in der Linie dieser Entwicklung, was mühelos zu einen anderen Begriff des Staatsbürgers herausgearbeitet hat, als nur sie beweisen ist.... Die Entwicklung hat uns die er ten Befürwortern des Bürgerblods vorschwebt. In der fatholiRepublik und die Demotrette, d. h. die Mitwirkung des ganzen schen Arbeiterschaft erblicke man in einer Bürgerblodregie Bolles in selbstbestimmender und verantwortlicher Lätigkeit gebracht. Daran ift nichts zu ändern; wenn es auch zu verstehen ist, Arbeiterschaft habe in den letzten Jahren Erfahrungen gesammelt, dung kurz erwähnen, die WTB. am Donnerstagabend verrung auch den Schrittmacher sozialer Reaktion. Die In diesem Zusammenhang müssen wir auch eine Meldaß die von dieser Entwicklung Geschleiften in Haß und Widerstand sich dagegen auflehnen. die nicht wegzudistutieren sind und die sich zusammenfassen laffen in breitet hat, um die Behauptung des ,, Daily Telegraph" zu der Feststellung, daß mit der politischen Reaktion die soziale dementieren, daß Herr v. Maltzahn erklärt habe, alle Reaktion Hand in hand gehe. deutschen Gesandten im Auslande hätten die Das ist eine ganz flare und eindeutige Absage der fatholischen angefündigte Notifizierung der Kriegsschuldnote als unratjam Arbeiterscht des Beftens an alle Bürgerblodapostel, einschließlich bezeichnet und die Reichsregierung fönnte mit ihrem Wider Abam Stegerwalds. Sie wurds noch besonders unterstrichen durch ruf der Kriegsschuldlüge erit hervortreten, wenn die Anmeldie Feststellung in den Versammlungen, daß die katholischen Arbeidung Deutschlands zum Bölferbund von Frankreich mit der ter einmütig hinter dem früheren Reichskanzler Dr. Berth steht.| Aufforderung der bedingungslosen Annahme des Versaille das Bon diesen Entwicklungsgebanten aus kommt der konservative Sentrumsmann zu den: Schluß: ant= „ Es ist klar, daß, wenn man die Bolitik utter den hier deutungsweise behandelten Gesichtspunkten betreibt, von einem Bürgerblod teine Rede sein kann. Man for die sozialdemokratische Arbeiterschaft und die chrift Ii organisierte steht in diesem Puntte nabe bei der so gewarnt. Vertrages beantwortet würde. Wir wissen maht, ob sich Herr v. Maltzahn in diesem Sinne geäußert hat oder nicht, aber wie dem auch immer sei, müssen wir ausdrücklich hinzufügen, daß es durchaus den Tatsachen entspricht, wenn behauptet wird, alle deutschen diplomatischen Bertreter im Aus lande hätten dringend vor der Notifizierung Mit dieser Art von Diplomatie, die bereits alle Mertmale eines deutschnationalen Mitregierens trägt, nämlich Unaufrichtigkeit, Blumpheit und Mangel jeder Logif, werden wir nicht sehr weit kommen. Allein die Tatsache, daß Deutschland trotz der Reden von Macdonald, Henderson, Boncour und Parmoor, troß der Erflärung Herriots an die deutschen Völkerbundfreunde, also tros dieser unzweideutigen Aufforderungen an die Adresse Deutschlands, dem Bölferbund beizutreten, seinen Beitritt offenkundig sabotiert, macht natürlich in der ganzen Welt den denkbar schlechtesten Einbrud. Der Kopenhagener Korrespondent des Sozialdemokratischen Parlamentsdienstes telegraphiert über eine Unterredung, die er gestern mit dem dänischen Ministerpräsidenten Stauning über die Frage der Aufnahme Deutschlands hatte, folgende Antwort dse Genoffen Stauning: „ Die Stimmung war unbedingt in weitesten Kreisen die, daß Deutschland nun nach Annahme des Dames- Planes dem Bölferbund beitreten müsse. Die Einladung Macdonalds an Deutschland und der Wille zu friedlicher Zusammenarbeit aller Völker im Völkerbund, der aus Herriots Rede sprach, war durchaus aufrichtig und herzlich gemeint. Daß wir fandinavier für Deutschlands Mitarbeit im Bölkerbund sind, ist ja bekannt." Besorgt fügte Gen. Stauning hinzu:„ Eine Ablehnung Deutschlands, dem Völkerbund beizutreten, würde für den ganzen großen Teil der Nationen, der in Genf mit dem baldigen Eintritt Deutschlands in den Bölferbund rechnet, cine vielleicht nie wieder gut zu machende verhängnisvolle Enttäuschung fein, die wahrscheinlich zu einem völligen Umschlag der Stimmung führen würde und für die begonnene Verständigung der ehemaligen Kri gsgegner von großem Schaden wäre." Genoffe Stauning fann als Ministerpräsident eines fremden Staates natürlich nicht über das Verhalten der deutschen Reichsregierung direkt urteilen. Defto schwerer aber wirken feine allgemeinen Ausführungen, und die tiefe Sorge eines an Bölferverständigung und Weltfrieden glaubenden Sozialisten. Diese Worte des Ministerpräsidenten eines Landes, über dessen Abrüstungsplan Macdonald die in Deutschland leider wenig beachteten Ausführungen in seiner großen Genfer Rede, machte Der Abrüftungsplan meines alten Freundes Stauning ist von wirklich bahnbrechender Art und wird Muster für alle gesunden Nationen auf der Welt werden"-, sollten in Deutschland nicht ungehört verklingen. - " Wenn aber diejenigen, die aus nationalistischen Gründen oder aus Angst vor den Deutschnationalen durch ihre attive oder passive Resistenz den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund hintertreiben, die ganze Menschheit wieder einmal gegen bund hintertreiben, die ganze Menschheit wieder einmal gegen uns zusammengeschlossen haben werden, dann werden sie wieder, wie im Jahre 1914 die Welt mit ihren Wehklagen über die Einkreisung Deutschlands durch die böse Entente erfüllen. Sie werden aber, auch wieder sehr vorsichtig über die Frage hinweggleiten, wer diese Eintreifung möglich gemacht, ja geradezu bewirkt hat! Sowjet- Rußland ist besorgt.. | listen vorbereitet, als endgültiges Zeugnis angesehen werden kann. I Die Anerkenntnis und Ableugnung dieses Schuldgeständnisses find angesichts der Tatsachen von geringer Bedeutung. Wenn die Reichsregierung auf verschiedenen europäischen Kongressen den Schritt, mit dem sie uns bedroht, ausführt, dann ist es flar, daß die Regierung durchaus feine Furcht davor hat, sich zugleich verhaßt und lächerlich zu machen. Es ist in der Tat überall bekannt, unter welchen Bedingungen die Nationalisten für das Eisenbahngefeß gestimmt haben. Es wurden verschiedene Verpflichtungen ihnen gegenüber eingegangen, und der Reichskanzler Marg muß fie nun halten, denn der Außenminister Stresemann, der getreue Alliierte der Rechten, treibt ihn, sich bis zum Lehten zu verpflichten. Der Grund, weshalb die allgemeine Meinung der Welt schon im voraus den Schritt der Deutschen verurteilt, ist folgender: Der Schrei der Unschuld, den die deutsche Reichsregierung auszustoßen sich anschickt, erfolgt auf Drängen der wirklich Verantwortlichen am Kriege. Es ginge noch hin, wenn dieser Schritt auf Wunsch des deutschen Boltes erfolgte, obwohl auch die Völker im allgemeinen die Regierungsleiter haben, die ihrer wert sind. Aber hier ist das nicht der Fall. Die Deutschnationale Partei hat die Tradition der Junker wieder aufgenommen. Sie arbeitet für die Wiederher stellung der Monarchie und wünscht mit jedem Tage die Revanche herbei. Sie setzt sich zusammen aus Leuter, die vor dem Jahre 1914 die Komarilla des deutschen Kaisers, seine politischen Generalstäbe, seine privaten Räte und seine Sekundanten bildeten. Für sie war der Krieg mit einem Wort„ eine Industrie". Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen. Wenn das Blut der Völker auf den Schlachtfeldern vergossen wurde, so geschah es deshalb, weil die Deutsch rationalen mit Berwegenheit den frischfrohen Krieg" herbei wünschten. Haben sie ihn aber etwa callein herbeigewünscht? Durch aus nicht. Es gab in allen Ländern Chauvinisten. Aber die Chauvinisten auf der anderen Seite des Rheins gehörten zu der schlimmen Sorte. Weit davon entfernt, jetzt still zu sein und sich in Bergessenheit zu bringen, verlangen sie, daß sie als Vertreter einer gerechten Sache proflamiert werden. Das ist zuviel der Ge wiffenlosigteit und Kühnheit. Trotzdem gehorcht die Reichsregierung ihren Wünschen. Will sie etwa, daß man sie in dasselbe Mißtrauen einschließt wie die Nationalisten? Wulle und Maurenbrecher. Der blinde Hödur und der vergiftete Mistelztveig. Herr Maurenbrecher will um die Führung in der Deutschnationalen Partei kämpfen, und noch nicht" austreten, um nicht zur Konkurrenz der Wulle, Graefe und Henning gehen zu müssen. Er hat keine Lust, sich von diesen Führern führen zu íaffen, und wenn es doch sein muß, daß er die Mannen Hergts verläßt, dann will er eine neue völkische Partei gründen. Herr Wulle ist über die Absicht, auf diesem Wege ein Ronfurrenzgeschäft aufzumachen, entrüftet und beweist Herrn Maurenbrecher, seine Rechnung wäre falsch. Dabei sagt er ihm umgekehrte Liebenswürdigkeiten, die sich gerade der„ Deutschen Beitung" gegenüber gut ausnehmen. ,, Ach, wenn Herr Maurenbrecher uns damals in unserem verzweifelten Kampf auch nur in etwas unterstüßt hätte, wenn uns die„ Deutsche Zeitung" nicht gerade bei Görlig insbesondere durch Herrn von Freytag- Lohringhofen, für den ich auf dem Parteitag in Hannover außer Westarp als einziger eine Lanze eingelegt habe, Mostau, 11. September.( DE.) Die Sowjetdiplomatie, die sich in den Rüden gefallen wäre, dann wäre es vielleicht möglich dußerst ablehnend gegen den Völkerbund in seinem jezigen gewefen, der Parteileitung unseren Willen, d. h. den Willen der Bestande verhält, sieht, wie der„ Ost- Expreß" erfährt, mit Bevölkischen Bewegung aufzuzwingen. Statt dessen drängte man uns forgnis der Möglichkeit entgegen, daß die Alliierten den Ein. hinaus, und die„ Deutsche Zeitung" hat bei jedem Anlaß uns den tritt Deutschlands in den Völkerbund dazu ausnuten fönnten, Dolch stoß in den Rücken verfegt und damit eine schwere um einen Druck auf Deutschlands russische Politik auszuüben. Sünde gegen die völtische Bewegung begangen. Nein, die Dinge liegen ganz anders, es liegen Bindungen vor, die zum Teil auf persönlichem Gebiete liegen, zum Teil mit gewissen Macht plänen zusammenhängen, die von den Männern der Deutfchen 3eitung" ausgehen. Daß diefe Pläne zum Scheitern verurteilt sind, was gerade die Geschichte des letzten Jahres bewiesen hat, liegt an der objektiven Untreue der Männer der Deutschen Zeitung" gegenüber der völkischen Freiheitsbewe. gung. Man ist versucht, von einer Tragit zu sprechen beim Anblid Eine französische Mahnung. Paris, 12. September.( Eca.) Frossard schreibt im„ Paris Soir": Wenn die Geschichte die Verantwortung für den letzten Strieg prüft, dann wird sie von selbst darauf kommen, daß weder das Schuldbekenntnis, das den Deutschen durch den Vertrag von Berfailles auferlegt wurde, noch die Zurückweisung dieses Schuldbefenntnisses, die Reichskanzler Marg unter dem Druck der NationaAngermayer:„ Komödie um Rosa" Dramatisches Theater. Da der Bürgermeister, der Arzt. der Fabrikherr und Apotheker von Krähwinkel an Frau Rosa, der knusprigen Waschfrau, beteiligt maren, blieb ihrem biederen Mann, Herrn Mittag, nicht mehr viel zu tun übrig. Die Frage ist nur, wie weit das genannte Honoratiorenquartett auch an jenem Kinde beteiligt war, das Rosa zur Welt gebracht hätte, wäre sie nicht vor ihrer Niederkunft zu Petrus abberufen worden. S. 2. Angermayer, der in seinem bisherigen Privat- und Literatenleben ein guter Geift war, arbeitssam als Ber. mittler zu wertvollen Kameraden Frankreichs, löst die Frage in feiner„ Komödie um Rosa" nicht eben salomonisch, sondern eher wie der in dem Schwant auftretende Pflasterschmied, d. h. er manscht und pfuscht ein wenig. Er manscht Sternheim- Stil und etwa auch den Philiftergroteskenstil Ludwig Thomas durcheinander und pfuscht auch nach den unvergänglichen Rezepten der dürftigen Schwantroutiniers. Gedacht hat er sich sein Stück allerdings anders. Er wollte feine Komit mit der Tragit zusammenspannen. Während der Trauermarsch zum Begräbnis Rofas gewimmert wurde, sollte herzzerbrechend und zwerchfellerschütternd der ganze Blödsinn der krähwintligen Honoratioren und Halunten angeprangert werden. Die Komödie ist ein Männerstück. Das Krähwinkelquartett bleibt meistens unter sich, und nur die Leichenfrau räfoniert streckenweise in die Handlung, die mehr einer aftenmäßig aufgenommenen Gerichtsverhandlung mit einem moralischen Schlusse ähnelt. Angermayer halt alle Floskeln und Komment- und Kommißausdrücke der Honorat oren artig nachgefchrieben. Dieses Protokoll hat er wirklich talentvoll verfaßt. Wo er gelegentlich eine Moral anhängt oder gar aus dem hellhörigen Naturalismus in den symbolischen Sput hinüber will, versagt seine Begabung. Das Resultat: er ist starf in der Liebe zur Kleinkunst, er ist ewig in der Hoffnung, daß ihm die Symbolkunst gelingen wird Go ergeht es ihm wie feiner Lieb. lingsfrau, der Feinwäscherin Rosa Mittag, für deren Unsterblichkeit er feine Komödie schrieb. Er übernimmt sich und muß vorzeitig aran glauben. Der Regiffeur des Dramatischen Theaters padte den Anger nayerschen Schwant beim richtigen Ende. Honoratioren- Hans wurst ade und Haluntenquartett, das flappte. Was hinaufgeschoben werden sollte, in die philosophische Komit, das mißriet. Solange die Herren Elzer. Ferdinand, Kamper und Hermann bei bem Clownult blieben und nicht einer scheinbar umgefrempelten Welt, den Berierspiegel vorhalten wollten, wurden ordentliches Bossenniveau und Possentempo respektiert. Die Sprünge aus dem Infinя in den Ueberfinn glückten weder dem Dichter noch dem Regiffeur, noch dem Beleuchtungsinspektor, noch dem Romödianten. So wäre noch einiges über Zukunft und Aussicht dieses Theaters zu sagen, das sich das Dramatische nennt." Dramatisches Theater", das ist zunächst ein unpraktischer und auch unlogischer Name. Jedes Theater ist dramatisch, es ist für das Drama da, d. h. ist. Dient das Theater diesem dramatischen Wort oder Wortedrama für das belebende Wort, aus dem das Menschenschicksal abzulesen nicht, dem einzigen, was übrigens der geistigen Mühe würdig, dem einzigen, das die strebsamen Köpfe und Herzen zu belohnen auch heute noch berufen ist, dient das Theater nur der Mädchenschau, der Beines und Brüfteschau und ähnlichen Attraktionen der Freudenhäuser, dann verdient es nur den Namen des Hauses, dem es Ronkurrenz macht. Es wäre also nur gegen die schlechte Taufe des Dramatischen Theaters etwas einzuwenden, nichts aber gegen feine löblichen 3wede. Gut und schönes zeigt sich jedoch gleich beim ersten Anblick und Hinsehen, daß die Reinlichkeit der Absichten nicht ebenbürbitg ist der künstlerischen Reise und dem geistigen Reich tum der Unternehmer. Sie haben noch nicht jene Bathetik überwunden, die schon die Firma ihres Hauses überlastete und ihren Künstlern so gefährlich wurde. Mar Hochdorf. Bücher ist von der italienischen Regierung offiziell aufgefordert Civius, wo bist du? Der Auffinder der angeblichen Titus Livius. worden, Auskunft über seinen Fund zu erteilen. Der Aufforderung hat sich de Mertino Fusco durch die Flucht entzogen. Man weiß nicht, wo er sich versteckt hält. Die Polizei hat Haussuchungen in feiner Wohnung abgehalten. Da auch Senator Croce fich sehr zurückhaltend über die Sache äußert, wird die Zahl der Steptifer immer zahlreicher. Es besteht die Möglichkeit, daß Fusco seinen Fund ins Ausland zu retten versucht, um ihn vor dem Zugriff der italienischen Regierung, die gefehlich Anspruch darauf hat, zu retten. Wahr scheinlich aber ist, daß ein netter Schwindel präpariert wurde, der iegt vorzeitig ein Ende fand. „ Die vier Schlaumeier." Das Residenztheater unter dem neuen Direktor Felix Meinhard errang gestern mit seiner Eröffnungsvorstellung einen lauten Bublifumserfolg. Wer sich„ Die Dier Schlaumeier" als Berliner Poffe von Bruno Deder und vornherein teine fünstlerische Offenbarung, sondern Unterhaltung, Richard Bars. Musik von Walter W. Göze, ansieht, erwartet von Aufheiterung und aufgefragte Stimmung. Und in dieser Hoffnung wurden die Zuschauer nicht getäuscht. Die anspruchslose Bosse hat fogar den Borzug, auf die in den modernen Operettenfabrikaten übliche Courths Mahler- Romantit: auf das vornehme Milieu der Grafen und Baronessen zu verzichten. Es spielt gcnz einfach im AltBerliner Bürgerhaus des Konditors Lindemann, der in wundersamer Theaterfügung hat seine durch Gutmütigkeit verlorene Wohlhabenheit zurückerlangt. Dem nachdenklichen Beschauer wird zwar einiges an eigentümlichen Zufällen zugemutet. Erinnerungen an des Volksstück Mein Leopold" werden sehr deutlich wachgerufen und die Mufit ist ein bißchen laut und hat wenig Ehrgeiz an Originalität, aber die Borstellung stand unter dem Etern des unverwüstlichen Ostar Sabo. " der vergeblichen Bemühungen dieser Männer, die letzten Endes doch immer wieder in einem Kampf gegen die völkische Freiheitsbewegung enden. Eine spätere Geschichtsschreibung wird diese Tatsachen, über deren Einzelheiten öffentlich zu sprechen nicht angebracht ist, mit tiefer Erschütterung feststellen, als eines Beweises dafür, daß der blinde hödur noch immer den vergifteten Mistelzweig gegen die im vordersten politischen Schüßengraben streitenden Vorfämpfer der deuts fchen Freiheitsbewegung wirft." Also eine vollendete Dolchstoßlegende gegen die„ Deutsche Zeitung". Das ist doch immerhin eine politische Pifanterie! Diese Dolchstoßlegende hat mit ihrer großen Schwester das gemeinsam, daß sie in die Welt gesezt wurde, um damit schmierige Parteispekulationen für Möchtegernführer machen zu tönnen. Herr Maurenbrecher möchte Herrn Bulle gern überwullen, und so kämpfen die echt arischen Helden mit tiefster Erbitterung gegeneinander: Hödur- Maurenbrecher gegen Baldur- Wulle. Wenns an die Führerposition geht, hört die Gemütlichkeit auf. Wutentbrannt versichert Herr Wulle: ,, Und das ist der eigentliche Zwed der ganzen Uebung, daß die Führer der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung in Zukunft ausgeschaltet werden. Das ist derselbe Ruf in entscheidender Stunde wie der der verratenen Verräter bei Argentorate: Die Führer herunter von den Pferden. Da ich nicht Mitglied der Reichsführerschaft der nationalistischen Freiheitsbewegung bin, fann ich das wiederholen, was ich im engeren Kreise in Weimar ausgesprochen habe:„ Aus dem Diadem der Reidsführerschaft der nationalistischen Freis heitsbewegung lassen wir uns auch nicht eine Berle herausbrechen, weil wir wissen, daß jede Berle herausbrechen, weil wir wissen, daß jede dieser Berlen echt ist." " Die echten Perlen aus dem Diadem der Reichsführerfchaft ist das nicht zum Jauchzen? Was für Lobpreisungen für die heißumstrittene Handelsware! Echte Berlen: Herr v. Graefe als Perle, und Herr Ludendorff, der Mann mit dem falschen Paß und der blauen Brille echt? Diefer erbärmliche kleine Zant zwischen den Konkurrenten der völkischen Führung ist immerhin lehrreich: es geht den Leuten gar nicht ernsthaft um politische Ziele, sondern nur um die Rolle, die sie selbst zu spielen gedenken. Was heißt deutschnational fein? Charakterisierung der Deutschnationalen. Wir finden folgende liebenswürdige Charakterisierung der Deutschnationalen: " 1 " Denn Deutschnational sein heißt charakterlos und untreu sein". Das Verhalten und die Entscheidung der Führerschicht der Deutschnationalen Bolksparici am 29. August 1924 bildete einen schreienden Widerspruch gegen völkischen Geist, gegen völkische Bolifit und gegen die völtischen Ziele. Böllisch fein heißt auch: Charafter befizen. Die Politik der Deutschnationalen Bolkspartei war, neben allem anderen, auch charakterlos." Diese Charakterisierung stammt nicht aus einem„ Judenblatt", sondern aus der völtischen Medlenburger Warte". Die Herren müssen einander ja kennen. " Weimar gegen Nationalunken. Weimar, 12. September.( T11.) In der legten Stadtver= ordnetenfibung der Stadt Weimar fam es zu einer starten Rundgebung gegen die Ausschreitungen während des nationalistischen Deutschen Tages. Der demokratische Abgeordnete, Regierungsrat Professor Dr. Scheidemandel, verwahrte sich als ältester Weimaraner gegen den Mißbrauch der Straßen und Plätze der Stadt zu lärmenden parteipol tischen Massendemonstrationen und verlas eine Erklärung, daß solche Beranstaltungen Weimars geschichtlicher Bedeutung und seiner großen Ueberlieferung nicht entsprächen, vielmehr feinen guten Ruf auf das schwerste schädigen und daß der Gemeindevorstand in Zukunft für Wahrung des Burgfriedens in der Stadt und für den Schutz der En wohner gegen Belästigungen zu sorgen habe. Der Oberbürgermeift.r Dr. Müller sprach ebenfalls fein Bedauern über die Vorkommniffe aus und teilte mit, daß das gesamte Material der Etcatsanwaltschaft übergeben worden sei. | Bei seiner grotesten Komit und seinen luftigen Einfällen vergaß man vollständig die Lnwahrscheinlichkeiten der Handlung und geriet in eine angenehme Stimmung und wurde von der fröhlichen AusFeiner, die eine fefche, liebe Konditormamfell mit der Routine gelaffenheit auf der Bühne mitgerissen. Seine Partnerin Beity Couplet Zwischen Botsdam und Berlin, ba bei den Fichten passieren einer guten Soubrette spielte, leistete ihm tapfer Beistand. f Das merkwürdige Geschichten" ist sehr niedlich und wird seinen Weg machen. Dgr. Publikum etwas Neues und Aufregendes zu bieten, hat die Direktion Ameifentämpfe als Sensationsschauspiel. Um dem Londoner veranstaltet. Die fämpfenden Parteien gehören zwei Stämmen aus des Londoner Zoologischen Gariens Amicijentämpfe großen Stils ber Familie der Holzomeifen an. Die eine Armee, die sich in früheren Jahren schon beim Publikum durch ihre Kampffreudigkeit vortei haft eingeführt hat, ist bereits an den Garten gewöhnt und hat schon feit der Menschen zwang, siegreich durchgefochten. Der andere Stamm im vorigen Jahre mehrere Bruderkriege, zu denen sie die Grausam ist erst seit kurzem in den Garten gekommen. Die beiden Ameisenheere, deren jedes 5000 Rämpfer zähit, wurde auf ein abgefch offenes Terrain gebracht, das durch einen kleinen Wassertanal in zwei Abschnitte geteilt war. Um fie zum Rampfe anzufeuern, bediente man Als die Erregung der beiden Stämme ihren Höhepunkt erreicht hatte, fich der Scheinwerfer, deren Licht die Ameisen erregt und wild macht. wurde ein Holzsteg über den Kanal gelegt, und der Krieg begann. Drei Tage lang wurde von beiden Seiten mit wilder Erbitterung gefämpft. Die Londoner Blätter verfehlten nicht, ihre Leser über den Verlauf der Kämpfe fortlaufend bis in die feinsten Einzelheiten zu unterrichten. Die großen Zeitungen hatten fogar Sonderbericht erstatter auf den Kriegsschauplatz im 300 entsandt, die, mit Fernglas und photographischen Apparaten ausgerüstet, den Phasen dicses Bruderfampfes aufmertfam folgten und ihre eingehenden Berichte von der Front im Regentpark" datierten. " Der Abbau der Bolfsbildung in Rußland. Um die Stabilität der Währung nicht zu gefährden, sieht sich die Sowjetregierung gezwungen, mit allen Mitteln das Defizit im Staatsetat herabzusehen. Zu diesem Zweck werden nicht etwa die Kredite für die politische Polizei, die Gefängnisse oder die kommunistische Internationale re= duziert, sondern es wird von Monat zu Monat immer mehr bas fchon in folchem Maße eingeschränkt, daß in diesem Jahre von ins Reß der Volksbi dungsinftitutionen abgebaut. Die Hochschulen sind gefamt 40 000 2biturienten der höheren Schulen nur 600, d. h. 1½ vem Hundert in den Hochschulen Aufnahme finden werden, die übrigen Pläße sind für die Abkommandierten der Kommunistischen Partei und sonstige Privilegierten referviert. Noch schlimmer liegen die Dinge bei den unteren und mittleren Schulen. Im Gouvernement Kostroma find 50 vom Hwidert aller Schulen gefchloffen, im Gouvernement Rjafan follen von 52 höheren Schulen bloß 12 geöffnet bleiben, in Tula sollen alle höheren Schulen geschlossen werden. Insgesamt sollen geschlossen werden: 90 vom Hundert aller Anstalten zur Beseitigung des Analphabetentumns, 50 vom Hundert aller Fachschulen, fast alle höheren Eisenbahnschulen usw. Menschenschacher. Wir konnten in der legten Zeit an einer Reihe von Beispielen zeigen, welcher Geschäftsgeist" sich oft hinter dem unscheinbaren. Gesicht der Inserate verbirgt. Wir geben im Nachstehenden folgender Schilderung Raum, die einen tiefen Einblick in das ,, Seelen"-Leben gewiffer Kreise gibt. D. Red. Sonntag, an der die Freunde und Förderer des Bade- und Schwimmſportes feilnehmen werden, häft Dberbürgermeister Bö die Bestrebe. Gewerkschaftsbewegung Der Badebetrieb ist der übliche. Ueberfallen und beraubt wurde in der letzten Nacht in der Bruchfaler Straße 16 der in Wilmersdorf wohnende Kaufmann Herbert Gierlisch auf dem Nachhausewege an der Ede Wer- und Bruchfaler Straße von drei noch unbekannten Männern. Blutüberströmt wurde er von Fußgängern aufgefunden und das leterfellkommando alarmiert, das den Verletzten nach der Unfallstelle in der Gasteiner der Feuerwehr in das Schöneberger Krankenhaus übergeführt. Heute vormittag gegen 10% Uhr wurde die Kontoristin Maria Borbmann aus der Ritterstraße 3, als sie durch die Dorotheenstraße ging, von einem jungen Mann angefallen und ihrer Aftentasche mit 95 m. Inhalt beraubt. Der Täter fchwang fich auf ein Fahrrad und ergriff die Flucht. Schließ lich wurde er an der Ecke der Georgen- und Friedrichstraße durch einen Bolizeibeamten eingeholt und zur Wache des ersten Polizeireviers gebracht. Hier ist der Straßenräuber als der 22 Jahre alte Hausdiener Hans Bendig aus der Kopenhagener Straße 67 festgestellt worden. Liebesfragödie im Grunewald. Gegen 7 Uhr abends wurde gestern im Jagen 98 im Grunewalder Forst an einem Baum nebeneinander erhängt die Leichen eines Mannes und einer Frau, die bereits start in Verweſung übergegangen waren, gefunden. Sie wurden nach dem Schauhaus in Charlottenburg gebracht. Anschein nach handelt es sich bei den beiden bisher unbekannten Personen um den Abschluß einer Liebestragödie. Allem Bolf und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Internationaler Antikriegstag. Der Internationale Gewerkschaftsbund schreibt: Der Antikriegstag der internationalen Arbeiterschaft findet u günſtigen Umständen statt. Als im November des vergangenen Jahres der Internationale Gewerkschaftsbund beschloß, am dritten Sonntag im September 1924 eine internationale Demontrostlos dunkel, und als nachher die Agitation einsetzte, war kaum ein Lichtstrahl zu sehen. Das Friedensbedürfnis war zweifellos nicht allein in der Arbeiterschaft vorhanden, aber es fonnte nicht zum Ausdruck kommen, es wurde durch die Reden der Kriegsheher und des ihnen ergebenen Teiles der Presse niedergehalten. Allmählich klärte sich der Horizont auf. In England fam die Arbeiterpartei an die Regierung, in Frankreich brachten die Wahlen die Niederlage Poincarés und nahmen diesen Alpdruck, der auf ganz Europa lastete, meg; auch in Dänemark übernahmen Vertreter der Arbeiterschaft die Zügel der Regierung und fündigten Abrüstung an. Die Menschheit gewann wieder Hoffnung, und auch die Friedensfreunde außerhalb der Arbeiterschaft erhoben ihre Stimme. Der Bann war gebrochen; man sieht wenigstens den Anfang einer neuen Zeit, wenn auch noch genug Hindernisse und Gefahren zu beseitigen sind. Daß diese Aenderung möglich wurde, ist zweifellos der Tätigkeit und dem Drängen der organisierten Arbeiterschaft zu danten. Diese hat schon während des Krieges und ununterbrochen nachher versucht, nicht allein einen Ausweg aus den jetzigen Schwierigkeiten zu finden, sondern auch in der Zukunft die Kriegsgefahr zu beseitigen. Ohne die Anstrengungen der französi schen Arbeiterschaft wäre es nicht möglich gewesen, das größte Hindernis für den Frieden, Poincaré, zu beseitigen und in Frankreich eine friedensfreundliche Stimmung zu schaffen; daß England und Dänemart Arbeiterregierungen befommen haben, ist Früher Herbstmorget. Alles scheint verjüngt, durch einen flärtenden Schlaf neu belebt, die Menschen und die tausend Dinge. Die aufsteigende Herbstsonne setzt da und dort schälernd ein Licht auf. Die Hochbahn tommt festlich dahergefurrt, als hätte fie der Straße brachte. Von dort aus wurde er mit dem Krantenwagen stration gegen den Krieg zu veranstalten, war der politische Himmel Weihnachtsmann eben erst funfelnagelneu aus seinem Spielzeugfack geschüttelt. Nun steht sie in der Halle und die Motoren schnurren geschüttelt. Nun steht sie in der Halle und die Motoren schnurren und scharren wie ungeduldige Rößlein. Ich schwinge mich, angesteckt von der allgemeinen Munterfeit, elastisch in ein" Nichtraucher Dritter"„ Fertig!" und es geht weiter. Eigentlich müßte ich nun die Morgenpresse studieren. Ach was, gucken wir lieber ins Leben hinein! Was, wie?! Nur müde Gesichter? Und da corn, mir gerade gegenüber, ein faum 18jähriges Mädchen mit dicken Tränen an den Wimpern! Das Mädchen ist gut aber uчauffällig gekleidet und sauber- einfach frisiert. Auf den Knien hält es eine Aftenmappe und eine Zeitung, deren Inferatenteil es offenbar gesichtet hat. Woher die Traurigkeit? Stellungslos? Da fehe ich der Blick der jungen Dame starr auf eine bestimmte Stelle gerichtet, dann zittern die Hände und die Tränen schießen wieder hervor. Mit gemischten Gefühlen konstatiere ich, daß jene Inferatenspalten Heiratsannoncen enthalten. Ich wende mich mun gänzlich ab. Der Zufall fügt, daß wir an der gleichen Station die Halle verlassen. Die Fremde geht vor mir Am Ausgang fehe ich fie plötzlich gegen die Mauer taumeln, ich fange sie auf, nehme ihr die Mappe und die zerknitterte Zeitung ab und geleite fie auf den nächsten freien Platz zu einer Barf. Eine halbe Stunde später war ich um die Kenntnis eines jungen Menschenschicksals reicher. Der Vater des Mädchens ist Geschäftsmann( im besten und schlechtesten Sinne des Wortes). Als im Jahre 1921 seine Spefulationen fehlschlugen, verschaffte er sich Kapital, indem er die älteste Tochter an einen reichen Dänen abgab". Als er im Sommer 1923 vor einer neuen Pleite stand, fand er einen Dollarmann für die zweite Tochter. Und jetzt ist er im Begriffe, mit der erst 17jährigen Tochter seine letzte Reserve" auf den Markt zu werfen. Das Inserat, das dem jungen Mädchen zum Lebensschicksal werden sollte, gleicht nach Form und Inhalt den bekannten SchadchenHeiratsannoncen, wie sie uns zu tausenden in der kapitalistischen Presse begegnen: Hier Ware gib Geld!" Als ich meinen Efel vor soviel niedriger Geschäftstüchtigkeit" überwunden hatte, vermochte ich das Mädchen, das sich ziel- und planlos auf die Stellungssuche machen und das Elternhaus( die Mutter ist seit Jahren tot) meiden wollte, endlich dazu, einen Bruder der verstorbenen Mutter aufzusuchen, der voraussichtlich mit der nötigen Energie Dem man fann es nicht anders nennen Menschenschacher ein Ende bereiten wird! " " Spanische Fremdenlegion"! " 1 Früher fand man in der deutschen Presse die immer wiederEbenso holten Warnungen vor der französischen Fremdenlegion. Ebenso notwendig scheinen jetzt Warnungen vor der spanischen Fremdenlegion zu sein, die inzwischen die Aufmerksamkeit Der Abenteuerlustigen auf sich gelenkt und bei ihnen eine nicht geringe Beliebtheit erlangt hat. Das Los der Deutschen, die sich von der spanischen Fremdenlegion anwerben ließen, um in ihr Soldat zu spielen", wird in einem uns vorgefegten Brief eines dieser Bebauernswerten als ein sehr übles geschildert. Nein, der Fremdenlegionär spielt" wirklich nicht Soldat, sondern hat einen über aus schweren Dienst zu leisten und wird nach der in dem Brief gegebenen Darstellung mit erbarmungsloser Strenge behandelt. Bei Versehen und lebertretungen gibt es vorschriftswidrige Schläge oder Gefängnisstrafen, ein Flucht verfuch aber wird an dem Wiederergriffenen mit einer Grausamfeit geahndet, die Entfehen erregt. Der Brief erzählt von der Strafe mehrstündiger Dauerläufe mit schwerer Sandsaclast, von aufmunternden Hieben, die den Zusammenbrechenden anspornen, den Lauf fortzusetzen, von Verwahrung in einer Gefängniszelle, die nachts bis etwa Kniehöhe mit Wasser gefüllt wird, damit der Unglüdliche fich nicht lenen fann. Ist es nicht Tollheit, daß aus Deutschland, das keine Militärdienstpflicht mehr hat, junge Leute zur spanischen Fremdenlegion laufen, um dort Militärdienst zu tun, wie wenn sie ohne ihn nicht leben fönn ten? Das mitleiderregende Schicksal, das so mancher Fremdenlegionär erleidet, möge anderen Abenteuerluftigen eine Warnung sein! Er kassierte! Im eigenen Neh hat sich ein jugendlicher Betrüger, der 21 Jahre alte Raffierer Helmuth Garste, gefangen. Seine Kaffiererlaufbahn fing er bei einem Finanzamt an. Da er als jüngerer Mann zu wenig Geld bekam, erhöhle er sein Alter auf seinen Papieren auf 25 Jahre. Dies ging eine Zeitlang gut, bis es bemerkt wurde. Er wurde entlaffen. Den Ausweis als Finanzbeamter behielt er jedoch. Er befam sofort eine andere Stelle als Rassierer in einem Lebensmittelgeschäft. Da er hier manches tassierte, was nicht zu taffieren war, und einen anderen Teil des tassierten Geldes für sich behielt, so dauerte es nicht lange, und er wurde wieder entlassen. Nun widmete er sich ganz seinem„ Raffiererberuf". Er tassierte weiter im Auftrage der Firma", er 30g weiter Steuern ein, be fonders bei Straßenhändlern, ebenfalls im Auftrage des Finanzamtes". Nie gelang es, ihn zu faffen. Seme al 13 11große Frechheit sollte ihm jetzt aber doch zum Verderben werden. Er ging mit dem Ausweis der Firma, bei der er ehemals angestellt war, zum Finanzamt und wollte hier Steuerrückzahlungen. Dieses war aber nur der Deckmantel, in Wirklichkeit stahl er in einem unbewachten Augenblid dem Steuerbeamten 50 Mart vom Schreibtisch. Er entkam damit unerkannt. Die hier vorgebrachten Renntnisse wurden ihm zum Berderben und man wußte fofort, mit wem man es jetzt zu tun hatte. Nach kurzen Beobachtungen wurde er gestern von der Kriminalpolizei verhaftet. Er hat wahrscheinlich sehr viele Straßen händler geschädigt, die sich noch nicht beim Bolizeipräsidium gemeldet haben. Meldungen nimmi Kriminalfommissar Lipit im Zimmer 50 entgegen. Festtag im Freibad Wannsee. In dem jetzt der Stadt Berlin gehörenden Freibad Wannsee find die Erneuerungs- und Erweiterungsbauten fertig. Sie mußten in den Sommermonaten ausgeführt werden, aber eine Unterbrechung des Betriebes ist vermieden worden. Der Besuch des Bades ist in dem jetzt beginnenden Herbst noch so start, wie man es nur wünschen kann. Von der durch die Stadt geschaffenen Berbesserung der Badeeinrichtungen darf eine weitere Steige rung des Besuches erwartet werden, die schon in diesem Jahre noch bem Herbstbetrieb zugute kommen wird. Am Sonntag, den 14. September, wird am Nachmittag um 2 Uhr da draußen eine fleine Feier stattfinden, die nach dem Abschluß der Umgestaltungsarbeiten den Beginn eines neuen Abschnittes in der Entwicklung des Freibades Wannsee betonen soll. Die llebernahme des Bades auf die Stadt Berlin hat es ermöglicht, die Verbesserungen zu schaffen, die den Aufenthalt an dem Badestrand den Besuchern angenehm machen werden. Auch ist von dem Freibad Wannsee die Gefahr abgewendet worden, immer mehr ein Klaffen- und Rassenbad" zu werden. Freibad Wannsee soll fünftig der ganzen Bepölterung von Groß- Berlin gehören. Bei der Feier am Die Feuerwehr als Hebamme. Nachts um 3 Uhr wurde die Charlottenburger Wehr zu einer Entbindung nach der Dsna brüder Straße 1 gerufen. Ginem neugeborenen Rinde verabreich ten Samariter Sauerstoff, um es am Leben zu erhalten. Der Rettungsverfuch hatte jedoch keinen Erfolg. Der Bericht über den Abbau im 10. Bezirk Zehlendorf in der Morgenausgabe enthält einen Druckfehler. Der Verhandlungsführer unserer Fraktion war der Genosse Richard Draemert, nicht eine mysteriöse Persönlichkeit namens Drahnert. Die Konjumgenoffenfchaft bittet uns mit Bezug auf den Artikel Brutalität des Margarinetapitalismus" im" Borwärts" vom 10. September Nr. 217 mitzuteilen, daß sie Fabrikate da sie nur mit solchen Fabriken in geschäftliche Beziehungen tritt, der Firma Van den Bergh in ihren Verkaufsstellen nicht feilbietet, die die Forderungen der Arbeiterschaft einwandfrei erfüllen. Der Bund der Kleingärtner Weffend- Charlottenburg veranstaltet am Sonntag, den 14., von 1 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends, und Montag, den 15., bon 9 Uhr vormittags 9 bis 7 Uhr abends, im Klubbaus Westend, Spandauer Chauffee, Ede Kastanien- Allee, eine Gartenbau Ausstellung. Eintritt 30 Pf. Sprengstoffattentat auf eine Mühle. Sieben Personen getötet. Memel, 12. September.( Eigener Drahtbericht.) Ein schweres Sprengstoffattentat wurde in einer neu eingerichteten Mühle in Panemuneli in Litauen' verübt. Der Eröffnung und Einweihung der Mühte wohnten außer den Arbeitern noch viele Leute bei. Plöglich erfolgte eine Reffelerplosion. Durch die Erschütterung wurden die Fensterscheiben der anliegenden Gebäude zertrümmert. Unter der Maschine wurden die Leichen des Maschinisten, zweier Arbeiter und eines Mädchens hervorgeholt. Drei weitere Arbeiter wurden unter umge stürzten Bretterstapeln tot aufgefunden. Verschiedene Personen wurden 120 Meter von der Explosionsstelle fortgeschleudert. Die Untersuchungsfommiffion, die fofort an der Unglücksstelle eintraf, stellte fest, daß die Explosion auf Sprengstoff zurückzuführen ist, den ein anderer Mühlenbefizer unter die Maschine gelegt hatte, um feine Konturrenz zu vernichten. Fenerkatastrophe an der Werra. Geftern mittag entstand in Wafungen( Thüringen) aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache eine große Feuersbrunst, der sieben Wohnhäuser, sechs Scheunen sowie zahl. reiche Nebengebäude und Stallungen zum Opfer fielen. Der Materialschaden ist sehr groß und nur zum Teil durch Versiche rung gedeckt. Die eingebrachten Erntevorräte wurden gleichfalls durch das Feuer vernichtet. Das Feuer bauerte heute vormittag noch fort, ist aber lokalisiert, so daß ein weiteres Umfichgreifen aus gefchloffen erscheint. Eine folgenschwere Bergwerksexplosion. Aus Weltevreden( Batavia) wird gemeldet, daß infolge einer Gasexplosion in einem der Poeloe Laoet Bergwerfe 62 Eingeborene getötet und mehrere schwer verwundet worden find. Der Leiter der Bergwerksinspektion ist von Bandoeng nach Poeloe Lavet abgereist, um eine Untersuchung einzuleiten. Rettung aus Seenot. Wie die Rettungsstation Hoot fiel der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet, find von dem auf der Reede gefunkenen Bagger Nr. 3 W. Nogge aus Bremerhaven acht Personen durch das Rettungsboot der Station gerettet worden. Mörder der eigenen Frau. Der 37jährige arbeitslose Elettriker Josef Venosta in Baden bei Wien hat seine Frau, weil sie sich ihm entgegenstellte, als er einen Nachbarn überfallen wollte, mit einem Bajonett erstochen. Der Mörder zog das blutige Bajonett aus dem Körper der getöteten Frau, zündete sich eine Zigarette an und trug Die Leiche in das Zimmer, wo er ruhig das Eintreffen der Polizei abwartete, die ihn verhaftete. Hinrichtung in Würzburg. Im Hofe des Landgerichtsgefängnis wurde das Urteil an dem Schloffer Otto Raginger, der am 10. Juli d. J. wegen Raubmordes an dem Brüdenauer Mufiter Kurth zum Lode verurteilt worden war, durch den Scharfrichter Reichardt aus München vollstrect. Razinger behielt bis zum letzten Augenblick seine Fassung. Ein Schulleiter wegen Sittlichkeitsverbrechen verurteilt. In Gießen wurde der Leiter der Dürer Schule in Hohwald. hausen, Georg Neuendorf, wegen Sittlichkeitsverbrechen, die er an feinen Schülerinnen begangen hat, zu 6 Jahren Zuchthaus ur ebenso langem Ehrverluft verurteilt. Neuendorf hat bereits früher in Darmstadt sich ähnliche Delikte zuschulden kommen lassen. Explosion in einer Pulverfabrik. Nach Meldungen aus Graz explodierte in einer Bulverfabrit in Trofai ach ein Misch wert. Mehrere Sachverständige und Fachleute hatten das Wert gerade verlassen, als fich eine Pulvermenge von 300 Kilogramm burch Reibung entzündete. Der Schaden wird auf 240 millionen Kronen angegeben. Menschenleben find nicht zu Schaden gekommen. Gleich nach dem Unglück erichoß sich der Direttor ber Fabrit, trohdem ihm keine Schuld an dem Unglück beigemessen werden kann. Zusammenstoß japanischer Torpedoboote. Nach einer Meldung aus Lotio find bei einer Rollision zweier Torpedoboote auf der Höhe von Jokosuka zwanzig Matrosen ertrunken. Wetter für morgen. Wetter für Berlin und Umgegend. Größtenteils bewölkt, ohne Niederänderte Temperatur. schläge von Bedeutung, ziemlich frische füdwestliche Winde und wenig vers Für Deutschland. Im größten Teil Deutschlands vorwiegend bewölkter Himmel. Im Südosten heiter. Nirgends erhebliche Niederschläge. die Frucht jahrzehntelanger aufopfernder Tätigkeit der Arbeiterschaft und ihrer Organisationen. Ohne diese ununterbrochene Tätigkeit der Arbeiterschaft wären die in den letzten Tagen auf der Völkerbundtagung in Genf gehaltenen Reden nicht möglich gewesen. Die Arbeiterschaft hat bei der Bekämpfung von Krieg und Kriegsgefahr bisher die Führung gehabt und darf im Interesse der Menschheit auch in der Zukunft diese Führung nicht aus der Hand geben. Sie muß weiterhin wirksam sein und den Friedensgedanken pflegen. Hoffentlich wird auch einmal die Zeit tommen, wo in jenen Ländern, in denen zurzeit die Kriegsgefahr groß ist, die Arbeiterschaft so an Macht gewinnt, daß dem Kriegsgotte das blutige Handwerk gelegt werden kann. Der Antifriegstag am 21. September wird den entschiedenen Willen der Arbeiterschaft zum Ausdruck bringen, die alte Barbarei der Kriege zu beseitigen und Einrichtungen zu schaffen, die ein friedliches Zusammenarbeiten der Völker ermöglichen. Der Antikriegstag wird außerdem die Einleitung weiterer Attionen sein, die die Möglichkeit gibt ,. fortwährend die Antifriegsstimmung zu stärken und so auch die Möglichkeit zu schaffen, im gegebenen Augenblicke den Ausbruch ne Menschenschlächterei zu verhindern. Der Wiener Metallarbeiterftreit. Entsprechend dem Beschluß der Organisation ruht feit gestern in der gesamten Wiener Metallindustrie die Arbeit. Der Kampf ist ein ausgesprochener Lohntampf, nachdem die Unternehmer ihre ursprüngliche Forderung auf Verlängerung der Arbeitszeit zu rüdgezogen haben. Die Löhne der Wiener Metallarbeiter sind sehr niedrig. Der tarifmäßige Wochenlohn der Ungelernten beträgt 288 000 kronen( etwa 17 M.), der der Gelernten in der Höchststufe 450 000 kronen( etwa 27 m.) Diese Löhne sind seit November des Vorjahres unverändert geblieben, obwohl die Lebenshaltungskosten feitdem gestiegen find. Infolge des Streits ist, wie uns aus Wien gemeldet wird, eine Art Banif in Wien ausgebrochen. Die Hausfrauen fauften Konserven, Petroleum und Kerzen ein und sämtliche Marktstände waren fofort ausverkauft. Man befürchtete einen Generalstreit. Diese Befürchtung ist jedoch unbegründet. Es ist allerdings wahrscheinlich, daß sich den mehr als 150 000 Wiener Metallarbeitern die Metallarbeiter der Broving anschließen werden. Wie bereits nemeldet, hat der Bürgermeister von Wien, Genoffe Seiß, eine Vermittlungsattion unternommen. Er hat zunächst die Bertreter der Unternehmer wie der Arbeiter getrennt gehört. Die Auffaffungen der beiden Parteien gehen sehr weit auseinander, jedoch wird Genosse Seiß seine Bermittlungsaftion fortsetzen. Zur Sperre über die Operetten- und Revue- Theater. Bom Deutschen Musikerverband, Ortsverwaltung Berlin, wird uns geschrieben: In nachstehenden Betrieben wurden unter Engagierung von Verbandsmitgliedern unsere Forderungen anerkannt: 1. Lessing Theater, 2. Residenz- Theater, 3. Theater am 300, 4. Theater im Admiralspalast, 5. Komische Oper, 6. Schloß- Theater Steglig( für Bühnenmufiken). Die Sperre über diese Theater wird deshalb aufgehoben. Alle übrigen Betriebe bleiben für Neuengagements und Aushiffen nach wie vor auf das strengste gesperrt! Ausgedehnt wird die Sperre auf etwaige Opernvorstellungen( auch Nachmittagsaufführungen) in ben noch gesperrten Operetten- und Revuetheatern. Lohnkonflikt in der Fleischwarenindustrie. Zwischen dem Zentralverband der Fleischer und dem Arbeitgeberbund der Fleischwarenindustrie von Groß- Berlin fanden Berhandlungen vor bem Schlichtungsausschuß ftott. Am 16. August war bort das Lohnabkommen, welches ordnungsmäßig gekündigt war, abgelaufen. Die Arbeitgeber stellten sich schon von vornherein auf den Standpunkt, daß, wenn es zu einer Girigung fäme, die neuen Löhne con diesem Datum ab bezahlt würden. Für die Wurstfabriken sollten 3 Bf. bewilligt werden, das fäme ungefähr einer breiprozentigen Lohnerhöhung gleich. Die übrigen Gruppen, die dem Arbeitgeberbund angeschlossen sind, sollten leer ausgehen. Vom Echlichtungsausschuß wurde folgender Schiedsspruch gefällt: Die Löhne sollen at 30. Auguft in den Wurstfabriken um 6 Proz. erhöht werden, in allen anderen Gruppen um 3 Proz. Diese Lohnregelung sollte erstmalig zum 17. Oftober mit achttägiger Frist fündbar sein. Dieser Schiedsspruch wurde von den Vertrauensleuten der in Betracht kommenden Betriebe einmütig abgelehnt, besonders auch desweget, neil er außer acht ließ, daß die Arbeitgeber in freier Vereinbarung bereit gewesen wären, ab 16. August schon erhöhte Löhne zu zahlen. Eine Bollversammlung wird heute endgültig Stellung nehmen. Bei allen Berhandlungen find es in der Hauptsache die Bertreter der Häuteund Darmverwertungen, die gegen jede Lohnerhöhung Stellung nehmen. Raum aber sind die Herrschaften zu Hause, dam werden gleich höhere Löhne gezahlt als wie verlangt wurden. Diese Methode benut man, um eine tarifliche Regelung überhaupt zu unterbinden. Mit den Efha erten, wurden ab 18. August folgende Stundenlöhne vereinbart: Borarbeiter 1,03 M., Gesellen und Hand werfer in verantwortlicher Stellung 86 Pf., solche ohns Berantwort tung 75 Pf., ungelernte Arbeiter 72 Pf., Frauen 51 bis 59 Pf. Diese Löhne wurde in freier Vereinbarung festgelegt. Lohndifferenzen im holländischen Kohlenrevier. Aus dem holländischen Kohlenrevier wird mitgeteilt, daß die Grubenverwaltungen ihren Vorschlag auf Verlängerung der Sonnabendschicht und auf Abschaffung der Mindestlöhne über Tage zurückgenommen haben. Auf eine Kürzung der Löhne für Arbeiter unter Tage um 10 Broz. und eine entsprechende Kürzung der Löhne für Arbeiter über Tage haben sie jedoch weiter bestanden. Die Tarifverhandlungen fonnten noch nicht zu Ende geführt werden. Ein internationaler Kongreß der Glasarbeiter wird vom 19. bis 23. September in Prag tagen. Der letzte Kongreß hat zu Ostern 1921 in Amsterdam stattgefunden. Verkehrsstreit in Griechenland. Athen, 12. September.( WTB.) Im Streif der Eisenbahnen und den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln ist eine Besserung eingetreten. Es besteht. der Verdacht, daß der Streit durch Reaktionäre und Kommuniston herbeigeführt worden ist, um die Regierung zu Fall zu bringen.( Worauf sich dieser Verdacht" stützt, mird ebenso wenig mitgeteilt wie die Ursache und der Umfang des Streifs.) Internationaler Kongreß der Postangestellten. Die Internationale der Postangestellten wird am 14. September und folgende Tage in Wien einen internationalen Kongreß_ab= halten. Die Tagesordnung umfaßt 10 Punkte, von denen allgemeines Interesse beanspruchen: Die Autonomie der Betriebe und der Aufstieg des Personals; Versicherungswesen; Fürsorge für Alter und Invalidität; Krankenversicherungswesen; Frauenfrage. Neben den geschäftlichen Berichten stehen wichtige Anträge zur Beratung. SPO. Buchdrucker! Sonnabend, abds. 7% Uhr, finden für den 2. Bezirk bei Bierbaum, Bantianstr. 2, für den 4. Bezirk im Lokal von Wittschuß, Petersburger Str. 5, Fraktionsversammlungen statt. Erscheinen dringend notwendig! Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. 6lode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Der Glückskalender als Wegweiser zum Glück! Besondere Beobachtung verdient der der heutigen Postauflage beiliegende interessante Prospekt der Firma: Staatliche Lotterie- Einnahme Silbermann, W 50, Passauer Str. 2. haus Tempelhof HERBST- MESSE aufhaus Kau Inh. Edmund Elend Kleiderstoffe Blusenstreifen mod. Muser 95 Kleidervelours in großer Aus: 125 Kleiderschotten want Mtr. dopp. breit Mtr. Wäschestoffe 80 cm breit, feinWasdetach fadige Qual. Mr. 50 Hemdenfach solid. Qual. 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